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Heute wissen, was morgen ist. - F.A.Z.-Institut

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was
morgen
ist.
Heute wissen,
AUSGABE 6/2013
Mehr als nur ein Hype?
3-D-Drucker sollen die Produktion revolutionieren – aus dem Bastelkeller heraus Seite 13
Alles ist vernetzt
Die Industrie 4.0 beendet das Zeitalter
der Massenproduktion Ins Handwerk gepfuscht
Seite 4
Die Gentechnologie hat einen Imageschaden – den sie auszubügeln versucht Seite 23
Zukunftsmanager n Editorial
Ausgabe 6/2013
Liebe Zukunftsdenker,
ist ein Begriff mal etabliert und in Mode, dann nutzt ihn gerne alle Welt. So geht es derzeit
auch mit „Industrie 4.0“. Google zeigt bereits 4,8 Millionen Seiten an, wenn man den Begriff in
die Suchmaske eintippt. Das ist für ein Thema, das vor zwei Jahren noch weitgehend unbekannt
war, ein gigantischer Wert.
Doch so gut es klingt, von der „vierten industriellen Revolution“ zu sprechen, und so schön es ist,
das Zusammenwachsen von virtueller und realer Welt zu propagieren: Wer weiß eigentlich tatsächlich, ganz konkret, was sich hinter dieser Vision verbirgt? Und vor allem: Welches Unternehmen kann bereits heute sagen, was diese Entwicklung zukünftig für das eigene Geschäft bedeutet? Es gilt, die vierte industrielle Revolution mitsamt ihren veränderten Wertschöpfungsketten
und ihren neuen Geschäftsmodellen zu nutzen – und dafür heute bereits die nötigen Weichen
zu stellen.
Der Standort Deutschland ist mit seiner technologischen Kompetenz und seiner Fähigkeit zur
systemischen Innovation für die Entwicklungen im Rahmen von „Industrie 4.0“ gut aufgestellt
(siehe Beitrag ab Seite 4). Allerdings wird es in Zukunft darum gehen, die Akteure noch besser zu
vernetzen, um das gewaltige Potential in Kooperationen zu heben. Zudem muss beim Blick auf
die vierte industrielle Revolution die Sichtweise erweitert werden, die bislang zu stark auf die Industrie beschränkt ist, wie Klaus Burmeister in seinem Beitrag schreibt (ab Seite 10).
Sicher ist: Die vierte industrielle Revolution wird unser aller Zukunft mitbestimmen. Lassen
Sie sie uns aktiv mitgestalten.
Viel Spaß beim Blick in die Zukunft wünschen Ihnen
Markus Garn
Daniel Schleidt
Leiter Innovationsprojekte
Leiter Redaktion Innovationsprojekte
F.A.Z.-InstitutF.A.Z.-Institut
2
Zukunftsmanager n Inhaltsverzeichnis
Ausgabe 6/2013
Titel: Alles ist vernetzt
Strategie & Kultur
Kurz notiert
Seite 4
Seite 18
Vernetzung ist alles
„Wir brauchen mehr Visionen“
Die Zukunft der Industrie ist digital und
vernetzt, wenn die Mitarbeiter es auch
sind
Bernd Flessner ist Zukunftsforscher und
weiß, warum Science-Fiction-Autoren mit
ihren Prognosen meist richtig liegen
Seite 10
Von der Industrie 4.0 zur Wirtschaft 4.0
Wer die Produktion revolutionieren möchte, sollte auch seine Sichtweise ändern
Seite 13
Hype oder Realität?
3-D-Drucker sollen bald in jedem Bastelkeller stehen. Doch bedeutet das gleich
eine industrielle Revolution?
Seite 17
Frisch aus dem 3-D-Drucker
Absurdes, Abgefahrenes und Astronomisches aus den computergesteuerten
Maschinen
3
Politik & Ländervergleiche
Seite 23
Ins Handwerk gepfuscht
Der Gentechnologie mangelt es an
gesellschaftlicher Anerkennung und
guter Kommunikation
Methoden & Werkzeuge
Seite 27
App in die Zukunft?
Wie sieht die Zukunft von Foresight
Support Systems aus?
Lebenswelten
Seite 32
Zukunft Ernährung
Du bisst, was du isst – dahinter steckt mehr
als unser täglich Brot
News
Seiten 38, 39, 40
Bücher
Seiten 38, 39, 40
Veranstaltungen
Seiten 38, 39, 40
15 Fragen
Seite 41
Impressum
Seite 44
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
Ausgabe 6/2013
4
Vernetzung ist alles
Von Moritz Hämmerle und Stefan Gerlach
Industrielle Prozesse sind heute me-
chanisiert, elektrifiziert und digitali-
siert. Im nächsten Schritt werden sie
intelligent. Im Idealfall, so das Ziel
der intelligenten Produktion, sollen
Einzelstücke zu den gleichen Kosten
wie bei einer Massenproduktion entstehen. Diese sogenannte Industrie
4.0 ist für viele Experten die Fabrik
der Zukunft. Doch die Herausforderungen sind groß, insbesondere für
© 2012 STORZ Medienfabrik GmbH
die Mitarbeiter.
Die Grenzen zwischen
virtueller und realer Welt
verschwimmen, die vierte
industrielle Revolution
rollt an.
Mit Web 2.0 fing alles an. Damals wurde das
Internet zum „Mitmachnetz“, und es stand
den Nutzern mit einem Mal offen, ihre virtuelle Welt selbst zu gestalten. Mittlerweile
gibt es auch eine Industrie 4.0. Die interaktiven Elemente des Internets sollen damit
Einzug in die Produktionshallen und Fabriken
halten. Zumindest steht das in der HightechStrategie der Bundesregierung, denn >
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
dort taucht der Sammelbegriff Industrie 4.0
an prominenter Stelle auf. Der dort skizzierte
Plan für die Fabrik der Zukunft lautet: Die
zentral gesteuerten Systeme werden abgelöst, an ihre Stelle treten sogenannte cyberphysische Systeme (CPS). Diese kommunizieren miteinander, stellen Produkte nicht mehr
„am Fließband“, sondern individuell auf das
Kundenbedürfnis zugeschnitten her und
steigern so gleichzeitig die Produktivität. Bereits im Jahr 2009 ergriff die Bundesregierung die Initiative zu diesem Vorhaben. Sie
ließ von Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft eine „Nationale Roadmap Embedded Systems“ ausarbeiten, die den Grundstein für die Hightech-Strategie Industrie 4.0
legte. Darunter summieren die Experten nun
alles, was mit der „Informatisierung“ der
klassischen Industrie zu tun hat, wie zum
Beispiel neue Verfahren, die die Produktionstechnik vorantreiben.
Hohe Erwartungen
Die Produkte der
Zukunft kennen die
Schritte, die ihnen
zur Fertigstellung
noch fehlen.
© 2012 STORZ Medienfabrik GmbH
Die Annahme: Durch die sogenannten Cyberphysical Systems können erhebliche Innovations- und Produktivitätspotentiale in der Industrie gehoben werden – was die Produktionsarbeit in Deutschland insgesamt tiefgreifend verändern könnte. Das ist der Grund,
warum dem Begriff Industrie 4.0 auch ein
gewissermaßen revolutionäres Image anhaftet. Während in den ersten beiden industriellen Revolutionen die Mechanisierung mit
Wasser- und Dampfkraft sowie die Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern >
Ausgabe 6/2013
5
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Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
und elektrischer Energie im Fokus stand, gehört seit der dritten Revolutionswelle der
Einsatz von Elektronik und IT zur Automatisierung der Produktion zum Tagesgeschäft.
Nun steht die Wirtschaft an der Schwelle zur
vierten industriellen Revolution. Es geht um
stark individualisierte Produkte, eine hochflexible Produktion und die weitgehende Integration der Kunden in neue Geschäfts- und
Wertschöpfungsprozesse.
Smarte Assistenten
für die Produktions-
© Bernd Müller/Fraunhofer IAO
arbeit der Zukunft.
Die Erwartungen an die neuen Produktionsprozesse und Technologien sind hoch, auch
die Zeichen für eine erfolgreiche Umsetzung
stehen günstig. Deutschland ist mit seiner
industriell tief verankerten und innovativen
Produktionswirtschaft bereits heute Weltmarktführer von sogenannten Embedded
Systems, der Technologiebasis zukünftiger
Ausgabe 6/2013
6
cyber-physischer Systeme. Das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 bietet die Chance, dass die
technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stärken des Wirtschaftsstandorts weiter ausgebaut werden können.
Hinzu kommt, dass Automatisierung noch
nie so günstig und einfach zu realisieren war
wie heute. Neue Formen der sicheren
Mensch-Maschine-Interaktion und insbesondere der Leichtbaurobotik werden die Roboter sprichwörtlich aus ihren Käfigen befreien.
Grundlage mit ihrer Umwelt zu interagieren.
Bislang reichen die Visionen vom Werkstück,
das sich selbständig durch die Produktion
steuert und dabei Material, Anlagen- und
Personalkapazität anfordert, bis hin zu weitaus intelligenteren Objekten wie ganzen Fabrikanlagen, Behältern oder einzelnen Werkzeugen. Diese übernehmen durch die eingebaute Intelligenz selbst einen Teil der Planung und Steuerung in der Fabrik, was große
Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation
haben wird.
Disruptive Geschäftsmodelle
Die Möglichkeiten der neuen Produktionsformen erscheinen verlockend, doch der Leistungsnachweis muss erst noch erbracht werden. Deshalb sollte den soziotechnischen Faktoren wie der Integration des Menschen in
die intelligente Fabrikumgebung Beachtung
geschenkt werden. Die auf die künftige Produktionsarbeit zukommenden Veränder-ungen sollten früh genug erkannt werden, um
schon heute Lösungswege für mögliche Probleme von morgen zu finden. Horrorszenarien wie aus den achtziger Jahren könnte man
so in einem frühen Stadium vermeiden. Damals wurde die Digitalisierung der Produktion mit von Menschen verlassenen Fabriken in
Verbindung gebracht. In Reih und Glied arbeiteten Roboter, die menschliche Arbeitskraft
schien ������������������������������������
überflüssig.������������������������
Doch diesen Ängsten gegenüber steht die Überzeugung: Wenn die
Produktionsarbeiter ihre neue Rolle in einer
intelligenten Fabrik verstehen und akzeptieren, wird Industrie 4.0 zum Erfolg.
>
Und auch wenn es heute noch schwer vorstellbar ist, dass sich die konventionelle Steuerungskaskade in ein Internet der Dinge und
Dienste überführen lässt: Die Erfahrungen
zeigen, dass eine echtzeitnahe Verknüpfung
vieler Objekte neue disruptive Geschäftsmodelle hervorbringen kann. Das beste Beispiel
für solche Erfolge sind amerikanische Internetkonzerne. Noch vor zehn Jahren war es
kaum vorstellbar, dass Unternehmen wie
Apple, Amazon, Facebook und Google im Jahr
2013 einen Kapitalwert von über 600 Milliarden Euro erwirtschaften������������������
würden�����������
. Heute gehören Smartphones und Tablets, vernetzte
Einkaufswelten und Freundschaften über
soziale Netzwerke ���������������������
zum Alltag. Die technischen Spielereien können aber weitaus
mehr. Mit Hilfe der cyber-physischen Intelligenz sind vernetzte Fabrikobjekte künftig in
der Lage, eigenständig Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten – und auf dieser
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
„ARENA2036“
Active Research Environment for
the Next Generation of Automobiles
(ARENA2036; vgl. Bilder S. 4 und 5
dieses Beitrags) ist ein Forschungsprogramm, dass die nachhaltige
Mobilität und Produktion der Zukunft adressiert. Konzipiert als Forschungscampus an der Universität
Stuttgart, sollen Forscher, Entwickler
und Entscheidungsträger zusammengebracht werden, um die
Grundlagen für die Zukunft des
funktionsintegrierten Leichtbaus zu
untersuchen. Im Vordergrund stehen die Entwicklung von wettbewerbsfähigen Produktionsmodellen
für die flexible Fabrik des Autos im
Jahr 2036 – dem Jahr, in dem das
Automobil 150 Jahre alt wird.
ÆÆIm Internet
Gemeinsam gestalten
Doch wie sieht eine Fabrik der Zukunft aus,
in der intelligente Robotersysteme die Produktion übernehmen – und Hand in Hand
mit den Beschäftigten agieren? Zur künftigen Rolle des Menschen in einer Fabrik 4.0
sind im Moment drei Szenarien denkbar. Im
Werkzeugszenario bleibt die Facharbeiterrolle des Menschen dominant, und cyberphysische Systeme werden als Werkzeug
genutzt, das Entscheidungen unterstützen
soll. Im Gegensatz dazu beschreibt das Automatisierungsszenario eine weitgehende
Lenkung der Produktionsarbeiter durch intelligente cyber-physische Systeme. Der
Mensch ist hier vorrangig eine ausführende
Instanz, wobei hochspezialisierte Experten
für die Installation der Systeme benötigt
werden. Das Hybridszenario beschreibt eine
kooperative Rollenverteilung von Mensch
und Maschine.
In Zeiten von Industrie 4.0 wird aber nicht allein die Rolle des Menschen eine andere sein.
Gerade im Bereich kundenindividueller Produkte werden grundlegende Veränderungen
in der Produktionsarbeit sichtbar. Diese m���
üssen b����������������������������������������
ei kurzen Lieferzeiten und hoher Volatilität der Nachfrage weiterhin wirtschaftlich
in Deutschland produziert werden. Eckpunkte einer vernetzten Produktion werden
in den folgenden acht Szenarien beleuchtet:

A
utomatisierung wird für immer kleinere
Serien möglich – dennoch bleibt mensch-
Ausgabe 6/2013
liche Arbeit wichtiger Bestandteil der Produktion. Intelligente Automatisierungslösungen werden für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt, und der Anteil an kooperativen Automatisierungslösungen steigt.
Die Fabrik 4.0 ist aber nicht menschenleer.

