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Im spiegel von Marken und Medien, Werten und Mut Was ist Identität

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> Los
Magazin für Design, Kunst und Kultur
Identität
Im Spiegel von Marken und Medien, Werten und Mut
Was ist Identität?
Eine Rehabilitierung zu Unrecht stigmatisierter Modewörter
Fünf Sekunden
Ein Gespräch über German Angst und ambitionierte
Mittvierzigerinnen mit dem Maler Oliver Plöger
Tillas Weltordnung
Ein flammendes Plädoyer für
Authentizität im Social Web
Seducing Time
Ein Bericht zur Ausstellung der 4. |DDAA|
Preisträgerin Lynn Hershman Leeson
03
zurück < 02 > Vor
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser!
Es gibt Wörter, die über so lange Zeit
unserer Zeit? Einer Zeit vermeintlicher
so inflationär in Gebrauch sind, dass sie
Krisen, die tatsächlich eine Epoche
uns nicht einmal mehr auf die Nerven
fruchtbarer
gehen. Wir nehmen Sie fast nicht mehr
Welche Rolle spielt Identität für Privat-
wahr. Oder wir nehmen sie auf die Schip-
menschen und Unternehmer im Social
pe. Authentizität ist so ein Wort. „So jetzt
Web? Wo hat sich der Raum für Echt-
reicht’s! Ich hör auf, authentisch zu sein
heit auf Twitter, Facebook und Co. ver-
und bin ab sofort wieder ich selbst,“ rief
steckt? Und wie reflektiert die Kunst die-
ein Mitarbeiter unserer Redaktion eines
ses Thema? Lesen Sie hierzu das freche
schönen Morgens, brachte alle herzlich
Interview mit dem Maler Oliver Plöger,
Hauptwerk der international renommier-
sich auf ihre Bekanntschaft in diesem
zum Lachen und lieferte den Anstoß für
der während seiner ersten Ausstellung
ten Künstlerin Lynn Hershman Leeson
Heft und an vielen anderen Orten …
das Titelthema der aktuellen Ausgabe
„Kostet viel Fieber, ja“ sehr authenti-
durch unseren Gastautor Wolf Lieser.
unserer LOMAG .
sche Antworten auf unsere Fragen gab.
®
Paradigmenwechsel
ist.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen
Und last but not least widmen wir uns
Die Schwestern der Authentizität sind
Außerdem erwarten Sie: eine Liebes-
einer Herzensangelegenheit. Wir stel-
Echtheit und Identität. Wir nehmen sie
erklärung an die schönste Hauptsache
len Ihnen jemanden vor. Eine Frau. Eine
alle unter die Lupe, durchleuchten und
in unserem Leben, viele News rund um
Wahnsinnige. Ein wunderbares Wesen
rehabilitieren sie. Hierbei tauchen wir in
Design, Marke und Werbung sowie
mit einem ganz eigenen Kopf, das Sie
die unterschiedlichsten Gewässer. Wel-
eine exklusive Retrospektive der jüngs-
ab sofort in Ihren Sog ziehen wird. Ihr
che Bedeutung hat Identität im Spiegel
ten Ausstellung des |DDAA| mit dem
Name: Tilla van de Roos. Freuen Sie
und Inspiration beim Lesen!
Ihre
Jeannine Bernhardt
LOHNZICH®
zurück < 03 > Vor
Lynn Hershman Leeson
inhalt
07–10
11–12
21–22
24
Wer Werte lebt, weiß ein Lied zu singen: Über den
unachtsamen Gebrauch des Wortes Authentizität,
über die Penetranz seiner Omnipräsenz und über die
Kluft zwischen terminologischer Theorie und gelebter
Praxis. Das Titelthema Identität singt mit und fördert
dabei Interessantes und Erstaunliches zutage.
Machen Sie sich bereit. Wie wir werden auch Sie
in Kürze dem einzigartigen Charme einer jungen
Frau mit eigenem Kopf erliegen. Die LOHNZICH
Bloggerin, Kolumnistin und Social Media Managerin Tilla van de Roos hat ihre ureigenen Ideen
über alles, was diese Welt bewegt und feiert ihren
LOMAG ® Einstand mit Reflexionen zum aktuellen
Titelthema Identität.
Wer LOHNZICH kennt, weiß, dass wir ein glühend
klopfendes Herz für die Kunst in unserer Brust tragen. Mit der 4. Preisverleihung des |DDAA| wurde
nun die große Frau der digitalen Kunst, Lynn Hershman Leeson, geehrt. KOMMUNIKATION LOHNZICH
freut sich, Wolf Lieser als Autor einer exklusiven
Retrospektive der Ausstellung „Seducing Time“ der
amerikanischen Künstlerin begrüßen zu dürfen.
Das LOHNZICH Team ist ein bunter Mix unterschiedlichster Talente. Gemeinsam eint sie ein
Bündel gemeinsamer Eigenschaften, zu denen
Gründlichkeit, ästhetisches Feingefühl und penetrante Neunmalschlauheit zählen. Dieses Bündel hat
eine Kampfschrift verfasst, die dem großen Eszett
huldigt. Den Duden können Sie mit diesem Pamphlet im Gepäck ausnahmsweise vergessen.
Neuigkeiten
> „Art is the proper task of life.“
> Die reizendste Erfindung, seit es Social Media Manager gibt –
> Lynn Hershman Leeson: Seducing Time
Tilla van de Roos!
04
> Relaunch des |DDAA| Corporate Designs made by LOHNZICH
20
21–22
23
> „Jugend Brockhaus Total daneben?!“ mit LOHNZICH Buchcover 04
> Und noch ein herzliches Willkommen im Team!
05
> We proudly present: Ihren neuen Lieblingsblog!
05
Lach- und Fachgeschichten
> Fuhrparkerweiterung LOHNZICH
06
> Alles Liebe zum Geburtstag, liebes großes Eszett
24
> Aufgefallen: Trends, Tipps und Termine 06
> Drum breche nie mit dem Bruchstrich
25
> Verlosung: Gewinnen Sie einen Zugang zur digitalen Kunst! 25
> Fluseninterventionen am iPhone
26
Thema
> Was ist Identität?
07–10
> Kolumne: Tillas Weltordnung – Über Authentizität im Social Web
11–12
Standards
> Fünf Sekunden – Ein Interview mit dem Maler Oliver Plöger
13–19
>Impressum
26
<
Inhalt
zurück < 04 > Vor
Neuigkeiten
Social Web. Neben Sachverstand und
vielen kreativen Ideen bringt Tilla auch
einen neuen, sehr kuriosen Wind in
Die reizendste Erfindung, seit es Social Media
Manager gibt – Tilla van de Roos!
das bunt profilierte Team. Sie ist, um
es vorsichtig zu sagen, anders. Der still
schlummernde Wahnsinn der 35-Jährigen mit gruselig glattem Teint kommt
immer unverhofft zum Vorschein. Zum
Beispiel dann, wenn sie plötzlich die
Arbeit verweigert, weil es ihr zu hell ist.
Die Geschäftsführung hatte lange und
ferenzen eine wirklich gute, bodenstän-
den Job und würde als neues Mitglied
Oder beim Drangsalieren ihrer Kolle-
sehr gründlich nach ihm gesucht: Der
dige und schnickschnackfreie Expertise
perfekt an Bord passen. Frau van de
gen durch den Verzehr von Mettbröt-
Mitarbeiter, der den gesamten New
mitbringen. Und dann war sie da. Die
Roos besetzt seit dem 1. Juni 2012 die
chen mit extra viel Zwiebeln. Im Kern
Media Bereich der Agentur federfüh-
Tür flog auf und Frau Bernhardts Bauch
Position als Social Media Manager bei
jedoch ist Tilla ein zutiefst liebenswer-
rend übernehmen sollte, musste nicht
wusste sofort, was ihr Kopf wenige
KOMMUNIKATION LOHNZICH und ar-
tes Wesen und schreibt wie der Teu-
nur hervorragend ins LOHNZICH Team
Stunden später bestätigen sollte. Tilla
beitet seither mit echter Leidenschaft
fel und mit glühender Leidenschaft für
passen, sondern neben exzellenter Re-
van de Roos war die richtige Frau für
an der Präsenz des Unternehmens im
BLOG.LOHNZICH.
