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Man weiß nämlich, was die EidgenqWi zm Zeit der

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M a n weiß nämlich, was die EidgenqWi z m Zeit
der Refomnationskritge gegessen: die Wilchsuppe
von Kappel ist ja weltberühmt. Milch u n d B r o d
— macht nicht « u r die Backen roch, sondern erhält auch die Zähne frisch und gesund — noch
300 J a h r e nach beut Tode. Wscht's nach!
Deutschland. Der König von Bayern läßt sich
durch finanzielleBedenken in seiner Baulust nicht
beirren. Nach dem „Münchener Fremdenbl." hat
er Befehl gegeben, daß ihm ein Schloß in by­
zantinischem und eines in chinesischem Style erbaut
werde.
— Ueber ein in letzter Tage bei Dortmund vorgekommenes Eisenbahnunglück wird von einem
Augenzeugen Folgendes berichtet: Kurz vor dem
Bahnhofe Marten gab der Lokomotivführer Plötzlich das Nothsignal, was die meisten Passagiere
veranlaßte, schleunigst die Beine in die Höhe zu
ziehen, um dieselben bei einem etwaigen Zusammenstoß vor dem Zermalmen zu retten. Nach wenigen
Augenblicken erfolgte der Zusammenstoß auch mit
großer Wucht. Entsetzliches Angst« und Jammergeschrei erscholl aus den meisten Wagen und die
Unverletzten retteten sich durch die zertümmerten
Fenster. I n der Nähe der Lokomotive sah es
furchtbar aus, der hinter derselben sich befindende
Postwagen war aus dem Geleise geschleudert, die
Wagendecke nach der einen, der eigentliche Kasten
mit den Beamten und den Poststücken nach der
andern Seite geschleudert. Von den Beamten war
nur einer leicht verletzt, sie betrachten ihre Rettung als ein Wunder. Die Holztheile des folgenden Wagens dritter Klasse waren in Atome zersplittert; zum Glück befand sich in dem Wagen
kein Passagier, andernfalls wären sämmtliche getödtet oder schwer verletzt worden.. I n dem folgen­
den Wagen saß der Kaufmann Westhelle, den man
nach einiger Zeit als Leiche unter den Trümmern
hervorzog. Direktor Bohres, der seinen Wohnsitz
i n Dortmund hat, befand sich in einem Coupe
2. Klasse, das ganz zusammengedrückt war. Wenn
Bohres auch dem Tode entgangen ist, so hat er
doch einen komplizirten Beinbruch davongetragen.
Ein Bremser war schwer am Kopfe und an der
Brust verletzt. Der Kaufmann J o n a s aus Dortmund hat eine erhebliche Verletzung des Gesichts
erlitten. Die Zahl der Verletzten beträgt, soweit
sich bis jetzt feststellen ließ, sechs; weniger erheblich Verletzte sind i n größerer Zahl vorhanden.
D a s Unglück ist dadurch herbeigeführt worden,
daß der Weichensteller die Weiche umzulegen vergessen hatte, so daß der Zug, anstatt geradeaus
zu fahren, in ein verstelltes Zweiggeleise gelenkt
wurde. Schon vor einigen Jahren passirte auf
derselben Stelle auf gleiche Art ein größeres Unglück. Jetzt, nachdem das neue Unglück geschehen,
wird man wohl die bedenkliche Weiche beseitigen.