F
lexibilität ist nach wie vor der Schlüsselfaktor für die Produktionsarbeit in Deutschland. Volatile Märkte sowie globale und
interindustrielle Vernetzung dynamisieren
das Marktgeschehen und erfordern im
Vergleich zu heute deutlich mehr Flexibilität im Ressourceneinsatz. In Zukunft werden Reaktionszeiten im Stundentakt erforderlich. Minimale Leerlaufzeiten und
hochproduktiver Ressourceneinsatz erfordern neue Instrumente zum kurzfristigen
Kapazitätsmanagement in der Produktion.

F
lexibilität muss in Zukunft zielgerichtet
und systematisch organisiert werden.
Betriebsspezifische Flexibilitätsstrategien
werden essentiell. Die Spielregeln für eine
hochflexible Produktion 4.0 müssen kooperativ gestaltet und der entstehende
Mehrwert zwischen Unternehmen und
Mitarbeitern fair verteilt werden.

I
ndustrie 4.0 heißt mehr als Vernetzung. Sie
umfasst die intelligente Datenaufnahme,
-speicherung und -verteilung durch Objekte und Menschen. Der Einsatz von mobilen Endgeräten und Apps für die Produktion ist ein wichtiger Treiber für die flexible
7
Informationserfassung und -verarbeitung.
Damit entstehen neue, in Echtzeit steuerbare Wertschöpfungsnetzwerke. Diese
Planungs- und Steuerungssysteme (NearRealtime-Planung und -Steuerung) führen
zu höherer Entscheidungssicherheit in
hochvolatilen Absatzmärkten.

D
ezentrale Steuerungsmechanismen nehmen zu. Eine vollständige Autonomie dezentraler, sich selbst steuernder Objekte
gibt es aber auf absehbare Zeit nicht.
Transparenz bezüglich der Fabrik und der
Produktionsdaten kann in einer neuen
Qualität, Quantität und Schnelligkeit hergestellt werden. Dezentrale Steuerungsansätze und autonome Selbststeuerung
bieten Lösungen zur Bewältigung der
neuen Komplexität in der Produktionssteuerung. Die Kontrolle über die Fabrik
4.0 bleibt bei den Menschen.

S
icherheitsaspekte müssen schon beim Design intelligenter Produktionsanlagen berücksichtigt werden. Die Implementierung
der Informationstechnik in die Strukturen
heutiger Fabriken bedarf aktueller, abgesicherter und auf den zuverlässigen Betrieb
hin ausgerichteter Strukturen, geschaffen
durch standardisierte Schnittstellen und eine einheitliche Systemarchitektur.

D
ie Aufgaben traditioneller Produktionsund Wissensarbeiter wachsen weiter zusammen. Produktionsarbeiter über- >
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
„Kapaflexcy“
Im September 2012 starteten die
ersten drei Industrie-4.0-Leitprojekte, darunter das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt
„KapaflexCy“. Im Rahmen des Forschungsprojekts entwickelt das
Fraunhofer IAO im Verbund mit
zehn Partnern aus der Industrie eine
selbstorganisierte Kapazitätssteuerung. Mit der Technologie können
Unternehmen gemeinsam mit den
Mitarbeitern ihre Produktionskapazitäten über mobile Endgeräte flexibel und unternehmensübergreifend
steuern. Auf die Leitprojekte folgten
bereits mehrere Forschungsausschreibungen und die Zusage, zusätzliche Bundesmittel in Höhe von
bis zu 200 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das zugesicherte
Investitionsvolumen stellt eine erste
Grundlage dar, damit die HightechStrategie von der deutschen Industrie umgesetzt werden kann – und
um Deutschland als Weltmarktführer für CPS-Produktionstechnik zu
etablieren.
ÆÆIm Internet
nehmen vermehrt Aufgaben für die Produktentwicklung. Durch den Einsatz agiler
Verfahren lassen sich interdisziplinäre
Prozesse beschleunigen. Die „Produktentstehung rund um die Uhr“ erfordert Konzepte einer noch schnelleren Überführung
von Produktentwürfen in die Herstellung
(Xtreme-Process-Engineering).

Mitarbeiter
müssen für kurzfristigere, weniger planbare Arbeitstätigkeiten on the
Job qualifiziert werden. Industrie 4.0
macht die Arbeitsprozesse in der Produktion dynamischer, vernetzter und mobiler.
Die Mitarbeiter in der Produktion müssen
auf diese Veränderungen vorbereitet
werden. Die Qualifizierung on the Job und
eine kurzfristige Umsetzung der neuen
Kompetenzen ermöglichen die schnelle
Reaktion auf neue Arbeitssituationen und
sichern den Qualifizierungserfolg ab.
Empfehlungen für den Erfolg
Die Heterogenität und die Investitionsumfänge der Betriebsmittel, Maschinen und ITStrukturen sowie der Vernetzungs- und
Kommunikationsstandards im Produktionsumfeld führen dazu, dass ein Umbruch nicht
in fünf Jahren umzusetzen ist. Wahrscheinlicher ist, dass die Veränderungen in den
kommenden 20 Jahren stattfinden werden.
Trotz dieses etwas weiter gefassten Zeitraums sollten aber bereits heute die ersten
Umbaumaßnahmen angestoßen werden.
Dazu müssen wirtschaftliche Anwendungs-
8
Ausgabe 6/2013
felder und rentable Geschäftsmodelle für Industrie-4.0-Technologien identifiziert werden. In der Zusammenarbeit von Wirtschaft
und Forschung müssen die für die vierte industrielle Revolution erforderlichen Potentiale zur Produktivitätssteigerung im betrieblichen Umfeld ermittelt und Umsetzungsstrategien beschrieben werden. Zudem müssen Erfolgsfaktoren identifiziert werden, die
auf Seiten der Mitarbeiter die Akzeptanz fördern, um auf dieser Basis geeignete Qualifizierungsstrategien zu erarbeiten. Wenn
Deutschland es schafft, die heutigen Produktionssysteme im Miteinander von Menschen
und wirtschaftlicher Automatisierung auf
die Anforderungen der Zukunft hin auszurichten, wird es gut auf die kommende industrielle Revolution vorbereitet sein.<
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Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
Ausgabe 6/2013
10
Von der Industrie 4.0 zur Wirtschaft 4.0
Von Klaus Burmeister
Das Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“
ist vielversprechend und darf nicht
scheitern. Doch die Sichtweise muss
erweitert werden, findet Zukunftsforscher Klaus Burmeister.
© Thinkstock
Ein Kommentar.
Das Thema „Industrie 4.0“ bleibt ein zentrales Zukunftsprojekt der Hightech-Strategie
der Bundesregierung. Im aktuellen schwarzroten Koalitionsvertrag findet es gleich viermal Erwähnung. Spätestens seit der Hannover Messe steht es auf der Agenda von Unternehmen und Verbänden. Der Begriff steht für
die „4. industrielle Revolution“. Auf Grundlage cyber-physischer Systeme werden informationstechnische Komponenten mit mechanischen Teilen über eine Dateninfrastruktur wie das Internet vernetzt. Im Kern geht es
mit Industrie 4.0 um das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Kernbranchen, insbesondere des Maschinenbaus, zu erhalten
sowie Wertschöpfung in Deutschland zu sichern. Inzwischen sind die ersten Projekte an-
gelaufen, und das Thema steigt weiter in der
öffentlichen Wahrnehmung. Dabei ist es zentral, ein solch umfassendes und ambitioniertes Vorhaben permanent zu reflektieren
und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Die Industrie steht am Beginn einer neuen
Ära der Produktion, die den Abschied von der
von Henry Ford nach dem Ersten Weltkrieg
geprägten Massenproduktion, deren Ende
Michael J. Piore und Charles Sabel bereits
1984 vorgedacht haben, näherrücken lässt.
Auch sind erste Lehren aus dem Scheitern der
ab Mitte der achtziger Jahre propagierten
menschenleeren „Fabrik der Zukunft“ auf
Basis von CIM (Computer-integrated Manufacturing) als technikzentriertes Konzept gezogen worden. Heute sind die Gewerkschaften, wie zum Beispiel die IG Metall, bei Projekten wie der Industrie 4.0 bereits in der
Konzeptphase beteiligt.
Mit Blick auf die achtziger Jahre hat sich auch
das soziotechnische Umfeld radikal verändert. Was damals Vision war, ist heute in der
Realität angekommen. Chris Andersen hat dies in seinem aktuellen Buch „Makers“ als >
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
BMS_Baustelle_127x155_dt_Zukunftsmanager.qxd:127x155
Ausdruck der US-amerikanischen „Maker-Bewegung“ beschrieben. Demnach kann heute
jeder zum Produzenten werden. Voraussetzung dafür ist zunächst neben einer Produktidee deren Umsetzung in einen CAD-Entwurf.
Das allein reicht, um mit Hilfe einer Plattform
wie Alibaba.com den weltweiten Zugriff auf
eine kosteng������������������������������
ün����������������������������
stigste Fertigung herzustellen. Der Vertrieb erfolgt über spezialisierte
Communitys wie Shapeways oder gleich über
Amazon. Der vielzitierte Prosumer“, der
gleichzeitig Produzent und Konsument ist, ist
damit bereits Realität – erst recht aufgrund
der M���������������������������������������
ög�������������������������������������
lichkeiten, die neuerdings 3-D-Druckverfahren ermöglichen. Die Basis von allem
sind das Internet der Dinge und Dienste, aber
auch eine Kultur des Unternehmertums und
Selbermachens sowie onlinebasierte Einkaufsroutinen und digitale Geschäftsmodelle.
Das Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“ verspricht die Umsetzung kundenindividueller
Produktionsprozesse – kosteneffizient, ressourcenschonend und mit dezentraler Fertigung. Damit ist es zwar auf der Höhe der
Zeit, aber nicht seiner Zeit voraus. Denn der
Projektansatz setzt stark auf den offenkundigen Erfolg deutscher Ingenieurskultur und
die Stärke des deutschen Mittelstands. Bereits im Begriff „Industrie 4.0“ zeigt sich diese Fokussierung auf traditionelle Stärken.
Der Ansatz ist nachvollziehbar, aber nicht
hinreichend. Schließlich geht es nicht allein
um eine zukunftsfähige Industrie, sondern
auch um die Neugestaltung der Art und >
11
Ausgabe 6/2013
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Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
Die Industrie der Zukunft
soll neu gedacht werden
– gilt das auch für das
© DFKI
Wirtschaftsmodell?
Weise des Wirtschaftens im 21. Jahrhundert.
Deshalb greift es auch strategisch zu kurz,
wenn die Hightech-Strategie der Bundesregierung und das Projekt „Industrie 4.0“ bislang den Handels- und Dienstleistungssektor
ebenso ausgespart haben wie die Finanzbranche. Das Konzept setzt aktuell darauf,
die Industriegesellschaft unter Nutzung cyber-physischer Systeme fortzuschreiben. Sicher ist es strategisch richtig und wichtig,
sich in die weltweiten Standardisierungsund Normungsfragen einzubringen. Wer sich
Ausgabe 6/2013
dort durchsetzt und wie dies geschehen
wird, ist hingegen noch offen.
Die Wirtschaft der Zukunft wird anders funktionieren, kundenindividueller, dezentraler
und ressourceneffizienter, so viel scheint klar
zu sein. Aber wie sehen die neuen Wertsch���
öpfungssysteme aus? Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus digitalen Gesch�����
äf���
tsmodellen? Bereits heute zeigt sich deutlich,
dass nicht allein der Zugang zu Plattformen
wie Google wichtig ist für den Zugang zu
Märkten und Kunden, sondern auch die (Mit-)
Gestaltung der Geschäftsbedingungen. In
den USA hat eine Diskussion über eine „TheWinner-takes-it-all-Ökonomie eingesetzt, die
in der Digitalwirtschaft die Herausbildung
neuer Monopolunternehmen wie Google,
Amazon oder Apple sieht. Plattformbasierte
Unternehmen, wie Li & Fung, eines der gr���
ößten Handelsh����������������������������������
äu��������������������������������
ser in der Textilindustrie, zeigen bereits heute die Konturen neuartiger
Business-Ökosysteme, die den Kunden die
Transparenz und Flexibilität ermöglichen, die
sie erwarten. Der B2B-Kunde kommt zu Li &
Fung und nennt seine Anforderung: zum Beispiel, in zehn Tagen 10.000 T-Shirts in sechs
Farben zu benötigen, die in Baumwolle und
f����������������������������������������
ür��������������������������������������
den europ����������������������������
äi��������������������������
schen Markt nachhaltig gefertigt sind. Li & Fung erledigt all das für den
Kunden. Dieses Beispiel zeigt eine Reihe strategischer Fragestellungen, die sich dem mittelständischen Zulieferer stellen. Muss ich
mich an einer solchen Plattform beteiligen?
Welchen Einfluss habe ich auf die Gesch�����
äf���
ts-
12
bedingungen? Wie ver���������������������
än�������������������
dert sich mein Kontakt zum Kunden? Wie kann ich meine Selbständigkeit dauerhaft sicherstellen? Auch der
deutsche Mittelstand wird sich darauf einstellen müssen, dass nicht nur die Qualität
des Produkts üb���������������������������
�����������������������������
er den Wettbewerb entscheidet, sondern auch seine Positionierung in der
Wertschöpfungskette.
Das Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“ sollte
mit der neuen Bundesregierung gezielt erweitert werden, und zwar mit Hilfe eines
ganzheitlichen Projektdesigns, das die gesamte Wertschöpfungskette abbildet und
vor allem die Qualifikationsentwicklung sowie die notwendigen Veränderungen in der
Unternehmensorganisation integriert betrachtet. Die „Plattform Industrie 4.0“ muss
deshalb selbstlernend angelegt werden, damit sie im ständigen Diskurs mit den beteiligten Unternehmen und auch mit der Öffentlichkeit entlang spezifischer Branchenerfahrungen und begleitet von Disruptionsanalysen, Roadmaps und Szenarien wertschöpfungsorientierte Zukunftsperspektiven entwickeln kann. <
Klaus Burmeister
ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von
Z_punkt, Köln.
burmeister@z-punkt.de
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
Ausgabe 6/2013
13
3-D-Printing –
Hype oder Realität?
