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. . . was Du nicht siehst - Reinhard Stengel

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KULTUR
„Frau Öl“, eine dreiköpfige Independent-Band aus Ulm, tritt
im Heuchlinger Schlicker auf.
Zweimal
deutscher Rock
Schlicker: „Frau Öl“ und „Pelz“
„Frau Öl“ und „Pelz“ spielen live
im Schlicker: Hinter diesen beiden eher seltsam anmutenden
Namen verbergen sich zwei
Bands aus Ulm, die mit ihren jeweils drei Musikern guten
deutschsprachigen Rock produzieren. „Frau Öl“ besteht aus zwei
Männern und einer Frau und verfolgen als Grundidee der Band: Es
gibt Gitarre, Schlagzeug, Bass und
drei gleichberechtigte Sänger.
Heraus kommt ehrlicher Gitarrenrock mit schrägen deutschen
Texten und klaren IndependentAnleihen. Auf einen Bandleader
hat das Musiker-Kollektiv, das seit
2010 gemeinsam auftritt, bewusst
verzichtet und letztes Jahr sein
erstes Album „Schwestern des
Lichts“ aufgenommen.
Ähnlich verhält es sich bei
„Pelz“, einer Band, entstanden
durch das Aufeinandertreffen von
Daniel Rueß und Simon Schöfisch
in einer Kneipe, welcher eine
Jamsession mit Rueß’ Mitbewohner Manuel Weber folgte. Nach
einigen mittelmäßigen Coversongs stellt sich heraus, dass nur
das eigene Zeug gut ist. Mit deutschem Indierock zeigen die Jungs
aus Ulm, gemeinsam mit „Frau
Öl“, am Freitag (16. November, 21
Uhr) im Heuchlinger Slikr ihr
Können.
Heute Führung
im Kunstmuseum
Am heutigen Mittwoch wird Ren´e
Hirner durch die Ausstellung
„Last Call für Engel“ im Kunstmuseum Heidenheim führen.
Mittwoch, 14. November 2012
. . . was Du nicht siehst
„Gletscher, Waale und Marillen“: Fotografien aus dem Vinschgau in der Fotogalerie des Pressehauses
Im Vinschgau kennt Rolf Lindel
jeden Stein. Und es gibt Leute,
die behaupten, dass im Vinschgau auch jeder Stein Rolf Lindel
kenne. Seine Fotografien zieren
zahlreiche Kunst- und Reiseführer zum Thema, denn seit Jahrzehnten schon tut sich der frühere HZ-Fotograf ausgiebig um
in diesem Südtiroler Naturparadies. Sei es auf dessen weit über
3000 Meter reichenden Berggipfeln oder sei es in dessen Tälern
und Seitentälern. Auch dazwischen kennt Rolf Lindel jeden
Schritt und Tritt. Was man im
übrigen auch von seiner Gattin
behaupten kann, die im Vinschgau ebenso zu Hause ist. Weshalb, was ja gar nicht ausbleiben
konnte, auch die Söhne Alexander und Veit die Gegend inzwischen kennen wie ihre Westentasche.
Wenn nun also die Lindels eine
Fotoschau zum Thema „Vinschgau“ in Aussicht stellen – Untertitel „Gletscher, Waale und Marillen“ –, dann darf man einiges erwarten. Und zwar einiges und
noch viel mehr von dem, was
man eben nicht wahrnimmt und
darüber hinaus auch gar nicht
wahrnehmen kann, wenn man
dort vielleicht mal außer der Reihe urlaubt oder gewohnheitsmäßig durchfährt. Ich sehe was, was
Du nicht siehst.
Eine gewisse Vorstellung vom,
sagen wir mal offiziellen Gesicht
des Vinschgaus hat praktisch jeder, den die Italiensehnsucht mal
weiter als bis nach Meran nach
Süden getrieben hat. Über den
Reschenpass haben’s doch die
meisten schon einmal geschafft,
oder? Und gleich darauf wurde
der aus dem Reschensee ragenden Kirchturm des versunkenen
alten Graun der Kamera fette
Beute, stimmt’s? Genau solche
Bilder jedoch sucht man in der
Ausstellung, die ab dem kommenden Samstag, 17. November,
in der Fotogalerie des Pressehauses in Heidenheim zu sehen
sein wird, vergeblich.
