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1. Was passierte im 19. Jahrhundert? Es war die - Denkprozesse

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1. Was passierte im 19. Jahrhundert?
Es war die Zeit der großen Psychopathologen (Psychopathologie: Wissenschaft
von den als krankhaft eingestuften psychischen Erscheinungsformen –
Selbstwahrnehmung, Gedächtnisfunktion, Denken – verlangsamt, beschleunigt Mimik, Gestik). Es gab humanitäre Forderungen um die Verwahrlosung und
Verspottung einzudämmen bzw. zu verhindern. Es wurden Heil- und Pflegeanstalten
eingerichtet. Es begann die Zeit er großen Psychopathologen und Kliniker.
Griesinger Wilhelm (Dementia praecox),
Kraeplin Emil (MDK),
Kretschmer Ernst (Körperkonstitutionstypen, Charaktertypen) und
Sigmund Freud (Psychoanalytisches Denkmodell).
2. Es gab zwei grundlegende Richtungen, welche? Erkläre sie.
a) Somatogenese
b) Psychogenese
Somatogenese:
Die Somatogenese begründet sich auf biologische Ursachen wie zum Beispiel eine
Infektion (wie Syphilis), diese zerstört Bereiche des Hirns und die Folge ist eine
psychische Störung. Es kommt zu einer Entmoralisierung der Erkrankung
(Krankheitsbild der Neurasthe nie = Nervenschwäche durch „nervale
Mangelversorgung“)
Psychogenese:
Hier sind die Ursachen psychisch bedingt. Geisteskrankheit wurde zw. Dem 18. und
19. Jhdt. als Funktionsstörung der Psyche gesehen (hysterische Zustände häuften
sich – Konversionsstörungen – psychisch begründete körperliche Störungen und
Ausfälle).
? Charcot, Jean Martin: Untersuchung hysterischer Zustände
? Janet, Pierre
? Breuer, Joseph: Studien über Hysterie (Aufarbeitung quälender Ereignisse vorerst
durch Hypnose – kathartische Methode) - „Psychasthenie“: als angeborene
Nervenschwäche
3. Was ist das Ergebnis aus den historischen Ereignissen im Umgang mit dem
Wahnsinn?
Grundsätzlich gab es unterschiedliche Anschauungen des gestörten seelischen
Erlebens und Verhaltens. Daraus erfolgte auch ein unterschiedlicher Umgang mit
den Geisteskranken, was verhängnisvoll war, bei einseitigen, ideologischen
Ansichten. Es kam zum Streit zwischen den Somatikern und Psychikern (das alte
„Leib-Seele-Problem“). Heute sprechen wir von Psychosomatik und es gibt biopsycho-soziale Ansätze .
Fazit: Professionalisierung und Zusammenarbeit verschiedener
Berufsgruppen, wie der Facharzt, der Psychotherapeut, der klinische Psychologe,
die Pflege und der Sozialarbeiter. Der Umgang mit dem Wahnsinn erfolgt heute
durch eine Modell- und Methodenvielfalt und man befasst sich mit der Frage der
Zurechnungsfähigkeit, Schuldhaftigkeit und Verantwortung (Bsp.: „Verbrechergene“).
!
4. Reformen in der Psychiatrie:
Reformen hatten zum Ziel, dass die Situation der Kranken verbessert werden sollte,
durch ein besserer gesetzlicher Schutz, bessere Betreuung und Behandlung und
eine geänderte Unterbringung (UBG 1990). Dies versuchte man durch die
Sozialpsychiatrie (Beschreibung „multifaktorieller Störungen“-Krankheit entsteht aus
vielen Faktoren, Stigmatisierung, soziale Ursachen und soziale Besserstellung. Ist
heute noch aktuell. Betroffene können in der Familie, Arbeitsplatz,
Wohngemeinschaft bleiben. Versorgung geht über das klinische hinaus) und die
Antipsychiatrie (Aufrütteln versteinerter, stationärer Psychiatrie – „die Unmündigen
…zu Mitgliedern der Gesellschaft erziehen. Die Gesellschaft produziert die Kranken,
stationäre Behandlung nur in Notfällen, psychisch Kranke sollen in der Familie und
im Beruf bleiben) – Antipsychiatrie kann sich nicht durchsetzen. Leid konnte nicht
vermindert werden, Gesellschaft ist krank – dies sollte verändert werden.
