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Eindrücke aus Mittelamerika Was will Wissenschaft? - Christian

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unizeit 74 | personen + projekte | seite 7
20.10. 2012
Messverfahren für Wasserwirbel
Bilanzen von Konzernen
Sonne und Klima
Mechanismen der Autoimmunität
BuRkaRD Baschek »Ein Schwerpunkt
meiner Arbeit ist die Entwicklung des
Beobachtungssystems COSYNA (Coastal Observation System for Northern
and Arctic Seas). Messdaten aus der
Nordsee und dem Wattenmeer werden hier routinemäßig eingesetzt, um
regionale Strömungen und Wellen besser vorhersagen zu können. Außerdem versuche ich zu verstehen, wie
chRistian BlecheR »In der Forschung
beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit der Bilanzierung von Mitarbeitervergütungen. Dabei geht es
zum einen um die Gewährung von
Aktienoptionen insbesondere an die
katja Matthes »Ziel meiner Arbeit ist
es, natürliche Klimaschwankungen
besser zu verstehen und zu quantifizieren. Dies ist insbesondere wichtig,
um abschätzen zu können, welchen
Anteil der Mensch am Klimawandel
hat. Kernfragen meiner Arbeit sind:
Wie beeinflusst die sich in einem etwa
BjöRn RaBe
sich Monsterwellen bilden und welche
Rolle kleine ozeanische Wirbel und
Fronten für die Ozeanzirkulation und
die Algen- und Phytoplanktonproduktion haben. Ich entwickle Messverfahren
und Instrumente, die dabei helfen, dieses ›Uhrwerk des Ozeans‹ zu beobachten und besser zu verstehen.«
Burkard Baschek, 41 Jahre. Geboren in
Heidelberg. Seit Juli 2012 Professor für
Küstenforschung und Messgeräte an der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und
Leiter des Instituts für Küstenforschung
am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Zuvor
Assistant Professor an der University of
California Los Angeles, Kalifornien/USA.
2003 Promotion (PhD) an der University of
Victoria, Kanada.
Aus dem winterlichen Kiel
machten wir uns am 4. März für zwei
Wochen auf ins über 9.000 Kilometer
entfernte Panama in die mittelamerikanischen Tropen. An diesem Abenteuer nahmen 14 Studierende aus
geowissenschaftlichen Bachelor- und
Masterstudiengängen der Universität
Kiel unter der Leitung von Professorin
Priska Schäfer und Dr. Helena Fortunato von der Arbeitsgruppe Paläontologie
– Historische Geologie teil.
Die erste Woche verbrachten wir
bei tropischen 30 Grad Celsius in
Panama City sowie auf der Azuero
Halbinsel auf der pazifischen Seite
des Landes. Hier besuchten wir Stationen des in Panama ansässigen Forschungsinstituts STRI (Smithsonian
Tropical Research Institute), wo uns
einige mehrere Millionen Jahre alte
Prachtexemplare aus der Fossiliensammlung gezeigt wurden. Darunter
ein versteinerter, zwei Meter langer
Fisch sowie Überreste der Titanoboa,
einer 15 Meter langen ausgestorbenen
Riesenschlange. Außerdem bekamen
wir auf unseren Erkundungsmärschen
durch die Natur einen Einblick in die
aktuelle exotische Tierwelt. Auf Bäumen direkt neben den Wegen trafen
wir zum Beispiel Faultiere, Leguane
und Kolibris an.
Hauptsächlich aber suchten wir jederzeit nach Aufschlüssen, das heißt nach
Orten in der Landschaft, zum Beispiel
Steinbrüchen, wo man das anstehende Gestein möglichst unverändert von
äußeren Einflüssen antrifft. Das ist
in den Tropen nicht einfach, da die
Führungskräfte. Es werden verschiedene Vorschläge diskutiert, wie man
die Ausgabe der neuen Aktien im
Jahresabschluss bilanzieren sollte.
