close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Berliner Wirtschaftsgespräche e.V. Kreativmetropole Berlin Was ist

EinbettenHerunterladen
NR. 1/2008
Was ist Kreativwirtschaft?
Kreativmetropole Berlin Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.
Interviews mit Berliner Kreativen
und Experten aus Wirtschaft und
Politik
Die Hauptstadt im Vergleich Neue Konzepte für die Berliner
Kreativwirtschaft
mit anderen europäischen
Städten
3
Kreativwirtschaft Berlin
Kreativwirtschaft Berlin - ein Kommunikationsprojekt für
die Berliner Wirtschaftsgespräche e. V.
vorgelegt von:
Silvia Fossati
Maria Raduly
Werner Klaus Selmer
Anja Theilig
Annette Wünsche
Prüfer:
Knut Walter
Prof. Dr. Jürgen Schulz
Prof. Dr. Bodo Rollka
Otfried May
Ein Diplomprojekt im Studiengang
Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation
an der Universität der Künste, Berlin
Juni 2008
Editorial 0 5
EDITORIAL
Im September 2007 schlossen sich fünf Studierende des Studiengangs Gesellschafts- und Wirtschaftkommunikation der UdK für
ihr Diplomprojekt zu einer Werbeagentur auf Zeit zusammen.
Wir wollten an einem Projekt arbeiten, dass uns fordert und natürlich auch Spaß macht. In den Berliner Wirtschaftsgesprächen
e. V. sahen wir den geeigneten Auftraggeber.
komm.mix Berlin
Unserer Briefing beinhaltete die Entwicklung einer Kommunikationskampagne für die Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. mit
der sie als eine Kommunikationsplattform an der Schnittstelle
zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur etabliert werden sollen.
Außerdem soll die Berliner Kreativwirtschaft hinsichtlich ihrer
Teilmärkte, Akteure, und Strukturen analysiert und neu definiert
werden.
Diese Aufgabenstellung fanden wir sehr spannend. Hob sie sich
doch von anderen Projekten ab. Genau das richtige für uns!
Aber was bitte ist die Kreativwirtschaft? Wer ist die Kreativwirtschaft und wo können wir etwas dazu finden? So wie uns schien
es vielen zu gehen. Der Begriff Kreativwirtschaft ist zurzeit in aller Munde und scheinbar bereits ein Modewort. Was genau sich
aber hinter dem Wort, dem Thema, den Firmen, den Menschen
der Kreativwirtschaft verbirgt, wissen viele nicht.
In unseren Recherchen haben wir erfahren, dass sich anfänglich
vermutete unterschiedliche Sichtweisen als doch sehr ähnlich
herausstellten. Wir fanden viele Missverständnisse, bürokratische Hürden für Existenzgründer, Rahmenbedingungen die noch
nicht passen, Optimismus und Menschen mit viel Spaß an ihrer
Arbeit in der Kreativwirtschaft und das alles in einer Stadt, die
sich zu einer Kreativmetropole vergleichbar mit Wien, Zürich,
London und New York entwickelt.
Auf den folgenden Seiten dokumentieren wir ein halbes Jahr Arbeit, die in ihrem Ergebnis zu einer PR-Kampagne für die Berliner
Wirtschaftsgespräche e. V. führte.
An dieser Stelle ein kleiner Hinweis: In den folgenden Texten haben wir aus praktikablen Gründen bei geschlechterspezifischen
Beschreibungen häufig nur die männliche Form verwendet, z. B.
nur Künstler und nicht Künstler und Künstlerinnen. Gemeint
sind natürlich immer beide Geschlechter.
Viel Spaß beim Lesen.
06
Inhalt
INHALT
•
•
•
•
•
Editorial (Vorwort) Inhalt
Impressum
Briefing
Der Auftraggeber: Berliner
Wirtschaftsgespräche e. V.
05
07
09
09
10
Forschung
Inhalt 0 7
FORSCHUNG
Sekundärforschung
12
14
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
The creative economy Richard Florida: Rise of the creative class
Benchmarkanalyse London
Europäische Union
Zürich
Wien
Stockholm
Kopenhagen
Deutschland
•
Hamburg
•
Aachen
•
Nordrhein-Westfahlen
•
Schleswig-Holstein
•
Niedersachsen
Berlin
14
15
16
17
18
19
20
20
21
22
24
24
25
25
25
27
Teilergebnisse
28
•
•
•
Komm.mix Definition Kreativwirtschaft
Komm.mix Teilmärkte Berlin
Teilmarktabgleich
28
29
29
Die Berliner Teilmärkte 33
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Architektur
Bildende Kunst
Buch- und Pressemarkt
Darstellende Kunst
Design
Film/ Rundfunk/ TV
Kunsthandwerk
Musik
Software- und Computerspieleindustrie
Werbung und PR
Zusammenfassung
35
35
36
37
38
39
39
40
41
41
42
Primärforschung
43
•
Die Interviewpartner Fließendes Interview
44
45
Auswertung der Primärforschung
48
•
•
•
•
•
49
50
50
52
52
Was ist Kreativwirtschaft?
Standort Berlin
Netzwerke der Kreativwirtschaft
Fördermöglichkeiten der Berliner Kreativwirtschaft
Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kreativen
Fazit zur Forschung
Anhang (Fragebogen Literatur- und Quellenverzeichnis)
53
55
Berliner Bär
8
Impressum | Briefing 09
IMPRESSUM
BRIEFING
Kreativitätshochburg Berlin
Die hier dokumentierten Gedanken sind geistiges Eigentum der
Projektgruppe komm.mix Berlin und unterliegen den geltenden
Urhebergesetzen. Die ganze oder teilweise Vervielfältigung sowie die Weitergabe an Dritte ist nicht gestattet.
komm.mix Berlin sind:
Silvia Fossati
Maria Raduly
Werner Klaus Selmer
Anja Theilig
Annette Wünsche
Gestaltung:
Christina Ohmann & die Projektgruppe
“Creative Head” und Animation:
Bernhard Schluga & die Projektgruppe
Druck und Bindung:
15 Grad - S. Jahn & Lutz Ziegenhagen GbR
www.15grad.de
Kontakt:
Anja Theilig
anja.theilig@web.de
Silvia Fossati
silvia.fossati@gmx.de
Annette Wünsche
annette.wuensche@t-online.de
Trotz großen Potentials und hohen Wachstumsraten ist die Kreativwirtschaft in Berlin kaum organisiert und wird von der Politik und
den übrigen Wirtschaftsbranchen nur wenig wahrgenommen.
Entwickeln Sie eine Kommunikationskampagne, bei der Sie die
Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. als eine Kommunikationsplattform an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und
Kultur etablieren.
Analysieren Sie die Berliner Kreativwirtschaft hinsichtlich ihrer
Teilmärkte, Akteure, und Strukturen und legen Sie eine neue Definition fest.
Untersuchen Sie, was von politischer Seite bereits in Berlin zur
Förderung der Kreativwirtschaft getan wird. Erarbeiten Sie auf
dieser Grundlage Forderungen, die von den Berliner Wirtschaftsgesprächen e. V. gegenüber der Politik vertreten werden können.
Erstellen Sie auf Basis ihrer Forschungsergebnisse ein Konzept
für ein Themenheft “Kreativwirtschaft Berlin” und machen Sie
Vorschläge für eine Dialogserie, die neue Impulse für die Kreativwirtschaft gibt.
010 Der Auftraggeber
DER AUFTRAGGEBER:
Berliner Wirtschaftsgespräche e. V.
EIN VEREIN MIT DEM ZIEL, DIE IN WIRTSCHAFT UND POLITIK
BETEILIGTEN AKTEURE ZUM MEINUNGS- UND INFORMATIONSAUSTAUSCH AN EINEN TISCH ZU BRINGEN.
Die Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. sind ein überparteilicher
Verein mit Mitgliedern aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft, der die Wettbewerbsfähigkeit der Berliner
Unternehmen durch die Schaffung von Netzwerken und Kommunikationszusammenhängen verbessern möchte. Dabei steht
eine bessere Kommunikation zwischen in- und ausländischen
Unternehmen im Vordergrund, die in Berlin und gleichzeitig auf
den osteuropäischen Märkten und im Ostseeraum aktiv sind. Mit
Informationsveranstaltungen, Seminaren und Foren vermitteln
die Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. Informationen über technologische und wirtschaftliche sowie soziale und rechtliche Entwicklungen.
Ziel der Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. ist es die Probleme
und Chancen der Hauptstadt zu thematisieren und Impulse für
eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik zu geben, die dem
Wirtschaftsstandort Berlin zu einer neuen Dynamik verhelfen.
Im Rahmen zahlreicher Veranstaltungen bringt der Verein regelmäßig Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zum
Meinungs- und Erfahrungsaustausch an einen Tisch und ist
mittlerweile zu einer viel beachteten Plattform für wirtschafts-,
technologie- und gesellschaftspolitische Themen avanciert.
Darüber hinaus wollen die Berliner Wirtschaftsgespräche e. V.
die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, gesetzgeberischen
Körperschaften, öffentlicher Verwaltung, Wissenschaft und Sozialpartnern begleiten und entwickeln. Die Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. verstehen sich zwar als unabhängig, weder Ideologien noch Programmen verpflichtet, dennoch bewegen sie sich
nicht im politikfernen Raum. Es wird bewusst der Dialog mit den
einzelnen Parteien gesucht, denn „wer etwas bewegen will, darf
sich natürlich nicht in einem völlig politikfernen Raum bewegen.“ 1
Gesprächskreise sind ein spezielles Diskussionsforum innerhalb
der Berliner Wirtschaftsgespräche. Sie dienen der intensiven
Fachdiskussion und dem exklusiven Informationsaustausch zu
1
Dr. Rudolf Steinke, Geschäftsführer Berliner Wirtschaftsgespräche e. V.
aktuellen und zukunftsweisenden Fragen und Entwicklungen
auf den jeweiligen Gebieten. Sie tragen so im besonderen Maße
zum Ziel der Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. bei.
Unterschiedliche Veranstaltungsreihen und Gesprächskreise,
wie das Unternehmerforum, der Gesprächskreis Wirtschaft und
Finanzen, das Forum Neue Technologien oder das Mittelstandsfrühstück geben jedem Mitglied die Möglichkeit, sich entsprechend seiner persönlichen Interessenlage einzubringen.
Die inhaltliche Planung und Leitung der Gesprächskreise liegt
bei der jeweiligen Lenkungsgruppe. Sie koordiniert die Arbeit, definiert die Themen, wählt die Gastreferentinnen und -referenten
aus und setzt darüber hinaus die Schwerpunkte des öffentlichen
Programms der Berliner Wirtschaftsgespräche.
Die Gesamtkoordination und Einladung der Gesprächskreise und
ihrer Lenkungsgruppen erfolgt durch die Geschäftsführung der
Berliner Wirtschaftsgespräche e. V.
%FSÃ#FSMJOFS8JSUTDIBGUTHFTQSjDIFF7²WFSTVDIUEFS,PNNVOJLBUJPOJOOFSIBMCEFTÃNB
ESBUT²WPO8JSUTDIBGU8JTTFOTDIBGU,VMUVSVOE1PMJUJL*NQVMTF[VHFCFOVOETJFXFJUFS[V
Der Auftraggeber 011
%S3VEPMG4UFJOLF
(FTDIjGUTGISFOEFT7PSTUBOETNJUHMJFEEFS
#FSMJOFS8JSUTDIBGUTHFTQSjDIFF7
;BIMSFJDIF8JSUTDIBGUTWFSCjOEF6OUFSOFINFS
DMVCTVOEWFSFJOFVOEOJDIU[VMFU[UEJF#VO
EFTNJOJTUFSJFOCJFUFOJO#FSMJO8PDIFGS
8PDIFFJOF'MMFWPO.zHMJDILFJUFO[VN*OGPS
NBUJPOTVOE.FJOVOHTBVTUBVTDIBCFSBVDI
[VN,OQGFOWPOHFTDIjGUMJDIFO,POUBLUFOBVG
JOGPSNFMMFS&CFOF"OHFTJDIUTEJFTFS7JFM[BIM
WPO,PNNVOJLBUJPOTNzHMJDILFJUFOXBSFTWPS
OVONFISOFVO+BISFOFJOLMFJOFT"CFOUFVFS
eGGFOUMJDIF
7FSBOTUBMUVOHFO
EFOÃ#FSMJOFS8JSUTDIBGUTHFTQSjDIFF7²[V
HSOEFO"MTCFSQBSUFJMJDIF7FSFJOJHVOH
IBCFOXJSVOT[VN;JFMHFTFU[UFJOF1MBUU
GPSN[VTDIBGGFOEJFEFO*OGPSNBUJPOTVOE
,PNNVOJLBUJPOTCFESGOJTTFOEFS8JSUTDIBGU
'PSTDIVOH8JTTFOTDIBGU,VMUVSVOE1PMJUJL
HFSFDIUXJSE%BSCFSIJOBVTXPMMFOXJSEJF
;VTBNNFOBSCFJU[XJTDIFO8JSUTDIBGUHF
TFU[HFCFSJTDIFO,zSQFSTDIBGUFOzGGFOUMJDIFS
7FSXBMUVOH8JTTFOTDIBGUVOE4P[JBMQBSUOFSO
CFHMFJUFOVOEFOUXJDLFMO%JF#FSMJOFS8JSU
TDIBGUTHFTQSjDIFWFSTUFIFOTJDIBMTVOBC
IjOHJHXFEFS*EFPMPHJFOOPDI1SPHSBNNFO
8JSUTDIBGU
VOE'JOBO[FO
8JSUTDIBGUT
QPMJUJL
8PIOVOHT
XJSUTDIBGU
,BNJOHFTQSjDIF
)BOEFM
VOE4USVLUVS
QPMJUJL
(FTQSjDITLSFJTF
*OEVTUSJFQPMJUJL
7PSTUBOE
8JSUTDIBGU
VOE'JOBO[FO
(FTDIjGUTGISVOH
#SP
8JSUTDIBGUTQPMJUJL°
4UBEUFOUXJDLMVOHVOE
"V‡FOXJSUTDIBGU
-FOLVOHTHSVQQFO
"SCFJUTLSFJTF
,PNNVOJLBUJPO
VOE13OVSJOUFSO
(FTVOEIFJUTXJSUTDIBGU
.JUUFMTUBOETGSITUDL
OVSJOUFSO
.PCJMJUjU
-PHJTUJL
7FSLFIS
-VGUVOE
3BVN
GBISU
8JSUTDIBGU
"SCFJUVOE
#JMEVOH
/FVF5FDIOPMPHJFO
'PSTDIVOHVOE8JTTFOTDIBGU
'PSVN-VGUWFSLFIS
VOE-PHJTUJL
OVSJOUFSO
.BSLFUJOH
,PNNVOJLBUJPO
VOE13
,VMUVS
XJSUTDIBGU
8JSUTDIBGU
"SCFJUVOE#JMEVOH
*OIBMUMJDIF1MBOVOH
VOE-FOLVOH
EFS(FTQSjDITLSFJTF
*,
VOE.FEJFO
CFSMJOFSXJSUTDIBGUTHFTQSjDIF
,VMUVS5PVSJTNVT
VOE,PNNFS[
.FEJ[JO
#JPVOE(FO
UFDIOPMPHJF
(FTVOEIFJUT
XJSUTDIBGU
"V‡FO
XJSUTDIBGU
'SBVFO'BNJMJF
VOE8JSUTDIBGU
/FVF
5FDIOPMPHJFO
'PSTDIVOHVOE
8JTTFOTDIBGU
Aufbau Verein
WFSQ¿JDIUFU%JFTCFEFVUFU
VOTJNQPMJUJLGFSOFO3BVN
TJOEXJSEBSVNCFNIUE
JOEFO%JBMPHFJO[VCF[JFI
%JF8FMUCMJDLUBVGFJOFT
#FSMJOJTUFJOFTQBOOFOEF
VOE"VGCSVDI%JF8FMUTDI
IJFSOJDIUBMMFTGFSUJHJTUX
VOELSFBUJWFS"VGCSVDIJO
'PSNBVGFJOBOEFSUSFGGFOX
VOETP[JBMF7JFMGBMUBVGXFJT
TFJOFJHFOFT1SP¾MIBUXFJ
.FUSPQPMFVOEEFVUTDIF
XFJM#FSMJOJNNFSNFIS;
XJFEFSFJOF8BDITUVNTEZ
NBDIU4QB‡JO#FSMJO[VMF
NJU[VHFTUBMUFO%FS#FS
HFTQSjDIFF7JTUNJUUFO
*IOFOVOE*ISFO*OUFSFTT
VNBOEFSF.FOTDIFOOF
,PPQFSBUJPOTQBSUOFS[VU
*OEFS4JUVBUJPOEFT"VGCS
OJDIUOVSFJOF'JOBO[QPMJU
MJDIFTWPMMCSJOHFONVTT
FJOF[VLVOGUTPSJFOUJFSUFV
TDIBGUTQPMJUJLEJFEFN8
#FSMJOXJFEFS[VOFVFS
IJMGU8JTTFOTDIBGU'PSTD
%JFOTUMFJTUVOHTBOHFCPU
EJF.BSLFO[FJDIFO#FSM
OJDIUEJF4UjSLFOEFS4UB
7JFMNFISNTTFOEJFTF4U
VOEQSBYJTPSJFOUJFSUSF¿FL
FOUXJDLFMUXFSEFOXJFTJ
1SPTQFSJUjUVNHFTFU[UXF
6OTFSF(FTUBMUVOHTGjIJH
%JF'VTJPOEFS-jOEFS#FSM
XjSFFJOXJDIUJHFS4DISJUU
[VSFBMJTJFSFOEJF1PUFO[JB
8JSUTDIBGUVOE'PSTDIVO
"VGHBCFOFOUTQSFDIFOE
EJFTF'VTJPOXJSEBVGTJ
%BIFSNTTFOXJSKFU[UEFO
#FSMJOHFTUBMUFO%FS'MVH
EFOCVSH*OUFSOBUJPOBM##
*OWFTUJUJPOTQSPKFLUVOEOJ
#FSMJONJUOFVFO%JSFLU
Á#FSMJO#SB
12
13
FORSCHUNG
14 Forschung | Sekundärforschung
SEKUNDÄRFORSCHUNG
The Creative Economy
“In the Creative Economy, the most important intellectual property isn’t software or music or movies. It’s the stuff inside employees’
heads. When assets were physical things like coal mines, shareholders truly owned them. But when the vital assets are people, there
can be no true ownership. The best that corporations can do is to
create an environment that makes the best people want to stay.” 2
Inspiriert durch die Jahrhundertwende wurden in den letzten
Jahren viele tiefer gehende Beobachtungen der Gesellschaft und
ihrer Phänomene angestellt. Besonders interessant dabei waren
die Vorhersagen über die Zukunft der Arbeit, der Wirtschaft und
des menschlichen Lebens im 21. Jahrhundert.
Wirtschaft und Gesellschaft sind immer mehr auf Ideen und kreative Prozesse angewiesen. Dies führte schließlich zum Begriff
der „Creative Economy“.
Eine erste Skizzierung der kreativen Gesellschaft bzw. Wirtschaft
kam mit dem 2000 in einem Sonderheft der „Business Week“ veröffentlichten Artikel von Peter Coy aus Amerika.
Der Wirtschaftswandel wird von Coy auf die rasante IT -Entwicklung zurück geführt und die Software-Branche wird als Ursache
der Kreativwirtschaft dargestellt und gilt zudem als der Sektor
mit dem höchsten Entwicklungspotenzial.
Coy trifft außerdem eine Vorhersage über die Berufe der Zukunft,
welche hauptsächlich im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien liegen werden. Diese Prognose ist hier
dargestellt.
TOP 5 in percentage growth 1998-2008 (USA)
•
Computer Engineer
•
Computer Support specialist
•
Systems analysts
•
Database administrators
•
Desktop publishing specialists
2
Coy. Peter: Which companies will thrive in the coming years? Those that value ideas above all else. 2000.
Sekundärforschung | Forschung 15
Richard Florida: “The Rise of the Creative Class”
Definition in Bezug auf die Zugehörigkeit zur kreativen Klasse ist
also berufsbezogen.
Die Gesellschaft des kreativen Zeitalters und die dazu gehörigen sozialen Klassen werden von Florida wie folgt dargestellt. Er
unterteilt in eine kreative Klasse, eine Arbeiterklasse und in die
Klasse des Dienstleistungsbereichs.
Die kreative Klasse besteht aus einem „supercreative nucleus“,
welcher die Fähigkeit hat neue Lösungen zu finden, die einfach
reproduzierbar sind und vielfältig verwendet werden können. Zu
diesem „supercreative nucleus“ gehören vor allem Naturwissenschaftler, Ingenieure, Künstler, Schriftsteller, Architekten, Verleger und andere Berufsgruppen. Der zweite Bestandteil der kreativen Klasse sind die „Kreativen von Beruf“, welche in der Lage sind
Problemlösungen aufgrund ihrer komplexen Fachkenntnisse zu
entwickeln. Zu dieser Gruppe gehören Rechtsanwälte, Ärzte, Finanz- Dienstleister oder Manager.
Richard Florida
Der meistzitierte Theoretiker der Kreativwirtschaft ist der Amerikaner Richard Florida.
Mit seiner Veröffentlichung „The Rise of the Creative Class“ im
Jahr 2003 wurde er zum Maßstab jeder weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema Kreativwirtschaft.
Florida wollte herausfinden, warum Kreativität heute höher geschätzt wird als je zuvor und warum die Kreativität einen immer höheren Stellenwert im heutigen gesellschaftlichen Leben
hat. Dazu entwickelte er die Theorie des Aufstiegs einer neuen
sozialen Klasse im Rahmen eines Wirtschafts- und Gesellschaftswandels. Die Theorie wird von qualitativen und quantitativen
Studien, welche hauptsächlich im amerikanischen Raum durchgeführt wurden, unterstützt.
Laut Florida befinden wir uns in einem neuen Zeitalter, dem Zeitalter der Kreativwirtschaft. In diesem basieren die Arbeitsprozesse und damit die gesamte Wirtschaft auf der Kreativität. Dabei
werden drei Arten von Kreativität unterschieden. Die technologische Kreativität, welche sich auf Erfindungen bezieht, die ökonomische Kreativität, die das sog. Entrepreneurship beschreibt und
die künstlerisch-kulturelle Kreativität.
Die neue aufsteigende Klasse bezeichnet Florida als „kreative
Klasse“. Diese besitzt bestimmte Merkmale und Fähigkeiten wie
Individualität, Kreativität und Vielfalt, welche sie dazu befähigt
einen Mehrwert aus ihrer Kreativität heraus zu generieren. Die
kreative Klasse bestimmt durch ihr Handeln soziale und kulturelle Entscheidungen und beeinflusst die Strukturen und Werte
der gesamten Gesellschaft. Zur kreativen Klasse gehören hauptsächlich, aber nicht ausschließlich die „Wissensberufe“. Floridas
Die Arbeiterklasse besteht hauptsächlich aus Handwerkern, Fabrikarbeitern und anderen Angestellten ohne große Weisungsbefugnis. Auch hier spielt Kreativität in zunehmendem Maß eine
Rolle. Die Angehörigen dieser Klasse üben nicht mehr nur mechanische Tätigkeiten nach einem bestimmten Schema aus. Sie sind
viel mehr gezwungen kreativ zu denken und eigene Problemlösungen zu finden. Es wird hier von einer „kreativen Fabrik“ gesprochen, in der alle Mitarbeiter mitdenken und durch ihre Kreativität einen Beitrag für das Ganze leisten.
Dadurch sind auch neue Produktionskonzepte wie das „just-inTime Prinzip“ entstanden.
Die dritte Klasse ist die Klasse des Dienstleistungsbereichs, zu der
unter anderem das Gastronomie, Hotel - und Transportgewerbe aber auch Reinigungsfirmen und Hausangestellte gehören.
Diese Klasse wächst mit der kreativen Klasse, da die Kreativen
bestimmte Services und Dienstleistungen in Anspruch nehmen
(müssen), um ihre Arbeit leisten zu können. Die kreative Klasse
braucht z.B. effiziente Verkehrsmittel, da Mobilität für sie ein wesentlicher Faktor ist. Durch den so entstehenden Kontakt mit der
kreativen Klasse übernimmt auch die Klasse des Dienstleistungsbereichs die Werte und den Lebensstil der Kreativen und wird
selbst kreativ. Sie sind so in den Kreislauf der Kreativwirtschaft
mit integriert.
Nach Richard Florida ist also eigentlich jeder Beruf kreativ oder
kann es zumindest werden. Dies ist gleichzeitig auch der Hauptkritikpunkt an Floridas Theorie.
