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JAHRESBERICHT Was bei uns 2008 so alles los war...

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JAHRESBERICHT
Was bei uns 2008 so alles los war...
Aufgabe
abrutschen
Not
nachträglich
Basis
Bedürfnisse
Ohnmacht
offen
Cooperation
cool
Panik
Power
Drama
da sein
Qual
quer
Erniedrigung
erklären
Riss
retten
Familie
Folter
sortieren
Störung
Grundsicherung
Gewalt
Tragik
trauen
Herausforderung
Hilfe
Umbruch
unten
ignoriert
Interesse
Verletzung
Verbindung
Ja
jedoch
Weg
wenig
Krise
Klärung
X
Y ungelöst
Last
lernen
Zerstörung
Ziel
Macht
manipulieren
522 Beratungen
von Kopf bis Fuß
Überblick
Sorgen, Ideen, Suche
Verwirrung, Ausblick, Klarheit
Wünsche ,Absprachen
Raum schaffen, Ausdruck, Freude
Handlung ,Haltung
Verantwortung, Abstand, Sinn
Unsicherheit ,Mangel, Hoffnung
Enttäuschung, Gefühle, Bewegung
Leere, Aufbruch, Sicherheit
Unterdrückung, Standpunkte
Boden unter den Füßen, Halt, Plattform
Niedrigschwellig, alltagsorientiert.
Persönlich oder telefonisch, offen oder anonym, einmalig oder langfristig.
Misshandlung/Unterbringung
Sexueller Missbrauch/Vergewaltigung
Trennung/Scheidung/Beziehung
Sonstiges
Presse - Schwäbische Zeitung und Südkurier 08
Ausgewählt wurden Aussagen, die exemplarisch für unsere Beratungen stehen:
„Die Opfer werden einfach vergessen, mit ihrem Schicksal allein gelassen, befinden sich in
einer Lebenskrise. Die Belastungsstörungen können ein ganzes Leben ruinieren, besonders,
wenn die Gewalt von Menschen ausgeht. Was zählt sind praktische Hilfe und menschlicher
Beistand.“
Frauen „Gewalt ist nie akzeptabel“
„ Wenn Du´s nicht machst, bring ich Dich um“ - „Ich hatte regelmäßig Angst vor ihm und
habe mich gleichzeitig geschämt“ - „ Spätfolgen für die Frau nicht absehbar. Geschädigt für
das ganze Leben.“
35-jährige hinterlässt 3 Kinder. Totschlagsverdacht. Entsetzen bei den Nachbarn. Gewalt
war keine Seltenheit. Ehemann war für seine Brutalität polizeibekannt.
„Männer schüchterten mich so ein, dass ich noch als Erwachsene dachte, wenn ich was
sage, verliere ich alle. Ich gehe immer noch am Abgrund, aber ich habe gelernt, damit
umzugehen.“
„Diese Kinder erholen sich nicht. Man weiß, dass sich in Inzestfällen auf der sexuellen
Ebene nicht-sexuelle Probleme offenbaren.“
Er wollte - sie nicht. Die SMS machen deutlich, dass sie das Objekt seiner sexuellen
Wünsche war. EX-Freundin gegen deren Willen zum Sex gezwungen.
Studie: Leben ohne Würde. Die finanzielle Situation vieler Hartz- IV Empfänger in
Baden Württemberg verletzt das Grundrecht auf ein würdiges Leben.
„Der Haushaltsvorstand ist sich seiner finanziellen Macht bewusst und nützt diese aus.
Gewalt hat viele Gesichter, auch häusliche Gewalt.“
Arm und reich
„Der Armutsbericht der Bundesregierung ist ein Bericht zur Lage der Demokratie, in der
immer mehr Menschen am gesellschaftlichen Rand leben.“ (Süddeutsche Zeitung)
Spürbare Auswirkungen an unserer Stelle:



Vermehrte Räumungsklagen
Ehestreitigkeiten und Gewalt, wenn Männer trotz Vollzeitstelle zusätzlich HartzIV beantragen müssen. Problematisch auch, dass der Haushaltsvorstand (in diesen
Fällen die Ehemänner) das Geld erhalten und es nach eigenem Ermessen an die
Familie verteilen oder auch nicht. Daraus entstehen entwürdigende Situationen für
die Frauen, die die Kinder versorgen müssen.
