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ICH KAUF' MIR WAS! - SCA Forest Products AB

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customer
GRAPHIC PAPER
Magazine
3/2003
ICH KAUF’
MIR WAS!
Revival für die
Modezeichnung
Wallpaper-Relaunch
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
1
Inhalt 3/2003
Peace,
Love and
Paper
4 Neuer alter Trend
Modezeichnungen geben Zeitschriften einen Touch von
Exklusivität. Das ist ein guter Grund, warum Illustrationen eine
internationale Renaissance erleben. Und schwedische Zeichner
stehen hoch im Kurs
7 Für Kenner: Elchkäse
In der Nähe von Umeå liegt Schwedens erste Elchfarm. Hier
entsteht der wahrscheinlich teuerste Blauschimmelkäse der Welt
mit einem Kilopreis von rund 350 Euro
8 Löcher im schweizer Pressemarkt
Die Schweizer lesen gerne Zeitung. Aber seit etwa zwei
Jahrzehnten vollzieht sich eine stetige Machtkonzentration, hin
zu monopolgleichen Positionen
11 Gute Nachrichten
Seit zehn Jahren berichtet die schwedische Zeitung Goda Nyheter
ausschließlich Erfreuliches. Herausgeber Erkki Persson will ein Gegengewicht zur Katastrophenberichterstattung anderer Medien sein
NIE ZUVOR IN moderner Zeit haben
4 Modeillustrationen
liegen voll im Trend.
Trotzdem können nur
wenige Zeichner einzig
und allein davon leben
12 Schnäppchen als Lebensphilosophie
Shopping ist stubenrein geworden. Wissenschaftler interessieren
sich schon lange für das Verhalten von Verbrauchern, und nun
haben die Verlage den Trend erkannt. Lucky Magazine erschien
2001 in den USA, im vergangenen Winter folgte Ruby in Schweden
und im Frühjahr Shopping in Frankreich
Mats Pettersson entschied sich, seinen Job in der Papierfabrik
Ortviken gegen die Steuerknüppel einer Walderntemaschine
zu tauschen. Er landete in einer Welt modernsten High-Techs
20 Handlich und weit gereist
22 Tapetenwechsel bei Wallpaper
Nach knapp sieben Jahren hat Wallpaper ein neues Gewand
bekommen. Laut Chefredakteur Jeremy Langmead soll das
Magazin zeitlos, sexy und extravagant sein. Genau wie früher also,
nur ganz anders
bieten Bögen an, um kleine Mitteillungen, Einladungen oder Dankeskarten zu schreiben, aber auch für
die Schönschriftkunst Kalligrafie.
„Die Einrichtungstrends spiegeln
die Trends beim Papier wider“, sagt
Ulrica Meyer, Filialleiterin einer
exklusiven schwedischen Papierboutique. Schlicht und strikt ist
18 Pettersson und seine Maschine
The International Herald Tribune ist die globale Zeitung für
Kosmopoliten aller Welt. Sie ist kompakt genug, um während dem
Warten auf einen Flug gelesen zu werden, und enthält dennoch
ein umfassendes Themenspektrum
sich Menschen so sehr für feines
Papier interessiert. Besondere Läden
12 Neue Freundinnen
für Einkaufstaschen:
Dem Konsumfreak
helfen nunmehr Hochglanzmagazine durch
den Warendschungel
das Papier, das die meisten Kunden
kaufen, vielleicht ein Zeichen unserer derzeitigen wirtschaftlichen
Zeit. Wer das kleine effektvolle
Extra sucht, wählt ein dünnes,
blankes Papier mit Perlmutglanz.
Eine Trendwende ist jedoch in
Sicht. Auf der Paper World-Messe
in Frankfurt war zu hören, dass
Retro- und Flower Power-Muster der
Siebzigerjahre im Kommen sind.
Ob man dafür dankbar sein soll,
SCA CUSTOMER MAGAZINE, GRAPHIC PAPER Das internationale Magazin für die
Medienbranche und grafische Industrie. Herausgegeben von SCA Forest Products
AB, Box 846, SE-851 23 Sundsvall.
oder nur Verständnis zeigen, ist
eine andere Frage.
CHEFREDAKTEURIN: Anne-Sofie Cadeskog
HERAUSGEBER (nach schwedischem Recht für den Inhalt verantwortlich): Peter Nyquist
PROJEKTLEITUNG: Luise Steinberger, Elisabet Tapio Neuwirth
E-mail: luise.steinberger@chello.se/red.media@comhem.com
GRAFISCHES DESIGN: Bo Mellerstedt
REPRO UND DRUCK: Accidenstryckeriet, Sundsvall
TITELFOTO: Olle Melkerhed
Das Material in dieser Zeitschrift ist von der Redaktion bestellt, durchgesehen und
abgenommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Redaktion oder SCA die Meinungen
der Autoren in jedem Fall teilen.
Möchten Sie ein eigenes Gratisexemplar von SCA Customer Magazine, oder möchten
Sie diese Zeitschrift für einen Kollegen bestellen? Schicken oder faxen Sie Ihren Namen,
Ihre Adresse und eventuell den Namen Ihres Unternehmens an SCA Forest Products AB,
Margaretha Wallström, SE-851 23 Sundsvall, Schweden. Telefon: +46-60-19 34 95. Telefax:
+46-60-19 31 34. E-Mail: margaretha.wallstrom@sca.com
SCA FOREST PRODUCTS produziert Druckpapier für Zeitungen,
Zeitschriften und Kataloge sowie Zellstoff, Schnittholzwaren
und Biobrennstoffe aus der Forstwirtschaft. SCA Forest
Products verwaltet auch den großen Waldbesitz der
SCA, versorgt die schwedischen Industriebetriebe
des Konzerns mit Holzrohstoffen und bietet den
Geschäftseinheiten der SCA wirtschaftliche
Transportlösungen an.
Der Umsatz des Unternehmens beläuft sich auf
1,3 Milliarden Euro, die Mitarbeiterzahl auf 4 000.
Die Forstwirtschaft der SCA ist gemäß FSC
(Forest Stewardship Council) zertifiziert.
2
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
18
Mats Pettersson
hat einen zentralen
Beruf in der Papierbranche: Er fällt die
Bäume, die zu Zellstoff
verarbeitet werden
Neuer Mitarbeiter
in Österreich
SEIT ANFANG September
verstärkt Dieter Mayr das
Kundendienst-Team der
SCA Graphic Laakirchen
AG. Nach seiner Ausbildung zum Offsetdrucker
und einigen Jahren bei
der Firma Körner in Sindelfingen absolvierte er die
Johannes–Gutenberg–
Schule (Drucktechnik).
Die letzten acht Jahre
arbeitete Dieter Mayr im
DIETER MAYR
Technischen Service der
PVV Deutschland GmbH
(Papiervertrieb). Er wird seine fundierten
Kenntnisse vor allem in Süd- und
Osteuropa einsetzen.
WELTKLASSEFORSCHUNG
EINE INTERNATIONALE unabhängige
Auswertungsgruppe hat die vorbildliche
Zusammenarbeit der schwedischen
Hochschule Mitthögskolan in Sundsvall mit der örtlichen Wirtschaft
gerühmt. FSCN, Fibre Science and
Communication Network, heißt das
forstwirtschaftliche Forschungszentrum
der Hochschule, an dem SCA Graphic
Research eine bedeutende Rolle als
Geldgeber und Kooperationspartner
spielt. Die Studie stellt fest, dass das
FSCN eine starke Forschungsressource darstellt und in kurzer Zeit zu einem
globalen Akteur in Sachen Forschung
zur industriellen Anwendung von Holzfasern geworden ist. Das Auswertungskomitee geht auch für die Zukunft von
weiteren Erfolgen aus. „Wir waren
am Start der forstwirtschaftlichen Forschung der Mitthögskola beteiligt. Das
gibt uns die Möglichkeit, den Schwerpunkt auf Produktentwicklung und
Industrierelevanz zu legen. Es wird
immer wichtiger, die Wünsche der
Kunden nach hochveredelten Produkten zu erfüllen. Diesem Trend müssen
wir folgen,“ sagt Örjan Pettersson,
Geschäftsführer der SCA Graphic
Research und Vorsitzender des Leitungsorgans des FSCN. „Die Forschung konnte bereits in konkrete
Resultate umgesetzt werden. Das ist
der Grund, warum wir dafür Mittel zur
Verfügung stellen.“
Wussten Sie
schon...
...dass der in Schweden
berühmt-berüchtigte Uhu
namens Eloff gestorben ist?
Im Februar 1999 verursachte
der Vogel einen Stromausfall
für 50 000 Haushalte und Schäden in Millionenhöhe in der
SCA-Fabrik im schwedischen
Sundsvall (daher der Name:
Eloff wie Electricity off). Der
Uhu kollidierte mit einer Hochspannungsleitung und verletzte
sich an den Flügeln, die nicht
mehr weiter wuchsen. Vogelexperten glauben daher, dass
er an den Spätfolgen seines
Unfalls gestorben ist. Eloff
wurde zehn Jahre alt.
Filmstars mit Laub und Nadeln
HABEN SIE die Tolkien-Verfilmung Die zwei Türme gesehen?
Nein? Dann tun Sie es – und wundern Sie sich. Die wichtigsten
Helden sind nämlich: Bäume. Als alles am Dunkelsten aussieht,
taucht nämlich das Baum-Geschlecht der Elben auf und rettet
die Welt.
Tausende Stunden hinter Computerschirmen waren nötig, um
die Baumarmee zu erschaffen. Und falls Ihnen der Film gefällt,
empfehlen wir den Roman von J R R Tolkien. Darin spielen die
Bäume eine noch wichtigere Rolle. Im Film musste man die
Handlung nämlich kürzen.
