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THEMA
WWF:
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SOS
FÜR BONOBOS
der
„Naturschutz in
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Schicksal überlass
ASTRID KOROLC
Bonobos sind Familientiere und sehr friedliebend. Doch im einzigen Land,
in dem sie leben, geht es wenig friedlich zu. Im Kongo sind die Menschenaffen
in akuter Gefahr. WWF-Mitarbeiterin Astrid Korolczuk berichtet von ihrer
Expedition ins Herz Afrikas.
ZUK
© M. HARVEY/WILDLIFE, A. KOROLCZUK/WWF, K. AMMANN/WWF-CANON/NATUREPL.COM
Junge Wilde >> Bonobo-Nachwuchs – wie
diese Jungtiere – ist ein
Zeichen der Hoffnung,
denn Bonobos bekommen nur selten Kinder.
So werden die Weibchen
erst mit neun Jahren
geschlechtsreif. Die
Kleinen bleiben in der
Obhut der Mutter, bis
sie etwa zehn Jahre
alt sind.
Der Himmel über Kinshasa hat die Farbe von
Immer mehr Wald wird von der Not leidenden
Sand – und taucht die ganze Stadt in einen milden
Bevölkerung für Äcker und Weiden abgeholzt.
Gelbton. In der Hauptstadt der Demokratischen
Internationale Firmen suchen selbst entlegenste
Republik Kongo beginnt meine Reise zu den Bo-
Gebiete nach Bodenschätzen ab oder wollen
nobos. Ich bin gespannt: Schon viel habe ich
sie demnächst für Ölpalm-Plantagen und andere
über unsere, neben den Schimpansen, nächsten
agro-industrielle Nutzungen roden.
Verwandten gelesen – ihre soziale Kompetenz,
Außerdem ist das Fleisch der Bonobos als Deli-
ihr friedliches Zusammenleben und ihre ausge-
katesse begehrt. Selbst in Salonga sind die Tiere
klügelte Kommunikation untereinander.
(dort leben vermutlich noch mehr als 5000) nicht
Laut Weltnaturschutzunion IUCN gibt es heu-
mehr ausreichend vor organisierten Wildererban-
te möglicherweise nur noch 15 000 bis 20 000
den geschützt. In manchen Gebieten hat nur noch
Bonobos in der Wildnis. Sie alle leben aus-
ein Drittel der Bonobos überlebt.
schließlich in den schwer zugänglichen tro-
Und doch ist für den WWF genau dieser National-
pischen Regenwäldern der Demokratischen
park der Schlüssel zur Rettung der Bonobos – und
Republik Kongo.
einer Reihe anderer Großtierarten.
In der Mitte des Landes liegt der Salonga-Nationalpark. Dieses größte Waldschutzgebiet Afrikas
Ein Land in Unruhe
von der Fläche Baden-Württembergs möchte der
Unser kleines Propellerflugzeug steigt auf. Wir
WWF als sicheren Rückzugsort für Bonobos er-
sehen sehr viele abgeholzte braune Flächen und
halten. Ein Refugium nicht nur für die Menschen-
Felder – Zeugnisse des Hungers nach Holz und
affen, sondern auch für andere Tierarten wie den
Lebensmitteln. In der Savanne, wo früher Anti-
Waldelefanten oder das Flusspferd.
lopen, Elefanten und Büffel grasten, entdecke ich
Dieser Rückzugsort wird dringend benötigt, denn
auch in geringer Flughöhe nicht ein einziges Tier.
längst hat im Kongo ein Countdown begonnen,
Die politischen Unruhen der letzten Jahrzehnte
an dessen Ende die weitgehende Vernichtung von
und die wirtschaftlich katastrophale Situation der
Wald und Wildnis steht. Allein in den vergan-
Landbevölkerung haben ihren Tribut gefordert.
genen zehn Jahren haben Bonobos mehr als die
WWF-Wissenschaftler bestätigen: In den vergan-
Hälfte ihres Lebensraumes verloren.
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WWF Magazin
genen 15 bis 20 Jahren hat die Demokratische >
WWF Magazin
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© C. HÜTTER/BLICKWINKEL, M. DEHLING/WWF
THEMA
WELTWEIT EINMALIG
DR KONGO
SALONGA-NATIONALPARK
DR KONGO
KONGO
Bonobos leben nur südlich und östlich des großen
Kongo-Flusses. Auf der anderen Seite des Flusses,
im Norden, leben Schimpansen. Weil beide
Menschenaffenarten nicht schwimmen können,
leben sie getrennt voneinander. Auch im Süden
und Osten des Landes erstrecken sich große
Flüsse (Kasai und Sankuru), die Bonobos nicht
überqueren können. Das heutige Verbreitungsgebiet der Menschenaffen ist etwas größer als
Deutschland (373 585 Quadratkilometer).
