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Die Welt ist keine Ware! Was'n GJN? Inhalt - Grüne in der Region

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Ü B E R S I C H T
IGEL NR. 47 / SPÄTWINTER 2006
Die Welt ist
keine Ware!
Die Welt wächst zusammen. Neue
Kommunikationsmöglichkeiten, der
Wegfall der Zölle und Handelsbeschränkungen, niedrige Transportkosten und die schwindende Macht der
Nationalstaaten machen es möglich.
Die Globalisierung hat sich dem Zusammenbruch der Sowjetunion massiv
beschleunigt und der
Kapitalismus als derzeit einziges real existierendes erfolgreiches Wirtschaftssystem macht sich daran bis in die letzten
Ecken der Erde vorzustoßen. Welche
Folgen zieht das
nach? Verschiedene
AutorInnen beleuchten von unterschiedlichen Gesichtspunkten die Auswirkungen der Globalisierung.
Ebenso werden auch wieder andere aktuelle politische Themen behandelt und im Promi-Interview steht Sven
Giegold Rede und Antwort. Auch in
unserem Verband ist viel in den letzten
Monaten passiert. GJ-AktivistInnen be-
Inhalt
Titel- Die Welt für 3,99,Begriffslkärung Globalisierung
Welthandelsorganisation
Globale Umweltzerstörung
Fairer Handel
Sven Giegold im Gespräch
HIV
ELZN
Sozialstaat
Alternative Stadtführung
Globale Kultur
Sicherheitspolitik
Thema
Nazi-Aufmarsch in Oldenburg
Fußball-WM
Fleischkonsum
Intern
Castor-Transport
Seminar zum Kosovokrieg
Seminar zur Kommunalwahl
Kommunalwahlkonzept
Grüne Jugend Bremen
LaVo Bericht
Basisgruppenticker
Adressen & Termine
Einladungen und Impressum
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Spätwinter 2006
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richten u.a. über den kommenden
Wahlkampf und den Protest gegen den
Castor-Transport. Ganz besonders
freuen wir uns, dass unsere FreundInnen von der GRÜNEN JUGEND Bremen ab dieser Ausgabe den IGEL
durch zwei eigene Seiten bereichern.
Wehmütig, aber auch ein wenig
stolz, blicken wir auf diese IGEL- Ausgabe. Es wird unsere letzte als Redaktion sein, da wir uns alle bei der nächsten Landesmitgliederversammlung
nicht mehr bewerben werden. Trotzdem möchten wir dieses Jahr nicht
missen und bedanken uns bei allen, die
uns tatkräftig bei unserer Arbeit unterstützt haben.Abschließend bleibt uns
nur noch allen LeserInnen ein letztes
Mal viel Vergnügen beim Lesen, Analysieren und Nachdenken zu wünschen.
Eure Redaktion
Was’n GJN?
GJN, das ist der Landesverband
der GRÜNEN JUGEND in Niedersachsen. Bei uns sind Jugendliche und
junge Erwachsene im Alter von 14 bis
28 Jahren politisch aktiv und stellen so
einiges auf die Beine.
Als Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen wirken wir in und
außerhalb der Partei, tragen junge Positionen in die Gesellschaft.
Die GJN ist ein links progressiver
Jugendverband und orientiert sich an
den Grundsätzen Ökologie, Basisdemokratie, Solidarität und Gewaltfreiheit.
Wir bündeln und vernetzen die
Aktivitäten der Basisgruppen in
Niedersachsen. Dazu gehören unsere
Landesmitgliederversammlungen, Seminare, Workshops und gemeinsame
Großaktionen.
Wenn auch Du all dies bewirken
willst, dann komm zur GJN!
BEGRIFFSKLÄRUNG
Globalisierung. Kaum ein Begriff
begegnet uns so regelmäßig wie
dieser. Und obwohl er sich seit bereits einigen Jahren fast täglich in
die Zeilen vieler Zeitungsartikel, in
Politikerreden oder gar auf Titelblätter schiebt, ist eine Definition
nur allzu selten gegeben.
SARAH ZIETZ
Oftmals ist von Globalisierung nur
im ökonomischen Rahmen die Rede.
D.h. Firmen entlassen trotz einer Verzeichnung von Gewinnen qualifizierte
Arbeiter, schließen die durch umweltpolitische Auflagen und hohe Lohnnebenkosten ihrer Ansicht nach zu teuer
gewordenen deutschen Standorte und
verlagern diese stattdessen in den produktionsgünstigeren Osten Europas
oder nach Asien. Auch wenn dies die
am häufigsten diskutierte Form von
Globalisierung ist, wäre es oberflächlich und falsch, sie als bloße Bedrohung
darzustellen, die langfristig die sozialen
Standards in unserem Land senken
wird.
Denn Globalisierung findet mittlerweile auf sämtlichen Ebenen der Gesellschaft statt. Im Bereich der Kommunikation z.B. sorgt sie dafür, dass
weltweite Kommunikationsnetze aufgebaut werden und der Zugang zu Informationen, beispielsweise durch das
Internet, immer leichter wird. Auch
findet durch sie eine Intensivierung der
internationalen politischen Kooperation statt, die wiederum eine wichtige
Voraussetzung für eine langfristige
Friedenssicherung darstellt. Fakt ist,
dass Globalisierung in der Kultur, der
Ökologie, dem Sozialen und der Kommunikation mittlerweile genauso Einzug hält, wie in der Ökonomie und der
Politik. In jedem dieser Bereiche werden dadurch ebenso Fortschritte erzielt, wie auch gesamtgesellschaftliche
Nachteile geschaffen.
So ist die bereits erwähnte vertiefte
Kooperation und Vernetzung einzelner
Staaten miteinander im Hinblick auf eine Friedenssicherung sicher begrüßenswert, doch ist damit eine Einschränkung der Handlungsfähigkeit
dieser Nationalstaaten verbunden. Wir
befinden uns auf dem Weg zu einer oft
gepriesenen "Weltgesellschaft". Im Idealfalle hieße das, alle Völker dieser Erde würden abseits religiöser oder kul-
Globalisierung - Segen oder Fluch für die
Erde?
tureller Unterschiede friedlich miteinander und nebeneinander leben. Dass
dies jedoch bis zu einem gewissen Grade zu einem kulturellen Identitätsverlust und vor allem zu einer "Verwestlichung" der gesamten Welt führen und
somit Hass und Abgrenzungswillen
nähren würde bei all jenen, deren Kulturen dabei geflissentlich ignoriert
würden, wird bei dieser schönen Illusion leider allzu oft vergessen.
Es ist also in der Tat schwer, sich ein
objektives Bild von Globalisierung zu
machen und auf diesem basierend, eine eigene Meinung zu entwickeln. So
ist es auch kein Wunder, dass längst
viele verschiedene Globalisierungstheorien existieren, die jene Entwicklung
alle von unterschiedlichen Standpunkten aus beurteilen. Dabei gibt es nicht
nur weit verbreitete Dependenz- und
Globalismus-Theorien, die, wie im ersten Fall, die Globalisierung aus Sicht
des Nationalstaats betrachten und damit eine Benachteiligung und Abhängigkeit gerade von Entwicklungsländern sehen und, wie im zweiten Fall,
den ökonomischen Fortschritt in den
Mittelpunkt stellen und durch Arbeitsteilung und den Abbau von Handelshemmnissen auch eine Chance für gerade jene Länder sehen. Mittlerweile
gewinnen ebenfalls die Theorien von
z.B. Manuel Castells oder Antonio Negri an Popularität. Castells sieht in der
Globalisierung die Konsequenz der Revolution der Informationsmedien.
Nach ihm entstehe eine Logik der
Netzwerke, die alle Lebensbereiche
betreffe, was wiederum dazu führe,
dass Individuen ihre Persönlichkeit
gegenüber dieser Vernetzung stärker
betonen müssten. Negri's Theorie zufolge sei die Globalisierung der Wegbereiter für ein "Empire". Das heißt, die
Souveränität von Nationalstaaten sei
dem Untergang geweiht und stattdessen entstünde ein nicht-territoriales
Zentrum der Macht, das dezentral organisiert sei und mit wechselnden
Identitäten, Hierarchien und Netzwerken arbeite.
T I T E L
Was ist eigentlich Globalisierung?
So einleuchtend oder auch verrückt
einige dieser Theorien klingen mögen,
letztlich ist die Globalisierung nicht berechenbar und die Verhinderung ihrer
Ausweitung auf weitere Lebensbereiche ist nahezu unmöglich. Inwieweit
sie also eine positive oder negative Entwicklung darstellt, muss jeder aufgrund
seiner subjektiven Wahrnehmung
selbst entscheiden.
Sarah Zietz, 18, ist
IGEL-Koordinatorin
und macht dieses
Jahr ihr Abitur in
Hannover.
DER I G E L 4 7
3
WELTHANDELSORGANISATION
T I T E L
Freier Handel als
höchstes Menschenrecht
Die WTO, der erklärte Todfeind
des globalisierungskritischen Umfeldes, ist für viele nur ein abstraktes Gebilde, dessen rechtliche
Strukturen oft gar nicht bekannt
sind. Kein Wunder, denn diese sind
vollkommen undemokratisch und
dienen nur einem Zweck: dem
freien Handel in der Welt. Jan Philipp Albrecht umreißt anhand einiger Beispiele die Legitimitätsprobleme von WTO-Regelungen und
ihre verheerenden Auswirkungen
auf die nationale und europäische
Gesetzgebung.
JAN PHILIPP ALBRECHT
Nehmen wir mal an, es wäre nicht
eindeutig nachweisbar, dass eine Infektion mit dem Vogelgrippevirus durch
den Genuss von Hühnerfleisch möglich
ist. Die Wissenschaft tappt im Dunkeln
- das tatsächliche Bestehen einer Gefahr für den Menschen wäre gar äußerst umstritten. Und nehmen wir
dann an, die Europäischen Staaten erließen vorsorglich ein Importverbot
zum Schutze der Gesundheit, woraufhin beispielsweise Bangladesch eine
Klage gegen dieselben beim WTO-Gericht einreichte: Als großer Geflügelexporteur seien ihre Produkte gegenüber
den europäischen eindeutig diskriminiert. Sie würden wohl gewinnen. Das
Gericht würde den EU-Staaten unter
dem Vorwurf des Protektionismus auferlegen, den Markt für Geflügel aus
Bangladesch umgehend zu öffnen oder
horrende Strafsummen an dieses Land
zu zahlen. Geld oder Leben. Der Handel ist frei.
4
Spätwinter 2006
Gesundheitsvorsorge zählt nicht
Warum dieses brisante Szenario gar
ein realistisches werden könnte, lässt
sich an aktuellen Entscheidungen des
Streitschlichtungsgerichtes der WTO
erklären. Durch Staatsverträge auf Regierungsebene legitimiert und ohne
jeglichen direkten Einfluss der BürgerInnen, verteidigt die Welthandelsgemeinschaft WTO die Freiheit des
Marktes. Ihr Gericht klärt seit 1995 die
Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern. Dieses wendet zur Regelung des
internationalen Handels das vertraglich
festgelegte WTO-Recht an. Zentrales
Ziel hierbei ist der Abbau von Zöllen
und anderen so genannten nicht-tarifären Handelshemmnissen. Wer beispielsweise mengenmäßige Importbeschränkungen oder bestimmte technische Standardanforderungen erlässt,
begibt sich auf schwierigen Boden. Gerade vorsorgliche Maßnahmen des
Umwelt- und VerbraucherInnenschutzes werden bei der angestrebten Liberalisierung des Welthandels als störend
empfunden und landen daher zunehmend vor dem WTO-Gericht.
So beispielsweise im Fall des Importverbots von Hormonfleisch aus
den USA. Nachdem die EU 1996 das
Verbot von Wachstumshormonen in
der Tiermast und das Importverbot
von hormonbehandelten Fleisch verabschiedete, zogen die USA vor das
Genfer WTO-Gericht und klagten gegen die ihrer Meinung nach unfaire
Handelsbeschränkung. Dieses entschied daraufhin 1998, dass das Importverbot gegen das WTO-Recht verstoße und somit bedingungslos zurük-
kzunehmen sei. Dies hätte die EU bis
1999 tun müssen. Seitdem zahlt sie
jährlich 117 Millionen Euro, weil sie
sich aus Gründen des Gesundheitsschutzes weigert, das Verbot aufzuheben. Begründung der WTO: Der
rechtswidrige Zustand verhindere den
freien Welthandel und beschränke das
Grundrecht der Unternehmen auf
wirtschaftliche
Betätigungsfreiheit.
Kein Wort ist die Rede von den Grundrechten anderer Menschen auf körperliche Unversehrtheit und gesundheitlichen Vorsorgeschutz durch den Staat.
Nein, bei WTO-Recht zählt eben nur
der freie Handel. Alles andere ist nachrangig und braucht schon gute Argumente, um überhaupt berücksichtigt
zu werden.
Dies ist nun auch im Streit um gentechnisch veränderte Organismen
(GVO) in der EU deutlich geworden1.
Die Aussaat solcher Pflanzen, wie etwa
dem Genmais von Monsanto, wurde in
der EU aus gesundheitlichen Gründen
jahrelang untersagt. Daraufhin drohte
die WTO mit einem Streitschlichtungsverfahren, damit das GVO-Saatgut
auch in Europa frei gehandelt und angebaut werden kann. In Folge dieser
Drohung ließ sich die Europäische
Kommission so weit einschüchtern,
dass sie das Moratorium aufhob, vier
Maissorten zuließ und die Zulassung
von weiteren 20 beantragte. Oberösterreich und Griechenland verboten
daraufhin gesetzlich den Anbau von
GVO, um das Recht der eigenen BürgerInnen auf selbst bestimmtes Leben
und Gesundheit zu schützen. Hiergegen zog die EU-Kommission vor den
Europäischen Gerichtshof, um diese
1
Eine sehr ausführliche Beschreibung des GVO-Streitfalles auf Englisch
findet sich hier: http://www.tradeobservatory.org/library.cfm?refid=76644.
WELTHANDELSORGANISATIONL
anto & Co ein leichtes Spiel. Die demokratisch legitimierten VolksvertreterInnen werden machtlos.
Die Versuche, die Entscheidungsfreiheit der Mitgliedsstaaten zumindest
DER I G E L 4 7
T I T E L
nes von vielen Beispielen, wo die Spielräume für eine Gestaltung der Lebensverhältnisse im Sinne der BürgerInnen
schlicht und einfach nicht mehr möglich ist. Der Handel ist frei, die Politik
ist gefangen.
Nach vielen Jahren der europäischen und globalen Bewegung in Richtung weniger
Nationalstaat und mehr Weltoffenheit ist klar: Die WTO
entwickelt sich, schleichend
und ohne jegliche Legitimation
durch die Menschen, zu einem
völkerrechtlichen Konstrukt,
dass sich anmaßt, eine Weltregierung zu sein. Und in ihr sitzen all die großen Bosse der
internationalen Unternehmen
und lachen sich ins Fäustchen.
Die Entmachtung der
Die EU und seine MitgliedsParlamente
staaten müssen sich schleunigst etwas überlegen, um dieLetztendlich wird durch die
ser Entwicklung ein jähes EnWTO-Rechtsprechung
der
de zu setzen. Der aktuelle Fall
Spielraum für politische Lenkung
um GVO-Pflanzen lässt jedoch
des nationalen Gesetzgebers
nicht viel erhoffen: Entschieund des Europäischen Parladen wird nicht mehr auf
ments schleichend abgebaut.
Grundlage der demokratiEgal, welche politische Überlegung hinter einem Gesetz steckt "Dem deutschen Volke" heißt es über dem Eingang des schen Gesetzgebung im Sinne
der BürgerInnen, sondern
- sei es aus Gründen des Arbeits- Reichstages. Doch die Macht ist längst anderen gewidmet.
nach den Wünschen der gro, Umwelt-, VerbraucherInnenßen Unternehmen der Welt, die bloß
marginal zu erhalten, sind zum Scheioder Gesundheitsschutzes - sobald
den schnellen Profit im Kopf haben.
tern verurteilt. So gestattet das WTOdiese Regelung auch nur annähernd
Auch Europas demokratische StruktuRecht den Staaten beispielsweise, prinMarktrelevanz hat, kann sie ohne weiren müssen endlich auf den Prüfstand.
zipiell ihre Bevölkerung durch nationateres wieder kassiert werden. InternaImmer mehr Gesetzgebungs- und
le Umweltstandards zu schützen, sotionale Konzerne wie Monsanto oder
Rechtsprechungskompetenzen wanlange diese Standards nicht diskriminieNestlé klagen ihren Regierungen, also
dern "nach oben" ab. Doch in welcher
rend auf ausländische Produkte angemeist der USA, ihr Leid und brauchen
rechtlichen Hemisphäre sie sich dort
wendet werden. Umgekehrt bedeutet
nur auf das eingeleitete Streitschlichbewegen und wer der eigentliche Soudas also, dass besonders nicht-protungsverfahren zu warten, um ihre Beverän ist, bleibt dabei vollkommen unduktbezogene Standards nicht mit dem
dürfnisse auf Vermarktung durchzusetgeklärt. In Artikel 19 des GrundgesetWTO-Recht vereinbar und somit
zen. Nur über viele Ecken demokrazes steht als unveränderlicher Grundrechtswidrig sind. Nicht-produktbezotisch legitimierte und untransparente
satz geschrieben: "Alle Staatsgewalt
gene Standards regeln ProduktionsmeStrukturen, wie die Europäische Komgeht vom Volke aus." Aber was, wenn
thoden, die keine Auswirkung auf die
mission und der Europäische Gerichtsder Staat keine Macht mehr hat?
physische Beschaffenheit des Endprohof erleichtern es ihnen, die nationalen
dukts haben. Will der Gesetzgeber also
Gesetzgeber zu einer ihnen freundJan Philipp Albrecht,
beispielsweise Strom aus verschiedelicher gesinnten Entscheidung zu zwin23, ist Koordinator des
nen Energiequellen (also Solarenergie,
gen. Sowohl die WTO als auch die EuFachforums DemokraAtomenergie) beim Import unterropäische Kommission müssen sich
tie & Recht in der
schiedlich behandelt, so verstöße dies
nicht gegenüber dem Volk verantworGRÜNEN JUGEND.
gegen die WTO-Regeln. Dies ist nur eiten - sie zu überzeugen, ist für Mons
Länder zur Zulassung zu zwingen. Und
gewann. Die WTO hatte sich gegen die
überwältigende Mehrheit der Europäer durchgesetzt und die Wünsche
der Gen-Industrie durchgesetzt - allein
durch das Druckmittel WTOKlage. Die endgültige Entscheidung des Streitschlichtungsgerichtes im Februar wird dies nur
noch besiegeln. Der Handel für
GVO ist frei. Allen wissenschaftlichen Warnungen bezüglich unabsehbarer Auswirkungen auf
Umwelt und Gesundheit von
Mensch und Tier zum Trotz. Eine unrückholbare Kontaminierung durch GVO steht uns bevor.
