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der Was passiert - Andrews University

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D i e i n t e r n a t i o n a l e Z e i t s c h r i f t f ü r S i e b e n t e n - Ta g s - A d v e n t i s t e n
Apr i l 2011
Was passiert
nach
der
Taufe?
14
Was wir von zwei
Missionsstationen
lernen können
24
Das seltsame
Leben einer
falschen Prophetin
27
Die verheißene
Gabe empfangen
Apr il 2011
K I R C H E
I N
A K T I O N
Aus meiner Welt................. 3
Aktuelles aus aller Welt
3 Nachrichten und Meinungen
K N EG E L ST E I N
8
J E N I E N N E
Blick in die Welt
Jung und bereit
G E S U N D H E I T
Cholera ...............................11
Von Allan R. Handysides
und Peter N. Landless
T I T E LT H E M A
Was passiert nach der Taufe?
Von Wilona Karimabadi .............................................................. 16
Nach der Hochstimmung bei unserer Taufe kommt
unausweichlich der Alltagstrott.
F R A G E N
A N D A C H T
Von Angel Manuel Rodríguez
Jesu erstes Passa Von Oliver Jacques ...................................... 12
Z U R
B I B E L
Er wurde
hinweggenommen ..........26
Wie viel wusste Jesus und wann wusste er es?
G E L E B T E R
G L A U B E
Was wir von zwei Missionsstationen
lernen können Von Nancy Weber Vyhmeister........................ 14
Was bleibt von uns?
B I B E L S T U D I U M
Die verheißene
Gabe empfangen ..............27
Von Mark A. Finley
G L A U B E N S Ü B E R Z E U G U N G E N
Die Taufe – mehr als nur Worte
Von Marcus B. Witzig................................................................... 20
G E M E I N D E
Die Wirklichkeit der Wiedergeburt erfahren
A U S T A U S C H
E L L E N
W H I T E
E N T D E C K E N
Wachet und Betet Von Ellen G. White .................................. 22
I M
29 Leserbriefe
30 Gebetsanliegen
31 Mit Gott erlebt
Wir brauchen Nahrung für unsere Seele.
Leserforum ........................32
A D V E N T G E S C H I C H T E
Das seltsame Leben einer falschen Prophetin
Von Michael W. Campbell............................................................ 24
Ihr Tun entsprach nicht der Gabe, die sie für sich in Anspruch nahm.
Titelseite:
Die Taufe ist der Anfang eines neuen
Lebens in Christus – nicht das Ende.
T O D D
2
Adventist World | April 2011
G E S S E L E / A D V E N T I S T
M I S S I O N
Kirche in Akti n
A U S M E I N E R W E LT
Umkehr und Rückkehr
I
E D
W A R D
ch freue mich immer, wenn ich etwas von Freunden höre, doch
diese Nachricht erfreute mich mehr als die meisten anderen.
Ein Glaubensbruder, mit dem ich vor langer Zeit ein gutes Team
gebildet hatte – ich als Pastor, er als Ältester – schrieb mir vor
sechs Monaten und bot mir eine Gelegenheit an, an der kein Pastor vorübergehen kann. Er fragte, ob ich bei der Wiedertaufe seiner Tochter mitwirken würde, die ich 20 Jahre zuvor getauft hatte,
als sie noch ein Teenager war.
Ihre Geschichte war bitter und dennoch nicht ungewöhnlich:
Da war eine begeisterte Entscheidung für Christus, die in ihren
späten Teenagerjahren und als junge Erwachsene abkühlte, bis sie
ein Leben führte, das weit von Gott entfernt war. Doch der Geist
Gottes ging ihr unermüdlich nach und ihre Freunde und Familienangehörige gaben sie nicht auf, so dass sie nun nach einem Umweg
von zwanzig Jahren wieder auf den richtigen Weg zurückgefunden
hatte. Aufgeregt, nervös und durch Gottes Gnade berührt, hatte sie
gefragt, ob ich zurückkommen könne, um wieder dabei zu sein,
wenn sie erneut Christus als ihren Herrn und Heiland bekannte.
Das Wasser im Taufbecken war an jenem Sabbat im Januar
ungewöhnlich warm, als wollte es einen Gegenpol zu dem Sturm
bilden, der vor den Fenstern der Kapelle heulte. „Heftige Schneestürme“ hatten die Meteorologen angesagt. Die eisige Luft und die
Schneewehen erinnerten uns daran, dass gute Entscheidungen nicht
immer von Sonnenschein und wolkenlosem Himmel begleitet sind.
Doch Gott sei es gedankt, war das Wasser nicht das Einzige, was in
dieser Gemeinde warm war. Ich habe selten so zuversichtlich wie an
jenem Sabbat einen gläubigen Menschen den Armen der Gemeinde
Gottes übergeben. Wenn sich je eine Gemeinde einer Taufe zugewandt hat, dann war es diese. Wenn je ein verlorenes Schaf in der
Herde willkommen geheißen wurde, dann an diesem Tag. Ich habe
voller Freude dabei gestanden – als Zeuge, wenn man will –, wie eine
Gemeinschaft von Gläubigen ganz bewusst darauf achtete, dass ein
Mensch, der wieder neu zum Glauben gefunden hatte, auch wieder
neu in die Gemeinschaft aufgenommen wurde. Älteste, Diakone,
Familienangehörige, Freunde – alle versammelten sich beim
gemeinsamen Essen nach der Taufe um sie und brachen das Brot mit
einer Freude, die herzzerreißend schön zu beobachten war.
So wächst das Reich Gottes: eine gute Entscheidung nach der
anderen, ein Herz nach dem anderen, das durch die Gnade und
freundliche Zuvorkommenheit
der Menschen, die mit Gott
leben, wieder erweckt wird.
Wenn ihr in dieser Ausgabe
Geschichten von Erweckungen
lest, dann nehmt euch fest vor,
dass eure Gemeinde ein Ort ist,
an dem Menschen willkommen
sind, die Gott zu sich ruft –
oder erneut zu sich ruft.
— Bill Knott
WORLD REPORT
Immer mehr Laienmitglieder bezeugen in Europa aktiv
ihren Glauben Ted Wilson spricht bei ASI-Tagung im Juni
Von Mark A. Kellner, Nachrichtenredakteur
N Adventistische „Laienmitglieder“ werden überall in Europa immer aktiver bei
der Verkündigung des Evangeliums. Dieser
Erfolg wird im Juni gefeiert werden, wenn
Mitglieder des Vereins adventistischer
selbstunterhaltender Institutionen, Unternehmen und Missionsgruppen (ASI) aus
Europa zu einem viertägigen Kongress in
Konstanz am Bodensee, dem größten See
Deutschlands, zusammenkommen werden.
„Wir werden zum ersten Mal den Präsidenten der Generalkonferenz unter uns
haben“, sagte Ángel Duo, seit zwölf Jahren
ASI-Mitglied und seit 2008 Präsident von
ASI-Europa. Als Exporteur für Chemikalien in Elche (Alicante, Spanien) ist er
auch Präsident von ASI-Spanien.
Der Besuch von GK-Präsident Ted N.
C. Wilson ist laut Duo „sehr wichtig, weil
wir an Evangelisationen für Laien gearbeitet haben. Und so werden wir Berichte
darüber hören, welche Fortschritte es bei
der Ausbildung von Laien für die Evangelisation mit dem New Beginnings-Material
gibt. Dieses Material benutzen wir als
Hilfsmittel für kleine Gruppen.“
Hauptredner beim Kongress in Konstanz ist Duo zufolge John Bradshaw, seit
kurzem Direktor und Sprecher für It Is
Written [ein TV-Evangelisationsdienst aus
den USA].
Weiter sagte Duo: „In ganz Europa
sind Tausende Menschen ausgebildet worden und wir erwarten Berichte von allen
Delegierten … Von diesen Ausbildungen
und Programmen – auch für junge Leute
–, die überall in Europa entwickelt worden
sind, zu hören, wird sicher sehr interessant.“
Obwohl die Kirche der SiebentenTags-Adventisten Europa als erstes Missionsfeld außerhalb von Nordamerika
wählte, sieht sich die Kirche in diesem
April 2011 | Adventist World
3
Kirche in Akti n
A U S A L L E R W E LT
Besucher der Satellitenevangelisation von It Is Written in Rom im Jahr 2010,
wie sie bereits in der Juli-Ausgabe 2010 von Adventist World abgebildet
waren. Laut Ángel Duo, Präsident von ASI-Europa, kamen 40 Prozent der
Besucher aufgrund der Freundschaftsevangelisation im Vorfeld, bei der die
Gemeindeglieder Kontakt zu ihren Nachbarn aufbauten.
I I W
Gebiet in den letzten Jahren einigen Herausforderungen gegenüber. Die Postmoderne, die den größten Teil Westeuropas
und seine traditionellen Kirchen überschwemmte, hat ihre Spuren auch im
Adventismus hinterlassen: Wenn moderne
Europäer keine Notwendigkeit für Gott
sehen, kann es eine Herausforderung sein,
ihnen etwas vom Glauben zu erzählen.
Duo erklärt, dass die Mitglieder von ASIEuropa – hauptsächliche Geschäftsleute,
die „Christus auf dem Marktplatz des
Lebens … bezeugen“ – daran arbeiten,
dieser Herausforderung zu begegnen.
Dabei besteht ihr Einstieg in der adventistischen Gesundheitsbotschaft, für die
unsere gestresste Gesellschaft offen ist.
„Es ist nicht so leicht, seinen Glauben
in solch einer Umgebung zu bezeugen,
aber wir merken immer mehr, dass es
Menschen gibt, die vom Heiligen Geist
berührt werden“, sagte Duo in einem Telefoninterview. „Wenn man beginnt, mit
4
Adventist World | April 2011
P H OTO
kleinen Gruppen zu arbeiten, und Menschen durch die Gesundheitsbotschaft
anzieht, trifft man auf offene Türen. Man
muss sehr sensibel vorgehen.“
Und er fügte hinzu: „Man kann durch
die Gesundheitsbotschaft tatächlich mit
Menschen in Verbindung kommen.“
Eine weitere wichtige Aktivität – insbesondere im Vorfeld von Evangelisationen
wie „Die Offenbarung verkündigt Frieden“, die im Februar 2010 in Rom abgehalten wurde –, sind laut Duo Freundschaftsevangelisationen, in denen die
Gemeindeglieder ihre Freunde und Nachbarn zu Hausbibelkreisen einladen.
„Durch Freundschaft ist es möglich.
Das ist die Methode, die wir anwenden
müssen. … Wir müssen Laien dazu ausbilden, dass sie Freunde gewinnen, kleine
Gruppen bilden, Freundschaften pflegen
und dann ihren Glauben bezeugen“,
erklärte Duo. Er fügte hinzu, dass diese
Bemühungen – unterstützt durch die DVD-
Bibelstundenserie New Beginnings – für 40
Prozent der Besucherzahlen bei der Veranstaltung in Rom verantwortlich waren.
Duo erklärte, dass die Herausforderungen für ASI-Europa denen ähneln, vor
denen auch die beiden Verwaltungseinheiten unserer Kirche stehen, in deren Wirkungsbereich die Organisation tätig ist: die
Transeuropäische Division und die EuroAfrika-Division. In den europäischen
Gebieten dieser Divisionen wächst die Gliederzahl in den weniger wohlhabenden Ländern, während viele Länder in Westeuropa
und Skandinavien ihre Mitgliederzahlen nur
durch den Zuzug von Gemeindegliedern
aus anderen Teilen der Welt halten können.
„Durch unsere regionalen Verbände
sehen wir, dass die ASI-Bewegung in manchen Ländern Europas stärker ist als in
anderen“, sagte Duo. „Nicht überall findet
man gleich viele Unternehmer. In Spanien
oder Portugal, wo man [mehr] Geschäftsleute findet, bedeutet es etwas anderes, Mitglied zu sein.“ Allerdings, so Duo weiter,
seien regionale ASI-Verbände „in 15 Ländern Europas etabliert und die Zahl steigt“.
Im Großen und Ganzen ist Duo optimistisch, was das Wachstum der SiebentenTags-Adventisten in Europa angeht. Er
sagt: „Unsere Organisationen nehmen in
Europa zahlenmäßig zu und erreichen
immer mehr Menschen. Außerdem werden
sie immer größer. Gleichzeitig ändert sich
auch die Art und Weise, wie diese Organisationen – insbesondere auch ASI – von
den Verantwortlichen unserer Kirche
wahrgenommen werden, deutlich. Man
akzeptiert heute, dass sie eine bedeutende
Unterstützung der Kirche darstellen.“
Weiter erklärte Duo: „Unsere Beziehung
zu beiden Divisionen ist ausgezeichnet. Wir
merken, dass die Organisationen immer
aktiver werden und immer mehr Unterstützung von den Kirchenleitungen erhalten.
Großartige Dinge werden bald geschehen.
Wir sind auf dem richtigen Weg. Es gibt
viele Herausforderungen, aber wenn wir
zusammenarbeiten, habe ich keine Zweifel,
dass wir vorankommen werden.“
A U S A L L E R W E LT
Wochen, die es dauerte, die 180 Übergangshäuser in Collectivité Marie de Carrefour zu bauen.
Bis heute hat ADRA in Carrefour und
Petit Goave 2.680 Übergangshäuser für
Familien bereitgestellt.
Die Familien wurden einzeln aufgerufen und erhielten die Nummer ihrer Übergangshäuser. Doch zuvor forderte der Bürgermeister von Carrefour, Yvon Jérôme,
Hunderte Menschen, die sich bei dem Dorf
versammelt hatten, im Schein der untergehenden Sonne auf, dankbar zu sein.
„Ein Wesen schuf Himmel und Erde
und alle Dinge, und wir müssen zuallererst
Gott für das danken, was er getan hat“, so
Jerôme wörtlich. „Wir sind nicht besser als
die Menschen, die gestorben sind. Seid
dankbar. Heute Abend können nicht alle
eine Behelfsunterkunft bekommen, aber wir
danken ADRA für das, was sie getan haben.“
Auch Fritz Bissereth, Direktor von
ADRA Haiti, sprach von einer erhöhten
Bühne aus zu den Menschen. Er betonte,
dass ADRA für Menschen in Not da ist.
„Wir freuen uns, wenn wir noch mehr
Menschen helfen können. Habt Geduld.
Wir werden euch nicht vergessen. ADRA
ist hier, um euch zu helfen. Es gibt noch
viel mehr zu tun.“ Während Bissereth
sprach, rief die Menge in Sprechchören:
„ADRA, ADRA.“ Dann wurde das neue
Dorf, das unter anderem mit solarbetrie-
Adventisten weiterhin maßgeblich am
Wiederaufbau Haitis
beteiligt
Ein Jahr nach dem Beben ist ein
Zuhause weg von der Straße ein Fortschritt
Hütte wird das neue Heim für ihn und
seine Frau, ihre zwei kleinen Kinder und
zwei weitere Verwandte.
„Ich bin so glücklich und Gott dankbar,
dass ich jetzt solch eine großartige Unterkunft habe“, sagt Milo, der seit dem Erdbeben obdachlos war. Er berichtet, dass er
sich am 12. Januar 2010 nicht wohl fühlte
und mit einem Freund in ein Geschäft
ging, als das Erdbeben zuschlug. Als er
nach Hause kam, fand er alles zerstört vor.
„Ich verlor viele Familienmitglieder
und habe seither unter einer blauen Plastikplane auf dem Grünstreifen gewohnt.
Jetzt muss ich mir keine Gedanken mehr
darüber machen, dass der Regen unter
meine Plane läuft“, sagt er.
Chantal und Milo stehen stellvertretend für 180 Familien, die nach Collectivité
Marie de Carrefour, einer neuen, kleinen
Siedlung mit Blick aufs Meer, die die
Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) mit Hilfe ihrer
Spender errichtet hat, ziehen werden.
„ADRA hat mit dem Büro des Bürgermeisters in Carrefour zusammengearbeitet, um diese Siedlung aus Übergangshäusern zu errichten, damit einige Familien,
die auf dem Mittelstreifen lebten, dort
einziehen können“, erklärte Paulo Lutke,
ADRA Notfall-Koordinator. Lutke zufolge
entstand das Dorf aus Resten von Material,
mit dem andere Unterkünfte gebaut worden waren. Er beaufsichtigte und koordinierte die Bauarbeiten während der drei
L I B N A
O
bwohl die Sonne noch nicht aufgegangen ist, lehnt Chantal Petit
Homme bereits mit zwei Freunden an einer 14 Quadratmeter großen
stabilen Holzhütte mit der Nummer 35.
Erst bei Tagesanbruch kann sie Nummer
35 beziehen und so steht sie vorerst hier
mit ihren Freunden und passt auf. Und
das aus gutem Grund. Bis November 2010
wohnte Chantal (42) mit ihren Kindern
auf dem Mittelstreifen einer Straße im
Stadtteil Carrefour in Port-au-Prince
(Haiti). Nun, ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben, bei dem ihr eigentliches
Zuhause zerstört wurde, hat Chantal die
Möglichkeit, ihr Leben neu zu beginnen.
Mit dem Einzug in ihr neues Zuhause
geht für ihre Familie ein Traum in Erfüllung, sagt sie. „Ich bin so glücklich und
fühle mich viel besser. Im Zelt konnte man
kein normales Leben führen.“ Die alleinerziehende Mutter von Kindern zwischen 21
Jahren und 8 Monaten berichtet, dass sie
ihre Familie überstürzt von ihrem Zelt wegbringen musste, nachdem nur einige Zelte
weiter jemand an Cholera gestorben war.
Nun hofft sie, dass ihre Familie sich bald
eingewöhnt und sie wieder ein normales
Leben führen können. Sie möchte wieder
Lebensmittel auf dem Markt verkaufen, um
ihre Familie zu versorgen, wie sie es auch
schon vor dem Erdbeben getan hat.
Auch Frenel Milo (23) steht bei seiner
Holzhütte. Er hat die Hütte Nummer 15
bekommen. Die türkisfarben gestrichene
S T E V E N S / I A D
Von Libna Stevens, stellvertretende Leiterin der Kommunikationsabteilung
der Mittelamerikanischen Division, in Port-au-Prince (Haiti).
Chantal Petit Homme mit zwei Freunden
vor ihrem neuen Zuhause in der neuen
Siedlung von Übergangshäusern, die von
ADRA gebaut wurde.
April 2011 | Adventist World
5
Kirche in Akti n
A U S A L L E R W E LT
benen Straßenlaternen, einer Wasserstation und Dutzenden Latrinen versehen ist,
mit einem kurzen Gebet feierlich eingeweiht.