Ein großer Teil der Hartz- IV- Empfänger sind alleinerziehende Frauen , die
dadurch schlechter gestellt sind, weil sie durch die Beaufsichtigung der Kinder nicht
arbeiten können.
Dankbar waren wir Herrn Merckle Junior für 5000 Euro, die wir für unsere Arbeit
erhalten haben. Gleichzeitig ermöglichte er uns durch eine großzügige Einladung auf ein
Schiff, unsere Arbeit öffentlich zu präsentieren und somit neue InteressentInnen zu
gewinnen. Nichtsdestotrotz war es eine schwere Auseinandersetzung mit dem Thema
einerseits täglich mit Frauen zu tun zu haben, die aus unterschiedlichen Gründen in ihrer
Existenz nicht gesichert sind und andererseits direkten Kontakt zu einem Milliardär zu
haben.
Weiterhin schwierig gestaltet sich die Absicherung von Frauen, die aufgrund von erlebter
(sexueller) Gewalt unter Langzeitfolgen leiden, aber durch mangelnde Beweislage (keine
Zeugen) oder Traumatisierung nicht die Möglichkeit haben ihre Rechte auf Opferschutz
einzufordern.
Auch das neue Unterhaltsrecht hat viele Frauen verunsichert. Sie machen sich permanent
Sorgen, wie´s weitergehen soll und fühlen sich überfordert angesichts des momentanen
Arbeitsmarkts eine Stelle zu finden. Sie sind aufgrund der Kinderbetreuung nicht flexibel
genug (auf Abruf oder Teilzeit, die sich mit Kindergarten und Schulzeit vereinbaren lässt).
Es tut sich zwar viel in der Kernzeitbetreuung, trotzdem gibt es Schwierigkeiten mit
Ferien oder wenn das Kind krank ist.
Veranstaltungen
Beide angebotenen Veranstaltungen beschäftigten sich mit dem Thema „Häusliche Gewalt“,
das in der Beratungsstatistik an erster Stelle stand: Hinsehen und handeln
Durch eine Frau, die hier Unterstützung erhielt, nachdem ihr Arzt sie trotz massiver
häuslicher Gewalt nachts nach Hause schickte ohne Hinweise, was sie tun kann , kam die
Idee einer Fortbildung für Ärzte/Ärztinnen im Bodenseekreis. Die Frauenbeauftragte
Frau Wäscher-Göggerle koordinierte die Veranstaltung : „Häusliche Gewalt erkennen“, die
im Land-ratsamt stattfand. Eine Freiburger Ärztin referierte als Fachfrau und zeigte
erschreckende Bilder. Die Frauenbeauftragte, die polizeiliche Beratungsstelle, ein Arzt und
Frauen helfen Frauen berichteten anschließend über ihre Arbeit und standen für Fragen
zur Verfügung. Am meisten beeindruckte die Aussage eines Arztes, der meinte, dass er
täglich mehrmals mit diesen Themen konfrontiert ist. Dies zeigt einerseits die Häufigkeit
von Beziehungsgewalt, aber auch die Scham der Frauen, die zwar zum Arzt gehen
aufgrund der Verletzungen, dann aber nicht immer angeben, was passiert ist oder sich
anschließend keine Hilfe holen. Es war auch eine gute Gelegenheit, die Ärzte/Ärztinnen
mit unserem Informationsmaterial zu versorgen. Viele Frauen kommen zu uns über
Kliniken oder Ärzte/Ärztinnen und umgekehrt sind Hausärzte/ärztinnen wichtige
Kontaktpersonen für Frauen, die bei uns in Beratung sind.
