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Heute wissen, was morgen ist. - F.A.Z.-Institut

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Heute wissen, was morgen ist.
AUSGABE 4/2014
Ist gut, was alle mögen?
Schwarmintelligenz
Power of the Crowd:
Die Macht der Masse steuert die Zukunft Seite 5
Crowdinvesting verspricht hohe Renditen –
und birgt hohe Risiken Seite 5
Global E-Tailing 2025
Der Onlinehandel boomt, und die
Logistikbranche profitiert
Seite 20
Zukunftsmanager ■ Editorial
Ausgabe 4/2014
Liebe Zukunftsdenker,
kennen Sie das? Sie kurven mit dem Auto durch ein dichtbesiedeltes Wohngebiet auf der Suche
nach einem Parkplatz. Doch jede noch so kleine Parklücke ist besetzt. Keine Chance. Der Suchradius weitet sich zwangsläufig aus – und mit ihm der zu Fuß zurückzulegende Weg. An genau
dieser Stelle kommt „Parkatmyhouse“ ins Spiel. Über eine App des Unternehmens bieten Anwohner ihre privaten Parkplätze, etwa auf dem eigenen Grundstück, an. So profitieren Suchende auf bequeme Weise von einem größeren Angebot und von niedrigen Parkpreisen. Und Hausbesitzer können sich etwas dazuverdienen. Auch der Automobilhersteller BMW zeigte sich
begeistert – und investierte in das Londoner Unternehmen.
„Parkatmyhouse“ ist ein klassisches Beispiel für die Power der Crowd. Die Nutzung dieser „Kraft
der Masse“ ist ein wachsender Trend, der neue Chancen eröffnet. Denn plötzlich entstehen neue
Geschäftsmodelle wie „Parkatmyhouse“, die erst durch die Nutzung der Masse denkbar werden.
Und plötzlich ergeben sich über Crowdinvesting für Start-ups neue Finanzierungswege oder
werben Unternehmen über Crowdsourcing Tausende von Ideen für neue Produkte ein. So rief
die Fast-Food-Kette McDonald’s 2012 die Aktion „MeinBurger“ ins Leben, bei der Kunden eigene
Rezepte kreieren konnten. 250.000 Einreichungen gingen ein, fünf Burger schafften es auf die
Speisekarte der Schnellrestaurants.
Die Beispiele zeigen, wie viel Potential in der „Weisheit der Vielen“ steckt. Wir gehen in der
aktuellen Ausgabe des „Zukunftsmanagers“ der Frage nach, ob die Power der Crowd auch
Zukunft hat – und welche Risiken dahinter versteckt sind (ab Seite 5).
Nicht nur die Crowd liefert gute Ideen: Auch traditionelle Innovationsprozesse bringen
eine Menge Geistesblitze hervor. Der Mittelstand ist dafür ein Paradebeispiel. Deshalb
möchten wir Sie heute einladen, unsere Sonderpublikation zum Thema „Innovationen
im Mittelstand“ genauer zu betrachten.
Viel Erfolg mit Innovation und in Zukunft wünschen
Markus Garn
Herausgeber ZUKUNFTSMANAGER
Leiter Innovationsprojekte, F.A.Z.-Institut
Daniel Schleidt
Redaktionsleiter
Innovationsprojekte,
F.A.Z.-Institut
2
Zukunftsmanager ■ Inhaltsverzeichnis
Ausgabe 4/2014
Strategie & Kultur
Seite 5
Kurz notiert
Seite 20
Ist gut, was alle mögen?
Die Zukunft des Konsums
Crowdinvesting verspricht hohe Renditen –
und birgt hohe Risiken
Eine aktuelle Studie zeigt: Der Onlinehandel boomt, und die Logistikbranche
profitiert
Seite 9
Schwarmfinanzierung: Pro & Kontra
Bietet Crowdinvesting den nötigen
Finanzierungsantrieb, oder handelt es
sich nur um heiße Luft?
Seite 11
Gemeinsam schlauer sein
Rick Wielens, CEO von Nine Sigma,
schwärmt für Expert-Crowdsourcing
Seite 16
„Gemeinsam dümmer sein“
Im Gespräch erklärt Provadis-Präsidentin
Eva Schwinghammer, warum man
im Schwarm auch dümmer sein kann
Seite 24
„Technologie und Mensch rücken
näher zusammen“
News
Seiten 37, 38, 39
Bücher
Seiten 37, 38, 39
Veranstaltungen
Seiten 37, 38, 39
Fragen an
Seite 40
Impressum
Seite 42
Zukunftsforscher Holger Glockner
erklärt, wie der Onlinehandel die
Welt verändert
Lebenswelten
Seite 28
Aus Schwarzweiß mach Bunt
Nachhaltigkeit kann ein wichtiger
Impulsgeber bei der Lösungsfindung sein
Seite 33
Unsicherheiten nachhaltig begegnen
Wie müssen nachhaltige Konzepte
angepasst werden, wenn sich globale
Rahmenbedingungen verändern?
© Thinkstock
Titel: Schwarmintelligenz
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Zukunftsmanager ■ Ausgabe 4/2014 4
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Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
Ausgabe 4/2014
5
Ist gut, was
alle mögen?
Von Eva Rossner
Einer sagt „Crowd“, und alle so: „Yeah“.
Crowdfunding steigt vor allem in der
Gunst innovativer Jungunternehmen.
Warum auch nicht, lassen sich neue
Ideen meist nur schwer über klassische
Finanzierungsmodelle entwickeln.
Doch bei all der Euphorie um die Aufmerksamkeit der Massen: Bei der
Schwarmfinanzierung im Internet ist
nicht nur die Rendite hoch, sondern
Die Crowd
Die Weisheit der Masse (Crowd) soll
im Zuge der vielen Entscheidungen
Einzelner die profitabelste Investition
ans Licht bringen – oder im besten
Fall an die Börse. Im Rückschluss hofft
der Schwarm der Kleinanleger eine
ordentliche Rendite einzusacken.
Der NSA-Abhörskandal schockiert. Er verbreitet
miese Stimmung im transatlantischen Bündnis
und zeigt der Privatsphäre die rote Karte. Doch
während der US-Präsident und die deutsche
Kanzlerin strenge Worte über Freundschaft und
Vertrauen austauschen, freut sich ein Dritter: Protonet, ein IT-Start-up aus Hamburg. Die Firma
stellt Miniserver her, mit deren Hilfe der Nut- >
>
© Thinkstock
auch das Risiko.
Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
Kapitalsuche mit Hürden
Der Personal Server aus dem hohen Norden:
eine gute Idee zur rechten Zeit. Allerdings sahen die Kapitalgeber das zunächst nicht so.
„Wir haben mit Banken gesprochen, aber die
Risikobereitschaft in Deutschland ist einfach
zu gering“, erinnert sich Baumgaertel. Dennoch gaben die Gründer ihre Suche nach
dem nötigen Kapital nicht auf. Sie wendeten
sich an Risikokapitalgeber, die vorzugsweise
in nichtbörsennotierte und technologieaffine Jungunternehmen investieren – in Firmen
wie Protonet also, die für eine herkömmliche
Kreditfinanzierung benötigte Sicherheiten
nicht mitbringen. Das Ergebnis: „Die VentureCapital-Unternehmen sagten, unser Produkt
sei nicht marktfähig. Hardware sei Quatsch,
Cloud wäre der Trend“, so der Geschäftsfeldentwickler. Was also tun, wenn vermeintlich
gute Ideen und kluge Köpfe keinen Weg finden, um sich am Markt zu entwickeln?
Eine neue Finanzierungsmöglichkeit bietet
das Internet: Das Zauberwort lautet Crowdfunding. Privatanleger investieren Geld in kapitalsuchende Jungunternehmen, eine Onlineplattform arrangiert die Zusammenkunft
– und am Ende profitieren alle. So lautet zumindest der Plan der Plattformbetreiber.
„Crowdfunding ist für Start-ups das derzeit
spannendste Investmentprodukt auf dem
Markt“, sagt Jens-Uwe Sauer. Er ist Geschäftsführer von Seedmatch, der derzeit
größten Crowdfundingplattform in Deutschland. Eigentlich betreibt Seedmatch Crowdinvesting, da die Plattform Darlehensverträge an Start-ups vermittelt. Unternehmen
stellen sich auf der Plattform vor; findet ein
Investor ihre Präsentation attraktiv, steigt er
mit seinem Geld ins Unternehmen ein. Es
handelt sich also um eine renditeorientierte
Sammelaktion, das klassische Crowdfunding
zielt eher auf nichtmaterielle Gegenleistungen ab. Wer beispielsweise einen Film
produzieren will, wirbt in der Crowd um die
entsprechenden Finanzmittel. Als Gegenleistung erhalten die Crowdmitglieder dann Kinokarten. Allerdings nimmt es Seedmatch
mit diesen Begrifflichkeiten nicht so genau.
Ob „Funding“ oder „Investing“, es geht um
die Gründungsfinanzierung von Unternehmen durch eine große Anzahl von Menschen.
Die Plattform
Zwischen der Crowd und dem Unternehmen, an dem sich Anleger beteiligen, steht eine Vermittlungsplattform. Sie kassiert bei erfolgreicher
Finanzierung des Start-ups eine Provision. Da die meisten Plattformen
keine Erlaubnis der BaFin vorweisen
können, sind sie auch nicht an die
Prospektpflicht gebunden, die Anleger auf mögliche Risiken ihrer Investition hinweist.
© Thinkstock
zer verschlüsselt im Internet surft. „Unsere Personal Server funktionieren wie ein Cloudservice – nur anders“, erklärt Philipp Baumgaertel,
Geschäftsfeldentwickler bei Protonet. „Ich habe den Komfort der Cloud, aber meine Daten
gehören trotzdem mir.“ Die Server verfügen
über eine eigene Kommunikationsinfrastruktur, Dateimanagement, Kalender- und Kontaktverwaltung inbegriffen. Ob Maschinenbauer oder Anwaltskanzlei, wer die orangefarbene Box in seinem Büro stehen hat, weiß genau, wo Dokumente und Bilder abgespeichert
sind. Und dass niemand mitlesen kann.
Ausgabe 4/2014
Schnelles Geld
Die Masse sagt, was gut ist. Wer also eine
Idee hat, schreibt zunächst einen Businessplan, schickt ihn an die Finanzierungsexper-
6
ten von Seedmatch und wartet ab. „Wir
schauen uns genau an, ob die Idee für unsere
Plattform geeignet ist“, so der Geschäftsführer. Sofern der Jungunternehmer das
Potential seiner Idee nachweisen kann,
braucht er nur noch einen Videofilm und ein
schlüssiges Konzept für den potentiellen Investor, und die Idee geht ins Netz. Dort trifft
sie dann auf den privaten Geldgeber. Er kann
sich bereits ab einer Summe von 250 Euro am
erhofften
Erfolg
der
Unternehmen
beteiligen. Wenn die Finanzierung erfolgreich ist, erhält die Plattform eine Provision.
Mittlerweile ist das Finanzierungsvolumen
über die Seedmatch-Crowd beachtlich. So
auch im Fall von Protonet. Das Unternehmen
sammelte über Seedmatch kürzlich 3 Millionen Euro innerhalb von fünf Tagen ein. Damit
haben sie ihren eigenen Weltrekord geknackt.
Der lag bei 1,5 Millionen Euro innerhalb von
zehn Stunden. Doch die Hamburger profitieren nicht nur von den Geldströmen der Anleger. „Für uns bietet die Crowd eine enorme
Marketingplattform. CNN war bei uns, das
wäre nicht passiert, wenn wir das Geld auf
einem anderen Weg eingesammelt hätten“,
sagt der Geschäftsfeldentwickler von Protonet. Das Start-up wächst, der Privatanleger
freut sich auf die Zahlungsströme, und die
Plattform kann sich rühmen. „Seit August
2011 konnten wir über 17 Millionen Euro an
Start-ups vermitteln“, so Sauer. Crowdfunding könnte also das Zeug zum Finanzierungsmodell der Zukunft haben.
>
Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
Ausgabe 4/2014
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© Thinkstock
Hohes Risiko
Das Risiko
Crowdinvestoren erwerben – in der
Regel – keine Aktien, sondern stille
Beteiligungen oder Darlehen. Sie zahlen Geld, haben aber trotzdem nichts
zu sagen und geringe Gewinnerwartungen. Zudem gehen junge Unternehmen schnell pleite. Die Crowd
steht im Totalausfall an letzter Stelle,
alle anderen Gläubiger bekommen
ihr Geld vorher zurück. Da sie auf die
Kontrolle durch die Finanzaufischt
verzichtet haben, sind Schadenersatzforderungen aussichtslos.
Doch so einfach und schön das alles klingen
mag: Die Tücken verstecken sich im Detail. Das
gilt für Anleger und Unternehmen gleichermaßen. Über Kredite, wie sie beispielsweise
Seedmatch vermittelt, können sich Anleger
über eine Art Darlehensvertrag an den Unternehmen beteiligen. Er legt maximal 10.000
Euro an, erwirbt damit aber keine Anteile.
Nach einer bestimmten Laufzeit steht ihm lediglich eine gewinnabhängige Verzinsung zu.
Die ist meist klein, zudem erwirtschaften
Start-ups selten von Beginn an satte Gewinne.