Die 180 Familien erhielten nicht nur
die hölzernen Hütten mit einem Zementboden, einer Tür und zwei Fenstern, sondern jeweils auch eine komplette Ausstattung, bestehend aus Töpfen und Geschirr,
Decken, dünnen Schaumstoffmatratzen
und Wasseraufbereitungsbehältern. Mit
den ADRA-Verantwortlichen und den
regionalen Führungskräften der Kirche der
Siebenten-Tags-Adventisten feierten die
Menschen bei einem ganztägigen Fest ein
Jahr nach dem Erdbeben die Tatsache, dass
sie überhaupt am Leben waren.
Hunderte Familien nahmen an einem
speziellen Programm auf dem Gelände des
ADRA Haiti Büros teil, bei dem es besondere Hoffnungsbotschaften und Musikvorträge gab. Außerdem kamen einige
derjenigen zu Wort, die eine der neuen
Hütten erhalten hatten, und es wurde über
die Arbeit von ADRA in Port-au-Prince
und in Haiti allgemein berichtet.
Theart St. Pierre, Präsident der Kirche
der Siebenten-Tags-Adventisten in Haiti,
sagte in seiner Rede: „Gott ist treu und
wischt die Tränen von unseren Augen. Er
ist treu und hilft uns, das Erdbeben zu
überwinden. Heute ist eine wunderbare
Gelegenheit, den Männern und Frauen zu
danken, die aus der ganzen Welt gekommen sind, um mit ADRA zusammenzuarbeiten und uns zu helfen.“
Als Teil eines weiteren der zahlreichen
Projekte zum Nutzen der Bevölkerung
erhielten Dutzende Kinder [Schul-]Uniformen und Rucksäcke mit Schulutensilien
von Leitern der Kirche, dem Bürgermeister
und ADRA-Repräsentanten.
ADRA berichtete von Projekten, die
bis Ende 2010 mit der Unterstützung
durch ein Netzwerk von etwa 23 Ländern
in Nordamerika, Europa, Asien und dem
Südpazifik fertiggestellt werden konnten.
Andere Partnerorganisationen führten
zusammen mit ADRA Hunderte Projekte
durch. So betreiben sie unter anderem ein
6
Adventist World | April 2011
Camp für Menschen, die durch das Erdbeben obdachlos geworden sind. Dieses
Camp befindet sich auf der Haiti Adventist
University; mehr als 20.400 Menschen fanden nach dem Erdbeben auf dem knapp
17 Hektar großen Campus Zuflucht.
Jetzt gibt es in dem Camp für die
durch das Beben obdachlos gewordenen
Menschen noch etwa 400 Familien, die
Bissereth zufolge im Februar 2011 ein
neues Zuhause bekommen sollen.
Die folgende Liste fasst die ADRAAktivitäten im vergangenen Jahr kurz
zusammen:
Leitung eines Camps
N ADRA leitete ein Camp mit mehr als
20.000 obdachlosen Haitianern in Carrefour, im Bezirk Port-au-Prince.
N Dazu gehörte die Ausbildung von Verantwortlichen und Beratern vor Ort, das
Sorgen für Sicherheit, das Bereitstellen von
Wasser sowie das Durchführen von
Gesundheits- und psychosozialen Programmen und die Verteilung von Lebensund anderen Hilfsmitteln.
Wasser
N Unmittelbar nach dem Beben sorgte
ADRA in Zusammenarbeit mit der kanadischen Hilfsorganisation GlobalMedic in
Carrefour mithilfe von 64 Wasseraufbereitungsanlagen – 62 davon mobil – täglich für
mehr als 130.000 Liter sauberes Trinkwasser.
N Mobile Einheiten wurden täglich an
etwa 50 verschiedenen Stellen in Carrefour, Port-au-Prince, Jacmael und Cap
Haitien aufgestellt.
N Zusätzlich wurden fünf Millionen Wasseraufbereitungstabletten, 110.000 Wasseraufbereitungsbeutel, 55.000 Päckchen mit
oralem Rehydrationssalz und 86.000 von
UNICEF gespendete Aquatabs verteilt.
Seit dem Erdbeben hat ADRA mehr als 18
Millionen Liter Wasser aufbereitet.
N Noch immer werden in dem von ADRA
geführten Camp in Carrefour täglich fast
50.000 Liter Wasser mit dem Wasseraufbereitungssystem Nomad aufbereitet und zur
verfügung gestellt.
Nahrungsmittel
N In Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen
(WFP) verteilte ADRA zwischen Januar
und März 2010 4.802 Tonnen Lebensmittel an mehr als 776.000 Personen.
N Eine Spende von 16,5 Tonnen Babynahrung aus Deutschland wurde verteilt.
Andere Gebrauchsgüter
N Mehr als 50.000 Non-Food-Artikel wurden von ADRA an die Überlebenden des
Erdbebens verteilt, darunter Schuhe, Hygienesets, Kanister, Küchengeräte, Werkzeug,
Solarlampen, Plastikplanen, Medikamente
und Taschenlampen. Außerdem sollen in
weiterer Folge noch Matratzen, Decken
und Moskitonetze verteilt werden.
Sanitäre Anlagen und
Hygieneartikel
N In sechs Camps wurden insgesamt 75
Latrinen für mehr als 3.000 Familien
gebaut. 86 Personen, die die Latrinen aushoben, konnten so außerdem im Rahmen
von „Cash for Work“1 Programmen
bezahlt werden.
N In acht Camps wurden von ADRA
95 neue Badeplätze eingerichtet und
ein bestehender Badeplatz saniert, was
7.241 Familien zugutekommt.
N Von Mitte März bis Ende Juni 2010
sicherte ADRA die Unterstützung von
UNICEF zur Bereitstellung von 221 mobilen Latrinen inklusive der täglichen Entleerung. Im Juli erhielt ADRA über
UNICEF 150 mobile Latrinen von der
Clinton Foundation.
N Ein Team von 50 Arbeitern – alle
Bewohner des Camps – reinigten die sanitären Einrichtungen zweimal täglich.
N ADRA baute zwei massive Müllgruben
und stellte ein Team von 50 Arbeitern aus
dem Camp an, um täglich den Müll zu
sammeln und wegzubringen.
N In acht „Cash for Work“ Programmen
erhielten 169 Personen eine Unterstützung
für ihren Lebensunterhalt.
N Etwa 15 LKW-Ladungen Müll wurden
aus dem Camp abtransportiert.
N Sieben Camps erhielten Geräte zur
Lagerreinigung.
N Insgesamt 35 Einrichtungen zum
Waschen von Wäsche wurden errichtet.
N ADRA baute eine Brücke, die es für die
Einwohner des Camps sicherer und leichter macht, zur Wasseraufbereitungsanlage
zu gehen, um gefiltertes Wasser zu holen.
Gesundheit
N Zwischen Januar und Mitte April 2010
betrieb ADRA im Carrefour-Camp zwei
Kliniken für medizinische Erstversorgung,
eine mobile in einem Zelt und eine in
einer Grundschule. In diesem Zeitraum
wurden mehr als 7.000 Menschen behandelt. Ende April wurden die beiden Kliniken zusammengelegt, seither wurden dort
mehr als 5.500 Patienten behandelt.
N In einer einmonatigen Impfaktion
führte ADRA Impfungen an mehr als
120.000 Kleinkindern, Kindern und
Erwachsenen durch. Die Impfstoffe wurden von der Weltgesundheitsorganisation
zur Verfügung gestellt.
N In insgesamt zwölf bestehenden Zonen
im Camp in Carrefour stationierte ADRA
Gesundheitsfürsorgerinnen, um zwischen
leichteren und schwereren Erkrankungen
zu unterschieden, Mangelernährung bei
Kindern zu erkennen und Mütter über Stillen und optimale Ernährung aufzuklären.
N In einem Projekt zur Vorbeugung von
Cholera wurden Personen aus Carrefour
in Präventiv- sowie Akutmaßnahmen zur
Behandlung der Krankheit ausgebildet.
Psychosozial
N Zwischen Februar und Anfang April
2010 betrieb ADRA im Carrefour-Camp so
genannte „Child Friendly Spaces“ (CFS)2,
in denen täglich 200 Kinder betreut wurden. In einem zweiten Schritt wurden 220
Kinder in zwei weiteren Camps betreut.
N ADRA suchte nach Kindern, die ihre
Angehörigen verloren haben, und nach
Familien, die bereit sind, für diese Kinder
zu sorgen.
N Im Mai 2010 wurde in zwei zusätzlichen
Camps in Carrefour, in denen ADRA
„Child Friendly Spaces“ unterhält, ein
Ausbildungsprogramm für MitarbeiterInnen durchgeführt.
N Von Februar bis April 2010 arbeitete ein
Team im Carrefour-Camp, um nach dem
Prinzip des Peer Counseling3 Familien in
posttraumatischen Fragen zu beraten. Ein
weiteres Team von Psychologiestudenten
höherer Semester bot Familien psychologische Beratung an.
Bildung
N An 13 Bildungseinrichtungen richtete
ADRA 30 Zelt-Klassenzimmer ein, diese
wurden mit 301 Schultischen und 101
Tafeln ausgestattet. Insgesamt wurden 4.845
Sets mit Schulutensilien an Schüler verteilt.
N Von Juni bis August 2010 nahmen 250
Kinder und Jugendliche im CarrefourCamp, die nicht zur Schule gehen, an einer
Art Grundschulunterricht am Nachmittag
teil. ADRA stellte Zelte, Bänke, Uniformen
sowie Schulbedarf zur Verfügung.
N In Carrefour wurde Informationsmaterial verteilt, das unter anderem die richtige
Verwendung von Moskitonetzen oder das
Abdichten von Notunterkünften zum
Schutz vor eindringendem Wasser erklärte
sowie über Fakten im Zusammenhang mit
dem Erdbeben informierte.
N Mehr als 120 Erwachsene nahmen zwischen Juni und August 2010 an einem Programm teil, in dem sie lesen, schreiben
und rechnen lernten.
Unterkünfte
N In ganz Haiti stellte ADRA 900 Familien-zelte zur Verfügung, 453 davon in
Carrefour.
ADRA ist seit mehr als 30 Jahren in
Haiti tätig und fühlt sich den Menschen
dort und dem Aufbau des Landes verpflichtet. Darüber hinaus haben sich Siebenten-Tags-Adventisten auf der ganzen
Welt ebenfalls an der Hilfe für Haiti beteiligt. In Florida unterstützen die Mitglieder
und die Verantwortlichen der Südost-Vereinigung (Southeastern Conference, SEC)
nach wie vor die Bemühungen zum Wiederaufbau Haitis.
Eine Woche nach dem Erdbeben
schickte die Vereinigung, in der viele
Gemeindeglieder aus Haiti stammen, ein
Team von 41 Personen mit medizinischer
Ausbildung in das betroffene Gebiet. Im
Auftrag von SEC-Präsident Hubert Morel
und unter der Leitung von David Peay,
dem Leiter für die Abteilung Katastrophenhilfe, sowie Nicolle Brisé, der Leiterin
für die Abteilung Frauendienste, leistete
das Team den Erdbebenopfern medizinische Hilfe. Insgesamt reisten sieben Teams
mit 151 medizinisch ausgebildeten Personen nach Haiti.
Brisé war sieben Mal in Haiti. Zurzeit
leitet sie ein Projekt zum Wiederaufbau der
Geburtsabteilung des adventistischen
Krankenhauses und zur Beschaffung von
Geldmitteln, um die Gehälter des medizinischen Personals des Krankenhauses für
ein Jahr zu sichern. Jean-Allah Monestine
leitet in der SEC die Abteilung für die
Haiti-Mission. Er war zweimal in Haiti, um
den Wiederaufbau zweier Adventkapellen
in der Erdbebenregion durchzuführen.
Peay reiste dreimal nach Haiti. Er und
Gerly Germain, der Pastor der Bethanie
French-Gemeinde in Tampa (Florida),
führten eine Kampagne an, durch die vier
Schiffscontainer voll Hilfsgüter von der
Vereinigung nach Haiti geschickt werden
konnten. Darunter war die Ausstattung
von drei Behandlungsräumen einer Zahnklinik, die im adventistischen Krankenhaus in Haiti eingerichtet wird.
Das adventistische Florida Hospital half
der SEC, indem sie das medizinische Material für die Teams der Vereinigung zur Verfügung stellte. Auf zwei Reisen nach Haiti
unterstützte die Südatlantik-Vereinigung die
Südwest-Vereinigung mit finanziellen Mitteln, Hilfsgütern und Freiwilligen.
1 Die Bewohner arbeiten beim Wiederaufbau mit und erhalten dafür
einen Lohn.
2 „Child Friendly Space“ ist ein in der Entwicklungs- und Katastrophenhilfe neuer Begriff für Einrichtungen, in denen Kindern in
Krisensituationen psychosozial, geistlich und körperlich geholfen
wird.
3 Im Peer Counseling kommen eigene Betroffenheit und Ausbildung
des Betroffenen zum Tragen. (Alle Erklärungen durch die Übersetzerin)
April 2011 | Adventist World
7
Kirche in Akti n
B L I C K I N D I E W E LT
Jung &
bereit
Junge Erwachsene fördern und für Leitungsaufgaben vorbereiten
Von Ted N. C. Wilson
V
or mehr als 100 Jahren schrieb
Ellen White: „Mit solch einem
Heer von gut ausgebildeten
jungen Menschen könnte die
Botschaft vom gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden Christus in
kurzer Zeit in alle Welt getragen werden.“
Wenn es je eine Zeit gab, in der die
Gemeinde die Energie und Kreativität der
„Armee“ brauchte, die Ellen White vor
Augen hatte, ist es heute. Junge Erwachsene
in der Gemeinde zu halten, zu fördern und
im Dienst einzubinden, ist nicht nur die
Aufgabe des Pastors oder Jugendleiters. Was
können wir als Einzelne und als Gemeinde
tun, um die Führungskräfte und Leiter von
morgen schon heute einzubeziehen?
Mentor sein
Jeder von uns kann sich für die
Jugendlichen und jungen Erwachsenen
interessieren. Wir sollten sie kennenlernen
8
Adventist World | April 2011
und ansprechbar für sie sein. Wenn Eltern
wirklich christliche Eltern sind und sich
mit ihren Kindern identifizieren können,
werden sie die besten Mentoren, aber sie
sind es nicht allein. Ich hatte wunderbare
Eltern, wunderbare Christen in ihrem
Glauben und ihrer Übergabe an Christus,
die sich auch für mich ein erfülltes geistliches Leben wünschten. Aber es bedurfte
mehrerer Einflüsse und verschiedener Personen, um mir als jungem Erwachsenen zu
helfen, meine eigene Meinung und Weltsicht zu entwickeln. Hier ist ein beständiges Angebot an Mentoren nötig, um zu
helfen. Dazu kann ein Pastor oder ein
guter Freund gehören. In meinem Fall
übte jemand, der sich einfach für mich
interessierte, als wir bei einer Evangelisation zusammenarbeiteten, einen tiefen
Einfluss auf mein geistliches Leben aus.
Wenn junge Erwachsene nach einem
Mentor suchen, werden sie damit wahrM A R T I N
B O U L A N G E R
scheinlich bei ihren Eltern anfangen. Aber
dann werden sie ihre Suche auch auf Personen ausdehnen, die sie für authentische,
demütige Christen halten, von denen sie
etwas lernen können. Wenn sie sich an
solch eine Person wenden, möchten sie
nicht belehrt werden, sondern ein offenes
Ohr und echten Austausch finden. Zu den
wichtigsten Dingen im Umgang mit jungen Erwachsenen gehört offene Kommunikation, die ständige Bereitschaft zu
reden, sich auszutauschen und zuzuhören.
Bei mir selbst war es so, dass mein
Vater häufig auf Reisen und nicht sehr oft
zuhause war. Aber wenn er zuhause war,
war er immer bereit, mir zuzuhören und
mir einen Rat zu geben. Er schickte mich
nie weg. Er handelte sehr bewusst. Als
Eltern müssen wir sehr bewusst die Beziehung zu unseren Kindern entwickeln,
damit sie wissen, dass sie immer zu uns
kommen können und bei uns Bestätigung
finden werden. Ich kann mich daran erinnern, wie meine Eltern – insbesondere
mein Vater – mir sagten: „Ich glaube an
dich.“ Wenn junge Erwachsene diese Art
von Bestätigung bekommen, hilft ihnen
das nicht nur sozial, sondern auch geistlich.
Sie haben dann eine Grundlage, auf der sie
ihre eigene Beziehung zu Gott finden können. Sie müssen wissen, dass es immer
jemanden gibt, zu dem sie kommen können, der ihnen wirklich helfen will.
Diese Aufgabe der Eltern gilt auch für
diejenigen unter uns, die nicht Eltern sind,
und schließt auch die jungen Erwachsenen
ein, die nicht unsere leiblichen Kinder
sind. Jeder von uns sollte als Teil der
Gemeindefamilie bereit sein, sich für die
Rolle eines potentiellen Mentors zu öffnen.
Wenn wir mit jungen Erwachsenen zu tun
haben, sollten wir uns die Mühe machen,
ihre Namen zu kennen. Wir können aktiv
Gelegenheiten suchen, sie zu ermutigen.
Wenn wir sie bestärken, tragen wir dazu
bei, dass sie sich als Teil der Familie fühlen.
Das wird sich auf die jungen Erwachsenen
auswirken und in dem Maße, in dem sie
sich zur Familie gehörig fühlen, wird die
Gemeinde zu ihrer Gemeinde werden.
Möglichkeiten zum Dienst
schaffen
Im Allgemeinen ist für die meisten
Leitungsaufgaben Erfahrung erforderlich
und gerade davon haben junge Erwachsene noch nicht allzu viel. Wenn wir
unsere Mission ernstnehmen, müssen wir
– angefangen von der Ortsgemeinde bis
hin zu allen Organisationen – Mentoren
für unsere jungen Erwachsenen sein und
sie in ein Fahrwasser bringen, in dem sie
mit Personen in Kontakt kommen, die
Erfahrung haben. Unsere Kirche wurde
von jungen Erwachsenen gegründet und
ihre Aufgabe wird auch von jungen
Erwachsenen abgeschlossen werden, die
für den Herrn brennen und mit denen
zusammenarbeiten, die Erfahrung haben
und die Wiederkunft Jesu nicht aus den
Augen verloren haben.
Ich kann mich erinnern, dass ich mit
einigen anderen in einer Gemeinde als
Studenten-Ältester ausgewählt wurde. Das
hört sich vielleicht wie ein Widerspruch in
sich an, weil ein Gemeindeältester in der
Regel jemand mit Erfahrung sein sollte.
Aber meine damalige Ortsgemeinde hatte
den Weitblick, uns die Gelegenheit zu
geben, uns als „Studenten-Älteste“ und
„Studenten-Diakone“ eng mit Personen
zusammenarbeiten zu lassen, die bereits
viel Erfahrung besaßen, so dass wir von
ihnen lernen konnten. Das war eine
unschätzbare Gelegenheit, um Erfahrung
zu sammeln und Führungsqualitäten zu
entwickeln.
