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05 Arbeitsmöglichkeiten.pdf - Plan B - Bayreuth

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Weisheit
Menschenwürdiges
Arbeiten
ist eine
Arbeit,
bei der ich
auch das verdiene,
was ich
zum Leben
brauche
(Ein Hartz IV –Empfänger)
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
Kapitel 5
ARBEITSMÖGLICHKEITEN
ES LOHNT SICH ZU ARBEITEN
Auf Grund des Freibetrags für Erwerbstätige sind Empfänger
von ALG I oder ALG II immer besser gestellt als ohne Zusatzverdienst. So können Bezieher von ALG II bis zu 300 € (ohne
Kinder) und bis zu 330 € (mit Kinder) monatlich mehr im
„Geldbeutel“ haben.
Beispiel: Bei einem Nettoeinkommen von 400 € sind 160 €
frei, bei einem Nettoeinkommen von 300 € sind 140 € frei.
Die Differenz wird auf ALG I bzw ALG II angerechnet.
Im Folgenden werden verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten
vorgestellt, auch zur besseren Unterscheidung der allgemein
gebräuchlichen Bezeichnungen.
1.
Ein-Euro-Job
Die offizielle Bezeichnung für Ein-EuroJobs lautet: Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung (AGH-MAE)
Es handelt sich um eine sozialversicherungsfreie Beschäftigung bei einem geeigneten Träger. Der
„Ein-Euro-Job“ ist in Deutschland eine zusätzliche und im
öffentlichen Interesse stehende Tätigkeit für Empfänger von
ALG II.
Ziel ist es, Langzeitarbeitslose wieder an den sog. „Ersten
Arbeitsmarkt“ heranzuführen. Die Erreichbarkeit dieses Zieles
ist umstritten. Statistisch gelten „MAE-Kräfte“ nicht als
arbeitslos.
Zusätzlich zu ALG II wird eine „Mehraufwandsentschädigung“
(MAE) gezahlt. Der Mehraufwand wird mit Beträgen zwischen
1 € und 2,50 € pro Stunde entschädigt.
Bei einer AGH-MAE entsteht kein reguläres Arbeitsverhältnis,
selbst dann nicht, wenn die Heranziehung zu den Arbeiten
rechtswidrig war. Die Entschädigung stellt daher kein
Arbeitsentgelt (Arbeitslohn) dar, sondern soll nur Mehrkosten
ausgleichen. Die MAE erhalten ALG II-Empfänger zusätzlich zu
den Leistungen der Grundsicherung. Ein-Euro-Jobs sind also
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
kein Ersatz für bezahlte Arbeit, sondern Einnahmemöglichkeiten, zusätzlich zum ALG II, von mindestens einem Euro je
Arbeitsstunde.
Die AGH-MAE müssen zusätzlich sein, im öffentlichen
Interesse liegen und wettbewerbsneutral. „Zusätzlich“ heißt:
Bestehende Arbeitsplätze dürfen nicht verdrängt werden.
Arbeiten liegen „im öffentlichen Interesse“, wenn ihr Ergebnis
der Allgemeinheit dient und die Arbeiten nicht im erwerbswirtschaftlichen Bereich durchgeführt werden. Die AGH
dürfen nicht auf Gewinnerzielung gerichtet sein.
Arbeiten sind „wettbewerbsneutral“, wenn durch sie eine
Beeinträchtigung der Wirtschaft als Folge der Förderung nicht
zu befürchten ist und Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt weder verdrängt noch in ihrer Entscheidung
verhindert wird.
Ein-Euro-Jobs umfassen mindestens 15 Stunden, in der Regel
20-30 Stunden pro Woche. Die Dauer ist auf 3 bis 12 Monate
befristet; eine Verlängerung ist möglich.
Ein Mindest-Entschädigungsbetrag bzw. eine maximale Entschädigung ist rechtlich nicht geregelt. In der Regel werden,
je nach Schwere der Arbeit, zwischen 1 € und 2,50 € bezahlt.