Von Martin Müller und Carsten M. Heuer
3-D-Drucker stehen in Zukunft in je-
dem Bastelkeller, bald wird jeder von
der heimischen Werkbank aus Uni-
kate oder Kleinserien „drucken“ – so
die Theorie. Handelt es sich bei der
Technologie um reine Spielerei für
den Heimwerker oder gar um eine in-
© Dirk Eppler/Fraunhofer UMSICHT
dustrielle Revolution?
Mainstream ist out: Die
Smartphone-Hülle kann
je nach persönlichem
Gusto gedruckt werden.
Den „Replikator“ kennen eigentlich nur eingefleischte Science-Fiction-Fans. Das Gerät
stammt aus dem Star-Trek-Universum und
lässt dort von Lebensmitteln bis hin zu Ersatzteilen für das Raumschiff auf wundersame Weise dreidimensionale Dinge entstehen. Im Prinzip funktioniert die von Star-TrekSchöpfer Gene Roddenberry ersonnene Zukunftstechnologie nach einem ähnlichen
Prinzip wie heutige 3-D-Drucker: Auf Basis
einer digitalen Vorgabe fügt der Replikator
den gewünschten Gegenstand Stück um
Stück zusammen und materialisiert so das
fertige Objekt. Allerdings kann der 3-D-Drucker die Gegenstände nicht aus der Luft zaubern – er muss mit Kunstoffen, Kunstharzen
oder Metallen gefüttert werden und fügt das
Material Schicht für Schicht zum endgültigen Objekt zusammen.
Bereits in den achtziger Jahren gab es erste
Geräte, die Stücke aus Kunststoff drucken
konnten. Sie wurden vornehmlich verwendet, um Modelle für den Flugzeug- oder Automobilbau herzustellen. Heute ist die Technologie wesentlich weiter: Laser drucken Maschinenteile aus Aluminium, Edelstahl und
Titan. So lassen sich Uhrengehäuse aus Titan
für den Verkauf fertigen. Mittlerweile haben
sinkende Preise für immer einfacher zu bedienende Systeme dazu geführt, dass die Geräte nicht nur für Unternehmen, sondern
auch für Endkunden attraktiv sind. Viele Analysten messen dieser Technologie deshalb
ein enormes Potential bei, Produktion und
Märkte zu verändern. Durch ihre Fähig- >
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
keit, Dinge des Alltags individuell und nach
den eigenen Wünschen selbst zu erschaffen,
sind 3-D-Drucker auch Treiber einer neuen industriellen Revolution. Eine der zentralen
Fragen ist deshalb, inwiefern die Technologie
künftig von privaten Haushalten genutzt
wird oder ob die Verbraucher auf Dienstleister zurückgreifen.
„If you can draw it, you can make it“
Das heutige 3-D-Printing umfasst Verfahren,
mit deren Hilfe dreidimensionale Werkstücke aus ganz unterschiedlichen Materialien gefertigt werden können. Gemeinsam
werden sie als „Additive Manufacturing“ bezeichnet. Additive Produktionsverfahren bieten gegenüber traditionellen Fertigungsmethoden wichtige Vorteile. Im Vergleich zu
subtraktiven Verfahren wie Schneiden, Fräsen oder Bohren fügen die additiven Prozesse Material hinzu, statt es zu entfernen.
Das ist wesentlich ressourcenschonender,
außerdem können so sehr komplexe Formen
in einem Stück hergestellt werden. Der kreativen Produktgestaltung sind kaum noch
Grenzen gesetzt, getreu dem Motto: „If you
can draw it, you can make it“. Für das Objektdesign werden in der Regel CAD-Programme
verwendet. Die digitalen Entwürfe werden
direkt vom Drucker realisiert. Daher kam die
Technik
früher vorwiegend bei der schnellen
Produktion von Musterbauteilen zum Einsatz. Am Computer entworfene Prototypen
konnten schnell und ohne teure Werk- >
Ausgabe 6/2013
14
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Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
Ausgabe 6/2013
den Austausch von Designvorlagen existieren bereits erste Onlineplattformen (zum
Beispiel www.thingiverse.com).
© Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik
und Automatisierung (IPA)
Beim 3-D-Druck spielen aufschmelzbare
Kunststoffe eine wichtige Rolle. Die sogenannten thermoplastischen Polymere sind
Werkstoffe, die insbesondere im Hobbybereich Anwendung finden. Sie werden im
Schmelzschichtverfahren verarbeitet, bei
dem der Kunststoff von einer erhitzen Druckdüse Schicht um Schicht aufgebracht wird
» Mittlerweile entwickelt
sich über die Anwendungsgebiete hinaus auch ein
privater Markt.«
Die 3-D-gedruckte Roboterspinne bewegt ihre
acht pneumatisch be-
triebenen Beine, kann sie
beugen und strecken.
zeuge aus einem Guss hergestellt werden.
Damit ist die Technologie etwa für Autobauer, Schuhdesigner oder Architekten interessant.
Mittlerweile entwickelt sich über diese Anwendungsgebiete hinaus auch ein privater
Markt, der sich auf die Zukunft der industriellen Produktion deutlich auswirken könnte.
Denn die Anwender können die Technik nutzen, um eigene Ideen im Hobbykeller umzusetzen oder bestehende Modelle nach ihrem
Geschmack zu individualisieren. Spielzeug,
Handyhüllen oder Schmuck – alles kann bis
ins Detail repliziert und gedruckt werden. Für
(Fused Deposition Modeling). Außer auf
Kunststoffe lässt sich diese Methode prinzipiell auch auf andere plastische Materialien
anwenden, etwa auf Teig, Schokolade oder
Beton. Im industriellen Bereich steht das Verschmelzen von pulvrig vorliegenden Metallen im Fokus. Dabei werden beim Lasersintern oder Laserschmelzen (Selective Laser
Sintering/Melting) mit Hilfe eines Hochleistungslasers sukzessiv aufgetragene Pulverlagen zu einem räumlichen Objekt verschmolzen. Auf diese Weise entstehen Werkstücke
von hoher Dichte und Stabilität. In der Medizin werden derartige Verfahren zum Beispiel
15
für die individuelle Maßanfertigung von Implantaten und Prothesen genutzt. Grundsätzlich lassen sich diese Druckverfahren
aber auch für die Verarbeitung granularer
Kunststoffe adaptieren. Weitere Verfahren
arbeiten mit lichtsensiblen Polymeren oder
dünnen Werkstofffolien. Parallel dazu werden laufend neue Materialien und Prozesse
entwickelt.
Geschäftsmodelle und Produktion
im Wandel
Additive Manufacturing erweitert die Produktionsmöglichkeiten vor allem bei konventionell nicht realisierbaren Geometrien.
Die Form des Objekts wird nämlich nicht
mehr davon diktiert, ob und wie es sich mit
den bestehenden Werkzeugen herstellen
lässt. Komplexe Teile sind einfach am Stück
anstatt in zusammenzusetzenden Einzelteilen produzierbar. Dadurch lässt sich auch die
Haltbarkeit von Bauteilen verbessern, da der
sogenannte Kraftfluss bei Belastung durch
das Material optimiert werden kann. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der verteilten
Produktion. Bislang werden Ersatzteile oder
Produkte in spezialisierten Massenproduktionsanlagen gefertigt und dann mit Schiffen
und Lastwagen zu den Verkaufsflächen gebracht. Die neuen Fertigungstechniken erlauben es, die gewünschten Komponenten
kurzfristig und vor Ort durch 3-D-Drucker zu
produzieren. Das könnte zur Veränderung
ganzer Lieferketten führen: Waren müssen
nicht mehr um die halbe Welt transpor- >
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
© Fraunhofer IGB
Ausgabe 6/2013
Aus dem 3-D-Drucker:
Im Projekt „BioRap“
entwickeln Forscher mit
neuen Verfahren künstliche Blutgefäße.
tiert werden, da sie sich nun vor Ort und auf
das Kundenbedürfnis zugeschnitten fertigen
lassen. Ob die Ersparnisse in der Lieferkette
tatsächlich die höheren Produktionskosten
wettmachen oder diese sogar übersteigen,
wird sich zeigen. Bei dieser Betrachtung
müsste auch der Mehrwert für den Kunden
durch Individualisierbarkeit des Produkts berücksichtigt werden. Erste Life-Cycle-Analysen zeigen, dass sich bereits heute für private
Haushalte die Kosten der Anschaffung eines
3-D-Druckers nach wenigen Jahren amortisieren können.
Herausforderungen für Unternehmen
Neben dem sogenannten Small-Scale-Manufacturing ist auch die „Produktion@home“
möglich. 3-D-Drucker werden in Zukunft also
neue Geschäftsmodelle ermöglichen, die die
bestehenden Konzepte auf die Probe stellen
werden. Die CAD-Dateien von Produkten
oder Zubehörteilen werden elektronisch an
den Endkunden verkauft, der dann mit seinem privaten 3-D-Drucker die Herstellung
des Objekts übernimmt. Da kein Austausch
von realen Gütern mehr stattfindet, werden
die alten Vertriebswege hinfällig, und neue
müssen aufgebaut werden. Die Hersteller
könnten sich in Zukunft also mit ähnlichen
Problemen konfrontiert sehen wie die Plattenindustrie bei der Einführung von CDBrennern und MP3 – die Probleme des Digital-Rights-Managements inbegriffen. Der
Produktpiraterie scheinen keine Grenzen gesetzt, wenn es immer leichter wird, Designelemente anderer nachzumachen. Es gibt
bereits erste, leistungsfähige 3-D-Scanner,
die für einen niedrigen vierstelligen EuroBetrag zu erwerben sind und Objekte mit
guter räumlicher Auflösung digitalisieren
können.
Hype oder Realität?
Das 3-D-Printing scheint ein ähnlich hohes
revolutionäres Potential zu besitzen wie das
Internet der Dinge und die damit verbundenen logistischen Änderungen in der Lieferund Herstellungskette der Industrie. Die additiven Druckverfahren ermöglichen mehr
Kreativität und die Individualisierung von
Produkten. Ob die neue Produktionsform
tatsächlich auch einen Kostenvorteil bietet,
16
wird sich zeigen. Für den privaten Anwender
könnte dies durchaus der Fall sein, wenn die
Arbeitszeit nicht mit eingerechnet wird. Die
Inbetriebnahme des Druckers und die teilweise nötige Nachbehandlung des Werkstücks brauchen nämlich Zeit. Tatsächlich
könnten 3-D-Drucker einen Trend weg von
der Massenproduktion einleiten. Zurzeit bestehen aber noch Limitierungen bei der Anfertigung großer Objekte und bei der Kombination verschiedener Materialien in einem
Objekt.<
Dr. Martin Müller
ist Koordinator im Bereich
Technologieanalysen und
-vorausschau des FraunhoferInstituts für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT in Euskirchen.
martin.mueller@int.fraunhofer.de
Dr. Carsten M. Heuer
ist Wissenschaftler im Bereich
Technologieanalysen und -vorausschau des Fraunhofer-Instituts für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen
INT in Euskirchen.
carsten.heurer@int.fraunhofer.de
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
Ausgabe 6/2013
17
Frisch aus dem 3-D-Drucker
3-D-Druck aus dem Handgelenk: Der 3Doodler
arbeitet wie ein Stift – nur mit Kunststoff. Er
soll den 3-D-Druck für alle erschwinglich
machen. Ab Februar 2014 soll er erhältlich
Der Bikini wird aus Tausenden unter-
sein – Kostenpunkt: 99 US-Dollar plus Versand
schiedlich großen runden Nylonplättchen
und Steuer.
© korecologic
hergestellt, die von winzigen Federn zu-
sammengehalten werden. Das Muster der
Plättchen haben zwei Modedesignerinnen
von Continuum Fashion mit einer eigens
© Nike
entwickelten Software berechnet. Wie groß
Der amerikanische Ingenieur Jim Kor hat sich
die Plättchen werden, hängt dabei von der
und Innenraum kommen komplett aus dem
werden von großen Plättchen abgedeckt,
sein eigenes Auto anfertigen lassen: Karosserie
Kurvigkeit der Oberfläche ab: Flache Areale
Drucker. Das Hybridauto Urbee 2 besteht aus
kurvige von entsprechend kleineren.
© 3doodler
50 Einzelteilen, die Produktion dauert rund
Die Sohle des Football-Schuhs Nike Vapor
2.500 Stunden. Immerhin bringt es das ge-
druckte Fahrzeug auf 120 Stundenkilometer.
leicht sein und eine optimale Durchzugs-
kraft auf dem Football-Spielfeld entfalten.
<Mondstation aus dem 3-D-Drucker: Die europäische Weltraumagentur ESA plant das
ehrgeizige Projekt in Zusammenarbeit mit
der Industrie. Der 3-D-Drucker, der den Bau
der Mondstation übernehmen soll, ist der
D-Shape der britischen Firma Monolite. Er
wird für den Gebäudebau eingesetzt.
© Ariel Efron/Continuum
Der Sportschuh soll deshalb besonders
© ESA/NASA
Laser Talon kommt aus einem 3-D-Drucker.
>
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Ausgabe 6/2013
18
Dass Mensch und Maschine zusammenwachsen, das sei seit über hundert Jahren kein Geheimnis mehr.
Science-Fiction-Autoren hätten das
längst gewusst, nur fänden sie bei
den ausgewiesenen Experten kein
Gehör. Das sagen nicht nur einge-
fleischte Fans von Star Trek und Co.,
das sagt auch der Zukunftsforscher
Bernd Flessner. Für ihn ist klar: Die
Utopien der Sci-Fi-Autoren treffen
den Nagel auf den Kopf, die Progno© ESA/NASA
sen ausgewiesener Experten liegen
hingegen fast immer daneben.
Jules Verne hat mit
seinen Geschichten
„Wir brauchen mehr Visionen“
Zukunftsbilder ge-
schaffen – und so die
Raumfahrt inspiriert.
