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COLUMpodium 04-2006 2.Teil - Stiftung Columban

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Aus den Werkstätten
Ein neues Angebot
Unser Beschäftigungsatelier
von Markus Notter
Seit 1. September 2006 haben wir im Bereich der Beschäftigung eine neue Werkstatt für Bewohnerinnen
und Bewohner, die in besonderer Art und Weise Begleitung benötigen.
Manche Aufgaben und Anforderungen in den bisherigen Werkstätten sind einzelnen Menschen nicht
(mehr) angemessen oder überfordern sie. Da dies zukünftig immer mehr Menschen betreffen wird, stellte
sich uns die Frage nach einem geeigneten Angebot.
Nun haben wir die Antwort in Form eines Beschäftigungsateliers mit sechs Plätzen.
Für diese Aufgabe wurde ein/e Mitarbeiter/in mit breitem Erfahrungshintergrund in Beschäftigung und Agogik sowie mit anthroposophischer Ausbildung gesucht
und mit Rainer Stark haben wir diese Person gefunden.
Was wäre mein “Ich” ohne dieses Paar
ein Gedicht von Pius Gschwend
was wäre mein “Ich“ ohne dieses Paar
rund um die Uhr, hindurch das ganze Jahr
es ist mein grosser Helfer, gar so treu
bei Angst versteckt es sich in Taschen scheu
ich kann auch streng Befehle erteilen
das Paar beginnt gar arg zu eilen
kann höchste Genauigkeit verlangen
das kleinste Haar in der Suppe fangen
ganz klein schon, mach ich mit ihm eine Lehre
Unermüdlichkeit ist seine Ehre
das tolle Paar kann sich allzeit teilen
und getrennt an zwei Orten weilen
so sich verschiedentlich betätigen
schliesslich den Alltag zu bewältigen
sei`s im Auto, Geschäft oder Garten
geschmeidig spielen mit den Jasskarten
Die Betreuungsaufgabe im Atelier besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen: Einerseits in der handwerklichen Tätigkeit (wie z.B. dem Vorgang des Papierschöpfens mit allen Vorarbeiten) und andererseits in
der Aktivierung der Betreuten durch das musische
Angebot in der Atelierzeit. Beide Bereiche werden als
gleichwertig angesehen.
trocken, nass, kalt oder heiss die Ware
über dieses Paar ich viel erfahre
was liegt vor, Kunststoff, Eisen oder Holz
täglich tausend Berichte, ich bin stolz
Jeder Tag beginnt mit einer musikalischen und
sprachlichen Aktivität. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden nach ihren Möglichkeiten zum aktiven
Mitmachen angeregt. Der Atelierleiter bietet bei Bedarf
Unterstützung in der Bewegung mittels Handführung.
Auf diese Art findet ein Erwachen im eigenen Körper,
ein den Möglichkeiten entsprechendes Erfassen der
Umgebung und der Gruppe statt. Solche musikalischsprachlichen Teile gliedern den Ateliertag in erkennbare Abschnitte und erleichtern eine Orientierung im
Tagesablauf.
es hilft den Menschen zum täglichen Brot
ansonsten käme es zur grossen Not
dies Paar ist eine grosse Wunderkraft
„meine Hände“, Gott hat sie mir erschafft
Das neue Beschäftigungsatelier bietet sechs Menschen
die Chance, im gegenseitigen Erlebnisprozess mit dem
Begleiter ihre Wahrnehmungsmöglichkeiten auszuprobieren und auch neue Erfahrungen im Kennenlernen und Erproben von verschiedenen Materialien
und Tätigkeiten zu machen. Der Vorgang des Papierschöpfens ermöglicht derzeit den Betreuten und dem
Atelierleiter sich im Tun kennen zu lernen. Auch dient er
dazu, andere Beschäftigungsmöglichkeiten auszuloten.
Wir dürfen gespannt sein, welche Erlebnisse und Erfahrungen die neue Form der Beschäftigung für unsere
Bewohnerinnen und Bewohner bereit hält.
COLUMpodium / Herbst 2006
ich allein kann über`s Paar Meister sein
für mich bringt es den allerbesten Wein
die Augen haben da die Übersicht
vereinte Kräfte ist die hohe Pflicht
Adventszeit - Marktzeit
Unsere Werkstätten sind auch dieses Jahr in der
Adventszeit auf Märkten mit ihren Produkten (Kerzen,
Kräuter, Tees, Webarbeiten, etc.) präsent:
am 26. November 2006
Weihnachtsmarkt Brunnadern
am 09. Dezember 2006
21. Trogener Adventsmarkt
13
Anthroposophie
Was ist Anthroposophie? - eine Auseinandersetzung
Fundamentale Fragen
Viele Menschen haben fundamentale Fragen oder tief
schlummernde Vermutungen das „Wie“ oder „Warum“
unserer Existenz betreffend.
Anthroposophie ermöglicht es, solche Fragen konkret
zu studieren und durch Erforschung und innerliche
Schulung selber Antworten und Einsichten zu finden.
Selbstkenntnis und Kenntnis der Welt
Der Begriff „Anthroposophie“ ist zusammengesetzt aus
zwei griechischen Worten „anthropos“ und „sophia“,
„Mensch und Weisheit“. Anthroposophie kann also am
besten umschrieben werden als ein Weg, um durch
Selbstkenntnis und Erkenntnis der Welt in Freiheit und
aus eigener Verantwortlichkeit heraus zum Bewusstsein
der Menschheit zu kommen.
Geistige Realität
Anthroposophie sieht die Welt nicht nur als eine Realität
an, die nur durch zählen, messen und wägen erfasst
oder erklärt werden kann. Sie geht von einer nichtmateriellen Wirklichkeit aus, einer geistigen Realität,
die ein Ganzes formt mit allem, was unsere physischen
Sinne wahrnehmen können.