Vertrauen wir ihnen
Ich verdanke den Leitern der Gemeinde,
die ich in meiner Jugend besucht habe, sehr
viel dafür, dass sie viel in ihre jungen
Erwachsenen investiert haben. Heute sehe
ich die besondere Notwendigkeit, dass
Führungskräfte der Gemeinde auf allen
Ebenen sensibilisiert werden und ganz
bewusst junge Erwachsene einbeziehen. Sie
sollten sich für deren Meinung interessieren,
mit ihnen Umgang pflegen, ihnen verschiedene Aufgaben zuweisen und sie in Ausschüsse einbinden. Im Großen und Ganzen
sind junge Erwachsene gar nicht so sehr
daran interessiert, in einem Ausschuss zu
sitzen. Sie wollen viel lieber etwas tun. Die
Leiter müssen die jungen Erwachsenen so
aufstellen und ausrüsten, dass der Funke der
Vision von ihrer Mission überspringt. Vielleicht brauchen sie Hilfe und Anleitung bei
der Aufstellung eines Aktionsplanes. Aber
dabei wäre es wichtig, mit ihnen zusammenzuarbeiten, statt ihnen einen Plan aufzuzwingen. Und dann lasst sie ihren Plan
umsetzen. Leiter und Laien sollten darauf
vorbereitet sein, mit diesen jungen Erwachsenen zu arbeiten, um etwas für Gott zu tun.
Sie haben enorm viel Kreativität und Potential, Großes für Gott zu tun, besonders,
wenn sie mit Gott verbunden sind.
Was die Notwendigkeit betrifft, dass
wir selbst mit Gott verbunden bleiben, so
halte ich es für eine gute Idee für uns alle,
dass wir uns die Zeit nehmen, Gott für uns
persönlich um dieses umfassende Verständnis, den großen Überblick zu bitten,
wie wir persönlich und als Gemeinde in
die Ereignisse des Endzeitszenarios hineinpassen. Was bittet Jesus uns zu tun? Wie
können wir es am besten tun und wie
können wir mit anderen zusammenarbeiten – besonders auch mit jungen Erwachsenen –, um es umzusetzen?
Keine Angst vor Neuerungen
Junge Erwachsene im Team einzubinden und sie zu ermutigen, Führungsverantwortung zu übernehmen, mögen manche als beunruhigend empfinden. Es
besteht immer die Möglichkeit, dass junge
Erwachsene mit neuen Ideen die sprichwörtlichen Pferde scheu machen. Vergangene Erfahrungen lehren, dass es immer
Ted N. C. Wilson ist der
Präsident der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der
Siebenten-Tags-Adventisten und stolzer
Vater von drei erwachsenen Töchtern.
April 2011 | Adventist World
9
Kirche in Akti n
B L I C K I N D I E W E LT
Spannungen zwischen den Generationen
gegeben hat. Schaut man auf zurückliegende Jahrhunderte, so sieht man Beispiele
junger Generationen, die ihre Ideen für
besser hielten als die der älteren. Und
manchmal traf es zu. Doch diese Reibung
muss es im Leib Christi – der Gemeinde –
nicht geben. Erwachsene sollten keine
Angst davor haben, junge Erwachsene mit
einzubinden – insbesondere in praktischen
Bereichen des Dienstes. Wenn junge
Erwachsene anderen wirklich dienen,
ihnen praktisch helfen können, wird
schnell ihr Verständnis dafür wachsen,
dass auch in anderen Bereichen der
Gemeinde Erfahrung nötig ist.
Wir brauchen keine Angst vor Kritik
zu haben oder es als einen persönlichen
Angriff zu werten, wenn junge Erwachsene
herausfordernde Fragen stellen. Unser
Selbstwert sollte sich nicht auf Positionen,
Machtspiele oder das Festhalten am
dium der Wahl zu verbinden, macht unsere
Bildung zu etwas Besonderem.
Wenn es darum geht, jungen Erwachsenen zu helfen, Berufserfahrung zu erlangen, müssen wir uns immer wieder innovative Möglichkeiten überlegen, siebententags-adventistisch-christliche Bildung
erschwinglich zu machen. Junge Erwachsene sollten ermutigt werden, während
ihres Studiums zu arbeiten. Manche haben
den Eindruck, dass Studenten mit einem
Darlehen oder mit Eltern, die das Studium
finanzieren, den Vorteil haben, sich ganz
auf ihr Studium konzentrieren zu können.
Allerdings hilft sinnvolle Arbeit, einen
Ausgleich zur Lernerfahrung zu schaffen.
Natürlich sollten Studenten nicht so viel
arbeiten, dass sie ihre akademischen
Lehrinhalte nicht mehr aufnehmen können. Doch selbst wenn jemand genug Geld
für seine Ausbildung hat, ist das Entwickeln einer Arbeitsmoral ein wichtiger
anspricht und ihnen ganz genau erklärt,
warum sie etwas glauben sollen. Sie haben
auch gelernt, dass zwar viel versprochen,
aber nur wenig gehalten wird. Was junge
Erwachsene sehen wollen, ist ein Glaube,
der im persönlichen Leben eines Menschen etwas bewirkt.
Wenn wir bei verschiedenen Gelegenheiten in unseren Gemeinden von Erweckung und Reformation sprechen, besteht
die Gefahr, dass wir unsere jungen Erwachsenen und auch uns selbst unempfänglich
dafür machen, wenn alles nur theoretisch
bleibt. Erweckung und Reformation
bedeuten, dass wir enger mit Gott verbunden sind. Das muss daran sichtbar werden,
dass der Heilige Geist unser Leben verändert und wir Jesus ähnlicher werden. Paulus drückt es so aus: „Denn ihr sollt so
gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch
war.“ (Phil 2,5 SLT) Die Gesinnung Christi
muss durch die Kraft des Heiligen Geistes
Jeder von uns ist dazu berufen, eine enge,
wunderbare Beziehung zu Gott zu haben.
Gewohnten und Vertrauten gründen. All
das kann unseren Blick von dem großen
Ganzen der Endzeit ablenken, weil wir uns
auf uns selbst konzentrieren. Das eigene
Ich ist unser größter Feind – nicht nur in
den jungen Erwachsenen, sondern in
Menschen aller Altersgruppen.
Adventistische Bildung
unterstützen
Junge Erwachsene müssen in der Wirklichkeit bestärkt werden, dass sie Botschafter Gottes sind, ganz gleich, was sie tun und
wohin Gott sie auch führt. Jeder von uns ist
dazu berufen, eine enge, wunderbare Beziehung zu Gott zu haben, die der Antrieb zu
allem ist, zu dem Gott uns ruft. Junge
Erwachsene dürfen nicht mit einer mittelmäßigen Beziehung zur Gemeinde zufrieden sein. Hier kann adventistische Bildung
einen großen Unterschied machen. Bibelstudium und geistliche Dinge mit dem Stu-
10
Adventist World | April 2011
Bestandteil jeder Bildung. Es gibt Möglichkeiten, wie Gemeinschaft, Student, Eltern,
Ortsgemeinde und die Bildungseinrichtung mithelfen können, zu einer wunderbaren Glaubenserfahrung beizutragen und
trotzdem die Kosten gering zu halten, um
die Bildungserfahrung erschwinglich zu
machen. Siebenten-tags-adventistischchristliche Bildung muss als etwas ganz
anderes empfunden werden als die Bildung, die in säkularen Einrichtungen
angeboten wird – und sie muss es auch
tatsächlich sein. Unsere Bildung sollte
sowohl geistlich als auch akademisch die
finanzielle Investition wert sein.
Lass die Erweckung bei dir
beginnen
Die heutigen jungen Erwachsenen sind
in einer Welt aufgewachsen, die von Technik und Werbung dominiert wird. Sie sind
es gewöhnt, dass man sie emotional
in uns eingepflanzt werden, und dieser
Heiligungsprozess muss in unserem Leben
sichtbar werden. Jeder von uns muss überzeugt sein, dass wir durch die Gerechtigkeit
Christi ganz und gar gerechtfertigt sind.
Wir dürfen unseren jungen Erwachsenen durch das, was wir sagen oder tun, niemals den Eindruck vermitteln, wir würden
versuchen, uns den Himmel zu verdienen,
indem wir uns an eine Liste von Ge- und
Verboten halten. Das Wichtigste ist, dass
wir jede Gelegenheit wahrnehmen, die
Jesus uns gibt, so zu werden wie er. Der
effektivste Weg, um unsere jungen Erwachsenen in der Gemeinde zu halten und sie zu
fördern, besteht in der Bereitschaft, den
Heiligen Geist jeden von uns zu einem
„Werkstück“ machen zu lassen, an dem er
nach Belieben arbeiten kann. So können
wir gemeinsam das große Werk beenden,
für das wir als Kirche ins Leben gerufen
wurden.
G E S U N D H E I T
Cholera
Von Allan R. Handysides und Peter N. Landless
Warum gehören Seuchen wie die Cholera
zu den Auswirkungen von Katastrophen
wie das Erdbeben in Haiti?
C
holera ist eine äußerst schwere
Form einer Gastroenteritis, die
durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird und einen wässrigen
Durchfall verursacht. Häufige, große Mengen an Durchfall können den Körper rasch
austrocknen und zum Tod führen. Wegen
ihrer geringeren Körpergröße sind Kinder
besonders anfällig und besonders häufig
unter den Todesopfern zu finden.
Die häufigste Infektionsquelle ist verunreinigtes Wasser, da der Erreger gut im Wasser überlebt. Sobald ein Fall in einer Familie
aufgetreten ist, infizieren sich mit großer
Wahrscheinlichkeit auch die anderen Mitglieder des Haushalts. Eine weitere Infektionsquelle sind kontaminierte Lebensmittel;
wenn die sanitären Bedingungen mangelhaft sind, breitet sich Cholera aus.
Der Ausbruch von Cholera in Haiti
20101 war nicht erwartet worden, da es
dort lange Zeit keine Fälle von Cholera
gegeben hatte. Wie der Erreger nach Haiti
gelangte, ist noch nicht geklärt.
Der Zusammenbruch der Wasserversorgung und der Mangel an Kläranlagen
schaffen ideale Voraussetzungen für eine
Choleraepidemie.
Wie schnell sich die Cholera ausbreitet
und wie schwer sich die Krankheit auswirkt,
lässt sich daran erkennen, dass die ersten
Fälle in Haiti am 21. Oktober 2010 berichtet wurden; bereits am 19. November gab es
Fälle in allen Teilen des Landes. Bis zum 17.
Dezember waren 121.500 Fälle bekannt.
Die Auswirkung der Durchfallerkrankung
auf das erschütterte Land war gewaltig:
63.711 Menschen mussten in Krankenhäu-
sern behandelt werden, 2591 Tote waren zu
beklagen. Seither wird es durch die Übertragung der Krankheit durch Reisende in
die Nachbarländer Dominikanische Republik und den US-Bundesstaat Florida viele
weitere Fälle gegeben haben.
Der Schlüssel zur Behandlung aller
Durchfallerkrankungen ist der Flüssigkeitsersatz – im Fall der Cholera ist er
lebensrettend. Antibiotika wie Doxycyclin
und Ciprofloxacin verkürzen den Verlauf
und vor allem die Infektiosität der Erkrankung. Da jedoch nicht alle Fälle gleich
sind, mag eine Behandlung mit Antibiotika nicht immer notwendig sein.
Ganz wichtig ist es darauf hinzuweisen,
dass Personen, die ein Land besuchen, in
dem es die Cholera noch gibt, im Fall von
Bauchkrämpfen, Durchfall und Erbrechen
sowie Energielosigkeit und Schwäche medizinische Hilfe in Anspruch nehmen müssen.
Das Risiko, an Cholera oder anderen
Durchfallerkrankungen zu erkranken,
kann erheblich verringert werden, indem
man ausschließlich sauberes Trinkwasser
trinkt. Durch Abkochen oder ordnungsgemäße Behandlung mit Chlor lässt sich
Trinkwasser desinfizieren. Wasser aus Flaschen oder Dosen von seriösen Herstellerfirmen ist in der Regel sicher.
Um das Risiko weiter zu verringern,
sollte man ganz besonders darauf achten,
nur gekochte, heiß servierte Speisen zu
essen. Auch das Waschen der Hände mit
Seife und sauberem Wasser und die regelmäßig Anwendung eines Händedesinfektionsmittels sind weitere wichtige Faktoren.
Vom Baden oder Schwimmen in Flüssen
oder Kanälen ist dringend abzuraten, da sie
mit Abwässern verunreinigt sein können.
Solange noch nicht alle Länder der
Welt frei von Cholera sind, müssen die
übrigen Länder weiterhin auf der Hut sein.
In einer Zeit, in der so viele Menschen so
viel und an so viele Orte weltweit reisen,
kann eine Krankheit, die auf der anderen
Seite der Erdhalbkugel erworben wird, am
nächsten Tag bei uns zuhause auftreten.
Impfungen haben bei der Bekämpfung
der Cholera keine zufriedenstellenden
Ergebnisse gebracht und werden von der
Weltgesundheitsorganisation WHO nicht
empfohlen. Auch die Einnahme von Antibiotika zur Prävention wird nicht empfohlen, da sich ihre Wirksamkeit kaum belegen lässt.
Obwohl Cholera in den Schlagzeilen
steht und nicht unterschätzt werden darf,
werden die meisten schweren Durchfallerkrankungen nicht durch Cholera verursacht. Die viralen Ursachen von Gastroenteritis sind noch immer weit verbreitet
und pathogene E. coli sind noch immer
häufig die Ursache für Durchfall. Blutiger
Durchfall, der mit Fieber einhergeht, ist
schwerwiegender und kann ein Hinweis
auf eine Infektion mit pathogenen Bakterien sein. Wichtigste Behandlungssäule ist
die orale Rehydration.
1 Morbidity and Mortality Weekly Report 59, Nr. 50 (24.Dezember
2010).
Allan R. Handysides ist Leiter
der Gesundheitsabteilung der
Generalkonferenz der Kirche der
Siebenten-Tags-Adventisten (GK).
Peter N. Landless ist geschäftsführender Direktor des Internationalen Komitees zur Prävention von
Alkohol- und Drogenabhängigkeit
(ICPA) und stellvertretender Leiter
der Gesundheitsabteilung der GK.
April 2011 | Adventist World
11
A N D A C H T
Jesuerstes
Passa
Von Oliver Jacques
Was wusste Jesus über seinen Dienst und wann wusste er es? Das ist
eine faszinierende Frage. Der folgende Artikel ist ein frei erfundener
Bericht darüber, wie Jesus bei seinem ersten Passafest als „Sohn des
Gesetzes“ ganz bewusst den Tempel in Jerusalem wahrnahm. Als
Grundlagen dienten Ellen Whites Beschreibung des Tempels, jüdische Schriften aus der damaligen Zeit und aktuelle Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit der Architektur des Tempels. Stellt
euch vor, ihr wandert auf der Straße von Nazareth nach Jerusalem
und entdeckt mit Jesus nicht nur die Schönheit des Tempels, sondern
auch seine Bedeutung. – Die Herausgeber
M
it zwölf Jahren macht Jesus zum ersten Mal die fünftägige Reise von Nazareth nach Jerusalem. Er ist jetzt ein
„Sohn des Gesetzes“. Dies ist mehr als nur der Übergangsritus ins Erwachsenenleben – er wird sein erstes Passafest in
Jerusalem erleben! Je reifer er wird, umso mehr beginnt er zu spüren, dass seine höchste Verantwortung der Gehorsam dem Gesetz
und seinem himmlischen Vater gegenüber ist.
Die Gruppe hält an Orten, die mit Erfahrungen ihrer Vorfahren verbunden sind: Dotan, Sychar, Bethel – zu allen Orten gibt es
Geschichten. Manchmal übernachten sie in Herbergen, manchmal
schlafen sie unter dem Sternenhimmel. Der Junge genießt die
Nachtluft, den Geruch von Ackersenf und das Gurren von Tauben.
Am fünften Tag nähert sich die Gruppe endlich der Hauptstadt. Jesus ist schon ganz gespannt darauf, Jerusalem zu sehen.
„Nicht heute“, sagt Josef. „Wir bleiben über Nacht bei Verwandten
in Emmaus.“
„Ja“, pflichtet Maria ihm bei. „Wir müssen uns reinigen und
unsere Kleider waschen.“
Emmaus ist voller Pilger. Einige sind wochenlang unterwegs
gewesen. Sie sind aus den benachbarten Ländern gekommen, von
Ägypten oder gar von Rom, um den „schönsten Bau der Welt“ zu
sehen. Der heilige Tempel in Jerusalem! „Hat nicht Gaius, der
Römer, ihn so genannt?“, bemerkt Josef.
12
Adventist World | April 2011
Als die Pilger den Ölberg hinaufsteigen, stimmt eine Frau ein
Lied an: „Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem …
Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!“ (Ps 122,2–7) Alle stimmen in den Psalm ein.
Es ist kein hoher Berg, doch was für eine Aussicht! Über der
Stadt erhebt sich ein unglaublich hohes Wunderwerk. In seinen
mit Gold überzogenen Wänden spiegelt sich die Sonne. Eine
Krone blendend weißen Marmors streckt sich in den Himmel. Es
ist großartig! Jesus ist mit Erzählungen über den Tempel groß
geworden. Überall auf der Welt sind die Juden stolz auf seine
Herrlichkeit. Ein großer Rabbi beschreibt ihn als „Licht der Welt“!
Aber selbst die erhabensten Worte können die Pilger nicht auf
diesen Anblick vorbereiten.
Die Gruppe trifft auf einen alten Priester, der gern vom Tempel spricht. „König Herodes erweiterte den Tempelberg um das
Doppelte“, erklärt er. „Er wollte den ursprünglichen Tempel aus
der Zeit Salomos wiederherstellen. Er erhöhte ihn von den durch
Cyrus angegebenen 60 Ellen auf 100 Ellen.1 Außerdem fügte er
Räume um und über dem Heiligtum hinzu sowie neue Höfe und
Gebäude für die Heiden. Er beschäftigte 10.000 Steinmetze und
Zimmerleute. Herodes wollte das Judentum zur Weltreligion
machen. Wenn der Messias kommt, werden wir dann nicht die
Welt beherrschen? Aber folgt mir. Von diesem Punkt aus können
wir den Ort sehen, wo jeden Tag der Weihrauch verbrannt wird:
das Heilige.“ „Der Tempel ist so groß!“, ruft der Junge seiner Mutter zu. „Und sieh dir nur die Säulen an! Ist das der goldene Weinstock, von dem du mir erzählt hast?“
„Ja“, unterbricht der Priester. „Jede Traube ist mannshoch. Er
ist ein Geschenk von König Herodes, aber verschiedene Personen
im ganzen Reich haben ein Blatt oder eine Weinbeere beigetragen.
Schaut genau hin. Vielleicht könnt ihr den heiligen Vorhang sehen.