Herr Flessner, wenn Sie eine Glaskugel hätten,
die Ihnen die Zukunft vorhersagen könnte,
würden Sie hineinschauen?
Das reizt mich nicht unbedingt. Was sollte ich
mit dem Wissen auch anfangen? Ich wüsste
dann womöglich, dass wir im Jahr 2050 den
Klimawandel mit all seinen negativen Folgen
bewältigt haben. Aber das Rezept, wie man
das schafft, liefert mir keine Glaskugel.
Welchen Weg schlagen Sie vor, um die Zukunft
etwas besser im Blick zu haben?
Wir brauchen Visionen darüber, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Doch davon gibt es in
letzter Zeit nicht viele. Verstehen Sie mich nicht
falsch: Es ist ja nicht so, als seien die guten Ideen
ausgestorben. Es ist einfach nur schwer geworden, mit dem Zeitraum Zukunft umzugehen.
Tragfähige Zukunftsszenarien zu entwickeln
>
war doch nie leicht, oder?
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Ausgabe 6/2013
Das stimmt schon. Aber heute müssen Ideen
schon sehr weit in die Zukunft gedacht werden, damit sie nicht sofort wieder von der
Gegenwart überrannt werden. Wenn ich
heute eine Vision für die Zukunft entwickle,
ist sie binnen kürzester Zeit überholt. Schauen Sie sich die aktuellen Science-Fiction-Szenarien doch an. In den Kinofilmen des Genres
gibt es immer noch Space Shuttles – das ist
doch keine Science-Fiction, das hat es alles
schon einmal gegeben. Unsere Zukunftsbilder wurden also schon so oft abgerufen,
dass sie inzwischen zur Vergangenheit gehören. Und der Nachschub an neuen Visionen
stockt.
© ESA/NASA
Der zündende Gedanke
– auch kluge Köpfe leben
von Inspiration.
Sollten wir uns deshalb mehr von Science-Fiction-Visionen inspirieren lassen?
Ich habe festgestellt, dass die Autoren häufig
richtig gelegen haben mit ihren Visionen. Es
ist also gar nicht so verkehrt, bestehende
Grenzen des Denkens ab und an zu überqueren, um an neuen Ufern zu landen. Die Autoren haben schon vor mehr als 100 Jahren mit
verblüffender Genauigkeit tragbare Telefone
beschrieben, und die digitale Vernetzung
stand für sie ebenfalls außer Frage. Im Jahr
1909 hat Robert Sloss zum Beispiel darüber
geschrieben, dass die Zukunft der Kommunikation drahtlos sein würde. In seinem Beitrag
„Das drahtlose Jahrhundert“ sprach er über
Taschentelefone, die Menschen überall in der
Welt miteinander verbinden würden. Die involvierten Experten waren damals entsetzt.
Sie entgegneten, dass allein die Kupferwick-
19
lung für die Spule des Transformators mehrere Tonnen wöge, was unmöglich in ein
kleines Taschentelefon zu integrieren sei.
Heute gehören drahtlose Telefone zum Alltag. 1909 kam auch Orville Wright nach Berlin, um eine Flugmaschine vorzustellen. Die
Menschen waren begeistert von seinem
„Flyer“, erstmals konnte jemand kontrolliert
fliegen. Wright antwortete auf die Frage, wie
es mit der Fliegerei denn nun weitergehe,
dass das alles eine nette Sache sei, allerdings
würde es nie eine Flugmaschine geben, die
von Paris nach New York fliege. Im gleichen
Jahr hat der Science-Fiction-Autor Herbert
George Wells den Roman „Der Luftkrieg“ geschrieben. In seiner Vorstellung war es schon
1909 kein Problem mehr für Flugzeuge, über
den Atlantik zu fliegen. Zehn Jahre später ist
dann das erste Flugzeug tatsächlich über den
Atlantik geflogen.
Aber glaubhaft waren Science-Fiction-Autoren für die Wissenschaft trotzdem nicht.
Natürlich wurde stattdessen den Prognosen
der wissenschaftlichen Experten Glauben
geschenkt. Ich kann Ihnen eine ganze Reihe
an Beispielen nennen, die genau dieser Taktung folgten. Bleiben wir beim Flugzeug. Der
französische Marschall Ferdinand Foch verkündete 1911 bei einer Veranstaltung, bei der
es um Waffenkauf ging, Flugzeuge seien nette Spielzeuge, hätten aber keinerlei militärischen Wert. Ihm wurde vertraut, im Rückblick ist klar, dass er daneben lag. Auch Literaten, Künstler und Philosophen beteili- >
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
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gen sich an Prognosen, auch die Science-Fiction-Autoren. Das sollte nicht belächelt werden.
Bernd Flessner ist Germanist,
Schriftsteller, Publizist und Zukunftsforscher. Er wuchs in Greetsiel-Krummhörn in Ostfriesland auf
und studierte Theater- und Medienwissenschaften, Germanistik und
Geschichte in Erlangen, wo er mit einer Arbeit über „Weltprothesen und
Prothesenwelten“ promovierte. 1991
erhielt er einen Lehrauftrag am Institut für Germanistik der Universität Erlangen-Nürnberg.
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Fortsetzung
14. Mai 2014 | Frankfurt am Main
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Arbeit & Bildung
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www.lebendreipunktnull.net
Veranstalter
Veranstaltungspartner
Förderer
Hauptmedienpartner
Kofinanziert durch
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Bernd Flessner
Gewagte These: Die Experten sind blind und
haben keine Ahnung von dem, was in Zukunft
möglich sein könnte.
Nein, das ist nicht der Punkt. Die Experten
sind nicht doof, im Gegenteil. Bei den meisten handelt es sich um ausgesprochen
kluge Köpfe. Aber sie richten ihren Blick in
der Regel auf Detailfragen und auf die Gegenwart – was den Blick über den Tellerrand
verhindert. Deshalb nenne ich sie auch „involvierte Experten“: Sie sind in die technische Entwicklung involviert und arbeiten
an der Umsetzung. Die Flugpioniere Wilbur
und Orville Wright hatten sicherlich viel Zeit
darauf verwendet, ihren Traum vom Fliegen
zu realisieren. Ich unterstelle ihnen sogar,
dass sie die Realisierung ihres „Flyers“ nur
mit einem enormen Kraftaufwand haben
stemmen können. Aber genau das ist der
Knackpunkt. Wer aus einem solchen Prozess
heraus die Zukunft beurteilen will, dem
muss schlichtweg der Weitblick fehlen. Woher soll er auch die Vorstellungskraft nehmen, um über den eigenen Erfahrungshorizont hinauszudenken? Deshalb haben Experten wie Wright einen Tunnelblick, sie
können sich schwer von der eigenen Erfindung lösen. Science-Fiction-Autoren fällt das
leichter. Sie verfangen sich erst gar nicht in
Detailfragen, sie können aktuelle Probleme
und Hindernisse ignorieren. Deshalb >
20
Ausgabe 6/2013
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Sind sich Experten und Autoren denn mittlerweile näher gekommen?
Mehr Nähe konnte ich bei vielen involvierten
Experten noch immer nicht feststellen. Selbst
bei aktuellen Entwicklungen geben sie sehr
engstirnige Prognosen ab. Für Science-Fiction-Autoren gehören beispielsweise Computer, das Internet und sogar soziale Netzwerke
seit Hunderten von Jahren zur Grundausstattung ihrer Geschichten. Kenneth Olsen,
Gründer des IT-Unternehmens Digital Equipment, monierte noch 1977, es gebe für kein
Individuum einen Grund, zu Hause einen
Computer zu haben. Digital Equipment zählte damals gemeinsam mit IBM zu den größten Computerherstellern der Welt. MicrosoftGründer Bill Gates sagte 1981, dass kein
Mensch jemals mehr als 640 Kilobyte Speicherplatz brauchen werde. Externe Festplatten beziffern ihre Datenspeicherkapazität
aber mittlerweile in Terrabyte. Im Jahr 2010
hat Bill Gates erneut eine Prognose abgegeben: „Aus dem iPad wird nichts.“ Mehr kann
ich dazu nicht sagen.
Was können die Experten von den Autoren der
Vergangenheit lernen?
Für Science-Fiction-Autoren ist das Machbare
nicht immer die Grenze des Möglichen, diese
visionäre Einstellung schätze ich. Denn wer
Visionen in sich trägt, hat zumindest eine
Vorstellung von dem, was irgendwann sein
könnte. Jules Verne begeisterte mit seinen
Büchern Millionen von jungen und älteren
Lesern. „Von der Erde zum Mond“, „20 000
Meilen unter dem Meer“, „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ – seine außergewöhnlichen
und phantastischen Geschichten haben uns
etwas gegeben, wovon wir träumen können:
die Zukunft. Er inspirierte ebenfalls Raumfahrtwissenschaftler – nicht umsonst hat die
Raumfahrtagentur ESA eines ihrer Transferfahrzeuge nach dem französischen Schriftsteller benannt. Die Vision hat also Bilder im
Kopf der Experten hinterlassen. In Gesprächen mit Spitzenphysikern habe ich davon
öfter gehört: Sie tragen Zukunftsbilder in
sich , die sie inspirieren. Apropos Spitzenphysiker: Stephen Hawking hat übrigens mal bei
einer Folge „Star Trek“ mitgespielt. Als man
ihm am Set den Warp-Antrieb des Raumschiffs Enterprise in der Studiokulisse gezeigt
hat, soll er gesagt haben, dass er an so etwas
auch gerade arbeite. Und dass es die Aufgabe
von Menschen wie ihm sei, dass es so etwas
eines Tages geben wird. Darauf kann ich nur
im Sinne von Spock antworten: „Faszinierend!“<
Das Interview führte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Glow with the flow:
NASA-Techniker testen
mit fluoreszierendem Öl
die Luftdynamik eines
Raumfahrzeugs.
© ESA/NASA
können sie den Blick in eine ganz andere Zeit
riskieren.
Ausgabe 6/2013
21
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Zukunftsmanager n Strategie und Kultur
SERIE
Ausgabe 6/2013
23
Technologieakzeptanz in Deutschland Teil 2: Gentechnik
Ins Handwerk gepfuscht
Von Isabel Werthmann
Berichte über Demonstrationen und
Feldzerstörungen haben in der deut-
schen Bevölkerung ein negatives Bild
der Gentechnologie geprägt. Doch die-
se ablehnende Haltung könnte bald zu
einem Luxusgut werden, das sich eine
globalisierte Welt nicht mehr leisten
kann. Um das Image der Gentechnik
aufzupolieren, hat ein Wissenschaftler
© Thinkstock
sich jetzt Pfarrer ins Labor geholt.
Lebensmittel sollen
reichlich auf den Tisch
kommen – doch an der
Produktion scheiden sich
die Geister.
„Und, wie fühlt sich das an, für einen Moment
den lieben Gott zu spielen?“ Mit dieser nicht
ganz ernstgemeinten Frage konfrontierte
Wolfgang Nellen seine geistlichen Gäste. Gemeinsam mit einer Gruppe von Pfarrern veränderte der Professor eine DNA – die Teilnehmer machten das das erste Mal in ihrem Leben. Eine Tätigkeit, die für gewöhnlich nicht in
den Aufgabenbereich eines Pfarrers gehört.
Für Nellen gehört sie aber zum Arbeitsalltag,
denn er betreibt an der Universität Kassel das
Projekt Science Bridge. Mit ihm möchte er
Wissenschaft für Laien begreifbar machen.
Meist packt er dazu mit seinen Studenten die
Laborgeräte ein und verwandelt Klassenzimmer innerhalb von 20 Minuten in molekularbiologische Forschungslabore. Die Forschungswoche mit den Pfarrern hat ihm besonders viel Spaß gemacht, auch wenn er an
der kritischen Haltung der Geistlichen nicht
viel verändern konnte: „Sie sind skeptisch gekommen, und sie sind skeptisch wieder gegangen“, erinnert er sich. „Aber ihre Antwort
auf meine Frage hat mich überrascht.“ Und
darum geht es dem Professor: die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen
durch eigene Erfahrung zu fördern, um zu einer begründeten Akzeptanz oder Ablehnung
einer Technologie zu gelangen.
Eine harte Diskussion
Die Arbeit eines Pfarrers ändert jedoch nichts
an der in der deutschen Bevölkerung ins- >
Zukunftsmanager n Strategie und Kultur
© Thinkstock
gesamt vorherrschenden Ablehnung von
Gentechnik. Hinzu kommen die strengen Regelungen für den Anbau und die Züchtung
innerhalb der Europäischen Union. Zusammen mit der ablehnenden Haltung der Bevölkerung haben sie dazu geführt, dass der
weltweit größte Saatguthersteller Monsanto
im Sommer 2013 ankündigte, seinen Kampf
für die Gentechnik in Deutschland zu beenden. Der Konzern verzichtet zukünftig auf
Lobbyarbeit und will keine neuen Zulassungen mehr beantragen, da schlicht kaum
Nachfrage seitens der Bauern besteht. Dieser
Rückzug eines Weltkonzerns vom deutschen
Markt zeigt, dass Deutschland sich in der Diskussion deutlich kritischer und weniger technologieaufgeschlossen zeigt als andere Länder.
Die richtige Kennzeichnung gentechnisch
veränderter Lebensmittel
kann mehr Vertrauen
schaffen.
Zum einen kritisieren die Gegner der Gentechnik, dass beispielsweise die langfristigen
Auswirkungen gentechnisch veränderter
Züchtungen nicht ausreichend erforscht, die
Artenvielfalt bedroht und die Abgrenzung
des Saatguts von benachbarten Feldern
kaum möglich seien. Langfristige Studien, die
Argumente von Gegnern und Befürwortern
untermauern, sind selten. Zum anderen
mangelt es in breiten Teilen der Bevölkerung
an der nötigen Information, um die Problemlage adäquat beurteilen zu können. Über die
Jahre hinweg ist die Diskussion zu einem
Streitthema geworden, das häufig mit mehr
emotionalen als rationalen Argumenten geführt wird.
