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Beikost: Wann darf ich meinem Kind was zufüttern?

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Ausgabe 19/2010
Prävention allergischer Erkrankungen
Liebe Eltern,
auch bei den Kinderkrankheiten ändern sich die Zeiten. Waren in den fünfziger und sechziger Jahren Masern, Mumps, Röteln,
Kinderlähmung und Keuchhusten der Alltag des Kinderarztes, sind diese Krankheiten und ihre lebensbedrohlichen Komplikationen dank der heute verfügbaren Impfungen die Ausnahme.
Eine zentrale Frage der Pädiatrie ist, ob auch bei Allergien eine solche Vorbeugung möglich wäre. Laut einer Studie des
Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen über sechs Jahren von Asthma,
14 Prozent von Neurodermitis und ebenfalls 14 Prozent von allergischer Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen) betroffen. Der
West-Ost-Vergleich unmittelbar nach der »Wende« hat uns gelehrt, dass ein Zusammenhang zwischen Allergiehäufigkeit und
Lebensweise besteht und dass darin möglicherweise ein Ansatz für die Prävention zu sehen ist. Daher stehen in den aktuProf. Dr. C.P. Bauer
ellen pina-news die neu überarbeiteten Leitlinien zur Allergieprävention im Mittelpunkt.
Bereits im frühen Säuglingsalter kann die Ernährung hier eine wichtige Rolle spielen. Noch vor 15 bis 20 Jahren war in diesem Alter die Kuhmilch­aller­
gie keine Seltenheit. Der Grund dafür war häufig das Zwischenfüttern mit Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis. Heute ist dies durch konsequentes
Fördern des Stillens deutlich seltener geworden.
Das belegt, dass ein Ansatz der Allergieprävention darin liegt, Allergene in den ersten Lebensmonaten zu meiden. Gerade bei der Ernährung soll allerdings auch eine Toleranz gegen mögliche Allergene erreicht werden. Deshalb sieht man heute die Rolle der Prävention einerseits im Meiden von Allergenen, vor allem in den ersten vier Lebensmonaten, andererseits aber auch in der Zufuhr bzw. Stimulation bestimmter schützender Faktoren.
Vor diesem Hintergrund ist auch die wissenschaftliche Diskussion um die Bedeutung der Prä- und Probiotika zu sehen. Vielleicht liegt die Zukunft der
Allergieprävention neben dem Ernährungsansatz in einer antiallergischen Impfung mit Gabe von schützenden Faktoren und vielleicht kann künftig die
Zahl der Allergien ähnlich wie die der klassischen Kinderkrankheiten deutlich reduziert
werden.
Ihr
Beikost: Wann darf ich meinem
Kind was zufüttern?
PD Dr. Christian Vogelberg, Universitätskinderklinik Dresden
Prof. Dr. Carl Peter Bauer
Gaißach/München
Inhalt
2 Empfehlungen der neuen
Leitlinie zur Allergievorbeugung
2 Kurz gemeldet
3 Allergievorbeugung durch
hypoallergene Säuglings­
nahrungen
Aufgrund der Häufigkeit allergischer Erkrankungen im Kindesalter wird präventiven Maßnahmen – also Dingen, die eine Allergieentstehung verhindern – ein hoher Stellenwert zugewiesen. Nicht immer ist aber schon abschließend geklärt, welche Maßnahme auch wirklich
zum Erfolg führt.
Ein Beispiel dafür ist die Frage, zu welchem
Zeitpunkt Beikost in die Säuglings- und Kleinkindernährung eingeführt werden sollte. Während hier früher strenge Auflagen galten, haben
verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen
inzwischen mehr Klarheit gebracht. Ihre Ergebnisse schlagen sich in der unlängst erschienenen Experten-Leitlinie zur Allergieprävention
1
nieder. Im Hinblick
auf die Säuglingsernährung formuliert
sie folgende Empfehlungen:
PD Dr. Christian
Vogelberg
Nach dem 4. Monat beginnen!
