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Jerôme Thiriet
Jerôme Thiriet ist Co-Geschäftsleiter der
Kurierzentrale GmbH und zuständig für das
Marketing und den Verkauf. Der 29-Jährige
STRAMPELN FÜR GELD UND GEGEN DIE UHR
Der Boss der Kurierzentrale im Gespräch
Immer wenn es etwas zu transportieren gibt und schnell gehen muss, sind sie
da wie der Blitz: Velokuriere. Die Basler Zunft wird dominiert von den
knallroten Pedalentretern der Kurierzentrale GmbH. Deren Geschäftsleiter
Jerôme Thiriet hat sich kontinuierlich hochgestrampelt und diversifiziert das
zum stolzen KMU herangewachsene Unternehmen fleissig. bluebanana.ch hat
den obersten Kurier in seiner Zentrale besucht – zu einem Gespräch über
stramme Waden, Konkurrenzkampf und Visionen.
Basler ist ausgebildeter Kaufmann und studiert
Betriebswirtschaft. Seit 1999 ist Jerôme Thiriet
als Velokurier im Dienst. Während seiner
Laufbahn konnte er zahlreiche Titel an
internationalen Kuriermeisterschaften
einheimsen. So ist der waschechte Kleinbasler
amtierender
Velokurier Sprint Europameister und
Weltmeister in der Disziplin Skid (Bremsspuren
hinlegen, wo er auch 2007 und 2008 den
Schweizermeistertitel errang). Zu Thiriets Hobbys
zählen nebst Velofahren die Fasnacht, der FC
Basel und die Pfadfinderei. Politisch vertritt
Thiriet eine grüne Linie.
Kurierzentrale GmbH
Fotostrecke: 1 / 8
Meret Oppenheim-Str. 35, 4053 Basel
www.kurierzentrale.ch
www.facebook.com/Kurierzentrale
Beruflich am liebsten mit dem Velo unterwegs (wie hier als Gastkurier in Warschau); einen
grossen Teil seiner Arbeitszeit verbringt Jerôme Thiriet aber im Chefsessel der Kurierzentrale
GmbH.
Unter der Südseite der Bahnhofpasserelle hindurch verläuft die Meret Oppenheim-Strasse, eine der neusten
Basler Strassen überhaupt. Schon viel länger (wenn auch nicht an diesem Ort) als die besagte Gundeli-Tangente
zwischen Postbahnhof und Margarethenbrücke gibt es die Kurierzentrale, die etwas versteckt im Schatten der
Passerelle in einer eingeschossigen Häuserzeile mit Kleingewerbe untergebracht ist. Was einst mit einer Hand voll
idealistischer Velofreaks als simpler Kurierdienst begann, ist heute ein Logistikanbieter mit Komplettservice. Wie man
sich in diesem Business erfolgreich zwischen Velosattel und Chefetage hin- und herbewegt, das weiss
Geschäftsleitungsmitglied Jerôme Thiriet – ein Gespräch.
bluebanana.ch: Jerôme Thiriet, der grosse Talker Roger Schawinski begrüsst die Gäste seiner aktuellen Sendung
stets mit der Frage: Wer sind Sie? Kopieren wir doch diesen Einstieg. Wer bist du?
Jerôme Thiriet: Ich bin Jerôme Thiriet und grundsätzlich fasziniert vom Velo-Business, auch in der Freizeit ist das
Velo fester Bestandteil meines Lebens. Ich bin mit Herz und Seele dabei.
bluebanana.ch: Vor 13 Jahren hast du selbst als Kurierfahrer angefangen, mittlerweile bist du in der
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Geschäftsleitung. Wie viel lieber sitzt du im Chefsessel als im Velosattel?
Jerôme Thiriet: Am allerliebsten sitze ich immer noch auf dem Velosattel. Da muss man nicht soviel denken und hat
nicht soviel Verantwortung, macht gleichzeitig noch Sport. Vom Spassfaktor her ist das meine Lieblingsbeschäftigung.
