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100 Ein ritter sô gelêret was daz er an den buochen las swaz er dar

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VON DEM ARMEN HEINRICHE – VERSE EINS BIS 100
Ein ritter sô gelêret was
nie deheiner der tugent
daz er an den buochen las
die ein ritter in sîner jugent
swaz er dar an geschriben vant:
5
man sprach dô nieman alsô wol
dienstman was er zOuwe.
in allen den landen.
er nam im manige schouwe
er hete ze sînen handen
an mislîchen buochen:
geburt unde rîcheit:
40
swie ganz sîn habe wære,
dâ mitẹ er swære stunde
sîn geburt unwandelbære
möhte senfter machen,
und wol den vürsten gelîch,
und von sô gewanten sachen,
doch was er unnâch alsô rîch
45
und dâ mite er sich möhte
er hiez der herre Heinrich
ein rede die er geschriben vant.
und was von Ouwe geborn.
50
sîn herze hâte versworn
daz er sîner arbeit
valsch und alle dörperheit,
die er dar an hât geleit
und behielt ouch vaste den eit
iht âne lôn belîbe,
stætẹ unz an sîn ende.
und swer nâch sînem lîbe
ânẹ alle missewende
55
stuont sîn êre und sîn leben.
daz er im bittende wese
im was der rehte wunsch gegeben
der sêle heiles hin ze gote.
von wêrltlichen êren;
man giht, er sî sîn selbes bote
die kundẹ er wol gemêren
und erlse sich dâ mite,
mit aller hande reiner tugent.
swer vür des andern schulde bite.
Er las daz selbe mære,
30
Sîn name was gnuoc erkennelich:
nu beginnet er iu diuten
si hre sagen ode lese,
25
der geburt und des guotes
so der êren und des muotes.
gelieben den liuten.
dar umbe hât er sich genant,
20
ouch was sîn tugent vil breit.
ob er iht des vunde,
daz gotes êren töhte
15
ze vollem lobe haben sol.
der was Hartman genant,
dar an begundẹ er suochen
10
35
60
er was ein bluome der jugent,
der werltvreudẹ ein spiegelglas,
wie ein herre wære
stæter triuwẹ ein adamas,
ze Swâben gesezzen:
ein ganziu krône der zuht.
an dem enwas vergezzen
er was der nôthaften vluht,
65
ein schilt sîner mâge,
der miltẹ ein glîchiu wâge:
und ir grœste magenkraft,
100
diu stât âne meisterschaft.
im enwart über noch gebrast.
er truoc den arbeitsamen last
der êren über rücke.
70
er was des râtes brücke
und sanc vil wol von minnen.
alsus kundẹ er gewinnen
der werlte lop unde prîs.
er was hövesch unde wîs.
75
Dô der herre Heinrich
alsus geniete sich
êren unde guotes
und vrœlîches muotes
und wertlîcher wünne
80
(er was vür al sîn künne
geprîset unde gêret),
sîn hôchmuot wart verkêret
in ein leben gar geneiget.
an im wart erzeiget
85
als ouch an Absalône,
daz diu üppige krône
werltlîcher süeze
vellet under vüeze
ab ir besten werdekeit,
90
als uns diu schrift hât geseit.
ez sprichet an einer stat dâ:
>mêdiâ vîtâ
in morte sûmus.<
daz diutet sich alsus,
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daz wir in dem tôde sweben
so wir aller beste wænen leben.
Dirre werlte veste,
ir stæte und ir beste
Literatur:
Hartmann von Aue: Der arme Heinrich.
Hrsg. von Hermann Paul. 15., neu bearbeitete
Auflage von Gesa Bonath. Tübingen 1984
(Altdeutsche Textbibliothek 3).
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Kategorie
Seele and Geist
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