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Wilhelmshaven
SEITE 6
DONNERSTAG, 6. NOVEMBER 2014
WILHELMSHAVENER ZEITUNG
Unrecht geschah auch in Wilhelmshaven
GESCHICHTE
Dr. Ingo Harms berichtete über Zwangssterilisierungen und Euthanasie in der NS-Zeit
Viele Akten über Maßnahmen gegen Behinderte und Kranke sind vernichtet worden. Dennoch gibt es Hinweise.
– Rund
400 000 Menschen wurden in
den Jahren zwischen 1934 und
1945 infolge des Gesetzes zur
Verhütung erbkranken Nachwuchses im Zugriffsbereich
des
Deutschen
Reiches
zwangssterilisiert. Betroffen
waren geistig und körperlich
behinderte Menschen, Patienten psychiatrischer Heil- und
Pflegeanstalten sowie Alkoholkranke. Was geschah vor
Ort, in Wilhelmshaven? Das
war eine der Fragen, denen
der Medizinhistoriker Dr. Ingo
Harms in einem Vortrag in der
Volkshochschule nachging.
Die Antwort ist schwer. Gerade in Wilhelmshaven wurden viele Akten während des
Krieges durch Bomben, später
durch bürokratische Vorgänge
vernichtet. Besser sah es für
den forschenden Historiker in
WILHELMSHAVEN/GB
Jever aus. Dort tauchte 2009
beim Umbau des Gesundheitsamtes ein ganzer Berg alter Akten auf, die – inzwischen
wohlgeordnet im Staatsarchiv
Oldenburg – Aufschluss auf
die Verhältnisse auch in Wilhemshaven erlauben.
Den Gesundheitsämtern,
die von den Nationalsozialisten flächendeckend eingerichtet wurden, kam eine
Schlüsselfunktion bei der
Zwangssterilisation zu. Das
Amt in Jever wurde von Dr.
Franz Bremer geleitet. 1934
stellte er den Antrag, wonach
im Sophienstift in Jever und
im Johannesstift in Varel Unfruchtbarmachungen
ohne
Einwilligung der Betroffenen
vorgenommen werden konnten. Der Antrag wurde ein Jahr
später abgelehnt. Bremer habe dann auf eigene Faust
Zwangssterilisationen veranlasst. Es gebe aber auch Belege, dass sich der Mediziner
gegen ZwangssterilisationsVorstöße des Wilhelmshavener Amtsarztes Dr. Paul Volkenrath zur Wehr setzte.
Der einzige Arzt, der in Je-
Referent Dr. Ingo Harms bei seinem Vortrag.
ver für diese Operationen in
Frage kam, sei der Gynäkologe
und Chirurg Dr. Carl Uhlhorn
gewesen. Dieser habe seine
Praxis dann nach Wilhelmshaven verlegt und Belegbetten im St.-Willehad-Hospital
gehabt. Bislang hat Harms allerdings keine Akten gefunden, die Auskunft über mögliche Verstrickungen Uhlhorns
geben könnten.
Die Ausmaße der Zwangsmaßnahme lassen sich durch
Zahlen erahnen: So wurden
allein im Jahr 1935 in Rüstringen/Wilhelmshaven 31, in
Friesland 35 wehrpflichtige
WZ-FOTO: LÜBBE
Männer gegen ihren Willen
zeugungsunfähig gemacht.
Schwere Vorwürfe erhob
Harms gegen den Landesfürsorgeverband Oldenburg, der
von den Nationalsozialisten
über den Betrieb sozialer Einrichtungen hinaus mit Aufgaben im Bereich Kultur, Infrastruktur, Gebäudeverwaltung
und mit der erbbiologischen
Bestandsaufnahme zugewiesen bekam. Der Körperschaft
öffentlichen Rechts sei es gelungen, Profit aus den Insassen von Pflegeeinrichtungen
zu schlagen, indem die Ausgaben deutlich unter den Pflege-
sätzen gehalten wurden. Es
habe im wirtschaftlichen Interesse des Verbandes gelegen,
die Patienten in der Heil- und
Pflegeanstalt Wehnen durch
Mangelernährung
langsam
zugrunde gehen zu lassen.
Die Sterblichkeitsquote lag ab
1942 über 23 Prozent, 1945 bei
30,63 Prozent. Der normale
Wert liege bei fünf Prozent.
Im Herbst 1939 gab Hitler
den Befehl zur Euthanasie,
Anfang 1940 begann die massenhafte Ermordung unheilbarer Kranker in Gaskammern. Im Land Oldenburg
aber sei die „Euthanasie
durch Mangelernährung“ so
erfolgreich gewesen, dass
man die unheilbar Kranken
nicht ins Gas schicken musste. Allerdings sei ein Patient
aus Wehnen in der Tötungsanstalt Hadamar vergast worden. Er stammte aus Wilhelmshaven.
