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Hans Jörg Glattfelder – Was der Fall ist

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MEDIENMITTEILUNG
22.10.2013
Hans Jörg Glattfelder – Was der Fall ist
24. Oktober 2013 bis 2. Februar 2014
Eröffnung: 23. Oktober 2013, 18 Uhr
Das Museum Haus Konstruktiv lässt sein Ausstellungsprogramm 2013 mit einer umfangreichen
Einzelpräsentation des Schweizer Künstlers Hans Jörg Glattfelder ausklingen. Der 1939 in Zürich geborene und seit 1998 in Paris lebende Künstler zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen
Repräsentanten der konstruktiven und konkreten Kunst. Seine Werke wurden bisher in fast 100
Einzelausstellungen im In- und Ausland präsentiert, u. a. 1992 im Josef Albers Museum in
Bottrop, 1999 im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt und 2013 im Leopold-HoeschMuseum in Düren. Hans Jörg Glattfleders Arbeiten, in deren Konzeption oft auch mathematische
und naturwissenschaftliche Erkenntnisse einfliessen, bestechen genauso durch ihren intellektuellen wie durch ihren formalästhetischen Reiz. Mit rund 80 Leihgaben aus öffentlichen und
privaten Sammlungen geben wir einen Einblick in das vielschichtige Œuvre des Schweizer
Künstlers, das neben Gemälden und industriell hergestellten Reliefs auch installative und eigens für die Ausstellung konzipierte Werke umfasst.
Mit dem Ausstellungstitel Was der Fall ist spielt Hans Jörg Glattfelder auf Ludwig Wittgensteins viel
zitierte Aussage «Die Welt ist alles, was der Fall ist» an, mit der der österreichische Philosoph 1922
sein berühmtes Werk Tractatus logico-philosophicus begann. Glattfelder selbst betrachtet alles, was
der Fall ist – etwa Dinge, die zueinander in Beziehung stehen, also Sachverhalte – als etwas Konkretes. Ausgangspunkt dieser Überlegungen ist die Erkenntnis, dass Sachverhalte, oder eben das Konkrete, sich stets im Wandel befinden. Glattfelder schreibt dazu: «Das Konkrete ist unentwegt in Wandlung
begriffen, wobei es gewisse Eigenschaften verliert und andere ansetzt, ohne aber seine Identität zu
verlieren. In den Wandlungen tritt die Identität erst in voller Bestimmtheit hervor.» Glattfelders Vorliebe
für einen permanenten Wandel spiegelt sich im Zürcher Ausstellungskonzept wider: Auch wenn es sich
um eine Retrospektive handelt – gezeigt werden Werke aus allen Schaffensphasen – meidet der Künstler selbst diesen Begriff und spricht lieber von Statements.
Hans Jörg Glattfelders Affinität zu wissenschaftlichen und philosophischen Fragestellungen geht zurück
auf seine Zürcher Universitätszeit. In jungen Jahren studierte er einige Semester Jura, Kunstgeschichte
und Archäologie, bevor er dann Anfang 1960er Jahre nach Italien zog, um dort seine künstlerische
Laufbahn zu beginnen. In Florenz wurde sein frühes Schaffen von unterschiedlichen Avantgardebewegungen massgeblich geprägt. Inspiriert von der Op-Art und der Kinetischen Kunst entwickelte er eine
eigene konkrete Formensprache. Die Beschäftigung mit räumlichen Strukturen führte zu ersten industriell hergestellten Reliefs. Sie zeigen eine Aneinanderreihung prismatischer Stäbe, später arbeitet Glattfelder mit einem modularen System aus Pyramidenelementen.
Anfangs der 1970er Jahre wendet sich der Schweizer Künstler verstärkt der Malerei zu, wobei die Frage nach der Darstellbarkeit von Raum auf einer Fläche im Zentrum steht. Er setzt sich intensiv mit wissenschaftlichen Raumdefinitionen auseinander, studiert u. a. verschiedene Theorien zur nichteuklidischen Geometrie und findet 1977 zu einer Bildschöpfung, die er «nicht-euklidische Metapher»
nennt: Diese besteht aus meist viereckigen, jedoch nicht orthogonalen Bildträgern, die, in konvergierende Farblinien oder Farbfelder unterteilt, eine perspektivische Verzerrung und die Illusion eines ge-
Museum Haus Konstruktiv
Stiftung für konstruktive, konkrete und konzeptuelle Kunst, Selnaustrasse 25, 8001 Zürich, Tel. 044 217 70 80, Fax 044 217 70 90
info@hauskonstruktiv.ch, www.hauskonstruktiv.ch
krümmten Raumes hervorrufen. Es ist der Versuch, abstrakte Erkenntnisse aus der Naturwissenschaft
in visuelle Äquivalente umzusetzen, wie beispielsweise das Prinzip der in der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein beschriebenen Krümmung des Raums.
