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Arbeitsmedizin: was haben Betriebsärzte ohne Facharzttitel für

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Medizinische Fachgesellschaften
Arbeitsmedizin: was haben Betriebsärzte
ohne Facharzttitel für Zukunftsaussichten?
B. Thorens
Kurzer historischer Abriss
In einem Artikel der Schweizerischen Ärztezeitung von 1998 [1] wurde die Situation der
Arbeitsmedizin in der Schweiz dargestellt, wobei
besonders auf gesetzliche Neuerungen in bezug
auf die Ausübung arbeitsmedizinischer Tätigkeit
eingegangen wurde.
Um die neuen Anforderungen der Verordnung über die Verhütung von Unfällen und
Berufskrankheiten (VUV) von 1996 zu erfüllen,
waren die verschiedenen Unternehmungen in
unserem Lande bis Anfang des Jahres 2000 gehalten, in ihren Betrieben Risikoanalysen durchzuführen. Gemäss der 1996 erfolgten Anpassung
der VUV müssen Betriebe mit «besonderen Gefahren» Arbeitsärzte beiziehen. Die Richtlinie
6508 der EKAS (Eidg. Koordinationskommission
für Arbeitssicherheit) regelt die Modalitäten
dieses «Beizugs von Arbeitsärzten und anderen
Spezialisten der Arbeitssicherheit» (im folgenden als «ASA-Richtlinie» bezeichnet).
Die Umsetzung dieser seit 6 Jahren bestehenden gesetzlichen Vorgaben hat sich verzögert, und
zahlreiche Unternehmungen erfüllen die Anforderungen noch nicht. Immerhin hat die EKAS
schon eine Reihe von «Branchenlösungen» geprüft und anerkannt, in welchen dargelegt wird,
wie die einer solchen Branche angeschlossenen
Betriebe die neuen Anforderungen der VUV umsetzen. In vielen Fällen verlangen diese Branchenlösungen den Beizug von Arbeitsärzten.
Was sind die Konsequenzen
für die Betriebsärzte?
Korrespondenz:
Dr. med. Blaise Thorens
Suva
Avenue de la Gare 19
CH-1011 Lausanne
Die Vollzugsorgane, d. h. die Suva für das Unfallversicherungsgesetz und das seco und die Eidg.
und Kantonalen Arbeitsinspektorate für das
Arbeitsgesetz, haben begonnen, die Umsetzung
der ASA-Richtlinie in den Betrieben zu kontrollieren. Eines der Kontrollkriterien ist, zu überprüfen, ob die von den Betrieben beigezogenen
Ärzte die vorgeschriebene Ausbildung absolviert
haben. Wenn dies nicht der Fall ist, wird der betroffene Betrieb aufgefordert, den bisher für ihn
tätigen Arzt durch einen anderen zu ersetzen, der
die gesetzlichen Anforderungen erfüllt.
Deshalb ist es äusserst wichtig, dass die Ärzte,
die derzeit arbeitsmedizinische Aufgaben in Betrieben wahrnehmen, sich darüber im klaren
sind, über welche Qualifikationen sie verfügen
müssen, um nicht Gefahr zu laufen, ihre betrieblichen Mandate zu verlieren.
Wie werden Betriebe in Gefahrenklassen
eingeteilt?
Die ASA-Richtlinie 6508 der EKAS unterscheidet
3 Kategorien von Betrieben:
1. Betriebe ohne besondere Gefahren:
Für diese Kategorie, in die die meisten Dienstleistungsbetriebe fallen, gibt es keine Verpflichtung, Spezialisten der Arbeitssicherheit
beizuziehen.
2. Betriebe mit besonderen Gefahren in geringem Umfang:
Wie die Umschreibung darlegt, geht es hier
um Betriebe mit mittlerem Gefährdungspotential. Ein Beizug von ASA-Spezialisten
inkl. eines Arbeitsmediziners ist nur obligatorisch in der Phase der Risikoermittlung und
zum Festlegen der zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeitenden nötigen Massnahmen. Unter Umständen wird es ein solcher
Betrieb als nötig erachten, längerfristig die
Dienste eines Arbeitsarzts in Anspruch zu
nehmen.
3. Betriebe mit besonderen Gefahren:
In diese Kategorie fallen Betriebe mit nennenswerter oder erhöhter Gefährdung bezüglich Unfall- und Berufskrankheitsrisiken.
Diese Betriebe müssen qualifizierte Spezialisten der Arbeitssicherheit beiziehen und die
Aufgaben festlegen, die diese zu erfüllen
haben.
