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der Was wirklich wichtig ist - der Bote - Zeitschrift für Leib und Seele

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der
Ausgabe 4/2013 - E 20804 -
Zeitschrift für Leib und Seele
Das sind
meine
Werte!
Was wirklich wichtig ist
Patron Finkbeiner:
Ich habe eine Hoffnung
Fotos: Benny Ulmer
VCH-Hotels:
Woran die Mitglieder glauben
Food Fighter:
Kampf gegen Wegwerfwahn
2 | der bote | Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser!
Das hat doch keinen Wert! Wie oft gebrauchen wir diesen Satz, wenn wir etwas
falsch, sinnlos oder nutzlos finden. Dann lassen wir es schnell wieder sein und
wenden uns etwas anderem zu.
Aber was hat dann eigentlich einen Wert? Das, was den beruflichen Erfolg bringt,
was uns reich macht, was sich auszahlt? Wir haben diesen Boten ganz dem Thema
„Werte“ gewidmet. Mit unterschiedlichen Menschen in der Gastronomie über das
gesprochen, was ihnen im Leben wichtig ist: die Heimat, der Beruf, die Familie, der
faire Umgang mit Kollegen, der Glaube, der tragen kann, wenn sonst nichts mehr im Leben
trägt.
Geld verdienen müssen alle und gerade für Hoteliers und Gastronomen ist es überlebenswichtig,
dass genügend Eigenkapital da ist, wenn die Zukunft gesichert sein soll. Aber Wert-Schätzung
ist mehr als eine ungefähre Hochrechnung dessen, was mein Vermögen ist. Die Kostbarkeit des
Lebens und der Lebensmittel zu entdecken, das wunderbare Glück des Teilens und des anderen
aus der Patsche Helfens zu erfahren – all das hat einen Wert, den man nicht hoch genug einschätzen kann.
Wertvolle Erfahrungen im Leben und beim Lesen dieses Boten wünscht Ihnen
Ihr
Werner Fuchs
Werner Fuchs ist Vorstand der Frankfurter Einrichtung des Verbandes Kirchliche Dienste im Gas­tgewerbe/Missionarischer Dienst im Hotel- und Gaststättengewerbe (KDG/MDHG) und Geschäftsführer der Catering-Firma
Martha's finest.
rder
Foto: Ha
Weil du in meinen Augen kostbar bist
und wertvoll und weil ich dich liebe.
Jesaja 43, 4
Interview | der bote | 3
„Ich falle nicht ins Bodenlose“
Was versuchen Sie an Werten
Ihren Mitarbeitern zu vermitteln?
Seid pünktlich, freundlich, zuvorkommend und aufmerksam. Und
helft den Gästen, vor allem wenn
sie ein Handicap haben.
Was hat im Leben gar keinen Wert?
Lug und Trug, Beleidigungen und
Verleumdungen, den anderen herabsetzen. Jeder hat Stärken und
Schwächen, wir sollten bei anderen
die Stärken suchen und nicht die
Schwächen.
Welchen Stellenwert hat Jesus in
Ihrem Leben?
Einen ganz zentralen. Wir versuchen das, was er uns vorgelebt hat,
mit unserer Arbeit und unserer Familie in Einklang zu bringen.
Wie kann man christliche Werte leben?
Die kann im Prinzip jeder leben.
Man braucht nur eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus.
Sind Christen die besseren
Arbeitgeber?
Nicht unbedingt. Ich kenne viele Kollegen, die keine Christen sind und
ganz hervorragend ihr Haus führen.
Was ist dann anders, wenn
man Christ ist?
Ich habe eine Hoffnung. Ich weiß,
wenn es Probleme gibt, dass ich verlässliche Hilfe bekomme. Ich falle
nicht ins Bodenlose, wenn etwas
Schlimmes passiert.
Welchen Wert haben materielle
Dinge für Sie?
Es ist schön, wenn man sich etwas
leisten kann. Aber es darf nie überhand nehmen. Bevor ich materiellen Überfluss habe, muss ich anderen helfen.
Ist ein Hotel kein materieller Wert?
Heute nicht mehr. Der Beleihungswert unserer Häuser bei einem
Zur Person
Egon Finkbeiner, 64, betreibt zusammen mit seiner Familie das Vier-Sterne-Hotel Waldblick in FreudenstadtKniebis im Nordschwarzwald. Als Dehoga-Kreisvorsitzender ist er auch für die Gastronomie-Hochburg
Baiersbronn zuständig. Finkbeiner hat vier Kinder,
ist Kirchengemeinderat und verantwortlich dafür,
dass es im Kirchenbezirk Freudenstadt eine eigene Gastronomiepfarrstelle gibt.
www.kniebis-wellnesshotel.de
Bankkredit ist auf dem absoluten
Tiefpunkt.
Im Nordschwarzwald gibt es eine heftige Diskussion über einen Nationalpark. Welchen Wert hat die Natur?
Die Natur hat für uns Menschen einen ganz wichtigen Stellenwert. Sie
hilft uns, zur Ruhe zu kommen, das
gilt besonders für die unverfälschte
Natur wie man sie in einem Nationalpark findet.
Wenn Sie auf Ihr Berufsleben zurückblicken, ist es all das Wert gewesen?
Vorbehaltlos ja.
Foto: Steidel
Und welche privat?
Familie, Ehe, Treue und dass man
einander verzeihen kann. Dass wir
unser Leben teilen mit unseren
Kindern und Enkel und uns die Zeit
dafür nehmen.