„Jugend Brockhaus Total daneben?!“ mit LOHNZICH Buchcover
Die LOHNZICH Kreativen freuen sich im-
junge Menschen über Verhaltensregeln
wertvollen Tipps im Keime erstickt. Das
mer besonders, wenn sie bei ihrer Arbeit
in den verschiedensten Lebenssituatio-
Design des Titels spiegelt das Lebens-
den inneren jungen Wilden voll entfalten
nen und lässt dabei keinen Hinweis aus:
gefühl junger Menschen authentisch wi-
können. Viel Grund zur Freude gab es
Vom ersten Bewerbungsgespräch über
der: Cool, frech und bunt, selbstbewusst,
bei der Entwicklung und Gestaltung des
die Frage nach dem richtigen Outfit für
schräg und charmant sind nur einige
Buchcovers für die neuste Publikation
Omas Achtzigsten bis hin zum souverä-
Attribute, die den informativen und wit-
des Jugend Brockhaus „Krawatte, Knicks
nen und dramafreien Spaghettiessen
zigen Inhalt dieses Knigges aufnehmen
und Knigge-Tipps“. Das Buch informiert
werden alle denkbaren Fettnäpfchen mit
und sicher erfolgreich aktivieren werden.
<
Inhalt
zurück < 05 > Vor
Neuigkeiten
Und noch ein herzliches Willkommen im Team!
Pünktlich zum Wonnemonat Mai be-
me: Grimmig gucken kann sie definitiv
der fröhlichen neuen Kollegin auch je-
es sind ordentlich Gewürze drin.“ Die
gann Sabrina Arning ihre Arbeit als
nicht, ganz gleich, wie sehr sie sich
mand, der ein ganz kleines bisschen
LOHNZICH Mannschaft freut sich mit
Praktikantin im kaufmännischen Bereich
auch bemüht. Passend zum sportiven
einen an der Murmel hat: Ein Leben
Sabrina schon jetzt auf August 2012,
bei KOMMUNIKATION LOHNZICH. Der
Geist des Teams, das täglich auf das
ohne Ketchup ist für Sabrina undenk-
wenn Sie als Auszubildende zur Kauf-
Sonnenschein aus Nordwalde hätte kein
Agenturfahrrad springt, liebt Sabrina
bar. Ihr Tag beginnt mit Ketchup und
frau ihre Arbeit im Hause LOHNZICH
besseres Eintrittsdatum wählen können.
Joggen und schwingt auch mal gerne
er endet mit Ketchup. Die Frage nach
fortsetzen wird.
Sabrina überzeugt das Team schon
das Tanzbein. Und natürlich verbirgt
der Marke beantwortet sie diploma-
jetzt in jeder Hinsicht mit einer Ausnah-
sich hinter dem professionellen Wesen
tisch: „Die Marke ist egal, Hauptsache,
We proudly present: Ihren neuen Lieblingsblog!
Blogs gibt es heute wie Sand am Meer.
den einen Link in seinen Favoriten spei-
ein Disco-Koala ein Metallkonzert be-
Ganz zu schweigen von Social Media
chern – BLOG.LOHNZICH.de. Hier erfah-
sucht und welcher Wahnsinn in der Blog-
Managern. Wer das Besondere will,
ren Sie jetzt, warum Schwarz zu den bun-
gerin van de Roos vor sich hin schlum-
muss nicht mehr lange suchen, sondern
ten Farben gehört, was passiert, wenn
mert, um urplötzlich auszubrechen.
<
Inhalt
zurück < 06 > Vor
Neuigkeiten
aufgefallen
>Diane Arbus – Retrospektive
Die New Yorker Fotografin und Fotojournalistin hat die künstlerische Fotografie mit ihren radikalen und gleichzeitig empfindsamen Porträts von Randfiguren der Gesellschaft wie Transvestiten, Jahrmarktartisten und Exzentrikern revolutioniert. Dabei stellte sie immer wieder
die Grenzen von Normalität und Ästhetik in der Gesellschaft infrage sowie Beziehungen und
Erfahrungen zwischen Identität und Schein gegeneinander. Vom 22. Juni bis 23. September
2012 zeigt der Martin-Gropius-Bau im Rahmen der Berliner Festspiele eine Auswahl ihrer
berühmtesten Aufnahmen und bisher unveröffentlichte Bilder.
www.berlinerfestspiele.de
Fuhrpark LOHNZICH
Wenn Nachhaltigkeit wirklich und wahr-
Car-Sharern und Elektroautofahrern, wo
haftig gelebt wird, kann man schon mal
es tatsächlich langgeht: auf dem Fahr-
ins Schwitzen kommen. Zum Beispiel
rad, immer der Nase nach und das bei
dann, wenn die gesamte Belegschaft
jedem Wetter. Mit Regen im Gesicht,
einer Werbeagentur ihre Arbeitsgänge
zerlaufener Wimperntusche, rosa Wan-
außer Haus plötzlich nicht mehr mit dem
gen, strammen Waden und null Kom-
Auto, sondern per Muskelkraft erledigt.
ma zero Abgasen auf dem Gewissen.
KOMMUNIKATION LOHNZICH präsen-
Die LOHNZICH Fuhrparkerweiterung
tiert mit seinem bildschönen Agentur-
setzt Trends, lässt überflüssige Pfunde
klapprad das Vehikel mit Zeitgeist. Der
im Handumdrehen schmelzen und ist,
Drahtesel im formvollendeten 70er-Jah-
wie es sich für Schöngeister gehört, ein
re-Design macht den Schlagwörtern Mo-
echter Hingucker mit Geschmack und
bilität und Nachhaltigkeit Beine und zeigt
ästhetischem Anspruch!
>12 ROOMS – Gruppenausstellung
Das Folkwang Museum in Essen schickt seine Besucher auf eine Reise durch die Live Art,
einer immateriellen Kunst, die sich auf einige wenige Mittel besinnt: Raum, Stimme, Bewegung. Wie z. B. das schmale Mädchen in T-Shirt und Sneakern, das sich mit leiser Stimme
als Manga-Comicfigur vorstellt, die in ein menschliches Wesen verwandelt wurde. Der
Parcours ermöglicht sehr direkte, intensive Begegnungen, die das Theater durch die Distanz
der Bühne nicht kennt. Ein flüchtiger Blick, ein kurzes Gespräch, eine überraschende Geste,
eine befremdliche Beobachtung – jeder der 12 Räume berührt den Zuschauer auf eine
andere Weise. Zu sehen und erleben vom 17. bis 26. August 2012.
www.museum-folkwang.de
>Symposium Urbane Künste Ruhr
„Pulse Park: Relational Architecture No. 14“ von Rafael Lozano-Hemmer bildet den Auftakt
für die neue Programmreihe. Bei Dämmerung verwandelt die interaktive Installation die
Grünfläche an der Jahrhunderthalle Bochum in ein Lichtermeer, das einzig durch Herzschläge zum Leben erweckt wird. Ein computergesteuerter Sensor misst die elektrische
Aktivität des Herzens von Stadtbewohnern und Festivalbesuchern, die den Sensor für einige
Sekunden halten, und übersetzt die Daten in Licht- und Tonimpulse. Am 31. August und 1.
September 2012 in der Turbinenhalle und an verschiedenen Orten im urbanen Raum.
www.ruhrtriennale.de
>Wojtek Ziemilski: Prolog
Diese interaktive Performance ist ein Event für 12 Zuschauer mit einer leeren Tribüne. Persönliche Geschichten – reale und fiktive – bilden den Ausgangspunkt für die vergnügliche Untersuchung von Vergesellschaftungsprozessen und Ritualen im öffentlichen Raum. Zu sehen im
PACT Zollverein, Essen vom 14. bis 16. September 2012.
www.ruhrtriennale.de
Thema
Was ist Identität?
Sie, liebe Leser, haben jetzt 2 Sekunden Bedenk- und
10 Sekunden Sprechzeit, um den Begriff Identität zu definieren:
Identität. Aus dem Stegreif. Auf die Plätze, fertig, jetzt!
