close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Aller Report vom 22.03.2015 by KPS Verlagsgesellschaft mbH

EinbettenHerunterladen
23. O K TO B E R 2 0 1 4
D I E Z E I T No 4 4
GLAUBEN & ZWEIFELN
Schwerpunkt: Familiensynode
64
Triumph einer Sünderin
In Rom wurde bis zuletzt um Barmherzigkeit gestritten VON EVELYN FINGER
»Jesus und die
Ehebrecherin« von
Rocco Marconi, frühes
16. Jahrhundert
die
Hälfte der
Synodenväter
stimmten dagegen. Es war
eine herbe Niederlage für die Besitzstandswahrer
unter den Kardinälen, die Burkes, Napiers, Scolas,
Pells, De Paolis. Von Burke hört man jetzt in Rom,
er werde seinen Posten als Präsident des obersten
Gerichtshofes des Vatikanstaates verlieren und zum
Chef der Malteser degradiert. Auch das gehört zur
Barmherzigkeit des Papstes: Die Unbarmherzigen
werden auf die hinteren Plätze verwiese, wie im
Gleichnis von Jesus und der Ehebrecherin. Der Maler
Marconi hat die beiden beinahe als Liebespaar dar­
gestellt.
Und darum
ging es auch
jetzt in Rom, um
das Gebot der Liebe.
Franziskus sagte
zum Schluss: Ja, es gebe noch
immer die Versuchung der Feind­
seligkeit, der Gewissenhaftigkeit, des Rigo­
rismus, der Angst. Es gebe die Versuchung, »Brot in
Stein zu verwandeln«. Doch das dulde er nicht.
Kleriker seien keine Herrscher des Glaubens, sondern
Diener. Und er selbst sei der mächtigste Diener. »Ich
verteidige das Evangelium. Betet für mich!«
Danach gab es in der Synode Standing Ova­tions.
Und der Synodensprecher für die englischsprachige
Welt brach bei der abschließenden Pressekonferenz
vor Rührung fast in Tränen aus. So ein Mauerfall
kommt eben nicht alle Tage vor. So ein Sieg der Liebe.
Ihre Gegner stahlen sich still in die römische Nacht.
ANZEIGE
Au
sg
Hochschule & Bildung
eb u
cht
18. November 2014 · Berlin
Das deutsche Hochschulsystem steht vor großen Umwälzungen
und Herausforderungen. Die Nachfrage nach akademischer
Bildung ist ungebrochen hoch, die Studierendenzahlen steigen,
zugleich kürzen immer mehr Bundesländer die Mittel für die
Wissenschaft. Unklar ist, wie die großen Pakte für Forschung
und Lehre weiter finanziert werden – und wie sich der Bund
dabei einbringen wird.
verteilung? Welche Rolle werden Universitäten, Fachhochschulen, duale oder private Hochschulen künftig spielen?
Diesen und vielen anderen Fragen wollen wir bei der diesjährigen ZEIT KONFERENZ Hochschule & Bildung in Vorträgen und
Diskussionen mit hochkarätigen Referenten und diskussionsfreudigen Teilnehmern nachgehen.
Wer im Spannungsfeld zwischen Exzellenz und Sparzwang
überleben will, muss sich profilieren und Schwerpunkte setzen.
Die Hochschullandschaft wird dadurch immer differenzierter.
Wie reagiert die Politik darauf? Was bedeutet das für die Mittel-
Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht.
