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...was g(k)lauben wir? - Pfarre Windischgarsten

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No. 3 / 2009
...was g(k)lauben wir?
Inhalt
Editorial
3
Titelthema: "Was glauben wir?"
Ich glaube - wir glauben
Glauben heißt nichts wissen
Niveauunterschied ...
Glaubenserneuerung durch das 2. Vatikanische Konzil
4/5
6-8
8/9
10-12
Warum wir Gottes Größe nicht verstehen können!
Was Katholiken glauben
12/13
14/15
Kurzmeldungen
16/17
Politik:
Gott ist ein Schlagersänger - Über öffentliche Formen des
Atheismus und seine Folgen
Jugend aktuell
Kinderseite
T(D)ankstelle
18
19/20
21
22
IMPRESSUM
Unregelmäßig erscheinende Druckschrift im Raum Windischgarsten
Chefredakteurin: Stefanie Haas
Redaktionsteam: Christina Kalchmayr, Birgit Klappacher, David C. Pernkopf, Silke Popp, DI Thomas Popp,
Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner
Gastartikel: Daniel Strutzenberger, Barbara Antensteiner, Maria Ganser
Titelseite: David Schwingenschuh
Layout: DI Thomas Popp
Redaktionsadresse: Stefanie Haas, Mitterweng 34, 4582 Spital/Pyhrn
Abonnementpreise: 7 € für ein Jahr / 12 € für zwei Jahre
2
DER WEIDLING 3/2009
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser!
von Stefanie Haas
Sonnenbrand, Urlaubsfeeling, leckere
nachgesprochen, ohne wirklich darüber
Eisbecher … die Sommerferien gehen jetzt
nachzudenken. Fachkundig geht Pfarrer Dr.
langsam aber sicher dem Ende zu. Die meisten
Gerhard Maria Wagner auch auf die Thematik
sind aus dem Süden zurück gekehrt und
des 2. vatikanischen Konzils ein. Ebenso wurde
gewöhnen sich mühsam wieder an den Alltag.
aber auch das Sprichwort – „Glauben heißt
Die Weidlingredaktion hat die Zeit genutzt und
nichts wissen“ – in seine Einzelteile zerpflückt
sich Gedanken zum Titelthema gemacht:
und analysiert.
„Was glauben wir?“
Der Gastartikel in der neuesten Ausgabe
beschäftigt sich mit der Frage wie und ob unser
Natürlich geht es in der heißesten Zeit des
katholischer Glaube und die Wissenschaft
Jahres meistens darum, seine Batterien wieder
überhaut vereinbar sind.
aufzuladen und sich für den Rest des Jahres
zu rüsten. Alt und Jung, freuen sich darauf das
Auch ganz persönliche Eindrücke rund um
Leben einmal, für eine kurze Zeit, von seiner
das Thema „glauben“ und „Glauben“ wurden
schönsten Seite zu betrachten. Doch zwei –
angestellt. In den Kurzmeldungen erfolgt ein
drei oder sogar neun Wochen sind schnell
kurzer Einblick in die große weite Welt und
vergangen. Wir sollten in diesen Tagen, in
interessante Ereignisse.
denen es darum geht mal richtig die Seele
baumeln zu lassen und ordentlich zu relaxen,
Mir bleibt nur noch Sie, geschätzte Leserinnen
nicht ganz darauf vergessen, was in unserem
und Leser, dazu aufzufordern Ihren eigenen
Leben wirklich wichtig ist und was Bestand
Gedanken freien Lauf zu lassen und sich
haben sollte.
vielleicht ein kleines Stückchen von unseren
Überlegungen für sich selbst mitzunehmen.
Im aktuellen Weidling versuchen wir Ihnen
Denn ich GLAUBE es ist sicher für jeden von
geschätzte Leserinnen und Leser Denkanstöße
Ihnen etwas dabei.
zu geben, was der Glaube aus christlicher
Sicht bedeutet. Wie oft wird das
Ihre
Glaubensbekenntnis in der Kirche einfach
3
DER WEIDLING 3/2009
Titelthema
Ich gaube - wir glauben
von Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner
Gott offenbart sich dem
Menschen, damit dieser Gott
aufnehmen und ihm seinen
ganzen Glauben schenken
kann. Der christliche Glaube
beruht auf Offenbarung. „Was
kein Auge gesehen hat und was
kein Ohr gehört hat und was in
keines Menschen Herz
gedrungen ist“ (1 Kor 2,9), das
hat Gott offenbart. Offenbarung, das heißt
zuerst einmal, dass Gott sich zu erkennen gibt
und damit sich selbst mitteilt. Beides gehört
untrennbar zusammen: dass Gott uns etwas
über sich selber kundtut, was wir von uns aus
nicht wissen könnten, und dass er damit
zugleich sich selber uns schenkt (KKK 142).
Während es im „Apostolischen
Glaubensbekenntnis“ heißt: „Ich glaube“, sagt
das „Große Glaubensbekenntnis“, das auf die
beiden ersten allgemeinen Konzilien
zurückgeht: „Wir glauben“. Beide
Formulierungen widersprechen sich nicht, ihr
Unterschied bringt vielmehr eine im Wesen
des Glaubens angelegte Spannung zum
Ausdruck. „Ich glaube“ heißt: Jeder spricht
dabei für sich persönlich, denn glauben ist ein
ganz persönlicher Akt. Der Glaube ist die freie,
verantwortliche und unübertragbare
Entscheidung des einzelnen Menschen. Denn
innerhalb der Gemeinschaft steht jeder
persönlich vor Gott und hat mit ihm seine
eigene Geschichte. Keiner kann für einen
anderen sagen: „Ich glaube“. Und doch
sprechen wir im Credo nicht unsere „privaten“
Ideen aus, sondern das, was uns allen im
4
DER WEIDLING 3/2009
Glauben gemeinsam ist. „Wir glauben“ das,
was die Kirche glaubt, was sie von ihrem Herrn
und Meister, von Jesus Christus, erhalten hat
und woran sie glaubend und liebend festhält.
Ebenso heißt es, dass mein Glaube getragen
ist vom Glauben der vielen, die vor geglaubt
und den Glauben weiter gegeben haben:
Keiner kann für sich allein glauben. Keiner hat
sich den Glauben selbst gegeben, jeder hat
ihn empfangen von denen, die vor ihm
glaubten. „Wer glaubt, ist nicht allein“, rief der
Papst bei seiner Amtseinführung im April 2005
aus.
Glaube ist ein alles umfassender
Lebensentwurf und eine ganzheitliche
Daseinshaltung. Diese Haltung des Glaubens,
die eigentlich ganz einfach ist, besagt in etwa:
Ich rechne in der Welt nicht nur mit dem, was
ich sehen oder nachweisen kann, sondern
auch mit etwas, was außerhalb der erfahrbaren
Wirklichkeit liegt Der Glaubende wird in die
innerste Grundhaltung Jesu einbezogen. Die
hebräische Bibel gebraucht für unser Wort
„glauben“ vornehmlich das Wort „aman“, das
sich bis heute in der liturgischen
Bekräftigungsformel „Amen“ findet. Die
Grundbedeutung von „aman“ ist „fest“-,
beständig sein“. Glauben bedeutet ein Sichfest-machen in Gott, ein Trauen und Bauen
auf ihn. Glauben ist ein Amen – Sagen zu Gott
mit allen Konsequenzen.
Das Evangelium zeigt uns, wie Jesus den
Glaubensakt bei seinen Gesprächspartnern
auslöst, ohne ihnen jemals Zwang anzutun.
Der Evangelist Markus gibt eine Episode
Titelthema
wieder, an der man gut die pädagogische
Methode Jesu sieht: Ein Mann bittet ihn, seinen
Buben zu heilen, „wenn er kann“. Jesus gibt
ihm zur Antwort, dass dem, der glaubt, alles
möglich sei. Da setzt der Mann einen
Glaubensakt, indem er Jesus bittet, ihm zu
einem tiefen Glauben zu verhelfen: „Ich glaube.
Hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24). Glauben
ist also eine Gabe, die Gott uns schenkt. Die
Vertiefung des Glaubens ist zuerst eine Gabe
des Heiligen Geistes. Es ist der Hl. Geist, der
es möglich macht, dass wir glauben: „Keiner
kann sagen: „Jesus ist der Herr“, wenn er nicht
aus dem Hl. Geist redet“ (1 Kor 12,3). Es ist
der Hl. Geist, der uns befähigt, die Wahrheit
des Glaubens, die Jesus Christus selber ist,
immer besser zu erkennen. Der Heilige Geist
ist es, der unser Herz aufschließt für das
Geheimnis Gottes. So schreibt der Hl. Apostel
Paulus: „Denn uns hat es Gott enthüllt durch
den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles,
auch die Tiefen Gottes“ (1 Kor 2,10). Wir aber
haben den Geist Gottes empfangen, „damit
wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt
worden ist“ (1 Kor 2,12).
