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Gronau: Im Westen was Neues - Zukunft Gronau

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2011-02-07
Gronau: Im Westen was Neues
Samtgemeinde plant großes Fachmarktzentrum mit Edeka / Sorgen in der Innenstadt
Gronau (abu). Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“ sind in den vergangenen Jahren
zunehmend in die Kritik geraten. Die Samtgemeinde Gronau plant dennoch ein großes
Fachmarktzentrum am Westrand der Stadt. Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens
(SPD) sieht die Vorteile bei weitem überwiegen. Er hofft, dass die Gronauer dann weniger als
bisher zum Einkaufen nach Alfeld oder Hildesheim fahren und dass weit mehr als 100
zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Die Pläne sind auch Teil des Bestrebens, den EinwohnerRückgang in der Samtgemeinde zu stoppen und Gronau als wirtschaftliches Zentrum des
Westkreises zu stärken. Viele Innenstadt-Kaufleute teilen Mertens‘ Begeisterung allerdings
nicht.
Konkret geht es um immerhin 38000 Quadratmeter nördlich der Straße nach Eime, also an der
Ortsausfahrt rechter Hand, eine Fläche, auf der locker fünf Fußballfelder Platz finden würden.
Dort sollen mindestens zehn verschiedene Geschäfte Platz finden. Herzstück der Pläne ist
Edeka – und zwar nicht ein kleiner Markt, sondern ein so genanntes E-Center mit gut 2500
Quadratmetern Verkaufsfläche. Das E-Center ist der größte der drei Markttypen des EdekaKonzerns. „Gronau wollte schon seit mindestens zehn Jahren einen VollsortimentSupermarkt im Westen ansiedeln“, erinnert sich Mertens. Schließlich wohne dort ein Großteil
der Einwohner. So sei man für die Fläche auf der Südseite der Straße nach Eime schon einmal
kurz vor dem Abschluss gewesen. „Doch immer hieß es, das rechnet sich nicht.“ Edeka habe
dann schließlich signalisiert, allein wolle man zwar nicht, im Rahmen eines Märkte-Zentrums
wolle den man den Sprung nach Gronau aber wagen.
Mit dieser Aussage machten sich die Gronauer auf Werbetour – und stießen auf ein positives
Echo bei vielen Ketten. Darunter zwei größere Märkte, die jeweils rund 1000 Quadratmeter in
Anspruch nehmen könnten: Das Dänische Bettenlager und ein Elektronik-Großhändler wie
EP oder Expert. Hinzu dürften nach aktuellem Stand die Drogerie Rossmann, der TextilDiscounter Takko, die Kienast Schuhhandels GmbH (unter anderem gehört ABC dazu) und
die Ein-Euro-Kette Tedi kommen. Weiterhin geplant: ein Tierfutter-Händler, eine „Sports
Bar“ und ein asiatisches Restaurant. Damit deren Kunden auch genug Platz finden, sind etwa
350 Parkplätze vorgesehen, die Straße nach Eime soll einen weiteren Kreisel bekommen,
damit der Verkehr auch munter fließen kann.
„Da sind wir aber noch flexibel“, sagt der Erste Samtgemeinderat Thomas Mensing.
„Besonders würden wir uns natürlich freuen, wenn Gronauer Händler ebenfalls Interesse
zeigen würden. Doch aus dem Zentrum kommt bislang eher Gegenwind. Viele Geschäftsleute
befürchten, dass die Innenstadt verödet, wenn alle nur noch im Fachmarktzentrum einkaufen.
Beispiele für solche Entwicklungen gibt es in der Region durchaus. Besonders erbittert hat
sich bisher Rewe geäußert – der Markt am Nordostrand Gronaus fürchtet einen neuen
Supermarkt im Westen. In der Tat stellt sich die Frage, wo alle die Kunden bisher ihr Geld
ausgeben, die künftig im Fachmarktzentrum einkaufen sollen.
Rainer Mertens kennt die Kritik – und lässt sie abperlen. Wirkliche Konkurrenz entstehe im
Westen nach derzeitigem Stand nur in den Bereichen Supermarkt und Drogerie. Betroffen
seien also Rewe und Schlecker. „Für die Filialen überregionaler Ketten hat die Samtgemeinde
keine Schutzfunktion“, stellt Mertens klar. Überdies habe man schon reagiert – und aus
ursprünglich vorgesehenen drei Textil-Anbietern einen gemacht. Schuhhändler gebe es in der
ganzen Samtgemeinde aktuell auch nur einen. Bleibt die Frage, ob das Streben nach Westen
der Innenstadt nicht zumindest die Laufkundschaft raubt? „Bisher ist es doch eher so, dass
man nach Hildesheim oder Alfeld fährt, wenn man in Gronau etwas nicht bekommt. Dann ist
man dort die Laufkundschaft und gibt sein Geld auch nicht in Gronau aus.“
Damit ist der Ton gesetzt, die „Gegner“ definiert. Die Gronauer sollen weniger nach
Hildesheim oder Alfeld fahren, sondern vor Ort ein größeres Angebot finden. „Wir haben
einen massiven Abfluss von Kaufkraft in diese beiden Städte, das wollen wir ändern.“ Seine
Mitbürger sollen sich also möglichst gar nicht erst angewöhnen, durch die neue ArnekenGalerie zu pilgern, weil sie vor der Haustür ebenfalls vieles vorfinden. Die Innenstadt werde
dabei nicht vergessen: „Der Neubau des Johanniter-Altenheims mit Wohnungen bringt
Einwohner und Arbeitsplätze dorthin. Wir schaffen anstelle des alten Feuerwehrhauses
zusätzliche Parkplätze und stehen kurz davor, einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt
weitere Parkplätze anbieten zu können.“ Zusammen mit den Schul-Neubauten und dem
Altenheim sei das Fachmarkzentrum zudem ein weiterer Baustein, Gronau im Wettbewerb
der Kommunen fit zu machen. Zuletzt verlor die Samtgemeinde 1000 Einwohner in vier
Jahren. „Da wollen wir nicht tatenlos zusehen.“ Dass die Pläne zum Beispiel in der
Nachbarstadt Elze die Kaufleute auf den Plan riefen, nimmt Mertens hin. „Wir haben die
Stadt Elze frühzeitig über unsere Überlegungen informiert.“ Ohnehin setzt der Bürgermeister
beim Blick in die Zukunft auf eine stärkere Verzahnung der beiden Städte, Gespräche über
eine langfristig mögliche Fusion werden hinter den Kulissen offenbar regelmäßig und
ernsthaft geführt. Und dabei hat es das größere Gronau erkennbar nicht auf den Beifahrersitz
abgesehen.
Was die Pläne für das Fachmarktzentrum angeht, sollen die Gronauer in diesem Jahr reichlich
Gelegenheit bekommen, öffentlich zu diskutieren. Dafür sorgt schon die rechtliche
Konstruktion der Samtgemeinde. So müssen sich der Gronauer Stadtrat und seine Ausschüsse
mit der nötigen Änderung des Bebauungsplans beschäftigen, die ebenfalls nötige Änderung
des Flächennutzungsplans liegt in der Hand des Samtgemeinderates und seiner Ausschüsse.
Zusätzliche Bürgerversammlungen zur Information plant Mertens nicht. „Unsere Bürger
nutzen bei solchen Themen die Ausschuss-Sitzungen intensiv.“
Dort sollen die Einwohner auch ausführlich zu Wort kommen, verspricht sein Vertreter
Thomas Mensing. Dabei werde man Fragesteller nicht formal ausbremsen. „Wir legen die
Geschäftsordnung im Sinne der Bürger aus, man kann immer eine Sitzungsunterbrechung
machen“, verspricht er. Hintergrund: Offiziell dürfen Zuschauer während solcher Sitzungen
lediglich Fragen stellen, und auch das nur unter dem Tagesordnungspunkt
„Einwohnerfragestunde“. Viele Kommunen legen diese dann an den Beginn, so dass die
Einwohner zur Diskussion selbst nichts sagen können.
Ob das Fachmarktzentrum also kommt oder nicht, liegt in der Hand von Stadtrat und
Samtgemeinderat. Kann Mertens diese wie von ihm erwartet auf seine Seite ziehen, gilt eine
Fertigstellung des „neuen Stadtteils“ in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 als realistisch.
2011-02-08 00:00:00
Händler wollen Marktzentrum nicht
Gronau: VHG-Chef sieht viele Gründe gegen Pläne in Gronau-West / Parteien auf
Kompromiss-Suche
Gronau (abu). Gronaus Politiker stehen den Plänen für ein Fachmarktzentrum am Westrand
der Stadt eher positiv gegenüber. Die örtlichen Kaufleute sind allerdings strikt dagegen.
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Pläne zumindest in der bisherigen Größenordnung kaum
verwirklicht werden dürften.
Erbitterten Widerstand bieten schon jetzt die Gronauer Kaufleute. „Die jetzt bekannten Pläne
sprengen alle Dimensionen, das ist eine ganz große Gefahr für die Innenstadt“, sagt Dieter
Meyer. Der Inhaber eine Fotogeschäfts im Stadtzentrum ist Vorsitzender des Vereins für
Handel und Gewerbe (VHG), er vertritt rund 100 Unternehmer in der Leinestadt. Die
Argumente von Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens (SPD) seien für ihn nicht
nachvollziehbar.
Dass die Kunden mehr Geld in Gronau ausgeben, glaubt er nicht. „Wer in Hannover,
Hildesheim oder Alfeld arbeitet, kauft auch da ein.“ Dass Gronau mehr selbst bieten müsse,
um seine Bürger vom Auswärts-Einkauf abzuhalten, ist für ihn kein Argument: „Gerade weil
es die Sachen auch in Hildesheim oder Alfeld gibt, brauchen wir hier nicht alles noch einmal.
Und in Sachen Lebensmittel sind wir ohnehin schon zu 20 Prozent überversorgt.“
Auch die Bevölkerungs-Entwicklung in Gronau und Umgebung spricht für Meyer nicht für,
sondern gegen das Zentrum: „Wenn hier immer weniger Leute wohnen, wer soll dann da noch
einkaufen? Dann stehen da nur noch Investitions-Ruinen wie der alte Wal-Mart in Pattensen!“
Es gebe in der Region genug Beispiele dafür, dass Märkte auf der grünen Wiese die
Innenstadt ausgedörrt hätten: „Schauen Sie mal nach Sarstedt oder Springe!“
Vielmehr gelte es, das Zentrum zu schützen. „Alle Gronauer lieben unsere schöne kleine
Innenstadt, in der es noch fast alles gibt und die zum gemütlichen Bummeln einlädt.“ Sie
locke auch viele Besucher von außerhalb an. Statt große Projekte am Ortsrand zu planen,
gelte es, kleine Verschönerungen und Verbesserungen im Herzen der Stadt anzugehen.
