close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

hören, was dahinter steckt - ARD

EinbettenHerunterladen
Der Schutzmann in Kabul
Feature von Thilo Guschas
Produktion: NDR 2012
Mitwirkende:
Sandra Borgmann
Sascha Icks
Stephan Schad
Technische Realisation: Dietmar Fuchs und Angelika Körber
Regie:
Nikolai von Koslowski
Redaktion:
Ulrike Toma
Zur Verfügung gestellt vom NDR. Dieses Manuskript
ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für
private Zwecke des Empfängers benutzt werden.
Jede andere Verwendung (z.B. Mitteilung, Vortrag
oder Aufführung in der Öffentlichkeit,
Vervielfältigung, Bearbeitung, Übersetzung) ist nur
mit Zustimmung des Autors zulässig. Die
Verwendung für Rundfunkzwecke bedarf der
Genehmigung des NDR.
SWR 24.10.2012, 22:05 Uhr, SWR 2
SR 27.10.2012, 09:05 Uhr, SR 2 Kulturradio
BR 27.10.2012, 13:05 Uhr, Bayern 2
RB 28.10.2012, 09:05 Uhr, Nordwestradio
NDR 28.10.2012, 11:05 Uhr, NDR Info
WDR 28.10.2012, 11:05 Uhr, WDR 5
HR 28.10.2012, 18:05 Uhr, HR 2-Kultur
O-Ton
Guido Westerwelle Die Intensität der mit Waffengewalt
ausgetragenen Auseinandersetzung mit Aufständischen und
deren militärische Organisation führen uns zu der Bewertung ...
Erzählerin
Außenminister Guido Westerwelle.
O-Ton
... die Einsatzsituation von ISAF auch im Norden Afghanistans
als bewaffneten Konflikt im Sinne des humanitären Völkerrechts
zu qualifizieren.
Erzählerin
Am 10. Februar 2010.
O-Ton
Ob uns das politisch gefällt oder nicht, so ist die Lage.
Erzählerin
Sie fragt: Soll es vorgelesen klingen? Oder lieber frei
gesprochen, als sei ich dabei gewesen.
Mann
Der Schutzmann in Kabul. Feature von Thilo Guschas.
Atmo
Vogelgezwitscher
O-Ton
Guschas: Wie viele Taliban sitzen jetzt hier in den Büschen?
Polizist 1: Eins, zwei, drei, vier.
Mann
Prolog. Der Hindukusch in Norddeutschland.
O-Ton
Wie viel Störer habt ihr jetzt hier eingesetzt? Polizist 2: Wir sind
heute fünf. Polizist 1: Fünf. Gestern waren wir sechs. Sonst
sind wir immer zu fünft, zu sechst. Wir kommen aus Ratzeburg,
aus der Abteilung. Polizist 1: Ja, ich weiß. Geht los! Geht los?
Geht los.
Atmo
Training
Erzählerin
An der Bundespolizeiakademie in Lübeck nehmen die Taliban
aus Ratzeburg vier Polizisten unter Feuer. Die verschanzen
sich zwischen ihren Jeeps. Kauern unter Helmen, Gewehren, in
kugelsicheren Westen.
O-Ton
Ausbilder - Gefechtslärm, ausströmender Tarnnebel Es kommt
so ein bisschen darauf an in der Situation, zu sehen, von wo
wird gerade auf sie eingewirkt, und dass sie dann praktisch
taktisch richtig reagieren, indem sie, so wie jetzt passiert, einen
Rauchkörper werfen, damit praktisch eine Nebelwand
aufgebaut wird, ähm und dementsprechend auch dem Angreifer
2
auch die Sicht genommen wird ähm und er nicht weiß, was dort
passiert. Und dann versuchen, unter diesem Schutz, inklusive
einer entsprechenden Sicherung, die aufgebaut wird, ähm die
Personen aus dem zweiten Fahrzeug ins erste zu bekommen.
Atmo
Auto
O-Ton
Joachim Haack Man muss da schon ein breitgefächertes nicht
nur Wissen haben, aber auch vom Handling her, was die
Führungs- und Einsatzmittel angeht, also es geht von der Waffe
übers Fahrzeug, Funkgerät, das muss man dann natürlich auch
alles beherrschen, weil gerade in Stresssituation wird hier ja
ähm praktisch abgefordert der Automatismus, und dass sich
das selbstständig abbaut um nicht erst noch das Denken von
den Beamten erfordert wird. Das muss natürlich automatisch
gehen.
O-Ton
Trainer Du bist im Einsatzgebiet unterwegs, kurvenreiche
Strecke, und ähm auf einmal von oben, von der Höhe, wirst Du
beschossen, und dann heißt es, Auto kannst ja nicht mehr
drehen, schnell rückwärts über die kurvenreiche Strecke zurück
fahren, und das wollen wir hier ein bisschen üben. Haack: Dann
fahren wir mal vor und schauen uns das mal an. Trainer: Siehst
du da wo die ersten Hüte stehen, bleibt am besten ääh auf der
linken Seite stehen weil wir kommen auf der rechten Seite
nacher wieder raus ...
Musik
Frau
Die Geschichte von Dawud.
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Dawud schlief in seinem Zimmer. Er lebte als Polizist in einem
Militärlager. Plötzlich ging die Tür auf. Sein Kollege Sardar kam
herein. „Dawud! Aufwachen, wir haben Training!” Unwillig
setzte Dawud sich auf. Heute sollte es eigentlich gar kein
Training geben.
Mann
Kapitel 1. Zwiegespräch eines Mutigen.
O-Ton
Joachim Haack Also wir sind ja im täglichen Leben mit der
Gefahr ausgesetzt, ich meine das betrifft ähm betrifft in
Deutschland den Polizeibeamten wie den Dachdecker.
Erzählerin
Joachim Haack ist Polizist und 47 Jahre alt.
3
O-Ton
Vielleicht nicht ganz vergleichbar mit Afghanistan, da ist
natürlich das Sicherheitsrisiko ein Stück weit höher, aber
dennoch ähm denke ich, mit den entsprechenden
Vorbereitungen, der Sensibilität, und der Umsicht in dem Land,
und vorübergehend überwiegend arbeitet man in
Sicherheitsbereichen, denke ich ist das Risiko so minimal, dass
eigentlich nichts passieren dürfte.
Erzählerin
Joachim Haack kommt aus Kulmbach. Hat Auslandserfahrung.
Ist ein Freiwilliger. Er hat an Schulungen teilgenommen, in
denen man lernt, wie man sich bewegt in Afghanistan, wie man
sich begegnet und begrüßt.
O-Ton
Joachim Haack Man fängt also an mit interkultureller
Kompetenz, Geschichte, Historie. Dass man sich da so korrekt
verhält und eben nicht die andere Kultur oder den Angehörigen
des anderen Kulturkreises verletzt. Und da geht es bei der
Begrüßung – wie verhält man sich mit der Frau - bei denen ist
es ja anders ausgeprägt. Da gibt man der Frau zuerst die Hand.
Dort ist es eher nicht der Fall. Dort gibt man der Frau
grundsätzlich nicht die Hand. Es sei denn sie ist so weit, oder in
dem Personenkreis so weit entwickelt, dass sie sagt, jawoll, bei
uns ist es auch typisch und gibt ihm die Hand.
Erzählerin
Joachim Haack sagt, er sei neugierig.
O-Ton
Joachim Haack Es ist natürlich das Interesse am Arbeiten im
internationalen Bereich, im internationalen Geflecht, das ist
sehr interessant, und natürlich auch möchte man gern auch mal
Teil sein dieses bilateralen Projekts, gerade Deutschland und
Afghanistan.