Obwohl wir Floridas Theorie eines allgemeinen Gesellschaftsund Wirtschaftswandels für sinnvoll und nachvollziehbar halten, werden wir uns im Rahmen unserer Arbeit eher auf besser
quantifizierbare europäische Ansätze stützen, die es uns erlauben sinnvolle Abgrenzungen für die Berliner Kreativwirtschaft
zu entwickeln.
16 Forschung | Sekundärforschung
Die Benchmarkanalyse
Im ersten Teil der Sekundärforschung soll eine Benchmarkanalyse angewandt werden.
Unter Benchmarking versteht man einen kontinuierlichen Prozess, mit dem sowohl Produkte und Dienstleistungen, als auch
Prozesse und Methoden betrieblicher Funktionen über mehrere
Unternehmen hinweg verglichen werden können.3
In unserem Fall, bezogen auf die Kreativwirtschaft, sollen die
wichtigsten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichte Europas hinsichtlich ihrer zugrunde liegenden Definition und der verwendeten Teilmärkte miteinander verglichen werden. Resultierend aus
der besten Praxis wird eine Definition für die Kreativwirtschaft
Berlins und eine Festlegung der Berliner Teilmärkte erfolgen.
Für die Form des Benchmarking kann das Strategie-Benchmarking herangezogen werden. Strategie-Benchmarking beschäftigt
sich mit langfristigen Zielen einer Unternehmung. Für unseren
Fall ist das die Stadt Berlin. Es stehen dabei die Marktpositionierung und Wettbewerbsstrategien im Fokus der Untersuchung.
Aktionsplan
(Quelle: Leibfried/ Mc Nair:
Benchmarking. S.53)
Unsere Vorgehensweise kann dabei folgendermaßen zusammengefasst werden:
1. Es werden relevante Kultur- und Kreativwirtschaftsberichte Europas ausgewählt.
Diese sind in unserem Fall die Berichte der/ von:
•
EU
•
London
•
Zürich
•
Wien
•
Stockholm
•
Kopenhagen
•
Deutschland
•
Hamburg
•
Aachen
•
Nordrhein-Westfahlen
•
Schleswig-Holstein
•
Niedersachsen und
•
Berlin
2. Es werden Kriterien zusammengestellt, die in allen Berichten
behandelt werden. Diese sind in unserem Fall:
•
Definition von Kreativwirtschaft
•
Teilmärkte der Kreativwirtschaft
•
Besonderheiten des jeweiligen Berichts
3. Die einzelnen Kultur- und Kreativwirtschaftsberichte werden
auf die festgelegten Kriterien hin untersucht und die Best Practise soll ausfindig gemacht werden.
Phasenmodell
(Quelle: Leibfried/ Mc Nair:
Benchmarking. 1992, S. 51)
4. Die Benchmark wird ausgewählt. Diese ist in unserem Fall
London, da dies die erste Stadt überhaupt war, die sich mit dem
Thema Creative Industries beschäftigt hat und damit die meiste
Erfahrung im Umgang mit dem Thema aufweist.
5. Abgeleitet von den Schritten 1-4 sollen eine eigene Definition
für die Berliner Kreativwirtschaft entwickelt und eigene Teilmärkte definiert werden.
3
Vgl.: Leibfried/ Mc Nair: Benchmarking. 1992.
Sekundärforschung | Forschung 17
London
London war die erste europäische Stadt, die sich mit dem Thema
Kreativwirtschaft beschäftigte. Der Begriff „Creative Industries“
(daraus die deutsche „Kreativwirtschaft“, kreative Industrie o. ä.)
ist eine Londoner Ausprägung aus dem Jahr 1998.
Zum ersten Mal wurde von Creative Industries und den dafür
nötigen politischen Rahmenbedingungen im „Mapping Document“ des „DCMS“ (Department for Culture, Media and Sports)
gesprochen.
Im Mittelpunkt der Londoner Definition steht die Individuelle Kreativität, der Potenzial für Wachstum und Beschäftigung
durch Beschaffung und Nutzung von geistigem Eigentum (Urheberrechten) zugesprochen wird.
“the creative industries are those industries which have their
origin in individual creativity, skill and talent and which have a
potential for wealth and job creation through the generation and
exploitation of intellectual property.” 4
Eine enge Verwandtschaft von Märkten wie Tourismus, Hotellerie, Museen und kulturellem Erbe wird anerkannt und im weiteren Sinne berücksichtigt.
Die hier zugrunde gelegte konzeptuelle Definition ist jedoch für
statistische Untersuchungen nur wenig geeignet. Deshalb wird
zwischen einer konzeptuellen und einer statistischen Definition
unterschieden. Eine statistische Definition, welche die Creative
Industries in fünf Ebenen unterteilt und genauere statistische
Untersuchungen der Teilmärkte ermöglicht wurde 2007 von
Frontier Economics5 veröffentlicht.
01_ Generic Supply Chain, Frontier Economics
Consumer retail of Creative Product
Anhand der konzeptuellen Definition werden vom DCMS 13 Teilmärkte unterschieden:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
4
5
Advertising
Architecture
Art and antique markets
Computer and video games
Crafts
Design
Designer Fashion
Film & video
Music
Performing arts
Publishing
Software
TV and radio
Creative Economy Program. Mapping Document and CEP. 2007.
Statistical Analysis in the CIs. Frontier Economics. 2007.
LAYER 4
Sales of hardware to layer 1
LAYER 3
Agents for layer 1
LAYER 2
Exhibition organisers
ing
LAYER 1 ACTIVITIES
Financing
Commissioning
LAYER 5
Writing
Performing
Acting
Composition
Filming
Programming
Cast-
Publishing
Adaptation of layer 1 outputs
Manufacture of hardware and raw materials used in layer 1
Manufacture of hardware and raw materials used in layer 2 and layer 3
Retail of complementary products (e.g. televisions) to consumers
18 Forschung | Sekundärforschung
Europäische Union
Europa
Auf EU-Ebene hat man sich erst spät mit dem Thema Kreativbzw. Kulturwirtschaft auseinander gesetzt. Dies lässt sich unter
anderem daran erkennen, dass noch keine offizielle Definition
auf europäischer Ebene existiert.
Die Staatsmitglieder haben sich vorerst auf die EUROSTAT Definition geeinigt, welche besagt:
„..activities incorporated within cultural policy are those dealing
with preservation, creation, production, dissemination, trading
and education, in all cultural goods and services, in the artistic and
monumental heritage, book and press, visual arts, architecture,
performing arts, audio and audiovisual media/multimedia.”6
Diese dient eher statistischen Zwecken und legt die Zuständigkeiten der Kulturpolitik in die Bereiche Bewahrung, Kreation,
Produktion, Verbreitung, Vermarktung und Bildung für folgende
Teilmärkte:
Kulturelle Güter und Dienstleistungen
Kunst- und kulturelles Erbe
Buch und Presse
Visual Arts
Architektur
Darstellende Kunst
Audio und Audiovisuelle Medien / Multimedia
Erst mit der „European Parliament Resolution on Cultural Industries“ von 2003 wurde die Europäische Kommission vom EU-Parlament beauftragt, eine Studie über die kreativen Industrien in
Europa durchzuführen, um ein Mapping zu ermöglichen.
Die Ergebnisse erschienen im Oktober 2006 in der Studie „The
Economy of Culture in Europe“.
Die Ergebnisse der Studie basieren auf der EUROSTAT Definition,
6
EUROSTAT – Cultural Statistics in the EU. 2000.
man unterscheidet aber zwischen kulturellem und kreativem
Sektor.
Kultureller Sektor
Innerhalb des kulturellen Sektors werden zwei Unterbereiche
definiert: die der nicht-industriellen Sektoren und die der industriellen Sektoren.
Nicht-industrielle Sektoren stellen nicht reproduzierbare Waren und Dienstleistungen her, die zum „Verbrauch“ vor Ort (auf
einem Konzert, einer Kunstmesse, einer Ausstellung) bestimmt
sind.
Industrielle Sektoren hingegen sind für Massenproduktion, Massenverbreitung und Export bestimmt.
Der kreative Sektor
Im kreativen Sektor wird die Kultur zu einem kreativen Produktionsmittel zur Herstellung nicht kultureller Waren. (Gestaltung,
Werbung, Design u. a.)
Kreativität wird in der Studie als Einsatz kultureller Ressourcen,
als Zwischenprodukt im Produktionsprozess der nicht-kulturellen Bereiche und mithin als Quelle von Innovation verstanden.
Demzufolge erstreckt sich die Untersuchung der Studie auf den
kulturellen und den kreativen Sektor.
Sekundärforschung | Forschung 19
Zürich
Die Kreativwirtschaft der Schweiz wurde 2005 in zwei komplementären Studien untersucht. Es handelt sich dabei um eine empirisch- quantitative Studie der Hochschule für Gestaltung und
Kunst Zürich und einen Synthesebericht „Kreativwirtschaft Zürich“.
Kreativwirtschaft wird dabei wie folgt definiert:
„Kreativwirtschaft fokussiert auf die Kreativbetriebe im privatwirtschaftlichen Sektor. Es sind die Unternehmen, die sich auf
erwerbswirtschaftlicher Basis mit der künstlerischen/kreativen
Produktion, ihrer Vermittlung und/ oder medialen Verbreitung
von entsprechenden Gütern und Dienstleistungen befassen.“7
Zu den Züricher Teilmärkten ist Folgendes festzustellen:
Bei der Betrachtung des gesamten kulturellen Raums wird der
privatwirtschaftliche (kreativwirtschaftliche) Teil in drei Sektoren unterteilt. Diese sind Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.
Der Staat (Öffentliche Kulturbetriebe d.h. Opern, Theater, Museen)
ist für die kulturelle Grundversorgung verantwortlich. Die Zivilgesellschaft (Gemeinnützige Organisationen, Stiftungen und
Vereine) bietet weitere kulturelle Leistungen an. Die Wirtschaft
bietet ihre Leistungen im engeren und weiteren Sinne branchenbezogen an.
Kulturwirtschaft im engeren Sinne umfasst:
• Musikwirtschaft
Komponisten und Musikbearbeiter, Tonträgerindustrie, Musikverlage, Einzelhandel mit Musikinstrumenten, Ballettgruppen,
Orchester, Kapellen, Chöre, Tonstudios, u. a.
• Buch- und Literaturmarkt
Schriftsteller, Journalisten und Pressefotografen, Einzelhandel
mit Büchern, Fachzeitschriften, Bibliotheken, Archive, u. a.
• Kunstmarkt
Bildende Künstler, Restauratoren, Einzelhandel mit Kunstgegenständen und Bildern, Museen und Kunstausstellungen u. a.
• Filmwirtschaft
Bühnen-, Film- und Hörfunk, TV-Künstler, Film- und Videofilmherstellung, Filmverleih, Filmtheater, Runkfunk- und Tvanstalten, u. a.
7
Synthesebericht Kreativwirtschaft Zürich 2005, S. 7.
• Darstellende Kunst
Artisten, Theaterensembles, Theater- und Konzertveranstalter,
Opern- und Schauspielhäuser, Kleinkunstbühnen, sonstige kulturelle Leistungen (Zirkus, Puppentheater, u. a.)
• Design
Industriedesigner, Grafikdesigner, Kommunikationsberater, u. a.
• Architektur
Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsplaner, u. a.
Kulturwirtschaft im weiteren Sinne umfasst Kultur- und Medienwirtschaft.
Hinzukommen der Medien-, Informations- und Kommunikationssektor als drittes Segment.
Die Branchen der Kulturwirtschaft im engeren Sinne werden
durch die Kulturwirtschaft im weiteren Sinne ergänzt. Beispielsweise ist Musikwirtschaft ohne die Phonoindustrie nicht denkbar. Und die Filmwirtschaft wird durch TV-Produktionen und
Rundfunksendern beeinflusst.
Bahnhof Standelhof in Zürich
20 Forschung | Sekundärforschung
Wien
Stockholm
Hundertwasserhaus in Wien
Hauptbahnhof in Stockholm
Wien hat in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Vorarbeiten zur Entwicklung einer Strategie für den Umgang mit
den Creative Industries geleistet und einige Maßnahmen auch
schon umgesetzt. So werden jährlich etwa 330 Millionen Euro
aus Mitteln der Stadt und des Bundes in die Kunst und Kultur
Wiens investiert.
Von 80.000 Wiener Unternehmen arbeiten 18.000 im Bereich der
Creative Industries.
Mehr als 107.000 Menschen – etwa 15,5 Prozent aller in Wien Beschäftigten – sind in diesem Bereich tätig. Dies ist im Vergleich
zum übrigen Österreich ein enorm hoher Wert.
Das Thema Kreativwirtschaft ist auch und gerade in den nordischen Ländern Europas von großer Bedeutung. Stockholm9
(Schweden) und Kopenhagen10 (Dänemark) haben 2001 und 2005
eigene Kreativwirtschaftsberichte vorgelegt.
Wien definiert die Creative Industries wie folgt:
Architektur
Design
Film
Fotografie
Kunst
Literatur
Computer- und Fernsehspiele Medien
Mode
Musik
Darstellende Kunst
Tourismus und Unterkunft sowie
Auftragskommunikation
Zum Bereich der Creative Industries zählen all jene Bereiche, welche ein hohes Maß an Kreativität benötigen, um ihre Produkte
und Dienstleistungen herzustellen, bzw. zu erbringen. Kreativität hat dabei den Charakter eines Produktionsfaktors, der analog,
zu Aufwendungen für Forschung und Entwicklung eingesetzt
werden muss um Innovationen zu entwickeln.8
Die genauen Teilmärkte sind im Einzelnen:
Architektur
Audiovisueller Bereich (Film, Video, Fernsehen, Radio)
Bildende Kunst und Kunstmarkt
Darstellende Kunst und Unterhaltungskunst
Grafik, Mode und Design
Musikwirtschaft
Literatur, Verlagswesen und Printmedien
Software, Spiele, Internet und Multimedia
Museen und Bibliotheken
Werbung
8
Untersuchung des Potentials der Creative Industries in Wien. 2004. S. 19.
Stockholm definiert Kreativwirtschaft als eine zusammenfassende Bezeichnung für Individuen und Firmen mit einem kreativen
Anspruch, deren primäre Funktion es ist Erfahrungen in der einen oder anderen Form zu schaffen oder zu liefern.
Dabei unterscheidet Stockholm folgende kreative Teilmärkte:
9
The FUNK Growth Model of Sweden. Stockholm. 2001.
The geography of the Danish creative class. Frederiksberg. 2005.
10
Sekundärforschung | Forschung 21
Kopenhagen
Auch die dänische Hauptstadt Kopenhagen ist seit ein paar Jahren auf dem besten Weg zu einer Kreativmetropole zu werden.
Vor allem die Bereiche Mode, Design, Computerspiele und Film
haben dabei internationale Beachtung gefunden.
Der Kopenhagener Kreativwirtschaft liegt folgende, sehr weit gefasste, Definition zugrunde:
Kreativwirtschaft sind Industrien die Produkte im Bereich der
Unterhaltungswirtschaft entwickeln und verkaufen.11
Dabei werden folgende Teilmärkte unterschieden:
Film und Video
Radio und TV
Musik
Design
Architektur
Werbung und Marketing
Software
Bücher
Printmedien
Panorama von Kopenhagen
11
http://www.copcap.com/composite-7910.htm. 04.04.2008.
22 Forschung | Sekundärforschung
Deutschland
Auch in Deutschland gewinnt das Thema Kreativwirtschaft, hier
meist unter dem Begriff Kulturwirtschaft, immer mehr an Bedeutung. Dies ist nicht zuletzt an den vermehrten Veröffentlichungen von Kulturwirtschaftsberichten in den letzten Jahren zu
sehen. So haben mittlerweile viele Bundesländer, einige Städte
und auch die Bundesregierung mit ihrem Schlussbericht der Enquete Kommission „Kultur in Deutschland“ auf nationaler Ebene
eine eigene Einschätzung zum Thema vorgelegt.
Nachfolgend soll eine Übersicht der bisher erschienenen Berichte
in Deutschland gegeben werden:
1. Kulturwirtschaftsbericht der Hansestadt Hamburg (2006)
1. Kulturwirtschaftsbericht der Stadt Aachen (2005)
1. Kulturwirtschaftsbericht der Stadt Köln (2007)
1. und 2. Kulturwirtschaftsbericht der Stadt Karlsruhe
(1996; 2007)
1. Kulturwirtschaftsbericht des Landes Berlin (2005)
1. Kulturwirtschaftsbericht des Landes Niedersachsen (2002)
1. Kulturwirtschaftsbericht des Landes Schleswig-Holstein
(2004)
1. und 2. Kulturwirtschaftsbericht des Landes Sachsen-Anhalt
(2001; 2006)
1. und 2. Kulturwirtschaftsbericht des Landes Hessen
(2003; 2005)
1. Kulturwirtschaftsbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern (1997) und Kulturanalyse für Mecklenburg-Vorpommern
(2004)
1. bis 5. Kulturwirtschaftsbericht des Landes NRW
(1992; 1995; 1998; 2002; 2007)
Schlussbericht der Enquete Kommission „Kultur in Deutschland“
(2007)
Entwicklung der Kulturwirtschaft in Bayern – SPD Fraktion im
Bayerischen Landtag (2000)
Kultur und Tourismus in den neuen Bundesländern (2002)
Kulturwirtschaft 2005 – Friedrich Naumann Stiftung (2005)
Der Bericht der Enquete Kommission „Kultur in Deutschland“ ist
bisher die einzige Deutschland weite Betrachtung des Themas
Kreativwirtschaft. Er konzentriert sich vorwiegend auf den privatwirtschaftlichen Bereich.
Die zugrunde liegende Definition des Begriffes Kreativwirtschaft setzt sich aus der Kulturwirtschaft (Musik- und Theaterwirtschaft; Verlagswesen; Kunstmarkt; Filmwirtschaft; Rundfunkwirtschaft; Designwirtschaft sowie Architektur) und den
Kreativbranchen (Werbung; Software- und Gamesindustrie) zusammen. Kreativwirtschaft kann demnach mit folgender Formel
ausgedrückt werden:
Kreativwirtschaft = Kulturwirtschaft + Kreativbranchen
Die Teilmärkte der Kreativwirtschaft sind demzufolge:
• Verlagsgewerbe (Buchverlage, Presseverlage, Tonträger- und
Musikverlage)
• Filmwirtschaft (Film-, TV-Film-, Video-Produktion, Verleih, Vertrieb, Filmtheater)
• Rundfunkwirtschaft (privater Hörfunk/Fernsehen)
• Musik, visuelle und darstellende Kunst (freiberufliche Künstler, private Kleinkunstszene, Theater-/Konzertdirektionen, bühnentechnische Betriebe)
• Journalisten-/Nachrichtenbüros
• Museumsshops, Kunstausstellungen (kommerzielle Museumsaktivitäten und Kunstausstellungen)
• Einzelhandel mit Kulturgütern (Musikfachhandel, Buchhandel, Galerien, Kunsthandel)
• Architekturbüros (Innen-, Garten-/Gestaltungs-, Hoch-/ Tiefbauarchitekten)
• Designwirtschaft (Industrie-, Produktdesign einschließlich
Mode- und Textildesign, Kommunikationsdesign/ Werbegestaltung, jedoch ohne Fotografisches Gewerbe)
• Werbung (Werbevermittlung etc. ohne Werbedesign)
• Software/Games (Software- und Spielentwicklung und -beratung, ohne Hardware und Datenverarbeitungsdienste)
Die Ansätze der verschiedenen Kulturwirtschaftsberichte
Deutschlands unterscheiden sich teilweise erheblich. Im Folgenden werden deshalb exemplarisch einige Definitions- und Teilmarktansätze aus den bereits erschienenen Kulturwirtschaftsberichten vorgestellt.
Installation, Museum of Modern Art, Frankfurt
23
24 Forschung | Sekundärforschung
Hamburg
Aachen
Der Kulturwirtschaftsbericht Hamburg12 berücksichtigt die Kulturwirtschaft im weiteren Sinne. Das heißt es werden neben
erwerbswirtschaftlich ausgerichtete Unternehmen (Kulturwirtschaft im engeren Sinne) auch gemeinnützige und öffentliche
Einrichtungen aufgenommen. Dies ist vor allem darauf zurück
zu führen, dass die Kulturwirtschaft Hamburgs im Wesentlichen
von gemeinnützigen und öffentlichen Einrichtungen geprägt ist
und die Auslassung dieser die kulturwirtschaftliche Bedeutung
der Hansestadt immens schmälern würde.
Hamburg unterscheidet sechs Teilmärkte, die sich an der Klassifikation von Kunstsparten orientieren:
Die Stadt Aachen definiert den Begriff Kulturwirtschaft wie
folgt:
„Insgesamt werden unter dem Begriff Kulturwirtschaft/ Creative
Industries diejenigen Kultur- bzw. Kreativunternehmen erfasst,
welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und
sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen. Sie bilden den privaten (wirtschaftlichen)
Teilsektor des gesamten Kultur-/Kreativsektors ab.
Die Kulturwirtschaft umfasst alle Unternehmen aus dem Dienstleistungs-, Handels- und Produktionssektor, die den verschiedenen Kulturbranchen zugeordnet werden können.“13
• Darstellende Kunst
(Musicals, Sprechtheater und Musiktheater, Varietés und Kleinkunstbühnen sowie Theaterveranstalter und Künstlervermittler)
• Bildende Kunst
(Galerien, private Kunstsammlungen mit Ausstellungsbetrieb,
Künstlerhäuser und Ateliers, Kunst- und Antiquitätenhandel,
Auktionen und Projekte der Kunst im öffentlichen Raum)
• Angewandte Kunst