>
Ausgabe 6/2013
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Neue „Zukunftsmanager“Serie: Technologie­
akzeptanz in Deutschland
Mehr Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien will das
Innovationskonzept des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie „Lust auf Technik – Neues
wagen, Wachstum stärken, Zukunft
gestalten“ erreichen. In Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut und
Technopolis Deutschland finden bis
Juni 2014 fünf Veranstaltungen zum
Thema Technologieakzeptanz statt.
Den Auftakt hat der Workshop „Mobilfunk“ im Rahmen des „Innovation
– Unternehmergipfels“ am 28. Juni
2013 in Frankfurt am Main gemacht.
Der zweite Workshop der Reihe fand
am 9. Oktober in Hannover im Rahmen der BIOTECHNICA statt.Der
„Zukunftsmanager“ fasst die zentralen Ergebnisse in einer neuen Serie
zusammen.
Weitere Informationen
ÆÆIm Internet
Das fatale Schweigen
In diese Lage hat sich die Branche jedoch gewissermaßen selbst hineinmanövriert, weiß
Gerd Spelsberg. Er betreut seit mehr als 20
Jahren verschiedene Websites, die sich mit
dem Thema Gentechnik in der Landwirtschaft beschäftigen. Daher sind ihm die
Kommunikationsprobleme, die teilweise
noch in die Anfangszeit zurückreichen, wohlbekannt: „Niemand hat sich Gedanken gemacht, wie man das komplexe Thema Gentechnik der Öffentlichkeit vermittelt.“ Bei
den Konsumenten ist so das Gefühl entstanden, etwas aufgetischt zu bekommen, über
das sie nicht entscheiden können. Die Gentechnik steht heute symbolisch für vieles,
was der Verbraucher nicht will.
Zwischen den Vorstellungen der Konsumenten und den realen Bedingungen liegen
jedoch häufig Welten: „Wenn es um die Ernährung geht, wünschen die Kunden sich naturbelassene Landwirtschaft, fairen Handel, Gerechtigkeit und möglichst wenig Globalisierung.“ Dass damit die Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung in den Entwicklungsländern nicht zu stillen sind, spielt dabei selten
eine Rolle. „Ein diffuses Gefühl des Unbehagens“ nennt Spelsberg die verbreiteten Vorbehalte gegenüber dem Thema Gentechnik in
Deutschland. Die hätten dazu geführt, dass
der soziale Druck auf die Befürworter mittlerweile hoch sei: „Wenn jemand sich für Gentechnik ausspricht, ist das erst einmal etwas
Schlechtes, für das er sich rechtfertigen muss.“
Ausgabe 6/2013
Ein deutsches Vertrauensproblem
Diese Ablehnung hält Léon Broers, Mitglied
des Vorstands der KWS Saat AG, eines der
fünf größten Saatguthersteller weltweit, für
ein spezifisch deutsches Problem: „In den
USA machen wir 98 Prozent unseres Umsatzes mit gentechnisch veränderten Pflanzensorten. Dort ist das gar kein Thema.“
Während die Hauptanbaugebiete heute in
Nord- und Südamerika lägen, sei das Thema
in Europa nach wie vor ein „No Go“. Selbst die
Forschung würde mittlerweile als Provokation gesehen und häufig boykottiert.
Die KWS Saat AG hat ihre Feldversuche in
Deutschland deswegen eingestellt: „Die
Kosten für die Sicherung waren am Ende höher
als für die Versuche selbst“, erinnerte sich Broers. Außerdem sei es zu Übergriffen gekommen, denen der Konzern seine Forscher nicht
länger aussetzen wollte. Bei den letzten Versuchen mit Zuckerrüben wurden die Betreuer
mit Gewalt bedroht, Mitarbeiter namentlich
im Internet diffamiert. „Das war der Anlass für
uns, die Forschung in Deutschland auf Eis zu
legen“, so das Vorstandsmitglied. Den Hauptgrund für diese heftige Kritik sieht Broers darin, dass der Verbraucher keinen direkten Vorteil von der Gentechnik habe und den Nutzen
der Technologie nicht selbst erfahre.
Weichenstellung für die Zukunft
Doch die Fragestellung reicht längst über die
deutschen Grenzen hinaus. „Die Europäische
Union schränkt den Einsatz von genetisch
25
veränderten Variationen immer mehr ein.
Gleichzeitig wird ein Ertragsfortschritt von 2
Prozent gefordert. Das funktioniert nicht“ ,
erklärt er. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung hält Broers die Gentechnik für
» Niemand hat sich
Gedanken gemacht, wie man
das komplexe Thema
Gentechnik der Öffentlichkeit
vermittelt«
ein unverzichtbares Hilfsmittel, um die Erträge in der Nahrungsproduktion nachhaltig
und dauerhaft zu steigern.
Dabei bleibt er durchaus realistisch: „Natürlich
werden wir mit der Gentechnik allein nicht
das Welthungerproblem lösen. Sie ist ein Faktor, den wir mit anderen Technologien kombinieren müssen.“ Einen völligen Verzicht auf
den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen hält er jedoch nicht mehr für möglich. Im
Jahr 2020, so glaubt er, werde die Gentechnik
einen wesentlichen Teil der weltweiten Pflanzenzüchtung ausmachen. Für Europa wagt er
diese Entwicklung jedoch zu bezweifeln. Dennoch hofft Broers, dass das Verständnis für die
Vorteile der Technologie wachsen wird.
Den einzigen Weg aus dem Dilemma sieht
auch Spelsberg in einer offenen Ausei- >
Zukunftsmanager n Strategie und Kultur
Ausgabe 6/2013
26
Lösungen sollten im
offenen Dialog entwi-
ckelt werden – immerhin
geht das Thema Ernäh-
© Thinkstock
rung alle etwas an.
Mehr Informationen
KWS Saat AG
ÆÆIm Internet
Veranstaltungsreihe „Technologieoffene und innovationsfreudige
Gesellschaft“
ÆÆIm Internet
Discover Markets – neue Wege der
Technologieentwicklung
ÆÆIm Internet
Studie „Verbraucherakzeptanz gentechnisch veränderter Lebensmittel“
ÆÆIm Internet
nandersetzung mit dem Thema. Technologieaufgeschlossenheit heiße das Zauberwort,
dabei gehe es nicht darum, jeden von der Gentechnik zu überzeugen. „Wir brauchen einen
Diskussionsprozess darüber, ob die Produkte
gut oder schlecht sind“, erklärt Spelsberg.
„Dabei kann jeder durchaus zu einer unterschiedlichen Meinung kommen.“ Hoffnung
für einen solchen Prozess hat er hinsichtlich
der jüngeren Generation, die noch unbelasteter und neugieriger mit dem Thema umgeht als seine eigene. Die ersten Versuche im
Bereich Social Media scheiterten bislang.
Integration statt Ignoranz
Einen Schritt weiter geht die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihrem Projekt „Discover Markets“, das Methoden für die bedarfsorientierte Forschung entwickelt. Kompetenzfeldleiterin Beate Seewald erklärt, worum es geht:
„Wie bringen wir die Anwender dazu, ihre Be-
dürfnisse zu äußern, und wie setzen wir diese
dann auch technologisch um?“ In einem ersten Schritt dürfen die befragten Nutzer ihre
Wünsche frei äußern, ohne eventuelle Rahmenbedingungen berücksichtigen zu müssen. Im Anschluss an die Ideenfindung prüfen
die Fraunhofer-Institute gemeinsam mit Experten die Vorschläge auf ihre Machbarkeit
hin. Aus den umsetzbaren Wünschen entstehen dann Prototypen, die dem entsprechen,
was der Nutzer will. „Wenn der Nutzer die Entwicklung selbst mitgestaltet, wird er auch das
Endprodukt akzeptieren“, erklärt Seewald.
Taten bewirken mehr als Worte
Das Konzept lässt sich auch auf andere Technologiefelder übertragen. Im Fall der Gentechnik ist es bereits zu spät, der Nutzer kann nicht
mehr von Beginn an eingebunden werden.
Doch selbst heute noch könnte es etwas bewirken, die Bevölkerung nach ihren Vorstellungen von Ernährung und Energieversorgung
direkt zu fragen. Diese Wünsche gelte es dann
mit den realen Rahmenbedingungen und den
technischen Möglichkeiten abzugleichen.
„Wenn es darum ginge, den Anbau effizient
zu gestalten, käme man mit Sicherheit auch
auf die Gentechnologie“, prophezeit Seewald
und fügt hinzu: „Das Für und Wider muss
dann jeder selbst abwägen.“ Es zähle, dass
sich der Verbraucher auf rationaler Ebene mit
einem technologischen Thema auseinandersetze, die Vor- und Nachteile abschätze und
auf dieser Basis eine Entscheidung für oder
gegen eine Technologie treffe. Ein solches Vorgehen könne die Technologieaufgeschlossenheit in Deutschland entscheidend fördern.
Zurück im Labor an der Universität, verrät
Professor Nellen schließlich die Antwort, die
ihm einer der Pfarrer auf seine Frage gab: „Ja,
ich habe tatsächlich gerade Zellen transformiert, aber damit habe ich jetzt gar kein Problem mehr.“ Er will seine Gäste nicht umkrempeln, er will nur ein besseres Verständnis für technologische Forschung schaffen.
Auch Journalisten haben ihn schon im Labor
besucht und im Nachgang, wenn auch kritisch, so doch positiv, über ihre Erfahrung berichtet. „Diese Leute möchte ich erreichen,
damit sie allen mitteilen, dass wir Wissenschaftler auch nur Menschen sind.“ Das
Schwierigste sei neben der Finanzierung, die
Leute von der Straße ins Labor zu bringen. Ein
bisschen Förderung könnte hier helfen. Denn
wer würde nicht gerne mal für ein paar Tage
Gott spielen?<
Dafür reicht das Internet als Plattform jedoch
nicht aus. „Wir brauchen Denkräume, die erfahrbar sind“, weiß Seehofer aus eigener Erfahrung. In einer reinen Spielsimulation am
Computer etwa würde das nicht funktionieren: „Da ist der Nutzer nicht persönlich betroffen.“ Eine Komplettlösung für mehr Technologieaufgeschlossenheit und geringeres
Misstrauen gegenüber einer umstrittenen
Technologie gibt zwar es nicht. Der Schlüssel
könnte aber in einer Kombination aus unterschiedlichen Maßnahmen liegen.
redaktion@zukunftsmanager-magazin.de
Zukunftsmanager n Methoden & Werkzeuge
Ausgabe 6/2013
27
App in die Zukunft?
Von Heiko von der Gracht
Beruflich und privat immer die richtigen Entscheidungen treffen: Das
ist ein großer Menschheitstraum. Voll und ganz erfüllt werden wird er
vermutlich nie. Sogenannte Foresight Support Systems vereinfachen
die Entscheidungsfindung zumindest. Doch wie sieht die Zukunft dieser Zukunftsmanagementinstrumente aus? Der „Zukunftsmanager“
präsentiert die wichtigsten Szenarien.
Szenario 1: In einer „Ex© Heyko Stöber
pertenherrschaft“ sind
Unternehmen von Beratern abhängig.
Tom Cruise hat den Bogen raus. Er schnappt
in „Minority Report“ als Polizist der Zukunft
die Mörder, noch bevor diese den Mord begehen können. Die Präkognition seiner „Precogs“ macht es möglich. Stellt sich die Frage:
Wann ist unsere Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), wann sind insbesondere Foresight Support Systems (FSS), das
heißt IT-Plattformen mit integrierten Vorausschautools, so weit, und ab wann ist die dazugehörige App erhältlich?
Ländern befragt wurden, bildet ein ExpertenDelphi. Auf dieser Grundlage entstanden vier
zentrale Szenarien über die Zukunft der IKT
bis ins Jahr 2020. Alle Szenarien entfalten
sich entlang zweier zentraler Zukunftstreiber: Wie hoch entwickelt wird die IKT in der
Zukunftsforschung sein? Und: Basieren die
FSS des Jahres 2020 eher auf Expertenkompetenz oder auf der „Weisheit der Vielen“?
Nach Antworten suchte die Studie „The Future of ICT-Based Futures Research“, die unter Beteiligung von KPMG entstand. Den
Kern der Untersuchung über die Rolle der IKT
bis ins Jahr 2020, bei der 177 Experten aus 38
Wenn die FSS der Zukunft ausgeklügelt und
hochentwickelt sind und hauptsächlich von
Experten bedient werden, liegt praktisch eine „Expertenherrschaft“ vor. Gut für die Beraterbranche, weniger gut für die Unter- >
Szenario 1:
Die Zukunft gehört den Beratern
Zukunftsmanager n Methoden & Werkzeuge
Ausgabe 6/2013
© Heyko Stöber
nehmen. Für sie ergibt sich etwas, das in der
Psychologie „Therapeutenabhängigkeit“ genannt wird: eine problematische Abhängigkeit von externen Experten. Diese Abhängigkeit wird dadurch zementiert, dass die Berater die Foresight Support Systems samt Software auch entwickeln, wie sie es heute bereits mit Instrumenten zur Portfolioanalyse
oder für das General Management tun. Einziger Trost: Die unternehmerischen Entscheidungen gewinnen dadurch an Qualität. Das
sagen die Delphi-Experten mehrheitlich.
Denn die Systeme dieser Zukunft sind zwar
ein Produkt von wenigen Anbietern, liefern
jedoch systematisch bessere Datengrundlagen für Zukunftsentscheidungen.
Szenario 2: Keine Vor-
machtstellung von Beratern: Zukunftsforschung
ist in der Mitte der Ge-
sellschaft angekommen.