Zusammenfassend ergibt sich aus der strikten
Auslegung der EKAS-Richtlinie für Betriebe der
Kategorie 1 keine Verpflichtung zum Beizug
eines Arbeitsarztes. Diejenigen der Kategorie 2
müssen einen solchen mindestens zur Risikoermittlung und zur Festlegung der zu treffenden
Massnahmen beiziehen. Wenn sie dies in bestimmten Fällen als nötig erachten, können sie
die Dienste eines Arbeitsarztes auch längerfristig
Schweizerische Ärztezeitung / Bulletin des médecins suisses / Bollettino dei medici svizzeri •2002;83: Nr 27
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Medizinische Fachgesellschaften
in Anspruch nehmen. Betriebe der Kategorie 3
müssen belegen können, dass sie dauerhaft
durch Spezialisten der Arbeitssicherheit betreut
werden. Dazu gehört namentlich auch ein Arbeitsarzt, der den Anforderungen der Eignungsverordnung (siehe unten) entspricht. Auf eine
solche Betreuung kann nur verzichtet werden,
wenn der Betrieb eindeutig belegt hat, dass ein
solcher Beizug unnötig ist.
Was ist das, ein «Arbeitsarzt»?
Die Definition eines «Arbeitsarztes» findet sich
bisher in der Verordnung über die Eignung von
Spezialistinnen und Spezialisten der Arbeitssicherheit, in Kraft gesetzt 1996 und erarbeitet
durch das Bundesamt für Sozialversicherungen
(BSV). Es gilt als Arbeitsarzt, wer den Titel «Arbeitsarzt» gemäss Verordnung über die Weiterbildung und die Anerkennung der Diplome und
Weiterbildungstitel der medizinischen Berufe
vom 17. Oktober 2001 besitzt.
Die Anforderungen sind die gleichen, die es
derzeit ermöglichen, nach Abschluss einer Weiterbildung von 5 Jahren den Facharzttitel FMH
für Arbeitsmedizin zu erwerben [2].
Grundsätzlich würde das bedeuten, dass nur
Ärzte mit dem Facharzttitel oder einer gleichwertigen Weiterbildung berechtigt wären, in denjenigen Betrieben als «Arbeitsärzte» tätig zu sein, die
gemäss ASA-Richtlinie solche beiziehen müssen.
Mit Inkrafttreten der bilateralen Verträge mit
der EU fällt die eigenständige Umschreibung der
Weiterbildung in der Eignungsverordnung weg.
Da ab 1. Juni 2002 die Facharzttitel unter Bundeshoheit verliehen werden, verweist nun die
Verordnung zum revidierten Freizügigkeitsgesetz (FMPG) direkt auf den Facharzttitel Arbeitsmedizin. Die neuen gesetzlichen Regelungen sind
unter anderem auf der FMH-Website www.fmh.ch
im Bereich Weiterbildung erschlossen.
Mangel an Arbeitsärzten:
Suche nach einer Lösung
Schon 1998 wurde über den relativen Mangel an
Arbeitsärzten berichtet. Seither hat sich die Lage
kaum verändert. Die Anzahl Titelträger bewegt
sich weiterhin um die 65, und nur rund 20 von
ihnen sind bis zu einem gewissen Grade in der
Lage, neue Mandate zu übernehmen.
Obschon die bisher abgelieferten Risikoanalysen nicht darauf schliessen lassen, dass es einmal eine sehr grosse Anzahl an Arbeitsärzten
brauchen wird, so müssen sich doch heute und
in naher Zukunft viele Betriebe für ihre arbeitsmedizinische Betreuung an Ärzte ohne Facharztausbildung wenden.
Es ging deshalb darum, eine pragmatische
Lösung zu finden. Dies geschah im Rahmen
einer Arbeitsgruppe, geleitet durch das BSV, welches für die Umsetzung der Eignungsverordnung
verantwortlich zeichnet. Beteiligt waren neben
dem BSV Vertreter der Vollzugsorgane (Suva und
seco), der EKAS sowie der Fachgesellschaften der
Arbeitsmediziner und anderen Spezialisten der
Arbeitssicherheit.
Unter Leitung der FMH haben die drei wesentlich betroffenen Fachgesellschaften, d. h. die
Schweizerischen Gesellschaften für Arbeitsmedizin (SGARM), für Allgemeinmedizin (SGAM)
und für Innere Medizin (SGIM), ein Konzept ausgearbeitet. Der FMH-Zentralvorstand hat diesem
Konzept an seiner Sitzung vom März 2002 zuhanden der Vollzugsorgane SUVA, seco und der
EKAS ausdrücklich zugestimmt. Das Konzept
zielt darauf ab, die verschiedenen Anliegen unter
einen Hut zu bringen: Sicherung der Qualität der
erbrachten arbeitsärztlichen Leistungen, Wahrung der Interessen der Kolleginnen und Kollegen, die jetzt schon Mandate in Betrieben ausüben oder in der allernächsten Zukunft solche
annehmen werden, und Erfüllung der neuen
gesetzlichen Vorgaben. Das genannte Konzept
sieht folgendermassen aus:
Ärztinnen und Ärzte, die nicht Träger des
Facharzttitels «Arbeitsmedizin» sind oder eine
gleichwertige Ausbildung im Sinne der Eignungsverordnung nachweisen können, aber
eine betriebliche arbeitsmedizinische Tätigkeit
im Sinne der VUV ausüben, können diese Tätigkeit auch in Zukunft ausüben und auch neue
Mandate in Betrieben der gleichen Art annehmen, wenn sie folgende Bedingungen erfüllen:
– Innehaben dieser Funktion am 1. Januar
2000, falls es sich um Betrieb mit besonderen
Gefahren handelt (Art. 2.3 der EKAS-Richtlinie 6508).