Er ist 40 Ellen lang und 20 Ellen breit. Es sind eigentlich zwei Vorhänge mit einem Abstand von einer Elle. Am Versöhnungstag
betritt der Hohepriester den Tempel zunächst durch den ersten
J U A N
R .
C U A D R A
Vorhang, geht dann zwischen den beiden Vorhängen auf die andere Seite und betritt erst
dann das Allerheiligste. Jedes Jahr werden
neue Vorhänge gemacht. Diese Aufgabe übernehmen sorgfältig ausgewählte Jungfrauen.
Dreihundert Priester sind nötig, um
die Vorhänge zu waschen!“
„Seht nur!“, ruft einer der Pilger.
„Ist das der Altar? Der ist aber groß!“2
„Allerdings!“, erwidert der Priester. „So
können alle die Opfer sehen. Achtet auch auf die
Feuer. Zwei brennen pausenlos, vier an hohen Festtagen.“
Aus allen Richtungen kommen Menschen auf den breiten Stufen
vor den majestätischen Flügeltoren an der Südmauer zusammen.
„Es ist die Zeit für das Morgenopfer“, sagt Maria. „Wir müssen
uns beeilen!“
Sie gehen durch das rechte Tor, durch einen beleuchteten,
herrlich geschmückten Tunnel aufwärts und kommen auf dem
Tempelberg heraus. Während die jüdischen Gläubigen dem Tempel zustreben, wenden sich die Heiden dem für sie bestimmten
Vorhof zu. Dieser Vorhof war durch eine Umzäunung vom
eigentlichen Vorhof getrennt. Auf der niedrigen Mauer waren
Steintafeln befestigt, die in drei Sprachen alle Nichtjuden bei
Todesstrafe davor warnten, diesen Bereich zu betreten.
Die Familie kommt an der Halle Salomos vorbei zur Schatzkammer, auch als „Vorhof der Frauen“ bekannt. Sie steigen die
gewaltige Anlage hinauf und sehen einen Chor von Leviten,
begleitet von einem Orchester. Sie stehen auf einer halbkreisförmigen Treppe mit 15 Stufen. Von einem Tempelturm aus rufen
Männer mit silbernen Posaunen die Gläubigen zum Morgenopfer.
Chor und Orchester tragen den Psalm vor, der für den ersten Tag
ausgewählt wurde. „Dem Herrn gehört die ganze Welt und alles,
was auf ihr lebt.“ (Ps 24,1)
Rings um den Vorhof, an dem sich auf drei Seiten Emporen
für Frauen befinden, sind Kammern. Die Männer bleiben auf
ebener Erde. Durch ein wunderschönes Tor treten sie in den Hof
der Israeliten, wo Lämmer als Sündopfer dargebracht werden. Die
Hand des Vaters auf seiner Schulter beobachtet Jesus, wie das Blut
eines Lammes in einer Schüssel aufgefangen und einem Priester
übergeben wird. Eine Reihe barfüßiger Priester reicht die Schüsseln mit dem vergossenen Blut weiter und gibt leere Schüsseln für
die nächsten Opfer zurück. Wenn der Priester, der dem Altar am
nächsten steht, das Opfer entgegennimmt, ertönt ein Horn und
der Priester wirft das Opfer auf die Seite. Der zwölfjährige Jesus
weint. Denkt er an sich als das Lamm Gottes?
Da steht das große Waschbecken, das von zwölf riesigen
Löwen gestützt wird. Die Priester brauchen das Wasser, um sich
selbst und den Priesterhof vom Blut zu reinigen. Es wird von
einem großartigen römischen Aquädukt jeden Tag mit frischem
Wasser in Hülle und Fülle gespeist.
Ein Priester, der nur einmal in seinem Leben am Räucheraltar
Dienst tut, steigt die zwölf Stufen zum Tempel hinauf und entzündet feierlich das Räucherwerk. „Die Gebete des Volkes Gottes“,
flüstert Josef. Der zwölfjährige Jesus bestaunt den 20 Meter hohen
Eingang zum Heiligen. Er betrachtet alles ganz genau. Ganze
Abschnitte der heiligen Schriften kommen ihm in den Sinn.
Er erfährt, dass Priester und Rabbis sich im Tempel versammeln, um über die Schriften zu diskutieren. Pharisäer und Sadduzäer messen ihr Wissen. Der junge Jesus setzt sich zu ihnen und
stellt ihnen Fragen, die sie zum ernsten Nachdenken bringen.
Manchmal müssen sie sich am Kopf kratzen.
Nach dem Abendopfer sprechen einige Priester mit erhobenen
Händen den jahrhundertealten Segen: „Der Herr hebe sein Angesicht über dich …“ (4 Mo 6,24-26)
Am Passa-Sabbat sind Tausende auf dem Tempelberg. Die
Posaunen künden den Sabbat an, der Chor singt, die Gläubigen
beten an.
So geht die Familie aus Nazareth eine aufregende Woche lang
ganz in der Herrlichkeit und Atmosphäre des heiligen Tempels auf.
Es gibt so viel zu sehen und zu hören! Das Passamahl wird mit
Verwandten in Emmaus gefeiert, dann geht es zurück zum Tempelberg, wo Tausende die Tempelhöfe und den Vorhof für die Heiden füllen. Sie hören viele fremde Sprachen. Wenn sie Hunger
haben, kaufen sie auf den Märkten an der äußeren Mauer Datteln
und Brot mit der Tempelwährung. Jesus möchte allein sein; er geht
nicht mit seinen Eltern mit, sondern verweilt in den Tempelhöfen.
Das Passafest ist vorbei und die Gläubigen machen sich auf
den Weg nach Hause. Maria und Josef gehen davon aus, dass ihr
Sohn beim Einbruch der Dunkelheit wieder zu ihnen stößt. Aber
er ist nicht in der Gruppe, die nach Nazareth zurückkehrt. Voller
Angst eilen die beiden wieder nach Jerusalem. Drei Tage lang
suchen sie ihn auf dem Tempelberg. Endlich finden sie ihn im
Kreis der Gelehrten mitten in einer theologischen Diskussion!
Mit Tränen der Freude ruft Maria aus: „Mein Sohn, wie konntest du uns das antun? Wir haben dich drei Tage lang gesucht!“
„Warum habt ihr mich gesucht?“, erwidert der Junge und
richtet sich auf. „Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was
meines Vaters ist?“ Seine Eltern sind verblüfft, doch Maria merkt
sich diese Antwort gut. Jesus weiß, dass er tatsächlich ein „Sohn
des Gesetzes“ ist und dass es viel zu tun gibt in dem, was seines
Vaters ist.
1 Gelehrte setzen eine Elle zwischen 45 und 52 Zentimeter an.
2 Etwa 15 x 15 Meter, mit einer Höhe von etwa 7,3 Metern.
Oliver Jacques war Pastor, Evangelist,
Missionar und Administrator.
Jetzt lebt er im Ruhestand in Fallbrook
(Kalifornien, USA).
April 2011 | Adventist World
13
G E L E B T E R
G L A U B E
V
or kurzem konnte ich auf einer
Reise zu einem Familientreffen in
Argentinien gemeinsam mit meiner Familie zwei sehr unterschiedliche
Missionsstationen besichtigen.
Die erste war San Ignacio Miní, eine
alte jesuitische Missionsstation in der Provinz Misiones. An einem frostigen, nebeligen Morgen besichtigte unsere neunköpfige Familie (Eltern, Kinder und Enkel),
was von der Missionsstation übrig ist. Die
zerstörte Kirche bildet die überragende
architektonische Besonderheit. Sie ist 74
Meter lang, 24 Meter breit, aus rotem
und die Indianer gingen wieder zurück in
den Dschungel. Nun gab es keine Schule
mehr, keine Messe, keine Arbeit, keine Missionsstation. Die Gebäude wurden 1817
zerstört und gingen bis 1897 im Dschungel
unter. Im Jahr 1940 wurde mit der
Restauration der Ruinen begonnen.
Heute ist San Ignacio Miní ein
UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) Weltkulturerbe.
Als wir über das Gelände der
Missionsstation gingen, versuchten
wir, die Vergangenheit wieder
Was wir von zwei
Missionsstationen
lernen können
Von
Nancy Weber Vyhmeister
Sandstein erbaut und mit religiösen
Schnitzereien verziert. Um die Kirche
befinden sind die Überreste der Räume für
die Priester, Klassenzimmer, verschiedener
Geschäfte und schließlich der Unterkünfte
der einheimischen Indianer.
Die Mission war nicht die einzige in
der Gegend. Sie wurde 1610 von zwei jesuitischen Priestern mit der Absicht gegründet, den Guarani Indianern zu helfen,
Christen zu werden, ihnen lesen und
schreiben beizubringen und ihnen Fähigkeiten zu vermitteln, mit denen sie auf
dem Markt Geld verdienen konnten. In
der Mitte des 18. Jahrhunderts lebten etwa
3.000 Indianer in der Mission; sie gingen
täglich zur Messe, erwarben bauhandwerkliche und landwirtschaftliche Fähigkeiten in Theorie und Praxis und verhielten sich christlich. Solange die Menschen
in der Mission blieben, waren sie sicher
vor Plünderern und konnten ein bescheidenes Leben führen.
Im Jahr 1767 wurden die Jesuiten von
der Kolonialmacht der Region verwiesen
14
Adventist World | April 2011
lebendig werden zu lassen. Waren diese
Indianer wirklich Christen geworden? Wie
viel Verantwortung hatten sie in dem religiösen Leben der Mission erhalten? Was
wurde aus ihrem Christsein, als sie wieder
im Dschungel lebten? Es schien, dass sich
die Mission als solche aufgelöst hatte, als
die geistlichen Führer nach Europa
zurückgekehrt waren.
Etwa eine Woche später hatten wir die
Gelegenheit, eine zweite Missionsstation
zu besuchen. Es war die Missionsstation
der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten
in Argentinien. An einem kalten Sabbatnachmittag besichtigten wir die Kirche
und das Museum in Crespo Campo, nicht
weit von der heutigen River Plate Adventist
University (Universidad Adventista del
Plata, UAP). Diese Missionsstation wurde
gegründet, als Jorge Riffel 1890 mit einigen
anderen Familien aus Kansas (USA) eintraf. Hier ist die Geschichte:
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts suchten viele deutsche Lutheraner
Schutz im Russland unter der Herrschaft
A L L E
F OTO S
M I T
Katharina der Großen. Ein Jahrhundert
später spürten sie einen wachsenden
Druck, anderswo ein besseres Leben zu
suchen. Einige wanderten nach Brasilien
aus, andere nach Argentinien und wieder
andere in die USA. Die meisten waren tief
religiöse Bauern.
Riffel und seine Familie hörten die
Adventbotschaft in Kansas. Je mehr Riffel
hörte, umso mehr wollte er seine Überzeugungen seinen Freunden in Argentinien
weitergeben, wo er ein paar Jahre gelebt
hatte. Anfang 1890 reisten er und seine
Familie gemeinsam mit einigen anderen
Familien mit dem Schiff nach Buenos
Aires. Von dort aus fuhren sie mit einem
Boot den Paraná-Fluss aufwärts nach Diamante. Dort wurde Riffel mit seiner
Gruppe an einem Freitagnachmittag von
seinem Freund Reinhardt Hetze in dessen
traditionellen russischen Pferdewagen
abgeholt. Den ganzen Heimweg über sprachen sie über den Sabbat – nur 25 Kilometer, aber für damalige Verhältnisse eine
lange Strecke. Als Hetze auf seinen Hof
F R E U N D L I C H E R
G E N E H M I G U N G
D E R
AU TO R I N .
Von links nach rechts: FAMILIENTREFFEN: Familie Vyhmeister am Grab von
Nancys Eltern, die als Missionare in
der nahegelegenen River Plate Adventist University gewirkt hatten. KIRCHE:
Die Überreste der Kirche in San Ignacio
Miní, einer Missionsstation der Jesuiten in der Provinz Misiones (Argentinien).
MUSEUM: Die alte Adventgemeinde in Crespo, in der Nähe der River Plate Adventist University, ist heute ein Museum. TRANSPORTMITTEL: Die Miniatur eines
russischen Pferdewagens im adventistischen Museum in Crespo.
fuhr, hatte er die Entscheidung getroffen,
den Sabbat zu halten.
Riffel und Hetze begannen, unter den
russisch-deutschen Kolonisten zu predigen
und hatten schon bald eine Gruppe von
Gläubigen zusammen. Hetze taufte sie in
einem nahegelegenen Bach und sie begannen, sich regelmäßig zu versammeln. Erst
1894 sandte die Generalkonferenz Frank
Westphal, um die 36 Gläubigen zu einer
Ortsgemeinde zu organisieren. Dann verließ Westphal die neu gegründete
Gemeinde wieder, um andere Gläubige zu
stärken, und Hetze setzte sein Predigen und
Taufen fort. Die neuen Mitglieder bauten
eine kleine Kapelle, in dem sich heute das
Museum befindet, das wir besuchten. Im
Jahr 1896 besuchten etwa 150 Gläubige das
erste Camp-Meeting in Crespo.
Als Pastor Westphal die Gemeindeglieder 1898 ein weiteres Mal besuchte, waren
sie bei einem Treffen mit ihm sehr erstaunt,
als sie einen jungen Mann mit einem Koffer in der Hand die Straße heraufkommen
sahen. Noch erstaunter waren sie, als der
junge Mann – sein Name war Luis Ernst
– auf sie zukam und ihnen sagte, dass er
von Uruguay kam und hier zur Schule
gehen wollte, um Pastor zu werden. „Das
bedeutet, dass wir eine Schule gründen
müssen“, beschlossen sie. Das war der
bescheidene Anfang der Camarero-Schule,
aus der später das River Plate College
wurde. Heute ist es die River Plate Adventist
University, auf der etwa 2.500 Studenten 30
Hauptfächer – darunter Medizin und
Theologie – studieren können.
Die Absolventen dieser Universität
arbeiten in ganz Mittel- und Südamerika
und darüber hinaus in Afrika, Asien,
Europa und den USA. Neben den Absolventen, die von der Kirche angestellt wurden, unterstützen Tausende Abgänger
die Gemeinden als Laienmitglieder.
Heute setzen die Studenten der UAP
die Tradition der Mission fort. Die Teilnahme an Student-Missionary-Programmen wird gefördert, für einige Studiengänge ist sie sogar Pflicht. Überall in
Argentinien bringen die Gemeindeglieder
durch ihre Aktivitäten neue Menschen zur
Gemeinde. Am 31. Juli 2010 kamen zum
Beispiel 400 Adventisten aus Buenos Aires
und der UAP in der Stadt Rosario zusammen, um gemeinsam mit den Gemeindegliedern vor Ort an der Aktion „Impact
Rosario“ teilzunehmen. An diesem Sabbat
wurden etwa 120.000 Bücher in der Stadt
verteilt, bevor die Gemeindeglieder sich
am Nachmittag trafen, um diesen Tag in
Gemeinschaft ausklingen zu lassen.
Bei unserem Besuch der UAP nahmen
wir uns auch Zeit, den Friedhof des Ortes
zu besichtigen. Hier ruhen viele treue Diener Gottes. Missionare aus dem In- und
Ausland, hauptberufliche und Laienmissionare – sie alle warten darauf, dass Christus sie aus ihren Gräbern ruft. Unser Interesse galt einem besonderen Grab, nämlich
dem meiner Eltern, Charles und Hazel
Weber, die als Farmmanager des College
beziehungsweise als Diätassistentin im
Krankenhaus arbeiteten. An ihrem Grab
gedachten wir ihres selbstlosen Dienstes
und weihten uns als Familie erneut Gottes
Mission auf dieser Erde.
Zwei Missionsstationen und was aus
ihnen wurde. Der Unterschied? Die Einbindung von Laien. In den Missionsstationen der Jesuiten waren die Priester die einzigen religiösen Leiter. In der adventistischen Missionsstation gab es über viele
Jahre hinweg nur wenige bezahlte Pastoren,
so dass das Engagement der Laien zunahm.
Vielleicht müssen wir, die wir in den
Industrienationen leben, uns daran erinnern, dass der Pastor nicht die Gemeinde
ist, sondern wir, die Mitglieder!
Weitere Informationen über die
River Plate Adventist University oder
Universidad Adventista del Plata
gibt es auf www.uapar.edu/es.
Nancy Weber Vyhmeister,
wuchs als Missionarskind auf. Heute lebt sie
als emeritierte Professorin der Andrews University in Yucaipa
(Kalifornien, USA) und unterstützt dort
Missionsarbeit.
April 2011 | Adventist World
15
T I T E LT H E M A
Was passiert
nach
der
Von
Wilona Karimabadi
Taufe?
Erfahrungen von
Gläubigen, die nach der
Taufe zu Jesus fanden
D
er Weg vom Unglauben zum Glauben ist im Taufbecken
nicht immer zu Ende. Wir meinen vielleicht, dass das
wichtigste Ziel erreicht ist, wenn ein Mensch öffentlich
seine geistliche Wiedergeburt bekennt. Aber diese Wiedergeburt ist
in Wirklichkeit erst der Anfang. Und wir alle wissen, dass nach
einer Entscheidung für Jesus die Zukunft nicht immer so leicht ist.
Ellen White schrieb: „Niemand sollte meinen, dass die Bekehrung der Anfang und das Ende des Glaubenslebens ist. Das Christenleben ist eine Wissenschaft, die beherrscht werden muss. [Der
Gläubige] muss kontinuierlich Fortschritt und Verbesserung in
seinem Wachstum in der Gnade erfahren. Das Denken muss korrigiert, gelenkt und geschult werden, denn ein Kind Gottes soll Gott
auf Arten und Weisen dienen, die nicht in seiner Natur liegen oder
seinen angeborenen Neigungen entsprechen. Wer ein Nachfolger
Christi wird, erlebt, dass er neue Motive für sein Handeln
bekommt; neue Gedanken kommen auf, und daraus muss neues
Tun erwachsen.“1
In diesem Artikel findet ihr Geschichten von Menschen, deren
Weg mit Jesus sich weiterentwickelte, nachdem sie aus dem Taufwasser gestiegen waren. Ihre Geschichten sind unseren wahrscheinlich in mehrfacher Hinsicht ähnlicher als wir meinen – selbst wenn
wir als Siebenten-Tags-Adventisten aufgewachsen sind. Eines zieht
sich allerdings wie ein roter Faden durch alle Geschichten: Gott gibt
niemanden auf, der sich für ihn entscheidet.
1 Ellen G. White, Christian Education (Battle Creek, Mich.:
International Tract Society, 1893), S. 122.
Wilona Karimabadi ist leitende
Redakteurin von KidsView und eine geschätzte
Mitarbeiterin im Adventist World-Team
Veronica Montez
Veronica
(Ronni) Montez
machte eine
schwierige Zeit
durch, als Gott
ihr begegnete.
Sie war krank – sie litt unter einer schweren
Depression, aus der sie nicht herauskam.
