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Denn sie wissen, was sie wollen - Frankfurter Neue Presse

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SERIE
Mittwoch, 18. Mai 2011
7
Schöne Aussichten
wichtige
Erfahrungen
eines Singles
Die Chancen, jemandem
wirklich Interessanten zu begegnen, wachsen enorm, wenn man
gerade mit Zungenvollnarkose als
Folge von fünf Betäubungsspritzen
beim Zahnarzt sitzt.
Sie sind aber auch nicht
schlecht, wenn man gerade
entdeckt hat, dass einem in den
letzten fünf Minuten ein etwa zehn
Zentimeter langes Haar am Kinn
oder in den Ohrmuscheln gewachsen ist.
Derjenige der zuerst einschläft, ist immer der, der
schnarcht.
Man soll sich niemals noch
mal mit einem Mann treffen,
der Service-Personal schlecht behandelt.
Wenn ein Mann sagt „Du bist
zu gut für mich!“, stimmt es
meistens.
Man kann gerade dann besonders glücklich sein, wenn
nicht alles perfekt ist.
Wenn ein Mann sagt, er ruft
an, und er ruft nicht an, dann
liegt er mit ziemlicher Sicherheit
nicht mit zwei gebrochenen Armen
im Krankenhaus und befindet sich
auch nicht in einem Funkloch von
der Größe des Polarkreises. Er ruft
nicht an, weil er nicht anrufen
möchte.
Bei der Generation 50 plus ist heute vieles möglich. Nur steht sie sich manchmal selbst im Weg
Von Constanze Kleis
J
a, da geht noch was. Entgegen anderslautender Befürchtungen und sogar für
Frauen. Weil die jetzt endlich erfahren
genug sind, die richtigen Entscheidungen
zu treffen und den besseren Männern zu
begegnen.
Es war ein kleiner Schritt für das Paar,
aber ein sehr großer für alle Frauen ab 50
weltweit: Als Prinz Charles am 8. April
2005 mit der damals 59-jährigen Camilla
Parker Bowles vor den Traualtar trat. „Geht
doch!“, dachte man sich und dass es tatsächlich möglich sein kann, auch im höheren Alter noch mal sein Glück zu finden.
Mit einem gleichaltrigen Mann. Ein Happy-End, von dem viele Single-Frauen ab 50
allerdings fürchten, es könnte so selten
sein wie sechs Richtige mit Zusatzzahl.
Dazu fallen ihnen gleich ein paar gute
Gründe ein. Zuerst einmal die gefürchtete
„erotische Tarnkappe“. So nennen Soziologen das Phänomen, dass Frauen Tag für
Tag aus dem männlichen Radar verschwinden, bloß weil sie über 40 sind.
Daraus folgt – logisch – Grund Nr. 2:
Dass zwar viele gleichaltrige Männer suchen, aber sicher nicht die gleichaltrige
Frau, sondern den Hautwiderstand einer
knackigen Tomate, „Schenkel ohne Cellulite-Narben und Brüste, die hochstehen
wie bettelnde Hunde“ (Stephen Fry).
Entsprechend trostlos schätzen die meisten ihre Chancen ein. Oder – wie es die
Schauspielerin Jeanne Moreau formuliert:
„Frauen fürchten nicht das Alter. Sie fürchten nur die Meinung der Männer über alte
Frauen.“
Laut einer Umfrage des Instituts polis
im Auftrag von Focus ist immerhin jede
zweite Frau davon überzeugt, den Verlust
körperlicher Attraktivität leider nicht mehr
durch andere Pluspunkte ausgleichen zu
können. Nein, auch nicht durch einen Nobelpreis oder so etwas Nichtiges wie
Charme, Klugheit, Humor.
Soweit das Gerücht. Die Realität: Auch
ältere Frauen mögen
Männer nicht zwingend gut abgehangen.
Sie verbandeln sich wie
weiland Mrs. Robinson
gern auch mit Jüngeren. Zum Beispiel Nena
(12 Jahre Unterschied),
Neue Serie
Tina Turner (15 Jahre
Unterschied), Vivienne
Westwood (28 Jahre), Inga Humpe (7 Jahre).
Theoretisch ist gerade ab 50 also vieles
möglich. Schließlich sind bei beiden Geschlechtern die großen biographischen
Aufgaben wie Familiengründung, Berufsfindung, Kindergroßziehen nun weitgehend erfüllt. Man kann entspannt und
ziemlich befreit die zweite, dritte Beziehungsrunde antreten. Diesmal mit sehr viel
weniger Pflichten und mit sehr viel mehr
Kür. Und das mit ausreichend „Material“.