Für das Neugeborene und den jungen Säugling
stellt das ausschließliche Stillen nach wie vor
die beste Form der Ernährung dar. Hinsichtlich
der Vermeidung allergischer Erkrankungen gilt
dies allerdings nicht ohne Einschränkungen: Die
Experten raten, bereits nach dem vollendeten 4.
Lebensmonat mit der Einführung von Beikost zu
beginnen. Ein allergievorbeugender Effekt durch

 eine verzögerte Beikosteinführung ist nämlich die aktuellen Empfehlungen auch einen wichnicht gesichert; ein entsprechendes Abwarten
kann nicht empfohlen werden. Das ausschließliche Stillen über den 4. Lebensmonat hinaus
bringt also in Bezug auf die Vermeidung von
Allergien nichts.
Ebenso wenig gibt es inzwischen noch Gründe, möglicherweise allergieauslösende Nahrungsmittel nach dem vierten Lebensmonat zu
meiden. Zum Teil scheinen diese sogar einen
schützenden Effekt zu haben: So zeigen manche Studien, dass der Konsum von Fisch ab
dem achten Lebensmonat der
Entwicklung allergischer Erkrankungen vorbeugen kann.
Ausgewogen ernähren!
Neben dem Blick auf den aller­
gieschützenden Effekt darf
natürlich die Bedeutung einer
altersentsprechenden
und
ausgewogenen Ernährung für
die Entwicklung des kleinen
Kindes nicht außer Acht gelassen werden. Von daher stellen
tigen Beitrag zur Vermeidung möglicherweise
gefährlicher Diäten dar.
Bei Nahrungsmittelallergie
Allergen meiden!
Grundsätzlich darf aber nicht vergessen werden,
dass sich die hier aufgeführten Empfehlungen
rein auf die Vorbeugung von Allergien beziehen.
Ist Ihr Kind bereits an einer Nahrungsmittel­aller­
gie erkrankt, gilt es nach wie vor, das betreffende Allergen strikt zu meiden. Hilfestellungen,
wie in einem solchen Fall
eine ausgewogene Diät zusammengestellt wird und
wie lange diese durchgeführt
werden muss, erhalten Sie
von Ihrem Kinderarzt.
Mit der Beikostfütterung
sollte auch bei allergie­
gefährdeten Kindern nach
dem vierten Lebensmonat begonnen werden.
Foto: DAK/Wigger
Ganz aktuell wurde die überarbeitete Leitlinie zur Allergieprävention veröffentlicht. Sie kann unter
www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm nachgelesen werden. Die wichtigsten Punkte sind
hier zusammengefasst:
Die neue Leitlinie zur Vorbeugung (Prävention)
von Allergien empfiehlt …
Neugeborene nach Möglichkeit volle dass in Haushalten von Neugeborenen,
dass
vier Monate gestillt werden.
deren Mutter, Vater oder Geschwisterkind
bereits an einer Allergie leiden, keine KatNeugeborene, deren Mutter, Vater
dass
zen gehalten werden. In diesen Haushaloder Geschwisterkind bereits an einer
Aller­gie leiden und die nicht gestillt
werden können, eine HA-Nahrung (so
genannte »hypoallergene Nahrung« –
fragen Sie Ihren Kinderarzt) erhalten.
dass nach vollendetem 4. Lebensmonat
(= mit Beginn des 5. Lebensmonates)
Beikost eingeführt wird.

ten sollten generell keine Fell tragenden
Tiere angeschafft werden.
dass Rauchen während und nach der
Schwangerschaft vermieden werden soll.
dass alle Kinder entsprechend den Empfehlungen der »ständigen Impfkomis­
sion« (STIKO) geimpft werden.