Der Anleger geht also ein hohes Risiko ein, die
volle Gewinnchance hat er nicht. Guido Sandler beobachtet die Entwicklungen rund um die
Crowdfinanzierung deshalb mit Argusaugen.
Der Geschäftsführer der ersten deutschen
Crowdinvestingplattform Bergfürst sagt: „Einige Anbieter werben mit enorm hohen Verzinsungen, ohne adäquate Risikohinweise zu geben. Ich halte das für grob fahrlässig“. Die Anleger verlassen sich in ihrer Anlageentscheidung auf die Angaben des Jungunternehmens.
Auf Transparenz und standardisierte Pflichtangaben können sie nicht vertrauen. Denn Darlehensformen wie die von Seed-match brauchen
keine Erlaubnis der Finanzaufsicht BaFin. Der
Anbieter muss keinen Wertpapierprospekt
veröffentlichen, der Anleger auf mögliche Risiken ihrer Investition hinweist.
„Der Businessplan und die Zahlen des Unternehmens sind für jeden Investor einsehbar.
Kein Investor würde sich für das Konzept >
7
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22. und 23. September 2014 in Amberg
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Ihr Nutzen:
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Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
Ausgabe 4/2014
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Die Unterschiede
interessieren, wenn es schlecht wäre“, hält
Jens-Uwe Sauer dem entgegen. Der Seedmatch-Geschäftsführer sagt, dass es sich bei
dieser Form der Finanzierung sogar eher um
eine natürliche Selektion handele, die
schlechte Ideen erst gar nicht auf den Markt
kommen lasse. Dass es sich in der Gründerszene um gewagte Investments handelt,
weiß er. „Pleiten passieren, das gehört zu jungen innovativen Unternehmen einfach dazu“. Daher raten die Betreiber auf ihrer Internetseite auch dazu, besser ein ganzes Startup-Portfolio aufzubauen und in mehrere Unternehmen zu investieren. So ließe sich das
Risiko des Totalverlusts vermindern. Zudem
müsse der Nutzer ausreichend Erfahrung und
Kompetenz mitbringen, um die Risiken von
Start-up-Investments einschätzen zu können.
© Thinkstock
Fehlende Alternativen
Guido Sandler ist nicht überzeugt, er vermutet einige schwarze Schafe am Markt. Der
Bergfürst-Geschäftsführer sorgt sich deshalb
um die Gründerlandschaft. „Selbst wenn die
Finanzierungen gut laufen, ist das junge Unternehmen illiquide. Das dicke Ende kommt
zum Schluss“. Sandler meint damit den Ablauf der Vertragslaufzeit. Wenn Anbieter beispielsweise mit Verzinsungen von über 1.000
Prozent werben – was aktuell der Fall ist – und
diese Rechnung aufgeht, muss das Jungunternehmen am Ende für 1 Million gesammelte
Euro 10 Millionen Euro an die Crowd zurückzahlen. „Da ist die steuerliche Belastung noch
nicht mitgerechnet. Ein Start-up müsste nach
den ersten Jahren also insgesamt 20 Millionen Euro vor Steuern verdienen, um diese
Ausschüttungen tätigen zu können. Es wird
weder Gesellschafter noch Banken geben, die
das unterstützen“, so der Geschäftsführer.
Deshalb stellt Crowdinvesting für Sandler keine Alternative mehr dar. „Wir werden uns aus
dem ‚Konzert‘ verabschieden“, sagt er. Sein
Konzept: „Wir sind mittlerweile eine Bank“.
Sandlers Unternehmen vermittelt den Investoren für ihr Geld Aktien, die sie auf einer
eigenen Börsenplattform untereinander handeln können. Dabei geht es um Beteiligungen
zwischen 2 und 5 Millionen Euro, die Erlaubnis
der BaFin kann Sandler vorweisen.
Möglicherweise professionalisiert sich die
Crowdinvestingbranche also, doch bislang ist
Bergfürst die einzige Plattform, die eine
Finanzierung mit Eigenkapital durch Aktien
an Wachstumsunternehmen anbietet. Die
Risiken der Schwarmfinanzierung bestehen
weiterhin, die dürftige Informationsgrundlage ebenfalls. Trotz all der Unwägbarkeiten
entscheiden sich dennoch immer mehr Anleger und Jungunternehmer für das Finanzierungsmodell über die Crowd. ProtonetGeschäftsführer Baumgaertel ist überzeugt:
„Crowdfinanzierung ist eine Alternative.“
Jungunternehmer müssten so keine Anteile
ihres Unternehmens abgegeben und bewahrten ihre Freiheit. Wenn Banken sich
nicht schnell etwas überlegten, nutzten Startups in Zukunft überhaupt keine Bankenfinanzierung mehr. Das gelte auch für die Venture-
Seedmatch
Über die größte deutsche Schwarmfinanzierungsplattform beteiligen
sich Anleger über ein sogenanntes
partiarisches Nachrangdarlehen. Sie
sind Gläubiger, nicht Eigentümer, es
handelt sich um Kredite mit gewinnabhängiger Verzinsung. Sie funktionieren wie Eigenkapital, unterliegen
aber nicht der Kontrolle der Finanzaufsicht. Wird die Firma verkauft,
bekommen Anleger ihren Anteil am
Gewinn. Bleiben die Anleger im Fall
einer Anschlussfinanzierung Miteigentümer, verwässern ihre Anteile.
Bergfürst
Das Berliner Unternehmen ist die
erste Crowdinvestingplattform
Deutschlands – und bislang die einzige, die eine Erlaubnis der Finanzaufsicht vorzuweisen hat. Bergfürst
vermittelt Beteiligungen zwischen 2
und 5 Millionen Euro. Anleger können
die Start-up-Aktien mit einem Mindesteinsatz von 250 Euro kaufen, und
können sie danach untereinander
handeln. Dafür hat Bergfürst eine
eigene Handelsplattform entwickelt.
Capital-Unternehmen, so Baumgaertel. Zudem gebe der Schwarm Rückenwind. „Dort
sind interessierte Leute, die etwas bewegen
wollen“, so der Geschäftsführer. Immerhin
wäre ihr Personal Server ohne die Unterstützung der Massen nicht entwickelt worden.
Ohne die die Kapitalspritze aus der Crowd
läge sie vielleicht noch immer auf einer Festplatte in einer norddeutschen Wohnung. <
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Zukunftsmanager ■ Pro & Contra
Ausgabe 4/2014
Crowdinvesting: Löwenzahn oder Pusteblume?
Crowdinvesting als Risikoinvestment
boomt. Geworben wird mit der Aussicht auf hohe Renditen und dem Argument, das Wissen der Vielen lote die
besten, weil marktfähigsten Produkte
aus. Doch wie lange noch? Konservativ
geschätzt, scheitern 75 bis 90 Prozent
aller Start-ups. Und wie bei jeder anderen Risikoanlage mehren sich auch
beim Crowdinvesting erste Anzeichen
von Ausfällen. Anleger brauchen daher
enorme Renditen, um diese Ausfälle zu
kompensieren. Oder eine hohe Exitrendite. Doch auf vielen CrowdinvestingPlattformen unterschreiben Anleger in
der Regel lediglich einen Beteiligungsvertrag in Form von stillen Beteiligungen, Genussscheinen oder Darlehensverträgen mit verschiedenen Laufzeiten, man spricht von Lending-based
Crowdinvesting. Damit erwerben sie
keine Anteile am Unternehmen und
tragen dennoch das volle unternehmerische Risiko, sie sind Gläubiger und
nicht Eigentümer. Dass sie so kaum von
einer Steigerung des Unternehmenswertes profitieren werden, wissen die
wenigsten. Zwar wird Anlegern in den
Verträgen eine gewinnabhängige Verzinsung ihres Einsatzes versprochen,
doch Hand aufs Herz: Welches Start-up
erwirtschaftet in den ersten Jahren
schon Gewinne? Daher gilt: Weder von
der (angeblichen) Intelligenz der Masse
noch von hohen Renditen blenden lassen. Anleger sollten die damit verbundenen Chancen und Risiken sorgsam
abwägen. Auch aus dem momentan
prächtig gelben Löwenzahn wird
schnell eine Pusteblume. <
Emanuel v. Bodman
Senior Projektmanager
Gründungs- und Wachstumsprojekte, F.A.Z.-Institut
e.vonbodman@faz-institut.de
Simon Hentschel
Ressortleiter Gründungsund Wachstumsprojekte,
F.A.Z.-Institut
s.hentschel@faz-institut.de
„Crowd“ mutiert zum „Heilkraut“ –
denn es gibt kaum Alternativen
Crowdinvesting mag nicht den besten
Ruf haben, doch wohin sollen deutsche
Anleger und Sparer neben Aktien mit
ihrem Geld? Nicht jeder hat die finanziellen Mittel für die Core-Immobilie.
Ähnlich trist gestaltet sich die Suche
nach Kapital für junge Unternehmer –
und das seit einigen Jahren. Da kommt
das Crowdinvesting wie gerufen und
passt außerdem sehr gut zur Gründerszene. Die Investmentgröße, die
Vielzahl der Geldgeber und das enorme
Finanzierungstempo machen hier den
Unterschied. So wurden 2013 in
Deutschland per Crowdinvesting rund
15 Millionen Euro in mehr als 60 junge
Unternehmen mit innovativen Ideen
investiert. Das entspricht einer Steigerung von 250 Prozent gegenüber 2012.
Das Hamburger Start-up Protonet ist
dafür ein Paradebeispiel: Innerhalb von
90 Minuten wurden 750.000 Euro eingesammelt. Das Ziel von 1,5 Millionen
Euro wurde wenig später erreicht; und
das innerhalb von gerade mal zehn
Stunden und acht Minuten, gestemmt
von gut 1.000 Einzelpersonen. Nicht ohne Grund wird Crowdinvesting derzeit
auch als Finanzierungsform des Mittelstands diskutiert. Warum die unkritische Euphorie? Es gibt derzeit schlichtweg keine bessere Alternative!<
9
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Zukunftsmanager ■ Ausgabe 4/2014 10
GROSSUNTERNEHMEN
MITTELSTAND
START-UP
INNOVATIONSPREIS
DER DEUTSCHEN
WIRTSCHAFT
INNOVATIVE
PERSONALKONZEPTE
ERSTER INNOVATIONSPREIS DER WELT®
SCHIRMHERRSCHAFT
34. AUSSCHREIBUNG
BEWERBUNGSSTART:
AUGUST 2014
VERANSTALTER
HAUPTPARTNER
MITVERANSTALTER
STIFTER
UND ZAHLREICHE FÖRDERER
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Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
Ausgabe 4/2014
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Ist die Masse wirklich
klüger? Fische sind im
Schwarm stark und
angreifbar zugleich.
Rick Wielens macht vieles, aber eines
tut er nicht: sich ins stille Kämmer-
lein zurückziehen, wenn er Lösungen
sucht. Der CEO des Innovationsberaters Nine Sigma ist Experte für Open
Innovation. Er integriert also lieber
möglichst viele verschiedene Köpfe in
die Ideenfindung, als sich hinter verschlossenen Türen zu versuchen.
Herr Wielens, seit wann beschäftigen Sie sich
mit Open Innovation?
Seit 14 Jahren.
Crowdsourcing gab es damals noch nicht,
oder?
© Thinkstock
Gemeinsam schlauer sein
Es gab zumindest noch keine offizielle Definition, denn die Terminologie wurde erst
2006 entwickelt. Ich glaube, das war Jeff
Howe, ein Journalist, der damals erstmals
über Schwarmintelligenz geschrieben >
Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
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© Thinkstock
Ausgabe 4/2014
und so den Begriff Crowdsourcing geprägt
hat. Nine Sigma betreibt aber kein klassisches Crowdsourcing, sondern eher ExpertCrowdsourcing. Wir suchen nach guten Ideen
innerhalb eines ausgewählten Expertennetzwerks.
Crowd ist also nicht gleich Crowd?
Richtig, denn Schwarmintelligenz kann man
unterschiedlich nutzen. Die Frage dabei lautet: Suchen wir Trends oder neue Ideen? Ich
kann die Ideen der Masse anzapfen, um Kundenbedürfnisse kennenzulernen und so den
Markt für ein bestimmtes Produkt zu sondieren. Oder ich nutze das Wissen möglichst
vieler Experten und bekomme so Zugang zu
ihren Supergehirnen. Dann geht es um ein
spezielles Problem, für das ich eine Lösung
brauche.
Wer ist der Experte – der
Bienenschwarm oder der
Imker?
Clevere Lösungen gibt es also nur im Verbund?
Schlau ist jeder Einzelne, doch das Wissen für
eine wirklich gute Lösung ist nicht gebündelt
an einem Ort zu finden. Firmen beispielsweise verstecken ihre Erkenntnisse oft in abgeriegelten Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Introvertiert tüfteln sie vor sich
hin und haben keinen Blick dafür, wer vielleicht schon einige Schritte weiter ist. Für jede einzelne Lösung fangen sie bei null an –
das machen wir anders.
Sie sind offenherziger ...
… und wir sind schneller. Menschen haben
Ideen, überall auf der Welt, in jeder Branche,
unabhängig von Alter, Sprache oder Nationalität. Wir finden den Zugang zu diesem Wissen und nutzen über Expert-Crowdsourcing
einen bereits bestehenden Wissensvorsprung. Oft gibt es zu unseren Fragen nämlich längst schon Lösungsansätze, wir kennen sie nur nicht. Wenn wir sie aber ausfindig machen, können wir darauf aufbauen. Im
Prinzip nutzen wir also den Beschleunigungseffekt, weil wir nicht mehr bei null anfangen.