„Verwaltung und Politik sollten unsere Ängste ernst nehmen“, mahnt Meyer. „Wer
regelmäßig sein Gehalt aufs Konto bekommt, kann oft nicht nachvollziehen, wie es für
Selbstständige ist. Da zählt jeder Kunde.“
All das wollen Meyer und seine Mitstreiter auch der Gronauer Politik erklären. Und die will
zuhören – wenn schon sonst nirgends Einigkeit herrscht, dann darüber, dass eine breit
angelegte Diskussion in der Bevölkerung und ein Dialog der Beteiligten nötig sei. „Wir
brauchen neue Einkaufsmöglichkeiten im Westen Gronaus, aber nicht um jeden Preis“, sagt
etwa der ehrenamtliche Bürgermeister der Stadt Gronau, Karl-Heinz Gieseler (SPD).
Der ist im Moment auf Kompromiss-Suche. „Ich bin auch der Meinung, dass beim aktuellen
Entwurf noch nachgebessert werden muss“, sagt er. Die derzeitigen Entwürfe weisen ein
Areal von 38 000 Quadratmetern für zehn Märkte aus, dabei ein E-Center von Edeka und 335
Parkplätze. Zu viel, deutet Gieseler an. „Der Idealfall wäre für mich eine Lösung, mit der die
Investoren noch leben können, die aber auch von der VHG mitgetragen wird.“ Was nach
Meyers Aussagen ein ziemlich schwieriges Unterfangen werden könnte.
„Wir müssen jetzt die Zeit zur Diskussion nutzen“, sagt Gieseler, der sich bei den Kaufleuten
im Wort sieht. „Ich bin 2006 mit dem Ziel der Innenstadt-Förderung angetreten, das gilt
weiter.“ Wobei er auch hofft, mehr Gronauer Unternehmer für einen Umzug ins
Fachmarktzentrum begeistern zu können. Wichtig sei ihm auch, die Lösung am Ende
überparteilich zu vertreten. Er hoffe auf mehr Klarheit nach der Jahresversammlung der VHG
im März.
Das scheint trotz anstehender Kommunalwahl durchaus möglich. „Erst einmal muss ich die
Verwaltung in Schutz nehmen“, sagt Dietmar Zimmer von der CDU-Stadtratsfraktion. „Sie
hatte den Auftrag, etwas zu entwickeln und vorzustellen, das hat sie getan.“ Nun sei allerdings
die Politik am Zug. Im Moment sei seine Haltung zum Fachmarktzentrum „noch positiv“.
Aber wir müssen jetzt ins Detail gehen, mögliche Folgen analysieren und mit Geschäftsleuten
und Bürgern sprechen.
Dabei soll in Gronau zunächst auf Stadt-Ebene diskutiert werden. In deren Hoheit fällt eine
mögliche Änderung des Bebauungsplans, die Voraussetzung für das Märkte-Zentrum – in
welcher Größe auch immer – wäre. „Bisher hat die Verwaltung sich korrekt verhalten. Nun
sind die Gremien der Stadt gefragt, wir stehen ja noch am Anfang“, sagt Sabine Hermes,
Chefin der CDU im Samtgemeinderat. Das hatte auch Rainer Mertens gegenüber der HAZ
betont: „Wir haben eine Grundlage, jetzt diskutieren wir.“
2011-02-16 00:00:00
Geteilte Meinung in Gronau
HAZ-Umfrage auf dem Wochenmarkt
Gronau (abu/sch). Das für das Jahr 2013 geplante Fachmarktzentrum, das nach den
Vorstellungen der Verwaltung im Westen am Ortsausgang Richtung Eime in Gronau
entstehen soll, erhitzt die Gemüter: Während – zumindest bislang – eine Mehrheit der
Gronauer Politiker aus allen Parteien das Vorhaben begrüßt und vorantreiben will, sehen die
Geschäftsinhaber der Innenstadt das Projekt mit Besorgnis.
Bedenken, dass die Kaufkraft aus dem Zentrum abwandern könne, äußerten auch einige
Bürger, wie eine HAZ-Umfrage ergeben hat. Generell sind die Meinungen der Befragten aus
der Samtgemeinde aber geteilt. Viele Facetten des in Gronau derzeit ziemlich sensiblen
Themas kamen zum Vorschein: Unter anderem äußerten sich etliche ältere Menschen, die in
der Nähe des geplanten Einkaufszentrums wohnen, positiv über künftig kürzere Wege.
Generell zeigte sich: Das Fachmarktzentrum ist derzeit in Stadt und Samtgemeinde Gronau
Gesprächsthema Nummer eins.
Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens (SPD) ist seit Monaten mit einem potenziellen
Investor im Gespräch, um am Westrand Gronaus ein Fachmarktzentrum zu entwickeln.
„Anker“ soll ein E-Center von Edeka mit rund 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche sein.
Insgesamt könnte das Areal auf 38 000 Quadratmetern zehn verschiedenen Geschäften Platz
bieten, ein erster Entwurf sieht 335 Parkplätze vor. Mertens argumentiert, dort könnten
Menschen einkaufen, die dafür bisher nach Alfeld oder Hildesheim fahren, die Innenstadt sei
kaum betroffen.
Die Gronauer Kaufleute sehen das völlig anders, ihr Sprecher Dieter Meyer fürchtet ein
Aussterben der Innenstadt, die Kaufkraft werde trotzdem abfließen.
BU
Heike Tietze (46) aus Betheln: „Ich werde beides nutzen. Fachmarktzentrum und auch
Innenstadt-Geschäfte. Im Einkaufszentrum ist ja ein ergänzendes Angebot geplant. Wichtig
ist, dass das Projekt den Geschäften in der Innenstadt nicht schadet.“
Werner Hartje (58) aus Gronau: „Es kommt darauf an, wo so was entstehen soll und wo man
wohnt. Andererseits gönne ich manchen Geschäften die Konkurrenz. Einkaufstechnisch
versorgt sind wir hier ja bestens – nur Edeka ist noch nicht vertreten. Das Fachmarktzentrum
muss sich rechnen.“
Doris Trampenau-Windt (57) aus Rheden: „Generell bin ich dafür, denn das schafft ja auch
Arbeitsplätze. Und für ältere Leute, besonders wenn sie nicht mehr mobil sind, wäre das
Einkaufszentrum ein Vorteil. Ich selbst werde trotzdem auch weiterhin in die Fachgeschäfte
in der Innenstadt gehen.“
Martina Nolte (53) aus Gronau: „Ich bin unsicher, wie es dann in der Innenstadt aussieht.
Dass mittlerweile so viele Geschäfte weit draußen sind, finde ich nicht gut. Alles liegt so weit
auseinander! Wenn Markt ist, erledige ich gern Vieles gleich zentral in der Innenstadt.“
2011-05-11 00:00:00
Marktzentrum soll kleiner werden
Gronau gibt heute Details zu neuen Plänen bekannt
Gronau (abu). Das geplante Fachmarktzentrum im Westen Gronaus soll kommen – aber
deutlich kleiner werden als zunächst angedacht. Details will Samtgemeindebürgermeister
Rainer Mertens heute in einer Pressekonferenz verkünden. Offenbar wollen die Planer auch
den Gronauer Geschäftsleuten entgegenkommen, die ein großes Einkaufszentrum am
Ortsausgang in Richtung Eime als „Tod der Innenstadt“ ablehnen. Unklar ist allerdings, ob
Edeka als „Ankermieter“ des neuen Zentrums die geplanten Reduzierungen akzeptiert.
Allerdings hat die Supermarkt-Kette „Gesprächsbereitschaft“ signalisiert.
Die zunächst vorgestellten Entwürfe hatten nicht nur in Gronau, sondern auch in NachbarKommunen Politiker und Kaufleute alarmiert. Auf einem 38 000 Quadratmeter großen Areal
im Westen Gronaus waren nicht nur ein großer Edeka-Markt („E-Center“) vorgesehen,
sondern noch zehn weitere Geschäfte.
Die Entrüstung unter Gronaus Kaufleuten war groß. „Wenn das so kommt, kauft doch kaum
noch jemand in der Innenstadt ein“, wetterte ihr Sprecher Dieter Meyer. Sein Verband suchte
den Kontakt zu den Händler-Verbänden in den Nachbarorten Elze, Nordstemmen und Eime.
Über die Gemeindegrenzen hinweg waren sie sich einig: Dieses Fachmarktzentrum schadet
den örtlichen Betrieben. Mit Aktionen in Gronau und einem eigenen Gutachten wehrten sie
sich gegen die Pläne. Samtgemeindebürgermeister Mertens hingegen argumentierte, das
Fachmarktzentrum binde Kaufkraft in Gronau, die derzeit nach Hildesheim, Hannover und
Alfeld fließe – die Kleinstadt in der Leine müsse sich für die Zukunft rüsten, um nicht zur
Schlafstadt zu werden.
Inzwischen hat es viele Diskussionen gegeben zwischen Verwaltung, Kaufleuten und Politik.
Offenbar ist zumindest im politischen Bereich ein Kompromiss herausgekommen. Denn bei
der Pressekonferenz heute sitzen mit Hans-Gerd Besser und Katja Hayek-Fischer auch die
Fraktionschefs von SPD und CDU im Stadtrat auf dem Podium und vertreten die neuen Pläne
mit. Dieter Meyer ist zwar nicht eingeladen, aber zuversichtlich: „Ich denke, da ist einiges in
Bewegung geraten. Man hat eingesehen, dass das Projekt so, wie es ursprünglich vorgestellt
wurde, von den Bürgern nicht akzeptiert wird.“ Rainer Mertens wollte sich gestern dazu nicht
äußern: „Ich will unseren gemeinsamen Erklärungen nicht vorgreifen.“ Sicher ist nach
Informationen dieser Zeitung allerdings, dass die Option, das Vorhaben komplett abzublasen,
wieder vom Tisch ist. Und Mertens hatte schon vor Wochen betont, das viel diskutierte 38 000-Quadratmeter-Projekt sei „nur ein erster Arbeitsentwurf“.