Obwohl sie einen katholischen Hintergrund
besaß, kannte sie weder die Bibel noch Gott
besonders gut. Eines Tages – sie war allein
zuhause – rief sie zu Gott um Hilfe. Sie
nahm eine Bibel zur Hand, schlug sie auf
und las, wie Jesus von Jerusalem nach Golgatha ging. Dabei fiel ihr das Wort „Sabbat“
auf. Was war das für ein Wort? Ronni erinnert sich: „Das Wort kam immer wieder
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Adventist World | April 2011
und ich verstand nicht, was es bedeutete.“ In
ihrem Innern spürte sie den Drang zu forschen; sie konnte nicht aufhören.
Auf der Suche nach einer Kirche, die
am Sabbat Gottesdienst feierte, fuhr Ronni
durch die ganze Stadt, doch sie konnte
keine finden. Dann hörte sie eines
Tages in der Physiotherapiepraxis, in
der sie behandelt wurde, wie eine der
Therapeutinnen darüber sprach, dass
sie samstags zur Kirche ging. „Ich war
darüber schrecklich aufgeregt und als
die Therapeutin zurückkam, um nach
mir zu sehen, fragte ich sie, ob ich mit
ihr am Sabbat in die Kirche gehen
könne.“ Ronnie und ihre Physiotherapeutin wurden schnell gute Freundinnen
und studierten die Bibel gründlich miteinander. Jetzt, da sie in die Adventgemeinde
ging, wusste sie, wohin sie mit ihren vielen
Fragen kommen konnte. Ihr Mann und
ihre Kinder schlossen sich ihr an und
wurden 1995
Matthew Gamble
Matthew Gamble
wuchs als Katholik
in den USA auf,
allerdings ging
seine Familie nur
selten in die Kirche und las nie die Bibel
oder betete. Mit 16 Jahren rauchte er
Marihuana und befasste sich intensiv mit
der Rastafari-Bewegung.
Drei Jahre später reiste Matthew nach
Jamaika. Auf seinem Rückflug nach Miami
(Florida) hatte er zwei Pfund Marihuana in
seinem Gepäck. Es gelang ihm, unbehelligt
wieder auf amerikanischen Boden zu
gelangen. Paradoxerweise war es diese seltsame Erfahrung, die ihn dazu brachte, über
geistliche Dinge nachzudenken. Er begann
ein Selbststudium der Weltreligionen, um
die Wahrheit herauszufinden. „Ich betete
zu Jesus, Haile Selassie, Buddha, Konfuzius,
Abraham und Mohammed und begann
mit dem Satz: Wo immer du bist, wer
immer du bist, bitte offenbare dich mir.“
Die Zeit verging, bis Matthew eines
Tages als Trauzeuge auf einer Hochzeit in
einer Adventgemeinde war. Er war entschlossen, Antworten zu finden, und
wandte sich an den Pastor, der ihm eine
Bibel gab und mit ihm betete. „Am Tag
darauf rief ich die Adventgemeinde in St.
Augustine, Florida (USA), an und am folgenden Sabbat war ich dort“, berichtet er.
1996 wurde er im Atlantik getauft. „Ich
fragte den Pastor, ob ich einige Augenblicke allein bleiben könnte. Dann wandte
ich mich dem Horizont zu, so dass ich
nichts sehen konnte, was von Menschenhand geschaffen war, und sagte meinem
himmlischen Vater, dass er versprochen
hatte, meine Sünden in die Tiefe des Meeres zu werfen und dass ich von nun an ein
neuer Mensch war.“ Nach seiner Taufe
studierte Matthew Theologie an der
Andrews University.
Aber wie wirkte sich sein neuer Glaube
auf seine Familie aus? „Meine Familie hat
mich unglaublich unterstützt – vor allem,
weil sie gesehen hat, wie Jesus mein Leben
verändert hat“, sagt Matthew. „Eine Folge
war, dass meine Eltern ihren Glauben
erneuert haben und nun regelmäßig in die
Kirche gehen. Sie beteiligen sich an karitativen Projekten und erhalten Bibelstunden.
Es ist spannend zu wissen, dass Jesus jetzt
ein zentraler Teil unseres Lebens ist.“
Heute arbeitet Matthew für Vagabondservant International, eine gemeinnützige
Organisation, für die er auf der ganzen Welt
über das Leben und die Lehren Jesu spricht.
Außerdem ist er Berater für das Center for
Secular and Postmodern Studies (Zentrum
für säkulare und postmoderne Studien) im
Adventist Mission-Büro der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-
Tags-Adventisten sowie für das Center for
Creative Ministry (Zentrum für kreative
Dienste) der Nordamerikanischen Division
(NAD). Und er ist in beratender Funktion
für verschiedene Gremien der NAD tätig.
Matthew hebt ein wesentliches Element
hervor, das seinem Leben als Christ jeden
Tag neue Kraft verleiht: „Gott ruft jeden
Einzelnen von uns auf, in seinem Namen
zu dienen. Am Anfang meines Lebens mit
Jesus hörte ich jemanden sagen, dass der
Dienst unsere Erlösung sei. Zuerst verstand
ich diese Aussage nicht, aber inzwischen
verstehe ich sie. Der Dienst – andere Menschen mit Jesus bekannt zu machen – hat
mich in Verbindung mit ihm gehalten, weil
ich erkannt habe, dass es nur um ihn geht
und nicht um mich.“
durch Taufe und Glaubensbekenntnis in
die Gemeinde aufgenommen.
Bald darauf begannen die Schwierigkeiten. Ronnie und ihr Mann verloren
beide ihre Arbeit. Schließlich hatten sie
kein Geld mehr und sollten ihre Wohnung
räumen. Zudem distanzierten sich ihre
Mutter und Schwestern wegen ihres neuen
Lebens von ihr. Ronnie weiß noch, wie
sie dachte: „Wenn Christsein so aussieht,
weiß ich nicht, ob ich das kann.“ Doch sie
und ihr Mann suchten in ihrem neuen
Glauben Zuflucht, sie fasteten und beteten.
Schon bald begann sich das Blatt zu wen-
den. „Stück für Stück half uns der Herr“,
sagt Ronni. Sie fanden neue Arbeitsstellen,
konnten sich Autos kaufen und sogar in
ihrem Haus bleiben. Aber Ronni litt
immer noch unter ihrer Depression. „Ich
wollte sterben, weil ich so niedergeschlagen und entmutigt war“, erinnert sie sich.
Doch Gott behielt die Oberhand. „Ich
sagte: ‚Gut, Herr, gut. Du willst nicht, dass
ich sterbe. Ich übergebe dir alles‘. Als ich
alles übergeben hatte, wurde es besser. Tag
für Tag wurde es ein bisschen besser.“
Heute betreibt Ronni von ihrem Haus
aus eine Kindertagesstätte und integriert
einen christlichen Lebensstil in den Tagesablauf. Sie und ihr Mann arbeiten aktiv in
ihrer Gemeinde mit und studieren auch
weiterhin das Wort Gottes. Die Tochter,
die sich ursprünglich zusammen mit
Ronni taufen ließ, kommt zwar nicht mehr
in die Gemeinde, doch Ronni schaut auf
Gottes Führung zurück und weiß, dass er
auch ihre Gebete für ihre Tochter erhören
wird. „Meine Tochter kennt und liebt den
Herrn, sie möchte nur im Moment nichts
mit ihm zu tun haben. Aber ich bete. Gott
wird es machen. Er weiß, wann die rechte
Zeit ist. Er wird es tun.“
April 2011 | Adventist World
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T I T E LT H E M A
Alex Barrientos
Als Alex Barrientos getauft wurde, hatte er
keine Ahnung, warum.
Seine Mutter nahm die Adventbotschaft an und ließ sich taufen, als Alex
zehn Jahre alt war und er wollte auch
getauft werden. Aber niemand hatte
ihm jemals irgendetwas erklärt. Er hatte
nicht einmal eine Bibel. Alex und seine
Mutter begannen, regelmäßig die Gottesdienste zu besuchen, und Alex gefiel es
in der Sabbatschule. „Ich ging regelmäßig
zur Sabbatschule und wir hatten gute
Freunde in der Gemeinde. Am Tag meiner
Taufe bekam ich unmittelbar zuvor aus
heiterem Himmel hohes Fieber. Es schien
fast so, als sollte es nicht sein. Aber der
damalige Pastor sagte nur: ‚Im Taufbecken
wird es schon wieder abkühlen!‘ Und
so war es dann auch. Ich kam aus dem
Taufbecken und das Fieber war tatsächlich
weg. Aber mehr geschah auch nicht“,
sagt Alex.
Für Alex war die Taufe tatsächlich erst
der Anfang. Als er alt genug war, um die
Mittelschule zu besuchen, hatte Alex das
Gefühl, es wäre besser, nicht in die lokale
öffentliche Schule gehen und meldete sich
stattdessen in einer adventistischen Schule
an. Nach Abschluss dieser Schule ging er
weiter auf die Takoma Academy in Maryland (USA). Er sagt: „Auf die Takoma Academy zu gehen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Dort habe ich Jesus
kennengelernt.“
Ironischerweise lernte er Jesus beim
Nachsitzen kennen. „Ich kann mich noch
daran erinnern, dass unsere Aufgabe darin
bestand, in der Bibel zu lesen, weiter
nichts. Ich las Matthäus 10, ging zu meinem Lehrer und fragte ihn, was das Kapitel
bedeutete. Er lächelte nur und sagte: ‚Eines
Tages wirst du es wissen‘. Ich ging zu meinem Platz zurück und er wird sich gedacht
haben: ‚Ich werde dir nicht alles verraten.
Du musst schon selbst darüber nachdenken‘. Das führte dazu, dass ich über alle
Bibelverse nachdachte, die ich seit der
siebten oder achten Klasse gehört hatte.“
Dann wurde Alex eingeladen, beim Predigtteam der Schule mitzuarbeiten. Er tat
dies während seiner gesamten HighSchool-Zeit. „Während dieser drei Jahre
im Predigtteam blieb jedoch unterschwellig immer die Frage: Was hat es eigentlich
mit der Bibel auf sich? Ich predige nur
über das Buch Das Leben Jesu, aber warum
Kaveh Khansari Nejad
Kaveh wuchs als
Muslim im Iran
auf und wanderte
einige Jahre nach
der islamischen
Revolution in die
USA aus. Er lernte
den Adventglauben durch seine Frau Heather kennen. „Ich lernte Heather kennen,
wir trafen uns öfter und unsere Beziehung
wurde immer ernster. Da sagte Heather zu
mir: ‚Wenn du es ernst meinst und wir
unsere Beziehung weiterführen und schauen
wollen, wie sie sich entwickelt, dann kann
ich das eigentlich nicht mit jemandem, der
nicht das Gleiche glaubt wie ich‘.“
Kaveh bekam Interesse an der Bibel
und den Zusammenhängen zwischen den
Büchern Daniel und Offenbarung. Bei
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Adventist World | April 2011
seinem weiteren Studium entdeckte er
Ellen Whites Schrifttum und befasste sich
noch eingehender mit der Prophetie. „Es
waren vor allem die prophetischen
Aspekte – wie genau sich die Prophetie
erfüllt hatte –, die mich zu der
Überzeugung führten: ‚Die
Adventisten müssen die richtige
Botschaft haben‘.“
Kavehs Annahme der Adventbotschaft löste tiefgehende Veränderungen in seinem Leben und
seinen Beziehungen aus. „Als ich
Christ wurde, sagten meine Eltern
anfangs immer wieder zu mir: ‚Wir
glauben zwar, dass du das für Heather tust, aber trotzdem sind wir
froh, dass es dich vom Rauchen und
Trinken abhält. Du lebst gesünder
und scheinst auch nicht mehr so gestresst
zu sein‘.“ Später sagten seine Eltern sogar
[zu Heather]: „Die Veränderungen, die wir
heute an ihm sehen, wären ohne dei-
predige ich über Das Leben Jesu? Welche
Bedeutung hat die Autorin dieses Buches,
Ellen White, für mich?“
Alex hatte außerdem ein besonderes
Talent darin entwickelt, die Menschen zu
Entscheidungen aufzurufen. Seine Aufrufe
schienen die Herzen aller zu berühren, die
sie hörten. „Mein Lehrer sagte mir immer
wieder: ‚Alex, deine Aufrufe sind einfach
erstaunlich‘. Und ich erwiderte darauf nur:
‚Och, ich tue doch nur, was du mir sagst‘.“
Der letzte Anstoß, sein Leben Jesus
anzuvertrauen, kam in der Gebetswoche in
seinem Abschlussjahr. Alex hatte etwas
getan, das ihm leid tat, und ging am Abend
zur Gebetsstunde. An diesem Abend rief
der Sprecher die Jugendlichen auf, sich zu
überlegen, Pastor zu werden. Dabei war
dieser Sprecher gar nicht dafür bekannt,
dass er Aufrufe machte. Alex erzählt: „Ich
ging nach vorn und bekannte vor allen,
was ich getan hatte. Ich sagte Gott: ‚Das ist
es, wozu du mich die ganze Zeit gerufen
hast‘. Das war nicht selbstverständlich,
denn eigentlich hatte ich vorgehabt, Medizin zu studieren.“
Nachdem er zunächst öffentliche Universitäten besucht hatte, ging er auf
Anregung eines Freundes hin auf
die River Plate Adventist University
in Argentinien, um Theologie zu
studieren. Bei seiner Rückkehr in
die USA besuchte Alex zunächst
die Southern Adventist University
und dann die Washington
Adventist University, wo er Ende
dieses Monats sein Studium
abschließen wird.
„Ich denke, solange man
nicht mit Gott kämpft, wird
man nicht verletzt“, sagt Alex. „Das bedeutet Kampf. Ich bin froh, dass ich mit Gott
gekämpft habe und es immer noch tue,
allerdings auf eine gute, positive Art und
Weise. Das ist eine Lernerfahrung, die uns
durch nichts wieder genommen werden
kann. Deshalb bin ich sehr froh darüber.
Auf jeden Fall.“
nen Einfluss und das, was er durch dich
und den adventistischen Lebensstil gelernt
hat, wahrscheinlich nie möglich gewesen.“
Kaveh wurde im Oktober 2002 getauft.
Er erinnert sich noch an seine Taufe: „Als
ich im Taufbecken stand, liefen mir die
Tränen übers Gesicht und ich konnte gar
nichts dagegen tun. Ich hatte einfach das
Gefühl, dass eine schwere Last von meinen
Schultern genommen worden war, dass ich
ein anderer Mensch sein würde. Es war
fast, als würden alle meine Probleme von
mir genommen.“
Schließlich führten Kavehs neuer
Glaube und die Tatsache, dass er den Sabbat hielt, dazu, dass er seine Arbeitsstelle
verlor. Wie konnte er, der noch jung im
Glauben war, einen hoffnungsvollen Weg
durch diese schwierigen Umstände erken-
nen? Darauf erwidert Kaveh: „So wie es die
Bibel sagt: ‚Schmecket und sehet, wie
freundlich der Herr ist‘. (Ps 34,9) Ich habe
Gottes Wunder in meinem Leben erlebt.“
Er erinnert sich ganz besonders an eine
Zeit, als er seine Arbeit verloren hatte und
seine Frau ihn fragte, wie es nun weitergehen sollte. Er sagte: „Ich weiß nicht, wie es
weitergehen wird, aber ich kann dir sagen,
dass ich das Empfinden habe, dass Gott
uns segnen und für uns sorgen wird. Es
wird alles gut werden.“
„Wir sprachen mit niemandem darüber. Eine Woche später kamen Freunde
von uns zu uns nach Hause und sagten:
‚Wir haben gebetet und glauben, dass Gott
möchte, dass wir etwas für euch tun. Wir
haben gehört, dass du deine Arbeitsstelle
verloren hast, da wollten wir euch ein biss-
chen unter die Arme greifen. Wir sind
überzeugt, dass wir euch das hier geben
sollen.“ Mit diesen Worten gaben sie
Kaveh und seiner Frau einen Scheck über
5000 US-Dollar.
„Ich weiß, dass ich vertrauen und
gehorchen muss, denn wenn ich das tue,
sorgt Gott für mich. Wenn er sagt: ‚Ich
sorge für die Lilien auf dem Feld (Mt
6,28), warum sollte ich nicht auch für dich
sorgen?‘, dann sorgt er wirklich für mich.
Er hat für meine Familie gesorgt. Ich kann
die Spuren im Sand sehen, denn oft wusste
ich nicht, was ich tun sollte, aber Gott hat
mich hindurchgeführt.
Im Moment macht Kaveh eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Er und Heather
leben mit ihren drei Kindern in Maine
(USA).
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G L A U B E N S Ü B E R Z E U G U N G E N
E
s ist viel einfacher, Eltern zu sein! Man kann so lange aufbleiben und so viele Süßigkeiten essen, wie man will,
und selbst entscheiden, ob man spazieren gehen
will oder nicht.“ Mit diesem Vorwurf konfrontierten
mein vier Jahre alter Bruder und ich (sechs Jahre alt)
meine Eltern eines Tages in unserem Urlaub. „Na
schön“, erwiderte mein Vater und fuhr dann überraschenderweise fort: „Dann werden wir für die nächsten
beiden Tage die Rollen tauschen.“ Mein Bruder und ich schauten
uns begeistert an. Unsere Augen strahlten, als wir diesen wunderbaren Tausch mit einem Handschlag besiegelten.
Die
NUMMER 15
Taufe
Von
Marcus B. Witzig
– mehr als nur Worte
Den nächsten Tag begannen wir mit großen Erwartungen.
Aber dann nahm der Tag eine unerwartete Wende, als mein Vater
beim Frühstück meiner Mutter einen Schokokuss ins Gesicht
schmierte und sie „weinend“ zu uns gelaufen kam. Von da an
wurde es immer stressiger. Wie mussten Frieden stiften, Streit
schlichten und uns sowohl um das Essen als auch um den
Abwasch kümmern. Am Ende des Tages fielen wir hundemüde in
das große Bett unserer Eltern und waren froh, dass wir den Tag
überlebt hatten. Wir wären sofort eingeschlafen, wenn „unsere
Kinder“ uns nicht noch mit Fragen bombardiert hätten, auf die
sie unbedingt sofort eine Antwort haben wollten. Am zweiten Tag
waren wir froh, das Kommando wieder unseren Eltern übergeben
zu können. Es war doch viel leichter, Kind zu sein. Was wir durch
weise Worte oder technische Erklärungen nicht verstanden hätten,
hatten wir durch eine Erfahrung gelernt, die Theorie und Praxis
miteinander verband.
Marcus Witzig ist Jugendpastor im Bezirk
Isny im Allgäu und mit Carmen verheiratet.