Musik
Erzählerin
Seit 2002 sind deutsche Polizisten in Afghanistan im Einsatz.
200 im Rahmen der bilateralen GPPT-Mission, GPPT steht für
„German Police Project Team“.
O-Ton
Joachim Haack Mir liegt es nahe, immer Menschen helfen zu
können. Also das ist mir ein Bedürfnis. Und natürlich die
sozialen Kontakte. Ähm das liegt mir sehr am Herzen.
Erzählerin
Rund 60 Polizisten und Rechtsexperten beteiligen sich an
EUPOL, der europäischen Polizei-Mission, die es seit 2007
gibt.
4
Musik
Frau
„Die Deutschen sind jetzt unsere Trainer. Ab jetzt haben wir
jeden Tag Unterricht!“, erklärte Sardar. Dawud stand auf und
sagte: „Dann kündige ich.“ „Aber warum? Du hast keine
Ausbildung. Der Job ist gut für dich.” Dawud wurde immer
wütender. „Ich kann da nicht mitmachen, sie sind Besatzer”.
Und Dawud wurde traurig.
Mann
Kapitel 2. Ein Kleid für den Schutzmann.
O-Ton
Joachim Haack Stimmung ist gut. Die Spannung vor der
Verwendung, vor der Entsendung steigt. Es entwickelt sich die
Vorfreude auf diese Aufgabe.
Erzählerin
Joachim Haack zieht einen großen schwarzen Rollkoffer hinter
sich her.
O-Ton
Joachim Haack Ja, heute ist der Einkleidungstag für die
bevorstehende Verwendung in Afghanistan. Das heißt, man
empfängt die besondere Einsatzausstattung hier in
Heimerzheim. Und hat auch bei der Gelegenheit noch die
Möglichkeit, private Gegenstände und Bekleidung in das zu
transportierende Gepäck umzulagern.
O-Ton
Joachim Haack Also ich kenne auch hier diese
Einkleidungszeremonie durch meine vorherigen Verwendungen
im Kosovo oder Mazedonien oder Moldau. Auch hier war es
dann erforderlich, hierher zu kommen, um die besondere
Ausstattung zu empfangen.
Erzählerin
Das Kasernengelände in Heimerzheim bei Bonn hat den
Charme der späten 70er Jahre. In einer Lagerhalle wird die
Auslandsausrüstung verteilt.
O-Ton
Jürgen Göbel Waren Sie schon einmal unten? Haack: Nein.
Wenn Sie in Kabul landen, bringen die von GPPT Ihnen einen
Helm mit und eine Weste. Helmgröße haben wir jetzt
festgestellt. Weste, ich gebe Ihnen ne XL.
Erzählerin
Vor Joachim Haack zwei aufgeklappte Zinkkoffer. Afghanistan
materialisiert sich.
5
O-Ton
Wir gehen es jetzt mal zusammen durch. Da haben wir einmal
die Arbeitshandschuhe in Leder hier drin liegen. Haack: Ja.
Dann haben wir das Imprägniermittel für den Moskitodom. Ja,
hier. Ist hier noch in zwei aufgeführt, aber wird mittlerweile nur
noch eins ausgegeben, weil es einfach nicht nötig ist. Sind ja
auch Verbrauchsmittel.
Erzählerin
Haack streicht sich über die Stirn. Er ist groß, durchtrainiert, hat
blaue Augen. Er konzentriert sich.
O-Ton
Körperreinigungstücher liegen hier und da. Dann haben wir die
Desinfektionstücher zwei Mal. Dann haben wir die
Wasseraufbereitungsflüssigkeit, ist hier. Dann haben wir den
Rucksack groß, das ist dieser hier, und das Erste-Hilfe-Set und
die Beintasche haben Sie im San-Bereich bekommen, richtig?
Ja. Wunderbar. Dann gehen wir kurz jetzt hier zum Tisch.
Erzählerin
Sein Leben schmilzt, in zwei Kisten verstaut, auf 63 Kilo. Eine
bürgerliche Existenz – per Cargo nach Afghanistan.
O-Ton
Wenn Ihre Frau das sieht, wie Sie das da reintun, da gibt die
Ihnen noch ein Bügeleisen mit. Lachen. Passt. Koffer schnappt
zu. Haack: So muss es sein. Jawoll.
Musik
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Dawud wandte sich zur Tür. Sardar rief: „Aber es sind doch nur
Deutsche. Und nicht Amerikaner!” Dawud öffnete die Tür.
Während er hinausging, sagte er: „Ob Deutsche oder
Amerikaner, beide sind Besatzer, das macht keinen
Unterschied!“ Nachdem er den Satz zu Ende gesprochen hatte,
schloss er die Tür.
Mann
Kapitel 3. Auf dem Feld der fremden Seelen.
Erzählerin
Kabul. Ein Trainingsgelände. Die EUPOL-Schulung findet in
einem Klassenraum statt, an der Decke Neonröhren, am Boden
Laminat. 20 afghanische Polizisten nehmen teil. Sie sind
zwischen 30 und 60 Jahre alt, tragen grau-blaue
Uniformhemden und kurze Bärte. Sie drücken die Schulbank.
6
O-Ton
Hendrika van de Sande, im Wechsel mit afghanischem
Dolmetscher Are there disciplinary outcomes in Afghanistan
concerning the code of conduct? For example, if you are not
impartial – or if you are not integer – or if you are not honest –
is there then a disciplinary? OK, who can tell something about
the disciplinaries here?
Erzählerin
Die Dozentin ist Hendrika van de Sande, blondgelockt. Aus
Holland: Welche Disziplinarstrafen es für Polizisten gibt, will sie
wissen. Wenn man lügt oder nicht integer ist. Ein Teilnehmer
rattert runter: Ein Polizist kann im Rang degradiert werden,
vorübergehend in Arrest kommen, versetzt werden und sogar
vor ein Gericht gestellt werden.
O-Ton
They will down their ranks, or they will just be put into custody
for a while, or they will be put into another place, or even they
will be introduced for prosecution.
Musik
Frau
Provinz Ghor.
Mann
Dorfbewohner verprügeln zwei Frauen. Polizisten applaudieren.
Erzählerin
Aus dem Bericht der Hilfs- und Entwicklungsorganisation
Oxfam, 2011.
Frau
Kandahar.
Mann
Kind erschießt Autofahrer. Von der Rückbank eines
Polizeiautos aus.
Frau
Tirin Kot.
Mann
Ein Mann wird verdächtigt, einen Polizisten getötet zu haben.
Eine bewaffnete Gruppe bringt den Verdächtigen in seinem
Haus um. Seine Leiche schleift sie hinter einem Truck her. Der
Mann, der den Mord in Auftrag gegeben hat, soll Verbindungen
zur Polizei haben.
7
Erzählerin
In die Schlagzeilen geraten die Männer der ALP, der lokalen
afghanischen Polizei. Die ALP wird von den Amerikanern
ausgebildet. 16.000 Polizisten arbeiten dort. In den nächsten
zwei Jahren soll ihre Zahl verdoppelt werden. Unter den
Ausbildern der ANP, der nationalen Polizei, sind GPPT und
EUPOL. Mehr als 145.000 afghanische Polizisten und
Polizistinnen arbeiten da.
O-Ton
Taxi
O-Ton
Tarek, der Taxifahrer
Mann
Einige begrüßen dich höflich und wollen kein Geld. Sie geben
einem freundlich die Dokumente zurück.
Erzählerin
Tarek hat eine lange schmale Nase und trägt Wildlederweste.