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Inhalt
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Inhalt
zurück < 08 > Vor
Thema
Und? Hat’s geklappt? Wie lautet Ihre Definition? – Setzt man jemandem auf der Suche nach einer knackigen Erklärung dieses Wortes die Pistole auf die Brust, kommt
in aller Regel die folgende Antwort: „Identität ist alles das, was einen Menschen
oder eine Sache ausmacht. Das ganze Bündel, das ist Identität.“ So weit, so gut
und richtig. Der Vergleich mit der offiziellen Begriffserklärung jedoch fördert eine erstaunliche Nuance zutage, die im täglichen Umgang mit dem Wort gerne untergeht.
Identität ist Echtheit
Laut Duden ist das Synonym für Identität Echtheit. Und genau da liegt der Hase im
Pfeffer. Wir machen uns im alltäglichen Gebrauch des Worts nicht immer bewusst,
dass Identität immer echt ist. Stattdessen sprechen wir von „echter Identität“ und
stellen sie damit mehr oder weniger bewusst einer unechten Identität gegenüber.
die effektive Kommunikation der Identität eines Unternehmens und seiner Marken
Ein schönes Paradoxon, das Fragen aufwirft. Warum tun wir das? Warum machen
irgendwann auf der Strecke.
wir aus etwas Echtem etwas Halbechtes?
Identität braucht Werte …
Die Antwort liegt auf der Hand. Würden wir „unsere Echtheit“, unsere Identität
Ob Mensch oder Unternehmen gilt, wer nach innen etwas Gutes, Klares und Ech-
also, in ihrer ganzen authentischen Pracht nach außen tragen, würde der gut
tes lebt, trägt das immer automatisch auch nach außen. Ist diese Voraussetzung
organisierte Fluss unseres Lebens kollabieren. Niemand kann und will die 100
gegeben, werden Angst und Verstellung überflüssig. Wer Werte hat, muss sich
% unbedeckte Natur aller Individuen seiner Umgebung im Scheinwerferlicht ih-
nicht verbiegen und wird ernst genommen. Wer seine Werte lebt und etwas zu
rer Einzigartigkeit am laufenden Band sehen. Um den reibungslosen Fluss unse-
sagen hat, hinter dem er wirklich steht, wird jeden davon überzeugen können,
res Lebens zu gewährleisten, brauchen wir ein bisschen Make-up, das manche
weil in genau diesem Moment die Kommunikation einer Identität nach außen auf
Scharfkantigkeit ausgleicht und uns bekömmlicher macht.
extralauten Krach und Superlative verzichten kann. Ganz einfach, weil sie unnötig
Identität bist du
Der Spagat zwischen Authentizität und reibungslosem Fluss wird spätestens im Ge-
sind. Und das interpretiert Ihr Leser, Ihre Zielgruppe und jeder, der Sie rezipiert
sofort als Echtheit. Als „echte“ Identität.
schäftsleben 2.0 zu einer Kunst, die beherrscht sein will. Jedes Unternehmen hat,
… und Cochones!
wie jeder Mensch auch, Eigenschaften, die geschützt werden müssen. Angesichts
Übertragen auf Markenkommunikation heißt das: Sobald ein Unternehmen Wahr-
einer immer transparenter werdenden Welt lassen wir beim Zeigen unserer Identi-
haftigkeit und Echtheit ausstrahlt, kann seine Kommunikation und die seiner Produkte
tät zunehmend Vorsicht walten. Mündet diese Vorsicht jedoch in Verstellung, bleibt
erfolgreich sein. Der finale Schlüssel für einen effektiven Marken-Dialog ist der be-
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Inhalt
zurück < 09 > Vor
Thema
wusste Umgang mit der eigenen Identität und ihre authentische und kreative Über-
chen? Und welche Absicht verfolgen Sie damit? Ein zuverlässiger Kreativpartner
setzung in Design. Damit dieser Schlüssel greifen kann, braucht es Mut, sich selbst
will keine kurzfristigen Erfolge mit Ihnen feiern, sondern setzt auf einen langfristigen
genau anzuschauen und das eigene Bild im offenen Dialog mit einem kreativen und
und dauerhaften Geschäftserfolg für beide Seiten.
strategischen Profi transparent zu machen.
Wer bist du?
Was macht dich besonders?
Diese Frage geht Ihrem Alleinstellungsmerkmal auf den Grund und untersucht da-
Alles beginnt mit Grundlagenforschung – wie beschreiben Sie sich selbst? Und wie
mit das klassischste aller Identitätsmerkmale – Ihre USP. In ihr findet sich das
sehen und erleben Sie andere? Ihre Mitarbeiter, Ihre Kunden und Ihre Lieferanten
Versprechen schlechthin und damit ein zentraler Vorteil, der Sie klar von Ihren
beispielsweise? Diese Fragestellung versteht sich als Brainstorming par excellence:
Mitbewerbern abhebt und einzigartig macht.
Es gibt keine Grenzen oder Sanktionen bei ihrer Beantwortung, die sämtliche Charakteristika einfließen lässt, ganz gleich, wie irrelevant oder „verrückt“ sie erschei-
Woran glaubst du?
nen mögen.
Welche Philosophie artikuliert Ihr Unternehmen? Und welches Credo prägt
Was hast du?
Ihre Unternehmenskultur? Ist sie eher konservativ oder modern, verrückt oder
sachlich? Welche Rolle spielen Innovation, Offenheit für Neues und Bewegung
Welches Produkt oder welche Dienstleistung bieten Sie an? Ihr Kreativpartner muss
in Ihrem Haus? Übertragen auf eine Kampagne kann dieses Element als
hierüber sehr gut informiert sein. Er muss nicht zwingend wissen, wie ein Produkt
Hintergrundmusik einfließen und einen ureigenen Duft bilden – das „Je ne
bis ins letzte Detail funktioniert, wohl aber, was der Konsument damit machen kann.
sais quoi“ – den markanten, individuellen und einzigartigen Augenaufschlag
Wie gut bist du?
Welchen unmittelbaren, tatsächlichen Wert hat die Qualität Ihres Produkts oder Ihrer Dienstleistung? Wo liegen die Stärken? Und wo die Schwächen? Spätestens bei
dieser Frage bleiben erfahrungsgemäß wesentliche Merkmale der Unternehmensidentität im Verborgenen, wenn nicht nachgehakt wird. Jede Dienstleistung und jedes
Produkt hat neben allen Stärken immer auch Schwächen. Kreative müssen diese
Schwächen kennen, um die Stärken betonen zu können, ohne dabei Eigenschaften
anzuführen, die nicht existieren.
Wohin willst du?
Welche Strategien verfolgen Sie? Welche Ziele haben Sie? Was wollen Sie errei-
Ihres Unternehmens.
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Inhalt
zurück < 10 > Vor
Thema
Die Frage nach Ihrem Mut ist immer auch
die Frage nach dem Pionier in Ihnen.
Was treibt dich um?
Welche Werte sind Ihnen wichtig und bestimmen Ihre Geschäftsethik? Innerhalb
Ihnen. Die Antwort lenkt die Entwicklung sämtlicher Marketingmaßnahmen ent-
der strategischen Markenführung ist die Beantwortung dieser Frage nicht nur ein
scheidend. Wer Risikobereitschaft zeigt, eckt durchaus an, weiß aber auch, dass
wichtiger Bestandteil, sondern das A und O, auf dem Ihre Kommunikation fußt. Eine
die eigene Entschlossenheit neue Energien freisetzt, Innovation möglich macht
Marke muss sich nach unserer Überzeugung außen so darstellen, wie sie nach
und andere mitreißt.
innen gelebt wird. Wenn wir als Agentur die gelebten Werte eines Unternehmens
untersuchen, schauen wir in besonderem Maße auf Authentizität und darauf, ob
Zeig dich!
Sie sich Ihrer Werte bewusst sind und sie konsequent leben. Für eine Kampagne
Unsere Welt dreht sich. Alle sprechen von Krisen – wir nicht. Wir leben die vielen
wirken diese Werte vertrauensimmanent und übertragen sich automatisch auf Ihre
neuen Möglichkeiten, die sich aus dem Paradigmenwechsel unserer Zeit ergeben.
und die Glaubwürdigkeit Ihres Angebots.