Legolas (Orlando Blom) und Aragorn (Viggo Mortensen) im
Fangornwald
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
3
4
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
Pinseln für den
CATWALK
Nachdem sie einige Jahrzehnte lang völlig out waren, erleben
Modezeichnungen derzeit ein neues Hoch. Dicke Bücher und
Ausstellungen werden über sie gemacht – und immer mehr
Zeitschriften beschäftigen die fleißigen Pinsler
VON Imke Janoschek
ILLUSTRATIONEN Liselotte Watkins, Kristian Russell
1994, NEW YORK. Eine junge Schwedin
nimmt all ihren Mut zusammen und
ruft einen Bekannten mit Kontakten
zum Warenhaus Barneys an, bekannt
für seine vom französischen Modezeichner Jean-Philippe Delhomme kreirten Anzeigenkampagnen. „Ist man jung
und waghalsig, dann traut man sich so
was“, erinnert sich Liselotte Watkins,
heute eine von mehreren erfolgreichen
schwedischen Modezeichnerinnen. Gemessen an der Anzahl seiner Einwohner
hat Schweden erstaunlich viele international anerkannte Zeichner hervorgebracht. Zu Liselotte Watkins Auftraggebern gehören Vogue in Großbritannien,
USA, Japan und Italien, Amica in Italien, Elle in den USA, Großbritannien,
Deutschland, Schweden und Frankreich, Wallpaper sowie Kleidermarken
wie Barneys, Max Mara, Anna Sui und
Marks & Spencer.
Watkins pendelt heute zwischen New
York und Stockholm. „Oft fragen die
Leute: Wie ist dir das eigentlich gelungen? Aber eigentlich geht es nur darum, sich zu trauen“, sagt Liselotte per
Telefon von New York.
INTERPRETIERTE ZEIT
Das ganze 20. Jahrhundert hindurch
mussten Modezeichner ihren Mut zusammennehmen, um sich zu trauen,
diesen künstlerischen Beruf in einer
Branche zu ergreifen, in der die Loyalität der Auftraggeber so schnelllebig ist
wie die Trends. Anfang des vorigen
Jahrhunderts war der Markt groß, größer als heute. So lange Fotografien zu
unscharf waren um Details hervorzuheben, den Fall von Stoffen oder Schnitte,
ruhte die Hauptverantwortung für die
Vermittlung vom Gefühl eines neuen
Looks auf den Modezeichnern. Als eine
der ersten Trendzeitschriften gilt die
1912 erschienene La Gazette du bon
ton. Hier interpretierten die bekanntesten Zeichner ihrer Zeit die damalige
Mode. Der zweite Boom kam nach
dem Ersten Weltkrieg. Mode war wieder
comme il faut und Tageszeitungen, die
über Rocklängen und Silhuettenveränderungen berichteten, beschäftigten
eigene Zeichner. Aber die Modezeichnung wurde seltener und Ende der
1960-erjahre übernahm die Fotografie
gänzlich das Heft. Erst in den 1990erjahren kam die Renaissance.
WALLPAPER ALS TRENDSETTER
Laut Laird Borelli, Historikerin am
New Yorker Institute of Technology
und Autorin des Buches Fashion Illustration Now, bahnte das Warenhaus
Barneys zwischen 1993 und 1996 mit
gezeichneten Anzeigenkampagnen den
Weg, gemeinsam mit dem Lifestylemagazin Wallpaper, das 1996 erschien.
Dass Modemagazine und Tageszeitung
die Zeichnung wieder ent-deckt haben,
hat verschiedene Gründe, sagt Liselotte
Watkins. Einer ist, dass es heute wieder
akzeptabel ist, mit Mode zu arbeiten.
Vor noch zehn Jahren sei dies als oberflächlich und unintelligent abgetan worden. „Ein anderer Grund ist, dass die
Modefotografie an einen Scheideweg
gekommen ist. Heute geht es darum, zu
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
5
schockieren. Aber wenn Modefotografen
Modelle beim Sex mit Schafen zeigen,
ist nicht mehr viel Extremeres übrig. Da
bietet die Zeichnung einen Ausweg. Mit
einer Zeichnung kann man ziemlich weit
gehen, ohne dass es als abstoßend aufgefasst wird. Ich glaube, wir werden künftig noch sehr viel häufiger gewagte, pro-
sichtbar, auch wenn die Zeichnung im
Computer angefertigt wurde.
Wenn es darum geht, die neuesten
Kollektionen zu zeigen, wird die Zeichnung jedoch niemals mit der Fotografie
konkurrieren können. „Ganze Modereportagen darf man heute als Zeichner
nur sehr selten machen. Besonders in
den internationalen Modezeitschriften
fordern die Annonceure mehr oder weniger, dass ihre Waren auch auf den reEIN GEFÜHL VON LUXUS
Ein weiterer Grund, warum Zeitschriften daktionellen Seiten auf Fotos zu sehen
Modeillustrationen kaufen, ist die Tatsa- sind“, sagt Liselotte Watkins. Der Werbeeffekt von Fotos ist einfach größer.
che, dass sie relativ billig sind. „Verglichen mit den Kosten für Fotograf, Stylist,
VIELE AUF ENGEM MARKT
Modelle und andere Ausrüstung ist eine
Als Trendsetter in Sachen ModeillustraIllustration preiswert.“ Zeichnungen
tion nennt Laird Borelli Zeitschriften
geben der Zeitschrift darüber hinaus
wie Numéro, Citizen K, Nylon und die
einen
Hauch
von
Exklusivität.
Jemand
LOTTA AHLVAR, GESCHÄFTSFÜHRERIN,
japanische Vogue. Liselotte Watkins
hat eine Handarbeit gemacht, das ist
SVENSKA MODERÅDET
lobt unter anderem Jalouse und die
britische und italienische Ausgabe der
Vogue. Nur wenige Zeichner leben einzig und allein von Modeillustrationen,
das gilt auch für die erfolgreichen
Schweden. „Der schwedische Markt
ist viel zu klein“, sagt Nina Beckmann,
eine der Gründerinnen von Agent Form,
einer Agentur für Zeichner und Grafiker. „Es besteht durchaus ein gesteigertes Interesse an Modezeichnungen. Es
wird darüber geschrieben, nicht zuletzt
seit das Kulturhaus in Stockholm und
eine Galerie in Paris eine Ausstellung mit
dem Titel Catwalk gezeigt haben. Aber
ich kann nicht sagen, dass die Nachfrage
daraufhin deutlich gestiegen sei.“
„Es wird heute viel über Modezeichnungen geredet“, bestätigt auch Molly
Bartling, die unter anderem für die Tageszeitung Dagens Nyheter arbeitet.
„Als ich die Kunsthochschule besuchte,
war die Vorstellung, Modezeichnungen
Liselotte Watkins, bekannt für ihren anspruchsvollen Stil, liegen ihre gezeichneten Mädchen
am Herzen. „Oft sind Leute aus meiner Umgebung das Vorbild, oder Fotografien“, sagt sie
zu machen noch ziemlich absurd. Heute
„Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass
Modezeichnungen
den Trends folgen“
6
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
vozierende Modezeichnungen sehen, die
immer noch publizierbar sind.“
Die Modefotografie tangiert heute
häufig die Grenzen der Illustration,
meint Watkins. Die Bilder werden im
Computer bearbeitet, Collagen werden
hergestellt, oft werden Zeichnungen
über einen fotografierten Hintergrund
montiert. Die Grenzen verfließen.
liegt die Modezeichnung ganz anders
im Bewusstsein. Und viel mehr Illustrateure arbeiten damit.“
STIL- UND NISCHENFINDUNG
Das A und O eines Modezeichners ist
es, sich mit den gängigen Trends á jour
zu halten. „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Modezeichnungen den
Trends folgen“, sagt Lotta Ahlvar,
Geschäftsführerin von Svenska Moderådet, einer Branchenorganisation
der schwedischen Mode- und Textilindustrie. „In den 1980-erjahren sollten
die Zeichnungen mit Airbrush-Technik
ausgeführt sein. Dann kam Mats Gustafson mit seinen phantastischen Aquarellen. Heute leben eine Reihe Stile nebeneinander. Linien- oder Computergezeichnet. Einige arbeiten etwas roher,
andere mit perfekten Flächen. Es gilt,
eine Nische zu finden.“
Laird Borelli teilt die Zeichner in
drei Kategorien ein. Sensualisten wie
Mats Gustafson, Ruben Alterio und
François Berthoud, die fast impressionistische Bilder malen. Extravagante
Künstler wie Liselotte Watkins und
Jean-Philippe Delhomme. Und Futuristen, die Computeranimationen verwenden, wie Kristian Russel oder Jason
Brooks.
LEBENDE ZEICHNUNGEN
Wie entwickelt ein Zeichner seinen Stil
weiter? Wie folgt man den Trends? Liselotte Watkins meint, das gehe automatisch. „Neulich warf ich einen Blick auf
eine alte Zeichnung aus der WallpaperZeit. Der Stil ist heute weit weg. Man
findet andere Interessen im Leben und
das spiegelt sich auch in den Zeichnungen, die man macht.“
Sie würde ihre hübschen, lächelnden,
gezeichnenten Modemädels jedoch
niemals einem bewussten Trendupgrade
unterziehen. „Nie. Ich mag meine Mädels und lebe mit ihnen. Die Inspiration
kommt oft von Menschen aus meiner
Umgebung oder von Fotos, ich würde
sie niemals erniedrigen, durch Sex mit
Schafen oder so.“
○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○
Quellen:
Fashion Illustration Now, Laird Borelli,
Verlag Thames and Hudson
Catwalk – svensk modeteckning, Illustratörcentrum und Arvinius Förlag, Form Förlag
Königlich
Es ist ein Paradies für Jäger: Im
Haus des Elches (Älgens Hus)
im nordschwedischen Bjurholm erlebt man den König
der Wälder wirklich aus der
Nähe. Zuerst gibt Charlie
Hüfchen, und zur Stärkung
danach gibt es eine Brotzeit
mit Käse aus Elchmilch
VON Mats Wigardt FOTO Bo Fernström
ANFANG DER 1980-erjahre kehrte der
Langläufer Christer Johansson nach
erfolgreicher Karriäre – einschließlich
eines WM-Goldes in der Stafette 1978 –
auf seinen Heimathof nach Bjurholm
zurück. Dort, etwa 60 Kilometer vom
nordschwedischen Umeå entfernt, dachte
er über seine künftigen Einnahmequellen nach. Er überlegte, daß in dieser
naturschönen Gegend eigentlich Tourismus eine echte Alternative sein könnte.
