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Intraoperative Anämie / was nun? - Hirslanden Professional

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Intraoperative Anämie / was nun?
  Methoden des Cell-Salvage in der modernen Anästhesie
  Interdisziplinäre Kommunikation / Planung
  Multimodales intraoperatives Management zur Reduktion der
Blutungs- /Thromboserisiken
Dr. med. P. Stapfer, FMH für Anästhesiologie ,EAA
Hämovigilanzverantwortliche der Klinik im Park
PBM (patient blood management)
perioperativ
  Interdisziplinäre Planung: OP-Zeitpunkt, angepasste
Medikamentenverordnung , Kontakt mit Blutbank etc.
  Vernünftiger Einsatz eines Cell-Salvage- Systems
  Monitoring
  Hypothermieprophylaxe
  ROTEM® Point-of-Care Coagulation Testing
Anesthesiology. 2011 Dec;115(6):1179-91
Blood Transfus. 2011 April; 9(2): 139–147.
Transfus Med Hemother. 2012 Apr;39(2):85-97. Epub 2012 Mar 8.
Crit Care Med. 1992 Oct;20(10):1402-5.
Br. J. Anaesth. (2009) 103 (suppl 1): i14-i22
Autotransfusion/ Historisches
  Die erste dokumentierte autologe Retransfusion wurde 1818
von Dr. J. Blundell durchgeführt, indem er vaginales Blut bei
Frauen mit einer postpartalen Blutung mit einer Kochsalzlösung
wusch und den Frauen zurücktransfundierte. Zwar starben 75%
dieser Frauen, aber es war trotzdem der historisch
dokumentierte Beginn der Autotransfusion.
Siehe auch Dr. Blundell‘s experiments: Transfusion of blood by the syringe publiziert 3. Feb. 1818
Dr. James Blundell
Blundell‘s Transfusion apparatus
Fremdbluttransfusion nach Blundell
Autotransfusion/ Historisches
  1874 führte Dr. J. Highmore ebenfalls Autotransfusionen nach
postpartaler Blutungen durch.
  1886 während des amerikanischen Bürgerkrieg erfolgreiche
autologe Retransfusion von Blut aus einem amputierten Bein
durch Dr. J. Duncan.
  1901 durch die Entdeckung der Blutgruppen durch Dr. K.
Landsteiner entwickelte sich die Fremdbluttransfusion und die
Entstehung von Blutbanken weltweit.
  Während des Vietnamkriegs mangelte es an Blutspenden, was zu
einem Revival der Autotransfusion führte.
Moderne Cell-Salvage Systeme
  Das Blut aus dem Operationsfeld wird mit einem
doppellumigen Sauger aufgefangen, mit einer Elektrolyt
(meist 0,9% NaCl)- / Heparin bzw. Citratlösung versetzt
und anschliessend über einen Filter in ein Reservoir geleitet.
Dieses filtrierte Gemisch fliesst in eine Zentrifuge und wird
mit NaCl 0,9% gewaschen. Dadurch werden
Entzündungsmediatoren, aktivierte Blutplättchen Heparin,
freies Plasma Hb ,Fettpartikel und Gerinnungsfaktoren etc.
entfernt und daraus entsteht ein hochkonzentriertes
autologes Erythrozytenkonzentrat, welches im
Anschluss gefiltert rücktransfundiert werden kann.
C.A.T.S® von Fresenius Kabi
  1994 entwickelte die Firma Fresenius das kontinuierliche
Autotransfusionssystem, basierend auf dem Prinzip der
Durchflusszentrifuge.
  Wir verwenden den C.A.T.S, da man bei grossen
Blutverlusten kontinuierlich und schnell Blut
retransfundieren kann. Das System erlaubt aber auch, dass
bereits kleine Blutungsmengen gewaschen und den Patienten
rücktransfundiert werden können (wichtig bei
leichtgewichtigen Patienten, bzw. in der pädiatrischen
Chirurgie).
Anesth Analg 1999, 88: 763-765; Florio, G. et al.
C.A.T.S
  Während der kontinuierlichen Aufbereitung durchläuft das
Blut die rotierende Waschkammer. Dabei laufen die
verschiedenen Phasen der Aufbereitung gleichzeitig ab. Mit
Hilfe von drei Pumpen wird Blut und Waschlösung in die
Kammer, sowie Erythrozytenkonzentrat (EK) in den
Retransfusionsbeutel gefördert. Dabei werden, wie erwähnt,
unerwünschte Bestandteile wie z. B. freies Hämoglobin,
Kalium, aktivierte Gerinnungsfaktoren und Heparin
weitgehend ausgewaschen und nichtemulgierte Fette
vollständig abgetrennt.
