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Jugendgruppe im HdJ Montabaur „Was... ist mit deiner Hand

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Jugendgruppe im HdJ Montabaur
...
„Was... ist mit deiner Hand passiert?“ „Und - wo kommst du denn jetzt überhaupt her? Ich
dachte du wärst in Köln!“ Nach und nach erwachten Hanna und Nadine aus ihrem
Schockzustand. „Und was ist „schiefgelaufen“? Was geht hier überhaupt ab?“
Völlig außer Atem stammelte Kai: „Also ich und.... ach, ich erzähl euch alles unterwegs,
kommt schnell mit, wir haben keine Zeit, wir müssen nachsehen was mit Karl und Jonas
ist!“ Mit diesen Worten drehte sich Kai um und lief wieder auf den Wald zu, wo er
hergekommen war. Hanna und Nathalie folgten ihm verunsichert.
Sie hasteten einige Minuten über Stock und Stein, bis ein verfallenes Haus zwischen den
Bäumen sichtbar wurde. Jetzt erst verringerte Kai sein Tempo und verharrte schließlich,
vor Blicken geschützt, in einem Gebüsch. Hanna und Nadine krochen zu ihm. „So, sagst
du uns jetzt endlich was los ist? Sonst gehe ich keinen Schritt mehr weiter!“ „Okay, okay.
Also Karls Vater hat Jonas, Karl und mir letzte Woche die Geschichte dieses verlassenen
Hauses erzählt. Kennt ihr die?“ Hanna schüttelte den Kopf, Nadine nickte. „Gut, ich erzähl
euch mal die Kurzversion:
Vor ungefähr hundert Jahren lebte in diesem Haus friedlich eine ganz normale Familie mit
zwei Kindern, allseits beliebt. Aber eines Tages geschah etwas schreckliches: Als die
kleine Tochter aus der Schule nach Hause kam, fand sie ihre Eltern und ihren Bruder
ermordet in der Küche vor. Man fand sie zwei Tage später total apathisch neben ihrer
toten Familie stehend. Sie sprach von da an kein Wort mehr und kam in eine Anstalt, von
wo sie aber bald auf rätselhafte Weise verschwand. Der Mörder wurde nie gefunden, aber
es heißt, der Geist des Mädchens irrt seitdem durch das Haus und den Wald, auf der
Suche nach ihm, nach Vergeltung trachtend. Naja, und seitdem heißt der Angstwald eben
Angstwald.“
„Ja, so ähnlich hatte ich das auch schon gehört“, sagte Nadine mit gedämpfter Stimme,
„aber was hat das mit euch zu tun?“
„Naja, als wir das so gehört haben, kamen wir irgendwie auf die Idee, das es eine
superabgefahrene Sache wäre, mal in dem Haus zu übernachten.“ „So als Mutprobe oder
wie? Das ist ja typisch! Ihr habt sie doch nicht mehr alle!“ Kai ignorierte Hanna. „Also sind
wir eben gestern abend dahin gefahren und haben uns im oberen Stockwerk etwas
eingerichtet, nachdem wir das Haus etwas durchsucht haben. Nach unten konnten wir
nicht, die eine Tür haben wir nicht aufbekommen. Naja, dann haben wir eben ein paar
Bierchen getrunken, Karl hat nochmal die Geschichte erzählt und behauptet, er wäre ein
Nachkomme dieses Mädchens. Und die Leichen lägen noch hinter der verschlossenen
Tür. Oh Mann, das war echt gruselig.“ Kai zögerte, als Hanna ihn vorwurfsvoll fragend
anschaute. „Ja okay, und dass wir nach Köln fahren haben wir gesagt, damit wir unsere
Ruhe haben. Meinst du, unsere Eltern hätten das sonst erlaubt?“ Nadine mischte sich ein:
„Ist doch jetzt mal egal, komm doch endlich zum Punkt! Warum sitzen wir hier?“
„Nun, irgendwann haben wir uns dann schlafen gelegt. Als ich am nächsten morgen
aufwachte, waren die anderen noch am schlafen, ich bin dann leise aufgestanden und
runtergeschlichen um sie nicht zu wecken.“ Kais Stimme bebte nun vor Erregung. „Auf
halber Strecke hörte ich dann aber Stimmen von unten und sah, dass die Tür, die wir nicht
aufbekommen hatten, offenstand. Ich schlich mich weiter an und schaute vorsichtig in das
Zimmer. Dort standen jede Menge Kisten und ein Mann mit dem Rücken zu mir. Dann
aber drehte er sich mit einer Kiste in den Händen um und schaute mir genau ins Gesicht.