Allein es fehlte die eine Touristenattraktion. Doch da kam er auf eine geniale
Idee. Gemeinsam mit Ehefrau Ulla etablierte Christer Johansson Schwedens erste
Elchfarm. Dort leben heute insgesamt
fünfzehn zahme Waldkönige.
STREICHELN, REITEN – UND MELKEN
Nach Bjurholm kommen jährlich fast
30 000 Besucher, um Charlie und seine
Kumpane zu streicheln und zu fotografieren. Und eventuell sogar auch auf
einem der Vierbeiner zu reiten.
Doch damit nicht genug: Nach mehreren Jahren sind die Elche heute so zahm,
dass sie sich von den Johanssons sogar
melken lassen. Was allerdings viel Ruhe
und Geduld erfordert. Das Melken kann
Kuhmilch hat einen Fettgehalt von
gut zwei Prozent, während Elchmilch
bis zu elf Prozent Fett enthält. Das
verleiht Elchkäse ein mildes, fast butterweiches Aroma. Tief und reif, sagen
Kenner mit feinen Geschmacksnerven
bis zu zwei Stunden dauern, resultiert
dann aber in zwei Liter sehr nährstoffreicher Milch. „Da liegt es ja dann auf der
Hand, Käse daraus zu machen“, fand
Daniel Johansson, Sohn und Universalangestellter des Hauses. Gedacht, getan.
350 EURO PRO KILO
In Russland wird die fette und eiweißreiche Elchmilch schon von alters her als
Medizin verwendet, unter anderem gegen
Magengeschwüre und Krebs. Aber in
Schweden sind die Bjurholmer bislang die
Einzigen, die Elchmilch verarbeiten. Drei
Mal jährlich wird Käse gemacht. Gemeinsam mit Lebensmittelchemikern und Molkereiexperten hat Küchenchef Ari Achrén
drei Sorten cremigen Elchmilchkäse entwickelt: Blauschimmel, Weißschimmel
und Feta. „Drei Elchkühe geben je drei
Monate nach dem Kalben Milch. Das
reicht für 250 bis 300
Kilo Käse pro Jahr“,
sagt Daniel Johansson.
Aber Elchkäse
kostet. Mit einem
Kilopreis um
350 Euro ist er
der vielleicht
teuerste Käse der
Welt. Andererseits
ist das Geschmackserlebnis königlich!
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
7
In kaum einem Land gibt es umgerechnet auf
die Bevölkerung mehr Zeitungen und
Zeitschriften als in der Schweiz. Doch die
Vielfalt ist bedroht. Schuld sind sinkende
Leserzahlen und der Einbruch der
Werbeeinnahmen
Bedrohte
Pressevielfalt
VON Martin Arnold FOTO IBL
DIE SCHWEIZER LESEN gerne Zeitung.
Auf 1000 Einwohner werden 385 Zeitungsexemplare gedruckt. Kein anderes Land der Welt besitzt im Verhältnis
zur Größe eine derartige Zeitungsdichte. 224 Zeitungen und Zeitschriften
sind auf dem Markt. Doch das sind 67
Titel weniger als noch vor sieben Jahren. Seit zwei Jahrzehnten spielt sich
ein Konzentrationsprozess in der Medienlandschaft ab, der für eine Basisdemokratie, wie sie in dem sieben Millionen Einwohner zählenden Land
existiert, bedrohlich ist. Denn viele der
eingegangenen Titel zielten auf ein lokales oder regionales Publikum. Dort
erlangten die überlebenden Konkurrenten monopolähnliche Positionen.
„Der öffentliche Diskurs über Sachthemen vor Abstimmungen ist nicht
mehr garantiert“, erklärt der Berner
Medienwissenschaftler Roger Blum.
FREIE AUSSICHT
Noch vor 20 Jahren kämpften in der
Schweizer Presselandschaft parteinahe
8
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
Blätter um die Gunst der Leser. Inzwischen ist die sozialdemokratisch und
die christlich orientierte Presse praktisch vom Markt verschwunden. Die
übrig gebliebenen regional und national orientierten Medien mutierten zu
so genannten Forumsblättern. Blum
sieht diese Entwicklung gelassen:
„Wenn ein Leser vor 20 Jahren nur
eine Zeitung abonniert hat, war er einseitiger informiert als heute.“
Vor allem für national und international interessierte Leser ist die Medienvielfalt heute größer als je zuvor. Es
gibt insgesamt sieben Sonntagszeitungen; hinzu kommt eine große Anzahl
Wirtschaftszeitungen und Zeitschriften, die wöchentlich erscheinen. Aber
auch deutsche und französische Nachrichtenmagazine und Wochenzeitungen
erzielen in der Schweiz beachtliche
Auflagen.
ZEITUNGSLEKTÜRE IM ZUG
Die Eidgenossen legen weltweit pro
Kopf die meisten Kilometer im Zug
zurück. Und dort lesen viele Pendler
schon am frühen Morgen ihr Leibblatt.
Das sind in Zürich, der größten Stadt
der Schweiz, die renommierte, inhaltlich
und vom Erscheinungsbild her konservative Neue Zürcher Zeitung (NZZ)
oder der Tages-Anzeiger und bei der
Jugend die Gratiszeitung 20 Minuten.
In der französischsprachigen Schweiz
werden Zeitungen wie Le Temps und le
Journal de Genève gelesen; die italienische Schweiz liest Corriere del Ticino
und Giornale del Popolo. Frühstücksfernsehen hat bei den Eidgenossen keine
Chance. Die unkoordinierte Boomphase
der Privatsender vor zehn Jahren endete
mit dem überstürzten Rückzug der
Geldgeber.
Die Medien besitzen eine grosse Bedeutung. Von 100 000 Schweizern arbeiten 129 als Journalisten. In Deutschland
liegt die Quote bei 66, in Frankreich bei
46. Die Ausgaben für Werbung sind die
höchsten in Europa, und davon fließen
über 70 Prozent Zeitungen und Zeitschriften zu. Im europäischen Durchschnitt sind dies nur 55 Prozent.
Solche Zahlen erklären die enorme
Vielfalt der gedruckten Medien zwischen
Bodensee und Genfersee.
Volksabstimmungen auf dem Dorfplatz
sind in einigen Kantonen ein Grundstein der
schweizerischen Demokratie. Um abstimmen
zu können, muss man sich informieren, und
dazu sind lokale und regionale Zeitungen
wichtig
Doch die gegenwärtige Wirtschaftskrise hat in der Schweiz auch die Werbewirtschaft und mit Verspätung Zeitungen und Zeitschriften erfasst.
ANZEIGENSORGEN
Seit März 2001 sinken die Werbeeinnahmen kontinuierlich und sind
mittlerweile schon deutlich unter dem
Niveau von 1997, das ebenfalls als
unerfreuliches Jahr in die Geschichte
der schweizer Werbung eingegangen
ist. Während ihres Engagements im
Privatfernsehen und den Internetauftritten haben viele schweizer Verlage
Geld verloren. Nicht wenige Zeitungen, die sich mit einer Auflage von
100 000 Exemplaren schon zu den
Großen zählen dürfen, besitzen nur
noch eine dünne Kapitaldecke. Der
redaktionelle Teil wird eingeschränkt.
Selbst die NZZ musste Personal entlassen, denn eine Besserung ist nicht in
Sicht. Besonders hart betroffen sind
die lokalen Blätter mit Kleinstauflagen
von unter 10 000 Exemplaren. Das
eidgenössische Parlament berät nun
„Wenn ein Leser vor 20 Jahren nur eine
Zeitung abonniert hatte, war er einseitiger
informiert als heute“
ROGER BLUM, MEDIENFORSCHER
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
9
SPRACHENVIELFALT
Auf einer anderen Ebene kennt man in
der Schweiz allerdings schon eine
Form der Medienförderung. Ohne
Quersubventionen könnte das Tessiner
Fernsehen für seine 300 000 Zuschauer niemals ein Programm ausstrahlen,
das es mit jedem italienischen Sender
aufnehmen kann. Und auch für die
30 000 Rätoromanen gäbe es kaum
ein Programm-Fenster im nationalen
Fernsehen.
Jüngstes Beispiel gezielter Presseförderung: Ohne die Unterstützung von
Bund und Kanton Graubünden für die
rätoromanische Nachrichtenagentur
könnte die in der Kunstsprache Rumantsch Grischun erscheinende Zeitung La Quotidiana kaum überleben.
Blum schlägt vor, dieses Minderheitenförderungs-Konzept auszudehnen.
In keinem Land Europas leben im
Vergleich zur einheimischen Bevölkerung mehr Ausländer. Es sprechen
immer mehr Leute serbokroatisch,
türkisch, albanisch, spanisch oder portugiesisch. „Gut gemachte und gegenüber dem Gastland loyale Zeitungen
oder Zeitschriften könnten die Integration unterstützen.“ Zwar gibt es
Plattformen für die 20 Prozent Ausländer. Aber das sind oft MultikultiRadiostationen mit einer sehr kleinen
Hörerschar. Doch das Erscheinen ausländischer Zeitungen ist vorderhand
Zukunftsmusik. Zuvor werden noch
zahlreiche Titel eingestellt und die
Pressevielfalt, die freilich im europäischen Vergleich besonders auffällig ist,
weiter verkleinert.