Spritzbad, Trichter, Tropfbad (Tortur), Eingießen von Wasser in die Ärmel, Aderlässe,
Brennessel, Einläufe, … bis 1898 waren die Zustände im Narrenturm so schlimm.
5. Wie entsteht Wahrnehmung in Bezug auf Normalität versus Abweichung?
Wahrnehmung ist immer ein aktiver Prozess – wir bewerten (jemand ist genial,
gestört,...), konstruieren. Die Handlung kommt später – manchmal ist eine „Störung“
eine normale Reaktion auf ein Ereignis. Wir beziehe n unsere Wahrnehmung immer
auf etwas, sie ist situationsbezogen. Wenn man einen Patienten als schizophren
bezeichnet, kann das anhaften bleiben, auch wenn es vielleicht nur 1x vorkommt und
er/sie das nächste mal mit Blindarm kommt. Psychiater versehen Patienten mit
Etiketten, sie werden stigmatisiert und sie verhalten sich auch so (Labeling). So ist
dieser Ansatz entstanden.
6. Erkläre den Versuch Rosenhans von 1973 in den USA:
Rosenhan: Amerikaner, Professor of Law and Psychologie
Versuch Rosenhan, USA, 1973, 1977: „Gesund in kranken
Institutionen – Schauspieler und Rosenhan selber haben sich als
Patienten in Spitäler einschreiben lassen – Merkmal: sie hören
Stimmen (lehr, dumpf, hohl) – nach der Einweisung behaupteten
sie keine Symptome mehr zu haben.
Ziel: Wie werden sie behandelt?
Ergebnis: In allen Fällen war die Diagnose Paranoia oder
manisch, depressive Psychose – die Diagnose blieb erhalten (für
immer anhaftend, Akten – nicht versehen mit kurzfristig,
einmalig) – einzig von den wirklich Kranken d urchschaut.
7. Was kann man aus Rosenhans Versuch lernen?
Ø wie wichtig die Einschätzung der Diagnose ist (richtig wäre gewesen Täuschung /
Lüge – oder Diagnose der Halluzination, Feststellung der Symptome / Schizophrenie
ist wirklich eine sehr starke Diagnose) – Schizophrenie-Diagnose als „Abfallkorb“?
8. Was wurde an Rosenhans Versuch kritisiert?
Ø Die Patienten verhielten sich nicht „normal“ – wie kann man dann „Normalität“
diagnostizieren? Die Psychiater glaubten ihren Patienten. Ebenso fehlt eine
Problemlösung und Alternativen. Die Diagnose und die Therapie waren falsch
– aber wie wäre es richtig? Die psychiatrische Tätigkeit wird diskriminiert
(Anschein psychiatrischer Dummheit). Eine Studie fürs Laienpublikum?
9. Warum beurteilen wir und was für Kriterien gibt es zur Beurteilung von
Normalität?
Wir haben das Bedürfnis uns anderen gegenüber einzuschätzen (Bsp.: Tests in
Zeitschriften, wo liegt man – im Durchschnitt, darüber?). Wo liegen unsere
Fähigkeiten (Selektion bei Berufswahl). Kriterien für die Beurteilung von Normalität
sind z. Bsp.: das Verhalten, die biographischen Merkmale (Alter, Geschlecht – z.
Bsp. Frauen sind ängstlicher), die Rolle bzw. die Funktion einer Person (Künstler –
darf sich „schräg“ aufführen), die Schichtzugehörigkeit, der Zeitpunkt des Auftretens
(Trauer,...), die Situation und die Selbstbeurteilung (ein Hypochonder geht schneller
zum Arzt).
10. Was gibt es für Normbegriffe im psychosozialen Feld?
Ø Statistische Seltenheit (wenn etwas oft vorkommt ist es normal – wenn es
selten vorkommt abnormal – so könnte AIDS plötzlich normal sein)
Ø Verletzen von Normen („Relativität des Begriffs“ – Kulturverständnis – z.B.
Ausziehen im öffentlichen Raum in Afrika ok) – immer bezogen auf soziale
Normen
Ø Persönliches Leid (eigener Leidensdruck kommt zentrale Rolle zu, z. Bsp.:
Depression, Angststörung – Trauer als Störung?)
