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Medicine 5 Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans - Dental Tribunes

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13.04.2007
17:22 Uhr
DENTAL TRIBUNE
Seite 1
Medicine
Austrian Edition · Nr. 4/2007 · 13. April 2007
Was Hänschen nicht lernt,
lernt Hans nimmermehr
Die „Kinderzahnordination Salzburg“
Von Jeannette Enders
lig falsch sind Sätze wie „das wird
dir gar nicht weh tun“ oder „du
musst keine Angst haben“, denn
dadurch wird das Kind erst auf
die Idee gebracht, dass etwas Unangenehmes geschehen könnte.
Auch das vorherige Versprechen
von Belohnungen setzen das Kind
nur unnötig unter Druck. Es gibt
recht schöne Bilderbücher, die
den Besuch beim Zahnarzt beschreiben, wer möchte, kann
diese vorher mit dem Kind durchgehen, wirklich nötig ist dies allerdings nicht und manche Kinder
sind dann enttäuscht, wenn es
in der Realität doch anders ist als
im Buch. Ideal ist es, dann das erste Mal zum Zahnarzt zu gehen,
wenn alles in Ordnung ist. Denn
dann kann man sich alle Zeit nehmen, die das jeweilige Kind benötigt. Anders sieht es hingegen
aus, wenn beim ersten Zahnarzttermin bereits Schmerzen bestehen.
Welche Behandlungsspektren
umfasst Ihre Ordination?
Dr. Meißner: Unsere rein kinderzahnärztliche Ordination umfasst
SALZBURG – Nach den Vorgaben der WHO sollen mindestens 80 % der Kinder der
Altersgruppe 6 Jahre keine
sichtbaren Dentinläsionen
(nach WHO-Definition „kariesfrei“) aufweisen. Trotz
Steigerung der Kariesprophylaxebemühungen und der
zahnmedizinischen Versorgung in Österreich sind für
das Erreichen dieses Zieles
noch vermehrte Anstrengungen notwendig. Im Dezember
2003 eröffnete die erste Kinderzahnordination in Österreich (Dental Tribune berichtete bereits in der Ausgabe DT
Au 11-2004). Wir sprachen mit
Dr. Verena Bürkle, Vorsitzende der österreichischen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde und Dr. Nicola Meißner, Vorstandsmitglied der
österreichischen Gesellschaft
für Kinderzahnheilkunde, die
uns am Beispiel ihrer in Salz-
Karies feststellen, das heißt viele
Kinder haben wenig Karies und
wenige Kinder haben viel Karies.
In Zahlen ausgedrückt: 25% aller
Kinder vereinen immerhin stolze
86% aller Zahnschäden auf sich,
während die restlichen 75% der
Kinder nur 14% der Karies haben.
Das bedeutet in der Praxis, dass
erfreulich viele Kinder heutzutage schöne, gepflegte, kariesfreie
Zähne haben. Die restlichen Kinder dagegen zeigen nicht nur sehr
viele, sondern auch sehr frühe
Schäden. Gefürchtet ist vor allem
die sogenannte „ECC“ = early
childhood caries, früher auch
„Fläschchenkaries“ genannt. Das
Trinken von gesüßten Getränken vor allem nachts zerstört zuerst die Zähne der Oberkieferfront, später auch die Molaren.
Dies kann in Extremfällen schon
bei einjährigen Kindern auftreten und zu massiven Schmerzen,
Schwellungen und frühzeitigen
Extraktionen führen.
Dr. Verena Bürkle führt die kleinen Patienten spielerisch an die Behandlung heran.
burg geführten Kinderordination zeigen, wie bereits die
kleinsten Patienten kindgerecht und spielerisch an die
zahnärztliche Behandlung herangeführt werden können.
In welchem Alter zeigen sich
Kariesschäden und wie häufig
sind diese?
Dr. Bürkle:Heutzutage kann man
generell eine Polarisierung der
Was sollen die Eltern tun, um
Zahnschäden von vornherein
zu vermeiden?
Dr. Meißner: Karies hat immer
mehrere Ursachen, es handelt
sich um ein sogenanntes „multifaktorielles“ Geschehen. Genetisch vorgegeben sind Dinge wie
Stellung der Zähne, Tiefe der Fissuren oder Speichelfließrate und
-pufferkapazität. Von den Eltern
beeinflussbar sind Ernährung,
Mundhygiene und Übertragung
der Karies, d.h. Ansteckung mit
Kariesbakterien. Vielen Eltern ist
nicht bewusst, dass sie Karies von
sich auf ihr Kind übertragen können, wenn sie z.B. den Schnuller
oder Löffel abschlecken. Ein heruntergefallener Schnuller sollte
daher lieber kurz unter fließendem Wasser abgespült werden.