Immerhin liegt die Quote der sogenannten Silver-Surfer, also der Internet-Nutzer
Ein Fall für Zwei:
der Grüngürtel
8
Im Alter fühlt man sich noch mal richtig jung, hat endlich viel Zeit für sich. Nur muss man diese auch richtig genießen können.
ab 50, die im Web einen Partner suchen,
laut Parship mittlerweile bei 43 Prozent.
Und wahrlich nicht alle Männer formulieren im Moment gerade eine Anzeige: „Suche Frau bis 30, bin 63, werde aber von allen jünger geschätzt!“
Sicher mindert es
die Aussichten für die
Frau ab 50, wenn
gleichaltrige Männer
sich altersmäßig nach
unten
orientieren.
Aber fragt man 35-jährige Single-Frauen, ob
Teil 3
sie es leichter haben
bei der Partnerwahl,
wird man auch von ihnen viel Frustrierendes hören. Zumal sie unter erschwerten Bedingungen suchen. Sie wollen ja oft nicht
nur einen Mann, sondern auch einen Vater
ihrer Kinder.
Und dann stehen sich gerade Frauen ab
50 ganz schön selbst im Wege. Gerade weil
beim zweiten Anlauf alles anders sein soll,
damit es sich „richtig“ anfühlt. Maßstab für
dieses „richtig“ sind aber noch die alten Beziehungsmuster, die alten Partnerschaftsmodelle. „Wenn es Liebe sein soll, dann
muss es eine gemeinsame Wohnung, gemeinsamer Urlaub, gemeinsamer Freundes-
Wir
verlieben Sie
es
Frage ds
e
g
a
T
K
D
kreis, Ehe sein“ steht da schreibgeschützt
auf unserer Festplatte. So entsteht die paradoxe Situation, dass man beim ersten Treffen schon überlegt, ob es der für den Rest
des Lebens ist, wenn man doch eigentlich
gerade ziemlich genießt, keine Pläne mehr
machen zu müssen.
Man freut sich, endlich viel Zeit für sich
zu haben, erwartet aber, dass einer kommt,
der diese Zeit komplett mit Beschlag belegen möchte. Man braucht schon längst keinen Ernährer mehr, würde sich aber beim
Kennenlernen am liebsten die Gehaltsabrechnung des potenziellen Kandidaten zeigen lassen, und man möchte schon noch zu
einem Mann aufsehen, ist aber konsterniert, wenn der auch von oben nach unten
regieren will.
Wenn aber stimmen soll, was Frank Sinatra einmal sang, „love is lovier the second
time around“, dann braucht es aber vor allem den Mut, die Beziehungsform tatsächlich den eigenen neuen Bedürfnissen anzupassen und nicht umgekehrt. Die Vernunft,
den inneren Monolog – „die guten Männer
sind alle weg“, „es ist sowieso zwecklos“,
„ich bin viel zu alt“ – einmal einer gründlichen Überarbeitung zu unterziehen.
Klar, Realitätstüchtigkeit ist nun nicht
gerade das, was man in der Liebe sucht.
chend Hinweise auf etwaige Exfrauen finden. Fotos, Klamotten,
Postkarten, Plüschtiere.
Manche Männerbleibe sieht
noch fünf Jahre nach der Trennung wie ein Sabine-Museum
oder Charlotte-Schrein aus.
Meist zwar eher aus Bequemlichkeit („Soll ich etwa nach jeder
Beziehung aufräumen? Da hätte
ich ja viel zu tun!“), aber das
mindert die kränkende Wirkung
kaum.
Deshalb: Hinter jeder Ex erst
mal Ordnung schaffen. Wir stellen unsere Beziehungssouvenirs
ja auch nicht öffentlich aus. Außer in dringenden Fällen – wenn
einer sich so gar nicht von seinem Exfrau-Altar trennen will.
Dann darf er sich auch nicht beschweren, wenn sein Vorgänger
Günter nackt und hübsch gerahmt auf dem Fernseher steht.
Aber ganz nützlich, um wenigstens in
Sichtweite dessen zu kommen, was man
sich wünscht: einen Lebensmenschen. Der
kostet: Abstriche am Anspruchsniveau, an
den romantischen Idealen, an der ohnehin
ziemlich bekloppten Idee, Männer wären
ein emotionales Rundumsorglospaket.