Egon Finkbeiner
aus Freudenstadt-Kniebis
ist Hotelier, DehogaKreisvorsitzender und
bekennender Christ.
Ein Gespräch mit dem
64-jährigen Patron über Werte
im Beruf und im Leben.
Das Gespräch führte Andreas
Steidel
Foto: Benny Ulmer
Welche Werte sind für Sie im Berufsleben wichtig?
Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Qualifikation und dass wir behinderten
Menschen in unseren Betrieben
eine Chance geben.
4 | der bote | Porträt
Die Authentischen
Martin Berktold, 47, Bad Hindelang:
Der Biobauer aus dem Allgäu redet lieber
nicht so viel. Mag das Getue nicht, das in
manchen Hotels den Gästen in gespielter
Freundlichkeit entgegengebracht wird. „Lieber ehrlich, so wie ich bin, ohne Krawatte“,
sagt er. Auch im Glauben mag er die Äußerlichkeiten nicht: In die Kirche gehen, nur
um gesehen zu werden, darauf kann er
verzichten.
Berktold ist Bauer und Hotelier, einer der
die Landwirtschaft mit der Gastronomie
kombiniert hat, weil es sich ergänzt. Beides
ist bei ihm „bio“, die Kühe ernähren sich
genauso gesund wie die Gäste. Am Pfälzer
Schottler gefällt ihm, dass der auch so ehrlich und echt ist. Zwar viel mehr redet,
aber so, dass man es ihm glaubt. Das passt
zu einem, der seinen Gästen nicht nur Fassade bieten will. Und der genauso Mundart
wie der Pfälzer spricht, nur eben die Allgäuer.
www.hotel-edelsberg.de
Fotos: Steidel
Der eine war Hotelier, der andere ist es noch. Jetzt sind der Pfälzer
Erwin Schottler und der Bayer Martin Berktold im Allgäu eine besondere Verbindung eingegangen. Sie lebt von der Authentizität zweier
Typen, die sich gerne genauso geben wie sie sind.
Erwin Schottler, 61, Donnersberg:
Der lange Rauschebart ist sein Markenzeichen. Er trägt ihn mit Freude,
braucht im Winter nur noch einen
roten Mantel, um den Nikolaus zu
spielen. 28 Jahre lang war Erwin
Schottler Hotelier im Kastanienhof
am Donnersberg in der Pfalz. Ein
Mann, der alle Höhen und Tiefen erlebt hat und dabei niemals den Kopf
hängen ließ. Immer weiter geht er,
der ausgebildete Wanderführer und
Nordic-Walking-Trainer, der etwas
vom Leben versteht und von der Bewegung, die den meisten modernen
Menschen fehlt.
Seine Wanderwoche im Allgäu, auf
dem Biohof von Martin Berktold, ist
kein normales Landschaftsprogramm. Dazu bräuchte man im Allgäu keinen Pfälzer. Schottler versucht die Menschen zu sich selbst
und zu einem gesunden Leben zu
führen. Lässt sie auf Baumwurzeln
balancieren und aufrecht den Berg
hinaufgehen. Einen Pfälzer Wein genießen und einen Pfälzer Typen, der
auch dort seine Mundart spricht, wo
sie eigentlich gar nicht hingehört.
Ein Schottler verstellt sich nie, egal
wo und bei wem er gerade ist. Das
mögen die Leute, auch im Allgäu.
www.donnersberger.de
Stefan Meyerhofer, 21, Ortenburg:
Das „Gasthaus zum Koch“ ist ein bayerischer Landgasthof wie aus dem
Bilderbuch. Großer Biergarten, 500
Restaurantplätze, mehrere Generationen arbeiten mit. Verblüffend ist
nur, dass der, der ihn leitet, der
jüngste von allen ist. Mit 21 Jahren
hat Stefan Meyerhofer den elterlichen Betrieb übernommen. Und
gleich angefangen, die Zimmer und
die Speisekarte auf Vordermann zu
bringen. Klassifizierung, Zertifizierung, ein Konzept, mit dem man der
Hygiene-Ampel begegnet. Ein junger
Mann der Tat, ohne Zweifel.
Sein Ausbildungsbetrieb war der Angerhof in Sankt Englmar. Dass er zurückkommen würde, wusste er
schon immer. Dass es mit 21 sein
würde, dagegen nicht. Ein Koch war
ausgefallen, es war gerade Bedarf
und man ließ ihn machen. „Und irgendwann steckt Herzblut drin.“ Die
Familie und das Haus sind ihm heilig. Und der christliche Glaube ist es
auch. Er gehört hier im Passauer
Land noch so selbstverständlich
dazu wie das tägliche Essen und
Trinken. „Es muss doch noch etwas
anderes geben auf der Welt“, sagt
der junge Meyerhofer.
www.zumkoch.de
Friederike Heusinger, 32, Fichtelberg:
Die Chefin weiß, wo es langgeht. Die Chefin
ist Friederike Heusinger. Als sie 2010 nach
Fichtelberg zurückkehrte, da war klar, dass
sie, die Tochter, das Sagen in der Küche haben würde. Sie hatte sich in renommierten
Häusern durchgebissen: Die Egerner Höfe
am Tegernsee, das Adlon in Berlin, Restaurants in Frankfurt und Luzern.
Jetzt ist sie der kreative Kopf der Kräuterküche im Hotel Schönblick im Fichtelgebirge.
