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Erfolg – Was macht der Spitzenbetrieb anders?

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26.04.2011
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MANAGEMENT
Erfolg –
Was macht der Spitzenbetrieb anders ?
Andrea Praml
In der Fütterung wird viel um Feinheiten diskutiert. Dabei sind es aber oft die einfachen Dinge, die auf den
Milchviehbetrieben noch Verbesserungspotential hätten. Nach einer Analyse von fünf Mitgliedsbetrieben
mit der Rasse Fleckvieh, die Milchleistungen zwischen 9500 und 11000 kg aufweisen können, soll nun geschildert werden, worauf der Erfolg dieser Profis basiert. Damit ist nicht nur die hohe Leistung gemeint,
sondern auch der Anspruch der Wirtschaftlichkeit.
Das Schlagwort des Erfolgs heißt
konsequentes und nachhaltiges
Management der Betriebsleiter.
Egal, ob es um die Arbeit im Stall,
den Kuhkomfort oder die Erzeugung des Grundfutters geht, wer
seine Aufgaben konsequent erledigt, hat Erfolg und verdient Geld
mit seinen Kühen. Im Folgenden
soll beschrieben werden, wie diese
Betriebsleiter das konkret machen.
Alle Betriebe stellen ihre Kühe 6-8
Wochen trocken. Die Kühe werden
14 Tage mit ca. 2-3 kg Kraftfutter vor
dem errechneten Geburtstermin
angefüttert. In dieser Zeit sollte,
wenn möglich, die Kuhration 50:50
mit der Trockensteherration verschnitten werden. Nach der Geburt
wird die Kuh sofort gemolken
(bestes Kolostrum für das Kalb).
Sie erhält anschließend warmes
Wasser evtl. mit einem Energietrunk und vor allem ältere Kühe bekommen einen Ca-Bolus oder eine
–Infusion, dies beugt Milchfieber
(sowohl akut als auch subklinisch)
vor und ermöglicht der Kuh einen
besseren Start in die Laktation. 4-5
Wochen nach der Geburt bekom-
men die Tiere erst die volle Menge
Kraftfutter, um Pansenübersäuerungen zu vermeiden. In den Futtermischwagen kommen bei allen Betrieben ca. 5-6 kg Kraftfutter (Getreide,
Soja-Raps-Gemisch,
Melasseprodukt, Biertreber, CCM), am Transponder erhalten die Tiere dann
noch höchstens 6 kg eines passenden Milchleistungsfutters. Sehr gut
bewährt
hinsichtlich
Leistung,
Fruchtbarkeit und Tiergesundheit
hat sich der Propylenglykol-Dosierer (ca. 300-400 g). Fette oder andere kostspielige Sonderfuttermittel
Ein heller, luftiger Stall
trägt maßgeblich zum Kuhkomfort bei.
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Das Grundfutter sollte schmackhaft sein, um eine hohe Grundfutterleistung zu gewährleisten.
Beispielration aus einem Betrieb:
24 kg Maissilage, 20 kg Grassilage, (1. Schnitt, 7,0 MJNEL!),
700 g Stroh, 5 kg Biertreber, 2,2 kg 40/4, 2 kg Getreideschrot,
0,7 kg Körnermais, 0,3 kg Melasse, 150 g Mineralfutter,
50 g Viehsalz, Heu zur freien Aufnahme, TS-Aufnahme: 22 kg
Transponder:
max. 5 kg, Jungkühe max. 3 kg
(bei hoher Grundfutteraufnahme 3,5 kg)
Schrotmischung: 20 % Weizen, 17 % Gerste, 20 % Melasseschnitzel,
20 % Körnermais, 20 % 40/4, 3 % Mineralfutter
sind über den Futtermischwagen zu
teuer. Die haben ihre Berechtigung
höchstens in einer Boostermischung am Transponder bei höheren Leistungen. Alle befragten Betriebe haben Kraftfutterstationen,
um gezielter Leistungen auszufüttern sowie Überversorgungen zu
vermeiden. Man sollte sich angewöhnen, den Transponder bei jeder
neuen Lieferung von MLF oder
Schrot zu kalibrieren. Sehr empfehlenswert sind Tore, die sich an der
Station schließen, damit vor allem
rangniedrige Kühe in aller Ruhe ihr
zugeteiltes MLF abholen können.
Die angestrebten Harnstoffwerte
liegen für die Betriebsleiter bei 2025 mg.