10
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○
auf Kommissionsebene, ob diese Zeitungen nicht in irgendeiner Form zusätzlich unterstützt werden könnten.
Wegen ihrer Bedeutung befürwortet
Blum die Idee, doch sei sie schwierig
in die Praxis umzusetzen. „Die Besitzverhältnisse sind oft unklar. Nicht selten sind bereits große Verlage Aktionäre und würden ebenfalls profitieren.“
Nachbarn als Orientierungshilfe
IN DER SCHWEIZ leben 7,2 Millionen
Einwohner, verteilt auf 25 Kantone.
Die Arbeitslosigkeit beträgt drei Prozent, das Volkseinkommen pro Einwohner liegt bei 33 000 Euro. Es gibt
vier offizielle Landssprachen, die
auch verfassungsrechtlich geschützt
sind. Da sie zugleich Amtssprachen
sind, werden Gesetze, Steuerformulare und andere behördliche Papiere
in diese Sprachen übersetzt. Die Medien haben in den jeweils anderen
Landesteilen relativ wenig Resonanz.
Die Bevölkerung orientiert sich an
den eigenen Publikationen und jenen der entsprechenden Kulturnati-
on: Deutschland für die Deutschschweizer, Frankreich für die Westschweizer und Italien für die Tessiner.
Die gedruckten Produkte erhalten
über eine Porto-Vergünstigung verdeckte, staatliche Unterstützung. Am
Kiosk sind schweizer Zeitungen kaum
teuerer als anderswo in Europa. Sie
finanzieren sich vorwiegend über
Inserate und dieses Geschäft lief über
lange Jahre hinweg beachtlich. Wegen
der niedrigen Arbeitslosigkeit mussten Unternehmen jeweils ein Stelleninserat gleich mehrmals schalten,
bis sie den Arbeitsplatz besetzen
konnten.
„Es soll Spaß machen, die Zeitung zu
lesen“, findet die Redaktion
GUT GEGEN
DEN STROM
Guter Journalismus. Da denkt man meist an kritisches
Hinterfragen. In Göteborg interpretiert man den Begriff
etwas anders – und macht eine Zeitung, die nur
Erfreuliches berichtet
VON Catrin Reth FOTO Olle Melkerhed
SEIT ZEHN JAHREN hebt Goda Nyheter
(Gute Nachrichten) die positiven Seiten
des Lebens hervor. Herausgeber Erkki
Persson findet nämlich, dass sich die
meisten Medien zu sehr auf die Berichterstattung negativer Ereignisse konzentrieren. Muss wirklich über jedes Unglück,
jede Katastrophe geschrieben werden?
Müssen die Opfer breit zur Schau gestellt und jeder, der nicht perfekt spurt,
von den Medien zerfleddert werden?
Persson ist sich natürlich der wichtigen
Rolle bewusst, die die Medien als untersuchende Instanz spielen. Aber es bedarf
eines Ausgleichs, findet er: „Es ist belegt,
dass es den Menschen nicht gut bekommt,
wenn sie massiv mit Unglück und Elend
konfrontiert werden. Deshalb ist es eine
Herausforderung, ausschließlich über
gute Nachrichten zu schreiben“, sagt er.
„Schon durch ihre Existenz stellt unsere
Zeitung den breiten Raum in Frage, der
negativen Ereignissen in den anderen
Medien zugestanden wird.“
GÖTEBORG LOKAL
Erkki Persson möchte den Alltag normaler Leute hervorheben. Das umfasst alles, von Unternehmergeist und Erfindungen bis hin zu Projekten für Arme oder
die Verbreitung von guter Laune durch
einen Künstler.
Vor allem aber hat die Zeitung, die
vier Mal jährlich in einer Auflage von
7 700 Exemplaren erscheint, einen deutlichen westschwedischen Charakter.
Schwerpunkte sind lokale Unternehmer,
vor allem aus dem Schiffbau sowie dem
Hafen-, Umwelt- und Technikbereich.
Die Themenwahl ist eine natürliche Folge von Perssons eigener Herkunft als
Ingenieur mit dreißigjähriger Werfterfahrung. „Die Idee entstand, als ich ein
Buch über meine Jahre als Chef der
City-Werft schrieb und die Gelegenheit
wahrnahm, mich über die negative Presse auszulassen, die wir bekommen hatten. Ich fand, man müsste eine Zeitung
mit nur guten Nachrichten herausgeben.
Andere waren gleicher Meinung und wir
machten uns dran“, erzählt Persson.
UNTERNEHMENSABOS
Aus finanziellen Gründen ist die Redaktion minimal, das meiste schreibt Erkki
Persson selbst. Mangel an Themen
herrscht jedoch nicht. Ein Kontaktnetz,
zu einem gewissen Grad bestehend aus
den Abonnenten, unterrichtet die Redaktion über Berichtenswertes. Die meisten
Abonnenten sind Unternehmen, die die
Zeitung für ihre Angestellten halten.
Aber auch etwa 2000 Privatpersonen in
Schweden beziehen Goda Nyheter. Die
Zeitung nennt sich eine Oase in der Medienwüste und hofft darauf, dass der
Erfolg anhält.
Dass Zeitungsinitiator Erkki
Persson so langsam älter wird,
soll das Konzept
nicht gefährden.
„Ich habe begonnen, mich nach
Nachfolgern umzusehen. Aber die
müssen die richtige Grundeinstellung mitbringen.
Das hier ist eine Aufgabe für Menschen
mit einem Geist für diese Zeitung!“
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
11
Manche kaufen, um glücklich zu sein. Andere
zur Identitätsstiftung. Konsum wird
mehr und mehr zum Lebensstil.
Forscher beackern unsere Kaufgewohnheiten aus wissenschaftlichem Blickwinkel. Und Verlage
mit Trendgefühl geben
Magazine zum Thema
heraus
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SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
EIN
INKAUFEN
als HOBBY
Meist haben Frauen Shopping als Hobby.
Männer gehen mit, wenn sie hinterher
zum Fußball gehen können
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
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VON Elisabet Tapio Neuwirth FOTO Olle Melkerhed
SHOPPING IST STUBENREIN geworden.
Ja, Einkaufen ist sogar zur anerkannten
Freizeitbeschäftigung avanciert, wie
Golf spielen oder segeln etwa. Fluggesellschaften organisieren Tagesreisen
in Shoppingmetropolen wie London,
Mailand oder Paris. Läden bieten heute
nicht mehr nur gute Waren, es geht darum, das richtige Erlebnis zu schaffen.
Deswegen macht der Einzelhandel alle
möglichen Kapriolen, um die Kunden
glücklich zu machen. Im gelobten Shopping-Land USA haben sich Geschäfte
sogar in Vergnügungsparks verwandelt.
Verlage mit einem Riecher für die
richtigen Trends geben bereits Zeitschriften für Frauen mit Shopping als
Hobby heraus. Denn es sind nach wie
vor meist Frauen, die ihren Einkaufsinstinkt bejahen und pflegen, auch wenn
jüngere Männer beginnen, Schaufenster
zu beäugen, aus Spaß und als Gesellschaftsspiel.
Eine der ersten Shoppingzeitschriften
auf dem westlichen Markt war das
amerikansiche Lucky Magazine, das
2001 das Licht der Welt erblickte. In
Schweden kam Ruby im vergangenen
Winter auf den Markt, Shopping in
Frankreich folgte im Frühjahr. Die
Inspiration kommt aus Japan, wo so
genannte Magalogs (Magazinkataloge)
schon seit Jahrzehnten gang und gäbe
sind.
TRENDBEWUSSTE LESER
Wie kommt es, dass Verbraucher über
Waren lesen möchten? „Menschen, die
gerne einkaufen, möchten wissen was
Hot und Neu ist“, erklärt Dr. Sue Eccles, Lektorin an der Marketing School
der britischen Lancaster Universität.
„Sie wollen auf dem neuesten Stand
sein und die Lektüre eines Shoppingmagazins bietet Gelegenheit etwas zu lesen,
was sie wirklich interessiert.“ Dr. Eccles
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SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
hebt hervor, dass diese Leser in der Regel nicht oberflächlicher sind als andere, sofern jemand dies glauben sollte:
„Frauen, die normalerweise Frauenzeitschriften lesen, lieben es, sich in gefühlsbetonte Themen zu vertiefen.
Aber das hier gehört ja ebenfalls zu
ihrem Lebensstil“, so Eccles.
Denn Shopping ist ein Lebensstil. Bei
den Einkaufstouren geht es nicht nur
darum, in der erst besten Boutique sein
Geld los zu werden. Nein, für Frauen
ist Einkaufen oft ein Weg, soziale Kontakte zu pflegen, eine Art, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Erst kauft man mit den Freundinnen ein, dann isst man zu Mittag und
bespricht die Schnäppchen. Eine Spezialzeitschrift gibt da Mehrwert. „Viele
Frauen lieben es, Wissen und Information zu verbreiten. Da entstehen interessante Gespräche über einen Caffe
Latte Macchiato. Die Freundin weiß
womöglich zu berichten, welcher Mascara im neuesten Verbrauchertest die
beste Note erhielt.
„Einkaufende Menschen teilen sich
nämlich gerne mit. Das gehört auch
zum Lebensstil, genau wie die aktive
Suche nach dem Neuesten, Besten oder
Chickesten“, sagt Sue Eccles, die zum
Thema Verbraucherverhalten forscht.