„Kinder als Opfer von Partnergewalt“ war der Titel eines Vortrags von der Karlsruher
Jugendamtsleiterin Susanne Heynen. Eingeladen haben wir im GZH hauptsächlich
Fachpersonen, die mit Kindern arbeiten. Aus allen
wichtigen Institutionen waren Interessierte da, wer nicht kommen konnte, bekam den
Vortrag zugeschickt.
Zentrale Aussagen: Partnergewalt wird in diesem Zusammenhang definiert durch
Frauenfeindlichkeit und Kontrolle, die Gewalt eskaliert.
Eine höhere Gewaltprävalenz ist nachgewiesen bei Trennung/Scheidung auch bei Umgangskontakten und nach der Geburt eines Kindes. Für das Kind bedeutet dies aufwachsen
in einer Atmosphäre von Demütigung und Gewalt oft in Zusammenhang mit
Vernachlässigung ,Überforderung und Ausweglosigkeit. Es kann zu destruktiver
Konfliktbewältigung, zu Einsatz oder Erdulden von Gewalt,
Lern- und
Konzentrationsstörungen kommen.
Hingewiesen wurde darauf, dass anonyme Meldungen beim Jugendamt nicht weiterhelfen,
sondern besser offen gemacht werden. Frau Heynen betonte, dass im Gesetz alles geregelt
ist, was als Handlungsspielraum
benötigt wird .
Besonderheiten
Auffällig viele ältere Frauen ließen sich von uns beraten. Themen waren Unterbringung,
häusliche und sexuelle Gewalt. Viele Frauen wurden überwältigt von den Themen, weil sie
jahrzehntelang in einer guten Beziehung gelebt haben und nach dem Tod des Ehemannes an
Partner gerieten, die sie nicht gut behandelten. Gut, dass sich auch diese Generation Frauen
inzwischen traut, Gewaltthemen offenzulegen.
Schockierend sind Beratungen in denen Kriegsthemen (Vergewaltigung der Frauen und
Traumatisierung der Männer) zum Beispiel im Jugoslawienkrieg ans Tageslicht kommen.
Durch die vielen Berichte über Kindesvernachlässigung oder massive Gewalt an Kindern
wurde nochmal deutlich, dass ein Teil unserer Klientinnen in solchen Situationen
aufgewachsen sind und ihr Leben dadurch stark beeinträchtigt ist. Die Erfahrungen
wiederholen sich immer wieder und es braucht viel Geduld dem Leben wieder
vertrauensvoll begegnen zu können. Unterstützung holen die Frauen sich oft auch, wenn
sie Kinder haben, damit es sich nicht wiederholt, vor allem in Überforderungssituationen .
Aus einer neuen Perspektive sahen wir unsere Arbeit durch eine Polizeipraktikantin, durch
die wir immer wieder aufmerksam wurden auf andere Sichtweisen und Möglichkeiten.
Beim Gesamttreffen der Frauenberatungsstellen aus Deutschland war es ebenfalls
interessant im Austausch mit den Traumakliniken zu erfahren, dass die Beratungsstellen
davon ausgehen, dass die Frauen in der Klinik ihre Erlebnisse aufarbeiten können, weil sie
dort geschützt sind, während die Kliniken von den Beratungsstellen denken , dass sie
geeigneter sind. Wichtig sind auf dem Treffen auch immer die Beiträge aus Österreich als
Gastrednerinnen, da Österreich im Opferschutz neue Wege geht. Dort steht im Vordergrund
die Gerechtigkeit durch den Rechtsstaat wobei Gewalt als Unrecht erklärt wird. Praktisch
bedeutet dies das Sichtbarmachen von Menschenrechtsverletzungen, das Schaffen sicherer
Orte für Frauen, die Entschädigung und Unterstützung der Betroffenen. Als neuer
Straftatbestand wurde dort die beharrliche Gewalt/ Wiederholungsgewalt eingeführt.
