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Kriminelle im Netz Bericht: Sabrina Zaun, Annett Glatz Was - MDR

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Kriminelle im Netz | Manuskript
Kriminelle im Netz
Bericht: Sabrina Zaun, Annett Glatz
Was als Jobsuche begann, endete für Ursula H. in einer Katastrophe. Weil sie sich auf einen
angeblich lukrativen Nebenerwerb im Internet eingelassen hat, ist Ursula H. heute
verschuldet. Mit mehreren Putzjobs versucht sie sich über Wasser zu halten.
Ursula:
"Früh um vier aufstehen, waschen, Kaffee kochen. Bis halb fünf, dann geh ich los. Jeden Tag,
von Montag bis Freitag."
Die 52–Jährige wollte eigentlich nur ihr bescheidenes Einkommen ein wenig aufbessern.
Ursula:
"Da bin ich auf die Annonce gestoßen bei meinestadt.de im Internet, unter Minijob. Und da
auf die '600 Euro im Monat leicht zu verdienen'."
Das verspricht per Mail ein gewisser Franco Martini. Was sie für das Geld machen soll? Einfach ein Bankkonto eröffnen.
Ursula:
"Dann hat er gesagt, wenn er alles hat, kriege ich meine ersten 600 Euro. Was wollte er alles
haben? Na die ganzen PIN-Nummern und TAN – fragen Sie mich nicht was das ist. Ich hab
noch nie eine TAN gehabt. Ich mach auch kein Banking oder irgend so ein Mist."
PINs und TANs sind eigentlich elektronische Schlüssel, die Konten vor dem Zugriff Fremder
schützen sollen. Doch bei Ursula H. schrillen weder die Alarmglocken angesichts des
dubiosen Geschäftsangebotes, noch stoppt sie das ganze, als die sensiblen Daten verlangt
werden. Damit kann jetzt auf ihr Konto zugegriffen werden. Als sie die ersten Auszüge
kontrolliert, kommt das böse Erwachen.
Ursula:
"Dann bin ich hierher und wollte Geld ziehen, weil er ja gesagt hat, wenn alles da ist, kann
ich die ersten 600 Euro abheben. Da sagte sie mir: Nee, Sie haben 990 Euro minus. Ich raus,
wusste erst mal nicht was los ist und hab dem geschrieben, was ist mit meinem Geld, du hast
jetzt alles und, und, und … Ja, warte fünf, sechs Tage."
Hinweis: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für den privaten Gebrauch des Empfängers
verwendet werden. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Urheberberechtigten ist unzulässig.
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Kriminelle im Netz | Manuskript
Doch der dubiose Herr Martini hat nicht nur das Konto in die Miesen gefahren. Über das
Internet hat der angebliche Händler Waren angeboten, die Kunden haben Geld auf eben
jenes Konto überwiesen, aber nie etwas dafür bekommen. Wir suchen nach Franco Martini
und stellen Unglaubliches fest: Er scheint immer noch auf Beutezug zu sein, mit ähnlichen
Anzeigen. Wir rufen an, aber: "Die von Ihnen gewählte Nummer ist zurzeit nicht vergeben."
Wir probieren es per E-Mail, doch nach kritischen Nachfragen löscht er seine Kontaktdaten.
Bei Franco Martini stimmen höchstwahrscheinlich weder Namen noch die italienische
Herkunft. Beim Bundeskriminalamt kennt man solche Maschen, Kriminalhauptkommissar
Mirko Manske kämmt tagtäglich das Netz nach Internetkriminellen durch. Dabei wird klar,
dass es sich meist um international agierende Täter handelt.
Mirko Manske, Bundeskriminalamt:
"Ja, die sind häufig in Osteuropa ausgebildet. Da sind einfach unheimlich gute und fähige
Programmierer, die haben dort Schwierigkeiten adäquat bezahlte Jobs zu finden, und bevor
man eben arbeitslos ist oder für ein paar Euro 50 in irgendeiner Firma Webseiten
programmiert, nimmt man lieber das Geld, was auf diesem schwarzen Markt vorhanden ist."
Und wenn sie es haben, verwischen sie ihre Spuren im Netz. Weil die Betrugsmasche im Fall
von Ursula H. über ihr Konto abgewickelt wurde, muss sie sich vorm Amtsgericht Leipzig
wegen Geldwäsche verantworten.