Da erkannte ich auch was in den Kisten ist: Maschinengewehre oder so etwas, so genau
kenne ich mich nicht aus, aber auf jeden Fall große Schusswaffen.“ Kai zögerte kurz, die
Mädchen starrten ihn ungläubig an. „Dann wurde mir schwarz vor Augen, ich wurde wohl
von hinten niedergeschlagen. Als ich wieder zu mir kam, war ich in dem kleinen Schuppen
neben dem Haus eingeschlossen. Kurze Zeit später hörte ich die Stimmen der Männer,
die sich offenbar stritten. Sie sagten so etwas wie: „Mensch, warum musstest du denn
diesen kleinen Schnüffler niederschlagen, so was bescheuertes, das war doch total
unnötig!“ „Jo, ich hab halt die Nerven verloren, kann doch mal passieren, oder?“ Dann
wurden Autotüren geschlagen und sie entfernten sich. Kurz danach habe ich die
Fensterscheibe eingeschlagen und bin nur noch weggelaufen. Ein Glück, dass ich euch
getroffen habe.“
Kai lehnte sich erschöpft zurück. „Und was ist mit den anderen beiden?“ wisperte Nadine.
Den beiden stand der Schreck ins Gesicht geschrieben. Kai raffte sich auf. „Ja, keine
Ahnung! Los, wir müssen ins Haus nachsehen, vielleicht sind sie auch niedergeschlagen
worden oder eingeschlossen oder sowas!“
Sie näherten sich vorsichtig dem Haus, es schien leer zu sein. Die Tür im Erdgeschoss
war wieder verschlossen, ihre Rufe nach den beiden verhallten ohne Antwort. Sie rannten
die Treppe hinauf, und fanden ihr Lager verlassen vor. Für eine Weile sagte niemand ein
Wort. Dann war es Nadine, die die Stille durchbrach und aussprach, was alle dachten:
„Vielleicht haben sie sie mitgenommen“.
In diesem Moment hörten sie unten die Eingangstür knarren. Sie zögerten, aber die
Neugier und die Hoffnung Karl und Jonas zu sehen, besiegten den Fluchtreflex, sie gingen
also vorsichtig die Treppe herunter und wandten sich zum Eingang. Sie erblickten einen
großen, hageren Mann, mit grauen, ungepflegten Haaren, halblangem Vollbart,
stechendem Blick und abgetragenen Kleidern. Er hielt einen großen Hund an der Leine,
der ihm auf erschreckende Weise ähnlich sah.
Immer noch außer Atem standen Karl und Jonas unterdessen in dem kleinen Büro, in das
kein natürliches Licht gelangte. Die zwei zuständigen Beamten schienen alle Zeit der Welt
zu haben.
Als Jonas an diesem Morgen von Stimmen geweckt worden war, hatte er die Treppe
hinuntergespäht und beobachtet, wie zwei Männer den schlaffen Körper von Kai
hinaustrugen. Von den Männern hatte er keinen richtig erkannt, umso besser hatte er aber
gesehen, was sich in der großen Kiste befand, die geöffnet im Flur stand. Er hatte Eins
und Eins zusammengezählt und Karl wachgerüttelt. Nach kurzem Zögern hatten sie
festgestellt, dass ein Sprung aus dem Fenster die einzige Möglichkeit war, zu entkommen.
Das Zimmer lag glücklicherweise auf der Rückseite des Hauses, wo das Gelände etwas
anstieg, sodass sie sich bei dem Sprung nicht die Knochen brechen würden, außerdem
würden sie mit ein bisschen Glück vorerst unbemerkt bleiben. Jonas war so
geistesgegenwärtig gewesen, noch daran zu denken, Schuhe anzuziehen, ohne die ihre
Füße nach wenigen Metern blutig gewesen wären. So waren Sie also in Boxershorts und
T-Shirt - für weitere Kleidung war keine Zeit gewesen - durch den Wald gehastet.
Nachdem sie sich bei Jonas, der am Stadtrand wohnte und bei dem niemand zuhause
war, neue Klamotten besorgt hatten, waren sie so schnell sie konnten auf die
Polizeistation gelaufen.
„Ihr habt also gesehen, wie zwei Männer, die ihr nicht weiter bechreiben könnt, euren
Kumpel entführt oder getötet haben“ fasste der Polizist mit einem leicht amüsierten
Unterton zusammen. „Und dass dort Waffen gelagert werden“, fügte sein Kollege - etwas
ironisch? - hinzu. „Die nehmen uns nicht ernst“, ging es Karl durch den Kopf, und auch
Jonas schoss die Zornesröte ins Gesicht. Dann aber sagte der eine: „Ja gut, dann dann
wollen wir uns das ganze mal vor Ort ansehen“, und Karl und Jonas waren erleichtert. Sie
stiegen also zu viert in einen großen Polizeibus und fuhren zurück Richtung „Angstwald“.