ERERBTE EINKAUFSINSTINKTE
Der Mensch als Verbraucher ist für
Wissenschaftler ein sehr interessantes
Thema, zu dem alle erdenkliche Forschung betrieben wird. Meist sind wir
uns der einfachen Psychologie, die
unser Verhalten lenkt, bewusst. Etwa,
warum Süßigkeiten in Augen- und vor
allem Kniehöhe an der Kasse von Supermärkten platziert ist. Wessen wir
uns ziemlich unbewusst sind, ist jedoch
die Tatsache, dass wir eine Tendenz
haben, Dinge „mitzunehmen“, die wir
eigentlich gar nicht brauchen. Jeder
und jede hat sicher einen Blazer, der auf
unerklärliche Weise da im dunklen Teil
des Kleiderschrankes zu hängen gekommen ist.
Es gibt Psychologen, die glauben,
„Jüngere Männer
shoppen auf die
gleiche Weise wie
Frauen. Sie verlassen
sich nicht länger auf
den Geschmack
der Mutter oder
Partnerin“
LUCKY MAGAZINE
Die Mär vom
hässlichen Entlein
NUR WENIGE GLAUBTEN an die Idee
von Lucky Magazine, als das Blatt
vor zwei Jahren in den Zeitschriftenregalen auftauchte. Wegen seines katalogähnlichen Aussehens
und seines Fokus auf Shopping
musste es einigen Spott ausstehen
und kaum jemand glaubte an ein
Überleben. Heute hat sich das Monatsmagazin in ein Objekt der Kritikerbewunderung verwandelt.
Hinter dem Erfolg steht Chefredakteurin Kim Frances. Sie ist Shoppingguru und Medienrevolutionärin genannt worden, aber im Grunde ist sie Journalistin und wollte
eigentlich als solche weiter arbeiten.
Als der Verlag Condé Nast Publishing mit der Frage an sie herantrat, eine neue Modezeitschrift zu
starten, lehnte sie zunächst ab,
auch dies ein pikantes Detail in
der Erfolgsstory.
Mit einer Auflage von 818 000
Exemplaren ist Lucky Magazine als
das „ehrlichste Modemagazin der
Branche“ gepriesen worden.
Gleichzeitig kritisiert für Oberflächlickeit. Kim Frances folgt
einer einfachen Philosofie: „Lucky
besitzt nicht die Ambition, sagen
wir, ein Heilmittel gegen Krebs zu
finden. Was aber nicht bedeutet,
dass uns alles egal ist. Wir machen
einfach etwas anderes.“ Und dieses
Andere ist Shopping.
Im Unterschied zu anderen Frauenzeitschriften gibt es keine Artikel, die sich außerhalb dieses Themenkreises bewegen. Das Magazin
als Werkzeug zum Geld-ausgeben.
Da gibt es „Muss-haben“-Seiten mit
Information über eine Ware und wo
man sie kaufen kann. Schöne Bilder
und leicht zugängliche Texte über
Mode, Schönheit und Einrichtung
sowohl zu Low-Budget- als auch
Luxuspreisen locken die Leserin.
Und Vergleiche. Zum Einkaufsglück
gehört das Finden der richtigen
Ware zum absolut besten Preis.
Supermodelle, mit denen man sich
eventuell vergleichen muss, fehlen,
eine Technikalität die viele Leserinnen hoch schätzen. In den USA
hat das Konzept loyale Anhänger,
auch bei den Anzeigenkunden,
was recht ungewöhnlich ist auf
dem harten amerikanischen Markt.
Etwa 35 Prozent der Druckseiten
sind Anzeigen, weswegen andere
Verlage nun das ehemals hässliche
Entlein kopieren. Condé Nast Publishing plant ein entsprechendes
Magazin für eine männliche
Zielgruppe.
SUE ECCLES, MARKETING-LEKTORIN
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Frauen besitzen einen ererbten Einkaufstrieb, gemäß der Regel, dass
Frauen Sammlerinnen sind und Männer
Jäger. Der britische Forscher David
Lewis hat festgestellt, dass Männer und
Frauen beim Betreten eines Ladens unterschiedlich reagieren. Männer reagieren leicht mit Stress und bekommen
FAKTEN
Dr. Sue Eccles ist Lektorin an der
Marketing School der Lancaster
Universität in Großbritannien. Ihre
Forschung befasst sich mit Verbraucherverhalten, insbesondere
Extremverhalten. Unter anderem
hat sie britische Frauen studiert,
die ihre Kaufimpulse nicht kontrollieren können. „Ich selbst bin
an Shopping nicht besonders
interessiert“, sagt sie.
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
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„Bist Du bald fertig?“ Männer sind
leichter gestresst beim Einkaufen, laut
einer britischen Studie
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hohen Blutdruck, Frauen reagieren
weniger stark. Aber bei den Geschlechtsunterschieden handelt es sich vielleicht
doch vor allem um die persönliche
Einstellung. „Wir sehen in unserer
Forschung eine Veränderung, einen
Generationswechsel“, sagt Sue Eccles.
„Jüngere Männer shoppen auf die gleiche Weise wie Frauen. Sie kaufen Kleider, Accessoires und Kosmetika. Sie
verlassen sich nicht länger auf den Geschmack der Mutter oder Partnerin.“
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Shopping und Urlaub bilden eine
Einheit. Das beliebteste Reiseziel unter
Frauen ist ein Shopping-Weekend in
einer Großstadt. Zu diesem Ergebnis
kommt eine Studie des Marktforschungsinsitutes Feedback Research,
das im Auftrag des norwegischen
SHOPPING
Französin in
Einkaufslaune
VON Jean-Paul Pouron
FRANKREICHS ERSTES Einkaufsmagazin, Shopping, ist eine Art Kreuzung
aus dem Katalog La Redoute und
der Zeitschrift La Gazette Drouot
und dient als ein wahrhaftes Lexikon der neuesten Trends. „Frauen
lieben den Einkaufsbummel und
bislang hat es keine Zeitschrift
gegeben, die diesen Lieblingssport
aufgreift. Shopping deckt einen
Bedarf“, erklärt Chefredakteurin
Maryse Bonnet.
Das Magazin erscheint bei der
Gruner + Jahr-Tochter Prisma Presse, in Sachen Wochenzeitschriften
die Nummer zwei in Frankreich.
Zunächst war Shopping als Beilage
für die Zeitschrift Femme Actuelle
gedacht. Mehr aus Zufall wurde
eine eigene Zeitschrift daraus,
denn aus Steuergründen lohnt sich
für eine Wochenzeitschrift die Herausgabe von mehr als acht Beilagen pro Jahr nicht. Deshalb wurde
Shopping aus dem Konzept herausgelöst. Das Magazin wurde über die
Wochenzeitschriften der Gruppe,
darunter Voici, Gala und Femme,
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
publik gemacht. Es wendet sich an
eine sehr klar abgegrenzte Zielgruppe,
nämlich Frauen zwischen 25 und 40
Jahren. Das Ziel ist es, eine Trendbibel
und ein praktischer Ratgeber zu sein,
ein Spiegel neuer Lebensstile und eine
Ideengrube mit Ratschlägen und Tipps
auf allen Gebieten – von Kosmetik
über Einrichtung bis hin zu Hundefrisuren.
Die Redaktion betont die Vielfalt
von Shopping: „Eine ständige Jagd nach
neuen Talenten, die beste Mode, die
besten Adressen, neue Trends entdecken, verrückte Ideen und kleine Details, sowie der Willen, die eigenen
Geheimtipps zu verraten. Wir begnügen uns nicht mit Schaufenster-Shopping, wir möchten den Leserinnen
helfen, ihre Einkäufe zu planen“, sagt
Maryse Bonnet. „Und auf 132 Seiten
ist es uns gelungen, auf eine selektive
und moderne Art alles zu sammeln,
wofür sich Frauen interessiert: Mode,
Kosmetik, Accessoires, Einrichtung,
Bücher, Reisen, Gesundheit und vieles
mehr. Fast wie ein großes Warenhaus.
Shopping ist ein Werkzeug für verschiedene Trends, ein Führer, eine
lustvolle Schatzkammer.“
Unter der Rubrik „Lifestyle“ kann
man beispielsweise lesen, dass die
„praktische Familie“ nach Stockholm
fährt, eine Stadt, die Kinder wie
Könige behandelt. Die „schicke Familie“ reist nach Mauritius, denn
dort ist die Zeit gleich (!). Die „Trendfamilie“ fährt nach Peking, denn
nächstes Jahr fahren dort alle hin.
Für die zweite Ausgabe (Heft
Nummer eins erschien im Mai und
der Titel erscheint derzeit Quartalsweise in 390 000 Exemplaren) haben
sich die rund 20 Redaktionsmitglieder von den Wünschen der Leser
inspirieren lassen. Leser, die im Übrigen die neue Shoppingbibel sofort
ins Herz geschlossen haben. „Wir
befinden uns noch in einer Reifungsphase. Wir müssen die Rubriken
noch etwas verändern, etwas mehr
über Trends schreiben, die aus den
kommenden Modenschauen resultieren und ein Testpanel zusammenstellen. Wir müssen kurz und
gut noch einige Feineinstellungen
machen. Einmal im Quartal herauszukommen reicht nicht. Um
die Bedürfnisse der Leser besser zu
befriedigen, müsste man alle zwei
Monate erscheinen.“
„Ruby ist mer als ,nur Konsum‘“
RUBY
Einkaufsfreundin
für Schwedinnen
IM SCHWEDISCHEN MAGAZIN Ruby wurde
die Einkaufstasche zum Symbol erhoben, das sich sogar im ersten Buchstaben des Titelschriftzuges wieder findet.
Die Idee für die Zeitschrift entstand
vor drei Jahren, doch die beiden Chefredakteurinnen Jenny Norberg und
Johanna Swedberg waren ihrer Zeit
etwas voraus, denn sie stießen mit
ihrer Idee auf taube Ohren. „Unsere
Gesprächspartner waren Männer über
45, die ja überhaupt nicht zu unserer
Zielgruppe gehören. Sie erkannten
sich nicht wieder und verstanden
nicht, dass sich hier eine neue Nische
auftat, die diese Zeitschrift füllen
könnte“, erzählt Jenny Norberg.