Der Schein von gestern weicht immer mehr dem Echten, was nicht zuletzt durch
Wie mutig bist du?
Web 2.0 verstärkt wird. Unsere Welt schreit nach Veränderungen und mit ihr die
Menschen darin, die Klarheit und Zuverlässigkeit einfordern. Mündig und autonom,
Haben Sie Courage? Beziehen Sie Stellung? Sind Sie bereit, neue Wege zu ge-
freiwillig und so selbstständig wie niemals zuvor entscheidet sich der Käufer von
hen? Die Frage nach Ihrem Mut ist immer auch die Frage nach dem Pionier in
heute und morgen für den, dem er vertraut, weil er sein Versprechen hält.
Thema
Tillas Weltordnung
Authentizität im
Social Web
Ein flammendes Plädoyer für ein echtes Ich auf
Facebook, Twitter und Co.
Diese Überschrift enthält zwei Reizwörter. Das zweite lässt Sie vielleicht müde
lächeln und das erste kommt Ihnen womöglich schon lange aus den Ohren raus.
Aber es kommt noch schlimmer. Ich bin Social Media Managerin und werde Ihnen
jetzt etwas über die Relevanz von Authentizität im Social Web erzählen. Und ich
setz noch eins drauf: Ich werde Ihnen sagen, wie wichtig Ihre persönliche Authentizität im Social Web ist. Wenn Ihnen das jetzt zu bunt wird, können Sie weiterblättern. Ich würde es Ihnen nicht übel nehmen. Immerhin ist heute alles authentisch
und jeder spricht vom Social Web, doch bei genauem Hinsehen bleiben handfeste
Inhalte und echte Werte oft auf der Strecke. Ein fataler Umstand, bilden beide Wörter in Verbindung miteinander ein ganz wesentliches und unterschätztes Merkmal
unserer Zeit, das Unternehmen wie Privatmenschen kennen sollten.
Die Rehabilitierung eines missbrauchten Worts
Drehen wir die Zeit kurz zurück zu jenem Moment der Unbeflecktheit, als Authentizität noch nicht inflationär durch alle Gassen geschossen kam und wir es freundlich
und offen in uns aufnahmen als das, was es ist: Echtheit und Glaubwürdigkeit,
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Inhalt
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Thema
Sicherheit und Verlässlichkeit, Wahrheit und Zuverlässigkeit. Niemand wird allen
Kein Mensch denkt Schlechtes über sie, wenn sie zwischen Corporate Tweets flu-
Ernstes etwas Hässliches darin erkennen. Nicht anders verhält es sich mit dem
chen, weil ihnen die Bahn vor der Nase weggefahren ist und sie deshalb zu spät
Begriff „Social Web“, es sei denn, Sie finden es schrecklich, Menschen zu treffen.
zum Meeting kommen. Einfach, weil es menschlich ist. Niemand zweifelt ihre Expertise an, wenn sie im offenen Dialog über Stolpersteine in ihrer Akquisearbeit
Echtheit – sich selbst sein – authentisch sein im realen Kontakt mit Anderen reali-
diskutieren. Einfach, weil es normal ist. Und kein Mensch hält sie für Monster, wenn
siert jeder Mensch für sich auf ganz individuelle Weise. Sobald wir jedoch einan-
sie Kontra geben und Stellung beziehen, ihre Meinung deutlich vertreten und Zivil-
der virtuell begegnen, sind wir von den Kanälen abgeschnitten, die uns sonst bei
courage zeigen. Einfach, weil es richtig ist.
der Einschätzung unseres Gegenübers helfen. Sobald unsere traditionelle „OfflineSicherheit“ schwindet, werden wir auf uns selbst zurückgeworfen. Statt Interaktion
Authentizität in der virtuellen Öffentlichkeit ist der souveräne, transparente und
treten Aktion und die Konzentration auf uns selbst in den Vordergrund: unser Auftritt
osmotische Umgang mit der eigenen Identität und mit anderen. Sie bildet den
im Social Web.
zentralen Schlüssel für Glaubwürdigkeit, schafft Vertrauen und begründet so die
Basis für Ihren Geschäftserfolg im Zuge Ihres Social Media Marketings. Immer
Jetzt gibt es User, die angesichts dieser Einschränkung in Schweigen ausbrechen
vorausgesetzt, dass Ihre Präsenz im sozialen Netz notwendig und sinnvoll ist. Das,
und beispielsweise auf Twitter nur mitlesen. Das mag amüsant sein, bildet jedoch
verehrter Leser, ist nämlich nicht zwangsläufig so. Niemand muss auf jeden Zug
keine brauchbare Anleitung für all jene, die in den Kontakt mit anderen treten wol-
springen, bloß weil es angeblich hip ist. Hip ist egal. Alles, was zählt, ist das, was
len. Genauso kontraproduktiv ist es, sich anders zu geben, als man tatsächlich ist.
schon immer wichtig war: ein gerades Rückgrat, ein klarer Verstand und eine ech-
Ihre Leser nehmen nicht Sie, sondern eine Fiktion wahr und Sie selbst agieren nicht
te, gute Seele.
mehr, sondern arbeiten am Aufbau dieser Fiktion, die kaum oder nichts mit Ihrer
Identität zu tun hat.
Menschen lieben das Echte. Menschen
lieben Authentizität.
Und dann gibt es eine überschaubare Gruppe von Usern auf Twitter, Facebook
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. Schön, dass Sie alles bis zum Schluss durchgelesen haben.
Bis bald,
Ihre
und Co., die total anders sind als alle anderen. Man liest sie gerne, man freut sich
mit Ihnen, lacht mit Ihnen, tritt gerne mit ihnen in Dialog. Man scrollt extra zurück
für sie oder besucht proaktiv ihre Profile, um zu schauen, was sich bei ihnen in den
letzten Stunden getan hat. Diese Gruppe findet sich gleichermaßen unter privaten
wie geschäftlichen Accounts und sie teilen eine gemeinsame Eigenschaft: Authentizität im Social Web.
Tilla van de Roos
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zurück < 13 > Vor
Thema
Fünf Sekunden
Den Journalisten Oliver Plöger kennen viele als Fernsehmoderator, der für eine Reisereportage um
die Welt reist und über kuriose Begegnungen und abenteuerliche Erlebnisse den Zuschauer in fremde
Kulturräume eintauchen lässt. Der nach musikalischen Exkursen seit 2010 als Maler arbeitende Künstler
Plöger ist der breiteren Öffentlichkeit noch nicht bekannt. Und genau das könnte sich bald ändern.
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zurück < 14 > Vor
Thema
Die Bilder des wilden Gelsenkircheners zeugen von einer tief wurzelnden Kraft, einer
Was ist mit Schmerz?
feinen, ästhetischen Empfindlichkeit und Erdverbundenheit. Diese Erdverbundenheit
Durch Schmerz fühle ich mich durchaus auch lebendig, aber ich gerate darüber
fühlt der Betrachter seiner Serie „Kostet viel Fieber, ja“ direkt und indirekt. Sie reflek-
nicht in Panik. Ich beobachte das lieber sehr genau. Neulich habe ich mir fast die
tiert nicht nur die intensive Arbeit mit ungewöhnlichen Materialien, die den Schaffens-
halbe Fingerkuppe abgeschnitten. Das hab ich mir dann eine ganze Weile ange-
prozessen Plögers vorausgeht, sondern auch seine Liebe für das Haptische, das
schaut – wie es pochte und pulsierte. Ein erstaunliches Erlebnis.
Griffige und das Erdige und damit gleichsam für die Pracht und Schönheit im Derben. LOMAG® Redakteurin Miriam Ortmann wollte die Identität des Menschen und
Würdest du sagen, dass du mit deinem Körper verbunden bist?
des Künstlers Oliver Plöger aufspüren und besuchte ihn in der Kölner Galerie
Ja. Ich tue in schöner Regelmäßigkeit Dinge, durch die ich meinen Körper verlasse,
Ruttkowski;68, die als erste seine Werke im Frühling 2012 ausstellte.
um auch andere Ebenen zu erreichen (lacht). Ob durch Drogen, Alkohol oder Sex,
ist egal. Bin ich großer Fan von. Hab ich auch keine Angst vor. Ich glaube, dass
Wenn man deine Bilder anschaut und dann an das Reiseformat denkt, das
sich viele davor fürchten.
du gerade machst, könnte man Parallelen feststellen. Ist das so?