Erfahren und Erforschen
Die Anthroposophie gibt uns Methoden, um die
spirituelle Seite unserer Existenz erfahren und erforschen zu lernen. Dabei wendet sie sich nicht von der
Welt, sondern gerade zu ihr hin. Nur wenn wir das
Erdenleben wirklich leben, können wir es ergründen
und mit dem spirituellen Kern unserer Existenz in
Verbindung kommen.
Innerlicher Schulungsweg
Anthroposophie gibt uns die Möglichkeit, das Leben
durch einen innerlichen Schulungsweg zu vertiefen. Sie
verlangt aber von uns, mit beiden Beinen auf den
Boden zu bleiben und so Anteil an einer spirituellen
Lebenshaltung zu geben. Und so- gerade durch sich
selber sich für andere einzusetzen und für die Welt- sein
wahres „Selbst“ zu entfalten.
Rudolf Steiner
Die Anthroposophie wurde von Rudolf Steiner (18611925) entwickelt, Wissenschaftler, Philosoph und
Künstler. Als Kind erlebte er die geistige Welt genau so
konkret wie die physische Welt. In diesen frühen
spontanen Wahrnehmungen lag der Keim seines
besonderen Lebensplans, nämlich das Fundieren eines
neuen Weges, der zur Einsicht führt und von Materie
und Geist als ein Ganzes ausgeht, um so dem
Menschen zu ermöglichen, auf diesem Weg mehr
Erkenntnis und Einsicht zu erwerben.
14
von Gerard Kwant
Neue Wissenschaft
Inspiriert durch die Aufgabe, das naturwissenschaftliche Werk von Goethe heraus zu geben, suchte Steiner
nach der Basis für eine neue - Materie und Geist
umfassende - Wissenschaft. Er entwickelte eine neue
Wissenschaft und ihm gelang damit eine Verbindung
zum Denken des modernen Menschen in der westlichen Kultur. Die Freiheit des Denkens, die eigene
Wahrnehmung auf physischem und geistigem Gebiet
und das selbständige Urteilen waren für Steiner
unentbehrliche Bedingungen für eine wissenschaftliche
Annäherung der Wirkung des Geistes in physischer
Existenz.
Erforschungsmethoden
So schuf Steiner, von intellektuellen Konventionen
abgeneigt, eine Methode, um eine Verbindung zwischen Körper, Seele und Geist zu erforschen und die
Ergebnisse davon fruchtbar für Mensch und Welt zu
machen. Auf der Basis seines grundlegenden Werkes
„Die Philosophie der Freiheit“ und durch die Ergebnisse
dieses Denkens, die in den folgenden Jahren daraus
entstanden, wurden viele Überlegungen, Vorträge und
Forschungen entwickelt. Diese inspirieren viele Menschen bis auf den heutigen Tag bei ihren eigenen
Forschungen und bei der Verwirklichung ihres persönlichen oder sozialen Lebens.
Genau so ausschlaggebend wie das Werk Steiners für
die Geschichte der Anthroposophie ist, ist auch das
Werk von Menschen, die diese Arbeit durch innerliche
Schulung, wissenschaftliche Studien und gesellschaftliche Wirksamkeit fortgesetzt haben. Das hat zu manch
fachlicher Erneuerung geführt. Nicht nur in Bereichen
wie Landwirtschaft, Medizin, Unterricht und Heil- und
Sozialtherapie, sondern auch in der Architektur, in den
plastischen und musischen Künsten wuchs die
Anthroposophie zu einer inspirierenden Quelle auf der
Suche und beim Finden von neuen Wegen.
Geschichtliches
Der Philosoph Rudolf Steiner (1861-1925) war Österreicher, der als Sohn eines Stationsvorstehers in Kraljevec (heute Kroatien) geboren wurde. Er studierte an
der technischen Hochschule in Wien, machte wissenschaftliche Studien zum Werk von Goethe in Weimar,
promovierte in Rostock als Philosoph mit einer Arbeit
über „Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichtes Wissenschaftslehre“. Er
pflegte Umgang in Künstlerkreisen in Berlin und war
aktiv an der dortigen Arbeiterbildungsschule.
COLUMpodium / Herbst 2006
Anthroposophie
Unabhängige Vereinigung
1912 entstand in Deutschland um Rudolf Steiner eine
anthroposophische Vereinigung. Steiner war damals
schon zehn Jahre Vorsitzender des deutschen Zweiges
der „Theosophischen Gesellschaft“. In dieser Gesellschaft hatte er, unabhängig von der Theosophischen
Gesellschaft, seine geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse entwickelt. Der Kreis von Menschen, die er in diesem Abschnitt kennen lernte, wurde immer grösser.
Schlussendlich wurde er gebeten, sich mit der freien
anthroposophischen Vereinigung zu verbinden.
Die neue Anthroposophische Gesellschaft
Anlässlich der Weihnachtstagung von 1923 gab Rudolf
Steiner der Anthroposophischen Vereinigung eine neue
Form und übernahm selber die Leitung. Gleichzeitig
wurde die „Freie Hochschule für Geisteswissenschaft“
gegründet, die innerhalb der anthroposophischen
Bewegung eine zentrale Funktion hat. Aufgabe der
Hochschule ist die Forschung auf geistigem Gebiet, die
Anregung und Koordination sowie die Weiterbildung in
den anthroposophischen Arbeitsfeldern zu koordinieren und anzuregen.
Bedeutung von Christus
Ausschlaggebend war ein Meinungsunterschied zwischen Steiner und der Leitung der damaligen Theosophischen Vereinigung. Dieser bezog sich auf die Bedeutung und Stellenwert von Christus in der Welt. Als
Folge seiner geisteswissenschaftlichen Studien hatte
Steiner Christus als ein geistliches Wesen erfahren, das
ohne Einschränkungen von jedem Menschen im Hier
und Jetzt gefunden und erfahren werden kann.
