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Bericht NNP.pdf - Flug- und Schiffsmodellsportgruppe Limburg an

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Weiden
Weidenkultur mit wunderschöner Färbung
natürlichen Wuchsformen gibt es vom Menschen
gezogene Nutzungswuchsformen – allen voran
die auf großen Feldern angebauten Weiden.
Dort stehen Weidensträucher mit wenig verzweigten Ruten in dichten Reihen. Im Sommer
erscheint eine solche Anlage als dichtes Blättermeer. Wenn im Winter die Blätter gefallen
sind, zeigen sich bei einer artenreich angelegten Anlage die verschiedenfarbigen Weidenruten.
Kopfweiden
Wenn man von „Weiden“ spricht, denken viele
Menschen sofort an die bekannten und einprägsamen Kopfweiden, die vielerorts in der freien
Landschaft stehen. Landläufig geht man davon
aus, dass die Ruten dieser Weiden zum Flechten
verwendet werden und einfach abgeschnitten
werden können.
Früher wurden die Ruten der Kopfweiden tatsächlich – vor allem von wandernden Korbflech-
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Hegen und Pflegen
tern – zur Herstellung einfacher Körbe verwendet. Heute jedoch dienen diese Zweige eher zum
Flechten von Objekten im Außen- und Gartenbereich oder zum Erstellen von Kinderhäusern und
lebenden Zäunen.
PRAXISTIPP
Achtung ! Auf keinen Fall dürfen Sie Kopfweiden eigenmächtig stutzen, ohne sich
nach den Besitzverhältnissen erkundigt zu
haben. Stehen die Weiden auf öffentlicher
Gemarkung fragen Sie einfach bei den entsprechenden Behörden an !
Kopfweiden entstehen, indem man den Stamm
des Weidenbaumes in einer bestimmten Höhe
absägt und die Neuaustriebe an dieser Stelle
immer wieder abschneidet. Nach mehreren Jahren entsteht an dieser Stelle eine immer größer
werdende Verdickung: der „Kopf“. Um gezielt
Kopfweiden anzulegen, werden etwa 3 m lange
Setzstangen von gesunden Weidenbäumen
geschnitten und in ein 1 m tiefes Pflanzloch
gesetzt. Kopfweiden brauchen eine gute Wasserversorgung. Deshalb wachsen sie meist an
Bächen oder Wassergräben. Früher dienten Kopfweiden auch als Grenzmarkierungen, da sie weithin sichtbar sind und sich nicht so leicht wie
Grenzsteine versetzen lassen.
Hegen und pflegen
Die wichtigste Vorbedingung für das Gedeihen
einer Weidenanlage ist eine sorgfältige Bodenbearbeitung. Der Boden muss im Herbst umgepflügt werden, damit er im Winter gut durchfriert
und im Frühjahr locker ist. Von sandigen Lehmböden über Sand- und Steinböden bis hin zu
nährstoffreichen, feuchten Humusböden eignen
sich viele Böden zum Anlegen einer Weidenkultur. Bei der Auswahl der zu pflanzenden Sorten
muss die Bodenart berücksichtigt werden – hierbei ist es notwendig, die passende Weidensorte
für den vorhandenen Boden zu wählen. Weiden
aller Arten und Sorten brauchen zwar unbedingt
eine gute Wasserversorgung, dennoch vertragen
sie keine Staunässe, da sonst ihre Wurzeln ersticken.
Weiden lassen sich leicht über Stecklinge vermehren. Dies ist die einfachste Methode zur
Gewinnung neuer Weidenpflanzen. Die 25–40 cm
langen, fingerdicken Stecklinge werden vom einjährigen Holz geschnitten. Der beste Zeitpunkt
für das Stecken ist im März bei guter Witterung.
Die Stecklinge werden mit den Triebaugen nach
oben entlang einer straff gespannten Schnur im
Abstand von 10–20 cm erdbodengleich in die
Erde gesteckt. Der Reihenabstand beträgt 50–
70 cm. Eine enge Pflanzung der späteren Strauchweiden erzielt lange, nicht verästelte Ruten, die
schlank und biegsam sind.
Die Pflege der Anlage erstreckt sich auf das Entfernen von Unkräutern und Schädlingen sowie
die Lockerung und Düngung des Bodens.
Unkräuter, die den Weiden Licht, Nährstoffe und
Wasser entziehen, schädigen eine Anlage erheblich. Gefährlich sind Unkräuter, die die Weiden
umschlingen und zu Boden drücken. Die Weiden
werden im Wachstum schwer behindert und sterben ab.
Die häufigsten Unkräuter sind Gewöhnliches
Kletten-Labkraut, Quecke, Warzige Seide, Gewöhnliche Goldrute und Acker-Winde. Letztere
schädigt die Ruten durch spiralige Einschnürungen. Brombeerranken können das Begehen
der Anlage und die Ernte sehr mühsam machen.
Alle Unkräuter werden durch Jäten, Ausgraben
oder Hacken im Zaum gehalten. Um das Aussamen der Unkräuter zu verhindern, werden die
Blütenstände abgesammelt.