Stattdessen sieht sich in dieser
oft speziellen Vinschgauschau
der Betrachter beispielsweise
Auge in Auge mit jenem faszinierend funkelnden Eissee, der sich
zwischen die Gipfel des Piz Rims
und des Piz Cristanas schmiegt,
zwei Dreitausendern der Sesvenna-Gruppe, schon da zu finden,
wo der Vinschgau endet und das
Unterengadin beginnt. Um dort
hinauf zu gelangen, sollte man
vor Tau und Tag aufstehen und
darauf hoffen, dass sich das Wet-
Ganz schön hoch, ganz schön kalt: Die Dreitausend-Meter-Marke muss überschreiten, wer den Anblick dieses Eissees in der Sesvenna-Gruppe
der Ostalpen an der Grenze des Vinschgaus zum Unterengadin genießen will. Ein Abbild des Anblicks wenigstens ist ab Samstag Bestandteil
der Fotoausstellung „Gletscher, Waale und Marillen“ im Heidenheimer Pressehaus. Mehr Fotos auf www.hz-online.de/bilder Foto: Veit Lindel
ter die nächsten zehn Stunden
von seiner guten Seite zeigt.
Doch die Lindels und ihre Motive sind keineswegs nur anzutreffen, wo es, ehe man zu ihnen und
wieder retour gelangt, womöglich
wehtut. Mitunter nur einen Katzensprung von den ausgetretenen
Pfaden entfernt bieten sich reizvolle Aus- und Einblicke oder die
Möglichkeiten, auf Kleinodien zu
stoßen, die, vor dem Hintergrund
allseits bekannter Kulissen, ungerechterweise übersehen werden.
Denn wem, der die Vinschgauer
Hauptstraße abwärts nach Meran
und wer weiß noch wohin Richtung Süden befährt, fiele es knapp
hinter Burgeis ein, auf etwas anderes als den Anblick des gewalti-
Der Schamane und die Seele
Rainbowman wies im Konzerthaus Wege zur Selbstheilung
Es klingt phantastisch, magisch,
geheimnisvoll. Reinhard Stengel,
den die Schamanen in Montana
„Rainbowman“ tauften, löst Blockaden, die sich im Menschen verankert haben und führt sie auf
diese Weise zum Selbstheilungsprozess. Jetzt demonstrierte er seine Fähigkeiten im Heidenheimer
Konzerthaus.
Rund eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn trifft Reinhard Stengel die letzten Vorbereitungen. Der
62-Jährige, der drei Herzinfarkte
und selbst den Prostatakrebs ohne
Medikamente und Operation
überwunden hat, wirkt gelöst und
entspannt. Er ist komplett in weiß
gekleidet, trägt dazu ein weißes
Stirnband, das von einer grünorange-roten Stickerei geziert wird.
Das Haar des Schamanen ist
grau. Wie 62 wirkt er aber lange
nicht. Seine Haut ist leicht gebräunt. Stengel trägt Holz-Clogs,
die mit Fell überzogen sind, und
eine Kette mit verschiedenen bunten Steinen. Auf den ersten Blick
wirkt er wie ein Arzt. „Das bin ich
definitiv nicht“, sagt der Rainbowman und lächelt. „Ich kann
niemanden heilen, und ich stelle
keine Diagnose. Ich führe dich in
den Heilungsprozess hinein, aber
am Ende heilst du dich selbst“, erklärt er.
Stengel setzt da an, wo die
Schulmedizin offenbar nicht weiter weiß. In der Seele des Menschen. „Weil die Seele nicht sprechen kann, benutzt sie den Körper, um zu zeigen, was sie bedrückt“, sagt er. „Überhaupt besitzt alles in dieser Welt eine Seele.
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Jeder Stein, jedes Blatt und auch
der Stuhl, auf dem ich gerade
sitze.“ Die Worte des Schamanen
sind schwer nachzuvollziehen.
Eine Frau mittleren Alters meldet sich zu Wort, nachdem Stengel
erklärt hat, dass nahezu jede
Krankheit heilbar sei. „Im Schamanismus gibt es keine Krankheiten. Nur Unpässlichkeiten. Eine
Energie, die nicht mehr richtig
fließt und einen Stau verursacht.
Wenn diese Blockade gelöst wird,
fließt die Energie wieder, und der
Körper geht hinein in die Heilung“, erklärt Stengel, der rund
sechs Monate im Reservat der
Crow-Indianer lebte und vieles
von ihnen lernte.