„Wer sind Sie? Was wollen Sie? Was haben Sie mit unseren Freunden gemachtet?“
stammelte Kai, während sich die Mädchen aneinander klammerten und sich hinter Kai
zurückgezogen hatten. „Der Spaziergänger von vorhin“, flüsterte Hanna Nadine ins Ohr.
Der Fremde kam näher, die drei wichen zurück bis an die Wand. Er kam weiter auf sie zu,
bis sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von Kais entfernt war. Die Mädchen zitterten.
Dann raunte der Mann: „Ich bin euch gefolgt.“ Kai wusste nicht, was das bedeuten sollte,
und sagte nichts. „Ich weiß, was passiert ist,“ machte der Mann weiter. „Ihr habt euch da
mit den ganz falschen Leuten angelegt.“ Er wich ein Stück zurück, und Kai wagte es
wieder zu atmen. „Ich bin Ihnen schon lange auf der Spur. Aber ich brauche den Beweis.“
„ Wer sind Sie? Und wer sind „Die“, wenn Sie nicht dazugehören?“ Kai klang verzweifelt,
obwohl er sich bemühte, seiner Stimme einen sicheren Ausdruck zu verleihen. Der
Fremde hatte sich umgedreht und starrte aus dem Fenster. „Zimmermann“, sagte er
langsam und jede Silbe betonend, „Zimmermann ist mein Name.“ Er fuhr mit eintöniger
Stimme fort: „Das sind ganz fiese Ratten, sind das. Ein ganzes Netzwerk angesehener
Leute, die sich gegenseitig decken. Die nach außen hin den Saubermann spielen, und
hintenrum krumme Sachen machen. Die Organisationen in der ganzen Welt mit Waffen
versorgen. Die dafür sorgen, dass die z.B. Menschen in Somalia immer genügend Waffen
haben, um sich gegenseitig sinnlos abzumetzeln. Dass immer neue Minen gelegt werden
können, die nicht mehr aufspürbar sind, um noch in zwanzig Jahren unschuldigen Kindern
die Arme und Beine abzutrennen. Und diese Leute verdienen sich dumm und dämlich
daran. Das ist ein Riesennetzwerk, das hat internationale Bedeutung. Was ihr hier
entdeckt habt, ist nur ein winziger Teil des Ganzen. Aber mir glaubt man ja nicht, die
decken sich alle gegenseitig. Ich brauche den einen, untrüglichen Beweis, dann kann ich
das ganze Netzwerk auffliegen lassen. Ich habe jahrelang Material gesammelt. Aber die
glauben mir nicht. Ich brauche den Beweis“ Bei diesem letzten Satz hatte er die Stimme
erhoben und sich umgedreht. Er kam wieder ganz dicht vor Kais Gesicht und fuhr ihn an:
„Erzähl mir ganz genau, was passiert ist, was du gesehen hast, jedes Detail will ich
hören!“ Kai zögerte. „Der spinnt, der ist vollkommen irre“, dachte er. Er kam auch nicht
mehr dazu, sich eine Antwort zu überlegen, denn in diesem Moment hörte man ein
heranfahrendes Auto, und alle schauten gebannt aus dem Fenster. „Scheiße“, entfuhr es
Kai, aber er war unfähig, sich zu bewegen. Das Auto wurde sichtbar, und der allgemeine
Schockzustand schwang in Erleichterung um: Es war ein Polizeibus! Nun war es
Zimmermann, der leise „Scheiße“ murmelte und nervös in seiner ausgebeulten
Jackentasche herumfummelte, es gibt ein klickendes Geräusch. „Was soll das denn?“,
dachte Kai, „hat er gerade seine Waffe geladen um uns als Geiseln zu nehmen?“
Aber dazu sollte es nicht kommen. Die Tür ging auf und ein grinsender Polizist mit
gezückter Waffe kam herein, gefolgt von - sie konnten es kaum glauben - Karl und Jonas.
„Karl, Jonas, oh Mann, ich dachte ich sehe euch nie wieder“, rief Kai erleichtert und
stolperte auf sie zu. „Mensch, das gleiche dachten wir von dir!! Was macht ihr denn hier?“
sagte Jonas nun zu Hanna und Nadine, die sich ebenfalls freudestrahlend anschickten,
die beiden zu umarmen. Zimmermann hatte sich seit dem Eintreffen der Polizei kaum
gerührt.
