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Hier ist alles Gold was glänzt

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OBERFLÄCHEN
Hier ist alles Gold
Mit Blattgold lassen sich die Oberflächen
verschiedenster Materialien und Formen veredeln
Dukatengold,
Rotgold, Orange-‐
gold, Mondgold,
Zitronengold – so
vielfältig wie die
Blattgoldsorten
sind auch die Mate-‐
rialien und Formen,
die sich für das
Vergolden eignen.
Viele Wege führen zum Ziel
Wie in jedem Handwerk ist die richtige
Wahl von Werkzeug und Material, von Rezeptur und Arbeitsschritten entscheidend.
Und wie immer führen „viele Wege nach
Rom“, die gerade beim Vergolden sehr konträr sein können. So können alle Rezepte
entsprechend der individuellen Vorgehensweise modifiziert werden.
Die Qualität der Arbeit, also eine ungetrübte, glatte Oberfläche, beruht auf einem
optimal aufgebauten Untergrund, der ak-
Einen Modellrahmen zu grundieren, schleifen, polimentieren, vergolden, lackieren und
tönen bedarf es mehrere Tage. Und genau
dies ist das Nadelöhr: „Die Vorgehensweise
führt zwar zu exzellenten und bei richtiger
Pflege langlebigen Ergebnissen, ist aber sehr
arbeitsintensiv“, ergänzt Hanno Dietrich,
Malermeister – und ein feuriger Anhänger
des Vergoldens. „Um heute wirtschaftliche
Handwerksleistungen anbieten zu können,
sind effizientere Techniken gefordert“, führt
der Kreishandwerksmeister aus und verweist auf neue Klebetechniken, die bereits
zu guten Ergebnissen führen.
Zudem haben vor allem private Bauherren
Vorbehalte, Blattgold einzusetzen, denn
dieses wirkt oftmals ein wenig protzig.
Moderne Bilderrahmen-Profile, punktueller Einsatz in der Wandgestaltung sowie
außergewöhnliche Trägermaterialien sollen
Vorbehalte abbauen.
Gold als Gestaltungs-‐
element
Unter „Vergolden“ versteht man die kunstvolle Veredelung von
Ober f lächen m it
dem einzigartigen
goldgelben
Metall. Das
Bis zu 13 Arbeitsschritte sind für den Untergrund und die Vergoldung eines Rahmens
erforderlich.
Beste Raum-, Klima- und Lichtbedingungen sowie äußerst sorgfältiges Arbeiten und
sogar eine spezielle Atemtechnik sind die
Grundvoraussetzungen für die beeindruckenden Ergebnisse des Vergoldens.
Bei einer Schauvergoldung im Stadtmuseum der Goldschlägerstadt Schwabach am
15. April demonstrierte Karin Havlicek,
Schreinerin und seit über 15 Jahren Vergoldermeisterin mit eigener Werkstatt in München, wie es geht.
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ribisch vorbereitet werden muss, denn die
Veredelung mit einem Blattmetall lässt stets
die Qualität der Vorarbeit erkennen. Karin
Havlicek setzt bei der Polimentvergoldung
– entsprechend der traditionellen Arbeitsweise – auf insgesamt 13 Arbeitsschritte.
Andere Vergolder sprechen von bis zu 30
Schichten. Havlicek betont, dass Vergolder
auch heute noch überwiegend mit natürlichen Materialien wie Hautleim und Kreiden arbeiten.
Dieses
Meisterstück
von Dagmar
Bodirsky
(1994) stellt die
Heilige Ottilia
dar und basiert
auf einer
Schnitzarbeit
von Erich
Zimmer.
OBERFLÄCHEN
was glänzt
Die „Goldbox“ im Stadtmuseum
Schwabach wurde von Hans Kellner aus
München mit 23,5-‐karätigem Blattgold
handvergoldet. Foto: Adonce, Fürth
Goldene Zeiten
für „exakt“-‐Leser
Diese Säule wurde mit Kompositionsgold und Anlegemilch auf Acrylfarbe
bearbeitet.
Vergolden mit Blattgold gehört zu den
mechanischen Vergoldungen (im Gegensatz zu den chemischen) und ist neben der
Malerei eine der ältesten Oberflächentechniken. Mit den auf nur 1/8 000 mm
(oder weniger) geschlagenen Blättern
wird vor allem an Kunstgegenständen
und Bilderrahmen massives Gold vorgetäuscht.
