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Heute wissen, was morgen ist. - F.A.Z.-Institut

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was
morgen
ist.
Heute wissen,
Ausgabe 6/2012
Schöne neue Arbeitswelt
Wir sind das Volk
Warum die Politik neue Formate benötigt,
und welche Rolle „Demokratie 2.0“ spielt Seite 4
Wie sich Unternehmen bereits heute der
­Arbeitswelt von ­morgen widmen
Seite 16
Nichts für Superman
Wie die Welt des Sports in einigen ­Jahren
aussieht
Seite 24
Zukunftsmanager n Editorial
Ausgabe 6/2012
Demokratie 2.0
Die Demokratie ist ein hohes Gut. Längst haben wir Deutschen uns an Meinungs- und Pressefreiheit, freie Wahlen, eine Opposition und die Grundrechte gewöhnt. Doch so sehr die Demokratie hierzulande tragendes und alternativloses Verfassungselement ist: Auch eine so bewährte Staatsform wie die Demokratie entwickelt sich weiter. In der vorliegenden Ausgabe des
„Zukunftsmanagers“ wagen wir uns an die Frage heran, welche Folgen gesellschaftliche Strömungen wie die Politikverdrossenheit, Transformationsprozesse wie die Energiewende, Mega­
trends wie die Digitalisierung, politische Entwicklungen wie die Schuldenkrise oder der rasante
Aufstieg der Großmacht China für die Zukunft der Demokratie haben werden.
Für den Erhalt von Wachstum und Wohlstand in einer nachhaltig entwickelten Welt wird es
von tragender Bedeutung sein, wie sich das Volk zukünftig – anders als bisher – in Entscheidungsprozesse einbinden lässt, um diese effizienter zu machen, sie aber vor allem auf eine breitere Basis zu stellen.
Sie sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion über die „Demokratie 2.0“ aktiv zu beteiligen
– indem Sie uns schreiben, oder indem Sie eine unserer Veranstaltungen besuchen, auf denen
wir das Thema „Demokratie 2.0“ weiter bearbeiten wollen. Wir werden Ihre Ideen und Beiträge
gern berücksichtigen und in die Debatte einfließen lassen – ganz im Sinne der Demokratie.
Viel Gewinn beim Lesen wünschen Ihnen
Markus Garn
Leiter Innovationsprojekte
F.A.Z.-Institut GmbH
Daniel Schleidt
Leiter Redaktion Innovationsprojekte
F.A.Z.-Institut GmbH
2
Zukunftsmanager n Inhaltsverzeichnis
Ausgabe 6/2012
Seite 24
Titel: Demokratie 2.0
Seite 4
Auf dem Prüfstand
Warum die Demokratie aus ordnungspolitischer Sicht kein Auslaufmodell ist
Seite 8
Demokratie per Klick
Ein Start-up-Unternehmen bietet Konzepte
für die Bürgerbeteiligung der Zukunft an
Seite 12
Was die Welt regiert
Wie neue Governance-Modelle aussehen
könnten
Lebenswelten
Seite 16
Superman kann einpacken
Welche Sportarten in einigen Jahren dominieren werden, und wie sich die Welt des
Sports insgesamt verändert
Seite 27
„Die Industrie ist in der Bringschuld“
Andreas Bruns, Werkleiter bei Henkel, ­
über die Rolle der Industrie als
­Modernisierungstreiber
Seite 31
Big Data 2030
Warum Unternehmen ihre Wert­
schöpfungsprozesse stärker denn je an
i­hrer Zielgruppen ausrichten müssen
Schöne neue Arbeitswelt
Im Frankfurter Messeturm widmet man
sich bereits heute der Arbeitswelt von
­morgen
Seite 20
„Der Zenit ist noch nicht erreicht“
Martin Sonnenschein über lebenslanges
Lernen und die Balance zwischen Beruf
und Familie
Kurz notiert
News
Seiten 36, 37, 38
Bücher
Seiten 36, 37, 38
Veranstaltungen
Strategie & Kultur
Bildung & Forschung
Seite 35
Von der Uni an den Herd
Wie ein Hochschulwettbewerb für neue
Impulse in der Forschung sorgen kann
3
Seiten 36, 37
11 Fragen an
Seite 39
Impressum
Seite 39
Zukunftsmanager n Titel
Ausgabe 6/2012
4
Auf dem Prüfstand
Von Oliver Kainz
Keine Frage der Statik:
Die Säulen, auf denen
Demokratie aufbaut,
sind an sich massiv.
Die Ohnmacht der demokratischen
Institutionen in der Schulden- und
Klimakrise, die Politikverdrossenheit
der Bürger und der kometenhafte
Aufstieg des autoritären Chinas
­provozieren folgende Frage: Ist die
Demokratie aus ordnungspolitischer
Sicht ein Auslaufmodell? Der „Zu-
kunftsmanager“ nähert sich ­dieser
Frage in vier Dimensionen.
