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Maria Greß Was prädestiniert sie als Namensgeberin für - Iffezheim

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Maria Greß
Was prädestiniert sie als Namensgeberin für unsere Schule?
1.
Maria Greß war Bürgerin der Gemeinde Iffezheim (1925 - 1939), sie war Iffezheimerin,
der Vater war Iffezheimer.
2.
Sie war Lehrerin an der Iffezheimer Volksschule und Präfektin der Jungfrauenkongregation
der Pfarrgemeinde. (Von einer Lehrerin erwartete man damals einen zölibatären Status.)
3.
Als Lehrerin war sie eine Person des öffentlichen Lebens in der Gemeinde.
4.
Sie war als berufstätige Frau, in der damaligen Gesellschaft eher eine Ausnahmeerscheinung.
5.
Maria Greß zeigte großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Erziehung junger
Menschen.
6.
Sie wagte als Beamtin öffentliche Kritik am NS-Regime, leistete als Frau Widerstand in einer
faschistischen Männerwelt.
7.
Als Katholikin bekannte sie sich öffentlich zu ihren Wertevorstellungen und religiösen
Überzeugungen. Für sie war dies eine bewusste Entscheidung, trotz der bekannten harten
Folgen, der persönlichen Nachteile und Konsequenzen. Sie musste sicher auch mit
Ausgrenzungen innerhalb der Gemeinde rechnen.
8.
Maria Greß übte Widerstand gegen das NS-Regime, ohne in eine politische Widerstandsgruppe eingebunden zu sein. Wie viel Mut gehörte dazu?
9.
Maria Greß war eine Frau mit Zivilcourage, ein Vorbild, auch für unsere heutige Jugend! Wir
brauchen solche Vorbilder für die junge Generation.
10. Wir sollten eine vergessene (und verdrängte) NS-Gegnerin ans Licht holen.
11. Durch Erinnern statt Verdrängen besteht die Chance das Wiederholen von Fehlern zu
verhindern.
12. Der Name „Maria Greß" ist mit dem Leitbild unserer Schule vereinbar.
13. Iffezheim kann stolz auf diese Frau sein und kann dem Namen einer mutigen Frau ein
ehrendes Gedenken und eine späte Würdigung zukommen lassen. Sie ist, im Rahmen ihrer
Möglichkeiten, ein positives Beispiel aus unserer Gemeinde.
Maria Greß
1.
Auszüge aus dem Lebenslauf:
Geboren am 23. Januar 1897 in Straßburg
Eltern: Karl Greß, Polizeiwachtmeister, geb. in Iffezheim, Versetzung nach Straßburg,
Rosina Greß, geb. Breunig aus Grombach, Heirat in Straßburg
1919 verließ die Familie aus politischen Gründen Straßburg und wohnte wieder in
Iffezheim, sie galten als Flüchtlinge aus Elsaß-Lothringen
Besuch der Volksschule in Straßburg
Besuch der Städtischen Höheren Mädchenschule in Straßburg
Ablegung der Reifeprüfung und später der Lehramtsprüfung (1917)
2.
Lehrerlaufbahn
Maria Greß bittet um Aufnahme in den badischen Schuldienst:
Abschrift aus der Personalakte dazu: Verfasst am 06.11.1919 in Iffezheim
Adressat: Ministerium des Innern
Abteilung Unterricht
Karlsruhe
„Die Unterzeichnerin war Lehrerin in Elsaß-Lothringen, ist Flüchtling und bittet das
badische Ministerium, da ihrer beider Eltern badischer Staatsangehörigkeit sind, um
Aufnahme in den badischen Schuldienst."
Maria Greß bekommt 1921 eine Stelle an der Elisabethschule in Mannheim angeboten
Sie lehnt ab, da sie inzwischen eine Privatstellung in Badenweiler angenommen habe und
erst in einem Jahr wieder frei werde.
Auszug aus einer Akte des Ministeriums des Kultus und Unterrichts, Karlsruhe:
„Besetzung der Lehrerstellen an der Elisabethschule Mannheim:
Die elsässisch-lothringische Lehrerin war heute persönlich da und teilte mit, dass sie in
Privatstellung mit einmonatiger Kündigung in Badenweiler sich befinde. Sie wird nach
Freiwerden erneut um Verwendung nachsuchen (etwa in einem Jahr). Sie bedauert, den
Dienst nicht antreten zu können."
2
2
Erneuter Antrag beim Ministerium mit der Bitte um Aufnahme in den Schuldienst bis
Ostern 1922
Amtseid am 5. Mai 1923;
Maria Greß wird Hilfslehrerin in Kath. Tennenbronn, Amt Triberg
Hilfslehrerin Maria Greß wird mit Wirkung zum 1. Oktober 1924 Schulverwalterin der
Volksschule Tennenbronn.
