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KURSE ZUM THEMA in den Kapiteln

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L
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Fit machen für den Wandel
EBENSPLANUNG
Im Privatleben und Beruf
Ziele und Wege stets neu bestimmen
Patchwork- Biografien! Früher galten
Werdegänge mit Brüchen und drastischen Richtungswechseln als Seltenheit.
Heute sind berufliche und private Lebensläufe, die einem Flickenteppich ähneln, fast schon die Regel. Die berufliche
und private Zukunft freier als bislang
nicht nur gestalten zu dürfen, sondern
gestalten zu müssen, hängt eng mit den
Veränderungen in der Arbeitswelt zusammen.
Diese „offenere“ Zukunft muss nicht als
Bedrohung begriffen werden. Sie ist auch
eine Chance. Da es immer weniger vorgezeichnete Berufswege gibt, bietet sie
viele Freiräume. Freiräume nutzen – das
bedeutet auch, immer wieder Entscheidungen zu treffen, die sich nicht nur auf den
beruflichen Werdegang, sondern auf die
gesamte Lebensplanung auswirken: auf
Partnerschaft, Familienplanung, Kinderbetreuung, außerberuflichen Aktivitäten,
Hobbys und Kontakte zu Freunden.
Wie unterschiedlich sich private und berufliche Entscheidungen auswirken können
und wie es gelingen kann, den eigenen
Weg auch in problematischen Situationen
weiter zu gehen, zeigen die nachfolgenden
vier Beispiele.
Voller Ernst
KURSE ZUM THEMA in den Kapiteln
Allgemeine Weiterbildung
X Persönliche Lebensfragen, Psychologie, Konfliktmanagement
Was bringt die Arbeit der Zukunft?
Die steigende Bedeutung des Dienstleistungssektors, der weltweite Einsatz neuer
Informations-, Telekommunikations- und
Produktionstechniken sowie die fortlaufende Globalisierung der Wirtschaftsbeziehungen wirkt sich tief greifend auf
die Arbeitswelt aus.
Die Zukunft der Arbeit wird geprägt
vom Trend zu einer umfassenden Flexibilisierung ...
.... der beruflichen Tätigkeiten
Die Ausweitung des Dienstleistungssektors und die immer stärkere Kundenorientierung in nahezu allen Berufen führt dazu, dass Fachkräfte nicht nur in ihrem eigentlichen Aufgabenfeld kompetent sein
müssen, sondern auch in „benachbarten“
Bereichen zumindest Grundwissen besitzen. Die Zuordnung berufstypischer Tätigkeiten orientiert sich mehr und mehr an der
Erwartungshaltung der Kunden und kann
sich daher immer wieder verändern.
... der Arbeitszeiten
An die Stelle der bislang dominanten
Wochenarbeitszeit treten mehr und mehr
Arbeitszeitmodelle, die sich an größeren
Zeiträumen, wie zum Beispiel Monats-,
Jahres- und Lebensarbeitszeit sowie am
aktuellen Arbeitskräftebedarf des einzelnen
Unternehmens orientieren. Der Wechsel
von Arbeit und erwerbsarbeitsfreier Zeit
muss von jedem Einzelnen primär nach
den Bedürfnissen des Arbeit- bzw. Auftraggebers und sekundär den eigenen Wünschen abgestimmt werden.
durch andere Formen von Arbeitsverhältnissen ergänzt werden. Das Spektrum
reicht von befristeten Festanstellungen über projektbezogene Honorartätigkeit bis
zur grundsätzlich freiberuflichen bzw.
selbstständigen Tätigkeit und schließlich
zum Zusammenschluss von Fachkräften
aus gleichen oder verschiedenen Berufen
zu kleinen und mittleren Unternehmen.
... der Arbeitsorte
Die zunehmende Flexibilisierung von
Arbeitszeit, -ort und -verhältnissen macht
deutlich, welchen Einfluss veränderte Arbeitsformen auf die Lebensplanung haben
können: Phasen intensiver oder reduzierter
Erwerbstätigkeit und Phasen der Freizeit,
des Urlaubs, des neben- und außerberuflichen Engagements oder der Weiterbildung können sich weitaus vielfältiger als
bislang abwechseln. Die veränderten Erfordernisse des Wirtschafts- und Berufslebens einerseits und die ebenfalls veränderte
Anspruchshaltung der Berufstätigen andererseits lassen die traditionelle Abfolge von
Bildung/Ausbildung – Beruf – Rente als
„Auslaufmodell“ erscheinen.
Der Einsatz neuer Informations- und Telekommunikationstechniken erlaubt es in
zunehmendem Maße, berufliche Tätigkeiten grundsätzlich an jedem Ort auszuführen. Neben technischen und organisatorischen Faktoren trägt auch eine stärkere
Kundenorientierung zur Flexibilisierung
der Arbeitsorte bei: Die Fachkräfte kommen zum Kunden, wann immer es möglich, erwünscht und wirtschaftlich sinnvoll
ist.
... der Arbeitsverhältnisse
Das bislang übliche „Normalarbeitsverhältnis“, also die unbefristete Festanstellung, wird in Zukunft – darin sind sich Arbeitsmarktfachleute einig – immer stärker
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D
OPPELROLLE
Zwischen Beruf
und Kinderbetreuung
Natalie Gottwald versorgt und erzieht
Julia, ihre siebenjährige Tochter, alleine.
Vor sechs Monaten hatten sich Natalie und
ihr Ehemann Jochen voneinander scheiden
lassen. Was der 28-Jährigen in dieser privat und beruflich schwierigen Situation vor
allem weiterhilft, ist ihr Selbstbewusstsein
und ihr Organisationstalent: Kinderbetreuung, Haushalt und berufliche Arbeit als
Bankkauffrau bei der Lüneburger Stadtsparkasse müssen unter einen Hut gebracht
werden.