Die Gesamtentschädigung beträgt monatlich zwischen 80 und
190 €. Sie wird zusätzlich zu den Leistungen der Grundsicherung ohne Anrechnung auf diese gezahlt. Nach verbreiteter
Rechtsprechung, muss nach Abzug aller durch die Wahrnehmung der Arbeitsgelegenheiten entstehenden Kosten ein
gewisser Restbetrag bleiben, um einen finanziellen Anreiz für
die Tätigkeit zu bieten.
Die Entschädigung zählt juristisch nicht als Arbeitslohn,
deshalb besteht kein Anspruch auf Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall.
Eine AGH-MAE wird dem Arbeitslosen meist aufgrund einer
Eingliederungsvereinbarung zwischen ihm und dem Leistungsträger zugewiesen. Es besteht kein Rechtsanspruch auf
einen Zusatzjob. Für Arbeitsgelegenheiten werden in der
Regel Dritte durch den Grundsicherungsträger beauftragt.
Wer eine ihm zugewiesene AGH-MAE ohne wichtigen Grund
ablehnt wird mit einer mindestens 30 % igen Kürzung des ALG
II sanktioniert. (siehe dazu auch: Widerspruchsrecht S.108f).
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
DISKUSSION
Positiv: Es gibt Betroffene, die von Arbeitsgelegenheiten (EinEurojob) profitieren, da sie dadurch zumindest zeitweise
einen geregelten Tagesablauf erhalten und eine – zumindest
einigermaßen – sinnvolle Tätigkeit ausüben.
Kritik: Arbeitssuchende in einem 1-Euro-Job beschreiben sich
häufig selbst als Arbeiter/Menschen 2.Klasse, die sich als ausgebeutet fühlen. Nach eigenen Aussagen verrichten sie häufig
die gleichen Arbeiten wie ein Vollbeschäftigter mit entsprechendem Lohn.
Bei einer Befragung durch IAB und DGB gaben 45 % der
Befragten an, dass sie die gleiche Arbeit ausführen wie ihre
regulär eingestellten Kollegen.
64 % gaben an, dass sich ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt nicht verbessert hätten und 25 % stellten fest, dass
für ihren Ein-Euro-Job eine abgeschlossene Ausbildung
erforderlich gewesen wäre.
Fazit des DGB (und auch der AfA): Ein-Euro-Jobs vernichten
Arbeitsplätze
Der Bundesrechnungshof stellte 2008 fest:
Bei 2/3 der AGH war die Förderungsvoraussetzung nicht
erfüllt; in 8 von 10 Fällen sei die Tätigkeit nicht zusätzlich
gewesen.
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
Öffentliche und private Arbeitgeber können sich aus ihrer
Verantwortung zur Schaffung von regulären Arbeitsplätzen
zurückziehen. Mit Hinweis auf leere Kassen wird eine
gesamtgesellschaftliche Akzeptanz gefördert, notwendige
Arbeiten durch MAE-Kräfte erledigen zu lassen. Durch die EinEuro-Jobber, die nicht in der Arbeitslosenstatistik aufgeführt
werden, wird die Statistik geschönt.
Um nicht auf Dauer in einer Arbeitsgelegenheit zu landen,
fühlen sich reguläre Arbeiter/Angestellte gedrängt, Arbeiten
trotz schlechter Bedingungen anzunehmen.
Ein-Euro-Jobs sind verfassungsrechtlich bedenklich, da
dadurch viele hunderttausend Menschen in einen Zustand
der Rechtlosigkeit oder Rechtsunklarheit versetzt werden.
(kein Arbeitsvertrag, kein Anspruch auf Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall, kein Urlaub, kein Streikrecht, keine tarifliche
Entlohnung etc.)
(Quelle: Wikipedia vom 2.4.2012 „Arbeitsgelegenheit mit
Mehraufwandsentschädigung“ und Bundesagentur für Arbeit, Stand
vom 1.4.2012, „Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs)
2.
Mini-Job
Mini - Job
Minijobs sind geringfügige Beschäftigungen, bei denen die
monatliche Verdienstgrenze bis zu 400 € beträgt.