Alternative China
Der Siegeszug von Demokratie und Marktwirtschaft galt nach dem Zusammenbruch
der Sowjetunion lange Zeit als Gewissheit.
Doch die liberale Demokratie nach dem
westlichen Muster hat vor allem mit China
eine ordnungspolitische Konkurrenz bekommen. Obwohl das Reich der Mitte die
Verbindung von Markt und Demokratie in
Frage stellt und Presse- wie Meinungsfreiheit unterbindet, hat es nichts von seiner
Strahlkraft eingebüßt. Im Gegenteil: Die hohen Wachstumsraten und der schnelle
technologische Fortschritt lassen den Wes­
ten vor Neid erblassen. Im Gegensatz zum
Kommunismus zeigt das gegenwärtige chinesische Modell, dass man anders und erfolgreich sein kann, betont der Politikwissenschaftler Michael Zürn. Dies bestätigt
auch der Unternehmensberater Lutz Berners. Er hilft deutschen Firmen beim chinesischen Markteintritt. „Besonders
Standorte wie Schanghai oder Guang­
zhou gestalten die bürokratischen Abläufe transparent und erleichtern somit ausländische Investitionen“, erzählt Berners. Darüber hinaus forciert
China Großprojekte viel konsequenter als
Deutschland: Während die Verantwortlichen bei Projekten wie Stuttgart 21 mühevoll um Konsenslösungen ringen, baut China mit Hilfe von Siemens zielstrebig die
längste und leistungsstärkste Hochspannungsleitung der Welt. Häufig hieß es zuletzt, chinesische Unternehmen könnten
Erfindungen nur kopieren, seien selbst aber
nicht in der Lage, Innovationen voranzutreiben. Berners widerspricht: „Auch wenn
deutsche Unternehmen die vielen Patent­
anmeldungen der Chinesen oft als zu banal
belächeln, ist die Innovationskraft von kleinen und mittelständischen Unternehmen
beachtlich.“ Das Beispiel China zeigt, dass
auch in Zukunft Systeme nicht zwingend
demokratisch organisiert sein müssen, um
Wachstum zu schaffen, Wohlstand zu generieren und ausländische Investitionen zu ermöglichen. So beeindruckend diese Fakten
auch sein mögen, China bezahle einen hohen Preis dafür, warnt der Politikwissenschaftler Hauke Brunkhorst: „Die soziale
Ungleichheit in der chinesischen Bevölkerung führt zu Auseinandersetzungen, die
das Land zerreißen könnten.“
>
Zukunftsmanager n Titel
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Globalisierung
Stabiler Sockel: Die Idee
der Demokratie lebt. Sie
muss aber in Zukunft
neue Formen zulassen.
5
Ausgabe 6/2012
Nicht nur China stellt das westliche Modell in
Frage, auch der ständige Veränderungsdruck
im Sturm der Globalisierung macht der Demokratie zu schaffen. Subsysteme wie Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur organisieren
sich schneller und effektiver über Grenzen
hinweg als die politischen Entscheidungsträger. „Die Handlungsfähigkeit der Politik wurde dadurch in den letzten Jahren stark eingeschränkt“, erklärt Brunkhorst. Die eindrucksvolle Performance von globalen Konzernen
bei der gleichzeitigen Abwesenheit einer demokratischen Weltregierung oder schlagkräftiger EU-Institutionen unterstreicht diese These. Die Politik ist zwar nicht im nationalen Container gefangen, aber sie hinkt bei
der Demokratisierung der internationalen
Institutionen hinterher. Das Kernproblem:
Politiker müssen transnationale Probleme lösen, die den Zeithorizont von Wahlperioden
deutlich überschreiten. „Bei der Klima-, Energie- und Verschuldungsfrage brauchen wir
langfristige Entscheidungen, die die Kosten
der nachfolgenden Generationen berücksichtigen“, sagt Michael Zürn. Bisher galt:
Mehrheitsentscheidungen sind die richtigen
Entscheidungen. Bei langfristigen Problemen
wie dem Klimawandel stellt sich die Mehrheit der Bevölkerung aber gegen die Entscheidungen, die ein nachhaltiges Zusammenleben sichern. Wie kann die Demokratie
so eine verzwickte Situation lösen? Die Mehrheitsentscheidungen haben in einer Demokratie einen unheimlich hohen Wert. „Es >
ES BEGANN MIT EINER
GUTEN IDEE.
Es gab eigentlich nichts Besonderes
zu feiern, aber wir wollten ganz einfach unsere liebsten Freunde einladen
und einen heiteren Abend mit ihnen
verbringen. Eine hervorragende Idee!