Seit drei Jahren fährt er Taxi in Kabul und kennt die Polizisten.
O-Ton
Tarek, der Taxifahrer
Mann
Die da kassieren, einfach so. Der da ist ein guter Mensch.
Erzählerin
Würde Tarek die Polizei anrufen, wenn sein Auto geklaut wird?
Klar, sagt er, ohne zu zögern. 119. Der Notruf der Polizei. Tolle
Nummer. Schwärmerisch erzählt Tarek von einem
Polizeikommissar namens Muhammad Zair.
O-Ton
Tarek, der Taxifahrer
Mann
Einmal wurde ein dreijähriger Junge entführt. Die Entführer
wollten 350.000 $. Nach nur einer Woche brachte Muhammad
Zair, der Leiter der Kriminalabteilung, den Jungen zurück zu
seiner Familie.
Musik
Frau
Die Geschichte von Salmai.
O-Ton
Geschichtenerzählerin
8
Frau
Als der Vater zu Salmai, seinem Sohn, schaute, schaute der
sehr verängstigt. „Gefällt dir die Gegend hier?“ „Der Mann, den
ich getroffen hatte, arbeitet hier“, erklärte der Vater Salmai.
„Meinst du den Mann, der mich eingeladen hat?“ „Ja, er arbeitet
hier. Er kann deine Verbrennungen im Gesicht behandeln.“
Mann
Kapitel 4. Der Mann in der Schleuse.
O-Ton
Norbert Koster, im Jeep Zu meinem Hintergrund. Ich bin Richter
aus Deutschland, am Oberlandesgericht Hamm. 56 Jahre alt.
Und seit sieben Jahren im Ausland tätig.
Erzählerin
Norbert Koster ist Leiter der Abteilung Rechtsstaatlichkeit von
EUPOL Afghanistan. Er sitzt auf der Rückbank eines
gepanzerten Jeeps.
O-Ton
Norbert Koster Die Situation. Wir sitzen gerade hier jetzt im
Auto, fahren aus unserem äh Hauptquartier hier raus, das
heißt, durch die Schleuse ähm, die aus Sicherheitsgründen hier
besteht. Und ähm wir werden gefahren von zwei Close
Protection Guys, Bodyguards, die uns jetzt auch gleich noch ein
Briefing geben werden, äh über das was hier abläuft, sollte
irgendetwas Unvorhergesehenes passieren. Das ist das
normale Prozedere.
Erzählerin
Der gepanzerte Jeep gleitet durch Kabul, vorbei am „Ring of
Steel“. Ein Kontrollsystem, das Terroristen fernhalten soll.
Koster entfaltet seine Idee.
O-Ton
Nobert Koster Die Idee ist, dass die afghanischen Institutionen,
die afghanische Polizei, die afghanischen Sicherheitskräfte in
der Lage sind, die Basis-Voraussetzungen an Sicherheit zu
erfüllen hier. Und wir sind in diesem Zug dabei, jetzt einen
Schritt weiterzugehen und die Polizei jetzt von einer eher
Sicherheitsorientierten Polizei äh auch dahin auszubilden, dass
sie eine bürgernahe Polizei wird. Also ich sag mal, von dem
Polizisten, der mit schusssicherer Weste und Kalaschnikow
so‟n Checkpoint bemannt, wie wir das gerade gesehen haben,
auch langsam dahin zu überzuführen, zu einem Polizisten, der um auf ein Plakat zu sprechen was wir dafür haben, - Kinder
über die Straße führt.
9
Erzählerin
In einer Studie heißt es, immer wieder würden Häftlinge in
Afghanistan misshandelt. Sie würden geschlagen und mit
Stromschlägen und Schlafentzug gequält. So der OxfamBericht von 2011. Mehr als die Hälfte der misshandelnden
Beamten seien Polizisten. In anderen Veröffentlichungen ist
auch von Korruption ist die Rede.
O-Ton
Norbert Koster Diese Defizite sind unser Auftrag. Und
deswegen nehmen wir sie nicht nur zur Kenntnis. Sondern das
ist unser Arbeitsauftrag. Deswegen sind wir hier. Ich weiß, dass
es viele Studien gibt. Ich weiß, dass es auch sehr einfach ist, in
Afghanistan immer nur sehr negativ zu schreiben. Ich weiß aber
auch, dass es in Afghanistan ausgesprochen schwierig ist,
repräsentativ zu schreiben.
Erzählerin
Es kursiert das Gerücht, dass im Innenministerium Ämter zu
Festpreisen gehandelt werden. Besonders begehrt seien
Posten entlang der Fernstraßen. Einer kostet angeblich
200.000 Dollar.
O-Ton
Norbert Koster Und man muss auch sehen: wie ist die
Entwicklung? Da gibt es zum Beispiel Umfragen, die Vereinten
Nationen machen das regelmäßig, eine Bevölkerungsumfrage,
was den Zufriedenheitsgrad mit der Polizei angeht, und da
sehen wir eine ähm, stetige Zunahme der Zufriedenheitsquote,
ähm die in der letzten Umfrage bei immerhin 2/3 der
Bevölkerung lag. Und ich denke, auch da muss man sehen: der
Weg, wo sind wir, wie ist die Entwicklung? Und die Entwicklung
ist richtig, sie geht in die richtige Richtung.
Atmo
Kabul
O-Ton
Firdaus
Mann
Ich heiße Firdaus und komme aus Kheir Khaneh. Ich mag
Polizisten nicht. Sie behandeln die Leute schlecht. Sie rasen
immer mit hoher Geschwindigkeit und hupen, auch wenn es gar
keinen Notfall gibt.
Erzählerin
Firdaus arbeitet als Verkäufer in der Herrenoberbekleidung und
verdient 40 Dollar im Monat. Ein Streifenpolizist der ANP
bekommt ein Grundgehalt von 231 Dollar. Die Taliban zahlen
10
jungen Männern bis zu 550. Die Analphabetenrate der
Polizisten im einfachen Dienst beträgt bis zu 85%. Deutlich
höher als der Durchschnitt in Afghanistan.
O-Ton
Rahmad aus der Parwan province
Mann
Ich habe Obst verkauft, der Stand gehörte meinem Bruder.
Erzählerin
Der Obstverkäufer Rahmad kommt aus der Parwan-Provinz.
Mann
Die Polizisten rissen den Stand einfach um. Ein Exemplar des
heiligen Korans lag darin. Ich wollte das Obst wieder
einsammeln. Sie hinderten mich daran. Man könnte meinen, ich
sei ein schlimmer Verbrecher, dass sie mich so behandeln.
Dabei habe ich einfach nur Früchte verkauft.
Akzent
Atmo
Quartier
Erzählerin
Das gemeinsame Hauptquartier von EUPOL und GPPT ist ein
kompakter Klinkerbau. Zwei Stockwerke mit Büros, im Innenhof
gepflegte Rosenbeete. Vor einer Bürotür stehen zwei lila
Gartenzwerge.
O-Ton
Pfeifender Gartenzwerg. Patricia Rouvel: Das automatische
Chef-Vorwarnsystem. Sie glauben nicht, wie die Afghanen da
und die Briten scharf drauf sind.
Erzählerin
Joachim Haack ist jetzt auch da.
O-Ton
Joachim Haack Ja, mir geht es gut. Ich bin jetzt in Kabul
angekommen. Fühle mich wohl. Bin in der, sagen wir mal,
Orientierungsphase, was meine neue Umgebung, mein Umfeld
angeht und in der Findungsphase, was meine Arbeit angeht.