Alles hat seinen Preis. Wer sich in einem
Alter begegnet, in dem das Leben schon
komplett eingerichtet ist, der muss eben
auch bereit sein, Platz zu schaffen: im
Schrank, im Zeitplan, im Bad, auf dem Sofa, in den Gedanken und Gefühlen. Man
kann einfach nicht von der Gegenseite erwarten, dass die alles ganz wunderbar so
findet und sagt: Ich stelle dann einfach
mein Leben, meine Sehnsüchte, meine Interessen, meine Kinder aus einer früheren
Beziehung, meine Angewohnheit, das Geschirr immer gleich zu spülen, und meine
Pläne, auch dieses Jahr wieder mit den
Jungs eine Fahrradtour durch die Pyrenäen
zu unternehmen auf den Sperrmüll.
Jede Entscheidung im Leben, die man
für etwas trifft, trifft man auch gegen etwas.
Und wenn man sich für eine echte Beziehung und den gemeinsamen Alltag entscheidet, dann entscheidet man sich immer
auch dagegen, an diesem zuckrigen Ideal
des vollkommen beglückenden Mannes
Foto: Fotolia
festzuhalten, das wir aus „Die Brücken am
Fluss“, „Zeit der Unschuld“ oder „Schlaflos
in Seattle“ kennen.
Wäre man mal solchermaßen tiefenentspannt unterwegs, würde man nicht gleich
bei jeder neuen Bekanntschaft denken:
„Ok, er sieht gut aus, er ist nett – ganz bestimmt will er was Jüngeres, oder sicher hat
er schlimme sexuelle Vorlieben oder er lebt
noch bei seiner Mutter . . .“
Und könnte man sich dann noch zusammenreißen und einmal nicht hektisch
gleich wissen wollen, woran man ist, wohin
das führt und man nicht spätestens nach einer Woche schon ein Etikett finden muss,
für das, was da gerade passiert und auch
nicht nächsten Monat und möglicherweise
nicht mal im nächsten Jahr, – dann, ja dann
könnte es vielleicht selbst mit sechzig, siebzig oder achtzig Jahren noch etwas werden
mit der Liebe.
Fragt sich nur wo. Darum wird es in
der nächsten Folge gehen. Ich hoffe, Sie
sind wieder dabei, wenn hier die besten
Jagdreviere vorgestellt werden. Ja, auch
das Worldwideweb wird einem Tauglichkeitstest unterzogen. Vorab so viel:
Es wird viel zu viel gelogen . . .
www.gruenguerteltier.de –
Hier findet man alles Wissenswerte über das Gebiet, inklusive
Links zu Fahrradtouren.
Interview mit der Chefin des Internetportals 50plus-Treff
M
arianna Exter ist Geschäftsführerin des
Internetportals 50plusTreff.de. Das Portal hat über
140 000 Mitglieder (54 Prozent
Frauen und 46 Prozent Männer).
Die meisten sind zwischen 50
und 56 Jahre alt, die Jüngsten
45 und die ältesten über 85. Frau
Exter sagt: „Spätestens ab 50 hat
man viel klarere Vorstellungen
von dem, was man hat und was
man will.“
Welche Bedürfnisse werden bei 50plusTreff.de abgedeckt?
MARIANNA EXTER: Der 50plusTreff ist breit aufgestellt. Freundschaft und Partnersuche sind ebenso
wichtig wie der Interessenaustausch
via Chat und Foren. Wir sind stolz
auf unsere Regionalgruppen und regen auch Treffen und Ausflüge der
Gruppen an.
Ihr Portal ist eine große Erfolgsgeschichte – wie erklären Sie sich das? Hat es etwas mit zunehmender Einsamkeit zu
tun? Oder doch eher mit zunehmender
Offenheit?
EXTER: Ich denke Letzteres. Man
will seine Zeit mit netten und interessanten Menschen verbringen. Viele suchen nur nach Freunden, und
dann lernen sie eben doch jemanden Besonderen kennen. Dazu spielt
auch eine Rolle, dass die Generation
50plus sehr viel souveräner mit Internet und Technik umgeht. So ergeben sich ganz neue Möglichkeiten.
Sie sind viel jünger als Ihre Zielgruppe.
Gibt es etwas, das Sie überrascht hat –
jetzt, wo Sie schon so lange damit beschäftigt sind, den über 50-Jährigen ein
Forum zu bieten?