Wir hatten viel Spaß zusammen. Und
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Zukunftsmanager n Titel
Ausgabe 6/2012
dürfen also nicht Philosophenkönige entscheiden, wann eine Mehrheitsentscheidung
richtig oder falsch ist. Wir dürfen mit unseren
Entscheidungen den nachfolgenden Generationen aber nicht die Lebensgrundlagen entziehen“, sagt Zürn und schlägt ein kluges Abwägen der beiden Prinzipien vor.
Vertrauenskrise
Ob virtuell oder physisch:
Orte der Versammlung
bleiben von zentraler
Bedeutung.
Die westlichen Demokratien müssen nicht
nur auf äußere Einflüsse wie die Globalisierung reagieren. Auch im Inneren der Systeme
brodelt es. Die niedrige Wahlbeteiligung, das
Phänomen des Wutbürgers und der überraschende Aufstieg der Piratenpartei machen
es deutlich: Die bisherigen institutionalisierten Entscheidungswege sind veraltet. Das
bestätigen auch die Zahlen des European Social Survey. Während Zentralbanken und Verfassungsgerichte in Deutschland ein hohes
Ansehen genießen, trauen 80 Prozent der
Befragten den Parteien und Parlamenten
„nicht sehr“ oder „gar nicht“. Im Kampf gegen diese Politikverdrossenheit fallen häufig
die Schlagworte direkte Demokratie und
Transparenz. Entscheidungsprozesse müssen
für den Bürger verständlich und nachvollziehbar sein. Einen zukunftsweisenden Versuch, die Tür des stillen Kämmerleins zu öffnen, unternimmt die Internetplattform FragdenStaat.de. Egal ob es um deutsche Waffenverkäufe oder das Ackermann-Abendessen
im Kanzleramt geht – jeder Bürger kann die
Plattform nutzen, um Anfragen an deutsche
Bundesbehörden zu stellen. Die anschließende Antwort der Behörde ist auf der Plattform öffentlich einsehbar. Ähnliche Initiativen gibt es in Großbritannien mit MySociety.
org oder in Österreich mit meineabgeordneten.at und amtsgeheimnis.at. Um das politische Engagement der Bürger in Parteien in
Zukunft zu erhöhen, wird immer wieder der
6
Ruf nach mehr Mitbestimmung laut. Mit den
Grünen und der Piratenpartei stellen die
zwei jüngsten deutschen Parteien das basisdemokratische Element in den Mittelpunkt.
„Bei umstrittenen Entscheidungen sind Basisprozesse legitimitätsfördernd, aber zu viel
Basisdemokratie schränkt die Entschlossenheit der Partei zu stark ein“, analysiert Zürn.
Differenziert gilt es auch Referenden und
Volksabstimmungen zu betrachten. Auf lokaler Ebene sind sie ein geeignetes Instrument, um die Partizipation der Bürger zu fördern. „Aber bei Direktabstimmungen besteht
immer das Risiko des populistischen Missbrauchs“, mahnt Zürn. Dem entgegnet
Brunkhorst, direkte Demokratie sei „nicht anfälliger für Populismus als die repräsentative
Demokratie“. Das würden die Stimmengewinne der populistischen Parteien in den
parlamentarischen Systemen wie in Holland
oder Norwegen beweisen.
Hoffnungsschimmer
Populistischer Machtmissbrauch wird – egal
in welcher Ausprägung – von den Regierten
früher oder später bestraft. Dies haben die
Revolutionen in der arabischen Welt gezeigt.
Darüber hinaus offenbaren die Aufstände,
dass die Sehnsucht nach Freiheit und politischer Partizipation allgegenwärtig ist. Natürlich ist es noch nicht abzuschätzen, ob
sich in Ägypten oder Libyen langlebige Demokratien etablieren. Doch für Michael Zürn
sind die Veränderungen Anlass zur Hoffnung:
„In Zukunft wird es mehr Demokratien >
Zukunftsmanager n Titel
geben als Autokratien“, prognostiziert er. Immer mehr Staaten steigern ihre Bildungsund Wohlstandslevel. Je gebildeter die Menschen sind, desto deutlicher ist auch ihr
Wunsch nach Mitbestimmung. Hinzu kommt
die Tatsache, dass in einer globalisierten Welt
die Informationen im Netz frei verfügbar
sind. Selbstsüchtige Diktatoren haben es laut
Zürn immer schwerer, ein Informationsmonopol aufrechtzuerhalten, und geraten in die
Defensive, wenn sie sich nicht um das Gemeinwohl kümmern.
Gegen das System: In politischen Konflikten wird
der Kampf Davids gegen
Goliath gern zitiert.