Das haben auch die Kaufleute nie gefordert, betont ihr Sprecher. „Niemand hat etwas gegen
einen Supermarkt im Westen der Stadt, den die Menschen aus den Wohngebieten dort auch zu
Fuß oder mit dem Rad erreichen können“, sagte Dieter Meyer gestern. „Das ist in Ordnung.“
Wie groß das Ganze werden soll – darüber gibt es allerdings unterschiedliche Vorstellungen.
Edeka selbst würde nach wie vor gern seine größte Supermarkt-Variante installieren – ein
sogenanntes E-Center mit 2000 bis 2500 Quadratmetern. „Wir halten Gronau für einen
attraktiven Standort, die Planungen sind auch schon recht weit fortgeschritten“, sagte Andreas
Laubig, Pressesprecher von Edeka Minden-Hannover, gestern auf Anfrage. „Diese
Größenordnung ist realistisch, das kann dort sehr gut funktionieren.“
Das Umfeld sei dabei gar nicht so wichtig. „Wie groß das insgesamt wird, welche Geschäfte
sich dort noch ansiedeln und ob sich das Projekt am Ende lohnt, ist eher eine Frage für den
Investor, der das alles baut“, sagt Laubig. Für Edeka gelte: „Mehr Läden drumherum machen
den Standort noch interessanter, aber wir sind auch so selbstbewusst zu sagen, unsere ECenter sind auch für sich stark genug.“ Das lehre auch die Erfahrung mit inzwischen rund 80
Supermärkten dieser Kategorie: „Die laufen überaus erfolgreich.“
Geht es allerdings nach den Gronauer Kaufleuten, wäre ein E-Center schon zu viel des Guten.
„Da werden dann Flächen untervermietet an Betriebe, die der Innenstadt dann doch Kunden
wegnehmen“, sagt Dieter Meyer und denkt dabei wohl an Friseure, Bäcker oder
Zeitschriftenläden. „800 bis 1100 Quadratmeter“ kann er sich indes gut vorstellen. „Das
würde dem Stadtzentrum nicht schaden.“ Es wäre allerdings auch nur die Hälfte dessen, was
Edeka sich vorstellt. Ob das noch in den Bereich fällt, über den Laubig sagt: „Man kann über
vieles reden, wir wollen vor Ort auch keine Widerstände wecken“?
Sicher scheint: Auch wenn heute ein politischer Kompromiss verkündet werden sollte – die
Debatte über die Märkte im Gronauer Westen ist noch lange nicht vorbei.
2011-05-12 00:00:00
Märkte sollen um ein Drittel abspecken
Fachmarktzentrum Gronau: Edeka immer noch groß
Gronau (abu). Ein Drittel weniger Verkaufsfläche als zunächst geplant: Mit diesem
Kompromiss werben die Stadt Gronau und der – noch immer namentlich nicht bekannte –
Projektentwickler um Zustimmung für das neue Fachmarktzentrum am Lehder Berg im
Westen der Stadt. SPD und CDU signalisierten Zustimmung, wollen aber auch unabhängige
Gutachten zu Rate ziehen. Die gestern von der Stadt genannten Größenordnungen dürften
aber immer noch Widerstand bei Kaufleuten aus der Gronauer Innenstadt hervorrufen.
Abspecken soll das Herzstück des geplanten Märkte-Zentrums, der Edeka-Markt. Statt 2500
Quadratmetern Verkaufsfläche soll er nur noch 1950 bekommen. Wobei das eine Auflage des
Landkreises ist, wie Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens und der Erste
Samtgemeinderat Thomas Mensing erklärten. „Wir dürfen uns mit der Marktgröße nicht von
den größten Versorgern in Nachbargemeinden wie Elze oder Nordstemmen abheben“,
erläuterte Mensing. „Deshalb müssen wir da unter 2000 Quadratmetern bleiben. Das dürfte
der Kaufleute-Gemeinschaft VHG nicht genügen. Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte deren
Vorsitzender Dieter Meyer erklärt, „800 bis 1100 Quadratmeter“ halte er für angemessen.
Einer Sorge der Innenstadt-Händler trat Mensing auf Nachfrage allerdings entgegen: „Dass
Edeka an Friseure oder Zeitschriftenläden untervermietet, ist ausgeschlossen.“
Weitere Veränderungen gegenüber dem ersten Entwurf: Der Unterhaltungs-Elektronikhändler
Expert soll statt 1800 nur 1300 Quadratmeter bekommen, der Textil-Discounter Takko statt
640 nur 450, der Schuh-Anbieter Kienast statt 600 nur 370. Minimale Einbußen sind bei
Rossmann (650 statt 680) vorgesehen, das Dänische Bettenlager soll unverändert 800
Quadratmeter erhalten. Komplett gestrichen sind im neuen Entwurf der HaushaltswarenAnbieter Tedi und ein Tierfutter-Geschäft. Mit 100 neuen Arbeitsplätzen rechnen die
Verantwortlichen.
„Insgesamt verringert sich die Verkaufsfläche um ein Drittel von 8200 auf 5500“, rechnete
Rainer Mertens vor. „Damit haben wir den Sorgen von Kaufleuten und Bürgern deutlich
Rechnung getragen.“ Mit Blick auf Elze und Nordstemmen merkte er an: „Auch sind
Beeinträchtigungen für Nachbar-Kommunen nunmehr ausgeschlossen.“ In die gleiche Kerbe
schlug der Bürgermeister der Stadt Gronau, Karl-Heinz Gieseler (SPD): „Wir wissen um die
Einzigartigkeit der Gronauer Innenstadt im Landkreis, die gilt es zu schützen.“ Es gebe aber
auch das Interesse, den Bürgern im Westen Gronaus Einkaufsmöglichkeiten zu bieten und
Kaufkraft in der Samtgemeinde zu halten. Gieseler: „Das ist ein Spagat.“
Ziel der Verantwortlichen ist es nun, vor den Sommerferien eine Grundsatzentscheidung zu
treffen: Soll das Projekt weiter verfolgt oder beerdigt werden? Die Fraktionschefs Hans-Gerd
Besser (SPD) und Katja Hayek-Fischer (CDU) erklärten, dem aktuellen Entwurf
grundsätzlich zustimmen zu können. „Im weiteren Verlauf wollen wir aber auch unabhängige
Gutachten darüber sehen, wie sich das auf das Zentrum auswirken würde“, sagte HayekFischer. Vor dem möglichen Baubeginn stehen schließlich noch Entscheidungen über
Flächenkauf, Flächennutzungsplan und Bauleitplanung an – genug Gelegenheiten, bei
neueren Erkenntnissen das Vorhaben noch zu stoppen. Auch wenn
Samtgemeindebürgermeister Mertens betonte: „Es gab schon öfter Projekte, wo erst
Gruppierungen dagegen waren und heute alle froh sind, dass wir es gemacht haben – etwa die
Entlastungsstraße.“
Edeka hat unterdessen gestern gegenüber der Stadt Gronau klargestellt, dass es großen Wert
auf Fachmärkte in der Nachbarschaft legt. Sollte der Eindruck entstanden sein, die
Supermarkt-Kette komme notfalls auch solo nach Gronau, sei das ein Missverständnis.
2011-05-13 00:00:00
Märkte sind Kaufleuten noch zu groß
Gronau (abu). Unzufrieden haben die Sprecher von Kaufleuten aus Gronau und Nordstemmen
auf die neuen Pläne für ein Fachmarktzentrum im Westen Gronaus (diese Zeitung berichtete
gestern) reagiert. Verwaltung und Investor haben das Vorhaben zwar verkleinert – doch die
Reduzierungen gehen den Händlern, die um ihre eigenen Geschäfte bangen, nicht weit genug.
„1900 Quadratmeter für den Edeka sind immer noch riesengroß“, sagt Dieter Meyer,
Vorsitzender der Gronauer Werbegemeinschaft VHG. „Die Menschen, die da einkaufen,
kaufen doch woanders nicht mehr ein.“ Meyer hatte im Vorfeld erklärt, der Supermarkt im
Westen sei nötig, größer als 1100 Quadratmeter müsse er aber nicht werden. Verwaltung und
Politik halten dem entgegen, dass sich für derart kleine Märkte keine Betreiber finden ließen.
Sorgenvolle Blicke richten sich auch aus der nördlichen Nachbargemeinde Nordstemmen
nach Gronau. Die Vorsitzende der dortigen Händlergemeinschaft AHHG zeigt sich vor allem
von der Verkleinerung des Edeka-Marktes wenig beeindruckt. „Das Angebot wird ja das
gleiche sein, nur auf weniger Fläche.“ Dass der Landkreis als Raumordnungs-Behörde davon
ausgeht, dass die Verkleinerungen im Märkte-Zentrum dazu führen, dass es keine
Auswirkungen mehr auf andere Kommunen gibt, überzeugt sie ebenfalls nicht. „500
Quadratmeter weniger hört sich zwar mächtig an, aber das ist doch eher theoretisch. Wenn da
ein neues Fachmarktzentrum kommt, zieht das auch die Leute aus der Umgebung an.“
Die Gronauer VHG sucht in ihrer Auseinandersetzung mit den Bauplänen zunehmend den
Kontakt mit Händlern aus anderen Kommunen. Für kommenden Donnerstag hat sie zu einem
großen Treffen eingeladen. Dann wollen Kaufleute-Vertreter aus verschiedenen Städten und
Gemeinden Erfahrungen mit großen Märkten und Zentren austauschen.