Wieder ging die Tür auf, und ein weiterer Polizist mit einsatzbereiter Waffe kam langsam
herein. Niemand beachtete ihn weiter, Kai sah ihm flüchtig ins Gesicht, es kam ihm
irgendwie bekannt vor.
Dann dämmerte es ihm. Es kam alles auf einen Schlag. Das ganze Puzzle setzte sich
zusammen. Es ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Der Polizist war der Täter, dem er
in die Augen gesehen hatte. Zimmermann hatte Recht. Das hat er gemeint.
Der Polizist erhob die Stimme und die anderen, die noch nichts begriffen hatten, wie auch,
wurden aufmerksam. „So, nun stellt euch mal alle schön nebeneinander an die Wand.
Hände hoch.“ Dazu zielte er mit der Waffe mal auf den einen, mal auf den anderen, und
entdeckte dabei Zimmermann, der sich bis jetzt im Hintergund gehalten hatte. „Ach,
Kollege Zimmermann, auch hier? Hätte ich mir ja fast denken können“, sagte er in dessen
Richtung, mit einem ironischen Lachen. Dieser reagierte in keinster Weise. Karl, Jonas,
Hanna, und Nadine verstanden die Welt nicht mehr, taten aber, was man von ihnen
gefordert hatte. „So, nun hört mal zu. Da wir jetzt alle so schön versammelt sind, erzähle
ich euch mal, wie das Ganze hier jetzt abläuft“, setzte der Polizist in gespielter
Freundlichkeit an, „Achso, ja, ersteinmal vielen Dank an Karl und Jonas, wirklich, wirklich
eine hervorragende Idee, die Polizei einzuschalten. Herzlichen Dank.“ Er machte eine
Pause, niemand sagte etwas. „Also, für die, die es noch nicht begriffen haben, erklär ich
es gerne nochmal: Ich und mein Kollege lagern hier Waffen und transportieren sie mal hier
und mal dort hin. Damit lässt sich nämlich etwas mehr Geld verdienen als die mickrigen
Beamtengehälter, vor allem, wenn man so ein großzügiges, erfolgreiches Netzwerk hinter
sich stehen hat. Ihr fragt euch sicherlich, warum ich euch das so freizügig erzähle.“ Er
machte wieder eine effektvolle Pause. „Nämlich, weil ihr mit diesem Wissen rein garnichts
anfangen könnt. Wir werden jetzt hier alles wegräumen und alle Spuren von uns
beseitigen, das können wir nämlich ganz gut, wir sind ja Polizisten“ Er hatte immer noch
ein breites Grinsen im Gesicht. Er wandte sich an seinen Kollegen: „Fang doch schon mal
an mit Einladen, die hier hab ich auch allein unter Kontrolle.“ Und wieder zu den anderen:
„Also mal ganz im Ernst, ihr glaubt doch nicht, dass euch irgendjemand glaubt. Drei
Jugendliche, die eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch bekommen, die unerlaubt
Alkohol, Zigaretten und was-weiß-ich-noch konsumiert haben, sich im Suff eine
Geschichte ausgedacht haben, und damit versuchen, in ihrem pubertären
Auflehnungsgehabe, die Polizei durch den Dreck zu ziehen. Wer will diesen Jugendlichen
diese Geschichte glauben. Ihre zwei Freundinnen. Auch nicht viel glaubhafter. Und sich
mit unserem ehemaligen Kollegen Zimmermann zu verbünden, war auch nicht gerade der
schlaueste Schachzug. Ich weiß ja nicht ob ihrs wisst oder nicht, aber er ist schon vor
Jahren bei der Polizei rausgeflogen, weil er gegen uns, seine Kollegen ermittelt hat, wie
lächerlich. Leider wollte ihm damals schon keiner glauben. Wie schade. Guckt ihn euch
doch an, diese Gestalt, ein Irrer, der sich in einen Gedanken verrannt hat. An
Unglaubwürdigkeit nicht zu überbieten.
Also, ihr seht - ihr habt keine Chance. Wenn ich euch einen Tipp geben darf: geht nach
Hause und vergesst die Sache. Wenn ihr euch beschweren wollt - tut, was ihr nicht lassen
könnt. Ihr seht ja wie ihr dann enden werdet - wie dieser ausgegrenzte Spinner.“ Dabei
deutete er mit seinem Revolver auf Zimmermann. Dieser schaute ausdruckslos ins Leere,
während Hanna, Nadine, Kai, Karl und Jonas die Entrüstung ins Gesicht geschrieben war.
Sie mussten noch einige Minuten mitansehen, wie die Kisten in den geräumigen
Polizeibus verladen wurden.