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T I T E L
GLOBALE UMWELTZERSTÖRUNG
Und wer denkt an die Umwelt?
Globalisierung und Umwelt - passt
das zusammen? Eine kurze Bestandsaufnahme der Umweltproblematik als Folge des Globalisierungswahns.
Die Profitgier lässt die Umwelt
links liegen
Die Ursachen für solche Auswirkungen
sind zu vielfältig, um allesamt hier genannt zu werden. Von daher beschränke ich mich auf zwei Punkte, um die
Problematik im Zusammenspiel von
Globalisierung und Umwelt deutlich zu
machen.
Es ist leider so, dass viele Leute in den
Industrienationen Japan, USA und
Mensch muss sich zunächst einmal
im Klaren darüber sein, dass Globalisierung zwar jeden betrifft, aber nur
von wenigen gelenkt wird. Die Globalisierung liegt in den Händen der
reichen Staaten und auch da, bis auf
Ausnahme von China, zum großen
Teil in den Händen von transnationalen Konzernen.
Die Globalisierung ist kein Wohlfahrtsunternehmen, von daher kann
von Vorstandsbossen, Hedge-Fonds
und dergleichen nicht erwartet werden, dass sie auf eine ach so wichtige
Nebensache wie die Umwelt achten. Denn laut deren Überzeugung
macht Umwelt keinen Profit.
Diese Anschauung wird sich sehr
schnell rächen, denn schon heute Saubere Luft? Nicht für die Entwicklungsländer.
sind die Auswirkungen der Globalisierung auf die Umwelt merklich spürbar. Nicht nur, dass im Sommer 2002
Westeuropa zwar ein ökologisches Bemitten im klimatisch gemäßigten Berlin
wusstsein haben, die ökologischen
durch einen Sturm Autos umherflogen,
Probleme aber gerne auslagern. Denn
es ist auch abzusehen, dass der Meedie Umweltbelastungen werden imresspiegel durch das Schmelzen der
mer mehr in die Schwellenländer im
Polkappen steigen wird und als Folge
Süden und in Osteuropa verlagert. Das
dieser Entwicklung wird der Salzgehalt
kommt daher, dass Unternehmen zum
der Meere sich verändern (Die Polkapeinen die veraltete Technologie zusampen bestehen aus Süßwasser). Die
men mit den arbeitsintensiven Produkökologischen Auswirkungen sind teiltionsschritten in diese Länder auslaweise desaströs, denn durch eine Vergern, da dort die Umweltbestimmunänderung des Salzgehaltes gerade im
gen relativ niedrig sind, bzw. die RegieGolfstrom könnte dieser seine Richrungen dieser Länder gerne beide Autung nordwärts ändern und somit die
gen zudrücken, nur um diese Untergesamte Balance des Weltklimas vernehmen im Land zu haben. Zum andeschieben.
ren haben die Industriestaaten vergleichsweise wenig Reserven an den
weltweiten Rohstoffen. Allerdings verWas sind die Gründe der Naturbrauchen diese Länder einen überprokatastrophen?
portionalen Anteil eben dieser
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Spätwinter 2006
Ressourcen. Dies hat zur Folge, dass
die ärmeren Staaten metallische und
vor allem agrarische Rohstoffe an die
Schwellen- und Wohlstandsländer liefern und dadurch unter Entwaldung,
Erosion und Wassermangel leiden.
Ein weiterer Punkt ist, dass der Planet
Erde überbeansprucht wird. Die ProKopf-Verbräuche in den Industrieländern liegen bereits jetzt 12% über
der ihnen zur Verfügung stehenden
Biokapazität (gemeint ist der "Nutzraum", den die Natur einem Menschen zur Verfügung stellt). Hält
mensch sich nun noch vor Augen,
dass Schwellenländer, allen voran
China, einen immer größer werdenden Rohstoffhunger haben und deren Lebensniveau sich in naher Zukunft immer mehr steigen wird,
werden sich die Pro-Kopf-Verbräuche der südlichen Länder denen im
Norden annähern. Mit den Konsequenzen, dass in der Zukunft ein beachtliches Vielfaches an Rohstoffen
im Vergleich zu heute verbraucht
wird. Daher müssen die reichen
Länder ihren Anteil am weltweiten
Verbrauch auf das ihnen zustehende
Maß verringen, damit wirklich alle Beteiligten die Chance zu einer ökologisch verträglichen Entwicklung haben.
Muss die Hoffnung aufgegeben
werden?
Sämtliche Regierungen müssen in Kooperation dafür sorgen, den Generationen nach uns einen möglichst intakten Planeten zu überlassen. Wenn wir
so weitermachen wie bisher, werden
die Folgen sogar noch für uns spürbar
sein und es wird diesmal keine GewinnerInnen geben - nur VerliererInnen.
Thomas Meister, 19,
ist IGEL-Redakteur
und engagiert sich in
der GJ Gifhorn.
INTERNATIONALER
HANDEL
Ein Großteil der von uns konsumierten Produkte kommt aus dem
Ausland. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, die
für uns Lebensmittel oder Kleidung herstellen, sind häufig miserabel und menschenverachtend.
Dass es auch anders als bei den
Produkten von Lidl oder H&M gehen kann, zeigt der faire Handel.
ANNELEN MEYER
Selbst Verantwortung übernehmen
soll globale Armut reduziert werden,
wenn gleiche Regeln für ungleiche
PartnerInnen gelten?
Ein menschenwürdiges Leben für
alle
Zu den Zielen des fairen Handels
gehören die Verbesserung der Lebensund Arbeitsbedingungen der ProduzentInnen durch direkten Marktzugang, langfristige Handelverträge und
Zahlung fairer Mindestpreise. Außerdem bietet der faire Handel den Pro-
Produktionskosten vs. Weltmarktpreise
Du selbst kannst durch dein
"Handeln" etwas für die Menschen in
ärmeren Ländern tun und dich für einen gerechteren Welthandel einsetzen. Statt z.B. zum konventionellen
Kaffee zu greifen, könntest du zwei
Regale weitergehen und dich mit fair
gehandeltem Kaffee, Tee, Honig, Kakao, Saft, Bananen, Getreideprodukten und Süßkram eindecken.
Für eine gerechte Welthandelspolitik
Aber was verbirgt sich genau hinter dem Begriff "fairer Handel"? Mit der
Globalisierung wächst der internationale Wettbewerb. Der faire Handel
versteht sich als eine Handelspartnerschaft, die sich für faire Rahmenbedingungen im Welthandel einsetzt und ist
somit eine Alternative zum konventionellen internationalen Handel. Eine Alternative ist dringend notwendig, da
ein "freier" Welthandel, der wenigen
staatlichen Regulierungen unterliegt,
zur Folge hat, dass stärkere HandelspartnerInnen begünstigt und schwächere zusätzlich benachteiligt werden.
Der faire Handel tritt dafür ein, dass
Entwicklungsländer zukünftig auch
durch die Welthandelsregeln der WTO
bevorzugt werden. Das von der WTO
geförderte Prinzip des Freihandels
sieht vor, alle Länder, ob arm oder
reich, gleich zu behandeln. Doch wie
ne nur untergeordnete Rolle. Bspw.
werden, gemäß dem WTO-Recht,
gleichartige Produkte auch gleich behandelt. Dies bedeutet, dass Produkte,
die unter fairen Bedingungen hergestellt wurden, den gleichen Auflagen
unterliegen, wie Produkte, die durch
Ausbeutung von ArbeiterInnen hergestellt wurden. Es werden sogar gentechnisch veränderte Erzeugnisse mit
konventionellen, oder sogar mit biologisch angebauten Lebensmitteln gleichgesetzt.
T I T E L
Fairwandelter Handel
Spitzenbananen durch Kinderarbeit!
duzentInnen einen fair-trade Aufschlag,
der für nachhaltige Investitionen in die
Bildung, Infrastruktur und Gesundheit
bestimmt ist.
Soziale und ökologische Verantwortung
Da der Konkurrenzkampf umweltschädliche Produktionsmethoden und
gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen begünstigt, setzt sich der faire
Handel auch für arbeitsrechtliche und
ökologische Mindeststandards ein,
auch wenn das nicht unmittelbar bedeutet, dass alles was fair gehandelt ist,
auch "bio" nach der EG-Öko-Verordnung ist. Insbesondere werden Frauen
gefördert und Kinder vor Ausbeutung
und Zwangsarbeit geschützt. Soziale
und ökologische Aspekte spielen hingegen bei den WTO-Verhandlungen ei-
Doch was ist eigentlich ein fairer
Preis? Und wie viel des Endpreises
kommt tatsächlich bei den ProduzentInnen an? BanaFair veröffentlichte 2005 ihre Preiskalkulation für
fair gehandelte und biologisch angebaute Bananen. Für eine Kiste Bananen (18,14kg) bekommen Kleinbauern einen Mindestpreis von ca.
9,50US$. Bei konventionellen Bananen sind es nur 1-2US$ pro Kiste.
Der Preis einer Kiste fairer und biologischer Bananen nach Reifung, Transport, Bezollung, Hafenabfertigung, plus
Fair Trade Prämie beträgt 20,11Euro
(bei einem Kurs von 1,30 US$=1Euro). Das sind 1,11Euro pro Kilo. Bei
Lebensmitteldiscountern liegt der Kilopreis konventioneller Bananen meist
unter einem Euro. Dass diese Discounterpreise auf Kosten schlechter Lebens- und Arbeitsbedingungen der
ProduzentInnen gehen, ist wohl augenfällig. Doch du kannst dagegen etwas
tun. Für jedeN von uns ist es ganz einfach, selbst einen aktiven Part bei der
Schaffung einer faireren Welt zu übernehmen.
Annelen Meyer, 19,
studiert in Göttingen und trinkt am
liebsten fairen Tee .
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T I T E L
PROMI-GESPRÄCH
“Demokratie internationalisieren”
Die Globalisierung des Kapitals
schreitet immer weiter voran.
Ökologie, Demokratie und soziale
Rechte drohen dabei auf der
Strecke zu bleiben. Doch diese
Entwicklung wird zunehmend kritischer gesehen. Bei der letzten
WTO-Konferenz im Dezember in
Hong Kong kam es weltweit zu
massiven Protesten gegen die weitere Liberalisierung der Wirtschaft
und die Ausbeutung der Entwikklungsländer. IGEL-Koordinator
Sven-Christian sprach mit dem
Ökonom Sven Giegold, 34, über
die globale Umweltzerstörung, die
Macht der Welthandelsorganisation und die Grüne Entwicklungspolitik.
Weitere Informationen zu Sven
Giegold und Attac sind unter
www.sven-giegold.de und www.attac.de zu finden.
DER IGEL: Die ganze Welt spricht
von Globalisierung. Doch keineR
weiß genau, was das eigentlich ist.
Wie würdest du dieses Phänomen
Globalisierung beschreiben.
Sven Giegold: Die Globalisierung
sorgt für eine Entgrenzung in allen Bereichen. Immer mehr Prozesse, die
vorher auf regionaler oder nationaler
Ebene stattgefunden haben, finden
jetzt über Ländergrenzen hinweg statt.
Das ist vermutlich die einfachste Definition, ansonsten füllt die Diskussion
um die Definition Bücher und Bände
und jede umfangreichere Definition
würde hier den Rahmen sprengen.
Welche Auswirkungen hat diese
Entgrenzung für die Umwelt, gerade bei wirtschaftlichen Produktionsprozessen?
Sven Giegold: Der Hauptprozess der
Globalisierung sorgt momentan dafür,
dass immer größere Teile der Welt die
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Spätwinter 2006
kapitalistische Wirtschaftsweise übernehmen. Positiv betrachtet, bewirkt
das einen höheren materiellen Wohlstand für die Gewinner. Ein anderer
Teil der Menschen in den Entwikklungsländern wird gleichzeitig marginalisiert. Negativ wirkt sich der Prozess auf die Umwelt aus, da er einen
schnelleren Zugriff auf Rohstoffe und
natürlich Ressourcen bedeutet. Das
kann man überall in Entwicklungs- und
Sven Giegold
Schwellenländern betrachten, wo in
hoher Geschwindigkeit es einerseits zu
Verbreitung der Umweltverschmutzung und andererseits der Zerstörung
der Natur kommt.
Welche Rolle spielt dabei die Welthandelsorganisation (WTO)?
Sven Giegold: Die WTO verpflichtet
Staaten in einem gegenseitigen Verhandlungsprozess, ihren Außenhandel
zu liberalisieren. Für viele Entwikklungs- und Schwellenländer geht es
dabei um sehr grundlegende Fragen.
Bei der Landwirtschaft zum Bespiel
kommt es zu einem internationalen
Dumping, da die Industriestaaten ihre
Produkte durch massive Subventionen
billig in die Länder des Südens exportieren können. Dort werden nachhaltige landwirtschaftliche Produktionsstrukturen zerstört und einheimische
Erzeugnisse werden durch importierte
subventionierte Produkte der reichen
Staaten ersetzt. In der WTO gibt es eine Reihe weiterer Abkommen, die
ökologisch katastrophale Folgen haben. Bei TRIPS beispielsweise, dem
Vertrag über die intellektuellen Eigentumsrechte, wird multinationalen
machtvollen Saatgutfirmen die Möglichkeit gegeben sich lokales jahrhundertealtes Wissen anzueignen und zu
verwerten, und damit die lokalen Produktionsstrukturen zu verdrängen
oder sogar komplett zu zerstören.
Das ist alles sehr kurz nur angerissen
und in wenigen Worten in einer Antwort sind diese Strukturen und Mechanismen nur annäherungsweise begreiflich zu machen.
Du sprachst das entwicklungsschädliche Dumping der Industriestaaten an. Doch insbesondere die
Welthandelsorganisation hat es
sich zur Aufgabe gemacht, Dumping, Subventionen, Zölle abzuschaffen. Bietet das den Entwikklungsländern nicht neue wirtschaftliche Chancen?
Sven Giegold: In Bezug auf das Dumping stellt sich die Frage, was die zentralen Probleme der WTO sind, die es
zu lösen gilt. Ist es so, wie es die Liberalen vertreten, dass das Hauptproblem des Welthandels die Subventionen und die ungleiche Öffnung der
Märkte sind? Und wenn diese Probleme beseitigt wären, würde der freie
Welthandel nach der liberalen These
für alle Vorteile bringen?
Dagegen steht die These, die nicht bestreitet, dass Subventionen und die
PROMI-GESPRÄCH
Sven und Sven reden über Globalisierung.
kommt, dass man nicht nur den Schutz
des eigenen Marktes verlangt, sondern, dass auch die Ideen, die selbst in
der liberalen ökonomischen Theorie
kostenfrei sein sollten, mit Preisen belegt werden. Konkret, nach heutiger
Auffassung hätte Deutschland die Idee
der Dampfmaschine und vieles mehr
den Briten gestohlen.
Kein Land, das sich erfolgreich industrialisiert hat, musste dabei für andere
Ideen zahlen.
Das heißt, letztendlich ist das WTOSystem nicht das entwicklungsförderlichste. Andererseits bedeutet das natürlich nicht, dass man deshalb Exportsubventionen des Nordens oder hohe
Zölle bei weiterverarbeiteten Agrarprodukten in der EU oder den USA
verteidigen sollte. Das ist natürlich abzuschaffen. Doch deswegen muss man
noch lange nicht die Katze im Sack kaufen und für den totalen Freihandel ein-
treten.
Immer mehr Menschen haben das
Gefühl, durch die Globalisierung
machtlos zu werden. Viele Entscheidungen werden längst nicht
mehr durch Volksentscheide oder
von Parlamenten getroffen, sondern von Regierungen bei Wirtschaftsverhandlungen oder Firmenvorständen und AktionärInnen entschieden. Welche Möglichkeiten haben die Bürgerinnen und
Bürger, die Globalisierung demokratisch gestalten?
