close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

"Was sagt mir Krankheit?" - Diakonie Lahn Dill

EinbettenHerunterladen
"Was sagt mir Krankheit?"
Zum Vortrag von Pater Anselm Grün kommen über 1000 Gäste
Wetzlar. Als Pater Anselm
Grün am Dienstagabend in der
Wetzlarer Stadthalle darüber
gesprochen hat, was Menschen krank macht, reichten
dort die 1073 Sitze für den Ansturm der Besucher nicht aus.
Bereits eine Viertelstunde vor
Vortragsbeginn musste das
evangelische Stephanuswerk,
das den Ordensmann aus der
Benediktlnerabtei im unter.
fränkischen Münster-Schwarz.
ach zu seinem 20-jährigen Be.
stehen eingeladen hatte, aus
feuerpolizeilichen Gründen für
mehrere Dutzend weitere Be.
sucher die Eingangspforten
schließen lassen.
Schriftstellers
Reinhold
Schneider (1903bis 1958)und
des katholischen Theologen
und Religionsphilosophen Ramano Guardini (1885bis 1969).
Beide hätten immer wieder unter Depressionen gelitten, ihre
liturgischen Werke spiegelten
jedoch unverzichtbare innere
Werte für die Menschen wider.
Auch der Apostel Paulus
habe sein Leben lang unter einer bis heute nicht diagnostizierten Krankheit (Epilepsie?
Migräne?) gelitten. Aber gerade dadurch habe er sich nach
eigenem Bekunden den Blick
öffnen lassen können auf "die
Kraft Gottes, die in den SchwaMatthias Rau vom Stephanuswerk begrüßte Pater Anselm Grün chen mächtig ist" (2.Korinther.
in der Wetzlarer Stadthalle zu dessen Vortrag. (Fotos: Henning) brief 12,9).
Die bei solchen Großveranstaltungen zunächst spürbare
Unruhe legte sich im Saal sofort, als Pater Anse1m, im
dunklen Habit seines vor 1500
Jahren in Italien gegründeten
Ordens gekleidet, ans Rednerpult trat. Man hätte im großen
Saal der Stadthalle die berühmte Stecknadel fallen hören können, als der Gast aus
Unterfranken nach einem kurzen, besinnlichen Schweigen
zu sprechen begann.
Was er zu sagen hatte, erwies sich als losgelöst von gängigen Tagesdiskussionen über
Erkrankungen, deren Ursa-
chen und Heilung in der heutigen Psychologie und Psychotherapie. Gleichwohl zeigte
sich der Ordensmann in diesem Metier bewandert.
Sogrenzte er sich ab von psychoanalytischen Ansatz des
Wiener Psychiaters Sigmund
Freud (1856bis 1939), der bei
auftretenden körperlichen und
seelischen Erkrankungen deren verdrängte Ursachen in
der biografischen Vergangenheit des Patienten suchte.
Freuds Therapieansatz fördere allzu sehr Schuldgefühle,
löse weitere Ängste aus und
trage nur wenig zur Neuorien-
VON KARL-OSKAR HENNING
tierung eines Kranken bei.
Freud böte letztlich "kein hilfreiches Modell für einen Heilungsprozess", stellte Pater Anselm für sich fest. Zugleichließ
er erkennen, dass seine Sympathie dem Therapieansatz des
Schweizer Nervenarztes Garl
Gustav Jung, eines Freud-Schülers, gilt. Jung habe seine Therapie auf die Frage hin ausgerichtet: "Was sagt mir meine
Krankheit, zu welchen Veränderungen meines Lebens ruft
sie mich auf?"
Dieses Therapiemodell ermögliche es, so Pater Anse1m,
eine Krankheit nicht als ein
Unglück anzusehen, sondern
als eine zum Leben gehörende
Befindlichkeit.
Trete sie auf, solle man sich
im Sinne Jungs nach ihrer Botschaft fragen. Wie sehr habe
ich meinem Ich Leistungen abverlangt, denen ~meine Seele
nicht gewachsen war"?
Krankheit erfahre in dieser
Sicht eine eigene Bedeutung,
nicht als Defekt, sondern als
ein Hinweis auf erstrebenswerte Lebensinhalte wie Innerlichkeit, Besonnenheit und Gelassenheit.
Pater Anselm erinnerte an
Aufmerksam folgten 1073 Zuhörer dem Vortrag von Pater Andas Leben des christlichen
seIm.
. Hilfeerfährt der
Krankedurch
regelmäßige
Zeiten der
inneren Einkehr
Als praktische Hilfe im Umgang mit Krankheiten verwies
Pater Anselm auf geistliche Rituale. Regelmäßige Zeiten der
Stille, der inneren Einkehr und
des Nachdenkens ermöglichten nach seiner Erfahrung eine
Sicht durch Krankheiten und
Verletzungen hindurch zum
unverletzbaren
Wesenskern
des Menschen. Darin sei seine
Gottesebenbildlichkeit und damit sein Heil aufbewahrt.
Zur Einstimmung in den Vortrag hatte zuvor Geschäftsführer Matthias Rau vom evangelischen Stephanuswerk Mitarbeiter und Bewohner von deren Therapieeinrichtungen in
Wetzlar, Aßlar und Weilburg
nach ihrem Umgang mit
Krankheiten befragt. Rolf
Weinrich (Gitarre) und Manuela Michaeli (Gesang) aus
Gießen brachten mit ihren
Liedbeiträgen dem Zuhörerkreis die allen Menschen geltende LiebeGottes nahe.
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
10
Dateigröße
901 KB
Tags
1/--Seiten
melden