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1 Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und

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Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und Sex an Bord wissen müssen.
Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und Sex an Bord wissen müssen. Ein
praxisbezogener Leitfaden für Törn-Neulinge
VON GOTTFRIED PAURNFEIND
Niemals vergesse
ich das Schicksal jenes
bedauernswerten Mannes, da, vor Jahren mit
uns an einem Yachtrevue-Testörn teilnahm.
Unbelastet von jeglichen Segelkenntnissen
ging er frohen Mutes an
Bord da, 44-Fuß-Yacht.
Wir hatten, ihn, so
dachten wir, umfassend
instruiert, alle möglichen Handgriffe erklärt
- und doch eine entscheidende Information
vergessen. Denn nach
da, ersten Böe und darauffolgenden Krängung
der Yacht rechnete der
Gute allen Ernstes damit, daß das Schiff bei
der nächsten Böe umfallen würde. Er stand
Todesängste aus, zusätzlich geschürt durch
launige Bemerkungen
unsererseits, wagte aber
nicht, sich jemandem
anzuvertrauen. Unsere
gute Stimmung maß er
sich wohl mit dem Ga lgenhumor da, Todgeweihten erklärt haben.
Landschaftliche Schönheit und seglerischer
Genuß waren von seinen Saltomortale-Phantasien überschattet, ehe er am
vorletzten Tag grundlegend über das sichere
Stehaufmännchen-Prinzip einer
Kielyacht aufgeklärt
wurde.
So absurd die Begebenheit klingen mag,
sie hat sich tatsächlich
so zugetragen. Sie beweist auf eindrucksvolle Weise, über welche Hürden Segel-Neulinge stolpern
können. Wir haben
deshalb eine Art Info-Katalog für
Törn-Einsteiger, zusammengestellt, in dem
alle wichtigen Bereiche
abgeklopft werden Tips und Tricks inklusive. Er richtet sich
primär an jene, die zum
ersten Mal ihre, Urlaub
auf See verbringen
möchten, und soll helfen,
vorhandene
Unsicherheit
en und
Zweifel
zu beseitigen.
Vie lleicht
finden
aber
auch
erfahrene Seebären
den
einen oder anderen
wertvollen Hinweis in
unserem Leitfaden.
Grundlagenprüfung: Womit, wann
und wo mitsegeln?
Bareboat oder
Kojencharter?
Beim Chartern unterscheidet man zwei
Möglichkeiten: Eine
Crew mietet eine ko mplette Yacht und der
Skipper (=Kapitän)
stammt aus den eigenen
Reihen oder wird vom
Veranstalter (gegen zusätzliche Gebühr) gestellt. Diese Variante
wird als Bareboat-Charter bezeichnet.
Vorteil: Man kennt die
Mitsegler und weiß,
was einen erwartet (was
allerdings nicht immer
ein Vorteil ist).
Beim Kojencharter
reserviert eine Einzelperson (oder kleine
Gruppe) Plätze
(=Kojen) auf einer Yacht. Die Schiffsführung obliegt dem Veranstalter, der den Skipper stellt, den Rest der
Crew zusammenstellt
(12 m) zu, wenn die
Crew nur aus sechs
Personen besteht. Auch
wenn der Neuling zwischen 33 und 40Fuß
keinen großen Unterschied erkennt, so ist
dieser doch gewaltig.
„Größere" Yachten
(gemeint ist 40 Fuß)
und im wesentlichen
da, Törnablauf bestimmt. Nachteil: Mitspracherecht meist beschränkt, große Abhängigkeit vom Rest der
Crew und vom Skipper.
Vorteil: unkompliziertes "Mitfahren".
bieten nicht nur mehr
Komfort, sie sind im
Seegang magenfreundlicher, vertragen mehr
Wind und erlauben das
Zurücklegen größerer
Distanzen. Nicht vergessen darf man alle rdings, daß sie mehr
Kraft zur Bedienung
benötigen, die Manöver
mühsamer sind und
man in Häfen schwerer
einen Platz findet Last
bat not least fallen höhere Chartergebühren
an.
Die ideale
Schiffsgröße: Nicht
zu klein!