Ø Unfähigkeit oder Dysfunktion (mangelnde Zielerreichung: Alkoholismus,
Phobien – Ansätze in der Neuropsychologie – Störung der Wahrnehmung)
Ø Unerwartetes Verhalten (als Normverletzung, Missverhältnis zur Umgebung /
Person – Traumaopfer erlebt unangenehmes immer wieder – durch Bilder,
etc. – Vermeidungsverhalten – normale Reaktion)
11. Erläutere die Normalität einer Störung/Krankheit.
Es gibt 2 große Systeme wie man Krankheiten erfasst:
ICD – 10 (Europa) und DSM – IV (USA)
In diesen Systemen wird festgehalten wie eine Krankheit beschrieben werden kann –
wenn etwas so oder so ist, dann ist es diese oder diese Krankheit.
Beispiel:
Ø Post-traumatische-Reaktionen: erst 1980 wurden post-traumatische Reaktionen
bewertet. Wiederkehrende Bilder sind eben normal bei post-traumatischen
Reaktionen. ICD spricht von post-traumatischen Reaktionen, DSM von posttraumatischen Störungen.
Ø Selbstverletzendes Verhalten: Patienten mit Borderlinestörungen – fügen sich
wiederholt Schnittwunden zu – viele dieser Patienten sind komplex traumatisiert, oft
sexueller Mißbrauch im Kindesalter – im Erwachsenenalter Selbstheilungsversuche
durch Verletzung, aber diese ist kontrolliert, nicht so wie in der Kindheit –
kompensatorischer Versuch. Kann manchmal fatal sein, zuviel – Borderliner. Das
scheinbar gestörte Verhalten steht für etwas anderes.
Wie normal ist es in Psychotherapie zu gehen?
Ø Clinton, USA – Paartherapie ist gesellschaftlich schon sehr akzeptiert,
Familientherapie auch.
Ø „nur ein verwundeter Arzt“ kann heilen (Jaeggi, 1990) – dann weiß man wie
das „Geschäft“ funktioniert
Ø jeder hat seine Geschichte!
12. Erkläre den salutogenetischen Ansatz.
Der salutogenetische Ansatz sieht vor, dass wir die Position einer Person auf einem
Gesundheits-Krankheits-Kontiuum festmachen können und widerspricht damit einer
dichotomen (gegabelt, zweigeteilt – Gliederung eines Oberbegriffs in einen darin
enthaltenen Begriff und dessen Gegenteil) Sichtweise von Gesundheit und Krankheit
(schließen sich gegenseitig aus).
„Wir sind alle sterblich; ebenso sind wir alle, solange noch ein Hauch von
Leben in uns ist, in einem gewissen Ausmaß gesund“ (zit. nach Antonovsky,
1997, S. 23).
Krank
hier
krank
Was haltet die Menschen gesund? Niemand ist zu 100 % gesund. Was stabilisiert
den Menschen trotz Beeinträchtigung? Im medizinischen und psycho-sozialen
Bereich anwendbar.
ð Die salutogenetische Orientierung veranlasst über Faktoren
nachzudenken, die zu einer Bewegung in Richtung auf das gesunde
Ende des Kontinuums beitragen. Sie verringert die Gefahr, sich auf die
ausschließliche Ätiologie einer Krankheit zu konzentrieren und verweist
auf die gesamte Geschichte eines Individuums.
13. Erklären sie die Entwicklung des Modells der Salutogenese?
Nach Antonovksys Meinung stellt die Gesundheit nicht den Zustand der Abwesenheit
von Krankheit dar, sondern Gesundheit und Krankheit bilden eine Einheit in
Abhängigkeit voneinander. Sie befinden sich ,,aus Antonovksys Sicht an einander
gegenüberliegenden Enden eines Kontinuums." 1( B.Borrmann, 2000 ) schaffen es
denn Menschen nach einer für sie traumatischen Erfahrung gesund zu werden oder
zu bleiben und diese Situation sehr gut zu bewältigen?