Geringfügig ist eine Beschäftigung, wenn
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
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ein geringes Arbeitsentgelt gezahlt wird
(geringfügig entlohnte Beschäftigung) oder
sie von kurzer Dauer ist (kurzfristige Beschäftigung),
d.h. wenn die Beschäftigung im Laufe eines
Kalenderjahres auf nicht mehr als 2 Monate oder
insgesamt 50 Arbeitstage begrenzt ist
Man kann mehrere Minijobs ausüben, solange sie zusammengenommen nicht oben erwähnte Geringfügigkeit
überschreiten.
Minijobs sind versicherungsfrei (Arbeitgeber zahlt nur eine
Pauschale)und können auch nicht im Falle der Arbeitslosigkeit
zur Erfüllung der Anwartschaftszeit herangezogen werden.
Es besteht die Möglichkeit auf die Rentenversicherungsfreiheit zu verzichten, dann muss man aber die Differenz von
dem Pauschalbetrag, den der Arbeitgeber zu zahlen hat, zum
vollen Rentenversicherungsbetrag selbst zahlen.
Tipp: Eine Zuzahlung ist interessant, weil man Ansprüche
auf eine Erwerbsunfähigkeitsrente behält und man u.U.
Mindestversicherungszeiten erreichen kann. (siehe dazu auch
unter „Vorteile“ bei Midijob S.75)
Wer arbeitslos oder als arbeitsuchend gemeldet ist, muss
jede Art von Nebenbeschäftigung bei der Agentur für Arbeit
(AfA) bzw. Jobcenter melden. Als Arbeitsloser kann man
einen Minijob ausüben, sofern die Bemühungen um eine
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung dadurch nicht
eingeschränkt werden und die wöchentliche Arbeitszeit unter
15 Stunden liegt. Nebeneinkommen werden grundsätzlich
sowohl bei ALG I als auch bei ALG II angerechnet, dabei
verbleiben dem Beschäftigten allerdings bestimmte,
gesetzlich festgelegte Freibeträge. (siehe S.69)
Laut der Agentur für Arbeit hat der Minijob viele Vorteile:
●
keine Steuern und Abgaben
●
vom Arbeitgeber wird eine Pauschale abgeführt, die
aber niedriger ausfällt als bei regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen
●
Urlaubsanspruch (häufig nicht bekannt)
●
Chance, das eigene Wissen einzubringen, anzuwenden und weiter auszubauen
●
Der Arbeitgeber erlebt einen und seine Arbeitsergebnisse im Arbeitsalltag
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
●
●
Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen, Referenzen
zu sammeln, neue Qualifikationen und Einblicke gewinnen
Einstieg in ein reguläres Arbeitsverhältnis
Die Nachteile:
●
Obwohl der Arbeitgeber eine Pauschale bezahlt, ist
man nicht krankenversichert
●
Keine Pflegeversicherung
●
Keine Rentenversicherung (siehe dazu aber „Tipp“
auf Seite 71)
●
Keine Zurechnung auf die Anwartschaftszeit im Falle
der Arbeitslosigkeit
●
Häufig Entlohnung unter Tarif
●
Verringerung der Rentenansprüche
Weitere Informationen unter: www.minijob-zentrale.de
(Quelle: BfA „Minijobs“, Stand 7.2.2012, www.arbeitsagentur.de und
Bundesagentur für Arbeit Marketing „Minijobs“ Stand November
2009)
3.
Midi-Job
Midi - Job
Bei einem Midi-Job (Gleitzonenfall) handelt es sich um einen
Nebenjob mit einem Verdienst in der sog. Gleitzone zwischen
regelmäßig 400,01 € und 800 € monatlich bzw. 9.600 €
jährlich (incl. Einmalzahlungen wie z.B. Urlaubs- oder
Weihnachtsgeld). Steuer- und abgabefreie Zuverdienste wie
Sachbezüge, Mitarbeiterrabatte, Zuschläge oder Kinderbetreuung werden nicht angerechnet.
Für einen Midi-Job benötigt man eine Lohnsteuerkarte. Der
Grundfreibetrag bei der Einkommenssteuer liegt bei Alleinstehenden bei 8.004 € jährlich.
Die Regelungen gelten nicht für Auszubildende.