Grundlegende Werke
Als einundzwanzigjähriger Student an der technischen
Hochschule in Wien bekam Steiner den Auftrag, das
naturwissenschaftliche Werk Goethes zu erläutern.
Goethe war für ihn der erste Mensch, der während
vielen Jahren der Forschung, seine Wahrnehmung und
sein Denken so übte, dass er das Leben in der Natur
verstehen konnte. Dieser Auftrag legte für Steiner den
Keim für eine neue, spirituelle Wissenschaft, verankert
in der bestehenden westlichen Kultur.
Künstler
Steiner war auch ein Künstler. Er schrieb vier Dramen,
entwarf verschiedene Gebäude, zum Beispiel das Goetheanum in Dornach und gab Impulse für die Entwicklung der Eurythmie, einer neuen Bewegungskunst. Viele erneuende Einsichten hatte er auf dem Gebiet der
Landwirtschaft, Lehre und Heilpädagogik.
Soziale Dreigliederung
Im Chaos nach dem ersten Weltkrieg versuchte man
aus der anthroposophischen Bewegung auf verschiedenen Ebenen das Zusammenlebens zu erneuern. Es
entstand eine Bewegung für „Soziale Dreigliederung“,
eine Struktur des Zusammenleben, die an das Innerliche des modernen Menschen angepasst ist.
Neue Initiativen
In dieser Zeit wurden Institutionen auf dem Gebiete der
Medizin, Unterricht, Heilpädagogik und der Landwirtschaft gegründet. Auch wurde Rudolf Steiner bei der
Entwicklung für eine „Bewegung für religiöse Erneuerung“ zur Hilfe gerufen. Die Christengemeinschaft besteht als unabhängige Glaubensgemeinschaft seit
1922.
Das erste und zweite Goetheanum
Ein Zentrum dieser Aktivitäten entstand in Dornach, wo
1913 der Bau des ersten Goetheanum begann. Dieses
Gebäude, das nach einem Entwurf von Rudolf Steiner
entstand, wurde in 1922 durch Brandstiftung verwüstet.
Der Bau des zweiten Goetheanum begann 1925 und
wurde 1928 eröffnet. Dieses Gebäude ist noch heute
das kulturelle und organisatorische Zentrum der
anthroposophischen Weltbewegung.
(Anm.d.R. Das heutige Goetheanum gilt als einer der ersten grossen
Betonbauten der Schweiz und schrieb so Archiktekturgeschichte)
COLUMpodium / Herbst 2006
Aus dieser Arbeit entstand 1893 „Die Philosophie der
Freiheit“. In seinem philosophischen Hauptwerk, das
zugleich Fundament der anthroposophischen Geisteswissenschaft ist, setzt sich Rudolf Steiner mit Grundfragen des Erkenntnisprozesses und der Ethik auseinander.
1910 erschien „Geheimwissenschaft im Umriss“, sie
enthält die umfassendste Darstellung im Werk Rudolf
Steiners vom Wesen und der Entwicklung der Menschheit und ihrer Zugehörigkeit zu einem selbst in Entwicklung befindlichen Kosmos.
Steiners Werk umfasst 28 Werke, weitere Schriften und
Aufsätze sowie die umfassenden Niederschriften seiner
Vorträge, welche in der insgesamt 354 Bände umfassenden Gesamtausgabe nachzulesen sind.
Rudolf Steiner starb am 30. März 1925 und hat mit
seinem Lebenswerk entscheidende Impulse in die Welt
gebracht. Diese können uns helfen, uns mit Fragen
auseinander zu setzen, wie den Folgenden:
Welchen Entwicklungsweg geht die Menschheit als
Ganzes und was ist dabei die Aufgabe des individuellen Menschen?
Warum leben wir jetzt, hier, in dieser Zeit?
Ist das nur reiner Zufall?
Oder haben wir Anteil an einer sinnvollen Entwicklung
und hat ein jeder von uns darin auch eine Aufgabe?
Gerard Kwant arbeitet seit 2004 im Heim Columban als Gruppenverantwortlicher auf der Wohngruppe Ahorn und blickt auf über
zwanzig Jahre Erfahrung in der Arbeit als Sozialtherapeut mit
Behinderten und Auseinandersetzung mit dem Werk Steiners zurück.
15
Philosophie
Wer, bitte, ist Ken Wilber?
Ken Wilber tritt nicht im Fernsehen auf, diskutiert dort
nicht mit führenden Persönlichkeiten des Weltgeschehens. Er fährt auch nicht nach Davos, um mit Politikern
zu plaudern. An Talkshows nimmt er schon gar nicht
teil. Sie können also ein gut informierter Bürger der
westlichen Welt sein und niemals seinen Namen gehört
haben.
Ken Wilber gilt aber als einer der grossen Denker
unserer Zeit. Er wurde am 31. Januar 1949 in
Oklahoma City geboren. Seit jeher interessierten ihn
die uralten Fragen des Menschen: Woher kommen wir?
Wohin gehen wir? Was ist meine Stellung im
Universum? Welche Aufgabe hat der Mensch über die
Befriedigung seiner individuellen Bedürfnisse hinaus?
Nach der Schulzeit studierte er Biochemie, brach
jedoch das Studium nach einiger Zeit ab. Ken Wilber
schildert, es sei ihm so ähnlich ergangen wie dem
grossen Biochemiker Albert Szent-Gyorgy, der folgendes erzählt:
Als ich an das Institut for
Advanced Study in Princeton ging, hoffte ich, durch
den engen Kontakt mit
diesen grossen Atomphysikern und Mathematikern
würde ich etwas über die
lebende Materie erfahren.
Aber sobald ich aufdeckte,
dass in jedem lebenden
System mehr als zwei Elektronen vorhanden sind,
wollten die Physiker nicht
Ken Wilber
mehr mit mir reden. Mit all
ihren Computern konnten
sie mir nicht sagen, was denn das dritte Elektron tue.