Ihre Mutter Jutta hat das Haus auf die Idee
gebracht und die Bewegung „Essbares Fichtelgebirge“ gegründet. Die Tochter ist ihr
gerne gefolgt. Bärlauch, Wiesenbärenklau,
Brennnessel und Schlangenknöterich, Kräuter aus dem eigenen Garten: Es gibt nur wenig, aus dem man nichts machen kann und
das die Küchenmeisterin Friederike Heusinger nicht zum Experimentieren reizt.
Werte? Da braucht sie nicht lange nachzudenken. Die Natur, die sie jeden Tag beim
Joggen genießt. Und die sie ihren Gästen
ins Essen mischt, damit sie gesund bleiben
und wiederkommen.
www.hotel-schoenblick.de,
www.essbares-fichtelgebirge.de
Foto: Benny Ulmer
Sie sind jung,
begabt, ihnen
steht die Welt
offen. Trotzdem
sind Friederike
Heusinger und
Stefan Meyerhofer
als ganz junge
Menschen in den
elterlichen Betrieb
zurückgekehrt.
Weil sie ihn lieben
und dort etwas
bewegen können.
Fotos: Steidel
Die Heimatverbundenen
Hintergrund | der bote | 5
Fotos VCH
6 | der bote | Hintergrund
Zu Gast bei Christen
Wenn sich Hotels einer Kooperation anschließen, gibt es überprüfbare Fakten, die darüber entscheiden, ob sie dazu passen.
Doch wie lassen sich Werte wie christliche Gastfreundschaft bei
den VCH-Hotels messen?
Gastfreundschaft, die vom christlichen Geist getragen ist – das hat
sich der Verband Christlicher Hoteliers (VCH) auf die Fahnen geschrieben. Seit über 100 Jahren: 1904
wurde der „Verband Christlicher
Hospize“ in Deutschland gegründet,
aus dem der VCH später hervorgegangen ist. Rund 80 Häuser zählen
heute dazu, von denen einige in
kirchlicher oder karitativer Trägerschaft sind, andere in Privat- und
Familienbesitz. Dabei hat der VCH
keine eigenen Hotels, sondern vermarktet und unterstützt die ihm angeschlossenen Betriebe. Tagungshäuser sind ebenso dabei wie Feri-
enhotels. „Sie werden von Menschen geführt, die sich zum christlichen Glauben bekennen und dies
für ihre Gäste erlebbar machen“,
schreibt der VCH, doch wie sorgt
man dafür, dass ein solches Ziel
umgesetzt wird?
Wer sich dafür interessiert, dem
Verband beizutreten, muss zunächst die Frage beantworten, ob er
bekennender Christ ist. „Wenn dann
einer sagt, er hat damit nicht so viel
am Hut, ist das Gespräch beendet.
Da sind wir konsequent!“, erklärt
Horst Ermert, Geschäftsführer der
VCH-Hotels GmbH mit Sitz in Düsseldorf. Die Grundhaltung muss stim-
men, denn die Idee der Kooperation
soll schließlich gezeigt und gelebt
werden. „Ein wenig Missionierung
nach außen und innen steckt schon
drin“, fügt er hinzu.
Wer Mitglied ist, den unterstützt der
VCH darin, dass die christliche Ethik
auch tatsächlich den Alltag und den
Umgang mit Mitarbeitern und Gästen bestimmt. Beispielweise mit
der verbandseigenen Akademie, die
für Auszubildende einen Business­
knigge anbietet, aber auch Seminare zum Thema Glaube, in denen
erklärt wird, was mit Christlichkeit
im VCH gemeint ist und wie sich das
ausdrückt. Ein besonderes Augen-
Hintergrund | der bote | 7
merk richten die Hotels auf Gäste
mit Behinderungen. Auszubildende
werden für das Thema Barrierefreiheit sensibilisiert, beispielsweise, in
dem sie selbst mit dem Rollstuhl
durchs Haus fahren oder mit verbundenen Augen ein Hotelzimmer
betreten und dabei lernen, wie
wichtig es ist, blinden Gästen das
Zimmer genau zu erklären.
Der Erhalt der Schöpfung zählt ebenfalls zu den VCH-Grundsätzen. Es
gibt Häuser, die auf Erzeugnisse aus
der Region setzen und mit Produkten aus fairem Handel arbeiten.
„Künftig wollen wir Leitlinien zum
schonenden Umgang mit den Ressourcen herausgeben“, sagt Ermert
und spricht davon, dass nach und
nach alle Häuser an die EMAS-Zerfitizierung, also an das Umweltmanagementsystem der Europäischen
Union, herangeführt werden sollen.
Mitarbeiter nehmen die Unterschiede wahr – gerade diejenigen,
die auch andere Häuser kennen und
spüren, dass der Umgang miteinan-
der in den VCH-Hotels ein anderer
ist. Dass Gäste die Werte der VCHHotels schätzen, hat der Verband
ebenfalls durch Tausende von Befragungen erfahren: Über 30 Prozent
von ihnen finden den christlichen
Aspekt wichtig. Ein Anteil, den Ermert in den nächsten Jahren weiter
steigern will. „Wir haben übrigens
viele Gäste aus den arabischen Ländern“, sagt Ermert, „auch die fühlen
sich einem christlichen Haus, in
dem der Glaube gelebt wird, offenbar näher als einem anonymen Hotel, das zu einem großen Konzern
gehört“.
Claudia List
VCH-Geschäftsführer Horst Ermert.