Szenario 2:
Die Gesellschaft der Futuristen
Im zweiten Szenario sind die FSS stark verfeinert, komplex und integriert, basieren
aber im Gegensatz zum ersten Szenario
überwiegend auf der Weisheit der Menge:
Die Vormachtstellung der Berater ist gebrochen. Mehr noch: Zukunftsforschung ist ins
gesellschaftliche Leben integriert, ist in der
Mitte der Gesellschaft angekommen. Die FSS
sind zwar komplex, aber jeder Einzelne aus
der Crowd trägt zur Vorausschau bei. Die dafür eingesetzten Methoden sind hochkomplex, aber es handelt sich um Open Sources –
ihr Quelltext ist öffentlich zugänglich und
kann frei kopiert, modifiziert und verändert
werden. Die Zukunft wird „linuxiert“, Social
Forecasting hat sich etabliert. Das heißt: In
28
diesem Szenario kann der Nutzer auf Facebook & Co. nicht nur seinen Gefallen zum
Ausdruck bringen („Likes“), sich austauschen
und Freunde finden, sondern auch seinen Teil
der Weisheit zur Vorausschau beisteuern –
der Begriff „Basisdemokratie“ erhält eine
neue Bedeutung. Soll im Jahr 2020 zum Beispiel das Gesetz zur häuslichen alternativen
Energiegewinnung aus Algenaquarien verabschiedet werden oder nicht? Die Bundeskanzlerin drückt den Knopf und ruft die
Weisheit der Massen ab: Das Volks-Forecasting mit 50 Millionen registrierten Teilnehmern gibt auf Knopfdruck Auskunft, auch in
allen Fragen der großen globalen Herausforderungen: Klimawandel, Armut, Flüchtlingsströme, Wasserknappheit, Stabilität der Finanzsysteme und so weiter. Immer wieder
weisen Politiker darauf hin, dass sich diese
Fragen nicht national, sondern nur international klären lassen – aber die Politik zeigt
sich seltsam gehemmt. Eine internationale
Gesellschaft der Futuristen könnte diese
Hemmung überwinden – mit Hilfe komplexer, internationaler Foresight Support Systems.
Szenario 3:
Die App-Welt
In dieser Zukunft hat (fast) jeder Handybenutzer so etwas wie die „Future App3000“
auf seinem Smartphone. Dessen Software ist
weniger komplex, dafür aber volkstauglich
und userfreundlich. Sie unterstützt keine
komplexen Modellkalkulationen oder Si- >
Zukunftsmanager n Methoden & Werkzeuge
Ausgabe 6/2013
Szenario 3:
Zukunftsforschung ist
zum Volkssport gewor-
den – alles läuft über das
Smartphone.
mulationen, sondern einfache Methoden wie
Multiple-Choice-Abfragen zu Trends und
Konsumentenvorlieben – alles im spielerischen Stil mit hohem Spaßfaktor. Deshalb
ist es 2020 für breiteste Bevölkerungsschichten längst „in“, in die Zukunft zu blicken: Vorausschau als neuer Volkssport. Infolgedessen hat sich das Zukunftsbewusstsein der
Gesellschaft drastisch erhöht, die Zukunfts-
» Eine Welt, die nach Finanzkrise und Fukushima
nicht dazugelernt hat, ist
zu bedauern.«
© Heyko Stöber
© Heyko Stöber
29
Szenario 4:
Das Zukunftsbewusstsein
ist unterentwickelt, die
Zukunftsforschung fristet
ein Nischendasein.
forschung als Disziplin hat stark an Bedeutung gewonnen. Leider sind die Unternehmen weniger begeistert von dieser Entwicklung. Zum einen, weil die simple Smartphone-Software nicht wirklich smart ist und
deshalb kaum Erkenntnisse über komplexe
Zusammenhänge des laufenden oder gar zukünftigen Geschäfts von Unternehmen liefern kann. Zum anderen, weil solche App-Daten sehr anfällig für Manipulation und diverse Verzerrungen sind, zum Beispiel in Bezug auf Stichproben, die vermeintlich willkürlich ausgewählt werden. So wie heute
eben nicht jedermann, sondern nur bestimmte Menschen bloggen, weshalb in
Blogs nur ein bestimmter, oft wenig repräsentativer Teil des gesellschaftlichen Meinungsspektrums wiedergegeben wird >
Zukunftsmanager n Methoden & Werkzeuge
Die Studie „The Future of ICT-Based
Futures Research“ kann kostenlos
über die EffizienzCluster-LogistikRuhr-Website bezogen werden
ÆÆIm Internet
Szenario 4:
Die Zukunft in der Nische
Dieses Szenario beschreibt eine inkrementelle Zukunft, in der alles im Vergleich zu heute
bis zum Jahr 2020 nur in kleinen Schritten ein
wenig besser geworden ist: die FSS, die Experten oder auch das Zukunftsbewusstsein
in den Unternehmen, speziell im Mittelstand.
Eigentlich ein pessimistisches Szenario. Denn
eine Welt, die nach Finanzkrise und Fukushima selbst bis 2020 noch nicht gelernt hat,
ihre Zukunftskompetenz dramatisch zu erhöhen, ist zu bedauern. Wie konnte das passieren? Das werden sich unsere Kinder 2020 fragen. Die Frage ist verständlich, aber unfair: In
der IT sind sieben Jahre eine halbe Ewigkeit
und entsprechen rund fünf Smartphone-Generationen. Genau darin liegt der Irrtum unserer Kinder: Das gesellschaftliche Bewusstsein verändert sich ungleich langsamer als
das Innenleben und das Design von Smartphones. Das heißt: Politik, Universitäten, Verbände und Institute sollten schon heute viel
stärker Aufklärungsarbeit, Bewusstseinsbildung und Bildungsanstrengungen unternehmen, wenn sie möchten, dass die Menschen
endlich erkennen, dass sie sich mit ihrem rudimentären Zukunftsbewusstsein die eigene
Zukunft verbauen. Genau darum geht es: Die
unterschiedlichen Akteure müssen eine Zukunftskompetenz entwickeln.
Entwicklung von Zukunftskompetenz
Kinder lernen Lesen, Schreiben, Rechnen –
Zukunft lernen sie nicht. Manager trainieren
SoKo, KoKo und FaKo (Sozial-, Kommunikations- und Fachkompetenz). Zukunftskompetenz fehlt bislang in Firmencurricula und
Trainingsprogrammen, wird kursorisch oder
pro forma abgehandelt. Hier tönt seit Jahren
ein Trainingsimperativ, den bislang nur die
führenden Unternehmen vernehmen sowie
beherzigen und sich damit Marktvorteile verschaffen. Große Hoffnung setzen die befragten Delphi-Experten deshalb auf die IKT:
Wie in anderen Branchen auch, könnte sie
sich als großer Entwicklungshelfer, ChangeDriver und Enabler erweisen. Jeder Abteilungsleiter jedes Unternehmens könnte
dann zum Beispiel seinen Mitarbeitern mitteilen: „Wir haben seit heute ein neues FSS
mit vielen schönen Anwendungen – arbeitet
Euch bitte in das Szenarioinstrument ein, ich
möchte demnächst unsere strategische Ausrichtung der nächsten fünf Jahre mit Euch
besprechen.“ Wer diesen entwicklungstreibenden wie kompetenzförderlichen Satz
hört oder sagt, kann von sich behaupten: Wir
sind in der Zukunft der Foresight Support
Systems angekommen.<
© Heyko Stöber
Mehr Informationen
(Stichwort Hetzblogger), so wird auch „die
App für die Zukunft“ teilnehmerverzerrt und
auch teilweise bewusst manipuliert sein: Wir
kennen das zum Beispiel von Facebook, wo
früher ein lebhafter Handel mit den begehrten „Likes“ blühte.
30
Ausgabe 6/2013
Dr. Heiko von der Gracht
leitet den Think Tank für
Zukunftsmanagement beim
von der KPMG geförderten
Institute of Corporate
Education e.V. (incore).
hgracht@incore-education.or
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05.12.2013 10:38:16
Zukunftsmanager n Lebenswelten
SERIE
Ausgabe 6/2013
32
NACHHALTIGKEIT Teil 3: Ernährung
Zukunft Ernährung
Von Alexander Fink und Hanna Rammig
Du bist, was du isst – dahinter
steckt weitaus mehr als der
bloße Hinweis darauf, dass
die tägliche Nahrungsmit-
telaufnahme etwas mit der
persönlichen Befindlichkeit zu
tun hat. Vielmehr findet sich in
diesem Spruch der Wunsch nach
einer ausgewogenen und gesun-
den Ernährung wieder. Dabei muss
gar nicht immer alles Bio sein. Das
zeigen die Ergebnisse einer Studie, die
sich mit nachhaltigen Lösungen für
die Nahrungsmittelproduktion der
Zukunft auseinandersetzt.
Für die Gestaltung der täglichen Ernährung
spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große
Rolle. Nicht nur deshalb, weil die Nahrungsbeschaffung und -zubereitung ein elementarer Bestandteil des menschlichen Lebens
ist. Sondern auch, weil die Ernährung direkten Einfluss auf die Gesundheit des Menschen und die Belastung der Umwelt nimmt.
Von der Landwirtschaft über die Verarbeitung und Zubereitung, den Verkauf im Einzelhandel bis hin zu Ernährungsgewohnheiten der Menschen: Überall lässt sich Potential für mehr Nachhaltigkeit finden. Sieben Szenarien zeigen Möglichkeiten auf, wie
ein nachhaltiger Umgang mit dem Thema
Ernährung in Zukunft aussehen könnte. Die
Ergebnisse zeigen, dass Aspekte der Nachhaltigkeit selbst in einer industriell hochentwickelten Lebensmittelproduktion berücksichtigt werden können.
Szenario 1
Die öffentliche Versorgung
Weil es bei einer gesunden Ernährung um
das Wohl der Bevölkerung geht, greift der
Staat entschlossen ein. Die öffentliche Hand
sieht sich in der Verantwortung für die Daseinsvorsorge der Bürger: Kommunen und
Regionen fördern die Entstehung neuer Außer-Haus-Anbieter, die eine nachhaltige Versorgung der Bevölkerung mit gesunden und
hochwertigen Nahrungsmitteln sicherstellen. Diese Angebote werden von vielen Menschen dankbar angenommen – nicht zuletzt
deshalb, weil konventionell erzeugte Lebensmittel durch Verbrauchsteuern
teuer geworden sind und Gemeinschaftsküchen daher eine preisgünstige und nachhaltige Alternative darstellen. Die Nachfrage der >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Ausgabe 6/2013
Verbraucher und die Steuerung der öffentlichen Hand führen zu einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion, die Wert auf saisonale
und regionale Endprodukte legt. Die im Handel verfügbaren Produkte sind in ihrer Vielfalt begrenzt, da die Produktion saisonal und
regional erfolgt. Allgemein dominieren neben den Selbsterzeugergemeinschaften eher
kleine, ökologisch betriebene landwirtschaftliche Betriebe.
Szenario 2
Die Selbstversorger
Nachhaltige Ernährung, Essenszubereitung
und Selbstversorgung haben einen hohen
Stellenwert in der Gesellschaft. Das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und die Fähigkeit, dementsprechend Nahrungsmittel
zubereiten zu können, sind weit verbreitet.
Selbstversorger bereiten Mahlzeiten aus
selbst erzeugten und zusätzlichen, sorgfältig
ausgewählten Lebensmitteln zu. Als Ergänzung zu den eigenproduzierten Lebensmitteln wird die aktive Teilhabe in Einkaufsgemeinschaften genutzt. Das führt dazu, dass
die Lebensmittelindustrie durch den Konsumenten bestimmt wird: Sie muss dem Verbraucherwunsch gerecht werden und bringt
vor allem nachhaltige Produkte auf den
Markt. Zudem hat der Kunde durch die Vielzahl regionaler Erzeugergemeinschaften die
Wahl zwischen vielen verschiedenen Anbietern. Die Selbstversorgung fördert zwar nicht
unbedingt die Produktvielfalt im Handel,
aber die verfügbaren Lebensmittel sind
33
frisch, regionaler Herkunft und kaum industriell verarbeitet.
parenz bei den Bestimmungen zur Lebensmittelkennzeichnung.
Szenario 3
Der Wochenmarkt
Szenario 4
Selbst gekauft und selbst gekocht
Nachhaltige Ernährung und Essenszubereitung gehören für die Menschen zu einem
erfüllten Alltag und steigern die Lebensqualität. Dementsprechend handeln die Verbraucher: Das Thema Ernährung weckt nicht
nur großes Interesse, sondern erfordert von
den Bürgern auch, sich umfassend zu informieren und so Expertenwissen aufzubauen.
Dieses ist auch nötig, denn der Konsument
muss die frischen Lebensmittel zubereiten
können. Der tägliche Umgang mit den frischen Produkten ist zwar zeitaufwendig,
wird aber als positive Stimulation des Alltags empfunden: Kochen hat Kultstatus, und
oft stehen Freunde und Familien gemeinsam in der Küche. Trotz höherer Preise werden bevorzugt ökologisch und fair erzeugte
Lebensmittel gekauft. Der Einfluss der Verbraucher spiegelt sich auch hier in der Herstellung wider: Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie richten sich in der Produktion nach den Kundenwünschen. Wochenmärkte erfreuen sich großer Beliebtheit.
Dort ist das Angebot auf saisonale Produkte
ausgerichtet, die in der Region angebaut
werden und von dort aus frisch auf die Verkaufstische gelangen. Natürlichkeit steht für
die Verbraucher an erster Stelle. Der Gesetzgeber erkennt die Wünsche der Bevölkerung
und bemüht sich um größtmögliche Trans-
Konsumenten wollen sich bewusst und
nachhaltig ernähren. Sie sind bereit, dafür sowohl Geld als auch Zeit zu investieren. Am
liebsten essen die Menschen zu Hause. Die
Zubereitung eines guten Essens darf ruhig
ein wenig länger dauern, auch wenn oftmals
weiterverarbeitete Lebensmittel verwendet
werden. Die Beschaffung von Lebensmitteln,
die den Qualitäts- und Nachhaltigkeitsansprüchen der Konsumenten genügen, erfolgt
über den gut sortierten Lebensmittelhandel.