Was für ein theoretischer Ansatz! Nein, die Sendung hat mit meiner Kunst über-
Irgendein „schlauer“ Mensch hat mal gesagt: „Wenn ich zurückschaue, wer-
haupt nichts zu tun. Ich mag einfach nur Strukturen. Ich mag es, Bilder anzufassen.
de ich traurig, wenn ich in die Zukunft blicke, werde ich ängstlich.” Welchen
Ich möchte sehen, dass da etwas passiert, und ich will eine Haptik haben. Es hätte
Tipp würde Dr. psych. O. Plöger diesem Menschen geben?
auch Blei oder Moos sein können. Erde hat sich erst mal angeboten.
Arme Sau. Nichts verstanden, alles falsch gemacht, bring dich um, is’ vorbei. Ende!
Häng dich an ’nen Baum!
Du arbeitest also neben Farbe gerne mit zusätzlichen Materialien. Könnte
die nächste Strecke bleilastig werden?
Würdest du diesem Menschen möglicherweise raten, im Hier und Jetzt
Das könnte theoretisch sein, ja. Aber das ist natürlich eine Frage der Umsetzung.
zu leben?
In einem normalen Raum kannst du nicht mit Blei arbeiten. Ich hätte unheimlich
Ja, total.
gerne eine Ecke in einer alten Stahlfabrik, wo ich einfach rumwüten könnte mit
allem Möglichen.
Wie gut gelingt es dir, im Moment zu leben? Erwischst du dich nie in Situationen, in denen dir über den Blick auf Vergangenes das Herz schwer wird
Kommen wir zum Menschen Oliver Plöger. Was macht dir Angst?
oder dich die Zukunft ängstigt?
Mir macht nichts Angst. Die meisten haben vor mir Angst. Wenn jemand den Buh-
Natürlich gibt es Dinge in der Vergangenheit, die mit Schmerz behaftet sind. Aber
mann beschreibt, der im Dunkeln durch die Straßen streift, dann bin ich das. Ich bin
ohne die wäre man jetzt nicht da, wo man steht. Es ist der falsche Ansatz zu den-
groß, hab ’nen Bart und bin immer nachts unterwegs. Wenn einer der Buhmann ist,
ken: „Wäre mir das oder das bloß niemals passiert.“ Man muss Dinge loslassen
dann bin ich das! (lacht)
können und verzeihen. Das ist ganz wichtig. Ich habe gestern Abend noch mit
<
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zurück < 15 > Vor
Thema
„Ich habe vor relativ kurzer Zeit mit
der Kunst angefangen. Wäre ich damals
verbohrt oder ängstlich gewesen,
hätte ich es nicht gemacht.“
jemandem gesprochen, der einfach nicht verzeihen kann. Das ist unglaublich. Ich
Gibt es Formen von Dummheit, die dich aufbringen?
hab diesen Menschen gefragt, ob er niemals eine Dummheit begangen hätte in
Ignoranz finde ich ganz furchtbar. Wenn Menschen mit geschlossenen Augen
seinem Leben, und bekam als Antwort: „Nein, hab ich nicht.“ Das ist doch traurig,
durch die Welt gehen, die Kanäle nicht öffnen, sich nicht öffnen für Neues und ganz
oder? Man muss doch Fehler machen können. Diese Behauptung – „Ich habe
viel beiseite schieben. Den Dingen keine Bedeutung beimessen. Das ist schlimm.
noch nie einen groben Fehler begangen“ – ist nicht nur traurig, sondern auch total
Wenn Menschen mit Mitte 30 schon fertig sind in ihrer Entwicklung und sich da-
vermessen und furchtbar.
nach auch nicht mehr viel ändert. Ich habe vor relativ kurzer Zeit mit der Kunst
angefangen. Wäre ich damals verbohrt oder ängstlich gewesen, hätte ich es nicht
Die meisten Menschen empfinden Einsamkeit als etwas Negatives und
gemacht. Das ist ein ganz guter Beweis dafür, dass alles möglich ist. Man kann
versuchen ihr über die unterschiedlichsten Wege zu entkommen. Welches
immer alles machen.
Gefühl verbindest du mit Einsamkeit?
Also ich mal jetzt nicht mit Publikum oder so.
Würdest du dich als Menschenfreund bezeichnen?
Das ist nicht so einfach zu sagen. Generell bin ich schon ein Menschenfreund. Ich
Empfindest du den Raum, in dem du mit dir allein bist und an Deinen
gehe aber fast lieber auf Menschen zu, die einem anderen Kulturkreis angehören.
Bildern arbeitest, als Oase?
Das hängt auch mit meinen Reisen zusammen. In Deutschland sehen ganz viele
Ich empfinde das nicht als Oase. Das ist eine Oase.
Menschen von vorneherein schon so verbohrt aus, dass man sich ihnen gar nicht
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Thema
nähern möchte. Das ist ein sehr ängstliches Land, in dem wir leben. Alle haben
Ist das für dich ein anstrengender Prozess?
Angst, Angst vor allem. Setz dich doch mal in die Bahn und sag jemandem „Hallo“.
Ja, aber das merke ich immer erst hinterher. Speziell wenn ich mit Erde arbeite,
Die Leute denken sofort: „Was will der? Der will mich bestimmt gleich überfallen!“
weil man sie fixieren muss. Die größte Anstrengung jedoch geht mit der Frage darüber einher, wann das Ding fertig ist. An diesem dreiteiligen Bild beispielsweise
In welchem Verhältnis stehen für dich kreatives Schaffen und Disziplin?
habe ich 3 Monate oder länger gearbeitet und es wurde einfach nicht fertig. Und
Der Schaffensprozess hat für mich nichts mit Disziplin zu tun. Ich mache einfach. Ich
dann, ganz plötzlich, war es doch fertig, obwohl ich nur noch 10 Minuten daran
bin schon oft total verkatert aufgewacht und habe mich dann erst mal drei Stunden
gearbeitet habe. Ganz komisch. So als hätte mir das Bild gesagt: „Lass mich jetzt
ans Bild gesetzt, ohne etwas anderes getan zu haben. Nach drei Stunden fiel mir
in Ruhe, es ist gut so.“
dann auf, dass ich verdurstete, Kopfschmerzen hatte und pinkeln musste wie Sau.
Alles Dinge, die ich drei Stunden komplett ignoriert habe, weil ich an einem Bild
Bist du erleichtert oder stolz, wenn du fertig bist?
gearbeitet habe. Man ist sehr bei sich, wenn man so etwas macht. Ich bekom-
Stolz vielleicht fünf Sekunden. Das war’s dann aber auch. Aber diese fünf Sekunden
me dann nichts mehr mit. Fünf Anrufe in Abwesenheit und ich habe nichts davon
sind wirklich toll. Und noch etwas ist merkwürdig: Ich habe anschließend kein Ver-
gehört. Ich bin dann sehr konzentriert, aber nicht bewusst, sondern automatisch.
hältnis mehr zu den Bildern. Ich finde es schön, sie anzuschauen, wie sie aussehen
Einfach voll dabei.
und wirken. Ich finde, dass in Bildern Emotion spürbar sein muss. Die mit dem Arbeitsprozesses verbundenen Emotionen jedoch kann ich nicht mehr wiederfinden.
Das Gefühl, das ich da reingegeben habe, ist dann da drin, aber nicht mehr in mir.
Deine Bilder fangen also deine Emotionen ein.
Das klingt natürlich furchtbar pathetisch, furchtbar, furchtbar klingt das, furchtbar! Ich
lehne es mit jeder Zelle meines Körpers ab, jemals so etwas zu formulieren! (lacht)
Sind die kreativen Prozesse nicht auch eine Form von Suche nach dem
Glück, um dich zu erfüllen?
Das stimmt. Aber ich mal jetzt kein Bild, weil ich denke, das macht mich glücklich.