Erzählerin
Anfang Mai wurde die militärische Wohnanlage, in der seit vier
Tagen auch Joachim Haack untergebracht ist, angegriffen.
Anscheinend von Mitgliedern der Taliban. Ein erster Trupp von
11
Selbstmördern sprengte den gesicherten Zugang. Ein zweiter
Trupp drang ins Lager ein.
O-Ton
Joachim Haack Ja, also das Sicherheitsrisiko ist immer dabei,
bei jedem Job, hier wahrscheinlich mehr als wie zuhause, aber
dennoch ähm bin ich zuversichtlich, dass wir auch ohne
Schaden nachhause kommen können. Ich lauf jetzt nochmal
mit dem Team, das schon besteht, und mit meinem Vorgänger,
der noch aktiv ist, mal mit, um mich erst mal in der Gegend hier
und meinem Umfeld hier zu orientieren, geh mit in die
Besprechungen zum Teil, die er noch führt, um ähm die Leute
kennenzulernen, mit denen ich in Zukunft auch
zusammenarbeite.
O-Ton
Wilhelm Schulz Ja die konkrete Frage zu Herrn Haack, der vor
wenigen Tagen hier eingereist ist, ist wie folgt zu beantworten.
Er nimmt eine wichtige Aufgabe wahr.
Erzählerin
Wilhelm Schulz. Leiter der GPPT-Mission Afghanistan.
O-Ton
Wilhelm Schulz Wir haben seit einiger Zeit ein
Verbindungsbeamten-Team eingesetzt bei der NATO Training
Mission Afghanistan. Und der Leiter dieses
Verbindungsbeamten-teams wird jetzt zukünftig Herr Haack
sein. Dieses Verbindungsbeamtenteam hat im Kern die
Aufgabe, die Strategie der internationalen Gemeinschaft zu
reflektieren.
Erzählerin
Um die nationale afghanische Polizei kümmern sich neben
EUPOL und GPPT auch die NATO, ISAF und die
Unterstützungsmission der Vereinten Nationen UNAMA. Der
Analyst Maxime Larivé spricht von „strategischer Kakophonie“.
Joachim Haack soll dafür sorgen, dass sich GPPT und NATO
besser abstimmen.
O-Ton
Wilhelm Schulz Ich bin erst mal sehr froh, dass wir einen so
erfahrenen Kollegen wie Herrn Joachim Haack jetzt hier in
dieser Funktion haben. Er muss verhandlungssicher sein. Er
muss sozusagen in der, ähm in unserem gesamten Projekt sehr
sicher stehen und fungiert stehen. Weil er auch unsere
Interessen dann vor Ort in den Besprechungen bei der NATO
Training Mission Afghanistan natürlich vertreten muss.
Erzählerin
Gemeinsame Drohkulisse der internationalen Akteure ist die
Transition. Der Abzug der internationalen Soldaten 2014. Dann
12
soll die afghanische Polizei vor allem für Sicherheit und
Ordnung sorgen können. Die ANP, die nationale Polizei, muss
dann auch die lokale Polizei im Griff haben. Die Zeit drängt.
O-Ton
Wilhelm Schulz Und wenn ich die letzten beiden Jahre
dahingehend betrachte, dann sind es im letzten Jahr über 5.700
afghanische Polizistinnen und Polizisten, die durch deutsche
Polizisten in den deutschen Trainingseinrichtungen aus- und
fortgebildet worden sind. Und äh in diesem Jahr werden wir die
Zahl 10.000 erreichen.
Musik
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Salmai legte die Hand auf die Verletzung in seinem Gesicht. Er
überlegte, was das für eine Person sein würde, die er treffen
sollte. Wird er eine Waffe über der Schulter tragen, wie die
anderen Internationalen Soldaten?
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Wird sein Finger am Abzug sein?
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Wird sein Gesicht Trauer verraten?
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Wird er Munition tragen?
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Wird er mit anderen Soldaten zusammen auftreten? Wird er
niemals lachen und mit niemandem reden? Wird er einen fetten
Bauch haben, einen riesigen Körper und weiße Haut?
Mann
Kapitel 5. Und Soraya hatte ihre Augen geöffnet.
Erzählerin
Termin bei der AIHRC, einer unabhängigen afghanischen
Menschenrechtsorganisation. Sie unterhält in vielen Regionen
13
des Landes Büros. Die Organisation ist bekannt für kritische
Lokalreports. Die Mauer im Eingangsbereich ist vernarbt von
MG-Salven aus Bürgerkriegszeiten.
O-Ton
Soraya Sobhrang, Ich bin Ärztin. Und auch ich habe fertig
Political Science und International Relationship. So ich habe
zwei. (lacht)
Erzählerin
Soraya Sobhrang trägt ein durchscheinendes safranfarbenes
Kopftuch über den Haaren. Ihre schwarzen Augen bewegen
sich blitzschnell.
O-Ton
Soraya Sobhrang You know I think police in Afghanistan during
these ten years they got some awareness about human rights
about woman rights in Afghanistan and also they got some
training about law about judiciary system in Afghanistan. And
also EUPOL I think was very successful in this process.
Because supporting inside Ministry of Interior establishing a
human rights and gender unit.
Erzählerin
In den vergangenen zehn Jahren sei bei der afghanischen
Polizei ein gewisses Bewusstsein für Menschen- und
Frauenrechte entstanden. Polizisten seien geschult worden zu
den Themen Gesetz und Rechtsstaatlichkeit. Das sei auch
EUPOL zu verdanken, sagt Sobhrang. Im Innenministerium sei
eine Abteilung für Menschenrechte und Gendergerechtigkeit
eingerichtet worden. Bis die Taliban gestürzt wurden, hatte
Sobhrang in Hamburg gelebt. Am Anfang seien alle zu
euphorisch gewesen, sagt sie. Es gäbe Korruption,
Diskriminierung, Armut, Bildungsprobleme. Aber eben auch
Fortschritt. Ihre Hoffnung wirkt demonstrativ.
O-Ton
Soraya Sobhrang In 2004 or 2005 we had some case some
victim some woman, when they went to police office, they got
some sexual harassment. We concerned about that in that time
and also we complained about that. But in that last five years
we didn‟t get some complaints from police. So I think this is
positive, this is progress.
Erzählerin
2004 oder 2005 seien einige Frauen auf dem Präsidium von
Polizisten sexuell belästigt worden. Sobhrang und ihre
14
Kolleginnen hatten Beschwerde eingereicht. Seitdem sei ihr
kein Fall wie dieser mehr zu Ohren gekommen. Das sei doch
ein Fortschritt. Und dann sagt sie noch:
O-Ton
Soraya Sobhrang I think we have to be honest and not look for
everything so negative.
Erzählerin
Man sollte nicht immer alles nur schwarzmalen.
O-Ton
David Lawley Wakelin Excuse me this man should be arrested
for war crimes. JP Morgan paid him off for the Iraq war three
months after he invaded Iraq, he held up the Iraq bank 20 billion
it was then paid 6 million dollar every year and still is from JP
Morgan six months after he left office. The man is a war
criminal!
Erzählerin
David Lawley Wakelin ist Dokumentarfilmer. Ein britischer
Michael Moore. In London stürmte er eine Anhörung mit Tony
Blair. Blair sei ein Kriegsverbrecher und habe Millionen Dollar
für den Angriffskrieg gegen den Irak bekommen.
O-Ton
I‟m sorry for that, Mr. Blair.
Musik
Erzählerin
Wakelin ist ein Ich-Erzähler am Ort des Geschehens – und
erspart den Zuschauern Reports und Berichte, Studien und
Statistiken. Gerade dreht er in Afghanistan. Von dem
Vorschlag, eigene Daten zu erheben, ist er sofort begeistert.