Sowohl Discounter als auch spezialisierte Läden tragen der Nachfrage Rechnung und bieten ein breites Sortiment an hochwertigen
und nachhaltig produzierten Lebensmitteln
an. Innovationen in der Lebensmittelherstellung werden von den kritischen Konsumenten hinterfragt, so dass vor allem Biobauern die Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln decken. Die Lebensmittelindustrie wird vom Gesetzgeber in die
Pflicht genommen, den Verbraucherschutz
umzusetzen, und kann sich den Forderungen
von Politik und Verbrauchern nicht entziehen.
Szenario 5
Die Biokommerzialisierung
Konsumenten wollen keine Abstriche mehr
machen: Sie wollen sich sowohl gesund und
nachhaltig ernähren als auch Zeit bei der >
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Zukunftsmanager n Lebenswelten
Ausgabe 6/2013
Zubereitung sparen. Dazu essen sie entweder spontan außer Haus, oder sie bereiten
ihre Mahlzeiten mit Hilfe vorverarbeiteter
Produkte selbst zu. Sowohl beim eigenen
Einkauf als auch bei der Verpflegung außer
Haus konsumieren die Menschen bewusst
und legen Wert auf Regionalität und Bioqualität. Für diese Werte sind die Verbraucher
auch bereit, einen entsprechend höheren
Preis zu zahlen. Die bewusste Orientierung
der Verbraucher bewirkt in der Landwirtschaft die Konzentration auf Ökolandbau.
Die Agrarproduzenten sind innovativ und
steigern so die Effizienz bei der Einhaltung
höchster Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien. Die Einstellung der Verbraucher sowie
die von der Politik an die Produzenten übergebene Verantwortung für Qualität und
Transparenz führen zu einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Lebensmittelindustrie.
Szenario 6
Innovationen
Für die Konsumenten nehmen die eigene Zubereitung und das daran anschließende gemeinsame Essen eine wichtige Rolle im Alltag
ein. Allerdings müssen die Lebensmittel nicht
unbedingt nachhaltig produziert sein, denn
unabhängig davon vertrauen die Konsumenten in ihren Kaufentscheidungen auf die
Nahrungsmittelindustrie. Konsumenten kaufen sehr preisorientiert ein und bevorzugen
daher häufig konventionelle Lebensmittel.
Die Produkte aus der industriellen Lebensmittelfertigung sind aber nicht nur preiswert,
sondern orientieren sich auch an den Kundenbedürfnissen. Um die Bedürfnissituation
optimal befriedigen zu können, arbeitet die
Industrie konstant an der Optimierung des
Portfolios. Innovationen prägen deshalb die
Lebensmittelherstellung. Viele Entwicklungen, wie beispielsweise die Herstellung
von Kunstfleisch aus dem Labor, auch „artificial meat“ genannt, ermöglichen eine abwechslungsreiche Ernährung ohne Massentierhaltung. Solche Innovationen werden von
Landwirtschaft und Industrie verantwortungsvoll vorangetrieben. Die öffentliche
Hand begleitet diese Entwicklung durch die
Schaffung entsprechender innovationsfördernder Rahmenbedingungen sowie einen
produzentenorientierten Verbraucherschutz.
35
auf Lebensmittelindustrie und -handel. Die
vom Gesetzgeber geforderte hohe Transparenz im breitsortierten Einzelhandel verstärkt das Vertrauen der Verbraucher. Die vorverarbeiteten Lebensmittel kommen aus der innovativen Lebensmittelindustrie, die nach
gesetzlichen Vorgaben auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Dabei kommen
die Zulieferprodukte aus dem Agrarsektor
zumeist nicht aus Deutschland, denn die
deutsche Landwirtschaft hat die Lebensmittelproduktion deutlich reduziert.
>
Szenario 7
Der Agrarimport
Essen soll vor allem schnell gehen. Das betrifft sowohl die Zubereitungszeit, die
durch industriell gefertigte Produkte
optimiert wird, als auch den Verzehr
der
Mahlzeiten. Häufig
wird
unterwegs gegessen: Ernährung
findet am Rande des Alltags statt,
denn den Menschen sind andere
Dinge wichtiger. Das geringe Interesse an Lebensmitteln spiegelt sich in der Preisorientierung der Verbraucher
wider. Dabei verlassen sich
die Menschen bei ihren
Kaufentscheidungen völlig
>
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Teil 3: „Ernährung“:
Das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium haben die ScMI
AG beauftragt, „integrierte Nachhaltigkeitsszenarien zur Erreichung der umweltbezogenen Ziele der nationalen
Nachhaltigkeitsstrategie“ zu erarbeiten.
In einer Serie stellt der „Zukunftsmanager“ in dieser und den vergangenen beiden Ausgaben jeweils die einzelnen
nachhaltigen Lösungsszenarien vor. Die
hier wiedergegebene Meinung muss
nicht zwingend mit der Meinung des
Umweltbundesamtes übereinstimmen.
Bisher im „Zukunftsmanager“
erschienene Beiträge der Serie:
Teil 1: „Umfeldszenarien“
Teil 2: „Freizeit“
Die Szenarien unterscheiden sich deutlich
voneinander, was zeigt: Eine nachhaltige Ernährungsgestaltung kann auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden. Kerngrößen
für die Entwicklung zukünftiger Ernährungsgestaltung sind der Grad des Einflusses der
Konsumenten, die Entwicklung von Vorverarbeitung und Innovation in der Lebensmittelindustrie, der Grad der Vernetzung der Wertschöpfungsketten sowie der Wissensstand
und die Kochkompetenz der Bevölkerung.
Die fehlende Zeit im Arbeitsalltag sowie die
abnehmende Bedeutung von Essen und Kochen für die sozialen Bindungen sprechen
zumindest dafür, dass die Lebensmittelindustrie auch weiterhin eine große Rolle in der
Nahrungsmittelproduktion spielt.
Diese Einschätzung wird bestätigt, sobald
die Kundenerwartungen herangezogen werden. Hier wird deutlich, dass der hohe Grad
an Vorverarbeitung und die innovative Lebensmittelindustrie hoch im Kurs stehen.
Der Erwartungsraum umfasst vier Szenarien,
von denen nicht alle in ihrer Ausgestaltung
von Nachhaltigkeit in der Ernährung gleich
wünschenswert erscheinen. Während das
„Innovationsszenario“ und das „Agrarimportszenario“ als stark kommerzialisierte
und industrialisierte Welten von dem interdisziplinär besetzten Bewertungsteam nicht
priorisiert werden, können sich die Teammitglieder die Szenarien 4 und 5 durchaus als
erstrebenswerte Zukunft vorstellen. Das
„Biokommerzialisierungsszenario“ wird von
den Befragten nicht nur gewünscht und erwartet, sondern weist zudem eine große Nähe zum Gegenwartsbild auf. Eine auf Bioprodukte ausgerichtete Lebensmittelindustrie
entspricht also nicht nur den Wünschen der
Befragten, sondern ist auch gar nicht so unrealistisch. Um auf diesem Weg zu mehr
Nachhaltigkeit in der Ernährungsgestaltung
zu kommen, sind nicht so viele Veränderungen notwendig wie bei anderen Lösungswegen.
Nachhaltige Ernährung ist also heute schon
ein Thema, mit dem sich die Öffentlichkeit
intensiv beschäftigt. Mit einer gesunden und
ausgewogenen Ernährung identifizieren sich
viele Menschen, zunehmend rückt dabei die
Relevanz von Nachhaltigkeit ins Bewusstsein
der breiten Öffentlichkeit. Die Umsetzung
scheitert jedoch heute noch häufig an der
Bequemlichkeit, den finanziellen Voraussetzungen oder den mangelnden Umsetzungsmöglichkeiten im nahen Umfeld.<
Dr. Alexander Fink
ist Vorstand der ScMI
Scenario Management
International AG, Paderborn.
fink@scmi.de
Hanna Rammig
ist Senior Manager bei der
ScMI Scenario Management
International AG, Paderborn.
rammig@scmi.de
© Thinkstock
Fazit
Serie Nachhaltigkeit
36
Ausgabe 6/2013
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Zukunftsmanager n Ausgabe 6/2013 37
4. Deutscher Human Resources Summit
Wir danken allen Mitveranstaltern, Partnern, Förderern, Referenten und Teilnehmern für ihren wertvollen Beitrag und freuen uns auf ein Wiedersehen 2014!
Auf dem 4. Deutschen Human Resources Summit am 24. und 25. Oktober 2013 in Frankfurt diskutierten im Senckenberg Naturmuseum und
in der Villa Kennedy fast 200 Unternehmensleiter und Personalverantwortliche über die zentralen Fragen zum Leitthema „Freiheit und Ordnung“.
Der Deutsche Human Resources Summit hat sich als exklusives Forum für Vorstände, Geschäftsführer und HR-Verantwortliche etabliert.
Ausgewählte Thesen des 4. Deutschen Human Resources Summit:
„Um jungen Menschen künftig bessere Chancen zu garantieren, brauchen wir eine engere
Verzahnung von Schulen und Berufsleben. Hier können und sollen sich Unternehmen noch
mehr in der Mitverantwortung sehen und noch mehr in Qualifizierung und lebenslanges
Lernen ihrer Mitarbeiter investieren. Unser Ziel in Deutschland muss die Vollbeschäftigung
sein, und damit meine ich eine Arbeitslosigkeit unter 4 Prozent.“
Dr. h.c.
Wolfgang Clement
Dr. h.c. Wolfgang Clement, Bundesminister a.D., Ministerpräsident a.D.,
Vorsitzender des Kuratoriums „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“
Weitere Standpunkte, Interviews
und Impressionen zur Veranstaltung
finden Sie unter:
Frank Kohl-Boas, Personalleiter Nordeuropa, Google
Frank Kohl-Boas
Veranstalter
Partner
„Insbesondere Wissensmitarbeiter werden immer mehr die Unternehmen suchen, die
bereit und in der Lage sind, Organisationsstrukturen an Mitarbeiter anzupassen. Da die
heutigen Kommunikationstechnologien Wissensarbeit zeit- und ortsunabhängig
machen, verändert sich die Bedeutung des Büros als reiner Arbeitsort. Die Arbeitswelt
wandelt sich von einer Präsenzkultur zu einer Ergebniskultur.“
Mitveranstalter
Förderer
Medienpartner
www.deutscher-hr-summit.de
Informationen: Cornelia Klaas | Telefon: (0 69) 75 91 30 21 | E-Mail: c.klaas@faz-institut.de
www.deutscher-hr-summit.de
www.house-of-hr.de
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Michio Kaku. Die Physik der Zukunft:
Unser Leben in 100 Jahren. Rororo.
ISBN-10: 3499628155
Die Berechnung
der Zukunft
Warum die meisten
Prognosen falsch sind
und manche trotzdem zutreffen.
Ratingagenturen, Epidemien, Erdbeben, Klimawandel oder
Terrorismus: In all diesen Fällen gibt
es Prognosen von Experten, die der
Autor überprüft – und erklärt, warum
sie meist falsch sind. Gleichzeitig
schildert er, wie es gelingen kann, aus
dem Rauschen der Daten die wesentlichen Informationen herauszufiltern.
Nate Silver. Die Berechnung der Zukunft:
Warum die meisten Prognosen falsch sind
und manche trotzdem zutreffen.
Heyne Verlag. ISBN-13: 978-3453200487
Luftpost von Amazon
Bislang werden Drohnen zur Jagd
auf Talibankämpfer oder zu Spionagezwecken eingesetzt, jetzt sollen
sie Bücher und DVDs zu den Kunden nach
Hause bringen. Wenn es nach Amazon-Chef
Jeff Bezos geht, nehmen die unbemannten
Flugobjekte schon in den kommenden fünf
Jahren ihre Arbeit auf. Der Kunde müsse
dann nicht mehr einen ganzen Tag lang auf
seine Ware warten, sondern soll sie schon 30
Minuten nach der Bestellung in den Händen
halten. Bislang ist in den USA aber noch
ungeklärt, wie sich die Drohnen fortbewegen,
ob sie Häuser und Wohnungen filmen und
das gesammelte Bildmaterial dann abspeichern. Außerdem ist fraglich, ob sich Kunden
in einem Stadtbild wohlfühlen, das von
zahlreichen kleinen Flugobjekten gekennzeichnet ist, die durch die Luft schwirren.
News
Durch die Wände gucken
Wie plant der Architekt die Isolierung, wo liegen die Elektroleitungen? Das können Bauingenieure künftig mit einem Blick auf ihr
Smartphone sehen: Die neue Software LifeBC verschmilzt Kameraaufnahmen des realen Gebäudes mit einem digitalen Gebäudemodell. Benötigen die Bauingenieure Informationen zu einem speziellen Gebäudeteil, brauchen sie nur ihr Smartphone oder
einen Tablet-PC zu zücken, die Umgebung
mit der Kamera aufzunehmen und sehen auf
dem Display neben der Aufnahme des realen
38
Veranstaltungen
© Thinkstock
Wie werden wir leben
– in 20, 60, 100 Jahren? Der Physiker Michio Kaku sagt der Menschheit eine
rosige Zukunft voraus. Roboter übernehmen die Alltagsarbeit, Küchengeräte und andere Maschinen werden mit der Kraft menschlicher Gedanken gesteuert, medizinische
Nanobots eilen aufmerksam durch
unsere Blut- und Nervenbahnen und
heilen sogar Krebs. Science-Fiction?
Nein, er nennt das seriöse Zukunftsforschung und präsentiert Befunde.
News
© Fraunhofer IGD
Die Physik der
Zukunft: Unser Leben
in 100 Jahren
Ausgabe 6/2013
Gebäudes die dazugehörigen digitalen Gebäudedaten, beispielsweise die Planungen
des Architekten oder in den Wänden verborgene Leitungen. Das ganze nennt sich Augmented Reality – ein blendender Einfall.
11.02. – 12.02.2014
3. Leichtbau-Tagung
Bremen
Das richtige Material an der richtigen Stelle:
Ein ausgewogener Materialeinsatz ist eine
Grundvoraussetzung für Leichtbau in der
Luftfahrt, im Automobilbau und in vielen anderen Branchen. Auf der dritten Fraunhofer
Leichtbau-Tagung stellt sich die FraunhoferAllianz Leichtbau diesem Thema.