Derzeit gehören nach Auskunft des Geschäftsführers Horst Ermert
rund 80 Häuser zur Kooperation, bis zu 100 sollen es künftig werden. Der Anteil der Stammkunden liegt bei etwa 60 Prozent und 25
Prozent der Gäste kommen aufgrund von Empfehlungen aus der Kooperation. Die durchschnittliche Auslastung der Häuser liegt bei
etwa 55 Prozent, dabei kommen rund 70 Prozent der Übernachtungen durch Geschäftsreisen und Tagungen zustande.
VCH-Hotels müssen in der Regel über mindestens 50 Betten verfügen und unter anderem ein VCH-Türschild anbringen, VCH-Führer
auslegen, christliche Schriften im Zimmer oder Eingangsbereich anbieten und einen Raum der Stille haben, der für alle offen ist.
www.vch.de
Pietismus trifft Islam
Die Calwer Turmuhrenfabrik Perrot ist
eine Firma mit langer Tradition. Zu dieser Tradition gehört auch der christliche
Glaube: Streng verwurzelt im Pietismus
sind die Perrots seit Jahrhunderten, sie
gehören der Hahnschen Gemeinschaft
an, halten die alten Werte auch im Alltagsleben hoch.
Eigentlich könnte man denken, dass
strengkonservative Christen wie die Perrots mit dem Islam überhaupt gar nichts
anfangen können. Und doch kam es vor
ein par Jahren zu einer eigentümlichen
Begegnung: Da bekamen die Spezialisten aus dem Nordschwarzwald einen
Auftrag aus Saudi-Arabien zum Bau der
größten Turmuhr der Welt in Mekka.
Johannes Perrot, der das Unternehmen
zusammen mit seinen Brüdern Christoph und Andreas betreibt (Bild oben),
durfte als Nichtmoslem die Baustelle
nicht einmal betreten und ist doch voll
des Lobes für seine islamischen Geschäftspartner: Zuverlässig seien sie
und ehrlich, respektvoll im Umgang und
voller Hochachtung für wertkonservative Menschen anderer Gesellschaften.
Ja, mehr noch: Werte wie Familie, Achtung vor Älteren und die Ernsthaftigkeit
im Glauben seien letztlich gar nicht so
verschieden.
„Ich habe viel gelernt, auch Toleranz“,
sagt Johannes Perrot und dass die unterschiedlichen Religionen bei gegenseitiger Achtung gut miteinander auskommen können.
www.perrot-turmuhren.de
8 | der bote | Impuls
Foto: cydonna / photocase.com
Aus der Traum
Wie manchmal in Familienbetrieben mit mehreren
Kindern: Einer, in diesem Fall der Jüngere, will auf
eigenen Füßen stehen, Erfahrungen in der weiten
Welt sammeln und verlangt dazu vom Vater seinen
Erb-Anteil, um sich anderswo sein eigenes Leben zu
gestalten.
Bald aber haben auf seinem Weg ins Leben „Süße
Bienen“ entdeckt, dass bei dem Jungen etwas zu holen ist. Das Leben kann ja so aufregend interessant
sein, vor allem für den Reichen, der im Mittelpunkt
steht. Wenn aber nichts mehr da ist und „der Wa-
gen gegen die Wand gefahren“ wurde, geht das
Spiel schnell zu Ende. Dann beginnt für den einst
reichen Lebemann eine würdelose Jobsuche. Aus der
Traum! Kann ich es wagen, dem enttäuschten Vater
je nochmals vor die Augen zu kommen?
In meinem Schwarzwalddorf kam einst ein gescheiterter Amerika-Auswanderer völlig „abgebrannt“ zurück. Der einst Reiche konnte nicht damit rechnen,
dass sein älterer Bruder ihn im Betrieb des Vaters
aufnehmen würde. Sollte er also alles auf eine Karte
setzen und es wagen, sich direkt dem Vater zu of-
Impuls | der bote | 9
fenbaren und ihm sagen: ich habe nicht auf Dein
Wort gehört, habe das Ziel meines Lebens verfehlt.
Kannst Du mir verzeihen und mir einen kleinen Job
geben?
In seinem Elend ging er in sich und machte sich zu
seinem Vater auf. Der sah ihn schon von weitem und
ging ihm entgegen, ihn zu empfangen und machte
ihm ein Fest, kleidete ihn neu ein und gab ihm einen
Ring an den Finger, und stellte damit seine Würde
wieder her. Denn dieser mein Sohn war tot und ist
wieder lebendig geworden; er war verloren und ist
wieder gefunden worden. Der Konflikt mit dem solide lebenden älteren Bruder blieb nicht aus. Aber
die Liebe des Vaters zu seinem Verlorenen und Wiedergefundenen war größer.
Jesus hat uns diese Geschichte erzählt um zu zeigen,
dass jeder eine Chance auf Umkehr hat, der das Ziel
seines Lebens verfehlt. Mit einem Fest erwartet der
Vater seinen Verlorenen, der in sich geht und sich zu
ihm aufmacht.
Walter Meng
10 | der bote | Reportage
Hier können Sie einkehren!
Das Stift Urach auf der Schwäbischen
Alb ist das Einkehrhaus der
Württembergischen Landeskirche.
30 Mitarbeiter halten hier den
Hotelbetrieb am Laufen.
auch gezielt manche Mitarbeiter:
„Wir bekommen immer wieder Bewerbungen von Menschen“, sagt
Bärbel Hartmann, „die in einem
christlich geführten Haus arbeiten
wollen“.