Seit der Trennung von Jochen hat sich
mein Leben ziemlich verändert: Irgendetwas spontan unternehmen, das geht kaum
noch. Alles, was ich tue, muss noch mehr
als früher geplant werden. Das fängt schon
morgens an, wenn ich Julia pünktlich um 8
Uhr zur Grundschule bringe. Bis der Unterricht beginnt, kümmern sich Lehrkräfte
um alle Kinder, die früher in die Schule
kommen. Gegen 8.30 Uhr komme ich im
Betrieb an. Zum Glück gibt es in der Sparkasse gleitende Arbeitszeiten. Sonst könnte
ich das gar nicht so machen und müsste
Ausbildung, Heirat, Geburt eines Kindes,
Arbeitslosigkeit, Stellenwechsel, all das auf
dem Hintergrund einer Zeit dramatischen
gesellschaftlichen Wandels: Kristin und
Ronny Winter haben innerhalb von zehn
Jahren einiges erlebt, was Privatleben und
berufliche
Arbeit verändert. Aber immer fand das
Paar Lösungen und neue Wege – ohne aus
dem Blick zu verlieren, was für beide gemeinsam und auch für jeden einzelnen von
ihnen wichtig ist. Ein ungewöhnliches Tagebuch.
mich nach einer anderen Lösung umschauen – entweder für Julia oder für mich.
Julias Schulunterricht endet zwischen
11.30 Und 13 Uhr. Weil ich meine Tochter
nicht zu Hause alleine lassen möchte, geht
sie nach der Schule in einen nahe gelegenen Kinderhort. Dort spielt sie mit Freundinnen und macht ihre Hausaufgaben. Weil
der Hort um 17 Uhr schließt, muss ich
mich nach der Arbeit ziemlich beeilen, um
Julia rechtzeitig abzuholen. Manchmal,
wenn es in der Sparkasse wieder einmal
besonders viel zu tun gibt und ich länger
bleiben muss, bitte ich eine Freundin, Julia
zu sich zu nehmen. Der Hort ist auch in
den Schulferien geöffnet, dann ist Julia
schon morgens dort – und ich kann wie
immer meinem Beruf nachgehen. Manchmal mache ich in der Mittagspause Einkäufe, oft komme ich erst abends auf dem
Heimweg dazu, gemeinsam mit Julia. Überhaupt sind Julia und ich viel näher zusammengerückt, seit wir nur noch zu zweit
sind. Sie hilft mir, wenn ich abends und am
Wochenende Geschirr spülen, putzen, Wäsche waschen muss. Und ich frage sie nach
Auch wenn ich meine Arbeit weiterhin
so gut wie möglich mache, früher war ich
ehrgeiziger: Wann immer der Betrieb Weiterbildungsseminare angeboten hat, ich war
dabei. Ich wollte weiterkommen, in der
Sparkasse aufsteigen oder zu einem anderen Kreditinstitut wechseln. Im Moment
habe ich dafür keinen Kopf und keine
Kraft, vielleicht ja später wieder ... Meinen
ganzen Ehrgeiz habe ich jetzt erst einmal
darauf gerichtet, mein Leben neu zu ordnen und für Julia und mich Geld zu verdienen. Ich bin schon stolz darauf, für uns
beide sorgen zu können und auf niemanden
angewiesen zu sein.
D
OPPELVERANTWORTUNG
Kurs halten in bewegten Jahren
Kristin Winter
1988
ihren Erlebnissen in der Schule und im
Hort – so, als wäre sie gar kein Kind mehr,
sondern meine beste Freundin. Ich muss
natürlich aufpassen, meine Tochter nicht
zu überfordern: Wenn’s mal Ärger im Betrieb gibt oder ich Sorgen habe, dann ist da
abends ja kein Mann mehr in der Wohnung, mit dem ich mich austauschen kann.
Kurz nach meinem 19. Geburtstag habe ich meine Ausbildung beendet und arbeite seitdem als Außenhandelskauffrau
in einem Unternehmen, das Produktionsmaschinen herstellt,
vor allem für den Export. Ronny kenne ich seit zwei Jahren,
im August heiraten wir.
Ronny Winter
Die Mühe hat sich gelohnt: Nachdem ich als Gärtner in
die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft(LPG) bei
Schwerin gewechselt war, hatte ich mich zum Meister weitergebildet. Das war eine wichtige Voraussetzung dafür, in
diesem Jahr zum Abteilungsleiter befördert zu werden. Die
Zukunft scheint gesichert, unser Leben verläuft wie geplant.
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Fit machen für den Wandel
90 / 91
Alles wird anders: Die deutsch-deutsche Vereinigung
steht kurz bevor. Zum Jahreswechsel kommt Max zur Welt.
Wir sind eine Familie! Mit Ronny habe ich vereinbart, dass
zunächst ich mich um unseren Sohn kümmere und dazu ein
Erziehungsjahr einlege. Danach will ich aber wieder in meinen Beruf zurückkehren, denn meine Arbeitsstelle wird für
die Dauer des Erziehungsjahres für mich freigehalten. Es ist
mir wichtig, nicht ausschließlich Mutter zu sein – auch wenn
Ronnys Einkommen für uns drei ausreichen würde.
Kristins Erziehungsjahr ist gerade mal zur Hälfte vorbei,
da muss ihr Arbeitgeber, das Maschinenbauunternehmen,
Konkurs anmelden. Für Kristin ein harter Schlag! Jetzt
kommt es umso mehr darauf an, dass ich weiterhin Geld verdiene, um die Familie ernähren zu können. Aber niemand
kann sagen, wie lange ich meine Arbeitsstelle in der LPG
behalten werde. Bislang sieht es so aus, als könnten wir den
Sprung in die Marktwirtschaft packen.