Ab 1942 gab es in Wehnen
ein Hilfskrankenhaus für Wilhelmshaven. Die Zahl der Patienten lag bei gut 350, darunter viele traumatisierte
Marinesoldaten.
Abendgebet, Kranzniederlegung und Lesung
WILHELMSHAVEN/LR – An die
Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 – Reichspogromoder Reichskristallnacht genannt –, in der Juden im gesamten Deutschen Reich
durch das nationalsozialistische Regime ermordet oder in
den Selbstmord getrieben
wurden, erinnern in Wilhelmshaven mehrere Veranstaltungen.
Eine Gedenkfeier veranstaltet die Stadt Wilhelmshaven zusammen mit dem
Deutschen
Gewerkschaftsbund, der IG Metall und den
evangelischen und katholischen
Kirchengemeinden
Wilhelmshavens. Um 18 Uhr
findet ein ökumenisches
Abendgebet in der Christusund Garnisonkirche mit anschließendem Schweigegang
zum Synagogenplatz (Parkstraße/Börsenstraße)
statt.
Gegen 18.45 Uhr beginnt
dann dort die Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung.
Über die Geschichte der Juden in Deutschland von den
Anfängen in der Römerzeit bis
zum Ende der Weimarer Republik berichtet Katharina
Lustgarten, Mitglied der Jüdischen Gemeinde Bielefeld, in
einem Vortrag am Donnerstag, 6. November, von 19 bis
21.15 Uhr im Hans Beutz
Haus, Virchowstraße 29.
„Zirkus Konzentrazani –
Ein Roman gegen das Vergessen“ ist die Lesung betitelt,
die Dr. Volker Hedemann am
Montag, 10. November, von 19
bis 21.15 Uhr, ebenfalls im
Hans-Beutz-Haus hält. Auf
der Basis des realen historischen Geschehens erzählt
„Zirkus Konzentrazani“ eine
fiktive Geschichte des Aufbegehrens gegen Entrechtung
und Willkür.
Häftlinge des Konzentrationslagers Börgermoor veranstalteten am 27. August
1933 eine Zirkusaufführung
für das gesamte Lager, Häftlinge und Bewacher. Am Ende
der Vorstellung gibt es auch
die Premiere des „Moorsoldatenliedes“.
rale Gedenkveranstaltung der
Stadt Wilhelmshaven zum
Volkstrauertag am 16. November ist die erste große Herausforderung, die Susanne Rautenberg in ihrer neuen Funktion zu bestehen hat. Kürzlich
hat sie als Nachfolgerin von
Hans-Dieter Hannemann das
Amt der Kreisgeschäftsführerin des Volksbundes Deutsche
Kriegsgräberfürsorge
übernommen. Erstmals hat sie
nun die Gedenkveranstaltung
Susanne Rautenberg wurde
gestern auf dem Ehrenfriedhof als neue Kreisgeschäftsführerin des Volksbundes
Deutsche Kriegsgräberfür-
zu organisieren und auch die
Haus- und Straßensammlung,
die vom 15. bis 23. November
dauert.
Susanne Rautenberg stehe
für den Generationswechsel,
der sich derzeit in der Verwaltung vollziehe, sagte Oberbürgermeister Andreas Wagner,
der als Kreisvorsitzender des
Volksbundes, zusammen mit
Stabsfeldwebel
Andreas
Kiesler als Vertreter der Bundeswehr gestern die neue
Kreisgeschäftsführerin der Öf-
sorge in Wilhelmshaven von
Oberbürgermeister Andreas
Wagner und Stabsfeldwebel
Andreas Kiesler vorgestellt.
WZ-FOTO: LÜBBE
fentlichkeit vorstellte. Sie
selbst habe bisher keinen persönlichen Bezug zum Thema
Kriegsgräber gehabt, sagte
Rautenberg, die nach verschiedenen Stationen in der
Verwaltung zuletzt beim Jobcenter tätig war. Das neue
Arbeitsfeld reize sie aber sehr.
Zu ihren Aufgaben gehört die
Pflege des Kontaktes zur Marine und zur Bundeswehr generell, aber auch die Zusammenarbeit mit Schulen. Sie
wertet es als sehr erfreulich,
dass sich in diesem Jahr wieder viele Schüler gemeldet haben, die in kleinen Gruppen
die Haussammlung zugunsten des Volksbundes übernehmen wollen.
Bei Kindern und Jugendlichen die Erinnerung an die
beiden Weltkriege und ihre
Schrecken wachzuhalten, sehen sie und Wagner als eine
maßgebliche Aufgabe in der
Zukunft an. Immer seltener
findet die nachwachsende
Generation durch die Familien noch Bezug zum Thema.
Auf der anderen Seite, so der
Oberbürgermeister, habe die
Stadt aber auch Plattform und
Ansprechpartner für Menschen zu sein, die auch fast 70
Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch nach Spuren ihrer
gefallenen oder vermissten
Väter und Großväter suchen.