Der Bürosessel übt eine andere Faszination aus, weil ich von da aus viele Fähigkeiten einbringen kann, die auf dem
Velo nichts nützen. Und ich kann anderen den Kurierjob ermöglichen.
bluebanana.ch: Dein Vater ist ein schweizweit bekannter Medienprofi, der Bruder Inlandredaktor beim
Tagesanzeiger, der Cousin beim nationalen Radio. Wo ist bei dir die Begeisterung für die Medien geblieben?
Jerôme Thiriet: Das hat sich schlicht nicht ergeben, da ich als Velokurier angefangen und eine kaufmännische Lehre
absolviert habe. Dies bei einer Werbeagentur. Ein bisschen Kommunikationsbranche steckt also doch in mir.
bluebanana.ch: Aber?
Jerôme Thiriet: Ich fand die ganze Action, Bewegung und Dynamik im Kurierbusiness faszinierender, bin dann in die
Richtung gegangen und konnte dank guter Arbeit die entsprechende Karriere machen. Durch Öffentlichkeitsarbeit
komme ich trotzdem regelmässig mit der Branche in Kontakt, die meiner Familie zugeordnet wird.
»Tief im Herzen bleibt man Velofreak und ist vom
Öko-Gedanken überzeugt.«
bluebanana.ch: Früher waren Velokuriere verschrien als Ökos mit Rucksäcken, die den Job ein bisschen aus Goodwill
machen. Wenn man euer Angebot anschaut muss man sagen: Heute seid ihr ein diversifiziertes Logistikunternehmen.
Was hat diese Entwicklung begünstigt?
Jerôme Thiriet: Das einstige Kerngeschäft der Velokuriere, sprich die Lieferung von Papierdokumenten, ist aufgrund
des Digitalzeitalters laufend zurückgegangen. So mussten wir neue Geschäftszweige aufbauen und zum kompletten
Kurierdienstleister werden, um den Betrieb nicht sterben zu lassen. Tief im Herzen bleibt man aber Velofreak und ist
vom Öko-Gedanken nach wie vor überzeugt.
bluebanana.ch: Was sind denn zurzeit die grössten Herausforderungen für euch als Kurierfirma?
Jerôme Thiriet: Der Betrieb ist in den letzten drei, vier Jahren stark gewachsen und zahlreiche neue Geschäftsfelder
sind dazugekommen. Die Herausforderung ist es, diese gut zu strukturieren und dafür zu sorgen, dass es läuft.
bluebanana.ch: Wo kommen Velokuriere eigentlich her und wo gehen sie hin, wenn die «Karriere» vorbei ist?
Jerôme Thiriet: Die meisten kommen direkt nach der Schule oder Anfang Studium, den Löwenanteil machen also
eher junge Akademiker aus, die gerne Sport machen. Es sind aber auch Künstler dabei oder Sänger. Auch Leute, die
sich den Kurierjob aus purer Überzeugung ausgesucht haben. Nach der Zeit als Kurier gehen die meisten in einen
gutbezahlten Job oder nehmen die nächste Karriereleiter in ihrem jeweiligen Spezialgebiet. Diejenigen, die den
Kurierjob einmal als ihre Berufung angesehen haben, dann aber zum Schluss kommen, dass es ihnen zu anstrengend
ist, machen auch schon mal was ganz anderes.
bluebanana.ch: Wie ist denn so die Halbwertszeit eines Kurierfahrers?
Jerôme Thiriet: Im Schnitt sind das so zwei bis drei Jahre, bevor die Leute dann weiterziehen. Es gibt aber immer
Ausreisser nach oben und unten. Wir haben einen Grundstock an Fahrern, etwa 20 Kuriere, die den Schnitt etwas nach
oben ziehen und schon länger dabei sind. Umgekehrt gibt es Fahrer, die nach drei oder vier Monaten genug haben.
bluebanana.ch: Heute kurven eure Leute immer öfter mit Essenslieferungen rum. Was kommt als nächstes, etwa
Tiertransporte?