2011-05-21 00:00:00
Händler greifen „Römerlager“ an
Innenstadt-Kaufleute verschiedener Städte machen in Gronau gemeinsam Front gegen
Marktzentren
Gronau/Kreis Hildesheim (abu). Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum kennt
fast jeder. Jene vier Römerlager, die Julius Cäsar in den Asterix-Comics um das unbeugsame
gallische Dorf errichten ließ, um dessen Einwohner zu bezwingen. Vergeblich. Das gibt
Hoffnung, findet Abbo Poppinga: „Rewe, Edeka, Lidl und Aldi sind die Römerlager von
heute“, erklärte er. „Aber die Kaufleute in den Innenstädten werden sich nicht unterkriegen
lassen.“
Poppinga sprach anlässlich eines Treffens von Kaufleuten aus dem ganzen Landkreis in
Gronau – eine Versammlung, die es so noch nie gab. Eingeladen hatte der Gronauer
Gewerbeverein VHG, der aktuell gegen Pläne für ein großes Fachmarktzentrum im Westen
der Stadt kämpft. Die Spitzen der Händler-Vereine aus Sarstedt, Nordstemmen, Elze, Eime,
Bad Salzdetfurth und Springe waren dazu in den Gasthof „Grüne Aue“ gekommen. Erstmals
trugen sie gemeinsam ihre Argumente gegen große Märkte auf der grünen Wiese und gegen
die Verödung der Innenstädte vor.
Der Gronauer Getränkehändler Poppinga hielt dabei eine fulminante Rede. Bemühte die
Historie („Die Hanse hat gezeigt, was Kaufmannschaften gemeinsam erreichen können“)
ebenso wie Gutachten, die die Sogwirkung des neuen Zentrums belegen sollen. Bestärkt sahen
sich die Gronauer Händler vor allem durch Erfahrungsberichte aus Springe und Bad
Salzdetfurth, wo die Innenstädte nach Angaben dortiger Händler praktisch bereits
ausgestorben seien.
Vor diesem Hintergrund appellierten zahlreiche Redner an Gronaus
Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens (SPD) und die Fraktionschefs von SPD und
CDU, das Fachmarktzentrum abzulehnen und lediglich einen „normalen“ Supermarkt am
Westrand zu erlauben – was allerdings „seit 20 Jahren nicht funktioniert“, wie SPDFraktionschef Hans-Gerd Besser betont. Besonders störten sich die versammelten Händler
auch an Mertens‘ Hinweis, das Fachmarktzentrum wirke sich kaum über die Grenzen der
Samtgemeinde hinaus aus. „In der Praxis kommt es doch ganz anders“, murrten viele.
Dass der Widerstand gegen den Trend zum Bau von Märkten und Marktzentren am Rande
von Städten und Gemeinde-Hauptorten gemeinsam leichter fäll, war dabei eine wesentliche
Erkenntnis. „Das war in der Form das erste Mal, aber hoffentlich nicht das letzte“, stellte etwa
Harald Petri von der Sarstedter GHG fest. Und Hans-Hermann Buhr von der IHK aus
Hannover staunte: „Wie professionell die Gronauer ihre Gegenwehr mit Fakten untermauern
und wie hier Kaufleute aus verschiedenen Städten zusammenkommen, habe ich selten erlebt.“
Buhr schrieb der Gronauer Politik auch ins Stammbuch, dass er die aktuellen Pläne in der
Stadt für sehr fragwürdig hält. „Die Gutachter prüfen ja die Wirkung aufs eigene
Stadtzentrum und auf die umliegenden Gemeinden“, erklärte er. „Bei der aktuell geplanten
Größenordnung kann ich mir kaum vorstellen, dass das gutgeheißen wird.“
Sehr nachdenkliche Mienen bei Stadt-Bürgermeister Karl-Heinz Gieseler (SPD) sowie HansGerd Besser und CDU-Sprecherin Katja Hayek-Fischer. Auf ihre Stimmen kommt es am
Ende an. Sie beteuerten, neutrale Gutachten seien ihre wichtigste Grundlage. „Mich
interessiert kein Gutachten des Investors, aber auch keins der VHG, beide sind
voreingenommen“, betonte Gieseler.
Die Händler wollen indes öfter gemeinsame Sache machen. „Wenn Sie uns brauchen,
kommen wir!“, rief VHG-Chef Dieter Meyer den Gästen zum Abschied zu.
2011-06-09 00:00:00
Entscheidet Umfrage über Märkte?
Debatte um das Gronauer Fachmarktzentrum: SPD dafür, CDU dagegen – aber beide wollen
bei einem klarem Votum auf das Volk hören
Gronau (abu). Eine Meinungsumfrage unter den Gronauer Bürgern könnte letztlich die
Entscheidung bringen, ob das umstrittene Fachmarktzentrum im Westen der Stadt gebaut
wird oder nicht. Zwar haben sich die beiden großen Parteien fürs erste positioniert: Die SPDMehrheit im Gronauer Stadtrat will die Pläne weiterverfolgen und deshalb dafür stimmen,
einen Bebauungsplan für die Fläche am Westrand von Gronau aufzustellen. Die CDU hat sich
hingegen entschlossen, das Vorhaben von vornherein abzulehnen.
„Wir sind weiter grundsätzlich dafür“, sagte SPD-Fraktionschef Hans-Gerhard gestern auf
Anfrage. Das Ja zur Aufstellung des Bebauungsplanes lasse alle Optionen offen. „Damit
stimmen wir weder dem tatsächlichen Bau zu, noch einer bestimmten Größe.“ Allerdings
gehe die Planung weiter – mit der Folge, dass dann auch unabhängige Gutachten über die
Auswirkungen des neuen Fachmarktzentrums auf die Innenstadt und andere Orte der
Samtgemeinde Gronau eingeholt würden. „Auf deren Grundlage kann man das Projekt dann
immer noch stoppen“, erklärt Besser.
Oder aufgrund einer Meinungsumfrage. In der vergangenen Woche hatten die
Sozialdemokraten zunächst eine Bürgerbefragung beantragt. Die würde funktionieren wie
eine Wahl – Abstimmung an einem bestimmten Tag – und würde erheblichen
Verwaltungsaufwand mit sich bringen. Deshalb will die SPD ihren Antrag ändern: Nun soll
eine Meinungsumfrage her. „Vielleicht mit einem unabhängigen Institut wie Forsa, die
erzielen schließlich sehr aussagekräftige und repräsentative Ergebnisse“, so Besser.
Rechtlich bindend wäre eine solche Umfrage nicht – was allerdings auch für die
Bürgerbefragung gegolten hätte. Moralisch findet Besser sie aber durchaus gewichtig: „Wenn
dann eine deutliche Mehrheit der Gronauer dagegen sind, würden wir uns dem anschließen.“
Skeptisch betrachtet CDU-Fraktionschefin Katja Hayek-Fischer die Überlegungen für eine
solche Umfrage: „Ich sehe die Gefahr, dass jeder nur nach seinen persönlichen Interessen
abstimmt, zumal ja auch nicht jeder einzelne das Für und Wider aus gesamtgesellschaftlicher
Sicht abwägen kann.“
Abgesehen davon habe die Politik jedwede Entscheidung zu verantworten: „Wir haben eine
repräsentative Demokratie, die gewählten Volksvertreter müssen schon Farbe bekennen, das
können die Bürger auch erwarten.“ Deshalb hätten sich die Christdemokraten nach vielen
internen Diskussionen entschlossen, das Fachmarktzentrum von vornherein abzulehnen:
„Wenn das Zentrum gebaut wird und dann scheitert, entstehen überall in Gronau Schäden“,
sagt Hayek-Fischer.
Trotz aller Skepsis – sollte es zu einer Meinungsumfrage kommen, will die CDU das Resultat
nicht ignorieren und argumentiert dabei ähnlich wie die SPD: „Wenn es in der Bevölkerung
eine klare Mehrheit dafür gibt, sollte die Politik sich nicht dagegen stellen.“
Die erste öffentliche politische Debatte über das Thema führt der Bauausschuss der Stadt
Gronau am kommenden Dienstag, 14. Juni, um 17.30 Uhr im Gasthof „Zur Grünen Aue“,
Leintor 19. Bürger können dabei Fragen stellen.
2011-06-09 00:00:00
Kommentar
Abspecken, dann abstimmen
Vor einer Meinungsumfrage zum Fachmarktzentrum müssen Politik und Verwaltung eine
ebenso banale wie wesentliche Frage beantworten: Was genau soll die Stadt ihre Bürger
eigentlich fragen? Stellt man nur den aktuellen, eher überdimensionalen Entwurf zur
Abstimmung? Eine simple Umfrage zu dem aktuellen 31 000-Quadratmeter-Projekt greift zu
kurz. Denn während die meisten Innenstadt-Kaufleute das Zentrum rundweg ablehnen, sind
viele Gronauer dafür, weil es zu ihren Einkaufsgewohnheiten passt. Sie hätten es allerdings
gern kleiner – und auch die Innenstadt könnte mit einer weiter abgespeckten Version leben.
Eine Umfrage zum Fachmarktzentrum ist eine gute Idee. Schließlich geht das Thema jeden
Gronauer etwas an, die Entscheidung – egal welche – wirkt sich über Jahrzehnte aus. Aber
„keine Märkte oder ein Märkte-Monster“ – mit dieser Alternative lässt sich keine Umfrage
starten. Und die gute Idee ist wertlos.Tarek Abu Ajamieh
2011-06-09 00:00:00
List und Tücke im Ringen um die Märkte
Gronau (abu). Der Kampf ums Fachmarktzentrum Gronau wird nicht nur mit harten Worten,
sondern auch mit List und Tücke geführt. Das zeigte sich am Dienstagabend in einer
Bürgerversammlung zu dem Thema. Hauptdarsteller waren Projekt-Entwickler Jens Gedamke
– der 49-jährige Neu-Gronauer hat das Konzept erstellt und potenzielle Mieter an Land
gezogen – und der Gronauer Getränke-Händler Abbo Poppinga.
Gedamke reagierte auf kritische Fragen Poppingas, indem er darauf hinwies, der GetränkeHändler habe ihn selbst immer wieder angerufen, weil er für seine Firma eine Fläche im
Fachmarktzentrum gesucht habe. Das löste Empörung im Saal aus – die einen fanden
Gedamkes Schilderungen indiskret, die anderen wunderten sich über Poppinga. Dessen
Erklärung sorgte für noch mehr Staunen: Er habe Gedamke weisgemacht, er sei ein
Interessent, um so an Informationen zu kommen: „Ich habe mit falschen Karten gespielt, aber
anders ging es nicht.“
Der verbale Schlagabtausch zählte zu den Höhepunkten der Versammlung, in der Gedamke
den Gronauern sein Projekt schmackhaft zu machen versuchte. Immer wieder betonte er, es
gelte, „Kaufkraft zurückzuholen“ im Wettkampf mit Alfeld, Nordstemmen, Elze oder
Hildesheim. Mehrfach betonte er, sein Vorhaben sei nicht gegen „unsere wunderschöne
Innenstadt“ gerichtet, sie werde im Gegenteil auch das Stadtzentrum stärken und den dortigen
Geschäften mehr Umsatz bringen.