1939
¤
1964
Susanne Rautenberg jetzt Kreisgeschäftsführerin
WILHELMSHAVEN/GB – Die zent-
¤
Der heutige Tag steht
unter dem Eindruck des
schweren Verlustes, den
unsere
Kriegsmarine
durch den Untergang der
großen Kreuzers „York“
erlitten hat. Der Nebel,
der
alte,
haßerfüllte
Feind allen Menschenwerks, das auf dem Meere schwimmt, hat ihm
den Tod gebracht, indem
er ihn auf die Unglücksmine stoßen ließ.
Bereits ab dem 23. Oktober konnten gegenüber
der ursprünglichen Regelung bei der Zuteilung
von Lebensmitteln auf
Karten einige Verbesserungen, vor allem für
Kinder,
durchgeführt
werden. Es ist nunmehr
gestattet, eine Reihe weiterer Verbesserungen der
Lebensmittelrationen
eintreten zu lassen und
außerdem Sonderzuteilungen vom Fleisch, Butter, Eiern, Reis, Hülsenfrüchten und Schokolade
vorzunehmen.
Erinnerung weiter wachhalten
VOLKSBUND
Der Männerturnverein
Vorwärts beschloß in der
außerordentlichen Versammlung unter anderem das Turnen wieder
aufzunehmen und zwar
in der Turnhalle der Wasserturmschule. Die Turnabende der Männerabteilung sind Mittwochs
und Sonnabends und die
der
Damenabteilung
Montags. Vom Verein sollen Liebespakete an die
im Felde stehenden Mitglieder gesandt werden.
Es wurde bereits wiederholt zugestanden, daß
wir durch die uns von der
NS-Gemeinschaft „Kraft
durch Freude“ vermittelten Künstlerspiele verwöhnt wurden, weil sie
stets nur Bestes brachten. Wenn trotzdem bei
der gestrigen und vorgestrigen Variete-Darbietung das bisher gebotene
noch übertroffen wurde,
so verdient dies anerkennend erwähnt zu werden.
Veranstaltungen zur Pogromnacht
GEDENKEN
1914
Der Betrieb der Kopperhörner Mühle ruht. Auf Wunsch finden
Führungen aber auch im Winter statt.
FOTO: SCHREIBER
Grundreinigung steht an
MÜHLE
Bald auch neue Segel nötig
WILHELMSHAVEN/NO – Am ver-
gangenen Sonnabend haben
sich die Flügel der Kopperhörner Mühle noch einmal gedreht – jetzt wird der Betrieb
des Galerieholländers mit
Windrose aus dem Baujahr
1839 für dieses Jahr zurückgefahren. „Da die Mühle nicht
beheizt werden kann, ist es für
Veranstaltungen wie Lesungen oder Vorträge schon zu
kalt geworden“, sagt Hans
Hartmann, Vorsitzender des
Kopperhörner
Mühlenvereins. Wenn eine Gruppe oder
Schulklasse eine Führung haben möchte, sei das auf
Wunsch aber auch in den
Wintermonaten möglich. Für
die Mitglieder des Vereins
steht jetzt erst einmal die
Grundreinigung und Überholung der Mühle auf dem Programm – nicht alles lässt sich
mit Farbe und Pinsel erledigen. „Wir haben auch einige
verfaulte Hölzer in der Galerie
entdeckt,“, sagt Hartmann.
„Deshalb werden wir versuchen, die Berufsbildenden
Schulen mit ins Boot zu holen.“ Mittelfristig seien wohl
auch neue Segel nötig, „wir
versuchen aber auf jeden Fall,
die Kosten niedrig zu halten“.
Dazu würden auch freiwillige
Helfer beitragen, die der Mühlenverein
händeringend
sucht.
Wer Lust hat, ab und zu mit
anzufassen, kann sich bei
Hans Hartmann, Tel. 32345,
melden.
Der „Flachs blühte“
gestern nachmittag, als
sich die fünf Wilhelmshavener Fußballer, die mit
der Niedersachsen-Auswahl zu Repräsentativspielen nach Afrika reisen, am Schnelltriebwagen in Hannover trafen.
„Zielscheibe“ Nr. 1 war
05-Torwart Dieter Rost.
Seine Mitfahrer Steiner
(TSR Olympia), Kalina,
Krumrey und Magnus
(alle 05) lachten über den
jungen Schlußmann, der
im Reisefieber seine Fußballschuhe
vergessen
hatte.
1989
Fast unbemerkt von
der Öffentlichkeit stattete eines der bemerkenswertesten Schiffe der
Nato
Wilhelmshaven
einen kurzen Arbeitsbesuch ab. Die „Alliance“,
das im vergangenen Jahr
in Dienst gestellte hypermoderne
Forschungsschiff der Nato – nach
Angaben seines Kapitäns, des Dykhauseners
Lothar Holtschmidt, das
leiseste Überwasserschiff
der Welt – unterzog sich
in der 4.Einfahrt einigen
Sicherheitsüberprüfungen.
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