Das Bemerkenswerte ist, dass es genau weiss, was es zu
tun hat. Das kleine Elektron weiss also etwas, das all die
gelehrten Männer von Princeton nicht wissen, und es
kann doch nur etwas ganz Einfaches sein.
Jedenfalls entschloss sich Ken Wilber für das
autodidakte Studium aller bedeutenden Religionen
und Philosophien des Ostens wie des Westens mit dem
Vorsatz, aus all den Systemen eine Synthese zu bilden.
16
von Harald Draxl
In seinen Büchern Spektrum des Bewusstseins (1977),
Das Atman Projekt (1980), Halbzeit der Evolution
(1981), Die Drei Augen der Erkenntnis (1983) und Der
Weg zum Selbst (1984) entwickelt er umfassende
Modelle über die Evolution des menschlichen Bewusstseins, wobei er sich östlicher und westlicher Ansätze für
Wachstum und Weisheit bedient, diese weiterentwickelt
und versucht, sie auf einen gemeinsamen Nenner zu
bringen.
In den Büchern neueren Datums wie Eros, Kosmos,
Logos (1995), Das Wahre, Schöne, Gute (1997), Eine
kurze Geschichte des Kosmos (1997) und Ganzheitlich
Handeln (2001) entwickelt Ken Wilber integrale Perspektiven für Kunst, Kultur, Ökologie, Politik, Religion,
Spiritualität, Psychologie und Therapie, Themen also,
welche im dritten Jahrtausend eine grosse Rolle spielen
werden.
Wir können davon ausgehen, dass seine Arbeit und
seine Ideen, er selbst nennt sie „integrale Philosophie“,
grossen Einfluss ausüben auf die Art wie viele Menschen heutzutage über die Welt und das Leben nachdenken. Dabei ist er nicht einmal der Begründer der
integralen Philosophie. Der indische Weise Sri Aurobindo (Philosoph, Hindu-Mystiker) und der Philosoph
Jean Gebser (Bewusstseinsforscher, welcher ein Strukturmodell der Bewusstseinsgeschichte des Menschen
schuf) haben hierzu bedeutende Vorarbeit geleistet.
Wie oben erwähnt, begann Ken Wilber die Zusammenhänge zwischen der Psychologie und den östlichen
spirituellen Traditionen zu untersuchen. Seine Einsichten fasste er in dem Band Spektrum des Bewusstseins
zusammen, so dass diese eine Landkarte der psychologischen und spirituellen Entwicklung von der Geburt
(des Menschen) bis zu seiner (möglichen) Buddhaschaft
darstellen. Für Ken Wilber ist es eine unumstössliche
Tatsache, dass die grossen Traditionen der Erleuchtung
im Osten eine Quelle des Wissens darstellen, mit der
sich jeder wirkliche „integrale Ansatz“ auseinander zu
setzen hat.
Wichtig ist zu wissen, dass er sich nicht allein auf
theoretisch-intellektuellem Terrain bewegt, sondern als
spirituell Praktizierender Erfahrung mit verschiedenen
Wegen des Zen und tibetischen Buddhismus hat. In
seinem (Tage-)Buch Einfach „Das“ (2001) legt Ken
Wilber unter anderem beredtes Zeugnis seiner meditativen Praxis ab.
COLUMpodium / Herbst 2006
Denkansätze
Wenden wir uns nun dem integralen Ansatz zu. Eine von
Wilbers Kernideen beinhaltet die vier fundamentalen
Perspektiven der Realität. Er hat dieses Modell die „Vier
Quadranten“ genannt. Diese vier Quadranten stellen
einen umfassenden Rahmen dar, mit dessen Hilfe die
Welt und somit all das, was Natur und Kultur hervorgebracht haben und stets aufs Neue hervorbringen, untersucht werden kann. Das Vierquadrantenmodell ist
wirklich das Fundament von Ken Wilbers integraler
Philosophie. Wilber vermittelt uns mit diesem Modell
die Erkenntnis, dass wir uns jedem fühlenden Wesen
(Pflanze, Tier, Mensch) und jedem Geschehen (Systemen, Organisationen, Umweltzerstörung, Fundamentalismus) von zumindest vier Standpunkten aus nähern
können.
Welt-Aussenseite
Welt-Innenseite
INDIVIDUELL
KOLLEKTIV
So repräsentiert der obere linke Quadrant (OLQ) alle
jene Aspekte eines Individuums, die sein Inneres (Empfindungen und Emotionen, subjektives Bewusstsein,
das ICH) ausmachen. Hierbei geht es nicht einfach um
objektive Wahrheiten, sondern um innere Wahrhaftigkeit. Dieser Quadrant berührt die innere Tiefe des
Individuums. Wie aber gelangen wir an das Innere
eines anderen Menschen? Durch zweierlei: Durch das
Gespräch und die Interpretation dessen, was wir
hörend aufgenommen haben.
Der untere linke Quadrant (ULQ) befasst sich mit
dem kulturellen Kontext, ohne den kein Individuum
existieren könnte, ohne den niemand so etwas wie
Bewusstsein überhaupt entwickeln könnte. Es ist der
gemeinsame kulturelle Rahmen, in dem sich das
Individuum bewegt. Das Hauptkriterium dieses
Quadranten ist das gegenseitige Verständnis, der
Umgang mit Fürsorge und Zuwendung. Dieses
kulturelle Aufeinander-bezogen-Sein umfasst die
Bereiche der Ethik, Moral, Rechtssprechung sowie die
Identitäten von Gruppen oder ganzer Kollektive (Staat).
Hingegen umfasst der obere rechte Quadrant(ORQ)
die äusseren Aspekte der Welt, wie sie durch die empirische Wissenschaft erforscht werden: z.B. das Gehirn
des Menschen, das sich dem Neurologen in Form von
Atomen, Molekülen, Zellen und chemischen Prozessen
darbietet. Wir sprechen von einer ES-Welt, der Welt
physikalischer Gesetzmässigkeiten.