Jerôme Thiriet: Das wäre sicher auch ein Business, machen wir aber aus ethischen Gründen nicht. Expandieren
wollen wir vor allem im Bereich Heimlieferdienst. Die Leute werden eben immer bequemer und wollen vieles nach
Hause geliefert bekommen. Da werden wir vermehrt auch mit Lastenvelos arbeiten. Momentan haben wir aber genug
zu tun.
bluebanana.ch: Gibt es nebst Tiertransporten weitere Tabus?
Jerôme Thiriet: Illegale Waren und wenn wir merken, dass wir mit einer Lieferung jemandem schaden würden. Also
bekannten Alkoholikern liefern wir kein Bier.
bluebanana.ch: Wissen die Fahrer eigentlich immer, was sie da gerade im Rucksack transportieren?
Jerôme Thiriet: Grundsätzlich muss man uns nicht deklarieren, was wir transportieren, ausgenommen von
Botengängen über die Grenze. Gefahrengüter dürfen wir nicht transportieren, oder dann nur in ganz geringen
Mengen. Wir haben in unseren Reihen einen Experten für Gefahrengüter, der entscheidet dann, was wir transportieren
und was nicht.
»Hier hast du deine Uhr zurück du Drecksau.«
bluebanana.ch: Was war euer ungewöhnlichstes Transportgut, abgesehen von einer aus dem Kurierrucksack
herausragenden Beinprothese, wie man auf eurer Website lesen kann?
Jerôme Thiriet: Wir haben mal eine Uhr und eine unverpackte Karte an einen Kunden geliefert. Auf der Karte stand:
«Hier hast du deine Uhr zurück du Drecksau.» Man kann also auch Beziehungen beenden via Velokurier (lacht).
bluebanana.ch: Gibt es eigentlich eine Grenze, was der Kurier an Gewicht auf dem Rücken transportieren darf?
Jerôme Thiriet: In der Regel nimmts der Kurier nach eigenem Ermessen mit, wenn er es hochheben kann. Zu
schwer ist es an und für sich nicht so schnell. Die Grenzen liegen eher bei den Dimensionen der Transportgüter. Dafür
haben wir dann die Triporteure (dreirädrige Velos – Anm. der Redaktion) oder unsere Erdgasautos.
bluebanana.ch: Wie viele Kilometer frisst ein Velokurier denn so pro Tag und was ist so die weiteste Strecke, die ihr
regelmässig bedient?
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Jerôme Thiriet: Pro 6-Stunden-Schicht sind es im Schnitt 60 bis 80 Kilometer. Die weitesten Einzelstrecken führen in
einen Umkreis von circa 15 Kilometer. Wir schicken Velos auch mal nach Liestal oder Aesch. Bei grösseren Distanzen
kommt dann das Auto zum Zug.
bluebanana.ch: Wie ist die Altersspanne im Betrieb?
Jerôme Thiriet: Der jüngste Fahrer ist 16 und der älteste im Team ist ein 64-jähriger Autokurier. Die älteste
Velofahrerin ist Mitte 40.
bluebanana.ch: Haben die Fahrer eigentlich Muskelkater nach der Arbeit?
Jerôme Thiriet: Das kommt schon mal vor, wenn es wirklich anstrengende Schichten waren oder gleich vier oder
fünf hintereinander.
bluebanana.ch: Gibt es einen Moment – wie bei Profi-Fussballern – wo man sagt: Jetzt reichts, ein Fahrer ist zu alt
und kann die Leistung nicht mehr bringen – muss also gehen?
Jerôme Thiriet: Sportlich ist es eigentlich keine Sache. Wer erfahren ist und die besten Wege kennt, kann ein
bisschen langsamer fahren und unseren Ansprüchen trotzdem genügen. Viele hören auf, wenn sie Eltern werden und
Verantwortung übernehmen müssen. Kurier sein ist halt auch ein intensiver Job mit gewissen Risiken, denen man sich
aussetzt. Man muss ja auch ein bisschen verrückt sein für den Job.
»Wer auf dem Velo sitzt, schüttet genügend
Glückshormone aus.«
bluebanana.ch: Muss man die Fahrer überhaupt motivieren?