Nach Antonovskys Aussage befanden sich diese Menschen in seinen
Befragungen in einem Grundgefühl des Verstehens der Situation, die
Erfahrung und das Leben als sinnhaft zu empfinden und einem hohen
Maß an Selbstvertrauen in Bezug auf die Handhabbarkeit der
Lebenssituation. Diese drei Komponente n fasste Antonovsky als
Kohärenzgefühl zusammen, welches im folgenden weiter erläutert
wird.
Aaron Antonovsky (1923 – 94) - USA
Was ermöglicht einen Menschen, trotz Stress oder extrem starker Belastung
gesund zu bleiben?
Antonovsky untersuchte das vorerst an KZ-überlebenden Frauen (Jahrgang 1914 –
23) und fand in den generalisierten Widerstandsressourcen eine erste Antwort. Was
hat die Frauen gesund erhalten (bei einer so extremen Belastung)? – Antonovsky
fasste Ressourcen (die Gesundheit erleichtern) zusammen:
- konstitutionelle Faktoren (Fitness, Bewegung)
- genetisch-individuelle Faktoren (vorhandene Intelligenz)
- psycho-soziale Faktoren: Erziehung, Ich-Struktur, Bildung, ..
- kulturelle Stabilität
ð Er erkannte ein vermittelndes, steuerndes und übergeordnetes Element als
Kernstück seines Modells ð das Kohärenzgefühl (sense of coherence)!
14. Was bezeichnet das Gefühl der Kohärenz?
Kohärenz bezeichnet eine Grundorientierung, die ausdrückt, in welchem Maße ei
Individuum ein durchdringendes, überdauerndes und dennoch
ð dynamisches Gefühl der Zuversicht bzw. des Vertrauens hat und die
ð Welt entsprechend als zusammenhängend und sinnvoll erlebt.
Es handelt sich um eine individuelle Einflussgröße, welche sowohl von
Lebenserfahrungen als auch von gesellschaftlichen Gegebenheiten geformt wird und
die dafür verantwortlich ist, dass Menschen trotz negativer Einflüsse gesund bleiben
oder sich von Beeinträchtigungen wieder entsprechend erholen.
Vergleiche: Urvertrauen (Erikson) - Widerstandsressourcen-emotionale
Komponente;
Kohärenzgefühl – kognitive Komponente (Was hat das Ganze, z.
Bsp. Trauma, für eine Sinn?)
15. Erklären sie die drei Komponenten des Kohärenzgefühls?
Antonovsky entwickelte aus seinen Überlegungen heraus diese drei Komponenten
der Grundhaltung des Menschen, die Welt als zusammenhängend und sinnvoll zu
erleben:
ð Verstehbarkeit (comprehensibility)
ð Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit (manageability)
ð Bedeutsamkeit (meaningfulness)
1)Gefühl von Verstehbarkeit (Sense of comprehensibility)
kognitiver Bereich
Die Verstehbarkeit bezieht sich auf das Ausmaß und die Fähigkeit, dass äußere oder
innere Reize (z.B. krisenhafte Ereignisse, wie Tod, Ärger, Erkrankung, Verlust)
aufgenommen, verarbeitet und eingeordnet werden und vorherzusehen sind. Selbst
eine überraschend eingetretene Situation kann realistisch beurteilt und eingeordnet
werden.
2) Gefühl von Handhabbarkeit / Bewältigbarkeit ( sense of manageability)
- kognitiv-emotionaler Bereich
Unter dem Gefühl von Handhabbarkeit ist die Gabe gemeint, sich mit einem Ereignis
angemessen auseinandersetzen zu können und dieses mit seinen Aufgaben oder
Reizen anzunehmen, zu bewältigen, so dass im nachhinein ein gutes persönliches
Ergebnis daraus zu ziehen ist oder die Konsequenzen dafür getragen werden
können.
3) Gefühl von Sinnhaftigkeit /Bedeutbarkeit ( sense of meaningfullness)
Der motivationale Anteil des Kohärenzsinnes wird als die Bedeutsamkeit der
Sinnhaftigkeit (meaningfulness) bezeichnet und bedeutet das Ausmaß, in dem eine
Person ihr Leben als sinnvoll empfindet oder zumindest einige der vom Leben
gestellten Anforderungen als Herausforderungen betrachtet, die Engagement und
Investition wert sind. Die Wahl des Begriffes wurde hierbei von den Arbeiten Viktor
Frankls beeinflusst (Antonovsky 1979).