7
Ausgabe 6/2012
Fazit
Die Idee der Demokratie ist nicht tot. Doch es
gilt, das hehre Demokratieprinzip mit neuem
Leben zu füllen: Transparenz und der gezielte
Einsatz von basisdemokratischen Instrumenten fördern das politische Engagement
der Bürger. Generationengerechte Entscheidungen in der Verteilungs-, Energie-, und Klimafrage sind dringender denn je. „Diese können“, so Brunkhorst, „in Zukunft nur von
transnationalen und demokratisch legitimierten Institutionen getroffen werden.“<
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Zukunftsmanager n Titel
Ausgabe 6/2012
8
Demokratie per Klick
Von Clara Görtz
Demokratie braucht neue Formate,
weil Bürger zunehmend Mitsprache
fordern. Dadurch ergibt sich ein
neuer Markt. So bietet beispielsweise
das Start-up-Unternehmen eOpinio
Konzepte für die Bürgerbeteiligung
der Zukunft an.
Selbstbewusst: Bürger
fordern mehr Mitbestimmung und beeinflussen
so die Politik.
Am 30. September 2010 sorgte ein Bild weltweit für Furore. Es zeigt den 66 Jahre alten
Rentner Dietrich Wagner. Mit blutenden Augen und nassen Kleidern wird er aus dem
Zentrum des Geschehens weggeführt. Heute
ist er nahezu blind. Er und andere Demonstranten hatten sich im Stuttgarter Schlossgarten versammelt. Sie wollten verhindern,
dass 25 Bäume
gefällt wurden,
die den rund um
das Großprojekt
„Stuttgart 21“ ge-
planten Bauarbeiten für die GrundwasserAufbereitungsanlage im Weg standen. Eigentlich sollte die Polizei die ­Fläche nur sichern, doch: Bei der Räumung des Baugeländes setzte sie Tränengas und Wasserwerfer
ein, viele Demonstranten, ­darunter Dietrich
Wagner, wurden zum Teil schwer verletzt.
Für die damals noch schwarz-gelbe Landesregierung bedeutete der Tag ein Desaster,
und er gilt als einer von vielen Faktoren, die
den Regierungswechsel ein halbes Jahr später mitbestimmt haben. Rückblickend war
der 30. September vor
>
Zukunftsmanager n Titel
Lichtblicke: Wutbürger
könnten mit mehr Be-
teiligungsmöglichkeiten
besänftigt werden.
Ausgabe 6/2012
zwei Jahren Kulminationspunkt eines bis dato friedlichen Konflikts zwischen unterschiedlichen Interessenvertretern, von denen
die einen für, die anderen gegen das Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ waren. Denjenigen, die dagegen waren, gelang es letztlich
nur, den Bau des Bahnhofs um ein Jahr zu
verzögern. Die Bahn verlor mehrere Millionen Euro, das Land Baden-Württemberg
zahlte ein Vielfaches für Polizeieinsätze, die
Schlichtung und die schließlich beschlossene
Volksabstimmung. Und das, obwohl Bundestagsabgeordnete in den Jahren zuvor über
das milliardenschwere Infrastrukturprojekt
9
beraten hatten, ebenso der Landtag und die
Kreistage der Region. Selbst das EU-Parlament und die Gerichte hatten dem Bau zugestimmt. Doch der sauber eingehaltene bürokratische Weg erwies sich als nicht optimal.
als Innovationsassistent einstieg. „Die Politik
hat die Bürger nach deren Empfinden viel zu
spät einbezogen“, findet er. Darüber waren
die Stuttgarter sauer – so sauer, dass sie auf
die Barrikaden stiegen und das Wort „Wutbürger“ prägten.
„Stuttgart 21 ist ein Paradebeispiel dafür, wie
Politik in Deutschland heute nicht mehr gemacht werden sollte und wie sie in Zukunft
immer weniger funktionieren wird“, sagt
Falko Walther, der dafür plädiert, Bürger so
früh wie möglich und noch stärker als bisher
– am besten schon in der Planungsphase –
am Entscheidungsprozess zu beteiligen. Aus ihren Vorstellungen und
dem Trend, dass Bürger mehr Mitspracherecht fordern, haben seine
ehemaligen
Kommilitonen
Sascha Alexander Wagner, Sebastian Vogt und Patrick
Weber eine Firma gemacht. 2009 haben die
drei die eOpinio GmbH
gegründet, in die Walther
Anfang dieses Jahres
Diesem Phänomen will eOpinio entgegenwirken und hat sich auf die Entwicklung
maßgeschneiderter Konzepte für eine professionelle Bürgerbeteiligung spezialisiert.
Die hessische Stadt Eschborn nahe Frankfurt
am Main zum Beispiel beauftragte das Team
2011 damit, ein Bürgerbeteiligungsprojekt
durchzuführen. Dabei ging es um die „Alte
Mühle“, ein Bauwerk, das die Stadt 2007 aufgekauft hat und bei dem es sich um eines der
ältesten Gebäude Eschborns handelt. Im
Zentrum stand die Frage, wie die „Alte Mühle“ in Zukunft genutzt werden könnte. In enger Abstimmung mit der Stadt entwickelte
eOpinio eine Internetplattform und steuerte
hierüber zahlreiche Aktivitäten. Neben rein
informativen Elementen sollten die Bürger
Vorschläge zur Nutzung des Bauwerks einbringen und ihre Meinung zu bereits eingegangenen Vorschlägen abgeben.