1993
Es ist schön, für Max zu sorgen und mitzuerleben, wie er
sich jeden Tag weiterentwickelt. Aber mein Dasein als Mutter und Hausfrau allein macht mich trotzdem immer unzufriedener. Ich will wieder arbeiten gehen und Geld verdienen! Bei den Betrieben in unserer Region sieht es schlecht
aus. Da fällt mir in der Zeitung eine Stellenanzeige des
Schweriner Finanzamtes auf: Verwaltungsangestellte gesucht, gleich vier Planstellen sollen besetzt werden. Ja, viele
Behörden haben zurzeit Probleme damit, ihre Aufgaben zu
bewältigen. Ich bewerbe mich – und werde genommen! Wir
haben Max, er ist jetzt zweieinhalb Jahre alt, schon bei der
Kinderkrippe angemeldet: Da passiert wieder etwas, was unseren Lebensplan über den Haufen wirft.
Es ist so weit: Unsere Landwirtschaftliche Produktionsgenossensschaft wird geschlossen, immerhin eine der letzten
LPGen. Bei allem Unglück hat meine Arbeitslosigkeit auch
etwas Gutes: Mich um Max zu kümmern, während Kristin
arbeiten geht, das ist jetzt nicht nur nötig, sondern eröffnet
für mich endlich einmal die Möglichkeit, mehr Zeit mit meinem Sohn zu verbringen. Auch wenn ich mich anfangs ein
bisschen schwer tue, ist das Dasein als Hausmann unter dem
Strich eine wichtige Erfahrung: Da merkt man erst, was einem entgeht, wenn man immer nur Geld verdient. Allerdings
müssen wir uns einschränken, denn Kristins Einkommen ist
geringer als mein bisheriges. Deshalb fange ich nach ein paar
Monaten an, mich nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen.
Allerdings: Die Vermittler vom Arbeitsamt machen mir keine großen Hoffnungen, ohne Umschulung wieder Arbeit zu
finden.
1994
Was erst ein Glücksfall zu sein scheint, bringt uns die
nächste Umstellung. Das Gute: Über Freunde hat Ronny erfahren, dass ein Betrieb, der Dünge- und Futtermittel herstellt, Mitarbeiter für den Außendienst sucht. Und weil Ronny durch seine Arbeit in der LPG über viel Erfahrung in diesem Bereich verfügt, wird er tatsächlich eingestellt. Der Haken an der Sache: Der Betrieb ist in Rostock, 500 Kilometer
von Schwerin entfernt. Und Ronny wäre für einen Bezirk in
Mecklenburg-Vorpommern zuständig.
Soll ich bleiben und weiter in unserer Gegend suchen?
Oder soll ich gehen und meine Frau und mein Kind nur am
Wochenende sehen? Oder soll Kristin ihre Stelle aufgeben
und mit nach Rostock umziehen? Nein, das wäre zu riskant.
Vielleicht komme ich an meinem neuen Arbeitsplatz nicht
zurecht, dann hätte keiner von uns ein Einkommen. Die Entscheidung fällt schwer: Kristin bleibt in Schwerin und gibt
Max während ihrer Arbeitszeit in den Kindergarten. Und ich
versuche, in Rostock beruflich Fuß zu fassen.
1996
Die Arbeit im Finanzamt macht mir Spaß. Weil ich mich
bewähre und Fortbildungskurse absolviere, bekomme ich anspruchsvollere Aufgaben übertragen und verdiene mehr. Max
fühlt sich im Kindergarten wohl, abends erzählt er mir immer, welche neuen Freunde er gewonnen hat. Aber Ronny
fehlt uns. Sich nur am Wochenende zu sehen, das hält auf
Dauer auch die harmonischste Beziehung nicht aus. Am letzten Sonntag ist uns klar geworden: So geht es nicht weiter!
Ich will wieder zurück zu meiner Familie. Arbeit und
Geld sind nicht alles! Und wenn ich im Schweriner Raum
keine Anstellung finde, dann versuche ich, mich selbstständig zu machen. Fachlich habe ich als Gärtnermeister einiges
drauf und wie man einen Betrieb organisiert, davon habe ich
als Abteilungsleiter in der LPG schon viel mitbekommen.
Wenn alles schief läuft, haben wir ja noch Kristins Einkommen. Aber wir sind wenigstens wieder zusammen.
1998
Ronny muss noch immer unheimlich viel Kraft für die
„Garten- und Landschaftsbau Ronny Winter GmbH“ aufbringen. Ich helfe ihm, zum Beispiel beim Kalkulieren und
bei der Buchhaltung. Dafür ist leider oft nur am Wochenende
Zeit. Aber es ist ein gutes Gefühl, die Energie in ein eigenes
Unternehmen zu investieren – auch für mich.
Im Finanzamt fühle ich mich noch immer wohl, obwohl die
Arbeit mehr und mehr zunimmt, ohne dass zusätzliche Planstellen vorgesehen wären. Wie wichtig für eine Familie zumindest ein sicherer Arbeitsplatz ist, hätte ich früher nicht
gedacht. In jüngster Zeit haben Ronny und ich darüber nachgedacht, ob wir noch ein Kind bekommen wollen. Denn
wenn wir noch länger warten, ist der Altersunterschied zu
Max vielleicht zu groß. Max geht schon in die Schule und ist
ziemlich selbstständig. Trotzdem, wenn ein zweites Kind
kommt, wird einer von uns beiden beruflich kürzer treten
müssen, Ronny oder ich.