EXTER: Ich muss gestehen, dass
auch ich früher ein klassisches Bild
von „Senioren“ hatte. Ich stellte sie
mir eher als homogene Gruppe mit
Furcht vor dem Medium Internet
vor. Doch das genaue Gegenteil ist
der Fall. Sie sind jung geblieben und
unglaublich aktiv. Sie sind technikbegeistert und haben die unterschiedlichsten Interessen. Der Austausch geht über Politik bis hin zu
den neuesten Youtube-Videos. Die
50plus-Treff-Foren
unterscheiden
sich kaum von anderen Foren jüngerer Leute. Außer vielleicht, dass die
Umgangsformen unserer Zielgruppe
Der alte Mann und das blutjunge Mädchen
er Greis ist heiß“ titelte vor einiger
Zeit der Stern. Wer gemeint war,
wurde auf Fotos gezeigt: Heinz Konsalik, den 34 Jahre von seiner letzten Frau
trennten. Tony Curtis, der 45 Jahre älter war
als Gattin Jill van der Burg, Woody Allen, 35
Jahre entfernt von Ehefrau Soon-Yi, und Konstantin Wecker, 26 Jahre älter als seine Frau
Annik. Und natürlich Johannes Heesters, der
mit 45 Jahren Altersunterschied theoretisch
auch Großvater seiner Ehefrau sein könnte.
Jörg Kachelmann war damals noch kein
Thema, sonst hätte er es mit seiner aktuellen
Gattin und einem Altersunterschied von 28
Jahren auch in die Sugar-Daddy-Statistik geschafft. Ähnlich wie der „Ich-habe-da-malwas-vorbereitet“-Hobbythekler Jean Pütz: Als
der kürzlich mit 74 von seiner 32 Jahre jüngeren Frau noch einmal zum Vater gemacht
wurde, brachte ihn dieses welterschütternde
000 Hektar Landschaftsschutzgebiet – das sind mehr als genug Gelegenheiten für ein Picknick, einen langen Spaziergang und
ein paar wunderbare Entdeckungen. Der Frankfurter Grüngürtel
punktet aber nicht nur mit Wald,
Gärten, Parks, Obstwiesen, Dünen,
Äckern, Bächen und Weihern. Er ist
auch Lebensraum für eine reiche
Pflanzen- und Tierwelt. Inklusive
ein paar außerordentlichen Geschöpfen, die so nur hier vorkommen.
Das „Kreuzungsergebnis aus
Wutz, Star und Molch“ etwa, das
„Grüngürteltier“. Entdeckt hat es
der Dichter Robert Gernhardt. Und
es ist nicht das einzige, das Gottes
Schöpfung nachgereicht wurde. Es
gibt auch noch „die Eule im Norwegerpulli“ und den „Monsterspecht“, beide von F. K. Waechter,
gleichfalls exklusiv für Frankfurt erschaffene Kreaturen aus dem Kreis
der „Neuen Frankfurter Schule“.
Die Fabelwesen sollen an die Tradition der Lustgärten und barocken
Gartenanlagen anknüpfen, als man
die Landschaften mit komischen
und skurrilen Figuren anreicherte.
Denn sie wissen, was sie wollen
Sollte man die genaue Zahl
seiner Verflossenen verraten?
ommt drauf an, worauf man
aus ist. Will man als Deutscher Rammler punkten, also das
potenteste Kaninchen im Hasenstall sein, dann darf man wie
Hugh Hefner getrost schon mal
„2000“ behaupten. Da wissen
Frauen doch gleich, worauf sie
sich einlassen würden und wann
es Zeit ist, sich zu verabschieden.
Will man eine Frau länger um
sich haben, als sie braucht, um
„hau ab“ zu sagen, sollte man für
die Zahl seiner Verflossenen
nicht eigens eine Pressekonferenz anberaumen. Es genügt, die
ernsthaften Beziehungen zu erwähnen und dabei die intimen
Details („Also, sie kam immer sofort, wenn ich ihr ins Ohr gepustet habe“) auszusparen.
Oft braucht man als Frau aber
erst gar nicht zu fragen, weil sich
in der Männerwohnung ausrei-
Seite 15
Ereignis immerhin in sämtliche Talkshows
des deutschen Fernsehens. Dort durfte er
dann die pikanten Details seiner Anziehungskraft (knackiger Po!) darlegen. Und auch Maximilian Schell (80) brachte vor allem seine
neue Liebe, die 32-jährige Sopranistin Iva Mihanovic, zu Beckmann ins Fernsehen.
So viel mediale Präsenz der Paarung Blutjung & Steinalt erweckt den Eindruck, dass
praktisch jeder Mann über 60 ein heißer
Kandidat für die Braut unter dreißig sei. Entsprechend zählt die sehr viel Jüngere zu den
erklärten Angstgegnern jeder Frau ab 40. Ein
Trugschluss.
Seltsamerweise ist ja ein Paar nie unter den
tollen Hechten: Der 76-jährige Ex-Hausmeister mit Mindestrente und Zweizimmerwohnung in Frankfurt Preungesheim und das
24-jährige Topmodel. Und nein: Da draußen
warten nicht ganze Rudel von Bravo-Leserin-
nen darauf, ihre manikürten Krallen nach
unserem mittleren Angestellten mit Durchschnittseinkommen und Fußballwimpelsammlung auszustrecken.