Die größte Zustimmung erhielt die Idee
„Freiluft für alle“. Sie umfasst ein kleines
Mühlenmuseum und Räume für Tagungen
sowie Empfänge. Für die Freiflächen regten
die Bürger einen Sinnesgarten, eine Naturund Kräuterecke, eine Kleinkunstbühne und
einen Spielplatz mit Spielwiese an. Gas- >
Zukunftsmanager n Titel
Ein Video über die „Alte Mühle“
in Eschborn können Sie sich hier
ansehen:
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Informationen über eOpinio
erhalten Sie hier:
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tronomische Angebote wünschte sich die
Mehrheit der Bürger dagegen nur in kleinerem Ausmaß. „Vielen Eschbornern war zum
Beispiel die Regelung wichtig, dass nach­
22 Uhr keine Musik mehr zu hören ist“, sagt
Walther.
Neben der Einrichtung und Betreuung der
aufwendig gestalteten Internetplattform
setzen Walther und seine Kollegen auch auf
klassische Instrumente. In Eschborn veranstalteten sie gemeinsam mit den Mitarbeitern der Stadt zum Beispiel einen Tag der offenen Tür, befragten die Anwohner persönlich und führten Postkartenaktionen durch.
„Jeder Bürger sollte die Möglichkeit haben,
sich zu beteiligen“, so Walther. Das führte sogar bis zu Nachhilfestunden im Umgang mit
dem PC. „Deshalb sind wir der Meinung, dass
man klassische und digitale Medien auch in
Zukunft kombinieren muss, um Bürger erfolgreich in politische Entscheidungsprozesse einzubinden“, betont Walther. Der Erfolg des Projekts gibt ihm recht: 8.661 Menschen nahmen an dem Onlinebürgerdialog
teil – das entspricht fast der Hälfte der Einwohner. Insgesamt gingen 39 Vorschläge für
die Nutzung ein. Den Politikern trieb diese
Zahl zunächst den Schweiß auf die Stirn: Die
ängstliche Nachfrage einer Stadtverordneten, ob man diese Vorschläge nun eins zu
eins
verwirklichen
müsse, verneinte
Bürgermeis­
ter Wilhelm Speckhardt. Die
Stadtverordneten blieben in ihrer Entscheidung frei.
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12. Dezember 2012 | Hannover
Ein Tag –
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Ausgabe 6/2012
Zukunftsmanager n Titel
Ausgabe 6/2012
„Am Ende waren dennoch alle Beteiligten zufrieden“, erinnert sich Walther. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist rein psychologischer Natur. Denn selbst mit unterschiedlichen Beteiligungsmöglichkeiten wird es
wohl kaum einer Kommune gelingen, 100
Prozent der Bürger davon zu überzeugen,
Vorschläge einzureichen und abzustimmen.
„Aber allein das Wissen darüber, dass man
die Möglichkeit hat, mitzuwirken und mitzuentscheiden, wird immer wichtiger und ausschlaggebend dafür, ob Bürger für oder gegen ein Projekt sind. Daneben ist es unabdingbar, all denjenigen, die sich zu Wort melden wollen, eine Möglichkeit zur Beteiligung
an die Hand zu geben“, sagt Walther.
Mit Megatrends wie der Digitalisierung sowie neuen Möglichkeiten der Kommunikation nehmen die Informationsmöglichkeiten zwar zu. Das ent-
bindet Politiker aber nicht davon, Bürger
über ihre Pläne aufzuklären – und zwar so
einfach wie möglich. Denn insbesondere für
Projekte, die viel Raum benötigen und bei
denen sich die Umgebung drastisch verändert, mangelt es den Menschen an Vorstellungskraft. Walther und seine Kollegen bieten aus diesem Grund an, 3-D-Modelle zu
konzipieren und herzustellen. „So demonstrieren wir beispielsweise, wie die Landschaft aussehen würde, wenn in der direkten
Umgebung Windkraftanlagen stünden“, erklärt Walther. Aus seiner Sicht nehmen Maßnahmen wie diese einen zentralen Stellenwert ein, um einen tiefgreifenden Wandel,
den beispielsweise die Energiewende mit
sich bringt, zu bewältigen. Trotzdem gibt er
zu verstehen, dass sich nicht alle politischen
Vorhaben für eine Bürgerbeteiligung
11
­eigneten. „Insbesondere Finanzierungsfragen lassen sich oft nicht von einer Mehrheit
diskutieren, vielmehr geht es hier um Experteneinschätzungen“, sagt Walther. Aber
selbst in höchst komplexen Angelegenheiten
spricht er sich für informelle Beteiligungsmöglichkeiten aus. „Es gibt immer eine Möglichkeit, die Bürger zumindest nach ihren Erwartungen und Ideen zu fragen.“
Wenn es nach ihm geht, setzt in Zukunft jede
Kommune auf Bürgerbeteiligung. Walther
geht sogar noch einen Schritt weiter: „In 50
Jahren könnte sich in Deutschland eine neue
politische Beteiligungskultur entwickelt haben.“ Immer mehr politische Entscheidungen
könnten dann gemeinsam mit den Bürgern
getroffen und mit Hilfe von digitalen Verfahren realisiert werden.<
c.goertz@zukunftsmanager-magazin.de
Zukunftsmanager n Titel
Ausgabe 6/2012
12
Was die Welt regiert
Von Edgar Göll
Die gute Nachricht: Autokraten ha-
rungsarbeit in Zeiten von Wirt-
aktuell ein Blick auf einige arabische
und Interessenkonflikten nicht
ben es immer schwerer – das zeigt
und nordafrikanische Länder. Die
schlechte Nachricht: Auch für demoNicht mehr repräsenta-
kratische Länder wird die Regie-
schaftskrisen, Naturkatastrophen
einfacher. Es ­bedarf daher neuer
Governance-Modelle. Wie diese
aussehen könnten.