Gestatten, Rainbowman: Schamane Reinhard Stengel löst Blockaden auf dem Weg zur Selbstheilung.
Foto: hw
„Was ist mit Tinnitus“, fragt sie.
„Tinnitus“, sagt Stengel „entsteht
wie jede andere Krankheit auch in
dem Moment, in dem der Mensch
entsteht und in den ersten sieben
Lebensjahren. Du bist nichts, du
kannst nichts, du taugst eh nichts.
Sagen dir diese Worte etwas?“,
fragt der Schamane. Die Frau
atmet tief ein und nickt schließlich. „Komm nach vorne. Ganz
ruhig. Ich muss deine Ohren sehen können.“ Sie legt ihre Ohrringe ab und begibt sich in die
Obhut des Rainbowman. Stengel
presst seine Hände ganz fest auf
die Ohren der Frau und lässt sie
nach außen wegklappen. „Besser?“, fragt er und lächelt. Die
Dame nickt. Dann legt er ihre eine
Hand auf den Kopf, gleitet mit der
anderen am ihrem Rücken entlang. „Sag mir deinen Vornamen,
dein Geburtsdatum.“ Dann zuckt
er mit seinem Kopf. Es wird besser werden sagt er. Auf Nachfrage
bestätigt die Dame, dass das Ohrgeräusch leiser geworden sei.
Klingt nach Humbug und Hokuspokus? In der Tat gehört wohl
eine Portion Glauben zu dem,
was Stengel macht und ist mit
rationalem Verstand und der modernen Schulmedizin nicht greifbar. Gespannt lauschen die Zuschauer den Worten des Schamanen, sind fasziniert von dem, was
er erzählt. Womöglich gibt er
ihnen einen kleinen Funken Glauben an sich selbst zurück und
führt sie damit hinein in einen
Selbstheilungsprozess, gesteuert
über die Macht der Gedanken
und der Seele.
Yasmin Fischer
gen Klosters Marienberg zu achten, das sich rechterhand in 1335
Meter über dem Meer erhebt?
Nirgendwo in Europa leben Benediktiner höher. Das Kirchlein St.
Leonhard in Schleis hingegen, zu
Fuß oder per Auto im Handumdrehen von hier aus zu erreichen, sieht keiner. Wer, außer den
vielleicht 400 Schleisern und den
vier Lindels, hätte auch schon
Grund, nach Schleis zu laufen
oder zu fahren?
Mehr oder weniger gegenüber,
auf der anderen Straßenseite,
liegt, schon wesentlich bekannter,
Mals, das Dorf mit den einst sieben Türmen, von denen heute
noch fünf aufrecht zu bestaunen
sind. Einer gehört zu St. Benedikt,
einer Kirche, die, sofern man
weiß, woher man den Schlüssel
bekommen kann, Fresken aus karolingischer Zeit birgt, von denen
eine, so sagt man, Karl den Großen himself zeigt.
Vom Karlinbach, der die Eiswasser der Öztaler Alpen mit der
bald 3800 Meter hohen Weißkugel
zu Tal bringt, an Waalen entlang,
die die Wasser seit Jahrhunderten
fassen und Wiesen, Feldern und
Obstplantagen zuführen, bis hinunter an die Töll kurz vor Meran,
wo, von oben betrachtet, der
Vinschgau endet, fangen über 30
Fotografien den sonst bei einer
groben Draufsicht gänzlich unbemerkt bleibenden Zauber dieses
Landstrichs ein, der mit seiner
Natur ebenso prunken kann wie
mit seiner langen und wechselvollen Geschichte. Und mit Menschen, denen man noch heute dabei begegnen kann, wie sie einen
Berghang im Schweiß ihres Angesichts mit Steigeisen an den Füßen und der Sense in der Hand
mähen oder das Laub, anstatt es
mit dem Laubsauger zu malträtieren, in einer Kraxe auf dem Rücken heimtragen, um dort auf den
Stallboden zu streuen.
Manfred F. Kubiak
Info Die Fotoschau „Gletscher, Waale
und Marillen“ wird von Samstag, 17.
November, bis Freitag, 15. Dezember,
während der üblichen Öffnungszeiten
zu sehen sein.