Sven Giegold: Das ist
einer der zentralen
Widersprüche des ganzen Globalisierungsprozesses. Anspruchsvolle
Demokratie setzt Nähe
voraus. Doch wenn die
meisten Menschen, ob
als Touristen oder als
Konsumentinnen und
Konsumenten, die Vorteile wirtschaftlicher
Internationalisierung
befürworten und nutzen wollen, so muss man versuchen,
Demokratie zu internationalisieren,
um den Konzernen nicht die totale
Macht zu überlassen. Selbst wenn dies
die Natur von Demokratie natürlich
verändert.
Das Grundproblem des heutigen Demokratiedefizits besteht darin, dass
wirtschaftliche Entscheidungen längst
global getroffen werden, während soziale und ökologische Entscheidungen
nationalstaatlich, und damit auf zu niedrigem Niveau, stattfinden.
Weiterhin wirkt sich nicht nur die mangelnde Möglichkeit der Partizipation
der Menschen demokratieschädlich
aus, sondern auch, dass Nationalstaaten viele Entscheidungen, die von den
Bürgern gewünscht sind, nicht mehr
treffen können ohne sich massiv wirtschaftlich zu schädigen.
Auch das ist durch eine Internationalisierung der Demokratie zu verändern.
Auf europäischer Ebene müssen wir
deshalb mehr ökologische und soziale
Kompetenzen ansiedeln und auch einen Mut zu Mehrheitsentscheidungen
entwickeln. Andernfalls überlassen wir
uns der Diktatur des Marktes. Wenn
man aber Demokratie internationalisiert, muss man gleichzeitig Formen
finden, in denen Bürgerinnen und Bürger ernsthaft mitwirken können.
Es muss deshalb auf europäischer Ebene bindende Volksentscheide, eine
starke Rolle für Nicht-Regierungsorganisationen und Bürgerinitiativen und
Wahlrechts- und Parlamentsreformen
geben. Entscheidend ist dabei auch eine tiefgehende Transparenz über internationale Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse.
T I T E L
Marktabschottung der reichen Länder
des Nordens teilweise schädlich für die
Entwicklungsländer sind. Jedoch der
vermeintlich daraus abzuleitende
Schluss, dass deshalb das beste System
für die Entwicklungsländer ein System
total geöffneter Märkte wäre, ist
schlichtweg falsch. Alle Länder, wie
Südkorea, Japan, China, aber auch
Deutschland oder die USA, die es geschafft haben, in hochproduktiven Bereichen eigene Industrien aufzubauen,
haben vorher erstmal ihre eigenen
Märkte geschützt. Diese Basis für Entwicklung verwehren die reichen Länder jetzt den armen Ländern. Hinzu
Internationale Gerechtigkeit ist eines der urgrünen Anliegen. Doch
auch unter der rot-grünen Regierung verfolgten Deutschland und
die EU bei Verhandlungen der
WTO oder der G7 eine neoliberale
Freihandelspolitik, die vor allem
den Industriestaaten nützte. Wie
bewertest du vor diesem Hintergrund die grüne Politik für eine gerechte Globalisierung in der Regierungszeit?
Sven Giegold: Tja, die Frage lässt ja
nur noch eine Antwort zu, nicht? (Er
fängt an zu lachen).
Ich denke, die größte Enttäuschung
war sicher, dass der Grüne Außenminister Fischer sich während seiner Amtszeit für Entwicklungsfragen nicht interessiert hat, obwohl er aus einer Partei
kam, zu deren Gründungsanliegen gehörte, eine andere Weltwirtschaftsordnung zu schaffen.
Ganz klar ist, dass Rot-Grün in einigen
wichtigen internationalen Fragen, wie
den Klima- und Umweltverhandlungen, eine produktive Rolle gespielt hat.
Doch in den zentralen Fragen des
internationalen
Weltwirtschaftssystems, bei Verhandlungen des IWF, der
Weltbank oder der WTO, in denen die
deutsche Bundesregierung einfluss-
DER I G E L 4 7
9
T I T E L
HIV
reich ist, hat Deutschland eindeutig
wirtschaftsliberale Positionen eingenommen. Ich hatte nicht den Eindruck,
dass das für die Grüne Partei ein großes Problem war. Nach meiner Wahrnehmung spielen Entwicklungsfragen
für die Grünen keine zentrale Rolle
mehr.
Die Grünen müssen sich jetzt entscheiden, ob sie den Fragen der Nord-SüdUngerechtigkeit auch in den internationalen Institutionen wieder einen stärkeren Stellenwert einräumen wollen.
Die Grünen könnten die Zeit in der
Opposition nutzen, die Entwicklungspolitik wieder zu einer zentralen Frage
zu machen. Aber sie sollten aufpassen
nicht in wirtschaftsliberale Fallen zu
tappen, wie das Hauptaugenmerk im
Welthandelssystem nur auf die Subventionsfrage zu legen, sondern auch die
Möglichkeit von Staaten und Staatenbünden verteidigen auf demokratischer Grundlage eigene Regeln aufzustellen und sich selektiv vor den Folgen
von Handels- und Kapitalverkehrsfrei-
heit abzugrenzen. Weitere Liberalisierungen darf es mindestens solange
nicht geben, wie keine anspruchsvollen
sozialen, ökologischen und steuerlichen Regeln auf internationaler Ebene
festgeschrieben sind.
Vielen Dank für das Gespräch.*
Sven-Christian Kindler, 20, ist Koordinator
des IGEL und studiert
BWL in Hannover.
Die vergessene Epedidemie
HIV und Aids kehren in die Schlagzeilen zurück - und das aus traurigem Grund. Die Zahl der HIV-infizierten Menschen steigt weltweit.
JOSEFINE PAUL
Allein in Deutschland leben 44.000
Menschen mit HIV und Aids, weltweit
sind es ca. 40,3 Millionen. Trotz dieser
traurigen Zahlen und der erschreckenden Tatsache, dass HIV
und andere Geschlechtskrankheiten aus wachsender Sorglosigkeit auch in Deutschland eine
steigende Neuinfektionsrate zu
verzeichnen haben, ist das Problem hierzulande immer ein individuelles. Viel dramatischer ist
die Lage beispielsweise im südlichen Afrika. Hier ist bereits
mehr als jedeR vierte HIV-positiv
und die Zahl steigt weiter an. In
manchen Gegenden sterben pro Jahr
mehr Lehrkräfte an den Folgen der Immunschwächekrankheit, als die Universitäten verlassen. Ganze Landstriche drohen entvölkert zu werden und
die Entwicklungsbemühungen von Jahren zu vernichten. In den Regionen des
südlichen Afrika leben 2/3 aller Menschen mit HIV und Aids - 77% aller mit
10
Spätwinter 2006
HIV infizierten Frauen. In diesen Regionen ist HIV kein Randgruppenproblem,
sondern eine Epidemie, die alle Bevölkerungsgruppen einschließt. Allerdings
fehlt es dort oftmals am Nötigsten.
Noch immer sträuben sich die Pharmakonzerne, die so wichtigen antiretroviralen Medikamente preisgünstig
abzugeben bzw. Lizenzen für eine gün-
stigere Produktion vor Ort zu vergeben. Die Folgen sind katastrophal! Hier
sind aber nicht nur die Pharmakonzerne gefragt. Auch Politik und Weltgemeinschaft sind aufgerufen sich diesem
globalen Problem zu stellen. Der
Sonderbericht zur HIV-Prävention von
UNAIDS und WHO kommt zu dem
Schluss, dass es einem umfassenden
Ansatz bedarf, um die Gefahren von
HIV und Aids und das Massensterben
wirksam zu bekämpfen. Die Abgabe
von Medikamenten allein reicht dabei
nicht aus. Ziel muss es sein, möglichst
flächendeckende Prävention, Behandlung, Pflege und Folgenlinderung zu gewährleisten. Besonders Kinder sind
Leitragende der Epidemie. Die Zahl
der Aids-Waisen steigt immer weiter an. Das Problem der Verwaisung ganzer Generationen muss
gelöst werden. Kinder sind aber
nicht nur von Verwaisung betroffen. Sie sind auch selbst Opfer der
Krankheit. Jedes Jahr werden
600.000 HIV-positive Babys geboren. Diese Kinder sind zumeist
vom Beginn ihres Lebens ohne
Chance auf eine Zukunft. Das
weltweite Motto des Welt-AidsTages 2005 war "Keep the promise. Behave responsibly and help stop
Aids" Diesem Motto ist wohl nichts
mehr hinzuzufügen, außer vielleicht:
Never forget - Aids geht uns alle an!
Josefine Paul, 23, ehemaliges Mitglied im
GJN-LaVo ist nun im
LaVo in der GJ NRW.
* Das Interview ist aus Platzgründen gekürzt worden. Die ungekürzte Version ist
im Internet unter www.gj-nds.de/igel bei der IGEL-Ausgabe 47 zu lesen.
GLOBALISIERUNGSWIDERSTAND
Mit der Globalisierung des Kapitals
globalisierte sich auch der Widerstand. Ein eindrucksvolles und einzigartiges Beispiel hierfür sind die
mexikanischen Zapatisten. Sie treten ein für die Rechte der verarmten Eingeborenen und für alle "Vergessenen, Ausgebeuteten und
Unterdrückten". Ihr Aufstand hat
der internationalen Linken neue
Kraft und neue Inspiration gegeben.
JANKO MARKLEIN
Erhebung in Chiapas
Urwäldern Mexikos und ist benannt
nach Emilio Zapata, einem legendären
Bauernrebell Mexikos. Zur Zeit ihrer
Gründung im Jahr 1983 war die EZLN
eine typische südamerikanische Guerilla mit marxistischem und maoistischem
Einfluss. In den folgenden Jahren wurde aus der Bewegung dann aber eine
neue Form des Antikapitalismus. Nach
der Erhebung von 1994 organisierten
sich die Zapatisten in autonomen Gemeinden im Süden des Landes. Es wurden Verhandlungen mit der Regierung
geführt, welche jedoch selten zu konstruktiven Ergebnissen führten. Die
Zapatisten machten weltweit auf sich
aufmerksam und versuchten die mexi-
Am 1. Januar 1994 trat das Freihandelsabkommen NAFTA in Kraft. Dieses Abkommen zwischen
Mexiko, den USA und Kanada schaffte viele Zollbarrieren zwischen den Staaten ab und half damit einer
Liberalisierung der internationalen Märkte. Am gleichen Tag begann in der
mexikanischen
Provinz
Chiapas die Erhebung der
EZLN (Zapatistische nationale Befreiungsarmee).
Die Kämpfe mit Regierungstruppen dauerten nur
wenige Tage, dann wurde
ein Waffenstillstand beschlossen, welcher bis Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit - EZLN
heute andauert. Die unterdrückte Indígena- und Landbevölkekanische Bevölkerung zu mobilisieren.
rung hatte sich durch ihren Aufstand
Im Jahr 1996 initiierten sie das "InterGehör verschafft. Sie protestierten gegalaktische Treffen gegen den Neolibegen die korrupte Einparteiendiktatur
ralismus und für die Menschheit", an
des Landes, gegen die Ausbeutung
dem mehr als 3000 Menschen aus über
durch den Neoliberalismus und gegen
40 Staaten teilnahmen, um gemeinsam
die Diskriminierung der eingeborenen
über alternative Wirtschaftsmodelle zu
Bevölkerung. Ihr Motto: "Eine andere
diskutieren. Seit kurzem ist außerdem
Welt ist möglich!"
eine zapatistische Delegation auf Rundreise durch alle Provinzen Mexikos, um
ihre Ideen zu verbreiten und mit dem
Volk zu diskutieren.
Von Marx bis zum modernen
Widerstand
Die EZLN entstand in den südlichen
Politik des Volkes
T I T E L
Eine andere Welt ist möglich!
Die "pazifistische Armee" prägt sich
durch neue linke Werte. Die Struktur
der EZLN ist einzigartig basisdemokratisch. Alle Positionen werden vor Verhandlungen bei wochenlangen Diskussionen in den Dörfern abgestimmt. Die
Vorsitzenden sehen sich ausschließlich
als "Sprachrohr der Bevölkerung". Die
angeblich ja so basisdemokratischen
Grünen könnten sich hieran ein Beispiel nehmen. Auch die Gleichberechtigung der Frauen sowie die Unterstützung diskriminierter Randgruppen sind
wichtige Elemente des zapatistischen
Freiheitskampfes. Dies ist gerade in
der mexikanischen Gesellschaft bewundernswert, da in ihr noch
viel mehr Chauvinismus und
Diskriminierung besteht als in
den westlichen Industriestaaten.
Die EZLN kämpft außerdem aktiv gegen die Zerstörung des
mexikanischen Urwalds durch
multinationale Konzerne.
Symbolik als Mittel des
Kampfes
Die Zapatisten sind bekannt
dafür, bei öffentlichen Kundgebungen vermummt aufzutreten.
Die Maske steht als Symbol für
die Gesichtslosen, deren Stimme nicht gehört wird. "Wenn ihr wissen wollt, wer hinter der Maske steckt,
schaut in einen Spiegel", fordert Subcommandante Marcos, einer der politischen Führer der EZLN. Ein Aufruf zur
Selbstreflexion. Wir alle können uns
von dem zapatistischen Idealismus inspirieren lassen. Es lohnt sich noch zu
kämpfen.
Janko Marklein, 17,
ist Schüler und engagiert sich in der GJ
Hannover.
DER I G E L 4 7
11
T I T E L
SOZIALSTAAT
Voll wettbewerbsfähig!
"Die Löhne sind zu hoch, die Steuern müssen runter und der Sozialstaat ist zu fett." Wenn es um die
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich
geht, lassen viele selbst ernannte
Ökonomen und PolitikerInnen
kein gutes Haar an Deutschland.
Müssen wir wirklich unseren hart
erkämpften Sozialstaat aufgeben,
um wieder global mithalten zu
können?
ALEXANDER GILLY
Weltmeister im Export
nen und PolitikerInnen, die den
"schlanken Staat" propagieren, um wieder mehr wirtschaftliche Dynamik zu
entfalten. Ob ein Staat "dick" oder
"dünn" ist, misst mensch an der Staatsquote, den Staatsausgaben in Prozent
des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die
Staatsausgaben sind alles, wofür der
Staat Geld ausgibt, also von Schulen
über die Polizei bis zum Arbeitslosengeld. Deutschland liegt mit 47,5% im
europäischen Mittelfeld. Interessant ist
aber vor allem, dass eine hohe oder
niedrige Staatsquote nichts mit der
wirtschaftlichen Dynamik eines Landes
zu tun hat: Schweden, Dänemark und
Frankreich haben z.B. eine hohe
Staatsquote, aber auch mehr Wirtschaftswachstum als Deutschland. Um-
Arbeitslose geben als in den alten.
Schließlich liegen die Löhne dort erheblich unter dem Niveau des Westens. Ähnlich sieht es im europäischen
Vergleich aus: in Griechenland, Polen
und der Slowakei sind die Löhne noch
niedriger als in Ostdeutschland und
trotzdem haben diese Länder eine hohe Arbeitslosigkeit. Im Gegensatz dazu
haben die Hochlohnländer Norwegen,
Schweiz und Niederlande die niedrigsten Arbeitslosenraten. Es muss also
noch weitere Faktoren geben, die erheblich mehr Einfluss auf die Beschäftigung haben als nur die Löhne.
Wenn wir wirklich nicht wettbewerbsfähig wären, würde sich das auch
Steuern statt Abgaben
in der internationalen Nachfrage nach
Und die finden wir bei den Steuern
deutschen Produkten widerspiegeln,
und Sozialabgaben: Während die BRD
sollte mensch meinen. Interessanbei der Steuerquote, welche die
terweise ist die BRD jedoch seit
Steuereinnahmen in Prozent des
2003 Exportweltmeister - das
BIP ausdrückt, im Vergleich zu den
heißt, dass wir mehr Güter und
alten EU-Ländern (EU-15) ganz am
Dienstleistungen exportieren, als
unteren Ende steht, liegen wir mit
alle anderen Exportnationen. Nun
unseren Sozialabgaben weit über
gibt es Leute wie Hans-Werner
dem Durchschnitt. Der deutsche
(Un-)Sinn, Chef des Ifo-Institutes,
Staat finanziert sich also zu viel
die behaupten, dass zumindest die
über Abgaben auf den Faktor ArGüter gar nicht mehr komplett in
beit (hohe Lohnnebenkosten), und
Deutschland hergestellt würden,
zu wenig durch Steuern. Die Forsondern in Niedriglohnländern,
derung, deswegen soziale Leistunund hierzulande nur noch das Etigen zu kürzen, ist einseitig und unkett "Made in Germany" draufgeksozial. Viel sinnvoller wäre es,
lebt würde ("Basarökonomie").
wenn sich der Staat mehr über
Wenn dies jedoch zuträfe, müsste Deutsche Produkte - Vom Hamburger Hafen in alle Steuern und weniger über Abgaben
Deutschland allerdings auch impor- Welt.
finanzieren würde. Es macht also
tieren wie ein Weltmeister. Das ist
überhaupt keinen Sinn, weitere
aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Kein
Steuersenkungen zu fordern, im
gekehrt ist es mit den besonders
Land hat einen so hohen ExportüberGegenteil, aufgrund unserer niedrigen
schlanken Staaten Schweiz und Japan,
schuss wie die BRD, nicht mal Japan.