Früher galt das Motto „Wissen ist Macht“ –
wer mehr Macht will, sollte sich in Sachen Wissen also besser Exklusivität sichern. Warum
geben Forscher nun ihre Ideen preis?
Wissen ist ein Gemeingut geworden. Diese
Veränderung hat zum einen etwas mit einer
gewissen Werteverschiebung zu tun. Viele
Forschungsinstitute müssen sich zunehmend über industrielle Forschung finanzieren und suchen die Nähe zur Industrie. Das
bedeutet natürlich auch, dass sie international aufgestellt sein sollten – und hier helfen
gute Netzwerke, in denen Wissen geteilt
wird. Zum anderen forschen schlichtweg viel
mehr Unternehmen, weil sich die Forschungstätigkeit in Richtung kleine und >
Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
Ausgabe 4/2014
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Die Masse macht’s, oder
auch nicht. Denn Zugvögel fliegen zwar in
großen Schwärmen gen
Süden. Wie genau sie ihre
Flugroute meistern, ist
jedoch unklar.
mittelständische Unternehmen verschoben
hat. Es gibt also ein hohes Vernetzungsbedürfnis. Hinzu kommt die Digitalisierung des
Alltags. Crowdsourcing erfährt durch das veränderte Internetverhalten einfach eine erheblich gesteigerte Akzeptanz.
© Thinkstock
Ist „Schwarmintelligenz“ also ein Phänomen
des Internetzeitalters?
Nein, der Austausch von Ideen fand bereits viel
früher statt, durch das Internet hat sich nur die
Kommunikationsform verändert. Bereits 1958
gab es die DARPA-Initiative, eine Innovationsplattform des US-amerikanischen Militärs, das
mit externen Netzwerken Lösungen entwickelte. Das Internet hat lediglich die Kommunikationskosten verringert. So ist es einfacher
geworden, Menschen zu erreichen.
Sind die Menschen nun offener geworden?
Was früher geschlossen war und hinter großen Mauern stattfand, ist heute zugänglicher geworden. Doch auch im Internetzeitalter geht nichts über persönliche Kontakte.
Allein in Asien ist das unumgänglich. Wir
würden die klugen Köpfe an den Universitäten nie erreichen, wenn wir nicht in langen
persönlichen Gesprächen Beziehungen und
Netzwerke aufbauen würden. Schwarmintelligenz bedeutet ja nicht, völlig anonym Nachrichten im Netz hin- und herzuschieben.
Werden Ideen in Zukunft besser sein?
Es wird nicht unbedingt bessere, aber marktfähigere Ideen geben. Denn über Crowdsourcing kann ich die Marktreife meiner Idee
frühzeitig und so auch effizienter prüfen.
Früher sollte alles geheim bleiben, bis ein Patent entwickelt wurde. Erst dann stand die
Idee auf dem Prüfstand. Heute gibt es spezielle Anbieter, die Ideen vermarkten und so
prüfen, bevor ein Produkt daraus wird.
Welchen Einfluss hat das „Crowd-Zeitalter“
auf die Innovationen von morgen?
Innovationen entstehen in Zukunft anders.
Es wird darum gehen, bestehende Ideen und
Lösungen zusammenzubringen, und nicht
darum, völlig neue Ansätze zu entwickeln.
Ein gutes Beispiel ist der iPod von Apple. Die
Technologie des Geräts ist nicht neu und
wurde auch nicht von Apple konzipiert. Apple
hat jedoch bestehende Technologien genutzt, sie clever zusammengesteckt und mit
einem großartigen Design versehen. Genau
darin liegt die Zukunft: Integration und Vernetzung von Ideen.
Verändert das nicht auch grundlegend bestehende Unternehmensstrukturen?
Davon gehe ich aus. Die traditionelle F&EAbteilung hat ausgedient, sie wird zur Integrationsabteilung, die bestehende Ideen >
Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
zusammenbringt. Der Auftrag: auf schnellstem Wege Zugang zu bestehendem Wissen
und zu den richtigen Partnern zu finden.
Rick Wielens
schwärmt für Offenheit, gerade
dann, wenn es um kreative Lösungen geht. Der Europa-CEO von Nine
Sigma beschäftigt sich mit Open
Innovation, also mit Innovationskonzepten, die möglichst viele Menschen am Ideenfindungsprozess
beteiligen. Das Beratungsunternehmen Nine Sigma unterstützt ‚
Organisationen dabei, ihre Innovationsprozesse zu öffnen. Unternehmen wie Siemens, Kraft Foods,
Philips, L´Oreal, Unilever, Denso und
Suntory nehmen die Open-Innovation-Dienstleistungen in Anspruch,
um beispielsweise ihre Produktlinien zu erweitern, neues Wissen in
das Unternehmen zu integrieren,
Entwicklungslücken zu schließen
und so die wirtschaftliche Leistung
zu verbessern.
Blick in die Glaskugel: Was könnte nach der
Schwarmintelligenz noch kommen?
Die Welt wird von Netzwerken beherrscht,
sie werden immer wichtiger. Das geht sogar
so weit, dass Wissen nicht mehr an bestimmte Unternehmen oder Branchen gebunden ist, sondern frei verfügbar über Experten eingekauft werden kann. Arbeitsplätze und Jobprofile sind künftig nicht mehr
unternehmensgebunden, sondern nach Wissensgebieten aufgeteilt, die in Netzwerken
über die ganze Welt verstreut sind. <
Das Gespräch führte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
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inno
Jahrbuch 2014
vation
Innovationstreiber für Wirtschaft,
Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
Das Nachschlagewerk
zum Thema Innovation
Mit Beiträgen von u.a. Bildungsministerin
Prof. Dr. Johanna Wanka, BDI-Präsident Ulrich
Grillo, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft
Rubrik
Innovationsstandort Deutschland und Europa
Prof. Reimund Neugebauer, Dr. Kai Engel,
Berater
Made in Germany 2.0:
Klimaschutz für das 21. Jahrhundert
Partner der A.T. Kearney GmbH, Prof. Dr.
Thorsten Posselt, Leiter des Fraunhofer Zent-
Der Klimawandel schreitet voran. Teile der Wirtschaft machen sich schon auf einen klimafreundlichen Weg. Dennoch gelingt es der Politik bisher nicht, eine schlüssige Antwort auf die Frage zu
geben, wie Wachstum und Klimaschutz künftig Hand in Hand gehen können.
Kontaktdaten
Die Verbindung einzelner Innovationen und Kompetenzen im Netzwerk
ergibt ein starkes und komplexes
Gefüge, von dem jeder Einzelne wiederum profitiert
Dr. Wieselhuber & Partner GmbH
Unternehmensberatung
Nymphenburger Str. 21
80335 München
Dr. Wieselhuber & Partner ist das erfahrene, kompetente und
professionelle Beratungsunternehmen für Familienunternehmen
unterschiedlicher Branchen. Wir sind spezialisiert auf die unternehmerischen Gestaltungsfelder Strategie, Innovation & New
Business, Führung & Organisation, Marketing & Vertrieb, Operations sowie die nachhaltige Beseitigung von Unternehmenskrisen durch Restrukturierung und Finanzierung.
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hanseatischer Geschäftskultur: ein Miteinander,
kein Gegeneinander.
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Vor kurzem hat der Weltklimarat (IPCC) seinen
neuen Sachstandsbericht zum Klimawandel
vorgelegt. Die Methoden der Wissenschaftler
sind feiner geworden, ihre Szenarien komplexer
und ihre Erkenntnisse dichter. Doch unter dem
Strich hat sich ihre Einschätzung nicht verändert: Unser Verhalten steht in drastischem Gegensatz zum Ausmaß der Bedrohung durch den
Klimawandel. Zwar ist die Überzeugung, handeln zu müssen, inzwischen recht fest in der
Bevölkerung verankert. Vor dem Hintergrund
anhaltender Finanz- und Wirtschaftskrisen
schwindet jedoch zunehmend die Bereitschaft
zum Handeln.
Zu den Kernaufgaben von Innovationsnetzwerken gehören oft auch die branchenübergreifende
Vernetzung von kleinen und mittleren Unternehmen mit wissenschaftlichen und Forschungseinrichtungen oder mit Politik und Verwaltung.
Auch der Transfer von Wissen und das Setzen
von Impulsen ist ein wichtiger Aspekt, der für
Netzwerke spricht. Die Innovationsaktivitäten
sind somit nicht mehr auf den einzelnen Unternehmer beschränkt, sondern mit jenen anderer
Netzwerkteilnehmer vernetzt. Der wesentliche
Vorteil eines informellen Beziehungsgeflechtes
im Gegensatz zur Entwicklung von Innovationen im Alleingang besteht darin, dass durch die
Interaktion permanente Veränderungs-, Suchund Lernprozesse angestoßen werden.
Andreas Keil
ist Geschäftsführer von InnoZent OWL e.V., das Innovations-
Insbesondere fehlt es in der Politik an entschiedener Führung und an klaren Perspektiven für
einen wirksamen Klimaschutz – in Deutschland,
Europa und weltweit. Die Energiewende wird in
Deutschland zwischen Länderinteressen sowie
Zentrum für Internettechnologie
und Multimediakompetenz,
Paderborn.
Innovationsnetzwerke bieten ihren Mitgliedern
einen strukturierten Zugang zu einem Pool von
Kompetenzen, welcher gemeinsame Aktivitäten
fördert und so nicht nur die Mitglieder, sondern
auch den regionalen Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig hält. So entstehen Innovationskeimzellen für den Mittelstand. Nicht selten
führen Aktivitäten, Kooperationen und Dienstleistungen dieser Netzwerke zu Innovationen
auf Weltniveau.

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4
Innojahrbuch_redaktionellerTeil.indd 4
Aus Kooperationsprojekten können innovative
Produkt- und Verfahrensinnovationen entstehen, die sich erfolgreich auf den Märkten behaupten. Ein Beispiel ist das Netzwerk InnoZent
OWL. Dort haben in zahlreichen Kooperationsprojekten vor allem kleine und mittlere Unternehmen und Forschungseinrichtungen durch
interdisziplinäre Herangehensweisen viele innovative und erfolgreiche Entwicklungen hervorgebracht die unter anderem mehrfach überregional ausgezeichnet wurden. Beispiele sind eine
Deichbaumaschine, eine intelligente Hightechprothese, eine innovative Automatisierungslösung für unternehmensinterne Logistik sowie die
Entwicklung von Mischbrennstoffgranulaten aus
Schredderrückständen des Automobilrecyclings.
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E-Mail: spannagl@wieselhuber.de
Internet: www.wieselhuber.de
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Geschäftsführung:
Prof. Dr. Norbert Wieselhuber,
Dr. Volkhard Emmrich,
Dabei bearbeiten wir die Herausforderungen, vor denen unsere
Kunden stehen, stets ganzheitlich aus drei übergeordneten Perspektiven.
f Strategische Überlegenheit: Eine zukunftsorientierte Ausrichtung des Unternehmens verlangt nach einer Konfiguration des
Geschäftsmodells, nutzt die Führungsorganisation als Strategieverstärker und Vehikel für Veränderung, fixiert Wachstumsquellen und legt die Geschäftsfelder von morgen fest.
f Operative Exzellenz: Zielsetzung ist die nachhaltige „Entstehung von Profitabilität“ durch Optimierungsmaßnahmen zur
Produktivitätssteigerung, Senkung der Kapitalbindung und
Verbesserung der Leistungsfähigkeit über alle Wertschöpfungsstufen hinweg.
rums für Mittel- und Osteuropa (MOEZ),
Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Inhaber des Stiftungsfonds Deutsche Bank Lehrstuhls für
Innovationsmanagement und Entrepreneurship
an der HHL Leipzig Graduate School of
Dr. Walter Stadlbauer
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nachhaltig zu beseitigen, Wertvernichter zu eliminieren.
Management, Prof. Dr. Ellen Enkel, Leiterin des
f Zukunftsmanagement: Die explizite Beschäftigung mit der
Zukunft, insbesondere auch jenseits des bestehenden Kerngeschäftes, umfasst das klassische Innovationsmanagement, den
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Dr. Manfred Bischoff Institut für Innovationsmanagement der Airbus Group, Dr. Bernd
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Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
Ausgabe 4/2014
16
Schwarm unsere Urteilskraft – und konsumieren
etwa wahllos Informationen?
„Gemeinsam dümmer sein“
Ideen sind gut, aber trotzdem bringt die Intelligenz der Massen nicht gleich jede Menge Geistesblitze hervor.
Gemeinsam kann man auch dümmer sein. Wie sich das in Zukunft vermeiden lässt, erklärt Eva Schwinghammer.
Sie ist Professorin an der Provadis Hochschule und beschäftigt sich täglich mit der Frage, wo gutes Wissen
herkommt – und wie man es auch in Zukunft in den Köpfen verankert.
© Thinkstock
© Thinkstock
Sind wir gemeinsam klüger oder verlieren wir im
Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
Frau Schwinghammer, wenn ich jetzt „Wikipedia“ sage, runzeln Sie dann die Stirn?