Auf der anderen Seite des Atlantiks
waren andere Verleger auf dieselbe
Idee gekommen. Als das amerikanische Lucky Magazine das Licht der Welt
erblickte, war auch in Schweden die
Zeit reif, und Bonnier Tidskrifter entschloss sich, Ruby mit acht Heften pro
Jahr in dem neu gegründeten Tochterverlag Bonzoo herauszugeben. Das
erste Heft erschien im Februar und
die Auflage beträgt 70 000 Exemplare.
Die Zeitschrift hat überwiegend
Anklang gefunden. „Das liegt wohl
daran, dass Ruby nicht so oberflächlich
ist, wie die Leute dachten. Sie ist mehr
als nur ,mehr Konsum‘“, so Norberg.
„Wir halten, was wir versprechen, das
zeigen auch die Leserreaktionen. Ruby
ist direkt im Ton. Wir behelligen unsere
Leser nicht mit den üblichen Ratschlägen für Ehe und Familienleben“, sagt
Norberg. Statt dessen kann die Shoppingfreundin sich in alle möglichen
Tests vertiefen. Die Tatsache, dass die
Zeitschrift keinerlei Tipps zum Thema
„so ziehst Du Zuhause aus“, oder „das
hilft gegen Beschwerden in den Wechseljahren“ gibt, hat Vorteile: sie wird
alterslos. Denn Zwanzigjährige können ja in Sachen Schuhe denselben
Geschmack haben wie Fünfzigjährige.
Im Unterschied zur amerikanischen „Freundin Lucky“ geht das
schwedische Magazin auch in die Tiefe. Da gibt es Artikel über Productplacement oder über Shopping als
Phänomen. „Wir schreiben über H&M
wie über Gucci. Genau wie in den Motormagazinen, dort möchte man über
Volvo [der Volkswagen der Schweden,
d.Red.] und Rolls Royce lesen“. Auf
diese Weise bleiben Träume am Leben. „Ruby funktioniert auch als
Schaufenster-Shopping. Ich bin sehr
stolz darauf, dass es uns gelungen ist,
ein gutes Gleichgewicht zwischen
teuer und billig zu erreichen. Alle
finden etwas, das ihnen gefällt“,
sagt Chefredakteurin Norberg.
Die Anzeigenkunden haben ebenfalls den Weg gefunden. „In unserer
Zeitschrift sind die Anzeigenkunden
wirklich wichtig. In anderen Zeitschriften werden die Leser manchmal
ungehalten über zu viele Anzeigen.
Unser Publikum ist trendbewusst
und Anzeigen werden als Information
aufgefasst.“ Ruby wird auch von jüngeren Männern gelesen. Kann man
mit dem baldigen Erscheinen eines
Ruben rechnen? „Nja“, sagt Jenny
Norberg, „wir haben keine konkreten Pläne.“
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JENNY NORBERG, CHEFREDAKEURIN RUBY
Reiseveranstalters Prisma durchgeführt
und in der norwegischen Tageszeitung
Verdens Gang publiziert wurde. 1827
Personen nahmen an der Befragung teil,
drei von vier Frauen gaben an, den Besuch von Läden zu lieben. Nur der
Hälfte ist es jedoch gelungen, diese
Passion auf den Partner zu übertragen.
Die Männer gehen mit – unter der Voraussetzung, dass sie am Nachmittag ein
Fußballspiel sehen können. Andere gehen am liebsten Angeln.
Die Theorie von den Sammlerinnen
und den Jägern stimmt also nicht, oder?
„Nein, meiner Ansicht nach nicht“,
sagt Sue Eccles. Es geht da vor allem
um die Wortwahl. Laut Dr. Eccles verbinden wir mit Shopping Frauen, weil
wir bei dem Wort an Kleider, Kosmetika und Schuhe denken. Männer kaufen
Bücher, Musik und Technik. Aber beide
werden von den gleichen Mechanismen
gesteuert. „Frauen kaufen traditionell
visuelle Dinge, Männer intellektuelle.
Aber sowohl Männer als auch Frauen
möchten so viel wie möglich für’s Geld.
Wir ‚jagen‘, das heißt schauen, untersuchen und erwägen in gleichem Maß vor
einer Kaufentscheidung. Nur die Produkte sind unterschiedlich.“
Genau so ist es mit dem Sammlerverhalten, das ebenfalls nicht Geschlechterspezifisch ist. „Ein Mann stellt seine
neuesten Bücher so auf, dass sein Trendgefühl von allen anderen gesehen werden kann. Genau so machen es Frauen,
jedoch vor allem mit Mode und Einrichtungsgegenständen.“
Und genau das haben die Verlage
bemerkt.
ZERTIFIZIERTES ONLINE-SHOPPING
Euro-Label, das europäische Internet-Shopping-Label, hat einen großen
Schritt nach vorn gemacht. Verbraucher können das mehrsprachige
E-Handelsportal nun direkt über die Homepage www.euro-label.com erreichen. Die Seite enthält Links zu ungefähr 200 Netz-Boutiquen. Die Kunden
können zertifizierte Netzhändler, die den Regeln nicht folgen, anzeigen. Um
das Euro-Label zu erhalten, müssen Händler unter anderem zuverlässige
Dienste anbieten, deutliche Vertragsbedingungen haben und gewährleisten, dass die Lieferung hält, was bei der Bestellung versprochen wurde.
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
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MATS u
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SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
S und seine Maschine
Nach zehn Jahren als Forstarbeiter hatte Mats
Pettersson genug. Er wurde Walzendreher im SCAWerk Ortviken in Sundsvall. Aber da blieb immer eine
Sehnsucht nach der Natur, und nach elf Jahren Fabrik
war Mats wieder zurück im Wald – der sich in eine
moderne High-Tech-Welt verwandelt hatte
VON Luise Steinberger FOTO Bo Fernström
HOLZFÄLLERLEBEN, das ist Schwerstar-
beit. Stämme wuchten und kalte Füße.
Aber dieses Bild stimmt ganz und gar
nicht, erzählt Mats Pettersson, der nach
elf Jahren Arbeit in der Papierfabrik
Ortviken in Sundsvall wieder in seinen
früheren Job im Wald zurück kehrte.
„Als Erntemaschinenführer hat man
große Freiheit, arbeitet mit High-TechMaschinen und hat das beste Arbeitsmillieu, das man sich denken kann“,
sagt er enthusiastisch.
Seit seiner früheren Arbeit im Wald
hat sich vieles verändert. Mats Pettersson fährt einen fast nagelneuen Valmet
911. Das große Fahrzeug, das an eine
riesige Spinne erinnert, wurde erst im
vorigen Herbst geliefert und ist ein Wunder
moderner Technik. Das Cockpit führt
die Gedanken zum Raumschiff Enterprise. Der Hauptunterschied zu anderen
Arbeitsmaschinen ist die Tatsache, dass
kein Lenkrad vorhanden ist.
KNÖPFE UND HEBEL
„So eine Erntemaschine, egal welcher
Marke, arbeitet immer mit einem so
genannten Maschinencomputer. Er kontrolliert Öldruck, Motortemperatur und
solche Dinge. Außerdem können fünf
verschiedene Fahrer ihre eigenen Voreinstellungen programmieren, beispielsweise
wie sich der Kran bewegen soll. Wir
Menschen sind ja verschieden und die
Die Erntemaschine, mit der Mats Pettersson
Bäume fällt, ist dank ihres Maschinencomputers ein High-Tech-Gerät a la Raumschiff
Enterprise
Fahrstile ebenso“, erklärt Pettersson.
Sein Arbeitsgerät ist ein ganz normaler
PC-Schirm und zwei Hebel, die jeweils
mit mehreren Touch-Pads versehen sind,
auch Ziehharmonika genannt. „Mit
den Hebeln bewege ich den Kran, rauf,
runter und zur Seite. Das Ernteaggregat,
das die Bäume fällt und schneidet wird
mit kleinen Touch-Pads an der Seite
bedient.“
SELBSTÄNDIGE MASCHINE
Neben der Kontrolle über die Maschine
verfügt der Computer auch über ausgezeichnete Lokalkenntnisse, denn er wird
mit der Preisliste der Forstverwaltung
gefüttert, nach der er selbständig arbeitet. „SCA Skog hat die Daten über seine
Forste, inklusive Preisschätzung, sämtlich computerisiert. Man weiß genau,
welcher Bestand in welcher Gemarkung
steht, ob es sich um feines Fichtenholz
oder Kiefern handelt und so weiter.“
unter anderem zum Entästen. Gleichzeitig liest das Aggregat den Stamm ab
und kann ermitteln, wie wir einen optimalen Preis erzielen. Es gibt mir dann
die Information, dass ich zum Beispiel
hier bei viereinhalb Metern kappen
muss. Die Maschine teilt den Baum
also so auf, dass er möglichst viel Geld
einbringt“, erzählt Mats Pettersson.
Damit der Erntewagen jedoch nicht zu
selbständig wird, muss er die ganze
Zeit einen Automatikknopf drücken.
Lässt er den los, bleibt sofort alles stehen.
JOB FÜR FRAUEN
Ist die Arbeit im Wald nicht furchtbar
anstrengend? „Nein, körperlich gar
nicht“, sagt Mats. „Psychisch vielleicht
ab und zu. Normalerweise fahren wir
drei Stunden am Stück, dann machen
wir eine Stunde Mittag und zwei Stunden eine andere Arbeit, dann fahren
wir wieder drei Stunden bis abends.“
In den zwei Pausenstunden wird unter
anderem markiert, was in der nächsten
Schicht gefällt werden soll. Eine Arbeit,
die früher der Vormann machte. Aber
einen Vormann gibt es heute nicht
mehr. Dass die Erntemaschinenführer
diese Arbeiten selber machen, erfordert
einiges an Wissen über Umwelt- und
Naturschutz. Gleichzeitig ist die Arbeit
abwechslungsreicher geworden.