Steuereinahmen können wir es uns sowelche ähnliche Probleme wie wir mit
Wir führen im Wert von 160 Mrd. Euro
gar leisten, die Steuern ohne Wettbeihrem Wirtschaftswachstum haben.
mehr aus als wir importieren. Zwar
werbsnachteil zu erhöhen. Und gerade
bewirkt die Globalisierung, dass es eibei so vielen Arbeitslosen ist es wichHohe Löhne schaffen Arbeit
ne zunehmende weltweite Arbeitsteitig, die Abgaben deutlich zu reduzieWeiterhin heißt es, die Löhne seien
lung gibt, dies trifft jedoch nun mal für
ren.
zu hoch, Firmen gingen deshalb ins
alle Länder zu.
Ausland. "Zu hohe" Lohnkosten können aber die Arbeitslosigkeit allein
Kaufkraft stärken
kaum erklären. Dann müsste es in den
Wir brauchen keine Diät
Unser dürftiges Wirtschaftswachsneuen Bundesländern ja viel weniger
tum und die Arbeitslosigkeit wiederum
Nun gibt es auch einige ÖkonomIn-
12
Spätwinter 2006
ALTERNATIVE STADTFÜHRUNG
ger Lohnzurückhaltung, Hartz IV und
Sparen an allen Ecken und Enden. Hier
bedarf es endlich Lohnsteigerungen,
die sich am Produktivitätszuwachs der
letzten Jahre orientieren und massive
Investitionen der öffentlichen Hand,
am besten natürlich in Bildung und Er-
ziehung, dann haben zukünftige Generationen gleich doppelt was davon.
Alexander Gilly, 24,
ist Sprecher der GJ
Hannover und überzeugter Keynesianer.
T I T E L
werden maßgeblich durch die lahmende Binnennachfrage verursacht. Denn
ohne Aufträge stellt kein Unternehmer
Arbeitskräfte ein, da können die Steuern auch noch so niedrig sein und der
Export ist eben auch nicht alles. Diese
Entwicklung ist kein Wunder bei steti-
“Der Chefetage Druck machen!”
Chrissie Bantle ist bei JANUN,
dem
Jugendumweltnetzwerk
Niedersachsen, Koordinatorin des
konsum- und globalisierungskritischen Projektes "KonsuMensch", in
dessen Rahmen Stadtführungen in
Hannover und demnächst in ganz
Niedersachsen durchgeführt werden. Theresa Luisa Twickler macht
ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr
(FÖJ) bei JANUN und sprach für
den IGEL mit der Chrissie.
Der IGEL: Hallo Chrissie! Wer bist
du? Welche Rolle hast du bei KonsuMensch? Wer steckt noch dahinter?
Die Chrissie: Ich bin jetzt seit zwei
Jahren als Hauptamtliche für das Projekt "KonsuMensch" angestellt. Am Anfang habe ich dabei selbst oft konsumkritische Stadtführungen durchgeführt
und die Stationen weiterentwickelt. Inzwischen machen die Stadtführungen
andere Jugendliche und ich wirke mehr
in Hintergrund - alles mögliche koordinieren und Gelder beantragen etwa.
Im Vordergrund stehen die ehrenamtlich Aktiven, die z.B. StadtführerInnen
sind oder bei anderen Aktionen mitwirken bzw. -planen.
Wie hat mensch sich das Projekt
vorzustellen? Wie stellt ihr euch
dar?
Bei KonsuMensch dreht sich alles um
Konsum und Globalisierung. Neben
der Stadtführung haben wir deshalb
auch noch andere Angebote zu den
Themen: 2004 gabs einen konsumkrit-
schen Film- und Fotowettbewerb, den
"WerbeSpott!", 2005 eine Schultour zu
Kinderarbeit und 2006 wird es Aktionstage zu Fairem Handel und einiges
zur Fußball-WM geben.
Was wollt ihr damit erreichen? Was
erhofft ihr euch davon?
Chrissie Bantle.
Wir möchten Jugendliche darauf aufmerksam machen, wie jedeR Einzelne
mit ihrem oder seinem Einkaufsverhalten Einfluss nimmt auf Arbeits- und
ökologische Bedingungen in anderen
Teilen der Welt. Deshalb bieten wir die
Stadtführungen an, bei denen wir vor
allem mit Schulklassen in die Innenstadt
gehen und einerseits fiese Firmenmachenschaften vorstellen, aber vor allem
Möglichkeiten des fairen Shoppens in
den Vordergrund stellen wollen. Wir
denken, dass viele Jugendliche anders
kaufen würden, wenn sie einerseits
darüber Bescheid wüssten, unter was
für schlechten Bedingungen z.B. ihre
Klamotten produziert werden - und
wenn sie wüssten, was es für Alternati-
ven gibt. Da versuchen wir, praktisch
die ExpertInnen zu sein, unser Wissen
weiterzugeben und damit letztendlich
auch zu besseren Bedingungen in den
für uns produzierenden Ländern beizutragen.
Wieso? Wollt ihr die Welt verändern durch Gendern ("KonsuMensch" mit Binnen-M)? Weshalb
glaubst du, ist es wichtig solch eine
Aufklärungsarbeit zu betreiben?
Im Moment tut sich gerade eine ganze
Menge: Viele (Marken-)Konzerne reagieren auf den öffentlichen Druck und
das vermehrte Interesse an Arbeitsbedingungen und Sozialstandards. Deshalb werden wir z.B. am 3. Mai einen
Bus zur Adidas-Hautpversammlung
nach Fürth organisieren - um auch direkt mal die Chefetage darauf aufmerksam zu machen, dass ihrer Hauptzielgruppe an besseren Arbeitsbedingungen gelegen ist! Wer mitkommen
möchte - einfach bei uns melden!
Warum macht Denken schön?
Weil mensch durchs Denken soo viele
tolle Ideen und dadurch gute Laune bekommt - und frohe Menschen sind nun
mal einfach die schönsten Menschen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Theresa Twickler,
18 Jahre, ist Schatzmeisterin der GJN
und findet Denken
schön.
DER I G E L 4 7
13
T I T E L
GLOBALE KULTUR
Was heißt hier eigentlich
Verwestlichung?
Mc Donald's beherrscht die Welt.
Coca Cola vergrößert permanent
seinen Marktanteil. Überall wird
Pop made in USA gehört. Das sind
die üblichen Stichworte, die
mensch zu hören bekommt, wenn
sie oder er sich mit dem Thema
Globalisierung der Kultur beschäftigt. Bedeutet Globalisierung der
Kultur also, dass sich die westliche
Kultur ausbreitet und andere Kulturen verdrängt?
HELGE LIMBURG
Zunächst einmal scheint sich diese
Sichtweise zu bestätigen: Laut McDonald's Homepage gibt es in über 100
Ländern McDonald's Filialen. Coca Cola ist in mehr Ländern erhältlich als die
UNO Mitglieder hat. Und Pop-Musik
westlichen Stils hat sich scheinbar
überall ausgebreitet. Die westliche
Welt scheint also im Bereich der Kultur
einen Siegeszug über andere Kulturkreise zu feiern.
Doch diese Aussage enthält zwei
entscheidende Irrtümer: Zunächst einmal ist Kultur nichts Statisches, nichts
Einheitliches. Kultur ist und war zu allen Zeiten stets in Bewegung und permanentem Wandel unterworfen. Äußere Einflüsse führten stets zu Veränderungen und zu Neuschöpfungen,
aber nur selten zu totaler Verdrängung
des alten. Kulturelle Erzeugnisse, egal
ob Tänze, Architektur, Malerei, Musik
oder anderes haben sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert und
entwickelt. Wir haben in Deutschland
14
Spätwinter 2006
oft genug die Errungenschaften einer
multikulturellen Gesellschaft gepriesen, die davon lebt, dass sie äußere
Einflüsse mit lokalen Traditionen verbindet und dadurch etwas Neues entsteht.
Der zweite Irrtum: Es wird stillschweigend davon ausgegangen, dass
es die westliche Kultur gibt, die sich in
der ganzen Welt ausbreitet: eine Kultur, welche die Menschen von San
Francisco bis Berlin, von Oslo bis Neapel miteinander verbindet. Aber selbst
innerhalb dieser "westlichen" Welt gibt
es zahlreiche unterschiedliche Ess- und
Lebensgewohnheiten, HipHop und
Heavy Metal, Weißbier und Whiskey.
McDonald's und Coca Cola haben sich
zwar ausgebreitet, aber sie haben lokale und regionale Lebensstile nicht völlig
verdrängen können. Die "westliche"
Welt ist kein kulturell einheitlicher
Raum, es existieren viele verschiedene
Kulturen neben- und miteinander.
Aber was ist es dann, was viele
Menschen als Dominanz der "westlichen" Kultur wahrnehmen? In Wirklichkeit handelt es sich dabei um eine
neue, globale Kultur. Wenn wir ehrlich
sind, war diese Kultur vor zehn oder
zwanzig Jahren in Deutschland genauso
fremd wie sie bis heute in anderen Teilen der Welt ist. Diese Kultur ist ein
Beiwerk der kapitalistischen Interessen
mächtiger Wirtschaftskonzerne und
hat insofern durchaus ihren Ursprung
in der "westlichen" Welt. Aber sie ist
eben auch dort nicht unumstritten und
weit davon entfernt, sich als einzige
Kultur zu etablieren. Und obwohl sie
sich auf der ganzen Welt auszubreiten
scheint, wird sie nie die gesamte
Menschheit erreichen. Gerade weil
diese neue globale Kultur ein Symbol
für Machtverhältnisse ist, wird sie nicht
ausschließlich unreflektiert und euphorisch angenommen, sondern provoziert überall auch Widerstand und ein
Denken in Alternativen.
Es gibt zum Beispiel viele Kräfte,
welche die Vormachtstellung dieser
neuen Kultur auch "im Westen" in Frage stellen. Denn eher still und bescheiden haben längst Teile der "östlichen"
Kultur in Europa und Nordamerika Fuß
gefasst. Die Rede ist hier nicht nur von
den unzähligen indischen und chinesischen Restaurants oder den orientalischen Klängen, die in "westliche" Popsongs eingemixt werden, sondern auch
von dem mittlerweile weit verbreiteten Trend, sein Seelenheil in buddhistischer oder hinduistischer Spiritualität
zu suchen. Während also global agierende Konzerne lautstark ihre Macht
und ihren Einfluss vergrößern, geben
sich mehr und mehr Menschen in der
"westlichen" Welt asiatischer Mystik
und Religion hin. Ein echter Buddha
lässt sich eben auch von Ronald McDonald nicht vom Sockel stoßen.
Helge Limburg, 23
und LaVo a. D., war
längere Zeit in der
Türkei und in Indien.
GLOBALE SICHERHEIT
T I T E L
Sicherheit von allen, für alle,
durch alle!
Zu Beginn des neuen Jahrtausends
ist unsere Welt nicht sehr sicher:
Armut und Hunger, Krankheiten,
(BürgerInnen-)Kriege und Terrorismus, staatliche Unterdrückung
und nicht zuletzt Umweltveränderungen und -katastrophen bedrohen täglich das Leben von Millionen. Menschen sterben, verlieren
ihre Angehörigen, ihr Zuhause und
ihre Existenzgrundlage oder "nur"
den Mut, mit Freude weiterzuleben.*
OLE HILBRICH
Globale Sicherheitspolitik bedeutet,
all diese Bedrohungen menschlichen
Lebens ernst zu nehmen und die Ursachen für menschliches Leid, Kriege und
Konflikte zu entschärfen. Leider wird
auch von Seiten der deutschen Außenpolitik Friedens- und Sicherheitspolitik
oft nur als Politik der militärischen Sicherheit und des Schutzes vor Terrorismus verstanden. Internationale Organisationen, die sich für gemeinsame,
umfassende Sicherheit einsetzen, sind
wie die Vereinten Nationen oft machtlos, da ihren Mitgliedsstaaten der politische Wille fehlt, finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung zu stellen
und Souveränität abzugeben. Doch
wenn die "klassische" Politik an nationalstaatlichen Egoismen scheitert, sind
wir als auf dieser Erde lebende Menschen noch lange nicht aus der Verantwortung entlassen. Was können wir
tun, um diese Welt sicherer für alle ihre
BewohnerInnen zu machen?
Wir machen die Welt sicher!
Wir, die Weltbevölkerung, können
uns folgende vier Aufgaben zum Ziel
setzen:
1. Wir nehmen die weltweite Protestbewegung vor dem letzten Golfkrieg als Zeichen der Hoffnung, dass
unter den Menschen dieser Erde der
Wille zu einer friedlicheren und sichereren Welt vorhanden ist. Mit Widerstand gegen falsche Politik zeigen wir
Verantwortlichkeiten auf und widersprechen gängigen Ausflüchten, warum
gerade unser Land, gerade in dieser Situation nicht tun kann, was zu einer sichereren Welt für alle beiträgt.
2. Wir gestalten "Weltinnenpolitik"
und leiten so einen Perspektivwechsel
in der Außenpolitik unserer Nationalstaaten ein. Im Einklang mit dem
Gleichheitsgrundsatz, der den Menschenrechten zu Grunde liegt, muss
endlich allen Bedrohungen menschlicher Sicherheit die gleiche Bedeutung
zu kommen. Nicht nur die Bedürfnisse
der EinwohnerInnen der Industriestaaten dürfen die internationale Agenda
beeinflussen, nicht nur Kriege und Terrorismus als Bedrohungen der Sicherheit wahrgenommen werden. Wir wirken an einer Weltinnenpolitik mit, indem wir in alle unsere politischen Forderungen die globale Dimension mit
einbeziehen und uns mit anderen meinungsbildenden (Jugend-)Organisationen weltweit vernetzen.
3. Wir bringen die Regierungen unserer Staaten dazu, die Idee eines globalen Marshallplans für weltweiten
Frieden und Entwicklung zu unterstüt-
* Der Artikel ist aus Platzgründen gekürzt worden. Die ungekürzte Version ist
im Internet unter www.gj-nds.de/igel bei der IGEL-Ausgabe 47 zu lesen.
zen. Ein solcher Plan ginge über die
Anforderungen der VN-Milleniumsziele hinaus, deren Erfüllung der absolute
Mindeststandard bleibt. Mit der Verwirklichung eines solchen Planes muss
eine "Gestaltung" der wirtschaftlichen
Globalisierung als Verursacherin von
Sicherheitsrisiken und die Einführung
weltweiter sozialer und ökologischer
Mindeststandards einhergehen.
4. Als EinwohnerInnen der Industriestaaten vollziehen wir selbst den
notwendigen Wandel in unseren Lebens- und Konsumgewohnheiten und
entschärfen so Ausbeutung und Konflikte, die durch unser Wirtschaftssystem verursacht werden. Als EinwohnerInnen der Entwicklungsländer setzen wir uns dafür ein, dass unsere Staaten sich "nachhaltig" entwickeln und die
Fehler der Industrieländer nicht
wiederholen. Als VerbraucherInnen
kaufen wir faire und ökologisch produzierte Waren und sparen Energie. Als
politischer Jugendverband drängen wir
auf eine Energiewende "Weg vom Öl"
und fordern ökologische und soziale
Reformen von Forschung und Wirtschaft ein.
Nur wenn wir die Erkenntnis, in einem "globalen Dorf" zu leben, in die
Tat umsetzen und uns in unserem gemeinsamen Handeln nicht aufhalten
lassen, lässt sich die Vision einer sicheren Welt durch alle, für alle realisieren.
Ole Hilbrich, 19,
Schüler, ist Sprecher
des GJ-Regionalverbands Braunschweig.
DER I G E L 4 7
15
IN
GÖTTINGEN
T H E M A
NAZI-AUFMARSCH
Der 100-Meter-Marsch
Nur wenige hundert Meter weit
ging der Aufmarsch der rechtsradikalen NPD am 29.10.05 in Göttingen, dann stoppte die Polizei die
rund 250 angereisten Nazis, weil
ein ordnungsgemäßer Ablauf der
"Demonstration" nicht länger gewährleistet werden konnte. Ein
Bericht über die verschiedenen
antifaschistischen Aktionen, die
zum Abbruch des Aufmarsches
führten.
FRANZISKA HARTH
In Göttingen angekommen und die
Durchsuchung der Polizei am Bahnhof
gut überstanden, reihten auch wir uns
erstmal in die offizielle Gegendemo
ein, zu der 60 Organisationen wie Parteien, unter anderem Bündnis 90/Die
Grünen, Gewerkschaften und Kirchen
aufgerufen hatten. Rund 5000 Menschen kamen um 11 Uhr dorthin, um
gegen den NPD-Aufmarsch zu protestieren.
Im Laufe der Demo wurde durch
den Lautsprecherwagen allerdings immer wieder dazu aufgerufen, sich auch
an Sitzblockaden auf der geplanten
NPD-Route zu beteiligen. Natürlich
folgten wir diesem Aufruf, landeten
aber bei dem Versuch, die Polizeisperren geschickt zu umgehen, im Gebiet,
in dem die "BarrikadenbauerInnen"
schon am Werk gewesen waren. Denn
von der Polizei völlig ungestört, errichteten linke Autonome, deren Anzahl
auf rund 1000 Personen geschätzt
wurde, Barrikaden aus Müll(-contai-
16
Spätwinter 2006
nern), Straßenschildern und anderen
Dingen, die sie am Straßenrand fanden,
aufbauten, anzündeten und dann
weiterzogen.