KONGO
BONOBO-VERBREITUNGSGEBIET
Friedlicher Anblick >> Eine Schar afrikanischer Scherenschnäbel fliegt über den Fluss Kongo.
KASA
I
> Republik Kongo einen Großteil ihrer Wildtiere an Militär, Wilderer und die
werden, weil Touristen für sie zahlen, können wir
SANK
URU
hungernde Bevölkerung verloren.
die Spirale des Raubbaus durchbrechen. Dann
In den Kriegswirren wurden Ackerwirtschaft und Viehzucht des Landes
werden die Menschenaffen auch dort von Dorfge-
fast vollständig zerstört, während die Einwohnerzahl rasant wächst. Aktuell
meinschaften geschützt, wo die Jagd auf Bonobos
leben in der DR Kongo 70 Millionen Menschen. Die Bevölkerung verdoppelt
bislang nicht tabu war.
sich alle 17 Jahre. Noch immer lebt das Land auf Kosten seiner natürlichen
STECKBRIEF
B O N O B OS
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K on fl ik tl ös un g
er
• sind Allesfress
29 als eigene
• wurden erst 19
Art entdeckt
14
WWF Magazin
Ressourcen. Naturschutz im Kongo muss daher auch mit nachhaltiger Land-
Vor Sonnenaufgang auf der Piste
wirtschaft Hand in Hand gehen. Nur wenn die Menschen genug zu essen ha-
Es ist 3:30 Uhr morgens und unser Jeep holpert
ben, können wir sie für den Schutz der Natur gewinnen.
schon seit fast einer Stunde über die Buckelpisten
Deshalb ist das Bonobo-Projekt des WWF weit mehr als eine Rettungsaktion
der Savanne. Am Waldrand treffen wir uns mit
für unsere nächsten Verwandten. Es kann ein Zeichen der Hoffnung für die
den Bonobo-Spurensuchern, die hier „Pisteure“
Bevölkerung werden, wenn wir es richtig anpacken. In Malebo nordöstlich
heißen. Einer von ihnen ist Tonton, Sohn des
von Kinshasa gibt es Hoffnung. Dort fliegen wir hin.
Dorfchefs Obama. Im Dunkeln setzen wir unsere Stirnlampen auf und marschieren anderthalb
Refugium in Malebo
Stunden still durch den Wald. Wir müssen uns be-
Malebo ist „Bonoboland“. Hier leben die Menschenaffen in der Nähe von
eilen, denn die Bonobos sind nur bis Sonnenauf-
Menschen. Es gibt Wanderfeldbau und Konzessionen, um Bäume im Wald zu
gang in ihren Nestern. Gleich danach suchen sie
fällen. Die Regenwälder gehören den Dorfgemeinschaften der Nkala und wer-
schnell nach Frühstück, das zum größten Teil aus
den auch von ihnen verwaltet. Im Dorf erzählt uns Chef Obama, dass Bonobos
Früchten, Blättern, Kräutern, Samen, Blüten und
für ihn und sein Dorf wie Familienmitglieder sind und deswegen weder gejagt
Rinde besteht. Manchmal stehen auch Säugetiere
noch gegessen werden dürfen.
wie Waldantilopen, Fledermäuse, Flughörnchen
In Malebo hat der WWF bereits vor Jahren ein Projekt für nachhaltigen
und kleine Affen auf ihrem Speiseplan.
Tourismus ins Leben gerufen. Bonobos werden von Dorfbewohnern habi-
Wir haben Glück! Als wir an den ersten Nestern
tuiert, das heißt an die unmittelbare Anwesenheit von Menschen gewöhnt.
ankommen, hören wir es rascheln. In den Baum-
Ziel ist es, in zwei bis drei Jahren erste Touristen in Malebo auf Bonobo-
kronen strecken und recken sich die Bonobos,
Entdeckungstouren gehen zu lassen.
machen ihre morgendliche Fellpflege oder Früh-
Noch ist die Region eine Ausnahme in der Demokratischen Republik Kon-
sport mit Klettern und Hangeln. Nach etwa einer
go. Woanders werden Bonobos wie alle anderen Tiere bejagt. Doch wenn le-
halben Stunde bricht die gesamte Gruppe auf.
bende Bonobos für Dorfbewohner zu einer dauerhaften Einkommensquelle
WWF Magazin
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