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Adventist World | April 2011
Umfassende Unterweisung
Ganz ähnlich lehrte auch Jesus. Wenn er zum Volk sprach,
gebrauchte er Bilder, die die Menschen verstehen konnten. Er
sprach von Samenkörnern und unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit, von Hochzeiten und angemessener Hochzeitskleidung, von
Hirten und ihren Herden. Noch heute sprechen viele dieser Bilder
zu unseren Herzen und wir verstehen, was Jesus sagen wollte.
Manche Lehren Jesu sind so wichtig, dass der Große Lehrer sie
nicht nur mithilfe von Bildern erklärte, sondern uns aufforderte,
praktisch an der Symbolik oder Handlung teilzunehmen.1
Dadurch werden wir nicht nur geistlich, sondern auch körperlich
angesprochen. Wir hören nicht nur etwas, sondern handeln auch.
Wir müssen uns nicht etwas vorstellen, sondern wir erfahren es.
So verstehen und verinnerlichen wir, was Jesus uns persönlich
geben möchte.
Die Taufe fällt genau in diese Kategorie. Durch sein eigenes
Beispiel legte Jesus gleich zu Beginn seines Dienstes großes
Gewicht auf die Taufe (Mt 3,15) und wies seine Jünger sogleich
an, sie ebenfalls zu praktizieren (Joh 3,22; 4,1.2). Kurz vor dem
Ende seines Wirkens auf der Erde beauftragte er seine Nachfolger,
überall wo sie hinkämen, Menschen zu Jüngern zu machen
(Mt 28,19.20).2 Um dieses Ziel zu erreichen, betonte Jesus (1) die
Taufe und (2) das Lehren. Anders gesagt: Wenn wir Menschen für
M I C H A E L
F A E S / D I G I TA L LY
M O D I F I E D
Christus gewinnen wollen, ist es wichtig, dass wir ihnen helfen,
eine öffentliche Entscheidung für Gott zu treffen und sie in praktischem Christenleben unterweisen. Das ist etwas viel Umfassenderes als nur zu reden.
Praktische Beteiligung an der Taufe
Der nächste Bezug zur Taufe lässt sich in der Trauungszeremonie finden (Eph 5,31.32). Beide drehen sich um ein gegenseitiges Versprechen – ein Versprechen zwischen Gott und dem Gläubigen beziehungsweise zwischen einem Paar. Beide Rituale werden vor Gott und vielen Freunden als Zeugen vollzogen. Die
Taufe und die Hochzeit sind keine Privatangelegenheit, sondern
schließen das Gemeinwesen ein.
1. Unser Versprechen: Das Versprechen, das wir Gott geben, ist
der erste Höhepunkt bei der Taufe. Es sollte nicht bloße Formalität
sein. Wenn ich meine Bedürftigkeit bekenne, zeige ich, wie wichtig
Jesus mir ist, und das sollte auch in meinem Leben zum Ausdruck
kommen (Mt 10,32.33). Ich habe meiner Frau bei unserer Hochzeit
von ganzem Herzen versprochen, mein Leben lang nur ihr allein zu
gehören, und mein Lebensstil dreht sich um diese Entscheidung –
bis hin zu meiner Wochenplanung. So ist es auch mit der Taufe. Ich
sage zu Gott: So wie du das Beste für mich willst, will ich dir durch
mein Leben gefallen (Joh 15,8). Jeder, der sich Gott zuwendet, wird
einen wahren Schatz von Verheißungen und Segnungen für sein
tägliches Leben entdecken (2 Ptr 1,2). Wir demonstrieren also
durch unser öffentliches Bekenntnis unsere Überzeugung, dass es
wichtig ist zu wissen, wer Gott ist und was er von uns erwartet.
2. Gottes Versprechen: Das nächste Element ist Gottes Versprechen an uns. Die Art und Weise, wie Jesus dies erklärte, zeigt,
wie wichtig es für unser neues Leben in Christus ist. Unser öffentliches Bekenntnis besteht nur aus Worten und dennoch sehen wir
eine Symbolik, an der wir uns aktiv beteiligen können. Gottes
Versprechen bei der Taufe besteht aus zwei wichtigen Elementen:
Das eine hat mit unserem Untertauchen im Wasser zu tun, das
andere mit unserem Wiederauftauchen.
Wenn wir im Wasser untertauchen, verspricht Jesus, uns
unsere sündige Vergangenheit wegzunehmen. Der Apostel Paulus
drückt es so aus, dass wir in den Tod Christi getauft sind (Röm
6,3). Unsere sündige Vergangenheit wird im Wasser begraben wie
ein Leichnam in der Erde begraben wird. Diese Handlung befreit
uns von dem lähmenden Blick auf unser vergangenes Versagen.
Unsere Vergangenheit ist tot. Jetzt können wir unseren Blick etwas
Neuem zuwenden. Wir schauen auf Jesus, der eine wunderbare
Vollkommenheit für uns bereithält.
Wenn wir begraben werden und wieder aus dem Wasser auftauchen, bietet uns Jesus eine Zukunft an: „Denn ihr alle, die ihr
auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.“
(Gal 3,27) Gott lässt uns in unserer Not nicht allein, er rettet uns,
indem er uns anbietet, in uns zu leben (Kol 1,27). Er will uns von
Bitterkeit, Abhängigkeiten und Stolz befreien und uns dafür
Freude, Frieden und Demut geben. Jesus verspricht uns ein erfülltes Leben, wenn wir es nach seinen Vorstellungen führen. Er gibt
uns ein Ziel für unsere Zukunft und verändert uns Stück für Stück
in sein Ebenbild – was wir uns in unserem tiefsten Innern wirklich
wünschen (Röm 7,19; 8,3).
Wenn also Satan kommt und mich anklagt, kann ich mit Martin Luther sagen: Marcus Witzig ist gestorben (durch das Untertauchen); jetzt lebt Jesus Christus hier (durch das Wiederauftauchen)! Das verspricht Jesus jedem von uns.
Diese wichtige Wahrheit gilt nicht nur für das Ereignis der
Taufe, es soll den Gläubigen durch die Fußwaschung beim Abendmahl das ganze Glaubensleben hindurch begleiten. Hier haben
wir wieder eine interaktive Symbolik. Es wäre wunderbar, wenn
wir dieses schöne, von Gott gegebene Gleichnis beständig neu und
frisch vor Augen haben könnten.
Die Taufe spricht drei Bereiche unseres Lebens an: die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Es ist wichtig, nicht durcheinanderzubringen, wer für welche Bereiche verantwortlich ist. Jesus
verspricht, sich um unsere Vergangenheit und Zukunft zu kümmern, denn auf sie haben wir keinen Einfluss. Wir sind gerufen, uns
ihm anzuvertrauen und uns für ein Leben mit ihm zu entscheiden.
Wenn wir das verstehen, werden wir in Ehrfurcht und Bewunderung aus dem Taufbecken herauskommen, denn wir werden verstehen, wie viel Gott in unserem neuen Leben für uns tun will.
1 Das heißt, dass Jesus diese Lehren in ein Ritual verpackte. Ein Ritual ist ein wiederholbares, nach vorgegebenen Regeln und mit festgelegten Wortformeln und Gesten ablaufendes Ereignis, das die Aufmerksamkeit der
Teilnehmenden auf einen bestimmten Inhalt lenken soll.
2 In der griechischen Originalversion des Verses ist „machet zu Jüngern“ der einzige Imperativ. Die weiteren
Verben sind syntaktisch untergeordnete Partizipien.
Die Taufe
Durch die Taufe bekennen wir unseren Glauben an den Tod
und die Auferstehung Jesu Christi und geben Zeugnis, dass wir
für die Sünde tot sind und entschlossen, ein neues Leben zu
führen. Damit erkennen wir Christus als Herrn und Erlöser an,
werden seinem Volk hinzugefügt und als Glieder seiner Gemeinde
angenommen. Die Taufe ist ein Sinnbild für unsere Gemeinschaft
mit Christus, für die Vergebung unserer Sünden und für den
Empfang des Heiligen Geistes. Sie wird durch Untertauchen
vollzogen auf das Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus
und als Zeichen der Reue über die Sünde. Ihr geht Unterweisung
in der Heiligen Schrift und Annahme ihrer Lehren voraus.
Röm 6,1–6; Kol 2,12.13; Apg 16,30–33; 22,16; 2,38; Mt 28,19.20.
April 2011 | Adventist World
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E L L E N
W H I T E
E N T D E C K E N
Wachet
& betet
Nahrung und Pflege für unsere Seele
Von Ellen G. White
S
eht euch vor, wachet und betet“
waren die Worte unseres Heilands
hinsichtlich der Zeit des Endes und
seiner Wiederkunft, um seine treuen Kinder zu sich zu holen.
wachsam, damit sich kein sorgloser,
gleichgültiger Geist deiner bemächtigt und
du deine Pflicht vernachlässigst und oberflächlich und nachlässig wirst, so dass dein
Einfluss ein Geruch des Todes und nicht
des Lebens wird.
Sei wachsam!
Zunächst sollen wir wachsam sein. Sei
wachsam, damit du nicht heftig, ärgerlich
und ungeduldig sprichst. Sei wachsam,
damit der Stolz keinen Platz in deinem
Herzen findet. Sei wachsam, damit du
nicht von negativen Leidenschaften überwunden wirst, sondern sie besiegst. Sei
Dieser Artikel erschien ursprünglich am
1. März 1856 im Youth’s Instructor.
Siebenten-Tags-Adventisten sind der
Überzeugung, dass Ellen G. White
(1827-1915) während ihres mehr als
siebzigjährigen öffentlichen Wirkens die
biblische Gabe der Prophetie ausübte.
22
Adventist World | April 2011
Es gibt Hilfe
Als nächstes sollen wir beten. Jesus
hätte uns das nicht so eindringlich aufgetragen, wenn es nicht wirklich nötig gewesen wäre. Er weiß sehr wohl, dass wir aus
uns selbst die vielen Versuchungen des
Feindes nicht überwinden, seinen vielen
Fallen nicht entgehen können. Jesus hat
uns nicht allein gelassen, sondern hat uns
eine Möglichkeit gegeben, Hilfe zu finden.
Deshalb ruft er uns auf zu beten.
Recht zu beten, bedeutet, Gott voller
Vertrauen um die Dinge zu bitten, die wir
brauchen. Zieh dich in dein Zimmer oder
an einen anderen Ort zurück, an dem du
nicht gestört wirst, und bitte deinen Vater,
dir um Jesu willen zu helfen. Es steckt
Kraft in einem Gebet, das aus einem Herzen kommt, das sich seiner Schwachheit
bewusst ist, sich jedoch ernstlich nach der
Kraft sehnt, die von Gott kommt. Das ernste, inbrünstige Gebet wird erhört werden.
Wende dich an deinen Gott, der stark ist
und der gern hört, wenn seine Kinder
beten. Auch wenn du dich vielleicht sehr
schwach fühlst und dich manchmal vom
Feind überwunden siehst, weil du das erste
Gebot unseres Heilands – zu beten – nicht
befolgt hast – gib den Kampf nicht auf.
Gib nicht auf
Bemühe dich mehr als zuvor. Gib nicht
nach. Wirf dich zu den Füßen Jesu, der
versucht wurde und weiß, wie er denen
helfen kann, die versucht werden. Bekenne
deine Fehler, deine Schwachheit und dass
du Hilfe brauchst, um zu überwinden,
oder zugrunde gehen wirst. Wenn du
betest, musst du darauf vertrauen, dass
R YA N
F O R K E L
„Wir brauchen ebenso
viel und häufig geistliche Nahrung, wie wir
Nahrung für unseren
Körper brauchen.“
Gott dich hört. Bring deine Angelegenheit
durch Jesus vor Gott, bis deine Seele sich
zuversichtlich auf seine Kraft stützen kann
und du spürst, dass du nicht allein zu
überwinden brauchst. Gott wird dir helfen. Engel wachen über dir.
Aber bevor du diese Hilfe erwarten
kannst, musst du deinen Teil tun. Wache
und bete. Bete inbrünstig. Rede in deinem
Herzen so: „Ich lasse dich nicht, du segnest
mich denn.“ Setze dir eine bestimmte Zeit
zum Beten, mindestens dreimal am Tag.
Daniel betete morgens, mittags und
abends ungeachtet des königlichen Erlasses und der furchterregenden Löwengrube.
Er schämte und fürchtete sich nicht zu
beten, sondern betete dreimal am Tag am
offenen Fenster. Vergaß Gott seinen treuen
Diener, als er in die Löwengrube geworfen
wurde? O nein. Er war die ganze Nacht bei
ihm. Er verschloss den hungrigen Löwen
die Mäuler und sie konnten dem betenden
Mann Gottes nichts anhaben …
Iss und werde satt
Wir können nicht ohne Nahrung leben;
wir würden schon bald Hungerkrämpfe
spüren und unser Körper würde verschmachten und sterben. Wir brauchen
ebenso viel und häufig geistliche Nahrung,
wie wir Nahrung für unseren Körper brau-
chen. Dreimal täglich Stärkung vom Himmel zu erfahren oder Nahrung von Christus,
dem lebendigen Weinstock, zu empfangen,
ist nicht zu viel. Lies die Worte unseres Heilands in Matthäus 5,6: „Selig sind, die da
hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;
denn sie sollen satt werden.“
Zum Nachdenken
1. Was meinst du, würde in deinem Leben geschehen, wenn du dich bewusst bemühen
würdest, dreimal am Tag innezuhalten und zu beten? Wie könntest du dafür sorgen, dass
dies tatsächlich geschieht?
2. Welche Personen in der Bibel, die sich Zeit zum Gebet nahmen und daraufhin erstaunliche Erfahrungen machten, fallen dir außer Daniel ein?
3. Auf wen sollen wir schauen und wonach sollen wir Ausschau halten, wenn wir
„wachen“?
4. Welche Verbindung besteht zwischen „wachen“ oder „im Auge behalten“ und beten?
April 2011 | Adventist World
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A D V E N T G E S C H I C H T E
E
24
Adventist World | April 2011
war anders, der Aktenhefter war nicht
nummeriert, Ellen White war zu dem
Datum, mit dem das Dokument versehen
war, nicht in St. Helena und die Unterschrift war nachweislich gefälscht.
Aber wie hatte das Dokument in den
Ordner im White Estate gelangen können?
Darauf gab es eine mögliche Antwort.
W. C. Whites Sohn, Arthur White, damals
erst zwölf Jahre alt, hatte eine Führung
durch den Tresorraum in Elmshaven geleitet, in der sich Originalhandschriften von
Ellen White befanden. Während der Führung war das Licht ausgegangen. Arthur
hatte die Besucher im Tresorraum zurück-
Margaret
Rowen:
Von
Michael W.
Campbell
W H I T E
E S TAT E
Das sonderbare Leben einer falschen Prophetin
ECHT
G .
Die Leiter der Südkalifornien-Vereinigung und des Pazifik-Verbands mahnten die
Gemeindeglieder eindringlich, „vor der
Äußerung eines Urteils in dieser Sache“ Vorsicht walten zu lassen. Rowen veröffentlichte
einige ihrer ersten Visionen in dem Büchlein
A Stirring Message for This Time (Eine nachdrückliche Botschaft für diese Zeit). Heutigen Adventisten wären wahrscheinlich einige
theologische Warnsignale aufgefallen: Zwischen den sieben letzten Plagen lägen jeweils
sieben Jahre, der Gerichtsthron stand in
einem silbernen Tempel und ein „schrecklicher, schwerer Sturm“ sollte direkt nach dem
Ende der Gnadenzeit auftreten. Abgesehen
von diesen Unterschieden wiesen Rowens
Visionen eine bemerkenswerte Ähnlichkeit
zu Ellen Whites Beschreibung der Endzeit
im Buch Der große Kampf auf.
Im Februar 1917 ernannte die Pacific
Union Conference in Kalifornien eine
Kommission, die Margaret Rowens
Anspruch untersuchen sollte. Diese Leiter
der Gemeinde besuchten Margaret Rowen
am 21. Februar 1917. Einige Tage später –
am 24. Februar – gaben sie eine Erklärung
ab, die besagte, dass sie keinen Hinweis
darauf gefunden hatten, dass „diese Offenbarungen … göttlichen Ursprungs“ seien.2
Im Herbst 1919 behauptete Margaret
Rowen, dass sie in den Aktenschränken mit
Manuskripten im White Estate ein Dokument vom 10. August 1911 gesehen habe,
in dem Ellen White erklärte, dass Rowen
eine zukünftige Botin Gottes sein würde.
Als William C. White, Ellen Whites Sohn
und Sekretär des Ausschusses des White
Estates, die Manuskriptschränke durchsah,
fand er das Dokument. Allerdings konnte
man auf den ersten Blick sehen, dass es sich
um eine Fälschung handelte: Die Blätter
waren nicht perforiert, wie die anderen
Dokumente in dem Ordner, das Schriftbild
E L L E N
Eine weitere Prophetin?
Das mysteriöse Manuskript
F O T O S :
s hatte ganz den Anschein, dass
unmittelbar nach dem Tod
Ellen Whites eine selbsternannte Nachfolgerin ihr prophetisches Erbe antreten wollte.
Am 22. Juni 1916, weniger als ein Jahr nach
Ellen Whites Tod, hatte Margaret Rowen,
eine ehemalige Methodistin, die noch nicht
lange Adventistin war, erste visionsartige
Erscheinungen. Ein Bericht von einem
solchen Erlebnis besagt, dass die 35-jährige
Rowen „ihre Hände über ihrer Brust [gefaltet hatte] und [ihre] weit offenen Augen
ohne zu blinzeln nach oben schauten … So
weit wir es beurteilen konnten, atmete sie
nicht und ihr Körper war steif.“1 Hatte
Gott die prophetische Gabe weitergegeben?
Zu Lebzeiten Ellen Whites hatte es einige
derartige Ansprüche gegeben. Nun war sie
nicht mehr am Leben, um ihren Dienst von
Betrügern abzugrenzen.
GEFÄLSCHT
gelassen, um eine Laterne zu holen. Ein
kleiner Lichtstrahl schien auf einen der
Aktenhefter. Hier fand man das Manuskript. In einem Augenblick der Unachtsamkeit hatte der junge Arthur zu einer
Kontroverse beigetragen, die sich noch über
weitere acht Jahre hinziehen würde. Es war
ein Fehler, den er nie vergaß. Viel später, als
die Türen des Tresorraums im White Estate
ausgetauscht werden mussten, schlief er auf
einer Pritsche im Eingang, um die Lauterkeit des White Estates zu garantieren.3
Die Reform-Kirche der
Siebenten-Tags-Adventisten
Allmählich sammelte Rowen eine
kleine, treue Gruppe von Anhängern hinter
sich, die den Anspruch erhoben, dass sie
eine von Gott gesandte Botin war. Ihre
Ortsgemeinde war offensichtlich nicht von
diesem Anspruch überzeugt. So wurde
Rowen am 15. November 1919 aus der
South Side Adventgemeinde in Los Angeles
ausgeschlossen. Mit dieser geistlichen Märtyrerin als Führerin bildeten ihre Anhänger
eine neue Glaubensgemeinschaft mit dem
Namen „Reform-Kirche der SiebentenTags-Adventisten in Los Angeles, Kalifornien“, wurden meist jedoch – etwas
abschätzig – als „Roweniten“ bezeichnet.