ÆÆIm Internet
24.02. – 25. 02.2014
Disruptive Technologies & Innovation
Foresight Minds 2014
Berlin
Die Veranstaltung macht den Austausch
über die Früherkennung disruptiver Technologien und die Integration radikaler Entwicklungen möglich. In mehr als 25 Praxisbeispielen und 20 interaktiven Diskussionen erhalten Teilnehmer die Möglichkeit, den exklusiven Erfahrungsberichten hochrangiger Experten aus der deutschsprachigen Industrie
zu lauschen.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n Kurz notiert
© MiRoR – UNott
Der Physiker Roman
Brinzanik und der
Schriftsteller Tobias Hülswitt diskutierten mit dem Chemie-Nobelpreisträger Paul J. Crutzen, mit Stefan Rahmstorf, einem Mitarbeiter
des Weltklimarats, und mit weiteren
führenden Forschern über die globalen Bedrohungen und über neuartige Lösungsansätze des Geo-Engineerings, der synthetischen Biologie
und der Energieforschung.
Roman Brinzanik, Tobias Hülswitt. Werden
wir die Erde retten?: Gespräche über die
Zukunft von Technologie und Planet.
Suhrkamp Verlag. ISBN-13: 978-3518260401
News
MiRoR – ein neuer
Miniaturroboter für
Inspektion und Wartung
Ob Flugzeugturbinen, Kernkraftwerke oder
Offshoreplattformen: Für den Menschen ist
das Inspizieren und Warten gefährlich, und
die Anlagen sind häufig schwer zugänglich.
Der Miniaturroboter MiRoR soll komplexe
Industrieanlagen in Zukunft autonom inspizieren, warten und reparieren.
News
Die Modellfabrik der Zukunft
Schön wärs‘s: Die Produkte wissen jederzeit,
wo sie sind, kennen ihre Historie, ihren aktuellen Zustand und die Produktionsschritte, die
ihnen zum fertigen Produkt noch fehlen. Damit das gelingt, müssen sich reale und virtuelle Welt aber noch enger verzahnen. Auf der
Euromold in Frankfurt am Main zeigten Forscher anhand einer Miniaturfabrik erste Anwendungen für die Industrie 4.0. Die Wissenschaftler arbeiteten mit einem kleinen Roboter, der Tonnen versetzte, und beobachteten
die Abläufe des Modells mit einer Kamera. Die
Kamera nimmt zehn Bilder pro Sekunde auf
und erfasst kontinuierlich den Status der
realen Welt und überträgt ihn ins Virtuelle.
„Dies ist der erste Schritt in Richtung cyber-
39
Veranstaltungen
© Fraunhofer IGD
Werden wir die Erde
retten?
Gespräche über die
Zukunft von Technologie und Planet
Ausgabe 6/2013
physische Äquivalenz, eines Zustands, in dem
man beliebig zwischen realer und virtueller
Welt hin und her wechseln kann“, sagt Professor André Stork, Abteilungsleiter am
Fraunhofer IGD. Im Alltag hieße das: Maschinen und Roboter tauschen gegenseitig Informationen aus, treffen eigene Entscheidungen
und steuern sich selbst – im besten Fall in
Kooperation mit den beteiligten Menschen.
27. 02.2014
Infrastruktur und Kapital
Frankfurt am Main
In der Diskussionsreihe zur verantwortungsvollen Planung und Realisierung von Großprojekten geht es am 27. Februar 2014 darum,
welche Rahmenbedingungen Investoren und
Infrastrukturprojekte brauchen, um den
Standort Deutschland nachhaltig voranzubringen.
ÆÆIm Internet
März 2014
Investition Infrastruktur – Schlüsselfaktor
Kommunikation
Frankfurt am Main
In der Diskussionsreihe zur verantwortungsvollen Planung und Realisierung von Großprojekten geht es im März darum, wie es gelingt, alle Stakeholder frühzeitig in Infrastrukturprojekte einzubinden, und was Firmen unternehmen können, wenn keine
Chance mehr auf Konsens besteht.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Ausgabe 6/2013
News
Veranstaltungen
Internet der Dinge
in Maschinen- und
Anlagensteuerungen:
Geschäftsmodelle,
Chancen und Risiken
09.01.2014
Informationsveranstaltung StromTicket
Dresden
Die Informationsveranstaltung zum StromTicket informiert über das intuitive und kundenfreundliche Zugangs- und Abrechnungssystem, das im Modellregionenprojekt SaxMobility II entwickelt wurde.
Was ist das Internet
der Dinge eigentlich – ein Modewort, eine Zukunftsvision oder sogar
ein Szenario, in welchem Maschinen
zunehmend die Herrschaft über
Menschen übernehmen? Die Publikation zeigt unterschiedliche Möglichkeiten auf, Produktion und
Dienstleistungen effizienter und
komfortabler zu gestalten – was
auch immer dann daraus entstehen
mag.
ÆÆIm Internet
29.01. –30.01.2014
INNOVATIONS(T)RAUM Elektromobilität 2014
Potsdam
Im Rahmen der Veranstaltung werden internationale Praxisbeispiele und Synergiepotentiale der Förderprogramme „IKT für Elektromobilität II“ und „Schaufenster Elektromobilität“ vorgestellt.
© Fraunhofer IGD
Thomas Strietzel. Internet der Dinge in
Maschinen- und Anlagensteuerungen:
Geschäftsmodelle, Chancen und Risiken.
wvb Wissenschaftlicher Verlag Berlin.
ISBN-10: 3865737080.
40
Kulturerbe digital und dreidimensional sichern
Naturkatastrophen oder Kriege können historische Kulturschätze unwiderbringlich zerstören. Forscher präsentieren nun ein mobiles Labor, das Artefakte im Akkord dreidimensional scannt und digitalisiert. Das sogenannten CultLab3D kann die Erbstücke in
sehr hoher Qualität erfassen. Die Daten sol-
len sogar geeignet dazu sein, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, die bislang
Originalvorlagen erfordern. Sofern die
Serverlandschaften mit den digitalisierten
Kulturdaten an einem trockenen Plätzchen
stehen, dürfte das Weltkulturerbe gesichert
sein.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n 15 Fragen
Ausgabe 6/2013
41
15 Fragen an
Johann Hofmann, Geschäftsbereichsleiter
Wie möchten Sie im Jahr 2030 leben?
In einer noch großartigeren und fortschrittlicheren Zukunft, als ich sie mir heute vorstellen kann.
Welcher Zukunftstrend ist Ihnen schon heute
ein Dorn im Auge?
Die zunehmende und unnötige Komplexität
in allen Lebensbereichen.
Wo möchten Sie 2030 leben?
Auf einer Erde, die all ihre Naturwunder und
Schönheiten erhalten konnte und die mit
Menschen bevölkert ist, für die weltweiter
Frieden, nachhaltiger Umweltschutz und
sinnvoller Fortschritt die Ziele sind.
Welcher Trend bestimmt 2030 die Welt?
Die intelligente Vernetzung – von Menschen,
Dingen und Systemen.
Worauf möchten Sie 2030 verzichten können?
Auf aktives Autofahren. Ich möchte mich
vom Auto automatisch fahren lassen.
Worauf möchten Sie nie verzichten müssen?
Auf Neugier und Staunen.
Was muss noch erfunden werden?
Eine Batterie, so klein wie eine Knopfzelle,
mit der ein Auto 1.000 Kilometer weit fahren
kann.
Welche Erfindung würde Sie überraschen?
Wenn das E-Book das echte Buch vollständig
verdrängen würde.
Welcher Trend der kommenden zehn Jahre
wird in 30 Jahren schon wieder überholt sein?
Cloud-Computing in der heutigen Form.
Wer oder was würden Sie in 20 Jahren sein
wollen (gern können Sie an dieser Stelle auch
nichtmenschliche Lebewesen oder Dinge nennen)?
Ich selbst, der alles, was ich mir für die nun
vergangenen 20 Jahre vorgenommen hatte,
erreicht hat.
Ben Hur, Martin Luther, Nelson Mandela oder
Luke Skywalker: Mit wem würden Sie aus welchen Gründen tauschen wollen?
Nur für einen Tag würde ich mit allen vieren
tauschen wollen, um neue Perspektiven und
Impulse für mein Leben zu erhalten.
2013, 2150 oder 3210: Wann würden Sie warum am liebsten leben wollen?
2013, denn ich lebe gern im Hier und Jetzt.
Womit beschäftigen Sie sich 2030 am liebsten?
Mit Reisen um die ganze Welt, um neue Erfahrungen zu sammeln.
Welche Reform wird 2030 von zentraler Bedeutung sein?
Eine Reform, die für die zukünftige Welt, in
der alles miteinander vernetzt ist, einen
rechtlichen und sozialen Rahmen schafft.
Der Held im Jahr 2030: Was kennzeichnet ihn?
Dazu fällt mir ein Sinnspruch von Anna Magnani (Anm. der Red.: ital. Schauspielerin)
ein: „Der Alltag der meisten Menschen ist ein
stilles Heldentum in Raten.“ Auch 2030 wird
es nicht einen legendären Helden geben,
sondern viele Menschen, die mit ihrer beständigen Arbeit in kleinen Schritten die
Welt verbessern.
Johann Hofmann
Johann Hofmann
ist Geschäftsbereichsleiter
„Reinhausen CAM“
bei der Maschinenfabrik Reinhausen,
Erfinder, Entwickler
und Experte für Datenmanagement
in der Fertigung. Hofmann arbeitet
seit Abschluss seines Maschinenbaustudiums im Jahr 1989 für die
Maschinenfabrik Reinhausen. 1991
übernahm er die Leitung des Bereichs NC-Programmierung. In dieser Funktion begann er, die Datenund Informationsflüsse papierlos zu
systematisieren. Er entwickelte ein
MES-System (Manufacturing Execution System). Als unabhängiges
Familienunternehmen in der 5. Generation erwirtschaftet die Maschinenfabrik Reinhausen GmbH mit
weltweit 24 Tochtergesellschaften
und 2.800 Mitarbeitern einen Umsatz von über 600 Millionen Euro.
Die nächste Ausgabe
erscheint am 13. Februar 2014.
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Zukunftsmanager n Ausgabe 6/2013 42
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43
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Verkaufen, Vernetzen, Finanzieren, Liefern
Ausgabe 6 | 11. Juli 2012
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Ausgewählte Informationen für Exportverantwortliche
Schwerpunktthema
Ausgabe:
Südostasien
| Vernetzen
9 | dieser
ExportManager
Philippinen fürchten Ansteckung | Indonesien stützt
Infrastrukturentwicklung
sich auf Binnennachfrage
| Burma erwacht |
Ausgabe 5 | 13. Juni 2012
im südlichen Afrika
Bankennetz im Wandel der Exportmärkte | Handels-
Die Hannover Fairs International, eine Tochter der Deutschen Messe, veranstaltet am 12. und 13. September 2012 gemeinsam mit der
AHK für dasmit
südliche
Afrikain
dieIndien
Konferenz „International
und Projektfinanzierung
ECA
| Neue Infrastructure & Invest Convention – IIIC“. Diese wird im Rahmen der Messe „Electra
Mining Africa“ stattfinden und deutschen Unternehmen die Möglichkeit zur Teilnahme als Aussteller und Sponsoren geben. Matthias
Boddenberg erläutert
die geplanten
Konferenzthemen
Allgemeingenehmigungen
| Exporte
nach
China und die Trends in der Infrastrukturentwicklung des südlichen Afrikas.
 Herr Boddenberg, die geplante zweitägige Konferenz findet im Rahmen der weltweit zweitgrößten Bergbaumesse, der „Electra Mining Africa“, in Johannisburg statt.
Was hat die AHK thematisch geplant?
 Infrastrukturentwicklung im weitesten
Sinn ist das Megathema im südlichen Afrika. Hierzu gehören vor allem die Themengebiete Energie, Wasser und Transport.
Auf die Behandlung dieser Themen werden sich die Veranstaltungen im Rahmen
der IIIC beziehen. Hinzutreten werden
Querschnittsthemen, wie z.B. Finanzierung, Ausbildung und PPPs (Public Private
Partnerships).
© Thinkstock
 Der Ausbau der Infrastruktur ist zurzeit ein wichtiger Impulsgeber für das sich
abschwächende Wirtschaftswachstum in
Südafrika. In welchen Segmenten der
Infrastrukturbranche sehen Sie zurzeit die
besten Lieferchancen für deutsche Unternehmen?
Das südliche Afrika setzt zunehmend auf die Nutzung regenerativer Energien wie Sonne und Wind.
 Investitionen in die Infrastruktur Südafrikas sind lange Zeit vernachlässigt worden. Seit 2008 hat sich dies geändert. Die
Matthias Boddenberg
Geschäftsführer
der Deutschen Industrieund Handelskammer
für das südliche Afrika
mboddenberg@
germanchamber.co.za
Erkenntnis, dass die ehrgeizigen Wachstumsziele Südafrikas nur bei einer gut
entwickelten Infrastruktur erreichbar sind,
ist gewachsen und hat dazu geführt, dass
die Regierung Südafrikas ein enormes
Investitionsprogramm in Angriff genommen hat.
Dieses Programm hat bereits gute Erfolge
für deutsche Firmen gebracht, so z.B. im
konventionellen Energiebereich beim
Bau des Kraftwerks Kusile. Auch im Bereich
der Stromerzeugung aus erneuerbaren
Energiequellen, wie z.B. Windenergie, konzentrierter Solarthermie (CSP) und Photovoltaik, sind spürbare Erfolge erzielt worden. Nach für deutsche Unternehmen
zwei erfolgreichen Ausschreibungsphasen wird voraussichtlich im August die
dritte Phase beginnen, bei der es wieder
um ca. 1.100 MW geht.
Energie ist aber bei weitem nicht das einzige Feld, auf dem deutsche Unternehmen erfolgreich sind. Weitere Bereiche
sind Wasser, Bergbau, Informations- und
Kommunikationstechnik (ICT) und natürlich der große Bereich der Logistik. Es
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