Dann entfernten sich die zwei Polizisten, und die sechs Verbliebenen erwachten langsam
aus ihrer Schockstarre. „Oh Mann, ich bin total... verwirrt!“ stotterte Jonas, und seine
Freunde nickten zustimmend. „Aber das schlimme ist ja, das er wirklich Recht hat. Uns
wird niemand glauben, fürchte ich“, sagte Kai, als sein Blick auf Zimmermann fiel, der am
Fenster beobachtet hatte, wie die Polizisten weggefahren waren.
Langsam drehte dieser sich nun um. Zur Überraschung aller war sein Gesichtsausdruck
ausgefüllt mit Glück und Zufriedenheit, wie sie es noch nie zuvor bei einem Menschen
gesehen hatten. Gebannt starrten sie ihn an, Nadine und Hanna tauschten fragende
Blicke aus.
Langsam griff Zimmermann in die Jackentasche und mit einer fast bedächtigen Bewegung
stoppte er die Aufnahme seines Diktiergerätes.
„Klick!“
1
Das Haus
Verfasst von Jugendlichen zwischen elf und zwanzig Jahren, im Haus
der Jugend Montabaur
Meike Wohlleben
Joshua Ernst
Jessica Lichtner
Bertin Wagner
Unterstützt von Arina Horre
2
1.Feldweg am Waldrand, draußen, Tag
( Unheimliche Geräusche )
Personen: Nadine, Hanna, ein Spaziergänger mit Hund
Die beiden Mädchen joggen am Waldrand, ihnen kommt ein Spaziergänger mit
Hund entgegen. Eines der Mädchen ist aus der Puste, hält sich die Seite und
lehnt sich an Baum, während die andere auf der Stelle tippelt.
Hanna: „Wie jetzt? Machst du etwa schon schlapp?“
Nadine: „Lauf du weiter und hol mich auf dem Rückweg ab.“
Hanna:( ironisch) „Quatsch, ich lass dich doch nicht alleine. Das ist der
Angstwald. Meinst du der heißt umsonst so?“
Nadine: „Ich hab keine Angst, sind doch alles nur Ammenmärchen und
Räuberpistolen. Meine einzige Angst ist es zu kollabieren wenn ich weiter so
renne!“
In diesem Moment erklang aus den Baumreihen ein schrilles Geräusch wie Glas
das zersplittert. Die Mädchen schauen sich erschrocken an.
Nadine: „Was war das? Verdammt das klang voll gruselig. Irgendwo dahinten ist
das leerstehende Haus. Wer weiß wer sich da rumtreibt. Lass uns mal lieber
weiter laufen.“
Hanna: „ Ach, auf einmal Fräulein-ich-hab-keine-Angst .Bist du denn kein
bisschen neugierig?“
Es erklingt erneut ein Geräusch wie Holz das zerberstet. Hanna hatte zuvor ein
paar Schritte in den Wald hinein gemacht um Nadine zu ärgern, als sie jedoch
das zweite Geräusch hört vergeht ihr das Lachen. Ihr Blick fällt auf ein Mofa das
neben einem Gebüsch geparkt ist. Nadine hat es auch gesehen. Die Mädchen
schauen einander verwundert an. Eine Gestalt taumelt durch den Wald auf sie zu.
2.Im Wald, Tag
(Kai, Hannas Freund, ist verletzt)
Personen: Nadine, Hanna, Kai
Die Gestalt ist Kai, Hannas Freund. Er blutet an der Hand und wirkt verstört.
Kai: „ Ihr müsst mir helfen. Da hinten sind... Scheiße da läuft was total schief!“
stammelt er abgehetzt
3
Hanna: „ Kai? Was ist los? Wo kommst du jetzt her? Was ist mit deiner Hand
passiert? (Kai blickt auf seine Hand, ihm fällt jetzt erst auf das sie blutet. Er
verzieht das Gesicht und macht eine wegwerfende Handbewegung) Und
überhaupt, ich dachte ihr seit in Köln?“
Kai: „Häh Köln? Ach, egal kommt erstmal mit.“
Die drei Jugendlichen laufen los in den Wald hinein.
3.Szene
Vor dem verlassenen Haus, Tag
(Kai klärt sie auf)
Personen: Hanna, Nadine, Kai
Hanna: „So, Sag uns doch jetzt endlich was hier abgeht!“
Kai( etwas zerknirscht): „Ihr kennt doch die Geschichte des Hauses? Also Jonas,
Karl und ich fanden das irgendwie abgefahren, da mal zu übernachten...“
Blende auf Hanna die ihn vorwurfsvoll anschaut.
Wieder auf Kai.
