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01 Was ist Lernen - Kiknet

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Was ist Lernen?
kik business academy
Neuenhoferstrasse 101
5401 Baden
www.kik-business-academy.ch
Impressum
Autoren:
Anton Wagner
Herausgeber:
kik AG / ITS
Layout/Gestaltung:
Daniela von Bergen, kik AG
© kik business academy
lernen lernen
Was ist Lernen?
Lernbegriff – der Erwerb von
Lernen als Wechselwirkung
Fähigkeiten?
Aussensteuerung und Innensteuerung: Menschliche Aktivität kann als abhängig von Faktoren in
Pädagogische
unmittelbare
der Person und in der Umwelt angesehen wer-
Erfahrung: In der Umgangssprache wird der
den. Der Zusammenhang zwischen Person und
Begriff des Lernens besonders im Zusammen-
Umwelt ist am besten als Interaktion (Wechsel-
hang mit der Schule gebraucht. Dort lernt man
wirkung) aufzufassen. Das Gewicht der beiden
Schreiben, Lesen, Rechnen, erwirbt erdkundli-
Faktoren kann im Einzelfall sehr unterschiedlich
ches und geschichtliches Wissen usw. Auch der
sein.
Erwerb
Interaktion
bestimmter
oder
sozialer
Umgangsformen
wird in diesem Verständnis gelernt.
Im Mittelpunkt dieser Auffassung von Lernen steht die pädagogische Situation. Prototypen sind der vom Lehrer organisierte
Unterricht und die erziehenden Eltern.
Der psychologische Lernbegriff ist wesentlich weiter gefasst. Hier sprechen wir auch
vom Lernen von Angst und Sicherheit, vom
Erwerb von Vorlieben und Abneigungen, der
Ausbildung von Gewohnheiten, der Befähigung
zu planvollem Handeln und problemlösendem
Menschliche Aktivität kann sich entweder mehr
Denken.
auf Anpassung an die Umwelt oder mehr auf
aktive Gestaltung der Umwelt beziehen. Im
Ein solches Lernen findet im Alltag ausserordent-
ersteren Fall wird das Verhalten in starkem Mas-
lich häufig statt. Gemeinsames Merkmal aller
se durch Umweltreize kontrolliert. Wir sprechen
Lernprozesse ist die (unmittelbare oder sozial
in diesem Zusammenhang von der Aussensteue-
vermittelte) Erfahrungsbildung.
rung des Verhaltens. Im zweiten Fall geht die
Aktivität schwerpunktmässig von der Person
Von Lernprozessen abzuheben sind die weitge-
aus. Beim kognitiven Lernen und Handeln spre-
hend durch Vererbung festgelegten und im Ver-
chen wir deshalb von Innensteuerung.
lauf der Reifung auftretenden Verhaltensmöglichkeiten (z. B. die motorische Entwicklung im
Es erscheint vorteilhaft, im Zusammenhang mit
ersten Lebensjahr, u. a. das fälschlicherweise
Lernen nicht mehr von Anpassung, sondern von
sog. Gehen lernen).
Auseinandersetzung mit der Umwelt zu sprechen. Im Zuge dieser mehr aussen- oder mehr
innengesteuerten Auseinandersetzung mit der
Umwelt kommt es zur Bildung von Erfahrungen,
die in der Zukunft neue Aktivitäten beeinflussen.
Dies ist das wesentlichste Merkmal des Lernens.
1
lernen lernen
Lernen bewirkt Veränderung
Grundformen des Lernens –
Lernen ist dispositionell: Der Prozess des Ler-
vier Mal anders
nens führt zu dem Produkt des Neuerwerbs oder
Veränderung psychischer Dispositionen, d. h. zur
Bereitschaft und Fähigkeit, bestimmte seelische
oder
körperliche
Leistungen
zu
erbringen.
Manchmal spricht man in diesem Zusammenhang auch von Erwerb eines "Verhaltenspotentials". Lernen ist durch relativ überdauernde Veränderung im Organismus gekennzeichnet, während die Leistung (Performanz) von momentanen Bedingungen (z.B. Motivation, Ermüdung)
abhängt.
von der russischen Reflexologie und dem amerikanischen Behaviorismus über die sog. Kognitive
Wende in der Psychologie bis zu den Handlungstheorien - besteht keine Einigkeit darüber, wie
viele Unterkategorien von Lernprozessen man
sinnvollerweise annehmen soll. Im Folgenden
gehen wir von vier Grundformen des Lernens
aus.
Das Reiz-Reaktions-Lernen
Das eigentliche Lernen besteht also im Erwerb
von Dispositionen, d. h. von Verhaltens- und
Handlungsmöglichkeiten.
Nach fast 100 Jahren moderner Lernforschung -
Der
psychologische
Begriff des Lernens schliesst nicht nur das durch
Unterricht absichtlich und planvoll organisierte
Lernen ein. Lernen ist auf keinen Entwicklungsabschnitt beschränkt. Sowohl der Säugling als
auch der alte Mensch verändern laufend ihren
Erfahrungsschatz. Lernen meint nicht nur den
Etwa um die Jahrhundertwende untersuchte der
russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow
die psychische Erregung der Speichel- und Magendrüsen
(Klassische
Konditionierung).
Die
Beobachtung, dass bei hungrigen Tieren oder
Menschen bereits beim Anblick von Nahrung
oder sogar bei der Vorstellung von Speisen Speichel zu fliessen beginnt, wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher Lernexperimente.
Erwerb einzelner, isolierter Dispositionen, sondern auch Aufbau einer komplexen Persönlichkeit durch Aneignung der menschlichen Kultur in
einem individuellen Lebensweg.
Manche Reize lösen angeborenermassen ein
Antwortverhalten aus. Solche Reize nennt man
unbedingte (ungelernte) Reize und das Antwortverhalten wird als unbedingte Reaktion bezeichnet. Tritt ein neutraler Reiz (der später bedingte
Reiz) hinzu, kann es zu einer Reizsubstitution
(Reizersetzung) kommen. Der neue Reiz löst die
gleiche oder eine sehr ähnliche (bedingte) Reaktion aus wie der ursprüngliche Stimulus. Dies ist
dann eine gelernte Reiz-Reaktions-Verbindung.
Die Gedankengänge der russischen Reflexologen
(Pawlow, Setschenow) wurden in Amerika bald
von den Behavioristen um Watson aufgegriffen
(Behaviorismus).
Das
Reiz-Reaktions-Lernen
(weitere Bezeichnungen: Klassisches Konditionieren oder Bedingen, Signal-Lernen, reaktives
Lernen) wird ursprünglich streng bewusstseinsunabhängig als Verknüpfung von Reiz und Reaktion erklärt. Unter pädagogischen Gesichtspunkten
ist
die
Auslösung
einer
emotional-
motivationalen Reaktion (z. B. Angst, Attraktivität) bedeutsamer als die Auslösung von Reflex-
2
lernen lernen
Reaktionen (Aktivierung von Muskeln oder Drü-
Instrumentelles Lernen ist situationsabhängig.
sen). Das Modell des Reiz-Reaktions-Lernens
Der Lernprozess findet unter bestimmten situati-
spielt eine bedeutende Rolle in behavioristisch
ven Bedingungen statt, und das Verhalten wird
orientierten Theorien der Angst, in der Verhal-
später nur in ähnlichen Situationen gezeigt. Das
tenstherapie, in anreiztheoretischen Auffassun-
instrumentelle Lernen führt zu einem gewohn-
gen von Motivation, in der Werbepsychologie.
heitsmässigen Verhalten. Es ist motiviert und
zielgerichtet, aber eng an bestimmte Situationen
Das instrumentelle Lernen
gebunden und erscheint deswegen relativ starr.
Nachdem Thorndike mit dem "Lernen am Erfolg"
das Prinzip der Verstärkungstheorien entdeckt
hatte, beschreibt Skinner etwa ab 1930 die
Im Gegensatz dazu ist das planvolle Handeln
durch Flexibilität gekennzeichnet und kann in
neuartigen Situationen angewandt werden.
operante Konditionierung, die heute instrumentelles Lernen genannt wird. Beim instrumentel-
Kognitives Lernen
len Lernen entscheiden die Konsequenzen, die
Unter Kognitionen versteht man jene Vorgänge,
dem Verhalten folgen, über dessen zukünftiges
durch die ein Organismus Kenntnis von seiner
Auftreten.
Umwelt erlangt. Im menschlichen Bereich sind
dies
besonders:
Wahrnehmung,
Vorstellung,
Von instrumentellem Verhalten, IV, sprechen
Denken, Urteilen , Sprache. Man könnte auch
wir, weil das Verhalten das Instrument oder
sagen: Durch Kognition wird Wissen erworben.
Mittel ist, das die entsprechende Konsequenz
Kognitive Prozesse lassen sich von emotionalen
hervorruft. In der Regel wird erst durch häufig
(gefühlsmässigen) und motivationalen (aktivie-
wiederkehrende,
renden) unterscheiden. Diese Trennung ist je-
gleichförmige
Konsequenzen
doch weitgehend eine analytische. In der Regel
allmählich ein stabiles IV gelernt.
sind auf Erkenntnis bezogene (= kognitive)
Nach der Art der Konsequenzen unterscheiden
Prozesse eng mit emotionalen und motivationa-
wir vier Formen des instrumentellen Lernens:
len verbunden.
•
positive Verstärkung: Dem Verhalten
Durch
folgt ein positives Ereignis.
•
negative Verstärkung: Dem Verhalten
folgt das Verschwinden eines aversiven
(unangenehmen) Ereignisses.
•
Bestrafung: Dem Verhalten folgt ein
unangenehmes Ereignis.
•
kognitive
Prozesse
werden
kognitive
Strukturen (Wissensstrukturen) aufgebaut. Begriffsbildung und Wissenserwerb sind zentrale
Bestandteile der Kognitionspsychologie. Es findet
häufig kein völliges Neulernen, sondern ein Umlernen statt. Hierbei handelt es sich um aktive,
subjektive
Strukturierungsprozesse.
Kognitive
Löschung: Dem Verhalten folgt weder
Strukturen sind kein Abbild der Umwelt. Sie sind
ein angenehmes noch ein unangeneh-
mentale (geistige) Konstruktionen.
mes Ereignis. Positive und negative
Verstärkung führen zum Aufbau eines
Verhaltens, Bestrafung und Löschung
zum Abbau eines Verhaltens.
ausschlaggebend
sind,
wird
als
Verhaltenskontrolle bezeichnet. Instrumentelles
Lernen ist motivationsabhängig. Die Konsequenzen eines Verhaltens führen nur dann zum Aufoder Abbau dieses Verhaltens, wenn sie einem
bestimmten Motiv entsprechen.
Begriffsbildung:
Man
unterscheidet
zwei Hauptklassen von Begriffen: die
Eigenschaftsbegriffe (Kategorien) und
die Erklärungsbegriffe (Theorien). Bei
Die Tatsache, dass beim instrumentellen Lernen
Aussenreize
•
den Eigenschaftsbegriffen gibt es zwei
Auffassungen: die klassische Theorie
und die Prototypentheorie. Nach der
klassischen Theorie ist der Inhalt des
Begriffs seine logische Struktur (die
Kombination der kritischen Attribute),
nach der Prototypentheorie wird der
3
lernen lernen
Begriff durch einen Prototyp (idealer
Das Lernen von Handeln und
Vertreter) repräsentiert.
Problemelösen
Begriffsbildung ist ein aktiver Vorgang.
Modell-Lernen
Begriffe sind nicht nur eine abstrahierte
Es
Abbildung der Realität. Begriffe sind
Lernens, deren wichtigste heute die sozial-
Strukturen unseres Denkens. Dies ist
kognitive Theorie von Bandura ist. Diese Auffas-
auch der Grund für die oft zu beobach-
sung ist dadurch gekennzeichnet, dass zwischen
tende Willkürlichkeit und Subjektivität
der Anregung des Verhaltens durch ein Modell
der Begriffsbildung.
und der Ausführung des Verhaltens durch den
gibt
verschiedene
Beobachter
•
kognitive
Theorien
Prozesse
des
Modell-
angenommen
Wissenserwerb: Es gibt unterschiedli-
werden. Die Theorie des Modell-Lernens kann als
che Konzepte von Wissen. Meine Auf-
Vorläufer
fassung von Sachwissen lässt sich unter
werden.
der
Handlungstheorien
aufgefasst
neun Gesichtspunkten darstellen:
- Begriffsbildung:
Fein-
oder
Grob-
Bei Begriffsbildung und Wissenserwerb wurden
strukturierung
- Assimilation: sinnvoll (Gegenteil: mechanisch)
log, handlungsmässig
während Handeln und Problemlösen als (dyna-
mantische Netze
und die Handlungsregulation. Die Entscheidung
beinhaltet die Ausbildung einer Intention sowie
- Art der Erfahrung: unmittelbar oder
die Entwicklung eines flexiblen Handlungskonzeptes (Planes), und Handlungsregulation be-
sozial vermittelt
- Verwendungszweck: Alltag oder Experte
- Bewusstheit: analytisch oder intuitiv
- Ausmass der Lenkung: Selbststeuerung oder rezeptiv
Kognitionen
lenshandlung (Gollwitzer) lassen sich zwei
Schwerpunkte unterscheiden: die Entscheidung
- Vernetztheit propositionale und se-
deutet die Realisierung des Handlungskonzeptes
bis zur Zielerreichung.
Problemlösen
Problemlösen ist ein Sonderfall des planvollen
Handelns. Ein Problem ist durch drei Komponen-
verbunden
mit Motivation.
Der ausschlaggebende Gesichtspunkt beim Lernen grösserer Wissensgebiete ist die Vernetztheit: Dies ist ein "Netzwerk lernpsychologischer
Grundbegriffe". Hierbei sind sowohl das ganze
System, wie auch die einzelnen Elemente in
einem für die Adressaten optimalen Ausmass an
Differenzierung zu strukturieren. Ein isoliertes,
lexikalisches Wissen ist in dieser Sichtweise
absolut unbefriedigend.
vorwiegend (statische) Strukturen beschrieben,
mische) Prozesse aufzufassen sind. Bei der Wil-
- Repräsentation: aussagenartig, ana-
- Motivation:
Planvolles Handeln
ten gekennzeichnet:
•
unerwünschter Anfangszustand
•
erwünschter Zielzustand
•
Barriere, die die Überführung des Anfangszustandes in den Zielzustand im
Augenblick verhindert
Problemlösen bedeutet Überwindung der Barriere durch Anwendung spezifischer Problemlöseverfahren. Die wichtigsten Formen des problemlösenden Denkens (Problemlösetheorien) sind:
Problemlösen durch Versuch und Irrtum, durch
Umstrukturieren, durch Anwendung von Strategien, durch Kreativität, durch Systemdenken.
Der Problemlöseprozess lässt sich auch als Umstrukturierung beschreiben.
4
lernen lernen
Zusammenfassung und
Forderung
Ausblick
Es ist wesentlich, zukünftig häufiger ein (relativ)
Es lassen sich heute zwei Hauptkategorien von
Lernprozessen
unterscheiden.
Beide
können
noch einmal in zwei Unterkategorien gegliedert
werden:
selbstgesteuertes, kooperatives, problemlösendes, in authentischen Lernsituationen stattfindendes und lebenslanges Lernen (Erwachsenenbildung) anzustreben, als ein kurzfristig prüfungsorientiertes.
Bei der Aussensteuerung können einmal die
vorausgehenden Reize eine Reaktion auslösen
(Reiz-Reaktions-Lernen), oder im anderen Fall
bestimmen die dem Verhalten nachfolgenden
Reize (Konsequenzen) dessen zukünftige Auftretenswahrscheinlichkeit (instrumentelles Lernen).
Bei der Innensteuerung kann es entweder
mehr um den Erwerb von Sachwissen gehen
(Begriffsbildung und Wissenserwerb, kognitives
Lernen im engeren Sinn), oder es steht die Ausbildung von Handlungswissen im Vordergrund
(Handeln und Problemlösen).
Jede Lernpsychologie, die nur eine der beiden
Hauptkategorien für menschliches Lernen als
relevant unterstellt, ist defizitär.
Die klassischen Grenzen zwischen Lernpsychologie, Denkpsychologie (Denken), Motivationspsychologie (Motivation) und Gedächtnispsychologie
(Gedächtnis) haben sich verwischt.
Menschliche Informationsverarbeitung ist nur
eine andere Bezeichnung für Lernen und Gedächtnis. Als wesentlichstes Merkmal des Lernens zeigen sich die Erfahrungsbildung und die
Verhaltensveränderung beim Lernenden. Dies
bedeutet, dass sich die Lernenden nach Abschluss des Lernprozesses anders verhalten,
anders denken, anders wollen, anders handeln
können.
5
Wunderwelt Hirn
kik business academy
Neuenhoferstrasse 101
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Impressum
Autoren:
Anton Wagner
Herausgeber:
kik AG / ITS
Layout/Gestaltung:
Daniela von Bergen, kik AG
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lernen lernen
Wunderwelt Hirn
Um zu verstehen, was das menschliche Lernen
ermöglicht braucht es einen ersten Blick ins
hominide Hirn. Die Lebensumstände des Men-
Komplex und vernetzt
Unser Gehirn wiegt nur etwa 1300g und besteht
dennoch aus mehr als 150 Milliarden Zellen.
schen, seine geistige Ent-
Neben
wicklung, seine körperliche
und intellektuelle Leistung,
seine
Gehirn
Gemütsverfassung
mentaren
Gehirn ist jedoch auch die
Verarbeitungs-
nen, die in einem komple-
heit, unserer Irrtümer und
Störanfälligkeit des Systems.
Blutgefässe
einheiten sind die Neuro-
Quelle unserer Vermessen-
Menschen und seines Denkorgans stieg auch die
Stützzellen
zen ausscheiden. Die ele-
Das
unseres Elends, denn mit der Entwicklung des
das
und Organe, die Substan-
sind von der Funktion des
abhängig.
Nervenzellen
enthält
auch
(Gliazellen),
sowie Krankheit und Tod
Gehirns
den
(Neuronen)
xen Netzwerk untereinander verbunden sind und auf elektrochemischem
Wege Signale austauschen und sich gegenseitig
erregen oder hemmen können. Sie verfügen
jeweils durchschnittlich über 10’000 Verbindungen mit benachbarten Zellen, etliche sogar bis
Funktionen des Gehirns – die
zu 80'000. Allein das Grosshirn umfasst über
zentralen Aufgaben
100 Milliarden Neuronen.
Das Gehirn hat die Aufgabe Reize aufzunehmen,
Das Gehirn ist zu unglaublichen Leistungen fähig
zu verarbeiten und zu beantworten. Rezeptoren,
und sicherlich eines der wunderbarsten Gebilde
wie z.B. die Sinnesorgane nehmen bestimmte
in unserer bekannten Welt. Es steuert uns Men-
Reize (Licht, Druck, Töne, Temperatur,...) auf
schen im Raum, dirigiert unsere Gefühle und ist
und senden diese als kodierte Signale auf elekt-
zuständig für Erinnerung, Bewusstsein und Mo-
rochemischem Weg in das Zentrale Nervensys-
ral. Es übertrifft an Komplexität und Leistungs-
tem, dessen wichtigste Schaltstelle das Gehirn
vielfalt alle anderen bekannten Systeme auf der
darstellt. Dort werden die eingegangenen Signa-
Erde. Trotz dieser Funktionsvielfalt wird seine
le nach bestimmten Mustern bearbeitet und, falls
Biologie von einer einfachen Physik und Chemie
erforderlich, in Form Reaktionsreizen an die
bestimmt.
Effektoren (Muskeln, Drüsen, ...) weitergeleitet.
Bei der Geburt sind bereits sämtliche Neuronen
Der wesentliche Kern der Informationsverarbei-
vorhanden, es bestehen jedoch, verglichen mit
tung erfolgt in der Hirnrinde, dem Grosshirn
dem erwachsenen Hirn noch verhältnismässig
oder Neokortex. Dieses 2 bis 3 cm dicke Gewebe
wenige Verbindungen; die Vernetzung erfolgt
erstreckt sich beim Menschen in Form eines
erst mit dem Lernen.
lappenartigen Gebildes voller Furchungen und
Windungen über ca. 1,2 Quadratmeter, würde es
man es auffalten. Assoziativ zusammengehörende Fähigkeiten (Motorik, Tasten, Sehen, Lage)
sind jeweils auf einem Teil der Hirnrinde zusammenhängend gespeichert.
1
lernen lernen
Integration – die beste Verknüpfung
Gesamtsystem Hirn mit spezia-
Die Verbindung zwischen der Sensorik und der
lisierten Teilbereichen
Motorik bildet der Integrator, der so genannte
Assoziationskortex. Er ist, wie beinahe das ge-
Dieses komplexe Gebilde ist in seinem Aufbau
samte Hirn, zweiteilig und mit 70 % der ca. 100
ein extrem dicht vernetzendes Neuronensystem.
Milliarden Grosshirnneurone das grösste Neuro-
Seine Bedeutung liegt in der Vernetzung, im
nensystem des Hirns. Über einen Balken, weite-
Zusammenbau, in der Integration. Seine Eigen-
re Neuronenstränge und über das Mittelhirn ist
leistungen sind unter 3 Aspekten zu betrachten:
dieser Hirnbereich zu einer Einheit verschmol-
•
Denken: mit Einfallsreichtum, Durch-
zen. Hier wird das über die Sinne Aufgenomme-
blick, Interesse, Kritikvermögen. Kon-
ne
zentration, Aufmerksamkeit, Erkennen
zum
Körper-im-Raum-Schema
vernetzt,
darüber hinaus entsteht hier auch Neues, Eigenständiges, werden also die geistigen Leistungen
und freier Gedächtnisabruf.
•
hervorgebracht. Ein Teil der Neuronen dieses
Bereichs sind sogar spontanaktiv, denn sie erzeugen eigene Leistungen, ohne Anstoss von
aussen über die Sensorik. Das Hirn selbst ist
also auch ohne äussere Reize in einem gewissen
Masse reflexiv, geistig aktiv und kreativ.
Erleben: mit Ergriffensein, Begeisterungsfähigkeit und Kreativität.
•
Wollen: mit Regsamkeit, Initiative, Unternehmungslust, Zielausrichtung, Ausdauer,
Durchsetzungsvermögen
und
Zuverlässigkeit.
Im sensomotorischen System, im Sprach- und
Schriftsystem sowie in den musischen Bereichen
finden sich zudem Neurone, die speziell abgespeicherte Erlebnis- und Verhaltensmuster aus
dem Erinnerungsdepot aufrufen und wiedergeben, aber auch Neues kreieren können, sie arbeiten dabei wieder mit Teilbereichen aus dem
Gesamtsystem zusammen.
2
lernen lernen
bahnen festigen sich dabei; es entste-
Das eigentliche Lernen
hen nach und nach solide Verbindun-
Engrammierung heisst Spurenbilden
gen, die „Engramme“. Sie bilden dann
Beim Lernen entstehen, nebst den Gesamtmus-
unser Langzeitgedächtnis.
tern (Gehen, Raumgefühl, Dreidimensionalität,
Gesamtzusammenhänge, globales Wissen etc.)
Assoziationen und Halluzinationen
so genannte Engramme. Das sind physiologische
Das gegenseitige Aufrufen der Engramme erfolgt
Spuren, die die Reize im Gehirn hinterlassen.
assoziativ, das Gesamtsystem weckt die dazu-
Das ist die eigentliche Grundlage von Lernfähig-
gehörenden
keit
im
Zwischen den Wahrnehmungen über die Senso-
Sprachsystem ein bestimmtes Wort gespeichert,
rik und den geweckten Gedächtnisinhalten im
liegen im Gesamtsystem die Gesamteindrücke
Gehirn kann das Bewusstsein klar unterschei-
mit den Begleitumständen, die beim Hören die-
den. Wenn diese Unterscheidungsfähigkeit im
ses Wortes vorlagen, abgelegt, ebenso das Wis-
Wachzustand ausfällt, kommt es zu Halluzinatio-
sen, das sich zu diesem Wort ergibt. Doch wie
nen. Im Traum hingegen ist die Unterscheidbar-
gelangt nun eine Information von aussen ins
keit aufgehoben.
und
Gedächtnis.
Ist
beispielsweise
Informationen
und
umgekehrt.
Gedächtnis? Es erfolgt in einem stufenweisen
Abspeichern.
•
Eine Information in Form eines sinnlich
wahrnehmbaren Reizes erreicht uns.
Der Reiz kann ein visueller (sichtbarer),
auditiver (hörbarer), haptischer (den
Tastsinn ansprechender), olfaktorischer
(geruchlicher) oder gustatorischer (geschmacklicher) Reiz sein. Die eintreffende Informationsmenge ist von der
Art des Reizes abhängig: Olfaktorische
Reize können etwa 20 Bit (kleinste Informationseinheiten) pro Sekunde ent-
•
•
halten, visuelle hingegen ca. 10 Millio-
Vergessen, falls lange nicht gebraucht
nen Bit.
Gelerntes wird auch wieder vergessen. Alle En-
Der wahrnehmbare Reiz trifft auf eine
gramme, wie auch die Muster und Inhalte im
Sinneszelle, die ihn in Form eines elekt-
Gesamtsystem, unterliegen dem Abbau. Was
rischen Erregungsimpulses ("Spike") an
nicht gebraucht und immer wieder auf- und
eine Nervenzelle und ihre Nervenfaser-
abgerufen wird, versinkt in der Bedeutungslosig-
endung, die Synapse, weitergibt (Ultra-
keit, entsprechend werden die Neuronenvernet-
kurzzeitgedächtnis).
zungen zurückgebildet, um neuen, bedeutende-
Der
elektrische Erregungsimpuls be-
ren Impulsen Platz zu machen. So verändert sich
ginnt nun zwischen den Synapsen ver-
der Gedächtnishintergrund ständig und lebens-
schiedener
lang. Lebenslanges Lernen ist ebenso möglich,
Nervenzellen
zu
kreisen.
(Kurzzeitgedächtnis). Er kreist in be-
wie lebenslanges Vergessen Realität ist.
stimmten, sich wiederholenden Bahnen
im Netzwerk der Nervenzellen und hinterlässt dabei charakteristische molekulare Spuren, die sich chemisch im Gehirn einprägen. Die zunächst noch nicht
fest zusammen geschalteten Nerven-
3
lernen lernen
Teilsysteme für spezielle Aufgaben
Hirnzahlen
Als Ergänzung zum Gesamtsystem haben sich
18 Teilsysteme entwickelt, die nur in einem
bestimmten
Hirnareal
Gesamtsystem
vorkommen
delegierte
und
Teilaufgaben
vom
über-
nommen haben. Sie sind entsprechend hoch
spezialisiert. Hierbei handelt es sich um
•
Bindegewebesinn,
Harn-
und
Stuhl-
drang-Sinn)
100’000’000
Zellen im Auge:
Anzahl motorischer Zellen:
2 nonverbale Kommunikationssysteme
das
sensomotorische
Greif-,
4’000’000
ca. 10’000
Gewisse Neuronen haben sogar
(Geh-,
Mimik,
Gestik,
1 Billiarde
lichen Gehirn insgesamt:
Anzahl Neuronen im mensch-
System
Mundmotorik,
Anzahl Synapsen pro Neuron:
Anzahl Synapsen im mensch-
(Körpersprache, Geruchssprache)
•
Anzahl reizaufnehmender
über 80’000 Synapsen
3 verbale Kommunikationssysteme
(Sprache, Laute, Gesang)
•
200’000’000
Zellen beim Riechen:
7 Wahrnehmungssysteme (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Hautsinne,
•
Anzahl reizaufnehmendee
150 Milliarden
lichen Gehirn:
limbische Laute)
•
das Körper/Raum-Orientierungssystem
(Gleichgewicht, Dreidimensionalität)
•
die limbischen Systeme:
- emotionales (Wohlbefinden, Aggressionsgrad, Stabilität)
- instinktives (Sexualität, Nahrungsbeschaffung, Geselligkeit, Sicherung)
- retikuläres
(vegetative
Reaktionen,
Exkretion, Wärmeregulation)
- Engrammierung (Erinnern, Gedächtnisleistung, Wiedererkennen)
Sie stehen mit dem Gesamtsystem entweder in
Wechselbeziehung
überbringen
als
als
Zweiwegsysteme
Einwegsysteme
oder
Information
oder übernehmen Informationen, um sie an
andere Systeme weiterzugeben.