tiv? Jedenfalls braucht
Demokratie in Zukunft
partizipative Elemente.
Regieren wird schwieriger, die Steuerung
von Gesellschaften
immer
komplizierter,
Politik
zeigt sich häufiger
überfordert. Zugleich steigt die Erwartung, dass Probleme schnell gelöst
werden und das
Wachstum reibungslos weitergeht. Dagegen nehmen die absehbaren Herausforderungen sowohl in
quantitativer
als
auch in qualitativer Hinsicht zu – ja, es lässt
sich von einer exis­
tenzbedrohenden Problemlage sprechen, die aus multiplen Krisentrends resultiert: dem „Peak Everything“.
Die schwelende Krise der Demokratien bezeichnet der Politikwissenschaftler Colin
Crouch als „Postdemokratie“: Anstelle des
fairen und überlegten Aushandelns von divergierenden gesellschaftlichen Interessen
gerate Politik durch überstarke Einflüsse
von Konzernen und Wirtschaftsinteressen
zum bloßen „Management von Sachzwängen“.
Wir sollten uns vergegenwärtigen, dass sich
die Grundprinzipien repräsentativ-demokratischer Strukturen und Arrangements vor
mehr als 2.000 Jahren herausgebildet haben.
Doch die gesellschaftlichen, ökologischen
und geothermischen Verhältnisse wandeln
sich. Es heißt, dass wir im Erdzeitalter „Anthropozän“ lebten, welches das „Holozän“
abgelöst habe: Die intendierten sowie die
unintendierten Folgen menschlichen Handelns haben die Naturprozesse in welthistorischem Maße verändert, teilweise sogar >
Zukunftsmanager n Titel
Ausgabe 6/2012
zerstört. Erstmals besteht die reale Gefahr,
dass die Existenzbedingungen des Menschen
von eben diesem zerstört werden. Die Kluft
zwischen den dringend erforderlichen Maßnahmen zur Abkehr von dem sich ausbreitenden nicht nachhaltigen Fehlentwicklungspfad und der realen Umsteuerung
wächst weiter.
Daher lohnt ein Blick
in die zukunftsorientierte Fachliteratur. In einer Studie wurden ausgewählte Texte aus
dem Bereich Zukunftsstudien und
Science-Fiction dahingehend untersucht, ob darin „Zukunftsbilder“ über
interessante künftige
Governance
beschrieben werden. „Governance“
bezieht sich auf Regierungsführung
im weiteren Sinne,
auf gesellschaftspolitische Steuerungsformen, in
denen Regierung
sowie Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft einbe-
zogen werden. Im Folgenden soll ein Beispiel
aus Zukunftsstudien und ein Beispiel neuerer
Science-Fiction angeführt werden.
Die „Vision 2050“ des WBCSD
Das World Business Council for Sustainable
Development (WBCSD), in dem sich maßgebliche CEOs dem Thema nachhaltiger Wirtschaft vor allem auf der internationalen politischen Ebene widmen, hat die Vision 2050
erarbeitet. 29 Mitgliedsunternehmen haben
sich beteiligt und eine Nachhaltigkeitsvision
samt Entwicklungspfad dorthin sowie konkrete Chancen für Unternehmen aufgezeigt.
Der WBCSD regt damit tiefgreifende Veränderungen in den Lenkungsstrukturen, den
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und
» Eine ›obskure Ökosekte‹
hat die Macht übernommen
und ist im Begriff, eine
neue Gesellschaftsordnung
aufzubauen.«
im Verhalten von Menschen und Unternehmen an. Dies sei notwendig und machbar, vor
allem für jene Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihre Strategie integrierten. Zu Governance wird eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Wirtschaft, Gesellschaft
und Wissenschaft empfohlen – aus Gründen
der Wahrnehmung von Problemen und Her­
13
ausforderungen sowie zum Zweck der gemeinsamen Lösung der Probleme und der
Bündelung der erforderlichen Ressourcen.