Kai: „Und das mit Köln, haben wir nur gesagt weil wir mal unsere Ruhe haben
wollten. Also wir sind dann Freitagabends in das Haus rein...“
Blende in Szene 4.
4.Rückblende, im Haus, abends
( Die unheimliche Geschichte des Hauses)
Personen: Kai, Jonas, Karl
Die Jungs sitzen im Obergeschoss des verlassenen Hauses, auf dem Holzboden
im Kreis, Schlafsäcke liegen herum, eine Laterne brennt. Alle haben ein Stubbi
Bier in der Hand (Bitburger ;-) )
Sie lachen alle, eventuell über etwas das Karl eben sagte. Karl fährt fort...
Karl: „ .... also, da lebte nun diese Familie, Ende des neunzehnten Jahrhunderts,
mit der ich tatsächlich um ein paar Ecken verwandt bin, war eben kein Witz,
jahrein jahraus in diesem Haus im Wald. Aber eines Tages kam die kleine
4
Tochter aus der Schule und fand ihre Eltern und ihren kleinen Bruder ermordet in
der Küche. Das Mädchen saß zwei Tage neben den Leichen, bis man sie völlig
apathisch fand und in ein Heim brachte. Man sagt sie habe seit dem Tag kein
einziges Wort mehr gesprochen. Den Täter hat man nie gefunden und es heißt
der Geist des Mädchens irrt durch den Wald auf der Suche nach ihm...“
Alle sehen Karl an und schweigen einen Moment, die Geschichte schien ihnen
doch etwas unter die Haut zu gehen. Jonas packt Kai ganz plötzlich mit der Hand
in den Nacken. Der erschreckt sich so, das er sein Bier verschüttet. Alle lachen.
5.Szene
Vor dem Haus, Tag
Personen: Kai, Hanna, Nadine
Die drei stehen an einem Gebüsch mit Blick auf das Haus
Nadine: „Ihr seid ja ganz schön bescheuert, aber jetzt komm doch mal zum
Punkt.“
Kai: „Ja, wir haben dann noch zwei Bier getrunken und sind dann irgendwann
pennen gegangen... und als ich am nächsten Morgen aufwachte ...“
6.Szene
Rückblende ins Haus
(Kai macht eine Entdeckung)
Personen: Kai, Jonas, Karl, zwei Unbekannte)
Man sieht wie Kai etwas verkatert erwacht, sich streckt und aufsteht. Seine
Kumpel liegen in ihren Schlafsäcken und schlafen noch. Kai geht die Treppe zum
Untergeschoß hinunter. Gleichzeitig mit Kai hört man ein Geräusch. Kai bleibt
zögernd auf der Treppe stehen und blickt in das gestern noch verschlossene
Zimmer, in dem sich Holzkisten befinden. Langsam nähert er sich der Türe. Er
sieht einen Mann der Waffen in die Kisten legt. Der Mann sieht Kai an, und in
dem Moment bekommt Kai von hinten einen Schlag auf den Kopf.
Black
7.Szene
Immer noch Rückblende
Im Schuppen
5
(Flucht aus dem Schuppen)
Personen: Kai, die beiden Unbekannten
Kai kommt zu sich und reibt sich den schmerzenden Hinterkopf. Er registriert das
er in einem kleinen Verschlag liegt zwischen Unrat und rostigen Gartengeräten.
Er steht auf und versucht die Tür zu öffnen, sie ist verriegelt. Draußen die
Stimmen der beiden Männer, Kai hält den Atem an. Der Zuschauer hört nur das
Gespräch. Kamera bei Kai.
Mann 1: „Mensch warum hast du denn dem Jungen eins übergebraten? Das
hätte ja wohl nicht sein müssen.“
Mann 2: „Sorry, hab halt die Nerven verloren. Was machen wir jetzt mit dem?“
Mann 1: „Um den kümmern wir uns später, jetzt müssen wir erst mal zu sehen
den Deal durch zu ziehen und ein anderes Versteck für die Waffen zu finden.“
Zuschlagen von Autotüren und Geräusche eines sich entfernenden Wagens.
Kai sieht das ein kleines Fenster Ziemlich hoch gelegen. Er schlägt mit einem
Spaten die Scheibe ein und zieht sich hoch. Er quetscht sich durch die kleine
Öffnung, wobei er sich die Hand an dem zersplitterten Glas aufreißt. Er rennt
Richtung Waldrand, wo er auf die beiden Mädchen trifft.