Außerdem gehe ich der Frage nach,
wie betriebliche Pensionszusagen an
die Mitarbeiter eines Unternehmens in
der Bilanz adäquat abgebildet werden.
Darüber hinaus interessiere ich mich
für die Weiterentwicklung der internationalen Rechnungslegungsvorschriften und den Einfluss verschiedener
Interessengruppen bei der Erarbeitung
neuer Standards.«
Christian Blecher, 36 Jahre. Geboren in
Wuppertal. Seit Januar 2012 Professor für
Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung
an der Christian-Albrechts-Universität zu
Kiel. Zuvor Akademischer Rat für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung an
der Universität Hannover. 2008 Promotion
an der Universität Bielefeld.
Katja Matthes, 37 Jahre. Geboren in Berlin.
Seit Januar 2012 Professorin für Allgemeine
Meteorologie an der Christian-AlbrechtsUniversität zu Kiel, tätig am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR).
Zuvor Professorin an der Freien Universität
(FU) Berlin und Leiterin einer HelmholtzHochschul-Nachwuchsgruppe am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in
Potsdam. 2003 Promotion an der FU Berlin.
Gastbeitrag
Eindrücke aus Mittelamerika
Henrik Sadatzki untersucht eine »vulkanische Bombe«, die sich allmählich aus dem umgebenden Gestein herauswittert.
Nach zwei Wochen Panama kehren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer geowissenschaftlichen Exkursion mit Fossilien, Gesteinsproben und unvergesslichen Eindrücken zurück.
Gesteinsoberflächen meist tiefgründig verwittert und von einer dichten
Vegetation bedeckt sind. Da hieß es
dann oft mitten auf der Panamericana: »Anhalten, Aussteigen – ich glaub’,
da war was!« Immer mit dabei waren
Notizbuch, Hammer und Lupe.
Das vulkanische Gestein, das wir fanden, bildet einen Großteil von Panama
und vor allem die Gebirgskette im Landesinneren. Es ist Zeuge einer aktiven
Grenze zwischen den Erdplatten.
Auf der Halbinsel Azuero besuchten
Panamas Erdgeschichte
(1) Panama City (2) Nationalpark Sarigua bei
Chitré (3) Kissenlava nahe Ave María
(4) Búcaro (5) STRI-Station in Galeta
(6) Colón (7) Barro Colorado Island
elfjährigen Rhythmus ändernde Sonneneinstrahlung die Atmosphäre? Welche Rolle spielt dabei die Stratosphäre,
in der sich die Ozonschicht befindet?
Die hierbei ablaufenden Mechanismen
versuche ich mithilfe von globalen Klimamodellen und Beobachtungsdaten
nachzuvollziehen«.
Panama liegt an einer Erdplattengrenze und
ist dadurch seit seiner Entstehung stark
vom Vulkanismus geprägt. Auf pazifischer
Seite schiebt sich die Nazca-Platte Richtung Norden unter die Karibische Platte.
Vor 13 Millionen Jahren gab es noch keine Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Stattdessen war dort der Atlantik mit dem Pazifik durch eine Seestraße
verbunden. Seit etwa 10 Millionen Jahren
hebt sich der Untergrund durch tektonische
Prozesse. Das führte dazu, dass sich die
wir den Nationalpark Sarigua bei Chitré, wo archäologische Ausgrabungsstätten Überreste von mehreren 600
bis 11.000 Jahre alten Kulturen offenlegen. Des Weiteren entdeckten wir
hier sogenannte vulkanische Bomben:
metergroße, rundliche und aus dem
umgebenden vulkanischen Gestein
herausgewitterte Gesteine, die wie riesige steinerne Ostereier in der Gegend
herumstanden. Vermutlich wurden
diese in teilweise noch geschmolzenem Zustand bei Vulkanausbrüchen
Landbrücke vor ungefähr 2 Millionen Jahren
schloss. Die Entstehung der Panama-Landbrücke ist geologisch betrachtet eines der
interessantesten Ereignisse der jüngeren
Erdgeschichte. Aus paläontologischer Sicht
ist der Artenaustausch zwischen Nord- und
Südamerika sowie die unterschiedliche
Entwicklung der Lebewesen auf pazifischer
und karibischer Seite aufschlussreich. Für
die Paläoklimatologie ist die Trennung von
Pazifik und Karibik durch die Bildung des
heutigen Panamas eines der Schlüsselereignisse, die zur Verstärkung des Golfstroms und zur Grönland-Vereisung geführt
haben.