Farhad, ein Dolmetscher, kommt mit.
O-Ton
David Lawley Wakelin OK now we are heading down a street in
the centre of Kabul which is definitely a clothing street, there‟s
people buying and selling clothes all over the place, you can
buy sheets, you can buy women‟s clothes, you can buy men‟s
clothes, T-Shirts, Western clothes, any kind of clothes you like.
Erzählerin
Man kann hier alle möglichen Klamotten kaufen, Frauenkleider,
Männersachen, T-Shirts, sagt David im Taxi. Ihn interessieren
Polizeiuniformen. Immer wieder haben Attentäter in
Polizeiuniform westliche Streitkräfte angegriffen, meist
15
amerikanische. Die USA hatten vorübergehend ihr eigenes
Programm zur Polizeiausbildung ausgesetzt.
O-Ton
David Lawley Wakelin So we are now trying to discover if there
is a shop that will actually sell us a police uniform. Because we
have reports that there are possibly two or three shops in the
city where you can walk in and off you walk for about 10
American dollars off the peg buy a police uniform.
Mann
In zwei, drei Läden soll es Polizeiuniformen von der Stange
geben, für zehn US-Dollar das Stück. Diese Läden suchen wir
jetzt.
Atmo
Markt
Erzählerin
Auf dem Chawk-e-Pul-e-Kheshti-Bazar kommen wir nur 100
Meter weit. Davids Videokamera und das Mikrofon mit dem
Windschutz fallen sofort auf. Zwei Polizisten führen uns in einen
Bretterverschlag am Straßenrand.
Atmo
Mikro wandert in die Tasche
Erzählerin
Nach wenigen Minuten sind wir wieder frei. Die Polizisten
haben unsere Taschen durchwühlt und unsere Ausweise
gecheckt. Mein Verhandlungsgeschick, sagt Farhad, der
Dolmetscher. Meine lockere Art, sagt David. Er hat sich die
Handynummer von einem der Polizisten geben lassen.
O-Ton
David Lawley Wakelin Fantastic. That‟s good. Now we have
permission to do everything. Yeah, if we get in trouble we can
say hold, commander Rafiq said so. Even when I go to a
demonstration and something happens I can say: hold on a
minute, we got permission. And I thought he said he is the
commander of whole Kabul.
Mann
Wenn ich auf gefährlichen Demonstrationen irgendwie in
Schwierigkeiten komme, sage ich einfach: ich habe eine
Erlaubnis von Kommander Rafik. Ich glaube, er hat sogar
gesagt, er habe Befehlsgewalt über ganz Kabul.
Musik
16
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Der Vater riss Salmai aus seinen Gedanken und sagte: „Der
deutsche Polizist ist mein Freund.“ Sie gingen durch die Tür.
Salmai dachte, der bewaffnete Mann würde da drinnen sitzen.
Als er hineinging, verbarg sich der Junge hinter dem Rücken
des Vaters. Dann sagte eine Stimme „Salam“. Er sah einen
Mann mit einem freundlichen Gesicht, der ihn anlachte.
Mann
Kapitel 6. Ein Land liegt im Nebel.
O-Ton
Dietmar Woidke Ich bin seit Oktober 2010 Innenminister des
Landes Brandenburg.
Erzählerin
Dietmar Woidke ist der große Nein-Sager.
O-Ton
Dietmar Woidke Ich möchte es nicht zuspitzen, aber ich möchte
auch nicht der Innenminister sein, der am Ende dasteht und der
erste ist der verletzte oder schlussendlich sogar getötete
Beamte wieder hier in Empfang nehmen kann und deswegen
halte ich es nach wie vor für richtig, dass wir bei dem Beschluss
bleiben, keine Beamten in der jetzigen Situation nach
Afghanistan zu schicken.
Erzählerin
Brandenburg ist ausgeschert. Als bis dato einziges Bundesland.
O-Ton
Dietmar Woidke Die Entscheidung ist im Jahre 2010 gefallen,
nachdem der deutsche Außenminister Herr Westerwelle erklärt
hat, dass es in Afghanistan kriegsähnliche Zustände gibt und
wir dann nach einer Gefährdungsanalyse zu dem Schluss
gekommen sind, dass es in dieser Situation nicht geboten ist,
Beamte des Landes Brandenburg in diese Krisensituation zu
schicken.
Erzählerin
Die Polizei-Missionen hatte Außenminister Westerwelle 2010
nicht in Frage gestellt. Sämtliche deutsche Polizisten der
GPPT- und EUPOL-Mission sind bislang unversehrt
zurückgekehrt.
O-Ton
Dietmar Woidke Ja, Sie haben es richtig betont. Im Rahmen
dieser Missionen ist es gottlob so gewesen dass es zu keinen
Todesfällen unter Polizisten gekommen ist. Aber im Bereich
anderer Missionen schon. Im Bereich auch anderer Einsätze
sind auch Polizisten schon verletzt und getötet worden. Also die
17
Situation ist momentan sehr undurchsichtig. Wäre es nicht
sinnvoller – das ist ein Angebot von Brandenburg auch
Richtung Afghanistan – Polizeiführer hier bei uns auszubilden,
und sie in den verschiedenen Techniken zu schulen, die gefragt
sind, was man da braucht. Wir haben hier bei uns an der
Polizeischule in Oranienburg gute Erfahrungen gesammelt,
beispielsweis auch mit Polizeiführern aus den
palästinensischen Autonomiegebieten.
O-Ton
Marco The scenario is that there was a robbery, two guys ran
away, one had a gun, one had a knife. Accidently, they shot two
times just beside our classroom building, which was very
convenient. Our Afghan CSI team is now looking for evidence.
Mann
Es gab einen Raubüberfall. Zwei Personen sind geflüchtet.
Einer hatte ein Gewehr, der andere ein Messer.
Erzählerin
Im CTC Trainingscamp in Kabul.
Mann
Zweimal wurde geschossen. Genau neben unserem
Unterrichtsraum. Praktisch für uns. Unsere afghanischen
Kriminalermittler sichern jetzt die Spuren.
Erzählerin
Zehn hochrangige afghanische Polizisten stehen am Tatort.
Marco, ein EUPOL-Ausbilder aus Holland, beobachtet die
Männer.
O-Ton
Marco Yeah well, there is a lot of hierarchy here in Afghanistan.
The guy with the most gold on the shoulders has to say
everything. And it is a little bit different than in Europe.
Mann
Das Problem hier ist die Hierarchie. Wer das meiste Gold auf
den Schultern hat, hat das Sagen.
Erzählerin
In Europa übernimmt ein Spezialistenteam die Spurensicherung
– und nicht der Chefermittler.
O-Ton
Marco The big point is everybody wants to be in the crime
scene. Too many people in the crime scene here.
Mann
Jeder will am Tatort sein. Es sind einfach viel zu viele.
18
Erzählerin
Die Afghanen haben 20 gelbe Nummernschilder auf dem
Boden verteilt. In einem durchsichtigen Plastikbeutel, mit
säuberlich beschriftetem Etikett, liegt ein Ziegelstein.
O-Ton
Marco They got the information: there is just a gun and a knife,
and there is no wood, no bar, no whatever, no hose. Nobody
uses it, it was just rubbish lying there. So they have to learn to
make a difference between evidence and rubbish they don‟t
need. So we make pictures here and we talk about it later in the
evaluation of this exercise. I did it now for five, six courses. And
I see everytime the same. And they don‟t listen very well to
information they get.
