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Alles, was Recht und Pflicht ist - Beobachter

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LEHRVERTRAG BERUFSWAHL
Alles, was Recht und Pflicht ist
Hast du einen Ausbildungsbetrieb gefunden? Wunderbar. Wenn sich die erste Freude
etwas gelegt hat, solltest du dir auch genau ansehen, welche Rechte und Pflichten du
als Lehrling hast. Damit deine Ausbildung möglichst reibungslos verläuft.
V
or dir liegt der Lehrvertrag. Gratulation: Du hast es geschafft! Nun
musst du ihn nur noch unterzeichnen, und ein neuer, spannender Lebensabschnitt beginnt. Wenn du noch nicht
18 Jahre alt bist, brauchst du auch die
Unterschrift deiner Eltern.
Vertragsdetails: Als Erstes solltest du den
Vertrag aber gründlich durchlesen, denn
er spielt eine wichtige Rolle fürs Gelingen
der Lehre: Er bestimmt, was für deine
Ausbildung gilt, er regelt Details, hilft,
Missverständnisse zu vermeiden und allfällige Konflikte zu lösen. Unbedingt in
den Vertrag gehören:
w die Art und Dauer der Ausbildung,
w die Arbeitszeiten,
w der Lohn,
w die Probezeit,
w der Ferienanspruch (bis zum 20. Altersjahr mindestens fünf Wochen).
Wenn du eine Berufsmaturitätsschule besuchen möchtest, muss auch das mit dem
Betrieb abgesprochen sein und im Vertrag stehen. Einige Ausgabenposten, die
sich auf dein Lehrlingsbudget auswirken
können, sollten ebenfalls schriftlich festgehalten sein:
w Wer übernimmt die Kosten für den
Schulunterricht (Reisespesen, Verpflegung, Schulmaterial)?
w Wer kommt für die Anschaffung von
Werkzeugen oder Berufskleidern auf?
w Wie viel zahlt der Betrieb an die Nichtberufsunfallversicherung oder die Krankentaggeldversicherung?
Lehrlingslohn: Als Entgelt für deine Arbeit
wird dir in erster Linie Know-how und
Fachwissen vermittelt. Deshalb ist deine
Entschädigung um einiges tiefer als der
Lohn einer ungelernten Hilfskraft, die
einfach jobben geht. Doch wie viel verdienen denn Lehrlinge? Die Unterschiede
sind riesig: Im Kanton Zürich zum Beispiel verdient ein Strassenbauer (1150
Franken) im ersten Lehrjahr jeden Monat
900 Franken mehr als eine Polygrafin (250
22
BEOBACHTER KOMPAKT 23/2005
Franken), ein Tierpfleger (320 Franken)
erhält 700 Franken weniger als eine Gastronomiefachassistentin (1020 Franken)!
Im Mittelfeld liegen Berufe wie Pharmaassistentin oder Automonteur (je 600
Franken).
Gesetzliche Vorschriften über die Höhe
des Lehrlingslohns gibt es nicht. Er ist
grundsätzlich Verhandlungssache zwischen dem Lehrbetrieb, dem Lehrling
sowie – bei Unmündigkeit – den Eltern.
Die Berufsverbände geben Richtlinien heraus, die aber nur Empfehlungen sind.
Entscheidend ist, was im Vertrag steht.
Vor der Vertragsunterzeichnung kannst
du dich beim Berufsverband oder beim
kantonalen Amt für Berufsbildung über
den empfohlenen Lehrlingslohn informieren. Der KV Schweiz zum Beispiel
empfiehlt für 2006 folgende Ansätze: 670
Franken im ersten Lehrjahr, 870 Franken
im zweiten und 1410 Franken im dritten
(die Empfehlungen sind für alle KV-Profile gleich).
Ausbildungsgarantie: Der Vertrag muss
schriftlich abgefasst sein und vom kantonalen Amt für Berufsbildung genehmigt
werden. Damit hast du die Garantie, dass
dein Lehrmeister oder deine Lehrmeisterin fähig und berechtigt ist, junge Berufsleute auszubilden, und dass du nach der
bestandenen Lehrabschlussprüfung ein
anerkanntes Diplom vorweisen kannst.
Zusammen mit dem Lehrvertrag erhältst
du das Ausbildungs- und Prüfungsreglement mit dem Lehrplan für den beruflichen Unterricht. Studiere auch diese
Unterlagen genau. Alles klar und wie vereinbart? Ab die Post damit!
Deine Rechte: Mit dem Lehrvertrag erwirbst du das Recht auf eine gute Lehre;
deine Lehrmeisterin oder dein Lehrmeister ist dafür verantwortlich, dass du fachgerecht und verständnisvoll ausgebildet
wirst. Du sollst nicht nur gefordert, sondern auch gefördert werden. Deine Ausbildung soll möglichst gut auf den Unterricht an der Berufsschule abgestimmt
sein. Dazu gehört auch, dass dein Lehr-
meister sich regelmässig Zeit nimmt, um
dir Hinweise zu geben, wo du stehst und
wie du dich verbessern kannst. Damit
die Lehrlingsverantwortlichen diesen Anforderungen gerecht werden, müssen sie
einen Kurs besuchen, bevor sie Lehrlinge
ausbilden dürfen.
Deine Pflichten: Im Gegenzug darf dein
Lehrbetrieb von dir erwarten, dass du
alles unternimmst, um das Lernziel zu
erreichen. Mit der Unterschrift unter den
Lehrvertrag verpflichtest du dich zudem,
die Anweisungen deines Lehrmeisters
oder deiner Lehrmeisterin zu befolgen.
Geschäftsgeheimnisse musst du für dich
behalten. Zugewiesene Arbeiten musst
du sorgfältig und gewissenhaft ausführen. Wenn du aber ständig nur Hilfsoder Routinejobs erledigen sollst (Kaffeeholen, Kinderhüten, Wischen oder Fotokopieren etwa) und deine Ausbildung darunter leidet, kannst du dich wehren.
Dein Lehrvertrag umfasst aber auch
Pflichten gegenüber der Berufsschule:
Du musst den Unterricht von Anfang an
regelmässig besuchen, Hausaufgaben
erledigen und Prüfungen absolvieren und
darfst den Unterricht nicht stören. Weisungen der Lehrer oder der Schulleitung
■
sind zu befolgen.
Auf www.beobachter.ch/kompakt
findest du weitere Informationen
zu Löhnen und zu deiner persönlichen Budgetplanung. Und auf
www.dbk.ch («Wegweiser») viel
Wissenswertes zur Berufslehre.
«Ich hatte das Glück, mein
Hobby zu meinem Beruf
machen zu können. Das
motiviert mich täglich.»
Sabine Stanger, 22, Beruf: Damenschneiderin
Bronzemedaille an der Berufsweltmeisterschaft
in Helsinki
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Bildung
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