(Architektur, Design, Mode, Kunstgewerbe, Kunsthandwerk, Film
und Foto)
• Kulturelles Erbe
(Denkmalschutz, Museen, Gedenkstätten sowie Ausstellungshäuser)
• Literatur
(Bibliotheken (aber keine wissenschaftlichen Einrichtungen) sowie Buchverlage und Buchhandlungen)
• Musik
(Hersteller und Vervielfältiger von Tonträgern, Musikclubs und
Bars, Hersteller von Musikinstrumenten, Musikverlage, Tonstudios, Tonträger-Handel, Musikinstrumenten- und MusikalienHandel, Orchester und Chöre sowie Konzertveranstalter, Künstlervermittler und Konzertstätten.)
Aachen unterscheidet folgende Teilmärkte:
Musikwirtschaft/Phonomarkt (im engeren und im weiteren
Sinne)
Buch-/Literatur-/Pressemarkt (im engeren und im weiteren Sinne)
Film/TV-Wirtschaft/Phonomarkt (im engeren und im weiteren
Sinne)
Kunstmarkt / Kunsthandwerk (im engeren und im weiteren
Sinne)
Darstellende u. unterhaltende Kunst (im engeren und im weiteren Sinne)
Designwirtschaft
Architektur
Werbung/Sonstige
Unter Kulturwirtschaft „im engeren Sinne“ werden diejenigen
Wirtschaftszweige zusammengefasst, welche zentrale künstlerische/kreative und/oder kulturelle Aktivitäten auslösen.
Zur Kulturwirtschaft „im weiteren Sinne“ zählen verwandte
Märkte vor allem aus den Medienbranchen, da sich kulturwirtschaftliche Märkte ständig im Wandel befinden und ebenso in
hohem Maße mit technologischmedialen Branchen verzahnt
sind.
Eine Besonderheit des Hamburger Kulturwirtschaftsberichts ist,
dass sämtliche Medienwirtschaftlichen Beiträge wie Werbung,
PR, Rundfunk; Printmedien und Multimedia nicht aufgenommen
wurden. Dies wurde damit begründet, dass Medienwirtschaft
kein Teil der Kulturwirtschaft und Kulturwirtschaft kein Teil der
Medienwirtschaft sei und diese so auch nicht miteinander vermischt werden sollten.
12
Kulturwirtschaftsbericht 2006 für Hamburg. 2006.
13
Vgl.: Kulturwirtschaft in Aachen. 2005.
Sekundärforschung | Forschung 25
Nordrhein-Westfalen
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen unterscheidet zwischen den Begriffen Kulturwirtschaft und Kreativwirtschaft. 14
Der Ansatz „Kulturwirtschaft“ umfasst alle Wirtschaftsbranchen
mit Kulturbezug.
Der Ansatz „Kreativwirtschaft“ bezieht sich auf die Kernbranchen der Kulturwirtschaft und wird ergänzt durch die Branche
der Softwareindustrie.
Im Kulturwirtschaftsbericht des Landes Niedersachsen wird der
Begriff folgendermaßen definiert:
„Kulturwirtschaft umfasst alle Wirtschaftsbetriebe, Selbstständigen und alle erwerbswirtschaftlichen Aktivitäten die für die
Vorbereitung, Erhaltung und Sicherung von künstlerischer Produktion, Kulturvermittlung und/oder künstlerischer Verbreitung Leistungen erbringen oder dafür Produkte herstellen oder
veräußern.“16
Nordrhein-Westfalen unterscheidet folgende Teilmärkte:
Musikwirtschaft mit Schwerpunkt Popmusik
Literatur- und Buchmarkt mit Schwerpunkten Verlage und
Einzelhandel
Kunstmarkt
Film- und TV Wirtschaft mit Schwerpunkt Filmproduktion
Designwirtschaft
Softwareindustrie
Niedersachsen unterscheidet folgende Teilmärkte:
Darstellende Kunst und Unterhaltungskunst
Film/TV, Rundfunk und sonstige Medienwirtschaft
Kunst, Design, Werbung
Literatur, Buch, Print- und Pressemarkt
Musikwirtschaft
Schleswig-Holstein
Der Kulturwirtschaftsbericht des Landes Schleswig-Holstein definiert Kulturwirtschaft wie folgt:
„Kulturwirtschaft ist ein Querschnittsbereich zwischen dem ersten, dem zweiten und dem dritten Sektor, zwischen Wirtschaft,
Staat und gemeinnützigem Bereich, die in ihrer Gesamtheit
auch als Kulturbetrieb bezeichnet werden. Kulturwirtschaft umfasst damit den marktorientierten Bereich und den öffentlichen
Kulturbetrieb.“15
Schleswig- Holstein unterscheidet folgende Teilmärkte:
Musikmarkt
Buch- und Literaturmarkt
Kunstmarkt, Kunsthandwerk und Design
Darstellende Kunst
Film, Hörfunk, Fernsehen und Unterhaltungselektronik
Soziokultur
Kulturverwaltung, -management und –forschung
Kulturbauwirtschaft und Denkmalschutz
14
Vgl.: Kulturwirtschaftsbericht Nordrhein-Westfalen. 2007.
15
Bericht der Landesregierung über die Entwicklung der Kulturwirtschaft in Schleswig-
Holstein. 2004.
16
Kulturwirtschaft in Niedersachsen. 2002.
Kuppel des Sony Centers, Berlin
26 Forschung | Sekundärforschung
Sekundärforschung | Forschung 27
Berlin
KREATIVWIRTSCHAFT
Darstellende Kunst,
Kunstmarkt, Architektur
und kulturelles Erbe
MEDIEN
IT
02_Cluster Kommunikation, Medien und Kulturwirtschaft
(Quelle: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen.
Kurz-Info Cluster Kommunikation, Medien und
Kulturwirtschaft.)
Marktforschung
Auch die Stadt Berlin hat im Jahr 2005 einen ersten Kulturwirtschaftsbericht vorgelegt. Im Herbst 2008 soll ein Zweiter folgen.
Berlin definiert Kulturwirtschaft wie folgt:
Unter Kulturwirtschaft werden alle selbstständigen und erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen, die kulturelle Güter
und Dienstleistungen erstellen, vermarkten, verbreiten, damit
handeln sowie Kulturgüter bewahren, zusammengefasst.17
Der Kultursektor umfasst gemäß dem traditionellen 3-Sektorenmodell den erwerbswirtschaftlichen, den öffentlich geförderten
und den gemeinnützigen Kulturbereich. Die Begriffe Kulturwirtschaft und Kreativwirtschaft werden teilweise deckungsgleich,
Teilmarkt der Kreativwirtschaft
Selbständige und
Freiberufler
Musik, Film & TV, Buchund Pressemarkt,
Werbung/PR
Software, Multimedia,
Internet / ITK
Nachrichtentechnik,
Hardwareberatung,
DV-Dienste
teilweise aber auch in unterschiedlichen Abgrenzungen verwendet. Unter dem Begriff „Kreativwirtschaft“ verstehet man in Berlin den erwerbswirtschaftlichen Sektor und damit alle Unternehmen und Selbstständigen, die gewinnorientiert und in privater
Rechtsform kulturelle Güter produzieren, vermarkten, verbreiten
oder damit handeln. Auch gewerbliche Betriebsteile von Kulturinstitutionen zählen zur Kreativwirtschaft.
Innerhalb der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und
Frauen wird die Kreativwirtschaft im Cluster Kommunikation,
Medien und Kulturwirtschaft betrachtet. Sie unterliegt dabei
Überschneidungen mit dem technologiebezogenen Kompetenzfeld „IT“ und dem Kompetenzfeld „Medien“.
Unternehmen
03_Teilmärkte
Film- und Fernsehwirtschaft
Schriftsteller, Autoren,
Pressefotografen, Journalisten
Schauspieler, Moderatoren
Buchverlage, Druckereien,
Buchhandlungen
Filmproduktionsfirmen, Verleiher,
Kinos, Rundfunk- und TV Sender
(Quelle: Senatsverwaltung für Wirtschaft,
Technologie und Frauen. Kulturwirtschaft/
Kreativwirtschaft in Berlin.)
Kunstmarkt
Maler, Designer
Galerien, Kunstgewerbe
Softwareentwicklung /
Telekommunikation
Musikwirtsschaft
Web-Designer
Softwarehäuser,
Telekommunikationsdienstleister
Instrumentenhersteller, Musikfachgeschäfte, Clubs, Verlage,
Veranstalter
Werbeagenturen,
Werbevermittler
Die in Abbildung 04_Teilmärkte benannten Unternehmen und Selbstständigen
sind die wesentlichen Protagonisten der
Kreativwirtschaft in Berlin.
Buch- und Pressemarkt
Komponisten, Musiker, Tontechniker
Werbung
Werbegrafiker, Werbetexter
Architektur und kulturelles Erbe
Restauratoren, Architekten,
Stadtplaner
17
Kulturwirtschaft in Berlin. 2005. S. 8.
Architekturbüros
Die einzelnen Teilmärkte werden im Anschluss noch genauer untersucht und
dargestellt. (Siehe Teilmärkte der Berliner
Kreativwirtschaft)
28 Forschung | Teilergebnisse
TEILERGEBNISSE
Komm.mix Definition
Kreativwirtschaft
Umsetzu
Obwohl wir den Ansatz von Richard Floridas eines allgemeinen
Gesellschafts- und Wirtschaftswandels für zutreffend halten,
wollen wir aus Umsetzungsgründen von dieser makroperspektivischen Betrachtung der Kreativwirtschaft Abstand nehmen.
Denn nach Florida sind praktisch alle Berufe kreativ.
Wir wollen unserer Arbeit eine mikroperspektivische Betrachtung der Kreativwirtschaft zugrunde legen, welche sich an der
im Herbst 2007 veröffentlichten Studie „Statistical Analysis“ von
Frontier Economics im Auftrag des DCMS, also der Benchmark
London, orientiert. Die hier gegebene statistische Definition wollen wir als Ausgangspunkt unserer konzeptuellen Definition für
den Begriff Kreativwirtschaft betrachten.
Die Studie hat ein Modell erarbeitet, welches eine Darstellung der
universellen Wertschöpfungskette der Kreativwirtschaft ermöglicht. Im inneren Kern dieses Modells stehen die kreativen Aktivitäten an sich, welche der Ausgangspunkt der gesamten kreativen
Industrie sind. Hierbei handelt es sich um die Ideenfindung und
die Umsetzung dieser kreativen Idee, also die Schaffung von Urheberrechten.
Diesen Prozess wollen wir Kreativwirtschaft im engeren Sinne
bezeichnen.
g)
un
er
Pro uktio
n g
n
Bei der Recherche der Definitionen, die den einzelnen Kultur- und
Kreativwirtschaftsberichten zugrunde liegen fiel auf, dass diese extrem unterschiedlich und teilweise nur wenig trennscharf waren.
Festivals (In
sse/
sz
e
M
Vermarktu eni
ng
d
Kreative
Kunden /
Publikum
Im engeren Sinne
Im weiteren Sinne
04_universelle Wertschöpfungskette
Unsere Definition für die Berliner Kreativwirtschaft lautet demnach:
Der kreative Kern als erste Stufe der Wertschöpfungskette findet
sich in fast allen der von uns zusammen gestellten Definitionsversuche wieder. Uneinigkeit herrscht vielmehr in Bezug darauf,
wie weit die Kreativwirtschaft geht, das heißt welche Stufen der
Wertschöpfungskette noch Teil der Kreativwirtschaft sind und
welche nicht. Diese Unklarheit ist auch darauf zurück zu führen,
dass die Grenzen zwischen den einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette oft fließend sind und sich verändern.
Wir unterscheiden Kreativwirtschaft im engeren und im weiteren Sinne.
Wir bezeichnen die Stufen der kreativen Wertschöpfungskette,
welche über die Ideenfindung und Umsetzung hinausgehen als
Kreativwirtschaft im weiteren Sinne. Dazu gehören die (Produktion), Vermarktung und Ausstellung des kreativen Produkts sowie ggf. noch andere Schritte.
Kreativwirtschaft im weiteren Sinne sind die Prozesse auf den
übrigen Stufen der jeweiligen Wertschöpfungskette, die sich
mit der Auswertung der kreativen Inhalte befassen. Dies kann
je nach Teilmarkt die Produktion, Vermarktung, Ausstellung und
andere Schritte umfassen.
Kreativwirtschaft im engeren Sinne sind die Prozesse auf der
ersten Stufe der Wertschöpfungskette bei allen kreativen Teilmärkten. Es handelt sich dabei um jene kreativen Aktivitäten am
Anfang jedes wirtschaftlichen Prozesses innerhalb der Kreativbranche von denen Urheberrechte erzeugt werden.
Teilergebnisse | Forschung 29
KOMM.MIX TEILMÄRKTE FÜR BERLIN
Abgleich der Teilmärkte
London
EU
Advertisment
Werbung
(Kreativbranche)
Architecture
Architektur
(Kreativbranche)
Art & Antique
Kulturelles Erbe
(Bildende Kunst)
Zürich
Architektur
Wien
Stockholm
Kopenhagen
Auftragskommunikation
Werbung und
Marketing
Werbung
Architektur
Architektur
Architektur
Architekturbüros
Kunstmarkt
Musik, Visuelle
und Darstellende
Kunst#
Kunstmarkt
Bildende Kunst
(einschl. Museen,
und Kunstmarkt
Ausstellungen)
Computer & Games
Kunst
Museen, Ausstellung
ComputerFernsehspiele,
Medien
Crafts
Kunsthandwerk
(Bildende Kunst)
Design
Designer Fashion
Film & Video
Gestaltung/Design
(Kreativbranche)
Film & Video
(Kulturbranche)
Filmwirtschaft
Audiovisueller
Bereich
Music
Musik
(Kulturbranche)
Musikwirtschaft
Performing Arts
Darstellende Kunst
(Kunst)
Publishing
Bücher und Presse
(Kulturbranche)
Computerspielindustrie
Berlin
Werbung und PR
Architektur - kulturelles Erbe
Design
Grafik, Mode und
Design
komm.mix
Werbung / PR
Architektur
Bildende Kunst
Kunstmarkt
Software &
Computerspiele
Software / Games
Kunsthandwerk
Kunsthandwerk
Design
Design
Designwirtschaft
Film
Film & Video
Film
Musikwirtschaft
Musik
Musik
Darstellende
Kunst
Darstellende
Kunst/Unterhaltungskunst
Darstellende
Kunst
Darstellende
Kunst
Buch und
Literaturmarkt
Literatur, Verlagswesen,
Printmedien
Literatur
Design
Mode
Bücher
Printmedien
Software
Verwandte Industrie
(Kreativbranche)
Software, Spiele,
Internet und
Multimedia
Software
TV & Radio
TV & Rundfunk
(Kulturbranche)
Audiovisueller
Bereich
Radio & TV
Zusätzliche
Teilmärkte
Deutschland
Werbung
Musik, Visuelle
und Darstellende
Kunst#
Film und TVWirtschaft
Film, Rundfunk
und TV
Musikwirtschaft
Musik–
Darstellende
Kunst
Verlagsgewerbe
Buch und Presse
Journalisten,
Nachrichtenbüros
Buch und
Presse
InformationsSoftware &
KommunikationComputerspiele
stechnologien
Rundfunkwirtschaft
Fotografie
Einzelhandel mit
Kultugütern
Tourismus- Unterkunft
Museumsshops,
Kunstausstellungen
Film und TVWirtschaft
Film, Rundfunk
und TV
05_Abgleich
Auch hier werden die 13 von London definierten Teilmärkte der
Kreativwirtschaft zugrunde gelegt. Ihnen werden die entsprechenden Teilmärkte aus den anderen Kultur- uns Kreativwirtschaftsberichten Europas zugeordnet.
Daraus ergeben sich zehn für Berlin sinnvolle Teilmärkte, welche
Architektur/ Buch- und Pressemarkt/ Werbung und PR/ Darstellende Kunst/ Bildende Kunst/ Kunsthandwerk/ Design/ Film, TVund Rundfunk/ der Musikmarkt sowie die Software- und Computerspieleindustrie sind.
Wie sich diese zehn Teilmärkte im Einzelnen entlang der Wertschöpfungskette zusammensetzten, lässt sich den folgenden drei
Grafiken entnehmen.
30 Forschung | Teilergebnisse
Songschreiber
Instrumentenbau
Architekturbüros für Regionalund Landesplanung
Komposition
Tonstudios
Architekturbüros für Innenarchitektur/ Hochbau
Kulissenbau
Gesang
Musik
Architektur
Architekturbüros für Garten- und
Landschaftsplanung
Softwareentwicklung
3D Grafikproduktion
Journalismus
Übersetzungsbüros
Computerspiele-/
Softwarehersteller
Computerspiele/
Software
Buch & Pressemarkt
Computerspielentwicklung
Autoren/ Schriftsteller
Nachrichtenbüros
PR
Produktdesign
Teilmärkte Berlin
im engeren Sinne
Werbung/ PR
Modedesign
Industriedesign
Text
Design
Planung
Grafik
Filmbearbeitung
Animation
Grafikdesign
Sounddesign
Regie
Webdesign
Kamera
Film/ TV/ Rundfunk
Drehbuch
Fernseh- und Rundfunkprogramm produktion
Darstellende Kunst
Storyboarding
Tanz
Synchronsprecher
Schauspiel
Film- und Videofilmproduktion
Malerei
Bühnenkunst
Kunsthandwerk
Bildende Kunst
Restauratoren
Bildhauerei
Kunstfotografie
Glasbläserei
Goldschmiederei
Keramikhandwerk
Metallgestaltung
Teilergebnisse | Forschung 31
Komponisten
Songschreiber
Instrumentenbauer
Tonmeister
Sänger
Musik
Musikproduzenten
Architekten für Regionalund Landesplanung
Innenarchitekten
Kulissenbauarchitekten
Architektur
Architekten für Gartenund Landschaftsplanung
Software- und
Computerspielentwickler
3D Grafiker
Journalisten
Dolmetscher
Computerspiele/
Software
Buch & Pressemarkt
Autoren
Software- und
Computerspielhersteller
Schriftsteller
Teilmärkte Berlin im engeren
Sinne nach Berufen
Texter
Produktdesigner
PR-Leute
Grafiker
Industriedesigner
Design
Modedesigner
Werbung/ PR
Sounddesigner
Fotojournalisten
Strategen/Planer
Animateure
Regisseure
Grafikdesigner
Webdesigner
Darstellende Kunst
Cutter
Tänzer
Artisten
Film/ TV/ Rundfunk
Schauspieler
selbst. Bühnenkünstler
Kameraleute
Drehbuchautoren
Film/TV/Rundfunk
Produzenten
Storyboardzeichner
Synchronsprecher
Kunsthandwerk
Moderatoren/ Nachrichtensprecher
Glasbläser
Maler
Bildende Kunst
Metallgestalter
Goldschmiede
Restauratoren
Bildhauer
Kunstfotografen
Keramiker
32 Forschung | Teilergebnisse
Musikverlage
Festivals
Konzertveranstalter
Musikeinzelhandel
Musiklabels
Bauunternehmen
Wohnungsbaugesellschaften
Tanzlokale/
Diskotheken
Opern/
Konzerthallen
Architektur
Antiquariate
Musik
Einzelhandel
Messen
Einzelhandel
Messen
Buch & Pressemarkt
Computerspiele/
Software
Verlage
Bibliotheken/
Archive
Projekt Management
Modenschauen/
Messen
Teilmärkte Berlin im
weiteren Sinne
Beratung
Presseagenturen
Events/Festivals
Einzelhandel
Design
Festivals
Webung/ PR
Designagenturen
Bekleidungseinzelhandel
Kinos/ Filmtheater
Darstellende Kunst
Film/ TV/ Rundfunk
Festivals
Zirkus
Filmverleihe
Video-/ DVD Anbieter
Filmvertrieb
Tanzschulen
Künstler/
Castingagenturen
Theater/ Varietés
Theaterveranstalter
Rundfunk- und
Fernsehanstalten
Festivals
Kunsthandwerk
Bildende Kunst
Manufakturen
Auktionshäuser
Museen
Einzelhandel mit
Kunstgegenständen
Ausstellungs & Galerien
Veranstalter
Ausstellungen &
Galerien
Galerien
Kunstgewerbehandel
Die Berliner Teilmärkte | Forschung 33
DIE BERLINER TEILMÄRKTE
Die ermittelten Teilmärkte sollen nun genauer betrachtet und
dargestellt werden. Da die aktuellsten Zahlen aus dem Berliner
Kulturwirtschaftsbericht, bei welchem das Jahr 2002 als Grundlage dient, bzw. vom DIW aus dem Jahr 2005 stammen und wir
andere Teilmärkte definiert und eine andere Herangehensweise
(Definition) als in der genannten Literatur zugrunde liegt, gewählt haben, können wir bezüglich Umsatz, Unternehmens- und
Beschäftigtenzahlen der einzelnen Teilmärkte nur ungefähre
Angaben machen.
Der Berliner Kulturwirtschaftsbericht 2008 wird neue Zahlen, jedoch bezogen auf die vom Berliner Senat definierten Teilmärkte
liefern.
Reichstag, Berlin
34 Forschung | Die Berliner Teilmärkte
Die Berliner Teilmärkte | Forschung 35
Architektur
Bildende Kunst
Zur ersten Stufe der Wertschöpfungskette im Bereich Architektur
gehören Architekturbüros für Hochbau und Innenarchitektur,
für Regional- und Landesplanung, für Garten- und Landschaftsplanung und für Kulissenbau. Zu den weiteren Stufen der Wertschöpfungskette kann man private Wohnungsbaugesellschaften,
Bauunternehmen, aber auch Ausstellungen und Messen zählen.
Im Jahr 2005 gab es in Berlin circa 2700 umsatzsteuerpflichtige
Unternehmen im Bereich Architektur, die einen Umsatz von circirca 650 Millionen Euro erwirtschafteten und circa 6000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte bezahlten. Den größten
Anteil daran hatten die Büros für Innenarchitektur- und Hochbau.
Der Markt im Bereich der Architektur ist vor allem durch Kleinund Kleinstunternehmen geprägt, die Mehrzahl der Unternehmen beschäftigt weniger als zwei sozialversicherungspflichtige
Angestellte. Beschäftigten- und Umsatzzahlen waren in den
letzten Jahren rückläufig. Trotzdem weist Berlin nach Hamburg
und Baden-Württemberg die dritthöchste Architektendichte in
Deutschland auf.
Viele Projekte im Bereich der Architektur werden jährlich gefördert. Architekturbüros erhalten jährlich 580.000 Euro bis 2,4 Mio.
Euro über Investitionskostenzuschüsse bei Neugründungen und
Erweiterungen und durch zahlreiche weitere Förderprogramme,
wie z. B. „Zukunftsinitiative Ökologisches Wirtschaften“ oder den
„Zukunftsfond Berlin“.
Als Netzwerk hat sich in den letzten Jahren besonders das
„AEDES Architekturforum“ hervorgetan, welches mit Symposien,
Workshops, Diskussionen und Vorträgen für einen Erfahrungsaustausch zwischen Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern,
Ingenieuren, Vertreten aus Politik und Kultur sowie interessierten Laien schafft.
Friedrichstraße