— Z u r Feier des kaiserlichen Geburtstages
schreibt die. „Germania":
Kaiser Wilhelm feierte am Montag den 22. M ä r z
seinen 90. Geburtstag und alle Unterthanen feiern
dieses Fest mit als einen Freudentag der ganzen
Nation. Ernst sind die Zeiten, scharf und unvermittelt stehen sich
die politischen Gegensätze einander gegenüber. Aber, wie das Ausland, trotz dieser
Kämpfe im Innern, alle Deutschen stets als geschlossene Phalanx gegen sich hat, wenn das Vaterland angegriffen wird, so ist der Geburtstag unseres
ruhmgekrönten Kaisers auch in diesen Friedenszeitm nach I n n e n ein Moment der Einigung:
I n Ehrfurcht beugt a n diesem Tage die Nation
das Haupt, vergessend das, was u n s trennt, nur
Glück- jtttd Segenswünsche werden last. Und da
deÄen wir alle so gerne an die Macht und das
Ansehen des Reiches, über das Wilhelm I. Kaiser
ist. N u r den einen Wunfth haben wir, daß es
dem Kaiser noch vergönnt fiem möge, die innere
Lage unseres Vaterlandes sv gestaltet zu sehen,
daß sie der äußeren Machtfülle entspricht, daß die
sozialen Gegensätze, das Elend der Massen sich
mindern, sowie daß alle Gegensätze aus geistigem
Gebiete verschwinden, damit wir den destruktiven
Elementen des Volks- und Staatslebeus mit aller
Energie entgegenzutreten vermögen. D a s walte
Gott!
Frankreich. Pastenr's Kundschaft nimmt täglich
zu. Am Dienstag waren in seinem Institut —
außer 5 2 Franzosen, einer ziemlichen Anzahl von
Engländern und 5 italienischen Bauern — 19
in Thierfelle gekleidete Russen aus Smolenz in
Behandlung. Letztere sind alle am 28. Februar
von einem tollen Wolf gebissen worden und tragen meist schwere Wunden, vorwiegend im Gesicht.
Einer der Bauern war so glücklich, die Bestie mit
einer Axt zu erschlagen, freilich nicht ohne selber
schwer verletzt zu werden. E i n russischer Arzt
hat die Leute begleitet. D e r B i ß des tollen Wolfes
gilt für ungleich gefährlicher als der des Hundes;
diese Probe wird darum von besonderer Bedentung sein. Nach dem „Temps" darf man annehmen, daß bei 14 dieser Russen die Heilung
bereits gesichert sei.
— Die erste Liste der Zeichnungen zur Gründung des Instituts Pasteur ergab schon 242,000
Franken.
— S c h e i n t o d t . I n Courcy-les-Varcy (Departement Nievre) sollte eine vor einigen Tagen
verstorbene F r a u eingesargt werden, und war der
Schreiner eben im Begriffe, das letzte Brett zuzunageln, als die „Todte" die Augen öffnete, sich
aufrichtete und sagte, sie möchte gerne etwas Suppe
essen. Sogleich befreite man die F r a u aus ihrem
unheimlichen Gemach und erfüllte ihren Wunsch.
N u n ist sie wieder munter, schläft gut und ißt
ihre Suppe „nach Noten".
— Aus M o n t e - C a r l o , 5. März, wird geschrieben: Weltbekannt ist Monte-Carlo, wo unter
dem Namen „Oerels des 6trangers e t societe
des bains d e mer" das Spiel jährlich so viele
Opfer an Menschen erheischt, die, von der Leidenschast des Spiels angezogen, nachdem sie sich von
allen Mitteln entblößt und jeden Weg der irdi­
schen Existenz abgeschnitten sehen, sich auf jede
Art und Weise in's Jenseits befördern. Der oberflächliche
Besucher dieses unheimlichen und doch
so schönen Ortes, der mit Muße durch die Prachtvollen Gärten und Anlagen wandelt, wo ihm
während des ganzen Winters die üppigsten Pflanzen und Blumen aus heißen Zonen im buntesten
Flor entgegenlachen, denkt kaum daran, daß nur
zu oft Menschenblut diese Pflanzen und Blumen
tränkt. Obwohl jede Allee, jeder Steg vom scharfen Auge der Wächter Tag und Nacht bewacht
sind, kann doch nicht jeder Lebensmüde daran verhindert werden, sich im Moment seiner Verzweiflung selbst zu richten.
Erst vorgestern kam ein feingekleideter Herr an
das Meeresufer und miethete sich ein Schisflein
zu einer kleinen Lustfahrt, wie er sagte, jedoch
sollte es eine andere Fahrt sein; denn kaum war
er 2 0 0 Meter vom Ufer entfernt, so stürzte er
sich in die Wellen. Doch die Wächter sind überall
und er wurde von zweien derselben seinem nassen
Grabe entzogen und in sein Hotel zurückgebracht.
wo er sich auch bald wieder unter >gutor Mrpflegung erholte. Doch war die Verzweiflung Hieses
unglücklichen Familienvaters, der sein ganzes Vermögen verspielt, so groß, daß er sich in der folgenden Nacht in seinem Zimmer erhängte und so
sein gewünschtes Ende fand.