sad
»Wie entsteht Autoimmunität? Das versuche ich am Beispiel
der Erbkrankheit Aicardi-GoutièresSyndrom (AGS) zu verstehen. Diese
seltene Autoimmunerkrankung befällt
Kinder kurz nach der Geburt und geht
vor allem mit einem chronisch-entzündeten Gehirn einher. Ursache ist ein
Mangel an dem DNA-Reparaturenzym
RNase H2. Über welche Mechanismen
der Enzymmangel zur chronischen Entzündung führt, versuche ich herauszufinden. Das ist auch deshalb interes-
sant, weil die Erkrankung AGS viele
Gemeinsamkeiten mit einer anderen,
häufigeren Autoimmunerkrankung,
dem Lupus erythematodes, hat.«
Björn Rabe, 39 Jahre. Geboren in Kiel. Seit
November 2011 Juniorprofessor für Signaltransduktion von Zytokinen an der ChristianAlbrechts-Universität zu Kiel. Zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of
Edinburgh, Schottland. 2007 Promotion an
der Universität Kiel.
Was will
Wissenschaft?
Seien es spektakuläre Technologien
und Instrumente, wie ein von Menschenhand gesteuerter Mars-Rover,
oder neue Formen der öffentlichen
Beteiligung am wissenschaftlichen Diskurs: Meilensteine wie diese sind für
jedermann sichtbar. Was ist aber mit
grundlegendem Wandel? Verändert
sich die Art und Weise, wie wir Wissenschaft betreiben und wahrnehmen?
Die Tagung »Das Ende der Wissenschaft und darüber hinaus« soll diese
Diskussion eröffnen. Acht internationale Referenten sind am 26. und 27.
Oktober zu Gast in der Kunsthalle zu
Kiel. Den Auftakt bildet der britische
Autor Dr. James Le Fanu, der mit
seinem Artikel »Das Ende der Wissenschaft« den Anstoß für die Kieler
Tagung gab.
Die Tagung ist öffentlich und kostenlos. Es wird um eine verbindliche
Anmeldung gebeten. Der Besuch des
öffentlichen Abendvortrags am 27.
Oktober ist ohne Anmeldung möglich.
cle
www.uni-kiel.de/science-congress
Die Tagung findet in englischer Sprache statt.
Siehe Kalender Seite 6
herausgeschleudert und erstarrten erst
während des Flugs endgültig. Weiter im
Süden der Halbinsel sahen wir abseits
der Straße einen Felssturz, von dem
wir Proben nahmen. Bei dem schwarzen, basaltischen Gestein handelte es
sich um sogenannte Kissenlava, wie
die genauere Betrachtung durch die
Lupe ergab. Es ist vermutlich Teil einer
alten, aus der Galapagos-Region stammenden ozeanischen Kruste, die durch
Plattenbewegung an Panama angegliedert wurde. Wir erkundeten außerdem
die Küste und fanden bei Búcaro fossilreiche Sedimente aus der Frühzeit der
Bildung der Landbrücke von Panama.
In der zweiten Woche war die STRIStation in Galeta, östlich der Stadt
Colón, an der Karibik unser Zuhause.