„Viele haben einfach ein falsches
Bild von der Arbeit im Wald“
Für jede Gemarkung wird eine spezielle
Preisliste ausgearbeitet und in den Wald
übermittelt. Mats oder sein Kollege
füttern den Maschinencomputer damit
und dann geht es los. Das einzige, das
Mats beim Fällen tun muss, ist einzugeben, um welche Holzart es sich handelt.
Alles andere erledigt die Maschine.
„Nehmen wir mal an, ich fälle eine
richtig dicke Fichte. Der Baum wird
dann durch das Aggregat geschoben,
„Die Branche muss für diesen Job
mehr Reklame machen, noch bevor die
Jugendlichen ihre Ausbildung wählen.
Die Arbeit eignet sich auch für Mädchen. Es ist überhaupt kein Problem für
eine Frau, diesen Job zu machen. Ich
glaube, viele haben einfach ein falsches
Bild von der Arbeit im Wald“, sagt
Mats Pettersson und fügt hinzu: „Das
ist schade, denn ich finde, wir haben
den besten Job der Welt“.
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
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Kosmopolitin mit
PONDUS
Sie ist in Beirut ebenso Zuhause wie in Barcelona oder
Buenos Aires. The International Herald Tribune rühmt sich,
die erste und einzige globale Zeitung der Welt zu sein.
Kompakt genug, um während dem Warten auf einen
Flug gelesen zu werden, enthält sie dennoch ein
überraschend breites Themenspektrum
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SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
Die Machtelite der Weld liest die Trib. Zum
Beispiel Hillary Rodham Clinton, wie aus
ihren Memoiren Living History hervorgeht
gereist. Amerikanerin mit starken
Banden nach Frankreich. Sie sucht auf
fünf Kontinenten von den Zeitungsregalen aus Ihren Blick und spielt eine
Nebenrolle in einem französischen
Filmklassiker. Geht es um ein Supermodell vom Catwalk in Paris? Nja, ihr
Alter von 116 Jahren spricht dagegen.
Nein, die Beschreibung gilt The International Herald Tribune, der Tageszeitung, die Reklame für sich macht mit
den Worten: „Die erste richtig globale
Zeitung und die führende Zeitung für
internationale Meinungsbildner und
Schlüsselpersonen in aller Welt.“ Die
Trib, wie sie von ihren Lesern auch
hingebungsvoll genannt wird, wurde
am 4. Oktober 1887 geboren, als der
amerikanische Unternehmer J. Gordon
Bennet Jr. in Paris die erste Ausgabe der
New York Herald’s European edition
druckte. 1928 war The Herald die erste
Zeitung, die per Flugzeug vertrieben
wurde. Aus der französischen Hauptstadt wurde sie als aktuelle Frühstückslektüre nach London geflogen.
1959 kaufte John Hay Whitney,
damals amerikanischer Botschafter in
Großbritannien, The New York Herald
Tribune und deren europäische Ausgabe. Die New York-Ausgabe wurde 1966
aufgegeben, aber die Familie Whitney
behielt die Pariser Zeitung und suchte
sich Kompagnons. Die Washington
Post und die New York Times wurden
Teilhaber und um die globale Perspektive zu betonen wurde der Titel in The
International Herald Tribune geändert.
1967 übernahm The New York Times
Company die Zeitung ganz.
KURZ, BÜNDIG UND VIELSEITIG
„The International Herald Tribune
wird an 25 Orten des Globus gedruckt,
erreicht 264 000 Leser in 185 Ländern
und versucht einem sehr speziellen
Publikum gerecht zu werden“, sagt
Catherine J. Mathis, Informationschefin
bei der New York Times Company.
„Wir schreiben für Leute, die wissen
DICKE BRIEFTASCHEN
Ein zweites Mittel, Anzeigenkunden
zu locken, ist es zu betonen, dass der
typische Leser über überdurchschnittlich
viel Geld verfügt. Die Zeitung lancierte
kürzlich einen Anzeigenplatz ausschließlich für Luxusgüter. Das Konzept baut
auf den Luxusanzeigenplatz Page A3
der New York Times auf, unter dessen
Anzeigenkunden man Namen wie Bur-
berry, Versace und MaxMara findet.
In Sachen Inhaltsmix gelingt es der
Redaktion ein überraschend breites
Spektrum an Themen zu bieten: einen
Kulturteil mit Kunst- und Buchbesprechungen, eine Schach- und BridgeEcke, Comics, Kreuzworträtsel, einen
umfassenden Sportteil und sogar eine
Klatschspalte. Obgleich die Zeitung als
Allgmeinblatt gilt, sind 40 Prozent der
Seiten für Wirtschafts- und Finanzberichterstattung reserviert, mit Statistik,
Wertpapierkursen von 35 Börsen und
den Wechselkursen für 47 Währungen.
Auch eine Leserbriefseite gibt es, mit
NEW YORK TIMES COMPANY
HANDLICH, INTERNATIONAL und weit
müssen, was passiert und welche Konsequenzen zu erwarten sind. Das sind
Menschen, die sich über Kontinente und
zwischen verschiedenen Sektoren und
Industrien bewegen – und die in
verschiedenen Kulturen Zuhause sind.“
Im Unterschied zu einigen anderen
Tageszeitungen, die so dick geworden
sind, dass man glaubt, der Zeitungsträger ist ins Ziegelsteingeschäft umgestiegen, wenn die Zeitung am Morgen
durch den Briefschlitz plumpst, ist die
International Herald Tribune dünner als
die meisten Lokalzeitungen. Ein Kennzeichen, das Leser, die zwischen zwei
Flügen gerade mal eine halbe Stunde
Zeit haben, sicher begrüßen. Catherine
J. Mathis betont: „Die Redaktion ist
sich bewusst, dass ihre Leser einer
massiven Informationsflut ausgesetzt
sind. Wir bieten daher eine sehr gewissenhafte Auswahl an Nachrichten an.
Unsere Redakteure interpretieren
vorsichtig frühe Signale von Quellen in
aller Welt und geben den Lesern eine
ausgewogene Analyse kommender
Trends.“
Diese Quellen umfassen das eigene
Korrespondentennetz sowie die Ressourcen der New York Times. Außerdem
unterhält die International Herald Tribune
redaktionelle Kooperationen mit lokal
ansässigen Unternehmen in sieben
Ländern (Israel, Griechenland, Deutschland, Südkorea, Japan, Libanon und
Spanien), um nationale Seiten mit
einheimischen Inhalten in englischer
Sprache publizieren zu können. Das
macht das Produkt nicht nur ansprechender aus lokalem Blickwinkel, es
fördert auch den Anzeigenverkauf, so
Catherine J. Mathis.
CATHERINE J. MATHIS,
INFORMATIONSCHEFIN,
NEW YORK TIMES
COMPANY
○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○
VON Jonas Rehnberg FOTO Olle Melkerhed
DER TYPISCHE LESER
Die meisten regelmäßigen The International Herald Tribune sind vermögend
und gebildet:
• Durchschnittliches Haushaltseinkommen von gut 140 000 Euro
• Das durchschnittliche Vermögen
liegt bei 1,2 Millionen Euro
• 92 Prozent haben mindestens ein
Universitätsexamen
• 95 Prozent gehören einer Unternehmensleitung an
• 24 Prozent sind europäische
Meinungsbildner
• 86 Prozent arbeiten in multinationalen Firmen
• 51 Prozent beschäftigen einen
persönlichen Anlagenberater
• 41 Prozent sind 2002 sieben oder
mehr Mal ins Ausland geflogen
• 75 Prozent sind Männer, 25 Prozent
Frauen
Quelle:
The International Herald Tribune
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
21
dem Ziel, ein „internationales Forum
für anregende Debatten zu Themen zu
bieten, die Geschäfts- und Regierungsleute interessieren.“ In der Ausgabe vom
6. August ging es beispielsweise um die
Frage, wie die Landwirtschaftssubventionen in den USA, Europa und Japan
sowie deren Handelseinschränkunken
die Bauern in den Entwicklungsländern
treffen. Ob eine solche Debatte als provozierend aufgefasst wird, hängt von der
eigenen Einstellung zum Freihandel ab.
Aber das Thema „verarmte Bauern in
Burkina Faso“ ist ohne Zweifel Lichtjahre entfernt von der Welt, die die
Anzeigen von Eskortdiensten und
Millionen-Dollar-Villen an der französischen Riviera zeichnen. Doch eine
wirklich globale Zeitung muss sich der
Unterschiede zwischen Arm und Reich
annehmen.
○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○
ATEMLOSER FILMSTAR
Offenbar empfinden genügend Leser,
dass ein Bedarf an einer Zeitung wie der
International Herald Tribune besteht.
„Sie berührt das Geschehen auf der
ganzen Welt“, sagt Naphtalia, Lehrerin
aus Anaheim in Kalifornien, die immer
wieder als Englischlehrerin auf der
anderen Atlantikseite arbeitet. „Manchmal ist der Aufmacher aus Afrika, und
das kommt in amerikanischen Medien
sehr selten vor. Eine Sichtweise, die
weder Europa noch die USA ins Zentrum setzt, hilft uns, die Welt in einer
neuen Perspektive zu sehen“, kommentiert sie auf der Website Epinions.com.
Und der Status als Filmstar? The
Herald Tribune (ihr damaliger Titel)
ging durch den Jean-Luc Goddard-Film
Außer Atem von 1960 in die Filmgeschichte ein. Jean Seberg spielte eine
junge Amerikanerin, die Zeitungsverhökernd auf dem Champs Elysees herum
spazierte und ab und zu Jean-Paul
Belmondo Küsse aufdrückte.