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
Vorteile:
● Trotz geringerer Sozialabgaben vollständige Absicherung
über die Sozialversicherungen: Krankenversichert mit
Anspruch auf Krankengeld, Anspruch auf Leistungen der
Arbeitslosenversicherung ALG I, Rentenversichert mit
Ansprüchen z.B. auf Erwerbsminderungsrente, Rehabilitationsmaßnahmen, Riester Förderung, Altersrente. Die
Leistungen fallen allerdings entsprechend niedrig aus.
● Gerade für Selbständige ist der Midi-Job eine gute und
vor allem günstige Möglichkeit sich über einen Nebenjob
sozialversicherungspflichtig abzusichern und z.B. in die
gesetzliche Krankenversicherung zu kommen.
● Der Arbeitnehmer im Midi-Job ist meist besser in den
Arbeitsprozess integriert, wohingegen Beschäftigte im
Mini-Job oft als „Flexibilitätsreserve“ gesehen werden.
Nachteile:
● Das Einkommen muss (im Gegensatz zum Minijob)
versteuert werden
● Vom Arbeitgeber sind Sozialabgaben zu entrichten und
höherer Verwaltungsaufwand ist nötig
(Quelle: nebenjobsinfo, Stand 19.4.2012, www.nebenjobs.info und
Wikipedia „Midi-Jobs“, Stand 31.3.2012)
4.
Leiharbeit - Zeitarbeit
„Arbeitnehmerüberlassung“
ist die offizielle Bezeichnung
für Zeit- bzw. Leiharbeit.
Bei der Zeit/Leiharbeit wird
ein regulärer schriftlicher
Arbeitsvertrag mit dem
Zeitarbeitsunternehmen
geschlossen.
Dieses Unternehmen (das
über eine Erlaubnis zur
Ausführung der Arbeitnehmerüberlassung
verfügen muss) ist nun
offizieller Arbeitgeber (mit allen Rechten und Pflichten)
für den Arbeitnehmer.
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
Das bedeutet: der Arbeitnehmer erhält sein Arbeitsentgelt
von der Zeit/Leiharbeitsfirma, die darüber hinaus alle Arbeitgeberpflichten wie z.B. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und
im Urlaub, und alle Sozialversicherungsbeiträge übernimmt.
Im Arbeitsvertrag mit dem Verleiher kann die Anwendung
eines bestimmten Tarifvertrages vereinbart werden.
Bei Vertragsabschluss muss dem Arbeitsnehmer (Leiharbeiter) das „Merkblatt für Leiharbeitnehmer“ der Bundesagentur
für Arbeit über die wichtigen Regelungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes ausgehändigt werden. (siehe unten)
Der Arbeitgeber (Verleiher) stellt nun die Arbeitskraft ihrer
Arbeitnehmer einem Dritten (Entleiher) zur Verfügung.
Grundlage hierfür bildet ein Überlassungsvertrag zwischen
beiden Firmen. Die Überlassungsdauer kann festgelegt
werden, ist aber nicht mehr grundsätzlich begrenzt.
Beachten:
(Auszüge aus dem „Merkblatt für Leiharbeitnehmer“)
Der Verleiher ist verpflichtet, die wesentlichen Inhalte des
Leiharbeitsverhältnisses schriftlich festzuhalten.
Achten Sie darauf, dass Sie den schriftlichen Nachweis immer
vor Beginn der Beschäftigung erhalten, damit Sie rechtlich
abgesichert sind; besonders wichtig ist dies bei befristeten
Verträgen/Arbeitsverhältnissen.
Grundsätzlich haben Sie Anspruch auf Ersatz von
Aufwendungen (z.B. Fahrt- und Übernachtungskosten) bei
auswärtigem Einsatz. Zum Beispiel sind die Fahrtkosten
zwischen dem Betriebssitz des Verleihers und dem
Betriebssitz des Entleihers zu erstatten.
Der Verleiher darf Ihnen nicht verbieten, nach Beendung
Ihres Leiharbeitsverhältnisses ein Arbeitsverhältnis mit dem
Entleiher einzugehen.
Der Verleiher hat Ihnen das vereinbarte Arbeitsentgelt auch
dann zu zahlen, wenn er Sie nicht bei einem Entleiher
beschäftigen kann.
Sie sind nicht verpflichtet, bei einem Entleiher tätig zu
werden, soweit dieser durch einen Arbeitskampf unmittelbar
betroffen ist.