Der Glaube ist ein Akt, mit
dem wir der Person Jesu,
der der Sohn Gottes ist, und
dem Inhalt all dessen, was
er uns durch seine Apostel
und seine Kirche offenbart
hat, vertrauensvoll zustimmen. Der Glaube ist
eine persönliche Bindung des Menschen an
Gott, Vertrauen auf seine Liebe und Treue.
Zugleich, untrennbar davon, ist der Glaube
freie Zustimmung zu der ganzen Wahrheit, die
uns Gott offenbart hat. Den Inhalt unseres
Glaubens kennen wir durch die Unterweisung,
die wir von der Kirche erhalten haben. Alle
brauchen wir ein solides Glaubenswissen,
damit wir in der Welt bestehen können. Das
Wissen vom Religionsunterricht aus den
Kindertagen genügt nicht. Wir müssen uns
neu mit den Quellen unseres Glaubens
beschäftigen, vor allem mit der Heiligen Schrift.
Der Weltkatechismus hilft uns, ein fundiertes
Glaubenswissen zu erhalten, damit wir die
geistige Auseinandersetzung unserer Zeit
bestehen. „Ich glaube“ bedeutet so: Ich stimme
ein in das, was wir glauben. Dieses Einstimmen
in den gemeinsamen Glauben nennt man das
Bekenntnis des Glaubens.
Wir geben unsererseits Zeugnis von unserem
Glauben und wir sind stets bereit, jedem Rede
und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung
fragt, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15). So
erkennt man gut, dass der Glaube, auch wenn
er ein höchst persönlicher Akt ist, ebenso ein
gemeinschaftlicher Akt ist: Ich habe mir den
Glauben nicht selber gegeben, wie ich mir
auch das Leben nicht selber gegeben habe
(KKK 166). Ich kann den Glauben nicht selber
erfinden, sondern ihn nur entgegennehmen.
Man gibt ihn an andere weiter und lebt ihn mit
anderen. So persönlich der
Glaube eines jeden ist, wir
sind auf dem Glaubensweg
immer
auf
die
Glaubensgemeinschaft mit
anderen angewiesen, in der
der Glaube der Kirche
erfahrbar wird. Im Apostolischen
Glaubensbekenntnis sagen wir: „Ich glaube“,
aber wenn wir in der Osternacht unser
Taufversprechen erneuern, sagen wir
gemeinsam: „Ich glaube“. Der Glaube ist eine
persönliche Haltung, die man in der Kirche mit
allen anderen Christen lebt.
5
DER WEIDLING 3/2009
Titelthema
Glauben heißt nichts wissen
von DI Thomas Popp
In Diskussionen rund um das Thema Glauben
fällt des Öfteren die wohl bekannte, kritische
Bemerkung: „glauben heißt nichts wissen!“.
Gerade erst kürzlich habe ich diesen Satz von
einem Arbeitskollegen gehört. Was im ersten
Moment durchaus plausibel klingen mag,
entpuppt sich aber bei genauerer Betrachtung
als ein klassischer Vergleich von Äpfel und
Birnen. Und genau das habe ich meinem
Kollegen dann zu erklären versucht – wie
erfolgreich ich war habe ich aber bis jetzt noch
nicht wirklich herausgefunden.
Das Problem liegt aus meiner Sicht in der
Mehrdeutigkeit des Zeitwortes „glauben“ in
der deutschen Sprache: einerseits kann man
„an Gott/ein höheres Wesen/… glauben“ und
ebenso ist es möglich „zu glauben, dass ein
bestimmter materieller Sachverhalt (zum
Beispiel ein physikalisches Gesetz) richtig ist,
obwohl man sich dem nicht ganz sicher ist“.
In beiden Fällen wird „etwas für wahr gehalten“
– aber mit einem entscheidenden Unterschied.
Im ersten Fall, dem „religiösen Glauben“, gibt
es als Gegenüber kein „Wissen“ im materiellen
Sinn. Alle Glaubensgrundsätze (im speziellen
vor allem die Dogmen) entspringen direkten
oder indirekten Offenbarungen und
Überlieferungen, die man annimmt oder eben
nicht. Glauben heißt hier im Letzten also sich
für eine bestimmte Sicht der Dinge zu
entscheiden ohne jemals Beweise im
naturwissenschaftlichen Sinn dafür haben zu
können. Ganz anders verhält es sich im
zweiten Fall, nennen wir es das „materielle
Glauben“. Hier gibt es als Gegenüber sehr
wohl das „Wissen“, nur hat man eben derzeit
die entsprechenden Fakten und Beweise nicht
parat und nimmt daher (vorerst) etwas als
richtig an. In diesem Fall würde also der
eingangs zitierte Satz passen, nicht aber in
religiösen Dingen.
Was ist nun eigentlich das Thema, das sich
6
DER WEIDLING 3/2009
hinter diesem scheinbaren Argument gegen
den religiösen Glauben verbirgt? Ich würde
sagen es ist die große Thematik von Glaube
(im religiösem Sinn) und Vernunft (bzw.
genauer wäre hier vielleicht
„Naturwissenschaft“) und dem Verhältnis der
beiden. Oft wird ja ein Gegensatz zwischen
Glaube und Vernunft vorausgesetzt und im
nächsten Schritt wird gleich auch die
Überlegenheit der Vernunft über den Glauben
herausgestrichen. Ersteres würde ich nach
dem eingangs Gesagten nur als einen
scheinbaren Widerspruch bezeichnen. Und
wenn es keinen Gegensatz gibt wird auch die
Überlegenheitsdebatte sinnlos – obwohl man
sich schon auch einmal fragen könnte, wie
denn eigentlich der Beweis für den Vorrang
der Vernunft und der Naturwissenschaft über
den Glauben genau aussieht.
Was sind nun also Glaube und Vernunft? Zu
diesem Thema hat übrigens Papst Johannes
Paul II. im Jahr 1998 eine eigene Enzyklika
(„Fides et Ratio“) verfasst. Aus meiner Sicht
erschließen uns Glaube und Vernunft zwei
unterschiedliche Bereiche der Wirklichkeit.
Der eine ist der transzendente (übersinnliche,
unergründliche, göttliche) Bereich, der andere
der ausschließlich am materiellen orientierte
Bereich. Glaube hat mit einem religiösen
Bekenntnis bzw. Entscheidungen zu tun
während
die
Vernunft
im
naturwissenschaftlichen Sinn sich gänzlich auf
Erfahrungen und Experimente in der
materiellen Wirklichkeit beschränkt. Zwischen
diesen beiden Bereichen befindet sich noch
der geistige Bereich, der Wissenschaften wie
Jus oder Philosophie umfasst. Interessant ist,
dass es auch in diesem Bereich kein Wissen
gibt, dass sich zum Beispiel in Experimenten
als richtig und wahr beweisen kann – wir haben
also hier in einem gewissen Sinn eine ähnliche
Situation wie im Glauben, jedoch wird dieser
Titelthema
Aspekt so gut wie nie diskutiert geschweige
denn kritisiert.
Glaube und Naturwissenschaft wie auch dem
geistigen Bereich ist nun gemeinsam, dass
die Zusammenhänge im jeweiligen Bereich
logischen und vernünftigen (rationalen)
„Regeln“ folgen müssen. Und dies gilt ebenso
zwischen den verschiedenen Bereichen, d.h.
wenn es zu Widersprüchen kommt wurde
entweder ein Fehler gemacht oder ein Bereich
hat seine Kompetenzen im Erklären „seiner“
Wirklichkeit überschritten. Zu dem zweiten Fall
werden wir später noch etwas genauer
kommen. Wenn man diese Gemeinsamkeiten
nun anerkennt wird klar, dass theologisches
Arbeiten auf der einen Seite und
zum Beispiel mathematische
Beweisführungen (oder auch
physikalische Experimente) auf
der anderen Seite gleichberechtigt
nebeneinander stehen.
Was die verschiedenen Bereiche
und ihre Disziplinen nun
grundsätzlich unterscheidet sind
die Voraussetzungen von denen
sie ausgehen, woher diese
Voraussetzungen kommen und
ob diese Voraussetzungen und
ihre rationalen Schlussfolgerungen
der experimentellen Beweisbarkeit
zugänglich
sind.
Im
Glaubensbereich gehören zu
diesen Grundvoraussetzungen die
Dogmen, die in Offenbahrung und
Überlieferung erkennbar sind. Daraus leiten
sich dann im Letzten die verschiedenen
Glaubenssätze ab. Interessant wird es nun,
wenn man sich die Naturwissenschaften
ansieht, wo überraschenderweise eine ähnliche
Situation zu findet ist. Auch die Mathematik
und die Physik, um zwei Beispiele
herauszugreifen, haben ihre „Dogmen“ – sie
werden dort unter anderem als Axiome oder
auch Postulate bezeichnet. Aus diesen
(unbewiesenen) Axiomen werden dann in
weiterer Folge verschiedenste
Zusammenhänge abgeleitet und mittels
Beweisen und Experimenten je nachdem
bestätigt oder auch widerlegt.
Im Lauf der Geschichte haben sich nun die
Grenzen zwischen Glaube und Vernunft bzw.