Jerôme Thiriet: Eigentlich nicht. Es ist ein Job, der zufrieden macht. Wer auf dem Velo sitzt, schüttet genügend
Glückshormone aus. Es ist ein befriedigendes Gefühl, wenn man eine Schicht gefahren hat und spürt, dass man etwas
geleistet hat. Man ist die ganze Zeit draussen, kommt viel rum, erlebt entsprechend viel. Ausserdem haben Velokuriere
ein cooles Image. Entsprechend lang bei uns die Warteliste mit Leuten, die bei uns einsteigen möchten.
bluebanana.ch: Wie lang?
Jerôme Thiriet: Im Sommer natürlich länger als im Winter, zwischen 20 und 30 Namen stehen dann schon auf der
Liste.
bluebanana.ch: Du hast vorher das Thema Image angesprochen. Können wir das noch ein bisschen konkretisieren?
Sind Velokuriere vom Status her die Surflehrer der Strasse?
Jerôme Thiriet: Sicher steht eine gewisse Bewunderung für die Leistung der Kuriere im Raum. Die sind bei jedem
Wetter unterwegs, wirken furchtlos, ein bisschen heldenhaft. Handkehrum gibt es sicher auch Leute, die uns nicht
mögen und als Verkehrshindernisse oder Strassen-Outlaws betrachten. Vielleicht steckt gewissermassen noch das
rebellische Element der Anfangszeit der Branche in den Fahrern.
bluebanana.ch: Welche Visionen gibt es denn in der Branche?
Jerôme Thiriet: Ein grosses Stück haben wir schon erreicht. Viele Transportwege, die früher motorisiert bedient
wurden, können wir mittlerweile emissionslos bewirtschaften, entweder auf zwei Rädern oder via Lastenvelos. In dem
Sinn ist die Vision, auf kürzeren Transportwegen grössere Güter weg vom Auto auf das Lastenvelo zu kriegen. Das
entspricht auch dem weltweiten Trend in der Branche, mit der wir durch internationale Kurier-Meisterschaften bestens
vernetzt sind.
bluebanana.ch: Stichwort Wettkämpfe: In euren Reihen fahren Welt- und Europameister. Wie wichtig für die
Velokurier-Seele sind Teilnahmen an solchen Events und die entsprechenden Resultate?
Jerôme Thiriet: In erster Linie haben die Events was von Teambuilding. Es ist immer sehr amüsant und interessant,
die Berufskollegen aus aller Welt zu treffen. Klar ist man stolz darauf, wenn man dabei noch zeigen kann, dass in Basel
schnell Velo gefahren wird. Aber primär geht es nicht um den sportlichen Aspekt.
bluebanana.ch: Sind WM- und EM-Titel für euch ein Verkaufsargument gegenüber eurer Kundschaft? Quasi ein Label
à la Stiftung Warentest?
Jerôme Thiriet: Wenn die Medien darüber berichten, ist es auf lokaler Ebene auf jeden Fall ein sehr positives Mittel,
die Firma im Gespräch zu halten und die Baslerinnen und Basler sind sicher auch froh darüber, wenn die Kuriere ihrer
Stadt an der Weltspitze für Furore sorgen. Letztendlich nehmen wir das aber nicht so wahnsinnig ernst und pushen es
sicher nicht als Verkaufsargument, da zählen auch andere Faktoren.
bluebanana.ch: Zum Beispiel?
Jerôme Thiriet: Unser Fokus liegt auf der Qualität: dass alles klappt und innerhalb der Fristen über die Bühne geht.
bluebanana.ch: Bei euch heisst es: Wenn der Preis stimmt, machen wir alles. Wo hört der Spass auf?
Jerôme Thiriet: In der Regel machen wir wirklich auch die ausgefallensten Sachen und vermieten unsere Kuriere im
Stundenansatz. Wenn wir aber niemanden in unseren Reihen finden, der einen Auftrag ausführen will, lehnen wir
dankend ab. Genauso Dinge, die ethische Grenzen überschreiten oder politische Dimensionen annehmen. Wir halten
uns da einen Ermessensspielraum offen. In diesem Sinne machen wir viel, aber nicht alles.
bluebanana.ch: Was sind denn so die Magic Moments eines Velokuriers?