Als Neuling ist man
die beengten Platzverhältnisse an Bord einer
Yacht und da, damit
verbundenen Mangel an
Intimität nicht gewöhnt.
Deshalb sollte man zu mindest beim ersten
Ton, darauf schauen,
daß die Yacht groß genug ist. Zu acht auf einem Zehnmeter-Schiff
(33 Fuß) ist kein Honiglecken, relativ ko mfortabel es beispielsweise aber schon auf
einem 40-Fuß-Schiff
Revier und Jahreszeiten Nicht im
Winter!
Ein wichtiges Kriterium für das Gelingen
des ersten Törns ist die
Wahl des geeigneten
Reviers und der Jahreszeit Hier kann man
schon im Vorfeld die
Weichen richtig stellen,
allerdings muß man
1
Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und Sex an Bord wissen müssen.
sich bei diesbezüglichen
Informationen dem Rat
erfahrener Personen
anvertrauen. Als Beispiele für geeignete "Anfängerreviere" seien an
dieser Stelle die kroatische Seite der Adria oder
die türkische Südküste,
etwa im Bereich des
Golfs von Fethiye, genannt Hier herrschen eher
leichtere Winde vor
und es gibt genügend
sichere Buchten und
Häfen. Vor Überraschungen (Sommergewitter) ist man alle rdings nirgends gefeit,
und die Empfehlung
gilt natürlich nur für da,
Sommer. Im Winterhalbjahr ist der gesamte
Mittelmeerraum für
Anfängertörns ungeeignet (und nicht nur
für Anfänger). Die Ägäis ist hingegen gerade
im Sommer für Einsteiger weniger geeignet,
weil der Schönwetterwind Meltemi des öfteren Sturmstärke erreicht, kam jedoch in
Vor- und Nachsaison
durchaus anfängertauglich sein. Ziemlich ungeeignet für Anfängertörns sind Reviere wie
die Nordsee oder Atlantik.
Tages- oder
Nachttörns: Hier
scheiden sich die
Geister
Vorsicht ist die
Mutter der Porzellankiste, und darum prüfe,
wer sich auch nur auf
Zeit bindet. Manche
Crews haben den Hang,
Tag und Nacht zu segeln (Thema „Meilen
schinden"), wovor Anfänger nicht eindrücklich genug gewarnt
werden können. Eine
Nachtfahrt wird von
vielen Leuten meist als
rechte Hetz betrachtet,
HANNELORE CONRAD,
WIM Yachting, auf allen Yachten zu Hause „Typische
Fehler? Wasser rinnen Lassen bis zum Sanktnimmerleinstag, Sonnen&( auf Reling und Wanten - letzteres
Übrigens mein größter Horror in meinen Skipperjahren. Fender so anbinden, daß sie bei nächster Gelegenheit runterfallen, die Muring au/ der falschen Seite
vorbeiziehen wollen, Luken nicht schließen. Das alles
passiert laufend."
was sie aber ganz und
gar nicht ist. Zu leicht
kann aus dem lustigen
In-die-Nacht-Segeln
bitterer Ernst werden.
Etwa wenn das Wetter
umschlägt und sich
Seekrankheit und Übermüdung breitmachen, In diesem Zusammenhang maß auch
vor Alkohol in Verbindung mit Nachtfahrten
gewarnt werden. Was
zuerst feuchtfröhlich
aufputscht, macht
nachher doppelt müde.
Segelkenntnisse:
Man muß kein Raudaschl sein
Wichtig für die
Harmonie an Bord ist die
Frage, ob und weiche
Segelkenntnisse der Skipper von seinen Neulingen
verlangt Es ist also sehr
vernünftig, sich vor dem
„Anheuern" diesbezüglich
zu informieren. Was verlangt wird, ist breit gefächert und reicht vom passiven (nur mitzahlenden)
Urlaubsgast über den
Schiffsjungen oder Bordkoch zum verantwortungsvollen Crewmitglied
(„Ankerknecht") oder den
Zahlmeister (siehe „Bord kassa") bis zum Wachführer. Wichtig ist, daß man
seine Fähigkeiten bekannt
gibt, den Willen bekundet,
dies oder jenes zutun, und
sich mit dem Skipper
abspricht. Nichts ist
schlimmer, als mit falschen Vorstellungen auf
eine Yacht zu kommen,
um dann maßlos ent-
täuscht zu sein, wenn es
ums Einkaufen oder
Abwaschen geht!
