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Studierenden-Wettbewerb des Bundesministeriums
des Innern 2013
„Reformation und Toleranz:
Was bedeuten Identität und Toleranz heute?“
1
Inhaltsverzeichnis
Information zum Wettbewerb
4
Das Wettbewerbsplakat
Zum Studierenden-Wettbewerb 2013
Die Jury
Übersicht der Preisträger/-innen
4
5
7
9
Preisträgerarbeiten der Kategorie Wissenschaftliche Arbeit
11
Luther zum Islam
Markus Meer
12
Was bedeuten Identität und Toleranz heute?
Mathias Paselk
14
Respekt – Duldung – Zurückweisung.
Luthers Toleranzpraxis im Wandel am Beispiel der Juden
Marcel Krusche
15
Glaube und Toleranz:
das Kloster St. Klara und die Reformation in Nürnberg
Christiane Schmid
17
Preisträgerarbeiten der Kategorie Essay/ Reportage
19
Wanderer der Welten
David Stahmann
20
Abkehr von der Toleranz
Simon Kerwagen und Johannes Vögler
25
Religion, Nationalität und Geschlecht, diese drei
Lea Spille
30
2
Preisträgerarbeiten der Kategorie Fotografie/ Film
35
Lebach Tag&Nacht
Stefanie Schulz
36
A place to (leave) live
Stéphane Lelarge
40
Alltagsmetamorphosen
Zino Santiago Peterek
44
Aus tiefer Not schrei ich zu mir
Josefine Siebert, Evelyn Mattausch und Marvin Rodemann
49
Konzeption des Films „Aus tiefer Not schrei ich zu mir“
50
Bildausschnitte aus dem Filmbeitrag „Aus tiefer Not schrei ich zu mir“
51
3
Information zum Wettbewerb
Das Wettbewerbsplakat
4
Zum Studierenden-Wettbewerb 2013
Als der Theologe Martin Luther 1517 seine 95 kirchenkritischen Thesen formuliert hatte,
begann ein langer Prozess von zum Teil heftigen Auseinandersetzungen. Die Reformation
führte schließlich zur Herausbildung verschiedener christlicher Konfessionen. In ihren
religiösen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Auswirkungen erlangte sie
weltgeschichtliche Bedeutung.
Über Jahrhunderte trug sie zu einer zunehmenden Pluralisierung unserer Gesellschaft bei
und setzte gleich einen fortdauernden Lern- und Suchprozess in Gang: Was macht unsere
Identität aus? Was bedeutet Toleranz für das Zusammenleben von Menschen verschiedener
Religionen und Weltanschauungen? Gibt es Grenzen für Toleranz und wo müssen sie
gezogen werden?
Festlegung des Themas für 2013
Im Jahr 2017 jährt sich der Jahrestag des Reformationsbeginns (Anschlag der 95 LutherThesen an die Schlosskirche in Wittenberg) zum fünfhundertsten Mal. Das zunächst
kirchlich-religiöse Ereignis hat sich rückblickend als ein Ereignis von weltgeschichtlicher
Bedeutung erwiesen, das auch zu epochalen Veränderungen im kulturellen und politischen
Bereich geführt hat, die bis heute fortwirken.
Aus diesem Grunde trägt der Studierendenwettbewerb 2013 des Bundesministeriums des
Innern den Titel „Reformation und Toleranz: Was bedeuten Identität und Toleranz heute?“.
Das Thema bietet zum Einen die Chance, das Reformationsjubiläum und seine Bedeutung
sichtbar zu machen. Zum Anderen bietet es die Chance, die vielfach inhalts- und konturlos
verwandten Begriffe „Identität“ und „Toleranz“ mit Inhalt zu füllen und aufzuzeigen, wie sie
im Alltag gelebt werden können.
Insgesamt haben 130 Studierende mit verschiedenen kulturellen Hintergründen aus 63
Universitäten 112 Arbeiten in den Kategorien Wissenschaftliche Arbeit, Essay/Reportage und
Fotografie/Film eingereicht. Die Vielfältigkeit der eingereichten Wettbewerbsbeiträge war
Ausdruck eines breiten Teilnehmerkreises aus über 60 Fachrichtungen, darunter Studierende
der Fachrichtungen Agrarmanagement, Informatik, Kultur- und Medienpädagogik,
Politikwissenschaft, Psychologie, Malerei, Medizin, Theologie und Wirtschaftswissenschaften.
Der bundesweit offene Wettbewerb wird vor allem in den (Fach-) Hochschulen sowie in
geeigneten Medien einschließlich des Internet bekannt gemacht.
5
Bisherige Wettbewerbsthemen waren:
1999: 50 Jahre Grundgesetz
2001: Angekommen! – Aufgenommen?
Zur Integration von Ausländerinnen und Ausländern in Deutschland
2002: Denn ohne Sicherheit ist keine Freiheit –
Freiheitliche Demokratie zwischen Bürgerrecht und Bürgerschutz
2003: Wozu eigentlich Steuern?
Das Spannungsverhältnis zwischen Notwendigkeit und Akzeptanz
2004: Zwischen Amtsstube und Servicepoint –
Über Bürokratieabbau zur modernen Verwaltung
2005: Der demographische Wandel – Konsequenzen für Staat, Gesellschaft und Bürger.
Ideen und Konzepte für seine Bewältigung
2006: Was kann Sport leisten?
Sport als Mittel von Verständigung und Integration
2007: Muslime in Deutschland – deutsche Muslime
2009: Jubiläum Freiheit und Einheit „Was uns im Inneren zusammenhält –
Deutschland im 21. Jahrhundert“
2010: Jubiläum Freiheit und Einheit „Was uns im Inneren zusammenhält –
Erinnern, feiern, gedenken - Brauchen wir eine demokratische Festkultur?“
2012: Chance Demografie: „Weniger? Älter? Na und…“
Bilanz
Die Teilnehmerzahlen am zwölften Studierendenwettbewerb des Bundesinnenministeriums,
der seit 1999 bundesweit ausgeschrieben wird, sind in den letzten drei Jahren von 90 auf
über 130 Teilnehmer angestiegen. Dies unterstreicht, dass sich der Wettbewerb als feste
Einrichtung des Austausches zwischen Wissenschaft und Politik etabliert hat und
Studierende anregt, sich mit aktuellen politischen Fragen auseinanderzusetzen.
6
Die Jury
Die Preisvergabe erfolgte durch eine unabhängige Jury von Vertretern unterschiedlicher
wissenschaftlicher Disziplinen. Der Jury 2013 gehören an:
Dr. Inka Bach,
Germanistin und Publizistin, Baldreit-Stipendiatin, Berlin
Sineb El Masrar,
Herausgeberin und Chefredakteurin einer deutschsprachigen
Frauenzeitschrift für Migrantinnen, Berlin
Oberkirchenrat Dr. h.c. Volker Faigle,
Theologischer Referent beim Bevollmächtigten des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Beauftragter der EKD für den
Sudan, Berlin.
Katrin Gerdsmeier,
Kommissariat der deutschen Bischöfe, Katholisches Büro in Berlin
Almut Möller,
Europa-Expertin, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP e.V.),
Berlin
Prof. Dr. h.c. Abi Pitum,
Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München und
Oberbayern, München und Honorargeneralkonsul der Mongolei
7
Jury für die Kategorie Fotografie/ Film
Prof. Barbara Klemm,
Trägerin des Ordens Pour le Mérite, Fotografin und Fotojournalistin,
Fachhochschule Darmstadt
Rudi Meisel,
Fotograf und Lehrbeauftragter, Ostkreuzschule, Berlin
Dr. Claus Löser,
Autor, Filmwissenschaftler und Filmjournalist, Berlin
Die Jury hat in den Kategorien Wissenschaftliche Arbeit, Essay/Reportage und
Fotografie/Film gemeinschaftlich mehrfach getagt und die Preise einvernehmlich vergeben.
Die Preisträger aller drei Kategorien sind in der nachfolgenden Übersicht aufgeführt.
8
Übersicht der Preisträger/-innen
Kategorie Wissenschaftliche Arbeit
1. Preis: Markus Meer, Universität Bielefeld, Geschichtswissenschaften
2. Preis: Nicht vergeben.
3. Preis: Drei Mal vergeben:
Mathias Paselk, Universität Potsdam, Philosophie
Marcel Krusche, Universität Göttingen, Evangelische Theologie
Christiane Schmid, Universität Tübingen, Evangelische Theologie
Kategorie Essay/ Reportage
1. Preis: Nicht vergeben.
2. Preis: Zwei Mal vergeben:
David Stahmann, TU Dresden, Internationales Management
und
Simon Kerwagen, Universität Heidelberg, Evangelische Theologie
Johannes Vögler, Universität Heidelberg, Evangelische Theologie
3. Preis: Lea Spille, Universität Potsdam, Psychologie
Kategorie Fotografie/ Film
1. Preis: Stefanie Schulz, Ostkreuzschule für Fotografie Berlin, Fotografie
2. Preis: Stéphane Lelarge, Ostkreuzschule für Fotografie Berlin, Fotografie
3. Preis: Geteilt:
Zino Santiago Peterek, Hochschule Darmstadt, Gestaltung
und
Josefine Siebert, Hochschule Merseburg, Kultur- und Medienpädagogik
Evelyn Mattausch, Hochschule Merseburg, Kultur- und Medienpädagogik
Marvin Rodemann, Hochschule Merseburg, Kultur- und Medienpädagogik
9
10
Preisträgerarbeiten der Kategorie
Wissenschaftliche Arbeit
1. Preis
Luther zum Islam
Markus Meer
2. Preis
–
3. Preis/ 3 Preisträger
Was bedeuten Identität und Toleranz heute?