In gleicher Weise wirft der untere rechte Quadrant
(URQ) einen Blick von aussen auf das Kollektiv oder die
Gesellschaft und ihre mannigfaltigen Systeme, in die
eine Gesellschaft eingebunden ist. Dieser Quadrant ist
ebenfalls das Feld empirischer Forschung (Gesellschaftswissenschaften), die Systeme anhand rein objektiver und äusserlicher Kriterien zu beschreiben versucht.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass beide unteren
Quadranten, ebenso wie die beiden oberen, uneingeschränkt gültig sind.
Wie schon gesagt, bezieht eine integrale Sichtweise alle
vier Quadranten in die Weltwahrnehmung mit ein.
Vielfach jedoch sind die Verhältnisse (BewusstseinsVerhältnisse) heutzutage noch so, dass einem oder zwei
Quadranten der Vorzug gegeben wird, was in der
Folge zu einseitigen Bewertungen und Denkmodellen
führt. Als Beispiel möchte ich die Sichtweise anführen,
die den Menschen als geniale Ansammlung von
Atomen, Molekülen, Zellen und Prozessen interpretiert
jedoch behauptet, in den genannten „Bausteinen“
nirgendwo die Seele oder den Geist des Menschen
gefunden zu haben.
Wird hingegen im Sinne des integralen Ansatzes der
vierfache Blick auf die Welt geworfen, so kann eine
übergeordnete Sichtweise errungen werden. Eine
Sichtweise, die dann nicht mehr von sich behauptet, im
Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein bloss weil sie
einen der Quadranten überbetont.
Ken Wilber wird als in gewisser Weise umtriebiger
integraler Philosoph beschrieben, der, gemeinsam mit
Interessierten aus den Bereichen Wirtschaft, Management, Ökologie, Medizin, Psychologie usw, das Integrale Institut ins Leben gerufen hat. Wer sich dafür
interessiert, findet nähere Informationen unter:
www.integralinstitute.org
Harald Draxl ist Heilpädagoge, Sozialtherapeut und Personalentwickler. Er arbeitet seit 2003 als Bereichsleiter Wohnen im Heim
Columban.
COLUMpodium / Herbst 2006
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Drachenfest
Michaelizeit - Drachenzeit
von Andrea Waldenburg Lienhard
Am ersten Donnerstag nach den Heimferien, dem 12.
Oktober 2006, feierten wir das Drachenfest in Saal und
Garten. Eine schöne Feier mit wichtigen Denkanstössen zu Michaeli, zur Herbstzeit, zur Bedeutung des
Feierns von Irena, mit einem Sprachbeitrag von Friederike, Musik und Gesang, liessen uns die Bedeutung
Michaels in der heutigen Zeitepoche neu erleben und
überdenken. So eingestimmt gingen wir gemeinsam in
den Garten, um mit allen Sinnen die letzten Blütenfarben und reifen Samenstände dieses Sommers und
die Schönheit des Gartens wahrzunehmen.
Dieser Herbstnachmittag war wirklich golden und lud
ein, die letzten sommerlich warmen Stunden gemeinsam im Garten zu nutzen, um zu singen, zu tanzen und
bei Interesse ein eigenes Schlangenbrot über dem
Feuer zu backen.
Ein Fest ist wie ein Baum
Mit seinen Wurzeln dringt er
tief ins Erdreich ein,
in dunkle Zonen, die Halt und Nahrung geben.
Ein richtiges Fest kommt von weit her.
Es ist nicht wie ein Maibäumchen
ohne Wurzeln und Halt
Und am nächsten Tag schon verwelkt.
Ein richtiges Fest wurzelt in der Tiefe,
in den Anfängen der Geschichte Gottes
mit den Menschen.
Die Küchencrew hat für uns zur Jahreszeit passend eine
superleckere Kürbissuppe gekocht; viele holten sich
einen Nachschlag und genossen es, draussen zu essen,
von Tisch zu gehen oder mit einander zu sein und zu
plaudern.
Ein Fest ist wie ein Baum
der blüht und wächst von Jahr zu Jahr,
immer anders, immer gleich
immer neu für und bis heute.
Es muss ja unser Fest sein,
nicht das von gestern,
unser Fest, das uns neu macht!
Ein Fest ist wie ein Baum.
Mit seiner Krone badet er im Licht,
füllt er den Himmel aus.
Ein richtiges Fest holt den Himmel auf die Erde,
greift der Zukunft vor,
gibt Mut und neue Liebe zum Leben.
Ein Fest ist wie ein Baum,
der eine Himmelsleiter ist,
Mitte der Welt, Fülle des Lebens.
A. Steffen
18
COLUMpodium / Herbst 2006
Leben im Columban
Auch der gewünschte Wind kam wie bestellt, so dass es den Freunden
des Drachensteigens gelang, ihre teilweise selber gebauten, teilweise
fertigen Drachen in vielfältigen Formen und Farben zum Fliegen zu
bringen.
Auch wenn es manchmal den einen oder anderen Versuch brauchte …
Stolz war, wer seinen Drachen in die Höhe brachte und mit den
Herbstwinden spielen und kämpfen sehen konnte. Die Zuschauer
bewunderten die gelungenen Flugversuche andächtig und diese
bunten fröhlichen Bilder werden uns in Erinnerung bleiben.
… schlussendlich erhoben sie sich in die Lüfte!
An der Schwelle vom Sommer zum
Herbst, zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche, finden wir nach alter christlicher Tradition den Erzengel Michael.
In den Darstellungen von Künstlern
erscheint er oftmals mit einer Waage
und wägt die Taten der Menschen
am Ende ihres Erdenlebens ab. Am
häufigsten ist er jedoch mit Schwert
oder Speer, gerüstet für den
Drachenkampf, ins Bild gebracht.