Die neue Leitlinie empfiehlt ausdrücklich nicht …
monates gemieden werden soll.
die Mutter während der Schwangerdass
schaft oder der Stillzeit eine Diät einhält.
bei Neugeborenen Maßnahmen zur
dass
Hausstaubmilbenreduktion
ergriffen werdass
Fisch
in
der
Ernährung
des
Klein kindes ab dem Beginn des 5. Lebens­
den.
Prof. Dr. Matthias Kopp, Lübeck
2
Kurz gemeldet
Erstes Institut für Nahrungs­
mittelallergie- und AnaphylaxieForschung in Deutschland
An der Berliner Charité wird erstmals in Deutschland eine eigene Professur zur Erforschung der
Nahrungsmittelallergie und Anaphylaxie im Kindesalter eingerichtet. Die ausgeschriebene Stiftungsprofessur wurde durch die Unterstützung
verschiedener Sponsoren aus dem Stifterverband
für die Deutsche Industrie ermöglicht. Besonders
attraktiv wird die Professur durch die geplante
enge Kooperation mit führenden nordamerikanischen Forschungszentren. Die neue Professur,
die noch in diesem Jahr etabliert werden soll,
wird an die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt
Pneumologie und Immunologie (Direktor Prof.
Dr. Ulrich Wahn) angebunden. Zur Förderung
von Aktivitäten zur Anaphylaxieschulung hat
pina e. V. diese Initiative unterstützt.
Frühjahr 2011:
pina-Präventionswoche in Lübeck
Die Vorbeugung von Atemwegserkrankungen
und Allergien ist ein wichtiger Aspekt von gesundheitspräventivem Verhalten. In der pinaPräventionswoche, die im Frühjahr 2011 in Lübeck stattfinden wird, sollen daher neben der
Allergiepräven­tion auch andere Bereiche thematisiert werden, die den Fokus auf vorbeugendes
Verhalten im Allgemeinen lenken. Neben einem
Teddybärenkrankenhaus für Kinder sind Informationsstände für die Eltern, eine Sport-Aktion für
Kinder und Jugendliche, ein Informationsabend
für Erwachsene und eine Fortbildungsveranstaltung für medizinische Heilberufe rund um das
Thema Prävention geplant. Nähere Informatio­
nen finden Sie unter www.kinderklinik-luebeck.
de/kinderpneumologie/
Arbeitsgruppe »Allergieprävention«
Innerhalb der Gesellschaft für Pädiatrische Aller­
gologie und Umweltmedizin (GPA) haben sich
verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die an
aktuellen Fragestellungen zu Allergien im Kindesalter arbeiten. Hierzu gehört auch die Arbeitsgruppe »Allergieprävention« (www.gpaev.
de/typo/WAG-Praevention.151.0.html). Ansprechpartner bei Fragen und Anregungen sind Prof. Dr.
Matthias Kopp aus Lübeck (kopp@paedia.ukl.
mu-luebeck.de) und PD Dr. Christian Vogelberg
aus Dresden (Christian.Vogelberg@uniklinikumdresden.de).
Allergievorbeugung durch
hypoallergene Säuglingsnahrung
Dr. Andrea von Berg, Forschungsinstitut an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Marien-Hospital Wesel
Allergien und ihre
Zunahme in den vergangenen Jahrzehnten
– das ist längst nicht
mehr nur ein Thema für Menschen mit
medizinischem Hintergrund. Die Medien überschwemmen
Leser, Hörer und ZuDr. Andrea von Berg
schauer geradezu mit
einschlägigen Beiträgen. Manche davon sind
wissenschaftlich fundiert und korrekt, andere
hingegen enthalten auch tendenziell unrichtige
Informationen, die bei den Betroffenen eher Verunsicherung hervorrufen. Eltern, die selber an
einer allergischen Erkrankung leiden oder litten,
wissen, dass ihre Kinder ein erhöhtes Risiko für
die Entwicklung von Allergien haben. Sie sind
daher in besonderem Maße an fundierten Informationen über die Vermeidung und Behandlung
von Allergien interessiert.