16. Wo können die Komponenten der Kohärenz impliziert werden?
ð in der Gesundheitsforschung – Resilienzforschung (Resilienz: Fähigkeit
mit belastenden Situationen umzugehen) – Hypothesen zur
Invulnerabilität
ð Auswirkung auf Beratung / psychosoziale Intervention (Wie kann man
jemanden aus einer schwierigen Situation befreien?)
ð Wie entsteht Verletzbarkeit – Vulnerabilität?
ð
17. Was verstehen sie unter Resilienz?
…die Fähigkeit(en) von Individuen oder Systemen (Familien,…), erfolgreich mit
belastenden Situationen (z. Bsp. Misserfolge, Unglück, Notsituation,…) umzugehen.
18. Nennen sie Schwerpunkte der Resilienzforschung?
ð Individuelle Merkmale: z. Bsp. Intellektuelle Fähigkeiten, Temperament
ð Familiäre Faktoren: Familienformen, Partnerschaft, Qualität der Bindung,
Erziehung, Gewalt in der Familie,…
ð Soziale Faktoren: Sozioökonomischer Status, soziale
Unterstützungssysteme (z. B. Armut)
19. Was für Modelle gibt es in der Resilienzforschung?
ð Salutognese – Modell (Aaron Antonovsky, 1997)
ð Widerstandsfähigkeit und psychological hardiness (Maddi und
Kobasa, 1982)
ð Dispositioneller Optimismus
ð Ansatz der Grundillusion – kognitive Adaption (Taylor und Brown,
1988)
ð Selbstwirksamkeit (Bandura, 1979)
ð Erlernte Hilflosigkeit – Theorie bezüglich Kontrollverlust (Seligman,
1975)
Die wichtigsten 3 sind von Antonovsky, Kobasa und Taylor und Brown.
20. Was versteht Kobasa unter dem Konzept der Widerstandsfähigkeit?
Es versteht darunter 3 ineinander greifende Komponenten:
1. Engagement
2. Kontrolle
3. Herausforderung
Engagement:
ð Personen mit starkem Engagement tendieren dazu sich einzubringen
(versus sich distanzieren oder „formal“ an die Sache herangehen).
ð Bezeichnet die Fähigkeit an die Bedeutung, Wahrheit und den Wert zu
glauben, was man tut und wer man ist …und die Tendenz sich in vielen
Lebenssituationen zu involvieren
ð Zielbewusstsein
Kontrolle:
ð Menschen mit hohem Ausmaß an Kontrolle glauben und handeln so, als
ob sie die Ereignisse beeinflussen können (versus Machtlosigkeit)
ð Suchen Erklärungen, warum etwas geschieht unter Berücksichtigung
eigener Verantwortlichkeit
ð Gefühl von Eigenständigkeit
Herausforderung:
ð Veränderung werden als Stimulus für Wachstum gesehen (versus
Gefährdung der Sicherheit)
ð Merkmale der Offenheit und Flexibilität
21. Erkläre den Ansatz der Grundillusionen nach Taylor und Brown:
„Illusion und well-being“ – Taylor und Brown (1988) – stellen sich gegen
traditionellere Ansätze, dass realistische Sichtweisen der Person von sich selbst und
der Welt adaptiv (angepasst) sind. In ihrer sozialpsycho logischen Perspektive der
psychischen Gesundheit postulieren sie grundlegende Illusionen die uns zu
Wohlbefinden verhelfen.
ð „Lügen sie sich gesund“
Grundlegende adaptive Illusionen:
1. Unrealistische positive Sicht des Selbst (gut angepasste Individuen
erliegen einer Selbstüberschätzung und die „Gesunden unter uns“ schätzen
sich selbst als besser als der Durchschnitt ein. Die Personen mit schwächer
ausgeprägten Selbstwertgefühlen und moderaten Formen von Depressionen
zeigen auch prompt weniger verzerrte sondern realistischere
Selbsteinschätzung.