Ich habe es gerade beschrieben: Das sind fünf Sekunden, in denen ich sage: „Ja!“
Und dann ist das Gefühl schon wieder weg. Tatsächlich ist es die meiste Zeit ein
Kampf. Dann liegst du abends im Bett und kommst mit dem Bild nicht weiter. Und
du fragst dich, was ist daran richtig und was ist daran falsch? Man kann ja an sich
alles machen. Ich könnte jetzt auch einen Eimer Farbe nehmen und blaue Farbe
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auskippen, das wäre auch richtig. Aber ich habe ein anderes ästhetisches Empfin-
ein Kiefer-Bild. Sieben Meter lang, so dick mit Blei und verbrannter Erde und Torf.
den. Das ist halt das Schwierige an der scheiß Kunst. Es ist alles richtig!
Mir ist fast der Kopf geplatzt. Ich konnte es echt nicht glauben. Das war das AhaErlebnis. Ich dachte, wow, das gibt’s ja gar nicht.
Was berührt dich selbst am meisten in der Kunst und warum?
Gute Bilder. Ich bin kein Fan von Skulpturen. Ich kann auch mit Video-Kunst nichts
Hat dich diese Begegnung auch in deiner Materialwahl beeinflusst?
anfangen. Ich bin ein Bild-Mann. Du hast mich übrigens immer noch nicht gefragt,
Ja, auf jeden Fall. Damals merkte ich, dass ich Haptik mag. Einfache Pinselstriche
wie ich zum Malen kam. Das war nämlich ein totaler Punkrockmoment.
finde ich langweilig. Ich mag es sehr gerne, wenn man einem Bild die Arbeit ansieht. Das ist auch so eine romantische Vorstellung: der einsame Künstler, der sich
Zufälligerweise ist das die nächste Frage! Wie kamst du zum Malen?
an der Leinwand abarbeitet – find ich total geil (lacht). Im Lager des Geschäftes, in
Eine meiner besten Freundinnen ist Kuratorin im Museum of Modern Art in New
dem ich meine Farben kaufe, baue ich meine großen Leinwände. Wenn ich dann
York. Durch sie konnte ich an einem Dienstag das MoMA ganz alleine besuchen.
manche Mittvierzigerinnen mit ihren 40x40-cm-Leinwändchen und ihren Pinselchen
Ich habe mir dann alles angeguckt und gemerkt, dass mich nur ganz wenig emo-
sehe, die ihr Orange, Grün und Blau kaufen, steh ich immer mit verdrehten Augen
tional berührt. Für mich hatte kaum etwas eine Aussage. Das Gleiche passierte in
daneben – die Leinwand wie ein Jesuskreuz auf dem Rücken – und will ihnen
allen anderen Museen. Da hab ich mir dann gesagt, so, jetzt mach ich das selbst.
sagen: „Hört auf, lasst sein, ihr seid so scheiße, ihr seid die letzten Menschen,
Du kamst also zum Malen, weil dich die Kunst der anderen kaum berührt hat?
Ja. Das war so ein ganz naiver kleiner-Jungen-Ansatz, aber ich finde den gut.
Es gibt ja auch theoretische Maler, die sich erst mal durch die Kunstgeschichte
wühlen. Thomas Arnolds ist so einer. Der guckt sich alles an, findet eine Lücke mit
Dingen, die es noch nicht gibt und füllt die dann. Find’ ich arschlangweilig.
Das ist ja auch eher berechnende Kunst.
Total. Das ist vielleicht ein legitimer Ansatz, aber nichts für mich. Natürlich gab es
auch ein paar Sachen, die mich total umgehauen haben. Das waren die Momente,
in denen ich merkte, wie sehr Kunst emotionalisieren kann und welche Kraft sie
haben kann, wenn sie gut gemacht ist. Im Hamburger Bahnhof in Berlin habe ich
zum ersten Mal ein Bild von Anselm Kiefer gesehen. Ich kannte den Typen vorher
noch nicht mal. Zuerst stand in einer Ecke ein 8 Meter hoher Mao von Warhol in
Pop-Art und der ganze Scheiß. Und dann bieg ich um die Ecke und da hängt dann
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hört auf zu malen.“ (lacht) Das ist das Schlimmste. Es ist unfassbar, wie sehr mich
Nichtsdestotrotz wird im besten Fall anschließend darüber gesprochen.
das jedes Mal nervt. Einer der Verkäufer und ich gucken uns dann immer kurz an,
Jo.
und ich glaube, der empfindet das Gleiche. „Was passiert, wenn ich das mit Grün
mische?“, fragen sie dann. „Tja, was soll passieren? Es wird wohl wahrscheinlich
Wer dich ein bisschen kennt, konnte sehen, dass du in der ersten Stunde
irgendwie grün werden.“ Genau das war halt anfangs meine große Angst – dass
der Ausstellung etwas still warst.
das mit mir auch in so einer Hobbymalerei ausartet. Da ist Erde ganz gut. Eine
Ich hab mich halt bewusst zurückgenommen. Ich bin sonst eine Labertasche, aber
schöne Angeberei.
hier und heute wollte ich nicht viel sagen. Das sind die Bilder und fertig. Das war
deren Abend und nicht meiner.
Hast du den Sound, der bei deiner Ausstellung lief, selbst komponiert?
Ja, genau, der ist selbst komponiert. War eine extrem enervierende Arbeit, die
Arbeitest du schon wieder an etwas Neuem?
mich Monate gekostet hat. Richtig stressig. (lacht)
Ich habe schon seit einem halben Jahr keinen Pinsel mehr angefasst. Aber es
kommt, ich merke es. Ich weiß auch schon, wohin es geht. Ich werde mit Farben
Hast du dir konzeptionell nichts dabei gedacht?
arbeiten, die man nicht sieht. Das finde ich ganz interessant.
Doch. Ich mag das halt nicht, dieses Proseccoglas-Geklirre. So nach dem Motto:
„Gucken wir mal ein bisschen Bilder und gehen dann wieder.“ Im aktuellen Film
Du möchtest also Farben verstecken?
von Gerhard Richter gibt es eine Aussage, die ich mir zu eigen gemacht habe. In
Nein. Es ist mehr so wie mit dem Bassisten in der Band. Den hört man erst, wenn er
diesem Film sagt Richter im Anschluss an eine seiner Ausstellungen hier im Muse-
nicht mehr da ist. Etwas Ähnliches will ich mit Farben machen, die eigentlich nicht in
um Ludwig dem Museumsdirektor Kaspar König: „Kaspar, die Leute müssen froh
ein Bild passen, und ihm so eine neue Nuance geben. Etwas, das auf den ersten Blick
sein, wenn sie wieder raus sind.“ Das fand ich super. Horrorshow – reingehen –
gar nicht auffällt. Das finde ich spannend, da will ich mich rantasten. Obwohl ich da-
okay – und wieder raus.
vor natürlich auch ein bisschen Angst habe. Mit den Farben hier kenne ich mich aus.
„Kostet viel Fieber, ja“, großformatige Malerei von Oliver Plöger – Vernissage in der Galerie RUTTKOWSKI;68 in Köln, www.ruttkowski68.com
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„Wenn ich guten
Gewissens damit
rausgehen kann, weil
ich meine Arbeit
selbst gut finde, finden sie alle anderen
auch gut – so selbstbewusst bin ich.“
Wir als Designer verbinden mit unseren kreativen Arbeitsprozessen durch-
insgesamt schon fast zu positiv. Selbst studierte Düsseldorfer Maler fanden es gut.
aus auch künstlerischen Anspruch. Hierbei ist es uns immer auch wichtig,
Andreas Plum hat die Ausstellung besucht und Thomas Arnolds, der seine letzte
welche Resonanz diese Arbeit auslöst. Wie wichtig sind dir die Reaktionen
Ausstellung bei einer großen Galerie in Köln komplett ausverkauft hat. Fanden die
auf deine Arbeiten?
beiden auch gut. Alle fanden’s gut. Langweilig! (lacht)
Wenn ich guten Gewissens damit rausgehen kann, weil ich meine Arbeit selbst gut
finde, finden sie alle anderen auch gut – so selbstbewusst bin ich. Das mag ein
Sind Selbstbestätigung und Lob nicht auch okay? Immerhin steckt jede
Ego-problem meinerseits sein. Fakt ist: Wäre ich unsicher gewesen, würden sie hier
Menge Arbeit darin.
heute nicht hängen. Natürlich ist es schön, wenn meine Arbeit gefällt. Das schönste
Ja, schon. Aber Lob wird auch überbewertet. Lob ist schön für den Moment. Aber
Lob für mich ist, wenn ich höre: „Die passen zu dir.“ Ich hätte es aber auch gut
für diesen Moment male ich nicht, weil er der falsche Moment ist. Ich male für
gefunden, wenn mal jemand gesagt hätte: „Totale Scheiße, kann ich überhaupt
meinen Moment. Ich mal für die fünf Sekunden.
nichts mit anfangen.“ Das hätte mir gefallen (lacht). Mir war die Resonanz bis jetzt
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„Art is the proper
task of life.“
Friedrich Nietzsche
Eine Liebeserklärung an unsere Arbeit. Eine Liebeserklärung an die Kunst.