Hier widmeten wir uns hauptsächlich dem Korallenriff vor der Haustür,
dessen Riffdach man bei Ebbe betreten konnte. Beim Schnorcheln in der
Lagune beäugten wir die zahlreichen
Korallen sowie Seeanemonen, Seeigel
und Fische. In mehreren Steinbrüchen
untersuchten wir die Sedimentgesteine
der sogenannten Gatun Formation und
der Chagres Formation. Sie enthalten
unzählige, exzellent erhaltene, mehrere Millionen Jahre alte Muscheln und
Schnecken, die teils sogar noch mit
ursprünglicher Farbe aussehen wie ihre
Verwandten heute an den Küsten. Die
fossilreichen Sedimentgesteine erzählen die Geschichte von der Schließung
der Panama-Landbrücke. Ein Erlebnis
war auch der Ausflug auf die Insel Barro
Colorado Island, die mitten im riesigen
Gatun See liegt und auf der sich die
älteste ökologische Forschungsstation
der Erde befindet. Dort wanderten wir
bei erschlagenden 30 Grad Celsius und
etwa 99 Prozent Luftfeuchtigkeit durch
den Regenwald. Die visuellen und vor
allem die akustischen Eindrücke waren
überwältigend. Unter dem Geschrei der
Brüllaffen, vielfältigen Vogelstimmen
und umschwirrt von riesigen, bunten
Schmetterlingen versuchten wir angestrengt, irgendwelche Tiere im dichten
Grün zu entdecken.
Ein unvergessliches Erlebnis, an das
ich im herbstlichen Kiel gerne denke.
Henrik Sadatzki
Der Autor studiert seit Oktober 2011 an der
CAU im Masterstudiengang Geowissenschaften.
Melodien aus
China
Klangvolle Stücke der chinesischen
Volksmusik präsentiert das »Wenqin
Art Orchester« der Zhejiang Universität am 9. November, 20 Uhr, in der
Petruskirche, Kiel-Wik. Das Konzert
findet anlässlich der Erneuerung der
Partnerschaft zwischen den Universitäten Kiel und Zhejiang statt. Eintritt
frei. Alle Interessierten sind herzlich
eingeladen.
cle
www.uni-kiel.de/melodien-aus-china
Siehe Kalender Seite 6
Impressum
unizeit
Nachrichten und Berichte aus der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Erscheint mit Unterstützung der Kieler Zeitung
GmbH & Co. Offsetdruck KG als Beilage der Kieler
Nachrichten
Herausgeber: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,
Präsidium, Christian-Albrechts-Platz 4, 24118 Kiel
Redaktionsleitung:
Dr. Boris Pawlowski (paw)
Claudia Eulitz (cle)
Redaktion: Kerstin Nees (ne)
Redaktionsassistenz: Denis Schimmelpfennig (ds)
Texte:
Martin Geist (mag)
Eva-Maria Karpf (emk)
Stefanie Maack (smk)
Jirka Niklas Menke (jnm)
Kerstin Nees (ne)
Ann-Kathrin Wenke (akw)
unizeit-Kalender: Claudia Neumann
Fotos:
Seite 1 oben (Lorenz Frølich), unten (pur.pur),
Seite 2 oben und Mitte (iStock),
Seite 3 oben (pur.pur), unten (CAU)
Seite 4 oben (pur.pur), Mitte (iStock),
Seite 5 oben (pur.pur), Mitte (iStock),
Seite 6 oben (Czeslaw Martysz), Mitte (Klaus Heinich
Vanselow), Seite 7 Porträt Baschek und Blecher (privat),
Matthes und Rabe (pur.pur), oben (iStock), Mitte und
unten (Sadatzki),
Seite 8 oben (CAU), unten (picture alliance)
Gestaltung und Produktion:
pur.pur GmbH Visuelle Kommunikation, Kiel
Druck: Kieler Zeitung GmbH & Co.
Versand: Annemarie Galsterer
Kontakt: Tel. 0431/880-2104
presse@uv.uni-kiel.de,
www.uni-kiel.de/unizeit
Die Beiträge geben nicht grundsätzlich die Meinung
der Herausgeber oder der Redaktion wieder.
Alle Termin- und Ortsangaben ohne Gewähr
Die nächste unizeit erscheint am 15.12.2012
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