Ich lehre zwar an einer Hochschule, erlebe
aber den Alltag wie andere auch. Natürlich
spielen im Internetzeitalter kollektive Wissensplattformen eine Rolle. Gerade dann,
wenn man sich einfach mal schnell über ein
komplexes Thema informieren will. Wikipedia gehört dazu.
Eva Schwinghammer
ist seit 2013 Präsidentin der Provadis
School of International Management & Technology in Frankfurt
Höchst. Nach 12 Jahren in der Industrie war Schwinghammer zuletzt als
Rektorin an der AKAD Hochschule in
Stuttgart tätig.
Erwischt.
Damit komme ich klar. Denn was heute die
freie Enzyklopädie Wikipedia ist, war gestern der Brockhaus. Damals, also zu analogen Zeiten, kamen kluge Gedanken aber
auch nicht von Menschen, die sich schnell
ein paar Zeilen im Standardnachschlagewerk durchlasen. Das ist heute nicht anders.
Ich kann mich rasch informieren, um kurzfris-tig einen ersten Eindruck zu gewinnen –
Wikipedia erleichtert das. Aber das darf
nicht alles sein. Ich muss mir immer weitere
Quellen suchen und mein Wissen verifizieren. Das ist im besten Fall ein Prozess, der
nicht endet.
Sie drohen Ihren Studenten bei schlechter Recherche mit den entsprechenden Noten. Was
hält Menschen außerhalb der Universitäten
davon ab, den einfachsten Weg einzuschlagen, wenn sie Informationen konsumieren?
Ausgabe 4/2014
Es ist eine Frage des eigenen Anspruchs.
Wenn Sie in Ihrem Umfeld für schwache Inhalte sanktioniert werden – in welcher Form
auch immer –, dann haben Sie wenig Interesse an seichten Informationen. Ich denke gerade an den Fall Guttenberg. Lange vor der
Plagiatsaffäre berichtete ein Medium über
seine Personalie. Die verantwortlichen Journalisten hatten ihm dort einen falschen Vornamen gegeben. Zugegeben, er hat zehn Vornamen, da kann man schon mal was verwechseln. Allerdings ist ein „Wilhelm“ dazugekommen. Kurz darauf brüstete sich dann
ein Fälscher damit, den Wikipedia-Eintrag
Guttenbergs verändert zu haben – nachdem
nahezu alle Medien dem Wilhelm-Fälscher
aufsaßen. Das war sehr peinlich.
Nun runzeln Sie doch die Stirn.
Nein, ich differenziere. Kollektive Intelligenz
kann hilfreich sein, aber ich muss immer ein
klares Ziel vor Augen haben. Wozu nutze ich
das Wissen der Masse, und wie habe ich es
einzuschätzen? Bei 1.000 Ideen kann jede
einzelne vollkommen unbrauchbar sein,
wenn ich nicht genau weiß, wie ich sie zu bewerten habe. Genauso ist es bei Wikipedia:
ein hilfreiches Instrument, aber für die wissenschaftliche Arbeit brauche ich qualitativ
hochwertige Quellen.
Könnte die Euphorie rund um Crowd und kollektive Intelligenz den Wert von fundiertem
Wissen nicht auch verwässern?
17
Die Gefahr besteht durchaus. Zumindest ist
es einfacher geworden, Halbwissen anzuhäufen. Ich frage mich manchmal schon:
Sind die großen Erfindungen wirklich im
Schwarm entstanden? Oder gab es da nicht
doch oft auch das stille Kämmerlein, in dem
lange und intensiv recherchiert wurde? Die
schnelle Kurzinfo ist bequem, zu jedem weiteren Schritt sollten wir aber unbedingt animieren.
Weg vom Schwarm, hin zum Qualitätszwang?
Nein, aber es sollte eine Frage der Informationserziehung sein, wie ich mit Gedankengut
umgehe – von wem auch immer es stammen
mag und wie es generiert wurde. Wer Informationen bewerten will, braucht die entsprechenden Werkzeuge. Hier sind Bildungseinrichtungen wie Hochschulen in der
Pflicht. Mit dem Trend hin zum Halbwissen,
das in der Regel auch mit falschem Wissen
angereichert ist, hält auch eine gewisse
Oberflächlichkeit Einzug. Das gilt es zu verhindern, wenn wir auch in Zukunft eigenständiges Denken und wirklich gute Ideen zu
unseren Qualitäten zählen wollen.
Schwarmintelligenz ist also doch kein Zukunftskonzept, sondern wirft uns zurück?
Ich sehe zumindest eine Grenze, was die
Qualität der Ideen angeht. Ja, wir können vorankommen, aber der Rückschluss ist auch,
dass wir darauf achten müssen, dass die
Menschen nicht das Denken sein lassen.
Große Massen verleiten zum Mitschwim- >
Zukunftsmanager ■ Schwarmintelligenz
men. Wenn alle hinterherlaufen, muss niemand mehr spezielle Fähigkeiten entwickeln.
Und dadurch geht Qualität verloren. Das
können wir uns nicht leisten.
Wer mit der Crowd wächst, lebt dort. Womöglich fehlt in Zukunft die Instanz, um Qualitätswissen von Boulevard zu unterscheiden.
Wer mit der Crowd wächst, lebt natürlich in
einer Welt, die Schwarmintelligenz ermöglicht. Das bedeutet aber nicht, dass die Defizite von Massenphänomenen unsichtbar oder
Menschen in Zukunft blind dafür sind. Das
Schwarmphänomen bringt immer wieder offensichtlich unglückliche Ergebnisse hervor.
Kürzlich habe ich gelesen, dass das Herdenverhalten zur Finanzkrise beigetragen habe.
Demnach ist die Krise entstanden, weil sich
viele Menschen nicht individuell informiert,
sondern auf Masseninformation gesetzt haben. Die vermeintliche Weisheit der Vielen
kann also auch zur Dummheit der Vielen
führen, wenn der Einzelne sich nicht mehr
selbst Gedanken macht.
Erleben Sie das auch in Ihrem Hochschulalltag?
Meine Studenten sind engagiert, sie bringen sich
ein, aber auch hier
Geistesblitze kommüssen immer
men nicht immer in
wieder Anrauen Mengen, son-
dern meist vereinzelt
und bedürfen zäher
Recherche.
forderungen klar formuliert werden. In den
vergangenen Jahren kommt es mir öfter unter, dass viele junge Menschen in SMS-Codes
denken und schreiben. Ganze Sätze haben
für sie keinen Stellenwert mehr. Und die
Schule steuert nicht gegen. Vor Studium oder
Berufseintritt häufen sich dann Vorbereitungskurse, weil das Wissen noch nicht vorhanden ist. Es fehlt schlichtweg an Sprachkompetenz. Subjekt, Prädikat, Objekt, diese
Konstellation kommt bei jungen Menschen
häufig gar nicht mehr vor. Ketzerische Stimmen mögen behaupten, dass Teilsätze in Zukunft auch ausreichten. Vielleicht sprechen
die Menschen in 1.000 Jahren tatsächlich anders und bilden keine vollständigen Sätze
mehr, aber das wäre doch schade.
Wie sehen Bildungskonzepte von morgen aus,
damit wir uns vom Megatrend der Digitalisierung – und damit auch von der Schwarmintelligenz – nicht entmündigen lassen?
Bildung muss spannend und attraktiv sein,
dafür müssen wir sorgen. Junge Menschen
dafür zu gewinnen, dass sie sich für tiefergehendes Wissen interessieren, dass sie die Vorteile von kritischem Denken und womöglich
auch anstrengender Recherche sehen, das ist
unsere Aufgabe. Daran sollten wir gewissenhaft arbeiten. Wenn wir das hinkriegen, dann
habe ich Hoffnung, dass wir in Zukunft noch
in ganzen Sätzen sprechen werden. <
Das Gespräch führte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Ausgabe 4/2014
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Zukunftsmanager ■ Strategie & Kultur
Ausgabe 4/2014
20
Die Zukunft
des Konsums
Von Holger Glockner
Der globale Handel von Waren und
Dienstleistungen über das Internet
entwickelt sich rasant. Aktuellen
Informationen zufolge will der On-
linehändler Amazon nun sogar lokale
Dienstleister wie Handwerker und
Babysitter vermitteln. In Amerika
bandelt das Unternehmen dafür
schon mit mehreren Start-ups an.
Electronic Retailing – kurz: E-Tailing –
segelt kräftig auf Wachstumskurs.
Doch wohin geht die Reise? Und
welche Potentiale gibt es für Logistikunternehmen? Eine aktuelle Studie
© Thinkstock
blickt in die Zukunft.
Der Internethandel boomt. Nicht nur Bücher,
DVDs und Schuhe kommen aus der digitalen
Welt, sondern bald auch Gemüse, Obst, Fisch
und Fleisch. E-Tailing, das Handelsgeschäft
der großen Onlinehändler, macht es möglich.
Doch wer sind die Kunden, und was wollen
sie? Dominiert die digitale Handelswelt nur
die Industriestaaten, oder wird E-Tailing
künftig auch in Dritt- und Schwellenländern
auf Erfolgskurs sein?
Die Entwicklung des E-Tailings verläuft bislang
uneinheitlich. Weltweit steigende Umsätze im
Onlinehandel täuschen darüber hinweg, dass
die Einkaufswelten heterogen sind. Während
immer mehr Menschen in den Industrienationen ihren Bedarf fast komplett über das Internet decken, hat die Weltkarte des E-Tailings
abseits der Industrienationen viele weiße Flecken. Obwohl die Menschen in Entwicklungsund Schwellenländern zunehmend über Internetzugang und Kaufkraft verfügen, steht der
Onlinehandel dort erst am Anfang.
Umso interessanter ist es, einen Blick in die
Zukunft zu werfen. Die Studie „Global E-Tailing 2025“ wagt nun den Versuch. Die Ergebnisse: Der Onlinehandel wird in den kommenden zehn Jahren nicht nur in den Industrienationen an Bedeutung gewinnen, sondern
auch die Handelswelt in den Entwicklungsund Schwellenländern maßgeblich be- >
Zukunftsmanager ■ Strategie & Kultur
Deutsche Post DHL ist der weltweit
führende Post- und Logistikkonzern.
Die Konzernmarken Deutsche Post
und DHL stehen für ein umfangreiches Portfolio rund um Logistik
(DHL) und Kommunikation (Deutsche
Post). Die Gruppe bietet ihren Kunden sowohl einfach zu handhabende
Standardprodukte als auch maßgeschneiderte, innovative Lösungen –
vom Dialogmarketing bis zur industriellen Versorgungskette. Dabei bilden die rund 480.000 Mitarbeiter in
mehr als 220 Ländern und Territorien
ein globales Netzwerk, das auf Service, Qualität und Nachhaltigkeit
ausgerichtet ist. Im Jahr 2013 erzielte
Deutsche Post DHL einen Umsatz von
mehr als 55 Milliarden Euro.
Z_punkt The Foresight Company ist
ein international tätiges Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen. Es übersetzt Erkenntnisse aus der Trend- und Zukunftsforschung in die Praxis strategischen
Managements. Mit Corporate-Foresight-Prozessen unterstützt Z_punkt
Unternehmen bei der Ausrichtung
ihres Geschäfts auf Zukunftsmärkte.
Zu den Klienten des 1997 gegründeten Unternehmens mit Hauptsitz in
Köln und Standorten in Berlin und
Karlsruhe zählen zahlreiche DAX30-Unternehmen aus Investitionsgüterbranchen, Dienstleistung und
Konsumgüterindustrie.
Konvergente Handelswelten
Das erste Szenario geht davon aus, dass sich
vor dem Hintergrund eines zurückhaltenden
Wachstums weltweit eine Hyperleistungsgesellschaft entwickelt hat. Extreme soziale Gegensätze sind in vielen entwickelten Volkswirtschaften zur Normalität geworden. Die
Technologiefortschritte sind moderat. Smartphones und Tablets bleiben die ständigen Begleiter der Menschen. Interaktive Displays als
Schnittstelle zur virtuellen Welt sind im Straßenbild allgegenwärtig. Handelsunternehmen bieten ihre Waren online und in stationären Shops an – der Multikanalhandel hat
sich durchgesetzt. Die Ladengeschäfte dienen
oft nur noch als Showrooms, um den Kunden
die Waren erleben zu lassen. Die zeitnahe Lieferung an jeden gewünschten Ort ist ein
Standardservice. Convenience ist – für alle, die
es sich leisten können – ein entscheidender
Faktor beim Einkauf. Der überwiegende Teil
der Menschen richtet seine Kaufentscheidung jedoch nach dem günstigsten Preis.
Virtuelle Selbstinszenierung
Ein zweites Szenario beschreibt eine Welt, in
der es im globalen Maßstab eine kaufkräftige Mittelschicht gibt. Die Menschen streben nach individuellen Lebensformen und
Selbstverwirklichung; das Motto lautet: weg
von der Arbeits- hin zur Freizeitorientierung.
Dadurch entstehen viele sogenannte Lifestyle-Communitys, die den elektronischen
Handel prägen und großen Einfluss auf das
Konsumverhalten breiter Bevölkerungsschichten haben. Die jeweilige Community
wird von kleinen innovativen Onlineplattformen bedient, große Onlinehändler kümmern sich um den Mainstreammarkt. Im stationären Handel wird vor allem auf den Erlebniskauf gesetzt.