Kritikern, vor allem aus Reihen des Vereins für Handel und Gewerbe (VHG), blieb da fast die
Luft weg: „Der will uns für dumm verkaufen!“ Zumal Gedamke kritische Fragen nur kurz
oder gar nicht beantwortete. Etwa die nach seinen Referenzen. Oder die, ob er eine Innenstadt
nennen könne, die nicht unter einem Fachmarktzentrum „auf der grünen Wiese“ gelitten habe.
„Nordstemmen“, nannte er schließlich nach mehrfachem Nachfragen, was Gelächter auslöste.
Heinrich Ahrens, einer der besonders alteingesessenen Händler, warnte vor einer
„Überdehnung“ zwischen dem geplanten neuen Zentrum im Westen und den bereits
existierenden Märkten im Osten der Stadt.
Allerdings: Es saßen auch viele Befürworter eines Marktzentrums im Publikum, auch wenn
die sich kaum zu Wort meldeten. „Mit einer Fahrt günstig viele Einkäufe erledigen zu
können, hat für mich sehr wohl Charme“, erklärte etwa ein Anwohner aus der Weststadt.
Auch Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens machte deutlich, dass ihm Gedamkes
Pläne willkommen sind. Und sein Stellvertreter Thomas Mensing berichtete von einem
Besuch in Springe. Dort habe sich die Lage nach dem Bau eines Märkte-Zentrums am
Stadtrand für ihn ganz anders dargestellt, als sie Springer Kaufleute vor drei Wochen bei einer
Händler-Versammlung geschildert hätten: „Die meisten Innenstadt-Geschäfte, mit deren
Betreibern ich gesprochen habe, haben keine Probleme, oder es gab nur einige Wochen lang
Umsatzeinbußen.“
2011-06-16 00:00:00
Poppinga: Nicht im Westen
Gronau (abu). Der Gronauer Getränkehändler Abbo Poppinga hat zu keiner Zeit Interesse an
einer Geschäftsfläche im geplanten Fachmarktzentrum West bekundet. Das hat er nach
missverständlichen Zeitungsberichten klargestellt. Bei seiner Schein-Anfrage an
Projektentwickler Jens Gedamke sei es um ein Areal nahe der Bethelner Landstraße
gegangen. „Dort war damals etwas geplant, und ich habe mich als Interessent ausgegeben, um
mehr darüber zu erfahren.“
Inzwischen sei das Projekt zu den Akten gelegt. Gedamke hat sich dem Westen der Stadt
zugewandt, Poppinga nicht.
2011-06-16 00:00:00
Marktzentrum nimmt erste Hürde
Aber Bauausschuss votiert einstimmig für „unabhängige, repräsentative Meinungsumfrage“
Gronau (abu). Das geplante Fachmarktzentrum im Westen Gronaus hat die erste Hürde
genommen – doch viele weitere sollen folgen, das betonten selbst Befürworter. Mit vier (SPD
und WG) gegen drei (CDU)Stimmen entschied der Bauausschuss der Stadt, für das Gelände
am Westrand der Stadt überhaupt erst einmal einen Bebauungsplan aufzustellen. Einstimmig
votierte das Gremium anschließend dafür, eine repräsentative Meinungsumfrage durch ein
unabhängiges Institut starten zu lassen, um die Bürger einzubinden. Rund 50 Bürger
verfolgten die Sitzung.
Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens (SPD) warb zunächst vehement um die
Zustimmung der Politiker: „Es geht darum, einen Kaufkraftabfluss von mehr als 50 Millionen
Euro jährlich aus Gronau zu bremsen und zugleich den Bürgern im Westen der Stadt eine
Einkaufsmöglichkeit zu verschaffen.“ Der zweite, abgespeckte Entwurf habe keine
Auswirkungen auf Nachbarstädte wie Elze. Er wies auch darauf hin, dass viele große
Supermarkt-Ketten für den Standort im Westen abgesagt hätten: „Die sagten, allein geht da
nichts. Es sei denn, es gibt andere Lösungen.“ Die habe Projektentwickler Jens Gedamke
geboten.
Mertens betonte zugleich, er wolle „die Gronauer Innenstadt als Herz der Samtgemeinde
erhalten“. Derzeit befinde sich die Kommune mitsamt ihren Bürgern „im Stadium der
Meinungen und Bauchgefühle, es geht nicht sehr objektiv zu.“ Über das weitere Verfahreen
wolle er nun „Fakten auf den Tisch“ bekommen.
In der Folge war den Kommunalpolitikern die Nervenbelastung deutlich anzumerken. Sie
machten auch keinen Hehl daraus, wie schwer ihnen die Entscheidung gefallen war und dass
sie auch innerhalb der Fraktionen keineswegs alle einig waren. „Beide Positionen haben
starke Argumente“, erklärte etwa Katja Hayek-Fischer (CDU), die ihr Statement ganz gegen
ihre sonstige Gewohnheit vom Blatt ablas. Sie könne sich allerdings nicht vorstellen, dass
neues Fachmarktzentrum, die Märkte im Osten und die in der Innenstadt alle drei unbeschadet
nebeneinander existieren könnten: „Es wird unweigerlich zu Leerständen kommen.“ Der Preis
für den notwendigen Vollversorger im Osten dürften nicht „3600 Quadratmeter
Verkaufsfläche als Beiwerk“ sein. Um Gronaus Bedeutung als Einkaufsstadt zu stärken, sei
der Entwurf hingegen sogar zu klein: „Es ist nichts Besonderes, nur eine weitere
Ansammlung von Läden.“
Den Aufruf von Mertens, der Aufstellung des Bebauungsplans zuzustimmen, um weitere
Gutachten und Stellungnahmen, etwa von der Regionalplanung des Landkreises, zu
bekommen, lehnte sie ab. „Dass die Regionalplanung sagt, es funktioniert, heißt noch lange
nicht, dass das auch so ist.“ Denn der Landkreis arbeite schließlich nur mit Annahmen.
„Umliegende Städte zeigen es.“
Auch Hans-Gerhard Besser (SPD) machte deutlich, dass es für ihn nicht nur Schwarzweiß
gibt: „Die einen sehen eine klare Stärkung der Innenstadt, die anderen eine klare Schwächung.
Beides kann eigentlich nicht stimmen.“ Deshalb herrsche im Moment „viel
Kaffeesatzleserei“. Darum gelte es, im weiteren Verfahren, die Analysen neutraler Fachleute
anzuhören und dann erst über Ja oder Nein zum Fachmarktzentrum zu entscheiden. Sein
Parteifreund, Bürgermeister Karl-Heinz Gieseler, sprach von der „schwersten Entscheidung in
20 Jahren Ratsarbeit“, rief aber zur Versachlichung auf und dazu, weitere Expertisen
abzuwarten: „Ich kann nicht über ein Buch urteilen, bevor ich es gelesen habe.“ Im weiteren
Verfahren könnten sachliche Aspekte das „Bauchgefühl“ ablösen.
Auf letzteres hörte auch CDU-Mann Rolf Klepping: „Ich habe mich extrem schwergetan.
Aber Gronau schrumpft, wie soll da ein solches Zentrum funktionieren?“ Der Christdemokrat
erhob allerdings auch Vorwürfe gegen die Marktzentrums-Gegner vom Verein für Handel und
Gewerbe (VHG): „Ihre Kritik in den vergangenen Monaten war teilweise unter der
Gürtellinie.“
Bei der Abstimmung votierten dann SPD und WG für die Aufstellung des Bebauungsplans,
die CDU dagegen, wobei die Christdemokraten ausdrücklich keinen Fraktionszwang ausüben
wollen.
Einstimmig kam der SPD-Antrag durch, das Fachmarktzentrum zum Gegenstand einer
repräsentativen Meinungsumfrage zu machen. Die hätte zwar keine bindende Wirkung, doch
die beiden großen Parteien haben deutlich gemacht, dass sie sich einem klaren Ergebnis
anschließen würden.
2011-06-29 00:00:00
Nur Achilles ist klar für Fachmarkt
Bürgermeister der Gronauer Mitgliedsgemeinden ohne eindeutige Position zu Plänen
Gronau (mb). Das geplante Fachmarktzentrum im Westen Gronaus wird auch in den übrigen
Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Gronau kontrovers diskutiert. Fast alle Bürgermeister
bezogen aber gegenüber dieser Zeitung keine eindeutige Position und wiesen darauf hin, dass
dies Sache der Stadt Gronau sei. Einzig und allein Bethelns Bürgermeister Werner Achilles
(SPD) sprach sich klar für das Fachmarktzentrum aus.
„Ich weiß nicht, was man dagegen haben kann“, betonte Achilles. Er habe mit vielen Bürgern
gesprochen, die ihm bestätigt hätten, dass sie nach Hildesheim fahren, weil sie dort in
Märkten alles an einem Platz kaufen können. „Natürlich muss das Gronauer Zentrum am
Leben bleiben“, unterstrich er. Dann sollten sich die Geschäftsleute aber zunächst einmal auf
einheitliche Öffnungszeiten verständigen. Außerdem müssten sie bei einem Kaufkraftabfluss
aus Gronau von jährlich 50 Millionen Euro selbst dazu beitragen, dass die Innenstadt attraktiv
bleibt. „Schließlich leben wir nicht mehr im Mittelalter und bauen Mauern um unsere
Gemeinden, weil wir keinen mehr rein lassen wollten“, stellte der Bethelner Bürgermeister
fest. „Die Menschen kaufen halt da, wo sie wollen.“
„In Banteln wird das Fachmarktzentrum von vielen Leuten begrüßt“, sagte Bürgermeister
Harry Neise (SPD). Die bräuchten dann nicht mehr durch die ganze Stadt zu fahren, um zu
einem Markt zu kommen. Er wisse aber auch, dass sich das Zentrum insbesondere für die
Infrastruktur in Gronau und Eime negativ auswirken kann. „Dies betrifft vor allen den
Vollsortimenter von Rewe im Osten von Gronau“, so Neise. Natürlich wäre es gut, wenn das
Fachmarktzentrum die Kaufkraft in Gronau binden könne. „Ob dies aber gelingt, vermag ich
nicht zu sagen“, meldete er Bedenken an. Um die Geschäfte in den kleineren Orten sowie in
der Gronauer Innenstadt nicht zu gefährden, sollte man deshalb möglicherweise beim
Sortiment des Zentrums ein wenig gegensteuern.
