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. . . Was also ist der Unterschiedi zwischen dir und mir? Aus der

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Was also ist der Unterschiedi zwischen dir und mir?
Aus der Perspektive der Präsenz gesehen: keiner! Du
forschst und stehst eben aktuell nur auf einem anderen Felde
als ich. Um das zu verstehen: ich muss mich innerlich in eine
göttliche Position der Präsenz erheben! Bei mir und bei dir
gleichzeitig sein, und vor allem gleichwertig. "Ich bin du, du
bist ich, nur eben anders", wie Kurt Tucholsky sagt. Das ist
das Eigentliche. Der einzige Unterschied aus dieser Perspektive ist, dass ich in meinem Körper, in meiner Geschichte, in meinem Ego stecke, und du in deinem.
Der spannendste Film, das spannendste Drama und der
schönste Roman ist dein Leben selbst! Da bist du Regisseur,
Schauspieler und Produzent zugleich. Du musst dir nur zuschauen! - Blicken wir nochmals auf all die Millionen und
Milliarden Menschen, die alle auf ihre Weise suchen, kämpfen, lieben, streiten, sich bemühen und ihre Lebensthemen
haben: Was ist der Unterschied? Der einzige Unterschied
zwischen mir und meinem Nächsten ist:
Hier steck' ich drin, in den andern nicht
In meinen Körper bin ich inkarniert, bin ich 'ins Fleisch gefahren'. Meinen Körper und meine Geschichte erfahre ich von
innen her, deinen und den der Anderen nur von außen.
Meinem Ego bin ich existenziell ausgeliefert, nehme es von
innen her wahr und weiß, erfahre etwas von mir, was du
nicht weißt, nicht erfährst. Dadurch habe ich auch den berühmten 'Balken im Auge'. Wie du. Erst in der Zusammenschau beider, ja aller Perspektiven komme ich zur Wahrheit.
Zu dem, was ist. Um mich zu verstehen, muss ich mich auch
mit deinen Augen sehen, aus deiner Perspektive wahrnehmen können. Solange ich nur aus meinem Ego heraus,
aus meinem Mann- oder Frausein heraus funktioniere,
wurstle ich halt so vor mich hin, automatisch und bedeutungslos. Wenn ich aber im Sinne der Präsenz geradezu
ein 'Verhältnis' zu mir bekomme, ja ein Liebesverhältnis zu
mir wie zu dir gleichermaßen unterhalte, fängt es an objektiv
zu werden, fängt das Leben an, sich zu ereignen.
Erst wenn ich zulasse, dass in allen von uns ein göttlicher
Funke ist, in dir und in dir und in dir, und in all den anderen,
bis hin zu meinen Feinden, nähere ich mich der vollen Realität. Dann liebe ich dich. Dazu brauche ich nicht gleicher
Meinung mit dir zu sein, ich muss dich nicht unheimlich toll
finden. Ich muss nicht unmittelbar mit dir etwas zu tun
haben wollen. Aber ich muss dich voll und ganz, ohne Einschränkung und ohne Wenn und Aber, rigoros, radikal, von
der Wurzel her, von der göttlichen Wurzel her, gleich lieben
wie mich selbst. Dich anstrahlen! 'Urteile nicht über den
Anderen, bevor du nicht hundert Schritte in seinen Mokassins
gegangen bist!' Unterscheiden, ohne zu urteilenii. "Verurteilt
nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet!iii" Als gefühlte
Lebensgrundhaltung. Das fängt bei mir selbst an: Dieses
Ding, worin ich stecke. Im Wissen, dass auch du, als göttlicher Funke, in deinem Ego gefangen bist, hinein verzaubert
bist. Ich weiß dann aus meinem Mitgefühl heraus, dass es
ebenso schwer, wie es für mich ist, aus meinem Panzer mich
zu befreien, es genau so schwer auch für dich ist. "Was ihr
dem geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan!iv" Das heißt auch: ich bin du. Auf tantrisch: TAT TWAM
ASI. Das (alles!) bist du.
Wenn ich eine Teetasse hinstelle, stelle ich mich hin. Sie ist
ein anderer Aspekt von mir. Ich kann es mit der gleichen
Sorgfalt und Liebe tun, wie ich dich streichle. Wenn ich den
Tee schmecke, schmecke ich mich. Ich habe die Welt geschaffen. Ich habe dich geschaffen. Du hast mich geschaffen.
Wir haben uns geschaffen. Siehe, das sind meine Bäume und
Tiere und Berge. Das ist meine Welt. Das Göttliche ist in uns
und um uns. Es trägt und nährt uns, es bringt uns hervor,
wir bringen es hervor. Wir sind mitten drin. Geschöpf und
Schöpfer zugleich. Es offenbart sich JETZT. Auf dem kleinen
und bescheidenen Acker, in den wir gestellt sind und für den
nur wir selbst verantwortlich sind. –
Eine Seinsmeditationv
Lasst uns jetzt einmal aufstehen, wer mag. . . .
i
Das Wort 'Unterschied' wird hier verwendet, um das Ego zu provozieren und auf diese Weise ein wenig aus seiner Verhärtung zu
führen. An anderen Stellen verweise ich ausdrücklich darauf hin,
wie unbedingt notwendig eine sehr klare und scharfe Unterscheidung gerade auf der Dualitätsebene ist. Für ein gesundes
Einheitsbewusstsein ist dies absolut erforderlich.
ii
Armin Risi: "Licht wirft keinen Schatten"
iii
Matthäus 7.1
iv
Matthäus 25.40
v
Es folgt eine Begegnungs- und Wahrnehmungsübung, wie sie im
Seminar durchgeführt wurde. Die Anleitungen/Anregungen wurden
sehr langsam und mit vielen Pausen zum Nachspüren gegeben.
Das ist im Text so nicht darstellbar. Ein sehr langsam-meditatives
Lesen ist trotzdem geeignet, einen kleinen Eindruck von der
Atmosphäre im Seminar und von dem, um was es geht, zu vermitteln.
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Seele and Geist
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