Heißes Eisen Sicherheit
Viel zuwenig beachtet:
Sicherheit
Die Pflicht des
Skippers gebietet ihm,
sich um die Sicherheit
der Crew zu kümmern,
wofür er letztlich auch
die Verantwortung
trägt. Er muß sich beispielsweise vergewissern, daß es en Bord
genügend Rettungswesten und Lifebelts
gibt, die Crew entsprechend eingewiesen und
die Dinge auch (recht-
zeitig) benutzt werden.
Trotzdem sollte man
sich als Charterneuling
aktiv für Sicherheitsbelange interessieren
und sich im Sinne des
eigenen Wohls alle relevanten Sicherheitsvorkehrungen erklären
lassen. In erster Linie
betrifft das die Rettungswesten, die für
jedes Crewmitglied
vorhanden sein, zu
Törnbeginn probiert
und an einem Ort verstaut werden müssen,
an dem sie jeder jederzeit findet. Das gleiche
gilt für den Lifebelt, ein
Sicherheitsgurt, der bei
schwerem Wetter, in
der Nacht oder bei
niedrigen Wassertemperaturen (!) im Cockpit oder bei Arbeiten
am Vorschiff getragen
wird und das Crewmitglied vor dem (meist
unterschätzten) Über-Bord-Gehen bewahren soll. In diesem
Zusammenhang sei
2
Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und Sex an Bord wissen müssen.
darauf hingewiesen,
daß die Anschaffung
einer privaten Rettungsweste auch für
interessierte Anfänger
eine lohnende Investition ist. Hier sollte man
keinesfalls sparen und
eine qualitativ hochwertige, vollautomatisch aufblasbare Rettungsweste mit integriertem Lifebelt wählen.
Solche Westen kosten
zwar rund 3.000 Schilling, sind ihr Geld aber
nicht nur im Fall der
Fälle wett. Allein schon
der unvergleichlich
bessere Tragekomfort
gegenüber den auf
Charterschiffen sonst
üblichen, unbequemen
Feststoffrettungswesten
lohnt die Ausgabe.
Das Thema
Mann/Frau über Bord
sollte vor Törnbeginn
ausführlich diskutiert
werden. Jeder Skipper
muß seine Crew instruieren, was in so
einem Fall zu tun ist,
und für Crewmitglieder
besteht hier sogar eine
Holschuld! Im Klartext:
In einer Mann-überBord-Situation ist jeder
wichtig und muß eine
Aufgabe übernehmen.
Lassen Sie sich alle
Hilfsmittel wie Hufe isenboje (Rettungsring),
selbsttätig aktivierende
Blitzleuchte oder
Schwimmleine erklären,
auch wenn der Skipper
von sich aus nicht tätig
wird! Zwei weitere
große Gefahren sind
plötzlicher Wassereinbruch und Feuer. Das
Wissen um Position
und Funktion von Feuerlöschern und Lenzpumpen, mit deren Hilfe man die Yacht auspumpen kann, ist daher
äußerst wichtig. Sicherheitstechnisch relevant sind auch die pyrotechnischen Seenot-
signale und eine funktionstüchtige, ordnungsgemäß gewartete und
auf die Personenanzahl
abgestimmte Rettungsinsel für den (äußerst seltenen) Fall, daß
die Yacht aufgegeben
werden muß. Während
die Seenotsignale wahrscheinlich von den versierten Crewmitgliedern bedient werden, so
sollte auch der Neuling
zumindest wissen, wo
sich die Rettungsinsel
befindet und wie sie
aktiviert wird.
Das Funkgerät - das mit
dem Kanal 16 über einen internationalen
Notrufkanal für den
Seefunk verfügt - und
das Starten des Motors. Auch auf die Gefahr, daß man uns als
Machos bezeichnet:
Letzteres gilt vor allem
für weibliche Crewmitglieder. Mit dem Motor
umzugehen, kann in
Notsituationen wie drohender Kollision oder
bei Mann-über-BordSituationen sehr wichtig sein.