Vor nur kurzer Zeit wurde, noch zur rechten
Zeit, ein Herr aus Mailand von einem Baum
im Garten des Kasino geschnitten, in aller Stille
verpflegt und dann, mit den nöthigen Reisemitteln
versehen, in seine Heimath spedirt.
Wie Alles mit aller Macht verheimlicht wird,
bezeugt folgender Vorfall, der sich vor nicht langer
Zeit im Spielsaale selbst zugetragen hat: Ein ungarischer Graf hatte eben seinen letzten Lonisd'or
auf den grünen Tisch geworfen und verspielt. M i t
aller scheinbaren Ruhe verläßt er die von der
Leidenschaft des Spiels ergriffene Gesellschaft ganz
unbemerkt und setzt sich in einer Ecke des Saales
auf einen Divan. Hier zieht er ein dolchartiges
Messer heraus, stößt sich dasselbe in's Herz und
gibt sitzendauch bald seinen Geist auf. Von den
Spielern unbemerkt, aber von den aufmerksamen
Wächtern gleich entdeckt, wird schnell ein Halbkreis
um den Unglücklichen gebildet und ein Fenster geöffnet; im N u fliegtder Körper zum Fenster hinaus (Abends 9 Uhr), fällt aber unglücklicherweise
einem der wachehaltenden Aufseher auf die Schulter.
Diese ganze Handlung war unbemerkt geblieben,
doch hatte sie üble Folgen. Der zum Fenster hinausgeworfene Körper, der dem Aufseher auf die Schulter
fiel, verursachte diesem einen so großen Schrecken,
daß er seither an Geistesstörung leidet und auch
für sein ganzes Leben geistesgestört bleiben wird.
— Traurig, aber wahr!
England. I m Norden Englands haben andauernde große Schneefälle stattgefunden. Die
Passagiere der eingeschneiten Eisenbahnzüge haben
theilweise schwer gelitten. Einer der in Northumberlcmd verkehrenden Züge war 48 Stunden lang
eingeschneit und die vom Hunger gequälten Passagiere drangen in den Postwagen ein, um sich der
dort befindlichen Körbe mit Lebensmitteln zu bemächtigen. Viele Thiere, die sich in den Zügen
befanden, sind aus Mangel an Nahrung zu Grunde
gegangen.
Spanien. Aus Madrid wird geschrieben: W o
die hohe Politik schweigt, erhalten kleine Fragen
hohe Wichtigkeit. Zwei Kleiderfragen beschäftigen
gegenwärtig unsere Politiker. Der Herzog von
Montpensier wünschte die nationale Arbeit zu begünstigen und bestellte den Brautschleier für Dona
Eulalia bei einer hiesigen Firma. Der spanische
Händler weiß nichts Eiligeres zu thun, als spornstreichsnach Brüssel zu eilen, daselbst ein Prachtvolles Gewebe für 20,000 F r . zu kaufen und dasselbe, kaum am Ufer des Manzanares angekommen,
dem Herzog mit einer Rechnung von nicht weniger
als 115,000 Fr. zu überreichen. Selbstverständlich
weigert sich dieser, die unverschämte Forderung
zu erfüllen.
Rußland. Folgende Schauergeschichte wird aus
Pultawa gemeldet: Drei Räuber drangen in das
H a u s eines Branntweinhändlers. Dessen F r a u
flüchtetesich auf den Boden, wo sie eine Sense
fand, mit der sie zwei der Räuber, die ihr nachfolgen wollten, tödtete. Der dritte ermordete aus
Rache das im Zimmer gebliebene Kind und erschlug einen Kutscher, der zufällig in die Schenke
kam. Dessen Herr tödtete den Räuber mit einem
Pistolenschuß. Die F r a u warf sich ihm zu Füßen
und dankte ihm für die Rettung ihres Lebens. I n
ziehen, die ich für Dich ausmachen würde und
als die Wittwe eines Verwandte» zu gelten; kannst
D u dies leugnen?"