Andreas Steidel
www.stifturach.de
Die Werte der Mitarbeiter
Bei unserem Besuch im Stift
Urach haben wir die Mitarbeiter
in Küche und Hotel gefragt, was
für sie wichtig ist:
•
•
•
•
•
•
Ehrlichkeit
Verschwiegenheit
Freundlichkeit
Anerkennung
Rücksichtnahme
Zufriedenheit der Gäste und
der Mitarbeiter
• Respekt und Wertschätzung
im Umgang miteinander
• Der Glaube, den jeder auf
seine Art lebt
Foto: Steidel
Montags um zehn tagen die Gäste
schon. Ist das Frühstücksbüfett abgeräumt und ein Teil der Leute auch
schon wieder abgereist. Es ist die
Stunde der Mitarbeiter. Einmal in der
Woche haben sie die Hauskapelle für
sich. Köche, Zimmerfrauen, Rezeptionisten, Küchenhilfen. Sie beten,
meditieren, singen, kommen in dem
stimmungsvollen Raum einen Moment lang zur Ruhe.
In vielerlei Hinsicht ist das Stift
Urach ein ganz normaler Hotelbetrieb. In vielerlei Hinsicht auch
nicht. Wer hier arbeitet, muss Mitglied einer christlichen Kirche sein,
muss grundsätzlich die Werte teilen,
die im Einkehrhaus der Landeskirche gelten: Der Koch kocht nicht
nur, sondern sucht auch ein Tischgebet heraus. Die Hauskapelle soll
von den Mitarbeitern nicht nur ge-
putzt, sondern auch genutzt werden.
Bärbel Hartmann leitet das Einkehrhaus der Landeskirche. Sie ist Pfarrerin und zugleich Direktorin eines
Hotels mit 52 Zimmern und 81 Betten. Erst in diesem Jahr hat sie sich
dem Verband Christlicher Hoteliers
(VCH) angeschlossen, „weil die zu
uns passen“ und weil es gut fürs
Marketing ist.
Auch wenn das Stift eine Einrichtung der Landeskirche in Württemberg ist, muss man dort wirtschaften. Eine schwarze Null ist das Ziel,
aber nicht die Gewinnmaximierung
um jeden Preis. Die Zimmer sollen
komfortabel und im Winter gut geheizt sein, aber einen Fernseher
sucht man dort vergebens.
Noch heute hat das große alte Gebäude etwas Klösterliches. Eine Ruheoase inmitten der Stadt, ein Ort
der Einkehr, und das gleich in doppeltem Sinne: Wer hier zu sich und
zur Besinnung finden will, ist
ebenso willkommen, wie der, der
sich nur gern in einer christlichen
Umgebung gut bewirten lässt.
Diese Umgebung suchen übrigens
Die Frühschicht im Stift Urach mit Pfarrerin Hartmann (rechts).
Reportage | der bote | 11
Christliche
Werte
zahlen sich
aus
Foto: FTZ
Bibelheim-Betriebsleiterin Elisabeth Rutschi.
Christliche Werte sind eine hervorragende Grundlage für unternehmerischen Erfolg. Dies ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie und die Überzeugung von Elisabeth Rutschi,
Betriebsleiterin des Ferien- und Tagungszentrums Bibelheim (FTZ)
in Männedorf in der Schweiz.
Im Büro von Elisabeth Rutschi hängt
ein nur wenig auffallendes, für sie
aber sehr wichtiges A4-Blatt. Es enthält einen Hinweis auf eine empirische Studie der Universität St.
Gallen. Diese hat ergeben, dass ein
wissenschaftlich nachgewiesener
Zusammenhang zwischen bestimmten christlichen Werten und dem
Unternehmenserfolg besteht. Das
Studien-Fazit: Das bewusste Übernehmen, Fördern und Entwickeln
entsprechender Werte führt zu mehr
Erfolg.
Obwohl die gelernte Krankenschwester berufsbegleitend viel in die
Weiterbildung investiert hat und
heute auch ein Diplom für die Leitung von Nonprofit-Organisationen
besitzt, setzt sie lieber – und erfolgreich – auf christliche Werte als auf
irgendwelche Management-Philosophien. Sie braucht nichts zu spielen,
sondern lebt die Werte, die im Stu-
dien-Fazit unter anderem mit Liebe,
Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Vergebung, Barmherzigkeit, Fleiß und Geduld festgehalten sind. So schafft Elisabeth
Rutschi, zusammen mit der Beachtung des Bibelheim-Auftrags und
dem Respekt vor der Bibelheimgeschichte, eine Betriebsatmosphäre,
in der sich alle motiviert für das gemeinsame Ziel einsetzen.
Das FTZ, das auch ein dem VCH angeschlossenes Hotel betreibt und
am rechten Zürichsee-Ufer liegt, soll
für die Kurs- und Seminarteilnehmenden und für die „individuellen
Hotelgäste“ ein Zuhause sein. Dass
dies weitgehend Realität ist, hängt
vor allem davon ab, dass Elisabeth
Rutschi die Gastfreundschaft ein
großes Anliegen ist. Dass ihre Mitarbeitenden hier mitziehen, führt sie
nicht zuletzt darauf zurück, dass
viele von ihnen sich im Bibelheim
erstmals als Ich und nicht „nur“ als
Arbeitskraft respektiert fühlen. Der
wohlwollende, liebevolle, respektvolle und vertrauensvolle Umgang
auch mit den Mitarbeitenden ist für
die Leiterin des FTZ eine wichtige
Führungsgrundlage. Wobei es unerlässlich ist, dass die drei Teamleitenden, mit denen sie direkt zusammenarbeitet, ihre Wurzeln bei Jesus
Christus haben und die übrigen Mitarbeiter zum Auftrag des Bibelheims
stehen können.