Täter müssen ins Blickfeld genommen und konfrontiert werden. Als neues Gesetz wurde
das Recht auf juristische und psychosoziale Begleitung im Strafverfahren erlassen.
In eigener Sache
Neu beantragen mussten wir nach 3-jähriger Absicherung alle Zuschüsse. Wir haben uns
sehr gefreut, dass der Sozialausschuss der Stadt Friedrichshafen zusätzlich zum
beantragten Geld aufgestockt hat, da der Opferschutzzuschuss nur noch einen Bruchteil
der bisherigen Summe beträgt. Dies sehen wir als eine Würdigung unserer Arbeit. Auch die
Bewilligung der Zuschüsse des Bodenseekreises waren eine große Erleichterung. Der
Betrag aus dem Opferschutz wurde allerdings von 7000 auf 1500 Euro gekürzt.
Problematisch war die Situation, dass wir erst im Dezember erfahren haben , ob das
beantragte Geld im Kreis bewilligt wird und erst im Januar 09 wussten, wie viel vom
Opferschutz kommt. Somit ist unsere Haushaltsplanung sehr schwierig . Die geringen
Rücklagen reichen auch nicht aus, um die Zeit zu überbrücken, bis der erste Zuschuss im
Mai kommt. 14.000 Euro müssen wir selbst erwirtschaften, was in Zeiten der schwierigen
wirtschaftlichen Gesamtsituation nicht einfach wird. Diese Themen nehmen viel Raum ein
in unserer Arbeit und sorgen immer wieder für Verunsicherung wie es weitergehen wird.
Trotzdem sind wir froh, dass alles geklappt hat und sehen auch die Vorteile einer
unabhängigen Stelle um den Preis die Gelder selbst erwirtschaften zu müssen.
Für 2009 möchten wir den Bodenseekreis mehr in unser Blickfeld rücken. Dadurch, dass
unser Sitz in Friedrichshafen ist, wissen Frauen aus dem Kreis oft nicht von unserem
Angebot. Dies möchten wir durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit im Kreis ändern. Es
kommen zwar ungefähr gleich viele Beratungen aus Stadt und Kreis, dies stimmt aber im
Verhältnis nicht überein.
Weiterhin sind wir beschäftigt mit einer guten Lösung für die Unterbringung von
gewaltbetroffenen Frauen im Bodenseekreis, da wir kein Frauenhaus haben.
Dank an unseren Vorstand, an alle UnterstützerInnen, an SpenderInnen, an kooperierende
Stellen und die Zuschuss Gewährenden sowie an unsere Klientinnen, die uns Vertrauen
entgegenbringen und mutig einen schweren Weg gehen.
Beratungsstatistik der Anlaufstelle 2008
Gesamtkontakte: 700
Mit wem:
Betroffene Frauen und Mädchen
511
Andere Stellen
105
Angehörige, Bekannte der Klientin
27
Intern (Vorstand, Vereinsmitglieder)
57
Die Klientinnen stammen zu fast gleichen Teilen aus der Stadt Friedrichshafen und dem
Kreisgebiet, ein geringer Anteil stammt aus anderen, meist umliegenden Landkreisen.
Art der Kontakte:
Telefonische und persönliche Beratungen
522
Telefonische oder persönliche Auskünfte, Terminabsprachen,
Vernetzung mit anderen Stellen usw.
178
Aufteilung nach Themen:
Misshandlung/Unterbringung
166
Sexueller Missbrauch/Vergewaltigung
114
Trennung/Scheidung und Beziehungsprobleme
99
Sonstiges
99
Rechtsberatung und finanzielle Probleme
81
Vernetzung und Vermittlung
71
Verein
49
Öffentlichkeitsarbeit und Prävention
18
Selbstverteidigung
3
Gruppen- und Öffentlichkeitsarbeit, Prävention:
Selbsthilfegruppentreffen:
22
Teilnahme an Arbeitskreisen, Runde Tische, kollegialer Austausch
32
Veranstaltungen, Aktionen:
3
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