Der Teilmarkt bildende Kunst setzt sich auf der ersten Stufe der
Wertschöpfungskette aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei,
Kunstfotografie sowie Restauration zusammen. Zur Kreativwirtschaft im weiteren Sinne gehören in diesem Bereich die Galerien,
Ausstellungen, Auktionshäuser, Museen sowie der Einzelhandel
mit Kunstgegenständen.
Im Jahr 2005 gab es in Berlin circa 2500 Unternehmen in diesem
Bereich, welche einen Umsatz von etwa 280 Mio. Euro erwirtschafteten und circa 2500 sozialversicherungspflichtige Beschäftige aufwiesen.
Auch dieser Teilmarkt ist vor allem durch Klein- und Kleinstunternehmen geprägt. 2002 überschritten von 6100 bei der Künstlersozialkasse gemeldeten selbstständigen bildenden Künstlern
nur 7% die Mindestgrenze der Umsatzsteuerstatistik von 16.617
Euro im Jahr. 93% waren somit gar nicht erfasst. Trotzdem sind
die Umsätze in den letzen Jahren steigend.
Der Teilmarkt Bildende Kunst wird mit jährlich 930.000 Euro bis
3 Mio. Euro aus Mitteln des Programms „Gemeinschaftsaufgabe
zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ sowie mit
zahlreichen anderen Wirtschaftsförderprogrammen unterstützt.
Auch hier findet ein Großteil der Förderung über Investitionskostenzuschüsse statt. Des Weiteren unterstützt das Land Berlin
die Bildenden Künste durch die Förderung von Einrichtungen im
Bereich der künstlerischen Produktion und Kunstvermittlung,
durch individuelle Künstlerförderung in Form von Stipendien
sowie Projekt- und Katalogförderung, durch Atelierförderung
(Ateliermietprogramm) und durch die Möglichkeit der künstlerischen Ausbildung in Berlin, z. B. an der Universität der Künste
und anderen Hochschulen.
Das Land Berlin gab 2003 8,7 Mio. Euro für institutionelle und
projektbezogene Förderung im Bereich der Bildenden Künste aus,
davon etwa 2,7 Mio. Euro aus dem Hauptstadtkulturfonds. Neben
dem Land Berlin werden die Bildenden Künstler vor allem durch
die Stiftung Deutsche Klassenlotterie, die Stiftung Kulturfonds,
die Kulturstiftung des Deutschen Bundes und durch die Bezirke
unterstützt.
36 Forschung | Die Berliner Teilmärkte
Buch- und Pressemarkt
Buch & Presse
Zur Kreativwirtschaft im engeren Sinne gehören aus diesem Teilmarkt die Journalisten, Übersetzungsbüros, Nachrichtenbüros
und die Autoren und Schriftsteller. Auf den weiteren Stufen der
Wertschöpfungskette sind Verlage, der Einzelhandel, Antiquariate
Presseagenturen sowie Bibliotheken und Archive zu finden.
Im Jahr 2005 gab es in Berlin circa 4800 Unternehmen in diesem
Teilmarkt mit einem Umsatz von annähernd 4,5 Milliarden Euro
und etwa 18.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Der
Großteil des Umsatzes wurde dabei in der Kreativwirtschaft im
weiteren Sinne generiert.
Mehr als 10% aller deutschen Unternehmen des Buch- und Pressemarktes haben ihren Sitz in Berlin. Auch wenn es in Berlin große
Verlage, wie die Axel Springer AG gibt, so ist der Großteil dieses
Marktes von Klein- und Kleinstunternehmen geprägt, von denen
2002 1/3 den Mindestumsatz für die Umsatzsteuerstatistik nicht
erreichten. Besonders auf der ersten Stufe der Wertschöpfungskette ist ein überdurchschnittlich hoher Frauenanteil von mehr
als 70% zu verzeichnen.
Der Buch- und Pressemarkt war in den letzten Jahren der Teilmarkt mit den größten Wachstumsraten. Berlin ist die Stadt der
Schriftsteller und Journalisten und aufgrund der hohen Dichte
an Literaturagenturen wichtigster Standort für den AutorenNachwuchs in Deutschland.
Das Land Berlin unterstützt die Unternehmen aus dem Bereich
Buch- und Pressemarkt jährlich mit 7 – 13 Mio. Euro aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur“ sowie mit anderen Wirtschaftsförderprogrammen („Arbeitsmarkt- und berufspolitisches Rahmenprogramm“ und „Programm Informationsgesellschaft“). Hierbei
werden Autoren sowie Schriftstellern durch Aufenthalts- und
Arbeitsstipendien sowie individuelle Projektförderung unterstützt und es werden Autoren- und Übersetzungswerkstätten
gefördert.
Jedoch gehen von den 30 Mio. Euro an Zuwendungen des Landes
Berlin für den Buch- und Pressemarkt rund 29 Mio. Euro an öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken und damit nicht an die
privatwirtschaftliche Kreativwirtschaft.
In Berlin gibt es fünf Literaturhäuser. Das Literarisches Colloquium Berlin, Literaturforum im Brecht Haus, das Literaturhaus Berlin, das LesArt Berliner Zentrum für Kinder und Jugendliteratur
und die Literaturwerkstatt Berlin. Diese werden jährlich mit circa
zwei Mio. Euro vom Land Berlin gefördert und fungieren als Begegnungs- und Arbeitsstätten. Sie unterstützen damit Autoren,
Schriftsteller und Übersetzer bei ihrer Arbeit.
Jährlich finden in Berlin auch mehrere Literaturfestivals- und
Veranstaltungen, wie die Berliner Märchentage oder die Kreuzberger Büchernacht statt.
Die Berliner Teilmärkte | Forschung 37
Darstellende Kunst
Prime Time Theater, Berlin
Zum Teilmarkt der Darstellenden Kunst gehören im engeren Sinne die Tänzer, Schauspieler, Artisten und alle anderen selbstständigen Bühnenkünstler. Im weiteren Sinne kommen die Theater,
Tanzschulen, Künstler- und Castingagenturen, Festivals, Varietes,
Puppentheater, Vergnügungsparks und Zirkusse hinzu.
Insgesamt gab es 2005 im Bereich Darstellende Kunst in Berlin
etwa 1200 Unternehmen, die einen Umsatz von circa 500 Mio.
Euro erwirtschafteten und rund 4700 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte aufwiesen.
Im Berliner Teilmarkt Darstellende Kunst ist der Anteil der EinPersonen-Unternehmen besonders groß. 2002 erwirtschafteten
lediglich 20% der bei der Künstlersozialkasse gemeldeten Unternehmen einen Umsatz, der bei mehr als 16.617 Euro lag und damit von der Umsatzsteuerstatistik erfasst wurde.
Die Umsätze in diesem Teilmarkt stiegen in den letzen Jahren
relativ stark an. Diese Umsatzzuwächse wurden hauptsächlich
von den Theaterensambles- und veranstaltern erwirtschaftet.
Die Umsätze der übrigen bildenden Künstler waren eher gleich
bleibend bis rückläufig.
An Theatereinrichtungen und -projekte vergab das Land Berlin
2003 Zuwendungen und Zuschüsse in Höhe von 89 Mio. Euro. Das
entspricht 26% des Kulturetats. Neben der institutionellen Förderung wurden Theaterprojekte mit 4,7 Mio. Euro – davon allein 3,4
Mio. Euro über so genannte Projekt- sowie Spielstättenförderung
unterstützt.
Jährlich finden viele Theater- und Tanztheaterfestivals in Berlin
statt. So z.B. die „Theatertage Berlin“, das „Dialog Theaterfest“
oder das „Internationale Tanzfest – Tanz im August“.
38 Forschung | Die Berliner Teilmärkte
Design
Modelabel “justMariOt”
Der Teilmarkt Design setzt sich im engeren Sinne aus den Bereichen Modedesign, Grafikdesign, Produktdesign sowie Industriedesign, Webdesign und Sounddesign zusammen. Im weiteren
Sinne kommen die Bereiche Messen/Modenschauen, Festivals,
Designagenturen und der Einzelhandel dazu.
Im Jahr 2005 gab es im Bereich Design etwa 3000 Unternehmen
mit circa 11.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in
Berlin. Diese erwirtschafteten einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro. Wobei der größte Teil bei Umsatz und Beschäftigten
dem Einzelhandel zuzuschreiben ist. 1300 der Unternehmen entfallen auf Designateliers.
Auch der Markt im Bereich Design zeichnet sich durch viele EinPersonen-Unternehmen aus. Trotz relativ schwieriger Bedingungen, da die Industrie in Berlin weitgehend fehlt, sind in den
letzten Jahren große Wachstumsraten im Bereich Design zu verzeichnen. Besonders das Modedesign wird in Berlin immer wichtiger und zieht viele große und kleine Labels an.
12% aller deutschen Designateliers haben ihren Sitz in Berlin. Aus
diesem Grund und wegen der vielen Netzwerke im Bereich Design, wurde Berlin 2006 von der UNESCO auch zur „City of Design“
ernannt.
Die Designer Berlins werden hauptsächlich durch individuelle
Künstlerförderung des Landes Berlin und Atelierförderprogramme unterstützt. Mehrere Berliner Hochschulen bieten Designstudiengänge an und schaffen so den Berliner Designnachwuchs.
Julian Appelius “ToppleLeft”
Zu den Netzwerken, die sich im Bereich Design sehr zahlreich in
Berlin entwickelt haben gehören unter anderem „Berlinomat“,
„Create Berlin“, „berlindesign.net“, „designszene berlin“ vom
Internationalen Designzentrum Berlin (IDZ) und „Berliner
Klamotten“. All diese Netzwerke versuchen die Berliner Designer
miteinander in Kontakt zu bringen und Vorteile für ihre Arbeit
zu schaffen.
Die Berliner Teilmärkte | Forschung 39
Film/TV und Rundfunk
Kunsthandwerk
Zum Teilmarkt Film/TV und Rundfunk gehören im engern Sinne
die Drehbuchautoren, Storyboardzeichner, Synchronsprecher, Kameraleute, Regisseure, Cutter, Animateure, Film/TV- und Rundfunkproduzenten sowie Moderatoren und Nachrichtensprecher.
Im weiteren Sinne wird dieser Teilmarkt durch Kinos, Rundfunkund Fernsehveranstalter, Filmvertriebe, Filmverleihe, Festivals
sowie durch diverse Video- und DVD-Anbieter ergänzt.
Im Jahr 2005 gab es im Teilmarkt Film/TV und Rundfunk etwa
1700 Unternehmen, die einen Umsatz von rund 2,1 Milliarden
Euro erwirtschafteten und circa 11.000 sozialversicherungspflichtige Angestellte hatten.
Berlin steht damit in Deutschland an der Spitze der Film- und
Fernsehstandorte. Die Anzahl der Unternehmen stieg von 2000
bis 2005 um circa 20% an, insbesondere bei den Produzenten
von Filmen und Fernsehprogrammen. Die Berliner Filmbranche
ist überwiegend mittelständisch geprägt und noch relativ jung.
Über 30% der Unternehmen wurden erst nach 1990 gegründet.
Das Land Berlin stellt jährlich 15,5 Mio. Euro zur Förderung der
regionalen Filmwirtschaft zur Verfügung. Zusätzliche Mittel erhält das Medienboard, welches eine Anlaufstelle für alle Kreativen der Film- und Medienwirtschaft in Berlin und Brandenburg
ist, von den Sendern ZDF, ProSiebenSat1 und dem rbb. Das Medienboard vergibt jährlich über 20 Mio. Euro an Fördermitteln
für Drehbuch- und Projektentwicklung, Produktion, Verleih und
für sonstige Maßnahmen des Standortmarketings. Darüber hinaus unterstützt die „Berlin Brandenburg Film Commission“ mit
verschiednen Service Leistungen Produktionsfirmen und andere
Filmschaffende, die in Berlin drehen wollen. Des Weiteren unterstützt das Land Berlin die Film- und Fernsehbranche durch
Bürgschaften, die renditeorientierte Film- und Fernsehprojekte
ermöglichen, durch Zwischenfinanzierungsdarlehen über die ILB
und IBB und durch Workshops und Networkingveranstaltungen
im Rahmen der „Landesinitiative Projekt Zukunft“ und der
„Medienboard Berlin Brandenburg GmbH“.
Keramik
Der Teilmarkt des Kunsthandwerks setzt sich im engeren Sinne aus
Glasbläsern, Goldschmieden, Metallgestaltern und Keramikern zusammen. Auf den weiteren Stufen der Wertschöpfungskette setzt
sich das Kunsthandwerk aus Manufakturen, dem Kunstgewerbehandel, Galerien und Ausstellungen sowie Auktionshäusern zusammen.
Der Kunstmarkt erwirtschaftete im Jahr 2005 mit rund 450 Unternehmen etwa 80 Mio. Euro und beschäftigte dabei circa 1000
sozialversicherungspflichtige Beschäftigte.
Der Teilmarkt des Kunsthandwerkes ist der kleinste der Berliner
Kreativwirtschaft und besteht fast nur aus Ein-Personen-Unternehmen, von denen der größte Teil nicht in der Umsatzsteuerstatistik erfasst ist.
Förderungen bekommen die Berliner Kunsthandwerker vor als Investitionskostenzuschüsse aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.
Des Weiteren können sie individuelle Künstlerförderung in Form
von Stipendien und Projektförderung sowie Atelierförderung aus
dem „Atelierförderprogramm des Landes Berlin“ beantragen.
Vertreten wird der Teilmarkt Kunsthandwerk vor allem durch den
Berufsverband „Angewandte Kunst Berlin Brandenburg e. V.“.
40 Forschung | Die Berliner Teilmärkte
Musikwirtschaft
Musik
Der Teilmarkt Musikwirtschaft setzt sich in Berlin auf der ersten
Stufe der Wertschöpfungskette aus Komponisten, Sängern, Instrumentenbauern, Songschreibern, Tonmeistern und Musikproduzenten zusammen. Im Weiteren Sinne kommen die Musikverlage- und Labels, Tonstudios, Tanzlokale, Diskotheken, Festivals,
Opern und Konzerthallenbetreiber, Konzertveranstalter sowie
der Einzelhandel mit Tonträgern und anderen Musikerzeugnissen dazu.
in den letzten Jahren wieder konsolidiert und kann bei den Neugründungen von Unternehmen sogar wieder Zuwächse verzeichnen.
Berlin hat ein sehr gutes Renommee im Bereich der Musikwirtschaft und es ist in den letzten Jahren ein vermehrter Zuzug von
Vertretern der Musikindustrie zu verzeichnen. Auch die zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten an den Berliner Universitäten
tragen zu diesem guten Ruf bei.
Im Jahr 2005 gab es im Bereich Musikwirtschaft rund 1500 Unternehmen in Berlin, die einen Gesamtumsatz von circa 1,1 Milliarden Euro erwirtschafteten und dabei etwa 4600 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte aufwiesen. Der Einzelhandel
mit Tonträgern und Unterhaltungselektronik ist dabei für einen
Großteil des Umsatzes verantwortlich.
Berlin fördert die Musikwirtschaft jährlich mit 770.000 Euro bis
2,9 Mio. Euro aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe zur
Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ sowie mit anderen Förderprogrammen. Darunter sind die Vergabe von Stipendien und Aufträgen an Komponisten, Projektbezogene Förderung
im Bereich Jazz und Rock sowie die Förderung des musikalischen
Nachwuchses mit Talentwettbewerben, z.B. dem John-LennonTalent-Award.
Berlin weist eine große Vielfalt im Bereich der Musikindustrie
auf. Es sind sowohl die großen Musiklabels wie Sony BMG oder
Universal in der Hauptstadt ansässig als auch viele kleine und
mittelständische Musiklabels. Diese vielfältige Musiklandschaft
ist Nährboden und Impulsgeber für die Musikindustrie. Des Weiteren bietet Berlin eine große Auswahl an Musikveranstaltungen und Konzerten der verschiedensten Stilrichtungen über das
ganze Jahr an. Dies ist auf die zahlreichen Veranstaltungsorte
zurückzuführen.
Obwohl die Musikindustrie weltweit und auch in Deutschland
durch illegale Downloads und rückläufige Verkaufszahlen Verluste in Kauf nehmen musste, hat sich der Berliner Musikmarkt
Funktionierende Netzwerke im Bereich der Musikindustrie sind
vor allem der „Phono Verband“, „German Sounds“ sowie „Label
Commission“ und „Club Commission“, die die Interessen der Musikindustrie regional und auch national vertreten.
Die Berliner Teilmärkte | Forschung 41
Software- und
Computerspieleindustrie
Werbung/PR
Zum Teilmarkt der Werbung/PR gehören auf der ersten Stufe der
Wertschöpfungskette die Strategen und Planer, Texter und Grafiker sowie die Fotojournalisten und PR-Leute. Auf den weiteren
Stufen der Wertschöpfungskette kommen das Projekt Management, die Beratung und Events und Festivals sowie die Werbemittelverwertung dazu.
2005 gab es in diesem Teilmarkt etwa 2100 Unternehmen, die einen Umsatz von circa 900 Mio. Euro erwirtschafteten und 6500
sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigten.
Das Umsatzvolumen ist nach den eher schlechteren Jahren 2002
und 2003, bedingt durch die schwierige wirtschaftliche Situation
in Deutschland, wieder angestiegen. Auch in diesem Teilmarkt
sind überwiegend Klein- und Kleinstbetriebe zu finden. Im Jahr
2002 beschäftigten lediglich 3% der Unternehmen mehr als 100
Mitarbeiter. Es ist davon auszugehen, dass viele Unternehmen
einen Umsatz von mehr als 16617 Euro nicht erreichen (Mindestumsatz der Umsatzsteuerstatistik) und daher nicht statistisch
erfasst werden.
Lan-Party
Der Teilmarkt Software- und Computerspieleindustrie setzt sich
im engeren Sinne aus den Bereichen Software- und Computerspielentwicklung, Software- und Computerspielherstellung sowie dem Bereich der 3D Grafik zusammen und wird im weiteren
Sinne durch die Bereiche Einzelhandel und Messen ergänzt.
Im Jahr 2005 erwirtschafteten in diesem Teilmarkt etwa 1600
Unternehmen einen Umsatz von etwa 1,2 Milliarden Euro und
beschäftigten rund 15.000 sozialversicherungspflichtige Angestellte.
Die Software und Computerspieleindustrie verzeichnete in den
letzten Jahren relativ hohe Wachstumsraten. 2002 Beschäftigte
jedes Unternehmen in diesem Bereich durchschnittlich 12 Mitarbeiter und damit deutlich mehr als die Unternehmen der übrigen Teilmärkte der Berliner Kreativwirtschaft.
Das Land Berlin unterstützt diesen Teilmarkt durch verschiedene
Programme der Gründungs-, Projekt- und Forschungsförderung
und vergibt im begrenzten Maß auch Aufträge an diese Branche,
wobei die Bedeutung privater Auftraggeber für die Unternehmen in diesem Teilmarkt deutlich überwiegt. In den Jahren 2000
bis 2003 lag die unternehmens- und projektbezogene Förderung
durch das Land zwischen 4,6 und 11 Mio. Euro.
Gut funktionierende Netzwerke in diesem Bereich sind „SIBB“
oder „We make IT, Berlin Brandenburg“. Diese ermöglichen den
Unternehmen einen schnellen Zugang zur IT und Multimedia
Branche und fördern das Entstehen von Projekten in Kooperation
mit diesen Initiativen.
Berlin liegt, bezogen auf die generierten Umsätze, hinter den
klassischen Werbestandorten Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf zurück. Bezogen auf das Image Kreativität nimmt Berlin allerdings inzwischen einen Spitzenplatz in Deutschland ein.
Im Gegensatz zu den Agenturen für Öffentlichkeitsarbeit kommen die Kunden der Werbeunternehmen mehrheitlich nicht
aus der Region, sondern zu über 60% aus dem Bundesgebiet. Als
repräsentatives Aushängeschild vieler großer Agenturen blieb
Berlin im Gegensatz zu Frankfurt und Hamburg in den letzten
Jahren von Schließungen verschont.
Die öffentliche Hand spielt im Werbebereich als Förderer und
Auftraggeber eine eher geringe Rolle. Private Auftraggeber übertreffen das Auftragspotenzial deutlich.
Das Land Berlin unterstützt die Unternehmen der Werbebranche
jährlich mit 2,5 bis zu 5,6 Mio. Euro über Investitionskostenzuschüsse bei Gründungen und Unternehmenserweiterungen und
durch zahlreiche weitere Programme – insbesondere das Innovationsförderprogramm, „Informationsgesellschaft“ und das „Arbeitsmarkt- und Berufspolitische Rahmenprogramm“ (ARP).
Funktionierende Netzwerke in diesem Teilmarkt sind vor allem
der „Marketing Club“ und der „Art Directors Club“ (ADC).
42 Forschung | Die Berliner Teilmärkte
Zusammenfassung
Teilmärkte der Berliner
Kreativwirtschaft
Anzahl
Unternehmen
Anteil
Anteil
Anteil
Umsätze in
BeTeilmarkt
Teilmarkt
Teilmarkt
T€
schäftigte
in %
in %
in %
Architektur
Bildende Kunst
2.700
2.500
12,5
11,6
650.000
280.000
5,2
2,2
6.000
2.500
7,5
3,1
Buch- und Pressemarkt
Darstellende Kunst
Design
Film/TV und Rundfunk
Kunsthandwerk
Musik
Software und Computerspiele
Werbung und PR
Gesamt
4.800
1.200
3.000
1.700
450
1.500
1.600
2.100
21.550
22,3
5,6
13,9
7,9