Mit der Zeit näherten wir uns dem
Geschehen, die Straßen wurden voller
mit Autonomen, die nach nutzbarem
Barrikadenmaterial
suchten.
Es
herrschte ein buntes, bzw. schwarzes
Treiben und aus einigen Häusern war
sogar laute Musik von mit den Linken
sympathisierenden Anwohnern zu hören. Nur das Großaufgebot der Polizei,
die mit 3.800 Einsatzkräften vor Ort
war, ließ sich nirgendwo ausmachen,
was uns zeitweise stutzig machte.
Konnte es sein, dass die PolizistInnen
davon nichts mitbekamen oder höchstens anfingen erste Barrikaden zu räumen? Vielleicht eine Taktik, dachten
wir uns. Aber im Laufe des Tages wurde uns klar: Die "Grünen" waren im
Gegensatz zu den "Schwarzen" einfach
zu schlecht organisiert.
Als wir dann am Campusgelände
ankamen, wurde hier am Antifa-Infopunkt schon das Gerücht verbreitet,
der NPD-Aufmarsch würde abgebrochen werden, doch der jämmerliche
Haufen befand sich leider immer noch,
von Robo-Cops umstellt, auf der Route. Es sprachen unter Pfeifen, Buhrufen
und Gesängen der Antifas mehrere
führende NPD-Mitglieder und hetzten,
wie gewohnt, gegen AusländerInnen
und die demokratische Gesellschaft.
Aus angrenzenden Fenstern wurden
dabei Eier und ähnliches auf die Braunen geworfen, doch die eisernen Va-
terlandskämpferInnen ließen sich
durch nichts beeindrucken und schrien
munter weiter dumpfen Schwachsinn.
Doch langsam setzte sich auch hier das
Gerücht durch, die "Demo", bzw. die
im Moment stattfindende Kundgebung
würde abgebrochen und alle Nazis
müssten nach Hause fahren. Und so
passierte es auch, der braune Mob
wurde zum Bahnhof zurückbegleitet
und bei den meisten Linken, vor allem
bei den Autonomen, blieb das Gefühl
zurück, die Neonazis mit ihrem Einsatz
gestoppt und dadurch ein deutliches
Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit
und Rassismus gesetzt zu haben.
Ob die teilweise gewalttätigen Methoden, mit denen dies geschah, legitim waren, um gegen rechtsradikale
Hetzer mit einer menschenverachtenden Einstellung vorzugehen, darüber
lässt sich streiten. Auch in der Grünen
Jugend. Manchen scheint dies zu gewaltbereit, andere sehen es als einziges
wirksames Mittel, um gegen Faschos
vorzugehen. Wie weit mensch bei so
was geht, muss jedeR selbst wissen! Jedenfalls machte dieser Tag mit den vielen Gegendemos, Sitzblockaden, Barrikaden und den Aktionen von engagierten AnwohnerInnen eines eindeutig
klar: Nazis haben in Göttingen nichts
verloren!
Franziska Harth, 18,
geht in Hannover
zur Schule engagiert
sich dort in der GJH.
FUßBALL-WM
T H E M A
Die Welt im Knast bei Freunden!
"Oooobi ist das schön!" - so oder
ähnlich prasseln die wenig geistreichen Slogans der zahlreichen WMSponsoren auf uns KonsumentInnen nieder. Was erwartet uns da
eigentlich für ein ‚Super-MegaEvent', wenn die Fußball WM am
9.Juni in München angepfiffen
wird? Kea Müller und Marcus
Blumtritt beleuchten einge kritische Aspekte der Welmeisterschaft im eigenen Land, die im allgemein grassierenden WM-Hype
unterzugehen drohen.
KEA MÜLLER & MARCUS BLUMTRITT
Fußballfans = Hooligans ?
Die Fußballfans, die jedes Wochenende in den deutschen Stadien anzutreffen sind und dort mit ihren kreativen Kurvenshows und lauten Gesangseinlagen auf sich aufmerksam machen
um ihre Mannschaft zu unterstützen,
sind von der allgemeinen Euphorie mitgerissen und freuen sich auf die WM so sollte mensch meinen. “Keiner will
die WM im eigenen Land, wann habt
ihr's endlich erkannt” hört man jedoch
gerade die hartgesottensten Fußballfans (z.B.Ultras) reden und ein T-Shirt
mit der Aufschrift “Die Welt zu Gast fühl dich wie im Knast” (www.aktivefans.de) findet rege Abnahme in der
Szene.
Wie ist dies möglich?
Durch die allgemeine Fußballhysterie haben Sicherheitsfanatiker die Lage
zu ihren Gunsten genutzt. Für Bagatellevergehen wie das Aufkleben eines
Aufklebers im Stadion, werden mittlerweile unverhältnismäßige Strafen, wie
drei Jahre bundesweites Stadionverbot
(so geschehen auf Schalke) ausgesprochen. Ebenso muss zusätzlich mit einem Eintrag in die Datei "Gewalttäter
Sport" gerechnet werden.. Auch Ingewahrsamnahmen seitens der Polizei
werden immer beliebter. Als Präventivmaßnahme werden die sogenannten
‚Problemfans' schon vor dem Spiel
weggehaftet, häufig zufällig und willkürlich. Spruchbänder und Kurvenshows dürfen nicht mehr unangemeldet
gezeigt werden und sogar die genaue
Länge einer Fahne ist vorgegeben. Kritischen Fans wird so ihre Meinungsfreiheit genommen und diejenigen, die
mehr sein wollen als FußballkonsumentInnen, werden schnell als Hooligans diffamiert.
Juchhu - tolle Sponsoren!
Wie komme ich an eines der begehrten WM-Tickets? - Kein Problem!
Einfach bei Mc Donalds ein Maxi-Menü
bestellen und schon bin ich beim Tikketgewinnspiel dabei. Ach, und wenn
das nicht klappt, dann trinke ich fleißig
Coca Cola, schließlich gibt's ja auf jeder
Flasche
den
WM-Glückscode.
Hmmm...was mache ich, wenn ich weder Ronald McDonald und sein Fleischklopsimperium, noch DIE kapitalistische Zuckerbrause schlechthin unterstützen möchte? Vielleicht habe ich ja
als Continental MitarbeiterIn in Hannover Chancen an Karten zu kommen,
schließlich ist mein Arbeitgeber ja nationaler WM-Förderer...Mist! - Continental scheffelt zwar große Gewinne
und pumpt Werbemillionen in das
WM-Spektakel, aber der Produktionsstandort Hannover ist angeblich nicht
wettbewerbsfähig. Eher als eine Mitarbeiter-WM-Karte droht mir hier wohl
eine Entlassung.
Die Welt zu Gast bei Freunden...
...genau das ist auch unser Ziel.
Aber nicht nur als Werbeslogan für ein
vierwöchiges Topevent, sondern als
dauerhafte gelebte Realität. Menschen
aus aller Welt sollen nicht nur als geldbringende WM-TouristInnen, sondern
jederzeit bei uns willkommen sein.
Kea Müttel, 18, Sprecherin der GJ Leer
und ultraorientierter
SV Werder Fan.
Marcus Blumtritt,
24, Play-Europe Initiator und bekennender St. Pauli Fan.
DER I G E L 4 7
17
T H E M A
FLEISCHKONSUM
Ich ess Blumen
Die Scheibe Salami morgens zum
Frühstück aufs Brötchen, der
Lammdöner mittags für zwischendurch und abends gibt es dann
Spagetti Bolognese. Viele Menschen essen täglich Fleisch und nur
die wenigsten sind sich bewusst
welche weitreichenden Folgen ihre
Ernährungsweise hat. Sven-Christian Kindler zeichnet den globalen
Produktionsweg der Fleischerzeugung nach und stellt die dramatischen Auswirkungen des Fleischkonsum auf die Umwelt, Tierhaltung, den weltweiten Hunger und
die Gesundheit dar.
SVEN-CHRISTIAN KINDLER
Die Sonne brennt Pablo ins Gesicht.
Er ist erschöpft, doch er muss weiterarbeiten. Langsam nimmt er seine Motorsäge wieder in die Hand und setzt
an. Es ist ein riesiger, alter Urwaldriese,
der schon in wenigen Minuten nicht
mehr stehen wird. Pablos Arbeitsplatz
ist der argentinische Regenwald. Seine
Auftraggeber wollen auf diesem Areal
Soja anpflanzen. Soja ist das Hauptfuttermittel in der globalen Fleischproduktion und mehr als die Hälfte von
der weltweiten Ernte ist gentechnisch
verändert und wird mit giftigen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Durch
den Pollenflug der gentechnisch veränderten Organismen, den Pestizideinsatz und das Abholzen der natürlichen
Waldbestände wird die Flora und Fauna in den Entwicklungsländern nachhaltig geschädigt.
Kein Schwein gehabt
Bauer Erwin Petersen öffnet mit einem riesigen langen Messer den gro-
18
Spätwinter 2006
ßen braunen Sack, auf dem in schnörkelloser Schrift "Feinster Sojaschrott
aus Argentinien" gedruckt ist. Der
Großteil der Futtermittel aus den Entwicklungsländern wird in den Industrieländern für die Fleischproduktion
verbraucht. Bauer Petersen schüttet
den Schrott, der mit verschiedenen
Antibiotika als Masthilfe angereichert
wurde, in die automatisch betriebene
Fütterungsmaschine. Auf seinem Hof
im Nordwesten Niedersachsens hat er
fast seine gesamte Produktion automatisiert. Durch den internationalen Kostendruck und den scheinbar ungestillten Hunger nach billigem Fleisch musste er massiv rationalisieren. 3 Mitarbeiter hat er noch, und das für 1300
Schweine, die in einem kleinen Stall
untergebracht sind. Die Schweine kriegen den Kostendruck im Besonderen
zu spüren. Nur drei Wochen nach ihrer
Geburt werden die Ferkel ihrer Mutter
entrissen und mit anderen Ferkeln in
eine winzige Box eingesperrt. Stress
und Angst wegen der Enge und die
seelischen Qualen wegen des Verlustes
der Mutter schwächen in erheblichen
maße ihr Immunsystem und erzwingen
den frühen präventiven Einsatz von
Antibiotika. Im weiteren Verlauf ihres
qualvollen Lebens werden die Ferkel
ohne Betäubung kastriert und ihnen
wird mit einer Zange der Hinterschwanz abgeschnitten. Der Boden
der kleinen Box auf dem die Ferkel zusammengepfercht sind, ist aus hartem
Metallgitter. Schrecklichen Schmerzen
für die Paarhufer, die weichen Waldboden benötigen. Verkrüppelte Gelenke
und blutig entzündete Hufe sind die
Folgen. Um dem riesigen Fleischhunger gerecht zu werden, werden die
Schweine innerhalb von vier bis fünf
Monaten, von 20 kg auf 110 kg hochgemästet. Sind sie dann so fett, dass ihre
Knochen und Gelenke ihr Gewicht nur
noch unter massiven Schmerzen gerade so tragen können, werden sie zum
Schlachthof transportiert. Dieser
Transport kann Stunden, aber auch Tage oder Wochen dauern. Je nachdem
wie es am kostengünstigsten ist. Dabei
sterben allein zehn Prozent aller
Schweine auf Grund von Stress, Panik
und Todesangst. Im Schlachthof werden die völlig erschöpften Schweine
mit Elektroschocks aus den LKWs geprügelt. Nach dem Tierschutzgesetz
müssen die Schweine bei der Tötung
durch Ausbluten betäubt werden. Jedoch passiert es bei der zeitlich streng
rationalisierten Arbeitsweise in den
Schlachthöfen immer wieder, dass die
Betäubung durch die Elektrozange
nicht lange genug anhält oder schlichtweg vergessen wird. Diesen Tieren
werden dann bei vollem Bewusstsein
die Füße abgesägt, um danach im kochend heißen Brühbad ertränkt zu
werden.
Tierquälerei für alle!
So wie den Schweinen geht es vielen Tieren, die für die menschliche
Nutzung in der Massentierhaltung gequält und dann geschlachtet werden.
Männliche Küken werden, da sie keine
Eier legen, sofort nach der Geburt zerschreddert, vergast oder ertränkt. Den
weiblichen Küken wird im Alter von
10 Tagen der Schnabel, durch den
empfindliche Nerven laufen, mit einem
heißen Messer gestutzt - damit sie sich
später nicht gegenseitig blutig hacken
können! Milchkühen wird ihr Kalb so-
FLEISCHKONSUM
fern. Nebenbei haut sie sich eine Lasagne rein. Vorhin hat sie schon zwei
Burger verputzt. Ulrike isst gerne
Fleisch, das sieht mensch ihr an und das
kriegt sie auch schon zu spüren. Mehrere internationale Studien haben erwiesen, dass der Fleischkonsum das Risiko an Krebs, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Osteoporose, Fettleibigkeit, oder zahlreichen anderen
Zivilisationskrankheiten zu erkranken
deutlich steigert. VegetarierInnen hingegen leben äußerst gesund. Das hat
die weltweit bisher umfangreichste VegetarierInnen-Studie, die von der London School of Hygiene and Tropical
Medicine mit über 11.000 Personen
über mehrere Jahre durchgeführt wurde, ergeben. Danach haben Menschen,
die auf Fleisch verzichten, deutlich niedrigere Blutduck-, Harnsäure- und
Blutfettwerte, ein häufigeres Idealgewicht und eine bessere Nierenfunktion. Die Sterberate der Vegetarierlnnen war um 20% und die Krebstodesrate sogar um 40% niedriger als bei
der fleischessenden Kontrollgruppe.
T H E M A
Fleischproduktion entsteht ist dagegen
lächerlich gering. Für die Produktion
von einem Kilogramm Fleisch werden
"zur Veredelung" je nach Tierart 7-12
Kilogramm Futtermittel benötigt. Viel
effizienter und ressourcensparender
wäre es, die produzierten Lebensmittel nicht an Tiere zu verfüttern,
sondern selbst direkt als Nahrung zu
verzehren. So können auf einem Hektar landwirtschaftlicher Fläche - berükksichtigt mensch den enormen Futterbedarf und den großen Platzbedarf des
Fleisch essen macht hungrig
Vieh - nur 185 kg Rindfleisch, jedoch
Die Folgen der immer weiter wachauf der gleichen Fläche ebenfalls
senden Fleischproduktion sind für das
22.500 kg Kartoffeln produziert werÖkosystem der Erde und die globale
den.
Ernährungssituation ein Desaster. Der
Doch trotz der bekannten Fakten
Viehhaltung, aber auch für dem Futternimmt der Fleischkonsum, durch die
mittelanbau, wird der Großteil der Remassive Verbreitung der fettigen Fastgenwaldabholzung zugerechnet. Tiere
Food-Ernährung, durch westliche
brauchen eben einen gewissen Platz Konzerne weiterhin global zu. Angeauch in der Massentierhaltung. Weltsichts dieser unsinnigen
Nahrungsmittelverschwendung, brauchen
wir uns über den weltweiten Hunger nicht zu wundern. Mittlerweile gelten
mehr als eine Milliarde
Menschen durch eine einseitige,
überwiegend
fleischhaltige Ernährung
als übergewichtig, während weltweit 840 Millionen Menschen - davon
300 Millionen Kinder Neulich im Schlachthof - Das Schwein links im Bild steht unterernährt sind und
Todesängste aus, da es mit ansehen muss, wie eines sei- täglich Zehntausende an
ner Artgenossen tot aufgehängt wurde und das andere bei den Folgen des Hungers
sterben müssen. Begünlebendigen Leib ausblutet.
stigt wird dieser ganze
Prozess durch das neoliberale Welthandelssystem. Gerade die Entwikweit werden circa 80% der landwirtklungsländer sind aufgrund internatioschaftlichen Fläche zur Tierhaltung benaler Handelsverpflichtungen gezwunnutzt. Gerade Waldgebiete, die durch
gen ihr produziertes Getreide und ihre
ihre C02 absorbierende Wirkung einen
Sojaerzeugnisse in die Industriestaaten
wichtigen Anteil zum Klimaschutz beizu exportieren, um dort die "Nutztietragen, müssen dafür weichen. Weiterre" des Nordens zu ernähren, während
hin müssen Tiere auch viel fressen. So
die eigene Bevölkerung hungert.
werden alleine circa 37% der weltweiten Getreideernte und 70% der Sojaproduktion als Futtermittel verwendet.
Fleisch macht krank
Der ökonomische Nutzen, der bei der
Ulrike sitzt auf der Couch und guckt
fort nach der Geburt weggenommen.
Unbeschreibliche seelische Qualen für
Mutter und Säugling, die nun in engen
Boxen ohne Auslauf gehalten werden.
Die Mütterkühe müssen vier bis fünf
Jahre durchgehend Milch geben, um
dann völlig erschöpft geschlachtet zu
werden. Die Kälber vegetieren drei
Monate in dunklen Einzelboxen, die
nur 90 cm breit sind, um dann als "edles" Kalbsfleisch verwertet zu werden.
Vegetarisch die Welt verändern
Stellt sich abschließend die Frage,
was ich persönlich tun kann, um die
Abholzung des Regenwaldes, den weltweiten Hunger und das millionenfache
Leid der Tiere zu stoppen. Die Antwort ist einfach : Verändere deine Ernährung, und du veränderst die Welt.
Lebe vegetarisch oder vegan. Es zahlt
sich aus. Gerade für deine Gesundheit.