Verändert wird eine Ration nur,
wenn sich das Grundfutter verändert. Und dann wird es verschnitten, d.h. Grassilage, die zur Neige
geht, wird in den letzten zwei Wochen bereits mit dem neuen Schnitt
vermischt, damit sich der Pansen
nicht zu prompt umstellen muss.
Abrupte Futterumstellungen sind
tabu, zudem sollte das MLF nie
ausgehen. Wichtig ist, dass die Tiere jeden Tag zur gleichen Zeit die
gleiche Menge Futter bekommen.
Dies gilt auch für das frühere Stadium: Der Grundstein für ein hohes
Futteraufnahmevermögen einer
Kuh wird bereits beim Kalb bzw.
beim Jungvieh gelegt! Auf die Frage, wie oft tagsüber (also die Stallzeiten ausgenommen) Futter am
Trog hingeschoben wird, kam von
den Betriebsleitern die Antwort zwischen 5 und 9 (!) Mal. Oft wird auch
mittags zum Anlocken der Kühe etwas Kraftfutter oder Heu über die
Ration gestreut, um die Kühe zur
Futteraufnahme zu animieren. Damit wird nicht nur das Ziel erreicht,
dass die Kühe möglichst viel
Grundfutter aufnehmen, sondern
zudem können beispielsweise rin-
dernde oder kranke Tiere schneller
erkannt werden. Auswertungen zeigen, dass die Dauer der Brunst bei
Kühen immer mehr abnimmt. Und
der Profi erkennt Probleme an den
Kühen, bevor sie überhaupt da
sind.
Besamt wird bei allen befragten Betrieben eher früher, wenn die Kuh
gut rindert, bereits 6 Wochen nach
der Geburt. Alle befragten Betriebe
weisen trotz der hohen Leistung einen hohen Besamungsindex (1,4
bis 2,0) und eine gute Non-ReturnRate auf, die Zwischenkalbezeiten
sprechen auch für sich: 370 bis 385
Tage. Auch dieser Faktor Fruchtbarkeit trägt insofern zur Leistung bei,
dass bei durchschnittlich weniger
Laktationstagen in der Herde die
Milchleistung generell höher ist.
Die Klauen tragen die Milch! Nur eine Kuh, die gut laufen kann, hat
auch eine gute Futteraufnahme.
Mindestens zweimal jährlich werden die Klauen geschnitten, auch
beim älteren Jungvieh. Beim Jungvieh wäre 2-3 Monate vor der ersten Abkalbung der ideale Zeitpunkt.
Wird die Arbeit von einem Klauenpfleger erledigt, sollte man ab dem
Zeitpunkt der sicheren Trächtigkeit
mit dem Ausschneiden beginnen
(Erstkalbealter bei allen zwischen
26 und 27 Monaten), sonst machen
die Jungkühe zu Beginn der Laktation oft schon Probleme. Kühe, die
zu lahmen beginnen, werden noch
am selben Tag behandelt.
Die Kuh bringt ihre Höchstleistung,
wenn sie sich wohl fühlt, denn
Stress ist Gift. Der ruhige Umgang
mit den Tieren spielt eine sehr große Rolle, ebenso der Kuhkomfort.
Licht, Luft (im Sommer ist der Ventilator in jedem auch noch so guten
Stall ein Muss), täglich (!) gereinigte Wassertränken und sehr gut gepflegte, weiche, trockene Liegeboxen (Ziel: 14 Stunden Liegezeit pro
Tag) sind Voraussetzungen für Spitzenleistungen.
Wasser ist das billigste Futtermittel!
Eine zu niedrige Aufnahme von
Wasser hat einen Rückgang der
Futteraufnahme zur Folge. Die 8-10
cm Troglänge pro Kuh sind ebenso
ein Muss wie die tägliche Reinigung der Wassertränke mit einer
Bürste.
Alle Betriebe füttern Heu (1. Schnitt,
älter) für eine ausreichende Strukturwirkung und zur freien Aufnahme, dann holt sich jede Kuh, was
sie braucht. Zum Strukturausgleich
im Futtermischwagen ist 3 - 4 cm
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Der Vorschub bei der Silage spielt eine wichtige Rolle für deren Qualität.
langes Stroh (0,5-1 kg) dem Heu
vorzuziehen.