Mathias Paselk
Respekt – Duldung – Zurückweisung.
Luthers Toleranzpraxis im Wandel am Beispiel der Juden
Marcel Krusche
Glaube und Toleranz: das Kloster St. Klara und die
Reformation in Nürnberg
Christiane Schmid
11
Wissenschaftliche Arbeit
1. Preis
Luther zum Islam
Markus Meer
Thesenpapier
Luther zum Islam
Fragestellung
-
angesichts anhaltender politischer Auseinandersetzungen hinsichtlich Toleranz,
besonders im Bezug auf den Islam, und anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation:
→ Welche Bedeutung hat Luther im Hinblick auf Toleranz gegenüber dem Islam?
Gliederung
1. Die Türkenfrage im Zeitalter der Reformation
a. die Expansion des Osmanischen Reichs stellte eine militärische Bedrohung für das
christliche Europa dar
b. ihr Auftreten wurde (auch von Luther) religiös als Strafe für Verfehlungen, als
“Gottes Geißel” interpretiert
c. der Konflikt mit den Türken begünstigte die Entwicklung der Reformation
2. Krieg im Namen des Glaubens
a. die Kreuzzugsideologie wird von Luther strikt abgelehnt
b. Bekämpfung der “Türkengefahr” in Übereinstimmung mit Zwei-Schwerter-Lehre
i. Das geistliche Schwert: Buße als Annahme der “göttlichen Züchtigung”
ii. Das weltliche Schwert: nur Verteidigungskrieg unter Leitung des Kaisers
c. eschatologische Bedeutung der Türken: in ihrem Erfolg erkennt Luther das
bevorstehende Ende der Welt
3. Zwischen Terror und Tugend
a. der Islam galt Luther stets als Gefahr für den christlichen Glauben
b. polemisch herabwürdigende Propaganda steht bei Luther bisweilen anerkennenden
Betrachtungen islamisch-türkischer Sitten und Gebräuche gegenüber
12
c. aufgrund der christologischen Ausrichtung in Luthers Denken bleibt seine
Beurteilung des Islam letztlich immer negativ
d. es lassen sich anfängliche Versuche nach Authentizität und ausgewogener
Darstellung erkennen
Ergebnisse
-
Luther vertritt keine Toleranz im modernen Sinne, er blieb von antiislamischer Polemik
maßgeblich beeinflusst, trotz anerkennender Aussagen
indem Luther mit der Trennung in Geistlichkeit und Weltlichkeit die Kreuzzugsideologie
verwirft, macht er einen Schritt hin zu einer säkularisierten Gesellschaft
aufgrund seiner Naherwartung war ein zukünftiges Miteinander für ihn nicht denkbar
Luthers Stellung zum Islam ist in höchstem Maße zeitgebunden, daher sollte man ihn bei
der Gestaltung von Toleranz in der Gegenwart dementsprechend kritisch begutachten
Die vollständige Arbeit finden Sie unter www.bmi.bund.de/studierendenwettbewerb
13
Wissenschaftliche Arbeit
3. Preis/ 3 Preisträger
Was bedeuten Identität und Toleranz heute?
Mathias Paselk
Was bedeuten Identität und Toleranz heute?
Thesenpapier:
Die Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage, ob Toleranz und Identität Momente
sind, die sich gegenseitig ausschließen und welche Möglichkeit es gibt, dieses Verhältnis auch
anders zu verstehen.
Denn wären Identität und Toleranz zwei sich ausschließende Momente, so könnte Toleranz
niemals ohne einen Identitätsverlust vollzogen werden.
Insofern ergibt sich die Frage, ob es möglich ist, Identität und Toleranz konzeptionell anders
zu verstehen.
1. These:
Nur wenn Identität substanzhaft gedacht wird, schließen sich Toleranz und
Identität aus.
2. These:
Wird Identität jedoch prozesshaft gedacht, so löst sich der Antagonismus
zwischen Identität und Toleranz auf.
3. These In einem prozesshaften Identitätskonzept können Identität und Toleranz als zwei
Seiten derselben Sache gesehen werden.
Die Widersprüchlichkeit zwischen dem Moment der Identität und dem Moment der Toleranz
beschreibt im Wesentlichen ein Kernproblem von pluralisierten Gesellschaften. Denn häufig
wird der Erhalt einer Identität als Argument benutzt, um gegen das unsichere und fremde
Andere zu polemisieren. Dennoch müssen pluralisierte Gesellschaften eine Möglichkeit
finden, sich dieser Problematik zu stellen. In diesem Sinne versteht sich die vorliegende
Arbeit.
Die vollständige Arbeit finden Sie unter www.bmi.bund.de/studierendenwettbewerb
14
Wissenschaftliche Arbeit
3. Preis/ 3 Preisträger
Respekt – Duldung – Zurückweisung.
Luthers Toleranzpraxis im Wandel am Beispiel der
Juden
Marcel Krusche
Thesenpapier
Respekt – Duldung – Zurückweisung.
Luthers Toleranzpraxis im Wandel am Beispiel der Juden
1. Luthers Schrift „Daß Jesus ein geborner Jude sei“ von 1523 fordert von Christen Toleranz
gegenüber Juden, und zwar einerseits in Form von Respekt, andererseits in Form von
Duldung.
Erläuterung: Mit Berufung auf das Menschsein der Juden und deren Erwählung durch
Gott kritisiert Luther die Unterdrückung der Juden zu seiner Zeit und plädiert stattdessen
für eine freundliche Behandlung, in der Hoffnung, es könnte sich eine größere Zahl an
Juden zum Christentum bekehren. Aber auch die übrigen Juden, die nicht konvertieren,
können weiter – als Kehrseite des Missionserfolgs – geduldet werden.
2. Luthers Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 stellt eine radikale Abkehr
von der Toleranzpraxis von 1523 dar.
Erläuterung: Durch eine starke Verteufelung der Juden und durch die Behauptung eines
schädlichen Einflusses der Juden auf die christliche Gesellschaft macht Luther seine
eigenen Toleranzgründe von 1523 obsolet und begründet so die Forderung einer rigiden
Intoleranzpolitik. In nachgeordneter Hinsicht erhofft sich Luther dadurch aber auch immer
noch die Konversion einiger Juden zum Christentum.
3. Der Wandel in Luthers Toleranzpraxis resultiert zwar auch aus einigen Elementen der
Diskontinuität, aber er war zum Teil schon in Luthers Haltung von 1523 angelegt und ist
gewissermaßen konsequent.
Erläuterung: Weil Toleranz 1523 vorwiegend Mittel zum Zweck war, das Ziel einer
großen jüdischen Bekehrungswelle sich aber nicht erfüllte, liegt ein Abrücken von der
15
Toleranzpraxis nahe. Damit geht einher, dass die unverrückbare Überzeugung von der
Überlegenheit der christlichen Schriftauslegung, die Luther 1543 zu einer schweren
Polemik gegen jüdische Schriftauslegungen und zum Vorwurf der Verstocktheit führte,
schon in der Judenschrift von 1523 angelegt war. Dies brachte Luther zu einer schweren
Diabolisierung der Juden, die jegliche Respektgründe, die auf dem Menschsein der Juden
basieren, ad absurdum führt.
4. Aus der Analyse von Luthers Entwicklung in der Toleranzfrage ergibt sich die Frage, wie
Toleranz begründet werden kann, ohne dass sie in ihr Gegenteil umschlägt. Es gilt daher,
die Faktoren zu vermeiden, die zu Luthers Wandel beigetragen haben.
Erläuterung: Beide Judenschriften Luthers können nicht isoliert, sondern nur als Teil
einer Entwicklung betrachtet werden. Die inneren, d.h. in Luthers Denken selbst liegenden
Faktoren dieser Entwicklung von der Toleranz zur Intoleranz sind sein starker
Teufelsglaube, seine mangelnde Fähigkeit zur Selbstrelativierung in der Schriftauslegung
und sein zweckgebundenes Toleranzverständnis. In den christlich-jüdischen Beziehungen
– und darüber hinaus – sind diese als potentielle Intoleranzfaktoren zu beachten und zu
vermeiden.