Auch wenn Glattfelders Arbeiten ein wissenschaftlicher Ansatz zugrunde liegt, sind sie keine mathematischen Anschauungsmodelle. Glattfelder formuliert es so: «Ich bin ja Maler und kein Mathematiker. Ich
kann von mathematischen Aspekten lernen, kann mir Anregungen holen, aber letztlich werde ich versuchen, den Raum zu gestalten, nach Grundsätzen der künstlerischen Tradition, nach Rhythmus, nach
Dimension, nach formalen Entscheidungen. Die Formen, die ich erfinde, haben eine Beziehung, sie
weisen auf etwas hin, das ich konkret eben nicht darstellen kann.» Aus diesem beschriebenen Spannungsfeld zwischen dem Rationalen und dem Sinnlichen entsteht die poetische Kraft seiner Werke.
Auch die jüngsten Arbeiten spielen mit der Thematik einer gekrümmten Raumstruktur. Die Beschäftigung mit der nicht-euklidischen Geometrie und die Anwendung einer rational nachvollbarziehbaren
Methode ziehen sich wie ein roter Faden durch Glattfelders Schaffen.
Zur Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv erscheint eine umfangreiche Publikation in Deutsch und
Englisch im Wienand Verlag.
Die Ausstellung Hans Jörg Glattfelder – Was der Fall wurde grosszügig unterstützt von ewz. Weitere
Unterstützung durch: aon Risk Solution Schweiz AG; Ars Rhenia, Stiftung zur Überregionalen Förderung von Kunst und Kultur; André M. Bodmer, Zumikon; Egon- und Ingrid-Hug Stiftung; Pro Helvetia,
Schweizer Kulturstiftung; Galerie Wenger, Zürich.
Special Guest: Daniel Bisig – Pallarel
24. Oktober 2013 bis 2. Februar 2014
Auf Einladung von Hans Jörg Glattfelder hat der Zürcher Wissenschaftler und Medienkünstler Daniel
Bisig die Arbeit Pallarel konzipiert, die in direkter Beziehung zu Glattfelders Auseinandersetzung mit
nicht-euklidischen Metaphern steht. Pallarel ist eine installative Videoarbeit, deren Inhalte durch simulierte physikalische Prozesse generiert werden. Grundlage für die Installation ist ein Computerprogramm, das graphische Elemente in Bewegung darstellt. Diese Bewegung erfolgt in einer Bildebene
und wird als parallel laufende räumliche Fortbewegungen wahrnehmbar. Die Bildebene wird via Beamer an die Wand im Eingangsbereich des 4. Stocks projiziert. Tritt nun eine Besucherin, ein Besucher
in den Raum, werden sie von einer installierten Kamera erfasst und als Körpermassen in die Simulation
übertragen. Aufgrund dieser Körpermassen beginnt sich die Bildebene zu krümmen und verliert
dadurch ihre ursprünglich euklidischen Eigenschaften. Diese Krümmung vermittelt sich visuell durch die
Auflösung der Parallelität in den bildlichen Bewegungen.
Daniel Bisig wurde 1968 in Zürich geboren. Er hat an der ETH Zürich Naturwissenschaft studiert und
dort 1998 in Molekularbiologie promoviert. Daniel Bisig arbeitet seit 2001 als Oberassistent am Labor
für Künstliche Intelligenz der Universität Zürich sowie seit 2006 als Wissenschaftler am Institute for
Computer Musik and Sound Technology der Zürcher Hochschule der Künste. Daniel Bisig hat an der
Schnittstelle zwischen Kunst (Neue Medien, Generative Kunst) und Wissenschaft (Künstliche Intelligenz, Künstliches Leben) verschiedene Arbeiten realisiert. Diese umfassen Software- und HardwareEntwicklung im Kontext künstlerischer Forschung, generative Filme, audiovisuelle Installationen und
interaktive Medien für Tanzaufführungen.
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Kunst und Fotos
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