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Leonardo - Wissenschaft und mehr
Sendedatum: 28. Oktober 2014
Nepal kämpft für Ausrottung der Kinderlähmung
Spritzen statt Schlucken
von Brigitte Osterath
Atmo: Pressekonferenz, Menschen, Babys, Fotografen.
Sprecherin:
Für Baby Binith Sundas ist es nichts anderes als ein gemeiner Piekser: Eine Frau im
weißen Ärztekittel hat ihm gerade unsanft eine Spritze in den Oberschenkel
gerammt. Binith brüllt wie am Spieß. Was er nicht weiß: Er ist das erste Kind, das in
Nepal diese Art von Spritze bekommen hat. Eine Spritze mit einem Impfstoff gegen
Kinderlähmung - anstelle der Schluckimpfung, die in Entwicklungsländern wie Nepal
üblich ist. Wenn Binith Sundas zu Ende geweint hat, wird er sicher berühmt werden,
meint seine Mutter Nisha Berdewa.
O-Ton:
„He will be famous after lots of crying.”
Sprecherin:
Zahlreiche Ärzte, Krankenschwestern, Regierungsvertreter und Mitarbeiter von
Nichtregierungsorganisationen haben sich hier in einem Krankenhaus in der
Hauptstadt Katmandu versammelt, um Nepals erste Injektion gegen Kinderlähmung
zu feiern. Darunter ist auch Santosh Gurup von der Weltgesundheitsorganisation.
O-Ton:
„This is a very proud moment for me as a Nepali citizen when I see this child
being vaccinated with IPV and then tomorrow from onwards it will be part of
the routine immunization. So I think it was undoubtedly a very important event
that happened today.”
© Westdeutscher Rundfunk Köln 2014
Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen
Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder
vervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.
2
Übersetzung:
„Ich als Nepalese bin sehr stolz, wenn ich sehe, wie dieses Kind mit dem
injizierbaren Impfstoff geimpft wird, der ab morgen zum landesweiten
Standardimpfplan gehört. Das ist heute zweifellos ein sehr bedeutendes
Ereignis.“
Sprecherin:
Viele Länder werden in den kommenden Monaten Nepals Beispiel folgen und
ebenfalls von der Schluckimpfung auf die Spritze umstellen. Denn die
Schluckimpfung hat einen großen Nachteil, erklärt Hendrikus Raaijmakers von
Unicef: Sie enthält aktive, vermehrungsfähige Polioviren.
O-Ton:
„Oral polio vaccine by itself can in rare cases also cause polio among
children. It doesn't happen often but it does happen. Not in Nepal, in Nepal
we haven't seen that but in other countries in Asia and Africa, we see
sometimes small outbreaks of polio that are caused by the polio vaccine
itself.“
Übersetzung:
„Die Schluckimpfung kann in sehr seltenen Fällen selbst Kinderlähmung
auslösen. Das passiert nicht oft, aber es passiert. In einigen Ländern in Asien
und Afrika kommt es manchmal sogar zu kleinen Polio-Ausbrüchen, die durch
den Impfstoff verursacht sind.“
Sprecherin:
Die Initiative zur weltweiten Ausrottung der Kinderlähmung hat daher beschlossen,
die Schluckimpfung nach und nach abzuschaffen. Der injizierbare Impfstoff ist zwar
um ein Vielfaches teurer als die Schluckimpfung, enthält aber inaktivierte Polioviren,
die keinen Schaden anrichten können. Deutschland hat die Schluckimpfung bereits
im Jahr 1999 durch eine Spritze ersetzt.
Atmo: Innenstadt Katmandu: Autoverkehr, Menschen
Sprecherin:
Nepal, das Land am Himalaya, hat eine traurige Vergangenheit, was Polio angeht. In
Katmandus Straßen sieht man viele Menschen, die nicht richtig gehen können, weil
© Westdeutscher Rundfunk Köln 2014
Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen
Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder
vervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.