Die vollständige Arbeit finden Sie unter www.bmi.bund.de/studierendenwettbewerb
16
Wissenschaftliche Arbeit
3. Preis/ 3 Preisträger
Glaube und Toleranz: das Kloster St. Klara und die
Reformation in Nürnberg
Christiane Schmid
Thesenpapier
Behauptung: Glaube und Toleranz schließen sich nicht aus
Argument 1: Vielfalt ist von Gott gewollt
Argument 2: Vielfalt ist bereichernd und nicht bedrohend
Behauptung: Toleranz erfordert ebenbürtige Dialogpartner
Argument 1: Dialog erfordert ein gemeinsames Interesse
Argument 2: Die Dialogpartner müssen sich im anderen wiederfinden können
Behauptung: Toleranz sieht im anderen den Menschen und nicht eine andere Position
Argument 1: Dialog ist ein gemeinsames Ringen um die Wahrheit
Argument 2: Kein Mensch ist im Besitz der ganzen Wahrheit
Behauptung: Glaube steht immer auch in einem politischen und sozialen Kontext
Argument 1: Politische und soziale Interessen spielen in Glaubensfragen eine Rolle
Argument 2: Gläubige sind auch Spielball von politischen und sozialen Interessen
Behauptung: Toleranzfähigkeit setzt Bildung voraus
Argument 1: Dialog ist intellektuelle Auseinandersetzung mit Worten
Argument 2: Dialog setzt die Unabhängigkeit beider Seiten voneinander voraus
Behauptung: Toleranz ist Akzeptanz dessen, was nicht allgemein gültig ist
Argument 1: Verallgemeinerung ist totalitär
Argument 2: Eine Gesellschaft oder Gemeinschaft, die nicht totalitär ist, akzeptiert auch den
Rückzug aus dieser Gesellschaft oder Gemeinschaft
Behauptung: Glaube und Gewissen sind unverfügbar
Argument 1: Glaube und Gewissen sind Ringen um den richtigen Weg
Argument 2: Glaube und Gewissen sind inneres und nicht vollständig mitteilbares Wissen
Die vollständige Arbeit finden Sie unter www.bmi.bund.de/studierendenwettbewerb
17
18
Preisträgerarbeiten der Kategorie
Essay/ Reportage
1. Preis
–
2. Preis / 2 Preisträger
Wanderer der Welten
David Stahmann
Abkehr von der Toleranz
Simon Kerwagen und Johannes Vögler
3. Preis
Religion, Nationalität und Geschlecht, diese drei
Lea Spille
19
Essay/ Reportage
2. Preis/ 2 Preisträger
Wanderer der Welten
David Stahmann
- Selbstreflexionen eines Atheisten auf der Suche nach seiner Identität -
Juli 1986: Ich werde in der ehemaligen DDR in Ostberlin in einer atheistisch geprägten
Familie geboren. Entsprechend religionsfrei erzogen, legen meine Eltern aber äußerst viel
Wert auf Toleranz in religiösen sowie weltanschaulichen Fragen. Ich übernehme diese
Einstellung und lege damit den Grundstein für mich selbst, meine Identität nach innen und
außen selbst bestimmen und formen zu können. Oder so glaube ich zumindest….
November 2006: Studentenwohnheim „Neuberesinchen“ in Frankfurt/Oder, mein erstes
Studiensemester. Ich sitze in der Einzimmerwohnung von V., einem Politik -Studenten. Er ist
Anhänger der Bahai, einer abrahamitischen Religion aus dem Iran. Wir kommen auf meinen
aus seiner Sicht „angeblichen Atheismus“ zu sprechen:
V. ist der Meinung, dass auch ich als „Religionsverweigerer“ mich stets nur auf Werte berufe,
die hauptsächlich der Religion zu verdanken sind, oft nur unter anderem Namen. Was dem
Atheisten sein allein schon vernunftgebietendes ethisches Prinzip „Handle nur nach
derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz
werde“, sei für den Christen die goldene Regel nach dem Evangelium von Lukas 6:13: „Was
ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen“. Wobei Ersteres nur ein „nicht als
solches gekennzeichnetes“ Zitat von Letzterem sei, sodass auch eine im heutigen Verständnis
„humanistisch-aufklärerische Erziehung“ auf religiös motivierten Werten basiere und somit
kein Atheist gänzlich frei vom Glauben sein kann in dem Sinne. Somit bin ich seiner
Auffassung nach ebenfalls „christlich“, denn mein achso neutrales Ideal von Freiheit und
Gleichheit aller Menschen sei DIE Kernbotschaft und alleiniges Erbe von Jesus.
(((In meinen Gedanken drängt sich die Frage auf, warum diese martialisch anmutende
Bezeichnung eines „Religionsverweigerers“ auf mich fällt – als ob ich vor einer „zwingenden
Pflicht“ ähnlich dem Kriegsdienst flüchten würde?! Und was, wenn V. Recht hat und ich es
nur nicht einsehe? Bin ich doch nicht so frei im (Nicht-)Glauben und meiner
Selbstbestimmung? Oder bin ich vielleicht nur ein verbohrter Heide?)))
20
April 2009: Ich befinde mich mit meiner Freundin O. im Universitätscafé. O. ist eine
ägyptische Doktorandin, die mit ihrem Mann A. von Kairo nach Deutschland gezogen ist. Sie
erzählt mir überraschend von ihrer kürzlich stattgefundenen geheimen Konversion:
O. vertraut mir an, dass sie und A. vor Kurzem vom Islam zum Mormonentum konvertiert
sind, in aller Heimlichkeit. Ich frage sie nach dem Grund. Sie berichtet, dass beide sich nicht
mehr mit dem Islam verbunden fühlen, obwohl sie als echte Ägypter natürlich von Geburt an
muslimisch aufgewachsen sind. Vieles von dem, was im aktuellen Islam propagiert werde,
passe nicht mehr zu ihrer gemeinsamen Lebensauffassung, ganz im Gegensatz zum
Mormonentum. Dass diese Konversion heimlich stattfand, ist der Angst vor der Reaktion
zuhause in Kairo zuzuschreiben. Sie beide wissen, dass nicht jeder in ihren Familien dies
akzeptieren kann und will und haben dementsprechend Angst, deshalb aus ihren Familien
ausgeschlossen zu werden. Aber was nütze ihnen ein Leben in einer Religion, von der sie
nicht mehr überzeugt sein können?
(((Mir fällt just auf, dass O. bewusst „Leben IN einer Religion“ sagt und nicht „mit“ – sie
identifiziert diese als ein Zuhause, eine Heimat! Das zeigt mir in dem Moment, wie wichtig
Religion für Gläubige als Quelle der Kraft sein kann, obwohl ich lieber Kraft aus mir selbst
schöpfe. Und mir wird gleichzeitig mein Dilemma als Atheist bewusst: dank meiner
religiösen Neutralität kann ich in alle Welten und Glaubensrichtungen eintauchen – ich bin
ein „Wanderer der Welten“! Der Preis dafür aber ist, dass ich dieses Hochgefühl einer
„Heimatgeborgenheit“ in einer tiefreligiösen Gemeinschaft nie wirklich erleben werde – ich
werde immer nur ein, wenn auch gern gesehener, Gast sein.)))
Dezember 2011: Mittlerweile absolviere ich meinen Master in Zittau am Dreiländereck
Deutschland-Polen-Tschechien. In meinem Studienjahrgang machen die deutschen
Kommilitonen nur knapp 25 % aus. Ich sitze mit meinem neuen besten Freund S. in meiner
Studentenwohnung. S. ist gebürtiger Pole, hat seinen Bachelorabschluss in Krakau gemacht
und will nun einen deutschen Masterabschluss machen. In einem unserer zahlreichen
Gespräche löst S. unwissentlich eine kleine Identitätskrise in mir aus:
S. und ich tauschen uns bei Kaffee und Döner Kebab über die deutsch-polnische Geschichte
aus. Plötzlich fällt ihm ein Witz ein, den er jüngst gelesen hat und über den er lachen musste.
Er erzählt ihn mir:
Ein Jude knackt im Lotto den Jackpot - mehrere Millionen Euro. Das will er gebührend feiern
und veranstaltet deshalb eine riesige Fete. Persönlich eingeladen sind seine gesamte Familie,
alle seine Freunde und Bekannten - und die NPD in seinem Landkreis. Während der Feier
verteilt der Jude Schecks, um sein Glück mit allen zu teilen. Jedem einzelnen seiner Gäste
schenkt er eine Million Euro, wofür sich auch alle sehr herzlich bedanken.
Dann wendet er sich an die eingeladenen NPD-Mitglieder und reicht ihnen einen Scheck, auf
dem der doppelte Betrag von dem draufsteht, was er allen anderen zuvor geschenkt hat. Die
NPD-Funktionäre sind über diese Geste empört und verlassen augenblicklich die Feier.
21
Der Jude rennt ihnen hinterher, zeigt auf seinen Unterarm und ruft: "Ihr versteht mich falsch ihr habt mir doch die sechs Richtigen mit Superzahl gegeben!!!"
(((Ich merke, wie sich sofort ein heftiger Reflex in mir regt: ich will mich entrüsten über einen
solchen „Witz“, ihm vorwerfen, dass solche Witze über jüdische Opfer nicht lustig sind.
Gleichzeitig macht sich jedoch auch ein anderer Gedanke in meinem Kopf breit: bin ich
überhaupt berechtigt, ihn „zurechtzuweisen“? Vielleicht hat ja er als Pole, als Vertreter eines
anderen Opfervolks aus dem Zweiten Weltkrieg, nicht dieses „eingeimpfte“ besondere
Verantwortungsgefühl für das jüdische Volk, wie es von uns Deutschen erwartet wird. Nur:
entstammen meine tiefe Toleranz gegenüber dem Judentum und diese erwähnte
Verantwortung dann wirklich noch meiner selbstbestimmten Identitätsfindung oder sind sie
ein von außen vorgegebener (fast schon automatischer) Bestandteil meiner deutschen
Identität? Letzten Endes ergibt sich für mich folgende provokante Frage bezüglich der
Situation mit S.: Darf ich seinen Witz noch tolerieren oder muss ich in diesem Sinne schon
„deutsch“ sein, was S. mir aber auch schon mal bei mancher Gelegenheit vorwirft?!)))