Was für Roberto Blanco oder Christian
Wulff gilt, gilt weder für den Futtermittelvertreter noch für den mittleren Sachbearbeiter
oder den mittellosen Kinderbuchillustrator.
Die Zeit, die man als Mann ohne Status und
Vermögen vergeblich damit verbringt, seinen
Anspruch auf eine Trophäen-Frau in Discotheken oder Fitness-Centern geltend machen
zu wollen, die fehlt einem am Ende. Auch
und gerade für das, was mancher glaubt, den
Frauen voraus zu haben: die Chance auf eine
späte Elternschaft, auf Familienglück.
Langfristig gehören auch die Männer zu
den Verlierern auf dem Singlemarkt, die
noch mit Anfang 50 durch die Discotheken
ziehen, in der Hoffnung, die Mädels Anfang
zwanzig einfach mit ihrem Charme zu betören. Wie alle, die ihr Suchprofil nicht auch
den Möglichkeiten anpassen, werden sie weiterhin wie Bernard Fokke in Wagners Fliegendem Holländer durch ein Meer unerfüllter Sehnsüchte segeln.
Und was ist mit der Liebe? Übersieht die
nicht großzügig alles? Sogar bei Männern? Ja,
das wäre mal eine hübsche Theorie, wenn
man sie denn dem Gebot der Fairness folgend bei beiden Geschlechtern anwenden
würde. Man also beiderseitig bereitwillig die
üblichen, betrüblichen Erscheinungen des
Alterns ignoriert. Das Schwächeln – auch das
optische. Weil es uns allen blüht und weil wir
gerade deshalb jemand brauchen, der das mit
uns teilt und eben nicht sagt: „Äh, also heute
musst du dir deine Wärmflasche mal selbst
machen. Ich habe Karten für das Tokio-Hotel-Konzert.“
grundsätzlich höflicher und respektvoller sind.
Was unterscheidet die Bedürfnisse dieser Altersgruppe von denen Dreißigjähriger?
EXTER: Im Gegensatz zu Partnerbörsen und Communities, die eine
jüngere Zielgruppe bedienen, können wir bei uns einen leichten Damenüberschuss feststellen. Vielleicht
ist es wirklich so, dass Männer eher
nach einer jüngeren Partnerin suchen als Frauen. Ich glaube, dass
Frauen ganz realistisch an die
Partnersuche gehen, während einige Männer nach
Romantik suchen
und noch einmal
ihre Jugend aufleben lassen möchten.
EXTER: Unsere User haben eine Erwartungshaltung, die sie von den
Jüngeren
unterscheidet. Vor allem
in ihrer Konsequenz. Spätestens
mit 50 Jahren hat
man viel klarere
Vorstellungen von
dem, was man hat
und was man will.
Auch davon, welche Eigenschaften
Stimmt es, dass
der
potenzielle
man so alt ist wie
Partner oder die
man sich fühlt?
potenzielle Partnerin mitbringen
EXTER: Ja. Unbesollte. Zwar sind
dingt. Das tatsächdie Best Ager ofliche Alter hat an
fen und umgäng- Marianna Exter ist Chefin der In- Bedeutung verlolich, aber sie ha- ternetseite 50plus-Treff.de
ren. Das sieht man
ben eben mehr
auch bei unseren
Erfahrungen geMitgliedern. Sie
sammelt und wollen sich nicht mit sind jung, vital und unternehmenshalbherzigen Kompromissen abfin- lustig. Sie genießen den Renteneinden.
tritt, der ihnen neue Perspektiven eröffnet.
Sie reisen, machen Sport und
Sind die Bedürfnisse von Männern
checken ihre E-Mails mehrmals am
und Frauen da verschieden?
Tag.
EXTER: Da sind schon Unterschiede. Frauen suchen in erster Linie Würden Sie bitte die beiden folgenden
nach netten Kontakten und neuen Sätze vervollständigen: Männer über
Freundschaften. Bei Männern steht 50 . . .
doch eher die Partnersuche im Vor- EXTER: . . . sind aktiv, abenteuerlusdergrund.
tig und manchmal neugierig, wie
Frauen ab 50 beklagen sich oft, es gä- kleine Jungs.
be keine Männer in ihrem Alter, die
sich für gleichaltrige Frauen interessieren. Können Sie das bestätigen?
Frauen über 50 . . .
EXTER: . . . kennen sich selbst, wissen, was sie wollen, sind lebenslustig
und voller Tatendrang.
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