Mittlerweile habe ich mir einen kleinen Kundenstamm
aufgebaut. Wenn es so weiterläuft, kann ich Jens und Uwe,
die von Zeit zu Zeit aushelfen, fest anstellen. Trotzdem wäre
ich der Einzige, von dem letzten Endes alles abhängt. Vorigen Monat hat mir Dirk Rockstroh, ein anderer selbstständiger Gärtner, vorgeschlagen, wir sollten unsere Betriebe doch
zusammenlegen. Dann wäre die Belastung für jeden Einzelnen
nicht so groß, weil wir Arbeit und Verantwortung besser verteilen könnten. Das muss ich mir mit Kristin in Ruhe durch
den Kopf gehen lassen. Einen weiteren Vorteil hätte es ja:
Wenn wir noch ein Kind bekommen, könnte ich mir mit
Kristin das Erziehungsjahr teilen. Für ein paar Monate wäre
das mit Dirk Rockstroh bestimmt zu arrangieren. Denn ich
will von meiner Frau nicht noch einmal erwarten, aus ihrem
Beruf auszusteigen. Außerdem würde es mir gut tun, wieder
einmal eine ganz andere Art von Arbeit kennen zu lernen: zu
Hause mit Max und ... vielleicht Karen.
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S
TARTUP
Wenn der eigene Betrieb
zum Lebensmittelpunkt wird
Ralf Mehl hat sich entschieden und seinen Traum wahr gemacht: weg vom Krankenhausalltag, hin zum eigenen Betrieb.
Der 28-jährige Masseur und medizinische
Bademeister wagte vor drei Jahren den
Schritt ins Ungewisse und machte sich
selbstständig: mit einer neuen Geschäftsidee, aber auch mit allen Risiken und Konsequenzen.
Mein eigener Chef sein, die Arbeit
selbst einteilen können und wenn ich viel
leiste auch entsprechend zu verdienen –
das erhoffte ich mir damals, als ich mich
selbstständig machte. Ein wenig unsicher
war ich schon. Schließlich hatte ich einen
sicheren Arbeitsplatz im Kreiskrankenhaus. Aber nach ein paar Jahren überkam
mich das Gefühl: Hier kommst du nicht
weiter. Auch mit dem Einkommen konnte
ich keine großen Sprünge machen. Da erfuhr ich in einer Fachzeitschrift von einem
Trend: Büro-Massage! In den USA war es
in Mode gekommen, dass Masseurinnen
und Masseure in die Büros von Unternehmen fahren und die Beschäftigten dort
während deren Arbeitszeit massieren. Die
meisten Betriebe übernahmen die Kosten
M
dafür, als sich herausstellte, dass sich die
Angestellten mit Hilfe der Massagen besser entspannter, dadurch effektiver arbeiteten und auch seltener krank wurden.
Ich hatte die Chance, einer der Ersten zu
sein, die diese Dienstleistung in Deutschland anbieten. Damit ging ich ein großes
Risiko ein. Andererseits: Ich war Single,
ohne Kind, keine Schulden – was sollte
mir passieren? Zudem hielten sich die Investitionen in engen Grenzen: Auto, Massage-Utensilien, PC und Buchhaltungsprogramme – das reichte für den Start.
Selbstständige in anderen Berufen müssen
viel mehr investieren, um sich auf eigene
Füße stellen zu können. Dennoch dauerte
es zwei Jahre, bis ich einen festen Kundenstamm hatte. Der Anfang war noch kräfteraubender, als ich es erwartet hatte: keine
festen Arbeitszeiten, deshalb keine planbare Freizeit – und immer die Unsicherheit,
ob und wie es weitergeht. Wenn mir mein
Beruf nicht einen solchen Spaß machen
würde, hätte ich es wohl nicht durchgehalten. Auch heute, mit vier Angestellten,
arbeite ich mindestens zehn Stunden täglich: von sieben bis neun Uhr Büroarbeit.
Danach meist bis 17 Uhr Massage bei
Kunden. Abends bringe ich die Buchhaltung auf den neuesten Stand. Da kann
es schon mal spät werden.
Ob sich die ganzen Anstrengungen finanziell lohnen? Ich will es so ausdrücken:
Wer sich als Selbstständiger engagiert, hat
es mehr als Festangestellte in der Hand,
was bei der Arbeit herausspringt. Aber gerade am Anfang ist das Einkommen niedrig und unsicher. Dennoch habe ich meinen
Entschluss nicht bereut. Aber früher, im
Krankenhaus ist es mir leichter gefallen,
abends vom Beruf abzuschalten. Als Unternehmer bist du immer der Letzte, an
dem alles hängen bleibt. Da verlierst du
leicht deine Lockerheit. Dagegen hilft keine Massage.
KURSE ZUM THEMA in den Kapiteln
Berufs- und Fortbildungsabschlüsse
X Medizin, Pflege, Kosmetik
Berufliche Weiterbildung
X Existenzgründung, Unternehmensführung
X Gesundheit, Medizin, Pflege
OBILITÄT
Quer durch Deutschland
in eine neue Zukunft
Hinrich Ahrens erlebt eine aufregende
Zeit. Erst verlor der 35-Jährige seinen Arbeitsplatz als Kraftfahrzeugmechanikermeister: Das Autohaus, in dem er 12 Jahre
lang gearbeitet hatte, war nicht mehr rentabel und musste geschlossen werden. Seine
Suche nach Arbeit blieb lange erfolglos: In
Cuxhaven gibt es nicht viele Stellen, die
seiner Qualifikation entsprechen. In der
ländlichen Region um Cuxhaven herum
noch weniger. Erst als Hinrich
in ganz Deutschland suchte,
hatte er Erfolg. Doch sein
neuer Arbeitsplatz bei der
Voller Ernst 8859
DaimlerChrysler AG im 650
Kilometer entfernten Stuttgart bringt für die ganze Familie eine enor- entieren und sein Sohn Enno in eine andere
me Umstellung mit sich. Auch seine Frau Schule wechseln.