Ursula:
"Ich habe gesagt, ich habe keine Geldwäsche gemacht. Ja, aber es lief alles über mein Konto,
mein Name und ich bin eben jetzt der Buhmann."
Das Internet wird zunehmend ein Ort für kriminelle Machenschaften. 2010 gab es dort rund
247.000 Straftaten. Ein Rekordwert! Am stärksten zu Buche schlägt der Warenbetrug. Das
heißt Ware wurde bezahlt, aber nicht geliefert. Danach folgt der Warenkreditbetrug.
Gelieferte Artikel, die nicht bezahlt wurden. Schließlich die illegale Verwendung fremder
Daten.
Auch Alfred M. ist Internetbetrügern auf den Leim gegangen. Er will nicht erkannt werden,
hat Angst vor den Menschen, die ihn für ihre kriminellen Handlungen benutzt haben.
Alfred:
"Ich schätze mal, das werden schon Mafioso-Strukturen sein."
Hinweis: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für den privaten Gebrauch des Empfängers
verwendet werden. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Urheberberechtigten ist unzulässig.
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Alles beginnt im Herbst 2010 mit einer E-Mail mit unbekanntem Absender. Ein lukrativer Job
wird ihm versprochen. Alfred M. soll als Paketmanager Sendungen weiterschicken – wie
Fernseher und Computer.
Alfred:
"So, meine Aufgabe war es, das Paket abzuwiegen und das neu zu etikettieren und dann ist
das an die Adresse gegangen, die ich per Email geschickt bekommen habe."
Auch er stellt sich erst einmal keine Fragen, was das soll. Währenddessen wird sogar Ware in
seinem Namen bestellt und mit gefälschten Kreditkarten bezahlt. Er verschickt 54 Pakete
und wartet vergeblich auf das versprochene Geld.
Alfred:
Frage: "Wie viel haben Sie von dem Gehalt gesehen?"
"Nichts. Ich habe nichts gesehen."
Der Leipziger kann es nicht fassen. Glaubte er doch, es mit der seriösen Firma MBE in den
USA zu tun zu haben. Doch als wir sowohl beim Mutterkonzern als auch bei der deutschen
Niederlassung recherchieren, wird klar, die Betrüger haben den Namen der Firma nur
benutzt.
Mirko Manske, Bundeskriminalamt:
"Es ist häufig so, dass die Rekrutierung unter Nutzung real existenter Personen durchgeführt
wird, wo einfach deren Identität übernommen wird. Es ist ja heute relativ einfach im
Internet, zumindest mal auf einer E-Mail-Basis, so zu tun als sei ich sie."
Weil sich Alfred M. auf den fragwürdigen Paketdienst eingelassen hat, bekommt er eine
Vorladung bei der Polizei. Ihm wird vorgeworfen, die Ware bestellt, aber nicht bezahlt und
damit Betrug begangen zu haben.
Alfred:
"Ich kann niemals der Auftraggeber sein, weil ich es gar nicht ausgelöst habe den Auftrag.
Und auf der Polizei haben sie mir dann eben gesagt, das interessiert keinen."
Wir treffen Holger Maaß. Der Richter am Löbauer Amtsgericht hat schon zahlreiche
vergleichbare Fälle verhandelt. Er erklärt uns, dass schon das Weiterleiten der 54 Pakete mit
gestohlener Ware als gewerbsmäßiger Betrug gilt.
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Kriminelle im Netz | Manuskript
Holger Maaß, Strafrichter:
"Das Gesetz ordnet jeder einzelnen Tat ein Mindestmaß einer Freiheitsstrafe von sechs
Monaten und im Höchstmaß bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe vor. Und wie gesagt, für jede
einzelne Tat. Bei der Freiheitsstrafe bleibt im Zweifel nur die Frage: Kann die noch zur
Bewährung ausgesetzt werden oder muss sie vollstreckt werden, also geht's sofort ins
Gefängnis."
Noch allerdings laufen die Ermittlungen im Fall Alfred M. Zurück zu Ursula H. - die hat ihren
Gerichtsbeschluss bereits. Ihre Strafe: 2.250 Euro.
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