Mann
Sie haben die Information: es waren ein Gewehr und ein
Messer. Kein Holz, keine Stange oder sonst was. Der ganze
Krempel, der hier rumliegt, war für den Überfall völlig egal. Sie
müssen den Unterschied zwischen Beweismitteln und Müll
begreifen. Wir machen später eine Nachbesprechung. Ich habe
diesen Kurs jetzt fünf, sechs Mal unterrichtet. Es ist immer das
gleiche. Sie hören einfach nicht zu.
Erzählerin
Neben der „modernen“ Polizei herrscht informelles Recht in
Afghanistan. „Jirgas“. Parallel zum staatlichen Justizsystem
regeln Dorfräte allerhand Fälle. Norbert Koster von der EUPOL
kann die Räte von der Rückbank des Jeeps nicht abschaffen.
Und will das auch nicht. Sagt er.
O-Ton
Norbert Koster Es gibt Untersuchungen, nach denen bis zu
80% aller Streitfälle in Afghanistan durch solche jirgas erledigt
werden. Ich denke, dass man das auch weitestgehend
respektieren muss, weil anderenfalls die Akzeptanz der
Bevölkerung verliert. Aber mit komplexen Ermittlungen, mit
Finanzstrafverfahrensermittlung, mit Kapitalverfahren, wo es um
Mord und Totschlag geht, wo man gerichtsmedizinische
Gutachten braucht, und dann auch auswerten muss, ist so ein
System natürlich im Ansatz schon überfordert.
Musik
O-Ton
Allah Gul Mujahid
19
Mann
Ich heiße Allah Gul Mujahid. Ich war einer der Befehlshaber der
Mujahideen unter der sowjetischen Besatzung. Heute bin ich
Abgeordneter im Parlament und Mitglied der
Beschwerdekommission.
Erzählerin
Allah Gul Mujahid trägt ein blaues Jackett, dazu einen Turban
in Nadelstreifen-Look. Seine Augen leuchten. Sein Mund, als
gehöre er in ein anderes Gesicht, ist reglos und bitter. Auch
sein Leben hat zwei Teile. Vormittags nimmt er an den
Parlamentssitzungen teil. Am Nachmittag und Abend empfängt
er Abgesandte von Jirgas, den Dorfräten. Er ist ein
„Weißbärtiger“, ein Würdenträger, der Streit schlichtet. Er klappt
einen Schnellhefter auf. Obenauf ein eng beschriebenes Blatt,
das mit Unterschriften auf lilafarbenen Fingerabdrücken
besiegelt ist. Eine Landstreitigkeit, die eine Jirga geklärt habe.
O-Ton
Allah Gul Mujahid
Mann
Und hier ein Mordfall. Zabet Omarkhan hat vor 31 Jahren den
Vater von Shokor und Quda umgebracht. Die beiden waren
damals erst ein Jahr alt.
Erzählerin
Und letztes Jahr habe dann einer der Söhne den Mörder von
damals getötet. Der Sohn sitzt nun im Gefängnis. Die
Familienfehde hätte sich fortgesetzt, hätte nicht Allah Gul
Mujahid eine Versöhnung aushandeln können. Meint er. Die
Gefahr von Rachemorden sei damit gebannt. Allah Gul Mujahid
sagt: Dafür werde ich am jüngsten Tag sicher belohnt.
Mann
Mitglieder von Jirgas sind unbestechlich – wer im Stamm
seinen Ruf verliert, verliert die Lebensgrundlage.
Erzählerin
So lautet Allah Gul Mujahids Erzählung. Aus Tradition
lupenrein.
O-Ton
Allah Gul Mujahid
20
Mann
Außerdem, würden wir nicht für Gerechtigkeit sorgen, würde
uns doch keiner mehr seine Fälle anvertrauen. Wenn ich Geld
nehmen würde und nicht die Gerechtigkeit im Sinne hätte,
würden die Menschen mich nicht akzeptieren.
Erzählerin
2011 demonstrierten in Kabul 100 Menschen gegen Allah Gul
Mujahid. Er hätte Landrechte unterschlagen. Die bereits
eingereichten Beschwerden seien aussichtslos, sagte einer der
Demonstranten einer Zeitung. Schließlich habe Allah Gul
Mujahid eine Privatarmee. 2012 kam es in einem Krankenhaus
in Kabul zu einer Schießerei zwischen seinen Bodyguards und
denen eines verfeindeten Stammesführers. Das
Innenministerium habe daraufhin versucht, Journalisten
einzuschüchtern, damit diese nicht über den Vorfall berichteten,
schrieb das Nachrichtenportal „Pahjwok Afghan News“. Ja, der
Rechtsstaat gefalle ihm gut, sagt Allah Gul Mujahid.
O-Ton
Allah Gul Mujahid
Mann
Ich bin zufrieden mit der afghanischen Polizei. Sie verbessert
sich Schritt für Schritt. Früher waren die sowjetischen Besatzer
hier. Dann kamen der Bürgerkrieg und die Taliban. Im Laufe
der Zeit ist die Jugend wieder zu Bildung gekommen. Auch die
Polizei ist nun besser qualifiziert. Gott sei Dank.
Musik
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Zögerlich gab Salmai dem deutschen Polizisten die Hand. Er
hieß Dietrich und trug keine Waffen, keine Munition wie die
ausländischen Soldaten. Der Mann sprach ein wenig Pashto,
Salmais Sprache. Der Junge dachte, er lächelt mich ja an, ist er
anders? Dietrich sah den Jungen an und sprach zum Vater:
„Ich werde dir helfen, dass der Junge in unserem Krankenhaus
behandelt wird.“ Salmai verstand nicht, was die beiden da
21
sprachen. Er dachte nur, dass Dietrich sich sehr unterschied
von den anderen und dass das unglaublich war.
Mann
Kapitel 7. Vom Leben, das irgendwie funktioniert.
O-Ton
Joachim Haack Handytelefonat im Auto Hi André, hier spricht
der Joe. Der Joe, die Patricia, und der Journalist Guschas vom
HQ EUPOL zur ANPA. Jop. Ciao.
Erzählerin
Joachim Haack, auf dem Schoß eine Straßenkarte, sitzt als
Beifahrer in einem gepanzerten Fahrzeug des GPPT. Der
Wagen rumpelt über Schlaglöcher. Griffbereit auf der
Rückbank: Helme und Kurzwaffen.
O-Ton
Joachim Haack Die Einwohner Kabuls, wie sie sich im
Straßenbild bewegen und ihrem Tagesleben nachgehen und
ihrem geschäftigen Treiben, hier gerade vorbeigefahren auf
dem Moped, auf dem Moped teilweise zwei, drei, das größte,
was ich gesehen habe, vier Personen, zwei Erwachsene, zwei
Kinder. Nach unseren Vorstellungen überhaupt nicht möglich,
aber hier scheint es voll zu funktionieren.
Erzählerin
Zwei Spaziergängerinnen halten rosa Regenschirme in den
Himmel, als Sonnenschutz. Ein Soldat in Camouflage isst ein
Schoko-Eis. Ein weißer, sehniger Hund inspiziert ein
verrammeltes Holztor und pinkelt. Eine Frau in Burka zieht ein
jammerndes Kind hinter sich her. Ein vielleicht 14jähriger Junge
betankt einen Mercedes mit einem Kanister. In einem
Schaufenster liegen Luftballons, Pepsi, Klopapier, in
Neonfarben verpackte Süßigkeiten.
O-Ton
Joachim Haack Also es macht zumindest den Eindruck eines
einfachen Lebens. Auch sehr verarmtes Leben zum großen
Teil, was man jetzt hier so im öffentlichen Straßenbild so sehen
kann.
