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Früherkennung – was in welchem Alter?

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FOKUS GESUNDHEIT
Walliser Bote
Donnerstag, 31. Oktober 2013
HABEN SIE GEWUSST…?
Früherkennung –
was in welchem Alter?
Für gewisse Krankheiten wird ab
einem bestimmten Alter eine systematische Früherkennungsuntersuchung, ein so genanntes Screening,
empfohlen. Jeder Patient kann aber
frei entscheiden, ob er sich präventiv
untersuchen lassen will oder nicht.
Sinn und Nutzen solcher Screenings
sind teilweise umstritten.
Christelle Magarotto (dt. Text Karin Gruber)
Am 10. Oktober präsentierte die Krebsliga
Wallis in Zusammenarbeit mit dem Walliser Zentrum für Brustkrebsscreening
erstmals im Oberwallis ein riesengrosses
Brustmodell, um die Bevölkerung über
gut- und bösartige Brustveränderungen
sowie über die Früherkennung von Brustkrebs zu informieren. Das begehbare
Brustmodell veranschaulichte die Struktur der weiblichen Brust und ermöglichte
den Besucherinnen und Besuchern einen
Blick ins Innere des Organs. Diese in Glis
durchgeführte Aktion war vor allem an 50bis 70-jährige Frauen gerichtet. «Doch
auch die Männer zeigten reges Interesse
an unserem begehbaren Riesen-Modell»,
stellt Nadine Tridondane, administrative
Verantwortliche des Walliser Zentrums für
Brustkrebsscreening, fest.
nem Gerät das Volumen und der Fluss des
Atemstroms gemessen werden, ist allerdings nicht für alle geeignet. «80% der
COPD-Patienten sind Raucher», hält Moix
fest. Ziel der Früherkennung ist es, wie der
Begriff schon sagt, die Krankheit in einem
frühen Stadium zu erkennen. «Die ersten
Anzeichen von COPD treten ab dem Alter
von 45 Jahren auf», erklärt Jean-Bernard
Moix. Wird die Krankheit diagnostiziert, gibt
es gewiss Medikamente, «doch die effizienteste Massnahme, um so lange wie möglich
eine gute Lebensqualität aufrecht zu erhalten und kein Lungenleiden zu haben, ist immer noch, mit dem Rauchen aufzuhören.»
Früherkennung allein reicht nicht aus, man
muss schlussendlich selbst aktiv werden,
um seine Gesundheit zu erhalten.
Früherkennung
GEBÄRMUTTERHALSKREBS
BRUSTKREBS
Brust- und
Prostatakrebs
sind die häufigsten Krebserkrankungen bei über 50Jährigen im Wallis.
Wann?
20 bis 65 Jahre
50 bis 70 Jahre
DYSLIPIDÄMIE
(Fettstoffwechselstörung)
ab 35 Jahren
BLUTHOCHDRUCK
ab 20 Jahren
ab 45 Jahren
Frei und gewissenhaft entscheiden
«Früherkennungsuntersuchungen werden nicht allesamt systematisch empfohlen. Einige sind nützlich, andere hingegen
nicht», betont Dr. Arnaud Chiolero, Epidemiologe beim Walliser Gesundheitsobservatorium in Sitten. «Für Früherkennungen, deren Nutzen nicht klar ist, entscheiden Patient und Arzt meist gemeinsam.»
Dr. Nicolas Defabiani, Verantwortlicher
der Abteilung für Urologie am Spital Sitten, unterstreicht, wie wichtig die freie
DICKDARMKREBS
ab 50 Jahren
PROSTATAKREBS
ab 50 Jahren
«Früherkennungsuntersuchungen werden
nicht allesamt systematisch empfohlen. Einige
sind nützlich, andere hingegen nicht».
Gut zu wissen
3 Jahre
2 Jahre
Die fünfthäufigste Krebserkrankung im Wallis
Durchschnittlich 220 neue Fälle und
40 Todesfälle pro Jahr im Wallis
Die Folgen einer Dyslipidämie oder
von Bluthochdruck (Hirnschlag und
Herzinfarkt) sind die häufigsten
Todesursachen im Wallis und in den
entwickelten Ländern.
Bei den Männern werden im Wallis
jedes Jahr durchschnittlich 90 Fälle
neu diagnostiziert und es kommt zu
40 Todesfällen. Bei den Frauen sind es
60 Neudiagnosen und 30 Todesfälle.
Die Effizienz der Früherkennungsuntersuchung ist umstritten und sollte
mit dem Arzt besprochen werden.
Dr. Arnaud Chiolero
Das Zentrum nahm den internationalen
Brustkrebsmonat Oktober zum Anlass,
um die Bevölkerung verstärkt für die Früherkennung zu sensibilisieren. «Die Besucherinnen und Besucher nahm es vor allem
Wunder, wie es im Inneren der weiblichen
Brust aussieht», fährt Nadine Tridondane
fort. Zusätzlich zum Brustmodell wurde
auf verschiedenen Bildschirmen über
Brustkrebs, Prävention und Früherkennung informiert. «Wer besser informiert
ist, kann die Frauen in seinem Umfeld dazu
motivieren, ein kostenloses Screening, eine
Mammografie, durchführen zu lassen.»
«Im vergangenen Jahr haben im Wallis
zwölftausend Frauen an unserem Programm teilgenommen.» Dem Walliser Gesundheitsobservatorium zufolge werden in
unserem Kanton alljährlich rund 220 Fälle
von Brustkrebs diagnostiziert. Die Programmverantwortlichen sind von der Nützlichkeit des Walliser Früherkennungsprogramms überzeugt. Dank der Mammografie,
die alle zwei Jahre durchgeführt wird, können
Brustveränderungen eher erkannt werden.