21
schen leben in einer digitalen Hochkultur. Datenbrillen, smarte Kontaktlinsen und andere
Wearables gehören zum Alltag. Die Mittelund Unterschicht muss mit geringeren Einkommen leben. Der Handel findet primär online statt, Avatare übernehmen die individualisierte Kundenberatung. Webshops passen
ihre Angebote in Echtzeit an die Kundenprofile an, die Avatare präsentieren ihrem Wirt
vermeintlich interessante Produkte in „Personal-Shopping-Hubs“. Auch der stationäre
Handel und die Showrooms der Onlineshops
arbeiten mit Simulationen, die auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten sind. In den
großen Metropolen ist die Auslieferung am
Tag der Bestellung – die sogenannte SameDay-Delivery – Standard. Händler und Logistiker können auf Basis von exakten Kundendaten den Bedarf oftmals vorhersagen. >
Künstliche Intelligenz
Ein weiteres Szenario stellt eine weitgehend
digitalisierte Gesellschaft mit automatisierter Produktion dar. Die Weltwirtschaft
entwickelt sich rasant und wächst vor
allem durch die Innovationsdynamik
der Informationstechnologie. Die Men-
© Thinkstock
Mehr Informationen
einflussen. Um diese Potentiale zu heben,
spielt die Logistikbranche eine wichtige Rolle.
Sie bietet den Unternehmen mit innovativen
Lösungen wichtige Wettbewerbsvorteile und
lässt die Logistikunternehmen damit noch
stärker als heute die Rolle des Enablers für
den E-Commerce einnehmen. In vier Zukunftsszenarien beschreibt die Studie, wie die
elektronische Einkaufswelt für Verbraucher
und Unternehmen rund um den Globus aussehen könnte. Die unterschiedlichen Zukunftsentwürfe basieren auf einer detaillierten
Analyse der wichtigsten Einflussfaktoren: von
Energie- und Rohstoffpreisen über technologische, politische und gesellschaftliche Faktoren bis hin zu Handels- und Konsummustern. Zugleich untersuchten Trend-scouts
Einkaufs- und Logistiktrends in zwölf internationalen Metropolen, darunter New York, London, São Paulo, Schanghai und Singapur.
Ausgabe 4/2014
Zukunftsmanager ■ Strategie & Kultur
Ausgabe 4/2014
22
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Sie verschicken die Waren bereits – zum Teil
über automatisierte Lösungen wie etwa
Drohnen –, bevor der Kunde überhaupt bestellt hat. Viele Logistiker bieten gegen Produktpiraterie geschützte Lieferketten an.
Regionaler Konsum
Die von Deutsche Post DHL initiierte
Untersuchung wurde durchgeführt
von Z_punkt in Zusammenarbeit mit
dem Trendforschungsinstitut See
More sowie internationalen Experten
aus Handel, Logistik und Forschung.
Die Studie finden Sie
ÆÆim Internet
Interaktive Darstellung der Studie
ÆÆim Internet
CHEMISCHE WERKSTOFFE:
GRUNDLAGE DES
MODERNEN LEBENS.
WIR PRODUZIEREN SICHER,
ENERGIEEFFIZIENT,
UMWELTVERTRÄGLICH.
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Die Zukunftsstudie entwirft auch ein Bild der
Welt nach einer weiteren globalen Finanzkrise mit erheblich gestiegenen Energie- und
Rohstoffkosten sowie immer knapperen privaten Einkommen: Die Weltwirtschaft stagniert. Angesichts häufiger Handelshemmnisse und hoher Rohstoffpreise haben sich
die Märkte regionalisiert. Der Handel ist
deutlich stärker regional geprägt. In diesem
vierten Szenario spielen Nachhaltigkeit,
Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz eine
große Rolle, eine Do-it-yourself-Kultur und
Tauschgemeinschaften haben sich herausgebildet. Persönliches Eigentum ist als Wertund Konsumkonzept nicht mehr so weitverbreitet, es geht vielmehr um Verfügbarkeit.
Große Onlineportale widmen sich vor allem
dem Leasinggeschäft. Kleine Onlineplattformen organisieren den Tauschhandel im
regionalen und lokalen Umfeld.<
Spritsparende Autos. Gut gedämmte Häuser. Ultraleichte
Laptops – Errungenschaften, die ohne chemiebasierte Kunststoffe nicht denkbar wären.
Holger Glockner
ist Mitglied der Geschäftsleitung des Zukunftsforschungsinstituts Z_punkt.
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Zukunftsmanager ■ Strategie & Kultur
Ausgabe 4/2014
„Technologie und
Mensch rücken
näher zusammen“
Schrei vor Glück – danach dürfte den
großen Onlinehändlern sein, denn
der grenzüberschreitende Onlinehandel boomt. Laut der Studie „Global
E-Tailing 2025“ verändert er in
Zukunft sogar das Konsumverhalten
jedes Einzelnen – und damit die
gesamte Handelswelt. Holger Glockner, Mitglied der Geschäftsleitung
bei Z-Punkt, hat sich das Phänomen
„E-Tailing“ genauer angesehen. Im
Gespräch erklärt der Zukunftsfor-
scher, welche Akteure von der Dyna-
mik des Marktes profitieren, ob Kun-
den überhaupt noch den Bestellknopf
drücken müssen und wer in Zukunft
© Thinkstock
die Paketsendungen bringt.
Herr Glockner, wo in der Welt spielt Onlinehandel die größte Rolle?
Der derzeit größte Markt für E-Tailing sind
die USA, gefolgt von Westeuropa und China.
Hier kann sich das Handelsvolumen wirklich
sehen lassen. Ein weiterer spannender Kandidat: Südkorea. Zugegeben, die reinen E-Commerce-Umsätze Südkoreas veranlassen mich
nicht zu dieser These. Es ist vielmehr die
Technologieaffinität des Landes, denn die
Nutzung digitaler Technologien liegt auf
24
einem erstaunlich hohen Niveau. Das hat sicherlich auch mit der ökonomischen Struktur
und der engen Bindung an Konzerne wie
Samsung zu tun. Doch gerade die hohe Affinität zur digitalen Welt und die Bereitschaft,
neue Applikationen zu verwenden, machen
solche Länder zu spannenden Wachstumskandidaten für Onlinehändler.
E-Commerce ist eine Zukunftsbranche. Wer
kann davon noch profitieren?
Die kräftigen Wachstumsraten kommen dem
Logistiksektor zugute. Schuhe, Bücher, Filme,
zunehmend auch Lebensmittel müssen auf
dem schnellsten Weg zu den Kunden gelangen – und gehen in vielen Fällen auch wieder
an die Händler zurück. Der Onlinehandel
dürfte also allein die Volumina des Pakethandels kräftig nach oben schrauben. Mir liegen
zwar keine offiziellen Angaben vor, Schätzungen gehen jedoch von enormen Zusatzgeschäften aus, die sich allein aus den hohen
Rücksendequoten ergeben.
Wie können sich Logistikunternehmen die
Marktentwicklungen zunutze machen?
Die Konzerne müssen eine enorme Dynamik
an den Tag legen, das Zauberwort lautet Flexibilisierung. Die sogenannte Same-Day-Delivery, also Paketzustellungen, die noch am Tag
der Bestellung beim Kunden eintreffen, oder
Paketkästen für Wohnhäuser, um jederzeit
Pakete zu empfangen: Zustellungsdienste
müssen künftig flink unterwegs sein, um
Kundenwünschen gerecht zu werden.
>
Zukunftsmanager ■ Strategie & Kultur
© Thinkstock
Welche „Underdogs“ aus anderen Branchen
drängen in den Logistikmarkt?
Die direkten Konkurrenten von DHL & Co. sind
heute und auch in Zukunft verstärkt auch außerhalb der Logistikbranche zu finden. Als Underdog würde ich diese Unternehmen jedoch
nicht bezeichnen. Derzeit sind es nämlich vornehmlich Internetgiganten wie Amazon und
Google, die mit einem enormen Tempo in den
globalen Markt eindringen. Im Silicon Valley
betreiben sie bereits eigene Zustellungsdienste. Kleinere Anbieter machen aber auch
mobil, das betrifft vor allem regionale Märkte.
Stichwort Megacitys: In urbanen Räumen
sind kleine Anbieter mit ihren lokalen Vertriebsnetzwerken flexibel genug, um sich im
Großstadtdschungel schnell fortzubewegen.
Sie könnten so Zustellungen für einzelne Bezirke koordinieren. Wie sich die Regulation in
der Praxis konkret widerspiegelt, bleibt abzuwarten. Ich gehe aber stark davon aus, dass es
von Stadt zu Stadt unterschiedliche Logistikkonzepte geben wird, die jeweils individuell
auf die Marktumstände ausgerichtet sind.
Auf welche Innovationen dürfen wir uns freuen, und wer wird sie uns bereitstellen?
In Sachen E-Commerce kommen starke Impulse aus den USA, sie verändern den Logistikmarkt grundlegend. Ein Vorreiter ist hier der
Handelsriese Amazon, der Konzern nutzt
schon heute Technologien wie Big Data, Augmented Reality und beispielsweise die Google-Brille, um die Vernetzung von Kunde und
Produkt zu perfektionieren. Allein ein kürzlich
Ausgabe 4/2014
angemeldetes Patent des Konzerns lässt erahnen, was noch geplant ist. Die Technologie
trägt den Namen „Predictive Purchasing“, was
so viel bedeutet wie vorhersagbares Verhalten
beim Einkaufen. In Zukunft möchte der Onlinehändler seinen Kunden Pakete „auf Verdacht“ zusenden, sofern die Wahrscheinlichkeit hoch genug ist, dass die Kunden das Produkt behalten wollen. Selbst der Bestellvorgang könnte dann vom alles vorhersehenden
Onlinehändler übernommen werden – lange
bevor der Wunsch nach einem bestimmten
Produkt überhaupt geäußert wurde.
Das klingt riskant.
Ja, das ist es. Allein aus datenschutzrechtlichen Gründen bezweifle ich, dass sogenannte Pushlieferungen in Deutschland zulässig
wären. Wenn überhaupt, dann nur dann,
wenn die Kunden um Erlaubnis gefragt werden und ihre Zustimmung erteilen. Solche
Vorhaben könnten aber auch aus ganz simplen Gründen scheitern: Wer möchte täglich
Berge von Paketen vor der Tür liegen haben?
Die Kundenakzeptanz stellt bei solchen Technologiefragen durchaus eine Unsicherheit dar.
Welche Rolle spielen die von Jeff Bezos angekündigten Drohnen für Logistikanbieter?
Die Akzeptanz des Kunden ist das Maß der
Dinge. Und ich bin mir nicht sicher, ob die unbemannten Flugobjekte jemals in den Herzen
der Kunden landen. Es gab zwar bereits vor
Jahren Signale aus den USA, als führende
Köpfe in die entsprechenden Unternehmen
25
investierten. Auch die Deutsche Post hat den
Paketkopter getestet. Ich wage jedoch die
These: Drohnen kommen eher dort zum Einsatz, wo die Infrastruktur noch nicht ausgebaut ist – und der Datenschutz ebenfalls nicht.
Suchen die Kunden also womöglich Abstand
zum Onlinehandel, wenn zu viele Technologiespielereien im Spiel sind?
Nein, denn Technologie muss nicht verängstigen. Sie kann auch Spaß machen, vor allem
dann, wenn Technologie und Mensch näher
zusammenrücken. Das ist übrigens einer der
großen Zukunftstrends, der sich aus dem
Boom der E-Commerce-Branche entwickeln
wird: Die Datenschnittstellen zwischen Kunde und Anbieter werden enger. Womöglich
haben wir bald Kontaktlinsen, die als Datenschnittstelle fungieren. Oder Chips, die im
Körper integriert sind. Google Glass, Smart
Watch, womöglich bald auch die Datenuhr
von Apple: Die Datenschnittstellen verändern
sich doch bereits heute rasant, elektronische
Geräte nähern sich stärker dem Menschen an.
Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung
für den Onlinehandel?
Es kommt zu einer Verschmelzung zwischen
stationärem und elektronischem Handel. Ein
interessantes Beispiel ist die Luxusmarke Burberry in England. In einem der Läden wird digitale Technik mit Erlebnissen in der Offlinewelt kombiniert. Mit von der Partie sind jede
Menge Displays, mit deren Hilfe Kunden Teile
des Raumes personalisiert erleben kön- >
Zukunftsmanager ■ Strategie & Kultur
Was ist das besondere an den Ergebnissen
Ihrer Studie?
Wir konnten zeigen, dass der Onlinehandel
unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung wachsen wird. Sicherlich wird
die Dynamik von gesamtwirtschaftlichen
Rahmenbedingungen beeinflusst, aber der
Onlinehandel entwickelt sich unserer Einschätzung nach sogar im negativen Umfeld
positiv. Wir haben außerdem mit den Trendforschern von See More zusammengearbei-
Was können Unternehmen wie DHL nun mit
den Ergebnissen anstellen?