Naturwissenschaft immer wieder verschoben.
Und es ist auf jeden Fall eine Tatsache, dass
sich diese Grenze vor allem in den letzten
Jahrhunderten in Richtung Glauben
verschoben hat. Noch zu Beginn meines
technischen Studiums vor nun schon gut 10
Jahren hatte ich manchmal den Eindruck, dass
sich der religiöse Glaube im Allgemeinen auf
einem eigentlich schon verlorenen
„Rückzugsgefecht“ befindet - ein Gefühl das
sicher manche kennen werden. Am Ende
würde
also
die
N a t u r w i s s e n s c h a ft a l l e s
erklären können und für
Religion wäre, wenn überhaupt,
nur noch im folkloristischen Eck
ein Plätzchen frei.
Doch überraschenderweise
wurde mir, je mehr ich mich der
technischen Wissenschaft
näherte, klar, dass es erstens
vielmehr um eine Verfeinerung
der Grenzziehung zwischen
Glaube und Vernunft geht und
auf keinen Fall um die
„Auslöschung“ des jeweils
anderen Bereichs. Und
zweitens gibt es sogar durch
einige der letzten größeren
naturwissenschaftlichen
Erkenntnisse eine eindeutige Tendenz in
Richtung Beschränkung des materiellen
Bereichs. Als Beispiele wären hier die
Erkenntnisse der Relativitätstheorie (Albert
Einstein) zu nennen, oder aber auch die aus
meiner Sicht noch viel radikaleren, leider oft
der Intuition sehr schwer zugänglichen
Erkenntnisse der sogenannten Quantentheorie.
Mit dieser zweiten Theorie kommt zum Beispiel
nach gängiger Interpretation der Zufall bzw.
die Wahrscheinlichkeit eines naturgesetzlichen
Vorgangs (wieder) als Grundeigenschaft in die
materielle Welt. Damit werden dann zum
7
DER WEIDLING 3/2009
Titelthema
Beispiel
Wunder
auch
nach
naturwissenschaftlichen Kriterien wieder
möglich (wenn sie auch immer noch sehr
unwahrscheinlich bleiben). Ebenso wird damit
dem Determinismus bzw. Materialismus („alles
ist auf materieller Ebene vorherbestimmt“, „es
gibt keinen wirklichen freien Willen“) damit ein
schwerer Schlag versetzt und die darauf
aufbauenden Ideologien bekommen Probleme.
Bezeichnenderweise hat daher zum Beispiel
in der kommunistischen Sowjetunion die
Quantentheorie in ihrer Anfangszeit (erstes
Drittel des 20. Jahrhunderts) nicht gelehrt und
diskutiert werden dürfen. Dies ist, wie ich finde,
eine kleine aber sehr nette Anekdote zum
Thema „Freiheit der Wissenschaft“ im rationalatheistischen Umfeld.
Am Ende unseres Streifzuges durch den
Themenkreis Glaube und Vernunft soll auch
der scheinbare Paradekonflikt in diesem
Bereich nicht unerwähnt bleiben: Galileo Galilei
gegen die Kirche zur Frage ob die Erde oder
die Sonne im Mittelpunkt des Universums steht
(und wer nun um wen kreist) – mittlerweile
wissen wir übrigens, dass weder die Erde noch
die Sonne im Mittelpunkt steht. Die neueste
Geschichtsforschung zeichnet hier oft schon
ein überaus differenziertes Bild, wer nun wann
womit recht oder unrecht hatte.
Überraschenderweise hatte übrigens Galilei
im naturwissenschaftlichen Sinne unrecht (sein
Beweis der Drehung der Erde um die Sonne
über die Gezeiten war falsch) und die
beteiligten Vertreter der Kirche irrten
theologisch (eine bewegte Erde war kein
unlösbarer Widerspruch zur Bibel). Auch in
diesem Fall steht am Schluss, so scheint es
doch immer mehr, kein Konflikt sondern eine
gegenseitige Ergänzung von Glaube und
Vernunft, wobei jeder seine Grenzen kennen
und auch achten muss.
Niveauunterschied ...
von Stefanie Haas
„Achtung Bahnsteig 4 – Regionalexpress nach
Selzthal – Planabfahrt 8:58 fährt ab – Vorsicht
Türen schließen automatisch!“ Ich sitze im
Zug von Linz nach Hause. 1,5 Stunden Fahrt
… Zeit zum Schlafen – Zeit zum Nachdenken
und überlegen oder besser: Zeit zum Schreiben
eines nachdenklichen Artikels.
Mit mir fahren noch geschätzte 100 andere
Leute, dem Lärm nach zu urteilen sind es
gefühlte 1000. Hinter mit sitzen zwei
8
DER WEIDLING 3/2009
„superintelligente“ Geschäftsmänner, die sich
über die aktuellen Aktienkurse austauschen.
Weltwirtschaftskrise – Landtagswahlen die
wirklich wichtigen Dinge im Leben eben.
Zumindest GLAUBEN sie, dass es wirklich
weltbewegende Fakten sind, über die sie sich
unterhalten. Ich war gerade in Assisi, auf den
Spuren der Hl. Clara und des Hl. Franz von
Assisi. Wenn man das Leben dieser beiden
Heiligen betrachtet, dann kommt einem das
eigene ziemlich langweilig und öde vor. Sinnlos
trifft es wohl eher.
„Nächste Haltestelle Traun – Beachten sie
bitte beim Aussteigen den Niveauunterschied
zwischen Zug und dem Bahnsteig!“ Eine
Kindergruppe steigt ein und der Lärmpegel in
meinem Abteil erhöht sich noch mal um das
Doppelte.
Der Lärm und die Hektik in unserer Zeit
Titelthema
machen es oft schwer noch richtig
nachzudenken und Überlegungen anzustellen.
In den Tag hinein leben, keine richtigen
Highlights aber Tiefpunkte die einen oft
unverhältnismäßig weit hinunterziehen. Was
ist anders heute, als damals zu Zeiten von
Franz und Clara? Wieso konnten sie durch all
die Zeit bestehen? Wieso spricht man noch
heute von diesen unglaublichen
Persönlichkeiten? Als Glaubenszeugen werden
sie oft bezeichnet?
Meine Gedanken schweifen wieder ab. Ich
ignoriere die gesprächigen Geschäftsleute
hinter mir (inzwischen sind sie bei der letzten
Weihnachtsfeier angekommen – nicht mehr
ganz so weltbewegend), das wirklich nette
ältere Ehepaar neben mir (hier wird der letzte
Ausflug vom Wochenende Revue passieren
lassen) und ebenso lasse ich die quirlige
Kindergruppe um mich herum (keine Ahnung
was die reden – zuviel Stimmengewirr) links
liegen. Ich schaue aus dem Fenster, die
Landschaft zieht an mir vorbei, ohne dass ich
sie wirklich registriere. Glaubenszeugen… wie
fest muss der eigene Glaube sein, dass man
so starkes Zeugnis dafür ablegt wie die Heiligen
unserer Kirche?
Ziemliche Gedankensprünge haben die beiden
Herren, die doch wirklich glauben ihre
Gesprächsthemen interessieren alle Insassen
des Abteils. Blitzkrieg auf Polen im 2. Weltkrieg
– interessant ohne Zweifel – aber bei meinen
Überlegungen nicht unbedingt hilfreich.
Ablenkung!, genau das ist vermutlich ein
wirklich großes Problem für uns heute. Woran
sollen wir denn noch glauben? Es ist schon
schwer
aus
dem
ganzen
Informationsüberschuss die paar Dinge
herauszufinden, die für mich „glaubhaft“ sind.
Clara und Franz haben es da schon leichter
gehabt, oder? Nein, sie hatten es auch nicht
leichter. Sie hatten nur einfach den Mut gegen
den Strom zu schwimmen und nicht darauf zu
achten was die breite Masse tut oder denkt.
Die Familien der beiden Glaubensvorbilder
waren strikt dagegen, dass sie ihr Leben ganz
Gott widmen. Doch selbst gegen deren Willen
setzten sie ihre Überzeugungen durch und
wurden zum Vorbild ganzer Generationen.
Uns fehlt es doch so oft an Willenskraft und
Mut selbst unseren Freunden gegenüber
zuzugeben, dass wir gerne in die Messe gehen.
Dass Glaube, Gott und die Kirche in unserem
Leben eine Rolle spielen, dahinter zu stehen
und für unsere Überzeugung einzutreten, fällt
uns doch wirklich oft alles andere als leicht.
Inzwischen sind wir schon beim
Klischeedenken über Lehrer angekommen –
wobei wir erst in Kirchdorf sind. Der Zug hat
Verspätung – ganze 5 Minuten – was für
großes Aggressionspotential bei meinen
Sitznachbarn sorgt. Der Stress den wir uns oft
selbst machen, ist oft die größte Hürde, dabei
stellen wir sie uns selbst mitten auf die
Laufbahn des Lebens.