4
Hirn und Gedächtnis
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lernen lernen
Hirn und Gedächtnis
formation abgerufen und effektiv ver-
Unser Gedächtnis
wendet werden kann
Lernen verlangt Gedächtnisleistungen
•
Speicherkapazität: die Menge an In-
Um Gelerntes wieder verwenden zu können,
formation, die in einem Speichersystem
muss es gespeichert, abgelegt werden und ab-
maximal enthalten sein kann
rufbar zur Verfügung stehen. Es braucht das,
•
was landläufig als Gedächtnis bezeichnet wird.
der im Speicher vorhandenen Informa-
Es geht also um einer Art System zur Speicherung von Informationen im Gehirn. Und nach der
Speicherung um die Vorgänge des Abrufs ge-
tion
•
Weiterverwendung abgerufen werden
chen des Vergessens und die Unterscheidung
legend wichtig für das Erkennen wahrgenomme-
Abrufprozesse: die Prozesse, durch
die Informationen aus dem Speicher zur
speicherter Informationen, ebenso um die Ursaverschiedener Speichersysteme. Sie sind grund-
Codierung der Information: die Art
•
Vergessensmechanismen:
die
Pro-
zesse, die einen Informationsverlust in
einem Speicher bewirken.
ner Objekte sowie für Lernen und Denken.
Physiologie und Anatomie des Ge-
Funktionen des Gedächtnisses
Unabhängig davon, ob das Gedächtnis als Sys-
dächtnisses
tem voneinander getrennter Speicher (Multispei-
Neue Gedächtnisinhalte werden nach Verarbei-
chermodell) oder als einheitliches Speichersys-
tung und Gebrauch im Kurzzeit-Arbeitsspeicher
tem (Einspeichermodell) betrachtet wird, kann
zunächst im Hippocampus, einem Teil des limbi-
man im Zusammenhang mit unterschiedlichen
schen Systems, gespeichert und wahrscheinlich
kognitiven
– vorwiegend in der Nacht – an die Vorderhirn-
Leistungen
zahlreiche
Gedächtnis-
funktionen unterscheiden.
rinde weitergeleitet. Grundsätzlich werden Ge-
Dazu gehören
dächtnisinhalte auf zellulärer Ebene im Bereich
•
die sehr kurzfristige Speicherung
physischer Merkmale wahrgenommener
Objekte (sensorische Speicherfunktion)
•
die kurzzeitige Speicherung geringer
Informationsmengen zum Zweck der
aktuellen Handlungsplanung und
-steuerung (Kurzzeit- und Arbeitsspeicherfunktion)
•
der Synapsen gespeichert. Langfristige Erinnerungen gehen mit anatomischen Veränderungen
im Bereich dieser Schaltstellen zwischen den
Nervenzellen einher. Dabei werden Proteine neu
gebildet, welche die Form und Funktion der
Synapsen verändern, die Informationen werden
dauerhaft gesichert.
Verschiedene Strukturen im limbischen System
die langfristige Speicherung unter-
des Gehirns nehmen unterschiedliche Erinne-
schiedlichster Informationen, die noch
rungsfunktionen wahr. Beispielsweise ist ein
nach
Ge-
Funktionskreis durch den Hippocampus und den
sichtspunkten unterteilt werden (Lang-
Thalamus für räumliche Erinnerungen zuständig,
zeitspeicherfunktion).
während ein anderer durch die Amygdala und
zusätzlichen
funktionellen
den Thalamus an emotionalen Erinnerungen
Jede dieser Speicherfunktionen lässt sich hin-
beteiligt ist. Erinnerungen an motorische Fertig-
sichtlich folgender Funktionsmerkmale beschrei-
keiten werden jedoch anders gespeichert werden
ben:
als intellektuelle Gedächtnisinhalte.
•
Speicherdauer: die Zeitspanne, während der die im Speicher enthaltene In-
1
lernen lernen
kennbarkeit des gespeicherten Reizes
Die drei grossen Speicher
innerhalb eines kritischen Zeitfensters
Das ikonografische Gedächtnis – die
von 250 Millisekunden um so stärker
sensorischen Speicher
beeinträchtigt, je geringer der Zeitab-
In einem Vorspeicher, dem sensorischen Ge-
stand ist).
dächtnis, über den jeder einzelne Sinn verfügt,
wird die Information, die über die verschiedenen
Sinne aufgenommen wird, nur für eine sehr
kurze Zeitspanne gespeichert. Genau so lang,
wie das Wahrnehmungssystem braucht, bis ein
sensorischer Reiz der Rezeptoren (Sinneszellen)
ein „Bild“ der wahrgenommenen Umwelt hergestellt hat damit im Hirn ein erster Abgleich mit
Bekanntem stattfinden kann. Die Fragen lauten:
Bekannt-Unbekannt,
Gefährlich-Ungefährlich,
Bemerkenswert-Ingenirierbar,
Vorteilhaft-
Aufwändig etc.
•
Speicherdauer: Je nach Sinnesmodalität
beträgt sie zwischen circa 250 Millisekunden bei der visuellen Wahrnehmung
•
•
•
(ikonisches Gedächtnis) und vier bis
Kurzzeitgedächtnis – der Arbeits-
fünf Sekunden beim Hören (echoisches
speicher
Gedächtnis).
Die dem sensorischen Speicher selektiv ent-
Speicherkapazität: Sie ist unbegrenzt;
nommene Information kann nun nach der physi-
der Speicher enthält die gesamte In-
sche Wahrnehmung der Reize und der daraus
formation, die das Wahrnehmungssys-
resultierenden Analyse weiterverarbeitet wer-
tem zur Verfügung stellt.
den, indem alle nur denkbaren Assoziationen
Codierung: Es werden nur die physi-
und Formen, die für den wahrgenommenen Reiz
schen Merkmale der wahrgenommenen
notwendig sein können, codiert werden (z. B. als
Objekte gespeichert, bei Wörtern z. B.
analoger Code in Form eines Vorstellungsbildes,
keine Bedeutungen, sondern nur die vi-
als semantischer Code in Form der Bedeutung
suellen Figurmerkmale der Buchstaben
eines Wortes oder der Benennung eines bekann-
und des gesamten Wortes.
ten Objekts). Die Information, die im Kurzzeit-
Abrufprozesse: Der Zugriff geschieht
durch selektive Informationsentnahme
(siehe
Aufmerksamkeit),
wobei
nur
physische Merkmale zur Selektion verwendet werden können (z. B. räumliche
Position, Form, Farbe).
•
Vergessensmechanismen: Die Information verblasst von selbst (die Aktivierung der entsprechenden neuronalen
Strukturen lässt allmählich nach), oder
sie wird durch eine neue Wahrnehmung
aktiv ausgelöscht, z. B. durch rückwirkende Maskierung (wobei ein dem gespeicherten Reiz folgender Reiz die Er-
gedächtnis gespeichert ist, wird als bewusst
verfügbar erlebt. Dieses Gedächtnis ist der eigentliche Arbeitsspeicher da es auch zum Planen
und Steuern von Handlungen benötigt wird und
daher an allen bewusst gesteuerten Prozessen
beteiligt ist.
Speicherdauer
Sie beträgt unter ungünstigen Bedingungen (es
wird weitere Information aufgenommen, die
Aufmerksamkeit ist abgelenkt, so dass ein internes Memorieren der Information nicht möglich
ist) nur circa 15 bis 20 Sekunden, unter günstigen Bedingungen ohne internes Memorieren
2
lernen lernen
(inneres, lautloses Wiederholen) etwa 40 Se-
sich um die benötigte Information handelt oder
kunden. Wenn man memoriert, kann die Infor-
nicht), um exakt prüfen zu können, ob es sich
mation im Prinzip so lange gespeichert bleiben,
tatsächlich um die gesuchte Information handelt
wie memoriert wird.
oder nicht.
Speicherkapazität
Vergessensmechanismen
Die Kapazität (hier auch Gedächtnisspanne ge-
Es gibt hier zwei Vergessensmechanismen: Spu-
nannt) beträgt bei völlig neuen Informationen
renzerfall und Hemmung (auch als Interferenz
maximal vier bis fünf Einheiten, bei geläufigen
bezeichnet). Unter Spurenzerfall versteht man
Informationen sieben plus/minus zwei Einheiten.
die allmähliche Abnahme der Aktivierungsstärke
Was als Einheit zu betrachten ist, hängt vom
einer Informationseinheit – sofern kein internes
Material ab und der Art und Weise, wie die Per-
Memorieren erfolgt, was die Aktivierungsstärke
son das Material organisiert und zu Einheiten
auf einem hohen Niveau hält. Unter Hemmung
höherer Ordnung (Chunks) zusammengefasst
versteht man die gegenseitige Beeinträchtigung
hat (bei einem neuen Wort als Menge einzelner
der im Speicher vorhandenen Information beim
Buchstaben, wobei jeder Buchstabe eine Einheit
Versuch des Abrufs; sie ist um so grösser, je
ist; bei bekannten Wörtern als Wort, wobei alle
ähnlicher die Information ist. Die Hemmungsef-
Buchstaben zusammen eine Einheit bilden).
fekte erklären circa 70 Prozent des Vergessens.
Langzeitgedächtnis – der Tresor und
Langzeitspeicher
Der Langzeitspeicher enthält mannigfaltige Informationen, für die manche Theorien sogar
getrennte Speicher postulieren. Hier sind sämtliche Informationen vorhanden, die benötigt werden, um
•
die Objekte der Umwelt zu erkennen
(implizites Gedächtnis)
Codierung
•
Wissen)
Ältere Befunde sprachen dafür, dass dieser Speicher speziell nur Sprachlaute (Phoneme; siehe
Phonologie) zu speichern in der Lage ist; neuere
Handlungen auszuführen (prozedurales
•
alles Regel- und Bedeutungswissen zu
verwalten (semantisches Gedächtnis).
Befunde zeigen jedoch, dass alle Codierungsarten verfügbar sind.
Es ist lange angenommen worden, dass Information aus dem Langzeitgedächtnis dann be-
Abrufprozesse
Bei sehr bekannter oder eindeutig unbekannter
Information wird unter Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf diesen Vorgang parallel (alle
Information gleichzeitig) aus dem Kurzzeitspeicher abgerufen, denn der Bekanntheitsgrad ist
ein deutliches Kriterium dafür, dass es sich um
Information handelt, die erst kürzlich in den
Speicher gelangt ist; bei Information mittlerer
Bekanntheit wird seriell abgerufen (eine Einheit
nach der anderen wird daraufhin geprüft, ob es
sonders gut abrufbar ist, wenn sie beim Abspeichern der Information häufig wiederholt wird. –
Wiederholung aber ist nicht der effizienteste
Mechanismus. Sehr viel wichtiger ist, dass nur
solche Information später beim Erinnern als
Abruf- oder Suchhinweis effektiv nutzbar ist, die
bereits beim Lernen und Speichern vorhanden
war. Alle langfristig zu behaltende Information
sollte nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit möglichen Hinweisen auf weitere
Zusammenhänge und Verknüpfungen mit mögli-
3
lernen lernen
chen,
späteren
Einsatzbereichen
gespeichert
werden.
Codierung
Es bestehen alle bekannten Codierungsformen
(z. B. physische Merkmale, phonetisch, seman-
Beispielsweise kann der situative Kontext, in
tisch, symbolisch, als Vorstellungsbild).
dem gelernt wird, hilfreich sein: Lernt man z. B.
in dem Raum, in dem man die Information für
Abrufprozesse
eine Prüfung auch wieder abrufen soll, verknüp-
Entweder wird durch automatische Aktivierung
fen sich die zu lernenden Informationen mit
abgerufen, wie das beim Erkennen bekannter
Situationsmerkmalen, und das Erinnern in die-
Objekte und bei Wörtern der Fall ist, oder es
sem Raum wird erleichtert, an anderen Orten ist
wird gesucht, indem von Anhaltspunkten und
es aber erschwert. Dies funktioniert auch, wenn
Hinweisen auf die gesuchte Information ausge-
man sich den Raum beim Lernen nur detailliert
hend automatisch semantisch benachbarte Rep-
vorstellt. Auf dieser Methode beruhen einige so
räsentationen aktiviert werden.
genannte Memotechniken (Techniken der Gedächtniskunst). Eine andere effiziente Strategie
Vergessensmechanismen
wird als Elaboration bezeichnet und besteht
Vergessensmechanismen in dem Sinne, dass
darin, alles zu behaltende Material sehr syste-
Information ausgelöscht und dadurch permanent
matisch zu organisieren, alles miteinander in
nicht verfügbar wird, gibt es hier nicht. Allenfalls
Beziehung zu bringen, also Zusammenhänge
kann der Zugriff auf einzelne Informationen
abzuspeichern, und wenn keine existieren, sie
mehr oder weniger erschwert sein; dies ist meis-
extra herzustellen (per Assoziation z. B. mit
tens aber nur zeitlich begrenzt der Fall.
Vorstellungsbildern). Elaboration ist wesentlich
wichtiger als reines Wiederholen, um ein gutes
Behalten zu erreichen.
Speicherdauer
Eine Begrenzung der Speicherdauer ist nicht
bekannt. Es gibt nur mehr oder weniger lang
andauernde
Schwierigkeiten,
auf
Information
zuzugreifen, die den Eindruck erzeugen, die
Information sei vergessen worden. Informationsverlust tritt nur bei traumatischen Einflüssen
auf die Neurone des Gehirns auf, z. B. bei Hirnverletzungen oder Erkrankungen, die zum Abbau
von Hirnsubstanz führen.
Speicherkapazität
Eine Begrenzung der Speicherkapazität ist nicht
bekannt.
4
lernen lernen
Weitere Speicher –
Das Schockgedächtnis
die Überraschenden
Schockerlebnisse (z. B. durch einen Unfall) können Bereiche des Langzeit- wie des Kurzzeitge-
Das Prime-Gedächtnis
dächtnisses akut oder sogar dauerhaft ausser
Laufend werden wir durch die Aktualiät aus allen
Funktion setzen (Amnesie) ebenso wie sie sich in
Medien und in zahllosen Gesprächen berieselt,
Bruchteilen von Sekunden oder wenigen Minuten
zudem leben wir in einem dauernd um uns her-
als unvergesslich und unauslöschbar im Hirn
um sich manifestierenden kulturellen Kontext.
verankern können.
Inhalte aus diesen, bewusst und unbewusst
wahrgenommenen Dauerreizen sowie die dazu
Das Weltgedächtnis
gehörenden
Sensationen,
Verschiedene Psychologen aber auch Weise,
neue Modeereignisse, Events) bilden den Boden
Druiden, und Magier postulieren ein Urgedächt-
des Zeitgeistes, den wir im Aktualitätsgedächtnis
nis, dass uns durch alle Zeiten begleitet und sich
stets präsent halten. Laufend aber wirden diese
in grndlegendem Wissen manifestiert (Angst vor
Inhalte durch neue ersetzt. Ihre Zwischenlage-
grosser Überschwemmung, Erdbeben, Seuchen,
rung findet in den Zellen des Hyppocampus
Sternenkollisionen etc.)
Peacks
(Aktualität,
statt, deren dornartige Fortsätze innert weniger
Minuten wachsen, die Informationen speichern,
um dann wieder abgebaut um dann in neuen
Auswüchsen neue Information zu speichern.
Das eidetische Gedächtnis
Das spirituelle Gedächtnis
Gott lebt in uns, behaupten nicht wenige Menschen und die Gläubigen verfügen über ein besonderes spirituelles Gedächtnis, das ihnen Gottesnähe
und
religiöse
Fundamentalerlebnisse
In der Regel sind Erinnerungen weniger deutlich
zugänglich macht. Das Wissen um Gnade, Hoff-
und detailliert als Wahrnehmungen; manchmal
nung und Erlösung ist für viele Menschen greif-
zeigt ein Erinnerungsbild jedoch jedes einzelne
bare Realität.
Detail. Dieses Phänomen wird als eidetisches
Gedächtnis bezeichnet; es kommt fast nur bei
Kindern vor; sie können sich eidetische Bilder in
manchen Fällen dermassen vollständig in Erinnerung rufen, dass sie eine Seite mit einem Text in
einer ihnen unbekannten Sprache, die sie nur
kurze Zeit gesehen haben, vollständig buchstabieren können. Diese Fähigkeit geht gewöhnlich
mit zunehmendem Alter wieder verloren. Solche
ausserordentlichen Gedächtnisleistungen können
auch bei Autisten beobachtet werden.
5
Feuer im Hirn
kik business academy
Neuenhoferstrasse 101
5401 Baden
www.kik-business-academy.ch
Impressum
Autoren:
Anton Wagner
Herausgeber:
kik AG / ITS
Layout/Gestaltung:
Daniela von Bergen, kik AG
© kik business academy
lernen lernen
Feuer im Hirn
Fähigkeiten der Lebewesen beruhen vor allem
Lernen lernen
auf der
intensiven
neuronalen Verknüpfung.
Menschen lernen besser, wenn sie mit Freude
Vieles begegnet uns an einem normalen Tag.
und Spass lernen. Lernprozesse in freundlichem
Nur das Wichtige wird im Hirn aufbewahrt. Das
Umfeld oder unter Angst und Stress verlaufen
Unwichtige wird abgehandelt und vergessen.
sehr verschieden. Der
Was ins Hirn eingebetet werden soll, muss also
Unterschied
sehr wichtig sein.
besteht
vor allem darin, dass
die
Emotionen
von
Grundsätzlich sendet eine Zelle eines sensori-
Freude
schen Systems nur dann ein Ausgangssignal an
unterschiedlich arbei-
eine weiterverarbeitende Zelle, wenn die Summe
tende
der Eingangssignale, die sie erhält, einen be-
Angst
oder
neuronale
Systeme ansprechen.
stimmten
Unter
Lichtimpulse,
wird
Angst-Stress
das
Schwellenwert
überschreitet
Druckimpulse
etc.).
(z.B.
Bleibt
die
Denken
Eingangserregung unter dieser Grenze, reagiert
durch eine Hirnregion
die Zelle gar nicht, andere, mit ihr verknüpfte
bestimmt,
Man-
Zellen, erhalten also kein „Aufgepasst-ich-habe-
limbi-
da-was-Wichtiges-Signal“. „Einmal ist kein Mal“
delkerne
schen
die
im
System,
die
gilt beim Hirn in besonderem Masse. Ausser bei
einzig darauf zielt, der Angst zu entkommen.
extremen Schockerlebnissen muss sich etwas
Kreatives und freies Denken sind dabei stark
mehrfach, besser sogar viele Male abspielen, bis
eingeschränkt, da sich das Hirn in dieser Situati-
es im Hirn länger anhaltend gespeichert wird.
on an die simpelsten, irgendwie funktionieren-
Weniger oder nur kurzzeitig Wichtiges wird nur
den Schemata hält.
wenige Sekunden bis Minuten im Kurzzeitgedächtnis
Macht das Lernen aber Freude, erwachsen dabei
zwischengelagert
und
gleich
nach
Gebrauch wieder gelöscht.
aus der erbrachten Leistung und der gewonnenen Einsicht Selbstvertrauen und Befriedigung.
Damit steigt die Lust auf weitere Herausforderungen, der Lernprozess läuft weiter. Also gedeihen Lernen, Selbstständigkeit und Kreativität
Öfter lernen – aber nie eintönig büffeln
Das Netzwerk der Neuronen ist im Gegensatz zu
einem Computer nicht nach einem detaillierten
vor allem in einem entspannten Klima.
Plan geknüpft, sondern weitgehend zufällig orKonstanter
täglichen
Prüfungsstress,
gewürzt
mit
Misserfolgserlebnissen, ist
Gift
für das Lernen und für die damit verbundene Entfaltung der Persönlichkeit.
ganisiert. Sind miteinander verbundene Zellen
gemeinsam aktiv, erinnern sie sich zusammen
an einen Gegenstand, eine Zahl, ein Gesicht,
eine Geschichte oder einen Vorgang. Je öfter
diese gemeinsame Aktivierung abläuft, wie es
Das Hirn nie langweilen
In unserem Hirn müssen viele Zellen vieles ein
wenig wissen und sie lernen nur was wichtig ist.
Das Wissen liegt nach dem Lernen, Einprägen
und Erfahren in Teilnetzwerken von Millionen
von Hirnzellen, den Neuronen, gespeichert. Nur
die Kombination vieler Teilnetzwerke ermöglicht
uns das komplexe Erinnern. Die intellektuellen
beim Lernen geschieht, desto leichter wird später erinnert. Irgendwann reicht es, dass nur eine
Andeutung schon die ganze Erinnerung hervorzaubert.
Solches Lernen ist langsam und lebt von der
Wiederholung. Dabei kommt es nicht auf die
absolute Zeitdauer an: Häufiger, aber kürzer
1
lernen lernen
üben wirkt besser. Nur muss der Lernstoff im-
Anleitung zum Lernen
mer wieder auf stets etwas andere Weise betrachtet und bearbeitet werden. – Nichts ist
Ein gutes Ambiente ist wichtig
beim Lernen gefährlicher als Langeweile und
Das Lernen beginnt, falls möglich, im Unterricht,
gleichmässiger Stumpfsinn. Das Hirn lernt durch
durch lebhafte Beteiligung, Mitmachen, Diskutie-
Herausforderung und Abwechslung. Das bedingt
ren und die intensive Konzentration auf den
variierte Aufgaben und andere Herangehenswei-
vermittelten Stoff. Beim selbstständigen Lernen
sen, immer wieder neue Formen der Auseinan-
und Vertiefen nach dem Unterricht oder beim
dersetzung mit dem Thema, je reichhaltiger und
Selbststudium helfen ein ruhiges Umfeld, Ent-
vielfältiger, desto besser. Wichtig sind dabei gut
spannung durch spezifische Übungen und beru-
ausgewählte Beispiele an denen sich allgemeine
higende Atemtechnik. Es gilt Stress und Lern-
Eigenschaften und Regeln ableiten lassen. Die
barrieren aufzulösen und eine für das Lernen gut
Details vergessen wir meist rasch, es bringt
ausgewogene Aufmerksamkeit zu erreichen. Das
daher auch nichts, Wissensinhalte stur auswen-
gesamte System Körper-Gehirn soll aufnahme-
dig zu lernen. Nicht mehr gebraucht, versinkt
bereit gemacht werden. Nicht nur entsprechen-
solches Wissen bald in der Vergessenheit.
den Übungen sondern auch besonders ausgewählte Musik, hilft den Körper richtig zu syn-
Das Hirn schätzt Qualität
chronisieren.
Lernen, d. h. Überführen und Abspeichern von
Informationen ins Langzeitgedächtnis, geschieht
Am Besten funktioniert das Lernen unter leichter
beim blossen Wiederholen, wie bei
körperlicher Anregung, mit einem
rein manuellen Tätigkeiten, uneffi-
Puls
zient. Da braucht es monatelanges
schwelle (90-100). Man sollte sich
Einschleifen, wie wir es beim Ler-
etwas bewegen, auf einem Spa-
nen im Sport kennen. Besser ist es
ziergang
– und das ist beim intellektuellen
Radfahren,
Lernen möglich – den Lernstoff in
und anschliessend zu lernen. Auch
Beziehung zu bereits Bekanntem
Herumgehen (learning by walking)
setzen.
Einzelheiten
oder Lernen auch dem Hometrainer
werden dabei mit anderen Einzel-
geht gut. Wichtig ist dabei eine
heiten zu qualitativ höher stehen-
angenehme Lernatmosphäre ohne
den neuen Einheiten zusammenge-
viel Ablenkung und ein anregendes
packt.
Umfeld, bezüglich Farben, Formen,
Verstreute
Gewonnen
höherwertigen
werden
diese
Informationseinheiten
durch
geistige Aktivität, nämlich durch:
etwas
oberhalb
oder
um
beim
der
Ruhe-
langsamen
während
dessen
Bilder, Pflanzen, Bewegungs-, Sitz- und Liegemöglichkeiten. Der Stoff sollte mit Übungen in
verschiedenster
Gestalt
mehrfach
aktiv
und
•
Selektion – Auswahl
•
Komparation – Vergleich
•
Koordination – Verbinden, Abstimmen
spezifische
•
Integration – Miteinbeziehung
sind, desto besser verankert sich das Wissen.
•
Reduktion – Zurückführung, Abbau
Noch stärker vertieft sich das Wissen, wenn in
•
Abstraktion – Gedankliche Verallgemeinerung, Erhebung zum Begriff
•
Hierarchiebildung – Aufbau eines Ordnungs- und Beziehungssystems
passiv wiederholt werden. Je attraktiver das
Lernmaterial und dazu sorgfältig angefertigte
Spiele
und
Anwendungsbeispiele
der Lernphase thematisch passende Bücher,
Filme, Bilder und interaktive Projekte das Lernen
begleiten. Wenn es zudem gelingt, zusammen
mit anderen zu lernen, entstehen positive Gemeinschaftserlebnisse rund um den Lerninhalt,
was zu einer definitiven Festigung des Stoffes
verhilft.
2
lernen lernen
Die Vorgänge im Hirn
Geigern Geigentöne weitflächiger repräsentiert –
wohl aufgrund des Übens.
Karten im Hirn – Eigenschaften und
Regeln
Die Fähigkeit, quasi beliebige Informationen zu
Lernende brauchen vor allem gut ausgewählte
verknüpfen, zeichnet den menschlichen Geist
Beispiele. Auf die Regeln kommen sie dann von
aus, aber ebenso die Fähigkeit, die Fülle zu
selbst.
bändigen und in sinnvolle Bahnen zu lenken.
Diese
vielfältigen
Aktivitäten
Das Netzwerk im Kopf bein-
bedeuten, dass das Gehirn Teile
haltet unser ganzes Können
und
und
bachtet
parallel
wahr-
durch
seine
Struktur.
Beo-
Wechselspiel
Wissen
besondere
Ganzheiten
nimmt und erzeugt, in innigem
man
die
der
Ebenen
und
Aspekte.
Aktivität
des Gehirns, so zeigt sich,
was wir momentan wahr-
Fakten sollten deshalb stets mit
nehmen, denken, reden und
Blick auf das Ganze erarbeitet
tun. Dadurch lässt sich aber
werden und das Ganze im Licht
der Details. Das klappt besonders
nicht aufzeigen, wie komplex
die Vernetzung aufgebaut ist und als Ganzes
gut, wenn zentrale Grundideen in mehreren
aktiviert wird. Obwohl bei jeder geistigen Tätig-
Durchgängen auf immer neuer Ebene und aus
keit jeweils eine riesige Zahl Neuronen in vielen
immer neuen Blickwinkeln behandelt werden.