Betrachten sie unser Projekt als Kommunikationsstudie. Die Ergebnisse können strategische Entscheidungen auf unterschiedlichen
Niveaus validieren und Investitionsentscheidungen untermauern. Was aber noch wichtiger ist: Sie können die strategische Agilität
der Unternehmen erhöhen, ihre Handlungsfähigkeit sicherstellen. Schauen Sie, es gibt
doch immer Ungewissheiten, die nicht vorhersehbar sind. Doch der Diskurs kann dazu
anregen, mögliche Szenarien zumindest anzudenken. Sofern die Ereignisse dann in welcher Form auch immer eintreten, können sich
Unternehmen schneller darauf einstellen.<
Das Gespräch führte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
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els
ta
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Wie können Sie vier klar umrissene Szenarien für
einen derart dynamischen Markt entwickeln?
Die Szenariotechnik nutzen wir für Vorhersagen unter hoher Ungewissheit. Die Entwicklungen des grenzüberschreitenden Onlinehandels und der Logistikbranche sind abhängig von Energie- und Rohstoffpreisen, vom
gesamtwirtschaftlichen Umfeld, von politischen Rahmenbedingungen. Wir wissen zum
Beispiel nicht, ob es bald eine nationale Abschottung der relevanten Märkte oder eine
Liberalisierung gibt. Mit Hilfe der Szenariotechnik identifizieren wir, welche plausiblen
Alternativen denkbar sind, und arbeiten so
mögliche Entwicklungslinien heraus. Bei uns
kam allerdings noch eine weitere Besonderheit hinzu, denn wir haben Experten aus Wissenschaft und Praxis mit ins Boot geholt. Ihre
Perspektiven bildeten die Grundlage für die
Szenarioentwicklung.
tet, die Kollegen haben sich auf TrendscoutAnalysen fokussiert. So konnten wir die von
uns entwickelten Szenarien mit aktuellen
Phänomenen vergleichen. Wir haben uns
zwölf Metropolen, die dortigen Märkte und
Gewohnheiten angeschaut und uns gefragt,
wo es heute schon Anzeichen für die alternativen Zukünfte gibt. Das bedeutet nun nicht,
dass eines der vier Szenarien in Zukunft unbedingt eintreffen muss, weil wir es mit aktuellen Tendenzen untermauert haben.
Mischformen dürften realistischer sein. Aber
wir wollen einfach den Denkprozess anstoßen, damit man sich überraschende Entwicklungen überhaupt einmal vorstellen kann.
Magazin für Innovationskultur und nachhaltigen Unternehmenserfolg
zu
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nen. Die Offlinewelt der Händler kann also
von den neuen Technologien profitieren.
26
Ausgabe 4/2014
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mischen die 3-D-Technologie auf, entwickeln einen Solarkiosk, der Arbeitgeber und Zukunftslabor
zugleich ist – und zeigen nicht zuletzt, wie viel Innovationskraft in „made in Germany“ steckt. Die
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Zukunftsmanager ■ Lebenswelten
Ausgabe 4/2014
SERIE
28
NACHHALTIGKEIT Teil 5: Zusammenfassung und Interpretation
Aus Schwarzweiß
mach Bunt
Von Ullrich Lorenz
In einem Punkt sind sich alle Zu-
die ScMI AG beauftragt, Nachhaltig-
kann niemand mit Sicherheit vorher-
des Projekts war es, unterschiedliche
kunftsforscher einig: Die Zukunft
sagen – sie wird aber mit Sicherheit
© Thinkstock
anders sein als die Vorstellung, die
wir heute von ihr haben. Nicht nur
Unternehmen, sondern auch Politik
und Gesellschaft können und sollten
sich deshalb auf unterschiedliche
Zukünfte einstellen und sich zudem
dessen bewusst sein, dass nicht alle
möglichen Entwicklungen Nachhal-
tigkeit begünstigen. Vor diesem Hin-
tergrund hat das Umweltbundesamt
keitsszenarien zu erarbeiten. Das Ziel
nachhaltige Lösungen für die Bedürfnisfelder Ernährung, Freizeit und
Wohnen zu entwickeln – und das vor
dem Hintergrund eines sich wandelnden Umfelds. Der Zukunftsmanager
hat über die verschiedenen Lösungsszenarien berichtet, dieser Artikel soll
nun die verschiedenen Lösungsansätze vor dem Hintergrund unter-
schiedlicher Umfeldszenarien zusammenführen.
>
Zukunftsmanager ■ Lebenswelten
Ausgabe 4/2014
Zukunft nicht un-
Die Euro-Krise ist nach wie vor präsent, und
der tägliche Börsenbericht fast so wichtig
wie die Wetterneuigkeiten. Es verwundert
daher nicht, dass die befragten Teilnehmer
der Studie diejenigen Szenarien für „nah an
heutigen Entwicklungen“ und „erwartet“
bezeichnet haben, die durch starke Ökonomisierung, Konsum und gleichzeitig soziale
Spaltung gekennzeichnet sind. Gleichzeitig
schwebt aber das Damoklesschwert der Krise über diesen Zukünften.
auch Impulsgeber für
Schwarz und weiß
Krisen machen
möglich. Sie können
© Thinkstock
Nachhaltigkeit sein.
Nimmt man einige der aktuellen Trends,
wie zuletzt im Bildungs- oder Sozialbericht
der Bundesregierung nachzulesen, so scheinen manche Entwicklungen den Weg in dieses Krisenszenario zu ebnen. Gleichzeitig
weisen einige Tendenzen auf einen möglichen Wandel hin: Die Energiewende – ob
nun stockend oder schwungvoll – setzt Impulse für mehr Nachhaltigkeit, ebenso wie
aktuelle Trends zu gesunder Ernährung
oder die Bestrebungen der Bundesregierung, mehr und systematisch Bürgerbeteiligung zu organisieren. In den Kontextszenarien wird diese Entwicklung übrigens als
„Effizienz-Szenario“ beschrieben: eine Zukunft, in der Zukunftsoptimismus und Gemeinsinn die Basis einer offenen Wissensgesellschaft sind. Noch ist unentschieden,
ob die Entwicklung eher den kritischen oder
den positiven Pfad einschlägt – aus dem
Szenarioprozess heraus sind beide Wege
für die Experten denkbar.
29
Nachhaltig aus der Krise
Die verschiedenen Szenarien in den Bedürfnisfeldern Wohnen, Freizeitgestaltung und
Ernährung bieten durchaus Lösungen sowohl
in krisenhaften als auch in positiven Umfeldern an. In den kritischen Umfeldern formen sich zwei Muster aus: einerseits der Ruf
nach dem sich kümmernden und eher autoritären Staat, andererseits eine zunehmende
Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und
Unabhängigkeit der Bürger. Dies zeigt sich besonders deutlich bei den Szenarien zur Ernährungsgestaltung, wo die beiden Lösungsszenarien im krisenhaften Umfeld „Das öffentliche Versorgungsszenario“ und „Das Selbstversorgungsszenario“ sind. Im ersteren Fall ist
die Krise schon stark verankert, und die Menschen hängen von der öffentlichen Versorgung ab. Schaut man in einige Brennpunkte
von Großstädten, ist dies leider kein unrealistisches Bild. Wirklich nachhaltig ist eine solche Zukunft natürlich nicht, aber durchaus
plausibel. Fällt der Staat jedoch aus, hat man
quasi das „Selbstversorgungsszenario“, in
dem die Menschen weitgehend auf sich
selbst gestellt sind. Auch hier sind unter dem
Stichwort „Urban Farming“ durchaus erste
Elemente erkennbar – und schaut man über
den Atlantik nach Kuba oder Detroit, kann
man sich einen Eindruck davon verschaffen,
wohin solche Entwicklungen führen.
Ist die Krise dann noch eine Krise? Für wen?
Verfolgt man den Diskurs zu „Postwachstum“, so ist eine solche Vision von weni- >
Zukunftsmanager ■ Lebenswelten
ger Staat und geringerer ökonomischer Fixierung durchaus ein positives Leitbild, wohingegen es aus Sicht der Vertreter des Neoliberalismus eine Katastrophe sein müsste.
Hieraus erste Schlussfolgerungen: Krise ist
nicht gleich Krise für alle. Es wird Gewinner
und Verlierer geben, und es wird eine Aufgabe des Staates sein, hier vermittelnd zu wirken. Ein wesentlicher Schlüssel könnte es
tatsächlich sein, gesellschaftlichen Wohlstand nicht allein am Bruttoinlandsprodukt
auszurichten, sondern auch eine alternative
Wohlstandsmessung in den Fokus zu nehmen, wie zuletzt auch von der Enquete-Kommission des 17. Bundestags zu „Wohlstand,
Wachstum Lebensqualität“ vorgeschlagen.
Mehr Informationen
Die Gesamtstudie steht hier zum
kostenlosen Download bereit
ÆÆIm Internet
Schlussbericht der EnqueteKommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu
nachhaltigem Wirtschaften und
gesellschaftlichem Fortschritt in
der Sozialen Marktwirtschaft“
Weitere Informationen finden
Sie hier
ÆÆIm Internet
Der Nationale Wohlfahrtsindex
Weitere Informationen finden
Sie hier
© Thinkstock
ÆÆIm Internet
30
Ausgabe 4/2014
Schauen wir näher auf die Krise: Wie wohnen
die Menschen in dieser Welt, und wie verbringen sie ihre Freizeit? Die passenden Lösungsräume zeichnen sich durch Effizienz
und Einfachheit aus. Je nach Fortschrittsgrad
der krisenhaften Entwicklung strampeln sich
die Menschen noch ab, um der drohenden
Abwärtsspirale zu entkommen. Entsprechend gibt es keine Freizeit in dem Sinne, wie
wir sie heute kennen; die Grenze zwischen
reiner Erwerbs- und Freizeit verschwimmt.
Die Spaltung in Arm und Reich beschert wenigen eine exklusive Palette an Möglichkeiten. Wie beim Bedürfnisfeld Ernährung
kollabieren das staatliche und das ökonomische System weiter, spielen soziale Netzwerke eine wichtige Rolle, und das „Selbermachen“ – auch im Sinne von Dienstleis- >
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Rückblick
8. Deutscher
Marken-Summit
Auf dem 8. Deutschen Marken-Summit am 3./4. Juni 2014
in Frankfurt am Main diskutierten 170 Unternehmensleiter
und Markenentscheider zum Leitthema „Moment of Truth –
Vom Wunsch zur Wahl“.
„Die klassische Primetime existiert heute
nicht mehr, denn Menschen sind mobil und
die Anzahl der Kanäle hat sich vervielfacht.
Marken müssen mit ihren Botschaften dort
präsent sein, wo ihre Kunden die meiste
Zeit verbringen.“
Martin Ott, Managing Director Northern Europe, Facebook
Weitere Thesen, Bilder und Interviews finden Sie unter:
Veranstalter:
Partner:
Medienpartner:
„Experiential Marketing gewinnt heutzutage
immer mehr an Bedeutung. Wir machen
Kommunikation für hochemotionale Produkte,
die am besten für sich selbst sprechen, wenn
man diese erlebbar macht.“
Dr. Steven F. Althaus, Leiter Markenführung, BMW, und Marketing
Services, BMW Group
www.marken-summit.de
Mitveranstalter:
Partner für das
Interaktive Voting:
Mit freundlicher
Unterstützung von:
Zukunftsmanager ■ Lebenswelten
Das positive erwartete Umfeld ist im Wesentlichen durch Effizienz und Technik geprägt. Das ökonomische Paradigma kann am
ehesten mit „Green Growth“ bezeichnet
werden. Von daher wundert es nicht, dass in
allen Bedürfnisfeldern diejenigen Szenarien
„passen“, die hohe Technisierungsgrade und
Innovationen brauchen und nach wie vor
stark in einen ökonomischen Kontext eingebunden sind. Hier darf man aber nicht übersehen, dass diese Entwicklungen nur dann
wirklich positiv sind, wenn es gelingt, die absolute Inanspruchnahme von Ressourcen zu
senken, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen hinter sich zu lassen und schließlich
den Klimawandel mit seinen Folgen in den
Griff zu bekommen.
Für die Gestaltung von Nachhaltigkeit wird
deutlich, dass einfaches Schwarzweißmalen
im Sinne von Krise oder Nicht-Krise zu kurz
greift – vor allen Dingen, wenn „Krise“ an
wirtschaftlicher Entwicklung festgemacht
wird. Nachhaltige Lösungen gibt es in allen
drei Bedürfnisfeldern sowohl für die krisenhaften Umfelder als auch für die positiven
Wunschräume. Es bleibt dabei, die genaue
Entwicklung kann man nicht vorhersagen,
aber man kann und sollte sich darauf einstellen: Nachhaltigkeit ist bunte Vielfalt und mitnichten nur schwarz oder weiß.<
Lesen Sie mehr:
ÆÆTeil I: Einleitung
ÆÆTeil II: Freizeitgestaltung und
Nachhaltigkeitspolitik
ÆÆTeil III: Nachhaltige Ernährung
ÆÆTeil IV: Nachhaltig wohnen
Ullrich Lorenz
ist Wissenschaftler in der
Abteilung Grundsatzfragen,
Nachhaltigkeitsstrategien
und -szenarien im Umweltbundesamt.
ullrich.lorenz@uba.de
Die hier wiedergegebene Meinung muss
nicht zwingend mit der Meinung des
Umweltbundesamtes übereinstimmen.
© Thinkstock
Vor mehr als zehn Jahren hat die
Bundesregierung die nationale
Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“ beschlossen
und damit unterstrichen, dass eine
nachhaltige Entwicklung zentrales
Ziel ihres Regierungshandelns ist.