Sein irdisches Abbild ist der Ritter
Georg, der hier gegen das Drachenungeheuer kämpft. Der Michaelitag
ist der 29. September.
Am Schluss des Neuen Testamentes
finden wir in der Offenbarung des
Johannes den Kampf Michaels mit
dem Drachen aus der übersinnlichen Schau des Jüngers Johannes
dargestellt: "Da entbrannte im
Himmel ein Kampf, Michael und
seine Engel erhoben sich, um mit
dem Drachen zu kämpfen. Der
Drache und seine Engel kämpften,
aber sie konnten sich nicht halten,
und sie verloren ihren Platz im
Himmel. Er wird gestürzt, der große
Drache, die alte Schlange, die Teufel
oder Satan heißt und die ganze Welt
verführt. Der Drache wurde auf die
Erde geworfen und mit ihm wurden
seine Engel hinabgestürzt...”
Mit den auf die Erde gestürzten
Drachenkräften, die uns einzig an
die äußere Materie fesseln wollen,
müssen wir uns heute stärker denn je
auseinander setzen. Dabei haben
sich diese Auseinandersetzungen
mehr in das Innere der Menschen
verlagert. Der Erzengel Michael
wartet darauf, dass die Menschen
den Himmel, das Göttliche also,
nicht vergessen und will sie über alle
Nationalismen hinweg brüderlich
einen.
Er ist der ermutigende Helfer des
Menschen und ruft zur Klarheit im
Denken und zur Wachheit auf, damit
das Böse durchschaut und bekämpft
werden kann. Dieses klare Denken
ist dann michaelisch, wenn es von
Herzenskräften durchdrungen ist.
COLUMpodium / Herbst 2006
19
Advent
Märchen vom Schaf, das nicht geschoren werden mochte
Der Advent gilt als die stille und beschauliche Zeit des
Jahres. Neben dem Basteln, Backen und Dekorieren
gilt sie auch als die Zeit der Märchen und des
Erzählens.
Wer die Kraft aufbringt, in dieser geschäftigen Zeit inne
zu halten, wird fähig sein, wahr zu nehmen. Der wird
zuhören können, was diese Zeit ihm zu erzählen hat.
Möge die nachfolgende Geschichte Ihnen, liebe Leser,
einige besinnliche und ruhige Minuten bescheren, die
so gut in den Advent passen.
Vom Schaf, das nicht geschoren werden mochte
Weiß-wie-Schnee war das schönste Schäfchen in der
ganzen Herde; seine Wolle leuchtete tatsächlich noch
weißer als die seiner Kameraden. Das war aber auch
das einzige, wodurch es auffiel. Morgens ging es stets
willig mit hinaus auf die Weide, und abends kehrte es
folgsam zurück in den Stall. Doch als im Frühling die
Zeit der Schur kam, da war es plötzlich mit allem
Bravsein vorbei.
Während sich die anderen Schafe ihre Wolle ergeben
abscheren ließen, riss Weiß-wie-Schnee sich los, wenn
immer jemand nach seinem Pelz griff, und lief in
Riesensprüngen davon. Nein, es mochte seine weisse
Wolle nicht hergeben unter keinen Umständen.
Schliesslich war der Hirte es leid, hinter dem kleinen
Schaf herzujagen, und er entschied: „Soll Weiss-wieSchnee eben seinen warmen Winterpelz behalten. Es
wird schon merken, wie heiss es ihm mit der dicken
Wolle im Sommer werden wird.“
Als dann die anderen Schafe alle geschoren auf die
Weide gingen, während ihre Wolle, in grosse Bündel
zusammengeschnürt, auf dem Markt verkauft wurde,
lief Weiss-wie-Schnee weiterhin in seinem warmen Pelz
herum. Nein, leicht war das wirklich nicht, als der
Sommer kam. Da wurde dem Schäfchen schon ab und
zu recht heiss, und so oft es konnte, suchte es sich einen
schattigen Platz, um Kühlung zu finden.
Gern hätte der Hirte seinem Schäfchen geholfen und es
nun doch noch von dem warmen Pelz befreit. Aber
auch jetzt liess Weiss-wie-Schnee ihn nicht an sich
heran, wenn er mit dem Schermesser kam. Ja, für wen
wollte es denn seine weisse Wolle aufbewahren?
von Georg Dreissig
So kam der Winter und in dem Winter jene Nacht, in
welcher Maria und Josef im Schafstall übernachteten.
Am folgenden Tag aber war Weiss-wie-Schnee wie
verwandelt. Jetzt hielt es sich an den Hirten und
versuchte ihm durch allerlei Zeichen klarzumachen,
dass es nun unbedingt geschoren werden wollte. „Das
geht doch nicht“, sagte der Hirte, „jetzt im Winter
brauchst du deine Wolle.“ Weiss-wie-Schnee aber liess
nicht ab von seinem Betteln, und als es gar nichts
fruchtete, wurde das Schäfchen ganz traurig, hörte auf
zu fressen und liess sich auch durch alle guten Worte
nicht wieder dazu bewegen.
„Nun, so musst du wohl deinen Willen haben“, seufzte
der Hirte schliesslich, nahm das Schermesser und
begann das Schäfchen zu scheren. Weiss-wie-Schnee
aber hielt ganz still, gerade so, als ob es nie im Leben
gebockt hätte, bis auch die letzte Locke seiner weissen
Wolle abgeschnitten war. Damit das Schäfchen aber
nicht gar zu arg frieren musste, suchte der Hirte eine
alte Jacke hervor und zog sie ihm an. Die Wolle jedoch
packte er in ein Bündel und verwahrte sie; denn bis zum
nächsten Wollmarkt würden noch viele Monate
vergehen.
Als dann aber die Zeit des Wollmarktes schliesslich
kam, war das Bündel weisser Wolle längst verschenkt.