Wissen Ist Macht:
Funken per UKW
Einmal an Bord gibt es
kein Zurück
Zum Thema Sicherheit wurden nur die elementarsten Dinge angeführt, in der Praxis
bedarf es eines umfassenden Wissens, um im
Ernstfall alle Möglich keiten ausschöpfen und
richtig handeln zu kön-
Keine zu großen Erwartungen!
Ein ironischer
Spruch besagt, daß Segeln die teuerste Art ist,
unbequem zu leben. Da
ist zweifellos etwas
Wahres dran. Bei aller
nen. Ein Anfänger kann
jedoch auch in solchen
Fällen mithelfen, wenn
er sich bei Törnbeginn
(oder während der ersten beiden Tage - man
will ja nicht Stunden in
der Marina vertrödeln)
vom Skipper zumindest
noch zwei wichtige
Dinge erklären läßt:
Schönheit und Faszination, die von diesem
Sport ausgeht: Segeln
erfordert Kompromisse
und kann manchmal
wirklich sehr unbequem
sein. Mangelnde Platzverhältnisse schränken
die Lebensweise ein,
man muß den spärlichen Platz mit Mitseg-
lern teilen und lebt deshalb oft „aus der Reisetasche". Gut findet
man sich zurecht, wenn
man es mit der Ordnung nicht so genau
nimmt und die persönlichen Utensilien und
Kleidungsstücke in der
Tasche beläßt. Bei sogenannten "Männertörns" sollen schon die
kuriosesten Geschichten vorgekommen sein;
wer hat noch nicht die
Socken seines Kajütnachbarns angehabt?
Weniger gut organisierte Crewmitglieder
vermuten oft tagelang
Diebe an Bord. Das gestohlene Gut taucht
dann meist bei Törnende an unvermuteter
Stelle auf ...
Hinsichtlich der
Hygiene muß man ebenfalls Einschränkungen in Kauf nehmen.
Das Vollbad oder die
tägliche, minutenlange
Dusche kann man sich
aufzeichnen, obwohl
die meisten modernen
Yachten mit einer
Duschmöglichkeit ausgestattet sind. Da Wasser nur sehr begrenzt
vorhanden ist, wird einem dieses Vergnügen
vom Skipper nur sehr
3
Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und Sex an Bord wissen müssen.
selten und dann auch
nur kurz gegönnt. Das
alles bedeutet vor allem
bei Sommertörns - keine Katastrophe. Der
Skipper wird täglich
zumindest einen „Badestop" einschieben,
bei dem nach Herzenslust im Meer geplanscht
werden darf. Man erkennt übrigens an dieser Diktion, daß man an
Bord nicht alles tun
darf, was man gerne
möchte!
"Reinlichkeitsfanati
ker" verwenden ein
Seewassershampoo, das
in jedem Marineladen
erhältlich ist und in
Verbindung mit Seewasser gut Dienste
leistet. Wenn man sich
anschließend mit einem
Handtuch gut abtrocknet, bleibt auf der Haut
auch ohne Duschen
kaum Salz zurück. Es
ist zwar angenehm, sich
nach dem Baden kurz
mit Süßwasser zu duschen, wofür es an
Bord vieler Yachten eine sogenannte Cockpitdusche -meist an der
Badeplattform am Heck
- gibt, allerdings: Das
Benützen der Cockpitdusche ist eine Frage
der Disziplin und Kameradschaft und sollte -
um Anfeindungen vorzubeugen - mit den anderen Crewmitgliedern
abgesprochen werden.
Warum? Wenn acht
Mann/Frau nach jedem
Schwimmausflug duschen, kann sich das
mit dem Wasser im auf
Charteryachten eher
kleinen Tank nicht ausgehen!
Strom und Wasser sparen
Was für Wasser gilt,
gilt in hohem Maß auch
für Strom. Beides ist an
Bord zwar vorhanden,
man muß damit aber
gut haushalten. Während des Zähneputzens
den Hahn abzudrehen,
ist deshalb eine Conditio sine qua non. Ein
irrtümlich in der Kabine oder im WC brennendes Licht kann unter
Umständen dazu führen, daß am nächsten
Morgen der Motor
nicht mehr anspringt
und die Gesichter lang
und länger werden.