Gitta muss sich dadurch beruflich neu oriWas haben wir uns gefreut, als der Anruf aus Stuttgart kam. In der Pkw-Instand-
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setzung von Mercedes arbeiten zu können,
daran hätte ich nach den Sorgen der letzten
Monate nicht mehr geglaubt. Als sich die
Begeisterung gelegt hatte, wurde uns klar,
dass der Umzug keine leichte Sache wird.
Zunächst mal werden wir uns eine neue
Wohnung suchen. Aber sogar in den äußeren Stadtteilen von Stuttgart sind die Mieten viel höher als in Cuxhaven. Deshalb
werden wir in die weitere Umgebung von
Stuttgart hinausziehen, wo die Mieten erschwinglich sind. Dabei müssen wir auch
an Enno denken. Wir müssen schauen,
dass unsere künftige Wohnung nicht zu
weit von der nächsten Schule entfernt liegt.
Mit seinen zwölf Jahren soll Enno nicht
lange unterwegs sein. Es wird sowieso
Fit machen für den Wandel
nicht einfach für ihn, sich von seinen
Freunden hier in Cuxhaven zu trennen.
Auch meine Frau kann sich im Moment
noch gar nicht vorstellen, im Süden
Deutschlands zu leben. Außerdem muss sie
mit dem Umzug ja auch ihre Halbtagsstelle
in der Anwaltskanzlei aufgeben. Ihr Einkommen aus der Halbtagsstelle als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte allein
hätte nicht ausgereicht für die ganze Familie. Sonst würden wir vielleicht in Cuxhaven bleiben. Gitta hat schon Kontakt zu
zwei Stuttgarter Zeitarbeitsfirmen aufgenommen. Weil wir in der Stadt noch völlig
fremd sind, sieht ihre Strategie so aus:
Durch die wechselnden Arbeitsstellen lernt
sie verschiedene Stuttgarter Kanzleien und
Büros kennen. Wo die Aufgaben am besten
zu ihren Fähigkeiten und Interessen passen
und sie sich bewährt, wird sie versuchen,
eine Festanstellung zu erreichen. Dann
würde sie auch mehr verdienen als bei einer Zeitarbeitsfirma. Zuletzt sagte sie zu
mir: ,Ich werde mich in Stuttgart nur dann
zu Hause fühlen, wenn ich dort nicht nur
lebe, sondern auch arbeite.‘ Ich glaube, das
ginge mir an ihrer Stelle genauso.
KURSE ZUM THEMA in den Kapiteln
Berufs- und Fortbildungsabschlüsse
X Verkehr, Lager, Verpackung, Sicherheit
Berufliche Weiterbildung
X Wirtschaft, Verwaltung. Sprachen
X Verkehr, Kfz-Technik
N
ACHGEFRAGT
Zeiten ohne Arbeit sinnvoll nutzen
Ein Interview mit Udo Herbst. Der
Hamburger Weiterbildungsberater resümiert aus Anfragen von Ratsuchenden
Veränderungen in der Arbeitswelt und
mögliche Folgen für uns alle.
Frage: In jeder Biografie kann es zu einer Phase ohne Erwerbsarbeit kommen –
gezwungenermaßen oder freiwillig: Ohne
Arbeit zu sein, empfinden viele Menschen
noch immer als Makel. Kann eine solche
Zeit auch eine Chance sein?
Weil man sich finanziell einschränken
muss, sind Zeiten ohne Arbeit nicht einfach. Trotzdem kann sie jeder für sich
selbst nutzen. Das fängt damit an, einmal
Abstand zum Berufsalltag zu bekommen
und sich zu fragen: Ist es für mich okay,
was und wie ich bislang gearbeitet habe?
Oder würde ich gerne andere Tätigkeiten
ausüben, mich in eine andere berufliche
Richtung entwickeln – zum Beispiel nicht
mehr nur handwerklich, sondern zusätzlich
mehr kaufmännisch? Will ich weiterhin angestellt bleiben? Oder würde es mich reizen, mich selbstständig zu machen?
Vielleicht sind mir auch Dinge außerhalb der Erwerbsarbeit wichtiger geworden, z.B. die Partnerschaft oder die Familie
oder soziales Engagement. Für solche Fragen bleibt im Berufsalltag kaum Zeit. Die
meisten Menschen haben genug damit zu
tun, die steigenden Anforderungen im Beruf zu erfüllen und immer mehr Aufgaben
in immer kürzerer Zeit zu erledigen. Da
kann eine „Auszeit“ nützlich sein und gut
tun.
Frage: In Ruhe zu überlegen ist also
nur der erste Schritt?
Ja! Zunächst finden Sie heraus, ob und
was Sie ändern möchten. Dann überprüfen
Sie, ob und wie Sie Ihr Ziel erreichen können. Wenn Sie zum Beispiel anspruchsvollere Aufgaben übernehmen möchten, könnten Sie sich weiterbilden. Oder Sie erkennen, dass Sie Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern müssen, um wieder
Arbeit zu finden. Auch dann ist eine zielgerichtete Weiterbildung ein möglicher
Weg. Oder Sie beschließen sich selbstständig zu machen. Dann kommt die „Auszeit“ gerade recht, denn Sie haben viel zu
tun: Informationen sammeln, Kurse für
Existenzgründer besuchen, Finanzierung
klären, Genehmigungen einholen und vieles mehr.
Frage: Geht es immer nur darum, im
Beruf voranzukommen?
Es gibt auch berufliche Entscheidungen,
die nichts damit zu tun haben, die „Karriere“ voranzutreiben: Jemand erkennt, künftig am liebsten in einem kleinen Betrieb zu
arbeiten – weil er eine möglichst persönliche Beziehung zu Kollegen braucht, um
sich bei der Arbeit wohl zu fühlen und gute
Leistungen zu bringen. Oder umgekehrt:
Jemand empfindet täglichen Kontakt zu
wenigen Kollegen als beengend und möchte in Unternehmen mit vielen Beschäftigten und Abteilungen beschäftigt sein.