Der Umbau der Industriegesellschaften erfordere eine immense Kraftanstrengung und
z.B. neue Infrastruktursysteme und Energiesysteme. Während der strategische Fokus auf
der internationalen Ebene liegt, wird unterstrichen, dass die enge Zusammenarbeit auf
allen Ebenen erfolgen sollte, vor allem auch
auf der lokalen.
Das „Tahiti-Projekt“ von Dirk Fleck
Dieser mit dem Deutschen Science-FictionPreis 2009 ausgezeichnete Roman spielt im
Jahr 2022 und beschreibt Tahiti, wo eine „obskure Ökosekte“ die Macht übernommen hat
und im Begriff ist, eine neue Gesellschaftsordnung aufzubauen. Ein charismatischer,
weiser junger Präsident erreicht demnach im
Jahr 2013 die Unabhängigkeit Polynesiens
und erhält internationale Hilfsgelder. Unter
seiner Führung wird die Inselgruppe mit alternativen Technologien und durch die Nutzung der eigenen sozialen und ökologischen
Traditionen zukunftsfähig entwickelt. Die im
Buch beschriebenen umwelttechnischen Lösungen gibt es bereits heute, sie werden allerdings noch nicht flächendeckend eingesetzt. Governance wird beschrieben als aufgeklärtes Handeln eines weisen und tatkräftigen Präsidenten, der auf Dezentralisierung,
das Wissen der Ureinwohner und die Nutzung modernster umweltschonender Technik setzt. Möglich wird dies durch bür- >
Zukunftsmanager n Titel
Mehr Informationen
Details über die „Vision 2050“ des
World Business Council for Sustainable Development finden Sie
ÆÆIm Internet
Weitere Informationen über das
„Tahiti-Projekt“ finden Sie
ÆÆIm Internet
Informationen über das Institut für
Zukunftsstudien und Technologiebewertung finden Sie
ÆÆIm Internet
Ausgabe 6/2012
gernahe politische Repräsentanten, die gemäß ihrer Expertise auf vier Parlamente verteilt sind: Wirtschaftsparlament (Konsum,
Produktion, Handel, Geld), Politikparlament
(Boden, Verkehr, Sicherheit, Außen- und
Rechtspolitik), Kulturparlament (Bildung,
Wissenschaft, Kunst) und Grundwerteparlament (Ethik, Spiritualität).
Die Bestandsaufnahme zeigt insgesamt,
dass sowohl in Zukunftsstudien als auch in
Science-Fiction fast nur inhaltliche Aspekte
künftiger Zustände („Was?“) stehen, während Governance (das „Wie“) nur selten oder
abstrakt thematisiert wird. Trotz dieser „Governance-Lücke“ können Hinweise für zukunftsfähige Governance gewonnen werden:
 S
tarke
Partizipation
und flache Hierarchien:
Sowohl der Bedarf als auch
die Bereitschaft und Fähigkeit zu Partizipation nehmen zu, ange-
Neue Machtmen-
schen: Künftig gewin-
nen selbstreflektierte,
flexible Menschen.
messene Beteiligungsverfahren ermöglichen die Nutzung der Kapazitäten der
Teilnehmer und erhöhen die Legitimation.
 D
ezentralisierung und kleine Lebenseinheiten: Befriedigende humane Beziehungen lassen sich in zahlenmäßig begrenzten, also überschaubaren Einheiten
leben – in realen Orten oder im Cyberspace.
 Pluralismus, Diversity, Toleranz, Resilienz:
Die steigende Komplexität und Vielfalt
künftiger Gesellschaften erfordern entsprechende Fähigkeiten.
 Künftig gewinnen selbstreflektierte Menschen, die flexibel
und anpassungsfähig sind:
Aufgrund der Beschleunigung des Wandels müssen
sich Menschen offen in
Frage stellen, sich häufig
neu positionieren und
arrangieren.
 „Ganzheitlichkeit“: Alle
Aspekte von Individuen
und sämtliche gesellschaftlichen Bereiche
werden berücksichtigt,
auch seelische. Wenn
auch psychisch-emotionale Facetten von Individuen adäquat zur Geltung
14
kommen können, stärkt das die Work-LifeBalance.
 Wertschätzung allen Lebens, Nächstenund Fernstenliebe, Folgendenken, Solidarität: Rücksicht und Sorgfalt gegenüber
sich selbst und anderen bieten eine notwendige Basis für realistische und tragfähige Entscheidungen und Aktivitäten.