Eine Frage der vorhandenen Energie ist
auch die Verwendung
des Kühlschranks.
Technisch ist es heute
durchaus möglich, einen Eiskasten an Bord
einer Segelyacht
Tag und
HELMUT SCHINAGL,
Nacht zu
CSl Yachtcharter langjährige Skippervergangenheit
betreiben.
Die Praxis
„Fehler von Charterneulingen? Sie ziesieht jehen bei hartem Wetter keine Schuhe an,
doch
verweigern den Lifebelt, hören nicht auf
meist andie Sicherheitsempfehlungen des Skipders aus,
pers, und manche wollen bereits tagsüber
weil
bei Gluthitze zurief Alkohol trinken!
CharterViele sind 5-Stern-Standard gewöhnt und
yachten
vom spartanischen Leben an Bord überrascht, ärgern sich, daß man am WC
nicht so
pumpen muß und die Yacht manchmal
perfekt
schief liegt.
ausgerüsViele grenzen sich ab, weil sie nicht
tet sind
Hand anlegen wollen und werden damit
und man
zu Spaßverderbern, für sich und den Rest
deshalb
der Crew."
nicht im-
WERNER SPONGER,
Segelschule
Hofbauer, Langzeit-Profiskipper
„Neulinge sind erfinderisch: Küchenrolle oder
Hakle feucht in der Toilette Ist der Tod jeder
Klo-Pumpe! Weitere Fehler: Bauhaus Ölzeug (in
der ersten Welle bis auf die Haut naß) und Gartenstiefel mit harter Vibramsohle statt Messerschnitt,
weil man diese Ja auch zu Hause verwenden
möchte: Glatteis an Deck!
Anfänger kriechen lieber in Lee unten durch, statt
In Luv bequem und hoch oben nach vorne zugehen, unterschätzen die Verletzungsgefahr, fahren
trotz Instruktion Schoten aus der Hand und halten
Leinen zu dicht an der Klemme, wenn sie diese
öffnen. Die meisten erkennen Gefahren nicht,
halten sich am kardanischen Herd an (worauf sich
manchmal kochendes Wasser über sie ergießt) und
stürzen mit schöner Regelmäßigkeit vornüber den
Niedergang hinunter."
mer eisgekühlte Getränke erwarten darf.
Den hohen Getränkeumsatz einer mehrköpfigen Crew im heißen
Süden kann ein kleiner
Bordeiskasten niemals
bewältigen. Der Raum
muß für verderbliche
Lebensmittel reserviert
bleiben.
Kojen Bettwäsche und
die Intimsphäre
Auf einer Yacht gibt
es Doppel- oder Ein zelkojen, die entweder
in separaten Kabinen
oder im offenen Salon
untergebracht sind.
Vor- und Nachteile sind
unterschiedlich. Im
Salon schläft man exponiert, sozusagen
mitten im Schiff, und
ist vor Störungen nicht
gefeit. Man wacht
wahrscheinlich auf,
wenn ein besoffenes
Crewmitglied nächtens
auf die Toilette torkelt
oder hört bei Nachtfahrten die Cockpitgespräche mit. Aber der
Salon bietet weit mehr
Luft und Licht als die
Achter- oder Vorschiffskabinen, die
viele als extrem klein
empfinden - obwohl sie
nach Yachtmaßstäben
durchaus als komfortabel gelten.
Für Singles sind die
knapp dimensionierten
Einzelkojen im Salon
jedenfalls sicher die
bessere Wahl, als sich
mit Fremden in eine
Doppelkoje zwängen zu
müssen. Ob Schnarcher
an Bord sind, weiß man
übrigens unabhängig
davon, wo man logiert:
Die Wände sind auf
Schiffen ziemlich dünn
und die Türen nicht
schalldicht. Sex an
Bord ist daher kein
Thema, den kann man
sich abschminken. Abgesehen von der akustischen Problematik werden rhythmische Bewegungen auf den
Schiffskörper und das
Rigg übertragen: Die
Crew eines in der Nacht
schaukelnden Schiffes
ist am nächsten Morgen
mit Sicherheit eindeutigen Andeutungen ausgesetzt.