Antrag auf Versetzung Nähe Iffezheim , wg. Eltern
23. Dezember 1924: Schulverwalterin Maria Greß wird mit Wirkung zum l.Januar 1925
nach Elchesheim, Amt Rastatt versetzt.
Antrag auf Versetzung nach Iffezheim am 16. M a i l 9 2 5 , da dort zum 1. Juli eine Stelle frei
wurde.
Dazu das Badische Kreisschulamt:
„Die Lehrerin ist fleißig und gewissenhaft. Wir können das Gesuch bestens befürworten."
Zum 1. Juli 1925 wird Maria Greß nach Iffezheim versetzt.
Zwischen diesen Versetzungen erfolgen immer wieder sogenannte Schulvisitationen, die
durch die Kreisschulämter durchgeführt wurden. Maria Greß wird Fleiß und
Gewissenhaftigkeit bescheinigt und erhält Noten. Die Zeugnisse sind in den
Personalakten einsehbar.
Zitat aus einer Beurteilung:
„Die Lehrerin ist methodisch befriedigend, ihr Unterricht ist klar, ihr Auftreten energisch,
sicher und gewandt, angenehm berührt der freundliche Lehrton."
Nach der Machtergreifung wurde offensichtlich allen Lehrern und Lehrerinnen das
Verbleiben oder auch Nichtverbleiben an ihren Schulen schriftlich bestätigt.
Am 6. Februar 1934 erfolgt folgende Mitteilung durch den „Minister des Kultus und
Unterrichts und der Justiz, Abteilung Kultus und Unterricht":
„Das örtliche Schulamt in Iffezheim
Der Lehrerin Maria Greß ist dort zu eröffnen, dass sie mit Wirkung vom 1. April 1934 als
Schulverwalterin (Stelle Kleiser) an der Grund- und Hauptschule belassen werde."
3
Leistung des Amtseides am 27. April 1934:
„Die Unterzeichnete
Maria Greß, Hauptlehrerin Volksschule
hat heute den Diensteid in der vorgeschriebenen Weise geleistet, indem sie die linke
Hand auf das Herz legte, die rechte Hand emporhob und die nachstehende Eidesformel
laut sprach:
Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler,
treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft
erfüllen. So wahr mir Gott helfe."
Beglaubigt wurde die Urkunde von Herrn Hiller, Oberlehrer in Iffezheim
Entlassung aus dem Schuldienst
Zwischen 1934 und 1936 liegen keine Unterlagen vor
-
18. Juli 1936.
Maria Greß wird ins Kreisschulamt einbestellt
29. Juni 1936 schreibt das Kreisschulamt Baden-Baden an das Ministerium für Kultus und
Unterricht:
„In der Anlage lassen wir ein Schreiben der Hauptlehrerin Gress in Iffezheim an
Oberlehrer W. Hiller daselbst, sowie eine Denkschrift folgen.
Aus beiden Schriftsätzen geht klar hervor, dass die Lehrerin sich nicht zum
Nationalsozialismus bekennen kann. Da wir es nicht glaubten, verantworten zu
können, die Schüler in Iffezheim auch nur noch eine weitere Stunde der Obhut einer
Lehrerin anzuvertrauen, die sich nicht zur neuen Staatsidee bekennen kann, haben wir
ihre Fernhaltung vom Dienst sofort angeordnet."
Nat.-soz. Deutsche Arbeiterpartei, Gauleitung Baden an das Ministerium:
„Anbei übergeben wir Ihnen die Abschrift eines Briefes der Hauptlehrerin Maria Greß
an die Kreisleitung Baden-Baden. Aufgrund dieses Briefes werden wir die Betreffende
aus dem NS-Lehrerbund ausschließen. Zugleich bitten wir das Ministerium der
Erwägung Platz zu geben, ob diese Lehrerin noch weiter im staatlichen Dienst bleiben
kann. Da sie es ablehnt im Sinne des weltanschaulichen Bekenntnisses zu
unterrichten, halten wir den Fall für gegeben, dass sie in Gewissenkonflikt mit ihrem
Eid auf Adolf Hitler gerät. Jedenfalls bitten wir das Ministerium, diese Lehrerin ihres
Amtes zu entheben.
Wenn das Gesetz es zulässt, würden wir vorschlagen, sie ohne Pension zu entlassen, da
sonst die Gefahr besteht, dass der Staat durch die ihr bezahlte Pension Klöster
bereichert (Devisenprozesse, Schmucklerprozesse).