Der Spezifisch in seinem Element
Kabarettist Daniel Helfrichs Spielwiese ist das Aquarium
„Witzig-würzig“ sollte es zugehend am Montagabend im vollbesetzten Heidenheimer „Balzac“. Was der aus dem Hessischen
stammende Kabarettist Daniel
Helfrich mit seinem Programm
„MusiZierFische“ bot, war ein
entlarvender Blick auf den gesellschaftlichen Narzissmus und Größenwahn, aber auch ein Feuerwerk an Worterfindungen.
Ganz nebenbei zeigte sich der
schelmisch blickende Helfrich als
exquisiter,
temperamentvoller
Keyboarder. Die Welt der Fische
hatte es ihm angetan bei seiner
entwaffnenden Charakterisierung
menschlicher
Befindlichkeiten.
Wenn er sich auf der Straße „wie
in einem Aquarium“ vorkam, so
waren Gedanken an die Allgegenwart der Wasserbewohner verständlich.
Schuberts „Forelle“ oder singende Fische wie „Ellfisch Presley“ ließen ihn zum „Sprung ins
kalte Wasser“ auffordern. Umgangssprachliches wie „Beweg
deine Flossen“ führten zur Vorstellung anderer Spezies wie etwa
dem „Nervfisch“ im schillernden
Narrenkostüm. Der ungeduldige
Mercedesfahrer, dem der unterbezahlte Paketdienstmann kurz
den Weg versperrte, war nur ein
Beispiel dafür.
Es fällt schwer, aus der Fülle an
Wortschöpfungen und Pointen
die skurrilsten vorzustellen. Sein
„Lebemann“ etwa lebt am Limit
und behält die Sonnenbrille im
Tunnel auf. Doch die Gemeinsamkeiten von Fischen und Menschen beschäftigten den quirligen
Frechdachs mehr. Finanzhaie
etwa „tauchen meist ab“, es wird
– nicht nur in der Politik – „zu viel
geblubbert“. Verflossene Liebe
gebe es bei Flossenträgern wie
Zweibeinern. Ein Glanzstück war
der Song über den Ex-Kulttrank
„Bionade“ nach der Melodie „Oh!
Darling“ aus der Beatles-LP „Abbey Road“. Sein Lieblingsgetränk
gehe jetzt „für Oetker auf den
Strich“ und er kehre zu seiner
„alten Schlampe Cola“ zurück.
Helfrich verstand es, die Besucher in seine „Fischwelt“ einzubinden. Bettina aus der zweiten
Reihe im Publikum hatte es ihm
offenbar besonders angetan, und
diese verstand es glänzend, mit
Gestatten, Helfrich: Fisch war
gewissermaßen Trumpf beim Kabarettabend im Heidenheimer
„Balzac“.
Foto: hape
Helfrichs Anzüglichkeiten umzugehen. Doch die selbstgemalten
Tafeln mit diversen Fischen führten weiter ins nasse Geschehen
ein. Der „Spezifisch“ etwa oder
die intelligenten schwarmbildenden Wassertiere, die kein „Alphatier“ brauchten. Da passte der
Song vom „Betamann“, der gar
nicht in die Oberklasse will. „Was
man nicht hat, kann man nicht
verlieren“, kam es ebenso banal
wie treffend. Der „Betamann in
Heidenheim“ klang fast wie
Stings „Englishman in New York“.
Oft allerdings ging es gefährlich
unter die Gürtellinie, aber Erkenntnisse wie Banken, die „relevant“ seien und „Arme nur lästig“
machten dennoch nachdenklich.
Da passte das Bild vom Fisch in
Erdkugelgestalt, der von „humanoiden Parasiten“ befallen sei.
Helfrichs Changieren zwischen
Seriosität, intelligenter Blödelei
und sexistischen Anspielungen
strengte bisweilen etwas an, aber
wenn man die Ferkeleien bei der
„Erdkundelehrerin“
überging,
freute man sich über Wortspiele
wie „Ich Male Diven“.
Und zum Schluss zeigte Helfrich dann intelligentes Kabarett
nach der Art eines Georg Kreisler.
Die „letzte Tagesschau im Jahre
2200“ berichtete von Amerika,
das in „Groß-Kuba“ aufgegangen
ist. Der Aufforderung an Bettina
aus der zweiten Reihe – „Du, och
bitte, küss mich mal“ im „Lied für
Bettina“ – konterte die schmachtend Angesungene selbstbewusst:
ihr Labello sei leer.
Hans-Peter Leitenberger
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