8.Szene
Vor dem Haus, Tag, später im Haus
(Erfolglose Suche und überraschender Besuch)
Personen: Kai, Nadine, Hanna, der Spaziergänger mit Hund
Hanna und Nadine(gleichzeitig): „Und was ist mit Karl und Jonas?“
Kai: „ Keine Ahnung! Deswegen müssen wir jetzt schnell mal gucken gehen!“
Die drei gehen zögernd auf das Haus zu und hinein. Sie rufen leise nach den
Freunden. Die Tür im Untergeschoß ist wieder verschlossen. Sie laufen die
Treppe hoch. Man sieht Spuren des Nachtlagers aber die beiden Freunde sind
nicht da.
Hanna: „ Vielleicht sind sie ja bewusstlos und unten eingesperrt?“
In diesem Moment geht im Untergeschoss eine Tür auf, die Jugendlichen sehen
sich erschrocken an.
6
Ein Mann Ende Fünfzig, mit Vollbart, einer Schiebermütze und abgetragenen
Klamotten betritt mit seinem Hund das Haus.
9.Szene
Im Polizeipräsidium
(Hilfe naht?)
Personen: Karl, Jonas, ein Polizist, ein anderer Polizist, dessen Gesicht
man nicht sieht.
Karl und Jonas stehen abgehetzt schwer, atmend vor dem Pult.
Polizist: (leicht amüsiert)„Also, wenn ich das richtig verstehe, lagern Waffen im
verlassenen Haus. Und ihr habt gesehen wie zwei Männer euren Kumpel
verschleppt haben. Die Gesichter konntet ihr von der Treppe aus nicht erkennen
und ihr seid aus dem Fenster gesprungen und den ganzen Weg zu Fuß hier her
gerannt? Da wollen wir dieser seltsamen Sache doch mal auf den Grund gehen.“
10.Szene
Im Haus, Tag
(Herr Zimmermann hat einen konfusen Verdacht und er verhält sich dubios.)
Personen: Zimmermann, Nadine, Hanna, Kai
Sie stehen in der Küche des Hauses, welche ihre Fenster Richtung der
Vorderseite des Hauses hat.
Zimmermann steht Kai gegenüber, er fixiert ihn und kommt mit erhobenem
Zeigefinger unangenehm nahe.
Kai: „Wer sind Sie? Was wollen Sie? Was haben Sie mit unseren Freunden
gemacht?
Hanna zu Nadja leise : „ Der Spaziergänger von vorhin.“
Zimmermann: „Ich bin euch gefolgt. Ich weiß was passiert ist. Ihr habt euch mit
den falschen Leuten angelegt. Ich bin ihnen schon lange auf der Spur. Aber ich
brauche den Beweis.“
Kai: „Wer sind Sie und wer ist die, wenn Sie nicht dazugehören?
7
Zimmermann starrt aus dem Fenster: „ Zim-mer-mann. Zimmermann ist mein
Name. Das sind ganz fiese Ratten, sind das. Ein ganzes Netzwerk angesehener
Leute, die sich gegenseitig decken. Die nach außen hin den Saubermann spielen,
und hintenrum krumme Sachen machen. Die Organisationen in der ganzen Welt
mit Waffen versorgen. Die dafür sorgen, dass zum Beispiel die Menschen in
Somalia immer genügend Waffen haben, um sich gegenseitig sinnlos ab zu
metzeln. Dass immer neue Minen gelegt werden können, die nicht mehr
aufspürbar sind, um noch in zwanzig Jahren unschuldigen Kindern die Arme und
Beine abzutrennen. Und diese Leute verdienen sich dumm und dämlich daran.
Das ist ein riesen Netzwerk, das hat internationale Bedeutung. Was ihr hier
entdeckt habt ist nur ein winziger Teil des Ganzen. Aber mir glaubt man ja nicht,
die decken sich alle gegenseitig. Ich brauche den einen, untrüglichen Beweis,
dann kann ich das ganze Netzwerk auffliegen lassen. Ich habe jahrelang Material
gesammelt. Aber die glauben mir nicht. Ich brauche den Beweis!“
Nadine leise zu Hanna: „Wer`s glaubt?“
Hanna raunt: „Also mir ist der Kerl unheimlich!“
Die Jugendlichen gucken sich befremdet an, während Zimmermann wieder ganz
nahe an Kai heran geht.
Zimmermann: „Erzähl mir ganz genau, was passiert ist, was du gesehen hast, jedes
Detail will ich hören. Wie sahen die Männer denn aus? Beschreib sie doch mal. Was
haben die denn gesagt? Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen! Herr
Gott nochmal!!!
Kai will gerade erbost etwas erwidern, als von draußen ein Polizeiauto vor das
Haus fährt. Erleichterung in den Gesichtern der Jugendlichen.