Betrieben wird das FTZ mit der grandiosen 5-Sterne-Aussicht ebenso
wie das auch zum Werk gehörende
Alters- und Pflegeheim sowie die Alterswohnungen von dem keiner
christlichen Gemeinschaft angehörigen Verein Bibelheim Männedorf.
Vieles hat sich im Laufe der Zeit –
die Geschichte begann vor rund 160
Jahren mit Dorothea Trudel, die sich
um Kranke und deren Seelen kümmerte – geändert. Geblieben ist der
Auftrag: Die Verkündigung des
Wortes Gottes und die Seelsorge.
Hermann Battaglia
www.bibelheim.ch
12 | der bote | Hintergrund
Kampf dem
Wegwerf-Wahnsinn
Michael Schieferstein hat 25 Jahre lang als Koch gearbeitet und in dieser Zeit zu oft erlebt,
wie Lebensmittel verschwendet werden. Deshalb wirbt er heute als „Food Fighter“ in Politik
und Schulen für einen wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln – und kämpft gegen die
industrielle Massenproduktion.
chen Behausungen sie lebten. Seine
Urlaubsreisen nach Asien und Afrika
öffneten ihm die Augen noch weiter:
Er sah arme, hungernde Menschen –
während die Kollegen zuhause beste
Ware wegwerfen mussten, nur weil
das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war. „Dabei sollte man als
Fotos: Pixelio
Ein trockenes Stück Brot wirft man
nicht weg – ein köstlicher „Armer
Ritter“ kann immer noch daraus
werden. Diese Lektion hat Michael
Schieferstein schon als Kind von seiner Oma gelernt, auf deren Bauernhof er viel Zeit verbrachte. Jahre
später, als Lehrling in einem Spitzen-Restaurant im Rheingau galt
dasselbe Prinzip: Reste gibt es nicht!
Denn Knochen und schlappes Gemüse taugten immer noch für einen
Fonds.
Mit diesem Selbstverständnis startete der heute 46-Jährige in sein Berufsleben. Doch während seiner
Wanderjahre in der Schweiz, in Frankreich, Spanien und Italien stellte
Schieferstein bald fest, dass der
sorgsame Umgang mit Lebensmitteln ebenso wie der schonende Umgang mit Ressourcen wie Wasser
und Boden nicht selbstverständlich
sind. Ein Schlüsselerlebnis war sein
Besuch auf den Gemüse-Plantagen
im Süden: Schieferstein wollte wissen, wo die in der Hotelküche verwendeten Produkte herkamen – und
erlebte, wie die Arbeiter unter Plastikplanen schufteten und in wel-
Ein Skandal: Zu viele Lebensmittel
landen im Müll.
Profi doch selbst beurteilen dürfen,
was noch gut ist und was nicht“,
meint Schieferstein. Alleine in
Deutschland werden pro Jahr rund
22 Millionen Tonnen Lebensmittel
vernichtet; gleichzeitig ist die Lebensmittelindustrie auf Massen- beziehungsweise Überproduktion eingestellt.
Schieferstein konnte diese Widersprüche mit seinem Gewissen nicht
mehr vereinbaren. Er zog Konsequenzen: Bei seinen Azubis achtete
er fortan noch strenger darauf, ihnen Werte wie den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln und Nachhaltigkeit zu vermitteln – und er
steckte viel Zeit und Geld in Projekte
mit Kitas und Schulen, um dort aufzuklären. Als Küchenchef einer Catering-Firma lud er die Büfetts nicht
bis zur letzten Minute mit Essen
voll, sondern sorgte erst dann für
Nachschub, wenn die Gäste danach
verlangten. Was trotzdem übrig
blieb, spendete er an die Tafel oder
brachte es direkt zu Hilfsbedürftigen.
Als der Film „Taste the Waste“ – eine
Dokumentation über den Umgang
Hintergrund | der bote | 13
für seinen Beruf gab er diesen auf –
und ist nun im Hauptberuf als Food
Fighter unterwegs. Schieferstein
klärt auf, berät, hält Vorträge, legt
sich naturgemäß mit Industrie und
Handel an, organisiert Koch-Aktionen, treibt Schulprojekte voran.
Aktuell ist er in Mainz im Einsatz,
wo Viertklässler einer Grundschule
künftig in zwei Unterrichtsstunden
pro Woche lernen, sich gesund und
nachhaltig zu ernähren und unsere
Lebensmittel zu schätzen. Sein Ziel
ist, das Projekt auf andere Schulen –
möglichst auf alle Schulen – auszuweiten. Oder ist es ein Traum? Und
wenn schon: Gerade hat Schieferstein sich einen anderen Traum erfüllt: Sein Buch über den „globalen
Wegwerf-Wahnsinn“ ist erschienen,
in dem er Fakten zu Lebensmittelproduktion und –verschwendung mit
eigenen Erlebnissen und „nachhaltigen“ Rezepten kombiniert.