Als offizielle Organisation nahm die
reformierte Adventgemeinde nun auch
Zehntengelder an. Skepsis hinsichtlich Margarets Rowens Herkunft veranlasste sie
zudem, ungewöhnliche Behauptungen aufzustellen, um ihre prophetische Berufung zu
untermauern. Im November 1923 kündigte
sie an, dass die Gnadenzeit am 6. Februar
1924 enden und Christus am 6. Februar
Oben links: Margaret W. Rowen
erhob den Anspruch, Ellen G. Whites
Nachfolgerin als Prophetin zu sein.
Oben: Dr. Burt E. Fullmer gehörte
zu den ersten Unterstützern Rowens. Später versuchte sie, ihn zu
ermorden. Links: Die von Rowen
gefälschte Unterschrift Ellen Whites
(unten) unterscheidet sich deutlich
von der echten.
1925 in Herrlichkeit wiederkommen würde.
Diese Ankündigung erregte großes Aufsehen bei den Medien und führte zu einer
peinlichen Situation für die Siebenten-TagsAdventisten. Als sich Rowens Zeitvorhersage
nicht erfüllte, begann sich die Gruppe ihrer
Anhänger langsam aufzulösen.
Öffentlichkeit. Jüngste Nachforschungen
weisen darauf hin, dass sie einige Jahre in
Florida lebte, bevor sie unter falschem
Namen wieder in die Gegend von Los
Angeles zurückkehrte. Man nimmt an,
dass sie gegen Ende der 1940er oder
Anfang der 1950er Jahre gestorben ist.
Bekenntnis und Mordanschlag
Was wir daraus lernen können
Einer der ersten Unterstützer und
wichtigsten Geldgeber von Margaret
Rowen war Burt E. Fullmer, ein Arzt aus
der Gegend um Los Angeles. Kurz nachdem sich Rowens Zeitvorhersagen nicht
erfüllt hatten, entdeckte er, dass sie Geld
von ihrer eigenen Organisation gestohlen
hatte. Ernüchtert angesichts der Unaufrichtigkeit, die solch eine Handlungsweise
an den Tag legte, gab er am 12. März 1926
zu, dass er es gewesen war, der die
gefälschten Ellen White-Dokumente in
eine offene Lade im Tresorraum des White
Estates „geschmuggelt“ hatte.
Zu dieser Zeit machten Ärzte noch
häufiger Hausbesuche und so wurde Dr.
Fullmer eines Abends noch sehr spät zu
einem Patienten in einem nahegelegenen
Motel gerufen. Als er den Raum betrat,
schlug ihm jemand mit dem Stück eines
Rohres auf den Kopf. Andere Gäste des
Motels, die den Tumult hörten, riefen die
Polizei. Als die Polizei eintraf, fanden sie
Rowen und zwei Helfer mit einer Schaufel,
einem großen Sack und einem Seil. Die
drei nahmen Reißaus, wurden aber kurz
darauf festgenommen.
Wenn Rowen drei Jahre zuvor mit
ihrer Vorhersage des Weltendes noch nicht
genug Aufmerksamkeit durch die Medien
hatte, dann war ihr diese nun sicher, denn
eine große Zeitung berichtete über die
Gerichtsverhandlung. Alle drei Angeklagten wurden wegen „Angriffs mit einer tödlichen Waffe mit dem Vorsatz der Zufügung großen körperlichen Schadens“ zu
Gefängnisstrafen verurteilt. Noch bevor
ein weiterer Prozess wegen versuchten
Mordes angestrebt werden konnte,
starb Fullmer. Etwa ein Jahr später wurde
Rowen eine bedingte Haftentlassung
gewährt. Während der Bewährungszeit
tauchte sie unter und verschwand aus der
Dies ist wohl einer der seltsamsten
Fälle in der Adventgeschichte, gerade zu
einer Zeit, als die Glaubensgemeinschaft
mit der Tatsache fertig werden musste,
dass sie keine lebende Prophetin mehr
unter sich hatte. Würde Gott die Gabe der
Prophetie an jemand anderen weitergeben? Diese und ähnliche Fragen spielten
im Denken vieler Adventisten um 1920
herum eine große Rolle. Auch heute noch
kommt diese Frage immer wieder einmal
auf, wenn einzelne Personen auftreten und
den Anspruch erheben, Ellen Whites
Nachfolger im prophetischen Amt zu sein.
Während solche Ansprüche vom White
Estate ernst genommen werden, ist es
wichtig, dass wir als Kirche nicht nur offen
für die Möglichkeit weiterer Bekundungen
der Gabe der Prophetie sind, sondern auch
alle Lehren an der Bibel messen.
Margaret Rowen verstrickte sich mit
immer dramatischeren Ansprüchen in ein
Netz von Lügen, bis sie sich genötigt sah,
das Ende der Welt vorherzusagen. Viele
Adventisten waren so entschlossen, ihr zu
glauben, dass sie bereit waren, Ungereimtheiten zu übersehen, weil sie an dieser
charismatischen Führungsfigur festhalten
wollten.
1 Michael W. Campbell, „Margaret Matilda (Wright) Rowen“, in Ellen
G. White Encyclopedia, Jerry Moon und Denis Fortin (Hrsg.) (Review
and Herald, in Vorbereitung).
2 Claims Disproved (o. O. 1917).
3 Arthur L. White, „False Prophets I Have Known“ (unveröffentlichtes
Manuskript, o. D.).
Michael W. Campbell
ist Pastor der Wichita
South-Adventgemeinde
in Kansas (USA).
April 2011 | Adventist World
25
FRAGEN ZUR BIBEL
Steht in 1. Mose 5,24 tatsächlich, dass Henoch in den
Himmel aufgenommen wurde?
W
enn man den genauen Wortlaut „in den Himmel aufgenommen“ sucht, lautet die Antwort nein; so steht es
nicht im Text. Wenn wir die Sprache untersuchen, die
im Vers selbst gebraucht wird, müssten wir zu dem Schluss kommen, dass hinsichtlich der Erfahrung des Henoch eine gewisse
Unsicherheit besteht. Lasst uns die Sprache an sich untersuchen,
den Kontext durchleuchten und schließlich auch intertextuelle
Zusammenhänge – das heißt eine
andere Textstelle, in der das
Thema behandelt wird – betrachten.
1. Mehrdeutigkeit der verwendeten Ausdrücke: Hier sind im
Wesentlichen zwei Formulierungen
von Interesse: 1. „Er war nicht mehr
da“ (EB) und 2. „Gott nahm ihn
hinweg“ (EB). Beim ersten Satz
handelt es sich im Hebräischen um
ein Wort (we’eynennû), das wörtlich mit „und er nicht mehr“ übersetzt werden könnte, wobei das
Verb „war“ ergänzt werden müsste:
„Er war nicht da“ bzw. „Er nicht
mehr“. Das könnte heißen, dass er
verschwand oder starb. So sagte
zum Beispiel Jakob über Josef:
„Josef ist nicht mehr da.“ (1 Mo 42,36) Das heißt: „Er ist weg/tot.“
(Siehe auch Hiob 6,8; Ps 39,8) Die zweite Aussage: „Gott nahm ihn
hinweg“ ist ebenfalls zweideutig. Sie könnte bedeuten, dass Gott „ihn
nahm“ (laqah ’thô), in dem Sinne, dass er starb (siehe Hes 24,16; Jona
4,3), oder in dem Sinne, dass Gott ihn befreite oder bewahrte (1 Mo
7,2). Viele christliche Bibelkommentatoren argumentieren, dass der
Abschnitt lediglich sagt, dass Henoch verschwand, weil er einen frühen Tod starb. Meistens gründet sich solch ein Verständnis auf der
Überzeugung, dass das Alte Testament nicht die Auferstehung lehrt,
die zu einer Existenz in der Gegenwart Gottes führt. Es wird argumentiert, dass dieser Gedanke erst später im Alten Testament aufkommt.
2. Bewertung des Kontextes: In 1. Mose 5 wird die Macht des
Todes über die Menschen beschrieben – selbst über diejenigen,
die Gott dienten. Wenn man dieses Kapitel liest, kommt man sich
vor, als würde man die Grabinschriften auf einem Friedhof lesen.
Die Verse entsprechen der literarischen Formel: „X lebte xx Jahre,
zeugte Kinder, lebte xx Jahre, nachdem er Kinder gezeugt hatte,
und starb.“ (Siehe Verse 5, 8, 11, 14, 17, 20, 27, 31) Diese Formel
wird bei Henoch jedoch nicht verwendet; in seinem Fall suchen
wir die Formulierung „er starb“ vergeblich. Demnach bedeutet
die Formulierung „er war nicht mehr da“ tatsächlich nicht „er
starb“, sondern „er verschwand“. In Fällen, wo diese Formulierung
für den Tod steht, geht das aus dem Kontext hervor, nicht aus
dem Ausdruck selbst.
Anders gesagt: Ein Mensch kann verschwinden, weil er stirbt
oder weil Gott „ihn hinwegnimmt“. Das Verb „hinwegnehmen“
wird hier verwendet, ohne dass ein Ort genannt wird – ebenso
wird es auch bei Elia gebraucht (2 Kön 2,3.5), was darauf hinweist, dass es „entrücken“ bedeutet. Das ist ganz klar das, was in 1.
Mose 5,24 gemeint ist. Das Verb wird außerdem verwendet, um
unser zukünftiges Leben beim
Von
Herrn zu bezeichnen (siehe Ps
Angel Manuel 49,15; 73,23–25 ). Beachtet, wie der
Rodríguez
Satz in 1. Mose 5,24 strukturiert ist:
Henoch (a) wandelte mit Gott; und
(b) er war nicht mehr da, denn (a)
Gott nahm ihn hinweg. Dieser
Bericht handelt von Henochs enger
Beziehung mit Gott, die zu seinem
Weggehen beziehungsweise Entschwinden führte und nicht zu
seinem Tod. Die Erklärung, die für
sein Verschwinden gegeben wird,
ist, dass Gott ihn hinwegnahm,
nicht, dass er ihn tötete!
3. Henoch im Neuen Testament:
Wenn ihr immer noch Zweifel habt,
dann lest Hebräer 11,5 (NL):
„Durch den Glauben wurde Henoch
in den Himmel aufgenommen [Griechisch: metatithe-mi, „den Ort
wechseln, entrückt werden], ohne zu sterben, denn niemand sah
ihn mehr, weil Gott ihn zu sich nahm [metatithe-mi, entrücken].“
Die Aussage „er war nicht mehr da“ in 1. Mose 5,24 wird im Hebräerbrief so interpretiert, dass ihn „niemand … mehr [sah]“. Der Satz
„Gott nahm ihn hinweg“ wird so verstanden, dass er an einen Ort
im Himmel entrückt wurde. Die Änderung des Ortes wird so
gedeutet, dass er nicht starb. Und schließlich wird Gott als derjenige
identifiziert, der ihn entrückte oder zu sich nahm.
Henochs Geschichte pflanzt Hoffnung ins menschliche Herz
– Hoffnung in die Tatsache, dass Christus für uns die Macht des
Todes überwunden hat. Was Jesus durch seinen Tod erwirkt hat,
wurde Henoch durch Glauben zuteil. Sein Leben in inniger Verbundenheit mit Gott sollte uns dazu bewegen und inspirieren,
dass Christus in unserem Glaubensleben ständig unser engster
Freund ist.
Er
wurde
hinweggenommen
26
Adventist World | April 2011
Angel Manuel Rodríguez ist Direktor des Biblischen Forschungsinstituts der Generalkonferenz.
B I B E L S T U D I U M
Die
verheißene Gabe
empfangen
Von
Mark A. Finley
Hast du dich schon einmal zu schwach gefühlt, um einer Versuchung zu widerstehen? Hast du dich
schon einmal gefragt, wie du ein siegreiches Glaubensleben führen kannst? Ist dir dein Glaubenszeugnis manchmal schwach vorgekommen?
Das Wirken des Heiligen Geistes zu verstehen, verändert alles. Die Gegenwart und Kraft dieser
himmlischen Gabe ist der Schlüssel. Durch die Kraft des Geistes können wir das Leben führen, das
Gott für uns vorgesehen hat. In unserem heutigen Bibelstudium werden wir Jesu Verheißung des Heiligen Geistes für unser persönliches Leben betrachten.
1. Wozu forderte Jesus seine Jünger auf, bevor er zum Himmel auffuhr? Weshalb gab er
diese Anordnung?
„Siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben,
bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe.“ (Lk 24,49)
Jesus wies seine Jünger an, in Jerusalem zu
.
Er verhieß seinen Jüngern, dass sie mit Kraft
werden würden.
Die Jünger sollten warten, bevor sie losgingen. Sie sollten empfangen, bevor sie gaben. Jesus lädt
uns immer ein, zu ihm zu kommen, bevor wir für ihn losgehen. Er muss etwas in uns tun, bevor er etwas durch uns tut.
2. Wann sollten die Jünger die Kraft aus der Höhe empfangen?
„Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine
Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“
(Apg 1,8 EB)
„Wenn der
auf euch gekommen ist.“
Jesus wusste, dass der Missionsauftrag nicht ohne den Heiligen Geist erfüllt werden konnte. Seine
Jünger hatten nicht die Kraft, die Aufgabe aus sich selbst heraus zu bewältigen. Die Ausgießung des
Heiligen Geistes zu Pfingsten gab den Jüngern die Kraft, das Evangelium mit Vollmacht zu verkündigen.
3. Welche Vorbereitungen trafen die Jünger, um den Heiligen Geist zu Pfingsten zu empfangen? Schreibe zwei Dinge auf, die du im folgenden Vers findest.
„Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu,
und seinen Brüdern.“ (Apg 1,14)
Diese alle waren stets beieinander
im
.
Die Jünger wurden vereint durch den Auftrag Christi, der Welt das Evangelium zu bringen. Dieses
gemeinsame Ziel trieb sie auf ihre Knie und gemeinsam baten sie um die Kraft Gottes. Als sie sich im
Gebet vereinten, wirkte Gott mächtig. Der Heilige Geist wurde überreich ausgegossen (siehe auch
Apg 2,42; 4,31; 12,5).
April 2011 | Adventist World
27
4. Was sagte Jesus seinen Jüngern über den Wunsch seines himmlischen Vaters, sie
mit seinem Geist zu füllen?
„Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater
im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lk 11,13)
geben können, wie viel
Wenn wir unseren Kindern
mehr wird Gott den
denen geben, die ihn darum bitten?
Das Gebet öffnet unsere Herzen, damit wir alles empfangen können, was Jesus uns geben will. Er
möchte uns seinen Geist so gern geben. Er lädt uns ein zu beten, nicht weil er seinen Geist nur widerstrebend über uns ausgießen will, sondern weil wir nicht vorbereitet sind, ihn zu empfangen.
5. Schreibe eine wesentliche Voraussetzung dafür auf, den Heiligen Geist zu empfangen.
„Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen
andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“ (Joh 14,15.16)
„Und wir sind Zeugen dieses Geschehens und mit uns der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die
ihm gehorchen.“ (Apg 5,32)
Gott weiß, dass es uns ernst damit ist, den Heiligen Geist zu empfangen, wenn wir seine Gebote
und ihm
.
Der Heilige Geist überführt uns der Sünde, offenbart die Wahrheit und führt uns dazu, ein Leben des
Gehorsams Gott gegenüber zu führen. Wenn wir uns weigern, eine Lieblingssünde aufzugeben, oder
uns gegen die Aufforderungen des Heiligen Geistes auflehnen, werden wir nie mit dem Geist erfüllt
werden. Ein Leben des Gebets und Gehorsams und ein Herz, das ganz Gott gehört, sind die beste Vorbereitung darauf, den Heiligen Geist in seiner ganzen Fülle zu empfangen. Vom Geist überführt, geleitet und gestärkt, werden wir dazu geführt, den Aufforderungen des Geistes zu folgen.
6. Wozu führt es, wenn wir unser Leben ganz der Herrschaft des Heiligen Geistes anvertrauen?
„Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen
Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,14.15 EB)
Wir empfangen den Geist der
.
Welch ein herrliches Vorrecht! Durch den Heiligen Geist sind wir von der Knechtschaft der Sünde
befreit, erhalten göttliche Leitung und werden als Söhne und Töchter Gottes in die himmlische Familie
aufgenommen. Wenn wir vor Gottes Thron knien und ihn um den Heiligen Geist bitten, wenn wir unser
Leben ihm übergeben und die verheißene Gabe im Glauben in Anspruch nehmen, wird Gott sie uns
gern geben. Öffne dein Herz heute dem wunderbaren Segen dieser verheißenen Gabe. Gott möchte
mehr für uns tun, als wir uns vorstellen können. Er lädt uns ein, täglich im Geist zu „leben“ und zu
„wandeln“ (siehe Gal 5,25). Möge Gottes Geist heute in dein Leben strömen, dich näher zu Jesus ziehen und dir die Kraft geben, ein Leben des Sieges zu führen, das Gott bezeugt.
Im nächsten Monat setzen wir unser Studium
Durch die Kraft des Geistes
fort.
28
Adventist World | April 2011
W Gemeinde im Austausch
LESERBRIEFE
Für einen heiligen Zweck
bestimmt
Ich stimme dem Artikel „Heilig dem
Herrn“ (Januar 2011) und der Schlussfolgerung von Angel M. Rodríguez, dass „der
Zehnte nur von denen zu verwenden [ist],
die von der Gemeinde als Gottes berufene
Werkzeuge zur Verkündigung des Evangeliums anerkannt werden“, voll und ganz
zu. Wenn die Gemeinde von ihren Gliedern erwartet, dass sie ihren Zehnten treu
geben, können die Glieder auch erwarten,
dass die Kirche und all ihre Abteilungen
ihrerseits den Zehnten nur für den in der
Bibel vorgesehenen Zweck einsetzen, nämlich die Verkündigung des Evangeliums.
Werner Lange
Lüneburg, Deutschland
Ein
unbezahlbares
Geschenk
Es ist eine große
Freude, jeden
Monat kostenlos
Exemplare der
Zeitschrift Adventist World zu erhalten. Sie ist ein echter Segen von Gott.
Die Titelgeschichte „Der kleine Diamant“ von Chantal Klingbeil (Dezember
2010) hat mich sehr berührt. Wie fantastisch ist es doch, Geschichten über die
einzigartige Macht Gottes im Leben derer
zu lesen, die ihm treu sind – durch seine
Kraft wurde seine Dienerin zu neuem
Leben erweckt!