Und wenn wieder irgendwo ein
Fleischskandal auftritt, kannst du beruhigt sein - denn auf deinen Teller ist
kein Gammelfleisch, BSE, oder Nitrofen zu finden. Um es mit den Worten
von Paul Mc Carntey zu sagen:” Ich
glaube den friedlichen Protest und keine Tiere zu essen ist gewaltfreier Protest.” Also, lasst uns gemeinsam protestieren.
Sven-Christian Kindler, 20, ist IGEL-Koordinator und überzeugter Vegetarier.
DER I G E L 4 7
19
I N T E R N
CA STOR-TRANSPORT
Auf zur fünften Jahreszeit das Wendland bläst Alarm!
Wie jedes Jahr machten sich auch
2005 25 bis 30 GRÜNE JUGENDliche aus verschiedenen Bundesländern Ende November ins Wendland auf, um gegen den Castortransport von La Hague nach Gorleben zu protestieren.
PAUL A RIESTER
Nachdem wir die letzten Jahre im
Heuhotel Reddebeitz unser Lager aufgeschlagen hatten, wurde diesmal ein
Öko-Bauernhof in Klein-Gusborn getestet. Der Empfang war sehr herzlich
- Kerzen leuchteten uns den Weg in die
Scheune, wo wir die nächsten Tage
schlafen sollten. Ein noch schnell organisierter Heizstrahler spendete etwas
Wärme, doch ansonsten pfiff der kalte
Wind gnadenlos hinein. Also waren wir
aktiv und fuhren von Aktion zu Aktion.
Die sind nicht nur am Transporttag
selbst gefragt - es herrscht Ausnahmezustand (5. Jahreszeit) im Wendland
und so nahmen wir an Mahnwachen,
Spontandemos und Treckerblokaden
teil.
20
Meter von den Gleisen entfernt warten
wir auf unseren Moment. Plötzlich
kommt Polizei von hinten, wir müssen
uns beeilen, rennen los, teilen uns auf,
springen über die letzten Wurzeln und
dann auf die Schienen. Schnell hacken
wir uns ein, damit uns die Bullen nicht
von hinten wegreißen können, rutschen zusammen und singen Protestlieder. Wir haben es geschafft und sind
mit 150 bis 200 Leuten auf der Strecke!
Immer wieder brechen neue Menschen durch die Polizeikette und gesellen sich zu uns. Nach 45 Minuten werden wir geräumt und von den Gleisen
getragen. Als ich im Wald abgesetzt
werde, fehlt jedoch etwas - der Kessel!
Also sammeln wir uns wieder und
blockieren 300 Meter weiter noch einmal die Strecke für eine halbe Stunde.
Dort werden die Bullen dann rabiater mit Wegtragen ist nichts mehr, vielmehr werden wir von den Schienen
gestoßen. Und dann rollt er das erste
Mal an uns vorbei - es ist zum Heulen.
Deutlich erkennbar sind die Spuren roter Farbbomben von radikalen BayerInnen auf den ersten Wagen.
Bullen verarscht - Schienenblokkade gleich doppelt
Grillfest in Gorleben
Am Montag, den 21.11. ist es dann
soweit: Der Castortransport wird im
Wendland erwartet. Noch mitten in
der Nacht machen wir uns auf den
Weg nach Hitzacker, wo wir uns mit
anderen AktivistInnen von "Xtausendmal quer" sammeln. Schließlich geht es
los, wir fahren zu einem Treffpunkt in
der Nähe der Schienen und werden in
Gruppen durch den Wald geführt. 50
Doch der Protest ist noch lange
nicht vorbei - während die Castoren in
Dannenberg auf Straßentransporter
verladen werden, schließen wir uns
schon den nächsten Aktionen an. In
Gorleben wird die Straße besetzt, Leute grillen Würstchen überm Lagerfeuer, es wird heiße Suppe ausgeteilt, gesungen und Gitarre gespielt. Lange
können wir es uns jedoch nicht auf un-
Spätwinter 2006
serem Strohbett gemütlich machen,
denn die Bullen räumen immer wieder.
Das macht aber nichts, weil wir uns
einfach der nächsten Gruppe anschließen. Mit jedem Mal wird die Gangart
härter. Mit Absperrgittern werden wir
wie Vieh eingezäunt, damit die weggetragenen Leute nicht wieder zu uns
durchbrechen, mir droht die Polizei
mich über den Zaun zu werfen, wenn
ich nicht selber herübergehe. Morgens
um sechs fahren die Transporter ins
Zwischenlager ein. Wut und Erschöpfung mischen sich mit Freude über die
vielen gelungenen Aktionen.
Polizeistaat Wendland
Jedes Jahr wird deutlich, wie unverhältnismäßig dieser Polizeieinsatz ist
und wie Grundrechte mit Füßen getreten werden. 15.000 PolizistInnen müssen jährlich diesen Transport durchs
Wendland prügeln und verwandeln
den Landkreis in einen Polizeistaat.
Und doch wird er wieder und wieder
aufgehalten, von einem Rückgang des
Widerstandes kann also nicht die Rede
sein! Vielmehr sehen wir es auch als
unseren Erfolg an, dass 2006 höchstwahrscheinlich kein Castor nach Gorleben rollen wird, da die niedersächsische Polizei aufgrund der Fußball-WM
schlichtweg überfordert ist. Doch der
Widerstand geht weiter!
Paula Riester, 21,
studiertin Berlin Jura und ist Beisitzerin
im Bundesvorstand
GRÜNE JUGEND.
SEMINAR
ZUM
KOSOVOKRIEG
Der Kosovo-Krieg 1999 bedeutete
nicht für die BRD eine Zäsur,
schließlich war es der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr seit dem
zweiten Weltkrieg,. Auch bei
Bündnis 90/ Die Grünen und in der
Grünen Jugend fürhrte es zu heftigen Debatten, mit dem Ergebnis,
dass viele engagierte PazisfistInnen
die Partei verließen und der GJ
den Rücken kehrten. Die Grüne Jugend Hannover rollte die Ereignisse von damals in einem landesweiten Seminar vom 9.-11. Dezember 2005 in Verden nochmal
einmal auf.
CLARA BECK
unterdrückt wurde. Die Eindrücke des
Films mussten hinterher in einer recht
interessanten Diskussionsrunde verdaut werden. Der Abend klang dann
mit einigen Bieren aus.
Samstag
Am nächsten Morgen ging es nach
dem köstlichen Frühstück - für manche
eine echte Plage, morgens so früh aufzustehen - direkt mit den nächsten Informationen für uns weiter. Zu Besuch
kam Dr. Burkhard Luber, der uns eini-
Freitag
Ort des Seminars war das Ökozentrum in Verden. Alle Hungrigen konnten sich erst einmal an einem leckeren
vegetarischen Buffet in der gemütlich
eingerichteten Küche des Hauses bedienen. Allerdings durften wir uns nicht
allzu lange mit dem Essen beschäftigen,
weil wir uns noch am selben Abend
zum Einstieg in das bevorstehende
Thema "Kosovo-Krieg - gerechtfertigt
ja oder nein?" den Film “ Es begann mit
einer Lüge” ansahen.
Dieser Film wollte einen Eindruck
vermitteln, welche Macht Medien und
Politik besitzen, um eine ganze Bevölkerung, wie z.B. in Deutschland, täuschen zu können. Wir lernten, dass die
Medienberichte vielfach manipuliert
wurden. Auf diese Weise sollte das angeblich vorhandene Beweismaterial
Scharpings - der niemals existierende
"Hufeisenplan" oder die angeblich bestehenden "KZs" im Kosovo - für einen
Einsatz im Kosovo legitimiert werden.
Allerdings ging der Film nur am Rande
auf die Situation der kosovarischen Bevölkerung in den 90er Jahren vor dem
Krieg ein, in denen die Bevölkerung
durch die serbische Polizei und Armee
Wer schläft, kann keinen Krieg führen.
ges über den historischen Hintergrund
des Kosovo Krieges berichten sollte. Er
begann mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der dazu beitrug, dass sich in
seinem Herrschaftsgebiet einzelne nationale Mächte bildeten, die sich
gegenseitig bekämpften. Dr. Luber veranschaulichte uns das Problem der
Aufteilung des zerfallenen Osmanischen Reiches an einer Landkarte und
wir stellten fest, dass sich im Endeffekt
vier verschiedene Staaten - Slowenien,
Kroatien, Bosnien und Serbien - im
westlichen Balkan gebildet hatten. Jeder konnte sich ausmalen, zu welchen
Spannungen es in dieser dicht bevölkerten Region kommen musste, in der
sich nationale mit religiösen Konflikten
mischten.
Nach der Erholung von diesem Geschichtsunterricht beim Mittagessen,
hielt Pia Kohorst, Referentin des Grünen Fraktionsvorstandes in der Hamburger Bürgerschaft, eine spannende
Präsentation. Sie verdeutlichte, welcher Staat mit welchen Verbündeten in
den Kosovo Krieg zog, ohne dass es
dafür ein Uno-Mandat gab. Sie erzählte, dass im Sicherheitsrat Russland die
Partei Serbiens ergriff und die Position
Chinas fraglich war. Pia ging auch intensiv auf die Lage im Kosovo zu der Zeit
selbst ein und verschaffte uns einen
Überblick über die Kämpfe zwischen
Serben und Kosovo-AlbanerInnen des
Kosovos. Anschließend bekamen wir
die Gelegenheit, mit Marion Keppler,
Ex-Grüne und überzeugte Pazifistin,
und Michael Pelke, Vorsitzender des
Grünen Kreisverbandes HannoverStadt, eine Debatte mit einer deutlichen Pro- und Contra- Haltung zum
Kosovo-Krieg zu führen. Am Abend
brauchten wir etwas zur Erholung unserer Gehirnzellen bei einem Punkkonzert im Jugendzentrum Verden.
I N T E R N
Die Wahrheit ist krass gestorben!
Sonntag
Am Sonntagmorgen - die letzte
Etappe - erzählte Georgia Langhans,
migrationspolitische Sprecherin der
grünen Landtagsfraktion, interessante
Geschichten über ihre persönlichen
Besuche im Kosovo während des Krieges. Nach dem sehr zufrieden stellenden Feedback reisten wir alle sehr gut
informiert, aber einigermaßen "abgekämpft" wieder nach Hause.
Clara Beck, 20 Jahre, ist Schülerin und
engagiert sich in der
GJ Bremen.
DER I G E L 4 7
21
I N T E R N
SEMINAR
ZUR
KOMMUNALWAHL
Kommunal Politik machen
Der nächste Wahlkampf steht im
September vor der Tür. Es geht
um die Kommune. In einem vom
Landesvorstand
organiserten
Grundlagenseminar wurden vom
13.-15 Januar in Verden die elementaren Informationen zur Wahl
und der kommunalen Struktur erläutert.*
PAUL A HOFFMANN & JOSCHKA KIPSHAGEN
Freitag
Helmut Delle, Kommunalreferent des
Landesverbandes Bündnis 90/Die Grünen Niedersachsen, mit seinem Vortrag zur Kommunalpolitik. Er berichtete, dass er zur Zeit rund 650 MandatsträgerInnen betreut, die Grünen bei
der Kommunalwahl 2001 einen Verlust
von 30% der MandatsträgerInnen erlitten hatten und 84% der Kölner BürgerInnen ihren Bürgermeister nicht
kennen. Anschließend führte er uns in
die Trockenheit der kommunalen
Strukturen ein. Gegen 13 Uhr gab es
zum Mittagessen Kartoffelauflauf, Suppe, Salat und Nachtisch. Es schmeckte
Joschka Milan Kipshagen darüber, wie
der Inhalt eines Readers beschaffen
sein muss, um anderen Menschen die
kommunalen Strukturen näher bringen
zu können. Zum Abendessen gab es
wieder Mal Brot, Käse und echt leckere vegane Aufstriche. Schließlich endete der Abend doch wieder im Seminarraum des Ökozentrums, in dem wir zu
später Stunde die Reste des Mittagessens verspeisten.
Unsere Reise begann um 18:15 Uhr
Sonntag
am Hauptbahnhof von Rastede. Ziel
Zum Frühstück gab es Brot, Müsli,
war das Ökozentrum in Verden. Der
Käse und Aufstriche. Später als geplant
Regionalexpress von Nordeichging es in einer intensiven Brainsmole Richtung Hannover war wietorming-Phase an die Planung eider mal überfüllt, sodass wir basisner landesweiten Kampagne, um
demokratisch beschlossen, die Erdie Ortsgruppen im Kommunalste Klasse abzuschaffen. Gegen 20
wahlkampf zu unterstützen und zu
Uhr erreichten wir unser Ziel, das
begleiten. Die anwesenden AktiviÖkozentrum in der selbständigen
stInnen gingen hochmotiviert und
Gemeinde Verden des Landkreivoller Tatendrang an die Arbeit.
ses Verden. Dort trafen wir auf 13
Zum Mittagessen gab es wieder
andere AktivistInnen der GRÜgutes nährreiches Essen, das wir
NEN JUGEND Niedersachsen.
sehr genossen. Nach dem Essen
Wir gesellten uns zu ihnen und
ging es schwerpunktmäßig mit der
nahmen Speis und Trank, besteFindung eines Kampagnen-Slogans
hend aus dreierlei Brot und Käse Lukas Batrucht (rechts im Bild) erzählt wie die EU- weiter und wir einigten uns auf:
zu uns. Da sich nicht alle kannten, Kommission durch sein Engagement die Bundesrepu- "Wie willst du leben? Mach dir deiversammelten wir uns im Semi- blik Deutschland verklagt hat.
ne Stadt!" Wir waren froh, endlich
narraum und machten eine der leetwas gefunden zu haben. Zu gugendären Vorstellungsrunden. Anter Letzt wurden Imke Blendermann
schließend stellte das Landesvorstandunheimlich gut und frischte unsere Geaus Lilienthal und Andreas Doser aus
mitglied Sascha Reckermann uns das
hirnzellen auf. Im Anschluss daran erBuchholz für das KoordinatorInnenProgramm der nächsten zwei Tage vor.
läuterte er uns das Wahlsystem der
team der Kampagne gewählt. Gegen
Da in Verden an diesem Freitagabend
Kommunalwahlen. Nachmittags gegen
17 Uhr erreichten wir wieder unsere
nichts los war, amüsierten wir uns bei
15 Uhr kam Lukasz Batrucht, der urGemeinde Rastede.
guter Musik von DJ Alex und Wicküler
sprünglich aus Jever kommt und dort
im Ökozentrum.
von 1996 bis 2001, also 5 Jahre lang,
Paula Hoffmann, 19,
parallel zu seinem Jurastudium in Hanist Auszubildende zur
nover,
im
Rat
war.
Begeistert
erzählte
HeilerziehungspflegeSamstag
Lukasz
uns
von
seinen
Erfahrungen
aus
rin. JoschGegen 9:30 Uhr standen alle auf, da
der Gemeinderatsarbeit und betonte
ka Mium 10:00 Uhr der erste inhaltliche
immer wieder: "Wenn ihr die Chance
lan- Kipshagen, 19,
Block zur Kommunalpolitik beginnen
habt in den Rat zu kommen, dann
studiert ab März Wisollte. Aber wir wissen ja wie das bei
macht das!" Am frühen Abend diskuWi. Beide engagieren
der Grünen Jugend so ist. Nicht wie
tierten wir anhand einer Vorlage von
sich in der GJ Rastede.
geplant, sondern um 10:30 Uhr begann
22
Spätwinter 2006
* Ein Alternativbericht über das Kommunalwahlseminat von Andreas Doser ist
im Internet unter www.gj-nds.de/igel bei der IGEL-Ausgabe 47 zu lesen.
KOMMUNALWAHLKONZEPT
I N T E R N
Wie willst du leben?
Mach dir deine Stadt!
Am 10.9.06 ist Tag der Entscheidung - nachdem sämtliche Parteien ihre Wahlkassen geleert, das
Kreativitätspotenzial - sofern vorhanden - ausgeschöpft haben, die
Städte voller Plakate sind und die
Innenstädte von begeisterten
WahlkämpferInnen und noch mehr
Wahlkampfmaterial
überschwemmt waren, hat mensch ab
16 Jahren die Wahl, wo es denn
nun mit der Kommune hin soll.
Klar, dass die GRÜNE JUGEND
Niedersachsen wieder die motiviertesten
WahlkämpferInnen
stellt, die überzeugendsten und
besten Inhalte vertritt und natürlich die sympathischsten KandidatInnen haben wird.
Basisgruppenvernetzung
jetzt droht die Realisierung!
rig machen, landesweit WählerInnen
anzusprechen. Da sich das teils etwas
schwierig gestalten wird, auf Grund
der individuellen Situation der Basisgruppen, wird der Landesverband versuchen, unterstützend zu arbeiten und
bessere Vernetzungsmöglichkeiten, z.
B. durch eine Mailingliste und das
Wahlkampfteam, zu schaffen. Die bei
jeder Gelegenheit angesprochene "Basisgruppenvernetzung" wird sich im
Wahlkampf konkreter gestalten und
sieht regen Informationsaustausch
über die Mailing-Liste, das Wiki und die
Homepage der GJN, auf der ein eigener Bereich "Kommunalwahl" eingerichtet wird, vor sowie die personelle
und materielle Unterstützung der Basisgruppen untereinander. Das Wahlkampfteam des Landesverbandes soll
scha Reckermann, der schon die Hochtour in Niedersachsen im letzten Sommer koordinierte, im Wahlkampfteam
mitarbeiten.