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
Die Lohnuntergrenze für Leiharbeiter beträgt seit dem
1.11.2012 (zunächst befristet bis 31.10.2013) in Bayern
8,19 € Stundenlohn.
Der Entleiher hat Sie über freie Arbeitsplätze, die in seinem
Unternehmen besetzt werden sollen, zu informieren.
DISKUSSION
Vorteile der Leih-/Zeitarbeit
●
Der Leiharbeiter besitzt die gleichen Rechte wie
jeder Arbeitnehmer
●
Chance, in der eingesetzten Firma (Entleiher) einen
regulären Arbeitsplatz zu erhalten
●
Berufserfahrung sammeln
Nachteile der Leih-/Zeitarbeit
●
Geringerer Lohn gegenüber den „festangestellten“
Arbeitnehmern bei gleicher Arbeit
●
Wechselnde Arbeitsplätze
●
Eingeschränkter Kündigungsschutz
●
Weiterer Abbau von „Planstellen“; in der Praxis
werden Arbeiter entlassen und zu wesentlich
geringerem Lohn als Leiharbeiter wieder eingestellt
(Quelle: BfA „Zeitarbeit“ unter www.arbeitsagentur.de und „Neue
Perspektiven – Zeitarbeit“ ebenfalls von BfA November 2009;
Merkblatt für Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer , Januar
2012)
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
5.
Saisonbeschäftigte
Saisonbeschäftigungen werden vor allem in Betrieben der
Land- und Forstwirtschaft, des Gartenbaus und in der
Gastronomie angeboten. In den Medien wird regelmäßig von
gesuchten Erdbeerpflückern oder Spargelstechern berichtet.
Die Arbeitsagenturen machen für diese Bereiche gerne
Werbung, da Arbeitssuchende dann für eine gewisse Zeit aus
der Statistik herausfallen.
Die Vorteile bei dieser häufig sehr anstrengenden und auf
Akkord ausgerichteten Arbeit liegen aber am ehesten noch in
der Möglichkeit, die Suche nach einer dauerhaften
Beschäftigung zu überbrücken.
Wie viel man hinzuverdienen und wohin man sich wenden
kann, darüber informieren die örtlichen Agenturen und die
Jobcenter.
(Quelle: AfA, „Saisonbeschäftigung“, Stand 20.8.2009)
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
6.
Klein-Selbständige
In besonderen Fällen kann die Situation entstehen, dass man
weder ALG I noch ALG II erhält und deshalb auch nicht versichert ist. In einem solchen Fall bietet sich bzw. zwingt sich
der Schritt in die „Klein“-Selbständigkeit auf. Ein Betroffener
berichtet von seinen Erfahrungen:
Prekäre Selbständigkeit
Wenn und solange man
keine Leistungen von der
Agentur für Arbeit (ALG I)
oder vom Jobcenter(z.B.
ALG II) bezieht, ist man
durch diese Behörden
auch nicht kranken- und
pflegeversichert!
Wenn auch keine Absicherung im Rahmen der Familienversicherung (z.B. über den in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherten Partner) möglich ist, muss man sich
selbst bei einer Krankenkasse versichern!
Viele Arbeitslose rutschen nach dem Auslaufen von ALG I in
ein tiefes finanzielles Loch, besonders dann, wenn sie wegen
zu „hohen Vermögens“ keinen Anspruch auf ALG II haben. Zur
Sicherung ihres Lebensunterhaltes werden sie gezwungen,
Ersparnisse oder geldwertigen Besitz (z.B. Immobilie) heranzuziehen, auch wenn letzteres nicht so ohne weiteres zu Geld
zu machen sein sollte (Anm: obwohl §12 Abs.1 Satz 1 des SGB
2 deutlich sagt, dass nur „alle verwertbaren Vermögensgegenstände zu berücksichtigen“ sind.) Jede Bedarfsgemeinschaft, die positive oder negative (!) Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung hat, ist hiervon betroffen, z.B. auch
wenn man eine Immobilie erbt.
Bei ergebnisloser Arbeitssuche bleibt häufig nur noch als
letzter Weg der „Sprung“ in die Selbständigkeit, in der
Hoffnung, sich damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Dieser Sprung ist für alle - bislang „nur“ als Arbeitnehmer
Tätigen - ein Sprung in das kalte Wasser einer anderen Welt.