Brüggens Bürgermeister Eduard Plachta (CDU) meint: „In erster Linie ist dies auch Sache der
Stadt Gronau“, betonte er. „Allerdings wäre ein solches Fachmarkzentrum für die kleinen
Läden in Mitgliedsgemeinden wie Brüggen und Eime durchaus nachteilig.“ Über kurz oder
lang liefen die Dörfer Gefahr, weiter auszusterben. „Und gerade ältere Leute sind auf Läden
in ihrem Ort angewiesen“, fügte Plachta hinzu.
Auch Eimes Bürgermeister Hartmut Fischer (SPD) will den Gronauern in Sachen
Fachmarktzentrum nicht hineinreden. „Ich kann auch nicht einschätzen, ob ein solches
Zentrum wirklich eine Konkurrenz für die Geschäftsleute der Innenstadt wäre“, meinte er.
Eime selbst habe aber zwei Märkte im Ort, die ebenfalls zur Edeka-Kette gehören. „Das wird
sicherlich Auswirkungen haben“, unterstrich Fischer. „Allerdings kaufen bei uns auch viele
Menschen aus Esbeck und Marienhagen ein und die Märkte haben frische Ware im Angebot“,
gab er zu bedenken. „Mich würde auch interessieren, was die Gronauer Geschäftsleute nach
der Aufwertung ihrer Innenstadt nun selbst investieren wollen.“
„Ich kann mich ja ohnehin nicht dagegen wehren und ich mische mich auch nicht in Gronauer
Entscheidungen ein“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde Despetal, Wolfgang Möller
(SPD). Allein deshalb habe er im Samtgemeinderat auch der Änderung des
Flächennutzungsplanes zugestimmt. Befürchtungen, dass die Gronauer Innenstadt ausbluten
könnte, teile er nicht. Er selbst werde jedenfalls auch weiterhin in Gronau einkaufen. „Nur für
Sachen, die ich hier nicht bekomme, fahre ich nach Hildesheim“, betonte er.
Rhedens Bürgermeister Hartmut Leske (WG) kann sich nicht vorstellen, dass viele Leute aus
seinem Ort im Gronauer Fachmarktzentrum einkaufen würden. Viele neue Arbeitsplätze
verspreche er sich durch ein solches Zentrum ebenfalls nicht. „Grundsätzlich ist dies aber
nicht unsere Entscheidung“, betonte er. Die Gefahr eines „Aussterbens“ der Gronauer
Innenstadt sehe er aber schon. „Und wo die Zahl eines Kaufkraftabflusses aus Gronau von 50
Millionen Euro herkommt, weiß ich nicht“, fügte er hinzu. Dabei sei doch die Innenstadt
derzeit sehr belebt.
2011-08-20 00:00:00
Strohkraft schlägt Marktzentrum
HAZ vor Ort in Gronau: Unerwartet klares Ja zu Fachmarkt-Plänen / Daumen hoch für Kino
und KGS
Gronau (abu). Der Wahlkampf könnte für die Politiker in Gronau ungemütlicher werden als
gedacht. Denn viele Bürger treibt vor allem ein Thema um, dass in den Wahlprogrammen der
meisten Parteien gar nicht vorkommt: Sie wehren sich gegen das im Westen der Stadt
geplante Strohkraftwerk und sind vor allem sauer, dass darüber so wenig zu hören ist. „Die
Politik soll Farbe bekennen“, fordert mit Joachim Gründer ein Sprecher der Bürgerinitiative
„Gute Luft“.
Die BI kam mit mehreren Vertretern an den HAZ-Stand – doch über den Nachmittag verteilt
kamen immer wieder Gronauer auf Redakteur Tarek Abu Ajamieh und KundenserviceMitarbeiterin Bianca Koch zu, um explizit auf dieses Thema hinzuweisen. Auffällig dabei: Es
handelte sich um Einwohner aller Generationen, längst nicht alle leben im Westen Gronaus.
„Die Grünen haben ja immerhin gesagt, dass sie dafür sind“, schimpfte ein Mittdreißiger.
„Die wähle ich zwar schon deswegen nicht, aber wenigstens haben sie Position bezogen.“ Die
BI will nun wie vor der Bundestagswahl 2008 „Wahlprüfsteine“ aufstellen und hat in dieser
Woche alle Ratsmitglieder und -Kandidaten angeschrieben, um Positionen zum
Strohkraftwerk einzufordern. „Wir wollen Transparenz“, so Gründer.
Angesichts des Ärgers über das Kraftwerk verblasste ein zweites Gronauer Reizthema fast ein
bisschen – das ebenfalls im Westen der Stadt geplante Fachmarktzentrum. Dessen
Befürworter waren bei der – mit 134 Teilnehmern allerdings nicht repräsentativen – Umfrage
überraschend deutlich in der Mehrheit (siehe Grafik). „Was besseres kann uns gar nicht
passieren, wir brauchen das“, betonte etwa Anneliese Kirsch, Rentnerin aus dem Westen der
Stadt. Andere kritisierten die klar ablehnende Haltung des Kaufleute-Verbandes VHG, der
„die Interessen eines ganzen Stadtteils“ außer Acht lasse. Allerdings hat der VHG seine
Position inzwischen verändert und geht anders mit dem Thema um als noch vor einigen
Wochen (siehe auch Seite 22).
Allerdings gab es auch differenzierte Stimmen: „Ja, aber nicht so groß“ oder „Ja, aber nicht
mit diesen Firmen“ hieß es mehrfach. Auch ein Vollversorger im Stadtzentrum wurde
gewünscht.
Immer wieder kam zudem der öffentliche Nahverkehr zur Sprache. Die Verbindungen
innerhalb der Samtgemeinde seien arg ausgedünnt, beklagte etwa ein Rentner aus Betheln.
Dessen Bürgermeister Werner Achilles (SPD) sah sich veranlasst, eine alte Idee wieder in die
Debatte zu werfen: Anruf-Sammel-Taxis (wie es sie etwa in Sarstedt gibt). „Wenn sich
Samtgemeinde, Gemeinden und Firmen die Kosten teilen, wäre das doch etwas“, so Achilles.
Auch andere Parteivertreter schauten am Stand vorbei – wie der Rhedener WG-Mann Günter
Sievert, der die Schließung der Grundschule in seinem Heimatort beklagte: „In Adensen und
Achtum bestehen kleine Grundschulen auch weiter.“
Doch vor allem nutzten viele Bürger die Gelegenheit zum Gespräch. Wie Brigitte Brönner,
die als erste den Umfrage-Zettel ausfüllte und betonte, sie lege auf den Erhalt des Gronauer
Freibades großen Wert. „Das war bestimmt ein schwieriges Jahr wegen des Wetters“, sagte
sie. Doch im Bad sei ihr Steuergeld gut angelegt.
Und ein Stand-Besucher aus Brüggen hatte an der Gronauer Politik eigentlich gar nichts
auszusetzen, ermahnte die Volksvertreter aber: „Vertragt euch und arbeitet für uns Bürger,
Parteipolitik hat in der Gemeinde nichts zu suchen.“
2011-08-20 00:00:00
Kaufleute gehen auf die Politik zu
Fachmarkt-Pläne: VHG in Gronau will Einzelhandels-Konzept und strebt Kooperation mit
Parteien an
Gronau (gök). Mit einem Einzelhandelskonzept für Gronau wollen örtliche Kaufleute der
Debatte um das geplante – und von ihnen abgelehnte – Fachmarktzentrum im Westen der
Stadt eine neue Richtung geben. Dazu präsentierten sie Beispiele aus anderen Kommunen.
Politiker von SPD und CDU hätten gern schon mehr Details gehabt, wollen aber mit den
Kaufleuten im Gespräch bleiben.
„Für eine attraktive Stadt“ wollte Dieter Meyer vom Verein für Handel und Gewerbe (VHG)
feststellen, „kämpft auch der Verein“. Die Kaufleute haben deshalb am Donnerstagabend mit
dem ersten Samtgemeinderat Thomas Mensing, den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat,
Bürgermeister Karl-Heinz Gieseler (SPD) und Knut Mäuselein (FDP) führende Politiker der
Stadt zu einer Info-Veranstaltung in den Eichsfelder Hof eingeladen.
Dabei wollte der Verein seine in der Sommerpause ausgearbeiteten Ideen zu dem
Fachmarktzentrum den Politikern näherbringen. „Wir haben über den Tellerrand geguckt und
uns im Land schlau gemacht“, so Meyer. Dabei lag der Fokus auf dem Umgang anderer
Kommunen mit dem Thema. „Bei einem solch großen, kritischen und sensiblen Bauprojekt
sollten alle Entscheidungsträger vorab die Möglichkeit haben – und auch nutzen – sich
umfassend über die aktuelle Situation unserer Stadt und der Region zu informieren, um dann
die Auswirkungen eines solchen Zentrums objektiv beurteilen zu können“, betonte Meyer.
„Sie sollten sich von Fakten leiten lassen, um nach reiflicher Überlegung die Weichen für
unsere Zukunft zu stellen.“
VHG-Mitglied Abbo Poppinga übergab den
Fraktionsvorsitzenden vier Einzelhandelskonzepte, die von neutralen Firmen für Städte in
vergleichbaren Situationen erstellt wurden und bat die Politiker um Überprüfung und
Denkanstöße zu dem Thema. Diese Konzepte seien allerdings nur als Beispiele zu verstehen
und sind nicht eins zu eins auf Gronau übertragbar. Abbo Poppinga betonte noch einmal,
„dass in der Vergangenheit genug gestritten, genug diskutiert und genug gegeneinander
gearbeitet wurde. Wir wollen alle nur Gutes für Gronau!“ Viele Politiker hatten den VHG
kritisiert, weil dieser ihrer Ansicht nach zu wenig konstruktiv agiert und zu einseitig gegen
das Fachmarktzentrum argumentiert hatt e.