C.A.T.S Fresenius Kabi
Cell-Salvage
Cell-Salvage :Klassische Indikationen
  Prothetische Chirurgie (Hüft/Knie)
  Grosse Wirbelsäulenchirurgie
  Gefässchirurgie (Aortenprothesen etc.)
  Herzchirurgie
  Bei Kleinkindern (Kraniosynostoseoperation)
  Grosse Hirnbasisaneurysmen
  Zeugen Jehova Patienten
BMJ June 1, 2002 324:1299
Anesth. Analg. August 1, 2009 109:320-330
Contin Educ Anaesth Crit Care Pain (2010) 10 (4): 104-108.
Perfusion August 30, 2012
Cell-Salvage: Kontraindikationen
  Bakteriell kontaminiertes Blut (z.B. Darminhalt, bekannte
systemische Infektion etc.)
  Maligne Tumoren (relativ), in einzelnen Kliniken wird das
Retransfusionsblut vorher bestrahlt. Abhängig vom zu
erwartenden Blutverlust, der Verfügbarkeit von Blutkonserven
etc. in Absprache mit dem Operateur trotzdem einsetzbar!
  Kontamination mit topischen Antibiotika, Betadine, topischen
Hämostyptika
TRANSFUSION Volume 44, December 2004 Supplement
Blood Transfus. 2011 April; 9(2): 139–147.
Cell-Salvage: absolute Kontraindikation
  Kontamination des Blutes mit Aqua dest., hypotonen
Lösungen, Alkohol, Wasserstoffperoxid etc., welche zur
Zerstörung der roten Blutkörperchen führt, ist somit eine
absolute Kontraindikation für den Einsatz des Cell-Savers.
Blood Transfus. 2011 April; 9(2): 139–147.
Br J Anaesth. 2010 Oct;105(4):401-16. Epub 2010 Aug 28. Review
Transfus Clin Biol. 2005 Feb;12(1):30-3. French.
Transfus Apher Sci. 2002 Oct;27(2):153-7. Review.
Drainage Autotransfusion
  Drainage Autotransfusionssysteme waren lange sehr beliebt,
weil sie einfach in der Handhabung und vordergründig
günstig sind.
  Diese niedrigen Kosten sind zu relativieren, da diese Systeme
mässig effizient blutsparend wirken und es ausserdem nach
Drainageretransfusion zu erheblichen Nebenwirkungen
kommen kann.
TRANSFUSION Volume 44, December 2004 Supplement
Faught C, Wells P, Fergusson D, Laupacis A. Adverse effects of methods for
minimizing allogeneic transfusion: a critical review of the literature. Transfus
Med Rev 1998;12:206-25.
Gründe gegen die Retransfusion von
ungewaschenem Drainageblut
  Entspricht nicht modernen Transfusionsstandards
  Grosse Qualitätsunterschiede des Blutes
  Qualität nicht kontrollierbar
  Erhöhte Werte von IL -6, TNF-α, Elastase,
Fibrinspaltprodukte etc. im Retransfusionsblut
  Bekannte Fälle von Kreislaufinstabilität (SIRS) nach
Retransfusion von Drainageblut
  mässiger blutsparender Effekt
  Kosten-Nutzen Rechnung fraglich
  Bessere Möglichkeiten sind vorhanden: cell washing
Patient blood management
1.Säule
Optimierte
Blutbildung
2.Säule
Minimierter
Blutverlust
3. Säule
Verbesserte
Anämietoleranz
Anämiescreening
Grund für die Anämie
Behandlung der Anämie
(Eisen, Vit. B12,Folsäure ?)
Verschieben der OP ?
Blutungsrisiken (Anamnese/
Medikamente)
Planung des Eingriffs
(Material, Blutkonserven)
Eigenblutspende?
Patientenbezogene
physiologische Reserve
Patientenspezifischer Plan
Evidenz basierte
Transfusionsstrategie
Optimierter
Operationszeitpunkt
Gründliche Blutstillung
Blutsparende OP-Technik
Autologes Cell-Saving
Gerinnungsmanagement
Optimiertes Herzzeitvolumen, Ventilation und
Oxygenationstrategie, rest.
Transfusionstrategie
Therapie von Eisenmangel
Erythropoietin?