Denn: nun muss man sich plötzlich selbst um die Sozialversicherung kümmern, wobei es unzählige Regelungen mit
Ausnahmen und Fallstricken zu beachten gilt. So können die
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
mühsam erarbeiteten Einkünfte schnell wieder dahin
schmelzen.
Beispiel Krankenversicherung: Seit dem 1.1.2009 ist eine
Krankenversicherung für Selbständige Pflicht. Wer sich
freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern will
steht vor einer gewissen Hürde: Der Gesetzgeber und damit
die gesetzlichen Krankenkassen gehen für das Jahr 2012 von
einer Mindesteinnahme eines Selbständigen von 1.968,75
Euro aus, woraus sich als monatlicher Mindestbeitrag für die
Krankenversicherung mit 14,9%, die man als Selbständiger
voll übernehmen muss, 293,34 Euro plus Beitrag für die
Pflegeversicherung von 38,39 Euro zusammen ein Gesamtbeitrag von 331,73 pro Monat an die Krankenkasse ergibt.
(Als Existenzgründer mit Gründungszuschuss von der Agentur
für Arbeit bzw.. Einstieggeld – beides nur unter bestimmten
Voraussetzungen zu erhalten – liegt die unterstellte
Mindesteinnahme 2012 bei 1.312,50 Euro mit entsprechend
geringeren Beiträgen.)
Je nach Art der Selbständigkeit gibt es evtl. noch eine
Rentenversicherungspflicht, die weiter ins Geld geht. Besser
gestellt ist dagegen ein Selbständiger im Bereich Kunst und
Publizistik, wo die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse in
Frage kommt und wo hinsichtlich der Sozialversicherung
vergleichbare Verhältnisse wie im Angestelltenbereich
herrschen.
Die Rechtslage für Selbständige ist so vielfältig und unterliegt
so häufigen Veränderungen, dass in diesem Rahmen nicht auf
weitere – schnell veraltende – Einzelheiten eingegangen
werden kann.
Tipp: Jeder, der sich selbständig machen will oder sich
dazu gedrängt sieht, sollte sich in seinem eigenen Interesse
möglichst umfassend informieren.
Auch Gewerkschaften können überraschenderweise hierfür
Ansprechpartner sein (z.B. www.mediafon.net). Nicht zuletzt
die Informationssuche im Internet ist hier hilfreich, insbesondere, wenn man bereit ist für ausführlichere
Informationen auch Geld auszugeben
(z.B. www. akademie.de).
(Quelle: PLAN B)
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
7.
Ehrenamt
Ursprünglich verstand man unter „Ehrenamt“ ein ehrenvolles
und freiwilliges öffentliches Amt, das nicht auf Entgelt ausgerichtet war. Heute wird „Ehrenamt“ zunehmend gleichbedeutend mit Begriffen wie „Freiwilligenarbeit“ oder
„Bürgerschaftliches Engagement“ verwendet.
Beispiele für Ehrenämter:
●
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●
●
●
Schöffen, Laienrichter, Schiedsleute
gerichtlich bestellte Betreuer, Wahlhelfer
Mitarbeiter/innen in kirchlichen Organisationen und
in Pfarrgemeinden
Betriebs- und Personalräte,
Mitarbeitervertretungen, Gemeinde- oder Stadtrat
Ehrenamtliche Mitarbeiter bei freiwilliger
Feuerwehr, Rettungsdiensten oder Technischem
Hilfswerk
Mitarbeiter in der Sozialarbeit oder in
gemeinnützigen Vereinen
Freiwilliges soziales Jahr
Nach letzten Schätzungen engagieren sich etwa 70 % aller
Deutschen bei ehrenamtlichen Tätigkeiten, Tendenz
abnehmend.