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sie als Kinder mit der Krankheit infiziert waren. Kinderlähmung war damals weit
verbreitet, erinnert sich Kinderärztin Sangita Shakya.
O-Ton:
“When I was a child, I remember in my area I had three friends of mine who
were polio-affected. Their limbs were very small, they could not walk, they
were all disabled. You know, they were walking on forelimbs! And I remember
I used to play with those kids. At that time I didn't know what it was but after I
became a doctor, I know that all those cases were cases of polio. So, it was a
big problem!“
Übersetzung:
„Als ich ein Kind war, hatte ich drei Freunde, die von Polio betroffen waren.
Ihre Gliedmaßen waren sehr klein, sie konnten nicht laufen, mussten sich auf
allen Vieren fortbewegen. Damals wusste ich noch nicht, woran das lag, aber
jetzt, wo ich Ärztin bin, weiß ich: Diese Kinder hatten Polio. Die Krankheit war
ein großes Problem in Nepal.“
Sprecherin:
Mit einem landesweiten Impfprogramm hat Nepal sehr viel erreicht: Seit vier Jahren
hat es keinen Polio-Fall mehr gegeben. Das Land ist jetzt offiziell polio-frei. Aber das
sei kein Grund, sich zurückzulehnen, meint Santosh Gurup von der WHO.
O-Ton:
“The end of polio should happen at 2018, that is the big picture that we see at
this point of time. Until polio is eradicated globally, completely, the use of an
polio vaccine, IPV or OPV, should not come to an halt.“
Übersetzung:
„Wir rechnen derzeit damit, dass im Jahr 2018 Polio komplett ausgerottet ist.
Aber bis dahin dürfen die Länder keinesfalls aufhören, gegen Kinderlähmung
zu impfen.“
Sprecherin:
Die Krankheit tritt immer noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria auf. Von dort
schwappt sie regelmäßig auf andere Länder über. In Nepal sind viele Krankheitsfälle
aus dem benachbarten Indien in das Land gebracht worden. Sangita hat daher kein
Verständnis für Eltern, die ihr Kind nicht impfen lassen.
© Westdeutscher Rundfunk Köln 2014
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O-Ton:
“What I tell them is: Do you want your child to have the complications as well
because you can't guarantee that your child won't have complications. Your
child could be one in million, who knows? Do you want your child to go
through that? Or simply vaccinate. Your choice. I would want my child to have
an easy way out. Vaccination is the best way.“
Übersetzung:
„Ich sage ihnen dann: Wollen Sie wirklich, dass Ihr Kind auch die
Komplikationen der Erkrankung mitmacht? Ihr Kind könnte eines von einer
Million sei, das Komplikationen bekommt. Ich würde das meinem Kind
ersparen wollen. Eine Impfung ist der beste Weg.“
Sprecherin:
Impfverweigerer wie in Deutschland gibt es in Nepal allerdings kaum. Fast alle Eltern
hier sind froh, wenn ihr Kind mit einem Impfstoff vor einer gefährlichen Krankheit
geschützt ist. So auch Nisha und Bimal Sundas Berdewa, die Eltern des kleinen
Binith. Sie strahlen vor Glück - vor allem jetzt, wo der Kleine sich nach dem Gepiekse
wieder beruhigt hat und an der Brust seiner Mutter eingeschlafen ist. Er sei so müde
und müsse nun schlafen, sagt Mutter Nisha.
O-Ton:
“I think he is feeling so tired now and has to sleep now.”
Sprecherin:
Vielleicht bleibt den Kindern in Nepal - und sogar weltweit - die Spritze gegen Polio
ab dem Jahr 2018 erspart. Sofern es tatsächlich gelingt, Polio, wie geplant,
auszurotten. Dann wäre Kinderlähmung die zweite Krankheit, die dank Impfstoffen
von unserem Planten verschwunden ist - nach den Pocken.
© Westdeutscher Rundfunk Köln 2014
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