Anämie auslösende
Medikamente realisieren
Postoperatives Blutungsmonitoring,Normothermie
Cell-Salvage, kl. Sample,
Hämostase/Th-Prophylaxe
Verbesserte Anämie-toleranz,
Anämietherapie, verbesserte
O2-Zufuhr, min. O2Verbrauch,
Infektionsmonitoring
Br J Anaesth. 2012 July; 109(1): 55–68. Patient blood management in Europe
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
  Ein gutes Patienten Blut Management setzt eine gute
interdisziplinäre Zusammenarbeit voraus!
  Wir möchten wenn möglich verhindern, dass eine
therapiefähige Anämie oder ein erhöhtes Thromboserisiko
vor dem Klinikeintritt übersehen wird.
  Insbesondere bei potenziell blutenden Elektiveingriffen ist es
sehr bedauerlich, wenn nicht bereits vor dem Klinikeintritt
eine Anämie oder eine Gerinnungsstörung festgestellt wurde
und entsprechende Abklärungen, bzw. Therapien erfolgt sind.
Gerinnungsalterierende Medikamente
  Oft erhalten gerade ältere Patienten, je nach
zugrundeliegender Nebendiagnosen, gerinnungsverändernde
Substanzen, welche je nach Indikation zeitgerecht abgesetzt,
werden könnten.
  Aspirin, Marcoumar, Sintrom, Xarelto, Efient...
  Natürlich muss das Absetzen dieser Medikamente gemäss
Nutzen-Risiko Richtlinien erfolgen.
Acetylsalicylsäure
  Viele Patienten stehen unter einer ASS-Therapie.
  Je nach Indikationsstellung bzw. Risiko, sollte die Therapie
weitergeführt werden (Cave: Stentthrombose, Myokardinfarkt,
Stroke), hingegen gibt es immer wieder Patienten, welche ASS
ohne zwingende Indikation einnehmen und entsprechend kann
und soll, dort die Einnahme 7 Tage vor einer Operation gestoppt
werden.
Chest 2012;141:e326S-50S).,
Thromb. Haemost. 2011;105:743-9). Br. J. Anaesth. 2010;104:305-12,
J. Am. Coll. Cardiol. 2007;49:734-9, JAMA 2007;297:2018-24
Plavix,Efient,Pradaxa und Co.
  Plavix (Clopidogrel) und Efient (Prasugrel) sollten 7 Tage vor
einem Elektiveingriff abgesetzt werden, da das Blutungsrisiko
intra- und postoperativ deutlich erhöht ist !
  Pradaxa (Dabigatran) : sollte 2-4 Tage vor einer Operation
abgesetzt werden. Die Wirkdauer von Dabigatran ist
abhängig von der Nierenfunktion und bei einer Krea-Cl <
30ml/min. ist das Medikament kontraindiziert.
www.hsa.gov.sg › ... › Safety Alerts 2011, Arch Intern Med. 2011 Jul 25;171(14):1285-6.
Circulation. 2011 Oct 4;124(14):1573-9. Epub 2011 Sep 6.
Anaesthesist. 2009 Dec;58(12):1252-5.
Anästhesiologisches Management zur
Reduktion des Blutverlustes
  Vermeidung von einer Hypothermie
  Vermeidung der Hypertension
  Vermeidung der Verdünnungskoagulopathie
  Vermeidung einer Azidose
  Vermeidung einer Hyokalzämie
  Einsatz von ROTEM® Point- of- Care testing und /oder anderen
Methoden (Multiplate®) zur Gerinnungsüberwachung.
Hypothermie = schlechte Gerinnung!
  Die Aktivität der Gerinnungsfaktoren ist temperaturabhängig,
wie ausgeprägter die Hypothermie, desto schlechter ist die
Gerinnung der Patienten.
  Entsprechend muss eine relevante Hypothermie aktiv verhindert
werden (Infusionswärmesysteme, Wärmematten,
Wärmedecken).
Anasthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther. 2012 Sep;47(9):528-40. Epub 2012 Sep 11.
BMC Surg. 2012 Jul 20;12:14.
Blood Coagul Fibrinolysis. 2009 Sep;20(6):436-9.
Anesth Analg. 2008 Jun;106(6):1627-32
Hypertension = vermehrter Blutverlust
  Bei gesunden Patienten kann der Blutdruck intraoperativ
deutlich gesenkt werden, dadurch wird das Blutungsrisiko
vermindert.
  Patienten mit einer chronischen Hypertension und / oder dem
Risiko eines Strokes (Stenose der hirnversorgenden Arterien)
eignen sich natürlich nicht für eine intraoperative permissive
Hypotensionstherapie!