Bettwäsche ist auf
Charteryachten normalerweise im Service
enthalten. Diesen Punkt
sollte man jedoch un4
Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und Sex an Bord wissen müssen.
bedingt vorher klären
oder eventuell mit zwei
Leintüchern vorsorgen.
Bekleidung: Was man
braucht, und was man
auf keinen fall mitnehmen darf
Die Bekleidung
richtet sich in erster Linie nach dem Revier
und der Jahreszeit. Bei
einem Sommertörn
reicht neben T-Shirts
und Shorts ein leichter,
aber qualitativ hochwertiger Segelanzug
(wasserdicht!); Zwe iteller sind weit zweckmäßiger als Einteiler.
Man kann besser kombinieren und den Oberteil auch als Ausgeh-Jacke verwenden.
(Overalls eignen sich
besser fürs körperorientierte und spritzwasseranfällige Jollensegeln).
Führt der Törn in
kühlere oder windigere
Reviere, gehört warme
Unterwäsche her, am
besten aus atmungsaktiven Materialien (die
man auch in anderen
Sportarten einsetzen
kann). Wer sich keinen
schweren und daher
teuren Zweiteiler leisten will, maß aufs
Schichtsystem (dicke
Pullis unter leichtem
Zweiteiler) oder auf einen günstigen Seeparka
(dicker Anorak) zurückgreifen.
Beim Schuhwerk
sind normale Sportschuhe die Minimume rfordernis, Stiefel (keine
grobstollige Sohle!) gehören eigentlich auch in
jeden Seesack. Problematisch wird es bei tiefen Temperaturen, weil
man in Gummistiefeln
erbärmlich friert. Insider tragen Lederstiefel oder haben die
Gummistiefel so groß
gewählt, daß mehrere
Sockenlagen hineinpassen.
Koffer sind an Bord
aus Platzgründen streng
verboten. Seine sieben
Sachen packt man am
besten in eine weiche
(Segel-)Tasche oder einen Troßsack. Diese
praktischen Gepäckstücke bekommt man
günstig in jedem Segelzubehör-Shop. Es versteht sich daher von
selbst, daß ein frisch
gebügeltes Abendkleid
bei einem Törn eher
fehl am Platze ist,
wenngleich wir auch
das schon erlebt haben
...
Angstfaktor Toilette
Verstopfte Bordtoiletten haben schon viele
Gemüter bewegt und
waren am Mißlingen
mancher Törns beteiligt. Doch keine Angst,
die Sache ist in Wirklichkeit ganz einfach,
bedarf allerdings einer
entsprechenden Einweisung. Es ist die
Aufgabe erfahrener
Mitsegler, Neulinge in
die „Geheimnisse" einer Seetoilette einzu weihen. Anders als zu
Hause erfolgt die Spülung nicht durch
Frischwasser, das von
oben kommt, sondern
durch Seewasser, das
mittels einer Handpumpe durchs WC befördert
werden muß, Dieser im
Grunde einfache Vo rgang maß lediglich
sorgfältig und nach einem gewissen Schema
durchgeführt werden.
Er funktioniert dann
reibungslos. Aber wehe,
wenn man Fehler macht
oder Sachen ins Klo
wirft, die nicht dorthin
gehören! Was die Toilette zu Hause mühelos
verträgt, kann an Bord
einer
Yacht
zum
Drama
werden. In
den
relativ
dünnen
Querschnitt
en von
Abwasserschl
HEINZ AMBROSI,
Ambrosi Yachtreisen und Charter, steht
mitten im Skipperleben
„Weit Ist der Weg: Viele Beginners rechnen
völlig unrealistisch Tagesetappen nach dem
Schema so Stunden mal 6 Meilen aus und
wollen bei Jedem Wetter fahren was man
ihnen erst durch Auslaufen ausreden muß,
um danach gleich wieder einlaufen zu dürfen.
oft wird auch nicht ernsthaft genug akzeptiert, daß der Skipper hohe Verantwortung
trägt, speziell In Notsituationen. Last but nat
least: Strom und Wasser verbrauchen, als
gäb's kein Morgen ..."
auch, Pumpe oder Seeventil kann alles Mögliche hängenbleiben
und die Anlage verstopfen. Das ist dann ein
Problem der ganzen
Crew, weil niemand
mehr auf diese Toilette
darf und besonders
problematisch, wenn
die Yacht nur eine
Toilette hat. Meist wird
es nur gelöst, wenn sich
Crewmitglieder erbarmen und die Pumpe
zerlegen. Daß dies ke ine besonders dankbare
Aufgabe ist, kann man
sich leicht vorstellen.