Hirngebieten zusammen aktiv ist, lassen sich
aber auch aufgabenspezifische Neuronengrup-
Das Hirn ist stark mit sich selbst be-
pen finden. Zellen im visuellen Kortex zum Bei-
schäftigt
spiel, erkennen und speichern Ecken und Kanten
Die Grösse des Grosshirns ist durch die vielen
oder auch Farben von Objekten, Neuronen im
unter der Hirnrinde verlaufenden Nervenäste
Hörkortex spiegeln Eigenschaften von Tönen
verursacht, die Nervenzellen miteinander ver-
wieder.
binden.
Ohne
diese
Faserbündel
hätte
das
Grosshirn nicht mehr Volumen als eine kleine
Für alle möglichen Kategorien von Wissen ord-
Faust. Die Menge der Fasern, die ins menschli-
nen sich also Neuronen und Neuronengruppen
che Gehirn hinein- und hinausgehen, beträgt nur
durch eigenständiges Vernetzen zu regelmässi-
etwa ein Hunderttausendstel der internen Ver-
gen Mustern, zu einer Art mehrdimensionaler
bindungen.
Wissenskarten. In diesen Karten und den Möglichkeiten ihres Zusammenspiels ist ein grosser
Im Innern sind die Verbindungen stark ausge-
Teil der Erfahrungen unseres Lebens gespei-
prägt. Jede Hirnzelle steht mit jeder beliebigen
chert. Solche Karten bilden sich nur durch Lern-
anderen über wenige Zwischenschritte in Kon-
prozesse, sie sind erfahrungsabhängig.
takt. Jede Zelle kann Signale von etwa 10000
Neuronen
empfangen
und
Signale
an
etwa
Einmal angelegte Karten passen sich im Laufe
10000 andere übermitteln. Diese Möglichkeit zur
des Lebens dauernd an die Erfordernisse und
Vielfalt ist eine der elementaren Voraussetzun-
frisch Gelerntes an. Lernt ein Mensch Blinden-
gen für jede Geistestätigkeit insbesondere für
schrift, dann vergrössert sich der Bereich, der in
Fantasie und Kreativität.
der Grosshirnrinde für die Fingerkuppe des rechten Zeigefingers zuständig ist. Bei Musikern ist
die akustische Karte für Töne 25 Prozent grösser
als bei Nichtmusikern. In der Hirnrinde von
Trompetern sind Trompetentöne, in der von
3
lernen lernen
Viele Bezugspunkte und Assoziationen
verbessern die Leistung
Das Hirn versteht und lernt, wie es scheint,
umso besser, je mehr Beziehungen es zu einem
Motivation
Interesse, Einsicht und Sinn sind die
wahren Motivatoren
Thema herstellen kann. Deshalb müssen Lehr-
Neurobiologische Erkenntnisse führen in Variati-
und Lerninhalte zwingend vielfältige Zugänge
onen stets zu den gleichen Schlussfolgerungen:
aufweisen
und
Das Gehirn ist kein Computer, in dem man Be-
emotive Verarbeitungsformen miteinander kom-
liebiges speichern kann. Menschliches Lernen ist
binieren, um an möglichst vielen Orten im Hirn
geleitet von Interesse, von der Suche nach Ein-
Spuren zu hinterlassen.
sicht und Sinn. Aktives Handeln und Forschen,
und
mehrkanalige,
kognitive
Erfahrung mit allen Sinnen und intellektuellen
Wir lernen nur das, was interessant ist. Einzel-
Fähigkeiten
fakten attraktiv zu präsentieren oder in Form
vielfältige Vernetzung sowie eine unterstützende
erleichtern
diese
Suche,
ebenso
eines Rätsels finden zu lassen, ist deshalb ge-
emotionale und mitmenschliche Atmosphäre.
wiss ein guter Ratschlag fürs Lernen. Geschichten und Zusammenhänge treiben uns um, nicht
Fehler sind wichtig – ohne Angst Fehler machen
Fakten.
dürfen ist für das Lernen des Richtigen zentral.
Denn viele Fehler entstehen gerade, wenn kaum
Das durch die Medienvielfalt so beliebte „Info-
verstandene Regeln blind angewendet werden.
tainment“ regt nur zum neugierigen Konsumieren an, hinterlässt kaum dauerhafte Spuren. Im
Die Lust am Wissen
Unterricht muss „Edutainment“ dafür sorgen,
Unser Gehirn motiviert sich vielfach selbst zum
dass sich die Lernenden aufmerksam mit dem
Lernen. Kinder sind von Natur aus neugierig und
Lerngegenstand beschäftigen, nur so wird nach-
haben Freude an Herausforderungen. Sie fragen
haltiges Lernen ermöglicht. Je aufmerksamer wir
unermüdlich. Sie beschäftigen sich voller Hinga-
uns mit etwas beschäftigen, umso grösser ist die
be mit den Objekten ihrer Entdeckerfreude, sind
Chance, dass wir uns später daran erinnern.
lustig, originell und kreativ. Was machen Schulen falsch, wenn manche Kinder, die sich längst
Sich in ein Thema zu vertiefen, kann schon Ler-
geistvolle Rechentricks beigebracht haben, beim
nen bedeuten. Das Lernen geschieht dabei ge-
Einmaleins versagen; wenn andere, die sich
wissermassen ohne Absicht.
spannende Geschichten ausdenken konnten, im
Aufsatz miese Noten nach Hause bringen; wenn
ihre Begeisterung sich auf alles Mögliche bezieht, doch selten auf die Themen des Unterrichts?
4
lernen lernen
Das Lernen passiert eher nebenbei
Neurobiologen
haben
herausgefunden,
Motivationsdroge im Hirn
dass
Forscher haben mittlerweile die Komponenten
Kinder zwar mit Feuereifer die Welt begreifen
und die Funktion dieses Systems detailliert auf-
möchten, sich aber für das Lernen als solches
geklärt: Tief im Inneren des Grosshirns verbirgt
erst einmal wenig begeistern. Noch weniger,
sich eine Ansammlung von Neuronen, deren
wenn andere es von ihnen erwarten. Überspitzt
„Ausgangskabel“, die Axone, bis in die Gross-
gesagt: Unser Hirn ist so gebaut, dass Lernen
hirnrinde hinter der Stirn, reichen, zum Teil auf
uns kaum interessiert. Was uns aber antreibt,
direktem Wege, zum Teil über eine Zwischensta-
ist, uns selbst und die Welt zu erkunden und zu
tion. An beiden Stellen setzen die Neuronen
begreifen, herausfordernde Aufgaben zu bewäl-
jeweils den chemischen Botenstoff Dopamin frei.
tigen. Und wenn wir dies tun, lernen wir auch nebenbei, gewissermassen. Dies gilt ebenso für
die Erwachsenen, nur ist es diesen schwieriger
beizubringen. „Lernen Sie wie die Kinder“ wäre
ja die richtige Empfehlung.
Wie weckt man Lernmotivation?
Die verbreitete Demotivation hängt mit dem
Grundproblem der Ausbildung zusammen, dass
zuerst Eltern, Gesellschaft und später auch die
Unternehmen vom Einzelnen Verhaltensweisen,
Kenntnisse und Leistungen erwarten, die er nicht
unbedingt von selbst anstrebt. Daraus folgt dann
Problem Nummer zwei: Wie lassen sich Lernende dahin bringen, zu tun, was ihre Ausbildner für
richtig halten? Wie lassen sie sich motivieren?
„Interesse wecken, Lob und Tadel verteilen“,
Wenn das Spass-Signal funkt
lautet das gängige Konzept.
Die genannte Zwischenstation ist ein wichtiges
Lustzentrum. Sie signalisiert den anderen Hirn-
Lehrstoff in kleinen Portionen
teilen: „Das macht Spass!“ Und wenn etwas
Bis vor kurzem galt weithin diese „Verstärker-
Spass macht, dann wird es gelernt und immer
theorie des Lernens“: Wofür ein Lebewesen
wieder angestrebt. Aus dieser Zwischenstation
belohnt wird, das wiederholt es, und wofür es
reichen die Neuronen mit ihren Ästen ebenfalls
bestraft wird, das lässt es sein. Die Zauberfor-
in die Grosshirnrinde und schütten dort hirnei-
mel für das menschliche Lernen schien gefun-
gene Opiate aus, also Moleküle jener Stoffklas-
den: Am besten lernt man, wenn der Stoff, gut
se, zu der auch Drogen wie Opium, Morphium
verdaulich,
und Heroin gehören.
in
kleinen
Portionen
dargeboten
wird. Beherrscht der Lernende eine solche Portion, so gibt's dafür ein Lob; wenn nicht, muss er
Ohne Dopamin kommt keine Freude auf
sich am gleichen Stoff erneut versuchen, bis
Diese Opiate sorgen nicht nur dafür, dass wir als
alles „sitzt“. Das wirkt wirklich, doch nur kurz-
angenehm empfinden, was uns gerade beschäf-
fristig, gleicht es doch eher einer Dressur als
tigt, sondern sie beeinflussen Nervenzellen im
lebensgerechtem
weiss
Grosshirn auch derart, dass diese ihre momen-
man mehr. So hat die moderne Neurobiologie
tane Aktivität fortsetzen und festigen, also ler-
ein weiteres Belohnungssystem entdeckt, und
nen. Das Dopaminsystem scheint vor allem dann
zwar ein hirneigenes. Und dies spielt die wirklich
zu feuern, wenn etwas geschieht, das besser ist
entscheidende Rolle für das Lernen.
als erwartet. Dopamin ist die Substanz der Neu-
Lernen.
Unterdessen
5
lernen lernen
gier und der Suche nach Neuigkeit. Dazu passt,
dass Mangel an diesem Stoff zu allgemeiner
Interesse- und Lustlosigkeit führt. Aus all dem
scheint auf den ersten Blick die pädagogischandragogische Devise zu folgen: „Möglichst viel
loben und unterstützen!“ Allerdings ist zu beachten, dass wer beispielsweise stets die gleichen
guten Lernenden und Studenten lobt, der frustriert den Rest.
Die Kraft des vernetzten Denkens
Besonders effektiv und anhaltend prägen wir uns
Inhalte ein, die in grössere Zusammenhänge
eingebettet sind. Moderne Didaktiken versuchen,
die Kraft der Vernetzung mehr und mehr zu
nutzen – etwa durch Lernen mit allen Sinnen.
Fruchtbares Lernen bedeutet danach nicht, Fakten und Regeln anzuhäufen, sondern das Wissensnetz über die gesuchte Sinnhaftigkeit zu
knüpfen. Nicht die durch die Lehrer mit Lob und
Tadel und durch Prüfungsstress aufgebauten
Das Gelernte nicht vergessen
Der grosse Gedächtnisschwund
Wissensfaktenfriedhöfe bereichern uns wirklich
und machen schlussendlich Intelligenz, Kreativität und Brillanz der vielseitigen Persönlichkeit
Selbst guten Lernenden entschwindet nach Prü-
aus. Nur durch eigenes Forschen, sich Erarbeiten
fungen häufig mehr oder weniger alles, was sie
und
sich fleissig eingeprägt haben. Ist der grosse
erweisen sich als solide, da sie tief im individuel-
Schwund zwangsläufig, da wir Menschen eben
len Wissen verankert und gleichzeitig im ganz
vergesslich sind? Das Gehirn verliert in der Aus-
persönlichen Lernstil und -tempo entstanden
bildung Gelerntes unter anderem deshalb, weil
sind.
Erfahren
konstruierte
Hirnwissensnetze
mit Absolvieren der Prüfung der Kontext, in dem
das angesammelte Wissen einen Zweck hatte,
verschwunden ist. Was folgt daraus? Bestimmt
nicht, dass Lob und Tadel keinen Platz mehr
haben in einer menschengerechten Ausbildung.
Doch viel wichtiger ist die unmittelbare Freude
an sinnvoller Tätigkeit.
Themen müssen faszinieren
Es ist also gut, Lob und Tadel äusserst sparsam
und bedacht austeilen und stattdessen, wo immer möglich, auf die Kraft und Faszination der
Themen zu setzen. Lust und Freude an einem
Thema signalisieren dem Gehirn, ebenso wie Lob
und Tadel, dass sich eine weitere Beschäftigung
lohnt, nur eben nachhaltiger. So kristallisiert
sich heraus, was ein Mensch wichtig findet im
Leben und worum er sich bemüht – letztlich sein
Lebenssinn. Unser Denkorgan arbeitet dabei als
eine Sinnsuch- und Sinnkonstruktionsmaschine.
Welchen Sinn es im Allgemeinen und im Besonderen für sich sucht und konstruiert, hängt von
seinen Erfahrungen ab.
6
Lerntypen
kik business academy
Neuenhoferstrasse 101
5401 Baden
www.kik-business-academy.ch
Impressum
Autoren:
Anton Wagner
Herausgeber:
kik AG / ITS
Layout/Gestaltung:
Daniela von Bergen, kik AG
© kik business academy
lernen lernen
Lerntypen
Lernende Menschen lassen sich danach unter-
Wichtig für das Lernen ist schliesslich auch noch
scheiden, welchen ihrer Sinne sie bevorzugt
das Sprechen. Es liegt irgendwo zwischen Hören
benützen.
und
Tun,
denn
beim Reden höEs gilt also herauszufinden, welcher Lern-
ren wir uns selber
typ jemand ist. Um erfolgreich lernen zu
und
können, ist es hilfreich, den persönlichen
gleichzeitig unse-
Lernstil des Lernenden zu kennen, um
re Lippen. Aller-
dementsprechend den Lernstoff aufzube-
dings
reiten. Man braucht dafür nicht unbedingt
bei den Menschen
einen psychologischen Test um herauszu-
ein
finden, welcher Lerntyp man ist, meist
Lernstil
genügt es, sich selber einmal beim Lernen
nicht
zu beobachten und über seine Lernge-
bestimmen.
wohnheiten nachzudenken.
alle
Menschen
sind
Mischtypen.
bewegen
lässt
bevorzugter
meist
eindeutig
Genau
Die Sinne
Wer von seinen Sinnen das Sehen bevor-
sich
das
Fast
hat
Konfuzius
nun
entdeckt:
beim
Lernen
ist
eine
zugt, braucht Texte zum Lesen, Graphiken zum
Verbindung der verschiedenen Sinne am güns-
Anschauen, braucht Bilder und Illustrationen,
tigsten, ganz unabhängig davon, welcher Typ
um einen Lernstoff zu verstehen. Solche Men-
man ist. Schliesslich sollten wir alle unsere Sinne
schen lernen am besten mit Überblickstafeln,
möglichst auch nutzen.
Übersichten, Lernplakaten. Sie brauchen meist
auch eine schöne Lernumgebung, um sich beim
Nach Forschungen der wissenschaftlichen Psy-
Lernen wohlzufühlen.
chologie wächst also der Lernerfolg, wenn wir
unsere Sinne beim Lernen sinnvoll zusammen-
Wer das Hören bevorzugt, lernt am besten,
arbeiten lassen. Am einfachsten lässt sich das in
wenn er den Lernstoff hören kann, wenn er ihn
einer Tabelle darstellen:
auf Tonbandkassetten spricht, sich selbst den
% des Gelernten
Text laut vorliest oder einem anderen zuhört.
Solche Menschen führen oft Selbstgespräche und
Hören
10 bis 20
fühlen sich durch Geräusche in der Lernumge-
Sehen
15 bis 30
bung schnell gestört.
Hören + Sehen
25 bis 40
Hören + Sehen + Reden
30 bis 70
Hören + Sehen + Reden + Tun
bis 90
Manche Menschen lernen durch das Tun am
leichtesten, also durch Ausprobieren, Rollenspiele, Vorzeigen, Erklären oder in Zusammenarbeit
mit anderen. Typisch für diese Menschen sind
viele Gesten und auch der innere Drang, sich
viel zu bewegen.
1
lernen lernen
Arten des Lernens
Wer lernt, nimmt Informationen über seine Sinnesorgane auf. Über diese Sinnesorgane gelangt
der Lernstoff in das Gedächtnis. Da die einzelnen
Sinnesorgane bei jedem Menschen unterschiedlich beschaffen sind und es gerade beim Lernen
Gewohnheiten und Vorlieben gibt, lernt jedes
Kind und jeder Erwachsene auf seine eigene,
unverwechselbare Art. Kein Mensch ist wie der
andere; kein Mensch lernt wie der andere. Zu
unterschiedlich sind die Interessen, das Tempo
und die Lernvoraussetzungen, als dass es eine
für alle Menschen stimmige Lernmethode geben
könnte.
Suggestopädie - Lehren und Lernen
mit allen Sinnen
Suggestopädie ist eine Lehr- und Lernmethode,
die Lernen mit allen Sinnen ermöglicht. Sie geht
auf den bulgarischen Psychiater Georgi Lozanov
zurück. Lernfördernde Elemente sind der Einsatz
von Musik und Entspannungsübungen, das Einbeziehen des Körpers durch Rollenspiele und
Bewegungsübungen sowie das spielerische Erarbeiten von Lerninhalten. Die unterschiedlichen
Lernkanäle, das Bewusstsein und das Unterbewusstsein
werden
gleichermassen
angespro-
chen. Auf diese Weise ermöglicht suggestopädischer Unterricht jedem Lernenden die zum jeweiligen Lerntyp passende Aufnahme und Ver-
Mehrkanaliges Lernen
Beim Lernen spielen die Sinne eine wichtige
Rolle. Untersuchungen haben ergeben, dass wir
Informationen besser aufnehmen und länger
ankerung von Informationen. Suggestopädie ist
eine sehr individuelle Unterrichtsform. Weil sie
alle Lerntypen gleichermassen anspricht, kann
sie leicht in der Gruppe durchgeführt werden.
behalten, wenn sie uns über mehrere Wahrnehmungskanäle erreichen. Wenn wir etwas nur
hören, haben wir binnen kurzer Zeit etwa 80%
wieder vergessen. Wird ein Text gelesen oder
ein Bild betrachtet, beträgt die Vergessensrate
70%. Wenn wir hören und sehen, wenn wir den
Lernstoff also akustisch und visuell aufnehmen,
können wir uns nach kurzer Zeit immerhin noch
an die Hälfte erinnern.
Dieser Erfolg lässt sich steigern: Wird gleichzeitig hörend, sehend und sprechend gelernt, sinkt
die Vergessensrate auf 30%. Am effektivsten
lernt, wer Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben kombiniert. In diesem Fall werden nur 10%
vergessen oder positiv ausgedrückt: 90% können wieder abgerufen werden, haben also den
Weg ins Gedächtnis gefunden. Reiner Frontalunterricht ist demnach die ungünstigste Unterrichtsform. Unterricht, der viele Sinne mobilisiert, ist dagegen lern-, leistungs- und motivationsfördernd.
2
lernen lernen
Welcher Lerntyp?
Jeder sollte seinen Lerntyp kennen! Wer seinen
Lerntyp kennt und ihn beim Lernen berücksichtigt, kann Informationen schneller und nachhaltiger aufnehmen. Die für das reine Lernen aufgewendete Zeit lässt sich verkürzen und die
Chance, dass man sich im passenden Moment an
das Gelernte erinnert, steigt. Kurz: Wer mehr
über seine Art zu lernen weiss, lernt effektiver.
Am Lernprozess sind viele Sinnesorgane beteiligt, und diesen Sinnesorganen kann jeweils
einer der nachfolgenden Lerntypen zugeordnet
werden.
Auditiver Lerntyp
Motorischer Lerntyp
Der motorische Lerntyp ist ein Anpacker - keiner, der zögert oder lange nachdenkt. Er lässt
sich von seinen Gefühlen leiten und setzt Impulse sofort in Aktionen um. Diese Menschen sind
praktisch veranlagt, bewegen sich gerne und
begreifen auch das Lernen als einen aktiven
Vorgang. Im Unterricht stehen sie bei Versuchen
in der ersten Reihe und legen am liebsten selbst
Hand an. Man erkennt diesen Lerntyp daran,
dass er beim Erzählen auch seine Hände sprechen lässt, überdurchschnittlich lange die Finger
beim Rechnen benutzt und gerne Kaugummi
kaut. Im Kinderzimmer des motorischen Lerners
stehen häufig Modellflugzeuge, Chemiebaukästen oder andere Zeugnisse starker Experimentierfreude.
Der auditive Lerntyp lernt vorwiegend über das
Hören und Sprechen. Man erkennt ihn daran,
dass er beim Lernen die Lippen bewegt oder den
Lernstoff laut vor sich hersagt. Auditiv lernende
Kinder können schon nach kurzer Zeit Hörspielkassetten auswendig wiedergeben. Auch Gedichte und Melodien prägen sich ihnen zur Freude
ihrer Lehrer schnell und dauerhaft ein. Lernende
dieses Lerntyps verfügen über eine gute Auffassungsgabe. Sie hören aufmerksam zu, erzählen
hervorragend nach und können gut kombinieren.
Visueller Lerntyp
Kommunikativer Lerntyp
Der kommunikative Lerntyp ist ein guter Redner
und ein noch besserer Zuhörer. Bei Lehrern ist
er besonders beliebt, weil er den Unterricht aktiv
mitgestaltet. Er neigt dazu, gut durchdachte
Fragen zu stellen und Glaubenssätze zu hinterfragen. Sein sympathisches Wesen kommt auch
bei den MitLernenden gut an: Häufig wird er
zum Klassensprecher gewählt, um Rat gefragt
oder er bringt sich bei Streitigkeiten selbst als
Schlichter ein. Der kommunikative Lerntyp lernt
gerne und gut im Austausch mit anderen. Er hat
Der visuelle Lerntyp verlässt sich auf das, was er
einen grossen Freundeskreis und engagiert sich
sieht. Er nimmt Informationen besser auf, wenn
häufig frühzeitig in der Politik oder im Umwelt-
er ein Bild hat oder sich eines machen kann.
schutz.
Man erkennt visuelle Lerntypen daran, dass sie
sich häufig Notizen machen oder Skizzen anfertigen. Fragt man sie, wo was in ihrem Hefter
steht, müssen sie nicht lange suchen. Diese
Lerntypen können sich gut an Details erinnern.
Sie arbeiten genau und ordentlich. Ihre Sprache
und ihre Träume sind meist bilderreich, farbig
und voller Details. Lesen und Puzzeln zählen zu
ihren Hobbys.
3
lernen lernen
Personenorientierter Lerntyp
Wie lernt jeder Lerntyp am
Der personenorientierte Lerntyp ist in hohem
effektivsten?
Masse auf eine sympathische und fähige Lehrkraft angewiesen. Am liebsten wäre ihm Einzel-
Menschen nehmen Lerninhalte auf unterschiedli-
unterricht. Diese Lernende sitzen gerne in der
chen Wegen auf. Und sie verarbeiten diese In-
Nähe des Pults. Selbst auf dem Pausenhof su-
formationen auf ihre ganz persönliche Art und
chen sie Kontakt zu bestimmten Lehrern. Wenn
Weise.
dieser Lerntyp einen guten Draht zu seiner Lehr-
Umwelteinflüsse und Erfahrungen beeinflussen
kraft hat, lernt er so gut wie alles. Ist das Ver-
unsere Art zu lernen.
Individuell
verschiedene
Erbanlagen,
hältnis zum Lehrer jedoch schlecht, kann er sein
volles Potential nicht entfalten. Der personenori-
Auditiver Lerntyp
entierte Lerntyp neigt zu Leistungsschwankun-
Auditive Lerntypen haben mit reinem Frontalun-
gen und Selbstzweifeln. Er hat wenige oder
terricht
keine Freunde, spielt meist alleine in seinem
Probleme. Sie hören gerne zu
Zimmer und grübelt häufig.
und saugen Informationen mit
am
wenigsten
den Ohren auf. Musik beim
Medienorientierter Lerntyp
Lernen – wovon die meisten
Der medienorientierte Lerntyp lernt gut mit
Lehrer eher abraten - kann
technischen Medien. Im Grunde braucht er keine
der Produktivität des auditiven
Lehrer, ist er doch in der Lage, sich die meisten
Lerners Flügel verleihen. Er
Lehrinhalte von virtuellen Lehrern vermitteln zu
sollte
lassen. Man erkennt diesen Lerntyp an seiner
damit sich Inhalt, Klang und
andauernden Begeisterung für technische Zu-
Melodie des Schulstoffs besser
sammenhänge. Er nutzt audiovisuelle Medien
einprägen. Auch das Aufnehmen von Vokabeln
und den Computer nicht nur zum reinen Spiel,
oder Gedichten mit Hilfe eines Kassettenrekor-
sondern zieht echten Nutzen daraus. Der me-
ders ist empfehlenswert. Lassen Sie Ihr Kind
dienorientierte
diese Aufnahmen in einem entspannten Zustand
einen
Lerntyp
Computer,
hat
schon
Lernprogramme
frühzeitig
und
einen
Videorecorder auf der Wunschliste.
Lerntexte
laut
lesen,
anhören, sprechen Sie möglichst oft über Lerninhalte und nehmen Sie interessante Dokumentationen im Radio auf.
Mischtypen
Soweit die Theorie. In der Praxis treten diese
Visueller Lerntyp
Lerntypen selten isoliert auf. Es gibt eine Viel-
Visuelle Lerntypen verlassen sich beim Lernen in
zahl
grundlegenden
erster Linie auf die Augen. Für sie müssen In-
Lerntypen. Wenn Sie sich oder Ihr Kind in meh-
formationen übersichtlich und optisch anspre-
reren
wiedergefunden
chend aufbereitet sein. Wesentliches sollte mit
haben, gehören auch Sie Mischtypen an. Mit
Textmarkern hervorgehoben werden. Zeichnun-
Schubladendenken wird man gerade in der Pä-
gen oder Skizzen können selbst komplizierte
dagogik niemandem gerecht. Patentrezepte gibt
Textaufgaben einfach erscheinen lassen. Der
es nicht. Und dennoch: Es gibt zu jedem dieser
visuelle Lerner sollte im Unterricht mitschreiben.
Lerntypen Regeln, nach denen die Lehr- und
So schlägt er eine Brücke zwischen dem auditi-
Lernmethoden abgestimmt werden sollten, um
ven, dem motorischen und dem bei ihm beson-
einen maximalen Lerneffekt zu erreichen.
ders stark ausgeprägten visuellen Kanal. Visuelle
von
Verknüpfungen
dieser
der
Beschreibungen
Lerner lesen gerne. Diese Leidenschaft können
Sie mit regelmässigen Besuchen in Büchereien
und Buchhandlungen fördern. Wichtig ist auch
eine ansprechende Lernumgebung: Ein aufge-
4
lernen lernen
räumter Schreibtisch, dem eigenen ästhetischen
ein. Widersprechen Sie. So bringen Sie den
Empfinden entsprechende Wohnaccessoires und
Teilnehmern bei, sich aktiv mit Informationen
genug Platz zum Aufhängen von Lernpostern
auseinanderzusetzen und bestehende Glaubens-
sind ein Muss.
sätze zu hinterfragen.
Motorischer Lerntyp
Personenorientierter Lerntyp
Motorische Lerntypen können nicht mehr als
Personenorientierte Lerntypen sind in besonde-
eine halbe Stunde am Stück am Schreibtisch
rem Masse auf ein gutes Verhältnis zur Lehrkraft
sitzen. Ihr Bewegungsdrang sollte und kann
angewiesen. Häufig schwanken sie zwischen
nicht unterdrückt werden. Besser ist es, die
zwei Extremen: Entweder ist der Lehrer ganz toll
Unruhe in sinnvolle Bahnen zu lenken. So hilft es
oder er ist total blöd. Eltern können ihren Kin-
motorischen Lernern, wenn sie beim Auswendig-
dern helfen, eine allzu negative Haltung gegen-
lernen von einer Zimmerecke in die andere ge-
über
hen. Jeder Schritt kann dabei für ein Wort oder
schlecht über die Lehrer Ihres Kindes, auch
eine Strophe stehen. Das gleichzeitige Ausspre-
wenn Sie Grund zum Klagen haben. Machen Sie
chen der Lerninhalte verbindet den motorischen
deutlich, dass auch Lehrer Launen haben und
mit dem auditiven Kanal. Mancher Stoff lässt
ungerecht sein können, aber dass es sich trotz
sich auch gestisch oder szenisch darstellen oder
allem lohnt, offen und freundlich zu bleiben.