© MLP
Besucherbetreuung: Michael Gassmann • Tel. 069/79 40 95 65
info@convent.de • www.zeit-konferenzen.de/hochschule
Prof. Dr. Werner MüllerEsterl
Präsident, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine
Dr. h.c. Manfred LautenKunst
schläger
Ministerin für Wissenschaft, Gründer, MLP AG
Forschung und Kultur
des Landes Brandenburg
Prof. Dr. Ada Pellert
Präsidentin, Deutsche Universität für Weiterbildung
und Professorin für
Bildungsmanagement
Prof. Dr. Manfred Prenzel
Vorsitzender, Wissenschaftsrat
Prof. Dr.-Ing. Bernd
Scholz-Reiter
Rektor, Universität Bremen
Prof. Dr.-Ing. Christoph
Seeßelberg
Präsident, Fachhochschule
Köln
Eine Veranstaltung von:
© Thilo Schmülgen
Prof. Dr. Johanna Wanka
Bundesministerin für
Bildung und Forschung
In Zusammenarbeit mit:
A
Partner:
© Bundesregierung/Steffen Kugler
Prof. Dr. Horst Hippler
Präsident, Hochschulrektorenkonferenz
© facesbyfrank
Theresia Bauer
Prof. Reinhold Geilsdörfer Prof. Dr. Hans-Hennig
Ministerin für Wirtschaft,
Präsident, Duale Hochvon Grünberg
Forschung und Kunst des
schule Baden-Württemberg Präsident, Hochschule
Landes Baden-Württemberg
Niederrhein
Förderer:
Partner Hochschulmanager
des Jahres:
Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Buceriusstraße, Hamburg; Convent Gesellschaft für Kongresse und Veranstaltungsmanagement mbH, Senckenberganlage 10–12, 60325 Frankfurt am Main
Wissenschaftssystem im Wandel
© müller-dupaget
Abb. (Ausschnitt): DeAgostini/Getty Images (Rocco Marconi, »Christus und die Ehebrecherin«, Palazzo Corsini)
Z
vorwärts zu den modernen Ka­
tholiken: Schluss mit der gesetzes­
treuen Unbarmherzigkeit! Zu­
rück zu einer Theologie der
Vergebung! So milde das
klang, so harsch waren einige
Reaktionen: Barmherzigkeit
ist keine billige Medizin!
Vergebung gibt es nur unter
harten Bedingungen! Das
Gesetz ist nicht relativ!
So ereiferten sich etliche
Bischöfe und Kardinäle.
Am Ende des Tages spra­
chen fünf von zehn Zirkeln
sich gegen Reformen für
Homosexuelle und wieder­
verheiratete Geschiedene aus,
zwei Zirkel waren unentschie­
den, zwei erklärten, sie müssten
die Vorschläge noch weiter studie­
ren, und nur einer stimmte zu. Als
der Generalsekretär der Synode,
Lorenzo Baldisseri, erklärte, dass trotz
der desaströsen Lage die Statements der
Zirkel veröffentlicht würden, erschollen
Buhrufe aus dem Klerikerkreis. Der Papst
verfolgte die Szene mit versteinertem Gesicht.
Und dann? Man muss sich vorstellen, wie
abends nach Synodenschluss, während die Mann­
schaft des Papstes am Text feilte, reaktionäre Mei­
nungsmacher sich zu »Gegensynoden« versammelten.
Aber am Ende, oh Wunder, waren sie nicht halb so
mächtig, wie sie selbst meinten. Denn bei der großen
Abstimmung wurden 59 von 62 Punkten des Reform­
papiers angenommen. Eine klare Niederlage der Straf­
prediger. Die Bischöfe der Welt verpflichteten sich,
die Realität zu sehen und nicht länger nur zu ver­
teufeln. Sie segneten ein Papier ab, das sagt: Sexualität
soll endlich positiv gesehen werden, und alle Men­
schen, auch die anderen Glaubens, sind in der christ­
lichen Familie willkommen. Liebesbeziehungen an
sich haben einen Wert. Triumph der Güte?
Drei provokante Punkte zu Homosexuellen und
Geschiedenen wurden abgelehnt. Doch weniger als
wischen Sakrament und Sünde,
Deshalb ist die Ehebrecherin so schön. Marconi
zwischen Ehe und Ehebruch liegen hat sie üppig und demütig gemalt. Eine blonde Ma­
in Rom nur fünfzehn Minuten Spa­ donna, wie sie die Männer wohl mögen. Jesus mag
zierweg. Hinter den Toren des Vati­ sie offensichtlich auch. Freundlich neigt er der Sün­
kans streiten sie an diesem milden derin den Kopf zu, sie neigt sich reuevoll zu ihm, und
Oktobertag noch über die moderne er hebt die rechte Hand zur Absolution. Im Johannes­
Liebe: dass immer mehr Katholiken evangelium kann man nachschlagen, was er sagt: »Ich
Sex haben ohne Trauschein, dass sie sich scheiden verurteile dich nicht.« Mehr noch. Marconi illustriert,
lassen oder gar gleichgeschlechtlich heiraten. Es ist dass die Milde des Heilands keine herablassende
der vorvorletzte Tag der Familiensynode, und einige Nachsicht ist, sondern eine moralische Haltung.