World J Emerg Surg. 2012; 7(Suppl 1): S9.
Trauma. 2011 Mar;70(3):652-63.
Vasc Health Risk Manag. 2008 June; 4(3): 615–627.
J Drugs. 2007;67(7):1053-76.
.
Gefahr der Verdünnungskoagulopathie
  Eine übertriebende intravasale Volumentherapie kann zur
Verdünnungskoagulopathie führen.
  Ein Mangel an intravasalem Volumen hingegen trägt via
Gewebehypoperfusion zur Entwicklung einer Azidose bei, was
die Gerinnung ebenfalls beeinträchtigt.
  Paracelsus 1538 „dosis facit venenum“
J Int Med Res. 2012;40(4):1227-41.
Transfusion. 2012 Jan;52(1):14-22. Epub 2011 Jul 14.
J Surg Res. 2012 Mar;173(1):26-30. Epub 2011 May 19.
Vermeidung einer Azidose
  Auschluss einer respiratorischen Azidose mittels Kontrolle
von arteriellen Blutgasanalysen und entsprechende Korrektur
wenn nötig.
  Anstreben einer Euvolämie und damit zur vermeiden einer
Gewebehypoperfusion. Monitoring mittels Blutgasanalysen
(arteriell und venös, evtl. gemischt-venös). ZVD-TrendÜberwachung, Wegde –Druck, CO-Messung, TEE etc.
Journal of Trauma-Injury Infection & Critical Care:July 2006 - Volume 61 - Issue 1 - pp 99-106
Journal of Trauma-Injury Infection & Critical Care:September 2006 - Volume 61 - Issue 3 - pp 624-628
Vermeiden einer Hypokalzämie
  Bei Massivtransfusionen werden den Patienten über die
transfundierten Blutprodukte Citrat infundiert.
  Dieses Citrat führt zur Reduktion von ion. Calcium und trägt
durch die entstehende Hypokalzämie zur Koagulopathie bei.
  Entsprechend muss gerade nach Gabe von FFP der
Kalziumspiegel mittels Blutgasanalysen kontrolliert und
allenfalls substituiert werden.
Critical Care Medicine:September 2005 - Volume 33 - Issue 9 - pp 2124-2125
J Trauma. 2008 Oct;65(4):951-60.
British Journal of Anaesthesia 95 (2): 130–9 (2005)
Journal of Cardiothoracic and Vascular Anesthesia Volume 18, Issue 5, Pages 581-586, October 2004
The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism September 1, 1989 vol. 69 no. 3 593-599
ROTEM® Rotationselastometrie
ROTEM®
point of care coagulation testing
Transfus Med. 2006 Feb;16(1):31-9.
Br J Surg. 2012 Jan;99 Suppl 1:40-50. doi: 10.1002/bjs.7770.
Der Unfallchirurg 04.2012; 112(11):942-950
ROTEM-Parameter
  CT (Coagulation Time = Gerinnungszeit) – Zeit von Beginn
der Messung bis die Gerinnung einsetzt
  CFT (Clot Formation Time = Gerinnselbildungszeit) – Zeit
ab dem Beginn der Gerinnung bis eine
Gerinnselfestigkeitvon 20 mm erreicht
  MCF (Maximum Clot Firmness = Gerinnselfestigkeit) –
maximale mechanische Ausprägung des Gerinnsels
  ML (Maximum Lysis = Maximale Lyse) – Stabilität des
Gerinnsels gegenüber fibrinolytischer Aktivität
Interpretation von ROTEM -Analysen
Erfolgt zeitabhängig (dynamische Parameter)
•gestörte Gerinnungsaktivierung: verlängerte Gerinnungszeit (CT)
-mögliche Ursachen: Faktorenmangel, Heparineffekt
-Vergleich INTEM / HEPTEM erlaubt Detektion eines Heparineffekt
•abnormale Gerinnselbildung: verlängerte Gerinnselbildungszeit (CFT)
und / oder eine verminderte Gerinnselfestigkeit (MCF)
-normale MCF Fibtem bei reduzierter MCF Extem: ThrombozytenMangel ?
-reduzierte MCF Fibtem bei reduzierter MCF Extem: Faktor Mangel ?