Die Vorzeichen haben sich seitdem
verändert, die Leitlinien jedoch bestehen nach wie vor: Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung. Wie kann den
umweltbezogenen Zielen der Nachhaltigkeitsstrategie nähergekommen werden? Um Antworten auf
diese Frage zu finden, haben das
Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium die ScMi AG
beauftragt, „integrierte Nachhaltigkeitsszenarien zur Erreichung der
umweltbezogenen Ziele der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie“ zu
erarbeiten. In einer Serie hat der
„Zukunftsmanager“ jeweils die einzelnen Lösungsszenarien vorgestellt
und diskutiert, wie sich diese Lösungen in unterschiedlichen Kontexten entwickeln könnten.
tungen – gewinnt an Bedeutung. Auch hierzu lohnt der Blick nach Detroit.
© Thinkstock
Zukunftsmanager-Serie
„Nachhaltigkeit“
31
Ausgabe 4/2014
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Kofinanziert durch:
Zukunftsmanager ■ Lebenswelten
Ausgabe 4/2014
SERIE
33
NACHHALTIGKEIT Teil 5: Zusammenfassung und Interpretation
Unsicherheiten
nachhaltig begegnen
Von Alexander Fink und Hanna Rammig
Definition darum, bei den eigenen
Entscheidungen die Zukunftsfähigkeit zu erhalten. Was aber, wenn
sich die globalen Rahmenbedin-
gungen verändern? Wie müssen
nachhaltige Konzepte dann angepasst werden? Und welche nachhaltigen Antworten können für
spezifische Handlungsfelder gegeben werden? Nach Antworten
auf diese Fragen wurde in einem
interdisziplinären Projekt des
Umweltbundesamtes gesucht.
Das Projekt setzte die Zukunftsszenarien als
„Denkwerkzeug“ ein, um im Rahmen der
Nachhaltigkeitsdiskussion bewusst unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen
und eine Erweiterung von Perspektiven einer
nachhaltigen Entwicklung zu ermöglichen.
Außerdem ging es darum, die Komplexität zu
verdeutlichen und auch hier verbindende Formate anzubieten. All dies waren Gründe dafür, in der letzten Phase des Projekts alle Beteiligten zusammenzuführen und einen Dialog zu stimulieren. Der letzte Teil der Serie
stellt nun die Ergebnisse der Diskussionen dar.
In der gemeinsamen Diskussion der verschiedenen Teams kristallisierten sich zwei Kernfragen heraus:
>Welche Möglichkeiten bestehen für
eine
gesellschaftliche Transformation, wie sie
sich insbesondere im Gegensatz zu der
gewünschten und kritischen
Umfelderwartung zeigt?
>Arbeit
und besonders die Verteilung der Ressource Zeit scheinen einen wesentlichen Einfluss auf Freizeitgestaltung, Wohnen und Bauen sowie
Ernährungsgestaltung zu haben. Kann es
zu einer Neudefinition des Arbeitsbegriffs kommen, in deren Folge sich nachhaltige Lösungen sowohl im globalen
Kontext als auch in allen drei Gestaltungsfeldern ergäben?
Nachhaltiges Spannungsfeld
Insgesamt hat die Diskussion der Lösungsräume gezeigt, dass sich die Nachhaltigkeitsdebatte in einem Spannungsfeld von Effizienz, Konsistenz und Suffizienz bewegt: Es
geht zum einen darum, Nachhaltigkeit durch
eine Maximierung der (technischen) Effizi-
© Thinkstock
Bei Nachhaltigkeit geht es per
Zukunftsmanager ■ Lebenswelten
Ausgabe 4/2014
enz zu erreichen. Zum anderen sollen Stoffkreisläufe weitgehend geschlossen werden.
Das bedeutet, dass in einem System keine
Abfälle mehr entstehen, sondern nur noch
verwertbare Rohstoffe. Dabei ist durchaus eine hohe technologische Orientierung gegeben, die diese Wiederverwertbarkeit ermöglicht (Konsistenz).
Betrachtungsbereichs – also vor allem die
Trennung von Umfeld- und Lösungsszenarien. Dieser Ansatz hat sich insgesamt bewährt,
auch wenn innerhalb der Umfeldszenarien
die Unterscheidung nationaler und globaler
Entwicklungen nicht einfach ist – und viele
zukünftige Entwicklungen darüber hinaus
stark von der europäischen Ebene abhängen.
Schließlich geht es darum, dass nicht mehr
das „Wie“, sondern das „Wieviel“ in das Zentrum der Betrachtung gerückt wird (Suffizienz). Während Suffizienz häufig als Verzichtsund Umverteilungsstrategie kritisiert wurde,
wird der Ansatz heute stärker in Richtung
eines nicht materiellen Wohlstandsmodells
interpretiert, verbunden mit Lösungen für
Zivilisationsprobleme wie stressbedingte
Krankheiten oder wachsende soziale Isolierung als negative Folgen der einseitigen Orientierung an materiellem Wohlstand.
Übergreifende Denkwerkzeuge
Methodische Schlussfolgerungen
Eines der zentralen Probleme bei der Schaffung eines Leitbilds für nachhaltige Entwicklung ist die außerordentliche Komplexität
des Themenfelds – nicht nur thematisch, sondern auch politisch und in Bezug auf die daraus abzuleitenden Maßnahmen. Daher war
es ein erstes zentrales Projektziel, die Zusammenhänge zwischen den Umweltzielen der
Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung und den nationalen und globalen Rahmenbedingungen aufzuzeigen. Daraus resultierte der systemische Aufbau des
Mit den entwickelten Umfeldszenarien wurde nicht allein ein Werkzeug zur Bewertung
der umweltbezogenen Ziele der Nationalen
Nachhaltigkeitsstrategie geschaffen. Nach
Einschätzung der verschiedenen Szenarioteams können die Zukunftsbilder auch darüber hinaus für einen Dialog im politischen,
unternehmerischen und gesellschaftlichen
Bereich genutzt werden – gerade weil sie sich
von eindimensionalen Prognosen unterscheiden. Hinzu kommt die Abgrenzung von Szenarioentwicklung und -bewertung: So zeigte
erst die Bewertung der Umfeldszenarien die
Notwendigkeit eines globalen Transformationsprozesses sowie mögliche Folgen, die mit
einer Nichtverfolgung verbunden wären.
Aus der Einbahnstraße
Die Übertragung des in Unternehmen vielfach genutzten Werkzeugs der Lenkungsbzw. Strategieszenarien auf den Nachhaltigkeitsbereich kann als wichtige Innovation
des beschriebenen Projekts gesehen werden.
Mittels dieser hier als „Lösungsszenarien“
bezeichneten alternativen Handlungs- >
34
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Zukunftsmanager ■ Lebenswelten
Ausgabe 4/2014
Szenarien eignen sich nicht für kritische
Umfeldentwicklung
Szenarien eignen sich für kritische
Umfeldentwicklung
Vergleich der Lösungsszenarien aus den drei Themenfeldern
E6
E2
E1
optionen konnte aufgezeigt werden, dass es
eine Vielzahl möglicher und aus Sicht einzelner Akteure auch erstrebenswerter Wege zu
mehr Nachhaltigkeit gibt. Dieser Effekt der
Perspektivenerweiterung und des Voneinander-Lernens war immer dann besonders markant, wenn es gelungen war, sehr unterschiedliche Akteure im Szenarioprozess zusammenzuführen.
W4
W5
Zusammendenken
E7
Eine besondere Herausforderung stellte die
Verknüpfung der Lösungs- mit den Umfeldszenarien dar. Auch wenn es auf der Hand
liegt, mögliche Lösungen auf ihre Robustheit
hin zu überprüfen, war die entstandene
Komplexität nicht leicht zu handhaben – und
vor allem sind die Ergebnisse nicht leicht zu
kommunizieren. Dennoch hat sich gezeigt,
dass gerade der Dreiklang aus (1) Trennung
von Umfeld- und Lenkungsbereich, (2) getrenntem Blick in die Zukunft und (3) der systematischen Zusammenführung der Ergebnisse ein gutes Werkzeug zur Komplexitätshandhabung ist. Gleichzeitig konnte auf diese Weise erreicht werden, dass nicht einfach
alle gewünschten Optionen in einem Zukunftsbild zusammengeführt werden, das
dann zwar leicht darzustellen, aber kaum zu
operationalisieren ist.
W6
F1
Freizeit
F2
F3
F4
F5
W3
F6
E5
W1
Wohnen
Ernährung
W2
W1b
E4
E3
Gegenwartsnahes
Lösungsszenario
Szenarien eignen sich nicht für
gewünschte Umfeldentwicklung
Szenarien eignen sich für
gewünschte Umfeldentwicklung
Quelle: ScMI
Verdeutlicht ist diese Vorgehensweise in der
Grafik, in der die alternativen Lösungsszenarien entsprechend ihrer Eignung für die beiden möglichen Entwicklungspfade im Um-
35
feld eingeordnet wurden. Durch die Diskussion der Gemeinsamkeiten und Unterschiede
geeigneter Lösungsansätze lassen sich zukunftsrobuste Wege zu mehr Nachhaltigkeit
in Deutschland identifizieren.
Mit den Projektergebnissen steht neben
einem inhaltlichen Stimulus auch ein Werkzeug zur Verfügung, das sich für eine Vielzahl
von Fragestellungen im Bereich der Umweltund Nachhaltigkeitspolitik sinnvoll einsetzen lässt.<
Dr. Alexander Fink
ist Vorstand der ScMI
Scenario Management
International AG, Paderborn.
fink@scmi.de
Hanna Rammig
ist Senior Manager bei der
ScMI Scenario Management
International AG, Paderborn.
rammig@scmi.de
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Ideen, die die Welt verändern könnten. Was wäre wohl, wenn plötzlich
alle wählen gingen? Oder wenn wir
in Zukunft vollkommen auf Massentierhaltung verzichteten? Ein Buch,
das dazu ermutigt, eigene Utopien
zu entwickeln und zu leben.
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Wahrheit – 50 Utopien, die die Welt verändern. Gütersloher Verlagshaus 2014.
ISBN: 978-3-579-07073-5
Das neue Wirtschaftswunder
Wie wir von der kommenden Weltordnung
profitieren werden
Im Buch wird für die Weltwirtschaft
in den kommenden 20 Jahren ein
enormes Wachstum vorhergesagt.
Der Autor zeichnet ein genaues Bild
der globalen Zukunft – und er beschreibt, wer vom Wachstum profitiert und warum.
Gerard Lyons: Das neue Wirtschaftswunder: Wie wir von der kommenden
Weltordnung profitieren werden.
Ullstein Verlag 2014.
ISBN-13: 978-3550080593
News
Zukunft der Mobilität: Tesla legt los
Elektroautos werden hoch gelobt, doch beliebt sind sie nicht unbedingt. Zumindest
schlägt sich ihr guter Ruf nicht in den Verkaufszahlen nieder. Unter derzeit rund 44 Millionen zugelassenen Autos sind in Deutschland knapp 13.000 Elektrofahrzeuge zu finden. Bis zu der von der Bundesregierung erhofften 1 Million E-Autos im Jahr 2020 ist es
also noch ein weiter Weg. Der kalifornische
Elektroautohersteller Tesla will dem Elektroauto nun schnellstmöglich zum Durchbruch
verhelfen und die Verbreitung der Elektroautotechnologie vorantreiben. Der Plan: die
Freigabe der Tesla-Patente. Die Firma hat laut
Tesla-Chef Elon Musk alle Rechte an ihren Patenten aufgegeben, um die exklusive Technik
des Konzerns auch der Konkurrenz offenzulegen. Dass es Musk dabei nicht um die Ziele
der deutschen Bundesregierung gehen dürfte, ist anzunehmen. Denn sobald andere Autohersteller die Tesla-Technologie mit nur
geringen Entwicklungskosten nutzen können, steigt die Verbreitung von Elektroautos
allgemein – wovon Tesla selbst über ein besseres Ladenetz und ein höheres Bewusstsein
für E-Autos kräftig profitiert. Ein kluger
Schachzug, ergeben sich für Tesla doch außerdem zukunftsträchtige Kooperationsmöglichkeiten mit großen Automobilkonzernen wie BMW und Daimler. Der Elektroexper-
37
Veranstaltungen
te möchte seine Produktion ohnehin auf den
europäischen Kontinent ausweiten und die
dortigen Märkte erschließen. Musks Ambition: in Europa eine vergleichbare Zahl von Autos wie in den USA verkaufen. Tesla baut in
Deutschland derzeit mit der Deutschen Bahn
ein Netzwerk aus Schnellladestationen an
Autobahnen auf – wenn die großen Autobauer mitziehen, könnte das Spiel für Musk
aufgehen.
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Stell Dir vor, jeder
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50 Utopien, die die
Welt verändern
Ausgabe 4/2014
3. Juli 2014
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Gründer, Gründungsinteressierte, junge Unternehmer und Re-Starter bei der Suche nach
geeigneten Partnern für ihr Gründungsteam.
In moderierten „Flirtrunden“ können Ideenund Know-how-Geber potentielle Teampartner kennenlernen.