Zu den tierischen Schädlingen gehören die Wiesenschnakenlarve, die austreibende Knospen
abfrisst sowie der Triebwickler, der sich mit Vor-
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Weiden
Anpacken bei der Weidenernte
liebe auf Hanf-Weiden ansiedelt und seine Eier
im Spitzentrieb ablegt. Die sich daraus entwickelnden Raupen spinnen sich in die obersten
Blätter ein und fressen den Trieb ab. Die Pflanze
bildet daraufhin neue Seitentriebe und verästelt
dadurch stark. Diese stark verästelten Ruten sind
für den Flechter zur Herstellung von feinen Korbwaren unbrauchbar. Auch der Erlenrüssler ist ein
häufiger Schädling. Er kann die Weide gleich auf
mehrere Arten schädigen. Die Blattschäden des
Käfers sind meist nicht so relevant wie die Schädigung an den Ruten. Er durchsticht mit seinem
kräftigen Rüssel die Rinde der Ruten und frisst
das Bastgewebe auf. Dadurch entstehen Vertiefungen, in denen sich Pilze festsetzen. So bilden
sich schwarze Stellen, die beim Flechten brechen.
Die Wiesenschaumzikade besitzt einen langen
borstenbesetzten Rüssel, den sie unter der Rinde
um die Rute herum schiebt und den aufsteigenden Pflanzensaft aufsaugt. Dadurch wird die
neue Holzschicht, das Aufholz, verletzt und es
entstehen Narben – sogenannte Ringel – in der
Weide. Die Weiden brechen beim Flechten an diesen Ringeln, wodurch die Qualität der Weide
stark gemindert wird. Besonders AmerikanerWeiden sind anfällig für einen Befall der Wiesenschaumzikade. Der Engerling des Maikäfers verursacht Wurzelschäden, kommt aber heutzutage
nicht mehr so oft vor. Häufig werden Weiden von
Blattläusen und Blattkäfern verschiedener Arten
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Längensortierung
befallen; der Befall hemmt das Wachstum der
Weiden.
Die Schädlingsbekämpfung geschieht zum Teil
in mühsamer Handarbeit durch Absammeln der
Käfer und Zerdrücken der Raupen oder durch den
Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln.
Weidenernte
Die Weidenruten werden jährlich in der Saftruhe
bei abfallendem Laub, also im Winter zwischen
November und März, von Hand oder, bei Anlagen, die älter als zwei Jahre sind, mit der Maschine geerntet. Bei einer neuen Anlage werden
die ersten einjährigen Triebe mit der Schere geschnitten. Auch im zweiten Wuchsjahr ist eine
Ernte mit der Schere noch angebracht, da ein ziehender Messerschnitt die jungen Weidenpflanzen lockern würde.
Ein guter und sachgemäßer Schnitt fördert die
Qualität der Ruten. Bei der Ernte müssen alle
Ruten geschnitten werden, auch die kleinen,
schwachen oder kranken. Dadurch wird der Wurzelstock der jungen Pflanze gestärkt und im
nächsten Jahr treiben lange und schlanke Ruten
aus. Beim Schneiden mit der Hippe, einem gebogenen Weidenmesser, werden mehrere Weiden
mit der Hand umfasst und dann mit einem kräftigen, kurzen Schnitt abgeschnitten. In vielen Regionen wird zur Ernte auf kleineren Anlagen die
Rebschere benutzt.
Die abgeschnittenen Weiden werden als lose
Bunde auf den Boden gelegt, von Gras und
Unkraut befreit und später zu großen Weidenbunden von etwa 15 kg zusammengeschnürt.
Auch bei der Maschinenernte mit Traktor und
Mähbalken ist noch viel Handarbeit dabei.
Zum Binden der Weidenbunde werden ebenfalls
Weiden verwendet, die aufgedreht eine hervorragende und haltbare „Schnur“ ergeben. Je nach
Länge der Weiden werden zwei oder drei Schnürungen angebracht.
Längensortierung
Nach der Ernte erfolgt das Sortieren der Weiden
nach Längen. Dieses Sortieren nennt man auch
Verziehen. Zum Verziehen der Weiden eignet
sich ein zylindrisches Gefäß – beispielsweise
ein Fass oder eine Röhre. Zur besseren Handhabung der langen Weiden wird dieses Gefäß etwa
einen halben Meter tief in den Boden eingelassen. Am Gefäß wird eine 2,40 m lange Messlatte
angebracht, die alle 20 cm eine Einteilung aufweist.
Nun wird ein Weidenbündel in das Fass gestellt,
mit beiden Händen aufgestoßen und jeweils die
längsten Weidenspitzen werden mit einer Hand
unter Schütteln aus dem Gefäß herausgezogen.
So erhält man Weidenbunde in einer Längenstaffelung von 20 cm. Die Bunde können dann
zum Trocknen und Aufbewahren an einen
geschützten Ort gebracht werden.
PRAXISTIPP
Beim Materialhändler (siehe Bezugsquellen
Seite 125) erhalten Sie ungeschälte oder
geschälte Weiden in Bunden ab 80/100/
120 cm bis 200 cm in jeweils 20 cm Staffelungen. Die Originalbunde wiegen je nach
Länge 5 kg, 7 kg, oder 10 kg.
Das Sortieren nach Längen dient der Übersichtlichkeit sowie der optimalen Lagerung und dem
schnellen Zugriff im Materiallager des Korbflechters.
Zusätzlich optimiert es das später beschriebene
Einstellen der Weiden in Wasser vor der Naturschäle. Auch bereits geschälte Weiden im Werkstattbetrieb müssen vor dem Flechten verzogen
werden.
Verwenden Sie für kleinere Mengen einfach einen
Eimer, oder halten Sie im Sitzen das Weidenbündel locker zwischen den Beinen.
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Seele and Geist
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