Fläschchen mit gesüßten Tees
oder Fruchtsäften können die
Zähne sehr schnell zerstören, vor
allem wenn sie nachts gegeben
werden. Dabei ist zu beachten,
dass auch Säfte, die als „zuckerfrei“ gekennzeichnet sind, natürlichen Fruchtzucker und -säure
enthalten, die den Zahnschmelz
angreifen. Nachts ist dies deshalb
so gefährlich, da nachts nur sehr
wenig Speichel gebildet wird, der
die Säuren – so wie tagsüber – neutralisieren könnte. Auch Schnabeltassen sind da nicht viel besser.
Als Quintessenz kann man also
sagen, dass ab dem 1. Milchzahn
konsequent mit einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta geputzt
werden sollte – auch wenn der
Sprössling das manchmal nicht so
gut findet. Die Flasche ist nur bis
etwa zum 1. Geburtstag für die
Ernährung notwendig. Danach
sind die Kinder alt genug, um aus
dem Becher zu trinken. Haben sie
nachts oder zwischen den Mahlzeiten Durst, so ist Wasser das
Beste. Bei Süßigkeiten macht es
nicht die Menge, sondern die Häufigkeit. Eine Tafel Schokolade auf
einmal gegessen schadet weitaus weniger als die gleiche Tafel
stückchenweise über den Tag verteilt. Und für den ersten Zahnarztbesuch ist es natürlich nie zu
früh ...
Wenn das Kind das erste Mal in
die Ordination kommt, braucht
es besonders viel Aufmerksamkeit und Zeit. Was erwartet das
Kind, und wie können die Eltern
ihr Kind am besten darauf vorbereiten?
Dr. Bürkle: Am besten ist es, dem
ersten Zahnarzttermin möglichst
gelassen entgegenzusehen und
nicht zu viel Aufhebens darum
zu machen. Das Kind soll merken, dass ein Besuch beim Zahnarzt etwas ganz normales und
keine besondere Leistung ist. Völ-
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alle Spektren der Kinderzahnheilkunde, wie Versiegelungen, Füllungen, Lückenhalter etc. Natürlich gibt es eine eigene Prophylaxeabteilung, die dafür sorgt, dass
einmal erzielte Behandlungsergebnisse auch auf lange Zeit gesichert werden können. Gleichzeitig können dort ängstliche Kinder
auch langsam an die Behandlung
herangeführt werden, ohne dass
es gleich richtig zur Sache geht.
Zur normalen Therapie gehören
natürlich Füllungen, wobei ausschließlich Komposit- oder Kompomerfüllungen – also weiße
Füllungen – gelegt werden. Kompomere gibt es auf Wunsch auch
in bunten Glitzerfarben, die sich
die Kinder für die hinteren Zähne aussuchen dürfen. Für stark
zerstörte Milchzähne werden
Milchzahnwurzelbehandlungen
und konfektionierte Milchzahnkronen angeboten. Ist ein Zahn
nicht mehr zu erhalten, werden
Lückenhalter eingesetzt, um keinen Platzverlust in der Stützzone
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Medicine
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zu erleiden. Alle Behandlungen
werden wann immer möglich
mithilfe spezieller Methoden
der Verhaltensführung durchgeführt. Dazu zählt auch die
zahnmedizinische Hypnose. In
schwierigen Situationen besteht
auch die Möglichkeit einer Sedierung bzw. als ultima ratio einer Intubationsnarkose. Diese
werden natürlich immer in Zusammenarbeit mit einem kin-
„Kindergartenfeeling“ im Wartezimmer.
dererfahrenen Anästhesieteam
durchgeführt.
Wie ist Ihre Kinderordination
eingerichtet?
Dr. Meißner: Die Ordination ist
so eingerichtet, dass sie beim Kind
ein „Kindergartenfeeling“ auslösen soll, d.h., dass sich die Kinder
gleich wohlfühlen. Auf Kinderaugenhöhe sind Bilder und Spielgeräte an der Wand angebracht.
Alles ist bunt bemalt und jedes
Zimmer hat sein eigenes Motto,
sodass es für das Kind immer
spannend bleibt, ob es zur Behandlung heute ins „Dschungelzimmer“ oder ins „Fischezimmer“ oder ins „Gartenzimmer“
kommt. Die Behandlungszimmer sind mit speziellen Kinderliegen ausgestattet, die nicht an
einen normalen Zahnarztstuhl
erinnern und unter dem die Instrumente alle gut versteckt sind.
Über der Liege befindet sich ein
Fernseher, damit die Kinder
während der Behandlung Cartoons oder Filme sehen können.
Auch das Wartezimmer ist kein
Wartezimmer, sondern ein „Spielzimmer“, und so manches Kind
möchte nach der Behandlung
auch noch einmal dorthin zurück ...
Angst vor dem Zahnarzt ist
bei Kindern sehr verbreitet.
Bieten Sie spezielle Behandlungsmethoden und -abläufe
an?
Dr. Bürkle: Das Motto in der Kinderbehandlung heißt „vom Leichten zum Schweren“. Kommt ein
Kind zur Behandlung in die Ordination, so wird zunächst versucht, das Vertrauen aufzubauen.