Primäre Allergieprävention
Vor dem Hintergrund, dass inzwischen fast jedes
dritte Kind an einer Erkrankung aus dem allergischen Formenkreis (Neurodermitis, Asthma,
Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergie) leidet,
spielen Maßnahmen zur Vorbeugung von Allergien heute eine herausragende Rolle in der Kin-
derheilkunde. Bekannt ist, dass eine allergische
Erkrankung bei mindestens einem Elternteil
oder leiblichem Geschwister einen wesentlichen
Risikofaktor für die spätere Entwicklung einer
Allergie des Kindes darstellt. Maßnahmen zur
primären Allergieprävention (siehe Glossar) sind
deshalb gerade für Kinder mit einer derartigen
familiären Disposition von großer Bedeutung.
Hypoallergene Säuglingsnahrungen
Als ein weiterer Risikofaktor gilt ein früher Aller­
genkontakt des Kindes. Die wichtigste frühe
Aller­genquelle stellt dabei die Milchnahrung
dar. Um hier die allergene Last für den allergiegefährdeten Säugling zu reduzieren, sind
allergenreduzierte, so genannte hypoallergene
Säuglingsmilchnahrungen (HA- oder HydrolysatNahrungen) eine sinnvolle Ergänzung zur Muttermilch. HA-Säuglingsmilchnahrungen werden
durch nahrungsmitteltechnische Hydrolyseverfahren wie Ultraerhitzung, Ultrafiltration und
enzymatische Spaltung der Milcheiweißkörper
Molke und Kasein hergestellt (Abb. 1). Je nach
Intensität der Bearbeitung werden schwache und
starke Hydrolysate unterschieden, die entweder
auf Molken- oder Kaseinbasis hergestellt werden
und seit mehr als 20 Jahren als Molken- oder
Kaseinhydrolysat im Handel sind. Eine stärkere
Hydrolyse der Milcheiweiße wirkt sich nachteilig auf den Geschmack und leider auch auf den
Technische Möglichkeiten zur Reduzierung
der Allergenität von Nahrungseiweiß
Glossar
Primäre Prävention
Unter primärer Allergieprävention werden vorbeugende Maßnahmen verstanden, mit denen zu einem
Zeitpunkt begonnen wird, an dem noch keine Zeichen
einer Erkrankung aufgetreten sind.
Sekundäre Prävention
Maßnahmen der sekundären Prävention setzen in
einem möglichst frühen Stadium einer bereits feststellbaren Erkrankung ein (Stichwort Früherkennung)
und sollen ein Fortschreiten dieser Erkrankung verhindern.
Tertiäre Prävention
Tertiäre Prävention bezeichnet Maßnahmen, die bei
einer bereits eingetretenen Erkrankung die Entwicklung von Komplikationen oder Nachfolgeerkrankungen verhindern sollen.
Preis aus, weshalb die Entscheidung für die eine
oder andere Hydrolysatnahrung wohl überlegt
und von einer Kosten-Nutzen-Kalkulation geleitet
sein sollte (Abb. 2).
GINI-Studie
Die unterschiedlichen Arten von HA-Nahrungen
waren bereits Gegenstand zahlreicher Studien,
in denen einerseits ihre allergievorbeugende Wirkung, andererseits aber auch ihre ernährungsphysiologischen Werte untersucht wurden. Die
weltweit größte Untersuchungsreihe zur allergie-
Auswirkungen der Hydrolyse
auf Säuglingsnahrungen
Gezielte Wärmebehandlung:
Zerstörung der räumlichen Struktur
starke
Hydrolyse
schwächere
Hydrolyse
intaktes
Eiweiß
Allergenität
Geschmack
= Herstellung von
HA-Nahrungen
Kosten
Ernährungsphysiologischer Wert
Erzeugung von
Allergentoleranz
Enzymatische Hydrolyse:
»Zerschneiden« in kleinere Bruchstücke
Abb. 1
Abb. 2
3

 vorbeugenden Wirkung von Hydolysatnahrungen
bei Kindern mit Allergierisiko ist die GINI-Studie
(German Infant Nutritional Intervention Studie),
in die zwischen 1995 und 1998 in Wesel und
München 2.252 Neugeborene aufgenommen
wurden. Wenn ein Kind in den ersten vier bis
sechs Lebensmonaten nicht ausreichend gestillt
werden konnte, erhielt es eine von vier Studiennahrungen: entweder ein schwaches Molkenhydrolysat (Beba-HA), ein starkes Molkenhydrolysat (Nutrilon pepti, damals als HIPP HA auf dem
deutschen Markt), ein starkes Kaseinhydrolysat
(Nutramigen) oder eine normale Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis. Nach einem, drei und
sechs Jahren wurde dann untersucht, ob sich bei
den Kindern allergische Erkrankungen entwickelt
hatten.