Viele Entschlüsse kommen aus dem privaten Bereich heraus, wirken sich aber
auch auf den Beruf aus: Ich kenne Men-
schen, die eine Zeit ohne Arbeit genutzt
haben, um in eine andere Region zu ziehen, in der sie lieber leben wollten. Dazu
sollte man natürlich erst einmal herausfinden, wie dort die beruflichen Aussichten
sind. Ein anderes Beispiel: Für die meisten
Menschen ist es wichtig, sich für etwas
Sinnvolles einzusetzen. Das kann im Beruf
sein, wenn man sich um Kollegen kümmert, die privat große Probleme haben.
Oder außerhalb des Berufs, wenn man sich
für den Naturschutz einsetzt oder für alte
und kranke Menschen. Solches ehrenamtliches Engagement kann für den Einzelnen
und seine Zufriedenheit wichtiger sein als
beruflicher Erfolg. Der Lebensunterhalt
muss natürlich in jedem Fall gesichert
werden, daran wird sich auch in Zukunft
nichts ändern.
Frage: Was bewirken solche Entscheidungen beim Einzelnen?
Wer sich freiwillig oder gezwungenermaßen neu orientiert, spürt: Ich kann auch
Schritte machen, ohne zu wissen, wo ich
ankomme – beruflich und privat. Einen
solchen Schritt gut zu überlegen und dann
zu gehen, kann viel selbstbewusster machen: Ich bin mir mehr als zuvor bewusst,
wer ich bin, was ich kann und wohin ich
will. Das ist eine wichtige Erkenntnis.
Denn mittlerweile gibt es im Arbeitsleben
immer weniger starre Gleise, dafür immer
mehr Weichen. Manche kann ich selbst
stellen, auf manche habe ich keinen Einfluss. Zeiten ohne Arbeit können solche
Weichen sein.
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W
ISSENSMANAGEMENT
Erfolgreich in der New Economy
dazu, dass sich die Mitarbeiter genauer
beobachteten und auf Fehler hinwiesen.
Wie anders, wie zukunftsweisend die
Wirtschaftskultur der New Economy
war, zeigt sich am deutlichsten in ihrem
Umgang mit Wissen. Die Teams waren
kreativ, wild, innovativ, kooperativ. Ihr
Ziel war nicht nur Erfolg, Profit, sondern zugleich auch Anerkennung, Spaß
activity.
Die hohe Intensität der Arbeit war kein
Problem, weil Arbeit und Leben identisch
schienen. Die work/life-balance stimmte,
weil Arbeit als vital empfunden wurde, als
real life. Das spiegelte eine neue Einstellung zur Arbeit wider: new work.
Die Old Economy mit ihren klaren Hierarchien neigt dazu, Wissen einzubunkern.
Wissen wird nicht geteilt, sondern taktisch
eingesetzt – mit dem Risiko, dass weniger
Innovationen entstehen. Jeder in der Hierarchie eines Unternehmens behält sein
Wissen für sich. Er weiß: Sobald er es
preisgibt, steht es anderen zur Verfügung,
die sich damit über ihn hinwegsetzen.
Weil es fast allen gleichzeitig gehörte,
kam es nicht so sehr auf das Wissen selbst
an. Sondern darauf, möglichst schnell und
viel daraus zu machen. Wissen wurde zum
freien Gut, wie Sand am Strand oder Sauerstoff. In diesem Sinne war die New Economy das erste Experiment, wie die künftige Wissensgesellschaft aussehen könnte.
¾Birger Priddat
Professor für Volkswirtschaft und
Philosoph an der privaten Unit Witten/Herdecke
Voller Ernst
Genau umgekehrt hat es die New Economy versucht: mit freiem Wissensaustausch. Jeder erzählt jedem, was er weiß,
und zwar im Überfluss. Das geschah in
einer Atmosphäre der Kreativität. Vieles
konnte selbst oder in schneller Kommunikation mit anderen entschieden werden.
Der relativ niedrige Level an Hierarchie
machte jeden Mitarbeiter zum virtuellen
Zentrum der Organisation und führte auch
Das gehört zur künftigen Wissensgesellschaft
KURSE ZUM THEMA in den Kapiteln
Berufs- und Fortbildungsabschlüsse
X Wirtschaft, Verwaltung, Sprachen
X Pädagogik, Psychologie, Therapie
Berufliche Weiterbildung
X Arbeitstechniken, Zeitmanagement
X Pädagogik, Psychologie, Therapie
von Birger Priddat
1. Exzellente Leute exzellent arbeiten zu
lassen. Oft scheitern exzellente Leute an
nicht so exzellenten Vorgesetzten. Das
kann bedeuten, eher den Kapitän auszuwechseln als die Mannschaft. Denn entscheidend ist nicht, die Hierarchie aufrecht
zu erhalten, sondern die Produktivität.
3. Neue Ideen verwirklichen. Um Unternehmertum im Unternehmen zu fördern
(intrapreneurship), werden Mitarbeiter gegebenenfalls mit eigenen Budgets ausgestattet.
2. Netzwerkbeteiligungen fördern. Exzellente Leute kennen meist andere exzellente Leute in anderen Unternehmen. Diese
Leute sollen in ihren Netzwerken Wissen
tauschen. Der Nutzen für die Firma, die
das fördert, ist so hoch wie das Wissen
anderer Firmen, das ihr zugute kommt.
Allerdings unter der Bedingung, dass das
Wissen der eigenen Firma ebenfalls anderen zugute kommt.