Ob sich Clara und Franz auch solchen Stress
gemacht haben? Ich denke die beiden haben
sich vor allem sehr viel Zeit genommen um
mit Gott ins Gespräch zu kommen.
Meine Zugfahrt geht jetzt langsam dem Ende
zu und wenn ich behaupten würde, es täte mir
leid, würde ich lügen. Denn über die Trinkkultur
der Asiaten und wie der Balkan immer mehr
Einzug hält in Österreich, mache ich mir doch
lieber meine eigenen Gedanken. Dafür wird
noch Zeit bleiben in der einen oder anderen
Zugfahrt.
„Nächste Haltestelle Windischgarsten –
Beachten sie bitte beim Aussteigen den
Niveauunterschied zwischen Zug und dem
Bahnsteig!“
9
DER WEIDLING 3/2009
Titelthema
Glaubenserneuerung durch das 2. Vatikanische
Konzil
von Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner
Die Überraschung war
groß, als Papst
Johannes XXIII. im
Jänner 1959 in einer
Ansprache vor den
Kardinälen in St. Paul
vor den Mauern ein
Ökumenisches Konzil
ankündigte. Das Ziel
des Konzils definierte
Papst Johannes XXIII er in der Enzyklika
„Ad Petri cathedram“ folgendermaßen: Innere
Erneuerung der Kirche und „Aggiornamento“,
d. h Heutigwerden ihrer äußeren Ordnung und
nicht billige Anpassung an den Zeitgeist. Von
einem „Konzil der Erneuerung“ war die Rede.
„Die Kirche kommt von Christus her, und sie
geht auf Christus hin“, sagte Papst Paul VI.
zu den Konzilsvätern. Darum ist die
Erneuerung der Kirche, damals und heute,
nur möglich von Christus her und auf Christus
hin. So kann die Kirche nicht einfach den
Entwicklungen und Zeiten nachlaufen, sondern
sie muss und will ihre Erneuerung ganz und
restlos im Blick auf Christus vollziehen. Wenn
sich die Kirche erneuern will, kann dies nie
durch unkritische Anpassung an die Zeit
geschehen. Es geht vielmehr um eine
Anpassung an Christus in der Zeit. Die Kirche
schaut auf die Zeit und von der Zeit her zu
Christus. Für diese Erneuerung haben sich
Bischöfe auf dem Konzil mit aller Kraft
eingesetzt, in der Vorbereitungskommission,
in der Zentralkommission und durch
persönliche Interventionen und Textvorschläge
während der Sitzungen.
Insgesamt unterscheidet sich das Zweite
10
DER WEIDLING 3/2009
Vatikanische Konzil, das am 11. Oktober 1962
von Papst Johannes XXIII. eröffnet und am 8.
Dezember 1965 von Papst Paul VI.
geschlossen wurde, von allen 20 früheren
ökumenischen Konzilien dadurch, dass nicht
die Lehre der Kirche definiert wurde, sondern
die Seelsorge im Mittelpunkt stand. Schon bei
der feierlichen Eröffnung setzte Johannes
XXIII. durch seine Ansprache bereits eindeutige
Akzente. Zunächst widersprach er den
Unglückspropheten, die nur Missstände und
Fehlentwicklungen in Augenschein nahmen.
Dann fuhr er fort: „Die Hauptaufgabe des
Konzils besteht darin, das unveräußerlichte
Überlieferungsgut der christlichen Lehre
(depositum fidei) wirksamer zu bewahren und
zu lehren. Unsere Aufgabe ist es nicht nur,
diesen kostbaren Schatz zu bewahren…,
sondern wir wollen uns mit Eifer und ohne
Furcht der Aufgabe widmen, die unsere Zeit
fordert (aggiornamento).
Nun hat die erste Sitzungsperiode im Jahre
1962 keine konkreten Ergebnisse gebracht.
Bemerkenswert ist aber, dass die Vorlagen
von der Mehrheit der Konzilsväter abgelehnt
wurden. Zwischen der ersten und zweiten
Sitzungsperiode liegt ein einschneidendes
Ereignis: Johannes XXIII stirbt und Paul VI.
kommt. Die Wahl des Erzbischofs von Mailand,
Giovanni Battista Montini, zum Papst am 21.
Juni 1963 nach einem nur zwei Tage
dauernden Konklave kam nicht überraschend,
sondern entsprach den Erwartungen. Er setzte
die Bemühung um eine „Öffnung“ der Kirche
fort, so durch die Vergebungsbitte gegenüber
den getrennten christlichen Brüdern, durch
die Schaffung einer handlungsfähigen
Konzilsleitung aus vier Moderatoren und durch
Titelthema
die Teilnahme von Laien als Hörer. Die beiden
entscheidenden Ergebnisse der zweiten
Konzilsperiode war der theologische Ansatz
der Kirche als „Volk Gottes“ im Entwurf zur
Kirchenkonstitution und die Verabschiedung
des ersten Konzilsdokuments über die Liturgie.
Die dritte Sitzungsperiode war die stürmischste
und dramatischste. Der Papst hat verstärkt
auf das Konzil Einfluss genommen. Hätte er
das nicht tun dürfen? Manche befürchteten
sogar das Scheitern des Konzils.
Verabschiedet wurde in dieser Sitzungsperiode
das Dekret über den Ökumenismus. Erstmals
sprach die Kirche von einer „Hierarchie der
Wahrheiten“ innerhalb der katholischen Kirche,
je nach der verschiedenen Art ihres
Zusammenhangs mit der Grundlage des
christlichen Glaubens. In der vierten
Sitzungsperiode wurde eine Reihe
bedeutender Konzilsdokumente zu Ende
beraten und verabschiedet, von denen hier
nur drei besonders wichtige angesprochen
seien: Es ist die Erklärung „Dignitatis humanae“
über die Religionsfreiheit, ebenso die Erklärung
über die nichtchristlichen Religionen mit dem
Titel „Nostra aetate“. In der
Offenbarungskonstitution „Dei verbum“
schließlich wurde das Verhältnis der drei
Bezeugungsinstanzen des Glaubens Schrift,
Tradition und Lehramt bedacht und
festgehalten: „Das Lehramt steht … nicht über
dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem
es nur lehrt, was überliefert ist.“ Bei der letzten
öffentlichen Sitzung am 7. Dezember 1965
wurde zeitgleich in Rom und Konstantinopel
(Istanbul) eine gemeinsame Erklärung des
Papstes und des Patriarchen Athenagoras
bekannt gegeben, dass die wechselseitigen
Bannflüche von 1054 „aus dem Gedächtnis
und aus der Mitte der Kirche getilgt“ seien.
Dieser historische Augenblick bildete den
Auftakt für eine neue Phase in den
Beziehungen zwischen katholischer und
orthodoxer Kirche.
Was hat dieses Konzil wirklich sagen wollen?
Die insgesamt 16 konziliaren Dokumente – 4
Konstitutionen, 9 Dekrete und 3 Erklärungen
– waren gewiss in vielem das Ergebnis eines
mühsamen und nicht selten spannungsreichen
Kompromisses, bei dem auch manches auf
der Strecke und manche Erwartungen unerfüllt
blieb. Und von der Kirche? Natürlich ging es
um das „aggiornamento“, um das Heutig
werden der Kirche, das recht verstanden
werden musste. Dass die Kirche heutig sein
muss, ist unbestritten. Es ist die missionarische
Öffnung der Kirche zum Heil der Welt, was
mit oberflächlicher Anpassung der Kirche an
die Welt überhaupt nichts zu tun hat. So wurde
der Papst in das Ganze der Kirche eingefügt,
die Hierarchie wurde in das Mysterium des
Leibes Christi integriert, Maria wurde in das
große Gefüge des Glaubens zurückgebunden,
dem biblischen Wort wurde sein voller Rang
eingeräumt, die Liturgie wurde zugänglicher
gemacht, ein mutiger Schritt auf die Einheit
der Christen wurde getan. Aber auch negative
Faktoren beunruhigen bis zum heutigen Tag:
die Eigenmächtigkeiten in der Liturgie und der
Verlust des Mysteriums, die Flucht aus den
Klöstern und Priesterseminarien, Parteiungen
innerhalb der Kirche und eine Moral, die
weitgehend am Boden liegt.
Nach dem Konzil, so
hoffte man, werde
eine ruhige und
fruchtbare Zeit der
k i r c h l i c h e n
Erneuerung auf der
Grundlage der
Konzilsbeschlüsse
einsetzen. Doch bald
zeigte sich, dass sich
in der Interpretation
des Konzils zwei
Lager bildeten, die einen nennt man die
11
DER WEIDLING 3/2009
Titelthema
Progressiven und die anderen die
Konservativen. Die Lage wurde geradezu
gefährlich, als 1968 die gesellschaftliche
Kulturrevolution vor der Kirche nicht halt
machte, sondern in sie einbrach. Immer wieder
gingen die Wogen der Auseinandersetzungen
hoch. Nun haben sowohl Papst Johannes Paul
II. als auch Papst Benedikt XVI. versucht, die
Menschen erst recht auf dieses Konzil
aufmerksam zu machen. Wunderbare Texte
wurden von diesem Konzil verfasst, und
manches, was in diesem Konzil grundgelegt
ist, ist bis heute nicht wirklich an die Oberfläche
gekommen. Vom „Geist des Konzils“, der nichts
mit den Texten zu tun hat sprechen viele, das
Konzil selber kennen nur wenige. So dauert
der Streit um das 2. Vatikanische Konzil bis
heute an. Wenn Papst Benedikt XVI. vom 2.