Zimmermann zischt: „Versteckt euch, Kinder!“
Kai(zu Hanna): „Der hatt sie doch nicht mehr alle.“
8
Als Zimmermann sieht dass ihn keiner ernst nimmt, zuckt er die Achseln und
fummelt irgendetwas in seiner ausgebeulten Jackentasche rum .Ein leises KlickGeräusch ist zu hören
11.Szene
Im Haus, Tag
(„Erleichterung schlägt in Entsetzen um.“)
Personen: Kai, Hanna, Zimmermann, Nadine, Karl, Jonas, zwei Polizisten
Die Tür geht auf und erleichtert sehen Nadine, Kai und Hanna ihre vermissten
Freunde und einen Polizisten ins Zimmer treten.
Karl: „ Mensch, Kai hier biste ja. Was ein Glück!“
Jonas: „Wir hatten echt ganz schön Schiss!“
Kai: „ Und ich erst, ich dachte ihr wärt da drin.“ Zu dem Polizisten „ Gut, dass Sie
gekommen sind, da...“
Weiter kommt er nicht. Sein Gesicht ist entsetzt. Kamera auf den zweiten Polizisten, der bei seinen
Worten den Raum betrat. Es ist der Mann den Kai mit den Waffen beobachtete, bevor er
niedergeschlagen wurde. Dieser grinst höhnisch
2. Polizist:„ Ja, ich finde es auch großartig dass wir hier sind. Und da ist ja auch
unser alter Kollege Zimmermann. So sieht man sich wieder. Hast du den Kindern
das Märchen von den bösen korrupten Kollegen erzählt?“
Zimmermann: „ Ich wusste die ganze Zeit dass ich recht habe. Ihr Mistkerle!“
Kai, Jonas, Hanna und Karl ging langsam ein Licht auf. Fassungslos folgten sie
dem Geschehen.
Der eine Polizist hält die Jugendlichen und Zimmermann mit gezückter Pistole in Schach.
2.Polizist: „ So, da wir alle nun schön hier versammelt sind, erzähle ich euch
mal, wie das Ganze hier abläuft. Ach so, ja, erstmal vielen Dank an Karl und
Jonas, wirklich, wirklich eine hervorragende Idee, die Polizei einzuschalten.
Herzlichen Dank.“
Karl will etwas erwidern, macht den Mund aber dann doch lieber zu.
9
2. Polizist: „ So, wir werden jetzt erstmal fortfahren unser mickriges
Beamtengehalt aufzubessern. Wir räumen jetzt hier alles weg und beseitigen
unsere Spuren. Darin sind wir nämlich ganz gut, wir sind ja Polizisten.“
Er lacht höhnisch und dann zum Kollegen
2. Polizist: „Fang doch schon mal an mit Einladen, die hier halt ich auch alleine
in Schach.
Kai: „Damit kommen Sie nicht durch.“
2. Polizist: „Also jetzt mal im Ernst, ihr glaubt doch wohl nicht, dass euch
irgendjemand glaubt. Drei Jugendliche, die eine Anzeige wegen
Hausfriedensbruch bekommen, die unerlaubt Alkohol, Zigaretten und was – weiß
– ich noch konsumiert haben, sich im Suff eine Story ausgedacht haben, und
damit versuchen, in ihrem pubertärem Auflehnungsgehabe, die Polizei durch den
Dreck zu ziehen. Und sich mit unserem Kollegen Zimmermann zu verbünden,
war auch nicht der schlaueste Schachzug. Ich weiß ja nicht ob ihrs wißt, aber er
ist schon vor Jahren bei uns rausgeflogen, weil er gegen uns, seine Kollegen
ermittelt hat. Wie lächerlich! Leider wollte ihm damals schon keiner glauben. Wie
schade. Guckt ihn euch an, diese Gestalt, ein Irrer, der sich in einen Gedanken
verrannt hat. An Unglaubwürdigkeit kaum mehr zu überbieten. Ich geb euch
einen Tipp: Geht nach Hause und vergesst die Sache.“
Er sieht kurz aus dem Fenster, nach seinem Kollegen, setzt die Kappe auf und
tippt sich mit Finger zum Gruß an dieselbe und geht. Das Polizeiauto entfernt
sich.
Jonas: „ Ich glaub ich bin im falschen Film, Ich bin total... verwirrt.“
Kai: „Aber das Schlimme ist ja, das er wirklich Recht hat. Uns wird niemand
glauben, fürchte ich.“
10
Zimmermann der am Fenster stand und dem Auto nachblickt, dreht sich langsam
um. In seinem Gesicht ist eine grenzenlose Freude als er langsam das
Diktiergerät aus der Tasche nimmt und die Aufnahme beendet.
Klick!
ENDE
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