Der Hirte selbst hatte es hingetragen zum Christkind,
das im Stall in Bethlehem geboren war. Und endlich
wusste er, für wen Weiss-wie-Schnee seine schöne
weisse Wolle aufbewahrt hatte.
Schenken
Schenken groß oder klein,
Aber immer gediegen,
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
Was in dir wohnt.
An Meinung, Geschmack und Humor,
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.
Joachim Ringelnatz
20
COLUMpodium / Herbst 2006
Haus und Herd
Weihnachtlich Leckeres von der Küchencrew
Marzipan - eine kleine Geschichte
Backen gehört zur kommenden Jahreszeit wie Weihnachten und
Schnee, deshalb auch dieses Jahr ein Rezept für Schleckermäuler:
Das Ursprungsland des Marzipans
ist der Orient, wo die delikate Mandelzuckermischung als Krönung der
Gaumenfreuden an der Tafel der
Kalifen aufgetragen wurde.
Marzipanplätzchen
Zubereitungsdauer 45 Minuten, Menge für 4 Personen
Zutaten
400 g Butter
240 g Puderzucker
2 Vanilleschoten
2 Eigelb
60 g Weizen- oder Dinkelmehl
120 g geriebene Mandeln
400 g Marzipanrohmasse
160 g Orangenmarmelade
40 ml Grand Manier oder 1 Flasche Backaroma
200 g Schokoladenglasur dunkel
40 g Walnusskerne
Für die schnelle Kuchenbäckerei gibt es bereits ausgerollte Marzipanmatten zu kaufen. Mit dieser Marzipanmatte geht das Plätzchenbacken
noch leichter von der Hand.
Zubereitung
Die Butter mit dem Puderzucker und dem Mark der Vanilleschoten
schaumig aufrühren. Das Eigelb, das gesiebte Mehl und die geriebenen Baumnüsse langsam einarbeiten. Es soll ein geschmeidiger Teig
entstehen. Den Teig zu einer Kugel formen und in Küchenfolie
eingewickelt ca. 20 Minuten ruhen lassen. Den Teig messerrückendick
ausrollen und Plätzchen ausstechen.
Den Backofen Stufe Ober- und Unterhitze bei 160 Grad Celsius
vorheizen und die Plätzchen 15- 20 Minuten backen.
Die Marzipanrohmasse dünn ausrollen und mit einem etwas kleineren
Ausstecher runde Scheiben ausstechen. Die Orangenmarmelade mit
dem Grand Marnier/ - Aroma verrühren. Die Plätzchen kurz auskühlen
lassen, anschließend mit Orangenmarmelade dünn bepinseln. Die
Hälfte der Plätzchen mit den Marzipanscheiben belegen, die anderen
Plätzchen darauf setzen.
Die Schokoladenglasur schmelzen, die Plätzchen mit der Oberseite
eintauchen, auf einem Gitter bereit legen und mit einer Baumnusshälfte dekoriert trocknen lassen.
Die Marzipanplätzchen können in der Dose bis zu 6 Wochen aufbewahrt werden.
Es grüsst herzlich die Küchenmannschaft der Columbanküche und
wünscht allen eine genussvolle Adventszeit!
COLUMpodium / Herbst 2006
Die süßen Spezialitäten erreichten
Spanien und Portugal, und wurden
durch die Kreuzzüge über den Handelsplatz Venedig nach Europa
gebracht. Darauf deutet auch der
Name "Marzipan" hin: Marci panis,
das Brot des Marcus, des Schutzheiligen der Stadt Venedig. Dabei wurde das Marzipan am Anfang seiner
Laufbahn von Apothekern hergestellt und galt noch bis zum 18. Jahrhundert als Heilmittel.
Im 14. Jahrhundert entwickelte sich
das Marzipan zur Nachspeise an
fürstlichen Tafeln und war ein kostbares Geschenk für die höchsten
Würdenträger des Reiches. Nach
der Entdeckung der neuen Welt und
dem weltweiten Anbau von Zuckerrohr konnte Europa reichlicher mit
Zucker beliefert werden als zuvor.
Das führte dazu, dass nun Zuckerbäcker den Vertrieb des Marzipans
übernahmen, die aus den ehemals
einfach geformten Marzipanbroten
kunstvolle Gebilde und von Hand
modellierte Figuren zauberten.
Die Marzipanproduktion gelangte
durch zunehmend industrielle Verarbeitungsmethoden zu einer Blüte.
Die Güte von Marizpan hängt
jedoch auch heute immer noch von
der Qualität der Mandeln und dem
richtigen Mischungsverhältnis der
Zutaten ab. Denn es soll ja richtiges
Marzipan entstehen und nicht einfach eine nach Mandeln schmekkende Zuckermasse. Dies macht
sich natürlich auch im Preis bemerkbar.
21
Aus- und Weiterbildung
Aus- und Weiterbildung bildet ein
zentrales Thema in der Arbeit im
Columban. Nebst internen Seminaren und Schulungen tragen auch die
vielen durch Mitarbeiter besuchten
und absolvierten nebenberuflichen
Ausbildungen zur Qualitätssicherung unserer Arbeit bei. Folgender
Auszug aus den laufenden Bildungsaktivitäten soll einen kleinen Überblick vermitteln.
interne Weiterbildungen 2006
12. Mai und 10. Juni 2006
Die fünf Gestaltungsbewegungen
im Leben der Gemeinschaft
(Vertiefungsseminar zu “Wege zur
Qualität”) mit Udo Herrmanstorfer
25. März 2006
Landschaftswahrnehmungskurs
(oder auch Geomantische Heilarbeit) mit Regula Berger
22. und 29. November 2006
Die menschliche Konstitution,
die Temperamente
2. Seminar mit Dr. Ricardo Torriani
(siehe auch COLUMpodium No.3)
Eurythmiekurse für Mitarbeitende
mit Vera Vassilevskaia/Donnerstags
8:10 bis 9 Uhr und 9:50 bis 10:30
Eurythmie am Abend
Die Laut- und Farbempfindung in
der eigenen Organisation
Blockkurs vom 8.11. bis 06.12.06
mit Vera Vassilevskaia, jeweils
mittwochs 20:00 Uhr
Mitarbeitende in Ausbildung
Fachfrau/Fachmann Betreuung
Fachrichtung Behindertenbetreuung
zur Zeit sechs Mitarbeiter/innen
Mitarbeitende, denen wir
herzlich zu Ihrem Ausbildungsabschluss gratulieren!