Signifikant weniger Neurodermitis
Wie sich zeigte, litten sowohl nach einem als
auch nach drei und sechs Jahren die Kinder, die
Beba-HA oder Nutramigen erhalten hatten, signifikant weniger an Neurodermitis, als die Kinder,
die mit einer normalen Kuhmilch-Nahrung gefüttert worden waren (mit sechs Jahren Reduktion
des Risikos, an Neurodermitis zu erkranken,
um 36 Prozent mit Beba-HA und sogar um 45
Prozent mit Nutramigen). In der Gruppe der mit
Nutrilon pepti ernährten Kinder war die Wirkung
weniger ausgeprägt (mit sechs Jahren Reduktion
um 26 Prozent).
Das gute Abschneiden des schwachen Molkenhydrolysats und des starken Kaseinhydrolysats
Helfen Sie mit!
Die fundierte Information der Betroffenen ist ein
wesentlicher Baustein in der Prävention und
Therapie allergischer Erkrankungen. Unterstützen Sie pina bei dieser wichtigen Aufgabe!
pina e. V., Konto-Nr. 48 470 674 00,
Dresdner Bank Kleinmachnow, BLZ 160 800 00
Die Köpfe von pina
Vorstand
Beirat
Prof. Dr. Ulrich Wahn, Berlin
1. Vorsitzender
Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann,
Berlin
Prof. Dr. Claus Bachert, Gent/Belgien
2. Vorsitzender
Prof. Dr. Karl E. Bergmann, Berlin
Prof. Dr. Susanne Lau, Berlin
Schriftführerin/Schatzmeisterin
zeigte, dass die allergievorbeugende Wirkung
der HA-Nahrungen nicht allein von der spezifischen Eiweißquelle oder allein vom Hydrolysegrad abhängig gemacht werden kann. Vielmehr sind dafür auch noch andere Faktoren,
z. B. der Herstellungsprozess, verantwortlich.
Entsprechend sollten zur Allergievorbeugung
nur solche Formelnahrungen verwendet werden,
deren präventive Wirkung in wissenschaftlichen
Studien nachgewiesen wurde. Von den in der
GINI-Studie untersuchten Nahrungen ist heute
in Deutschland allerdings nur mehr Beba-HA auf
dem Markt. Nutramigen ist bei uns nicht mehr
verfügbar, und HIPP-HA entspricht nicht mehr
der in der GINI-Studie geprüften Säuglingsnahrung gleichen Namens.
Nach den Ergebnissen der GINI-Studie scheint
sich die Wirkung der HA-Nahrungen allein auf
die Prävention der Neurodermitis zu erstrecken.
Andere allergische Erkrankungen wie Asthma
und Heuschnupfen wurden offenbar nicht beeinflusst, weder nach sechs Jahren noch in den ers­
ten Auswertungen der Folgeuntersuchung nach
zehn Jahren.
Zusammenfassung
Alle Kinder sollten, sofern möglich, in den
ersten vier Lebensmonaten ausschließlich
gestillt werden.