Heil Hitler
Gauleiter
a.A. (Unterschrift)
4
In der Personalakte ist die Original-Denkschrift enthalten, sowie die Abschrift der
Begründung von Maria Greß, weshalb sie sich weigert eine Spende für das „Haus der
Deutschen Erziehung" zu leisten:
Auszug aus der Denkschrift:
„In der Annahme, dass die Spende fürs „Haus der Erziehung" eine freiwillige sein soll
und keine Steuer, muss ich bemerken, dass ich sie nicht leisten kann, um der Wahrheit
die Ehre zu geben. Ich bin zu jeder Gabe bereit in meinen Grenzen, wenn sie damit kein
weltanschauliches Bekenntnis verbindet, dem ich nicht zustimmen kann. Dieses
weltanschauliche Bekenntnis verbindet sich aber mit der Spende. Es wurde nämlich
verlangt, die Gabe zu spenden aus „Dankbarkeit für die sieghafte Gestaltung der
deutschen Erziehungsidee". In diesem Sinne zu spenden, wäre für mich eine
Unwahrheit vor Gott, da ich mich trotz allem Ringen und Kämpfen nicht zum
Nationalsozialismus bekennen kann, welcher mit der deutschen Erziehungsidee
gemeint ist".
„Die Kreisamtsleitung beantragt den Ausschluss der Lehrerin aus dem NSLB. Sie wurde
bereits vor 8 Tagen ihres Dienstes enthoben."
NS-Lehrerbund
Kreisgeschäftsstelle
Baden-Baden
Vincentistr. 2
gez. Müller
Geschäftsführer
Für die Richtigkeit der Abschrift zeichnet W. Hiller, Oberlehrer in Iffezheim
Minister an das Kreisschulamt Baden - Baden:
„Nach §21 Absatz 1 des Gesetzes über die Grund - und Hauptschule vom 29. Januar
1934 darf als Lehrer an Grund- und Hauptschulen nur berufen werden, wer die Gewähr
dafür bietet, dass er jederzeit rücksichtslos für die deutsche Volksgemeinschaft und
den nationalsozialistischen Staat eintritt.
Hauptlehrerin Maria Greß in Iffezheim, Amt Rastatt, kann sich nach ihrer Erklärung
nicht zum Nationalsozialismus bekennen. Sie kann daher nicht länger im öffentlichen
Schuldienst verwendet werden. Die vom Kreisschulamt angeordnete Fernhaltung vom
Dienst wird bestätigt.
Die mit Wirkung vom 1. Juli 1934 erfolgte planmäßige Anstellung der Hauptlehrerin
Maria Greß wird widerrufen. Der Lehrerin wird das Dienstverhältnis gemäß § 4 des
Beamtengesetzes auf Ende Oktober 1936 gekündigt. Auf 1.November 1936 wird die
Lehrerin aus dem öffentlichen Schuldienst entlassen
„
5
Marie Greß wird ohne Pensionsansprüche aus dem Schuldienst entlassen, auch die von
ihr monatlich einbezahlten Beiträge in eine private Rentenkassen werden ihr nicht
ausbezahlt sondern „einem anderen Zwecke" zugeführt.
4.
Weiterer Lebensweg
Maria Greß wohnte wohl im Haus ihrer Eltern in Iffezheim, Friedrichstraße 456 und
sorgte für sie.
-
Nach dem Tod der Eltern (Vater: 14.08.1937, Mutter: 05.01.39) meldet sich Maria Greß
am 11.4.1939* auf dem Einwohnermeldeamt in Iffezheim ab (Vermerk: Kopenhagen,
Dänemark)
April 1939: Maria Greß tritt in ein Benediktinerinnenkloster bei Kopenhagen ein.
Nach Unterlagen dieses Klosters, hatte sie viele Schwierigkeiten bei der Abreise.
Aus handschriftlichen Aufzeichnungen der Priorin geht hervor, dass Maria Greß am
10. April 1939 in Kopenhagen angekommen sei.
Die Kontakte zu diesem Kloster entstanden durch einen Pater Wolfgang, den Maria Greß
in Beuron schon 1926 bei Lehrerinnen-Exerzitien kennen lernte. Mit ihm hielt sie
regelmäßig Briefkontakt.
05. Januar 1940: Einkleidung (aus Maria Greß wird Schwester Lioba)
Bei einer Reihenuntersuchung in Dänemark stellte man bei Maria Gress Tuberkulose fest
(Februar 1944).
02. März 1944: Schwester Lioba legt ihre Ewige Profess ab.
05. April 1945: Maria Greß verstirbt in der Klinik; sie wurde auf dem Friedhof des Klosters
beigesetzt
Quellen:
1.
Personalakten, Landesgeneralarchiv Karlsruhe
2.
Schriftliche Mitteilungen von Schwester Anna-Maria Kjellegaard, Benediktinerinnenkloster,
Kopenhagen
3.
Antonie Jakob, Tullastraße, Iffezheim, private Aufzeichnungen
4.
Kurt Hochstuhl, Iffezheim - Die Geschichte eines Dorfes am Rhein, S. 284, 285
5.
Kolpingsfamilie Iffezheim, Iffezheim und seine Geschichte, Bilder
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Seele and Geist
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