Gregory Senn, Behindertenbetreuer agogis, Sommer 2006
Andrea Waldenburg Lienhard,
Sozialpädagogin FH (Bachelor of
Social Work), Sommer 2006
Markus Notter, Organisationsentwickler Trigon, Graz, Herbst 2006
22
Das Projekt “DIALOG”
von Günther Boltshauser
Es gibt immer wieder Gespräche über Diese oder Jenen im Betrieb,
ohne dass die gefragte Person dabei ist. Das ist eigentlich nicht
aussergewöhnlich in unserer heutigen Gesellschaft. Doch muss das so
sein? Oft erfahren die so Beschwatzten erst über komplizierte Umwege
Ungeheuerliches über ihre Person.
Zwei Alltagsbeispiele: Jemand hat ein Problem mit einem Anderen. Er
spricht darüber mit einem Kollegen. Dieser Kollege erfährt nur die
subjektive Sicht dieses Jemand. Macht dieser sich ein Bild daraus, wird
auch er mit dem Anderen ein Problem bekommen.
Ein Teammitglied ist abwesend. In Abwesenheit wird der Kropf gelehrt,
das Verhalten dieses Mitgliedes angeprangert. Kann das
entsprechende Teammitglied nicht klärend Stellung nehmen, so
herrscht eine Mobbing-Situation.
In solche und ähnliche Situationen schlittert man allzu schnell hinein.
Plötzlich ist man beteiligt. Wie können wir uns angewöhnen, mit den
Betroffenen in einen Dialog zu kommen?
Gewohnheiten sind nicht leicht zu überwinden. Es braucht erst einmal
Einsicht, dass das Verhalten schädlich ist. Dann braucht es Ideen für
neues Verhalten. Zum Schluss Übung, um nicht in den alten
Gewohnheiten stecken zu bleiben.
Schon lange sprechen wir in unserer Institution über eine
Personalanlaufstelle. Die sollte sich von der alten Personalgruppe
unterscheiden. Anliegen sollten vorgebracht werden können, wo ein
Problem nicht über den offiziellen Beschwerdeweg gegangen werden
will oder kann.
Was sind Konflikte? Es gibt verschiedene Grade der Verwicklung.
Glasl unterscheidet neun Eskalationsstufen. Dann gibt es noch heiße
und kalte Konflikte, eine Konfliktdynamik, verschiedene Phasen, etc.
Wir wollen bescheiden beginnen und Konflikte gar nicht erst eskalieren
lassen. Dann müssen wir aber ganz schön aufmerksam werden. Denn
die können lange schmoren und dann plötzlich explodieren. Dann hilft
nur noch die Feuerwehr.
Wie lernen wir, in einen Dialog miteinander zu treten? Das Gespräch
zu suchen und sich helfen lassen?
Das kann man wirklich lernen. Bei uns im Columban! Das Kind ist noch
ganz jung. Es muss erst gehätschelt und gepflegt werden. Aber die
Gelegenheit bietet sich. Es wird angeboten, Gesprächskultur zu
lernen. Das Gelernte wird in die verschiedenen Gremien einfliessen.
Das wird uns gut tun und uns gesunden.
Markus Notter, Bereichsleiter Beschäftigung, bietet eine Weiterbildung
zu diesem Thema an. Man wird sich monatlich treffen, um zu lernen
und zu üben. Wo ein Problem offensichtlich wird oder Bedarf für eine
Gesprächsvermittlung entsteht, wendet man sich an eine(n)
Teilnehmer(in) dieser Weiterbildung. Sie werden helfen, aus der
Schlinge hinaus zu finden. Markus Notter hat ein Konzept geschrieben:
Projekt Dialog. Darin wird die Idee dargestellt und organisiert. Dieses
Konzept wird im nächsten Columpodium 2007 vorgestellt.
COLUMpodium / Herbst 2006
Letzte Impressionen
Danke, dass Sie unsere Arbeit unterstützen und uns
helfen, Zufriedenheit zu schenken!
Impresssum
Herausgeber
Stiftung Columban
Sozialtherapeutische
Gemeinschaft
Sölzer
CH-9107 Urnäsch
Redaktion
Andrea Waldenburg Lienhard
Bildquellen
Archiv Columban
Team Buche
Team Eiche
Andrea Waldenburg
Gönnerbeiträge und Spenden
Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei allen Gönnern und
Spendern bedanken. Ein besonderer Dank gebührt dem Verein Hofbergli / Rehetobel, der TW Stiftung zugunsten von kulturellen und sozialen Institutionen / St. Gallen, der Stiftung Cerebral / Bern, dem
Lions-Club Herisau und der Stanley Thomas Johnson-Stiftung / Bern
für Ihre grosszügigen Spenden an unseren neuen behindertengerechten Bus.
Texte ohne Autorenangabe im
Verantwortungsbereich der Redaktion
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A&C
Geschäftsleitung
Günther Boltshauser
Heimleiter, Bereichsleiter Therapie und Verwaltung
guenther.boltshauser@columban.ch
Harald Draxl
Heimleiter-Stellvertreter, Bereichsleiter Wohnbereich
harald.draxl@columban.ch
Markus Notter
Bereichsleiter Beschäftigung und Dienstleistung
markus.notter@columban.ch
COLUMpodium / Herbst 2006
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