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Langzeit-Arbeitsunfähigkeit und stufenweise - TK

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Langzeit-Arbeitsunfähigkeit und stufenweise Wiedereingliederung:
Was wissen wir über die Folgeeffekte?
Schneider U., Linder R., Verheyen F.
WINEG - Wissenschaftliches Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen
www.wineg.de
Einleitung - Hintergrund
Daten - Methodisches Vorgehen
Die stufenweise Wiedereingliederung (SWE)
ist seit 1989 im SGB V verankert. Bisherige
Untersuchungen zeigen positive Effekte der
Maßnahme zur Reintegration in das Erwerbsleben nach längerer Arbeitsunfähigkeit (AU).
Die Studie analysiert das Folgejahr nach der
vollständigen Rückkehr in die Arbeit. Erstens
wird aus methodischer Sicht ein geeignetes
Matchingverfahren benötigt und zweitens
wird analysiert, ob die Gesundheitsausgaben
nach erfolgreicher Rückkehr zwischen Teilnehmern und Kontrollen vergleichbar sind.
Die Studie basiert auf Daten der Techniker
Krankenkasse. Es wurden AU-Fälle (> 42
Tage) mit Beginn zwischen Oktober 2010
und Januar 2011 eingeschlossen, mit einer
maximalen Verweildauer in der AU von 517
Tagen. Für diese Beobachtungen wird ein
Propensity Score Matching angewendet, um
auf Basis von parallelisierten Gruppen
Arbeitsunfähigkeiten und Gesundheitsausgaben im Folgejahr nach erfolgter Rückkehr zur
Arbeit, aufgeteilt in vier 90-Tages-Intervalle,
zu untersuchen.
Vorgehensweise 1 | Matching
In der vorliegenden Analyse wurde ein 1:1
Matching mittels Caliper- sowie Greedy-Ansätzen verwendet. Diese verschiedenen Matching-Verfahren wurden hinsichtlich Vollständigkeit und Güte verglichen: Bei einem
unvollständigen Matching ist es nicht möglich, für alle Teilnehmer an der SWE eine
Kontrolle zu finden. Die Güte kann durch die
mittlere absolute Differenz zwischen Teilnehmern und Kontrollen in den Propensity
Scores ausgedrückt werden. Im verwendeten
Greedy-Verfahren werden
zuerst diejenigen Teilnehmer und Kontrollen
zusammengeführt, die eine Übereinstimmung in der niedrigsten Nachkommastelle
des Propensity Scores aufweisen. Anschließend wird, falls keine besten Matches mehr
vorliegen, das Verfahren für eine größere
Nachkommastelle wiederholt. Es zeigt sich,
dass der angewendete 4-2-GreedyAlgorithmus hinsichtlich Güte einem 4-1
Matching und dem Caliper-Ansatz überlegen
ist, allerdings nicht hinsichtlich der Vollständigkeit des Matching.
Vorgehensweise 2 | Untersuchte Outcome-Parameter
Method*)
Completeness of
matching
(% of treated
matched)
Quality:
'Goodness of
matching'
(AVG Diff in PS)
99,32
0,000174
Caliper
Greedy 41
98,68
Greedy 42
sickness
episodes
sick leave
sickness
benefits
Outcome
inpatient
0,000160
95,82
Analysis with
respect to
1. initial
diagnosis
2. quarterly
health
expenditure
medical
expenditure
outpatient
0,000064
pharmaceuticals
*) Covariates
in the logit estimation of the PS: sociodemographic factors, medical
information, employer information.
Ergebnisse 1 | Vergleich der Gesundheitsausgaben nach ausgewählten Kategorien
Ergebnisse 2 | Vergleich der Gesamtausgaben
Difference in total expenditure
Difference in expenditure by category
hospital outpatient
(a) with outpatient medical care
hospital inpatient
(b) without outpatient medical care
50
25
50
mean difference in €
0
mean difference in €
-25
-50
-75
pharmaceuticals
outpatient
50
25
0
-25
-50
25
0
1
2
3
4
-25
not significant
-50
significant at
2
10 %
3
5%
4
1%
Note: based on 90-day intervals of the follow-up year;
-75
1
2
not significant
3
4
>10 %
1
time interval
significant at
2
10 %
3
5%
4
1%
Note: based on 90-day intervals of the follow-up year;
Anmerkung:
>10 %
1
time interval
Anmerkungen: Intervallbeginn basierend auf dem Ende der Arbeitsunfähigkeit.
(a)
erweiterte allgemeine Sicht - Relevanz ambulanter Ausgaben betont
(b)
engere Sicht des Kostenträgers - ambulante Ausgaben über Gesamtvergütung an KV
abgegolten
hospital inpatient: stationäre Behandlung; hospital outpatient: ambulante Krankenhausbehandlung
Diskussion
Im betrachteten Zeitraum konnten 26 761
AU-Fälle (> 42 Tage) beobachtet werden, die
erfolgreich in die Arbeit zurückkehrten und in
der Follow-up-Periode (365 Tage) durchgehend versichert waren. Darunter befinden sich
6 724 SWE-Teilnehmer. Häufigste Diagnosen
kamen aus in den ICD-Kapiteln 5 (Psychische
und Verhaltensstörungen), 13 (Krankheiten
des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes) und 19 (Verletzungen, Vergiftungen
und best. andere Folgen äußerer Ursachen).
Schlussfolgerungen
Nach dem Matching verblieben 6 443 Paare.
Die Mittelwerte der Kovariate zeigen keine
statistischen Unterschiede. Auch unter Beachtung der Ausgangsdiagnose zeigen sich
keine auffälligen Differenzen hinsichtlich
weiterer AU-Fälle und Kosten zwischen Teilnehmern und Kontrollen. Zudem finden sich
bei den betrachteten Leistungsausgaben, mit
Ausnahme ambulanter Ausgaben, keine systematischen Abweichungen zwischen Teilnehmern und Kontrollen.
Kontakt | PD Dr. Udo Schneider | dr.udo.schneider@wineg.de
WINEG | Bramfelder Straße 140 | 22305 Hamburg
Die SWE kann als wichtiger Bestandteil eines
betrieblichen Eingliederungsmanagements
(BEM) angesehen werden. Vorhandene Studien belegen den positiven Effekt solcher
Programme ab einer Arbeitsunfähigkeitsdauer
von 120-150 Tagen [Andrén und Andrén
(2008), Högelund et al. (2010), Schneider et
al. (2014)]. In solchen Fällen gelingt es durch
die SWE, Arbeitnehmer schneller die Rückkehr
in die Arbeit zu ermöglichen. Die vorliegende
Studie knüpft daran an und zeigt, dass im
ersten Jahr nach vollständiger Rückkehr keine
systematischen Unterschiede hinsichtlich der
Gesundheitsausgaben zwischen Teilnehmern
und Nicht-Teilnehmern an der SWE bestehen.
Zusammenfassend ergibt sich ein tendenziell
positiver Effekt der Maßnahme aus Sicht
eines Kostenträgers.
Weiterführende Analysen sollten die gesamte
Leistungsinanspruchnahme und die daraus
resultierenden Ausgaben im Follow-up-Zeitraum berücksichtigen.
DKVF 2014
24.-27. Juni 2014 | Düsseldorf
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Gesundheitswesen
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