Nachdem der Untergrund entsprechend
vorbereitet wurde, kann das Gold angeschossen werden. Dabei hat man nur einen
einzigen Versuch, um mit einem breiten
Pinsel, dem Anschießer, das feine, qua-
dratische Blättchen aus seinem Büchlein
auf die Oberfläche zu bringen. Eine echte
Vergoldung erkennt man übrigens an den
Ansätzen bzw. bei Flächen an der quadratischen Teilung.
Blattgold dient auch als edles Gestaltungselement in Innenräumen. Etwas leichter
zu verarbeiten und für den Laien kaum zu
erkennen ist Blattmessing (Schlagmetall
oder Kompositionsgold). Da es ein unedles
Metall ist, neigt es aber zur Korrosion und
sollte daher mit einem Schutzlack versiegelt werden. Für große Flächen empfiehlt
sich ein Gold-Applikator, der ein einzelnes
Was würden Sie gerne vergolden?
Schreiben Sie es uns, oder senden
Sie uns bis zum 15. Juni ein Foto
von Ihrem vererbten Bilderrahmen,
HLQHUEHVRQGHUHQ.ULSSHQÀJXUHLQHU
Festagstorte oder was auch immer
Sie gerne vergolden möchten. Unter
allen Einsendungen verlosen wir
zusammen mit Karin Havlicek und
der DVA zwei Bücher „Vergolden
mit Blattgold“ aus einer limitierten,
von der Autorin signierten und mit
ein wenig echtem Gold versehenen
Edition. cgahle@drw-verlag.de
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
exakt 5-‐10
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OFBEENRSFTL EÄRCBHAEUN
Buchtipp
Das Buch „Vergolden mit Blattgold“ von
Karin Havlicek umfasst 192 Seiten mit
Grundregeln zur Vergoldung und Tipps zur
Wahl des richtigen Untergrunds. Es ist wie
ein Kochbuch aufgebaut: Die schrittweisen
Beschreibungen der einzelnen Arbeitstechniken richtet sich gleichsam an Fachleute wie an
interessierte Laien. Einleitenden Bemerkungen, Rezepturen, Hinweisen auf Fehlerquellen, Tipps und aussagekräftigen Abbildungen sowie einem Glossar mit Fachbegriffen und
Bezugsadressen vervollständigen das
49,95 Euro teure Buch.
Vergolden mit Blattgold
ISBN 978-3-421-03713-8
DVA Architektur
Vergoldeter Rahmen, Meisterstück
von Marion Lindner, 2000.
Fotos: Achim Bunz (3)
Blatt vollflächig ansaugt und sicher auf der
vorbehandelten Fläche platziert.Auch im
Lichtdesign, bei Lederprägungen, in der
Kosmetik und sogar bei feinen Lebensmitteln lassen sich mit Blattgold effektvolle
Akzente setzen.
Ein vergessenes Handwerk
Im täglichen Arbeitsleben oder auf Handwerksmessen fällt Havlicek immer wieder
auf, dass der Beruf des Vergolders weitgehend in Vergessenheit geraten ist: „So mancher denkt, man streiche Gold mit einem
Pinsel auf, und ist sehr erstaunt zu hören,
dass wir ein selbstständiges Handwerk sind
und die Ausbildung zum Vergolder drei
Jahre dauert“. Havlicek, die unter anderem
bei der Landesinnung des Bayerischen Vergolder- und Fassmalerhandwerks als Dozentin tätig ist, ergänzt: „Alte Techniken zu
bewahren und zu lehren, mit traditionellen
Materialien zu arbeiten und Werte zu erhalten, sollten die höchsten Ziele unseres
Handwerks sein.“
An die alten Techniken erinnern und zugleich zeitgemäße Einsatzmöglichkeiten
aufzeigen möchte auch das Stadtmuseum
Schwabach: Im Dezember 2009 wurde hier
die „Goldbox“ eingeweiht.
Sie basiert auf einem Ständerwerk und ist
verkleidet mit 50 großformatigen Aluminium-Dibond-Platten (ca. 70 m²), die
mit 23,5 Karat Rosennobel-Doppelgold
belegt wurden. Mit einem Schutzlack ist
die Oberfläche auch vor neugierigen Besucherhänden gefeit. Der 3,5 m hohe Kubus
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beherbergt eine Theke für festliche Anlässe
sowie einen Vorführraum mit einer kleinen
Tribüne und einer historischen Goldschlägerwerkstatt.
(cg)
Vergoldung
ist nicht
gleich
Vergoldung:
Es gibt
zahlreiche
Farb-‐ und
Glanz-‐
variationen.
Fotos:
Gahle (4)
Blattgold auf Rindentuch ist nur
einer der vielen Vorschläge, die
Kreishandwerksmeister Hanno
Dietrich als Ergebnis eines
Innovationswettbewerbs
präsentieren kann.
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