Je früher beispielsweise eine bösartige Veränderung behandelt werden kann, desto weniger Frauen sterben an Brustkrebs.
Abwägen der Empfehlungen
Es sind jedoch nicht alle Früherkennungsuntersuchungen so gut organisiert wie das
Brustkrebs-Screening. «Es muss eine klare
Auswirkung auf die Sterblichkeit erwiesen
sein», erklärt Jean-Bernard Moix, Direktor
von Gesundheitsförderung Wallis. «Die
Früherkennung darf auch nicht Kosten verursachen, die in Sachen Nutzen verhältniswidrig sind.» Gesundheitsförderung Wallis
hat in den vergangenen drei Jahren eine Plakatkampagne zur Früherkennung von
COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) durchgeführt. Schweizweit leiden 5% der Bevölkerung an COPD – im Wallis sind es 14 000 Personen. Der Lungenfunktionstest (Spirometrie), bei dem mit ei-
Entscheidung in Sachen Prävention ist.
«Einige Personen können eine Früherkennungsuntersuchung ins Auge fassen, zu
der nicht systematisch geraten wird.» Namentlich die Früherkennung von Prostatakrebs. Der PSA-Test, d.h. die Messung
des prostataspezifischen Antigens im
Blut, wirft nämlich mehr Fragen auf, als er
Antworten gibt. Der PSA-Wert kann auf eine Tumorerkrankung hinweisen, aber
auch ein Hinweis auf eher harmlose Probleme wie eine Infektion oder eine benigne Prostatahyperplasie, d.h. eine gutartige Vergrösserung der Prostata, sein. Was
genau der Auslöser eines erhöhten PSAWerts ist, gibt dieser allein aber nicht an.
«Und auch wenn es sich um eine Krebserkrankung handelt, heisst das noch lange
nicht, dass diese auch gefährlich ist», kritisiert der Spezialist weiter.
Relative Gefährlichkeit
«Wenn man bei einer Gruppe von über 70jährigen Männern eine Autopsie durchführen würde», fährt Dr. Defabiani fort, «würden über 50% von ihnen Prostatatumore
aufweisen. Die meisten von ihnen wären
aber aus einem anderen Grund gestorben.» Es gibt nämlich Prostatatumore, die
sich langsam entwickeln, aber auch solche, die bedeutend aggressiver sind und
manchmal erst diagnostiziert werden,
wenn sie schon unheilbar sind. «Die
Schwierigkeit besteht darin, die geeignete
Behandlung zu finden.»
Um diese Problematik zu illustrieren, kommt der Urologe auf den Fall der
Schauspielerin Angelina Jolie zu sprechen: «Das wäre die extremste Haltung, die
man annehmen kann.» Infolge eines Gentests hatte sich Jolie diesen Sommer nämlich prophylaktisch beide Brüste entfernen lassen. Die Resultate ihres Gentests
hatten ergeben, dass sie zu 70% an Brustkrebs erkranken könnte. «Jolie hatte eine
30-prozentige Chance, keinen Brustkrebs
zu bekommen», kommentiert Dr. Nicolas
Defabiani. …und als ansonsten gesunde
Frau eigentlich genügend Zeit, bis es zu einem möglichen Eingriff hätte kommen
müssen. «Bei ihr standen die Chancen 2:3,
dass sie schwer erkranken und anstrengende Behandlungen über sich hätte ergehen
lassen müssen», erwidert Dr. Jacques Cornuz, Chefarzt an der Poliklinik der Universität Lausanne. Dieses Thema ist sogar
unter Fachleuten umstritten – Vorsichtsmassnahme oder Überreaktion? «Früherkennung ist ein Prozess, bei dem die jeweilige Person eine Wahl treffen muss.» Die
meisten Betroffenen greifen nicht zu
solch radikalen Mitteln wie die Schauspielerin Jolie, doch letzten Endes ist es immer
der Patient oder die Patientin, der oder die
entscheiden muss.
«FRÜHERKENNUNG DARF NICHT EINE BANALE KONTROLLE
TAUSENDER VON PERSONEN SEIN!»
Risikogruppen wird immer mehr zu gezielten Früherkennungsuntersuchungen geraten – Personen mit einem guten allgemeinen
Gesundheitszustand allerdings länger je weniger.
Dr. Jacques Cornuz, Chefarzt an der Poliklinik der Universität Lausanne, meint dazu: «Der Gesundheitscheck darf nicht zu einer banalen Kontrolle verkommen. Wenn Blut entnommen und präventiv
nach Krankheiten gesucht wird, fällt der Nutzen häufig eher bescheiden aus. Die Blutanalyse weist häufig auf kleinere Probleme hin und
bringt die Patientinnen und Patienten dazu, sich behandeln zu lassen, obschon das nicht immer nötig wäre. Man muss sich vom technischen und allmächtigen Bild der Medizin lösen und den Dialog mit
dem Patienten fördern. Damit kann man dessen Bedarf besser erfassen – ebenso die Risiken, denen er ausgesetzt sein könnte. Damit
wiederum können die Untersuchungen, die für den Patienten Sinn
machen oder nötig sind, gezielter ausgerichtet werden.»
PARTNER
Departement für Gesundheit, Soziales und Kultur
Dienststelle für Gesundheitswesen
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Seele and Geist
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