Das A und O bei der Fütterung ist
das Grundfutter. Schlechtes Grundfutter lässt sich nicht durch Kraftfutter ersetzen. Ziel ist immer eine
möglichst hohe Grundfutterleistung. Die wird durch zwei Faktoren
erreicht: erstens durch hervorragendes Grundfutter und zweitens
durch konsequentes Kraftfuttermanagement. Die Kuh darf ab Mitte
der Laktation nicht energetisch
überversorgt werden, sonst droht
eine Verfettung. Das Einschmelzen
von Fett nach der Geburt bzw. eine
Fettleber können vermehrt Klauenprobleme, Nachgeburtsverhalten,
Milchfieber, Fruchtbarkeitsstörungen und Probleme bei der Eutergesundheit nach sich ziehen. Ein Spitzenbetrieb kauft übrigens kein „billiges“ Milchleistungsfutter, nur weil
1-2 z pro dt gespart sind. MLF mit
der Energiestufe 2 oder 3 beinhalten oft minderwertige Komponenten, besser nur Energiestufe 4 verwenden. Und bei diesen momentan
hohen Preisen ist ein Blick auf die
Zusammensetzung sehr zu empfehlen, da oft minderwertige Komponenten zum Einsatz kommen. Von
nichts kommt nichts. Das gilt insbesondere auch für das Mineralfutter.
sein und darf niemals am Trog
warm werden. Im Sommer braucht
es dazu manchmal einen Stabilisator in den Futtermischwagen, wobei
hinsichtlich Futtererwärmung Vorschub (Sommer 2 m, Winter 1 m),
die Verdichtung und das richtige Abdecken der Silagen eine sehr große
Rolle spielen.
Bei der Maissilage gibt es große
Unterschiede. Aus Silageversuchen
kristallisieren sich folgende Punkte
für eine schmackhafte und gute
Maissilage heraus: qualitativ hochwertige Sorten mit einer guten Verdaulichkeit und hoher Energiedichte. Zu späte Aussaat ist weniger
schlimm (macht erst Sinn ab 8 Grad
Bodentemperatur) als eine zu frühe
Ernte (Ziel TS-Gehalt 30-35%). Oft
wird zu dicht gesät, optimale Aussaatdichte sind 8-9 Pflanzen pro qm.
Die Grassilage soll eine hohe
Energiedichte aufweisen, sowie
schmackhaft sein. Wenn der Wetterbericht es zulässt, dann nicht sofort nach dem Regen mähen, sondern möglichst noch 1-2 Tage abtrocknen lassen, da die Sonne
Zucker und Beta-Carotin in die
Grassilage bringt (wenn vom Silierablauf her möglich, dann erst
nachmittags mähen). Auf vielen
Betrieben ist zu viel Schmutz in der
Silage. Deshalb bitte unbedingt
darauf achten, dass die Schnitthöhe 7-8 cm beträgt. Mähwerk und
Schwader richtig (narbenschonend)
einstellen! Alle Betriebe haben gemeinsam, dass sie beständig an
der Grünlandverbesserung arbeiten. Nachsaaten bzw. Neuansaaten
mit hochwertigen standortangepassten Gräsermischungen sind ein
Muss, um Spitzengrassilagen mit
hohen Energiedichten zu erzeugen.
Wenn man diese Zeilen liest, werden sie einem möglicherweise trivial vorkommen, da diese Dinge
selbstverständlich erscheinen. Die
Praxis auf vielen Betrieben sieht jedoch oft anders aus. Die Absicht
dieses Artikels liegt darin, zu demonstrieren, dass der Erfolg dieser
Spitzenbetriebe nicht auf irgendwelchen Wundermitteln oder wöchentlich gerechneten Rationen basiert, sondern es die Grundlagen
sind, die absolut konsequent eingehalten werden. Das gute Management der Betriebsleiter ist das Geheimnis des Erfolgs.
Bitte kein „billiges“ Mineralfutter
füttern oder hohe Mengen an kohlensaurem Kalk. Was dabei gespart
wird, zahlt man oft teuer durch
Fruchtbarkeitsstörungen oder sonstige Mangelerscheinungen wie
Wachstumsstörungen, Urinsaufen,
Zungenschlagen usw. drauf. Auch
trockenstehende Kühe sowie das
Jungvieh brauchen ein geeignetes
Mineralfutter!
Der wichtigste Aspekt bei der Fütterung liegt eindeutig beim Grundfut- Hier die Direktsaatmaschine Väderstad Rapid. Um Spitzengrassilagen zu erzeugen, muß die
ter. Es muss hygienisch einwandfrei Grünlandnarbe gepflegt werden und bei Bedarf nach- oder neu angesät werden.
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