Musik
Erzählerin
Joachim Haack ist jetzt seit einer Woche in Kabul.
O-Ton
Joachim Haack Ja, meine Freunde, oder meine Familie, sprich
meine Geschwister, die haben das natürlich auch mit Sorge
22
aufgenommen, weil sie das aus der Presseberichterstattung
natürlich kennen, und sagen „ja, bei dem Risiko“, aber wenn
man dann berichtet von dem oder dem, was man selbst sagt
und von der Vorbereitung, und wenn man dann noch das Stück
weit Erfahrung aus vorangegangenen Missionen miteinbringt,
dann senkt sich die Sorge und es wird einfach gespannt
beobachtet und begleitet.
Erzählerin
In seinem Zimmer in der militärischen Wohnanlage stehen ein
Bett, ein Tisch und ein Schrank. Es gibt eine Klimaanlage,
einen Fernseher und eine Nasszelle. An der Wand hängt ein
Regal, in dem zwei Bücher stehen, eines über
Personalmanagement und eins über Afghanistan: das Land in
Zahlen, Daten, Fakten.
Frau
Die Geschichte von Sandra
Musik
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Sanda trug eine Polizeiuniform. Sie landete in einem
Militärflughafen. Schaute sich um. Schaute hin und her. Vor
sich sah sie eine Tür, die mit Blumen verziert war. Sie ging
näher heran. An der Tür hing ein Schild: auf dem Schild stand
"Stadt des Lichts". Sie öffnete die Tür und betrat die Stadt.
Mann
Kapitel 7. Und ihr sollt dankbar sein.
Erzählerin
Besuch in einem afghanischen Polizei-Präsidium. Ein
Bodyguard der EUPOL geht voraus. Die Waffe im Anschlag.
Ein zweiter Bodyguard wartet vor dem Gebäude im
abfahrtbereiten Jeep. Das Präsidium befindet sich auf dem
Gelände der EUPOL-Zentrale.
O-Ton
Fariba Hamid
Erzählerin
Sie heiße Fariba Hamid. Im Polizeidistrikt 9 arbeite sie seit
sieben Jahren als Offizierin und leite die Abteilung für
23
Konfliktlösung. Fariba Hamid hat sechs Kinder. Ihr Mann ist wie
sie berufstätig. Aus dem schwarzen Kopftuch leuchtet ein hell
gepudertes Gesicht hervor.
O-Ton
Fariba Hamid
Erzählerin
Es sei schwierig, als afghanische Frau bei der Polizei zu
arbeiten. Der Bildungsstandard in Afghanistan ist sehr niedrig.
Wenn die Leute eine Frau in Polizei-Uniform sehen, behandeln
sie sie anders als einen Mann. Das enttäuscht Fariba Hamid.
Gestern sei sie auf einer großen Veranstaltung der Polizei in
Kabul gewesen. Es ging um Menschenrechte. Einige
Mitarbeiter von EUPOL seien auch da gewesen. Für sie sei der
Termin eine gute Gelegenheit gewesen, ihr Anliegen an den
Mann zu bringen.
O-Ton
Fariba Hamid
Erzählerin
Sie sagt: ohne die europäischen Polizisten säße sie nicht hier.
Früher hatte sie Probleme. Geholfen hätten ihr die Kurse von
EUPOL. Besonders ein Kurs zur Kompetenzentwicklung. Da
lernte man Techniken, wie man Menschen richtig
gegenübertritt. Zu Polizisten, die im Rang unter ihr stehen, sei
sie grundsätzlich freundlich. Sie erwarte dasselbe von ihnen.
Besonders danken möchte Hamid dem Leiter ihres
Polizeidistrikts 9. Ein guter Chef, sagt sie.
O-Ton
Fariba Hamid
Erzählerin
Noch ein Versuch mit David, an eine Uniform zu kommen. Und
schon wieder eine Hürde.
O-Ton
David Lawley Wakelin So this guy is playing by the book.
Because he sees we are journalists and straightaway he asks if
we have some kind of proof that we are part of the military.
24
Mann
Der hier hält sich an die Regeln. Er hat gesehen, dass wir
Journalisten sind. Er sagt, wir sollen ihm mal Beweise liefern,
dass wir zum Militär gehören.
O-Ton
David Lawley Wakelin It is because he sees our microphone. If
we offered him some cash would he be more interested? If I
was from the military how much money would it cost? They
think we are working for the CIA or the military or the
government and try to spy on them.
Mann
Er hat unser Mikro gesehen. Was wäre, wenn wir ihm ein
bisschen Geld bieten würden? Mal angenommen, ich käme
vom Militär, wie teuer wäre dann eine Uniform? Die halten uns
bestimmt für Spione von der CIA oder sowas!
Erzählerin
Wenn David nicht versucht, die afghanische Polizei zu
provozieren, dreht er Filme für den englischen Fernsehsender
Channel 4. Gestern war er in Kandahar. Im Stundentakt heben
da Kampfjets ab, sagt er.
O-Ton
David Lawley Wakelin I was in Kandahar yesterday. Fighterjets
were taking off on an hourly basis. The world down in Kandahar
seemed to be that if the Americans wanted to take out the
Taliban down there who run the poppy business they could
wipe out the Taliban in not so much time. They don‟t have to
send drones into Helmand, they can send fighter bombers and
the rest of it, helicopters, gunships, anything they want,
because they are at war with the Taliban they can take them
out if they wanted to. But it is in their interest to keep the
Taliban alive and to keep the mafia going because it gives them
a reason to stay here. And my personal believe is that
strategically the position of Afghanistan in the world, bording
Iran in particular, and with Russia and China to the East, and
Syria and so on, to have five airfields here! You know the
Pentagon did a report that showed that there is over a trillion
dollars a year of mineral wealth in Afghanistan. I am not saying
they are here just for that mineral wealth, but it helps to pay for
the military operations that perhaps they do have plans for.
Mann
Wenn die Amerikaner das wollten, könnten sie die Taliban
ausradieren. Sie halten die Taliban ganz bewusst am Leben.
Die Amerikaner bräuchten gar keine Drohnen in Helmand, sie
könnten Bomber, Hubschrauber, Kanonenboote einsetzen –
25
immerhin sind sie ja im Krieg. Sie nehmen die Taliban als
Vorwand, um hier bleiben zu können. Wegen der strategischen
Lage. Afghanistan grenzt an den Iran, an Russland, China und
Syrien. Wenn man dann fünf militärische Flugplätze hat! Es gibt
einen Bericht des Pentagons, demzufolge die Bodenschätze in
Afghanistan eine Billion Dollar pro Jahr wert sind. Ich meine
damit jetzt nicht, dass die Amerikaner deswegen hier sind. Aber
sie könnten damit ihre Militäroperationen finanzieren.
Erzählerin
Die Amerikaner sind die Strippenzieher, die Europäer das
Feigenblatt. Militärbasen und Bodenschätze sind das Ziel, nicht
Demokratie. Sagt David. In einem neo-klassizistischen
Anwesen in Kabul treffen wir Gran Heward von „Afghanistan
Analysts Network“. Der glaubt das auch.
O-Ton
Gran Heward The police as a civilian police or as a body of
national security forces that is working for law and order can be
defined as police while our national police are fighting in war
front. They are contributing to counter-terrorism and insurgency
operations. This is what is misdefining they are more soldier
than police.
Mann
Unter „Polizei‟ stellt man sich eine zivile Kraft vor, die für Recht
und Ordnung sorgt. Unsere Polizei befindet sich im Krieg. Sie
bekämpft Terroristen und Aufständische. Man nennt sie
Polizisten, dabei sind sie Soldaten.