2,1
7,0
7,4
9,7
100
4.500.000
500.000
1.200.000
2.100.000
80.000
1.100.000
1.200.000
900.000
12.510.000
36,0
4,0
9,6
16,8
0,6
8,8
9,6
7,2
100
18.000
4.700
11.000
11.000
1.000
4.600
15.000
6.500
80.300
22,4
5,9
13,7
13,7
1,2
5,7
18,7
8,1
100
06_ZusammenfassungTeilmärkte
(Quelle: Statistisches Landesamt Berlin und DIW)
Rund 21.550 zumeist kleine und mittelständische Unternehmen der Kreativwirtschaft erwirtschafteten in Berlin 2005 ein
Umsatzvolumen von rund 12,5 Mrd. Euro. Damit erreichte die
Kreativwirtschaft einen Anteil von fast 20% am Bruttoinlandsprodukt der Berliner Wirtschaft. Die Kreativwirtschaft stellt mit
ihren rund 80.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
einen relevanten Arbeitsmarktfaktor in Berlin dar. Etwa 8% der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (ohne Freiberufler
und freie Mitarbeiter) arbeiten in den verschiedenen Teilmärkten der Kreativwirtschaft. Addiert man die Anzahl der geringfügig Beschäftigten, der freien Mitarbeiter und der Selbstständigen
hinzu, sind in der Berliner Kreativwirtschaft rund doppelt so viele Menschen tätig.
Quelle: SenWAF. Kulturwirtschaft/ Kreativwirtschaft in Berlin. 2005
Primärforschung | Forschung 43
PRIMÄRFORSCHUNG
Im Zuge unserer Primärforschung haben wir 25 Interviews mit
Interviewteilnehmern aus insgesamt vier Befragungsgruppen
durchgeführt. Diese waren (1) Vertreter aus den von uns definierten Teilmärkten der Berliner Kreativwirtschaft. Dabei kam es uns
besonders darauf an, Vertreter aus möglichst allen Teilmärkten
sowie größeren und kleineren Unternehmen zu interviewen. (2)
Vertreter von Netzwerken Institutionen und Organisationen, die
sich mit ihrer Arbeit um die Kreativwirtschaft und deren Belange kümmern. (3) Vertreter der Politik. Hierbei wollten wir vor allem je einen Vertreter der Berliner Wirtschafts- und der Berliner
Kulturverwaltung befragen, da diese für den Bereich Förderung
der Kreativwirtschaft und damit für die Setzung von Rahmenbedingungen verantwortlich sind. Und (4) Experten, die sich in der
Vergangenheit schon konstruktiv und kritisch mit dem Thema
der Kreativwirtschaft auseinandergesetzt haben.
Befragt wurden mittels eines standardisierten Interviewleitfadens, welcher für die jeweilige Befragungsgruppe abgewandelt
wurde, folgende Personen. Die Interviewleitfäden können im Anhang nachgelesen werden.
Vertreter der Kreativwirtschaft
Anderl Kammermeier, Metall- und Möbelgestalter (Kunsthandwerk)
Benjamin Förster-Baldenius, Raumlabor Berlin (Architektur)
Christoph Stankowic, Magics (Software- und Computerspieleindustrie)
Dani Levy, Regisseur (Film/ TV und Rundfunk)
Kirsten Seeligmüller, Tanzschule Dock 11 (Darstellende Kunst)
Florian Schmidt, Tonmeister (Musikwirtschaft)
Godiva von Freienthal, Malerin (Bildende Kunst)
Uli Mayer Johanson und Holger Volland, Metadesign (Design)
Oliver Tautorat, Prime Time Theater (Darstellende Kunst)
Julian Appelius, Möbeldesigner (Design)
Tim Renner, Motor Entertainment GmbH (Musikwirtschaft)
Armin Speer und Johannes Krempl, Glow Berlin (Werbung/PR)
Vertreter von Institutionen/ Netzwerken/ Organisationen
Anita Bachelin, Geschäftsführerin (Premium)
Dr. Hans Gerhard Hannesen, Geschäftsführer (Akademie der
Künste)
Susann Schronen, Geschäftsführerin (ADC)
Dr. Silke Claus, Geschäftsführerin (IDZ)
Katja Kühnel, Branchenkoordinatorin Kreativwirtschaft (IHK)
Stephan Hoffmann (IBB)
Vertreter der Politik
Eva Emmenlauer-Blömers (Senatsverwaltung für Wirtschaft,
Arbeit und Frauen)
Volkmar Strauch (Staatssekretär in der Senatsverwaltung für
Wirtschaft, Arbeit und Frauen)
Rainer Schmock-Bathe (Senatsverwaltung für Wissenschaft,
Forschung und Kultur)
Joachim Bühler (SPD)
Experten der Kreativwirtschaft
Prof. Peter Wippermann (Trendbüro Hamburg)
Bernd Fesel (Büro für Kulturpolitik- und Kulturwirtschaft)
Prof. Volker Riegger (Professor Universität der Künste)
Die Interviews wurden mit Video- oder Tonaufnahmegerät aufgezeichnet und dauerten im Durchschnitt 50 Minuten. Anschließend wurden die Interviews auf Grundlage der Aufzeichnung
ausgewertet. Die Mitschnitte der Interviews liegen der Projektmappe als CD bei und können nachgehört werden.
Ziel der Befragung war es die Ergebnisse der Sekundärforschung
zu überprüfen sowie zu beleuchten welche Einstellungen und
Vorstellungen die verschiedenen Befragungsgruppen zu den
Befragungskomplexen „Was ist Kreativwirtschaft“, „Standort
Berlin“, Netzwerke der Kreativwirtschaft“, Fördermöglichkeiten
der Berliner Kreativwirtschaft“ und zur „Zusammenarbeit der
Berliner Wirtschaft mit den Kreativen und kreativwirtschaftlichen Unternehmen“ haben. Die Ergebnisse sollen später als
Grundlage der zu erarbeitenden Kommunikationskampagne für
die Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. dienen.
Aufgrund der Fülle können an dieser Stelle nicht alle von uns geführten Interviews abgedruckt werden. Um aber einen kleinen
Einblick zu geben, haben wir aus den 25 Interviews die wichtigsten und spannendsten Aussagen aus verschiedenen Fragen zu
einem Interview zusammengefasst.
44 Forschung | Fließendes Interview
Fließendes Interview | Forschung 45
Fließendes Interview
Was verstehen sie unter Kreativwirtschaft?
Julian Appelius: Für mich ist Kreativwirtschaft ein Oberbegriff
für alle Berufe, die sowieso mit Kreativität zu tun haben. Er besteht aus den zwei Worten „kreativ“ und „Wirtschaft“, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Eigentlich drückt der Begriff
nur aus, dass man mit Kreativität auch Geld verdienen kann.
“Wir von der Kulturverwaltung nutzen immer noch
den Begriff Kulturwirtschaft. Wir verstehen darunter die gesamte Bandbreite
dessen, was mit Kreativität, kreativen Produkten, schöpferischem Tätigsein
und der Vermarktungs- und Wertschöpfungskette, die da dran hängt zu tun
hat. Unabhängig davon, ob es gewinnorientiert ist oder nicht.”
Rainer Schmock-Bathe:
Prof. Peter Wippermann: Ich würde mich da immer wieder auf
Richard Florida beziehen, wie er die Creative Class definiert. Er hat
da zwei Kreise gezogen. Es gibt diejenigen, die Kreativität innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen entwickeln und diejenigen, die überhaupt auf neue Ideen kommen, die die Abweichung
von der Norm bewusst angehen. Florida fasst diesen Bereich der
Kreativen bewusst viel weiter, als das im Berliner Ansatz gemacht
wird. Dem würde ich auch zustimmen.
Bernd Fesel: Kreativwirtschaft leitet sich von dem in den 80er
Jahren in England eingeführten Begriff „Creative Industries“ ab.
Seitdem hat der Begriff schon eine beachtliche Entwicklung genommen und er wird sich auch noch weiter entwickeln. Ich denke
im Augenblick ist Kreativwirtschaft in Deutschland ein politischer
Glockenbegriff, der genutzt wird, um gewissen Phänomenen Einheitlichkeit zu verleihen. Bei den Akteuren selbst kommt der Begriff eigentlich nur bei den Designern und Werbern an.
Die Begriffe Kreativwirtschaft und Kulturwirtschaft werden
oft synonym verwandt. Ist Kreativwirtschaft ihrer Meinung
nach gleich Kulturwirtschaft oder wo liegt der Unterschied?
Uli Mayer Johanson: Bei der Kreativwirtschaft geht es um die
Schaffung wirtschaftlicher Leistungen mittels kreativer Leistungen. Die Kulturwirtschaft ist, wenn es so etwas überhaupt gibt,
ein Teil der Kreativwirtschaft.
Bernd Fesel: Laut dem Bericht der Enquete Kommission ist Kreativwirtschaft ja Kulturwirtschaft plus die Bereiche Games und
Werbung. Man könnte auch sagen Kreativwirtschaft ist Kulturwirtschaft im weiteren Sinne. Die Kulturwirtschaft kann man als
Produzent der Kultur verstehen und Kultur produzieren kann man
auch ohne groß kreativ zu sein. Ein großer Teil der Kulturwirtschaft ist nicht innovativ sondern sie bewahrt Sachen und bringt
sie immer wieder zum Vorschein . Ich würde aber dazu neigen in
Zukunft nur noch den Begriff Kreativwirtschaft zu verwenden,
das macht Vieles einfacher.
Susann Schronen: Meiner Meinung nach ist Kreativwirtschaft
stärker gewinnorientiert als Kulturwirtschaft.
Johannes Krempl: Mir kommt es immer so
vor, als klingt Kulturwirtschaft sehr konservativ. Kreativwirtschaft ist der neue,
moderne, tolerantere Begriff. Zur Kulturwirtschaft gehören eher Institutionen wie
Museen und Galerien, also der Bereich des
kulturellen Erbes.
Eva Emmenlauer-Blömers: Es gibt ja sogar
noch mehr Begriffe als Kulturwirtschaft
und Kreativwirtschaft. In England gibt es
die Creative Industries und in Amerika
gibt es jetzt ganz neu die Arts Industries.
Eigentlich ist es egal welchen Begriff man
verwendet, weil sich Begriffe sowieso ständig verändern. Wir sind da in der Berliner
Wirtschaftsverwaltung ganz pragmatisch
rangegangen und haben zuerst den Begriff
Kulturwirtschaft verwendet, weil wir mit
der Kulturverwaltung zusammen gearbeitet haben. Die Kulturverwaltung fördert
die Künstler und wir die Unternehmen.
Aus Kulturverwaltung und Wirtschaftsverwaltung entstand Kulturwirtschaft. Dann
haben wir aber festgestellt, dass viele Leute das missverstehen. Also haben wir uns
überlegt, dass es ja ein ganz bestimmter
Teil von Kultur ist, den wir fördern wollen,
die Kreativwirtschaft. So entstand dieser
Begriff. Momentan tendieren wir dazu zu
sagen wir haben es mit dem Cluster Kommunikation zu tun. Das besteht aus den
Teilbereichen Medien, Kreativwirtschaft
und Informationstechnologien.
Aus welchen Gründen entscheiden sich
Kreative für den Standort Berlin? Was
sind die Vorzüge gegenüber anderen
Kreativmetropolen?
Prof. Peter Wippermann: Kreativität wird
durch Entfaltungsmöglichkeiten angezogen und durch die Nähe von anderen
Kreativen. Das sind beides Voraussetzungen, die in Berlin bestehen. Jedoch gehen
sie auch relativ schnell wieder, was daran
liegt, dass man die Widersprüche die die
Kreativen eigentlich anziehen nicht auf
Dauer leben kann.
Volkmar Strauch: In Berlin sind noch viele
Elemente der Wertschöpfungskette vorhanden. Das heißt es gibt Jobs, es herrscht
46 Forschung | Fließendes Interview
eine tolle Atmosphäre und es treten von ganz allein Synergieeffekte auf. So wirken in Berlin zum Beispiel die Schauspieler als
Synergetiker. Film- und Produktionsstudios kommen nach Berlin,
weil sie hier tolle Schauspieler finden und mit wenig Geld tolle
Projekte machen können.
Daniel Levy: Berlin ist einfach eine spannende Stadt, weil es hier
so wenig Harmonie gibt.
Anita Bachelin: Berlin hat günstige Mieten und wahnsinnig viel
Platz. Es gibt hier keine Uniformierung, kein Diktat. Jeder kann
sich als Individuum verwirklichen ohne ständig darüber nachdenken zu müssen, ob man anderen gefällt oder nicht. Berlin ist
einfach individuell und das findet man nur an wenigen anderen
Orten auf der Welt.
Was sind die Nachteile dieser Stadt? Was stört die Kreativen
hier am meisten?
“Berlins Nachteile ergeben sich aus den Vorteilen. Einer sehr
offenen und neugierigen Stadt mangelt es oft an Substanz. Sie ist einfach oberflächlich. Man kann hier viel erzählen, aber nur wenig davon
wird wirklich umgesetzt. Es besteht natürlich auch die Gefahr, dass Berlin Opfer seines eigenen Erfolges wird. Die geringen Kosten werden sich
nicht ewig halten lassen.”
Tim Renner:
Dr. Silke Claus: Viele finden Berlin zwar interessant, aber die
Wirtschaftskraft ist hier nicht sehr hoch. Es fehlt einfach an Industrie, die gerade den Designer ein Fundament für ihre Arbeit
gibt. Deshalb überlegen die sich genau, ob sie nach Berlin kommen sollen.
Oliver Tautorat: Ich stoße mich immer daran, dass es in Berlin so
eine Zweischneidigkeit gibt. Auf der einen Seite steht die Kultur,
auf der anderen Seite steht die Wirtschaft. Das wird einfach nicht
zusammengebracht. Wir haben immer noch das Bild vom armen
Poeten im Kopf. Aber das ist falsch. Man muss mit seiner Kunst
auch Geld verdienen können. Und das muss anerkannt werden.
Dr. Hans Gerhard Hannesen: Gerade bei Neugründungen sind
die Behördengänge sehr schwierig und langwierig. Das liegt zum
großen Teil an den unflexiblen Verwaltungen. Zudem ist Berlin
einfach arm und es gibt zu wenige Fördertöpfe. Das ist in anderen Bundesländern üppiger.
Was sind die dringlichsten Anliegen der Kreativen, abgesehen
vom Geld?
Prof. Volker Riegger: Kreative brauchen vor allem mehr Vorbereitung auf die unternehmerische Selbstständigkeit. Das ist in Berlin
im Vergleich zu anderen Bundesländern noch unterentwickelt.
Außerdem müsste man das unternehmerische Risiko tragbarer
machen. Nach einem eventuellen Scheitern müsste der oder die
Betroffene eine zweite oder sogar dritte Chance bekommen.
Dr. Silke Claus: Die Ausbildung der Kreativen fängt schon in der
Schule an. Ausbildungsprogramme müssten stärker evaluiert
und flexibler gestaltet werden. Sie müssten stärker interdisziplinär angelegt werden und damit auch mehr Wert auf Management und Forschung legen. Denn das
brauchen die Kreativen später um nicht
an der Realität zu scheitern.
Oliver Tautorat: Kreative Unternehmen
brauchen gerade in der Startphase, also
in den ersten eins bis drei Jahren mehr
Unterstützung in Form von Beratung. Ich
selbst würde jedem empfehlen sich einen Unternehmenscoach zu nehmen. Das
müsste mehr gefördert werden. Es gibt
aber leider nur Existenzgründungsförderung und wenn die abgelaufen ist, dann
lassen sie einen einfach machen. Aber gerade wenn das Unternehmen zu wachsen
beginnt, entstehen die Probleme. Dann
bräuchte man mehr Unterstützung und
nicht nur (wie in unserem Fall) bis zur ersten Premiere.
Christoph Stankowic: Ich denke den Kreativen geht es schon ganz gut in Berlin. Sie
brauchen keine großartige Unterstützung
um ihre Arbeit besser machen zu können.
Berlin ist sowieso kostengünstig und, daher bringen Geldförderungen nicht viel.
Was ich mir aber vorstellen kann ist, dass
eine Kontaktbörse wie die C-Base ein guter Ort ist um sich untereinander auszutauschen. So etwas sollte weiter entwickelt werden.
Welche Bedeutung haben Netzwerke für
die Berliner Kreativen?
Dr. Silke Claus: Die Kreativen zeichnen
sich ja dadurch aus, dass es fast nur Kleinstunternehmen sind. Die schaffen es allein
nicht so aufzutreten, dass sie wahrgenommen werden. Dafür gibt es die Möglichkeit
sich in Netzwerken zusammen zu schließen um dann geschlossen aufzutreten. Ein
weiterer Vorteil liegt auch darin, dass man
bei so einer Plattform in den Face to Face
Kontakt treten kann und das ist auch oft
erfolgreicher.
Eva Emmenlauer-Blömers: Berlin ist die
Stadt der Netzwerke. Gerade durch den
großen Zuzug nach Berlin ist das Interesse sehr groß und es haben sich viele Netzwerke herausgebildet, auch in der Politik
Fließendes Interview | Forschung 47
und der Wirtschaft. Es gibt in jeder Branche eigene Netzwerke,
die sich besonders dann entwickeln, wenn eine Branche gerade
am Entstehen ist. Da kommen die Vertreter sehr schnell zusammen und bilden Netzwerke.
Florian Schmidt: Es gibt sicher Netzwerke in Berlin, aber ich bin
kein Teil einer solchen Institution. Ich habe einen Internetanschluss, damit bin ich meiner Meinung nach ausreichend vernetzt. Die meisten Informationen bekommt man ohnehin durch
persönliche Kontakte.
Johannes Krempl: Ich würde sagen, wir sind sehr gut vernetzt.
Man muss da aber aufpassen, weil es auch sehr viele Schluckernetzwerke gibt. Das sind dann Netzwerke der Bedürftigen. Deshalb sind die persönlichen Netzwerke eigentlich die besten.
Daniel Levy: Netzwerkarbeit ist sehr anspruchsvoll und geht
deshalb auch oft schief, gerade weil auch die Gefahr der Übervernetzung besteht. Es ist schwierig sich zu verständigen und dann
passiert es oft, dass die Energie des Einzelnen reduziert statt potenziert wird. Es ist schwierig da die richtigen Partner zu finden.
Wie beurteilen Sie den Standort Berlin in Bezug auf Förderprogramme?
Rainer Schmock-Bathe: Wir als Kulturverwaltung bauen gerade
Sachen im Bereich der Weiterbildung aus. Wir wollen schauen,
wie wir da Sachen erweitern können und neue, nicht fachliche
Weiterbildungen anbieten können. Man muss aber fairer Weise
auch sagen, dass die Beträge, die uns dafür zur Verfügung stehen
recht überschaubar sind. Sonst werden wir unsere altbekannten
Förderungen etwas verändern, indem wir da einen kulturwirtschaftlichen Blick bzw. einen Vermarktungsblick mit einfließen
lassen. Wir wollen damit erreichen, dass man aus den geförderten Projekten mehr macht. Das ist sowohl für die Künstler als
auch für uns gut.
Anderl Kammermeier: Fördermittel sind sehr wichtig, aber auch
schwierig zu bekommen. Es ist mit unheimlich viel Aufwand verbunden da überhaupt ran zu kommen. Beim Wirtschaftssenat ist
es noch einfacher eine Förderung zu bekommen, die bemühen
sich und schauen sich die Projekte auch an. Die beurteilen nicht
nur nach früheren Projekten. Den Kultursenat frage ich mittlerweile schon gar nicht mehr, das habe ich aufgegeben. Das große
Problem mit Förderungen allgemein ist aber, dass sie zu langfristig angelegt sind und keinen Raum für spontane Aktivitäten
lassen.
Uli Mayer-Johanson: Mir würde gar nicht so recht einfallen Förderungen zu beantragen. Ich glaube auch, dass es da gar nicht so
viel Interessantes gibt. Mir ist meine Freiheit wichtiger. Es ist ja
meistens so, dass an die Fördermittel bestimmte Bedingungen,
wie die Schaffung von Arbeitsplätzen gebunden sind. Das kann
manchmal schon eine ganz schöne Bürde sein. Wer das Geld gibt
hat nun mal die Hosen an und sagt, was damit gemacht werden
muss.
Benjamin Förster-Baldenius: Wir beantragen ständig Förder-
mittel und bekommen auch welche, immer projektbezogen. Meistens jedoch von
Stiftungen wie der Bundes Kulturstiftung
und vom Hauptstadtkulturfonds. Es ist
aber jedes Mal mit großem Aufwand und
viel Konkurrenz verbunden. In den Gremien sitzen aber auch intelligente Menschen,
mit denen man reden und die man mit guten Konzepten überzeugen kann.
Welche Entwicklungen und Trends
beobachten sie gerade in Bezug auf die
Berliner Kreativwirtschaft?
Eva Emmenlauer-Blömers: Ich würde
sagen im Moment verfestigen sich die
gestarteten Dinge und das sieht in jedem
Teilmarkt anders aus. Ein allgemeiner
Trend ist aber, dass sich die Kreativen immer mehr überlegen, wie sie mit dem, was
in der Stadt schon da ist neue Sachen entwickeln und neue Synergien und Vernetzungen erschaffen.
Stephan Hoffmann: Die einzelnen Branchen strukturieren und organisieren sich
viel mehr als früher. Damit tritt auch eine
gewisse Professionalisierung ein. Und es
werden immer mehr Förderprogramme
für die Kreativen gestaltet und geöffnet.
Rainer Schmock-Bathe: Wir stellen fest,
dass wir immer mehr Künstler in Berlin
haben. Das geht mittlerweile sogar schon
so weit, dass das eine gesamtstädtische
Bedeutung hat. Künstler und ihre Galerien
verändern ganze Quartiere dieser Stadt.
Dieser Bereich treibt die ganze Stadtentwicklung an und zieht das Publikum und