Eva Keller
INFO
Mehr zum Thema
Lebensmittelverschwendung:
www.foodfighters.biz
Buch: „Projekt: Globaler
Wegwerf-Wahnsinn“
von Michael Schieferstein,
13,90 Euro
Film zur Lebensmittel­
verschwendung und Rezepte
für Reste:
www.tastethewaste.com
Foto: Foodfighters
der Industriegesellschaften mit Nahrungsmitteln und die globale Lebensmittelverschwendung vorgestellt wurde, kochten Schieferstein
und einige andere Köche in Mainz
für 3000 Menschen – und zwar allein
mit „Ausschuss-Ware“, die sie bei
Händlern, Lieferanten und den Tafeln zusammen gesucht hatten. Mit
Lebensmitteln also, die schon fast
im Müll gelandet waren...
Die Aktion schaffte Aufmerksamkeit
für das Thema – und für Michael
Schieferstein. 2012 wurde er als
Sachverständiger in den Ausschuss
für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz des Bundestags
berufen, die gleiche Funktion hat er
im rheinland-pfälzischen Landtag
inne. Damit war dem Koch sein ehrenamtliches Engagement endgültig
über den Kopf gewachsen. „Parallel
zu einem 12-Stunden-Job ging das
nicht mehr.“ Trotz aller Leidenschaft
Unermüdlich: Food Fighter Michael (rechts) und Andreas Schieferstein auf Tour.
Fotos: Steidel
14 | der bote | Nachrichten
Köche im Odenwald feiern Laurentiustag
Bereits zum 26. Mal trafen sich die Köche im Odenwald
zu ihrem Laurentiustag: Knapp 100 Männer und Frauen
in weißen Kochmützen waren im südhessischen GroßUmstadt zusammengekommen, um miteinander Gottesdienst zu feiern und anschließend bei einem Odenwälder Büfett den Tag ausklingen zu lassen.
Organisiert hatte die Veranstaltung der Verein der Köche
Starkenburg, der Einladung waren Kochvereine von Heidelberg bis Kassel gefolgt. Auch der Laurentiusorden mit
Großprior Günter W. Fischer nahm an der Veranstaltung
teil, im Gottesdienst wurden drei neue Ritter in den karitativ tätigen Orden aufgenommen. Die zum zweiten
Mal verliehene Laurentiustag-Medaille ging an den Verein „Köche ohne Grenzen“ aus Darmstadt, der sich für
gesunde Ernährung bei Kindern und Jugendlichen einsetzt.
Der Laurentiustag im Odenwald hat eine ähnliche lange
Tradition wie auf Bundesebene: 1986 fand in Heidelberg
der erste Laurentiustag des Verbandes der Köche
Deutschland statt, zwei Jahre später folgte der erste regionale in Südhessen.
Der Heilige Laurentius ist der Schutzpatron der Köche
und aller Feuerberufe. Weil er standhaft in seinem Glauben und in seiner Haltung gegenüber dem römischen
Kaiser war, wurde er am 10. August 258 auf einem heißen Rost verbrannt. Sein Todestag wird heute als Laurentiustag gefeiert.
www.koeche-starkenburg.de
Gastronomin im Landesvorstand Kirchen bei der Messe
Igeho in Basel
Sylvia Polinski (46), Inhaberin des Hotel-Restaurants Lamm in Remshalden-Hebsack, ist neues
Mitglied im Vorstand des Württembergischen Landesverbandes Kirchliche Dienste im Gastgewerbe/
Missionarischer Dienst im Hotel- und Gaststättengewerbe (KDG/MDHG). Damit ist nach Jahren wieder eine aktive Gastronomin im Landesvorstand vertreten. Vorsitzender des
Landesvorstandes ist Pfarrer Heinz Gerstlauer, Stellvertreter Pfarrer Jochen
Wolber. Weitere Vorstandsmitglieder sind Gastronomiepfarrerin Heike Hauber, Diakon Wolfgang Fuchs, Schatzmeisterin Gisela Süpfle und der Ehrenvorsitzende Walter Meng.
www.lamm-hebsack.de
Vom 23. bis 27. November findet in
Basel wieder die Gastronomie-Messe
Igeho statt. Dabei wird es auch wieder einen ökumenischen Stand der
Kirchen geben, der diesmal unter
dem Motto „Biblische Gastfreundschaft“ steht und einen Kontrapunkt zum geschäftigen Messetreiben setzen soll.
www.lebenssalz.ch, www.igeho.ch
Bei uns
im Haus geht es
nicht nur um materielle
Werte!
Andreas Steidel
Anregungen, Ideen,
Meinungen, Leserbriefe?
Ihr Ansprech­partner in
der Boten-Redaktion ist
Andreas Steidel. Wenn Sie
etwas haben, schreiben
Sie einfach an Andreas
Steidel, Breite Heerstr. 74,
75365 Calw, oder per Mail
an asteidel@aol.com,
oder rufen ­­Sie an
unter 07051/70201 (AB),
Mobil 0172/7260878.
Sprüche und
Pointen
Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert
Arthur Schopenhauer
der Dinge.
Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als
die Bewunderung der ganzen Welt. Otto von Bismarck
Konservative Werte sind nicht per se schlecht.
Warum wohl verkaufen sich alte Klingeltöne für das
Handy so gut? Außen sollte es Hightech sein. Aber
innen wohnt die warme Erinnerung. Ionna Paraskeva
Die Bibel ist nicht dazu da, dass wir sie kritisieren,
sondern dazu, dass sie uns kritisiert.
Søren Kierkegaard
Impressum
DER BOTE erscheint
sechs Mal im Jahr
Herausgeber:
Kirchlicher Dienst im Gastgewerbe/
Missionarischer Dienst
im Hotel- und Gaststätten­gewerbe e. V.