22
FAKTEN
Druckorte
Frankfurt, Den Haag, London, Paris,
New York, Madrid, Zürich, Bologna,
Athen, Doha, Kuwait City, São Paolo,
Tel Aviv, Beirut, Linköping, Bangkok,
Hong Kong, Taipei, Tokio, Osaka, Jakarta,
Singapore, Seoul, Kuala Lumpur
und Manila.
Quelle:
The International Herald Tribune
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
Tapetenwechsel be
el bei Wallpaper
Gehören Sie zu den Leuten, die gerne Geld ausgeben? Sind
Sie nach der neuesten Mode gekleidet, zwischen 25 und 45
und ein begeisterter Jet-Setter? Ja? Dann ist die Chance groß,
dass Sie sich mit Wallpaper Zuhause fühlen. Das hippe Einrichtungsmagazin hat eben einen Relaunch erlebt
VON Greg McIvor FOTO OLLE MELKERHED
Bis vor kurzem waren dann sämtliche
Überraschungselemente verschwunden.“
ALS DER KANADISCHE Kriegsberichterstatter Tyler Brûlé 1996 Wallpaper
lancierte, erreichte er unter den Reichen
und Schönen der Städte – denjenigen,
die es sich leisten können, 5 000 Euro
für Möbel auszugeben und trotzdem
noch das nötige Kleingeld für eine
Handtasche von Prada oder eine
Armbanduhr von Cartier haben –
rasch den Status einer Ikone. Auf
Hochglanzseiten wurden den Lesern
gewagte Fotografie, innovative Reportagen und die neueste Mode geboten.
KEINE BRACHIALVERÄNDERUNGEN
Schon vor einem Jahr machte die
Redaktion einen Versuch, das Layout
zu verbessern. Aber Jeremy Langmead
musste nach etwa einem halben Jahr
feststellen, dass die Veränderung in die
falsche Richtung gegangen war. „Die
neue Typographie war strikt und nicht
besonders ansprechend. Es war schwierig, sich zurechtzufinden. Die Veränderung gelang nicht wie beabsichtigt“,
sagt er.
Der Mangel an redaktioneller Überzeugungskraft zeichnete sich rasch in
der Auflage ab. Das Magazin, das
sowieso nie Gewinn eingefahren hatte,
blutete weiter. Die Auflage fiel von
130 000 zum Zeitpunkt des Ausscheidens von Tyler Brûlé auf heute 111 000
Exemplare.
Die sinkenden Zahlen beunruhigten
die Eigentümer, die britische AOLTochter IPC Media. Um sie aufzuhalten,
stellte man im vorigen Jahr Jeremy
Langmead an, bisher Moderedakteur
bei der Sunday Times.
SCHÖN ALLEIN GENÜGT NICHT
Im zarten Alter von sechs Jahren und
neun Monaten wurde Wallpaper nun
einem Relaunch unterzogen. Dessen
Absicht ist, laut Chefredakteur Jeremy
Langmead, ein „modernes, zeitloses,
elegantes, sexy, ausgesuchtes und leicht
zugängliches“ Aussehen. Aber Moment mal – ist das nicht schon immer
das Konzept von Wallpaper gewesen?
Langmead räumt ein, dass sich das
Magazin in den letzten zwei Jahren
etwas auf dem absteigenden Ast befunden hat. Sicheren Quellen in der
britischen Medienindustrie zufolge
entstand gegen Ende von Tyler Brûlés
Amtszeit als Chef vom Dienst ein
Vakuum. Der Kanadier verließ Wallpaper Ende Mai 2002, nachdem er
sein Werk einige Jahre zuvor an den
Mediengiganten AOL Time Warner
verkauft hatte. „Wallpaper war voraussagbar geworden“, erklärte Jeremy
Langmead die Veränderungen im New
Observer. „Als die Zeitschrift auf dem
Markt erschien, sah und hörte man sie.
KLARER, ABER WEITER PROVOKATIV
Das Ergebnis der neuerlichen Veränderungsarbeit hatte im Juniheft 2003
Premiäre. Es umfasst eine neue Typographie (zwei Typen – Big Caston Italic
und Amplitude – wurden exklusiv für
Wallpaper geschaffen), neue Mitarbeiter und Beratung und Tipps zu geschlechtsneutraler Schönheit durch
einen externen Redakteur. Die Seiten
geben nun einen klareren, luftigeren
und stromlinienförmigeren Eindruck.
Der Inhalt hat neue Elemente und
Rubriken bekommen, darunter eine
Immobiliensektion.
Am meisten fällt jedoch die gewagte
– manche würden sagen: provokative –
Fotografie ins Auge. Das Juniheft
enthielt eine schillernde große Reisereportage mit Bildern unter anderem aus
Berlin, New York, Prag, Moskau und
Miami gezeichnet Helmut Newton.
Ein Gegengewicht gegen Newtons
schwermütige Bilder bildete eine Serie
„Sexmöbel“ von Larry Sultan, der sich
durch Schilderungen von Pornofilmaufnahmen in Los Angeles einen
Namen gemacht hat.
Kunst spielt eine größere Rolle in der
neuen Wallpaper und umfasst eine Art
Pin-Up!-Seite mit einem Druck in
limitierter Auflage. Das Kunstwerk
wird jeweils von einem ausgewählten
Künstler exklusiv geschaffen und auf
spezielles laminiertes Papier gedruckt,
damit der Leser es heraustrennen und
aufhängen kann. Junikünstler war der
30-jährige Amerikaner Charlie White.
MEHR FÜR ANSPRUCHSVOLLE
Von Anfang an schon hat Wallpaper
gebildete Kosmopoliten erreichen
wollen, die auf hohen, möglichst
kreativen Posten sitzen. Marktstudien
zufolge verfügt der durchschnittliche
Wallpaper-Leser über ein Jahreseinkommen von etwa 100 000 Euro und
ist überwiegend ein Er – die Relation
Männer-Frauen ist 60:40.
Hat das Re-Design zum Ziel gehabt, die
Leserbasis zu verbreitern? Verlagschef
Richard Johnstone antwortet weder ja
noch nein auf diese Frage: „Das ReDesign soll keine Veränderung in
Konzept oder Zielgruppe signalisieren.
Es geht eher darum, die hohen
Ansprüche eines sowieso sehr designbewussten Publikums zu befriedigen,
das Wallpaper überall auf der Welt
liest. Das Ziel ist, das Produkt zu
verbessern, ohne das innere Wesen
von Wallpaper zu verlieren.“
Ob das gelingt, werden die kommenden Monate zeigen.
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
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Förster Kenneth Asplund entnimmt eine Bohrprobe, um das Alter
des Baums beurteilen zu können
Richtung Norden,
und dann immer
geradeaus
VON Luise Steinberger FOTO Kerstin Olofsson
WAS UNTERSCHEIDET OKSAJÄRVI im Norden der schwedischen Provinz Norrbotten von Alaska oder Grönland? Der Breitengrad jedenfalls nicht. Es ist die Vegetation: In Oksajärvi wachsen
tag wuchs der Baum gut. Aber in den letzten 20 Jahren ist nicht
Bäume, denn das Klima ist wegen des Golfstroms milder als auf
mehr viel passiert. Diese Kiefer hat ihr Lebensziel erreicht“, erklärt
Grönland oder in Alaska.
Asplund.
Wenn der alte Wald geerntet wird, wird neu aufgeforstet, das ist
In diesem Wald steht SCAs nördlichster Außenposten, zugleich
einer der ältesten Bäume des Bestandes. Eine 28 Zentimeter breite,
gar keine Frage. „Die Pflänzchen werden es schwer haben. Wir
16 Meter hohe und 140 Jahre alte zweispitzige Kiefer.
rechnen damit, dass etwa die Hälfte von ihnen nicht überlebt, aber
Die beiden Spitzen zeugen von einem rauen Klima. Vor langer
Nachpflanzen lohnt sich nicht. SCA betreibt auch hier oben eine
Zeit muss in einem kalten Winter die Kiefer unter einer Schneelast
aktive Forstwirtschaft, aber die richtig umfassenden Maßnahmen
abgebrochen sein. Deswegen hat der Baum zwei Spitzen entwi-
konzentrieren wir auf fruchtbarere Gegenden“, sagt Kenneth Asplund.
wenn er einst als Vertäfelungsholz auf Export nach Japan, oder als
Fußboden nach Norwegen reist. Bis dahin sind es jedoch noch
zehn Jahre, denn mit dem Abholzen wartet man auf die Nachbarn
im Wald. Und die sind etwas jünger, im Durchschnitt 118 Jahre alt,
erklärt Förster Kenneth Asplund: „Die Umlaufzeit beträgt in dieser
Gegend etwa 130 Jahre. Bis man überhaupt zum ersten Mal
lichten kann, muss man 60 Jahre warten und es dauert 20 Jahre,
bis der Bestand Christbaumgröße erreicht hat.“
Eine Bohrprobe, die Asplund dem alten Stamm entnommen
hat, zeigt dünne Jahresringe. „Bis zu seinem hundertsten Geburts-
24
SCA Customer Magazine 3/2003 Graphic Paper
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ckelt. Und gleichzeitig hat er an Wert verloren, was sich zeigen wird,
SCA-Wälder
SCA verwaltet durch seine Einheit SCA Skog 2,6 Millionen
Hektar Wald in Nordschweden, davon zwei Millionen Nutzwald. Etwa ein Drittel des Bestandes sind Kiefern, ein Viertel
Fichten, ein weiteres Viertel Pinus Contorta, zehn Prozent
Laubbäume und zehn Prozent der Fläche sind aus Naturschutzgründen von der Bewirtschaftung ausgenommen. Die gesamte
Forstwirtschaft ist nach FSC (Forest Stewardship Council)
zertifiziert. Der größte Teil, etwa 45 Prozent, ist jünger als 40
Jahre. Etwa 15 Prozent des Bestandes ist älter als 110 Jahre.
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Seele and Geist
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