Lehrern
abzubauen:
Reden
Sie
nicht
man probiert zu Hause einfach aus, worüber im
Unterricht gesprochen wurde. Vielen hyperaktiven Kindern ist geholfen, wenn sie während des
Lernens in einer Hängematte schaukeln dürfen.
Medienorientierter Lerntyp
Medienorientierte Lerntypen haben ihr technisches Verständnis mit der Muttermilch aufgesogen. Im Umgang mit dem Computer sind sie
Kommunikativer Lerntyp
geborene Autodidakten. Lernprogramme dürfen
Kommunikative Lerntypen bringen sich gerne
nicht zu einfach sein, denn dieser Lerntyp
aktiv in den Unterricht ein. Sie lernen am liebs-
braucht echte Herausforderungen. Nutzen Sie
ten in einer Gruppe von Gleichgesinnten, mit
neben CD-Roms auch das Internet, Videofilme,
denen sie sich über den zu lernenden Stoff aus-
Fernsehbeiträge, Presseerzeugnisse und Bücher.
tauschen können. Eine gute Lernmethode ist die
Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht verein-
Quizshow:
Lerngruppe
samt. Öffnen Sie Ihr Haus für Klassenkameraden
schreibt Fragen zum aktuellen Lernstoff auf
und Freunde. Regen Sie die Bildung von Arbeits-
Karteikarten. Die Karten, auf denen jeweils im-
gruppen an. Auch dieser Lerntyp ist trotz aller
mer nur eine Frage steht, werden zugedeckt auf
Liebe zu Medien ein soziales Wesen.
Jedes
Mitglied
der
den Tisch gelegt.
Jeder Mitspieler zieht reihum eine Karte und
versucht, eine möglichst gute Antwort zu
finden. Kann die Frage ohne jegliche Hilfen
beantwortet werden, gibt es zwei Punkte;
muss
nachgeschlagen
werden,
nur
einen.
Falsche oder keine Antworten schlagen mit
null Punkten zu Buche. Der Gewinner darf
bestimmen,
wer
das
nächste
Treffen
ausrichtet. Wenn Sie mit Ihrem Kind alleine
sind, sollten Sie möglichst oft das Gespräch
suchen. Nehmen Sie bei gesellschaftlichen
Themen ab und zu eine provozierende Haltung
5
lernen lernen
Lerntypen-Test
Dieser Test gibt Aufschluss, wie Sie am besten lernen!
Wie lerne ich am besten? Was ist die beste Lerntechnik? Diese Fragen haben sich Lernende
schon oft gestellt und es ist gar nicht so leicht, eine Antwort darauf zu finden. Aber es gibt
einige Hinweise, wie diese Antwort lauten kann, denn Menschen unterscheiden sich beim
Gebrauch ihrer Sinnesorgane und der Verarbeitung von Lernstoff im Gehirn deutlich voneinander. Diese Unterschiede kann man auf persönliche Merkmale, Gewohnheiten und bisherige
Erfahrungen zurückführen.
Das Wissen um solche Unterschiede ist deshalb von Bedeutung für das Lernen, weil sich
manche Menschen mit einer Lerntechnik plagen, die für sie nicht unbedingt die günstigste
ist. Weiss man aber, mit welcher Methode einem das Lernen leichter fällt, kann man versuchen, diese gezielt häufiger einzusetzen, um so rascher und effizienter zum Erfolg zu finden.
Wählen Sie bei den folgenden zehn Fragen immer jene zwei Antworten aus, die für Sie am
ehesten zutreffen. Achten Sie bitte darauf, dass Sie bei jeder Frage nur zwei Antworten anstreichen, also immer zwei Antworten mit einem Kreuzchen versehen sind!
Die Auswertungen werden wir dann für Sie vornehmen und Ihnen zustellen.
Auf gutes Lernen!
6
lernen lernen
1
Sie besuchen in einer fremden Stadt einen Freund. Er kann Sie aber nicht am Bahnhof abholen
und Sie müssen selbst den Weg zu ihm finden. Am meisten helfen würde Ihnen
†
ein Stadtplan, den Sie sich am Kiosk kaufen
†
ein freundlicher Mensch, der Sie begleitet
†
die genaue Beschreibung des Weges im letzten Brief des Freundes
†
die genaue Erklärung des Weges durch einen Ortskundigen
2
Sie sind nicht ganz sicher, ob man korrekt "parallel", "paralell oder "parallell" schreibt. Sie
würden
†
das Wörterbuch aus dem Büchergestell holen und darin nachschlagen,
†
die Augen schliessen und sich das geschriebene Wort im Schriftbild vorstellen,
†
Sich den Klang des Wortes vorstellen und es ein paar Mal aussprechen,
†
das Wort blind und rasch auf ein Blatt Papier schreiben, ohne zu denken.
3
Sie haben im Kurs das Thema für eine Projektarbeit, einen Businessplan zu schreiben, erfahren. Sie möchten Ihre Kollegin, die gefehlt hat, darüber informieren. Sie würden
†
sie sofort anrufen und ihr alles am Telefon erzählen
†
ihr ein E-Mail mit der genauen Beschreibung der Aufgabe schicken
†
ihr die Projektaufgabe anhand eines Beispiels zeigen
†
ihr bei einem Treffen mitteilen, wie man bei dieser Projektarbeit profitieren kann
4
Sie planen für Ihr Geburtstagsfest, zu dem Sie viele Ihrer Freunde einladen möchten, eine besonderes Dessert. Sie würden
†
etwas Ihnen gut Bekanntes, das sicher gelingt, ohne Kochbuch zubereiten
†
ein bebildertes Kochbuch durchblättern und sich anregen lassen
†
Freunde anrufen und sie nach ihren Lieblingsdesserts fragen
†
alle Rezepte in einem Ihrer Kochbücher genau durchlesen, um zu entscheiden
5
Sie sollen mit Kurskollegen eine Zoobesichtigung planen. Sie würden
†
vorher hinfahren und sich vor Ort umschauen
†
sich einen bebilderten Prospekt mit einem Plan besorgen
†
ein spannendes Buch über die Tiere lesen, die es in diesem Zoo gibt
†
jemanden aus dem Tierpark anrufen und sich beraten lassen
6
Sie möchten sich eine neue Musikanlage für Ihr Wohnzimmer anschaffen. Was würde Ihre
Entscheidung am meisten beeinflussen?
†
was Ihnen der Verkäufer darüber erzählt hat
†
die Informationen in der Beschreibung der Geräte
†
selber im Verkaufsgeschäft mit den Knöpfen an der Anlage probieren zu können
†
dass die Anlage zu Ihrer Wohnungseinrichtung passt und gut aussieht
7
lernen lernen
7
Stellen Sie sich vor, ein Ausserirdischer fragt Sie, wie eine moderne Kaffeemaschine funktioniert. Wie erklären Sie die Maschine?
†
Sie zeichnen die Maschine auf ein Blatt und erklären ihm die wichtigsten Teile
†
Sie gehen mit ihm anhand der schriftlichen Betriebsanleitung den Ablauf Schritt für Schritt durch
†
Sie erklären ihm mit einfachen Worten detailliert den Ablauf des Kaffeekochens
†
Sie kochen Kaffee für ihn und lassen ihn dann die Maschine ausprobieren
8
Sie möchten, dass Sie eine Bekannte aus der gleichen Stadt, die den Weg zu Ihnen nicht kennt,
besucht. Sie würden
†
ihr die Kopie eines Stadtplans mit eingezeichnetem Weg schicken
†
ihr am Telefon eine genaue Beschreibung des Weges geben
†
sie von ihrer Wohnung abholen
†
ihr ein SMS oder E-Mail mit einer genauen Beschreibung schicken
9
Sie möchten sich ein neues Fachbuch für einen Kurs kaufen, aber die Auswahl ist gross. Was
würde Ihre Auswahl am meisten beeinflussen?
†
das Fachbuch zur Probe zu haben und einige Zeit benutzen zu können
†
die mündliche Empfehlung durch den Buchhändler
†
das genaue Durchlesen von einzelnen Stichwörtern und des Inhaltsverzeichnisses
†
dass es eine übersichtliche und mit Bildern unterstützte Darstellung hat
10
Sie bevorzugen Dozenten und Fachlehrer, die beim Unterricht vorwiegend
†
Arbeitspapiere und Lehrbücher einsetzen, weil man alles nachlesen kann
†
Projekttage oder Besichtigungen durchführen, da man hier den Stoff miterlebt
†
Powerpoints, Filme und Folien verwenden, weil Bilder alles anschaulicher machen
†
mit der Kursklasse diskutieren, weil man dann Unklarheiten besser klären kann
Kurs
(genaue Bezeichnung)
____________________________________________________________________
Vorname, Name
____________________________________________________________________
Geschlecht
Ihr Alter
† männlich
† weiblich
† 21 bis 25 Jahre
† 26 bis 30 Jahre
† 31 bis 40 Jahre
† 41 bis 50 Jahre
† 51 bis 60 Jahre
† Berufsschule, Berufsdiplom
Ihre Vorbildung
† Kaufmännische Schule, Betriebswirtschaft
† Matura, Berufsmaturität, Bac
† Universität, Fachhochschule, Master
berufliche Tätigkeit
(genaue Bezeichnung)
_________________________________________________________
8
lernen lernen
5.5.1
Übersicht Lerntypen
Auditiver Lerntyp
Sinnesmodalität
hören und sprechen
Erkennungsmerkmale
bewegt beim Lernen die Lippen
oder sagt den Lernstoff laut vor
sich her
Mögliche Verhaltensausprägungen
• gute Auffassungsgabe, kann schon nach
kurzer Zeit Hörspiele, Gedichte und Melodien auswendig wiedergeben
• kann aufmerksam zuhören,
• hervorragend nacherzählen,
• gut kombinieren
Visueller Lerntyp
Sinnesmodalität
sehen
Erkennungsmerkmale
macht häufig Notizen oder fertigt
gerne Skizzen an
Mögliche Verhaltensausprägungen
•
•
•
•
verlässt sich auf das, was er sieht
kann sich gut an Details erinnern
arbeitet genau und ordentlich
Sprache und Träume sind meist bilderreich, farbig und voller Details
• pflegt Lesen und Puzzlen als Hobbys
Motorischer Lerntyp
Sinnesmodalität
praktisches tun und sich
bewegen
Erkennungsmerkmale
bewegt sich gerne und begreift
Lernen als einen aktiven Vorgang
Mögliche Verhaltensausprägungen
• lässt sich von Gefühlen leiten und setzt
Impulse sofort in Aktionen um
• lässt beim Erzählen auch seine Hände
sprechen, benutzt beim Rechnen oft und
lange die Finger
Kommunikativer Lerntyp
Sinnesmodalität
sprachlich kommunizieren,
reden
Erkennungsmerkmale
ist ein guter Redner und ein noch
besserer Zuhörer
Mögliche Verhaltensausprägungen
•
•
•
•
gestaltet den Unterricht oft aktiv mit
lernt gerne mit anderen
hat einen grossen Freundeskreis
engagiert sich häufig frühzeitig in der Politik oder im Umweltschutz.
Personenorientierter Lerntyp
Sinnesmodalität
positive Beziehung gestalten
Erkennungsmerkmale
ist ein guter Redner und ein noch
besserer Zuhörer
Mögliche Verhaltensausprägungen
• ist auf sympathische und fähige Lehrkraft
angewiesen
• neigt zu Leistungsschwankungen und
Selbstzweifeln
• hat wenige oder keine Freunde
• spielt meist alleine, grübelt häufig
Medienorientierter Lerntyp
Sinnesmodalität
lernt gut mit technischen
Medien
Erkennungsmerkmale
andauernde Begeisterung für
technische Zusammenhänge
Mögliche Verhaltensausprägungen
• nutzt audiovisuelle Medien und den Computer nicht nur zum reinen Spiel, sondern
zieht echten Nutzen daraus
• kann sich die meisten Lehrinhalte von
virtuellen Lehrern vermitteln lassen
• hat schon frühzeitig einen Computer, Lernprogramme und einen Videorecorder auf
der Wunschliste.
9
lernen lernen
5.6
Lern-Checkliste
Unser Hirn lernt nur dann leicht, wenn
•
es eine unmittelbare Notwendigkeit für den Lernprozess feststellt
•
der Lernvorgang nicht durch wichtigere lebensnotwendige Anforderungen gestört
bzw. überdeckt wird
•
die Lernprozesse nicht zu grosse Verhaltensänderungen bewirken wollen
•
kurzfristig hoher Lustgewinn in Aussicht steht
•
das Lernen nicht von anderen, als primär eingestuften Vorgängen ablenkt
•
der Lernvorgang keine Aggressionen beim Lernenden hervorruft
•
der Lernvorgang eine deutliche Belohnung verspricht
Wichtige Lernvoraussetzungen
•
Entspannung durch spezifische Übungen, Atemschulung
•
Auflösen alter Stressprogramme und Lernbarrieren
•
Körpersynchronisation durch besonders ausgewählte Musik
•
angenehme Lernatmosphäre, anregendes Umfeld
•
mehrfache Wiederholung der Übungen, passiv und aktiv
•
gutes Lernmaterial und sorgfältig angefertigte spezifische Spiele
•
positive Gemeinschaftserlebnisse um den Lerninhalt
10
Lernpraxis
kik business academy
Neuenhoferstrasse 101
5401 Baden
www.kik-business-academy.ch
Impressum
Autoren:
Anton Wagner
Herausgeber:
kik AG / ITS
Layout/Gestaltung:
Daniela von Bergen, kik AG
© kik business academy
lernen lernen
Lernpraxis
Eine gute Aufzeichnung ist wie ein guter Fleisch-
Die Mitschrift
extrakt: Isoliert ist sie ungeniessbar, aber auf-
Warum überhaupt mitschreiben?
gefüllt mit den eigenen Erinnerungsspuren und
In einer Doppelstunde sagt ein Lehrer, den man
dem vorhandenen Wissensbestand ergibt sich im
nicht unterbricht, zwischen 5.000 und 9.000
Idealfall wieder das Ausgangsprodukt. Wer die
Wörter, führt höchstens zwei Dutzend neue
Aufzeichnungen selbst erstellt hat, muss mit
Tatsachen ein und versucht, vielleicht ein halbes
ihrer Hilfe bei Bedarf den ursprünglichen Text
Dutzend Kerngedanken zu vermitteln. Der Rest
ausreichend
sind
können.
Erläuterungen,
Beispiele,
Veranschauli-
detailliert
wieder
rekonstruieren
chungen, Wiederholungen, sprachliches Füllmaterial, auch missglückte Formulierungen, Floskeln,
weitergespon-
nene Gedanken und
"Anfänger" tun sich hier oft schwer und machen
typische Fehler:
•
sicher auch manches
Überflüssige.
sie benutzen gebundene Hefte, in die
sich nichts nachtragen lässt;
•
sie verwenden ungeeignete Papierformate (schlecht archivierbar!);
Für
diese
den
Lehrer
Mischung
ist
gar
•
ungegliedert (sie wandern schnell in
nicht schwer, denn er
den Papierkorb);
hat (hoffentlich) eine
klare Struktur seiner
•
sie schreiben alles mit, verstehen in
Wirklichkeit überhaupt nichts und ver-
Stunde vor Augen. Er
gessen später alles;
weiss zu jeder Zeit, was Kernsätze sind und was
Abschweifungen. Für den Lernenden ist das
ihre Notizen sind unübersichtlich und
•
sie schreiben nichts mit, verstehen an-
natürlich anders, so dass es kommt, dass er
scheinend
alles
manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht
ebenfalls nichts.
und
wissen
später
sieht.
Das Ziel kann nicht sein kann, ständig mitzuEin Fach jedoch, in dem man auf Dauer "über-
schreiben, denn zu viel hält vom Mithören und
haupt nichts mitbekommt", gibt es nicht. Die
Mitreden ab. Viele Schülerinnen und Schüler
entscheidende Frage, die man nur für sich selbst
aber haben von sich aus gar keine Neigung,
beantworten kann, ist vielmehr, wie viel Energie
überhaupt etwas mitzuschreiben - und das ist
man zu investieren bereit ist, um auf Dauer
der sicherste Weg, den Unterricht wie eine Ne-
"etwas mitzubekommen". Wichtig ist dabei in
belbank an sich vorüberziehen zu lassen.
jedem Fall, die Zusammenhänge dessen zu
erkennen, was man lernen will, soll oder muss.
Um etwas zu lernen, muss das Gehirn es fixie-
Dass Mitschriften eine Hilfe gerade beim Über-
ren, und da das Gehirn neuen Lernstoff meistens
brücken
natürlich
nicht sofort codiert, muss man es zu Papier
auch langfristig gesehen fachlich wertvoll sein
bringen, um es später nochmals zu verarbeiten
können, zeigt das folgende Schaubild. Man muss
(memorieren). Wer das Geschehen nicht für sich
es links oben beginnen und dann im Uhrzeiger-
festhält, für den ist es verloren. Es bleibt nur
sinn lesen:
eine vage Erinnerung, die zum genauen Merken
von
"Durststrecken",
aber
kaum mehr taugt, und zum wiederholenden
Beim Mitschreiben ist das Endprodukt eigentlich
Lernen (z.B. als Vorbereitung auf Prüfungen)
gar nicht wichtig. Es hat nur einen Sinn, wenn es
überhaupt nicht!
den Vorgang des Strukturierens unterstützt.
1
lernen lernen
Kontinuierliches Mitschreiben dagegen ermög-
•
Thema der Stunde
licht im Laufe der Zeit den Aufbau einer Kartei,
Die Benennung des Themas hilft erken-
die im Folgenden eine Fülle von Aufgaben wahr-
nen, worum es in der Stunde geht. Das
nehmen kann.
erleichtert die Auswahl dessen, was
man in der Stunde ins Heft einträgt und
Zwei Verfahren des Mitschreibens
was
später
zu
Hause
-
bei
den
Hausaufgaben oder bei der Vorberei-
Im Folgenden stelle ich zwei Verfahren der Un-
tung einer Klassenarbeit - wiederholt
terrichtsmitschrift vor. Das Erste ist die traditio-
werden muss. Einer Unterrichtsstunde
nelle Methode des "linearen Mitschreibens", die
kann man besser folgen, wenn man
man an Schulen und Universitäten meistens
weiss, worauf der Unterricht hinaus-
kennen lernt und praktiziert. Ich selbst habe
läuft. Meistens sagen Lehrer das Thema
bislang fast ausschliesslich damit gearbeitet. Das
der Stunde nicht an. Man kann aber
zweite Verfahren („Mind Map“) richtet sich an
seinen Lehrer darum bitten, es in Zu-
eher visuelle Lernertypen. Seitdem ich diese
kunft zu tun, damit die Klasse besser
Methode kenne, bemühe ich mich bewusst,
im Bilde und damit besser bei der Sa-
damit zu arbeiten, auch im Unterricht, denn mit
che ist.
ihr scheint es möglich, grossen Lernstoff auf
wenig Raum so zu verschlüsseln, dass das Gehirn ihn sich gut und lange merken kann.
•
Tafelmitschrift und/oder Lehrerdiktat
Dies ist der entscheidende Teil der
Beide Verfahren schliessen einander aber nicht
Stundenmitschrift. Hier erscheint, was
aus. Es müsste problemlos gelingen, die eine
Wichtiges an der Tafel steht oder was
Mitschrift auch nachträglich noch in die andere
der Lehrer ausdrücklich diktiert. Wenn
zu "übersetzen".
der Lehrer nicht von sich aus sagt, was
mitgeschrieben soll, sollte man nach-
a. Die lineare Mitschrift
fragen. Viele Lehrer (mich eingeschlos-
Hier kann ich mir eine "Einführung" - anders als
sen) sind von der Schülerfrage "Sollen
bei der Mind-Map- Technik - sparen, denn die
wir das mitschreiben?" oft genervt, a-
meisten schreiben "linear" mit, d.h. zeilenorien-
ber dies ist eigentlich eine der wichtigs-
tiert von oben nach unten.
ten Schülerfragen überhaupt. Denn sie
ist Ausdruck dafür, dass die Schüler
Grundregeln
wirklich
Zur übersichtlichen Mitschrift gehören die folDatum der Stunde
•
Thema der Stunde
•
Tafelmitschrift und/oder Lehrerdiktat
•
Hausaufgaben
•
Korrektur
•
Randsymbole zur Markierung von Besonderheiten
•
Wichtige
mitbekommen
wollen.
genden Teile:
•
das
•
Randsymbole
Mit kleinen Symbolen am Rande lassen
sich wichtige Informationen über den
Unterricht und den Lernstoff schnell
und sicher anbringen. Solche Symbole
können sein:
Das Datum
Das Datum dient als Anhaltspunkt dafür, wann ein bestimmtes Thema behandelt wurde. Es ist eine Erinnerungsstütze.
2
lernen lernen
Ich habe den Stoff
verstanden.
Nicht begriffen.
Nachfragen!
Beispielsätze,
Beispielrechnungen
Hier ist mir ein Licht
aufgegangen!
Sehr wichtiger Stoff!
Definition
Zusammenfassung
Hier ergab sich eine
Diskussion.
Hausaufgabe
Es empfehlen sich auch Strich-Punkt-Männchen. Etwa so:
Hat Spass
gemacht!
war langweilig;
automatisch erledigt
Weitere Tipps
konnte die Aufgabe nicht gut
•
Keine wörtliche Mitschrift! Stattdessen:
•
gleichbedeutende
Querverweise,
•
Besonderheiten
usw.
•
Kerngedanken zusammenfassen; dabei
evtl. Lehrbuch zu Hilfe nehmen
Die wichtigen Begriffe auch grafisch-
•
von Zeit zu Zeit eigene Aufzeichnungen
optisch deutlich hervorheben und die
mit denen anderer vergleichen: Vorzü-
Zusammenhänge zwischen ihnen sicht-
ge? Nachteile?
bar werden lassen
•
Auslassungen oder Lücken in der Mitschrift zu füllen versuchen
Begriffe,
diesen Hauptpunkten unterordnen
•
Berichtigen
de in Problemfächern"
Wichtige Punkte, neue Begriffe, 'Über-
Beispiele,
Ergänzen,
und Verbessern von Mitschriften, gera-
schriften' in Stichworten
•
Nachträgliches
war schwer,
hab's aber
gepackt!
•
Übersichtlich schreiben, unterschiedli-
Sehr wirkungsvoll: Testfragen formulieren!
che Wichtigkeit durch unterschiedliche
Schriftgrösse verdeutlichen, unterstreichen, farbig markieren
•
Zusammenhänge
strukturieren
in
grafischer
(Tabelle,
Form
Ablaufdia-
gramm)
3
lernen lernen
b. Die Mind-Map-Technik
Die Grundregeln der Mind-Map-Technik
Wenn jemand ein Buch beschreibt, das er gele-
1.
Man beginnt mit einem farbigen Bild in
sen hat, oder einen Ort, an dem er gewesen ist,
der Mitte. Denn "ein Bild sagt mehr als
liest er nicht aus dem Gedächtnis ab. Er gibt
tausend Worte"; es regt kreatives Den-
vielmehr nach Schlüsselbegriffen eine Übersicht,
ken an und prägt sich dem Gedächtnis
indem er die Hauptpersonen charakterisiert, die
besonders gut ein.
Umstände und Ereignisse berichtet und Detail-
2.
beschreibungen einfügt. In entsprechender Wei-
Map einfügen. Aus denselben Gründen
se bringt das Schlüsselwort oder die Schlüssel-
wie in Regel 1 und um alle Gehirnpro-
phrase ganze Erfahrungs- und Empfindungsreihen zurück. Man denke zum Beispiel an die
Vorstellungsreihe, die im Geist ausgelöst wird,
Auch sonst kann man Bilder in die Mind
zesse zu stimulieren.
3.
Die Wörter sollten in Druckschrift mit
Grossbuchstaben geschrieben werden.
wenn man das Wort "Kind" liest.
Beim Nachlesen gibt die Druckschrift
ein
fotografischeres,
unmittelbareres
und verständlicheres Bild. Die für diese
Schriftart
aufzuwendende
zusätzliche
Zeit wird durch die Zeitersparnis bei der
Auswertung mehr als wettgemacht.
4.
Die Wörter sollten auf Linien geschrieben und jede Linie mit anderen Linien
verbunden
sein.
Dadurch
wird
die
Grundstruktur der Mind Map deutlich.
5.
Wörter sollten in Einheiten angeordnet
sein, ein Wort je Linie. Das lässt für jedes Wort mehrere offene "Haken" und
gibt den Aufzeichnungen mehr Freiheit
Da wir es gewohnt sind, uns am gesprochenen
und Flexibilität.
und geschriebenen Wort zu orientieren, haben
wir angenommen, dass die normale Satzstruktur
6.
Man verwendet durchgängig Farben.
der beste Weg sei, sich an verbale Bilder und
Sie erhöhen die Übersichtlichkeit und
Ideen zu erinnern.
lassen die Zusammenhänge deutlicher
erkennen.
Daher machen die meisten Schüler und Studen-
7.
Bei kreativen Tätigkeiten dieser Art soll-
ten ihre Aufzeichnungen in linearer Form. Neue
te der Geist möglichst "frei" gehalten
Erkenntnisse
zwischen
werden. Jedes "Nachdenken" darüber,
Schlüsselbegriffen und Erinnerung zeigen aber,
wohin Dinge gehören oder ob sie über-
dass bei dem linearen Aufzeichnungstyp 90
haupt eingebracht werden sollen, wird
Prozent der Wörter für Erinnerungszwecke unnö-
den Prozess verlangsamen. Man sollte
tig sind.
alles, woran man im Zusammenhang
über
die
Beziehung
mit der Zentralidee denkt, festhalten.
Wie können wir nun das Phänomen der Schlüsselerinnerung für die Gestaltung unserer Aufzeichnungen nutzbar machen?
4
lernen lernen
Beide Verfahren im Vergleich
Dagegen bietet eine Mind Map eine Reihe von
Aus der Sicht der Mind-Map-Technik fällt die
Vorteilen gegenüber den linearen Aufzeich-
Kritik am linearen Verfahren vernichtend aus:
nungsformen:
1.
Es wird Zeit damit vergeudet, Wörter
1.
niederzuschreiben, die keinen Wert für
das Gedächtnis haben.
2.
3.
2.
unnötigen Wörter wieder zu lesen.
Ideen befinden sich in der Nähe des
Es wird Zeit damit vergeudet, nach den
Zentrums,
Wörtern zu suchen, die Schlüsselfunkti-
Randzonen.
3.
Die
weniger
Verknüpfungen
wichtige
in
zwischen
den
den
nicht hervorgehoben und vermischen
Schlüsselbegriffen werden durch ihre
sich daher mit anderen, für die Erinne-
Linienverbindungen leicht erkennbar.
4.
Als Ergebnis werden Erinnerungspro-
Die Verbindungen zwischen den Schlüs-
zess und Wiederholungstechnik effekti-
selwörtern
ver und schneller.
werden
durch
trennende
Wörter unterbrochen. Wir wissen, dass
5.
Die Art der Struktur erlaubt es, neue
das Gedächtnis auf Assoziation beruht.
Informationen
Jede Einfügung von erinnerungsneutra-
Übersichtlichkeit störende Streichungen
len Wörtern wird daher die Verbindun-
und eingezwängte Nachträge unterzu-
gen lockern.
bringen.