Bürgermeister Karl-Heinz Gieseler entgegnete, „dass in der Vergangenheit bestimmt nicht
gegeneinander gearbeitet wurde.“ Die Politiker zeigten sich aber enttäuscht, dass der Verein
nicht Konzepte vorstellte, sondern nur zur Ansicht übergab. Die Politiker hätten sich von den
Kaufleuten gewünscht, dass Konzepte nicht nur vorgestellt, sondern auch erläutert werden.
„Gerade das hätte ich nach der Einladung hier erwartet“, so Hans-Gerhard Besser (SPD).
Katja Hayek-Fischer (CDU) wünschte sich einen Referenten aus einer anderen Kommune, die
bereits ein Einzelhandelskonzept hat erstellen lassen und Entscheidungen auf dessen
Grundlage getroffen hat.
Der Verein hatte sich vorgestellt, dass die Politiker in den nächsten drei Wochen die Konzepte
durcharbeiten. Dann sollte es ein neues Treffen geben. Da die Politiker wegen der aktuell
zahlreichen Sitzungen und Wahlkampf-Termine sich dazu unisono aber außer Stande sahen,
einigte man sich auf den 13. Oktober. Dazu will der Verein versuchen, einen Referenten einer
anderen Kommune oder von der IHK zu finden, der die Vor- und Nachteile eines
Einzelhandelskonzeptes erläuter t.
Die Politiker meinten, dass der neue Rat nach der Kommunalwahl am 11. September mit
einem Konzept auch leichter Entscheidungen treffen könnte. Karl-Heinz Gieseler merkte an,
„das ein Einzelhandelskonzept für relativ kleines Geld uns auch was bringen würde“. Dieter
Meyer signalisierte die Bereitschaft des Vereins, sich an Kosten eines solchen Gutachtens zu
beteiligen.
2011-09-09 00:00:00
Knifflige Themen: Märkte und Kraftwerk
Parteien in der Samtgemeinde Gronau bieten den Wählern zum Teil deutliche Alternativen
Gronau (abu). Im Gronauer Samtgemeinderat hat bisher die SPD 16 Sitze, die CDU zwölf, die
Wählergemeinschaft (WG) zwei und die FDP einen Sitz. Diesmal wollen auch die Grünen in
das Gremium einziehen. Wichtige Diskussionsthemen für die Parteien sind unter anderem
Fachmarktzentrum West und Einheitsgemeinde, viele Bürger bringen aber das Thema
Strohkraftwerk wieder auf die Tagesordnung und wollen wissen, wie die örtlichen Parteien
dazu stehen. Was vielen örtlichen Politikern nicht gerade gefällt. Sie halten das Thema für
„zur Wahl hervorgekramt“ und sehen nur wenig Einflussmöglichkeiten für die Gronauer
Politik. Viele Bürger verweisen hingegen darauf, dass die nächste Wahl erst in fünf Jahren ist
und dass das Thema deshalb im Lauf der Wahlperiode wieder akut werde.
Strohkraftwerk: Mit eindeutigen Aussagen tun sich viele Politiker in Gronau schwer. Die SPD
reagierte eher genervt darauf, dass das Thema vor der Wahl erneut aufkam, und zeigt sich
verärgert über die Bürgerinitiative „Saubere Luft“, die die Haltungen der Parteien anhand von
„Wahlprüfsteinen“ veröffentlichen will. Ähnliche Stimmung auch in der CDU, die das Thema
als wenig aktuell betrachtet. Beide sind irritiert besonders über den Tonfall der BI. Klar
positioniert hat sich hingegen die WG: Ein Strohkraftwerk lehnt sie strikt ab, ein BioKraftwerk anderer Art hält sie hingegen für denkbar.
Fachmarktzentrum: Ein Thema, bei dem die Parteien auch viel mit sich selbst gerungen
haben. Die SPD ist eher dafür, will aber ihre endgültige Zustimmung von unabhängigen
Gutachten und einer repräsentativen Umfrage in Gronau abhängig machen. Die CDU ist eher
dagegen, möchte aber ebenfalls Gutachten und Umfrage abwarten und schließt nicht aus, ihre
Haltung zu ändern. Auch innerhalb beider Parteien gab es über dieses Thema lebendige
Debatten. Die WG zeigt sich grundsätzlich mit dem Fachmarktzentrum einverstanden – es
soll aber nicht so groß werden, dass es der Innenstadt schadet, sagen die Unabhängigen.
Die weiteren Ziele der Parteien – SPD: In Elze gibt es das schon, die SPD will es auch für
Gronau: Lehrmittelfreiheit in den Grundschulen. Bei denen soll es zudem ein „differenziertes
Angebot“ geben, also verschiedene Ausprägungen und Größen. Für die SPD ein wichtiger
Standortfaktor für junge Familien, ebenso wie der Wunsch, Kitas nah am Wohnort
anzubieten. Das dürften besonders junge Eltern im Despetal mit Interesse lesen, wo der
Kindergarten „Pusteblume“ in Barfelde gegen das drohende Aus kämpft. Später sollen die
Kinder an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) auch das Abitur machen können, noch ist
dort nach der zehnten Klasse Schluss.
In Sachen Verkehr wollen die Sozialdemokraten den frisch sanierten Bahnhof Banteln als
wichtige Anschlussstelle für die ganze Samtgemeinde besser „vernetzen“ und außerdem nicht
zuletzt mit Blick auf die wachsende KGS das Radwegenetz ausbauen. Auch die medizinische
Versorgung der Dörfer liegt der SPD am Herzen, sie setzt dabei auch auf eine Kooperation
mit den Johannitern. Und trotz des Einsatzes für ein Fachmarktzentrum im Westen der Stadt
Gronau haben sich die Sozialdemokraten auch die Stärkung der Innenstadt auf die Fahnen
geschrieben.
Zum Stichwort Lebensqualität setzt die SPD unter anderem darauf, das Freibad stärker als
Freizeit-Angebot in der Region bekannt zu machen. Überhaupt wollen sie mehr
Tagestouristen in die landschaftlich reizvolle Region locken und haben dabei das
Kulturangebot in den Orten im Blick, von den Gronauer Lichtspielen bis zum sich zum
Künstlerdorf entwickelnden Ort Wallenstedt bieten sich da einige Möglichkeiten.
Grundsätzlich spricht sich die SPD für eine Gemeindereform (gemeint ist die
Einheitsgemeinde) aus und sucht nach Möglichkeiten, die Bürger stärker in politische
Entscheidungen einzubinden.
CDU: In vielen Bereichen lassen sich Schnittmengen mit den Sozialdemokraten feststellen –
doch die CDU setzt auch eigene Schwerpunkte. So will sie auch die Verbindungen zwischen
den Orten verbessern. Doch schlägt sie hierfür konkret die Einrichtung von „Jugend- und
Seniorentaxis“ als Ergänzung zu den Bussen vor und möchte „Stromtankstellen“ für ElektroFahrräder (E-Bikes) installieren.
Mit Blick auf Kommunalfinanzen und Bürgerbeteiligung setzen die Christdemokraten vor
allem auf zwei Instrumente. Eine selbst auferlegte „Schuldenbremse“ und einen
„Bürgerhaushalt“ in der Form, dass die Einwohner dem Rat natürlich nicht die Entscheidung
über den Etat abnehmen sollen, aber über das Internet jederzeit Vorschläge zum Sparen oder
für lohnende Projekte einbringen können. Das Internet soll zudem bei der Vermarktung von
Gewerbeflächen eine größere Rolle spielen als bisher.
Den Einsatz für einen gymnasialen Zweig an der KGS kündigt die CDU ebenso an wie
Unterstützung für Kindergärten, Krippen und Tagesmütter. Wie die SPD befürwortet sie
zudem den Ausbau erneuerbarer Energien.
WG: Die Wählergemeinschaft Gronau betont ihre politische Unabhängigkeit und hat sich als
wesentliches Ziel gesetzt, die absolute Mehrheit einer der beiden großen Parteien zu
verhindern. Generell will sie dazu beitragen, die Bedeutung von Fraktionen in den Räten
aufzuweichen und Sachpolitik in den Vordergrund zu rücken: „Weder gibt es einen liberalen
Straßenbau, noch eine grüne Straßenbeleuchtung, es gibt auch keine sozialistische
Energiebewirtschaftung, ebenso wenig eine christliche Abwasseraufbereitung.“
2011-12-21 00:00:00
Klares Ja zum Fachmarktzentrum
Meinungsumfrage zeigt deutlichen Vorsprung für Befürworter für Pläne im Gronauer Westen
Gronau (abu). Die Hälfte der Menschen in der Samtgemeinde Gronau ist für das geplante
neue Fachmarktzentrum im Westen der Stadt. Einem Drittel ist es egal, nur ein gutes Fünftel
ist dagegen. Das ist das mit Spannung erwartete Ergebnis einer repräsentativen
Meinungsumfrage, deren Ergebnis gestern Abend vor gut 50 interessierten Bürgern im Bauund Finanzausschuss in Gronau präsentiert wurde. Genau verzeichnete das Institut 47 Prozent
Zustimmung, 29 Prozent Unentschiedene und 22 Prozent Gegner.
Die Firma „Marketing Research Office“ aus dem bayerischen Feucht hatte im Herbst
insgesamt 300 Einwohner der Samtgemeinde Gronau befragt, davon je 150 aus der Kernstadt
und 150 aus den sechs weiteren Mitgliedsgemeinden. Wie Firmenchefin Edeltraud Schmid
erklärte, „ein eindeutiges Ergebnis. Drei Viertel sind dafür oder haben nichts dagegen.“
Sie betonte, dass die Zustimmung in der jüngsten Gruppe der Befragten am höchsten war.
„Kein einziger von 16 bis 29 Jahren war dagegen.“ Und an die zahlreich im Saal
versammelten und zum Teil etwas bedröppelt dreinblickenden Innenstadt-Kaufleute gewandt:
„Das ist Ihre Zukunft!“ Die jüngeren Gronauer würden noch mehr als andere Elektro- und
Bekleidungsgeschäfte vermissen, und gerade die solle das neue Fachmarktzentrum ja bieten.
Mit zunehmendem Alter stieg freilich die Quote derer, die sich gegen das Märktezentrum
aussprachen. Häufigste Begründungen: „Stört den Einzelhandel in der Innenstadt“ oder
„Brauche ich nicht“. Was einen der Besucher anmerken ließ: „Nun ja, die Alten werden doch
immer mehr, also hat ihre Stimme Gewicht.“
Doch Schmid wies noch auf eine weitere Besonderheit der Umfrage hin. Unter den 150
Befragten in der Stadt Gronau selbst war der Vorsprung der Befürworter sogar noch etwas
größer als im Gesamtergebnis.