Mai 2012: Mein anderer bester Freund aus der Gesamtschule noch, T., macht seiner
langjährigen Freundin I. im Rahmen ihrer gemeinsamen Geburtstagsfeier einen
Heiratsantrag. Bemerkenswert: er stammt aus einer katholischen, sie aus einer evangelischen
Familie; die anstehende Hochzeit ist für mich quasi etwas wie eine „Ökumenische
Bewegung“ auf einer privaten, intimen Ebene. Im Anschluss kommt es zu ersten
Hochzeitsvorbereitungen:
T. bittet mich als seinen besten Freund darum, auf der Hochzeit sein Trauzeuge zu sein,
sowohl bei der standesamtlichen als auch bei der kirchlichen Trauung. Ich sage mit Freuden
zu. Ich bin schon jetzt gespannt, wie die kirchliche Trauung selbst ablaufen wird, da sie ja
unterschiedlichen Konfessionen angehören. Etwas später am Abend kommen T. und I.
nochmals auf mich zu und eröffnen mir eine „kleine Programmänderung“. Der Trauzeuge bei
der kirchlichen Trauung sollte idealerweise selbst auch christlich sein; dem würde aber mein
„verfluchtes Heidentum“ entgegenstehen, wie mein Freund es humorvoll ausdrückt. Deshalb
würde in der kirchlichen Trauung doch sein jüngerer Bruder die Ringübergabe vollziehen, ich
dagegen bei der standesamtlichen Eheschließung sein Trauzeuge sein. T. bittet mich, dies
nicht als Affront, sondern nur als seinen Wunsch nach einer Hochzeit im Sinne seiner
religiösen Überzeugung zu verstehen. Er hat mein volles Verständnis.
(((In diesem Moment eröffnet sich mir eine weitreichende Erkenntnis: ich erfahre zum ersten
Mal eine „Grenze für Toleranz“! Mein bester Freund T. möchte mich wirklich gerne als
Trauzeugen haben, aber gleichzeitig ist ihm seine christliche Identität äußerst wichtig. Ich
merke ihm seinen Zwiespalt zwischen tiefer Freundschaft und ebenso tiefer Religiosität an.
Er ist praktisch „gezwungen“, meinen Atheismus nicht tolerieren zu können für meine
Eigenschaft als kirchlicher Trauzeuge. Nicht, weil er nicht darf, sondern weil es für ihn um
SEINE Identitätsfrage geht. Solche „Toleranzgrenzen“ müssen also nicht zwangsläufig aus
böswilligen, exkludierenden Motiven entstehen. Sie können auch einfach das Resultat vom
22
schlichten Wunsch nach spiritueller Zusammengehörigkeit sein, die man im Rahmen von
lebenswichtigen Ereignissen erfahren möchte als Gläubiger. Ich erkenne in diesem Moment,
dass unsere Freundschaft einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht hat. Toleranz hat unsere
Freundschaft überhaupt erst möglich gemacht – aber Grenzen sind wichtig zur Bewahrung
unserer eigenen jeweiligen Identität, die wir als wahre Freunde auch akzeptieren.)))
November 2012: Ich bin für eine Woche in Usbekistan, weil mich Freunde dort spontan zu
ihrer Hochzeit eingeladen haben. Nach einem außergewöhnlich fremden und aufregenden
Hochzeitswochenende verbringe ich noch einige Tage in der Hauptstadt Taschkent. Mein
usbekischer Freund M., den ich vor einigen Monaten während einer Sommeruniversität in
Kasachstan kennengelernt habe, führt mich durch seine Stadt, in der er auch studiert:
Nachdem M. mir einige wunderschöne Moscheen und Medresen (islamische Schulen) gezeigt
hat, möchte er mir zwei besonders interessante Gebäude zeigen, um mich zu „überraschen“.
Auf dem Weg dahin erklärt er mir, dass Usbekistans Bevölkerung zu etwa 90 % dem Islam
angehört, Usbekistan aber als ein Hauptdurchzugsgebiet der Seidenstraße jahrhundertelang
ein Schmelztiegel aller möglichen Kulturen und Religionen war. Dieses alltägliche bunte
Miteinander sei aber spätestens mit Zeiten der russischen Herrschaft vorbei, was sich leider
seit der Unabhängigkeit Usbekistans auch kaum verändert habe. Es bestehe aber eine
Diskrepanz zwischen Bevölkerung und Staat: während die Menschen auf der Straße
mehrheitlich offen für andere Lebenseinstellungen seien, erschwere der Staat hingegen
manchmal das Leben nicht-muslimischer Gemeinden. Mit diesem Hintergrundwissen
„überrascht“ mich M. wirklich, als die beiden erwähnten Gebäude in Sicht kommen: es sind
eine deutsche evangelisch-lutherische Kirche, erbaut 1896 und ziemlich versteckt zwischen
Bäumen und mauerbedeckendem Efeu, und eine polnische römisch-katholische Kirche, die
sich prachtvoll und erhobenen Hauptes auf einem freien Platz darstellt.
(((Ich verstehe nun, wie etwa ein praktizierender Muslim sich fühlen muss, der in einem
zutiefst christlich-jüdisch geprägten Deutschland in einer kleinen Nebenstraße unvermutet
eine Moschee vorfindet. Er bekommt die stille Botschaft, dass er und seine Religion nicht nur
toleriert, sondern sogar akzeptiert werden von einer deutschen Mehrheit. Und obwohl ich
Atheist bin, rühren auch mich in diesem Moment diese beiden Kirchengebäude in Taschkent,
die in einem „schwierigen“ Land wie Usbekistan ihren kleinen, stillen Beitrag zu
Religionsvielfalt und –neugier leisten. Denn auch als Atheist profitiere ich ja letzten Endes
von dieser, indem ich auf eklektische Weise mir zusagende Aspekte einer Religion für meinen
Lebensstil übernehmen kann. Ich stelle für mich fest: ja, ich bin nicht ganz frei von Religion.
Aber wenigstens kann ich mir die Grenzen meiner Freiheit selbst aussuchen!)))
Mai 2013: Ich sitze genau jetzt in meiner Wohnung vor meinem Laptop und schaue auf
meinen bisherigen Text für den Studierendenwettbewerb des BMI zum Thema „Identität“ und
„Toleranz“. Obwohl mir beide Wörter bisher so nichtssagend und inhaltsüberfüllt
gleichzeitig erschienen, merke ich dank meiner durch den Wettbewerb ausgelösten
Reflexionen, wie wichtig diese immer waren, es nach wie vor sind und immer sein werden.
Und: sie sind miteinander verknüpft! Ich bin ein Atheist deutscher Identität – heutzutage
23
genauso akzeptiert wie ein muslimischer Araber mit deutscher Staatsbürgerschaft. „Deutsch“
sein bedingt also längst nicht mehr nur den christlichen oder jüdischen Glauben geschweige
denn einen „deutschen“ Stammbaum. Aber vielleicht ist aus dem Grund ein Überdenken
unserer Identitätsfrage angebracht. Vielleicht ist es an der Zeit, uns als „Deutschländer“
aufzufassen – eine gemeinsame Nationalität, in welcher der klassische christliche
„Deutschstämmige“ nur eine von vielen gleichberechtigten Ethnien Deutschlands ist, die sich
gegenseitig bereichern. Andere Länder wie Namibia und die Türkei, die diese Unterscheidung
Deutsche - Deutschländer bereits anwenden, haben das längst begriffen…aber vielleicht sind
wir dafür (noch) nicht tolerant genug???
24
Essay/ Reportage
2. Preis/ 2 Preisträger
Abkehr von der Toleranz
Simon Kerwagen und Johannes Vögler
Die Bedeutung Luthers und der christlichen Nächstenliebe für das Zusammenleben der
Menschen in unserer Gesellschaft heute
1
Einleitung
Am 9. Oktober 1528 unterzeichnete Luther eine Schrift, die jeder politisch korrekte Verleger
allein aufgrund ihres Titels heute einer gründlichen Zensur unterziehen würde: „Vom Krieg
wider den Türken“. So nannte Luther seine Sendschrift an den Landgraphen Philipp von
Hessen inmitten der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den einfallenden Truppen der
Osmanen. Eigentlich wollte Luther diese Schrift auf Drängen anderer bereits fünf Jahre eher
herausgeben. Aber gerade jetzt, angesichts des Ansturms der Osmanen bis kurz vor Wien,
wurde Luther von seinen Freunden aufgefordert, sie zu vollenden, insbesondere weil, wie er
an Philipp schreibt, „etliche ungeschickte Prediger bei uns Deutschen sind […], die dem
Pöbel einbilden, man solle und müsse nicht wider den Türken kriegen.“
Wie befremdend klingen diese Worte doch in unseren Ohren! Wie scheinbar unzeitgemäß
diese Betrachtungen! Selbst wer Luther zugesteht, dass ihn die Heftigkeit der politischen und
religiösen Streitigkeiten der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts zu einer martialischen Wortwahl
veranlasste, wird einräumen müssen, dass eine metaphorische Interpretation seiner
Aufforderung zum Krieg gegen die Türken am klaren Wortsinn vorbeigeht.