Absolutes Tabu sind
übrigens Tampons. Wir
haben einmal stundenlang eine Pumpe ze rlegt, um dann anhand
eines hellblauen Fadens
das Corpus delicti zu identifizieren, worauf
die weiblichen Crewmitglieder einer hochnotpeinlichen Befragung bezüglich ihres
Montaszyklusses unterzogen wurden. Da jedoch nicht eruiert werden konnte, wie lange
der verräterische hellblaue Faden in der
Pumpe verbracht hatte,
maßten die Strafsanktionen aufgehoben werden. Die Stimmung war
dementsprechend.
Angstfaktor Seekrankheit
Das schräge Leben
an Bord von Segelyachten verträgt man
auch als Neuling recht
gut, doch Seegang und
Dünung führen
manchmal zu Seekrankheit. Verstärkt
wird die Anfälligkeit,
wenn üble Gerüche
(Dieselgeruch, Toilettegestank) hinzuko mmen.
Die Seekrankheit ist
ein Schreckgespenst.
Viele haben sich schon
vor Beginn ihres ersten
Törns so intensiv damit
beschäftigt, daß in ihnen die Angst schon
beim Anblick eines
Schiffes emporkriecht worauf sich die Seekrankheit sehr bald einstellt. Die Seekrankheit
spielt sich im wahrsten
Sinne des Wortes im
Kopf ab (Störungen im
Gleichgewichtsorgan),
und es ist besser, sich
nicht zu intensiv damit
zu Geschäftigen, sondern ein paar Vo rsichtsmaßnahmen zu
beherzigen. Entgegen
einer verbreiteten Meinung sollte man beispielsweise vor dem
Auslaufen ordentlich
frühstücken (ein leerer
Magen „rebelliert"
leicht, hat aber dann
nur wenig zu geben ...)
5
Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und Sex an Bord wissen müssen.
und sich besser an als
unter Deck aufhalten.
Bei aufkommenden
Seegang sollte man ruhig einen seefesten
Mitsegler darum bitten,
das eine oder andere zu
holen als selber im aufund abtanzenden Vo rschiff kopfüber in einem Schapp nach Ölzeug oder Rettungsweste zu kramen. Üblicherweise beruhigt der
Blick auf den Horizont
ebenso wie leichte Tätigkeiten, die etwas
Konzentration verlangen (Steuern). Ersten
Symptomen der Seekrankheit kann man
auch hervorragend mit
Musikberieselung aus
dem Kopfhörer (Walkman, unbedingt stereo!)
begegnen, und besonders gut ist es, sich
flach auf eine Bank im
Cockpit oder Salon zu
legen (in der Längsrichtung gesehen mö glichst mittschiffs = geringe Schiffsbewegung).
Ist härteres Wetter
angesagt, kann man
darüber hinaus noch auf
unzählige Medikamente vertrauen. Diese
Mittel (z.B. Stutgeron
Paspertin, Scopolamin-Pflaster, Gewacalm etc.) bekommt
man in jeder Apotheke.
Ihre Wirkung ist am
verläßlichsten, wenn sie
bereits vorbeugend angewendet werden. Es
gibt jedoch auch solche,
die dann noch helfen,
wenn die Seekrankheit
bereits ausgebrochen
ist. Fragen Sie ihren
Arzt oder Apotheker.
Übrigens, fast niemand,
auch der tollste Seebär,
ist gegen Seekrankheit
total immun, unter speziellen Umständen erwischt es jeden.
Und noch etwas:
Jede Seekrankheit -
auch die schlimmste ist nach Erreichen einer
ruhigen Ankerbucht oder eines Hafens wie
weggeblasen. Angesichts der Qualen, unter
denen manche seekranke Menschen leiden,
durchaus tröstlich.