Die Schlüsselwörter werden durch die
6.
leicht
und
ohne
die
Jede Mind Map ist von jeder anderen
Einschaltungen zeitlich getrennt. Nach-
nach Form und Inhalt deutlich unter-
dem man ein Schlüsselwort gelesen
schieden. Das ist für die Erinnerung
hat, wird es mindestens einige Sekun-
hilfreich.
den dauern, bis man zum nächsten
Schlüsselwort kommt. Je grösser der
zeitliche Abstand zwischen den Schlüsselwörtern ist, umso geringer ist die
Chance, die korrekte Verknüpfung herzustellen.
6.
Die relative Bedeutung jeder Idee tritt
sinnfälliger in Erscheinung. Wichtigere
rung irrelevanten Wörtern.
5.
cher herausgestellt.
Es wird Zeit damit vergeudet, dieselben
on haben, denn sie werden gewöhnlich
4.
Die Zentral- oder Hauptidee wird deutli-
7.
Im kreativen Bereich des Aufzeichnens,
etwa bei der Vorbereitung von Aufsätzen und Reden, erleichtert es das nach
allen Seiten offene Mind-Map-Schema,
neue Ideenverknüpfungen herzustellen.
Die Schlüsselwörter werden räumlich
Man muss sich seine eigene Meinung bilden; das
getrennt. Wie beim zeitlichen Abstand
gelingt natürlich am besten, wenn man beide
gilt: Je grösser die Entfernung, umso
Methoden einmal ernsthaft ausprobiert – und
geringer ist die Chance einer korrekten
das heisst: wenn man sich überwindet, über-
Verbindung.
haupt mitzuschreiben!
5
lernen lernen
Das TQ3L-Verfahren zur Mitarbeit
Die Mitarbeit
Die meisten Rahmenrichtlinien verlangen heute
von den Schülerinnen und Schüler nicht nur ein
rezeptives
Lernen,
son-
Was kann ich denn nun aber persönlich und
ganz konkret tun? Gibt es dafür auch eine Technik? Ja und nein. Mitarbeit hat ganz entscheidend mit der eigenen inneren
dern eine aktive Teilnahme
am
Einstellung zum Unterricht zu
Unterrichtsge-
tun.
schehen. Die Zeugnis- und
Versetzungsnoten
setzen
gungen
sich oft zu gleichen Teilen
eventuell Tests). Der Mitarbeit, dem aktiven
Lernen, kommt also ein hoher Stellenwert zu.
Aktives Lernen und seine Vorzüge
Aktiv lernen heisst:
richt zu Erfolgserlebnissen. Ich versuche, meine
Aufnahmebereitschaft mit der Methode TQ3L zu
erhöhen und dadurch aktiv zu lernen:
Tune-In: Ich stimme mich auf das nun
kommende Fach (positiv) ein.
•
Question: Ich formuliere neugierige
zielbewusste Teilnahme am Unterricht
Fragen zum voraussichtlichen Stunden-
durch Zuhören, Mitdenken, Mitreden
thema und stimuliere dadurch mein In-
und Mitschreiben.
teresse.
•
Look at the speaker: Ich schaue den
Lehrer an, damit mir Hervorhebungen
•
Die Aufnahmebereitschaft wird erhöht.
•
Die Verknüpfung neuer Lerninhalte mit
(Gestik!) nicht entgehen.
•
Listen: Ich höre genau hin; auch durch
bereits bekannten Vorstellungen und
die Stimme macht der Lehrer Hervor-
Erfahrungen gelingt leichter. Dadurch
hebungen, die ich für die Mitschrift nut-
wird die Behaltensquote erhöht
zen kann.
Aktives Lernen erspart Zeit, die z.B.
beim
•
gelingt
Einstellung zum und der Beteiligung am Unter-
•
Vorzüge:
•
anzukämpfen
Oft verhilft nämlich ein Wechsel in der inneren
innere und äussere Selbstbeteiligung
am Lernprozess
•
Abnei-
ankommen lassen.
zusam-
men (mündliche Mitarbeit + Hausaufgaben +
•
Mitteln
innere
Versuch kann man es ja einmal
tungen und den "sonstiLeistungen
technischen
heftige
so gut wie nie. Aber auf einen
aus den schriftlichen Leisgen"
Mit
gegen
Anfertigen
von
•
Look over: Von Zeit zu Zeit überdenke
Hausaufgaben
ich das Gehörte: Ist ein roter Faden
bzw. bei der Vorbereitung von Klassen-
noch erkennbar, oder verstehe ich nicht
arbeiten,
Prüfungen
mehr, was ich höre? Wenn ich mich
gewonnen wird. Rein körperliche Anwe-
langweile, versuche ich vorauszuden-
senheit reicht nicht.
ken. Wenn ich anderer Meinung bin,
Das Lernklima bessert sich. Nicht nur,
sammle ich Gegenargumente und no-
dass der Lehrer oder die Lehrerin lieber
tiere sie.
Klausuren
oder
in eine Klasse geht, die "mitzieht"; auch
die Motivation innerhalb der Gruppe
Ich lerne so auf die Dauer, im Unterricht Wichti-
lässt sich durch aktive Mitarbeit stär-
ges von Unwichtigerem zu unterscheiden und
ken.
meine Konzentration bei weniger
Wichtigem
zurückzunehmen, ohne den roten Faden zu
verlieren.
6
lernen lernen
Umgang mit Vokabeln
•
Den Zettel nehmen,
•
die Frage lesen,
Teile die zu lernenden Vokabeln in Blö-
•
die Antwort überlegen,
cke zu je 6 oder 7 Vokabeln auf.
•
Zettel drehen und die gedachte Antwort
Allgemeine Grundsätze
•
•
Gelernt wird dann täglich so:
überprüfen,
Lerne den ersten Vokabelblock. Lasse
dir dabei für jede Vokabel mindestens
•
Zettel ablegen.
eine Minute lang Zeit. Stelle dir die Vokabel möglichst intensiv vor, als Gegenstand, als Handlung, als Höreindruck ...
•
Mache anschliessend eine ganze Weile
lang etwas anderes, z.B. einen Aufsatz
schreiben, Matheaufgaben, einen Text
für Geschichte lesen...
•
•
Mit Hilfe der Lernkartei kann man dich also immer selbst abhören. Du allein entscheidest, wie
lange du überlegst, bevor du die Karte umdrehst
und wie viele Karten du hintereinander bearbeitest. Und du allein entscheidest auch, ob du die
Antwort noch als "richtig" gelten lässt oder als
"falsch" werten musst. Am Anfang fällt es einem
vielleicht schwer, eine fast richtige Antwort als
Lerne anschliessend den nächsten Vo-
"falsch" einzuordnen. Und es macht auch gar
kabelblock. Mache wieder Pause usw.
nichts, wenn man zu Beginn etwas grosszügig ist
Mehr als 30 Vokabeln am Tag zu lernen
und sich darüber freut, wie viele Kärtchen man
ist Unsinn.
richtig beantwortet hat.
Das Lernen mit dem 5-Fächer-
Und so geht es los:
Lernkartei-Kasten
Alle neuen Kärtchen kommen in Fach 1. Wenn
Der Lernkartei-Kasten ist eine einfache „Lernmaschine“. Mit ihm kann man fast alles lernen, was
von der Grundschule bis zum Gymnasium, während der Berufsausbildung oder in der Universität gelernt werden muss. Denn alles, was man
lernen möchte, schreibt man auf kleine Zettel:
man sie am nächsten Tag kontrolliert (Frage
lesen, Antwort überlegen, Karte drehen und
Antwort überprüfen, Karte ablegen), dann kann
die gedachte Antwort richtig oder falsch gewesen sein.
•
Fach 2.
Auf die Vorderseite die Frage und auf die Rückseite die Antwort. Bei Vokabeln ist es aber oft
•
wichtig, nicht nur die einzelne Vokabel aufzuschreiben, sondern einen zusammenhängenden
Bei richtig wandert die Karte weiter in
Bei falsch steckt man die Karte wieder
in Fach 1.
•
Fach 2 wird erst dann bearbeitet, wenn
Satz, aus dem der genaue Sinn des Wortes
es fast voll ist! Dann stecken schon eine
ersichtlich ist.
ganze Menge Kärtchen drin.
Wenn man sich jetzt diese Kärtchen vornimmt,
geht man so vor wie bei Fach 1:
•
Bei richtig kommen die Kärtchen ins
nächste Fach (3).
•
Bei falsch kommen die Kärtchen zurück
in Fach 1.
Jetzt fällt auch auf, dass es dir nicht viel hilft,
wenn du am Anfang grosszügig warst. Denn
wenn du nicht genau die richtige Antwort gewusst hast, dann merkst du es spätestens jetzt:
7
lernen lernen
Das Kärtchen wandert zurück in Fach 1 – und
Der Grund dafür hängt mit der Art und Weise
muss dann doch wieder gelernt werden – das
zusammen, wie unser Gedächtnis funktioniert.
schadet aber auch nichts!
Da jedes Fach (bis auf das Erste) erst dann
bearbeitet wird, wenn es voll ist, wiederholen wir
Fach 1 wird jeden Tag wiederholt.
den Stoff in immer länger werdenden Zeitab-
JEDEN TAG!
ständen, denn da die Fächer immer länger werden, dauert es auch immer länger, bis ein Fach
Also noch einmal das Prinzip:
mit den vorher richtig beantworteten Karten
•
Neue Kärtchen kommen in Fach 1.
•
Fach 1 wird jeden Tag bearbeitet.
•
War die Antwort richtig, wandert das
Kärtchen in das nächste Fach.
•
gefüllt ist.
Dadurch wird der Lernstoff auf den Kärtchen
immer dann in unserem Kopf wieder verstärkt,
wenn er zu verblassen droht, wenn man sich
War die Antwort falsch, bleibt das Kärt-
also nicht mehr so gut an ihn erinnert.
chen in Fach 1.
•
Alle anderen Fächer werden erst bearbeitet, wenn sie fast voll sind.
•
Alle
richtig
beantworteten
Wichtige Regeln für das Beschriften der Karten
1.
noch sinnvollen Lerneinheiten, und for-
Kärtchen
muliere die Fragen und Antworten so
wandern in das nächste Fach
•
Alle
falsch
beantworteten
Zerlege den Lernstoff in die kleinsten
einfach und so eindeutig wie möglich.
Kärtchen
wandern zurück in Fach 1.
2.
Achte darauf, dass du alles richtig aufschreibst, damit du keine Rechtschreibfehler mitlernst. - Bewährt hat sich das
Oder – ganz kurz:
•
Bei richtig ins nächste Fach!
Lernen im Zweier- Team. Dann könnt
•
bei falsch zurück in Fach 1 !
ihr
gegenseitig
Karten
austauschen,
korrigieren und euch auch einmal gegenseitig abhören.
Damit dieses Lernverfahren so sinnvoll wie möglich angewendet werden kann, sind noch einige
3.
Hinweise nötig.
Verwende für Vokabeln einfache Zettel,
für schwierigere Formeln und Merksätze
stabilere Karteikarten.
Das Geheimnis der 5 Fächer
4.
Beim Lernen in der Gruppe oder in der
Klasse ist es sinnvoll, die Karten ge-
Auffallend beim Lernkartei-Kasten sind die ver-
trennt
schieden grossen Fächer. Vorn in Fach 1 passen
nach
Unterrichtsfächern
oder
Lerngebieten zu nummerieren: Das "D"
nur wenige Zettel oder Kärtchen hinein, weiter
rechts oben auf der Vorderseite der
hinten werden die Fächer immer länger.
handbeschriebenen Karte steht dann
zum Beispiel für "Deutsch". Man kann
auch unterschiedliche Farben für unterschiedliche Fächer verwenden (blau für
Deutsch, grün für Mathematik, rot für
Englisch usw.).
5.
Beschrifte die Karten immer im oberen
Teil, weil dies das Einordnen und Nachschlagen erleichtert.
6.
Versuche so schön und deutlich wie
möglich zu schreiben. Hast du dich
8
lernen lernen
einmal verschrieben, nimm lieber eine
7.
•
Trödler – broker – zerbrochen (Der
neue Karte.
Trödler auf dem Markt verkauft nur
Jede neue Karte kommt in das Fach 1
zerbrochene Sachen)
hinter die dort schon vorhandenen KarBeispiele aus dem Französischen:
ten.
8.
Sei kritisch! Überlege dir gut, was du
alles
in
deinem
Kopf
•
bin ausgerutscht; kein Wunder: Die
aufbewahren
willst. Du solltest nur den Lernstoff aufschreiben, von dem du sicher bist, dass
Strasse glitzerte vor Raureif!)
•
Montag – lundi – Lunte (Als ich an
diesem
du ihn in einem Jahr immer noch im
Kopf haben willst.
ausrutschen – glisser – glitzern (Ich
Montag
aufstand,
habe
ich
gleich Lunte gerochen)
•
wissen – savoir – Saftladen (Das ist
vielleicht ein Saftladen, weisst du!)
Beim Vokabellernen Eselsbrücken
•
bauen
Verspätung – retard – Ritter (Der
Ritter kam mit Verspätung an)
Auch für das Vokabellernen oder für das Behalten von Fremdwörtern sind Phantasie und Kreativität gefragt. Man spricht die fremdsprachige
Vokabel einmal deutsch aus, und stellt dazu - je
verrückter, desto besser! - eine Gedankenverbindung her. Zum Schluss verbindet man dieses
Vokabellernen mit allen Sinnen
•
stehen.
•
tun. Sprich laut und deutlich. Stelle dir
das Geschehen vor deinem geistigen
Beispiele aus dem Englischen:
Auge wie einen Film vor.
Kamingitter – grate – Fischgräte
•
(Im Kamingitter steckt eine Gräte)
•
Spiele den Text als Rollenspiel durch.
Mache alles, was die Personen auch
Bild mit der Bedeutung der Vokabel.
•
Nimm den Text, in dem die Vokabeln
Erzähle dir anschliessend die Geschich-
Herde – flock – Schneeflocke auf
te noch einmal selbst. Auf die Weise
einem Pflock (Eine Schafherde ist an
hast du fast alle Vokabeln durchs Spiel
einen riesengrossen Pflock gebunden
gelernt.
und grosse Schneeflocken fallen vom
Himmel)
•
wachsen, werden – grow – grau
(Grüne Pflänzchen werden beim Wachsen immer mehr grau)
•
Erwerbslosenunterstützung – dole
– Dohle (Alle Leute, die aus dem Arbeitsamt kommen, haben eine Dohle
auf dem Kopf)
•
Blitz – flash – Flasche (Auf einem
Fabrikdach ist als Werbung eine grosse
Sektflasche
angebracht.
Ein
Blitz
schlägt ein und die Flasche zerbirst in
tausend Scherben)
•
Ziegel – brick – Brikett (Ein Haus
wird nicht mit Ziegelsteinen gebaut,
sondern mit Briketts)
9
lernen lernen
Regeln lernen, auswendig
lernen
Die Regel mit eigenen Worten erläutern
Nachdem du dir einen Überblick verschafft hast,
liest du dir jetzt den Text durch, der die Regel
Unser Gehirn ist in der einzigartigen Lage, Dinge
erläutert. Versuche, den Text durch eine Skizze
aufzunehmen und auswendig zu lernen, ohne sie
wiederzugeben.
zu kapieren. So bist du in der Lage, einen lateinischen Text fliessend zu lesen, ohne dabei auch
Vergleich der Erläuterung mit den Bei-
nur ein Wort zu verstehen. Genauso bist du in
spielsätzen in der Regel
der Lage, eine Regel auswendig zu lernen, ohne
•
Lies die Beispielsätze laut vor, betone
zu begreifen, worum es eigentlich geht und wie
dabei das, worauf es ankommt, sowohl
sie angewendet wird. Das aber ist ja nicht der
in der Fremdsprache als auch in der
Sinn der Sache.
deutschen Wiedergabe.
•
Schaue dir die Erläuterung der grammatischen Konstruktion an und vergleiche jetzt die Konstruktion mit den Beispielsätzen.
•
Erfinde eigene Beispielsätze aus deinem
Alltagsleben
•
Lasse diese Sätze von einem Freund,
deinen Eltern oder sonst wem kontrollieren, wenn du dir unsicher bist.
Spiele selbst Lehrer: Erläutere die Regel!
Wenn du eine Regel verstanden zu haben
glaubst, dann schreibe einen Beispielsatz auf ein
grosses Papier. Hänge das Papier auf und erläutere nun auswendig, sozusagen in einem Vortrag, die Regel. Das kannst du allein in deinem
Wenn du Grammatikregeln lernst, ist es sinnlos,
Zimmer tun oder vor deinen Eltern. Dann hast
sie bloss zu lesen oder wortgetreu auswendig zu
du gleich eine Rückmeldung, ob du verständlich
können. Eine Regel auswendig können heisst, sie
erklärt und damit den Stoff verstanden hast. So
mit eigenen Worten und Beispielen darstellen
kannst du zuhause schon die von vielen gefürch-
können. Im Grammatikteil deines Schulbuchs
tete "Tafelsituation" vorwegnehmen.
sind die verschiedenen Grammatikregeln übersichtlich geordnet. Wenn du eine Regel lernen
Immer nur eine Regel zur Zeit
willst, gehe wie folgt vor:
Damit die Ähnlichkeitshemmung (Interferenz)
ausgeschaltet wird, lerne immer nur eine Regel
Die Regel überfliegen: Wie ist sie aufgebaut?
Normalerweise enthält eine Regel:
•
die Überschrift;
•
einen Text zur Erläuterung, wie die Regel gebraucht wird;
zur Zeit:
•
Mehrere Regeln über den Tag verteilen.
•
Ausnahmeregeln oder Besonderheiten
später am Tag lernen.
•
Regeln, die aus mehreren Teilen beste-
•
Beispielsätze;
hen, getrennt nach diesen Teilen ler-
•
eine Erläuterung der grammatischen
nen.
Konstruktion;
•
weitere Hinweise auf Ausnahmen, Verwechslungsgefahren usw.
10
lernen lernen
Manchmal musst du ganze Texte auswendig
lernen, z.B. Gedichte. Gehe dabei folgendermassen vor:
1.
Lies dir den ganzen Text durch. Überprüfe dabei, ob du alles im Text verstehst oder unbekannte Fremdwörter
dabei sind.
2.
Aufsätze schreiben,
Texte bearbeiten
Ein Muster für Aufsätze
Aufsätze können Erlebnisaufsätze oder frei erfundene Geschichten sein, das kann aber auch
ein Aufsatz zu einem Sachthema sein. Für das
Versuche unbedingt, dir die gesamte
Schreiben von Aufsätzen kannst du folgendes
Handlung vor dem geistigen Auge vor-
Muster verwenden:
zustellen, so als ob du innerlich einen
Film siehst. Wiederhole den Inhalt der
1.
einem Sachaufsatz: Beschaffe dir In-
Geschichte oder des Textes mit eigenen
formationen zum Thema.
Worten.
3.
Überprüfe anhand des Textes, ob du ihn
2.
Entscheide dich, über welche Idee du
schreiben willst.
richtig wiedergegeben hast: Stimmt der
Inhalt? Stimmt die Reihenfolge des Er-
Sammle Ideen für deinen Aufsatz. Bei
3.
zählten?
Mache zum ausgewählten Thema erneut eine ausführliche Ideensammlung.
4.
Teile jetzt den Text in Absätze ein.
5.
Lerne den ersten Absatz auswendig.
laufen soll: auf welche Pointe, auf wel-
Lies dir dazu den Absatz noch einmal
chen Spannungshöhepunkt, auf welche
durch, damit du noch mal weisst, wor-
Botschaft oder These.
4.
um es geht. Dann nimm dir den ersten
Satz vor.
5.
Aufsatz benötigst.
Auswendig lernen geht dann am besten, wenn
6.
und den Schluss gehört.
Stelle dich hin, damit du frei atmen
kannst!
•
Ordne die ausgewählten Ideen danach,
was in die Einleitung, den Höhepunkt
wieder möglichst viele Sinne beteiligt sind:
•
Sortiere jetzt aus deiner Ideensammlung die Ideen aus, die du für deinen
Viele Sinne benutzen!
•
Überlege, worauf dein Aufsatz hinaus-
7.
Schreibe deinen Aufsatz. Schreibe zu-
Nutze deine Stimme, um bestimmte
nächst in dein Schmierheft und mit
Wörter zu betonen oder lautmalerisch
breitem Rand (ca. ein Drittel der Seite
zu
Wort
als Rand), damit du Verbesserungen
"gross" mit tiefer Stimme und langem
machen kannst. Grundsätzlich kannst
"oooo" sprechen).
du bei Aufsätzen so vorgehen:
Benutze deine Hände und Arme (Ges-
•
unterstreichen
(z.B.
das
Einleitung:
Hierhin
gehören
die
tik) und dein Gesichtsspiel (Mimik), um
Vorstellung der Personen, der Zeit
den Inhalt des Textes mit deinem Kör-
und der Orte, an denen die Ge-
per zu zeigen (ganz so wie im Alltag,
schichte spielt. Bei einem Sachauf-
wenn du z.B. einen guten Freund mit
satz kannst du hier dein Thema er-
den Worten begrüsst: "Hallo Dieter!",
läutern, worum es geht und welche
dabei
unterschiedlichen
ein
freudestrahlendes
Gesicht
es
eventuell gibt.
aufsetzt und die Arme freudig ausbreitest.
Meinungen
•
Höhepunkt: Hier fliessen die Handlungen aller Personen zusammen
und nähern sich dem Höhepunkt.
11
lernen lernen
•
In einem Sachaufsatz bringst du in
Mist, das Heavy Metal-Open Air-
diesem Teil deine Argumente.
Konzert hatte bereits begonnen!"
Schluss: Hier spitzt sich der Aufsatz auf die Pointe, die Botschaft,
den
Spannungshöhepunkt,
die
10. Überprüfe jetzt deine Rechtschreibung.
11. Schreibe deinen Aufsatz ins Reine, entweder handschriftlich, mit Schreibma-
These zu. Der Schluss ist im Ver-
schine oder Computer.
hältnis zum Hauptteil sehr kurz.
8.
Überprüfe, ob dein Aufsatz das wiedergibt, was du willst (inhaltliche Überprüfung) und ob die Reihenfolge der Handlung / der Argumente stimmt.
9.
Ideensammlung für Aufsätze
Bei Aufsätzen kommt es vor allem auf die Ideensammlung an. Diese Phase nimmt am meisten
Zeit in Anspruch. Für die Ideensammlung bieten
Sprachliche Überprüfung: Jetzt kommt
sich zwei Methoden an.
der Feinschliff! Überprüfe, ob du eine
lebendige Sprache hast. Das bedeutet:
a. Brainstorming
•
Benutzt du aussagestarke Wörter
Brainstorming heisst wörtlich übersetzt etwa
(statt des blassen "er sagte" zum
"Gedankensturm". Dabei schreibst du alle Ge-
Beispiel "er beharrte darauf", "er
danken, die dir kommen, völlig wertungsfrei und
schrie grimmig" usw.)?
unkommentiert auf. Denn durch dies freie Den-
•
•
gleiche
ken erhöht sich deine Kreativität, und gerade
Wort? Wenn ja, ersetze es durch
aus abwegigen Gedanken können sich die besten
Wörter mit ähnlicher Bedeutung!
Aufsätze ergeben. Das bedeutet, egal wie ver-
Wiederholst
Schreibst
du
du
oft
das
anschaulich?
Das
heisst, schilderst du Erlebnisse mit
allen Sinnen, so dass der Leser sich
wirklich ein Bild machen kann?
Statt "Ich hatte Angst, in die Burgruine zu gehen", schilderst du, warum die Ruine dir Angst macht und
wie du die Angst fühlst: "Düster
und bedrohlich erhob sich die Ruine
in den Nachthimmel, und aus dem
Burginneren
stiegen
im
fahlen
Mondlicht weissliche Nebelschwa-
rückt oder abwegig dir ein Gedanke erscheint,
schreibe ihn trotzdem erst mal auf. Gerade bei
Themen, zu denen du überhaupt keine Ahnung
hast, ist Brainstorming sehr sinnvoll. Denn durch
den freien Ideenfluss kommst du erst auf die
Fragen, die deinen Aufsatz interessant machen.
Stelle dir vor, du sollst über eine Marsexpedition
schreiben, hast aber keine Ahnung. Setze dich
hin und fantasiere einmal. Dabei könnten jetzt
Gedanken kommen wie:
•
Marsexpedition: Luft? Marsmenschen?
den empor, die sich wie Geister um
Raumschiff Enterprise – was für Raum-
den Turm wanden. Mein Herz be-
schiffe fliegen zum Mars? Passagierflug-
gann, laut gegen die Brust zu po-
zeuge? Wissenschaftler – was wird un-
chen, und ein Kribbeln lief mir über
tersucht? Besuch einer Süssigkeiten-
den Rücken. Es half nichts: Ich
fabrik, Snickers, Raider, Hunger – et-
musste in die Burg! Mit weichen
was essen auf dem Mars? Steine, Pflan-
Knien setzte ich den Aufstieg fort.
zen,
Je näher ich der Ruine kam, umso
macht mobil, sich bewegen auf dem
dumpfer wehte mir der modrige
Mars? Marsmobile, Schwerkraft, Son-
Geruch entgegen. Ich fasste allen
nenenergie,...
Tiere,
Luft,
Temperatur,
Mars
Mut zusammen, als ein entsetzlicher Schrei die Mondstille zerriss -
12
lernen lernen
Du siehst, für einen Aufsatz über eine Planeten-
•
Wenn dir nichts mehr einfällt, kannst du
expedition ergibt sich schon eine Aufsatzstruktur
eine Pause machen und durch die klare
mit den Gedanken:
Struktur später wieder schnell ins The-
•
ma kommen.
Welches Raumschiff? Welche Wissenschaftler? Worauf man achten muss:
Tiere (Bakterien?), Temperatur, Mars-
Ein klarer Kopf für klare Gedanken
mobil - Fortbewegung auf dem Mars.
Ein Aufsatz entsteht zuerst im Kopf, und erst,
wenn du ihn gedanklich fertig hast, beginnst du
Von hier aus ergeben sich sofort neue, feinere
zu schreiben.
Gedanken zu den einzelnen Kapiteln:
•
Steine (Schotter? steile Hänge? Treibsand?).
So kannst du, ohne die blasseste Ahnung zu
haben, immer noch einen Aufsatz schreiben, in
dem du wichtige Probleme einer Marsfahrt aus
deiner Sicht beschreibst. Aus dem Brainstorming
hat sich aber auch spontan die Idee ergeben,
unter einer "Marsexpedition" einen Besuch einer
Süssigkeitenfabrik zu verstehen. Das wäre ein
sehr überraschender Ansatz für deinen Aufsatz,
nicht wahr...?
Hier ein paar Tipps, wie du die Punkte 4-6 in der
b. Mind Mapping
Eine zweite Form der Ideensammlung ist das so
genannte "Mind Mapping", übersetzt etwa das
«Zeichnen einer Ideenlandschaft». Hierbei werden die Gedanken gleich sortiert. Das Prinzip ist
einfach:
Anleitung
zum
Aufsatzschreiben
umsetzen
kannst. Wer Ideen sortieren und ordnen will,
muss dies ungestört tun können. Er muss vor
allem Musse und Ruhe haben, um "tagzuträumen". Dazu kannst du die unten genannten
Techniken verwenden.