Vatikanischen Konzil spricht, dann spricht er
nicht von einem „Bruch“, sondern von der
Kontinuität. Und das stimmt, denn ein „neues
Pfingsten“ wird es nur geben, wenn die
Aussagen des Konzils nicht im Gegensatz,
sondern in Kontinuität mit der großen Tradition
der Kirche gesehen werden. Und es kein
geringerer als dieser Papst, der das Konzil als
„Kompass“ und „Leuchtturm“ für die Kirche
sieht und zugleich verspricht, es in treuer
Kontinuität mit der zweitausendjährigen
Tradition der Kirche weiter zu verwirklichen.
Die Kirche nach dem Konzil ist keine andere
als die vor dem Konzil.
Warum wir Gottes Größe nicht verstehen können!
ein Gastartikel von Daniel Strutzenberger
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde (Gen
(4.600.000.000) Jahre geschätzt. Warten wir
1,1). Mit diesem Satz fängt die Bibel an und
ab was in einigen Jahren unseren Kindern im
leitet die Schöpfungsgeschichte unserer Welt
Geschichteunterricht erzählt wird. Aber zeigen
ein. Manche Personen sind der Meinung dass
solche wissenschaftlichen Schwierigkeiten
die Erde nicht von Gott erschaffen wurde, sie
nicht die Großartigkeit und Unbegreifbarkeit
glauben an einen zufälligen Urknall ohne
Gottes bei seiner Schöpfung. Wir kennen den
Beteiligung eines „Schöpfers“. Aber warum
Durchmesser (s=.700km), die Masse (m=974
glauben sie nicht an Gott, obwohl wir nur einen
* 1024kg) und die Dichte (r=5,515g/cm³)
Teil der durch Gott erschaffenen Welt kennen.
unseres Planeten. Sogar die Entfernung zur
Man denke nur an die Tiefen der Weltmeere
Sonne (149,6 * 106km) ist nicht unbekannt.
oder an die Weiten des Weltalls.
Obwohl wir das alles wissen, glauben viele
dass dies nur ein Zufall war und Gott nichts
Ein typischer Irrglaube ist es, dass das Alter,
damit zu tun hat. Damit endet Gottes Arbeit
der Entstehungszeitpunkt, der Erde genau
noch lange nicht. Betrachten wir das
errechnet wurde. Aber Fakt ist, dass zirka alle
Meisterwerk Mensch: Es gibt rund 6,75
fünf Jahre eine andere Jahreszahl in den
Milliarden (6.750.000.000) Menschen und jeder
Geschichtsbüchern erscheint. Aktuell wird das
sieht anders aus, denkt anders, hat andere
Alter der Erde auf 4,6 Milliarden
Bedürfnisse und vor allem eine andere
12
DER WEIDLING 3/2009
Titelthema
Weltanschauung.
und deshalb ein Endlos- Prozess entsteht. Es
kann niemals eine „Königsformel“ geben, oder
Um 1900 gab es unter den Wissenschaftlern
eine wissenschaftliche Erklärung für Gott oder
eine Strömung, welche mit mathematischen
Gottes Werk geben. Es gibt keine Möglichkeit
Regeln Gottes Schöpfung berechnen wollte,
eine solche geistige Kapazität zu erreichen
um eine mögliche „Königsformel“, mit welcher
ohne sich dabei selbst zu widersprechen.
man mehr als die Welt regieren kann, zu
finden. Man wollte sich also mit Gott auf eine
Wenn wir nun zusammenfassen, können wir
Stufe stellen. Bei diesen Versuchen, von
sagen, dass die Menschen (mit deren
verschiedenen Leuten an verschiedenen
wissenschaftlichen Möglichkeiten) einen
Orten, wurde nur eines klar: „Mathematik klingt
kleinen unbedeutenden Bruchteil von Gottes
zwar in sich schlüssig, ist aber sehr instabil!“
Größe entdeckt bzw. erforscht haben. Für
Die Probleme traten auf als es darum ging die
mich sind solche Zahlen (mit deren
Mathematik mit mathematischen Möglichkeiten
Entstehungsgeschichte) immer wieder Punkte
zu beschreiben. Das gleiche Problem hat man
an denen ich sehe wie wenig ich eigentlich
wenn man ein Buch schreiben will und in
weiß und wie unvorstellbar Gott wirklich ist.
diesem Buch wird das zu schreibende Buch
Deshalb gebe ich dem alten Kirchenspruch
beschrieben. Es ist nicht möglich weil man die
„Für Gott ist alles möglich!“ in jeglicher Hinsicht
Beschreibung auch wieder beschreiben muss,
recht.
Michelangelo - Sixtinische Kapelle (Detail)
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DER WEIDLING 3/2009
Titelthema
Was Katholiken glauben
von Birgit Klappacher
Viele Menschen meinen heute, glauben sei
viel schwerer als früher, weil wir Gott scheinbar
nicht mehr brauchen, um die Welt zu verstehen
und das Leben zu bewältigen. Ich aber bin der
Meinung, dass sich deshalb so viele damit
schwer tun, weil sie im zwischenmenschlichen
Bereich verlernt haben, dem andern zu
„glauben“, sprich zu vertrauen. Wer sagt, dass
dies oder jenes wirklich wahr ist? Muss ich im
Leben immer alles beweisen können? Kann
ich nicht auch einmal auf etwas vertrauen? Es
gibt aber auch genügend Menschen, deren
Ausrede darin besteht, dass sie nicht wissen,
was sie glauben sollen – die Bandbreite sei
so groß und unüberschaubar, man müsse ja
ein kleiner Wissenschaftler sein, um sich durch
das Dickicht des katholischen Glaubens
durchackern zu können. Stimmt so aber nicht,
wage ich zu behaupten, denn Sonntag für
Sonntag bekennen wir beim Gottesdienst
unseren Glauben und sprechen im
Glaubensbekenntnis aus, was wir wirklich
glauben – es ist die kürzeste und zugleich
umfangreichste Kurzfassung unseres
Glaubens:
Wir glauben an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des
Himmels und der Erde und an Jesus
Christus, seinen eingeborenen Sohn,
unsern Herrn, empfangen durch den
Heiligen Geist, geboren von der
Jungfrau Maria, gelitten unter
Pontius Pilatus, gekreuzigt,
gestorben
und
begraben,
hinabgestiegen in das Reich des
Todes, am dritten Tage auferstanden
von den Toten, aufgefahren in den
Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters; von dort
wird er kommen, zu richten die
Lebenden und die Toten. Und wir
glauben an den Heiligen Geist, die
heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung
der Sünden, Auferstehung der Toten
14
DER WEIDLING 3/2009
und das Ewige Leben.
Viele Menschen also meinen, der christliche
Glaube sei zu umfangreich, zu kompliziert und
schwer verständlich. Man müsse viele Bücher
lesen und ganze Bibliotheken kennen. Dabei
kann man den ganzen christlichen Glauben
in seinem Kern zu einem einzigen Satz
zusammenfassen: Gott liebt den Menschen
– jeden einzelnen und keinen mehr und
keinen weniger! Er liebt ihn so sehr, dass er
selbst Mensch wurde. Er will alle Menschen
über ihren Tod hinaus in alle Ewigkeit bei sich
haben und an seinem Leben teilhaben lassen.
Glauben heißt für mich auf diesem Hintergrund,
sich diese Liebe gefallen zu lassen und auf
sie zu antworten: Gott zurück zu lieben – das
ist alles, was wir müssen. Und wenn wir ihn
lieben, dann sind die 10 Gebote auch keine
Verbote, die uns ach so gern und oft ein Dorn
im Auge sind, sondern dann sehen wir sie als
Wegweiser – als Richtlinien, wie uns das am
besten gelingt. Auch die Bibel ist uns
Richtschnur, denn sie erzählt anhand vieler
Geschichten einzelner Personen bzw. anhand
der Geschichte des ganzen Volkes Israels wie
Beziehung möglich wird. In Jesus von Nazareth
also wird diese Beziehung „auf den Punkt
gebracht“. Mit Jesus sind auch alle Menschen
in Gott eingebunden. Von ihm können wir uns
führen lassen. Wer ihm nachfolgt, findet hinein
ins Herz unseres Glaubens, denn er selbst
sagte ja: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und
das Leben. Wer mir nachfolgt, wird leben in
Ewigkeit!“ In Jesus ist Gott auf die Menschen
zugegangen. Er ist die „leibhafte Zuneigung
Gottes zu uns“. Natürlich könnten wir jetzt
jeden
einzelnen
Satz
des
Glaubensbekenntnisses genau unter die Lupe
nehmen, aber das würde den Rahmen hier
wohl entschieden sprengen. Was wir glauben
ist in den oben angeführten Passagen wohl
deutlich umschrieben – aber wozu sollen wir
glauben? Auch diese Frage bekomme ich oft
gestellt? Warum soll ich glauben, in den
Krisenzeiten meines Lebens war Gott ja auch
Titelthema
nicht da. Wenn er ein so liebender Gott ist,
der jeden von uns liebt, warum nimmt er uns
oft das Liebste, das wir haben? Nun – warum
wir glauben sollen, kann ich auch nur für mich
beantworten: Mein Glaube, der mit den Jahren
gereift ist, hat mein Leben durchdrungen und
sich auf den Alltag meines Lebens ausgewirkt.