2. Illusion der Kontrolle (gut adaptierte Personen erliegen nach Taylor und
Brown der Illusion persönlicher Kontrolle über Umweltfaktoren zu besitzen und
haben darüber hinaus illusionäre Vorstellung Situationen zu meistern:
3. Unrealistischer Optimismus (gehen davon aus, dass sich die Dinge
verbessern können; „The present is better than the past and the future will be
even better!“)
22. Was wurde bei Taylor und Brown kritisiert?
ð Sie gingen davon aus, dass Illusionen die Anpassung und somit das
Wohlbefinden fördern. Es werden (von Colvin und Block) methodische
Mängel und „Verzerrungen“ in der Zitierung der Literatur kritisiert, das
Fördern von Illusionen nur fragwürdige geistige Gesundheit bringt
(Verzerrungen); Erheiterung durch Sprüche (im Radio): „Doctors now say
you can lie yourself into happiness“…
23. Erkläre die Bedeutung der Lebensqualität in der Gesundheits- und
Krankheitsforschung
Hat Bedeutung für
- Onkologie
- Chirurgie: Transplantation, Stoma, Trauma
- Neurologie / Neuropsychologie
- Kardiologie
Dimensionen der Lebensqualität sind: Physischer Status, Funktionsfähigkeit –
psychologischer Status und Wohlbefinden – soziale Interaktion – beruflicher Status –
geistiger / mentaler Status; LQ = multidimensionaler Ansatz
24. Nenne verschiedene Formen der Akutinterventionen Im Bereich von
Notfallpsychologie und Kriseninterventionsteams
→ Traumatische Krisen (z. Bsp.: ausgelöst durch Tod, schwere
Verletzung/Erkrankung naher Bezugspersonen; Miterleben von tod,
drohender Tod oder schwere Verletzung/Erkrankung anderer Personen;
eigene schwere Verletzung/Erkrankung oder Lebensgefährdung)
→ Suizidalität (z. Bsp.: Suizidale Entwicklung über einen Zeitraum;
entstehen aus traumatischen Krisen möglich)
→ Soziale Krise / Konflikte
→ Schwerpunkt in Beratung und Therapie: Veränderungs-, Wachstums-,
Entwicklungs-, Lebenskrisen.
Interventionsschwerpunkte:
? Traumatische Krise → Trauer und Abschied ermöglichen
herstellen
? Suizidalität → Stabilisieren
? Konflikt → De-eskalieren
Schritte:
Bindung
Explorieren
Intervenieren
Bsp.: 1 Überbringen einer Todesnachricht an 40jährige Mutter, 16jährige
Tochter hat sich erhängt – Mutter springt plötzlich aus Fenster…
2 Plötzlicher Tod einer 55jährigen Frau – Ehemann hat starke
Schuldgefühle, er hätte etwas merken müssen – er verschwindet plötzlich
mit einem Messer im Keller…
25. Schritte in der Krisenintervention sind:
BASIS
Bindung herstellen
Anerkennung des Krisenanlass / Tod / Abschied
Strukturieren
Informieren
Sicherstellen von Auffangnetz
26. Erkläre die Schritte in der Krisenintervention ganz kurz:
1. Bindung herstellen – Sicherheit geben / Vertrauen schaffen
(Setting), im akuten Fall – wegführen vom belastenden Ort / Inhalt
(Überwältigung unterbrechen) – Erzählen fördern (auf kognitive
Ebene bringen) – Abwehr respektieren – Dabei bleiben (aber nicht
aufdrängen)
2. Anerkennung fördern – Geschichte erfragen (Zuhören ist wichtiger als
reden!) – vorsichtig zum belastenden Inhalt hinführen (aber keine falschen
Hoffnungen wecken)
3. Struktur geben – Rahmen schaffen (selbst einen Überblick über die Situation
behalten) – Schritte erklären (u.a. gesetzliche/administrative) – Struktur in die
Erzählung bringen (durch Fragen) – positive Bewältigung fördern
(Selbständigkeit fördern) – Entscheidungen respektieren – Vorausdenken
4. Informieren – über notwendige Schritte – Fragen ehrlich beantworten (WFragen) – nur abgesicherte Information weitergeben! – „normaliesieren“
(aufklären, dass das „normale Reaktionen“ auf abnormale Ereignisse sind
5. Sicherstellen von Auffangnetzen – Kommunikation v. Betroffenen fördern,
soziale Ressourcen nutzen (Verwandte, Freunde,..) – erreichbar sein (od.