Dennoch haben wir uns bewusst dazu entschieden, diese problematischen Worte an den
Anfang unseres Essays über die Bedeutung Luthers und der christlichen Nächstenliebe für das
Zusammenleben der Menschen in unserer Gesellschaft heute zu stellen. Vorneweg ein klares
Bekenntnis: Wir distanzieren uns entschieden von dieser Aufforderung zum Krieg gegen ein
anderes Volk. Wir sind dankbar, in einer freiheitlichen Demokratie zu leben. Wir sind froh,
dass es bei uns fast keine fundamentalistischen religiösen Gruppierungen gibt, die durch
Bücherverbrennungen und Hassaufrufe den innenpolitischen Frieden gefährden. Wir heißen
es gut, dass der deutsche Verfassungsstaat ein wehrhafter Rechtsstaat ist, der mit § 130 StGB
über den Straftatbestand der Volksverhetzung und mit Art. 21 Abs. 2 GG in Verbindung mit
§§ 13 Nr. 2, 43 ff. BVerfGG über das Rechtsmittel des Parteienverbots verfügt, um sich gegen
notorische Fremdenhasser und krude Rassenideologen zur Wehr zu setzen.
25
Warum setzen wir Luthers Aufruf zum Krieg gegen die Türken trotzdem an den Anfang?
Neben dem geschichtshermeneutischem Hinweis auf die Problematik der unreflektierten
Übernahme jahrhundertealter Gedanken geht es uns um eine aktualisierende Interpretation
Luthers sich in seiner Hetzschrift beispielhaft verdichtenden Polemik und Intoleranz in
generalis bei gleichzeitiger klarer Ablehnung seiner Aufforderung zum Krieg in concreto.
Denn auch heute gibt es unserer Auffassung zufolge noch vielfach verdeckte Aufrufe zum
„Krieg“ gegen Menschen anderer Religionszugehörigkeit oder Herkunft. Die heutigen Feinde
der Demokratie arbeiten mit subtileren Mitteln als Luther. Wie schleichendes Gift versuchen
sie, uns ihre stumpfen Parolen einzuimpfen. Je nach Region tarnen sie sich unterschiedlich,
zum Beispiel unter dem Deckmantel „Bürgerbewegung pro Köln“.
Bei aller nötigen und unhintergehbaren Kritik an Luthers kriegerischer Haltung denken wir,
dass die sich in seiner Polemik und Intoleranz ausdrückende Haltung christlicher
Nächstenliebe einer multikulturell verfassten Gesellschaft deutlich besser ansteht als ein
oberflächliches tolerantes Miteinander.
Pointiert gesagt, vertreten wir die These, dass Luther etwas erkannt hat, was später bei uns in
Vergessenheit geriet: Christliche Identität äußert sich handlungspraktisch in Nächstenliebe.
Nächstenliebe bedeutet aber nicht, im Sinne eines blinden Opportunismus wegzuschauen.
Nächstenliebe heißt vielmehr Auseinandersetzung, Auseinandersetzung in Liebe, aber auch in
aller Deutlichkeit.
2
Von der Identität eines Christenmenschen im Anschluss an Luther
In Luthers Schriften kommt eine spezifisch christliche Identität zum Ausdruck, die sich aus
der Bibel als Heiliger Schrift speist. Luthers Intoleranz und Polemik sind Spiegel seiner
christlichen Identität. Zwar stammt der Begriff der Identität erst aus dem 18. Jahrhundert, so
dass eine Applikation auf Luthers Denken sich stets die Gefahr eines Anachronismus ins
Gedächtnis rufen muss. Dennoch ist der Begriff „Identität“ hilfreich, um zu verstehen,
welches Selbstverständnis Luthers prägender Hintergrund in seinen Auseinandersetzungen
der Reformationszeit war. Christliche Identität im Anschluss an Luther beruht im
Wesentlichen auf zwei Begriffen: Herz und Gewissen. Beide Topoi hat Luther in jahrelanger
exegetischer Forschung aus der Bibel gewonnen. Insbesondere die Bedeutung des Herzens
ging ihm in seinen beiden zwischen 1513 und 1521 gehaltenen Psalmenvorlesungen „Dictata
super psalterium“ und „Operationes in psalmos“ auf. Diese Überlegungen münden wenige
Jahre später in den Großen Katechismus. Über das Erste Gebot „Du sollst nicht andere Götter
haben“ schreibt Luther:
„Das ist, Du sollst mich alleine für Deinen Gott halten. Was ist das gesagt und wie
verstehet man’s? Was heißt ein Gott haben oder was ist Gott? Antwort: Ein Gott heißet
das, dazu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen Nöten. Also
dass ein Gott haben nichts anders ist, denn ihm von Herzen trauen und glauben, wie ich
oft gesagt habe, dass alleine das Trauen und Glauben des Herzens machet beide Gott
und Abgott.“
Welche Rolle das Gewissen für Luthers Identität spielte, verdeutlicht seine
Auseinandersetzung mit Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Worms 1521. Aufgefordert,
26
seine Schriften zu widerrufen, entgegnet Luther entschieden unter Berufung auf sein
Gewissen:
„Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt
werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, dass
sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der
Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und
gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider
das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“
Luthers Rückgriff auf das Herz und das Gewissen verdeutlicht das reformatorische Prinzip
„sola scriptura“. Gewissen und Herz prägen nach Luther deshalb die christliche Identität, weil
sie der Ort sind, an dem ein Christ einerseits seiner Gottesbeziehung, einem unverrückbaren
Fundament gleich, gewiss wird, andererseits diese im Herzen spürt. Jeder, der einmal Bachs
berühmte Vertonung des Motivs „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“ aus Psalm 51 gehört
und sich davon hat anrühren lassen, bekommt einen Eindruck davon, mit welcher Inbrunst
und Liebe Luther vom „Worte Gottes“ sprechen konnte. Nicht ohne Grund wählen aktuelle
protestantische ethische Entwürfe insbesondere aus dem angelsächsischen Sprachraum, die
sich um eine erneuerte ethische Hermeneutik und Identität bemühen, ihren Au sgangspunkt
ebenfalls bei den Psalmen. So gibt beispielsweise Brian Brock seiner Ethik den
bezeichnenden Titel „Singing the Ethos of God. On the Place of Christian Ethics in
Scripture“, um damit eine Verortung christlicher Ethik in der Heiligen Schrift als
Ausgangspunkt einzufordern. Gottes Ethos zu singen, vollzieht sich für Brock dabei im
Singen der Psalmen. Wenn Brock Augustinus und Luther als seine Kronzeugen anführt, so
schließt sich für uns der Kreis: Wie Luther Augustins im Mittelalter verschüttetes Verständnis
der iustitia Dei als den Sünder rechtsprechender Gerechtigkeit Gottes wieder aufdeckte, so
müssen wir heute Luthers vergessenes Verständnis von christlicher Identität und
Nächstenliebe für uns neu entdecken.
3
Tolerantes Miteinander als Hohlformel für Gleichgültigkeit
„Wir müssen tolerant sein.“ – Diese Aussage gilt als politisch korrekt. Für das
Selbstverständnis und die Identität unserer Gesellschaft ist sie ein Allgemeintopos. Bei
genauerer Betrachtung kommen uns jedoch Zweifel, ob es dieser Satz verdient, in
Deutschland zu einem Allerweltsmantra zu werden. Bereits das anfängliche „Wir“ impliziert,
dass es auch noch die Anderen gibt, die es zu tolerieren gilt. Mit „müssen“ verbindet der
Volksmund eher eine unliebsame Pflicht. Eine Herzenshaltung, wie sie Luther vor Augen
stand, können wir darin nicht erkennen, geschweige denn daraus gewinnen. In Toleranz übt
man sich, „weil man es halt muss“. Die ursprüngliche lateinische Bedeutung des Wortes
Toleranz klingt in dieser Interpretation deutlich an, die der Historiker Martin Ohst
folgendermaßen bestimmt: „‚Tolerare’ bezeichnet das geduldige Ertragen und Erleiden
unabänderlicher moralischer und physischer Übel.“
„Wir müssen tolerant sein.“ – Wer Toleranz auf diese Art und Weise bestimmt, der bringt
damit zum Ausdruck, dass er den oder die zu Tolerierende als Übel betrachtet. Die so schöne
politische Formel schmilzt also dahin, sie wird entlarvt als ausgrenzender Zwang, unliebsame
Andere zu erleiden. Von der Toleranz wegzukommen, ist unserer Meinung nach daher mehr
27
als nötig. Als Surrogat für Toleranz schlagen wir das Ethos der Nächstenliebe im christlichen
Sinne vor.
4
Das Ethos der Nächstenliebe im christlichen Sinne
Als Ausgangspunkt für unsere Reflektion über das Ethos christlicher Nächstenliebe soll uns
der Umgang Jesu mit den Außenseitern der damaligen Gesellschaft dienen. Konkret finden
wir bei Markus 2,14-17, was christliche Identität und Nächstenliebe im Umgang mit Anderen
und ausgegrenzten Gruppen der Gesellschaft bedeutet:
14
Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach
zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.
15
Und es begab sich, dass er zu Tisch saß in seinem Hause, da setzten sich viele Zöllner
und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn es waren viele, die ihm
nachfolgten.
16
Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und
Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Isst er mit den Zöllnern und Sündern?
17
Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern
die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Die Zöllner waren eine der meistgehassten Gruppen der antiken jüdischen Gesellschaft. Denn
sie trieben für den römischen Kaiser die Steuern ein, wodurch sie sich im Volk als
Hochverräter diskreditierten. Zusätzlich bereicherten sie sich oftmals über ihren regulären
Lohn hinaus, indem sie die Zölle aus Eigennutz anhoben. Daher bestand gesellschaftlicher
Konsens darüber, dass keiner etwas mit einem Zöllner zu tun haben wollte.