•(Hyper-)Fibrinolyse bei übermässiger Auflösung des Gerinnsels
(Definition: ML > 15%)
-evt. auch Verkürzung der CT im APTEM im Vergleich zum EXTEM bei
Vorliegen einer typischen Situation
ROTEM- Parameter
  EXTEM: Aktivierung der Gerinnung im TEM durch Tissue
Factor:schnelle Erfassung der Gerinnselbildung :
-Erfassung der Faktoren VII, X, V, II, I, Thrombozyten, Fibrinolyse
  INTEM: Aktivierung der Gerinnung im TEM durch die
Kontaktphase:
-Erfassung der Faktoren XII, XI, IX, VIII, X, V, II, I, Thrombozyten,
Fibrinolyse
  FIBTEM: Aktivierung wie EXTEM + Blockade der
Thrombozyten:
-Erfassung der Qualität des Fibringerinnsels, im wesentlichen
abhängig von Fibrinogen- Konzentration und F. XIII
ROTEM-Parameter
  APTEM: Aktivierung wie EXTEM + Blockade der
Fibrinolyse:
-Erfassung einer (Hyper-)Fibrinolyse durch Darstellung des
hemmbaren fibrinolytischen Anteils in vitro
  HEPTEM: Aktivierung wie INTEM +Blockade des Heparins:
-Erfassung einer Heparinwirkung durch Darstellung des
hemmbaren Anteils in vitro:
- ermöglicht ROTEM-Analyse während der EKZ
Grenzen der ROTEM-Analyse
  ROTEM methodenbedingt nicht sensitiv für
– Thrombopathien (incl. Aspirin, Clopidogrel, Abciximab etc.
– von Willebrand
– NMHs, Danaparoid, Fondaparinux, Coumarine
  ROTEM ist ein Globaltest:
- kann auch ein Vorteil sein
Multiplate®
•Multiplate erlaubt in wenigen Minuten schnelle
Differentialdiagnose eines Teils der Thrombozytopathien /
Therapiemonitoring
– Einfluss ASS
– Einfluss Clopidogrel
•unterschiedliche Antikoagulantien (TI vs. Citrat) beeinflussen
die Empfindlichkeit der Analytik
•scheint geeignet "non-responder" bzw. "fast metabolizers" zu
erkennen und TDM zu betreiben, wenige prospektive Daten
Monitoring
  Entsprechend der Invasivität des Eingriffs und des zu
erwartenden Blutverlustes bzw. des individuellen
Patientenrisikos, muss das intraoperative Monitoring angepasst
werden.
  Arterienkatheter: kontinuierliche BD-Überwachung, arterielle
Blutgasanalysen
  Zentralvenöser Katheter: ZVD-Trend, Gabe von Pressoren
  Picco, PAK, Echo etc.
  Temperaturüberwachung
  ROTEM® (Rotationsthromboelastometrie)
  Mulitplate®
Anästhesiesprechstunde
  Bei komplexen Fällen ist es sinnvoll die Patienten frühzeitig für
einen Anästhesiesprechstundentermin anzumelden.
  Dadurch hat man genügend Zeit eventuell nötige
Zusatzabklärungen durchführen zu lassen.
Anästhesiesprechstundentermin der Klinik im Park :
Anmeldung via Sekretariat Mo- Fr 8:00- 12:00h Tel. 044 209 22 71
oder nachmittags via Patientenaufnahme 044 209 21 60
Telefonische Auskunft via Dienstarzt Anästhesie 044 209 28 57
Fallbeispiel : Frau C.H. 91 jährig
ad Hüft-TP links
  Hauptdiagnose: Femurkopfnekrose links mit invalidisierenden
SZ
  Nebendiagnosen:
- Hypoproliferative Anämie:
V.a. myelodysplastisches Syndrom im Sinne einer refraktären
Anämie (KM-Punktion 2006)
aktuell: Hämolyse mit Fragmentozyten
aktuell: Folsäure- und Vit. B12 repletiert
aktuell: keine renale Anämie (GFR 67ml/min.),tiefe
Retikulozyten trotz extrem hohen EPO-Spiegel unter
rekombinanter EPO-Therapie
Weitere Nebendiagnosen
  Art. Hypertonie seit Jahren, TTE:EF normal, keine RWMS,
diastolische Dysfunktion Grad 2,leichte AI, leichte MS, leichte
MI, normale TK und PK, normaler pulmonal arterieller Druck
  70%ige Stenose an der Bifurkation der linken Aa.