– Beginn dieser Funktion vor dem 1. Januar
2004, falls es sich um Betrieb mit besonderen
Gefahren in geringem Umfang handelt (Art.
2.2 der EKAS-Richtlinie 6508).
– Absolvieren eines Grundkurses in Arbeitsmedizin.
– Einhalten der Fortbildungsanforderungen
für Titelträger des Facharztes für Arbeitsmedizin ab 2004. Der Besuch der zwei Module
des Kurses der ETHZ/ Uni Lausanne wird für
das betreffende Jahr als Fortbildung anerkannt.
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Medizinische Fachgesellschaften
Praktische Folgen für die Ärzte,
die die Anforderungen der ASA-Richtlinie
erfüllen wollen
Grundkurs
Dieser Kurs besteht aus 2 Teilen:
– 6 Tage theoretischer Unterricht. Hier wird
den Teilnehmern ein Grundlagenwissen auf
dem Gebiet der Arbeitsmedizin vermittelt.
– Absolvieren von 2 frei wählbaren Modulen
des Kurses «Arbeit + Gesundheit» der ETHZ/
Uni Lausanne.
– Orte: Zentral, für die Deutsch- und Welschschweiz.
– Daten:
1. Theoretischer 6tägiger Kurs verteilt auf
3 x 2 Tage (Freitag und Samstag) im Verlaufe
des Jahres 2003.
2. Module des Kurses der ETHZ/Uni Lausanne:
gemäss deren Kursprogrammen, zu absolvieren innerhalb von 3 Jahren (2004 – 2006).
– Kosten: Die Kosten für den Besuch des
6tägigen Grundkurses und die 2 Module des
Kurses «Arbeit + Gesundheit» belaufen sich
auf ca. CHF 3000.
Bestätigung
Nach Abschluss beider Teile des Grundkurses
stellt die FMH den Teilnehmern ein Attest aus.
Fortbildung
Dank der Absprachen zwischen den Fachgesellschaften SGARM, SGAM und SGIM wird der nachzuweisende Fortbildungsaufwand für die Fachgebiete Arbeitsmedizin einerseits und Allgemeinbzw. Innere Medizin andererseits 60 Punkte pro
Jahr nicht übersteigen.
Voranmeldung zwingend nötig!
Achtung! Der Grundkurs von 3 x 2 Tagen wird nur
ein einziges Mal, nämlich im 2. Semester 2003,
durchgeführt. Er wird nicht wiederholt. Um diesen
Kurs planen und organisieren zu können, ist es
unumgänglich, die Anzahl der interessierten
Ärztinnen und Ärzte zu kennen.
Wie laden deshalb diese Kolleginnen und
Kollegen ein, sich bis spätestens am 15. September 2002 bei Dr. med. B. Thorens, Suva, Postfach,
1001 Lausanne, anzumelden.
Weitere Auskünfte
Weitere Auskünfte erhalten Sie bei:
SGARM
Dr. B. Thorens, Suva, Avenue de la Gare 19,
1001 Lausanne, Tel. 021 310 80 78,
E-Mail: blaise.thorens@suva.ch.
SGIM
Dr. C. Witz, Rue des Deux-Ponts 20,
Case postale 198, 1211 Genève 8,
Fax 022 329 07 94.
SGAM
SGAM-Sekretariat, Oberplattenstrasse 73,
9620 Lichtensteig, Tel. 071 988 66 40,
Fax 071 988 66 41, E-Mail: sgam@hin.ch.
FMH (für juristische Fragen)
Fürsprecher HP. Kuhn, stv. Generalsekretär,
FMH, Postfach 293, 3000 Bern 16,
Tel. 031 359 11 11, Fax 031 359 11 12,
E-Mail: fmhrecht@hin.ch.
Literatur
1
Thorens B. Die Arbeitsmedizin in der Schweiz:
Wer übt sie aus? Schweiz Ärztezeitung 1998;
79(19):854-6
2
Weiterbildungsreglement für den Erwerb
des Facharzttitels FMH für Arbeitsmedizin.
Schweizerische Ärztezeitung / Bulletin des médecins suisses / Bollettino dei medici svizzeri •2002;83: Nr 27
Editores Medicorum Helveticorum
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