Im Jakobusbrief z.B. lesen wir: „Der Glaube
ist ohne Werke tot!“ Und genau darum geht
es, wenn es z.B. auch in einem Lied heißt:
„Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe, das sind
Worte und Taten. Als Zeichen der Liebe ist
Jesus geboren, als Zeichen der Liebe für diese
Welt.“ Es geht darum, ins Leben umzusetzen,
was wir im Glauben erkannt haben: für den
anderen dazusein, gemeinsam durch dick und
dünn zu gehen uvm. Wir sollten es uns zur
Aufgabe machen, den Willen Gottes in der
Welt zu verwirklichen und die Liebe, die Gott
schenkt, weitergeben. Klingt so „easy“, ist es
aber leider nicht. Zu viele Stolpersteine finden
wir auf dem Weg zum perfekten Katholiken –
aber der größte Stolperstein ist oft das eigene
Ich. Natürlich gehören auch Krisensituationen
zum Leben, die unseren kindlichen Glauben
erschüttern, vor allem wenn Schicksalsschläge
und Enttäuschungen Zweifel an der Liebe
Gottes aufkommen lassen. Diese können
mitunter sogar zur völligen Abkehr vom
Glauben führen. Krisen aber sind
Reifestationen, die – wenn man sie besteht –
den Glauben vertiefen und wachsen lassen.
Wir glauben nicht
an
etwas,
sondern an Gott,
d
e
n
Schöpfervater.
Wir glauben an
Jesus Christus,
seinen Sohn, der
gekommen ist,
um für uns Kreuz
und Leid auf sich
zu nehmen, damit
wir das ewige
Leben haben und
wir glauben an
den Heiligen Geist, der heute noch in der
Kirche wirkt und sie zusammenhält. Als Jesus
begann, den Menschen von Gott zu erzählen,
sammelte er zugleich Freunde und Schüler,
Männer und Frauen um sich, mit denen er
zusammen durch das Land zog. Gemeinsam
erlebten und hörten sie Jesus. Niemand glaubt
für sich allein. Gerade in Überzeugungen, auf
denen das Leben aufbaut, brauchen Menschen
gegenseitige Stütze und Bestätigung. Wenn
Gott einzelne Menschen beruft, dann im Dienst
für das Ganze. Wir alle, jeder einzelne, ist
bloßes Werkzeug, mit dem sich Gott allen
Menschen zuwendet und mitteilt. Der Begriff
katholisch stammt ja aus dem griechischen
und bedeutet weltweit, allumfassend … aber
solche Ziele erreichen Menschen nur in
solidarischer Gemeinschaft, die sie im Leben
und Glauben trägt und stützt. Glaube braucht
Gemeinschaft – und daher auch die Kirche.
Aber über die Gemeinschaft hier auf Erden,
die Kirche, hinaus, haben wir auch eine
Gemeinschaft im Himmel – die Schar der
Heiligen, die auch für unseren Glauben sehr
wichtig ist. Die Verstorbenen im Himmel, die
für immer bei Gott leben, nennen wir Katholiken
Heilige. Unter ihnen ragen am meisten Maria,
die Mutter Jesu und die Apostel heraus. Wir
verehren Maria und die Heiligen und dies steht
in keinem Widerspruch zur Anbetung Gottes.
Heilige sind und bleiben Geschöpfe Gottes,
die ihre Heiligkeit nicht dem eigenen Bemühen
und der eigenen Leistung verdanken, sondern
allein Gott. Vor Jahren traf mich die Aussage
„Alle sind zur Heiligkeit berufen“ tief und ich
brauchte lange, um zu verstehen, welcher
Auftrag hinter dieser Aussage steht. Es geht
nicht darum, im hier und jetzt wie ein Heiliger
zu leben, sondern so zu leben, dass wir unser
Leben einst verantworten können und sagen
können, wir haben nach bestem Wissen und
Gewissen gehandelt und uns ein Leben lang
bemüht. Freilich gab es Fehltritte und
Entscheidungen, die man anschließend
bereute – auch das gehört zum Leben. Das
Entscheidende ist nicht, wie viel habe ich falsch
gemacht, sondern was habe ich daraus gelernt
und habe ich es bereut … weil Gott uns liebt,
schenkt er uns immer die Möglichkeit zu einem
Neubeginn. Und wenn wir uns nicht nur lieben
lassen, sondern Gott ebenfalls lieben – dann
wird es ein erfülltes Leben mit der Verheißung
hin auf das ewige Leben, denn es gibt für alle
Menschen ein Leben über den Tod hinaus.
Den Weg dorthin können wir uns nur selbst
versperren!
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DER WEIDLING 3/2009
Kurzmeldungen
Nachrichten in aller Kürze
zusammengetragen von Birgit Klappacher
Indien wegen religiös motivierter Gewalt unter Beobachtung.
US-Kommission für Religionsfreiheit fordert besseren Schutz
von Minderheiten.
Die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit hat Indien
auf eine Beobachtungsliste der Staaten gesetzt, in denen religiöse
Minderheiten gefährdet sind. Man beobachte ein „beunruhigendes
Anwachsen“ religiös motivierter Gewalt. Der indische Staat tue zu
wenig, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Das USAußenministerium wird aufgefordert, bei der indischen Regierung
auf einen besseren Schutz religiöser Minderheiten zu drängen.
Anlass sind schwere Ausschreitungen militanter Hindus gegen
Christen und Muslime. Vor einem Jahr war vor allem im Bundesstaat
Orissa eine Welle der Gewalt gegen Christen ausgebrochen,
nachdem der extremistische Hindu-Führer Swami Laxmanananda Saraswati am 24. August
ermordet worden war. Hindu-Extremisten machten Christen für die Bluttat verantwortlich. Bei
Vergeltungsattacken wurden nach Angaben des Gesamtindischen Christenrats rund 200
Christen ermordet, 18.000 verletzt und 53.000 vertrieben. Im Jahr 2002 waren mehr als 1.000
Personen, meist Muslime, bei Unruhen im Bundesstaat Gujarat ums Leben gekommen,
nachdem 60 Hindus bei einem Zugunglück starben.
Das Kreuz mit Madonna
Wie Madonna christliche Symbole für sich nutzt…
„Sex ist meine Religion“, pflegt Superstar Madonna
zu sagen. Ob dieser Satz einen Sinn ergibt oder
nicht, kann jeder für sich entscheiden. Das mit dem
Sinn ist so eine Sache bei Madonna. Sie sucht
ihresgleichen in der Popkultur, die sie wie kaum eine
andere Künstlerin prägte, sie ist seit Jahrzehnten
eine Trendsetterin. Ihr Spiel mit Religion und Erotik
aber wurde zu einem Kennzeichen, dass sich im
Lauf der Jahre ad absurdum geführt hat.
Und immer noch geht ihr der Stoff nicht aus: Ausgerechnet an Maria Himmelfahrt trat Madonna
dieses Jahr in Polen auf, am wichtigsten Marienfest, an dem die Polen ihre „Krolowa Polski“,
ihre „Königin“ Maria verehren. Jetzt hagelte es Proteste. Die Provokation trägt Früchte. Hat
die „Pop-Ikone“ erreicht, was sie wollte?
Zwei Seelen in ihrer Brust? Warum tut Madonna, seit einigen Jahren Freundin der Kabbalah,
das immer wieder? Musste sie sich bei ihrer „Confessions“-Tour vor drei Jahren an ein Kreuz
hängen? Seit Beginn ihrer Karriere lässt sie ihr Publikum an ihrer Hassliebe zum Katholizismus
teilhaben. „Like a virgin“ („Wie eine Jungfrau“) sang sie in den 80ern im Brautkleid - und
bewegte sich dazu alles andere als jungfräulich.
Im „Like A Prayer“-Video wimmelt es von brennenden Kreuzen, Madonna küsst einen schwarzen
Heiligen. In „Justify my love“ dann wieder Provokation mit dem Kreuz - die italienische
Bischofskonferenz rief im selben Jahr sogar zum Boykott ihrer Konzerte auf. Auffallend auch
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DER WEIDLING 3/2009
Kurzmeldungen
immer wieder das doppelte Frauenbild, das Madonna zeichnet, etwa in „La Isla Bonita“: Die
eine Madonna, schlicht gekleidet, kniend in ihrem Kämmerlein und den Rosenkranz betend,
die andere, eine heißblütige Flamenco-Tänzerin, räkelt sich auf dem Boden und gesellt sich
zu den lebenslustigen Musikanten auf der Straße.