•
In der Mitte steht das Thema;
•
davon gehen grosse Äste ab, die für
Bei Ideensammlungen, ob für Erlebnis-
wichtige Unterthemen stehen;
aufsätze oder Sachaufsätze, hilft dir
von diesen Ästen gehen wieder kleinere
passende Musik, die die Fantasie frei-
Äste ab mit Gedanken zum Unterthe-
setzt. Die Musik sollte einen klaren
ma;
Rhythmus haben und dazu eine domi-
von diesen Gedankenästen gehen eben-
nierende Melodie. Sie sollte mit norma-
falls wieder Verästelungen ab;
ler Zimmerlautstärke gespielt sein. Du
•
•
•
Melodische Musik
selbst solltest dann an deinem Lieblingsort (im Sofa, auf dem Bett, auf dem
Vorteile:
•
für deinen Aufsatz.
•
Deine Gedanken können ruhig hin und
her springen zwischen den Ästen.
•
Teppich,...) Platz nehmen.
Du bekommst gleich eine klare Struktur
•
Entspannte Situationen
Gedankenströme werden auch durch
entspannende Situationen freigesetzt,
Der Überblick über jeden Ast produziert
die vordergründig dem Körper zugute
wieder neue Gedanken.
kommen (zum Beispiel unter der Dusche, auf der Toilette (!), in der Bade-
13
lernen lernen
wanne, auf dem Sofa, beim Waldlauf).
Texte bearbeiten
Gerade weil sich diese Tätigkeiten auf
•
den Körper richten, entspannt sich der
Oft geben Lehrer dir etwas zum Lesen auf, ohne
Geist, und du kannst deine Gedanken
dass du gezielt Fragen zum Text beantworten
zum Thema schweifen lassen.
sollst.
Fliessende Gleichgewichte
Es kann ja durchaus vorkommen, dass dich ein
Ebenso hilfreich ist das Betrachten oder
Thema besonders interessiert, und du willst dazu
Hören so genannter "fliessender Gleich-
extra etwas lesen. Nur: Mit dem blossen Lesen
gewichte": der Blick in eine brennende
ist es nicht getan. Denn wenn du dich bloss
Kerze, das gleichmässige Rauschen fal-
hinsetzt und liest, vergisst du noch am selben
lenden Wassers (Wasserfall, ein Stau-
Tag rund 90% des Gelesenen.
wehr), ein glucksender Bach, das Betrachten vorüberziehender Wolken, das
Auch für das Lesen eines Textes gibt es natürlich
Betrachten eines Pendels.
Tricks, die dir entscheidende Lern- und Zeitvorteile bringen.
•
Geniale Gedanken sofort aufschreiben
Das Nachdenken über den Aufbau eines
Die Schritte bei der Textbearbeitung
•
Aufsatzes und die Auswahl der Inhalte,
Überblick verschaffen: Worum geht es
im Text?
die in ihm vorkommen, brauchen also
•
Leseabschnitte einteilen
durchaus nicht am Schreibtisch stattzu-
•
Unbekannte Wörter nachschlagen
finden. Allerdings solltest du immer et-
•
Wichtige Passagen unterstrei-
was zum Schreiben (oder ein Diktierge-
chen/herausschreiben
rät) bei dir haben, damit du geniale
•
Mit eigenen Worten wiederholen
Überlegungen sofort festhalten kannst.
•
Den Text skizzieren
Denn manchmal blitzen Ideen nur ganz
kurz auf, und du musst sie schnell auf-
Überblick verschaffen
schreiben, bevor sie nach ca. 20 Se-
Am besten verschaffst du dir einen Überblick,
kunden wieder in den Tiefen deines Ge-
indem du zunächst einmal die Überschriften
hirns verschwinden.
liest, die dein Text hat. Dann hast du ein Gerüst,
an dem du weitere Informationen aus dem Text
aufhängen kannst.
In Büchern gibt es am Anfang oder Ende eine
Kapitelübersicht. Bei manchen längeren Texten
findest du am Anfang oder am Ende eine Inhaltsangabe. Auch diese solltest du als Erstes
studieren.
Leseabschnitte einteilen
Wenn der Text stark durch Überschriften unterteilt ist, kannst du diese Kleinkapitel als Einteilung benutzen. Oft musst du allerdings innerhalb
eines Kapitels unterteilen. Dann kannst du Absatz für Absatz lesen. Das Beste ist es, wenn du
während des Lesens darauf achtest, wann ein
14
lernen lernen
neuer Gedankengang beginnt. Da machst du
Gedächtnistechniken
dann erst mal einen Zwischenstopp.
Hier werden, sozusagen mit "Blick ins Leben",
Unbekannte Wörter nachschlagen
ein paar Techniken vorgestellt, mit denen man
Unbekannte Wörter musst du sofort nachschla-
ganz unabhängig von Hausaufgaben versuchen
gen oder dir erklären lassen. Denn sonst ver-
kann, sich Fakten einzuprägen. Alle diese Tech-
stehst du nicht, worum es eigentlich geht. Aus-
niken haben eines gemeinsam: Sie versuchen
serdem wächst dadurch dein Wortschatz und
sich das jeweils unterschiedliche Vermögen von
damit deine Kreativität, Ausdrucksfähigkeit und
rechter und linker Gehirnhälfte zunutze zu ma-
Rechtschreibsicherheit.
chen (s.u.) und den Lernstoff dadurch, dass er
beide Teile des Gehirns anspricht und beschäf-
Wichtiges unterstreichen / abschreiben
tigt, dauerhafter zu sichern.
Das Wichtige eines Textes kannst du unterstreichen oder mit einem Textmarker (Leuchtstift)
Kettenmethode
markieren. Wenn du im Text selbst nichts
Bei dieser Methode werden die zu lernenden
schreiben darfst, dann schreib die
Begriffe wie die Glieder einer
wichtigen Sätze in Stichworten
Kette
heraus. (TIPP: Das kannst du
gehängt, dass die richtige
wieder in Form eines Mind Map
Reihenfolge erhalten bleibt.
so
aneinander
tun.) Das Schreiben sorgt dafür,
dass die wichtigen Inhalte sich
Beispiel: Reiseroute Bahn-
gleich
hof – Hotel – Park – Kirche –
fester
in
deinem
Gedächtnis festsetzen.
Café – See:
Ich steige am Bahnhof aus
Mit
eigenen
Worten
und gehe zum Hotel, das in
wiederholen
einem wunderschönen, gros-
Nach jedem Absatz solltest du
sen
den gelesenen Text mit eigenen
Worten wiedergeben. Das fördert
das Behalten des Textes.
Park
liegt.
Wenn
ich
mitten im Park stehe, kann
ich die Kirche sehen, und
direkt neben der Kirche ist ein Cafe, dessen
Terrasse auf den See hinausgeht.
Den Text skizzieren
Was du gelesen hast, solltest du unbedingt in
einer Skizze festhalten. Weil wir meistens das
besser behalten, was wir in Form eines Bildes
sehen, ist das Skizzieren sehr hilfreich. Eine
solche Skizze kann folgendermassen aussehen:
•
Ein Mind Map
•
ein Schema (Ablauf- oder Ordnungs-
Wichtig ist, sich nicht nur die einzelnen Begriffe
vorzustellen, sondern praktisch einen "Film" zu
drehen; mit der Kamera ganz langsam von einem Begriff zum nächsten zu schwenken, so
dass die Begriffe wirklich miteinander "verknüpft" werden.
schema)
•
ein Bild, welches den Textinhalt darstellt
15
lernen lernen
Geschichtentechnik
Beispiel Erdkunde; Nebenflüsse der Donau:
Die Geschichtentechnik beruht auf der Ketten-
Iller, Lech, Isar, Inn
methode. Die zu lernenden Begriffe werden in
fliessen nach der Donau hin;
eine möglichst lustige und ausgefallene Ge-
Altmühl, Naab und Regen
schichte gepackt, die dann auch "verfilmt" wird.
fliessen ihr entgegen.
Beispiel Biologie; Ahnenreihe des Menschen
ABC-Technik
Ramapithecus – Australopithecus – Homo habilis
Hierbei wird zunächst zu den einzelnen Buchsta-
– Homo erectus – Homo sapiens
ben des Alphabets in Gedanken ein Bild gemalt;
Ein Schüler sitzt auf dem Boden und isst ein Brot
z.B.: A = Affe
B = Ball
C = Cola...
mit Rama, während er davon träumt, auf einem
Känguru durch Australien zu reiten. Da er noch
Wenn man diese Bilder jederzeit abrufen kann,
Hunger hat, steht er auf, um noch einmal diese
so hat man die Grundlage geschaffen für weite-
homogene Masse auf sein Brot zu streichen. Er
res optimales Behalten. Wichtige Begriffe ver-
kann nicht genug davon haben. Er will haben,
bindet man nun mit den ABC-Bildern, und eine
haben, haben. Da kommt sein Freund Erec ins
richtige Reihenfolge ist gewährleistet.
Zimmer, den er den Aufrechten nennt, weil er
immer ganz gerade und aufgerichtet geht, um
ein bisschen grösser zu erscheinen. Beide stopfen nun so viel hinein, dass der kleine Bruder,
der einen Homburg auf dem Kopf hat, ruft: Sapperlot, Homo sapiens!
Merkwortsystem
Eine ganz ähnliche Methode ist das Lernen mit
Merkwörtern. In diesem Fall merkt man sich
zunächst spontan auftretende Begriffe zu Zahlen. Wichtig dabei ist, dass das Bild der Vorstellung die Zahl symbolisiert und dass einem beim
Lokalisationsmethode
Nennen der Zahl das Bild sofort einfällt;
Ein Lokaltermin ist ein Ortstermin, und so geht
es hier darum, die wichtigen Begriffe an be-
Beispiel:
stimmten Orten "aufzuhängen". Es bietet sich
1 = Baum (1 Stamm)
6 = Würfel (6 Flächen)
an, sich das eigene Wohnzimmer vorzustellen
2 = Brille (2 Gläser)
7 = 7 Zwerge
und die Begriffe in Gedanken an die Wände zu
3 = Dreirad (3 Räder)
8 = Achterbahn
malen, in die Ecken zu stellen, auf den Fussbo-
4 = Fenster (4 Ecken)
9 = Kegel (alle Neune!)
den zu legen, an die Decke oder an bestimmte
5 = Hand (5 Finger)
10 = Zehen (10 Zehen)
Gegenstände zu hängen.
Anschliessend
verbindet
man
diese
Zahlen-
Eine andere Möglichkeit, sich in Gedanken einen
merkwörter assoziativ mit den neu zu lernenden
Weg zu vergegenwärtigen, den man oft geht (z.
Fakten.
B. der Schulweg), und die Dinge, die man sich
merken will, mit diesem Weg zu verbinden.
Man kann sich mehrere Reihen (vielleicht in
unterschiedlichen Farben) solcher Zahlmerkwör-
Reimtechnik
ter aufstellen. Wichtig ist, dass der Bezug zur
Reime wie 333: bei Issos Keilerei und Lieder
Zahl so deutlich ist, dass man später nicht nach-
sind für unser Gehirn leicht verdaulich. Deshalb
denken muss, sondern das jeweilige Bild spon-
sollte man so oft wie möglich versuchen, wichti-
tan vor Augen hat.
ge Fakten zu reimen oder Sachverhalte mit einer
bekannten Melodie zu unterlegen, um sie schneller und besser behalten zu können.
16
lernen lernen
Taschen-Trick
Erkosystem (=Zahlenmethode)
Wenn man bei einer Diskussion oder bei einem
Wer Schwierigkeiten beim Zahlenmerken hat
Referat keinen Stichwortzettel benutzen möchte,
und wer seine rechte Gehirnhälfte so richtig in
sollte man den "Taschen-Trick" probieren. Dafür
Schwung bringen möchte, erarbeitet sich die
legt man sich zu Hause ein paar kleine Gegens-
Zahlenmethode = Erkosystem. Diese Methode
tände zurecht.
erinnert zunächst an Geheimschriften mit einem
speziellen Code. Zahlen bekommen willkürlich
Z. B.: Pfennigstück, Radiergummi, Büroklam-
die Bedeutung von Mitlauten. Z. B.:
mer, Murmel, Streichholz, Anspitzer, Wattebäll-
1 = T, D
6 = X, CH, SCH
chen ...
2=N
7 = G, K
Nun nimmt man das Pfennigstück in seine Hand,
3=M
8 = F, V, PF
fühlt es und stellt sich das Stichwort in Verbin-
4=R
9 = P, B
dung mit dem Pfennig vor. Dann nimmt man
5=L
O = S, Z
den Radiergummi und denkt an sein zweites
Stichwort ... usw. Wenn man alle Begriffe mit
Wie sicher jeder festgestellt hat, fehlen alle
den Gegenständen verbunden hat, steckt man
Vokale. Das hat seinen Sinn, denn nun kann
die kleinen Gegenstände z. B. in die Hosenta-
man mit Hilfe der jeweiligen Konsonanten und
sche. In der Diskussion oder beim Referat greift
beliebig einsetzbarer Vokale Wörter bilden, die
man in dieTasche und fühlt die einzelnen Teile.
man in seiner Fantasie in Bilder umwandelt. Die
Automatisch kommt die Erinnerung an den ge-
Buchstaben WHY + J kann man als "Joker" ver-
suchten Begriff, und man kann ohne Unterbre-
wenden. Z. B.:
chung weitersprechen.
1 = T, D Tee
6=X
Hexe
2 = N Noah
7 = G,K
Kuh
Symmetrietechnik
3 = M Mao oder OMO
8 = F,V
Fee
Bei dieser Technik geht es darum, schwierige
4 = R Reh
9 = P,B
Po, Bau
Wörter mit bekannten leichten Wörtern, die in
5 = L Leu=Löwe
O = S,Z See, Zoo
gewissem Sinne gleich geschrieben werden, zu
verbinden.
Diese Zahlenmethode kann man in erster Linie
als eine gute Möglichkeit betrachten, seine rech-
Beispiel:
te Gehirnhälfte zu trainieren und damit die Kon-
I laid the maid onto the green floor
zentrations- und Gedächtnisfähigkeit zu stei-
then I lay myself onto the hay
gern. Im Alltag kann man diese Methode einset-
and I denied that this all is lied
zen, wenn es darum geht, leicht zu verwechselnde Zahlen oder Telefonnummern sicher zu
speichern.
Beispiel: Telefonnummer: 0975/82 73
Frau X steht vor dem S P ie G e L, hält einen
F ö N und einen Ka Mm
09
7
5
8
2
7
3
Eine gute Konzentrationsübung ist es, Texte so
schnell wie möglich in eine Ziffernfolge zu verwandeln, um dann später den Text wieder zu
entschlüsseln.
17
lernen lernen
Ziel
Referieren
Der Aufbau des Referates hat auszugehen von
In der Schulpraxis erlebt man es häufig, dass
dem Ziel, das mit dem Referat erreicht werden
Schüler einen Kurzvortrag halten sollen und
soll. Auf Grund seiner sachlichen Vorinformation
schon vorher resignierend sagen, sie könnten
und seines Kenntnisstandes muss der Referent
das nicht. Dabei bleibt es oft bis zum Abitur, und
in der Lage sein, den wesentlichen Kern seines
nicht wenige Prüfungen fallen schlecht aus, weil
Referates zu bestimmen und in einem bündigen
ein Teil der mündlichen Prüfung aus einer zu-
Satz (Zwecksatz) zu formulieren. Dabei ist zu
sammenhängenden,
vorgetrage-
beachten, dass die meisten Themen ein Prob-
nen freien Rede bestehen soll. Es ist kein Wun-
lem, eine Frage oder einen kontrovers beurteil-
der, dass viele Schüler vor dem freien Vortrag
ten Sachverhalt enthalten, den es aufzudecken,
Scheu haben, da sie kaum Gelegenheit bekom-
zu klären oder zu beurteilen gilt. So enthält
men, sich darin zu üben.
beispielsweise das Thema "Rechtsradikalismus in
selbstständig
der jüngeren deutschen Geschichte" versteckt
auch die Frage nach der Beurteilung ihrer Rolle.
Von dem Ziel, zu dieser Frage Stellung zu beziehen, leitet sich die gedankliche Abfolge, die den
Hauptteil des Referates bildet, ab.
Gedankliche Abfolge
Hilfreich zur Klärung und zur logischen Ordnung
der Gedanken auf das Ziel hin können die folgenden Leitfragen sein:
•
Was will ich darlegen, erklären, beweisen oder widerlegen?
•
Welcher Mlttel kann ich mich dazu bedienen?
Argumentation,
Darstellung
und Beschreibung, Experimente, Veranschaulichungen über Medien.
•
Welches Material aus der Stoffsammlung ist im Hinblick auf das Ziel des Referates von Bedeutung?
Das Vorurteil, zum Redner müsse man geboren
sein, stimmt so nicht: Reden kann man nämlich
•
Welche Thesen, Argumente, Belspiele,
Gesichtspunkte oder Versuchsergebnis-
wie alles andere auch lernen und üben.
se sind methodisch notwendige Schritte
auf dem Weg zum Ziel?
Planung des Referats
Im Unterschied zur Facharbeit ist bei der Gliede-
•
herausstellen?
rung und Aufarbeitung des Materials für ein
Referat neben dem Stoff immer auch der Hörer
Welche Gedanken will ich besonders
•
Wie ordne ich die zu behandelnden
in die Überlegungen miteinzubeziehen. Dabei
Punkte an, damit sie folgerichtig und
erweisen sich drei grundlegende Überlegungen
überzeugend zum Ziel hinführen?
als notwendig:
•
nach dem Ziel des Referats,
•
der gedanklichen Abfolge und
•
dem Einstieg.
Der Einstieg
Der Einstieg in das Referat ist der letzte Teil der
Planung. Er ergibt sich aus den situativen Bedingungen - Erwartungen, Vorkenntnissen und dem
18
lernen lernen
Vorverständnis des Hörerkreises einerseits und
Tonbandprotokolls
dem, was das Thema dazu hergibt andererseits.
anmerken.
Der Einstieg kann verschieden gestaltet werden,
sollte aber auf jeden Fall Folgendes zu erreichen
suchen:
•
zum Thema hinführen
•
Interesse wecken
•
Motivation erzeugen
•
zum Mitdenken anregen.
im
Stichwortzettel
7.
Korrigiere die aufgetretenen Fehler!
8.
Einsatz von Medien und Verstehenshilfen (z.B. Dias, Tafelanschriften, Fotokopien mit Zahlenmaterial, Tabellen, grafische Darstellungen) einplanen und im
Stichwortzettel vermerken.
9.
Endgültigen Stichwortzettel aufstellen
und
Versetze dich in die Rolle des Zuhörers und
mit
Karteikartensammlung
und
Medieneinsatz koordinieren.
überlege, wodurch deine Aufmerksamkeit für ein
Thema erweckt werden könnte. In der Praxis hat
10. Zweiter Sprechversuch (ggf. weitere)
sich häufig eine indirekte Hinführung zum The-
auf Tonband/Cassette oder vor Famili-
ma, die einen unerwarteten Aufmerksamkeitsef-
enangehörigen und weitere Korrektu-
fekt erzeugt, bewährt.
ren.
Für den wenig geübten Redner ist es oft not-
Vorbereitung des freien Rede
wendig, die Sequenzen 6-10 mehrfach in Zeitab-
Zehn Regeln
1.
ständen zu wiederholen, um Sicherheit zu erlan-
Formuliere den Kerngedanken des Referates möglichst kurz und bündig!
2.
gen. Deshalb sind für die Planung ausreichende
Zeitreserven vorzusehen.
Entwickle aus der Materialsammlung
und -verarbeitung stichwortartig eine
logische
Gedankenabfolge
auf
den
Das Stichwortkonzept konkret
•
Kerngedanken hin!
3.
gengrösse) liniert verwenden!
Ordne die Gedanken in einem vorläufi-
•
gen Stichwortzettel, der aus einem Gedankenflussplan,
einem
ben sich 1/3 auf der linken Seite (für
Stichworte) und 2/3 rechts für fortlau-
steht.
fenden Text und Regieanweisungen).
Suche Argumente, Belege, Zitate, Beweise, Beispiele zu den Stichworten
bzw. Sinnschritten und notiere sie ein-
•
Karteikarten durchnummerieren!
•
Karteikarten nur einseitig beschreiben
wegen der Gefahr des "Chaos" beim
zeln auf Karteikarten oder losen Blät-
Umblättern!
tern!
5.
Formuliere Definitionen, wichtige Über-
•
tiere sie ebenfalls auf Karteikarten oder
Erster lauter Sprechversuch, nach Möglichkeit mit Tonbandkontrolle. Er dient
der Feststellung von Lücken, Gedankeiten,
•
Zwischen den einzelnen Zeilen grosse
Abstände lassen, übersichtlich, gross
losen Blättern!
kensprüngen,
So gross schreiben, dass es aus zirka
einem Meter mühelos lesbar ist!
leitungen oder Kernsätze aus und sor-
6.
Karteikarten durch eine markante Linie
von oben nach unten aufteilen. Es erg-
Sinnschritt-
Diagramm oder einem Mind Map be-
4.
Karteikarten DIN A 5 (halbe Briefbo-
Formulierungsschwierig-
Wortwiederholungen,
und lesbar schreiben. Besonders wichtige Punkte werden unterstrichen oder
mit Farben (maximal drei!) gekennzeichnet!
Schwä-
chen der Satzbaus und Mängeln in der
Ausdrucksweise.
Fehler
anhand
des
19
lernen lernen
Vortrag des Referats
verschiedenen Worten mehrmals umschreibst.
Ein guter Redner schenkt dem Beginn seines
Vortrags besondere Aufmerksamkeit, weil er das
•
Vermeide lange Aufzählungen, lege das
Interesse seines Publikums gewinnen will. Er
Ganze lieber in einigen treffenden Bei-
führt deshalb mit einer Anekdote, einer witzigen
spielen dar.
Bemerkung, einem besonders treffenden Beispiel
in sein Thema ein, bevor er zu allgemeinen und
•
ab und zu eine Atempause. Diese kann
abstrakten Darstellungen übergeht. In anderen
in Form von Abschweifungen, Anekdo-
Fällen setzt er eine Übersicht, die praktische
ten, usw. in den Vortrag eingeflochten
Anwendungen seiner Ausführungen an den Anfang,
stellt
einen
Bezug
zur
werden. Eine andere Möglichkeit ist das
Einschalten von Übungen oder die Aufforderung
Situation
weckt
zu
Diskussionen,
Fragen,
Kommentaren.
der Hörer her
und
Bei längeren Reden braucht der Hörer
•
Überlege dir auch, welche Hilfsmittel
damit ihr Be-
den Vortrag auflockern und zum Ver-
dürfnis,
mehr
ständnis des Stoffes beitragen können.
über das The-
Namen, Zahlen, Fachausdrücke, usw.
ma zu erfah-
sollten möglichst an die Tafel geschrie-
ren.
ben werden. Tabellen, grafische Darstellungen, Zeichnungen, die du evtl.
Ganz allgemein sind ausserdem folgende Punkte
mit
zu beachten:
zeigst, veranschaulichen komplexe Tat-
•
um das Interesse wachzuhalten, Verstehen zu erleichtern und durch die
Man spricht anders als man schreibt.
Aufnahme über mehrere Sinneskanäle
Langen,
das Behalten zu verbessern:
komplizierten
Sätzen
kann
zwar ein Leser folgen, weil er die Mög-
-
Dias
lichkeit hat, die einzelnen Satzteile iso-
-
Projektoren
liert zu betrachten. Bei einem Vortrag
-
Wandkarten
empfiehlt es sich aber, kurze, klare
-
Modelle
Sätze zu machen.
-
Versuchssequenzen
Erkläre
Begriffe
und
Fachausdrücke,
wenn du sie zum ersten Mal verwendest.
•
Tageslichtprojektors
Setze zusätzliche Verstehenshilfen ein,
stehen.
•
eines
bestände.
Sprich laut genug, damit auch die Leute
in den hintersten Bankreihen dich ver-
•
Hilfe
Gedankensprünge verwirren die Hörer,
-
Tafelanschriften
-
Zeichnungen
-
Filmausschnitte
-
Tonbandspots
-
kopierte Materialien.
die ja nicht zurückblättern und sich orientieren können. Bleibe beim Thema,
•
des Sprechens unter Kontrolle zu halten
wiederhole eine Angabe lieber als sich
und nervöse Gewohnheiten, wie wildes
auf das Gedächtnis der Hörer zu verlas-
Gestikulieren, Zupfen an der Kleidung,
sen. Fasse das Gesagte ab und zu zu-
usw. auszuschalten.
sammen.
•
Bei schwierigen Sachverhalten hilft es
den Hörern, wenn du das Gleiche in
Versuche, deine Gliedmassen während
•
Angesichts
der
erschreckenden
Aus-
sicht, einen Vortrag zu halten, kann
man sich trösten mit dem Gedanken,
20
lernen lernen
dass die meisten Leute bei einer sol-
Prüfungen
chen Aufgabe etwas nervös sind. Ein
wenig Nervosität schadet auch nichts -
Niemand kommt im Leben ohne Prüfungen aus;
es gilt hier dasselbe wie bei den Prü-
und zum Wesensmerkmal einer modernen Leis-
fungen. Wenn aber die Angst unmässi-
tungsgesellschaft gehört es geradezu, dass sich
ge Formen annimmt, muss etwas dage-
ihre Mitglieder zum kontinuierlichen Weiterler-
gen unternommen werden. Übe den
nen verpflichten – was nicht selten verlangt,
Vortrag
dass man sich immer und immer wieder neuen
erst
im
kleinen
Kreis,
vor
Freunden oder Geschwistern - es ist ja
Prüfungen unterziehen muss.
meist das Unbekannte, das Furcht einTrotzdem stellt sich durch die Häufung von Prü-
flösst.
fungssituationen nicht unbedingt eine "Prüfungsroutine" ein. Ohne Nervosität und Lampenfieber
Bewertungskriterien
Die Kriterien zur Beurteilung der Qualität des
Referates ergeben sich aus der Zweckbestimmung:
•
gehen Prüfungen im Allgemeinen nicht über die
Bühne. So schlecht ist das im Übrigen auch gar
nicht, denn ein mittleres Mass an Motivation, die
sich in einer gewissen Anspannung äussert,
Grad der Informiertheit: Ist der Re-
macht körperliche und intellektuelle Reserven
ferent gut informiert? Versteht er, was
frei (Eustress), die der Vorbereitung und auch
er sagt? Weiss er mehr, als er vorträgt?
dem Prüfungsergebnis zugute kommen.
Kann er auf Rückfragen der Hörer Aus-
•
•
kunft geben?
Prüfungen kommen im schulischen Bereich in
Grad der Exaktheit und Fasslichkeit
vielerlei Formen vor, die vom schlichten „Ab-
der Information: Ist die Darstellung
gefragtwerden“ im Unterricht bis hin zur mündli-
themabezogen, verständlich, sachlich,
chen und schriftlichen Abiturprüfung reichen
knapp, gegliedert? Werden schwierige
können. Sie können das Leben und die Befind-
Sachverhalte durch Hilfsmittel (Bilder,
lichkeit einer Schülerin oder eines Schülers mit-
Erläuterungen) veranschaulicht?
unter ganz entscheidend prägen, stellen sie doch
Grad der Motivation der Hörer: Kann
in gewisser Weise Extremsituationen in einem
der Referent die Bedeutung seiner Aus-
Alltag dar, in dem man ansonsten gelernt hat,
führungen erläutern und Interesse we-
ruhig seinen Kurs zu halten.
cken?
•
Technik
des
hörerangemessenen
Sprechens: Spricht der Referent lebhaft,
artikuliert,
anregend,
nicht zu
schnell, nicht stockend?
•
Hörerangemessene
(Wortwahl, Syntax).