Schaffen wir 1, 2, viele Seminare!
Aufgabe des Wahlkampfteams wird
es auch sein, Seminare zum Thema zu
veranstalten. Inhalt der Seminare soll,
nachdem die theoretische Seite schon
im ersten Seminar abgehandelt wurde,
vor allem praktische Wahlkampfarbeit
sein, wie erfolgreiche Pressearbeit
oder wie das Layouten von Flyern
funktioniert. Das nächste der voraussichtlich drei Seminare findet vom 10.3
bis 12.3. statt. Der Landesverband
wird zudem unter dem Motto "Wie
willst du Leben? Mach' dir deine Stadt!"
einige landesweite Aktionstage
ausrufen und entsprechendes Material entwerfen. Themen für diese überregionalen Aktionen werden vermutlich ÖPNV (BürgerInnenbusse und Nachtbusse) und
die Förderung von Subkulturen
werden. Da aber nicht nur die
Wahl der Altgrünen vorgesehen
ist, sondern auch Verjüngung der
Räte durch junggrüne Energie,
wird der Landesverband außerdem die KandidatInnen unterstützen und ihnen auf der Homepage
einen Rahmen zur Präsentation
bieten.
Von der Party mit dem Nachtbus direkt nach Hause.
Damit das WahlkämpferInnenherz nicht nur glüht, sondern auch
mit dem nötigen Rüstzeug für den
kommunalen Showdown des
WählerInnenwerbens gewappnet
ist, braucht selbst die GJN eine
Wahlkampfstrategie. Der erste
Schritt zu einem erfolgreichen
Wahlkampf 2006 wurde vom 13.1.
bis 15.1. gemacht. Hier wurden
Ideen und Konzepte ausgetauscht,
die KoordinatorInnen gewählt und
die voraussichtliche Vorgehensweise der GJN besprochen. Einer der
ersten und der wohl entscheidenden
Punkte für die Planung, der festgehalten wurde, ist die Tatsache, dass der
Kommunalwahlkampf in erster Linie
von den Basisgruppen geführt werden
muss, da die Themen in der Regel lokalgebunden sind und es somit schwie-
sich aus vier Personen zusammensetzen - den zwei KoordinatorInnen, Imke Blendermann und mir, Andreas Doser sowie einem Mitglied aus dem amtierenden LaVo und einem aus dem auf
der LMV zu wählenden Vorstand. Für
den jetzigen, "alten" Vorstand wird Sa-
Hasta la mayoría siempre! Immer bis zur Mehrheit!
Andreas Doser, 18,
ist Sprecher der GJ
Buchholz und Wahlkampfkoordinator.
DER I G E L 4 7
23
I N T E R N
GRÜNE JUGEND BREMEN
Alles global, oder was?
Der IGEL expandiert. Ab dieser
Ausgabe wird der Landesverband
GRÜNE JUGEND Bremen im IGEL
jeweils auf zwei Seiten vertreten
sein. Unsere Freundinnen und
Freunde aus Bremen werden über
aktuelle Themen und Aktionen
berichten, über anstehende Termine informieren und den IGEL
durch einen ganz speziellen Blick
aus Bremer Perpektive bereichern. Im Folgenden berichtet Jasper Schulz über das im November
stattgefunde Globalisierungsseminar in Oldenburg und äußert sich
in einem Kommentar kritisch zur
gegenderten Sprache.
2005. In einer Ecke sitzt eine Gruppe
junger Leute und versucht verzweifelt
den Text der Internationalen zu singen.
Warum dies alles? Es war Sonntag und
es lag ein intensives Wochenende hinter ihnen. Was hat diese jungen Dinger,
die noch die Blütezeit ihres Lebens vor
sich haben, dazu veranlasst, so viel Alkohol in sich hineinzuschütten? Ein
Blick auf die vergangenen Tage verschafft Klarheit.
Sie exportierten nur Fisch
Diese Geschichte nahm am Freitag
den 23.November 2005 um 16:34 Uhr
ihren Lauf. Um diese Uhrzeit erschien
ich am Hbf Bremen. Mir fielen einige
Tatort: Kneipe "Blues meets Rock"
böse Blicke zu; das Treffen war um
in Oldenburg. Es ist der 25. November
16:30 Uhr. Vollzählig stiegen wir in unseren überfüllten Zug nach Oldenburg zur Jugendherberge. Einige ergatterten sofort einen Sitzplatz, die
Nächste Termine
anderen mussten stehen. Ich gehörte zu der größeren Gruppe der
28.3. Landesmitgliederverselbstlosen im-stehen-FahrerInnen.
sammlung
Angekommen freuten wir uns schon
auf ein schönes Essen. Als ich bei
15.4. Aktion zum Gründungstag
meinem 5. Stück, der nicht gerade
der WTO
kleinen Pizza angelangt war, kam unser Referent von Attac. Murrend
26.4. Aktion zum 20. Jahrestag
ging ich mit nach oben und das Sevon Tschnerobyl
minar konnte beginnen. Er erzählte
uns allerhand über Kapitalismus und
Wenn ihr Interesse oder F ragen
kritisierte die Privatisierung staathabt, meldet euch bei uns.
licher Dienste. Er führte das Beispiel
0421/3011-100
einer Stromversorgungsfirma an, die
info@gruene-jugend-bremen.de
auch für die Instandhaltung der Strawww.gruene-jugend-bremen.de
.gruene-jugend-bremen.de
www
ßenlaternen zuständig war. Vor der
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Spätwinter 2006
Privatisierung wurden die Lampen nach einer bestimmten Zeit
ausgetauscht, nach der Privatisierung erst dann, wenn sie lange kaputt waren. Auch die Wartung
wurde
drastisch
zurückgeschraubt. Danach gab es eine kleine Diskussion, in der auch das erste Mal das Topthema des Seminars, dank des Einsatzes zweier,
zur Sprache kam: Grundeinkommen. Zum Ausklang des Abends
sollte dann ein Film geguckt werden: Darwins Alptraum oder: Fische für die Welt, Waffen für Afrika.
Wegen technischer Probleme endete
der Film an genau der Stelle, an der es
hieß, dass die Flugzeuge, die angeblich
Waffen nach Afrika bringen sollten, leer
seien. Sie exportierten nur Fisch! Wir
konnten also beruhigt schlafen gehen.
Auch sie erklärte uns die Welt
Am nächsten Morgen kam Karo(-line Linnert), viel zu früh - 10 Uhr- , und
ich sorgte für großes Gelächter, weil
ich noch ziemlich verschlafen und viel
zu spät mit einer knallroten Badehose
in den Seminarraum taperte. Karo erklärte uns die Welt und beschrieb die
Globalisierung, wie alles andere, als eine Übergangserscheinung. Anschließend gab es eine Diskussion, in der
wieder die gleichen zwei Schlauberger
alles daran setzten über das Thema
Grundeinkommen zu reden. Diese Diskussion lies sich für mich nur durch eines aushalten: Coca Cola. Zu meiner
Rettung gab es danach Essen.
Während dieses Essens kam dann
Marie(-luise Beck). Auch sie erklärte
uns die Welt. Nur passte ihre Vorstellung von Kapitalismus und ihre Weltanschauung überhaupt nicht mit der von
Caro überein. Zum Schrecken vieler
hatten unsere zwei wieder einmal
nichts Besseres zu tun als zum Grundeinkommen überzugehen. Marie sagte
uns, dass dies von den Grünen damals
als Bürgergeld gefordert wurde. Nach
der Diskussion mit Marie machten sich
GRÜNE JUGEND BREMEN
Auf
Konfrontationskurs
I N T E R N
Innenstadt pilgerten, um noch einen zu
trinken. Unser Blick fiel sofort auf dieses "Blues meets Rock" (vielleicht lag
das auch daran, dass es nur eine sehr
geringe Auswahl an Lokalitäten gab).
Drinnen wurde beratschlagt, ob denn
eine Biersäule (5 Liter Inhalt) ausgetrunken werden könne, beziehungsweise ob sie sich denn für uns ökonomisch gesehen lohnen
würde. Am Ende hatten wir zwei oder drei
geleert. Es gab noch
mehr zu trinken, deshalb sind diese Zahlen
alle ohne Gewähr. Aber
an soviel konnte ich
mich noch erinnern: Ich
sollte an der Biersäule
strippen. Die Mädchen
waren hartnäckig, aber
ich konnte sie schließlich überzeugen, dass
sich solche Fotos nicht
gut machen würden für
meine
spätere Karriere
Globaliserung bändigen - Widerstand gegen Privatisierunals Bundeskanzler. Das
gen in Frankreich.
sahen sie ein und gaben
sich mit der Ansicht meines gestählten
Waschbrettbauchs zufrieden. Ein paar
sie verschwörerisch in einer Ecke des
Biersäulen später kamen einige auf die
Essenssaals. Ich selbst war in jener Arglorreiche Idee die Internationale zu
beitsgemeinschaft, die sich mit Ge"zelebrieren". Die ersten Versuche warechtigkeit auseinander setzte. Wir beren holprig, und auch die Weiteren wakamen Texte, in denen etwas von Urren trotz ablesen vom Zettel nicht einzustand gefaselt wurde.Die Ergebnisse
mal DSDS reif. Doch sie ließen sich
haben wir dann am nächsten Morgen
durch nichts entmutigen und die liebpräsentiert. Dort erfuhr ich dann auch
lichen Klänge tönten noch lange durch
von einer dritten Arbeitsgruppe, die
die ganze Kneipe als Zeichen unserer
uns erklärte, wie mensch sich als Veruneingeschränkten Solidarität mit den
braucherIn, auf kommunaler, nationa"Verdammten dieser Erde". Wenn da
ler und globaler Ebene ökologisch verkeine Revolution draus wird, weiß ich's
halten kann. Beim Grundeinkommen
auch nicht.
konnte ich gar nicht mehr zuhören,
und entdeckte die Spiele auf dem LapJasper Schulz, 16,
top unseres Sprechers.
Webmaster der GJ
Bremen
verfasste
Die ersten Versuche waren
den
Artikel,
der von
holprig
Kathrin Prange, 19, SpreMeine Unaufmerksamkeit am Sonncherin der GJ Bretagmorgen lässt sich vielleicht dadurch
men
noch einmal
erklären (entschuldigen), dass wir am
überarbeitet wurde.
vorigen Abend gemeinsam in die
die, meiner Meinung nach, überfleißigen SeminarplanerInnen daran Arbeitsgruppen zu bilden. Ich setzte mich in
den gemütlichsten Raum und wartete,
wer kommt. Zum Glück war es nicht
die kleine Gruppe der GrundeinkommlerInnen. Ich hätte sie fast übersehen, denn als ich gerade dabei war,
mir etwas Essbares zu holen, hockten
Vorab:
1. Morddrohungen bitte direkt an
das BKA.
2. Ich bin kein Frauenfeind!
3. Ich gehe nicht zur JU.
Mann kann sich auch anstellen; Frau
aber auch. Müssen denn alle Texte die
je"mensch"d liest auf diese Weise verschändet werden. Nur damit jeder
sieht, dass auch Frauen damit gemeint
sind? Für mich als Normalbürger ist eine Qual solche Texte zu lesen. Ich sehe
zwar ein, dass ein Kompromiss gefunden werden muss, aber so wie es jetzt
ist, überspringe ich diese Passagen am
liebsten. Solche Sachen wie Zimmerleute statt Zimmermänner finde ich
korrekt und bin dafür. Aber wenn so
was kommt wie: einE TerroristIn, dann
bleibe ich an dieser Stelle hängen und
versuche zu entziffern, was gemeint
sein könnte.
Wenn ihr aber nun darauf beharrt, dass
es so bleibt wie es ist, dann möchte ich
einen Antrag stellen:
"Der Artikel "die" soll für die Mehrzahlbildung nicht mehr verwendet werden. Da "die" im direkten Zusammenhang steht mit dem weiblichen Geschlecht, sollte eine Arbeitsgruppe gebildet werden, die einen anderen Artikel (er-)findet und somit ein geschlechtsneutrale Lösung findet."
Gut, dass Tiere nicht reden können!
Jasper Schulz
DER I G E L 4 7
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Spätwinter 2006
BERICHT
DES
LANDESVORSTANDES
I N T E R N
Was macht eigentlich
der Landesvorstand?
Diese Frage stellt sich doch immer
mal wieder der/die ein oder andere. Deshalb wollen wir euch gerne
darüber auf dem laufenden halten,
was der LaVo in letzter Zeit gemacht hat und in nächster Zeit
plant.
sind wichtiger Bestandteil einer guten
Landesverbandsarbeit. Bringt euch ein!
Wenn ihr in eurem Ort eine Aktion
machen und/oder jemanden vom LaVo
einladen wollt, dann sagt uns bescheid
- wir kommen gerne zu euch!
Was hat der Landesvorstand konkret organisiert?
Wie arbeitet der Landesvorstand
überhaupt?
Grundsätzlich treffen wir uns ungefähr einmal im Monat, um Aktionen
und Seminare zu planen, sowie die aktuelle Lage zu besprechen. Auf diesen
sogenannten LaVoSis (Landesvorstandssitzungen) arbeiten wir dann die
Dinge ab, die sich in der Zeit seit der
letzten Sitzung so angesammelt haben.
Natürlich wird auch zwischen den Sitzungen fleißig weitergearbeitet. So
wird im LaVo vieles über E-Mail geregelt, wie zum Beispiel das regelmäßige
Verfassen von Pressemitteilungen.
Vielleicht habt ihr ja auch schon mal eine unserer Pressemitteilungen zu aktuellen Themen gelesen.
So wird die gesamte Öffentlichkeitsarbeit der GJN, wie z.B. die Homepage (www.gj-nds.de) oder die Materialerstellung, größtenteils vom LaVo
übernommen. Das Vertreten der GJN
auf Podiumsdiskussionen oder sonstigen Versammlungen und auch das Einbringen junggrüner Themen und Bedürfnisse bei LDKs, BDKs oder LaVoSis der Alt-Grünen ist eine Aufgabe des
LaVos. So auch das Werben von PatInnen für die GRÜNE JUGEND im Rahmen der bundesweiten PatInnenkampagne.
Weiterhin versuchen wir, Kontakt
zu den Basisgruppen zu halten und diese zu Aktionen zu animieren, sowie aktive Mithilfe anzubieten. Anregungen
und Ideen zu Aktionen und Kampagnen
Wir haben das erste Kommunalwahlseminar in Verden zu den Grundlagen der kommunaler Politik geplant
und erfolgreich durchgeführt. Die neue
Basisgruppenliste ist nun auch fertig.
Sie umfasst die Daten aller AnsprechpartnerInnen der einzelnen Ortsgruppen und soll der besseren Vernetzung
untereinander dienen. Um euch über
den LaVo und die GJN auf dem Laufenden zu halten gibt es über gjninfo@gruene-jugend.de übrigens regelmäßig den "LaVo-Ticker" per mail.
Endlich ist auch die neue Homepage
www.gj-nds.de fertig und online. Sie
wird nun fürsorglich von Pat, Sascha
und Lisa betreut, an die ihr euch bei
Fragen und Anregungen gerne wenden
könnt. Zum Jahresende wurden wir
dann mit einem offenen Brief seitens
der Basis überrascht, der die LaVo-Arbeit des Jahres 2005 kritisch analysiert
hat. Wir haben uns zusammengesetzt
und uns mit den kritischen Punkten
auseinandergesetzt, sodass schließlich
ein Antwortbrief verfasst werden
konnte.
Was plant der Landesvorstand in
Zukunft?
In bereits zwei Landesvorstandssitzungen (LaVoSis) und einer Klausurtagung in Lüneburg und Hannover haben
wir nun einen Rahmen für den Kommunalwahlkampf abgesteckt. Außerdem gibt es nun ein Gerüst für die berühmt berüchtigte "green identity"-
Kampagne, die uns zum Schluss zum
Schreiben eines eigenen Grundsatzprogrammes verhelfen soll. Weiterhin
steht die nächste Landesmitgliederversammlung bevor und die Planungen dafür laufen im vollem Gange. Wir rufen
euch dazu auf, zahlreich zu erscheinen
und euch aufstellen zu lassen. Es wird
nämlich gewählt. Fast der gesamte LaVo und die komplette IGEL-Redaktion
verabschiedet sich, um wieder in die
Basis zu gehen und macht euch den
Weg für diese Ämter frei. Somit seid
ihr dran, mit einem Posten Niedersachsen jung, grün und stachelig mitzugestalten.
Wie erreicht mensch den Landesvorstand???
Die E-Mail-Adressen der Landesvorstandsmitglieder findet ihr auf der
vorletzten Seite dieser IGEL-Ausgabe
und wenn ihr mehr wissen wollt, geht
auf unsere Homepage www.gj-nds.de.
Gerne könnt ihr aber auch in der Landesgeschäftsstelle anrufen (0511 - 126
085 77) und unseren charmant freundliche und kontaktfreudige Landesgeschäftsführerin Friederike ganz lieb
nach der Telefonnummer eines Vorstandsmitgliedes fragen. Sie wird euch
mit Sicherheit weiterhelfen, solange ihr
zu den Geschäftszeiten anruft. E-Mail
ist natürlich am sichersten. So habt ihr
immer die Möglichkeit, euch persönlich beim Landesvorstand über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren
oder konkrete Anfragen zu stellen.