Carotis, insignifikante Plaques d. A. carotis rechts
  Interkurrenter HWI mit E. coli (Nitrofurantointherapie)
  Klinisch schwere Osteoporose (Längenverlust von 10cm,
St.n.Femurfraktur rechts 2011)
  Chron. Lumbovertebrales Schmerzsyndrom
  Glaukom bds., St.n.Kataraktop bds., Restless legs
  St.n.Kolonkarzinom, St.n.Hemicolektomie re 1989
Operationsindikation Fallbeispiel
  Primär wurde die verschiedenen Therapieoptionen
konservativ versus operativ mit der Patientin diskutiert.
  Die invalidisierenden Schmerzen in Kombination mit den
erheblichen Nebenwirkungen, der versuchsweise
eingesetzten peroralen Opiate, führten zur
Operationsindikation.
Zuweisung an den Internisten zur
präoperativen Beurteilung und
Therapieeinstellung
  Die komplexe Patientin wurde dem Internisten rechtzeitig zur
Beurteilung und Therapieeinstellung zugewiesen.
  In der Folge wurden uns mehrere Tage vor der Operation
sämtliche Berichte und Untersuchungsergebnisse zugeschickt.
  Die Patientin trat am Vortag in die Klinik ein.
  Hb bei Eintritt 10,1g /dl, Tc 412, Lc 8,9, INR 1,1
Eingriff und Verlauf I
  Am 18.9.2012 wurde eine Hüft-Endoprothese links in einer
Intubationsanästhesie durchgeführt. Zur hämodynamischen
Überwachung erhielt die Patientin einen Arterienkatheter.
BD-Zielwert systol. um 130mmHg (Carotisstenose).
  Es wurden im Labor 3 passende Erythrozytenkonserven in
Reserve bereitgestellt.
Eingriff und Verlauf II
  Durch die Anästhesieeinleitung ist in jedem Fall ein BD-
Abfall zu erwarten (Vasoplegie).
  Eintritts BD: 155/80mmHg
  Um den BD während der Anästhesie stabil zu halten, erhielt
die Patientin parallel geringe Mengen Noradrenalin via
Perfusor (1- max. 3mcg/Nor/min.),damit war die Patientin
intraoperativ hämodynamisch im Zielbereich um
130-150mmHg systolisch.
Eingriff und Verlauf III
  Während der Operation (Dauer 80 min.) erhielt die 45kg
schwere Patientin total 1200ml RF. Der Blutverlust betrug
geschätzt unter 350ml. Wir haben das zwar Blut gesammelt,
aber es war zu wenig, um es zu waschen. Auf eine Redondrainage
wurde verzichtet.
  Diurese intraoperativ 400ml
  10 min. vor Operationsende erhielt die Patientin bei einem Hb
Wert von 7.8 g/dl , BE – 2,5mmol/l und steigendem
Noradrenalinbedarf von 1 auf 3mcg/min. ein
Erythrozytenkonzentrat.
  Die Körpertemperatur wurde mit einem T° -DK gemessen und
blieb bis am OP-Ende stabil bei 37°C, bei warmer Peripherie.
Postoperativer Verlauf
  Unter der EK-Transfusion, wurde das Noradrenalin gestoppt und die
Patientin konnte wenige Minuten nach OP-Ende bereits extubiert
werden.
  Bei Eintritt auf der IPS war die Patientin gut ansprechbar, peripher
warm mit einer guten Venenfüllung, dabei schmerzfrei, aber hyperton
(syst. Bis 190mmHg), weshalb fraktioniert Labetolol verabreicht
wurde, bis die Blutdruckwerte wieder im Zielbereich lagen.
  3h postoperativ Gabe von 0,3ml Fraxi sc.
  Am 19.9.12 6:00 war der Hb Wert bei 7,3g/dl, die Diurese betrug
30- 50ml/h) die Patientin erhielt in der Folge nochmals ein
Erythrozytenkonzentrat und wurde dann, nach der ersten
morgendlichen Mobilisation, gegen Mittag auf die Normalstation
verlegt.
Take home message
  Die Transfusionsindikation jedes einzelnen
 
 
 
 
Blutproduktes muss sorgfältig überlegt werden
(Transfusionstrigger individalisieren).
Viele Transfusionen sind unnötig, z.B. falsch tiefes Hb bei
deutlicher Flüssigkeitseinlagerung postoperativ.
Anämien und Gerinnungsstörungen erkennen und wenn möglich
vor einer potenziell blutverlustreichen Operation behandeln.
Bei grossem Blutverlust Gerinnungskontrolle (Rotem, Mulitplate)
Eine gute Kommunikation zwischen Operateur und Anästhesie,
insbesondere bei komplexen Fällen, ist für das Patientenoutcome
von entscheidender Bedeutung.
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