Diesen gesellschaftlichen Konsens stellt Jesus durch sein Verhalten in Frage: Er nimmt
Kontakt zum Zöllner Levi auf und schafft damit eine Beziehung. Diese reift durch die
Tischgemeinschaft. Es ist gut vorstellbar, dass es sich bei dem Mahl um ein ausgelassenes
Fest gehandelt haben kann. Schließlich bekommen die Pharisäer, die zugleich geistliche Elite
und Sittenwächter waren, mit, was vor sich ging. Sofort sprechen sie Jesu Jünger an, wie es
sein könne, dass die gesellschaftlichen Grenzen überschritten würden. Die Pharisäer
konzentrieren sich somit nur auf das Trennende. Dieses zu überbrücken, ist für sie schon per
se falsch. Interessant ist, dass Jesus nicht bei der Überbrückung der Trennung stehen bleibt.
Vielmehr betont er seine von Nächstenliebe geprägte Identität. In seinem Satz: „Die Starken
bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken“, liegt die ganze Schärfe des Textes. Es geht
Jesus nicht um blinde Toleranz im Sinne des Ertragens eines Übels. Es ist ihm nicht
gleichgültig, was die anderen machen. Die Haltung, ein jeder solle nach seiner Fasson
glücklich werden, kommt für ihn nicht in Frage.
Jesus ist und bleibt Jude. Die jüdischen Werte, die die Pharisäer vertreten, sieht er ebenfalls
als gültig an. Auch für ihn sind Betrug und Verrat nicht hinnehmbar. Neu an Jesu Verhalten
ist, dass er auf die Gruppe derer zugeht, die nicht dieselben Werte teilen wie er. Anders als die
Pharisäer grenzt er sie nicht aus, sondern entwirft in Wort und Tat die Vision einer inklusiven
Gesellschaft. Mit seinem Wirken veränderte Jesus die Weltgeschichte. Er hinterließ uns die
Mittel, um die Gesellschaft zum Bessern zu verändern. Gesellschaftliche Unterschiede
28
werden von ihm nicht einfach ignoriert oder weggeredet. Jesus nimmt die Unterschiede wahr
und bringt sie zur Sprache, in aller Deutlichkeit.
5
Resümee
Wir glauben, dass vom Standpunkt einer christlich verstandenen Nächstenliebe aus eine
gesellschaftliche Veränderung einsetzen kann: Eine Gesellschaft, die sich das Handeln Jesu
zum Vorbild nimmt, wird in Frieden leben können. Frieden hat Akzeptanz und Nächstenliebe
zur Voraussetzung. Selbst wer sich über bestimmte Werte uneins bleibt, kann den
gesellschaftlichen Frieden wahren, wenn sein Handeln von Nächstenliebe bestimmt ist. Wer
sein soziales Zusammenleben ausgehend vom Ethos einer christlich bestimmten
Nächstenliebe gestaltet, muss die Andersdenkenden und Andersgläubigen nicht tolerieren,
muss sie nicht als Übel erleiden, sondern kann sie in ihrer Andersartigkeit wahrnehmen und
wertschätzen. Eine dergestalt verstandene Nächstenliebe sieht den herrschaftsfreien Diskurs
aller gesellschaftlichen Gruppen als Leitbild an. Der Clou dieses Ethos der Nächstenliebe
besteht unseres Erachtens darin, dass es kein partikulares Ethos nur einer
Religionsgemeinschaft darstellt. Wie Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Samariter
verdeutlicht, ist es gerade der Samariter, der Andersgläubige, der sich in Nächstenliebe übt,
während die eigenen Volksgenossen des Schwerletzten, der Priester und der Levit, achtlos an
diesem vorüberziehen.
Wir glauben, dass ein dergestalt verstandenes Ethos christlicher Nächstenliebe davor
bewahren kann, vorschnell Integration oder gar Assimilation von gesellschaftlichen
Minderheiten und Randgruppen einzufordern. Gerade sich selbst als Christen verstehende
Mitbürger und Mitbürgerinnen können sich kritisch hinterfragen, ob und inwiefern sie ihre
christliche Identität handlungspraktisch als christliche Nächstenliebe zur Geltung bringen.
Aber auch für nichtchristliche Mitbürgerinnen und Mitbürger scheint uns das Ethos der
Nächstenliebe eine Option als orientierende Leitvorstellung für das gesellschaftliche
Miteinander zu sein, wie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter verdeutlicht.
An die Stelle oberflächlicher Toleranz setzen wir mit Luther eine Nächstenliebe, die die
Anderen ernst- und wahrnimmt. Aufrichtige Nächstenliebe schließt auch Polemik und Protest
nicht aus. Im Gegenteil, manchmal fordert die Liebe zu unserem Nächsten geradezu unsere
Polemik und Protest heraus. Nichts anderes meint unserer Meinung nach auch Stéphane
Hessel mit seinen Aufforderungen, die er uns als Vermächtnis hinterlassen hat: Indignezvous! – Empört Euch! Oder freier: Polemisiert, seid intolerant! Und: Engagez-vous! Bringt
Euch ein! Oder wiederum: Sucht den Kontakt und den Austausch mit allen gesellschaftlichen
Gruppen!
29
Essay/ Reportage
3. Preis
Religion, Nationalität und Geschlecht, diese drei
Lea Spille
Eigentlich sind wir doch alle gleich. Zumindest die jungen Menschen, die noch nicht so
geprägt sind.
So richtig gibt es kulturelle Unterschiede ja erst, wenn die Leute älter werden, sich bestimmte
Muster fester einprägen und Menschen dadurch unflexibler werden.
Hab ich immer gedacht.
Alle meine Auslandsaufenhalte und Begegnungen mit AustauschschülerInnen wiesen in die
gleiche Richtung und spiegelten mir meine Weisheit wieder, auf die ich mit meinen 16, 17
Jahren enorm stolz war.
Nach dem Abi der erste längere Auslandsaufenthalt. Sieben Monate in der Schweiz.
KollegInnen aus aller Welt: Senegal, Vietnam, Brasilien, Rumänien, Spanien, Frankreich,
USA, Großbritannien und noch ein paar andere, die ich gar nicht mehr alle weiß. Ein paar
sogar aus der Schweiz.
Aber vor allem Deutsche. Warum so viele Deutsche? Immer wieder und überall, egal wohin
man fährt. Können die nicht woanders Urlaub machen? Woanders arbeiten? Nie hat man das
Gefühl, was wirklich Einzigartiges und Außergewöhnliches zu machen, wenn immer schon so
viele Deutsche da sind. Grr!
Nicht einmal die Fußball-WM 2006 konnte mein Misstrauen gegenüber „Deutschtümelei“ im
Allgemeinen und der deutschen Flagge im Speziellen lindern. Vielleicht war auch deshalb
Gottesdienst nie mein Ding: Viele Leute, die gemeinsam im Chor sprechen... Gruselig! Alles,
was „deutsch“ riecht oder nach Religion aussieht, ist erst mal verdächtig. Was mir vom
Schüleraustausch in die USA noch am besten vor Augen ist, ist ein Aufkleber auf einem
Truck. Eine USA-Flagge mit der Aufschrift: „Proud to be an American“.
Das fand ich phänomenal. Phänomenal schlecht. Wie können die nur? So viel
Nationalgeklüngel! Tolerante Menschen brauchen keinen Nationalstolz! Staaten sind doch nur
Verwaltungseinheiten. Tolerante Menschen leben ihre Religion stillschweigend! Wer eine
„laute“ Religion als äußere Struktur braucht, hat wohl keine innere, die ihn stützt! Nationalität
und Religion – wenn eine davon zu identitätsstiftend ist, dann ist das erst mal schlecht. Heißt
es ja offenbar, dass diese Menschen sonst nichts haben, was sie zusammenhält.
30
Während des Studiums ein Auslandsjahr in der Türkei.
Die ersten Tage in der neuen Stadt sind anstrengend: Wohnung suchen, zur
Ausländerbehörde, in Kurse einschreiben und am besten auch noch Freunde finden.
Am dritten Tag esse ich in der Mall bei McDonalds. Nicht, weil ich es besonders gerne mag.
Aber es ist vertraut. Bekannt. Vorhersehbar. Auch, wenn es vorhersehbar schlecht schmeckt.
Sobald man anfängt zu vergessen, dass man in der Fremde ist, ruft der Muezzin es wieder in
Erinnerung.
Nach dem ersten Tief kommt das Mittelmeer-Hoch Euphorie. Sonne, Meer und Himmel
strahlen um die Wette.
Doch irgendwann ist die Zeit des Alles-neu-und-toll vorbei. Die Schere öffnet sich. Was
vorher „interessant“ war, teilt sich auf in gut und schlecht. Die Welt wird langsam
schwarzweiß und zum ersten Mal in meinem Leben suche ich Zuflucht im Deutsch-Sein.
Was bei uns nicht alles besser läuft! Ich finde eine ganz neue Wertschätzung gegenüber der
deutschen Bürokratie. Die türkische steht der deutschen praktisch nichts nach, aber sie
funktioniert auf eine Weise anders, mit der ich nicht vertraut bin, und das stresst mich.