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
Bei der Stellensuche, im Lebenslauf und in Bewerbungsgesprächen war bisher die Ausübung eines Ehrenamts gerne
gesehen, weil es einem Bewerber eine soziale Kompetenz
zusprach. Bei vielen Arbeitgebern ist es inzwischen
unerwünscht, weil es nicht mehr in die moderne Personalpolitik passt: Der Bewerber könnte seine Arbeitszeit und
-kraft vernachlässigen. Deswegen verschweigen viele
Beschäftigte aus Angst um ihren Arbeitsplatz ihre freiwilligen
Tätigkeiten.
Förderung des Ehrenamts
Der Staat fördert ehrenamtliches Engagement in unterschiedlicher Weise. Ehrenamtlich Tätige können Aufwandsentschädigungen erhalten. Oft sind sie pauschaliert und auch
im Rahmen bestimmter Grenzen steuerfrei .
Versicherung
Vielfach versichern Vereine, große Wohlfahrtsorganisationen
und Institutionen die ehrenamtlich Tätigen gegen Unfall- und
Haftpflichtschäden. Der Umfang des Versicherungsschutzes
muss im Einzelfall erfragt werden.
Anerkennung erworbener Erfahrung
Außerhalb des Berufes erworbene Kompetenzen können mit
dem Instrument zur Erfassung von Schlüsselkompetenzen
(IESKO) in die berufliche Eignungsdiagnostik eingebracht
werden. Dieses Instrument kann bei der Berufsberatung
eingesetzt werden, um Arbeitssuchenden ein umfassenderes
Bild ihrer eigenen Fähigkeiten zu vermitteln, oder es kann im
Personalwesen zu Hilfe gezogen werden.
Arbeitslosigkeit und Ehrenamt
In Deutschland wurde mit dem Job-AQTIV-Gesetz in § 119
Abs. 2 SGB III festgelegt, dass Arbeitslose nicht grundsätzlich
vom freiwilligen Engagement ausgeschlossen sind, sofern die
berufliche Eingliederung nicht beeinträchtigt wird und die
Tätigkeit ohne Entgelt erbracht wird. Empfänger von Arbeitslosengeld sind aber verpflichtet, jede mindestens 15-stündige
wöchentliche ehrenamtliche Tätigkeit vor deren Beginn der
Agentur für Arbeit anzuzeigen. Dann gilt man aber nicht mehr
als „arbeitslos“! d.h. man erfüllt nicht mehr die Voraussetzungen für Arbeitslosengeld I oder II.
Erhält ein Bezieher von Grundsicherung eine Aufwandsent-
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Kapitel 5: Arbeitsmöglichkeiten
schädigung für seine ehrenamtliche Tätigkeit, so muss diese
beim Jobcenter angegeben werden.
Aufwandsentschädigungen gehören zum Nebeneinkommen.
Der Betrag für ein Nebeneinkommen, der nicht zur
Minderung der Leistung führt, beläuft sich auf maximal 100 €.
Wenn jemand ein Ehrenamt übernimmt und dort Aufwandsentschädigung erhält, erhöht sich dieser „Freibetrag“ auf
175 €.
Beispiel: Wenn jemand z.B. 25 € für ein Ehrenamt erhält,
dann darf er noch 150 € im Monat (etwa mit Zeitungsaustragen) dazuverdienen.
Kritik am Ehrenamt:
Die Förderung des Ehrenamtes untersteht immer häufiger der
Kritik, dass gerade bei professionellen Unternehmen
(Kommunen, Pflegebereich, Rettungsdienst, u.a.)dadurch
Jobs „kaputt“ gemacht werden und Verantwortung
abgegeben wird an gemeinnützige Einrichtungen oder
engagierte Eigeninitiative.
(Quelle: Wikipedia „Ehrenamt“)
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Ehrenamtliche
brauchen die Würde eines Erzbischofs,
die Selbstlosigkeit eines Missionars,
den Takt eines Botschafters,
die Beharrlichkeit eines Steuerbeamten,
die Erfahrung eines Wirtschaftsprüfers,
die Arbeitskraft eines Kulis,
die Genialität eines Nobelpreisträgers,
den Optimismus eines Schiffbrüchigen,
die Beredsamkeit eines Ministers,
die Findigkeit eines Rechtsanwaltes,
das elastische Gewissen eines Politikers,
die Gesundheit eines Olympiakämpfers,
das Lächeln eines Filmstars
und die dicke Haut eines Nilpferdes.
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