„Ich denke nicht daran, dies leugnen zu »vollen,"
versetzte Julie. „Ich bin bereit, meine Rolle zu
übernehmen. Lord Alphington ist alt und gebrechlich, wie D u sagst, und kann nicht mehr lange
leben- D u wirst bald Dein eigener Herr sein.
I c h kann warten — es wäre nicht m meinem
Interesse gehandelt, wollte ich Deine guten Aussichten verkürzen. N u r dies bedenke, bist D u der
Earl, so bin ich Komtesse von Alphington oder
ich werde wissen, was ich zu thun habe. Glaubst
D u nicht, daß ich eine Krone zu tragen wisse?"
Und sie erhob stolz den Kopf, als ob sie das
Gewicht einer solchen bereits auf ihrer Stirue
fühlte.
„Ich weiß, D u hast Talent genug dazu und
Schönheit ebenfalls," entgegnete Sedley in schmeichelndem Tone. „Ich habe D i r unten in Surrey
ein hübsches Nestchen gesichert; halte Dich nur
ruhig für eine kleine Weile und Alles wird noch
gut werden. Bei Georg," fuhr er fort, sichtlich
bestrebt, die Konversation auf ein anderes Thema
zu lenken, „Alphington Park ist ein herrlicher Besitz — ich hatte kerne Ahnung, wie herrlich, bis
ich letzten Sonntag Gelegenheit suchte, einen Blick
darauf zu werfen."
J u l i e nickte beistimmend.
„Ich weiß es," sagte sie ruhig; „auch ich habe
einen Blick darauf geworfen."
„Du!" rief Sedley in höchster Ueberraschung.
„ J a , ich habe stets Mittel und Wege, zu meinem
Ziel zu gelangen," entgegnete Julie mit etwas
boshaftem Lächeln, als sie die ärgerliche Miene
ihres Gefährten bemerkte.
„Ich hatte ausgekundschaftet, daß man in Al­
phington eine Haushälterin suche und begab mich
dahin, um meine Dienste anzubieten; auf diese
Weise konnte ich mir, wie D u siehst, auch das
Innere genau ansehen und ich stimme M r vollkommen bei — es ist ein herrlicher Besitz."
Sedley murmelte eine Verwünschung zwischen
den Zähnen.
„ O D u brauchst Dich nicht zu beunruhigen,"
sagte M r s . Lemont. „Niemand konnte in der
grauhaarigen, ältlichen Frau, mit dem altmodischen
braunen Kleide und großen Hute, J u l i e Lemont
erkennen. Natürlich kam das Engagement nicht
zu Stande — ich beabsichtigte es ja nicht."
Sedley schlug zornig mit der Faust auf den Tisch.
„Dies ist die reinste Narrheit," sagte er. „Einmal wirst D u mit Deinen verwünschten Einfällen
in eine rechte Patsche gerathen."
„Und wenn dies geschähe, so würdest D u Dich
sehr betrüben?" fragte Julie höhnisch.
Sedley runzelte finsterdie Stirne und biß sich
auf die Lippe. E r fingan, vor dieser F r a u fast
Furcht zu empfinden. E r hatte geglaubt, ihre
Liebe zu ihm mache sie so geschmeidig, daß er sie,
wie er sich ausdrückte, um den Finger wickeln
könne, nun aber drängte sich ihm allmälig der unangenehme Zweifel auf, ob ihre Liebe wohl all'
diese Prüfungen überdauern würde. E r glaubte
ebensowenig an Beständigkeit und Treue, wie an
Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit und er war sich
vollkommen bewußt, daß J u l i e Lemont wohl leidenschaftliche Liebe, aber auch leidenschaftlichen Haß
zu hegen verstehe. E r drängte sie, ihre Vorbereitungen zur Abreise zu beendigen und M r s . Lemont schickte sich an, die wenigen Gegenstände,
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