damit auch die Gastronomie und das Hotelgewerbe nach sich. Ganze Stadtgebiete
ändern sich grundlegend.
“Im
Bereich der Zwischennutzung passiert gerade wahnsinnig viel. Es gibt hier
Räume, die für eine bestimmte Zeit mit einer interessanten Nutzung belegt werden können. Durch diese
zeitliche Begrenztheit entstehen immer wieder neue
Mischungen und Kombinationen von Personen und Projekten, die auch oft zu Kooperationen führen. ”
Benjamin Förster-Baldenius:
48 Forschung | Auswertung
AUSWERTUNG
DER PRIMÄRFORSCHUNG
ADC Ausstellung 2008
Obwohl die Befragten insgesamt aus recht unterschiedlichen
Bereichen der Gesellschaft kamen und verschiedene Funktionen
innehatten, wurden unsere Fragen doch recht ähnlich beantwortet. Ein Ergebnis, das wir in dieser Homogenität nicht erwartet
hätten.
Auswertung | Forschung 49
Was ist Kreativwirtschaft?
Auf die erste Frage, was denn Kreativwirtschaft überhaupt sei,
konnte uns in den wenigsten Fällen eine eindeutige Antwort
gegeben werden. Die meisten der Befragten deuteten den Begriff als eine Zusammensetzung aus den Begriffen „kreativ“ und
„Wirtschaft“. Somit ist es der Kreativwirtschaft eigen, aus kreativen Leistungen und Ideen Geld zu generieren, also eine Wertschöpfung zu betreiben. Kreativwirtschaft wurde dabei einheitlich als ein recht dehnbarer Begriff verstanden.
Dementsprechend fiel es den Befragten auch schwer eine klare Abgrenzung zwischen den Begriffen Kulturwirtschaft und
Kreativwirtschaft zu finden. Im Allgemeinen kann aber gesagt
werden, dass Kulturwirtschaft als konservativer und Kreativwirtschaft als der neuere, tolerantere Begriff verstanden wird.
Kulturwirtschaft wird zumeist als ein Teil der Kreativwirtschaft
angesehen, allerdings ist auch nicht alles was kreativ ist Kultur.
Bei einigen Befragten wurde Kulturwirtschaft mit Subventionswirtschaft assoziiert.
Kreativwirtschaft wird als Kulturwirtschaft im weiteren Sinne
verstanden. Die Kulturwirtschaft ist dabei ein Kern innerhalb
der Kreativwirtschaft. Trotzdem kann man sagen, dass es auch
in näherer Zukunft keine klare Abgrenzung der Begriffe geben
wird. Der nächste Berliner Bericht wird zwar voraussichtlich Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht heißen, jedoch wird ihm weiterhin die Kulturwirtschaftsdefinition der Senatsverwaltung für
Wissenschaft, Forschung und Kultur zugrunde liegen.
Eines unserer Hauptanliegen der Befragung war die Überprüfung unserer Definition der Kreativwirtschaft, die wir nach der
Analyse der Sekundärforschungsmaterialien formuliert hatten.
Bei den Interviews haben wir den Befragten drei Definitionen zur
Auswahl gegeben, von denen sie diejenige auswählen sollten, die
Kreativwirtschaft ihrer Meinung nach am besten beschreibt. Die
Wahlmöglichkeiten waren die Londoner Definition der „creative
industries“, da wir London als Benchmark ausgewählt hatten:
„...the creative industries are those industries which have their
origin in individual creativity, skill and talent and which have a
potential for wealth and job creation through the generation and
exploitation of intellectual property”
Die Berliner Definition der “Kulturwirtschaft”, da wir uns mit Berlin beschäftigen:
“Unter dem Begriff der Kulturwirtschaft werden (...) alle Selbständigen und erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen,
die kulturelle Güter und Dienstleistung erstellen, vermarkten,
verbreiten, damit handeln sowie Kulturgüter bewahren zusammengefasst.“
Und unsere eigene Definition des Begriffes Kreativwirtschaft für
Berlin:
„Man unterscheidet Kreativwirtschaft im engeren und im weiteren Sinne.
Kreativwirtschaft im engeren Sinne sind die Prozesse auf der
ersten Stufe der Wertschöpfungskette bei allen kreativen Teilmärkten. Es handelt sich dabei um jene kreativen Aktivitäten am
Anfang jedes wirtschaftlichen Prozesses innerhalb der Kreativbranche von denen Urheberrechte erzeugt werden.
Kreativwirtschaft im weiteren Sinne sind die Prozesse auf den
übrigen Stufen der jeweiligen Wertschöpfungskette, die sich
mit der Auswertung der kreativen Inhalte befassen. Dies kann
je nach Teilmarkt die Produktion, Vermarktung, Ausstellung und
andere Schritte umfassen.“
Man kann sagen, dass alle drei Definitionen von den Befragten
ungefähr gleich gut angenommen wurden. Während der Interviews wurden die Londoner Definition von sieben und die Berliner Definition von sechs Befragungsteilnehmern favorisiert.
Die komm.mix - Definition der Kreativwirtschaft wurde von acht
Befragten als am besten zutreffend empfunden. Dieses Ergebnis
verdeutlicht noch einmal die Problematik, dass es noch keine einheitliche Definition des Begriffes Kreativwirtschaft gibt. Jedoch
sehen wir durch dieses Ergebnis auch unsere Definition als sinnvoll und bestätigt.
Anderl Kammermeier, Metall- und Möbelgestaltung
50 Forschung | Auswertung
Standort Berlin
Netzwerke der
Kreativwirtschaft
Der Standort Berlin ist für alle Befragten attraktiv und eine Stadt,
in der die Menschen gerne leben und arbeiten. Als besonders positiv wurden die günstigen Mieten und Lebenshaltungskosten
erwähnt. Die Stadt verfügt über ein hohes kreatives Potential
und eine inspirierende Atmosphäre. Auf Grund der hohen Dichte
an Ausbildungseinrichtungen gibt es guten Nachwuchs für die
Kreativwirtschaft, was in den Augen der Kreativen aber auch für
zu viel Konkurrenz sorgt.
Berlin wurde als lebendig, offen, kontaktfreudig, international,
multikulturell und authentisch beschrieben. Es ist eine Stadt, die
für die Ansiedlung der Kreativwirtschaft besonders gut geeignet
ist, weil man hier ohne Gefahren und mit Freiräumen vieles ausprobieren und auch ohne Geld gute Projekte machen kann. Berlin wurde außerdem als nicht fertige Stadt bezeichnet, die Fragen
aufwirft und sie nicht gleich beantwortet. Das kommt vor allem
den Kreativen sehr entgegen.
Berlin beheimatet bereits viele Kreative und da sich Kreativwirtschaft am besten dort ansiedelt, wo die Kreativen schon zu Hause
sind, wird sich laut unserer Befragten in Zukunft noch viel mehr
Aufmerksamkeit auf die Kreativwirtschaft legen.
So wurde auch die 2006 von der UNESCO verliehene Auszeichnung Berlins als „City of Design“ aufgrund der eben beschriebenen Vorzüge als berechtigt vergeben empfunden. Jedoch scheinen die Standortvorteile im Ausland stärker als von den Berlinern
wahrgenommen zu werden.
Nach der Bedeutung von Netzwerken im Bereich der Kreativwirtschaft befragt, ergaben sich sehr unterschiedliche Sichtweisen
bei unseren Interviewpartnern.
Alle Befragten nehmen ein großes Angebot an kreativwirtschaftlichen Netzwerken in Berlin wahr, teilweise sogar ein Überangebot. Netzwerke werden mehr oder weniger als nützlich empfunden. Sie sind in den normalen Kommunikationsalltag integriert.
Viele Kreative vertrauen eher auf ihre persönlichen Netzwerke
und weniger auf institutionelle Einrichtungen, wodurch sie in
dieser Art Netzwerk oft fehlen.
Netzwerke werden von Kreativen nur teilweise als Möglichkeit
der Kundenakquisition genutzt, wenn ja werden allerdings Netzwerke mit einer heterogenen Mischung aus Kreativen und Teilnehmern aus den übrigen Wirtschaftsbranchen bevorzugt. Berlin wird als die Stadt der Netzwerke und Plattformen angesehen.
Als negativ wurden vor allem die fehlende Industrie, die es an
Aufträgen für die kreativwirtschaftlichen Unternehmen mangeln lässt und die schlechte verkehrstechnische Anbindung der
Stadt genannt. So hat Berlin beispielsweise keinen internationalen Flughafen und die bestehenden Flughäfen der Stadt sind
nur schlecht an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Dies
erschwert den oftmals auf Mobilität angewiesenen Kreativen die
Ansiedlung in Berlin.
Als weiterer Mangel wurde vor allem von den Kreativen die unternehmerfeindliche Politik der Stadt genannt. Hierzu gehören
unflexible Verwaltungen, das Hohe Maß an Bürokratie und die
großen Hürden, die beim Beantragen von Förderungen zu überwinden sind und einen immensen zeitlichen Aufwand bedeuten.
Einige der Befragten gaben an, dass der Kunst- und Kreativmarkt
in Berlin schon jetzt überfüllt ist und das es dadurch immer
schwieriger wird gute Geschäfte zu machen. Interviewteilnehmer aus Politik meinten jedoch, dass es in Berlin durchaus noch
Aufträge, auch seitens der Stadt gibt, und das ausreichende Fördermittel zu Verfügung stehen bzw. neue geschaffen werden.
Die Kreativen haben unterschiedliche Sichtweisen auf Netzwerke. So können einige für sich keinen Nutzen in Netzwerken erkennen. Sie haben andere Wege der Akquise und Zusammenarbeit gefunden bzw. sehen nur Sinn in persönlichen Netzwerken.
Andere können für sich Geschäftsbeziehungen aus Netzwerken
ableiten, bevorzugen dabei aber Netzwerke mit Teilnehmern aus
verschiedenen Branchen.
Experten und Vertreter der Politik sehen Netzwerke als nützliche Instrumente an, die Künstlern mehr Öffentlichkeit und Unterstützung verleihen können. Als auffällig beschrieben sie die
fehlende Präsenz der Einzelkünstler in den meisten Netzwerken.
Hier scheint es eine unterschiedliche Sichtweise von Kreativen
und Experten bezüglich des Nutzens von Netzwerken zu geben.
Berlin wird von den Experten und Vertretern der Politik als Stadt
der Netzwerke bezeichnet, in der jede Branche ihre eigene Netzwerkkultur hat. Die Berliner Kreativwirtschaft verfügt ihrer Meinung nach über umfassende Netzwerkeinrichtungen, die alle
Teilmärkte abdecken.
Bemängelt wurden die fehlenden bzw. bisher noch zu wenig
vorhandenen Verbindungspunkte zwischen Kreativen und Wirtschaft in den vorhandenen Netzwerken.
Netzwerk-Institutionen sehen ihren Sinn besonders in der
Wahrnehmung der klein- und mittelständigen Unternehmen.
Kleinstunternehmen werden in und durch Netzwerke besser
wahrgenommen, sie können durch in Netzwerken entstehende
Face-to-Face Kontakte leichter Geschäftsbeziehungen knüpfen
und von sich überzeugen. In Netzwerken wird die Möglichkeit
von Zusammenschlüssen einzelner Unternehmen angeregt, die
im Verbund leichter Förderungen erhalten können.
Durch die heutige Informationstechnologie ist die Vernetzung
schneller und intensiver geworden. Die von uns interviewten
Netzwerke und Institutionen bezeichnen Berlin als Stadt der
Netzwerke und Plattformen. Eine Bündelung von Netzwerken
mit ähnlichen Zielen und Aufgaben sowie mehr Transparenz in
der Arbeit der einzelnen Netzwerke würde von ihnen begrüßt.
Forschung 51
Berlin – Hauptstadt mit kreativer Atmosphäre
52 Forschung | Auswertung
Fördermöglichkeiten der
Berliner Kreativwirtschaft
Zusammenarbeit der Berliner
Wirtschaft mit den Kreativen
und kreativwirtschaftlichen
Unternehmen
Die Berliner Förderprogramme für die Kreativwirtschaft werden
von den Kreativen eher negativ bewertet. Die Antragstellung
wird als zu kompliziert empfunden, die Laufzeit der Programme
ist zu kurz gefasst. Der Aufwand der Antragstellung ist zu hoch
und häufig an schwierige Bedingungen, wie das Schaffen von Arbeitsplätzen, geknüpft, die Kleinstbetriebe in den meisten Fällen
nicht leisten können.
Weiterhin negativ bewertet wurden häufig wechselnde Ansprechpartner in den Verwaltungen sowie die mangelnde Vernetzung zwischen Wirtschafts- und Kulturverwaltungen und die
daraus resultierenden Zuständigkeitsunklarheiten. Des Weiteren
gibt es laut Aussage der Kreativen eine zu große Konkurrenz um
zu wenige Fördergelder, was dazu führt, dass nur wenige gute
und lukrative Projekte gefördert werden können. Auch die Prozedur der Antragstellung wurde häufig als zu aufwändig und
realitätsfern beschrieben. Einer unserer Befragten meinte beispielsweise: „…man kriegt nur was, wenn man das auf eine so
intellektuelle Ebene hebt …“.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass einige kreativwirtschaftliche Unternehmen Förderprogramme nutzen oder
gern nutzen würde, für andere kommt dies aufgrund der daran
geknüpften Bedingungen, welche die unternehmerische Freiheit zu sehr beschneiden, nicht infrage. Weiterhin interessant
war, dass von den Kreativen fast ausschließlich Geldförderungen
wahrgenommen wurden. Beratungsangebote, Weiterbildungen
und andere nicht monetäre Unterstützungen wurden kaum erwähnt.
Die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und den Kreativen
wird eher kritisch betrachtet.
Die Kreativen fühlen sich häufig von der Wirtschaft ausgenutzt.
Es entsteht zu selten eine geforderte Win-Win-Situation. Nach
Einschätzung der Kreativen redet man meist aneinander vorbei.
Laut Einschätzung der Experten ist das Hauptproblem der Mangel
an Konzepten für eine gute Zusammenarbeit sowie die mangelnde Wertschätzung der kreativen Arbeit seitens der Wirtschaft.
Es ist jedoch festzustellen, dass sich ein Verständnis dafür herauszubilden beginnt, das in der Zusammenarbeit ein großes
wirtschaftliches Potential liegt. Die Wirtschaft ist immer mehr
auf Kreative Ideen angewiesen, da Industrie und produzierendes
Gewerbe in Berlin zunehmend weg brechen und es der Wirtschaft an Dynamik fehlt dies allein auszugleichen.
Das Kreative Leistungsvermögen in den Köpfen der Menschen
kann man Berlin nicht wegnehmen und da es gleichzeitig ein
großes Potential darstellt, muss man es fördern.
„Kreative sind eine Macht, an der man nicht mehr vorbei
kommt.“
Zukünftig ist eine gute Zusammenarbeit möglich, wenn sie offen
und auf Augenhöhe stattfindet und beide Seiten davon profitieren. Darin sind sich alle Befragten einig. Die Politik muss dazu die
passenden Rahmenbedingungen schaffen und diese langfristig
aufrechterhalten. Dann kann Kreativität auch den Standort Berlin stärken.
Die von uns befragten Experten und Außenstehenden konnten
viele Förderprogramme aufzählen. Sie wussten außerdem sehr
gut darüber Bescheid, zumindest besser als die meisten Kreativen. Die Verantwortlichen aus den Senatsverwaltungen lobten
ihre Programme, räumten aber auch ein, dass die Förderung der
Berliner Kreativwirtschaft noch in den Kinderschuhen steckt.
Experten und Vertreter von Institutionen und Netzwerken bewerteten die bestehenden Förderprogramme eher negativ. Sie
bemängelten vor allem, dass auf unternehmerische Selbstständigkeit nicht genügend vorbereitet wird und dass von der Berliner Senatsverwaltung fast nur Großprojekte gefördert werden.
Jedoch wurde von ihnen auch auf die Gefahr hingewiesen, dass
man nicht jedes Projekt fördern darf, denn: „Es kann auch nicht
sein, dass ein Standort nur wegen der Fördermittel attraktiv ist.“
Fazit | Forschung 53
FAZIT ZUR FORSCHUNG
Als Ergebnis der Forschung soll festgehalten werden, dass das
Thema Kreativwirtschaft europaweit und besonders in Berlin
an Beachtung und Attraktivität gewinnt. Dennoch ist es immer
noch ein neues Thema. Neben einer einheitlichen Definition und
Abgrenzung des Begriffes fehlen auch oft noch die passenden
Rahmenbedingungen, die die Arbeit der Kreativen unterstützen
und erleichtern.
In Berlin befindet sich momentan Vieles im Aufbau. Es wird einheitlich anerkannt, dass die deutsche Hauptstadt das Potential
hat eine Kreativmetropole zu werden.
Da Netzwerk-Institutionen, wie auch unser Auftraggeber, die
Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. eine sind, sehr unterschiedlich wahrgenommen und von den Kreativen sogar oft abgelehnt
werden, wird es für diese in Zukunft wichtig sein ihren Mehrwert für die Kreativen herauszustellen und sich interessanter zu
präsentieren. Bisher ist der Nutzen einer Netzwerk-Institution
für viele Kreative nicht erkennbar oder wird für sie nicht passend
und ausreichend kommuniziert.
Effiziente Netzwerk- Institutionen sollten in der Lage sein Wirtschaft, Politik und Kreative zum Austausch zusammen zu bringen, um so vorhandene Verständigungslücken zu schließen und
erfolgreiche Geschäftsbeziehungen zu initiieren.
Hier liegt ein hohes wirtschaftliches Potential für Wirtschaft/Industrie und Kreative. Dieses setzt jedoch eine gegenseitige Wertschätzung voraussetzt.
Neben der Unterstützung durch Netzwerk Institutionen braucht
die überwiegend aus Klein- und Kleinstunternehmen bestehende Berliner Kreativwirtschaft Förderprogramme, die speziell auf
die Interessen der jeweiligen Akteure abgestimmt sind. Hier sind
Politik und auch Netzwerk-Institutionen gefragt Hilfestellungen zu geben und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es auch
Kleinstunternehmen in der schwierigen Startphase sowie den
ersten Jahren des Bestehens ermöglichen durch Geldförderungen und Beratungsangebote erfolgreich zu arbeiten.
54
Interviewleitfaden | Anhang 55
ANHANG
Interviewleitfaden Kreativwirtschaft Berlin
Fragebogen für KREATIVE Teilmärkte
Guten Tag. Vielen Dank, dass sie sich die Zeit nehmen, um uns
einige Fragen zu beantworten. Mein Name ist…. und ich bin Student/in an der Universität der Künste Berlin. Im Rahmen unseres
Studiums führen wir, die Gruppe komm.mix ein Kommunikationsprojekt zum Thema Kreativwirtschaft in Berlin durch. Dieses
Projekt ist Teil unseres Diploms. Beauftragt wurden wir vom Verein Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. Dieser Verein plant unsere Ergebnisse sowie ausgewählte Interviews und Texte in einem
Themenheft Kreativwirtschaft zu veröffentlichen sowie eine
Vortragsreihe zum Thema durchzuführen. Das Interview wird ca.
45 Minuten dauern und ich würde mich freuen, wenn sie mir die
Fragen so offen wie möglich beantworten…
Allgemeiner Teil
1. Was ist Kreativwirtschaft für Sie?
2. Drei Definitionen: London, Berlin, komm.mix. Welche der drei
Definitionen beschreibt Kreativwirtschaft am besten?
„...the creative industries are those industries which have their
origin in individual creativity, skill and talent and which have a
potential for wealth and job creation through the generation and
exploitation of intellectual property”
(London)
“Unter dem Begriff der Kulturwirtschaft werden (...) alle Selbständigen und erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen,
die kulturelle Güter und Dienstleistung erstellen, vermarkten,
verbreiten, damit handeln sowie Kulturgüter bewahren zusammengefasst“
(Berlin)
„Man unterscheidet Kreativwirtschaft im engeren und im weiteren Sinne.
Kreativwirtschaft im engeren Sinne sind die Prozesse auf der
ersten Stufe der Wertschöpfungskette bei allen kreativen Teilmärkten. Es handelt sich dabei um jene kreativen Aktivitäten am
Anfang jedes wirtschaftlichen Prozesses innerhalb der Kreativbranche von denen Urheberrechte erzeugt werden.
Kreativwirtschaft im weiteren Sinne sind die Prozesse auf den
übrigen Stufen der jeweiligen Wertschöpfungskette, die sich
mit der Auswertung der kreativen Inhalte befassen. Dies kann
je nach Teilmarkt die Produktion, Vermarktung, Ausstellung und
andere Schritte umfassen.“
(komm.mix)
3. Welche Teilmärkte zählen Sie zur Kreativwirtschaft? Liste der
Teilmärkte zum Ankreuzen.