Die „echte“ Madonna stammt aus einem sehr katholischen Haus, als Mädchen wollte sie
angeblich sogar Nonne werden. Ihre Mutter, die ihr das Beten beibrachte, starb, als Madonna
fünf Jahre alt war. Das bietet schon genug Stoff für ein wenig Psychoanalyse: Madonna, die
später zum Sexsymbol wird, kann sich nicht lossagen von der Faszination, die die christliche
Symbolik auf sie ausübt, weil sie unbewusst eine tiefe
Sehnsucht treibt - nach dem Urvertrauten, nach der Liebe
ihrer Mutter, letztlich nach einer höheren Liebe.
Im Video „Oh Father“ arbeitet sie vieles davon auf. Ihr
Kind nennte sie 1996 trotz Dauer-Clinch mit der
katholischen Kirche Maria Lourdes, nach dem berühmten
Wallfahrtsort. Madonna, die ewig Zerrissene zwischen
Sex und kindlicher Reinheit des Herzens?
Pro Life Marsch endete in Bregenz
„Es ist beeindruckend, wie positiv unser stellvertretender
Hilfeschrei für die Ungeborenen aufgenommen wurde“,
freut sich die Sprecherin von „Jugend für das Leben“.
"Jugend für das Leben" hat die Zielstation des "Pro Life Marschs"
erreicht, der sie von Innsbruck nach Bregenz führte. Landesrat
Dieter Egger hieß die Jugendlichen herzlich im Landhaus
willkommen. Eine Postwurfsendung an 44.000 Haushalte
informierte die Vorarlberger Bevölkerung im Vorfeld über die
Ankunft der Jugendlichen.
Innerhalb von 12 Tagen durchwanderten die Jugendlichen das Tiroler Oberland und Vorarlberg,
um auf das vergessene Lebensrecht einer bestimmten Gruppe von Mitmenschen aufmerksam
zu machen: das Lebensrecht der Ungeborenen.
In vielen Gesprächen, durch Multimedia-Vorträge am Abend in den Stationsorten sowie durch
das Zeugnis ihres persönlichen Einsatzes beim Marschieren zeigten die Jugendlichen auf
ihrem Weg von Innsbruck nach Bregenz auf, dass eine Abtreibung immer ein Menschenleben
fordert und sehr häufig eine tiefe seelische Verletzung in einer Frau hinterlässt.
"Unser Marsch von Innsbruck nach Bregenz sollte ein stellvertretender Hilferuf jener Ungeborenen
sein, deren Leben durch Abtreibung in Gefahr ist“, erklärt Margret Parzmair, Pressesprecherin
von "Jugend für das Leben", das Ziel der Aktion. „Es ist beeindruckend, wie positiv diese
Botschaft aufgenommen wurde!" Um möglichst viele Einwohner Vorarlbergs über den "Pro
Life Marsch" zu informieren, sandte "Jugend für das Leben" im Vorfeld 44.000 Infobriefe in
jenen Gemeinden aus, die die Jugendlichen durchwanderten. Margret Parzmair ist von der
positiven Resonanz im Ländle beeindruckt: "Die Menschen, denen wir begegneten, freuten
sich sehr über unsere Wanderung und beglückwünschten uns oft spontan.
Viele winkten oder hupten uns auf der Straße zu, als wir mit unseren Fahnen und Bannern
vorbeizogen!" Parzmair freut sich sehr über dieses Feedback der Vorarlberger: "Wir wurden
überall sehr freundschaftlich aufgenommen! Dieses Wohlwollen uns gegenüber ist ein
eindeutiges Zeichen, dass in Vorarlberg die Nachricht vom Lebensschutz auf fruchtbaren
Boden fällt."
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DER WEIDLING 3/2009
Politik
Gott ist ein Schlagersänger
von David C. Pernkopf
Über öffentliche Formen des Atheismus und seine Folgen
Na also, das Geheimnis ist gelüftet:
einer solchen Gesellschaft auslösen
G o t t i s t i n Wa h r h e i t e i n
wird und kann. Doch kann man
tschechischer Schlagersänger! Dies
sagen: Eine Gesellschaft, die zum
behaupten jedenfalls die Vereine
großen Teil einen passiven
AG-ATHE und AHA (Allianz für
Atheismus lebt, kann eine
Humanismus und Atheismus) in
Bewusstseinsbildung durch einen
ihren Aussendungen. Vereine
aktiven Atheismus nur mehr bewusst
wollen mit Plakataktionen
machen, was unbewusst bereits
atheistisches Gedankengut
vorhanden ist: eine Leben ohne Gott,
verbreiten. Seit 16. Juli sind sie
oder besser: ohne metaphysischem
öffentlich zu sehen: Die Sujets der
Bewusstsein ohne transzendente
Atheistenkampagne in Wien. Auf drei City
Perspektive. Für die gesellschaftliche
Lights in der Bundeshauptstadt sind Slogans
Öffentlichkeit bleiben solche Initiativen
wie „Es gibt keinen Gott. Gutes tun ist
wahrscheinlich Folgen los. Eine öffentliche
menschlich. Auf uns kommt es an“ oder „Gott
Diskussion über Gott und den Glauben kann
ist mit an Sicherheit grenzender
auch eine solche Aktion nicht mehr
Wahrscheinlichkeit ein tschechischer
provozieren. Die Öffentlichkeit unserer Zeit ist
Schlagersänger. Entspann dich. Er wird dir
in ganz andere Sphären eingetaucht: Das
nichts tun“ zu lesen.
social-life ist zur ersten Adresse des öffentlichen
Die Organisatoren der Aktion sind die AGLebens und der öffentlichen Meinung
ATHE (AtheistInnen und AgnostikerInnen für
geworden. Was interessiert, das bin ich in
ein säkulares Österreich), AHA (Allianz für
meinem Privatleben. Meine Hobbies, mein
Humanismus und Atheismus) sowie der
Lifestyle, meine Fotos, mein Beziehungsstatus
Freidenkerbund Österreich. Umgesetzt wird
und meine Sexualleben. Twitter, face-book
die Kampagne von der Agentur Super-Fi. Man
und StudiVZ seien hier nur erwähnt. Was
wolle mit der Kampagne nicht bekehren,
interessiert, ist der andere auf den ich in
sondern sich gegen die Diskriminierung von
meinem anonymen Voyeurismus zugreifen
Atheisten wehren, erläutert Super-Fikann. Sein Aussehen, seine Fotos, sein
Geschäftsführer Niko Alm das Ansinnen. Es
Beziehungsstatus. Die elektronische totale
gehe darum, öffentliches Bewusstsein dafür
Erreichbarkeit des anderen als Ersatz für
zu schaffen, dass Zugehörige von anerkannten
zwischenmenschliche und religiöse
Glaubensgemeinschaften Privilegien erhalten,
Kommunikation ist das Erbe des öffentlichen
während andere sogar rechtlichen Barrieren
Bewusstseins unserer Gesellschaft. Es gibt
ausgesetzt seien. Grundsätzlich solle aber
kein Comeback für die öffentliche Meinung
"jeder glauben was er will", findet Alm. Die
und das öffentliche Bewusstsein. Auch nicht
Anti-Religions-Werbung war zuvor schon in
durch eine derart provokative und kühne
London und Madrid zu sehen, wo sie von teils
Kampagne. Weder Atheismus noch Glaube
heftigen Diskussionen begleitet wurde. Auch
können sich derzeit öffentlich etablieren,
in Österreich rechnet der Werberat mit
positionieren oder verändernd, wirken und
Beschwerden. Die Fragen, die sich nach
beeinflussen. Dafür ist die private Dimension
Beobachtung eines solchen Phänomens
der Ich-Gesellschaft zu präsent und zu weit
ergeben: Was kann diese Kampagne
entwickelt. Das einzige Comeback feiert – wer
erreichen? und: Welcher Erreichquote hat
hätte das noch für möglich gehalten – Gott
diese Bewegung in einer Spaß- und
selbst. Die Rede ist selbstverständlich von
Gleichgültigkeitsgesellschaft?
Karel Gott: Er stürmt zu
Ist es kühn, naiv oder egal heutzutage eine
seinem 70er er im Duett
solch Kampagne zu schalten? Man weiß nicht
mit Skandalrapper
ganz genau, was eine solche Kampagne in
Bushido die Charts.
18
DER WEIDLING 3/2009
Jugend aktuell
Was war los bei der KJ Windischgarsten?
von Christina Kalchmayr
Jugendmaibaum (von Barbara Antensteiner)
Auch in diesem Jahr wurde wieder ein Jugendmaibaum aufgestellt,
diesmal stand er bei uns, der Familie Pöhitz. Die Freude war
groß und trotz oder vielleicht gerade wegen der starken Regenfälle
stand der Baum in diesem Jahr erstaunlich schnell. Umso
gemütlicher war der Ausklang des Abends. Die Jause schmeckte
nach der großen Anstrengung natürlich doppelt so gut.