Erzählerin
Gran ist Mitte 30. Er ist in Afghanistan geboren. So lange er
lebt, herrscht hier immer wieder Krieg.
O-Ton
Gran Heward They are more controlled by American Special
Forces more than the Afghan police leadership. I have heard
lots of stories that local police don‟t care about the police
headquarter and police commander they are obeying the
American Special Forces. They are receiving their salaries,
equipments, logistics, and everything from the Americans.They
are not there to train police in civil order. They are training
police to fight on the front line.
26
Mann
Die ALP, die lokale Polizei, gehorcht eher den amerikanischen
Spezialeinheiten als der afghanischen Polizeiführung. Ich habe
da viele Geschichten gehört. Dass die ALP sich um Befehle aus
dem Polizeihauptquartier nicht viel schert. Sie bekommen das
Gehalt, die Ausrüstung und alles andere von den Amerikanern.
Und die sind nicht hier, um eine zivile Polizei aufzubauen. Sie
brauchen Leute für die Kriegsfront.
Erzählerin
Und EUPOL?
O-Ton
Gran Heward. And EUPOL mission is covering quite a small
portion of the whole police. And the product of the EUPOL is
functioning on very low capacities. Of course it makes a
difference. But the question is at what capacity.
Mann
EUPOL ist doch nur für einen Bruchteil der Polizei
verantwortlich. EUPOL fährt auf ganz niedrigem Niveau.
EUPOL liefert schon einen positiven Beitrag. Die Frage ist nur,
wie stark er ins Gewicht fällt.
Akzent
O-Ton
David Lawley Wakelin Clearly on view here is a number of army
uniforms. And boots.
Erzählerin
David ist auf Armeeuniformen umgeschwenkt. Der Verkäufer
will jetzt einen Ausweis sehen.
O-Ton
David Lawley Wakelin But they are asking for ID to be able to
buy them. Having seen our microphone and my camera they
would probably imagine that we are not just here with good
intentions. But I just could imagine that if you were an Afghan
man with plenty of cash you could absolutely easily buy one. If
we had the right ID card how much? I am pointing to an army
shirt here. 20 dollars. 20 dollars. And the trousers? Ah, the
whole costume is for 20 dollars, there you go!
Erzählerin
David lenkt ab, deutet auf ein Armee-Hemd. 20 Dollar. Und die
Hose? 20 Dollar für alles zusammen. Farhad, der Dolmetscher,
bricht in Gelächter aus. Wie David darauf komme, dass das
afghanische Armeeuniformen seien?
27
O-Ton
Farhad Who told you that it is all military uniforms? It is looking
like that but it is all Chinese. Having said that if you were
wearing a Chinese copy you could still smuggle yourself into....
But it is Chinese you can see that the west, the jeans, all
Chinese ...
Erzählerin
Das sind alles chinesische Uniformen! David stört das nicht.
Bestimmt kann man sich auch damit auf ein Präsidium mogeln.
O-Ton
David Lawley Wakelin Where is your mirror? Not being able to
find a police uniform I had found a rather dashing linen JamesBond-style jacket which I might will buy. (Farhad lacht) So there
is always a good end to every story. You want to see yourself in
the mirror?
Mann
Wo ist ein Spiegel? Wir haben zwar keine Polizeiuniform, aber
ein schneidiges Leinensakko. Sieht aus wie bei James Bond.
Ende gut, alles gut!
Musik
Erzählerin
In Afghanistan werden Geschichten zur Währung. Überprüfen
lassen sie sich kaum. Nicht alle können stimmen. Aber es
können auch nicht alle falsch sein.
O-Ton
Geschichtenerzählerin
Frau
Die Stadt, die Sandra nun betrat, war sehr schön. Die Mauer,
Häuser, Märkte waren mit Blumen bedeckt. Die Sonne strahlte.
Und auch der Himmel war mit Blumen verziert. Diese Stadt war
nur für Kinder da. Engelsgleiche, wunderschöne Kinder. Sie
trugen Kleider, die aus farbenprächtigen und schönen Blumen
geschneidert waren. Die Kinder tanzten, lachten, spielten. Sie
lachten gemeinsam.
Mann
Kapitel 8. Die Schutzmänner von Kabul.
O-Ton
Norbert Koster Nochmal. Wenn alles ideal wäre, wären wir nicht
hier.
Erzählerin
Norbert Koster, EUPOL.
28
O-Ton
Norbert Koster Die Frage ist für mich mehr: wo fangen wir da
an? Wir sind hier auf einem ganz anderen Level als zum
Beispiel auf dem Balkan. Wo manches deutlich besser
entwickelt ist als hier. Aber das ist eine graduelle Frage, ein
gradueller Unterschied, aber das heißt nicht, dass wir hier im
Elfenbeinturm sitzen und versuchen, Dinge zu implementieren,
die völlig losgelöst sind von der Realität sind.
O-Ton
Wilhelm Schulz Unser Projekt hat starke Seiten, aber wir haben
durchaus auch eine Schwäche.
Erzählerin
Wilhelm Schulz, GPPT
O-Ton
Wilhelm Schulz Und diese Schwäche ist, dass wir, das hängt
mit Sicherheitsaspekten zusammen, dass wir nicht vor Ort, in
den Polizeistationen, in den Polizeidistrikten, Aus- und
Fortbildung betreiben oder mentoren, oder reflektieren können,
wie sich unsere Ausbildung dann vor Ort auch gestaltet. Hier
und da erfahren wir das, aber wir können das nicht belastbar
erheben.
O-Ton
Joachim Haack Also, der Beruf des Polizeibeamten kommt
nicht von ungefähr. Der Beruf als Berufung, das verstehe ich
auch so. Und helfen tu ich gern.
Musik
Erzählerin
Haack hat ein Jahr Zeit. Ein Jahr in Afghanistan, in Kabul,
vorbei am Ring of Steel. Ob er niemals weiche Knie hat? Nein,
behauptet er, und zuckt mit den Schultern.
Frau
Sandra schaute in den Spiegel. Sie sah sich selbst. Sie sah,
wie sie sich verwandelte, in einen Engel mit schwarzem Haar.
Sie trug auf einmal Kleidung, die Blumen glich. Sie war
glücklich, denn sie sah aus wie ein Engel. Sie spielte und lachte
mit den Kindern. Vor lauter Glück schloss sie die Augen. Als sie
nach einiger die Augen wieder öffnete, stand sie vor einer
schwarzen Tür. Da war das Militärflugzeug, aus dem sie vor
wenigen Minuten gestiegen war. Soldaten stiegen aus. Ich
wünschte, ich könnte dahin zurückkehren, wo ich eben noch
war!
O-Ton
Geschichtenerzählerin
29
Erzählerin
Sie mag am liebsten diese Geschichte, die FantasyGeschichte. Sie habe bisher drei Romane veröffentlicht. Einer
heiße „Atemlose Flucht“. Es gehe ihr um die Probleme
afghanischer Frauen. In ihrem Viertel könne sie sich als Frau
frei bewegen. Ohne die Polizei ginge das nicht.
Mann
Der Schutzmann in Kabul. Feature von Thilo Guschas.
Es sprachen: Sandra Borgmann, Sascha Icks und Stephan
Schad.
Technische Realisation: Dietmar Fuchs und Angelika Körber.
Regie: Nikolai von Koslowski.
Redaktion: Ulrike Toma.
Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks für das ARD
radiofeature 2012.
30
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
345 KB
Tags
1/--Seiten
melden