Essen, Trinken und die
verflixte Bordkassa
Das Szenario an
Bord einer Urlaubsyacht kann man sich oberflächlich betrachtet
nach folgenden zwei
Mustern vorstellen:
Partie A segelt gemütliche Tagestörns, macht
mittags einen Stop in
einer Badebucht und .
geht am Abend ordentlich essen (wenn nicht
hie und da in einer stillen Ankerbucht gekocht
wird). Partie B will
Meilen schinden, findet
Ankerbuchten eher fad,
geht nur selten an Land,
kaum einkaufen oder
essen und segelt dafür
lieber nächtelang durch.
Fährt man als Neuling in Partie A, werden
sich Eß- und Trinkgewohnheiten wenig von
jenen bei einem normalen Urlaub unterscheiden: Gutes Frühstück an Bord (wer die
Kochkraft aufbringt:
Ham and Eggs), mittags
einen leichter Imbiß in
der Ankerbucht (beliebte Variante: Tomaten, Paprika, Käse, eventuell harte Wurst,
Weißbrot, Rotwein)
und abends Fisch oder
Fleisch nach Herzenslust (beliebte Variante:
schwarzes Risotto,
dann Scampi Buzara,
zuletzt Marmelade-Palatschinken, dazu
reichlich Wein und
Schnaps) geradezu paradiesisch!
Ist man in die härtere B-Partie gerutscht,
sieht die Sache schon
anders aus, die Ve rpflegung wird wahrscheinlich etwas dürftiger ausfallen, die Nahrungsaufnahme zur eiligen Einnahme von
Snacks oder anderer
fertiger (konservierter)
Nahrungsmittel
degradiert. Es sei
denn, man hat einen
begnadeten Hobbykoch
an Bord, der perfekt
eingekauft hat und dem
es auch noch bei Windstärke acht Spaß macht,
an den Herd gegurtet
dreigängige Menüs auf
den schrägen Tisch zu
zaubern. Solche gibt's,
fraglich bleibt, ob Sie
überhaupt noch etwas
runterbringen ...
Egal, auf welche
Seite des Turnlebens es
Sie verschlagen hat, in
jedem Fall ist die Errichtung einer Bordkasse üblich. Aus ihr werden alle gemeinsamen
Einkäufe, Schiffsgebühren (Hafengebühren, Treibstoff etc.) und
Restaurantbesuche beglichen. Diese Sitte erfordert übrigens ein
gewisses Maß an Toleranz: Wer weniger ißt
und trinkt, ist selber
Schuld, refundiert wird
nämlich meistens
nichts.
6
Was Sie als mitsegelnder Anfänger über Sicherheit, Leben und Sex an Bord wissen müssen.
Checkliste
Was soll in den Seesack (Segeltasche), was darf keinesfalls hinein?
Im folgenden eine kurze Checkliste ohne Bezugnahme auf die Normalkleidung. Man sollte übrigens nicht neueste Designerstücke mitnehmen; eine Yacht ist kein elegantes Restaurant und das Bordschapp
kein blitzblanker Riesenkasten. Weniger ist mehr, aber denken Sie an
Trainingsanzug oder Pullover.
Arbeitshandschuhe
Badesachen
Badeschuhe
Bordschuhe mit weicher Gummisohle
Segterstiefel (revier- und jahreszeitbedingt)
Fotoapparat (spritzwassergeschützt)
Handtücher (2-3)
Handschuhe (z.B. Skihandschuhe, jahreszeitbedingt)
Ohropax
Ölzeug (Zweiteiler) mit Kapuze
Persönliches Logbuch (bei B-Schein-Interesse)
Medikamente (Salben, Pillen etc.)
Präparat gegen Durchfall
Reisepaß
Schlafsack (oder Leintücher; Bedarf klären)
Segler-Messer (kann man immer brauchen)
Seekrankheitsmittel
Seewassershampoo
Sonnenbrille mit Sicherungsband
Sonnenhut
Sonnenschutz
Taschenlampe (klein)
Urlaubskrankenschein
Waschzeug/Hygieneartikel
Zipfelmütze (jahreszeit)
eventuell: persönliche Rettungsweste mit integriertem Lifebelt
VERBOTEN
Koffer
Stöckelschuhe
Bergschuhe
Parfum (penetrant) unter Deck
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