Vorsitzender:
Werner Fuchs, Frankfurt am Main
Geschäftsstelle:
Caroline-Michaelis-Straße 1
10115 Berlin
Das
seh ich, bei dem
Gehaltsangebot.
Cartoon: www.rainer-e-ruehl.blogspot.com
Ihr Ansprechpartner
Unterhaltung | der bote | 15
Ganz schön
witzig!
Kommt ein Mann ins Lokal und ruft: „Herr Wirt, schnell
einen Doppelten, ehe der Krach losgeht!"
Er kippt den
Doppelten hinunter und sagt: „Noch einen, ehe der Krach
losgeht!"
Nach dem 5. Glas fragt der Wirt seinen Gast:
„Was für einen Krach meinen Sie eigentlich?" „Ich kann
nicht bezahlen..."
Ein Unterhändler von Coca-Cola besucht den Vatikan.
Er bietet 100.000 Dollar, wenn das „Vaterunser" geändert
wird. Es soll in Zukunft heißen: „Unser täglich Coke gib
uns heute!" Der Sekretär lehnt kategorisch ab. Auch bei
200.000 und 500.000 Dollar hat der Vertreter keinen Erfolg.
Er telefoniert mit seiner Firma und bietet schließlich 10
Millionen Dollar. Der Sekretär zögert, greift dann zum
Haustelefon und ruft den Papst an: „Chef, wie lange läuft
der Vertrag mit der Bäckerinnung noch?"
Bankverbindung:
EKK Kassel
Kto.-Nr. 405 353, BLZ: 52060410
In Deutschland wird der Bezug des Boten
durch Spenden getragen.
Verlag und Vertrieb:
Verlag und Buchhandlung
der Evangelischen Gesellschaft GmbH,
70197 Stuttgart, Augustenstraße 124
Telefon: 0711/60100-0, Fax: 0711/60100-76
E-mail: Verlag@evanggemeindeblatt.de
Geschäftsführer:
Frank Zeithammer
Redaktion:
Andreas Steidel
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Grafische Gestaltung:
Rainer E. Rühl
Druck:
Röhm Typofactory
Marketing GmbH, Sindelfingen
16 | der bote | Rezept
Respekt vor der Schöpfung!
Ein veganes Restaurant kann eine Marketingidee sein
oder aber das Ergebnis tiefer innerer Überzeugung.
Die Geschichte zweier Gastronomen aus Stuttgart.
r Körle.
lexande
m und A
a
d
A
s
a
Thom
Foto: Benny Ulmer
Körle sieht sie in der Pflicht: „Zu den zehn Geboten geFrüher gehörte Fleisch im Restaurant „Körle & Adam“ hört auch ‚Du sollst nicht töten’. Das gilt genauso für
ganz selbstverständlich dazu. Doch mit den Jahren än- Tiere.“
derte sich das. Je mehr Alexander Körle (49) darüber er- Beide sind schon länger Vegetarier und nun versuchen
fuhr, wie Tiere gehalten und geschlachtet werden, desto sie, komplett vegan zu leben. Auch Gäste, die sonst
fragwürdiger wurde das Ganze für ihn. Bei Thomas gerne Fleisch und Fisch essen, kommen hierher, um
Adam (47) gab es kleine, unscheinbare Ereignisse, die eine besondere Küche zu erleben. Auf der Speisekarte
seine Einstellung änderten: „Als ich im Park Enten füt- finden sie zum Beispiel Sushi gefüllt mit Avocado,
terte, da fragte ich mich, warum wir dieses wunder- Gurke, Erdnüssen und Mais, Kastanien-Ricotta-Nocken,
schöne Tier überhaupt verkaufen.“ Sofort
Gemüse-Curry und als Dessert ein Eis„Einfach mal auf Fleisch
strich er das Entenfleisch von der Karte.
törtchen von dunkler Schokolade und
verzichten“
So folgte ein Tier nach dem anderen und
Birne mit gerösteten Haselnüssen. Beide
am Ende blieb noch Wildschwein übrig – und das Ange- arbeiten dafür in der Küche, doch während Thomas
bot an vegetarischen Gerichten wurde immer größer.
Adam außerdem für die Gäste und die Weinkarte zuSeit knapp zwei Jahren haben sich Körle und Adam ständig ist, kreiert Alexander Körle die neuen Speisen.
komplett von Fisch und Fleisch verabschiedet. Inzwi- Manchmal fällt es aber nicht leicht, raffiniert zu kochen
schen sind sie auf dem Wege, auch auf Käse, Milch und und gleichzeitig auf alle tierischen Produkte zu verzichEier zu verzichten und nur noch vegane Gerichte anzu- ten. Immer wieder experimentieren sie. Der Aufwand
bieten – fast alles in Bio-Qualität. Und das nicht, weil lohnt sich: Nicht nur für ihre Gäste und für die Gastroes gerade im Trend liegt, sondern sie tun es aus „tiefer nomen selbst. „Auch wenn man an die UmweltbelaÜberzeugung und dem Respekt vor der Schöpfung“. Der stung denkt“, sagt Alexander Körle, „an die TreibhausGlaube spielt für beide eine Rolle, doch die Haltung der gase und den Wasserverbrauch, den der Fleischkonsum
Kirche dazu kritisiert Thomas Adam: „Die Massentierhal- mit sich bringt, sollte man einfach darauf verzichten“.
tung ist gegen alle göttlichen Gebote. Warum äußert Claudia List
sich die Kirche in dieser Frage nicht?“ Auch Alexander www.koerleundadam.de
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Seele and Geist
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