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Fluglärm über unserer Gemeinde? Was ist zu tun? Am 3. Juni 2012

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Fluglärm über unserer Gemeinde? Was ist zu tun?
Am 3. Juni 2012 wird der Grossflughafen Berlin-Schönefeld „Willi Brandt“ unter dem internationalen
Kürzel BER - auch als Berlin-Brandenburg-International (BBI) bezeichnet - mit zwei Bahnen in Betrieb
gehen. Die Entscheidung für den Ausbau Schönefelds zum einzigen Flughafen der Region war vom
Bundesminister für Verkehr, dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg und dem
Regierenden Bürgermeister von Berlin am 28. Mai 1996 aus wirtschafts-politischen Gründen
getroffen worden. Heute käme dieser Beschluss nicht mehr zustande, heute wär aus UmweltGründen die damals durchgefallene Alternative, der 40 km von Berlin entfernte Flughafen
Sperenberg der Ort der Wahl. Aber räsonieren hilft nicht: wir werden künftig mit dem Grossflughafen,
mit BER als Folge einer demokratisch gefallenen Entwicklung leben müssen.
BER bringt nicht nur Arbeitsplätze, sondern ein erhöhtes Flugverkehrs-Aufkommen, das zur weiteren
Verlärmung unserer Umwelt beiträgt. Diese Aussicht hat früh zu Protesten geführt: In Berlin, nahe an
BER, am Müggelsee und westlich von BER in Potsdam, Michendorf und an den Havelseen wurden
Fluglärm-Bürgerinitiativen gegründet, die in der beratenden Fluglärm-Kommission und auf anderen
Ebenen nicht ohne Erfolg geblieben sind: so wurden u.a. die ursprünglich abknickend geplanten Anund Abflugverfahren begradigt. Mancher Bürger in Seddin fragte sich in der Tat, ob wir – weil 36 km
von BER entfernt – denn überhaupt belastet werden könnten. Im Juni 2011veröffentlichte dann die
für den Flugbetrieb zuständige Deutsche Flugsicherung (DFS) ihre Routen, die uns zukünftig sehr
wohl betreffen. Womit müssen wir rechnen?
Berlins Innenstadt-Flughafen Tempelhof wurde bereits im Oktober 2008 geschlossen. Mit dem
Betrieb von BER wird Tegel schliessen und seinen Verkehr - im Jahr 2010 waren das 158.549 Flüge
- nach BER verlagern. Die Zahl der Flugbewegungen auf BER wird sich verdreifachen auf 250.000
Starts / Landungen – mit Steigerungs-Raten von 2.4 - 3% pro Jahr. Die Hälfte der An- und Abflüge
von der Nord-Bahn wird über Seddin führen. Ergeben sich daraus für uns unzumutbare Belastungen?
Beim Nachdenken über den Ist-Zustand können wir heute keine ernsthaft störende FluglärmBelästigung feststellen. Eindeutig Lärm-trächtig sind dagegen der Bahnbetrieb in Neuseddin, die
Autobahn und die Biker auf der B2, aber auch das Rasenmähen: all diese Belastungen nehmen wir
hin als Preis für Fortschritt, Selbstverwirklichung und Mobilität. Heute wird Seddin beim Anflug von
BER überwiegend in 1.100 – 2.000 m Höhe überflogen – mit normierten Lärmpegeln von 70 – 60 dB
am Boden. Dieser Schalldruck zwingt uns „draussen“, zum Beispiel am Kaffeetisch, sehr viel lauter
miteinander zu reden. Diese Schallpegel sind auch noch hinter geschlossenen Fenstern deutlich zu
hören, besonders dann, wenn die Maschinen zum Anflug auf BER einkurven. Dennoch, mit der
gegenwärtigen Belastung haben wir, Mensch und Natur, bisher gut gelebt . . . auch die Natur, die wir
mit dem See und dem Naturschutzgebiet Nuthe –Nieplitz als Standortvorteil schützen müssen. Nb.:
die Flug-Situation in der Region kann man leicht im Internet auf www.flightradar24 überprüfen.
In Zukunft wird der Flug-Lärm aber auch hier zum Problem werden – verursacht durch zum Teil
niedrig geführte „Flugkorridore“ und durch das „Nachtflugverbot“. Das Bundesverwaltungsgericht hat
am 13. Oktober 2011 entschieden, dass 103 Flüge in den „Randzonen“ zwischen 22:00 und 06:00
Uhr stattfinden dürfen, und zwischen 24:00 und 05:00 soll es keine Passagierflüge geben. Mit diesem
eingeschränkten Nachtflugverbot soll BER wirtschaftlich arbeiten. Dieser Gewinn geht allerdings auf
Kosten unser aller Gesundheit. Die notwendige Nachtruhe wird zu knapp, weil auch die LärmIntensität steigen wird. Die DFS gab kürzlich für unsere Region beim Anflug der BER-Nordbahn
Flughöhen von nur 600 - 1000 m an. Daraus ergeben sich Spitzen-Schallpegel von über 75 dB – das
ist der Lärm eines in 7 m mit 60 km/h vorbeifahrenden PKW. In Dorf-Mischgebieten sind nächtens
aus gutem Gründen nicht mehr als 40 dB, in reinen Wohngebieten nur 30 dB als Obergrenze
zulässig. Verlärmung verursacht Dys-Stress und in der Konsequenz ernste gesundheitliche Schäden,
nachgewiesen in grossen internationalen Studien. Wir dürfen dieses Ausmass an Lärm nicht dulden
wollen.
Angesichts der Lärm-Bedrohung hat sich in unserer Gemeinde eine Bürgerinitiative (BI) gegen
Fluglärm zusammengefunden. Zuverlässige Informationen zu sammeln und zu verbreiten und
Einflussnahme für einen verstärkten Lärmschutz auf allen Ebenen der Politik sind unsere Ziele. Die
BI hält gutem Kontakt mit der Gemeinde und mit den BIs in der Region. Für nähere Information über
unsere Arbeit, aber auch für Ihre Anregungen, Fragen und Vorschläge steht der Sprecher der BI
Seddiner See gern zur Verfügung.
Dr. Hans Gelderblom,
E-mail: gelderblom.seddin@t-online.de
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