Unser Geschäft ist die Werbung. Die Kommunikation eines Produkts durch Design, ohne dabei das Produkt zu verzerren. Unserer
Arbeit zugrunde liegen Werte und Identität, Liebe und Leidenschaft. Eine große Liebe zum Design unter steter Wahrung der Authentizität des Objektes. Vordergründig kommerziell, erfüllt uns die Beschäftigung mit Design tatsächlich mit tiefer Leidenschaft,
weil wir uns einer Lebensaufgabe widmen.
„Kunst ist kein Geschäft. Kunst ist.“
Kommunikation LOHNZICH
Damit einher geht unsere große Wertschätzung für die Kunst, der wir privat wie beruflich hingebungsvoll begegnen. Kunst, die uns
berührt, macht uns „still“. Kunst, die uns berührt, bewegt unser Herz und macht, dass wir sie weitertragen wollen, sie teilen und
anderen zugänglich machen möchten. Und das in ihrer puren Form, so wie sie ist. Genau das ist Liebe zur Kunst. Sie um ihrer
selbst willen zu schätzen – ohne Wertung, ohne Veränderung und ohne Beschädigung.
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Lynn Hershman Leeson:
Seducing Time
Eine Überblicksausstellung der Preisträgerin des 4. DAM DIGITAL ART AWARD |DDAA| in der Kunsthalle Bremen
Vom 2. Juni bis zum 19. August 2012 zeigt die Kunsthalle Bremen anlässlich des
Kunsthalle verteilt. So treffen Meisterwerke aus 600 Jahren Kunstgeschichte auf
4. DAM DIGITAL ART AWARDS |DDAA| die Ausstellung „Seducing Time“ von Lynn
Medienkunst des 21. Jahrhunderts.
Hershman Leeson. Die amerikanische Künstlerin und Filmemacherin gilt als Pionierin interaktiver Kunst. In Bremen interagieren ihre Werke nicht nur mit dem Besu-
Die Arbeit von Lynn Hershman Leeson
cher, sondern auch mit der Sammlung der Kunsthalle.
Lynn Hershman Leeson (geb. 1941) gehört seit den 70er-Jahren zu den führenden
Zur Ausstellung „Seducing Time“
KünstlerInnen der Medienkunst. Auf der Basis der visuellen Künste, des Films und der
populären Kultur setzt sie sich seit 40 Jahren mit Identität, Erinnerung und Geschichte
„Seducing Time“ ist die erste institutionelle Einzelausstellung von Lynn Hershmann
auseinander. Sie erkundet Themen, die im Zusammenhang mit Konsum, Privatsphäre,
Leeson in Deutschland und umfasst Fotografien, Installationen, Videos und schwerpunkt-
Überwachung und persönlicher Macht erwachsen, und bezieht hierbei konsequent
mäßig interaktive Arbeiten. Rund 55 Werke skizzieren eine Schaffensperiode von über
den Zuschauer als einen aktiven Teilnehmer in das Kunstwerk mit ein. Hershman
40 Jahren und geben sowohl einen Einblick in ihre Entwicklung als auch in ihre
Leeson verwendet hierfür die ständig weiterentwickelten digitalen Technologien und
Vielseitigkeit. Ganz im Sinne ihres Interesses für Interaktion und für das Verhältnis
gibt wiederholt entscheidende Impulse für feministische Diskurse. Sie ist verantwort-
von Gedächtnis, Identität und Technologien, sind die Werke in der Sammlung der
lich für eine Reihe technologischer Innovationen, wie z. B. „Lorna“ (1979–1983), das
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Lynn Hershman Leeson
erste interaktive Kunstwerk auf einer Videodisk, oder „Deep Contact: The Sexual
Fantasy Videodisk“ (1984–1986), das erste Kunstwerk, bei dem Sensorbildschirme
verwendet wurden.
Ihre drei Spielfilme mit Tilda Swinton – „Conceiving Ada“ (1997), der erste Film
mit virtuellen Sets; „Teknolust“ (2002) und „Strange Culture“ (2007) – wurden auf
dem Sundance Film Festival, dem Toronto International Film Festival sowie auf dem
Internationalen Filmfestival Berlin gezeigt und gewannen zahlreiche Preise. Hershman Leeson hat im letzten Jahr den Dokumentarfilm „!WAR Women Art Revolution“
fertiggestellt, der das von der Künstlerin selber über 40 Jahre hinweg gesammelte
Archivmaterial über die feministische Kunstrevolution zusammenträgt und ihre Aktionen gemeinsam mit anderen US-Künstlerinnen gegen die Marginalisierung kunstausübender Frauen dokumentiert.
Hershman Leesons Werke sind u. a. in den Sammlungen des Museum of Modern
an der University of California, Davis. Sie lebt und arbeitet in San Francisco.
Art, New York, des Lehmbruck Museums, Duisburg, der Tate Modern in London,
Über den DAM DIGITAL ART AWARD |DDAA|
des ZKMs in Karlsruhe, des Los Angeles County Museum of Art, in der National
Gallery in Kanada und im Walker Art Center, Minneapolis, sowie in Privatsamm-
Initiiert im Jahr 2005 von Wolf Lieser, Digital Art Museum [DAM], wird der |DDAA| alle
lungen, wie z. B. der Hess Collection, Kalifornien, vertreten. 2009 erhielt sie das
zwei Jahre in enger Zusammenarbeit mit der Agentur KOMMUNIKATION LOHNZICH
Guggenheim Fellowship.
an einen Künstler aus dem Bereich digitaler Medien vergeben. Der Preis ehrt die
wichtigsten Künstler der digitalen Kunst für ihr Lebenswerk oder eine bedeutende
Sie ist auch Preisträgerin des Creative Capital Award und des National Endow-
Werkgruppe. Neben einem Preisgeld von 20.000 Euro wird dem Preisträger eine
ment for the Arts sowie den Siemens Media Art Prize, ZKM, den Flintridge Found-
Ausstellung in der Kunsthalle Bremen gewidmet. Der |DDAA| ist die wichtigste
ation Award, den Prix Ars Electronica und den Alfred P. Sloan Foundation Feature
Auszeichnung im Bereich der digitalen Künste. Vorherige Preisträger waren Vera
Film Prize. 2004 erwarb die Bibliothek der Stanford University das Werkarchiv der
Künstlerin.
Molnar, Manfred Mohr sowie Norman White.
Hershman Leeson leitete die Filmfakultät am San Francisco Art Institute und ist
Kunsthalle Bremen, 2. Juni – 19. August 2012
emeritierte Professorin für digitale Kunst des Studiengangs Technocultural Studies
www.kunsthalle-bremen.de
Quelle: [DAM]Berlin
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Thema
Relaunch des |DDAA| Corporate
Designs made by LOHNZICH
Nichts ist so beständig wie der Wandel. Ein universales Gesetz, das nicht nur
die Erscheinungsbilder von Unternehmen betrifft, sondern auch die der Kunst und
ihrer institutionellen Repräsentanten. Vor dem Hintergrund dieses Leitgedankens hat
KOMMUNIKATION LOHNZICH in diesem Frühjahr das Corporate Design des DAM
DIGITAL ART AWARD |DDAA| gestalterisch überarbeitet und neu belebt. Nach der
rasanten Entwicklung des international renommierten Kunstpreises und seiner hohen Akzeptanz in der Kunstwelt galt es, den Auftritt des Preises klarer zu gestalten
und die Entwicklung der letzten Jahre sichtbar zu machen.