Architektur
Werbung
Kulturelles Erbe
(Museen, Museumsshops, Ausstellungen)
Darstellende Kunst
Bildende Kunst
Kunsthandwerk
Design (Grafik,- Möbeldesign)
Musikwirtschaft
Modedesign
Fotografie
Filmwirtschaft
TV
Buchmarkt
Pressemarkt
Journalisten- und Nachrichtenbüros
Buchhandel
Literatur
Verlagsgewerbe
Softwareentwicklung
Computerspieleindustrie
Radio
Video/ DVD
sonstige
4. Oft werden die Begriffe Kreativwirtschaft und Kulturwirtschaft
synonym verwandt. Ist Kreativwirtschaft für Sie gleich Kulturwirtschaft oder wo liegt Ihrer Meinung nach der Unterschied?
5. Welche Rolle spielt Kreativität in Ihrem Leben, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft?
6. Berlin wurde im Jahr 2006 von der UNESCO zur „City of Design“
ernannt. Können Sie diese Auszeichnung nachvollziehen bzw.
was macht Berlin Ihrer Ansicht nach zur „City of Design“?
7. Können Sie Ihr Unternehmen kurz in wenigen Sätzen vorstellen. (Was machen Sie, was sind ihre Ziele dabei, seit wann gibt es
das Unternehmen, wie viele Mitarbeiter)
8. Durch Ihre Tätigkeit sind Sie per Definition Teil der Kreativwirtschaft. Fühlen Sie sich auch als solcher?
9. Sehen Sie sich auch als wirtschaftlicher Akteur?
10. Wer ist aus Ihrer Sicht kreativ?
11. Was steht bei Ihrer Arbeit im Vordergrund. Die kreative Arbeit
und der Spaß daran oder wirtschaftliche Aspekte, wie das man
davon leben kann?
Standort Berlin
12. Aus welchen Gründen haben Sie sich für den Standort Berlin
entschieden?
13. Gibt es etwas, dass ihnen aus Sicht Ihrer Tätigkeit am Standort
Berlin besonders gefällt?
14. Gibt es etwas, dass Sie bei ihrer Tätigkeit am Standort Berlin
besonders stört?
56 Anhang | Interviewleitfaden
15. Profitieren Sie vom Image Berlins als „Kreativmetropole“ ?
16. Nutzen Sie bei der Gestaltung oder Vermarktung ihrer Produkte/
Leistungen/Projekte das Image Berlins als „Kreativmetropole“?
17. Welche Entwicklungen und Trends beobachten Sie gerade in
ihrer Branche in Berlin?
Netzwerke
18. Wie beurteilen Sie den Standort Berlin bezogen auf Netzwerke, Fördermittel und Räumlichkeiten?
19. Welches sind die dringendsten Anliegen neben Geld für die
Arbeit der Kreativen in Berlin? Wo bräuchten speziell Sie mehr
Unterstützung?
20. Wer sind aus Ihrer Sicht die nötigen Ansprechpartner für diese
Anliegen?
21. Üben sie Ihre Tätigkeit im Normalfall eher alleine, mit festen
oder wechselnden Partnern oder in einem Netzwerk aus?
22. Wenn ja, wie sieht diese Zusammenarbeit aus?
23. Können Sie sich vorstellen mit anderen Unternehmen gemeinsam Projekte zu bearbeiten bzw. machen Sie so etwas schon?
(Kooperationen)
24. Gehören Sie einem/mehreren Netzwerk an? Und wenn ja zu
welchen?
25. Fühlen Sie sich in ihrer Branche gut informiert und vernetzt?
26. Welche Bedeutung messen sie Netzwerken in Ihrer Branche
bei?
27. Was fehlt Ihnen in Bezug auf Netzwerke?
Fördermöglichkeiten
28. Kennen Sie Fördermöglichkeiten für Ihre Branche hier in Berlin?
Und wenn ja, welche?
29. Wissen Sie wo sie Informationen über Förderprogramme bekommen können?
30. Wissen Sie wo und wie sie Anträge zu Förderprogrammen
stellen können?
31. Haben Sie schon einmal Fördermittel erhalten? Wenn ja in
welcher Höhe?
32. Wodurch haben Sie sich auf ihre Selbstständigkeit vorbereitet? (Infoveranstaltung, Workshops…)
Wirtschaft
33. Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft
und Kreativen ein?
34. Was macht die Kreativen für die Wirtschaft interessant in Berlin?
35. Wie stellen sie sich eine gute Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kreativen vor? Wo sehen Sie Überschneidungen bzw.
Verknüpfungspunkte?
36. Was wünschen Sie sich für Ihr Unternehmen und die Kreativwirtschaft?
37. Kann die Politik helfen die gewünschten Verbesserungen
durchzusetzen? Wenn ja, wie?
Eigenes Unternehmen
38. Wie vermarkten Sie sich und ihrer Leistungen? (Internet,
Galerie, Presse, etc.)
39. Wie finden Sie ihren Kundenkreis?
40. Sind Sie mit Ihrem Einkommen zufrieden?
41. Wie hat sich Ihr Einkommen in den letzten Jahren entwickelt?
42. Gibt es noch irgend etwas, was wir nicht angesprochen haben, das Ihnen aber besonders wichtig ist?
Interviewleitfaden Kreativwirtschaft Berlin
Fragebogen für NETZWERKE / INSTITUTIONEN
Guten Tag. Vielen Dank, dass sie sich die Zeit nehmen, um uns
einige Fragen zu beantworten. Mein Name ist…. und ich bin Student/in an der Universität der Künste Berlin. Im Rahmen unseres
Studiums führen wir, die Gruppe komm.mix, ein Kommunikationsprojekt zum Thema Kreativwirtschaft in Berlin durch. Dieses
Projekt ist Teil unseres Diploms. Beauftragt wurden wir vom Verein Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. Dieser Verein plant unsere Ergebnisse sowie ausgewählte Interviews und Texte, in einem
Themenheft Kreativwirtschaft zu veröffentlichen sowie eine
Vortragsreihe zum Thema durchzuführen. Das Interview wird ca.
30 Minuten dauern ich würde mich freuen, wenn sie mir die Fragen so offen wie möglich beantworten…
Allgemeiner Teil
1. Was ist Kreativwirtschaft für Sie?
2. 3 Definitionen London, Berlin, komm.mix. Welche der drei Definitionen beschreibt Kreativwirtschaft am besten?
„...the creative industries are those industries which have their
origin in individual creativity, skill and talent and which have a
potential for wealth and job creation through the generation and
exploitation of intellectual property” (London)
“Unter dem Begriff der Kulturwirtschaft werden (...) alle Selbständigen und erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen,
die kulturelle Güter und Dienstleistung erstellen, vermarkten,
verbreiten, damit handeln sowie Kulturgüter bewahren zusammengefasst.“ (Berlin)
Man unterscheidet Kreativwirtschaft im engeren und im weiteren Sinne.
Kreativwirtschaft im engeren Sinne sind die Prozesse auf der
ersten Stufe der Wertschöpfungskette bei allen kreativen Teilmärkten. Es handelt sich dabei um jene kreativen Aktivitäten am
Anfang jedes wirtschaftlichen Prozesses innerhalb der Kreativbranche von denen Urheberrechte erzeugt werden.
Kreativwirtschaft im weiteren Sinne sind die Prozesse auf den
übrigen Stufen der jeweiligen Wertschöpfungskette, die sich mit
der Auswertung der kreativen Inhalte befassen. Dies kann je nach
Interviewleitfaden | Anhang 57
Teilmarkt die Produktion, Vermarktung, Ausstellung und andere
Schritte umfassen. (komm.mix)
15. Was tun Sie dafür, um mehr Leute für Ihre Institution / Netzwerk zu interessieren?
3. Welche Teilmärkte zählen Sie zur Kreativwirtschaft?
Liste der Teilmärkte zum Ankreuzen.