Sprachform
Schulische Prüfungen sind wichtig. Die Frage
stellt sich also: Wie kann ich den notwendig
entstehenden Stress im Hinblick auf Prüfungen
so vermindern, dass mir daraus zum einen keine
schwer wiegende Belastung für Leib und Seele
entsteht und zum andern auch das Ergebnis der
Prüfung angenehm ausfällt?
In dieser letzten Folge der Textreihe "Das Lernen
lernen" gehe ich daher folgenden Fragen nach:
•
Warum gibt es überhaupt Prüfungen?
•
Wie kann ich mich sinnvoll auf Prüfungen vorbereiten?
•
Wie verhalte ich mich in der Prüfungssituation selbst?
21
lernen lernen
Formen, Zweck und Bedeutung von
gut er ein gesetztes Lernziel verwirk-
Prüfungen
licht hat, mit der Möglichkeit
Zur Bewältigung der "normalen" Prüfungsangst
•
der Selbstkontrolle
kann es nützlich sein, dass man sich über Form,
•
der Selbsteinordnung in das Leistungsniveau des Kurses
Zweck und Bedeutung der einzelnen Prüfungen
Klarheit verschafft. Jeder am Schulbetrieb Betei-
•
ligte kennt ihre alltäglichen Formen:
der Korrektur des Lernverhaltens
und
•
Klassenarbeiten und Kursarbeiten
•
unbenotete oder benotete Tests (Exen)
•
Referate
•
Facharbeiten
•
mündliche Prüfungen
•
praktische Aufgaben.
•
der Feststellung und Aufarbeitung
von Lücken.
2.
Prüfungen sind Leistungskontrollen und
dienen der Leistungsbewertung. Sie haben den Zweck,
•
Wissen und Kenntnisse
•
Fähigkeiten und Fertigkeiten
•
Urteilsvermögen
und
Problemlö-
sungsverhalten
zu kontrollieren und zu bewerten. In dieser Form
haben Prüfungsergebnisse in Form einer Note
auch Auswirkungen auf die Vergabe von Zukunftschancen (Studien- bzw. Ausbildungsplatz;
spätere Verdienstmöglichkeiten etc.).
Planung von Prüfungen
Das Abitur nimmt unter den Schulprüfungen
Langfristige Prüfungsplanung
eine besondere Stellung ein, da es sich aus
Es ist eine altbekannte, aber im täglichen Lern-
mehreren schriftlichen Prüfungsteilen und min-
betrieb immer wieder ignorierte Tatsache, dass
destens einem mündlichen Prüfungsteil zusam-
kurzfristiges "Pauken" unmittelbar vor einer zu
mensetzt. Es werden umfangreiche Stoffgebiete
erwartenden Prüfung selten den erhofften Erfolg
geprüft, und es stellt einen Ausbildungsab-
bringt. Unter Rückverweis auf die in Folge 2
schluss und einen wichtigen Qualifikationsnach-
erläuterten biologischen Grundlagen des Lernens
weis für Studium und Berufsausbildung dar.
gilt: Nicht die kurzfristige Vorbereitung bestimmt
wesentlich das Prüfungsergebnis, sondern
Zweck und Bedeutung von Prüfungen lassen sich
•
aktives Lernen
auf zweierlei Weise charakterisieren:
•
regelmässige Arbeit im Arbeitsablauf
•
sorgfältige Anlage, Sammlung und Ord-
1.
Prüfungen
sind
schulinterne
Lerner-
folgskontrollen. Sie geben dem Lehrer
nung von Unterlagen
Auskunft darüber, ob er die angestrebten Lernziele erreicht hat und den wei-
Das heisst z. B. für einen Schüler, der in der
teren Unterricht auf die vermittelten
Regel 2 bis 2.5 Stunden für Hausaufgaben auf-
Kenntnisse und Fachgebiete aufbauen
wendet, dass er durch Intensivierung vor Prü-
kann. Eine solche Lernerfolgskontrolle
fungen diese Zeit höchstens um 2 Stunden er-
muss daher nicht unbedingt benotet
höhen kann. Damit ist meistens die Aufnahme-
werden. Dem Schüler bietet die Lerner-
fähigkeit für neuen Lernstoff erschöpft. Deshalb
folgskontrolle ein Signal, ob und wie
kommt vieles darauf an, die Prüfungsvorberei-
22
lernen lernen
tung frühzeitig zu beginnen und rechtzeitig vor
Eine in dieser Weise vorgenommene Prüfungs-
dem Prüfungstermin abzuschliessen. Hier helfen
planung erfordert:
nur Planung und Organisation, Fehleinschätzun-
•
rechtzeitigen Planungsbeginn
gen des Zeitbedarfs, Termindruck und Stress zu
•
genaue Definition der geforderten The-
vermeiden. Aber es kommt nicht nur auf die
menbereiche
aufgewandte Lernzeit an, sondern auch auf die
richtige Auswahl des für die Prüfung wichtigen
Stoffes und auf die Intensität und Qualität des
•
ehrliche Diagnose des Kenntnisstandes
•
sorgfältige Zusammenstellung des benötigten Prüfungsmaterials
Lernens. Daraus folgt, dass man erst planen und
•
lernen kann, wenn man weiss, was gelernt wer-
realistische Zeitbedarfsschätzungen.
den muss. Informationen dazu geben:
Es ist wohl überflüssig zu betonen, dass alle
•
die Lehrer
•
die Prüfungsordnungen
•
Stoffpläne,
•
Planung sinnlos bleibt, wenn sie nicht auch in die
Lehrpläne,
Tat umgesetzt wird.
Rahmenrichtli-
nien
Kurzfristige Prüfungsplanung
Einheitliche Prüfungsanforderungen in
Trotz der vorgeschlagenen lang- und mittelfristi-
der Abiturprüfung für die einzelnen Fä-
gen Massnahmen bleibt es in der Regel nicht
cher.
aus, dass man in den Wochen vor dem Prüfungstermin die Anstrengungen erhöht. Damit
Darüber hinaus gibt es als weitere Informations-
sie nicht zum Stress werden, gibt es auch hier
quellen Prüfungshinweise mehr inoffizieller und
zu beachtende Regeln
schulinterner Art, von denen man profitieren
a. Prüfungsablauf üben
kann:
•
Angaben der Lehrer: Eingrenzung des
Prüfungsstoffes;
•
Hinweise über Prüfungsstil und Ansprüche einzelner Prüfer
•
Auskünfte früherer Prüflinge.
Zum Üben der schriftlichen Prüfung bieten sich
Aufgaben an, die den gleichen Schwierigkeitsgrad und Umfang wie echte Prüfungsaufgaben
haben, z. B. Aufgaben früherer Abiturprüfungen
oder Klausuren unter Abiturbedingungen (Ehemalige fragen; Aufgabensammlungen anlegen!)
oder
Modellaufgaben
Mittelfristige Prüfungsplanung
aus den Abituranfor-
Am Anfang einer gezielten Prüfungsvorbereitung
derungen (käuflich im
sollte für jedes Fach eine Bestandsaufnahme
Buchhandel!).
stehen, die folgende Fragen zu beantworten
Aufgaben
sucht:
mit
•
•
•
den
Diese
löst
man
gleichen
Welche Anforderungen (Themenberei-
Hilfsmitteln
che) werden gestellt?
selben Zeitraum, wie
Welche dieser Anforderungen beherr-
sie für die Abiturprü-
sche ich vollständig?
fung
Welchen Anforderungen werde ich nur
stehen.
zur
und
im
Verfügung
teilweise gerecht?
•
Welche Anforderungen erfülle ich nicht?
Für mündliche Prüfungen versucht man, sich in
die Rolle des prüfenden Lehrers zu versetzen
Die Fragen – nach Fächern und Themenbereichen getrennt aufgestellt - ergeben das LernSoll, das mit der zur Verfügung stehenden Lern-
und den Stoff in Fragen umzuformulieren und zu
beantworten. Ein Tipp aus eigener Anschauung:
Eine Prüfungsgruppe bilden und diesen Übungs-
zeit abgestimmt werden muss.
23
lernen lernen
typ in Partnerarbeit anwenden; anschliessend
Der letzte Tag vor dem Prüfungstermin dient
Prüfungskritik, Fehleranalyse und Note!
ausschliesslich der Entspannung. Kurzfristig vor
einer Prüfung angelesenes Wissen wird nicht
b. Lernstoff strukturieren und lernen
mehr mit den vorhandenen Kenntnissen ver-
Da mündliche, teilweise aber auch schriftliche
knüpft und stört darüber hinaus als retroaktive
Prüfungen zu einem wesentlichen Teil aus der
Hemmung das Hervorholen gelernter Kenntnisse
Abfrage von erlerntem Wissen und dem Aufzeigen von Zusammenhängen bestehen, ist es
Die Prüfungsvorbereitung auf einen Blick:
sinnvoll, den Lernstoff zu strukturieren, indem
a. Aufbereitung (1/3 der Zeit):
man ihn selbst in übersichtliche und bedeu-
•
Themen inhaltlich abwechseln
tungsstiftende Zusammenhänge bringt, z. B.:
•
verschiedene Quellen zusammenführen
•
Lernstoff in sinnvolle Zusammenhänge
•
synoptische
Aufbereitung
einer
Ge-
schichtsepoche
bringen
•
Stoffgliederungen
•
grafische Darstellungen
•
Tabellen
•
tafelbildähnliche Strukturierung
•
Mind Map
•
Prüfungsfragen zusammenstellen
•
Anlage einer Lernkartei.
•
Probeprüfungen durchführen und aus-
•
Vorbereitungsgebiete wechseln
b. Einprägen (1/5 der Zeit):
empfiehlt
sich
•
Wiederholen, Einordnen, Wissenskon-
werten
•
dung führt und ausserdem leicht Interferenzerauslöst),
keinen neuen Stoff mehr hinzufügen
trolle
Weil das Lernen von Paukstoff schnell zur Ermüscheinungen
•
gerade
hier, die Wissensgebiete zu wechseln und nicht
länger als 30-40 Minuten bei einem Stoff zu
verweilen.
c. Normales Leben führen
So bedeutsam die bevorstehende Prüfung vielleicht ist – das Leben sollte dennoch nicht zu
kurz kommen. Erholung und Pausen sind wichtig, und auch die sozialen Kontakte wollen ja
c. Wiederholen (1/10 der Zeit):
•
derung. Eine Gewaltkur mit einem 16-StundenTag kann der Umgebung zwar imponieren, ist
aber sinnlos, da jeder Mensch nur eine begrenzte Lernkapazität hat.
nur noch mit den Aufzeichnungen arbeiten
•
Hauptziel: Überblick
•
Probeprüfungen über den Stoff kompletter Prüfungsfächer
•
Ruhetag(e) vor der Prüfung einhalten
d. Pausen (ca 1/5 der Zeit):
•
dienen der Erholung und Belohnung
•
dienen dazu, dass sich der Lernstoff
"setzt"
gepflegt sein. Normalität ist ein ganz gutes Gegenmittel für drohende Nervosität und Überfor-
aus Fehlern lernen
e. Zeitreserve:
•
für Unvorhergesehenes, damit der Prüfungsplan funktioniert
•
grössere Reserve unmittelbar vor der
Prüfung
d. Zeit für Gesamtwiederholung einplanen
Am Ende einer grösseren Prüfungsvorbereitung
sollte unbedingt eine Gesamtwiederholung stehen, die der Zusammenschau der gelernten
Einzelstoffe dient. Sie sollte spätestens einen
Tag vor der Prüfung beendet sein.
24
lernen lernen
Prüfungsverhalten
Mündliche Prüfungen
Mündlichen "Prüfungen" muss sich der Schüler
Schriftliche Prüfungen
Für die Arbeit in schriftlichen Prüfungen gibt es
einige erprobte Regeln, die nützlich sein können:
•
Sorgfältig Aufgabenstellung und mögliche Hilfen beachten
•
im normalen Schulalltag in den verschiedenen
Fächern laufend unterziehen. Infolge der Häufigkeit solcher Situationen sind diese für den Schüler durchschaubar.
Schwierigkeitsgrad der Aufgaben und
gegebenenfalls
Bewertungsschlüssel
prüfen
•
Zeit entsprechend Umfang und Schwierigkeitsgrad der Aufgaben planen! Eine
Aufgabe, die nur 10% der Gesamtwertung ausmacht, sollte auch nicht mehr
als 10% der verfügbaren Zeiten in Anspruch nehmen.
•
Nach Möglichkeit die Aufgaben in der
Reihenfolge lösen, wie man sie am besten kann
•
Nach jeder Aufgabe ausreichend Platz
für spätere Hinzufügungen lassen
•
•
behalten;
Eine Sonderstellung nimmt in der Schule die
Abschweifungen vermeiden; den Auf-
Abiturprüfung ein, deren mündlicher Teil sich
gaben angemessene Darstellungsform
von vielen anderen Prüfungen dadurch unter-
beachten, z.B. knappe, präzise Formu-
scheidet, dass sie häufig vor einem grösseren
lierungen und eingeführte Fachtermino-
Zuhörerkreis über relativ umfangreiche Stoffge-
logie in den Naturwissenschaften
biete stattfindet.
Aufgabenstellung
im
Auge
Bei längeren Abhandlungen nicht drauflosschreiben,
sondern
vorher
Stoff
stände kann diese Prüfung an Schrecken verlie-
sammeln und gliedern
•
Erst
leichtere
schafft
Aufgaben
Erfolgserlebnisse,
lösen.
dämpft
Dies
die
Nervosität und schafft Selbstvertrauen.
Bei Schwierigkeiten zu anderen Aufgaben übergehen, aber Lücken lassen, die
später ausgefüllt werden können
•
Prüfungen durchstehen und die zur Verfügung stehende Zeit voll nutzen. Oft
fallen einem fehlende Details und Lösungsmöglichkeiten plötzlich ein. Zeit
einplanen
für
die
Schlusskorrektur
(Rechtschreibung, Zeichensetzung, Unterstreichungen,
Trotz dieser zunächst angsteinflössenden Um-
Kapitelkennzeichnung
und sonstige Formalien).
ren, wenn man bedenkt, dass der Prüfling Eigenarten, Vorlieben und Fragestellung des prüfenden Lehrers aus jahrelanger Erfahrung abzuschätzen weiss. Hilfreich kann auch die Einsicht
sein, dass der Prüfer selbst sich gegenüber seinen Fachkollegen bzw. Vorgesetzten in einer
prüfungsähnlichen Situation befindet. Es gibt
einige brauchbare Tipps für das Verhalten in
mündlichen Prüfungen. Hier sind einige davon:
1. Denke laut!
Weil die mündliche Prüfung ein Gespräch ist,
stirbt die Unterhaltung, wenn man glaubt, nur
fertige Ergebnisse vortragen zu dürfen. Wichtig
ist, dem Prüfer Gelegenheit zu geben, zu erkennen, wie man zu Ergebnissen kommt; und nur
so kann der Prüfer korrigierend und lenkend
25
lernen lernen
eingreifen, sobald man auf Abwege oder in
4. Beachte die Reaktionen des Prüfers!
Sackgassen zu geraten droht. Die meisten Prüfer
Prüfer reagieren normalerweise auf falsche oder
sind ja bereit, Hilfe zu geben, wenn man ihnen
zutreffende Antworten mit Gesten, zustimmen-
auch Möglichkeiten dazu bietet.
den oder ablehnenden Gebärden. Diese Hilfen
und Tipps sollte man beachten, da sie einem
2. Beachte die Fragestellung!
Hinweise geben, ob man auf der richtigen oder
Der Prüfer erwartet eine Reaktion auf seine
falschen Fährte ist. Hier gilt ebenfalls: Stummes
Frage. Gib zu erkennen, ob du die Frage gehört
Nachdenken fordert auch keine Hilfen heraus.
und verstanden hast, z.B. durch Wiederholung
oder durch eine Formulierung der Aufgabe mit
5. Denke nicht zu kompliziert!
eigenen Worten. Wenn das geschieht, kann man
Verstelle dir Lösungswege nicht durch kompli-
mit dieser
ziertes Denken ("Man sieht den
wiederho-
Wald
lenden
nicht"). Häufig wird viel Einfa-
vor
Formulie-
cheres
und
rung
gefragt,
als
tes-
lauter
Bäumen
Näherliegendes
man
vermutet.
ten, ob die
Gerade zu Beginn einer Prü-
Richtung
fung versuchen Prüfer durch
des
einfache Fragen und Rückgriff
vor-
gestellten
auf Spezialgebiete, dem Prüf-
Lösungs-
ling wohlwollend entgegenzu-
weges
kommen, um ihm Selbstver-
stimmt, z.B.: "Meinen Sie Ihre Frage in Richtung
trauen und Sicherheit zu geben.
auf ...?" "Wollen Sie von mir hören, was ...?"
Verunsichere den Prüfer bloss nicht nicht durch
6. Verstecke deine Kenntnisse und Fähig-
Schweigen!
keiten nicht!
Biete dem Prüfer Gelegenheit, dich über Themen
3. Nicht gleich resignieren!
zu prüfen, in denen du dich besonders sicher
Wer alles auf Anhieb weiss, erhält eine sehr gute
fühlst. Oft lässt sich in Prüfungen durch ge-
Note. Zwischen 00 und 15 Punkten liegt aber
schickte "Lenkung" der Prüfende veranlassen,
noch eine ganze Bandbreite, d.h., dass man
auf deine Hinweise einzugehen. Ob er das tut,
nicht sofort den Kopf in den Sand stecken muss,
ist natürlich in sein Belieben gestellt, wie über-
wenn man eine Frage nicht sofort vollständig
haupt eine solche Lenkung nur geschickt und
beantworten kann. Jede Prüfung hat Abschnitte,
zurückhaltend versucht werden sollte.
in denen man Fragen nur teilweise oder gar
nicht beantworten kann. Es empfiehlt sich dann,
7. Andererseits sind gerade bei festgelaufenen
anstatt aufzugeben oder zu verstummen, Lücken
Prüfungen Prüfer dankbar, wenn du ihnen solche
offen einzugestehen, aber das zu äussern, was
Hilfen anbietest. Nutze die Zeit im Vorberei-
man weiss. Dazu eignen sich z.B. folgende For-
tungsraum dazu, auf deinem Konzept zu notie-
mulierungen:
ren, welche Informationen du auf jeden Fall im
Prüfungsgespräch unterbringen willst. Bestehe
"Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es
gegebenenfalls sanft darauf.
könnte ungefähr so sein, dass...", oder "mir fällt
im Augenblick der Ausdruck nicht ein, aber es
handelt sich, ...", und man versucht den Gegenstand mit anderen Worten zu umschreiben.
26
lernen lernen
8. Nervosität ist normal und wird vom Prü-
Eselsbrücken
fer akzeptiert.
Prüfer sind auch Menschen, die Prüfungen hinter
Deutsch
sich gebracht haben. Sie kennen feuchte Hände,
•
Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich.
leicht zitternde Knie und nervöse Gesten und
•
Wer
brauchen
ohne
'zu'
gebraucht,
haben für natürliche Nervosität Verständnis.
braucht brauchen überhaupt nicht zu
Kein Verständnis und kein Mitleid empfinden sie,
gebrauchen!
wenn Nervosität als Entschuldigung für mangelhafte Leistungen vorgetäuscht wird. Eine der
Prüfungssituation angemessene Nervosität ist
hingegen natürlich. Deshalb kann man sie ruhig
•
•
•
•
Eine realistische Einschätzung seiner Fähigkeiten
tungen ab und stabilisiert Psyche und Nerven.
•
nicht auf eine "Zwei" hoffen. Wer andererseits
kontinuierlich eine gute Note hat, kann auch in
•
Doppel-a, das ist doch klar, sind in
Waage, Haar und Paar!
Englisch
•
He, she, it - ein "s" muss mit. (3. Person Singular in Simple Present)
der Prüfung auf ein ähnliches Ergebnis hoffen.
•
das gibt's auch auf Englisch: He, she, it
– No "s" is shit.
10. Stehe Prüfungen durch!
Auf keinen Fall sollte man Prüfungen vorzeitig
Den 'Tiger' schreib mit langem 'i', jedoch mit mit 'ie' schreib ihn nie!
Wer jahrelang in einem Prüfungsfach nur eine
"Vier" hat, kann schlechterdings in einer Prüfung
Sei nicht dumm und merk dir bloss:
Namenwörter schreibt man gross!
Prüfungsergebnisse baut Angst vor Versagen,
Selbstüberschätzung und übersteigerte Erwar-
Da, wo man redet, sagt und spricht,
vergiss die kleinen Zeichen nicht.
9. Gehe mit realistischen Vorerwartungen
und Kenntnisse und damit der erreichbaren
Nach l, n, r das merke ja, steht nie tz
und nie ck
zeigen.
in die Prüfung!
'gar nicht' wird gar nicht zusammengeschrieben.
•
Did und Grundform ist die Norm nach
abbrechen, sondern bis zum Ende durchhalten.
"did" steht nie die Past Tense form.
Fachlich begründete Prüfungsmisserfolge sind in
(das gilt auch für andere Formen von
der Regel durch Wiederholung wettzumachen.
"to do")
Wird eine Prüfung hingegen abgebrochen, gräbt
Beispiel dazu: Did you go shopping?
sich diese Situation oft traumatisch in die Psyche
(Simple Past)
ein und löst später immer wieder panische
Angstgefühle aus.
•
Oder was für die Fragebildung mit
question words: With "who" never "to
do". (I.d.R. braucht man die Umschreibung mit "do" zur Fragebildung, es sei
denn,
man
benutzt
das
Fragewort
"Who".
Allerdings gibt's da auch "Ausnahmen"!
(Who do you think you are?)
27
lernen lernen
Französisch
•
•
Um "ou" (oder) von "où" (wo) voneinander zu unterscheiden: Auf der Oder
nant, als Feminina sind bekannt.
schwimmt kein Graf.
•
Die -o, -as, -aus, die -x und –is -es in
parisyllabis, und -s, vor dem ein Konso-
•
Die -a, -e, -c, die -l, -n, -t, die -ar, -ur,
-us sind neutrius
• Vor o, u, a, lautet "C" wie "K". Hängt
man eine Cedille dran, nimmt es gleich
Mathematik
den "S-Laut" an.
•
Latein
•
Nach si, nisi, ne, num, pro, ubi, quan-
•
do, cum fällt ali- um (quis statt aliquis
usw.)
•
unus, solus, totus, ullus, uter, alter,
•
ich im Buch "Mathematik ernst und hei-
tiv enden sie stets auf ein langes i
ter" von Erich Schneider:
oder:
Wie, o dies Pi
Unus, solus, totus, ullus, uter, alter,
ernstlich so vielen Müh'!
5
Lernt
5
oder:
man sie stets mit einem langen i.
3
•
•
Brauch männlich die auf -or, -os, -er
2 3
8
4
6
2
6
4
In Mathe versuch ich es mit der KLAPS-
Für den Phasenverschiebungswinkel in
Kondensator, Strom eilt vor. Induktivi-
senectus, palus, merces,seges, quies,
sein.
9
oder:
Doch iuventus, virtus, salus, servitus,
ossis (Bein), müssen gleichfalls neutra
7
die Ströme sich verspäten.
leo, pons, dens, sol, grex und pulvis.
iter, ver und aes, os, oris (Mund), os,
9
Und: Bei Induktivitäten (also Spulen),
ordo,
Neutra sind cor, vas (Gefäss), cadaver,
8
densato(ooooooo)r eilt der Strom vor.
auf -nis – mensis, orbis, sanguis, fons
auch: arbor weiblich sind im Brauch.
leichte
der Wechselstromtechnik: Beim Kon-
Masculini generis sind die Wörter all'
sermo,
Jünglinge,
3
Physik
•
Lateinische Geschlechtsregeln:
immerhin,
Macht
Regel: Pi Kla mmer, P unkt vor S trich
a, ab, abs, e, ex und de cum und sine,
pro und prae stehen mit dem Ablativ
6
1
merken sein!
neuter, nullus, alius erfordern alle ius in
dem zweiten Falle, und im Dativ setzt
2
4
Wie so zum Beispiel dies dürfte zu
unus, solus, totus, ullus, uter, alter,
collis,lapis,piscis.mons,
9
3 , 1
Verselein,
enden sie, wie alius, mit langem '-i'.
•
Folgenden Merksatz für Pi=3,14... fand
le "ius" in dem zweiten Falle und im Da-
ius' in dem zweiten Falle. Doch im Dativ
•
6x6 ist 36, ist der Lehrer noch so fleissig...
neuter, nullus und uterque haben alle '-
•
Differenzen und Summen kürzen nur
die Dummen! (Bruchrechnen)
•
neuter, nullus, und alius – sie haben al-
•
Bedächtig kommt dahergeschritten, 4/3
Pi mal R zur dritten...
tät, Strom zu spät.
•
Omega ist, das weiss ich, n mal Pi
durch dreissig. Es betrifft die Umrechnung von der Umdrehungszahl n, gemessen in Umdrehungen pro Minute, in
die Kreisfrequenz Omega, gemessen in
1/sekunde.
und -es Ungleichsilbiger.
28
lernen lernen
Geschichte
•
•
Granit immer.
333 bei Issos Keilerei (333 besiegte
Alexander der Grosse den Perserkönig
Feldspat, Quarz und Glimmer – hat der
•
Bei Frauen und bei Cirren kann man
Darius III in einer Schlacht bei Issos.)
sich manchmal irren. (Cirren künden im
•
753 - Rom schlüpft aus dem Ei
Regelfall
•
Aus dem I. Weltkrieg: Jeder Schuss ein
Warmfront,
einer
die
herannahenden
Landregen
mit
sich
bringt – es muss aber nicht unbedingt
Russ', jeder Stoss ein Franzos', jeder
so sein.)
Tritt ein Brit', die Serben müssen alle
sterben und über die Montenegriner, da
von
•
Nie Ohne Seife Waschen. (Die Folge der
lachen ja die Hihner. (Nicht schön, gibt
Anfangsbuchstaben hilft, die Reihenfol-
aber die Stimmungslage vom Sommer
ge der Himmelsrichtungen zu behalten,
'14 wieder).
um sie in Uhrzeigerrichtung in einer
Windrose richtig einzusetzen.)
Geographie
•
•
Brigach und Breg bringen die Donau zu
(Luv und zu haben ein u, Lee und weg
Weg Altmühl, Nab und Regen fliessen
ein e.)
der Donau entgegen, Iller, Lech, Isar,
•
Ohrfeige gebe, hast du eine rote linke
oder:
Backe, daher: Backbord ist links und
rot. (Steuerbord ist rechts und grün;
jeweils komplementär.)
Donau hin, Altmühl, Naab und Regen,
sind dagegen links gelegen.
•
die Positionslaternen sehen, dann gilt:
Æ Rot an Rot hat keine Not.
Satz merken: Welcher Sportler liegt bis
Æ Grün an Grün kannst du getrost vor-
neun im Bett
überziehn.
oder
Welcher Seemann liegt bei Nanni im
Bett (Wangerooge Spiekeroog Langeoog Baltrum Norderney Juist Borkum)
•
Wenn sich zwei Schiffe nachts begegnen und vom jeweils anderen nichts als
Die Reihenfolge der Ostfriesischen Inseln kann man sich mit dem folgenden
•
Wenn ich (als Rechtshänder) dir eine
Inn fliessen zu der Donau hin
Iller, Lech, Isar, Inn, fliessen rechts der
•
Luv = zum Wind, Lee = weg vom Wind
Astronomie
•
Zum Merken der Planetenreihenfolge
bietet sich folgender Satz an:
Wo Fulda sich und Werra küssen, sie ih-
Mein
Merkur
ren Namen büssen müssen. So entsteht
Vater
Venus
– ohne Verdruss – der schöne Weser-
Erklärt
Erde
fluss.