Auf eine „unabhängige, repräsentative Umfrage“ zum geplanten Fachmarktzentrum (derzeit
vorgesehene Verkaufsfläche: 5500 Quadratmeter) im Westen der Stadt an der Straße nach
Eime hatten sich die Ratsparteien in Gronau im Juni verständigt. Das Votum der Bürger sollte
zwar nicht wie bei einer Volksabstimmung bindend sein, SPD und CDU hatten allerdings
angekündigt, sich im Fall eines klaren Votums nicht gegen die Mehrheit der Bevölkerung
stellen zu wollen.
Zuvor hatte die „Markt und Standort Beratungsgesellschaft“ weitere Umfrage-Ergebnisse
präsentiert. Die besagten im Kern, dass die Innenstadt-Kaufleute selbst mit Angebot und
Zustand des Zentrums sehr zufrieden seien – ihre Kunden jedoch nur eingeschränkt.
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2011-12-22 00:00:00
Gutachter: Gronau hat Potenzial
Umfrage: Händler und Kunden beurteilen Innenstadt unterschiedlich
Gronau (abu). Wer in Gronau Lebensmittel einkaufen will, hat kein Problem. Bei Bekleidung,
Schuhen oder Elektrogeräten wird es jedoch schnell eng – weshalb die Kunden meist in
andere Städte ausweichen. Das ist eine der Kernaussagen der Umfrage unter 300 Gronauer
Bürgern zur Situation des Einzelhandels in der Stadt. Insgesamt stellten die Gutachter den
Gronauer Einzelhändlern zwar ein gutes Zeugnis aus, forderten sie aber auch auf, sich zu
bewegen.
Wie bereits gestern berichtet, hatten sich im Rahmen dieser Umfrage 47 Prozent von 300
Befragten aus Stadt und Samtgemeinde Gronau für das geplante Fachmarktzentrum im
Westen der Stadt ausgesprochen. 22 waren dagegen, rund ein Drittel erklärte, keine Meinung
zu dem Projekt zu haben. Neben dieser mit Spannung erwarteten „Kardinalfrage“ hatten die
Meinungsforscher aus dem Frankenland noch zahlreiche andere Daten erhoben.
Heraus kam dabei auch, dass Händler und Kunden die Situation in der Innenstadt reichlich
verschieden einschätzen. Nach eigenen Angaben hatten die Gutachter alle 23
Geschäftsinhaber im Stadtzentrum befragt. 87 Prozent von ihnen zeigten sich zufrieden mit
dem Erscheinungsbild der Innenstadt, immerhin 83 Prozent auch mit dem Warenangebot, das
sie und ihre Kollegen dort anbieten. Nur 35 Prozent bejahten die Frage, ob das Angebot
erweitert werden solle.
Die potenziellen Kunden hatten in repräsentativen Umfrage hingegen einiges auszusetzen.
Allein 40 Prozent bekundeten ganz konkret, ihnen fehle in Gronau ein Elektro-Fachmarkt.
Auch Schuhe und Bekleidung standen ganz oben auf der Wunschliste – für diese Güter fahren
die Gronauer meist nach Hildesheim, Alfeld oder Hannover (siehe Kasten). „Die
Einzelhändler sind zufrieden, sie fühlen sich stark, aber die Verbraucher sind nicht zufrieden“,
merkte Norbert Lingen, Geschäftsführer der „Markt und Standort Beratungsgesellschaft“, bei
der Präsentation seiner Analyse an.
Zwischen den Zeilen klang dabei immer wieder durch, dass Lingen das Fachmarktzentrum im
Gronauer Westen für eine gute Idee hält – auch um Kaufkraft in Stadt und Samtgemeinde zu
binden. Argumente, wie sie Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens (SPD), ein
engagierter Befürworter des Vorhabens, immer wieder anführt – ebenso wie ProjektEntwickler Jens Gedamke, dem Lingens Ausführungen immer wieder ein Lächeln aufs
Gesicht zauberten, während die fast vollständig versammelte Gronauer Kaufmannschaft eher
nachdenklich guckte.
Dabei hatte Lingen den Händlern auch Positives zu sagen. Das Erscheinungsbild der
Gronauer Innenstadt sei in der Tat gut, viele Geschäftsleute präsentierten ihre Läden und ihre
Waren besser, als das in vergleichbaren Städten oft der Fall sei. „Sie haben was zu bieten –
aber Sie müssen trotzdem mehr machen. Da sind auch die Eigentümer der Immobilien
gefragt, und natürlich die Kommune als Planungsbehörde.“ Damit war Lingen bei seinem
Einzelhandels-Konzept für Gronau angelangt, das die Stadt ebenfalls in Auftrag gegeben
hatte. Statt eines ausgefeilten Konzeptes bekamen Politiker, Händler und Zuschauer allerdings
eher eine lange Reihe von Tipps zu hören. So solle man prüfen, ob nicht zwei benachbarte
Hausbesitzer gemeinsam ein größeres Ladenlokal einrichten könnten. Zudem sei es wichtig,
das Angebot zu erweitern. „Es ist gut, aber es gibt noch Lücken.“ Was vor allem für die
Bereiche Schuhe, Bekleidung und Elektro gelte. Auch sollten die Händler sich noch öfter für
Aktionen zusammentun.
In ersten Reaktionen zeigten sich die Kaufleute skeptisch: „Wir werden uns das alles erst
einmal in Ruhe anschauen und selbst einen Experten hinzuziehen“, kündigte Abbo Poppinga,
einer ihrer Sprecher, an. „Es gibt viele Detailfragen, über die man noch sprechen muss.“
Gespannt waren viele politisch Interessierte Gronauer auch auf die Reaktion der CDU. Die
Christdemokraten hatten vor der Wahl erklärt, sich nicht gegen ein klares Votum der
Bevölkerung zu stellen – obwohl sie deutliche Zweifel am Fachmarktzentrum geäußert hatten
und auch gegen die Aufstellung des dafür nötigen Bebauungsplans gestimmt hatten –
allerdings nicht, weil sie grundsätzlich gegen das Zentrum sind, sondern es im bisher
geplanten Ausmaß für zu groß halten.
Daran hat sich auch nach der Präsentation von Umfrage und Analyse nichts geändert, sagte
Sprecher Alexander Peetz gestern. „Wir sind nicht gegen Einkaufsmöglichkeiten im Westen,
werden aber Zahlen und Aussagen der Gutachter erst einmal ganz in Ruhe analysieren.
Wer das noch tun möchte, muss sich ein wenig gedulden. Erst Anfang kommenden Jahres
will die Stadt das von ihr in Auftrag gegebene Einzelhandels-Gutachten über das
Bürgerinformations-System „AllRis“ im Internet veröffentlichen.
2011-12-22 00:00:00
Bettenlager kommt nicht
Gronau (abu). Das „Dänische Bettenlager“ hat kein Interesse mehr daran, ins geplante
Gronauer Fachmarktzentrum zu ziehen. Das hat Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens
gestern auf Anfrage bestätigt. Nach Informationen dieser Zeitung bevorzugt die Möbelkette
aus Kostengründen, in bereits bestehende Immobilien einzuziehen, und vermeidet Neubauten
nach Möglichkeit. Im Landkreis Hildesheim hat das Unternehmen unter anderem großes
Interesse am Standort Sarstedt, wo auch eine leere Verkaufshalle bereitstünde.
Doch noch ein zweiter „Ankermieter“ ist den Planern angeblich von der Fahne gegangen.
Eine Firma hatte angekündigt, in Gronau ihre Deutschland-Zentrale anzusiedeln. Laut
Mertens ist dieses Unternehmen aber unverändert interessiert, eine größere Fläche im
Fachmarktzentrum zu beziehen.
2011-12-24 00:00:00
Kontroverse Haltungen zu Umfrage
Fachmarktzentrum: Gronauer Politik uneins
Gronau (abu). Die politischen Parteien reagieren unterschiedlich auf das Ergebnis der
Meinungsumfrage zum geplanten Fachmarktzentrum im Westen der Stadt (diese Zeitung
berichtete). Während die SPD sich in ihrer Haltung bestätigt sieht, will die CDU die
Ergebnisse erst einmal auswerten. Das neue „Bündnis für Gronau“ spricht sich klar gegen die
Pläne aus.
„Die SPD stand dem Bau des Fachmarktzentrums schon immer positiv gegenüber, die
Umfrage hat unsere Meinung bestätigt“, erklärt etwa SPD-Vertreter Hans-Gerhard Besser,
dessen Partei in Stadtrat und Samtgemeinderat über eine absolute Mehrheit verfügt. Die
Fraktion werde sich Anfang nächsten Jahres intensiv mit den Gutachten befassen. Er gehe
allerdings davon aus, dass die Planungen wie beschlossen weitergeführt würden.
Die CDU hatte erklärt, sie sei auch nach Veröffentlichung des Umfrage-Ergebnisses skeptisch
– allerdings vor allem in Bezug auf die geplante Größe des Fachmarktzentrums. Man sei aber
nie grundsätzlich dagegen gewesen, im Westen der Stadt eine zusätzliche
Einkaufsmöglichkeit zu schaffen.
Klar gegen das Fachmarktzentrum spricht sich das neu formierte „Bündnis für Gronau“ mit
den beiden ehemaligen CDU-Mitgliedern Katja Hayek-Fischer und Jörg Kühne sowie dem
Grünen Klaus Trojok aus. „Wir haben uns seit langem sehr klar gegen das Fachmarktzentrum
positioniert, diesen Standpunkt vertreten wir auch nach Veröffentlichung der
Meinungsumfrage“, betont Hayek-Fischer. Im Übrigen spiegele die Umfrage mit ihren 47
Prozent Befürwortern nur dann eine Mehrheit wieder, wenn man die 29 Prozent der
„Neutralen“ außen vor lasse.
22 Prozent der Befragten hätten sich gegen das Fachmarktzentrum ausgesprochen. „Wir vom
Bündnis für Gronau verstehen uns nun als Vertreter dieser Minderheit“, erklärt HayekFischer.
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