Architektur

Werbung

Kulturelles Erbe
(Museen, Museumsshops, Ausstellungen)

Darstellende Kunst

Bildende Kunst

Kunsthandwerk

Design (Grafik,- Möbeldesign)

Musikwirtschaft

Modedesign

Fotografie

Filmwirtschaft

TV

Buchmarkt

Pressemarkt

Journalisten- und Nachrichtenbüros

Buchhandel

Literatur

Verlagsgewerbe

Softwareentwicklung

Computerspieleindustrie

Radio

Video/ DVD

sonstige
Standort Berlin
16. Was glauben Sie, aus welchen Gründen sich ein Kreativer für
den Standort Berlin entscheidet?
17. Was sind demnach die Vorzüge Berlins gegenüber anderen
Städten?
18. Und was sind die Nachteile dieser Stadt, bzw. was glauben Sie
stört die Kreativen hier am meisten?
19. Profitieren die Kreativen der Hauptstadt vom Image Berlins
als „Kreativmetropole“?
20. Welche Entwicklungen beobachten Sie gerade in Berlin bezogen auf die Kreativbranche?
21. Wie beurteilen Sie den Standort Berlin bezogen auf Fördermittel und Räumlichkeiten?
22. Welches sind die dringendsten Anliegen neben Geld für die
Arbeit der Kreativen in Berlin? (Wo bräuchten Sie mehr Unterstützung?)
23. Wer sind aus ihrer Sicht die nötigen Ansprechpartner für diese
Anliegen?
4. Oft werden die Begriffe Kreativwirtschaft und Kulturwirtschaft
synonym verwandt. Ist Kreativwirtschaft für Sie gleich Kulturwirtschaft oder wo liegt Ihrer Meinung nach der Unterschied?
5. Berlin wurde im Jahr 2006 von der UNESCO zur „City of Design“
ernannt. Können Sie diese Auszeichnung nachvollziehen bzw.
was macht Berlin Ihrer Ansicht nach zur „City of Design“?
Institution / Netzwerk
6. Können Sie Ihre Institution / Netzwerk kurz in wenigen Sätzen
vorstellen. (Was machen Sie, was sind ihre Ziele dabei, seit wann
gibt es das Netzwerk, für wen)
7. Warum wurde Ihre Institution / Netzwerk gegründet?
8. Was unterscheidet Ihre Institution / Netzwerk von anderen?
9. Warum brauchen die Berliner Kreativen Netzwerke / Plattformen und warum besonders ihres?
10. Wurde Ihre Institution / Netzwerk von den Kreativen gut angenommen? Von wem besonders gut, von wem eher weniger?
11. Was sind die Gründe dafür?
12. Welche Bedeutung haben Netzwerke für die Kreativen?
13. Was glauben Sie fehlt Berlin in Bezug auf Netzwerke?
14. Wie werden die Kreativen auf Ihre Institution / Netzwerk aufmerksam?
Wirtschaft
24. Denken Sie, dass Künstler/Designer auf ihre Selbstständigkeit
genügend vorbereitet sind?
25. Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft
und Kreativen ein?
26. Was macht die Kreativen für die Wirtschaft interessant in Berlin?
27. Wie stellen Sie sich eine gute Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kreativen vor? Wo sehen sie Überschneidungen bzw.
Verknüpfungspunkte?
28. Kann die Politik helfen die gewünschten Verbesserungen
durchzusetzen? Wenn ja, wie?
29. (Welche Rolle spielt Kreativität in Ihrem Leben, in der Gesellschaft und in der Politik?)
30. (Gibt es noch irgendetwas, was wir nicht angesprochen haben, das Ihnen aber besonders wichtig ist?)
58 Anhang | Interviewleitfaden
Interviewleitfaden Kreativwirtschaft Berlin
Fragebogen für POLITIK
Guten Tag. Vielen Dank, dass sie sich die Zeit nehmen, um uns
einige Fragen zu beantworten. Mein Name ist…. und ich bin Student/in an der Universität der Künste Berlin. Im Rahmen unseres
Studiums führen wir, die Gruppe komm.mix ein Kommunikationsprojekt zum Thema Kreativwirtschaft in Berlin durch. Dieses
Projekt ist Teil unseres Diploms. Beauftragt wurden wir vom Verein Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. Dieser Verein plant unsere Ergebnisse sowie ausgewählte Interviews und Texte in einem
Themenheft Kreativwirtschaft zu veröffentlichen sowie eine
Vortragsreihe zum Thema durchzuführen. Das Interview wird ca.
45 Minuten dauern und ich würde mich freuen, wenn sie mir die
Fragen so offen wie möglich beantworten…
Allgemeiner Teil
1. Was ist Kreativwirtschaft für Sie?
2. 3 Definitionen London, Berlin, komm.mix. Welche der drei Definitionen beschreibt Kreativwirtschaft am besten?
„...the creative industries are those industries which have their
origin in individual creativity, skill and talent and which have a
potential for wealth and job creation through the generation and
exploitation of intellectual property” (London)
“Unter dem Begriff der Kulturwirtschaft werden (...) alle Selbständigen und erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen,
die kulturelle Güter und Dienstleistung erstellen, vermarkten,
verbreiten, damit handeln sowie Kulturgüter bewahren zusammengefasst.“ (Berlin)
Man unterscheidet Kreativwirtschaft im engeren und im weiteren Sinne.
Kreativwirtschaft im engeren Sinne sind die Prozesse auf der
ersten Stufe der Wertschöpfungskette bei allen kreativen Teilmärkten. Es handelt sich dabei um jene kreativen Aktivitäten am
Anfang jedes wirtschaftlichen Prozesses innerhalb der Kreativbranche von denen Urheberrechte erzeugt werden.
Kreativwirtschaft im weiteren Sinne sind die Prozesse auf den
übrigen Stufen der jeweiligen Wertschöpfungskette, die sich mit
der Auswertung der kreativen Inhalte befassen. Dies kann je nach
Teilmarkt die Produktion, Vermarktung, Ausstellung und andere
Schritte umfassen. (komm.mix)
3. Welche Teilmärkte zählen Sie zur Kreativwirtschaft?
Liste der Teilmärkte zum Ankreuzen.

Architektur

Werbung





















Kulturelles Erbe
(Museen, Museumsshops, Ausstellungen)
Darstellende Kunst
Bildende Kunst
Kunsthandwerk
Design (Grafik,- Möbeldesign)
Musikwirtschaft
Modedesign
Fotografie
Filmwirtschaft
TV
Buchmarkt
Pressemarkt
Journalisten- und Nachrichtenbüros
Buchhandel
Literatur
Verlagsgewerbe
Softwareentwicklung
Computerspieleindustrie
Radio
Video/ DVD
sonstige
4. Oft werden die Begriffe Kreativwirtschaft und Kulturwirtschaft
synonym verwandt. Ist Kreativwirtschaft für Sie gleich Kulturwirtschaft oder wo liegt Ihrer Meinung nach der Unterschied?
5. Welche Rolle spielt Kreativität in Ihrem Leben, in der Gesellschaft und in der Politik?
6. Berlin wurde im Jahr 2006 von der UNESCO zur „City of Design“
ernannt. Können Sie diese Auszeichnung nachvollziehen bzw.
was macht Berlin Ihrer Ansicht nach zur „City of Design“?
7. Können Sie Ihren politischen Ansatz für die Kreativwirtschaft
kurz in wenigen Sätzen vorstellen. (Was machen Sie, was sind
ihre Ziele dabei, seit wann gibt es diesen Ansatz, wie viele Mitarbeiter)
8. Wer ist aus Ihrer Sicht kreativ?
Standort Berlin
9. Aus welchen Gründen entscheiden sich Kreative für den Standort Berlin?
10. Sehen sie Berlin als „Kreativmetropole“?
11. Nutzen Sie bei der Gestaltung oder Vermarktung ihrer Produkte/
Leistungen/Projekte das Image Berlins als „Kreativmetropole“?
12. Welche Entwicklungen und Trends beobachten Sie gerade in
Berlin in Bezug auf Kreativwirtschaft?
Interviewleitfaden | Anhang 59
Netzwerke
13. Wie beurteilen Sie den Standort Berlin bezogen auf kreative
Netzwerke, Fördermittel und Räumlichkeiten für Kreative?
14. Was sind die dringendsten Anliegen neben Geld für die Arbeit
der Kreativen in Berlin?
15. Wie kann die Politik die Kreativwirtschaft unterstützen?
16. Gehören Sie einem/mehreren Netzwerken an? Und wenn ja
zu welchen?
17. Kennen sie kreative Netzwerke?
18. Wie stellen sie sich ein Netzwerk zwischen Kreativen, Wirtschaft und Politik vor?
Fördermöglichkeiten
19. Kennen Sie Fördermöglichkeiten für die Kreativwirtschaft
hier in Berlin? Und wenn ja, welche?
20. Denken sie, dass Künstler auf ihre Selbstständigkeit genügend vorbereitet sind?
Wirtschaft
21. Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit zwischen Politik und
Kreativen ein?
22. Was macht die Kreativen für die Politik interessant in Berlin?
23. Wie stellen sie sich eine gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Kreativen vor?
60 Anhang | Literatur- und Quellenverzeichnis
QUELLEN
Literatur- und Quellenverzeichnis:
Anschläge.de: Plan B. Kulturwirtschaft in Deutschland. Berlin.
2007.
Department for culture, media and sport: Guide to Arts Funding
in England. London 2004.
Berghaus, Margot: Luhmann leicht gemacht. Eine Einführung in
die Systemtheorie. Suhrkamp, Frankfurt am Mein 2004.
Frontier Economics: Statistical Analysis. A framework for understanding international demand for the Creative Industries. A report prepaired for DCMS. London 2007.
Durst, Jessica. In: Galling, Stiehler: Skript zum Seminar PR outside
in & inside out. Sommersemester 2008.
Florida, Richard: <Original: The Rise of the creative class. And how
it`s transforming work, leisure, community and everyday life,
2002> L´Ascesa della nuova classe creativa. Stili di vita, valori e
professioni. Mondadori, Milano 2003.
Galling-Stiehler, Andreas: Skript zum Seminar PR outside-in und
inside-out. Sommersemester 2008.
Gassert Kathrin: Risikokommunikation von Unternehmen.
Modelle und Strategien am Beispiel gentechnisch veränderter
Lebensmittel. Wiesbaden 2003.
Ministerial Creative Industries Strategy Group: Creative Industries Mapping Document. London 2001.
EU:
Beiträge aus dem 4. Kulturpolitischen Bundeskongress „kultur.
macht.europa – europa.macht.kultur“ am 07. Juni 2007 in Berlin:
Bolkestein, Frits: Kulturen leben vom Austausch
Langenstein, Gottfried: Kultur als Identitätsträger und Wirtschaftsfaktor
Neumann, Bernd: Kulturpolitik für Europa
Thierse, Wolfgang: Kultur und Wirtschaft – derselbe Kampf?
Köhler, Christian: Skript zum Seminar Markenführung. Sommersemester 2007.
Braun, Erik; Lavagna, Angela, European Institute for Comparative
Urban Research (EURICUR): An International Comparative Quickscan of National Policies for Creative Industries. Erasmus University Rotterdam. Rotterdam 2007.
Leibfried Kathleen H.J./ Mc Nair Carol Jean, Benchmarking. Von
der Konkurrenz lernen, die Konkurrenz überholen. Freiburg im
Breisgau 1992.
Directorate-General for Education and Culture: The Economy of
Culture in Europe. A study prepared for the European Commission. EU 2006.
Liebl, Franz: Der Schock des Neuen. Entstehung und Management
von Issues und Trends. 2000.
Kommission der Europäischen Gemeinschaften: MITTEILUNG
DER KOMMISSION AN DEN RAT, DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT,
DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS
UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN. „i2010 – Eine europäische
Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung“.
Brüssel, 1.6.2005.
Luhmann, Niklas: Das Risiko der Spontangenese. In: Zeitschrift
für Wissenschaftsforschung. 9/19; 1995.
Mitchell/ Agle/ Wood: Towards a theory of stakeholder identification and salience. Defining the principles of who and what really
counts. In: Academy of Management Review. 4/22/1997.
S. 853-886.
WAHRIG. Deutsches Wörterbuch. Bertelsmann, München 2005.
Kultur- und Kreativwirtschaftsberichte
London:
Department for culture, media and sport – Evidence and Analysis
Unit: The Creative Economy Programme: A Summary of Projects
commissioned in 2006/07. London 2007.
Kommission der Europäischen Gemeinschaften: MITTEILUNG
DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT. “Gemeinsame Maßnahmen für Wachstum und Beschäftigung: Das Lissabon-Programm der Gemeinschaft”. Brüssel,
20.07.2005.
Zürich:
Held, Thom/ Kruse, Christian/ Söndermann, Michael/ Weckerle,
Christoph: Kreativwirtschaft Zürich - Synthesebericht 2005.
Zürich 2005.
Söndermann, Michael/ Wackerle, Christoh: Empirisch-quantitative Studie der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich
(HGKZ) und Held, Thom/ Kruse Christian: Interaktiv-qualiltative
Studie. Zürich 2005.
Literatur- und Quellenverzeichnis | Anhang 61
Wien:
Ratzenböck, Veronika/ Harauer, Robert/ Rahel, Falk u.a. im Auftrag der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer Wien und der Filmfonds Wien: Untersuchung des ökonomischen Potentials der
„Creative Industries“ in Wien. Wien 2004.
Kopenhagen:
Lorenzen, Mark/ Vaarst, Kristina: The geography of the Danish
creative class. A Mapping and Analysis. Frederiksberg 2005.
Stockhom:
Nilsson-Andersen: Petra: The FUNK Growth Model of Sweden:
Nordic Innovation Centre. Stockholm. 2001.
Deutschland:
Arbeitsgemeinschaft Kulturwirtschaft LSA: Kulturwirtschaft in
Sachsen-Anhalt – Bedeutung, Strukturen, Handlungsfelder.
1. Kulturwirtschaftsbericht Sachsen-Anhalt. Bonn/Magdeburg.
2001.
Backes, Christoph/ Holzer, Barbara / Söndermann, Michael: Kulturwirtschaft in Aachen. Erstes kulturwirtschaftliches Portrait
einer Stadt in Deutschland. 2005.
Bayerischer Landtag, 14. Wahlperiode: Interpellation der Abgeordneten Maget, Radermacher, Dr. Baumann, Hufe, Odenbach, Dr.
Schumann, Vogel und der Fraktion SPD. Entwicklung der Kulturwirtschaft in Bayern. Drucksache 14/7726. 2001.
Deutscher Bundestag: Schlussbericht der Enquete-Kommission
„Kultur in Deutschland“. 16. Wahlperiode. Drucksache 16/7000.
2007.
Dümcke, Cornelia im Auftrag des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien (BKM): Kultur und Tourismus in den neuen Ländern. Eine Untersuchung am
Beispiel der kulturellen Leuchttürme und Gedächtnisorte. Berlin.
2002.
Ertel Dr., Rainer/ Gnad Dr., Friedrich u.a. im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Verkehr: Kulturwirtschaft in Niedersachsen. Quantitativer Befund
und Schlussfolgerungen für die wirtschaftspolitische Diskussion.
2002.
Friedrich-Naumann-Stiftung und Büro für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft: Kulturwirtschaft 2005. Anlässlich der 2. Nationalen Tagung Kulturwirtschaft. Berlin. 2006.
Fesel Bernd/ Söndermann, Michael im Auftrag der RheinEnergieStiftung Kultur Köln: Kulturwirtschaftsbericht Köln 2007. 2007.
Funck, H. Rolf / Kowalaska Jolanta / von Thadden Guido, Karlsruhe: Kultur und Wirtschaft in Stadt und Region - II. Kulturwirtschaftsbericht Karlsruhe, 2007
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung und Hessisches Ministerium für Wissenschaft und
Kunst: Kulturwirtschaft in Hessen. 1. Hessischer Kulturwirtschaftsbericht. 2003.
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung und Hessisches Ministerium für Wissenschaft und
Kunst: Kultursponsoring und Mäzenatentum in Hessen. 2. Hessischer Kulturwirtschaftbericht. Wiesbaden. 2005.
Loock Prof. Dr., Friedrich u.a.:Kulturwirtschaftsbericht 2006 für
Hamburg. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung
von künstlerisch- kreativen Leistungen in der Freien und Hansestadt Hamburg. 2006.
Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes
Mecklenburg-Vorpommern und Museumsverband Mecklenburg-Vorpommern: Kulturanalyse 2006. Auswertung einer Befragung von kulturellen Einrichtungen und Initiativen im Jahr
2004. 2006.
Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes
Nordrhein-Westfalen (MWME): 5. Kulturwirtschaftsbericht Nordrhein-Westfalen. Kultur- und Kreativwirtschaft. Wettbewerb –
Märkte – Innovationen. Düsseldorf. 2007.
Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und
Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen: Kulturwirtschaft im
Netz der Branchen. 4. Kulturwirtschaftsbericht NRW. Düsseldorf.
2001.
Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des
Landes Nordrhein-Westfalen und Arbeitsgemeinschaft Kulturwirtschaft NRW: Kulturwirtschaft in Nordrhein-Westfalen: Kultureller Arbeitsmarkt und Verflechtungen. 3. Kulturwirtschaftsbericht NRW. Düsseldorf. 1998.
Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des
Landes Nordrhein-Westfalen und Arbeitsgemeinschaft Kulturwirtschaft NRW : Kultur- und Medienwirtschaft in den Regionen
Nordrhein-Westfalens. 2. Kulturwirtschaftsbericht NRW. Düsseldorf. 1995.
Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des
Landes Nordrhein-Westfalen und Arbeitsgemeinschaft Kulturwirtschaft NRW: Dynamik der Kulturwirtschaft. 1. Kulturwirtschaftsbericht NRW. Düsseldorf. 1992.
62 Anhang | Literatur- und Quellenverzeichnis
Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt: Kulturwirtschaftsbericht des Landes Sachsen-Anhalt 2006.
2006.
Schleswig-Holsteinischer Landtag, 15. Wahlperiode: Bericht der
Landesregierung über die Entwicklung der Kulturwirtschaft in
Schleswig-Holstein. Drucksache 15/ 2573 und 2611. 2004.
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen in Berlin
und Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur:
Kulturwirtschaft in Berlin. Entwicklung und Potenziale. Kulturwirtschaftsbericht. Berlin 2005.
Söndermann, Michael u.a. im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern: Kulturwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. 1. Kulturwirtschaftsbericht.. Schwerin. 1997.
Quellen | Anhang 63
Internetquellen:
Bildquellen:
www.adc.de 12.02.08
www.berliner-potentiale.de/kreativ/ 10.12.07
www.bvmwonline.de
15.12.07
www.bwg-ev.net 02.05.08
www.ccfund.co.uk 15.12.07
www.create-berlin.de www.creative-city-berlin.de 10.12.07
www.creativelondon.org.uk 15.12.07
10.12.07
http://www.culture.gov.uk/what_we_do/Creative_industries/
15.12.07
http://www.copcap.com/composite-7910.htm (The creative industries in Copenhagen) 04.04.08
http://ec.europa.eu/culture/eac/index_en.html
15.12.07
www.europa-foerdert-kultur.info
07.12.07
http://www.departure.at (Wien) 04.04.08
www.idz.de 07.12.07
www.marketingclubberlin.de 12.02.08
http://www.sxc.hu
S.09
Berlin
S.17
London
S.18
EU-Flaggen
S.19
Bahnhof Standelhof, Zürich
S.20
Hundertwasserhaus, Wien
S.20
Hauptbahnhof Stockholm
S.26
Kuppel Sony Center, Berlin
S.34
Reichstag
S.36
Buch- und Pressemarkt
S.40
Musikwirtschaft
S.41
Lan-Party
http://flickr.com
S.21
Kopenhagen
S.23
MoMa Installation, Frankfurt
Maria Raduly
S.08
Berliner Bär
S.12
Collage
S.13
Collage
S.35
Friedrichstraße
S.37
Prime Time Theater
S.38
Modelabel „justMariOt“
S.39
Keramik
Sonstige
S.05
Gruppenfoto: Paul Galow
S.11
Vereinsaufbau: „Berliner Wirtschaftsgespräche e. V.“
S.15
Richard Florida: www.creativeclass.com
S.38
ToppleLeft: Julian Appelius
S.44
Interviewteilnehmer
Document
Kategorie
Kunst und Fotos
Seitenansichten
21
Dateigröße
1 869 KB
Tags
1/--Seiten
melden