Freunde,…)
27. Was ist ein Trauma?
Defintion: Trauma DSM IV der APA, 1998
1. Die Person erlebte, beobachtete oder war mit einem oder mehreren
Ereignissen konfrontiert, die tatsächlich oder drohenden Tod oder
ernsthafte Verletzung oder ein Gefahr der körperlichen Unversehrtheit der
eigenen Person oder anderer Personen beinhaltet (objektives Kriterium)
UND
2. Die Reaktion der Person umfasste intensive Furcht, Hilflosigkeit oder
Entsetzen (subjektives Kriterium)
Definiton: Fischer und Riedesser, 1998
Ein Trauma ist ein „vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen
Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit
- Gefühl von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe und so eine
- Dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt.“
Trauma ist…
…ein Riss innerhalb unserer Erfahrungsbestände (inhärente Paradoxie/darin
innewohnender Widerspruch – existentiell bedrohlich, aber kein angemessenes
Handeln möglich) – massiver Kontrollverlust, Entkoppelung von Wahrnehmung und
Handlung (fight, flight and freeze -reactions) – konzeptueller Zusammenbruch (von
Selbst- und Weltverständnis)
28. Welche Grundannahmen sind durch Traumata betroffen?
Nach Janoff-Bulman, 1992 – Assumptive Worlds:
- Erwartung eines grundlegendes Wohlwollen der Welt und der Menschen
(benevolence – wohlwollend)
- Sinn- und Bedeutungshaftigkeit der Welt umfasst Annahmen über die
Kontrollierbarkeit (Strukturprinzip) und Gerechtigkeit (Verteilungsprinzip) –
meaningfulness
- Konzepte über das Selbst wie den Selbstwert bei „richtigem“ Verhalten (Moral)
Annahmen zum glück (versus Unglück)
29. Wie reagiert man nach einem Trauma und was erlebt man?
Wichtig zu wissen ist, dass traumatische Reaktionen ganz normal sind, also es sind
„normale Reaktionen“ auf „außergewöhnliche Ereignisse“. Diese Reaktionen
sind gekennzeichnet von intrusiven (erstarrt sein) Stadien und
Vermeidungsverhalten, einhergehend mit erhöhtem Erregungsniveau.
30. Skizziere kurz Prävention, Selbsthilfe und Beratung:
Ø Prävention: Es gibt eine primäre (= Prävention im eigentlichen Sinn), eine
sekundäre (frühzeitiges Erkennen + behandeln) und eine tertiäre Prävention
(verhindern von chronischer Manifestation und Folgeerscheinungen,
Sekundärschäden)
Prävalenzrate: Anzahl der Störungen in der Bevölkerung
Inzidenzrate: Anzahl neu auftretender Erkrankung zu einem Zeitpunkt
Ø Selbsthilfe: Selbsthilfe und –gruppen
Unterschiedliche Themen/Personengruppen – Trauer, Essstörungen, Angehörige,…
Unter professioneller Anleitung – es gibt Beratungsbedarf
Entwicklungsprozesse – Auflösung der Gruppe
Ø Beratung: Es gibt unterschiedliche Tätigkeitsfelder bzw.
Ausbildungsmöglichkeiten:
ð Lebens- und Sozialberater
ð Ehe- und Familienberater
ð
ð
ð
ð
ð
Erziehungsberater
Sexualberater
Behindertenberatung- und Pädagogik
Telefonberater (Telefonseelsorge, neu: ORK – Ö3 –Kummernummer)
Gruppenpädagogisches Verfahren – z. B. TZI
46 Paradigmen in der Psychotherapie:
Ø Biologisches Paradigma - psychische Störungen werden durch abnorme
somatische und körperliche Prozesse ausgelöst – vgl. „medizinische Modelle2
– abweichendes Verhalten ist mit Krankheit vergleichbar
Ø Psychoanalytisches Paradigma – Annahme des Unbewussten,
Persönlichkeitsmodell (ein Polizist und ein Triebtäter
Ø Lerntheoretisches Paradigma – z. B. Verhaltensorientierung, Modelllernen
Ø Kognitives Paradigma – Prozesse des Wahrnehmens, Erkennens und
Urteilens und Interpretierens (z. B.: „kognitive Umstrukturierung“ in der
kognitiven Verhaltenstherapie)
Ø Humanistische und existenzialistische Paradigmen – orientieren sich nicht
an Krankheitskategorien (Zielformulierung: persönliches Wachstum)