Rodrigo Nogueira
Xapuri-Acre, Brasilien
Autorin dankt
Vielen Dank für den Abdruck des Artikels
„Das ‚unsichtbare‘ Klavier“, den ich eingesandt habe (Dezember 2010). Ich schicke
euch einen weiteren Artikel zu eurer Verwendung.
Danke für eure höchst interessante
Zeitschrift. Adventist World ist ein Segen
für uns alle hier im adventistischen Seniorenheim Advent Haven. Wir sind umgeben
von den herrlichen Hügeln des Naturschutzgebietes Suikerbosrand (Sugar Bush
Hills). Es ist sehr friedlich hier und man
kann in dieser wunderschönen Umgebung
wirklich mit dem Gott der Natur in Verbindung treten. Welch ein Vorrecht ist es
außerdem, mit Menschen gleichen Glaubens zusammenzuleben.
Möge Gott euch alle, die ihr für Adventist World arbeitet, weiterhin segnen.
Wilhelmina Dunbar
Heidelberg, Südafrika
Es beginnt
mit mir
Danke für
die Botschaften
und Aufrufe
von der Herbstsitzung und von
Ted N. C. Wilson, unserem
Generalkonferenz-Präsidenten, in den Artikeln „Vergesst
nicht, wie ihr heißt“ und „Delegierte der
Herbstsitzung stimmen auf den Knien für
Erweckung und Reformation“ von Mark
A. Kellner sowie „Virtuelle Realität?“ von
Ted N. C. Wilson (Dezember 2010). Ich
war viele Jahre bei der Generalkonferenz
tätig und habe viele Dokumente und Programme gesehen, und mein Appell ist,
dass diese nicht nur geduldiges Papier
bleiben, sondern dass wir sie als treue
Glieder und Arbeiter für uns persönlich
nehmen und Erweckung und Reformation
in unserem Leben Wirklichkeit werden
lassen. Nie hat es in dieser Welt Ereignisse
gegeben, wie wir sie heute sehen. Lasst uns
vorwärtsgehen und unser Leben und
unsere Glaubensgemeinschaft auf das
Kommen Jesu vorbereiten.
Leo Ranzolin, Sr.
Estero, Florida, USA
Feststellungen und
Entscheidungen
Danke für den Artikel „Christen und
Weihnachten“ von Angel Manuel
Rodríguez (Dezember 2010). Ich freue
mich, mit der Auffassung des Autors darüber, wie Christen mit einem Feiertag wie
Weihnachten umgehen können, selbst
wenn er heidnischen Ursprungs sein mag,
übereinzustimmen.
Vor Jahren habe ich mich mit der Frage
beschäftigt, ob ich als Christ Feiertage und
Traditionen anerkennen sollte, die heidnische Wurzeln haben. Meine Suche begann
bei Ostern und zu meiner Überraschung
fand ich heraus, dass diese christliche Tradition weit davon entfernt war, die Auferstehung Jesu zu feiern. Es dauerte nicht lange,
bis mir klar wurde, dass, wenn ich Ostern
aus meinen Kalender streichen würde, ich
auch Weihnachten streichen müsste. Und
das wäre erst der Anfang. Die Olympischen
Spiele und in vielen westlichen Sprachen
auch die Monatsnamen und die Namen der
Wochentage sind heidnischen Ursprungs.
Als Christ, der am Samstag Gottesdienst
feiert, bin ich dennoch sicher, dass ich nicht
dem heidnischen Gott Saturn folge, nach
dem die Römer diesen Tag benannten.
Ebenso wenig bete ich eine heidnische Göttin an, wenn ich den Tag, an dem Jesus von
den Toten auferstand, Ostern nenne. Und
ich denke nicht einmal an Julius Cäsar oder
den Kaiser Augustus, wenn ich die Monatsnamen Juli und August schreibe.
April 2011 | Adventist World
29
W Gemeinde im Austausch
LESERBRIEFE
Wie Rodríguez ist mir auch klar, dass
diese Angelegenheit „dem Gewissen jedes
Einzelnen“ überlassen werden muss.
Heute eliminiere ich diese Traditionen
nicht, sondern begehe sie um der Größe
des Allmächtigen willen.
Timothy Lemky
West Kelowna, British
Columbia, Kanada
Erinnerung
Danke für die wunderbare Arbeit, die ihr
leistet. Mich hat die Geschichte von Mustaq
von Sudha Khristmukti in der Rubrik „Mit
Gott erlebt“ (Oktober 2010) sehr berührt.
Wenn wir unsere geistliche Armut übersehen, behandeln wir diejenigen schlecht, die
materiell so arm sind, wie wir es geistlich
sind. Oft wenden wir uns von den Menschen ab, die unsere Hilfe brauchen.
Charles Karorero
Bujumbura, Burundi
Zeichen
seines
Kommens
Ich grüße euch
im Namen
unseres Herrn
Jesus Christus.
Ich schreibe
aufgrund des
Artikels von
William G. Johnsson „Adventisten und
Muslime: Fünf Überzeugungen“ (Februar
2010). Ich habe keine Zweifel, dass Gott
durch den Scheich gesprochen hat, um uns
wachzurütteln. Fast alle Endzeitprophezeiungen haben sich erfüllt. Lasst uns alles
tun in dem Wissen, dass die Zeit für unseren Planeten abläuft.
Jimmy Nkwambo
Kampala, Uganda
Schließt uns nicht aus
Unsere Tochter erhält Adventist World in
Polen. Vor kurzem hat sie geheiratet und ist
weggezogen, so dass ich nun keine Möglichkeit mehr habe, die Zeitschrift zu lesen.
Ich würde sie bitte gern erhalten. Meine
Frau Hanna und ich werden sie lesen und
sie an unsere Englisch sprechenden Nachbarn weitergeben. Gott segne euch.
Walter Kaczorowski
Nadarzyn, Polen
Anerkennung
Herzliche Gratulation zu Adventist World.
Sie ist wirklich eine internationale Zeitschrift der Kirche der Siebenten-TagsAdventisten. Sie ist in jeder Hinsicht auf
geistliche Art und Weise lehrreich.
David Likindikoki
Arusha, Tansania
Leserbriefe bitte an letters@adventistworld.org schicken. Bitte
klar und zum Punkt schreiben; höchstens 250 Wörter. Titel des
Artikels, Ausgabe und Seitenzahl angeben; Namen und Wohnort
(Stadt und Land) nicht vergessen. Redaktionelle Bearbeitung
(Kürzung und Präzisierung) vorbehalten. Nicht alle Zuschriften
können veröffentlicht werden.
GEBETSANLIEGEN
Ich suche nach einer festen Arbeit. Bitte
betet für mich. Betet auch dafür, dass Gott
mir hilft, meine Probleme zu lösen.
Cynthia, Südafrika
leme. Ich möchte darauf vertrauen, dass es
mir durch eure Gebete möglich sein wird,
mich für dieses Semester zu registrieren.
Samwell, Uganda
Wir haben gerade eine Landwirtschaftsschule hier in Honduras aufgemacht. Es
waren so viele junge Leute interessiert,
dass wir gar nicht alle aufnehmen konnten. Wenn wir Betriebsmittel aus den USA
gespendet bekommen könnten, würde uns
das sehr helfen, die landwirtschaftliche
Seite unseres Dienstes noch mehr zu entwickeln. Bitte betet, dass Gott eine Möglichkeit schafft.
Jesse, Honduras
Bitte denkt in eurem weltweiten Gebetskreis an drei junge Burschen – dass sie zu
Gott zurückkehren und sich auf einen
Platz im Reich Gottes vorbereiten. Gott
segne euch.
Cliff, Kanada
Eure Gebete haben mich durch mein Studium getragen. Ich habe nur noch zwei
Semester. Dabei ergeben sich erneut Prob-
30
Adventist World | April 2011
Letztes Jahr wurden durch unsere Evangelisationen 827 Personen getauft. Halleluja!
Für dieses Jahr haben wir uns das Ziel von
1.000 Taufen gesteckt. Dazu brauchen wir
eure Unterstützung im Gebet. Denkt an
uns, wenn ihr zum Gebet auf die Knie
geht.
Mark, Ghana
Betet mit mir um Gottes Führung und Rat
für meine Ehe. Helft mir, darum zu beten,
dass der Heilige Geist mein Leben lenkt
– jetzt und für alle Zeiten.
Fitzgerald, Sambia
Bitte betet für meinen Freund, der nach
einer Operation jetzt wieder zuhause ist.
Betet darum, dass er sich rasch wieder
erholt. Ich glaube fest daran, dass Gott
Gebete erhört.
Jewell, USA
Gebetsanliegen sowie Lob und Dank für erhörte Gebete bitte
an prayer@adventistworld.org schicken. Anliegen bitte kurz
und präzise formulieren, höchstens 75 Wörter. Kürzung und
Präzisierung vorbehalten. Wir beten in unserer wöchentlichen
Mitarbeiterbesprechung auch für die Anliegen, die wir nicht
veröffentlichen können. Bitte Namen und Land nicht vergessen.
Gebetsanliegen können auch gefaxt oder per Post geschickt
werden. Fax: 1-301-680-6638. Postanschrift: Adventist World,
12501 Old Columbia Pike, Silver Spring, MD 20904-6600 USA.
„Siehe, ich komme bald …“
D
Austausch
ie Rubrik „Gemeinde im Austausch“ in Adventist World ist für euch und über
euch, liebe Leser. Wir freuen uns über eure Zusendungen für diesen dynamischen Teil unserer Zeitschrift zu den folgenden Themen:
Gebetsanliegen – bitte an prayer@adventisworld.org senden
Gebetsanliegen sowie Lob und Dank für erhörte Gebete. Haltet eure Zusendungen knapp
und präzise (höchstens 75 Wörter). Wir behalten uns vor, eingesandte Gebetsanliegen zu
kürzen und zu präzisieren. Wir beten in unserer wöchentlichen Mitarbeiterbesprechung
für alle Anliegen – auch für die, die wir nicht veröffentlichen können. Bitte vergesst nicht,
euren Namen und das Land, aus dem ihr schreibt, zu nennen.
Leserbriefe – bitte an letters@adventistworld.org senden
Leserbriefe müssen sich auf etwas beziehen, das in Adventist World erschienen ist. Außerdem
sollen sie klar und zum Punkt geschrieben sein und höchstens 250 Wörter umfassen. Vergesst bitte nicht, den Namen des Artikels sowie das Erscheinungsdatum und die Seitenzahl
zu nennen. Und nennt bitte auch euren Namen sowie den Ort und das Land, aus dem ihr
schreibt. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen und zu präzisieren. Zeitgerechte Briefe
haben eine größere Chance, gedruckt zu werden; nicht alle Leserbriefe werden veröffentlicht.
Mehr Informationen erhaltet ihr am Ende der Rubrik „Leserbriefe“ in dieser Zeitschrift.
Leserforum – Beiträge bitte an marank@gc.adventist.org senden
Hier findet ihr kleine Einblicke ins Leben – eine Fülle verschiedenster Dinge aus aller
Welt, die die Leser zum Nachdenken oder zum Lachen bringen und ihre Freude über ihre
adventistische Familie vergrößern. Wir freuen uns über kurze Einsendungen zu den folgenden Kategorien:
POSTEINGANG (kurze, tiefe Gedanken zu geistlichen Themen; höchstens 100 Wörter)
ZITATE (tiefgehend oder spontan)
WO IN ALLER WELT? (hochwertige Fotos von STA-Gliedern aus aller Welt mit aussagekräftigen Bildunterschriften)
KENNT IHR SCHON …? (Hochwertige Fotos mit kurzen biografischen Angaben von neu
getauften Gliedern, Adventisten, die sich aktiv in gemeinnütziger Arbeit engagieren, oder
kleinen Gruppen, die neue Wege beschreiten, um das Evangelium weiterzusagen. Die
Beiträge sollten nicht länger als 100 Wörter sein.)
Andere Möglichkeiten, uns eure Beiträge zu schicken: per Fax an 301-680-6638 oder per
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Maryland 20904-6600, USA.
Schickt uns, was ihr habt, und freut euch über
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R O M E R O
MIT GOTT ERLEBT
Unser Auftrag ist es, Jesus Christus zu erhöhen
und Siebenten-Tags-Adventisten überall im Glauben
und Leben, in ihrer Hoffnung und Mission zu einen.
Herausgeber: Adventist World ist eine internationale Zeitschrift
der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Sie wird herausgegeben
von der Generalkonferenz, Nordasien-Division der Siebenten-TagsAdventisten.
Geschäftsführender Herausgeber: Bill Knott
Mitherausgeber: Claude Richli
Internationaler Verlagsleiter: Chun Pyung Duk
Herausgeberausschuss: Ted N. C. Wilson, Vorsitz; Benjamin
D. Schoun, stellvertretender Vorsitzender; Bill Knott, Sekretär;
Lisa Beardsley; Daniel R. Jackson; Robert E. Lemon; Geoffrey G.
Mbwana; G. T. Ng; Juan Prestol; Michael Ryan; Ella S. Simmons;
Mark Thomas; Karnik Doukmetzian, Rechtsberater
Koordinationsausschuss: Lee, Jairyong, Vorsitz; Akeri Suzuki;
Kenneth Osbom; Guimo Sung; Glenn Mitchell; Chun, Pyung Duk
Chefredakteur: Bill Knott
V. i. S. d. P. (deutschsprachige Ausgabe):
Elí Diez-Prida, Pulverweg 6, 21337 Lüneburg
Redakteure in Silver Spring, Maryland, USA: Gerald A.
Klingbeil (stellvertretender Chefredakteur), Sandra Blackmer,
Stephen Chavez, Mark A. Kellner, Kimberly Luste Maran
Redakteure in Seoul, Korea:
Chun, Jung Kwon; Choe, Jeong-Kwan
Redakteur der Online-Ausgabe: Carlos Medley
Technische Koordination: Merle Poirier
Assistentin des Chefredakteurs: Rachel J. Child
Redaktionsassistenten:
Marvene Thorpe-Baptiste, Alfredo Garcia-Marenko
Leserservice: Merle Poirier
Layout und Design: Jeff Dever, Fatima Ameen
Berater: Ted N. C. Wilson, G T Ng, Robert E. Lemon, Delbert W.
Baker, Guillermo E. Biaggi, Lowell C. Cooper, Daniel R. Jackson,
Geoffrey G. Mbwana, Armando Miranda, Pardon K. Mwansa,
Michael L. Ryan, Blasious M. Ruguri, Ella S. Simmons, Alberto C.
Gulfan jr, Erton Köhler, Jairyong Lee, Israel Leito, John Rathinaraj,
Paul S. Ratsara, Barry D. Oliver, Benjamin D. Schoun, Artur A. Stele,
Bruno Vertallier, Gilbert Wari, Bertil A. Wiklander
Verlag der deutschsprachigen Ausgabe: Saatkorn-Verlag
GmbH, Abt. Advent-Verlag, Pulverweg 6, 21337 Lüneburg
Übersetzung ins Deutsche: Frauke Gyuroka, Graz
Layoutanpassung der deutschsprachigen Ausgabe:
Ingo Engel, München
Druck der deutschsprachigen Ausgabe:
Thiele & Schwarz GmbH, Werner-Heisenberg-Str. 7, D-34123 Kassel
Rötzerdruck, Mattersburgerstr. 25, A-7000 Eisenstadt
Autoren: Wir freuen uns über Beiträge. Unsere Anschrift: 12501
Old Columbia Pike, Silver Spring, MD 20904-6600, USA. E-Mail:
worldeditor@gc.adventist.org, Website: www.adventistworld.org
Die Bibelzitate sind – falls nichts Anderes vermerkt ist – der
Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers (revidierter Text 1984),
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999
Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, entnommen.
Adventist World erscheint monatlich und wird in Korea, Brasilien,
Indonesien, Australien, Argentinien, Deutschland, Österreich und
den USA gedruckt.
7. Jahrgang, Nr. 4
April 2011 | Adventist World
31
LESERF
RUM
W O
I N
A L L E R
W E L T
I S T
D A S ?
A U S D E M LE B E N
G E G R IF F E N
Im Dezember 2010 vollendete ein Freund
von mir, Bruce Wickwire, sein 95. Lebensjahr.
Seine Frau Adele wurde 90! In dem Weihnachtsrundbrief, den sie an ihre Freunde nah und
fern versandten, schreibt Bruce: „Für einige
Körperteile ist die Garantie abgelaufen. Und in
manchen ‚Scharnieren‘ ächzt es schon.“
Charles Tidwell, Sr., Collegedale, Tennessee, USA
E I N G E S C H I C K T VO N
Z I TAT
D E S
C H A R L E N E
F.
N .
C L A R K E
MO N AT S
„Mit Gott werden all unsere hässlichen Herausforderungen zu großartigen Gelegenheiten.“ Isaac Milioti Daka, Evangelist und Bezirkskoordinator im Ost-Sambia-Feld, Sambia
K E N NT I H R
S C H O N …
Alexander? Als Alexander seinen
Fuß zum ersten Mal in eine Adventgemeinde in Tomsk (Sibirien)
setzte, hatte er vor, Ärger zu ma-
N
M I S S I O
Gemeindeältester in einer von nur
zwei Adventgemeinde in Tomsk,
einer Stadt mit einer halben Million
Einwohnern. Er erzählt anderen
von der Liebe Jesu, doch die kleine
Kapelle platzt schon jetzt aus allen
Nähten. Neue Gemeindeglieder
haben gar keinen Platz.
Der Mangel an Kapellen macht
Evangelisationen in ganz Sibirien
zu einer großen Herausforderung.
Bitte betet dafür, dass die Gemeinde
Anbetungsstätten für neue Gemeindeglieder bereitstellen kann, damit
diese weiter im Glauben wachsen
und andere mit der Liebe Jesu bekannt machen können.
Quelle: Adventist Mission Newsletter,
www.adventistmission.org.
A NTW O RT: In Kingston (Jamaica) proben Jugendliche der Ost-Jamaika-Vereinigung, die die Ausbildungskurse der Adventjugend für Youth Leader (YL), Master Guide (MG) und MG mit Pathfinder
Leadership Award (PLA) absolvieren, für ihren Amtseinführungsgottesdienst.
I S T
A D V E N T
chen. Seine Frau hatte begonnen,
regelmäßig zur Gemeinde zu gehen,
und Alexander war entschlossen,
sie aus dieser seiner Meinung nach
„gefährlichen Sekte“ zu retten.
Wie erstaunt war er, als man ihn
überaus freundlich und liebevoll
begrüßte. Alexanders schweres Herz
begann zu schmelzen.
„Ich rang mit Alkoholproblemen
und war verzweifelt“, berichtet er.
„Wenn meine Frau und ich nicht
Christus gefunden hätten, wäre ich
heute nicht mehr am Leben. Ich kam
als Feind in diese Gemeinde, doch
Gott zeigte mir durch die Brüder
und Schwestern seine Liebe.“
Alexander nahm Jesus an,
wurde getauft und ist nun ein
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Seele and Geist
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