Als toleranter, weltoffener Mensch habe ich mich auch über kulturelle Unterschiede in der
Sprache informiert. Wie man etwas sagt kann wichtiger sein als das was. Ich gebe mir Mühe.
Aber egal, ob ich Englisch oder Türkisch spreche: Diese Art von sprachlicher Kodierung fällt
mir schwer. Sowohl sprachliche Nuancen rauszuhören als auch sie zu produzieren. Und das
stresst mich.
Dazu Ärger im Türkisch-Kurs: Nur neun Erasmus-Studierende an der Uni und da sitzen wir
alle im gleichen Kurs. Ich mit acht Wochen Intensiv-Kurs, ein polnischer Anglistik-Student
kann zu Beginn gerade mal „Hallo“ sagen. Wir fangen mit dem Alphabet an. Die Stunden
dehnen sich und ich habe das Gefühl, ich stecke fest und komme kein Stück weiter. Und das
stresst mich. Interessanterweise verstehe ich am meisten in meiner Statistik-Vorlesung. Die
universale Sprache der Mathematik. Wenn man sie einmal versteht, bedeutet sie überall das
Gleiche. Die Erkenntnis ist erschreckend aufmunternd.
Während des Opferfestes mit einer Freundin zu ihrer Familie aufs Dorf. Ich wäre gerne mal
zur Freitagspredigt in die Moschee gegangen, um mir das anzusehen. Aber ich darf nicht – als
Frau. Vielleicht auch nicht als Christin, aber so weit geht das Gespräch gar nicht.
Im Istanbuler Stadtteil Fatih auf dem Weg zur dortigen Moschee. Ich bin weit und breit die
einzige Frau ohne Kopftuch. Die Atmosphäre wird konservativer und ich wünsche mir nichts
sehnlicher als ein Kopftuch. Das hier ist Istanbul! Hallo? Touris en masse. Wie kann ich
auffallen? Das stresst mich.
Immer so viel nachdenken! Nichts ist Routine. Kein Skript, dass ich abspulen kann, das nur
Aufmerksamkeit erfordert, wenn etwas nicht so läuft wie erwartet. Manchmal lieber zum
Supermarkt als zum Wochenmarkt. Supermarkt ist immer gleich. Da muss ich mit keinem
reden. Denn die sprachliche Kommunikation bleibt trotz aller Fortschritte schwer. Und das
stresst mich.
Immer alles nur ein bisschen. Jedes Ereignis steht für sich. Der Spaß an der Sache überwiegt.
Die gute alte Zeit
31
Nach einigen Monaten bürgert sich ein Freitagabend-Ritual ein: Wir sind drei deutsche
Mädels an der Uni, treffen uns, trinken Rakı mit Sprite, grölen zu TicTacToe (die gute alte
Zeit!) und lästern über alles, was uns in der Woche auf den Keks gegangen ist. Ach nein, ich
meine, wir stellen fest. Manchmal gibt es auch Gouda dazu.
Wir werden nicht müde, uns gegenseitig zu versichern, dass wir ja wirklich nur feststellen.
Und dass das wirklich komisch war! Und man muss sich ja austauschen, sonst wird man ja
verrückt.
Und dann sind die da auch noch stolz drauf! Und so von sich überzeugt! Unglaublich!
Die und wir. Die Grenzen sind klar.
Immer mit einem latent schlechten Gewissen.
Was machen wir hier eigentlich?
Ich wollte doch ins Ausland?
So ein Mensch bin ich doch nicht! Ich bin doch tolerant!
Meine vielen FreundInnen und Bekannte im In- und Ausland zeigen das doch! Schwarze,
Weiße, Männer, Frauen, Muslime, Christen, Buddhisten, Atheisten, Senegal, USA, Türkei,
Brasilien, Mauritius, Großbritannien, Italien, Spanien. Die Freundschaften werden zum Alibi:
Meine Kritik ist doch berechtigt, ich habe ja Auslandsfreundschaften, die beweisen, dass ich
nicht intolerant bin. Ich darf das.
Wieder ein schlechtes Gewissen, weil das Zuschreiben von Eigenschaften über Nationalität
läuft. Die Eigenschaft „türkisch“ und „deutsch“ schwebt immer über allem. Oder bildet das
Fundament. Wie auch immer, es ist wichtiger als der Gedanke, dass es vielleicht einfach eine
Eigenschaft der Person ist, unabhängig von Nationalität. Oder Religion. Oder Geschlecht.
Oder einer der anderen Kategorien, vor die wir so gerne ein „typisch!“ setzen.
Wir studieren alle drei Psychologie, wir kennen die Mechanismen, wie sich Vorurteile selbst
stabilisieren und so. Schützen tut das nicht. Wir laufen nur sehenden Auges in die IntoleranzFalle. Das bedeutet ein doppelt schlechtes Gewissen, weil wir es ja eigentlich besser wissen.
Erst spät die Erkenntnis: Wir brauchten das. Ich brauchte das. Ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Ein Gefühl von Heimat in der Fremde. Selbstwerterhöhung durch Abwärtsvergleich. Vor
allem Stressabbau. Funktioniert alles am besten durch Abgrenzung.
Nun aber bleiben Religion, Nationalität und Geschlecht, diese drei, aber die Nationalität war
die größte unter ihnen...
Aber nicht nur wir ziehen eine Grenze: Ich bin die pünktliche Deutsche. Nicht zu Hause, nur
hier. Denn wenn ich 15 Minuten zu spät komme und die anderen 30-45 Minuten, dann bin ich
immer noch die Erste. Die überpünktlichen Deutschen, es stimmt also wirklich!
Das Jahr geht zu Ende, aber das erwartete Feuerwerk gibt es nicht. Nur ein Kind auf einem
Balkon zündet einen Knallfrosch. Zurück zum Haus. Um ein Uhr dann die Live-Übertragung
vom Brandenburger Tor im ARD. Es lebe das Internet! Unsere türkischen FreundInnen sind
beeindruckt trotz 15-Zoll-Bildschirm und ich bin heimlich ein bisschen stolz auf „unser“
Feuerwerk. Nicht, dass ich jemals da gewesen wäre.
„Das Leben wird immer härter. Bitte schick Schokolade.“
Anderthalb Wochen zu Hause. Der Realitätsschock ist ein Schlag ins Gesicht. So viele Dinge,
die mich in der Türkei genervt haben, sehe ich jetzt auch hier. Und so viele davon auch noch
in meiner eigenen Familie! Warum habe ich das früher nicht gesehen?
32
Das neue Jahr wird schwieriger. Was vorher in die „Schlecht“-Kategorie gefallen ist und nur
ein paar Freitagabend-Lacher wert war, wird langsam bitterernst. Viele kleine SandkornEreignisse türmen sich langsam zu Bergketten auf. Und die Weihnachts-Erkenntnis, dass „bei
uns alles besser ist“ nur identitätsstiftendes Wunschdenken war, macht die Sache nicht besser.
Wenigstens hat das Halt geboten.
Ich stürze mich dennoch mit neuem Enthusiasmus ins „Deutsch-Sein“. Nicht, dass ich
definieren könnte, was zum „Deutsch-Sein“ überhaupt so dazu gehört. Aber meine anderen
Identitäten reichen nicht. Alles, was mich sonst definiert, verliert seine Bedeutung:
handwerklich geschickt, kreativ, intelligent, einfühlsam – alles Sternschnuppen bei Neumond.
Ein kurzes Leuchten und dann ist es wieder dunkel. Nationalität ist stabil. Sagt mir, wie ich
Situationen interpretieren kann. Und grenzt ab. Genau das, was eine Identität braucht!
Die letzten zwei, drei Monate sind eine Qual. Ich muss hier raus! Muss Abstand kriegen!
Vielleicht könnte ich dann zurückkommen. Und das Ganze gelassener betrachten, aber jetzt
geht es einfach nicht mehr. Aber dazwischen immer wieder Spaß. Viel Spaß und nette Leute.
So, wie es sein sollte. Wenn man denn ein toleranterer Mensch wäre und sich nicht nerven
ließe von diesen Kleinigkeiten...
Aber nie schlimm genug, um aufzugeben.
Kurz vor dem Heimflug eine neue Bekanntschaft. Sie hat ein Jahr in Italien verbracht hat und
versteht mich. Sie kennt das Problem. Sie bietet Erklärungen an. Ich beschreibe, was ich
gesehen habe und sie versucht zu interpretieren. Ob die Erklärungen nun stimmen oder nicht:
Sie sind Balsam für meine Seele. Sind es immer noch.
Und die Moral von der Geschicht'...
Ich bin mit mehr Vorurteilen heimgekehrt als ich gekommen bin. Vorher war ich glücklich
und zufrieden mit der Illusion, dass wir doch eigentlich alle gleich sind. Die Blase ist geplatzt.
Aber die Medizin ist eingenommen, ich brauche Abstand und Ruhe, damit sie wirken und
mich heilen kann. Um damit ich mich hinterher hoffentlich wieder als toleranter Mensch
wahrnehmen kann.
Und das kann ich.
Ich bin ein toleranter Mensch. Mit manchen Dingen kann ich besser umgehen als mit anderen.
Aber es reicht nicht nur zu sehen. Es braucht Hilfe, um auch zu verstehen. Welche
Identitätskrise hätte ich mir ersparen können!
Jetzt ist mir klar, dass ich bei meinen Auslandsaufenthalten – USA, Schweiz, Türkei – mehr
über mich selber gelernt habe als über die Menschen dort. What Peter says about Paul tells us
more about Peter than about Paul.