Dieses Ziel wurde nun mit der Auffrischung und Weiterentwicklung des Erscheinungsbilds realisiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Logo-Redesign,
eine neue Farbwelt und eine markante Typografie prägen ab sofort den progressiven Auftritt des |DDAA|. Im Zuge dieser gestalterischen Renaissance wurde auch
die Website neu aufgesetzt und bietet mit klaren Linien und ästhetischem Understatement ab sofort viel Raum zum Atmen und Wirken für Künstler und Werke.
Den Ausstellungskatalog der 4. Preisträgerin des |DDAA| erhalten Sie für 19,00
EUR zzgl. Versand unter post@lohnzich.de.
DAM
DIGITAL
ART
AWARD
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zurück < 24 > Vor
Lach- und Fachgeschichten
Unschönes Beispiel für das Fehlen eines Versal-„ß“. Gesehen und festgehalten von uns während der Partnerkonferenz unseres Kunden d.velop AG in Hamburg.
Alles Gute zum Geburtstag, liebes großes Eszett.
Weil das ß im Deutschen niemals am
Jahren – am 4.4.2008 – wurde das
puristen. Die Praxis jedoch belehrt uns
nur ein Notbehelf, der aufhören muß,
Wortanfang steht, sieht die deutsche
Versal-Eszett in den weltweit gültigen
eines Besseren. Obwohl viele Nutzer,
sobald ein geeigneter Druckbuchsta-
Rechtschreibung
Großbuch-
Zeichensatzstandard Unicode aufge-
Unternehmen und Insti-tutionen wie
be für das große ß geschaffen ist.“ Das
staben für dieses Zeichen vor. Beim
nommen und so für die digitale Kom-
etwa die Bundesregierung das neue
LOHNZICH Team fordert daher mit al-
Schreiben in Großbuchstaben – dem
munikation nutzbar gemacht. Im Zuge
Versal-Eszett übernehmen, findet sich
lem Nachdruck: Auch wenn das große
Versalsatz – lautet daher bislang die
dessen fand das für Deutschland und
in vielen Texten und sogar auf großflä-
Eszett bislang nur in einigen wenigen
Empfehlung, das „ß“ durch ein „SS“ zu
Österreich gültige Alphabet seine Kom-
chigen Plakaten noch immer das Duo
Schrifttypen verfügbar ist, muss Variati-
ersetzen. Die Praxis zeigt, dass diese
plettierung. Das Behelfen mit zwei gro-
infernale SS. Und das obwohl schon
onen wie „STRASSE“ oder „SCHEISSE“
Umsetzung nicht nur hässlich aussieht,
ßen „S“ beim Schreiben von Versalwor-
vor 100 Jahren, genauer gesagt 1919,
ein Ende gesetzt werden. Schluss mit
sondern auch orthografisch falsch ist
ten sollte seither der Vergangenheit
der Duden selbst diese Verfahrens-
dem Schluder und her mit der hüb-
und überdies zu phonetischen Miss-
angehören. So weit die Theorie und
weise bemängelte: „Die Verwendung
schen, orthografisch richtigen und pho-
klängen führt. Vor ziemlich genau 4
der Wunsch aller Ästheten und Sprach-
zweier Buchstaben für einen Laut ist
netisch einwandfreien Schreibweise.
keinen
www.versaleszett.de
www.facebook.com/versaleszett
<
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zurück < 25 > Vor
Lach- und Fachgeschichten
Und der Typograf sprach:
Drum breche nicht mit dem Bruchstrich und lass
den Schrägstrich, wo der Pfeffer wächst …
Vielleicht gehören auch Sie zu denen,
Schriftlinie, während der Schrägstrich
die bei der Erstellung von Brüchen in
nur eine leichte Neigung aufweist.
digitalen Medien den Schrägstrich ein-
Durch die bewusste Diagonale kön-
setzen. Ein fataler Fehler, lieber Leser.
nen Zähler- und Nenner-ziffer besser
Aber keine Sorge. Dass in vielen Schrift-
platziert werden. „Wen interessiert‘s?“,
arten mit dem sogenannten Bruchstrich
werden Sie vielleicht fragen. Die Ant-
das korrekte Zeichen existiert, wissen
wort: uns. Und weil wir uns mit unseren
nur eingefleischte Typografen oder
Schriftzeichen und unseren Kunden gut
echte Nerds. Der Unterschied zwischen
verstehen möchten, werden wir auch
Schräg- und Bruchstrich findet sich in
weiterhin die Finger in diese kleinen
der Neigung des Zeichens. Der Bruch-
Typowunden legen.
strich steht fast komplett diagonal zur
Immer noch keinen Zugang zur digitalen Kunst?
Dann gewinnen Sie einen!
Was Sie tun müssen? Senden Sie uns eine E-Mail an post@lohnzich.de mit dem
Betreff „Digitale Kunst“. Die folgenden Preise verlosen wir unter allen Teilnehmern.
Wir wünschen viel Glück!
1. Preis:Galerieführung im [DAM]Berlin durch den Galeristen inkl. Einführung in die
Historie der Digitalen Kunst
2. Preis:„Digital Art“ von Wolf Lieser, 275 Seiten (Hardcover)
3. Preis:„Digital Art“ von Wolf Lieser, 287 Seiten (Hardcover, Pocket Format)
Einsendeschluss ist der 24.08.2012! Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Die Daten werden
ausschließlich für diese Verlosung genutzt und nicht an Dritte weiter gegeben. Eine Barauszahlung ist nicht
möglich. Teilnahme ab 18 Jahren.
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Lach- und Fachgeschichten
Impressum
Herausgeber
KOMMUNIKATION LOHNZICH
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Fon+49 251 2007997-0
Fax+49 251 2007997-9
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Idee & Konzeption
Jeannine Bernhardt,
Miriam Ortmann
Artdirektion
Martin Wördehoff
Layout
Miriam Ortmann
Chefredaktion
Jeannine Bernhardt
Redaktionelle Mitarbeit
Asisa Abu-Oun, Jeannine Bernhardt,
Miriam Ortmann, Benedikt Timmermann,
Martin Wördehoff
Sollten Sie, lieber Leser, kein Besitzer
kennen das Problem? Dann holen Sie
beheben, gehen Sie wie folgt vor. Ganz
eines iPhones sein, wird Sie die Ver-
sich jetzt schon mal eine Büroklammer
wichtig: Sie müssen zuallererst das Ge-
zweiflung mancher Nutzer des Apple
und lesen anschließend gebannt weiter.
rät ausschalten. Dann schnappen Sie
Smartphones möglicherweise befrem-
Die gute Nachricht: Ihr Kopfhörer und
sich Ihre Büroklammer und befreien mit
den, sobald Störungen den einwandfrei-
die Anschlüsse sind mit großer Wahr-
zarter Hand den Klinkenanschluss von
en Betrieb des heiß geliebten Kleinods
scheinlichkeit nicht defekt. Tatsächlich
den Flusen. Jetzt schalten Sie das iPho-
torpedieren. Ein solcher Störfall tritt bei-
haben sich mit ziemlicher Sicherheit am
ne wieder an und testen die bewussten
spielsweise ein, sobald die Steuerungs-
Klinkenanschluss Ihres iPhones kleine
Funktionen. Alles wieder fein? Dann freu-
tasten und das Mikrofon des iPhone-
Störenfriede eingenistet. Genauer ge-
en wir uns auf Ihr Feedback an post@
Headsets ihren Dienst verweigern. Sie
sagt: Flusen! Um die Störung sicher zu
lohnzich.de
Lektorat
Georg Dietz
Titelbild
Martin Wördehoff
Bildnachweise
Fotos dieser Ausgabe: Martin Wördehoff
Fotos Seite 18: Miriam Ortmann
Illustrationen „Tilla“: Tobias Göbel
07.2012
Fluseninterventionen am iPhone
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Die Galerie für zeitgenössische, junge
Positionen und bedeutende Pioniere
aus der digitalen Kunst.
[DAM]Berlin
Neue-Jakob-Str. 6/7
10179 Berlin
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