Jerôme Thiriet: Wenn man um 8 Uhr morgens schon unterwegs ist und die Sonne aufgeht, das sind schon
Glücksgefühle. Oder die vielen Erfolgserlebnisse, wenn man während einer Schicht 30 Aufträge erledigen kann, die
beste Route gewählt hat, vom Disponenten gelobt wird und vom Kunden hören darf: «Was, Sie sind schon da?»
bluebanana.ch: Sind Velokuriere eigentlich wie eine Familie oder gibt es einen offenen Konkurrenzkampf unter den
Fahrern in Richtung wer ist der Schnellste, Beste, Umsatzstärkste?
Jerôme Thiriet: Klar gibt es die ambitionierten Fahrer, die am Ende der Schicht ihre Umsätze vergleichen. Das wird
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auch symbolisch honoriert mit einem Maskottchen, das der Sieger dann ans Velo hängt.
bluebanana.ch: Setzt man also bewusst Reizpunkte – wie der Fussballtrainer in der Kabine?
Jerôme Thiriet: Nicht bewusst vom Management her. Solche Sachen entstehen bei den Fahrern aus einer
Eigendynamik heraus.
bluebanana.ch: Das heisst, hier herrscht so richtiger Sportsgeist?
Jerôme Thiriet: Es machen natürlich längst nicht alle in der Form mit. Manche wollen einfach in Ruhe ihre Arbeit
machen und Velofahren.
»Wir haben auch oft nach der Arbeit noch kleine Feiern
mit Bier und Grilladen.«
bluebanana.ch: Aber es besteht schon ein starker Zusammenhalt unter den Kurieren?
Jerôme Thiriet: Auf jeden Fall: Man ist eine Bude. Wir haben auch oft nach der Arbeit noch kleine Feiern mit Bier
und Grilladen. Es ist ein Job, bei dem man gerne noch zusammensitzt nach getaner Arbeit. Da tauscht man sich dann
aus. Das schweisst schon zusammen.
bluebanana.ch: Stichwort Frauen: Ihr habt einen Anteil von zehn Prozent. Wollt ihr den noch steigern?
Jerôme Thiriet: Wir hätten gerne mehr Frauen, um das Team ein bisschen ausgeglichener zu gestalten, aber in den
letzten 20 Jahren hat sich einfach herauskristallisiert, dass der Velokurierjob einfach mehr Männer anzieht. Wir werden
jetzt auch keine Kampagne starten, die hätte wohl keinen grossen Erfolg. Wer hier arbeiten kommt, der weiss, dass er
es möchte und sonst ist halt nach der Probeschicht Schluss.
bluebanana.ch: Habt ihr eigentlich E-Bikes oder ist das mit dem Berufsstolz unvereinbar?
Jerôme Thiriet: Es ist jedem freigestellt, was für ein Velo er benutzen will, aber bis jetzt ist noch keiner mit einem
E-Bike zur Arbeit gekommen. Vielleicht kommt das aber in Zukunft vermehrt. Beim Triporteur haben wir schon einen
Elektromotor an Bord.
bluebanana.ch: Wie kann man sich in eurer Bude jenseits des Velosattels beruflich weiterentwickeln?
Jerôme Thiriet: Bei uns gibts Disponenten, Angestellte in der Auftragsannahme, im Fahrzeugunterhalt, eine Köchin,
HR-Beauftragte, Buchhalter, Geschäftsleiter, Betriebsleiter... Viele Jobs sind neu entstanden, je mehr die Bude wächst,
desto aufwändiger wird die Strukturierung.
bluebanana.ch: Jetzt mal zu dir persönlich: Wo ist eigentlich deine Lieblingsecke in Basel?