Und ich weiß ein bisschen besser, wer ICH bin. Und das brauche ich, um tolerant sein zu
können. Bei vielen Sachen passe ich mich an die lokalen Gewohnheiten an. Aber ich habe
meine Grenzen überschritten und jetzt weiß ich, wo sie sind. So ungefähr zumindest.
Und die respektiere ich jetzt. Meistens jedenfalls, denn es braucht Übung, sich nicht
verbiegen zu wollen. Aber so viel Kulturschock müssen „die“ dann halt auch ertragen. Nur
weil ich tolerant bin, bin ich nicht beliebig formbar. Und es wird ein Kulturschock sein, kein
„Persönlichkeitsschock“, denn die Kategorie „Nationalität“ wird immer präsent sein. Wäre
ich ein religiöserer Mensch, hätte ich mehr über Religion schreiben können, aber letztlich
33
spielt die Kategorie keine Rolle. Das Wort „Kategorie“ ist das Problem. So hilfreich, um eine
komplizierte Welt einfacher zu machen. So bitter, wenn man sie überwinden will.
Die Welt hat sich weiter gedreht und ich habe mich auch weiter entwickelt. Es zieht mich
wieder in die Ferne. Manchmal vermisse ich sogar die kleinen nervigen Sachen.
Wahrscheinlich dann, wenn mein Alltag mich stresst, aber darauf habe ich noch nicht so
genau geachtet. Ich habe immer noch FreundInnen in der Türkei. Einmal war ich wieder dort.
Es haben wieder die gleichen Dinge genervt. Aber auf vertraute Art genervt. So, wie es mich
nervt, wenn mein Bruder mich nicht ernst nimmt. So, wie es mich nervt, wenn ich
Passierschein A38 brauche. So, wie es mich nervt, wenn FußgängerInnen ohne zu schauen auf
den Radweg laufen. Boah, Mann ey!
Wenn ich das nächste Mal länger im Ausland bin, werde ich wieder Verhaltensweisen mehr
oder weniger unbewusst übernehmen. Und ich werde mich unter der Prämisse der Toleranz
wieder verbiegen. Bis ich meine Grenzen spüre. Und das ist ok so.
Dann lerne ich mich wieder ein bisschen besser kennen und den unangepassten Überschuss
müssen „die“ dann ertragen, wer auch immer „die“ sein werden. Ob mich das dann zur blöden
Deutschen oder zur blöden Kuh macht, wird sich dann zeigen. Falls es überhaupt jemanden
stört.
Und ich werde wieder auf meine Identität als Deutsche zurückgreifen, hin und wieder. Ich
brauche diese Identität nur im Ausland, der unsichtbare Stempel in meinem Reisepass. Ein
Sicherheitsnetz, wenn alles andere in Frage gestellt wird. Und das ist auch ok so.
Andere brauchen diese Identität auch im Inland. Wie bedrohlich ihre Welt sein muss!
Religion liegt noch eine Schicht tiefer. Vielleicht werde ich auch darauf mal zurückgreifen.
Brauchte ich bisher aber nicht.
Toleranz ist kein Zustand. Toleranz ist ein Prozess. Des Abwägens und des Anpassens und
des sich selber Kennenlernens. Egal ob Religion, Nationalität oder Geschlecht: immer wieder
neu austarieren, mit jeder Erfahrung ein bisschen. Und ich, ich brauche die volle Dröhnung.
Der Döner-Mann um die Ecke übt mich nicht in Toleranz, weil ich nicht an meine Grenzen
kommen muss. Weil ich dann nicht die Fremde bin. Die angestarrt wird weil sie anders
aussieht. Vielleicht ist das bei anderen anders. Und das ist auch ok so.
Toleranz kommt dann, wenn der einzelne Mensch wichtiger wird als die Gruppe, die
Kategorie. Auch wenn man den Menschen dann nicht leiden kann. Und auch das ist ok so.
Solange der Prozess nicht zum Stillstand kommt. Und wenn dann alles gut geht, dann wird
„am Ende, ganz am Ende (...) das Meer in der Erinnerung blau sein.“
Und das ist es. In meiner Erinnerung war das Jahr in der Türkei eine schöne Zeit. Eine Zeit,
die ich um nichts in der Welt missen möchte.
In Anlehnung an 1. Korinther 13, 13: „Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei; aber die Liebe ist die größte
unter ihnen.“
Zitat von einer Postkarte
Aus dem Gedicht „rudern zwei“ von Reiner Kunze
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Preisträgerarbeiten der Kategorie
Fotografie/ Film
1.Preis
Lebach Tag&Nacht
Stefanie Schulz
2. Preis
A place to (leave) live
Stéphane Lelarge
3. Preis/ geteilt
Alltagsmethamorphosen
Zino Santiago Peterek
Aus tiefer Not schrei ich zu mir
Josefine Siebert, Evelyn Mattausch und Marvin Rodemann
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Fotografie/ Film
1.Preis
Lebach Tag&Nacht
Stefanie Schulz
Begründung der Jury:
Der Fotografin ist es gelungen, dem Betrachter die Menschen und die Situation in einem
Flüchtlingsheim mit Empathie nahezubringen. Die Geschichte der Portraitierten wird
spürbar, die Aufnahmen werben für eine offene Begegnung mit ihnen. Man spürt das
Vertrauen der Fotografierten gegenüber der Fotografin. Ungeachtet ihrer schwierigen
Lebenssituationen öffnen sich die Portraitierten der Fotografin und damit uns gegenüber.
Die zurückhaltende Farbigkeit verstärkt die Wirkung der Bilder.
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Fotografie / Film
2. Preis
A place to (leave) live
Stéphane Lelarge
Begründung der Jury:
In den Fotografien begegnen uns ein unbekanntes, unerwartetes Berlin und einige seiner
Bewohner. In der Art von Stillleben wird der Betrachter in die Atmosphäre hineingezogen.
Die Bilder haben einen geradezu meditativen Charakter, der durch die Großbildkamera
erreicht wird. Auf den Fotos begegnen uns Individualisten, die am Rande unserer
Wahrnehmung leben.
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Begründung der Jury:
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Fotografie/ Film
3. Preis/ geteilt
Alltagsmethamorphosen
Zino Santiago Peterek
Begründung der Jury
Dieselbe Person wird in klassischem Porträtstil mit zwei Identitäten gezeigt. Es verblüfft den
Betrachter, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Der Fotograf provoziert uns und
unser Urteilsvermögen mit diesen Bildern, die in der jeweiligen Person uneindeutig sind und
bleiben.
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Fotografie/ Film
3. Preis/ geteilt
Aus tiefer Not schrei ich zu mir
Josefine Siebert, Evelyn Mattausch und Marvin Rodemann
Begründung der Jury
Die Studierenden aus Merseburg schaffen es, sich mit den spielerischen Mitteln des
Animationsfilms in die Gedankenwelt Martin Luthers hineinzuversetzen und diese für uns zu
öffnen. Die kurze assoziative Arbeit zeugt vom Ringen mit der Wirklichkeit und von der Kraft
der künstlerischen Neugierde.
Den Film finden Sie unter:
www.bmi.bund.de/studierendenwettbewerb
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Konzeption des Films
„Aus tiefer Not schrei ich zu mir“
In dem multimedialen Produktionsprojekt zur Lutherdekade“ der Hochschule Merseburg
haben wir, drei Studenten des dritten Semesters der Kultur – und Medienpädagogik, uns mit
Martin Luther auseinandergesetzt.
Unser Ansatz war die Übersetzung seiner Texte in die heutige Zeit. Das Schaffen Luthers, die
Veränderung, die er in der damaligen Gesellschaft bewirkt hat, gilt für uns auch außerhalb
des religiösen Kontextes.
Wir haben sein Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“ auf unsere Generation übertragen und
nach einer Entsprechung zu dem Wort „Gott“ gesucht. Aufgrund der
Individualisierungstendenz und der Ich-Bezogenheit unserer Gesellschaft haben wir es mit „
Ich“ ersetzt.
Während eines dreitägigen Studienaufenthalts in der Lutherstadt Wittenberg, haben wir den
Text von Wittenbergern lesen lassen und dies auf Audioebene dokumentiert. In Verbindung
mit assoziativen Bildern ist ein Film entstanden, der die Verzweiflung und Verlorenheit in
dieser Gesellschaft widerspiegelt und gleichzeitig dazu aufruft, nicht aufzugeben und vor
allem, den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren.
(Digital-Film – 4,09 Min.)
50
Bildausschnitte aus dem Filmbeitrag „Aus tiefer Not schrei ich zu mir“
51
Impressum
Herausgeber:
Bundesministerium des Innern, Referat Öffentlichkeitsarbeit,
Alt-Moabit 101 D, 10559 Berlin
Publikation:
Diese Broschüre ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung. Sie wird kostenlos
abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt. Die Broschüre wurde anlässlich der
Abschlussveranstaltung des Studierenden-Wettbewerbs 2013 am 25. Oktober 2013
herausgegeben.
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Mitgliedern der Jury.
Plakatentwurf: MediaCompany – Agentur für Kommunikation GmbH
Alle Beiträge und die Informationen zum Studierenden-Wettbewerb finden Sie unter:
www.bmi.bund.de/studierendenwettbewerb
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Seele and Geist
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