Dies kann zum Beispiel mit der
Prophylaxe geschehen. Kennt das
Kind dort alles und hat es sich an
die Geräusche des Saugers etc. gewöhnt, geht man zum nächsten
Schritt. Dies kann etwa eine Versiegelung oder eine ganz kleine
Füllung sein. Gelingt auch dies, so
wird in der Folge eine etwas größere Füllung, vielleicht schon mit
Lokalanästhesie, gelegt, dann folgen Wurzelbehandlungen, Kronen und ganz zum Schluss Extraktionen. Wie bei einer Treppe geht
es immer ein Stückchen weiter
Das „Dschungelzimmer“ ist mit einer speziellen Kinderliege ausgestattet.
hinauf. Alle Behandlungen folgen dabei dem „tell-show-do“Prinzip, wonach ein Instrument
immer erst erklärt, dann gezeigt
und dann erst im Mund ausprobiert wird. Alle Kinderbehandlungen beinhalten zudem Elemente
aus der Hypnose.
Und bei Instrumenten und Materialien? Inwiefern sind diese
auf die Kinderbehandlung abgestimmt?
Dr. Bürkle: Einiges, was bei
Erwachsenen gut funktioniert,
Behandlungsbeispiel: Vorher – Nachher
Front vorher.
Vor Sanierung.
Fester Lückenhalter.
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Front nachher.
Nach Sanierung.
Herausnehmbarer Lückenhalter.
funktioniert bei Kindern nicht
und umgekehrt, daher muss natürlich alles auf den jeweiligen
Behandlungsbereich abgestimmt
sein. Für die Füllungstherapie
wird ausschließlich Komposit
oder Kompomer verwendet. Bei
der Farbe des Materials ist zum
Beispiel zu beachten, dass Milchzähne sehr viel weißer sind als die
bleibenden Zähne. Für die Front
verwenden wir daher ein spezielles Milchzahnkomposit, um ein
möglichst ästhetisches Ergebnis
zu erreichen. Da Milchzähne leider einen sehr dünnen Schmelzmantel und eine sehr große Pulpa
haben, kommt es überdurchschnittlich häufiger als beim Erwachsenen zu Wurzelbehandlungen. Sowohl Pulpotomie als auch
Pulpektomie werden bei Kindern
mit den entsprechenden resorbierbaren Materialien durchgeführt. Milchmolaren, die eine
Wurzelbehandlung erhalten haben, werden in der Regel mit einer
konfektionierten Milchzahnkrone versorgt. Diese nennt sich auch
„Ritterzahn“ oder „Prinzessinnenkrönchen“, da sie aus einer silbern glänzenden Stahllegierung
hergestellt ist. Die Kronen werden
in einer Sitzung angepasst und zementiert und fallen wie jeder andere Milchzahn auch irgendwann
von selbst aus. Inzwischen gibt
es die Kronen auch weiß verblendet, doch diese sind leider technisch noch nicht ganz ausgereift.
Muss ein Milchzahn doch extrahiert werden, so sollte unbedingt
ein Platzhalter eingesetzt werden. Fehlt nur ein Zahn, so gibt es
hierfür vorgefertigte Platzhalter,
die fest einzementiert werden.
Fehlen mehrere Zähne, so wird
ein herausnehmbarer Lückenhalter eingesetzt. Mit diesem
lassen sich auch fehlende obere
Schneidezähne schön ersetzen,
und da die Kinder selbst die Farbe
der Basisplatte aussuchen dürfen,
werden sie auch erstaunlich gut
akzeptiert.
Könnten Zahnbehandlungen in
Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) durchgeführt werden?
Dr. Meißner: Behandlungen in
Vollnarkose werden dann durchgeführt, wenn jede andere Be-
handlungsmethode bzw. Behandlungsversuche gescheitert sind,
oder wenn das Kind noch zu klein
ist, um zu kooperieren bzw. bei zu
vielen kaputten Zähnen oder akuten Schmerzen und ausgedehnten Abszessen. In einer Vollnarkose können alle notwendigen Behandlungen auf einmal durchgeführt werden, d.h. neben der etwa
zwingend notwendigen Extraktion werden auch alle Füllungen an anderen kariösen Zähnen
gelegt, sodass man das Kind nur
einmal dieser Behandlungssituation aussetzen muss. Diese Behandlungen sind nach vorheriger
intensiver Aufklärung der Eltern
und Vorgespräch mit den Anästhesisten auch ambulant in der Ordination möglich, sofern es sich um
ein ansonsten gesundes Kind handelt. Ein kindererfahrenes Anästhesieteam führt die Narkose bzw.
Sedierung durch und sorgt für entsprechende Nachüberwachung.
Vielen Dank für das freundliche
Gespräch! DT
Dr. Nicola Meißner
Dr. Verena Bürkle
Kontakt:
Kinderzahnordination
Dr. Nicola Meißner
Dr. Verena Bürkle
Medicent
Innsbrucker Bundesstraße 35
5020 Salzburg
www.kinderzahn.at
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