Mir
Mars
Geographenfluch (so aus den 70er Jah-
Jeden
Jupiter
ren von Hanns Dieter Hüsch): Lias,
Sonntag
Saturn
Dogger, Qualm (=Malm), Günz, Mindel,
Unsere
Uranus
Riss und Zwirn (=Würm) !! (Die Ab-
Neun
Neptun
schnitte der Jura-Zeit und die vier Eis-
Planeten
Pluto
zeiten in Süddeutschland)
•
Wenn aber Pluto mit seiner elliptischen
Bahn näher an der Sonne ist als Neptun, heisst der Spruch: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere Planeten neu!
29
Stress und Prüfungsangst
kik business academy
Neuenhoferstrasse 101
5401 Baden
www.kik-business-academy.ch
Impressum
Autoren:
Anton Wagner
Herausgeber:
kik AG / ITS
Layout/Gestaltung:
Daniela von Bergen, kik AG
© kik business academy
lernen lernen
Stress und Prüfungsangst
Stress
Definition
Krank machender Stress
Es gibt vielfältige Stressauslöser. Sie werden
individuell bewertet. Das geschieht automatisch,
Eigentlich ist Stress eine selbstverständliche
und ist von unserem Gesundheitszustand, von
körperliche Reaktion auf eine Herausforderung.
Erziehung und unseren Erbanlagen abhängig.
Der Mensch braucht für eine normale körperliche
und seelische Entwicklung angemessene Belas-
Stressoren
tungen, die zum Handeln, zur Anpassung zwin-
•
Isolation
gen.
•
Kündigung
•
Probleme
•
Andauender Lärm
•
Behinderung z. B. Stau bei Autofahrt
•
Verhalten von Menschen
•
Ärger mit Partner
•
Ärger im Beruf
•
Enge
•
Angst
•
Armut, finanzielle Schwierigkeiten
•
Überlastung, zusätzliche Aufgaben
•
Andauernde Leistungsforderung
Stress kann aber krank machen, wenn die Bean-
•
Tod eines Freundes
spruchungen übermässig sind, wenn sich der
•
Nachtarbeit
Körper fast ständig in erhöhter Alarmbereitschaft
•
Zu hohe eigene Ansprüche
befindet.
•
Zu hohe Erwartungen von aussen
•
Krankheit
Es gilt zwischen dem Eustress (eu: gut, schön)
•
Eintönigkeit
und dem Distress (dis: schlecht, krankhaft) zu
•
Vortrag/Rede halten
unterscheiden.
•
Minderwertigkeitsgefühl
•
Orientierungslosigkeit
Anspannung und Wechsel zur nötigen Entspan-
•
Schuldgefühl
nung ist Voraussetzung für das Wohlbefinden, ist
•
Eile/Hetze/Zeitdruck
ein Lebensgrundprinzip. Verspannungen gilt es
•
Entzug
der
Grundbedürfnisse
Es-
sen/Trinken
zu lösen oder noch besser zu verhindern.
•
hässliche Umgebung
Nicht jeder Stress macht krank. Wir brauchen
•
Arbeitsplatzwechsel, Pensionierung
positiven Stress. Er macht das Leben lebens-
•
massloser Wettkampf
wert. "Stress ist Leben". Spannungen erzeugen
•
Einsamkeit
Kraft, eben Spannkraft. Ohne ein gewisses Mass
•
Neid/Missgunst
an Stress können wir nicht gesund sein. Aller-
•
Behinderung z. B. Hörbehinderung
dings sollte sich der Stress in Grenzen alten, und
diese Grenzen sind bei jedem Menschen ver-
Stressoren sind Stresserzeuger. Wichtig ist,
schieden. Wir alle brauchen Spannung und Ent-
dass es keine in jedem Falle unfehlbaren Stress-
spannung, das ist ein biologisches und psycholo-
auslöser gibt. Nicht die Situation ist ein Stress-
gisches Grundprinzip.
auslöser, sondern die individuelle Bewertung.
1
lernen lernen
Wir leben in einer Zeit, in der Hektik und
Distress immer mehr zunehmen. Es gehört
schon fast schon zum guten Ton, gestresst zu
sein. Nicht nur Manager sind gestresst, Hausfrauen, Schüler, Sportler, Arbeiter, selbst Rent-
Stresserkennung
Einige Stresssymptome können auch medizinische Gründe haben. Oft sind sie jedoch Reaktionen des Körpers auf ungenügendes Stressmanagement.
ner sind es gleichermassen.
Stresssymptome
Ungelöste Konflikte beschäftigen und belasten
uns, wir kommen mit Mitmenschen nicht zurecht, Arbeiten wachsen uns über den Kopf, wir
ängstigen uns über die Gegenwart und vor der
Zukunft.
Uns werden täglich Aktionen und Reaktionen
abverlangt, die ungewöhnlich sind, wir müssen
uns beispielsweise nach Zeitplänen richten, sind
dauernd in Eile und müssen effizient sein.
Viele Menschen sind mit ihrer familiären, beruflichen Situation unzufrieden. Sie sind zerfressen
von Neid auf Besitz und Erfolg, machen sich
selber krank mit ihrer Missgunst.
Das Resultat ist, dass der Körper mit innerer
Unruhe, Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Resignation reagiert.
•
Kopfschmerzen, Migrälne
•
Magenverstimmung
•
Angespanntheit
•
Irritierbarkeit
•
Depression
•
Durchfall
•
Verstopfung
•
Mangel an Energie
•
Gefühl der Hoffnungslosigkeit
•
Konzentrationsprobleme
•
Übermässiges Essen
•
Auslassen von Mahlzeiten
•
Häuffige Erkältung
•
Ärger
•
Gefühl der Machtlosigkeit
•
Vergesslichkeit
•
Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen.
•
Schlaflosigkeit
•
Erhöhter Konsum von Tabak, Alkohol
oder Medikamenten.
Die Folgen von anhaltendem krankmachendem
Stress sind Blutdruckanstieg, Gefässkrankheiten,
Herzmuskelschäden, usw.
Da Stress oft eine selbstgewählte Leidensform
ist und oft auch "hausgemacht" ist, lohnt es sich,
sich mit dieser modernen Seuche auseinanderzusetzen.
Tipps zum Stressabbau
Beginnen den Tag mit einem Plan
Fangen Sie den Tag an, indem Sie in aller Ruhe
Ihr Tagespensum festlegen. Ordnen Sie die Ziele
nach ihrer Wichtigkeit. Das Unwichtigere kann
dann immer noch verschoben werden.
Mach mal Pause!
Legen Sie eine Pause ein, wenn Sie etwas erledigt haben. So merken Sie erst richtig, wie gut
es vorwärts geht. Nur die wenigsten Dinge lassen sich zu aller Zufriedenheit und für alle Zeiten
erledigen. Geniessen Sie deshalb auch die Freude, ein Etappenziel zu erreichen.
Belohne dich!
Setzen Sie sich Belohnungen für das Erreichen
Ihrer Ziele. Man kann sich auch belohnen, indem
man jemand eine Freude macht.
2
lernen lernen
Mach am Feierabend einen Punkt!
•
Bau jeden Tag eine Fitnesspause zur
Machen Sie endgültig Feierabend am Ende der
Arbeitszeit. Unerledigtes kommt auf die folgende
Energie- und Stimmungssteigerung
•
Lass Zeit für Freizeit: z.B. Musik, Gar-
Tagesliste. Und grübeln Sie nicht über begangene Fehler oder Fehlentscheidungen nach. Merken
Sie sich, wie Sie diese künftig vermeiden können.
tenarbeit, Lesen etc.
•
Vermeide Nikotin, Alkohol oder Medikamente.
•
Benütze Misserfolge als Lerngelegenheiten.
Tue etwas beim Nichtstun!
Auf dem Sofa liegen, fernsehen, Zeitung Lesen,
•
Sage "Nein" zu Aufgaben, die zu zuviel
Stress führen.
kann helfen, sich zu entspannen und abzuschalten. Doch es gibt eine Menge anderer Freizeitbe-
•
Sprich mit einem Freund über Enttäu-
schäftigungen – auch anstrengende – die gesund
sind. So z. B. sportliche Betätigungen, muskuläre Verspannungen – eine Begleiterscheinung des
Stresses - zu lösen.
schungen oder Erfolge.
•
Gib zu, wenn Du nicht recht hast.
•
Vermeide Stressquellen wie laute Musik
oder ständige Unordnung.
•
Lache. Nimm Dir Zeit um Spass zu haben.
•
Vergiss nicht, dass es auch in Ordnung
ist, einmal zu weinen.
•
Trainiere Tiefenatmung: 5 Sekunden
einatmen, 4 Sekunden halten, 5 Sekunden ausatmen.
•
Längeres
Sitzen
produziert
Stress.
Nimm Treppen statt Lifte, stehe beim
Telefonieren.
•
Mach Antistressübungen.
Die folgenden 20 Antistresstips sind von der
Boston Public Health Commission herausgege-
training
ben worden:
•
Denk positiv und umgib Dich mit positiv
denkenden Menschen.
•
•
•
Stressabwehr mit Hilfe von EntspannungsSelbst
grosse
Stresssituationen
können
gut
ertragen werden, wenn man entspannt und nicht
bereits von vornherein nervös ist. Bereits beste-
Stecke keine zu hohen Ziele. Bitte wenn
hende innere Stressreaktionen können durch
nötig um Hilfe.
Entspannungsübungen abgebaut werden.
Akzeptiere, dass Du nicht jede Situation
kontrollieren kannst. Sei Flexibel.
Es gibt verschiedene Verfahren, die zu einer
Mach am Tagesanfang eine Liste der zu
inneren und äusseren Ruhe führen können.
erledigenden Aufgaben. Setze PrioritäBei uns ist das Autogene Training am bekanntes-
ten.
•
Zerlege grössere Aufgaben in kleinere.
•
Iss
ausgewogen,
genügend
Früchte,
ten, in den USA hat die Tiefenmuskelentspannung einen grossen Bekanntheitsgrad.
Korn und Gemüse.
•
Schlaf genügend jede Nacht.
3
lernen lernen
a. Autogenes Training
flecht
Das Autogene Training ist weltweit verbreitet.
Suggestion hervorrufen.
und
Kühle
der
Stirn
durch
Selbst-
Seine gegenwärtige besondere Publizität könnte
den Eindruck erwecken, es handle sich dabei um
eine "Modesache", der gegenüber Skepsis und
Die Übungen im Einzelnen:
•
Die Ruhe-Übung versetzt den Körper
Vorbehalte angebracht wären. Nichts wäre fal-
und Geist in einen Ruhezustand und soll
scher als derartige Bedenken.
der Konzentration helfen. Typische Vorstellung: „Ich bin ganz ruhig. Die Gedanken kommen und gehen. Nichts
kann mich stören.“
•
Die Schwere-Übung löst ein Schweregefühl der Gliedmaßen aus (Muskelentspannung). Typische Vorstellung: „Die
Arme und Beine sind schwer.“
•
Die Wärme-Übung führt zu einem
Wärmegefühl in den Gliedmaßen (verbesserte Durchblutung). Typische Vorstellung: „Die Arme und Beine sind
warm.“
•
Die Atem-Übung vertieft die Entspannung durch konzentriertes, ruhiges Einund Ausatmen. Typische Vorstellung:
Der besondere Vorteil des Autogenen Trainings
„Die Atmung geht ruhig und gleichmä-
liegt darin, dass der Übende selber einen Ent-
ßig.“, oder: „Es atmet mich.“
spannungszustand bewirkt, der nicht nur erhol-
•
Die Herz-Übung (Konzentration auf
sam ist, sondern auch gezielt Beeinträchtigun-
den Herzschlag) beruhigt weiter. Typi-
gen des allgemeinen Wohlbefindens und der
sche Vorstellung: „Das Herz schlägt ru-
Organfunktionen zu mildern und zu beheben
hig und gelassen.“
vermag.
•
Die Sonnengeflechts-Übung bedeutet
Konzentration auf den Solarplexus und
Vorzugsweise und mit guten Erfolgen wurde in
seine Durchblutung (Vertiefen der Ent-
steigendem Masse das Autogene Training zur
spannung). Typische Vorstellung: „Das
Behebung von Störungen der vegetativen Abläu-
Sonnengeflecht (oder: die Leibmitte) ist
fe, des Konzentrationsvermögens, bei Span-
strömend warm.“
nungs- und Angstzuständen, Ein-und Durchschlafschwierigkeiten,
Nervosität
und
Stress
angewandt.
Grundlagen-Stufe
Die Grundlagen-Stufe des autogenen Trainings
dient vor allem der Entspannung.
Sie besteht üblicherweise aus sieben Übungen,
die nacheinander Ruhe, Schwere und Wärme in
den Armen und Beinen, eine Beruhigung des
Pulses und der Atmung, Wärme im Sonnenge-
•
Die Kopf-Übung umfasst Konzentration auf eine „kühle Stirn“ (dient dem
Wachbleiben und Wiedererlangen von
Konzentrationskraft, z. B. bei Müdigkeit). Typische Vorstellung: „Der Kopf
ist klar, die Stirn ist kühl.“
Mit zunehmendem Training verstärkt sich die
Wirkung der Übungen (z. B. Wirkung auf den
ganzen Körper anstatt nur auf die Arme). Der
erfahrene Anwender kann daher in kurzer Zeit
eine tiefe Entspannung (bei vollem Bewusstsein)
4
lernen lernen
hervorrufen. Die gesprochenen Formeln werden
Voraussetzung für die Übungen der höheren
dabei nach persönlichem Geschmack angepasst
Stufe ist die Beherrschung der Übungen der
und erweitert. Insbesondere ist es mit Hilfe der
Grundlagen-Stufe. Die höhere Stufe des autoge-
„formelhaften Formulierungen“ möglich, Aufträ-
nen Trainings dient der „aufdeckenden“ Selbst-
ge an sich selbst im Unbewußten zu verankern,
erkenntnis. Die Einsichten werden vom Übenden
die nach Abschluss der Übung nachwirken (z. B.
selbstständig ohne Hilfe eines Therapeuten erar-
„Bei Stress bleibe ich ruhig und gelassen“).
beitet.
Höhere Stufe
In der höheren Stufe werden luzide Träume
In der höheren Stufe des Autogenen Trainings
durchlebt mit bleibenden klaren Erinnerungen,
soll ein Problem mit Suggestion so weit gelöst
die nicht wie beim Traum meistens nach weni-
werden, dass die Person Heilung oder wenigs-
gen Minuten ausgelöscht sind.
tens Linderung erfährt. Über die Ursache des
Problems wird nichts ausgesagt.
Nach üblicher Einleitung des AT über Ruhe,
Schwere und Wärme, Atemübung, Herzübung
Für viele Zwecke sind die Übungen der Grundla-
und Sonnengeflechtsmeditation bleibt der Üben-
gen-Stufe vollkommen ausreichend. In der hö-
de in der tiefsten Meditationsstufe des Sonnen-
heren Stufe geht es um vertiefte Selbsterkennt-
geflechtes, dem hypnoiden Trancezustand, sagt
nis und um Charakterbildung.
sich aber jetzt: Vor meinem inneren Auge sehe
ich eine Farbe. Aus dieser Farbe entwickelt sich
Der Ablauf gestaltet sich etwa so:
•
Sitzung: Farberlebnisse
•
Sitzung: Wahrnehmen konkreter Gegenstände (z. B. eine brennende Kerze,
eine Rose)
•
Sitzung: Schau abstrakter Werte (z. B.
Hoffnung, Liebe, Mut)
•
ein Traumbild.
Dieses Traumbild hat drei Quellen: Einmal das
vor Beginn der Übung festgelegte Meditationsbild (Meer, Berg, ein anderer Gegenstand, ein
Mensch etc) zum zweiten die aus dem Unbewussten kommende Veränderung dieses Bildes
und drittens die aus dem aktiven Bewusstsein
Sitzung: Übungen zur Charakterbildung
kommende gewollte Veränderung dieses Bildes.
und vertieften Selbsterkenntnis (Fragen
Diese drei Zuflüsse vermischen sich in jeweils
an sich selbst z. B. „wer bin ich?“ oder
unterschiedlicher
Quantität
und
Qualität.
Es
„was soll ich tun?“; neben Fragen sind
entsteht so ein luzider Traum, (Klartraum), der
auch Suggestionen Inhalt dieser Sit-
nach dem üblichen Rückruf im Autogenen Trai-
zung z. B. „ich nehme mich an“ oder
ning völlig memoriert werden kann. Er kann
„ich bin zuversichtlich“)
selbstheilend wirken oder als Basis für ein thera-
•
Sitzung: Reise auf den Meeresgrund
peutisches Gespräch genommen werden. Die
•
Sitzung: Reise auf den Gipfel eines Ber-
beste Zeitspanne für einen solchen Klartraum
ges
sind ca. 15 Minuten.
•
Sitzung: Eigene Bilder mit bestimmten
Zielsetzungen
Die höhere Stufe des Autogenen Trainings kann
für sich praktiziert werden.
5
lernen lernen
b.
Tiefenmuskelentspannung
oder
Für die Verbesserung der Entspannungsfähigkeit
Progressive Relaxation
ist auch Sensibilisierung für Spannungs- und
Die progressive Relaxation beruht auf dem ein
Entspannungsgefühle von Vorteil.
Zusammenhang
von
psychischer
Spannung
(Unruhe, Angst) und Muskelspannungen.
Relaxation Response
Die meditative Entspannungsreaktion verändert
Ein Mensch, der seelisch angespannt ist, ist auch
langfristig die Biochemie des Körpers und errich-
muskulär angespannt. Meist kann man einem
tet eine Art Blockade gegen die negativen Wir-
unruhigen oder ängstlichen Menschen die (Mus-
kungen des Stresshormons Noradrenalin auf
kel-) Spannung ansehen: Das Gesicht ist ge-
Blutdruck und Herzschlagfrequenz.
spannt (Sorgenfalten), die Schultern hochgezogen und die Haltung verkrampft.
Dazu kommt im psychischen Bereich eine Verminderung von Angst, depressiven Zuständen,
Ärgerbereitschaft und Feindseligkeit.
Es geht darum, den Strom der Alltagsgedanken
zu unterbrechen. Dazu wählt man sich einen
sogenannten "geistigen Fokus", etwas, dem man
sich während 10 bis 20 Minuten ganz hingibt.
Wenn ablenkende Gedanken eindringen, lenkt
man die Wahrnehmung sanft und ohne Zwang
wieder auf den Fokus.
Vorgehen:
1.
Wählen Sie ein Wort, einen Begriff oder ein Gebet, das Sie als Fokus verwenden wollen, oder konzentrieren Sie
sich nur auf Ihren Atem.
2.
Sitzen Sie ruhig in einer bequemen Haltung.
3.
Schliessen Sie die Augen.
nen verschiedener Muskelgruppen und durch
4.
Entspannen Sie die Muskeln.
den Lernvorgang, sich auf die begleitenden Ge-
5.
Atmen Sie langsam und natürlich, wie-
Umgekehrt ist durch gezieltes An- und Entspan-
fühle von Spannungen und Entspannungen zu
derholen Sie Ihr Fokus-Wort jedesmal
konzentrieren und sie zu unterscheiden, ein
beim Ausatmen.
Abbau fast aller Muskelspannungen möglich.
6.
Bleiben Sie passiv, kümmern Sie sich
nicht darum, ob Sie es gut machen.
Dadurch kann ein Gefühl tiefer Entspannung
Wenn Ihre Gedanken wandern, lenken
erlebt werden. Hierbei tritt ein Effekt auf, der
Sie sie auf den Fokus zurück.
dem eines Pendels ähnelt. Auf ein bewusstes
Anspannen eines Muskels tritt nach dem Loslassen eine gegenläufige « Pendelbewegung » ein,
die zu dem Gefühl verstärkter Muskelentspannung führt.
7.
Halten Sie diese Prozedur 10 bis 20 Minuten durch.
8.
Entspannen Sie sich nach dieser Methode 1-2 Mal pro Tag.
6
lernen lernen
Entscheidend für den Erfolg ist die Geduld: Es
Wege aus der Prüfungsangst
kann bei allen Verfahren Wochen oder gar Mona-
Sich optimal aufregen
te dauern, bis die Wirkung spürbar ist.
Prüfungsangst weist auf ein Ungleichgewicht
c. Andere Methoden
zwischen Anforderungen und Bewältigungsmög-
Natürlich gibt es noch weitere Methoden, die
lichkeiten hin. Prüfungsangst an sich ist normal!
eine Entspannung zum Ziel haben, zum Beispiel
Erst ihr Übermaß wird zum Problem. Aufregung
Yoga, Meditation oder Biotraining Auch Kurse für
aktiviert Menschen (macht sie munter). Zu viel
Atemschulung zeigen gute Erfolge. Tiefes, be-
Aufregung verringert dagegen die Flexibilität,
wusstes Atmen steigert die Leistung des Kreis-
weil dann nur noch einfache Flucht- und An-
laufsystems
Sauerstoff-
griffsreaktionen zur Verfügung stehen. Erstreben
aufnahme. Neben dem Sport und bewusst ein-
Sie also nicht allzu viel „Coolness“, sondern
gesetzten Entspannungstechniken gibt es eine
finden Sie lieber den für Sie optimalen Mittelweg
ganze Reihe Tätigkeiten, die Stress abbauen.
und machen Sie die Prüfungsangst zu Ihrer
Alles was wir gern und mit Freude tun, baut
Verbündeten.
und
begünstigt
die
Stress ab: Lesen, Musizieren, Tanzen, Singen,
Handarbeiten, Beschäftigung mit Tieren, Nichtstun, Ferien, usw. Statt negativ, sollten wir uns
bemühen, positiv zu denken . Eine Aussprache
mit einem Freund, einer Freundin bewirkt oft
wahre Wunder, tut gut und hilft, einen Teil der
Spannungen abzutragen. Auch Tagebuch- oder
Briefeschreiben (vielleicht nur für den Papierkorb) können unser Inneres besänftigen. Vielleicht sprechen Sie auf Farben oder Düfte (ätherische Öle) an, vielleicht hilft eine Tasse Tee,
oder es hilft ein anderes Mittel aus der Natur.
Beruhigende
rein
pflanzliche
Wirkstoffe
sind
unter anderem Baldrian, Hopfen, Passionsblume
oder Lavendel. Versuchen Sie, gelassener zu
werden. Denken Sie daran: Wo Schatten ist,
muss auch Licht sein!
Zur Geburt gehört der Tod.
Zum Einatmen gehört das Ausatmen.
Zum Geben gehört das Nehmen
Zur Leistung gehört die Erholung
Zur Geborgenheit gehört die Einsamkeit
Zur Spannung gehört die Entspannung
Selbstwertgefühl stärken
Obwohl manche Körperreaktionen dies nahe
legen (wie Herzrasen und Schweißausbrüche),
sind Prüfungen kein Angriff auf Ihr Leben oder
Ihre Gesundheit. Machen Sie sich bewusst, dass
Prüfungen vor allem darauf abzielen, Ihre Leistung zu bewerten. „Prüfungsangst“ ist somit eine
Variante der „Bewertungsangst“. Zu ihr passt es
nicht, sich wie ein Steinzeitmensch im Angesicht
eines Säbelzahntigers zu verhalten. Wenn Sie
sich vor und bei Prüfungen übermäßig ängstigen, spricht einiges dafür, dass Sie Ihr Selbstwertgefühl stark von der Meinung anderer abhängig machen (Motto: Ich bin nur, was ich
leiste). Vielleicht haben Sie ein hohes Perfektionsstreben und betrachten jeden Misserfolg als
Beweis Ihrer Minderwertigkeit. Da Prüfungen
immer wieder vorkommen können, lohnt es sich,
Ihr Selbstwertgefühl auf eine stabilere Basis zu
stellen. Dazu kann Ihnen – neben positiven
Lebenserfahrungen – eine Psychotherapie helfen.
Chinesische Weisheit
Und dann: Lachen Sie! Lachen ist die beste
Medizin. Die heilende Kraft des Lachens liegt
Verantwortung für das Prüfungsergebnis vernünftig verteilen
unter anderem darin, dass Lachen Stress besei-
Der Ausgang einer Prüfung hängt meistens von
tigt, denn es löst nervöse Spannungen und reak-
mehr als einem Faktor (Ihren Fähigkeiten) ab.
tiviert dadurch das Immunsystem. Indem La-
So spielen besonders bei mündlichen Prüfungen
chen Stress beseitigt oder verringert, bessert es
persönliche Sympathien und Antipathien, die
auch die Leistungsfähigkeit der Sinne und Wahr-
Tagesverfassung des Prüfers und das Verhalten
nehmung.
eventueller Mitprüflinge eine Rolle. Es ist daher
7
lernen lernen
lebensfremd, das Prüfungsergebnis nur Ihren
Leistungen oder nur dem Faktor Glück zuzuschreiben. Indem Sie die Verantwortung wirklichkeitsgetreuer verteilen, motivieren sie sich,
an den Dingen zu arbeiten, die Sie selbst verändern bzw. beeinflussen können. Hierzu gehört
auch der Versuch, die Rahmenbedingungen der
Prüfung eigenen Bedürfnissen anzupassen.
Prüfungskandidaten
gehen
davon
Fakten allein sind meist neutral, erst ihre „Bedeutung“ macht Angst. Sehen Sie die Prüfung
nicht als „Bedrohung“, sondern als Chance zu
zeigen, was in Ihnen steckt. Entnehmen Sie
einem schnell schlagenden Herz die beruhigende
Botschaft, dass jetzt Ihr Gehirn besser durchblutet wird.
Katastrophen zu Ende fantasieren
Viele
Perspektiven verändern
Arbeitstechniken optimieren und
aus,
„dass die Welt zusammenbricht“, wenn sie nicht
bestehen. In der Regel geht das Leben aber
weiter und finden sich Lösungen für die neue
Situation. Manchmal hilft es daher, sich nicht nur
die Katastrophe vorzustellen, sondern sich auch
die Folgezeit auszudenken. So können Sie sich
selbst vor Augen führen, dass wichtige Men-
realistische Ziele setzen
Prüfungsangst kann auch auf mangelnde Vorbereitung oder ungünstige Lerntechniken (Verzetteln, keine Pausen, fehlende Lernziele) hinweisen. Optimieren Sie in diesem Fall Ihre Vorbereitungsstrategien (z. B. durch Zeit- und Stoffpläne, ausreichende Wiederholungen).
schen (Eltern, Freunde, Partner) Sie wegen einer
durchgefallenen Prüfung nicht verachten oder
verlassen werden. Außerdem hält das Leben
Alternativen
bereit
(Wiederholungsprüfung,
andere Berufswege). Helfen Sie sich mit dem
Satz: „Umwege verbessern die Ortskenntnis“
und „Es gibt keine Misserfolge, sondern nur
nützliche Erfahrungen“.
Sich positiv programmieren und Energie vernünftig einsetzen
Nutzen Sie das Prinzip der „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“. Indem Sie von einem Prüfungserfolg
ausgehen,
verhindern
Sie,
dass
Ängste unsinnig viel Energie binden. Aus dem
gleichen Grund ist es mitunter auch hinderlich,
sich vor einem Prüfer krampfhaft zusammen zu
reißen.
Finden Sie Kurzformeln, die Sie
in
schwierigen Situationen motivieren („Ich schaffe
das“ „Ich stehe das durch“). Programmieren Sie
Ängste
in
„gespannte
Vorfreude“
(gesundes
Lampenfieber) um.
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Seele and Geist
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