ÆÆIm Internet
7. Juli 2014
Symposium „Die Stiftung als ein
Unternehmensmodell der Zukunft:
Chancen und Risiken“
Stuttgart
In Deutschland gibt es einige hundert Stiftungen, die Anteile an Unternehmen halten.
Die Modelle sind jedoch sehr verschieden.
Die Carl-Zeiss-Stiftung nimmt ihr 125-jähriges Bestehen zum Anlass, mit namhaften
Experten zur Stiftung als Unternehmensmodell zu diskutieren.
ÆÆ Im Internet
Zukunftsmanager ■ Kurz notiert
Schubumkehr
Die Zukunft der
Mobilität
Ausgabe 4/2014
News
Veranstaltungen
Die Physik der
Zukunft
Unser Leben in
100 Jahren
Wie werden wir leben – in 20, 60,
100 Jahren? Der Autor beschreibt,
wie der Weg in die Zukunft aussieht
– denn vieles davon wird heute
schon in Wissenschaft und Industrie
vorbereitet.
Michio Kaku: Die Physik der Zukunft –
Unser Leben in 100 Jahren.
rororo Verlag 2014.
ISBN-13: 978-3499628153
© www.spotfolio.com
Mobilität ist in allen Lebensbereichen von fundamentaler Bedeutung. Aber sie stellt die Zukunft
auch vor enorme Herausforderungen. Angesichts einer wachsenden
Weltbevölkerung und knapper
Ressourcen ist klar: Gebraucht wird
eine drastische Richtungsänderung,
eben eine Schubumkehr.
Stephan Rammler: Schubumkehr –
Die Zukunft der Mobilität.
FISCHER Taschenbuch Verlag 2014.
ISBN-13: 978-3596030798
Eine neue Plattform vernetzt die Hightechwelt
Partnersuche leicht gemacht, das verspricht
die Innovationsplattform Spotfolio, die kürzlich von der Spotfolio GmbH und dem F.A.Z.Institut gelauncht wurde. Das Ziel der Betreiber: junge Hightechfirmen mit erfolgreichen
Großkonzernen vernetzen. Davon profitieren
beide Parteien, so die Plattformbetreiber. Die
jungen Gründer aus der Hightechbranche
haben häufig einen erheblichen Innovationsvorsprung gegenüber Großunternehmen
und bedienen attraktive Zukunftsmärkte. In
der Regel verfügen sie jedoch nicht über die
notwendigen finanziellen Mittel, um im globalen Markt die weiteren Wachstumsschritte
vollziehen zu können. Konzerne und große
Mittelstandsunternehmen hingegen haben
überlegene Beschaffungs- und Produktionskapazitäten sowie einen effektiven Vertrieb
38
in internationalen Märkten – und stehen zudem unter hohem Innovationsdruck. Eine
Kooperation mit den dynamischen Hightechfirmen oder eine Beteiligung dürfte also ein
wichtiges Mittel im Kampf um Marktanteile
sein. „Unser Ziel ist es, dass Unternehmen
aus Europa, China und den USA Spotfolio
nutzen, um geeignete Kooperations- und
Technologiepartner zu identifizieren und mit
diesen in Kontakt zu treten“, erklärt Michael
Louis, Mitgründer der Spotfolio GmbH. Dazu
liefert Spotfolio einen spezialisierten Datenpool und verknüpft ihn mit speziellen Interaktionselementen und Analysetools. So können unter anderem Firmen beobachtet, Zielgruppenanalysen angestellt und neue Erkenntnisse in einzelnen Technologiesegmenten gewonnen werden.
17. September 2014
8. Innovation-Unternehmergipfel 2014
Deutsches Museum – Verkehrszentrum
München
Auf der Veranstaltung zum Thema Innovation kommen zahlreiche Führungskräfte und
Entscheider zusammen, um aktuelle Trends
kennenzulernen und sich über Innovationsprozesse, Strategien und zukunftsweisende
Technologien auszutauschen.
ÆÆIm Internet
18. und 19. September 2014
Big Data Minds 2014
Berlin
Die Veranstaltung lädt an zwei Tagen zum
Austausch über effizientes Big-Data-Management ein. Die Teilnehmer diskutieren dabei
über operative Herausforderungen und aktuelle Lösungsansätze im Bereich Datenmanagement für die deutschsprachige Industrie.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager ■ Kurz notiert
Landflucht 3.0
Welche Zukunft hat
der ländliche Raum?
Eine wichtige Dimension des demographischen Wandels in Deutschland
ist das Leben auf dem Land. Doch
auch fast 25 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Unterschiede
zwischen Ost und West, zwischen
Stadt und Land evident. Demographische Veränderungen lassen damit
auch das demokratische Miteinander in Deutschland nicht unberührt.
Herbert Quandt-Stiftung (Hrsg.):
Landflucht 3.0 – Welche Zukunft hat der
ländliche Raum?
Herder Verlag 2014.
ISBN 978-3451333866
Die Kultur der
Reparatur
Ausgabe 4/2014
News
Veranstaltungen
Die Coke der Zukunft kommt aus Kapseln
Sie ist des Pudels Kern: die Kapsel. In vielen
Haushalten bereitet sie täglich heiße Getränke wie Kaffee, Kakao oder Tee. Den Mülldeponien in Deutschland beschert sie jedoch
jedes Jahr rund 4.000 Tonnen bunten Aluminium- und Plastikmüll. Bald könnten es auch
noch ein paar Tonnen mehr sein. Geht es nach
dem Coca-Cola-Konzern, kommt bald das
erste Kapselsystem für Kaltgetränke auf den
Markt. Die Kapseln sollen Sirup und Kohlensäure enthalten, die in einem entsprechenden
Automaten mit Leitungswasser vermischt
werden. Heraus kommen Cola, Sprite und Fanta. Anders als die Kaffee-Kapsel ist die LimoKapsel nicht nur eine neue Art der Portionierung – sie könnte den ganzen Kaltgetränkemarkt revolutionieren. Denn durch die Kapsel
sparen die Getränkehersteller sowohl Kosten
beim Betrieb von Abfüllanlagen als auch beim
Transport. Den Einstieg ins Kapselgeschäft
lässt sich Coca-Cola rund 1,25 Milliarden USDollar kosten. Im Gegensatz zu bereits bekannten Getränkesystemen, die ebenfalls
kalte Getränke auf Knopfdruck versprechen,
hat der Cola-Automat auch für den Kunden
entscheidende Vorteile. Erstens kann auf die
CO2-Kartusche verzichtet werden, da die Kohlensäure bereits in der Kapsel enthalten ist.
Zweitens ist auch die Sirup-Dosierung immer
die gleiche – und daraus ergibt sich ein erheblicher Geschmacksvorteil gegenüber bisherigen Getränken aus dem Sprudelautomaten.
Das hat für den Kunden aber auch seinen
Preis: Zwischen 200 und 300 US-Dollar soll der
neue Limo-Automat kosten. Dem Geldbeutel
und der Umwelt zuliebe wäre es also vielleicht
auch in Zukunft vorzuziehen, für die Flasche
Cola in den Supermarkt um die Ecke zu laufen.
© Thinkstock
Kaum ist das Display des Smartphones zersprungen, wird schnell ein
neues gekauft und das alte entsorgt.
Dieser Wegwerfkultur will das Buch
entgegenwirken. Der neue Trend soll
sein: reparieren statt wegwerfen.
Wolfgang M. Heckl: Die Kultur der Reparatur.
Goldmann Verlag 2014.
ISBN-13: 978-3442174836
39
22. und 23. September 2014
Industrie 4.0 – vom Konzept zur Umsetzung
Amberg
Das Praxisseminar „Industrie 4.0“ gibt mit
Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft
einen kompakten und praxisorientierten
Überblick über die neuesten Entwicklungen
rund um das Thema Industrie 4.0. Zusätzlich
gibt es einen Praxisbericht mit anschließender Werksbesichtigung „Industrie 4.0
LIVE“ bei der Siemens AG in Amberg.
ÆÆIm Internet
29. und 30. September 2014
Social Business Collaboration 2014
Berlin
An zwei Tagen diskutieren führende Unternehmen auf der englischsprachigen Veranstaltung über die aktuellsten Herausforderungen, Fallstudien und Lösungsansätze zum
Thema „Social Business Collaboration“.
ÆÆIm Internet
18. und 19. November 2014
innovation 2014 – Inspirationen, Impulse, Ideen
München
Die Jahrestagung „innovation 2014“ lädt in
diesem Jahr zum 16. Mal zum Querdenken ein.
Diskutiert werden aktuelle Themen des Innovationsmanagements mit namhaften Vertretern aus Wissenschaft und Praxis. Ein Frühbuchervorteil gilt noch bis zum 15. Juli 2014.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager ■ Fragen an
Ausgabe 4/2014
40
Fragen an
Peter Walde, Gründer und Geschäftsführer des Start-ups mapegy
Wie möchten Sie im Jahr 2030 leben?
Wahrscheinlich sieht mein Leben im Jahr
2030 nicht sehr viel anders aus als heute. Ich
möchte weiterhin viele spannende Projekte
und interessante Menschen kennenlernen
und mich und meine Welt stets hinterfragen.
Gehirn so zu verbinden, dass man genau wie
sein Gegenüber fühlt. Einfach mal die Welt
mit den Augen des Gegenübers betrachten
und Erfahrenes gemeinsam erörtern, das
würde mich schon sehr reizen. Und könnte
womöglich auch eine Menge Probleme lösen.
Wo möchten Sie 2030 leben?
Im weltoffenen Berlin. Aber immer mit der
Option, zur Abwechslung in meine sorbische
Heimat, die Oberlausitz, fahren zu können.
Welcher Zukunftstrend ist Ihnen schon heute
ein Dorn im Auge?
Ich bin der Zukunft gegenüber sehr positiv
eingestellt. Man sollte sich nicht übermäßig
von den Risiken lenken lassen, sondern lieber
von den Chancen.
Worauf möchten Sie 2030 verzichten können?
Auf zu lange, aufwendige und anstrengende
Reisen. Ich bin zwar sehr gerne unterwegs,
aber wenn ich für die Strecke Berlin–Lausitz
– das sind 160 Kilometer – mit öffentlichen
Verkehrsmitteln immer noch drei Stunden
brauche, lasse ich mir was anderes einfallen.
Worauf möchten Sie nie verzichten müssen?
Auf Freunde, Menschen, Herzlichkeit und auf
Authentizität.
Was muss noch erfunden werden?
Beamen! Einfach per Fingerschnipp an jeden
Ort der Welt gelangen zu können, das hat
schon einen sehr großen Reiz für mich. Außerdem fasziniert mich die Idee, Synapsen im
Welcher Trend bestimmt 2030 die Welt?
Ein professioneller Tourismus auf den Mond
oder ins All. Außerdem wird sich die Konzentration auf lokale Einheiten wie Städte, Bezirke oder Kieze als Gegenentwicklung zur allumfassenden Globalisierung noch verstärken.
Ben Hur, Martin Luther, Nelson Mandela oder
Luke Skywalker: Mit wem würden Sie aus welchen Gründen tauschen wollen?
Da Luke Skywalker die einzige Person ist, die
nicht in unserer Welt lebt, ist die Wahl hier
klar. Das Leben im All, die Chancen der Technik und die Möglichkeit, andere Lebensformen kennenzulernen, reizen mich sehr.
2014, 2150 oder 3210: Wann würden Sie warum
am liebsten leben wollen?
Alles anschauen und einen Eindruck erhalten
würde ich gerne zu jeder Zeit, aber um wirklich zu leben und sich wohlzufühlen: ganz
klar 2014. Ich könnte mir vorstellen, im Jahr
2150 mit meinen jetzigen geistigen und körperlichen Fähigkeiten sehr überfordert zu
sein. Ob wir 3210 überhaupt noch von
menschlichem Leben auf der Erde oder sonst
wo sprechen können, ist auch fraglich. Da ist
mir 2014 doch am „sichersten“.
Welche Reform wird 2030 von zentraler
Bedeutung sein?
Um in meinem Fachbereich zu bleiben: Ich
könnte mir vorstellen, dass es bald einen global einheitlichen Patentschutz geben wird.
Der Held im Jahr 2030: Was kennzeichnet ihn?
Helden? Ich glaube nicht wirklich an Helden,
sondern eher, dass jeder ein „Held“ sein kann.
Die Anforderungen in der Zukunft werden
sich da wohl kaum von den heutigen unterscheiden. „Helden“, um bei diesem Begriff zu
bleiben, sind für mich mutig, entscheidungsfreudig und souverän im Umgang von Gesellschaft und Technologie.
Peter Walde
ist Gründer und
Geschäftsführer
von mapegy. Das
Berliner Big-Dataund Visual-Analytics-Unternehmen
versteht sich als
„Kompass für die
Hightech-Welt“. Es unterstützt
Technologie- und Wettbewerbsentscheidungen mit Fakten auf Basis
globaler Innovations- und Technologiedaten. Die webbasierte Analyseund Visualisierungssoftware von
mapegy verschafft dem Nutzer
einen schnellen und anschaulichen
Überblick über die Dynamik der
globalen Technologielandschaft.
Vor der Gründung von mapegy war
Walde fünf Jahre lang Projektleiter
der Digital Intelligence bei der
Volkswagen-Konzernforschung.
Er zählt zu den Pionieren der dortigen Zukunftsforschung.
Die nächste Ausgabe
erscheint am 30. September
2014.
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