5. Das heißt auch: Vertrauen schenken.
Das ist die Zusammenfassung vieler Aspekte der New Economy und schließt die
Erwartung der Kooperation ein – statt des
Konflikts oder des Wettbewerbs. Wer anderen vertraut, erwartet Zuarbeit statt Störung. Wie organisiert man Vertrauen? Die
Antwort lautet: Schaut in die New Economy.
4. Im Unternehmen Arenen bauen, in
denen Kreativität sichtbar wird. Es geht
darum, Spielräume zu eröffnen.
6. Der entscheidende Punkt ist vielleicht: Die New Economy schien deshalb
so erfolgreich zu sein, weil sie auf Kultur
setzte, auf Motivation, auf spirit , nicht auf
hard facts. Dass die hard facts sie eingeholt haben, ist eher Beweis dafür, dass die
Entfaltung von Kultur und Vertrauen mehr
Zeit braucht, als die Wagniskapitalgeber
zugestehen konnten.
7. Die New Economy war dort schlecht,
wo sie, über Anreizsysteme, motivieren
wollte, wo sie etwa feste Gehälter durch
Aktienoptionen ersetzte. Sie hat zu oft die
Gier der Mitarbeiter nutzen wollen und sie
in die Hysterie getrieben. Sie hat sie nicht
dazu gebracht, ihrer Kreativität zu folgen
und soziale Intelligenz zu entwickeln. Beides macht exzellente Kooperation aus.
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36
Fit machen für den Wandel
W
ISSENSMANAGEMENT
Neue Bedeutung
eines alten Rohstoffes
Voller Ernst
Sie sind ein ungleiches Paar. Hans
Roos, seit vielen Jahren bei der Deutschen
Bank in Frankfurt tätig, mit Schwerpunkt
Führungskräftetraining und -beratung, geht
in gut eineinhalb Jahren in den Ruhestand.
Markus Hörmann dagegen steht erst am
Anfang seiner Laufbahn. Er ist 28 Jahre
alt, diplomierter Wirtschafts-Ingenieur und
hochmotiviert, die Theorie in Praxis umzusetzen. Sie teilen sich nicht nur ein Büro,
sondern arbeiten auch gemeinsam an Projekten, und gerade ihre Verschiedenheit ist
es, die sie als Team so erfolgreich macht.
Denn hier wird generationsübergreifender
Wissenstransfer praktiziert.
"Wissen ist die wichtigste Ressource der
Zukunft", weiß Caroline Baumgärtner,
Trainerin am Institut für Weiterbildung der
Hamburger Universität für Wirtschaft und
Politik. "Es lässt sich nur schwer zählen,
messen, oder wiegen, und doch wird dieser
Rohstoff immer mehr zu einem wertbestimmenden Faktor für die Unternehmen."
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele
Informationen zu verarbeiten, sondern
Strategien zu entwickeln, um die jeweils
wesentlichen Fakten aus der Informationsflut herauszufiltern und zu vernetzen.
Wissensmanagement kann so aussehen,
wie bei der Deutschen Bank, aber auch
eine betriebsinterne Vernetzungsplattform,
zu finden etwa bei Siemens, hilft bei der
Wissensnutzung. Wenn dort Kauffrau Anja
L. juristischen Rat für eine Vertragsformulierung braucht, spuckt ihr der Rechner auf
Anfrage eine Liste jener KollegInnen aus,
die sich in ihrem Wissensprofil als Rechtsexperten zu erkennen geben. Aber auch
virtuelle „Teegespräche“ wie bei BP fördern den Wissensaustausch - und da Wissen immer in den Köpfen von Menschen
Verlosung eines Seminarplatzes
„Wissensmanagement“
Anbieter: HWP-Institut
ab 15.11.02, Umfang 20 Std!
Die aktuellen Kurs-Verlosungen
finden Sie im Gewinnspiel unter:
www.weiterbildung-hamburg.de
entsteht, sind diese Communities
of Practise gerade in weltweit angesiedelten Unternehmen unverzichtbar für Produktqualität und Kundenorientierung.
Funktionieren kann ein solcher Wissensaustausch jedoch nur, wenn die entsprechende Betriebskultur praktiziert wird,
denn Wissen war und ist ein Konkurrenzvorteil. "Für die MitarbeiterInnen bedeutet
gelebtes Wissensmanagement erst mal zugespitzt formuliert, die Entmachtung von
Experten." so Baumgärtner und schließt
sich damit der Meinung des Arbeitspsychologen Lutz von Rosenstil an. Die
Angst, austauschbar zu sein, wenn man
„sein“ Wissen weitergibt, bestimmt gerade
in den oberen Führungsetagen den Arbeitsalltag.
Ebenfalls hinderlich für einen kontinuierlichen Wissenstransfer sind heimliche
Hierarchien und Seilschaften. Aber auch
hohe Personalfluktuation führt zu betriebsinternem Wissensverlust. Erfolgreiches Wissensmanagement funktioniert nur,
wenn die MitarbeiterInnen Vertrauen in
den Betrieb und auch untereinander haben.
Zusätzlich muss das Mitmachen am offenen Wissensaustausch belohnt werden,
durch schnelleren Aufstieg, spannendere
Aufgaben oder auch finanzielle Anreize.
Die Transparenz des Prozesses ist dabei
genauso von Bedeutung: "Es muss deutlich
sein, dass die Geschäftsleitung die Kompetenzen und das Wissen aller Mitarbeiter
dauerhaft vernetzen will, zum Vorteil des
Kunden, jedoch ohne Kahlschlag beim
Personal." Neben der "Aufgabe, Vorbild zu
sein" sieht Baumgärtner darin die Hauptaufgabe der Firmenspitze. Nicht unterschätzt werden darf dabei der Faktor Zeit.