Synodenväter geraten allmählich in Rage. Die kon­ Denn hinter ihm stehen die Pharisäer, die die Ehe­
servative Gruppe um den amerikanischen Kardinal brecherin steinigen wollten, und so sehen sie auch
Raymund Burke pocht auf das Lehramt und verfasst aus. Unbarmherzig, rachsüchtig, insgeheim lüstern
einen Einspruch, in dem das Wort »Doktrin« in drängen sie sich von hinten dicht an die beiden
zornigen Großbuchstaben gedruckt ist. Die konser­ Hauptfiguren. Aus der Bibel wissen wir, was Jesus zu
vative Gruppe um den südafrikanischen Kardinal ihnen sagte, der Vers ist heute ein geflügeltes Wort,
Wilfried Napier fordert eine klare lehramtliche Linie das auch außerhalb des Christentums gilt, als Formel
und schimpft, die Synode zeige zu viel Verständnis gegen frömmlerischen Tugendterror: »Wer von euch
für »die Probleme und die Pathologie der Ehe«. Also: ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.«
Nicht die kirchlichen Gebote, sondern die Sünder
Es hat in der berühmten biblischen Shortstory
sind das Problem!
bekanntlich keiner gewagt, den Stein zu wer­
Am Ende dieses Tages wird es in der
fen. Merke: Kein Mensch ist ohne
Sünde. Mit den Worten von Papst
schalldichten Synodenaula Buhrufe
Franziskus. »Auch ich bin ein
geben. Und es wird so aussehen,
Freundlich
Sünder.« Einer seiner engsten
als sei keine Einigung möglich
neigt Jesus der
Vertrauten aus dem Kurien­
zwischen Reformern und
Betonköpfen, als führe keine
reformrat, Kardinal Oswald
Sünderin den Kopf
Brücke über die Kluft zwi­
Gracias aus Bombay, der
zu, sie neigt sich reuevoll
schen katholischer Lehre
über kirchliches Eherecht
und katholischem Leben.
promovierte, antwortete auf
zu ihm: »Wer von euch
Dabei müsste man bloß
die umstrittenste Synoden­
hinunter zum Tiber spazie­
frage, ob Homosexuelle nun
ohne Sünde ist, der
ren, dann nach Süden, in
Sünder seien oder in der
werfe den ersten
Richtung Trastevere zum Pa­
Kirche willkommen: »Natür­
lazzo Corsini. Dort hängt, in
lich sind sie willkommen.« Und
Stein«
einem menschenleeren Saal voller
ein anderer Reformer, der am
Schlusspapier mitschrieb, fügte lä­
goldgerahmter Bibelszenen, die Lö­
sung. Sie ist fast 500 Jahre alt: Christus und
chelnd hinzu: »Ob Homosexuelle Sünder
die Ehebrecherin heißt das Gemälde von Rocco Mar­
sind, ist nicht entscheidend. Sonst wären wir ja alle
coni, das zeigt, wohin Papst Franziskus will: zurück unwillkommen in der Kirche. Auch der Papst.«
zu der schlichten Erkenntnis des Evangeliums, dass
So einfach ist das mit der katholischen Sexualmo­
es unchristlich ist, die Sünder zu verdammen. Weil ral. Und so schwierig. An jenem vorvorletzten Sy­
die Kirche eben nicht für den perfekten, den idealen nodentag sollten die Synodenväter, verteilt auf zehn
Menschen, sondern für den realen Menschen in Zirkel, das Schlusspapier kommentieren. Darin
wurde ein neuer Weg gewiesen, zurück zu Jesus und
seiner Unvollkommenheit sorgen soll.
www.zeit-konferenzen.de
16948_ZV_ZD_KonfHochschu_ANZ [P].indd 1
16.10.14 09:48
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
4
Dateigröße
601 KB
Tags
1/--Seiten
melden