Also, wenn ihr igrendwelche Fragen
oder Probleme habt, meldet euch
beim LaVo und lasst es nicht so weit
kommen, dass eure Ortsgruppe dahinsiecht und sich vielleicht sogar auflöst.
Wir sind für euch da!
Euer LaVo: Theresa, Anna, Pat,
Sascha, Lisa und Melchior
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I N T E R N
BERICHTE
AUS DEN
BASISGRUPPEN
Basisgruppenticker
Wie in jeder Ausgabe präsentiert euch der IGEL an dieser Stelle
jung-grüne Aktivitäten vor Ort. Wenn ihr euren Ort nicht findet,
dann werdet selber aktiv und gründet eine eigene GJ-Basisgruppe.
Ihr seid aktiv und trotzdem nicht im IGEL? Dann sagt uns Bescheid!
de
te
Ras
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Seh
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Wir haben in den letzten Monaten
eng mit den "Alt" Grünen zusammen
die Haushaltspäne unserer Städte besprochen und unsere Ideen mit eingebracht. Im Moment arbeiten wir an
den Planungen des Stadtparkfestes
2006 in Lehrte und an einer Aktion
zum 20 Jahrestag von Tschernobyl.
Wir treffen uns jeden 1. Donnerstag
im Monat.
Kontakt: m.kahl@htp-tel.de
Zur Zeit sind wir damit beschäftigt,
die Grüne Jugend bekannter zu machen, da viele sie gar nicht kennen.
Des Weiteren befassen wir uns mit
dem Thema der "frühkindlichen Erziehung vor Ort" und der im September anstehenden Kommunalwahl.
Am 23. Dezember haben wir einige
Flyer zu dem Thema "Fair Schenken
geht spielend" im Ort verteilt.
Kontakt: gj-rastede@gmx.net
al
Han
Nach dem Wahlkampf hat die GJ
Hannover es in den letzten Monaten
ruhiger angehen lassen. Unter anderem haben wir diese Zeit genutzt die
neu dazugekommenen Mitglieder
einzugliedern und den Vorstand neu
zu wählen.Derart gestärkt starten
wir in das neue Jahr mit einer Bildungsaktion. Zudem bereiten wir
uns intensiv auf den 20. Jahrestag des
Tschernobylunfalls vor.
Kontakt: www.gj-hannover.de
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Lilie
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Pei
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Lün
Die Grüne Jugend Lüneburg war
beim Castor voll am Start. Auch die
McDoof-Aktion, die wir in Hamburg
durchgeführt haben, ging richtig nach
vorne. Wir planen momentan eine
Tschernobyl-Ausstellung im Lüneburger Wasserturm mit zahlreichen anderen Gruppen.
www.gruene-jugend-lueneburg.de.vu
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Spätwinter 2006
Momentan sind wir nur noch 4
Mitglieder. Nach dem gutem Beginn im letzten Jahr klappt hier
nur die Pressearbeit noch sehr
gut. Eines unserer Mitglieder arbeitet im Auftrag der GJ Lilienthal
an einem politischen Jugendprojekt, in dem Mitglieder aus allen
Fraktionen, der Gemeinde und
der Verwaltung arbeiten.
Kontakt: gj-lilienthal@web.de
Die GJ Peine beschäftigt sich neben
der noch immer ausstehenden Aktion
gegen Rechts (neuer Termin: 4.3.) im
Moment mit den Vorbereitungen für
den Kommunalwahlkampf. Am 4.Februar ist die Teilnahme an einem
Workshop des Kreisverbandes geplant.
Zur genaueren Planung des Wahlkampfes in der Region wird die RMV am
9.Februar in Peine unter dem Motto
"Migration/Integration" stehen.
Kontakt: hennings@gmail.de
BERICHTE
Unsere Grüne Jugend hat in letzter
Zeit starken Zulauf erhalten, so dass
wir gut ein halbes Jahr nach unserer
Gründung mit 4 Mitgliedern, mittlerweile auf 16 Mitglieder angewachsen
sind. Im Zuge des Castortransportes
gab es bei uns einen Informationsstand
in der Stadt, der für alternative Energien geworben hat. Außerdem beteiligten wir uns an einem regionalen Aktionstag gegen Ausbeutung bei der
Spielzeugproduktion.
www.gruene-jugend-leer.de.vu
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Die GJBS beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Thema "Verkehr"
und Kommunalpolitik. Im Kampf gegen die letzte Bahnpreiserhöhung
befestigten "Unbekannte AktivistInnen" in einer schwindelerregenden
Aktion ein Plakat am Dach des
Braunschweiger HBF. In der näheren
Zukunft wollen wir den Kommunalwahlkampf weiter inhaltlich vorbereiten, sowie uns mit der Ortsgruppe der linken Jugendorganisation "solid" vernetzen und eine Aktion zum
Jahrestag der Tschernobylkatastrophe durchführen.
Kontakt: www.gj-bs.de
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I N T E R N
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BASISGRUPPEN
AUS DEN
Die GJO hat kurz vor Weihnachten
mit anderen Basisgruppen aus dem
Nordwesten einen regionalen Aktionstag zum Thema "Kinderspielzeug und seine Produktionsbedingungen" durchgeführt. Unter dem
Motto "Fair schenken geht spielend!"
verteilten wir in unseren Innenstädten Info-Material an BürgerInnen.
Am 25. Februar veranstalten wir eine Harz-Wanderung auf den Brokken ("Grüne Jugend auf den Gipfel!"),
wo uns mit FreundInnen der GJ aus
Sachsen-Anhalt treffen. Demnächst
wird auch ein antirassistisches Fußballturnier stattfinden.
Kontakt: www.gruene-oldenburg.de
esh
Die GJ Göttingen will nach längerer
Zeit wieder durchstarten und deswegen wird nun jeden Mittwoch um
20 Uhr wöchentlich in der Geschäftstelle der Grünen unser Treffen statt
finden. Für den Februar ist eine
spannende und medienwirksame
Aktion in der Innenstadt geplant.
Kontakt: gj-goettingen@web.de
Hild
Seit der Gründung letzten Jahres haben
wir uns mit dem Thema "Erneuerbare
Energien" auseinandergesetzt und dazu
auch schon eine gelungene Aktion auf der
Straße gemacht. Jetzt kommt das Thema
"Urwaldrodung" und "Globalisierung".
Kontakt: luisa.hi@web.de
orn
Gifh
Am
Nach der schon traditionellen Kekse-Verteilung in der Fußgängerzone
veranstalteten wir ein Bildungsseminar mit der bildungspolitischen Sprecherin der Landtagsgrünen Ina Korter. Demnächst werden die 10 Jugendlichen auf der Klausurtagung Ende Februar den Kommunalwahlkampf gemeinsam mit den Grünen
vorbereiten.
Kontakt: meister1986@gmx.de
r
ste
Dei
Im Moment beschäftigen wir uns mit
der Jugendarbeit in Barsinghausen.
Außerdem haben wir eine Demonstration gegen die niedersächsische
Bildungspolitik unterstützt, als der
nette Herr Wulff unsere Stadt besucht hat.
Kontakt: Lenam86@aol.com
t
taa
rds
No
Der Revolutionäre Rat Grüne Jugend Hannover-Nordstaat hat nun
mit Ria, Dennis, Pat und Sven vier todesmutige StraßenkämperInnen und
dazu unzählige, die Nordstadt verehrende SympathisantInnen. Vorläufige
Hymne ist die Internationale bis ein
gebührendes Lobeslied auf die einmalige Größe und Schönheit der
Nordstadt gedichtet wurde. Der
RRGJHN hat fünf Ziele aufgestellt für
die er mit allen Mittel eintritt: Legalisierung aller Drogen, Abschaffung aller Armeen, nur faire-bio Produkte in
der Nordstadt, Abschaffung aller
kohlenwasserstoffbetriebenen
Autos, Übernahme von Linden. Geplant ist dazu u.a. eine Straßenaktion
für den Verzehr ökologische Produkte. Zum Schluß: Nieder mit Linden!
Kontakt: sven1985@web.de
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I N T E R N
ADRESSEN & TERMINE
Service machen
wir mit links!
Hier habt Ihr E-Mail-Adressen und Telefonnummern von AnsprechpartnerInnen der
GRÜNEN JUGEND Niedersachsen (GJN):
Landesgeschäftsstelle
Odeonstraße 4
30159 Hannover
Tel: (05 11) 126 085 77
Fax: (05 11) 126 085 70
E-Mail: gjn@gruene-niedersachsen.de
Internetadresse: http://www.gj-nds.de
Bankverb.: Bank für Sozialwirtschaft
Konto: 84 31 500, BLZ: 251 205 10
Geschäftsführung:
Friedericke Kämpfe
Landesvorstand
Melchior Schmidt
melchior.Schmidt@gj-nds.de
Langenhagen
Sascha Reckermann
sascha.reckermann@gj-nds.de
Lüneburg
IGEL-Redaktion
Sven-Christian Kindler (Koordinator)
sven-christian.kindler@gj-nds.de
Hannover-Nordstadt
Sarah Zietz (Koordinatorin)
sarah.zietz@gj-nds.de
Hannover
Jenny Rentsch
jenny.renzsch@gj-nds.de
Lüneburg
Thomas Meister
meister1986@gmx.de
Gifhorn
Landesschiedsgericht
Helge Limburg (Vorstitzender)
Helge.Limburg@web.de
Anna Osterhus
anna.osterhus@gj-nds.de
Göttingen
BA-Deligierte
Sven-Christian Kindler
sven-christian.kindler@gj-nds.de
Hannover-Nordstadt
Theresa Twickler (Schatzmeisterin)
theresa.twickler@gj-nds.de
Hildesheim
Anna Osterhus
anna.osterhus@gj-nds.de
Göttingen
Lisa Neuberg
lisa.neuberg@gj-nds.de
Lüneburg
Junge Grüne bei Bündnis 90/Die
Grünen Niedersachsen
Filiz Polat (stellv. Landesvorstitzende)
polat@gruene-niedersachsen.de
Brahmsche
Wichtige Termine, die bei Junggrüns und Altgrüns bald anstehen:
GRÜNE JUGEND
18.-19.02.2006 Erstes Green Identity- Seminar mit Verfassen der Präambel für das GJN-Grundsatzprogramm
25.02.2006 Die GJ Oldenburg erklimmt mit jungen Wanderern aus ganz
Niedersachen den höchsten Gipfel im
Land, den Brocken.
09.-12.03.2006 General Assembly
der FYEG in Poznan in Polen.
10.-11.03.2006 Voraussichtlich zweites Kommunalwahlseminar
12.03.2006 Landesvorstandssitzung in
der LGS in Hannover
19.03.2006 2. Green Identity Seminar
in Lüneburg
17.-19.03.2005 Landesmitgliederversammlung der GJN in Oldenburg
26.04.2006 Landesweiter Aktiontag
zum 20.Jahrestag des Reaktorunglücks
von Tschernobyl
05.05.2006 Ultra krass fette Party der
GJ Hannover im Bei Chez Heinz.
05.-07.05.2006 Kommunikationsseminar zum Geschlechterverhalten
12.-14.05.2006 26. Bundeskongress
der GRÜNEN JUGEND in einer ostdeutschen Stadt
Bündnis 90/Die Grünen
18.03.2006
Kommunalpolitischer
Kongress der niedersächsischen Grünen in Lüneburg
Stiftung Leben und Umwelt
Pat Drenske
patrick.drenske@gj-nds.de
Hannover-Nordstadt
Mitglied im Bundesvorstand
Stephan Schilling (Sprecher)
ste.schilling@gmx.de
Berlin
30
Spätwinter 2006
GRÜNE JUGEND Bremen
info@gruene-jugend-bremen.de
www.gruene-jugend-bremen.de
Adressänderungen mailt bitte an die
Landesgeschäftsstelle (s. oben)!
03.03.2006 Tagung in Hannover zum
Thema Privatisierung öffentlicher
Dienstleistungen.
Weitere Informationen und Kontaktad
ressen, auch von GRÜNE JUGENDGruppen in Eurer Nähe, bekommt Ihr
in der Landesgeschäftsstelle oder im
Internet:
www.gj-nds.de (Niedersachsen)
www.gruene-jugend.de (Bundesverb.)
EINLADUNGEN
UND
IMPRESSUM
I N T E R N
Landeskongress der GJN vom 24. bis zum 26.März 2006 in Oldenburg
Hiermit laden wir Euch recht herzlich zum nächsten Landeskongress ein. Diesmal werden wir uns mit zwei Themen beschäftigen: zum einen mit Kommunalpolitik - schließlich finden am 10. September in Niedersachsen Kommunalwahlen statt
- und zum anderen mit Konsum. Dazu wird es Workshops geben - unter anderem zur LIDL-Kampagne und zu den Auswirkungen des Demographischen Wandels auf Kommunen -, wir werden eine KonsuMensch-Stadtführung von JANUN mitmachen, die Schreibwerkstatt der IGEL-Redaktion wird einen KongressIGEL erstellen, es wird ein Neumitgliedertreffen geben,
spannende Diskussionen, fröhliche Feste und lustige Begegnungen.
In diesem Rahmen wird auch die Landesmitgliederversammlung der GJN stattfinden, bei der unter anderem ein neuer Landesvorstand und eine neue IGEL-Redaktion gewählt werden, dazu kommen noch Wahlen für weitere Gremien der GJN.
Darüberhinaus wird es Leitanträge zu Konsum und Kommunalpolitik geben. Nähere Informationen findet Ihr im Kongressreader, der Euch zwei Wochen vor der LMV zugesandt wird. Wer möchte, dass seine/ihre Bewerbung für den Landesvorstand oder den IGEL oder auch ein Antrag mitverschickt wird, sendet diese bis spätestens 8.3.2006. an buero@gj-nds.de.
Dort könnt Ihr Euch auch schon anmelden. Wir sehen uns in Oldenburg - bis dann! Euer Landesvorstand
Ablauf des Landeskongress:
Freitag
Anreise bis 17.00
18.00 Abendessen
19.00 Begrüßung
20.00 Erste Treffen
21.00 Film
Samstag
08.30 Frühstück
09.30 KonsuMenschStadtführung durch
Oldenburg
11.30 Neumitgliedertreffen
12.30 Mittagessen
14.00 Arbeit in den
Workshops
17.30 Plenum
18.00 Abendessen
19.00 Weitere Treffen
20.00 Vorstellung des
Es geht um Grundsätze
Erstes Green Identity Seminar mit Verfassen der
Präambel von 18. bis 19. Februar in der LGS in Hannov
Ziel der Green Identity Kampagne ist es, ein Grundsatzprogramm
für die GJN zu schreiben. An diesen beiden Tagen werden wir über
den Ablauf der Kampagne und die “grundsätzliche” Zielrichtung
diskutieren und die Präambel verfassen. Am Samstag ist ein moderierter Einstieg zu den verschiedenen Themen (Ökologie, Frauen,
Außenpolitik,..) mit Diskussion geplant. Anschließend gibt es eine
Festivität mit den „alten Hasen“ der GJN und geladenen Alt-Grüns.
Der Sonntag ist als gemeinsame Schreibwerkstatt vorgesehen.
Impressum
Herausgeberin
GRÜNE JUGEND Niedersachsen
Odeonstraße 4
30159 Hannover
Fon: (0511) 126 085 77
Fax: (0511) 126 085 70
E-Mail: info@gj-nds.de
Web: www.gj-nds.de
Bank für Sozialwirtschaft
Konto: 84 31 500
BLZ: 251 205 10
Leitantrags und Debatte
22.00 Party
12.30 Mittagessen
Ende gegen 15.00
Sonntag
08.30 Frühstück
09.30 Beginn der MV
Hinweise zur Teilnahme an Seminaren und
der Mitgliederversammlung:
Meldet euch möglichst bald in der Landesgeschäftsstelle für die Veranstaltungen an! Die Teilnahmegebühr wird 15 Euro betragen und auf der
Veranstaltung eingesammelt. Bahnkosten werden
bis zu 50% des Normaltarifs (BahnCard 50 Preis)
erstattet, Gruppentickets & ÖPNV ganz. Benzinkosten nur auf begründeten Antrag! Kostenanträge werden verteilt.
Ideen für Seminare und Kongress werden immer
gerne vom Landesvorstand entgegen genommen!
Redaktion
Sven-Christian Kindler, Thomas Meister, Sarah Zietz, Jenny Renzsch
Layout: Sven-Christian Kindler
Mitarbeit
Ria-Valentina Vorbeck, Janko Marklein,
Jan Philipp Albrecht, Marcus Blumtritt,
Alexander Gilly, Ole Hilbrich, Jasper
Schulz, Annelen Meyer, Helge Limburg, Josefine Paul, Franziska Harth,
Kea Müttel, Paula Riester, Clara Beck,
Paula Hoffmann, Joschka Milan-Kipshagen, Andreas Doser, Kathrin Prange,
Theresa Twickler,
Titelbild: Alexander Schwanitz
Auflage: 700 Stück
Druck: Akzent Druck Hannover
Anmerkung: Namentlich gekennzeichnete Artikel, besonders in den
Meinungsseiten, geben nicht unbedingt
die Meinung der Redaktion wieder. Für
den restlichen Inhalt dieser IGEL-Ausgabe ist nur die Redaktion verantwortlich.
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Kategorie
Seele and Geist
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