Gemeinsamkeiten: Wachstumsprozesse, Zielorientierung, phänomenologische Welt
der Person, Willensfreiheit, Fokus auf Ressourcen
31. Was sind die Ziele einer psychischen Rehabilitation?
J
J
J
J
J
J
Soziale und persönliche Fähigkeiten/Fertigkeiten wiedererlangen
Verbliebene Fähigkeiten nutzen (sozial)
Psychische Stabilisierung
Lebenspraktische Problembewältigung
Ausgliederung und soziales Abgleiten verhindern
Unterstützung zur Selbsthilfe
32. Was gibt es für unterschiedliche Aspekte von psychischer
Beeinträchtigung?
IMPAIRMENT – DISABILITY – HANDICAP
Impairment: Symptome (krankheitsbedingte Beeinträchtigung/Schädigung –
Krankheitsfaktoren sind z. B. Wahnvorstellungen, Denk- und
Kommunikationsstörungen)
Disability: Folgen der Symptome („Unvermögen, Unfähigkeit“ – Verminderung
sozialer Bezüge, Probleme in der Alltagsbewältigung, Minderung der
Erwerbsfähigkeit,…)
Handicap: Daraus folgende, weitere Einschränkungen – soziale
Benachteiligung/Hindernis – Stigmatisierung (Brandmarkung), Einschränkung der
beruflichen und sozialen Möglichkeiten, resultierende Arbeitslosigkeit,…
33. Erkläre die Begriffe „Vernetzung“ und „wohnen“ aus der psychischen
Rehabilitation:
Vernetzung: Zusammenarbeit verschiedener Psy-Berufe: Sozialarbeit,
Psychotherapie, Arzt, Pflegepersonal,…wichtig ist, dass es keine „RehabilitationsKette“ wird, sondern, dass es bedarfsorientiert eingesetzt wird. Integrative Modelle
arbeiten mit komplementären Einrichtungen (Ressourcenmodell) z. B. wohnen –
Beruf – Freizeit
„Wohnen“: Verminderung iatrogener Schäden (iatrogen: durch ärztliche Einwirkung
entstanden) – therapeutische Übergangswohngruppen, „Reha-WG“, slebständige
WG, autonome WG, aufsuchende Dienste wie MOHI, SLI, PSP,…
34. Arbeit und Beruf in der psychischen Rehabilitation:
Aspekte: von beruflicher Existenzgrundlage bis zu Tages-strukturierte Angebote bis
Selbstverwirklichung; zurück zum eigenen Beruf bzw. berufsnahe Umorientierung,
geographische Nähe
Angebote: Arbeits- und Beschäftigungstherapien, Arbeitsprojekte (wie Artisbetriebe), Berufstraining, Umschulung, Ausbildung, geschützte Arbeitsplätze, ArbeitsAssistenz
Freizeit: Tageszentren, Teestuben, Beschäftigungstherapien,..
- fördert die Kommunikation, soziale Kompetenz, Rezidivprophylaxe
(Rückfälligkeit)
35. Lebensqualtät – Schwerpunkte in der Gesundheits- und
Krankheitsforschung
Schon seit den 50er Jahren wird LA in der Soziologie erforscht. Objektive
Indikatoren sind z. B. die Umweltbedingungen, subjektiv ist z. B. das Wohlbefinden
oder die Krankheitsbewältigung. Bedeutend ist dies für die
Onkologie, die Chirurgie (Transplantationen, Stoma = künstlicher Darmausgang oder
z.B. Trauma), der ökonomische und berufliche Status, sowie der geistige und
mentale Status eines Menschen.
Es gilt LQ = ein multidimensionaler Ansatz (Integration von Komponenten)
Entwicklung von Erhebungsinstrumenten und klinische Studien z.B.
Psychotherapeutische Interventionen mit Querschnitt- und
Längsschnittuntersuchungen bei onkologischen Patienten.
36. Auf was setzt die psychische Rehabilitation? Siehe Fragen 31 und 32
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