Jerôme Thiriet: Am allerliebsten bin ich im Kleinbasel in der Region Klybeck/Matthäus unterwegs. Ich bin dort
aufgewachsen und schätze noch immer die Lebendigkeit und Vielfalt des Quartiers. Dort bin ich auch oft im Ausgang
anzutreffen.
bluebanana.ch: Welche Bars und Beizen magst du?
Jerôme Thiriet: Grenzwert, Friends Bar, Agora, so die Ecken.
bluebanana.ch: Hattest du noch nie die Schnauze voll vom Velofahren?
Jerôme Thiriet: Nein, das wird auch nie eintreffen. Velofahren an sich macht eigentlich glücklich.
bluebanana.ch: Ist Velokurier sein auch ein Stück weit eine Lebenseinstellung?
Jerôme Thiriet: Für viele ist es ein normaler, lustiger Job. Aber es kann sich durchaus auch zum Lifestyle entwickeln.
Erst ist man Teil der lokalen Gemeinschaft, später knüpft man international Kontakte. Da kann man dann richtig
angefressen werden. Bei mir ist das eingetroffen. Es ist fast schon eine Subkultur. Ich identifiziere mich total mit dem
Business und kann deswegen auch meine Leistung bringen.
bluebanana.ch: Ist Basel eigentlich die perfekte Velokurierstadt?
Jerôme Thiriet: Ja, das kann man sagen. Ich bin in den letzten 12 Jahren schon in New York, Edinburgh, London,
Sydney, Melbourne oder Berlin Kurierschichten gefahren.
bluebanana.ch: Und was machts aus?
Jerôme Thiriet: Hier haben wir super Strassen, Velowege, viel Platz, die Autofahrer sind verhältnismässig friedlich.
Die Stadt ist kompakt und auf der kleinen Fläche läuft wirtschaftlich extrem viel, das gibt natürlich viele Aufträge.
Zudem ist es vorwiegend flach und das Klima ist angenehm.
bluebanana.ch: Wie bist du zu diesen Engagements gekommen?
Jerôme Thiriet: Meistens im Rahmen von Wettkämpfen. Ich bin dann jeweils noch ein bisschen dortgeblieben, in
gewissen Städten ein paar Wochen lang, in anderen vielleicht nur für eine Schicht.
bluebanana.ch: Und was hat dich dazu bewogen?
Jerôme Thiriet: Man will sich einfach beweisen, dass man auch gut ist in einer Stadt, die man nicht kennt. Wir
haben hier auch immer wieder Leute aus Übersee, die eine Schicht fahren wollen. Überhaupt funktioniert der
internationale Austausch sehr gut. Velokuriere sprechen quasi eine universelle Sprache.
bluebanana.ch: Das klingt alles sehr harmonisch. Gibt es trotzdem auch unangenehme Sachen am Kurierjob?
Jerôme Thiriet: Ja. Unfälle, Bussen. Wenn man von Kunden schlecht behandelt wird. Wenn man Fehler macht und
eine Sendung vermasselt, wenn alles einfriert, wenn man einfach mal nicht mag. Aber eben: Unter dem Strich ist und
bleibt es ein Traumjob! mos
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5 Kommentare
Eric Uivel
24.04.12 / 09:33 Uhr
und wir von Blumen ERIC - Floristik im Badischen Bahnhof sind auch sehr
zufrieden mit euch als Transportpartner.
Stefan
04.04.12 / 10:25 Uhr
ziemlich lang..... eigentlich sind die kuriere doch schneller bei der sache?
Roger Thiriet
04.04.12 / 08:02 Uhr
begrüsst die vaterunabhängige Berufswahl. Man soll ja - alte Osterweisheit nicht alle Eier in denselben Korb legen. Der Interviewer ist schliesslich auch
nicht Pfarrer geworden ;-)
Andreas
03.04.12 / 18:13 Uhr
Cooler Artikel
Daniel Thiriet
03.04.12 / 16:34 Uhr
Ja, was soll ich denn schon schreiben: Gutes Interview, guter Typ, gute Firma.
Daniel Thiriet, CEO sea chefs
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