Für Kinder mit familiär bedingtem Allergierisiko gilt: Wenn Stillen in den ersten
vier Lebensmonaten nicht als ausschließliche Milchnahrung ausreicht, sollte mit
einer kontrolliert geprüften HA-Nahrung
zugefüttert werden.
Die allergievorbeugende Wirkung der
primären Prävention mit Hydrolysatnahrungen erstreckt sich auf die Verringerung
der Neurodermitis, nicht aber auf allergische Erkrankungen des Atemtraktes.
Der Beginn der Zufütterung mit einer HANahrung erst nach dem 6. Lebensmonat
hat in der einzigen Studie mit dieser Fragestellung keine allergievorbeugende Wirkung gezeigt, die den Aufwand und die
Kosten rechtfertigen würde.
Kinder ohne Allergierisiko können bei unzureichender Muttermilch mit einer regulären Kuhmilchformula ernährt werden.
Mit Beikost sollte entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für
Kinderernährung unabhängig vom familiären Allergierisiko und von der Milchnahrung im 5. Lebensmonat begonnen
werden.
Ernährungsphysiologisch gleichwertig
Bei der körperlichen Entwicklung der Kinder im
Alter von sechs Jahren zeigten sich allerdings
keine Unterschiede zwischen den vier Ernährungsgruppen. Die geprüften HA-Nahrungen können ernährungsphysiologisch also im Vergleich
zur normalen Kuhmilch-Nahrung als gleichwertig
angesehen werden.
Allergie-Beratungstelefon
Das Allergie-Beratungstelefon von pina und dem
Deutschen Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB)
richtet sich insbesondere an junge Familien und
werdende Eltern: Fachleute mit mehrjähriger Erfahrung in der Allergieambulanz beraten werktags von 9.30 bis 12 Uhr unter der Nummer
0 18 05 - 05 22 51 (12 ct/Min.)
Dr. Hans-Joachim Mansfeld, Davos
Daniela Heim
Klinik für Pädiatrie m.S. Pneumologie/
Immunologie, Charité, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin Tel.: 030-450-566192 oder 566843
(montags, dienstags, donnerstags 9–13 Uhr), Fax: 030-450566943
Karin Niederbühl, Siegburg
Prof. Dr. Matthias Kopp, Lübeck
Prof. Dr. Dietrich Reinhardt, München
Kerstin Kaniecki-Loop, Freiburg
Prof. Dr. Christian Rieger, Bochum
Prof. Dr. Albrecht Bufe, Bochum
Dr. Ernst Rietschel, Köln
Prof. Dr. Gesine Hansen, Hannover
Prof. Dr. Wolfram Sterry, Berlin
Impressum
pina news für Eltern, Ausg. 19/Sommer 2010
Prof. Dr. Torsten Zuberbier, Berlin
pina-Geschäftsstelle
Dr. Andrea von Berg, Wesel
Unter der Internet-Adresse www.pina-infoline.
de finden sich fachkundige Antworten auf Fragen rund um Allergie und Asthma, aber auch
das pina-online-Buch »Allergien und Asthma bei
Kindern und Jugendlichen«, das alles Wichtige
über Ursachen, Behandlung und Vorbeugung von
allergischen Erkrankungen enthält.
Dr. Rüdiger Szczepanski, Osnabrück
Prof. Dr. Joachim W. Dudenhausen,
Berlin
4
-INFOLINE
Sponsoren
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
Nestlé Nutrition Institute
PARI GmbH
Phadia GmbH
Herausgeber: pina e.V. Präventions- und Informa­tionsnetzwerk Allergie/Asthma, c/o Klinik
für Pädiatrie m.S. Pneumologie/Immunologie,
Charité, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin.
Redaktion: M. Kopp, R. Urbanek, K. KanieckiLoop, U. Wahn. Abbildungen: bbm, DAK/Wigger,
privat, A. v. Berg. Textbearbeitung, Gestaltung,
Herstellung: Wurms & Partner PR GmbH, Bernrieder Straße 4, 82327 Tutzing.
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