Bald wurde ein Termin zum Umschneiden gefunden und alle
Freunde, Verwandte und Bekannte wurden am 25. Juli zu einem
kleinen Fest eingeladen. Doch bevor der Maibaum fallen konnte,
musste erst gut darauf aufgepasst werden, so kamen wir am
Vorabend zum 25. Juli zusammen um „Maibaumzupassen“. Der
Samstag war zwar von Aufbauarbeiten geprägt, doch als alle
Vorbereitungen erledigt waren, stand einer rauschenden und
gemütlichen Feier nichts mehr im Wege. Es war eine wirklich lustige Nacht und ein gelungenes
Fest. Wir, die Familie Pöhitz möchten uns noch einmal bei allen helfenden Händen recht
herzlich bedanken, die zu dem wunderbaren Fest bei getragen haben. Natürlich sind wir schon
jetzt gespannt wo der Jugendmaibaum im nächsten Jahr seinen Platz finden wird.
Sommerprogramm 2009
Damit wir uns in den doch langen Sommerferien nicht ganz aus den Augen verlieren, stellten
die Jugendaktivisten auch heuer wieder ein sehr buntes Sommerprogramm zusammen. Es
waren wieder viele verschiedene Aktivitäten, die sehr gut besucht waren, was uns sehr freut.
Hier einige Highlights:
Minigolfspielen (von Maria Ganser)
Am 12. August 09 trafen sich 14 Jugendliche im Pfarrheim um Minigolf zu spielen. Mit 3 Autos
ging es nach Hinterstoder in den Freizeitpark. Dort angekommen teilten wir uns in kleinen
Gruppen auf und versuchten so gut wie möglich auf den 12 Bahnen unser Können unter Beweis
zu stellen. Manch anderer war ziemlich gut und wir hatten viel Spaß! Zum Abschluss fuhren
wir noch in die Pizzeria Sorrento, wo wir den Abend gemütlich ausklingen ließen.
Ripperlessen & Fischen
Am 19. August trafen sich 18 Jugendliche um 19.30 Uhr im Pfarrheim zur Abfahrt zum
Ripperlessen. Es ging auf den Turm, wo wir mit leckeren Ripperl versorgt wurden und einen
gemütlichen Abend verbrachten.
Für diejenigen die sich ihr Essen lieber selber fangen, ging es auch heuer wieder zum frischen
Fisch fischen mit Ulrich Perner. Es waren wieder ein paar schöne und lustige Stunden – wo
nicht nur das Fischen spannend war sondern auch einige sehr interessante Gespräche geführt
wurden.
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DER WEIDLING 3/2009
Jugend aktuell
Bergtour mit Thomas Popp
Am Sonntag den 30. August folgte sicherlich ein Höhepunkt des diesjährigen Sommerprogramms.
Es stand eine Bergtour in ein unbekanntes Territorium mit Guid Thomas Popp auf dem
Programm. Dieses Abendteuer wagten 6 motivierte Jugendliche, die um ca. 10 Uhr in Spital /
P. beim Fischerries starteten. Nach einem etwas längeren steilen Aufstieg wurden wir dann
mit einem flacheren Stück, dem sogenannten Kluftwald belohnt. Da sich bei einigen schon der
erste Hunger bemerkbar machte, entschlossen wir uns, Pause zu machen um uns für den
nächsten Aufstieg zu stärken.
Anschließend ging es weiter zur Hinterseite des Stubwieswipfel, von wo aus wir dann die ganze
hintere Seite des Stubwies, durch das sehr schöne Rosental, umwanderten. Am Ende des
Rosentals angekommen hatten wir aber immer noch nicht genug und so machten wir uns
“wild“- zwischen Bäume und Latschen auf den Weg zum Gipfel des Stubwies. Der eine oder
andere trug etwas mehr Last mit hinauf und ärgerte sich im nach hinein darüber, aber im
Endeffekt waren, am Gipfel angekommen, alle zufrieden und stolz, dass sie es geschafft hatten.
Nach kurzer Rast ging es weiter hinunter auf die Wurzer und von dort aus dann „durch die
Hölle“ auf die Schmiedalm, wo wir ca. um 18 Uhr ankamen. Natürlich mussten wir uns vor dem
letzten Abstieg noch etwas stärken, was uns mit Topfen-, Käsebrot und Geselchten auch gut
gelang. Da uns schön langsam Frostbeulen wuchsen machten wir uns auf den Weg ins Tal,
wo uns zuvor noch eine etwas wild gewordene Kuh überraschte. Um ca. 19. 30 Uhr kamen
wir dann auf der Talstation der Wurzer an und waren vor allem stolz und beeindruckt, doch
aber auch geschlaucht und etwas erschöpft.
Alles in allem war es eine wunderschöne Bergtour, da nicht nur das Wetter super mitspielte
sondern auch die Route optimal gewählt war und wir so viele schöne Plätze sehen durften.
Danke allen die mit waren und sich tapfer durchgekämpft haben (und sich schon wieder auf
nächstes Jahr freuen ;-) und vor allem danke an Thomas der uns so super geführt hat und
diese Bergtour damit ermöglichte.
Go – Kart – Fahren (von Daniel Strutzenberger)
Am Samstag den 21. August begab sich eine kleine Gruppe der Jugend auf eine waghalsige
Reise. Acht Personen fuhren nach Steyr um dort mit kleinen Autos im Kreis zu fahren. Die
kleinen Autos waren natürlich keine richtigen Autos mit Kofferraum, Sicherheitsgurte und
Airbags, sonder es waren Go-Karts.
Die Jugendlichen stellten ihr motorsportliches Können unter Beweis. Alles braucht seine Zeit
so wurde jeder mit der Zeit besser. Es entwickelte sich sportlicher Ehrgeiz, der bei den einen
in sehr guten Rundenzeiten und bei den anderen in spektakuläre und „fast“ gefährliche
Überholmanöver mündete.
Der Streckenrekord in Steyr wurde zwar nicht bezwungen, aber
mit folgenden Rundenzeiten waren die Ergebnisse doch sehr
beachtlich.
Martin Antensteiner
Daniel Huemer
Andreas Thallinger
David Strutzenberger
Daniel Strutzenberger
Jakob Baumschlager
27,310 Sekunden
27,500 Sekunden
27,580 Sekunden
27,680 Sekunden
27,120 Sekunden
28,300 Sekunden
Nach dem Motto: „Dabei sein ist alles!“ kam jeder auf seine
Kosten. So mancher musste allerdings auf dem Heimweg etwas
umdenken, denn richtige Autos sind ein klein wenig größer.
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DER WEIDLING 3/2009
Kinderseite
Rätselseite für Kinder
von Silke Popp
Gott danken
Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
Psalm 50, 23
Gott hat uns erschaffen, sorgt für uns und hat uns ganz doll lieb. Dafür sollen wir ihm natürlich
auch danken! Und es gibt so viel Grund dazu! Einiges von dem, was Gott uns schenkt, findest
du im Kreuzworträtsel.
Trage die Worte für die Dinge ein, die Gott uns schenkt und wofür wir Gott danken
können.
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DER WEIDLING 3/2009
T(D)ankstelle
Du bist meine Zuversicht
Du bist meine Zuversicht, oh Herr meines Herzens:
alles Andere ist wertlos für mich, außer, dass Du bist.
Du mein bester Gedanke, am Tag und in der Nacht,
ob ich gehe oder liege?
Deine Gegenwart ist immer mein Licht.
Du bist meine Weisheit,
Du bist mein wahres Wort,
ich bin immer mit Dir, und Du immer mit mir.
Du bist mein Schild, mein Schwert für den Kampf.
Du bist meine Rüstung,
und Du bist meine Kraft.
Ich beachte weder die Reichen,
noch die leere Anbetung der Menschen.
Du bist mein Erbteil,
jetzt und für immer.
Du und nur Du bist der Erste in meinem Herzen.
Hocherhobener König des Himmels,
Du bist mein Schatz,
Du bist mein Schatz.
Hocherhobener König des Himmels,
wenn die Schlacht vorbei ist,
dann erfüllt mich die wunderbare Freude des Himmels,
sie strahlt so hell wie die Sonne.
Christus meines eigenen Herzens,
was auch immer geschehen mag,
Du bist meine Zuversicht,
mein König über alles,
mein König über alles.
„Schüler: Zeige mir, wie ich beten kann.
Lehrer: kann ich es dir zeigen? Ich kann es nicht.
Schüler: Bist du denn nicht ein Lehrer der Religion?
Lehrer: Eben deswegen! Beten lernt niemand durch Wissen und Können, sondern
durch Erfahren und Leben.
Was immer ich weiß, kann dir nicht ersparen, dich selbst zu suchen. Selbst musst
du in den Brunnen springen, die Tiefe wagen, den inneren Raum und die innere
Zeit entdecken.“
Hubertus Halbfas
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DER WEIDLING 3/2009
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Seele and Geist
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