Die Siemensianer wissen ihre Vernetzungsplattform zu schätzen. 2500 Experten
haben bereits ihr Profil angelegt, und mehr
als die Hälfte der Mitarbeiter nutzen den
'Wissensbaum'. Für das Unternehmen wird
dieser Schritt in der Zukunft ein Wettbewerbsvorteil sein, weiß Baumgärtner. "Den
ungeschriebenen Erfahrungsschatz für ein
Unternehmen festzuhalten, garantiert weiterhin Produktqualität und Kundenorientie-
rung." Der ab 2010 prognostizierte Fachkräftemangel mache das Wissen qualifizierter Mitarbeiter noch wertvoller,
denn: "Wenn ihr Wissen, ihre Erfahrungen
und ihr Beziehungsgeflecht für den Betrieb
nachvollziehbar dokumentiert ist, steigert
das die Wettbewerbsfähigkeit."
Auch die Erfahrungen, die das 'Tandem'
bei der Deutschen Bank gemacht hat, sind
ein gutes Beispiel für gelungenes Wissensmanagement. Neben dem Unternehmen, dem das Wissen erhalten bleibt, sind
auch die beiden Mitarbeiter Gewinner der
Aktion, und teilen Baumgärtners Meinung
nach das Ergebnis ihres Tauschgeschäfts.
"Der Ältere hat für die Einarbeitungszeit
eine Planungssicherheit, sieht sein Wissen,
seine Erfahrungen geschätzt, der Jüngere
bekommt das Wissenskapital übertragen
und wird eingeführt in das Beziehungsgeflecht, das langjährige Berufstätigkeit gewoben hat."
Obwohl persönliche Kontakte für die
Entscheidungsfindung innerhalb eines Unternehmens viel wichtiger sind, als Informationen aus dem Netz, gaben 300 befragte Unternehmen bei einer aktuellen
Studie von Gartner an, gerade diese informellen Kontakte am wenigsten zu fördern.
Die Ursache sei der hohe Arbeits- und
Zeitaufwand, erläutert Gartner Analyst
Alexander Linden. "Generell ist es für Unternehmen leichter, neue Technologien zu
implementieren als die Unternehmenskultur zu ändern." Doch, so Baumgärtner,
„den Menschen zu vergessen, endete gerade beim Wissensmanagement gern in
dem Teufelskreis von nicht erfüllten Erwartungen und genährt durch enttäuschende Resultate der Reduzierung der zur
Verfügung gestellten Ressourcen, bis…, ja
bis ein neues Thema als Heilsversprechen
gepriesen wird.“ ¾ Mona Hope
KURSE ZUM THEMA in den Kapiteln
Berufs- und Fortbildungsabschlüsse
X Wirtschaft, Verwaltung, Sprachen
X Pädagogik, Psychologie, Therapie
Berufliche Weiterbildung
X Arbeitstechniken, Zeitmanagement
X Pädagogik, Psychologie, Therapie
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M
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ENTALITÄT
Das Geheimnis erfolgreicher Menschen
Was haben erfolgreiche Menschen an
sich, das andere nicht haben? Wodurch
unterscheiden sich erfolgreiche Menschen
von erfolglosen? Diese Fragen beschäftigen viele Menschen, denen daran liegt,
selbst erfolgreich zu sein.
Ob ein Glas halb voll ist oder halb leer,
ändert nichts an der Menge, die tatsächlich
noch im Glas verblieben ist. Dennoch, zwi-
schen diesen Anschauungen liegen Welten.
Die pessimistische Sichtweise, die ihre
ganze Kraft und Aufmerksamkeit auf den
bereits erlittenen Verlust richtet, mobilisiert völlig andere Kräfte, Motive und Entscheidungen als die optimistische. Die
freut sich an dem noch Vorhandenen und
trachtet es zu nutzen. Probieren Sie den
Unterschied selbst einmal in einer ruhigen
Erfolgreiche Menschen …
Stunde aus! Betrachten Sie den selben
Sachverhalt einmal mit der Sichtweise
vornehmlich erfolgreicher Menschen und
danach mit der anderen und beobachten
Sie, welche unterschiedlichen Gedanken
und Assoziationen jeweils folgen.
Die nachfolgende Liste gibt einige Anhaltspunkte für die auf Erfolg getrimmte
Mentalität.
Erfolglose Menschen …
... haben eine Vision und handeln danach.
... haben viele Träume und behandeln sie wie Schäume.
... tun das Richtige zur richtigen Zeit.
... haben immer viel zu tun und tun nichts richtig.
... bestimmen selbst über ihre Zeit.
... lassen andere über ihre Zeit bestimmen.
... sehen in jedem Hindernis ihre Chancen.
... sehen in jeder Chance ein Hindernis.
... treffen Entscheidungen.
... lassen andere über sich entscheiden.
... lösen ihre Probleme konstruktiv.
... suchen nach Schuldigen.
... gehen Verpflichtungen ein und übernehmen Verantwortung.
... drücken sich vor Verantwortung und tun nur ihre Pflicht.
... konzentrieren sich auf ihre Stärken.
... konzentrieren sich auf eigene Schwächen
und auf die der anderen.
... ändern, was sie ändern können,
und akzeptieren, was sie nicht ändern können.
... beklagen, was sie nicht ändern können,
und übersehen dabei, was sie ändern könnten.
... führen durch Fragen und Zuhören.
... überfahren mit Reden .
... haben den Mut, Fehler zu machen, um daraus zu lernen.
... tun besser nichts aus Angst, Fehler zu machen.
... akzeptieren sich und andere, wie sie sind.
... sind ständig unzufrieden mit sich selbst und anderen.
... können über sich selbst lachen.
... lachen nur über andere .
... sind optimistisch.
... finden immer einen Grund dafür, pessimistisch
oder unglücklich zu sein.
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Seele and Geist
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