Angesichts dieser Zukunftshinweise ist es erfreulich, dass aktuelle Konzepte einige dieser
Elemente aufgreifen. So hat etwa der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen“ ein Bündel
transformierter Maßnahmen vorgeschlagen,
um die Energiewende und ähnliche Strukturveränderungen zu verwirklichen. Dazu gehört in Sachen Governance einerseits ein
„gestaltender Staat“, der aktiv Prioritäten
setzen soll und in dem andererseits stark verbesserte Mitsprache- und Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger etabliert werden sollen.
Die Zeit drängt.<
Dr. Edgar Göll
ist wissenschaftlicher
­Mitarbeiter am Institut für
Zukunftsstudien und
Technologiebewertung,
Berlin.
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am 9. März 2013
in Frankfurt am Main
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Gesucht und gefunden: Innovationen für die Welt von morgen
Innovationspreis der deutschen Wirtschaft
Erster Innovationspreis der Welt ®
www.innovationspreis.com
Veranstalter:
Hauptpartner:
Mitveranstalter:
info@innovationspreis.com
Die Stifter 2011/2012:
und zahlreiche Förderer
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Bleistift statt Büro-
klotz: Die Architektur
der ­Arbeitswelt ist im
Wandel.
Ausgabe 6/2012
16
Schöne neue Arbeitswelt
Von Clara Görtz
Unsere Arbeitswelt ist im Umbruch:
­Zunehmende Projektarbeit, neue
­Formen der Kommunikation, der
­drohende Fachkräftemangel, der
demographische Wandel und viele
weitere Entwicklungen erfordern
neue Konzepte. Im Messeturm
Frankfurt setzt man sich damit
­gezielt ­auseinander.
Manchmal führt Ron-Arne Sydow seine Gäste
auf direktem Weg vom Eingangsbereich in
das Konferenzzimmer seines Unternehmens.
Schnell geht er dann an der mit Erfrischungsgetränken und Spirituosen üppig ausgestatteten Bar vorbei. Insgeheim wünscht er sich
in solchen Momenten wahrscheinlich, dass
seine Gäste auf den Boden schauen, anstatt
der Theke zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Zwar sind ihm diese Besucher genauso
willkommen wie andere Gäste. Doch bei ihnen handelt es sich um eine konservative Klientel, der er nicht zu viel zumuten möchte.
Anderen Gästen zeigt er das Bürokonzept
seines Unternehmens dagegen gern und voller Stolz. Das ist verständlich, schließlich haben er und sein Kollege Joachim Trenz ihre
Personalberatung Callidus Executive erst vor
wenigen Jahren gegründet – und bereits kurze Zeit später 300 Quadratmeter im Messeturm Frankfurt bezogen. Einer Immobilie also, die mit ihrer Bleistiftform fester Bestandteil jeder Sightseeingtour ist und die aufgrund der Mietpreise nicht unbedingt als
erste Adresse für Start-ups gilt.
Die exklusive Adresse ist noch lange nicht alles, was Callidus als Arbeitgeber zu bieten
hat: Mit geringem Budget ist es dem Unternehmen in Zusammenarbeit mit den Designexperten von Spielmanns Officehouse, den
Eigentümern des Messeturms GLL Real Estate und dem Gebäudemanagement gelungen, die Inneneinrichtung so zu gestalten,
dass sie den Anforderungen zukünftigen
Arbeitens schon heute entspricht.
Die Bar ist nur ein Teil dieses Konzepts –
wenn auch von zentraler Bedeutung. Sie
trägt mehreren Trends Rechnung, die unse-
re Arbeitswelt in Zukunft bestimmen. So ist
sie beispielsweise Ausdruck einer veränderten Bürokommunikation. „Vor einigen
Jahren noch galten informelle Treffen und
Gespräche als unproduktiv. Der Austausch
der Mitarbeiter untereinander wurde nicht
als Arbeit angesehen. Im Gegensatz dazu
wird die Kommunikation bzw. der Wissensaustausch der Mitarbeiter heute gezielt
durch Kommunikationsflächen gefördert.
Zu solch einer Kommunikationsfläche ist
die klassische Teeküche geworden“, sagt Patricia Möckesch, die für den Büroausstatter
Spielmanns arbeitet und das Bürokonzept
von Callidus mit entworfen hat. Ron-Arne
Sydow sieht es deshalb gern, wenn sich seine Mitarbeiter an der Bar treffen und bei
einer Tasse Kaffee an einem Projekt arbeiten.
Die klassische Teeküche dagegen hat ausgedient. In neuen Konzepten handelt es sich
nicht mehr um eine dunkle Abstellkammer
mit zwei Herdplatten, einem Kühlschrank
und einem Wasserkocher, sondern um eine
Cafeteria oder Bar, die häufig im Zentrum
der Räumlichkeiten untergebracht und >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Mehr Informationen
Ein Video über ein Open-SpaceKonzept können Sie sich hier
ansehen:
ÆÆIm Internet
Informationen über GLL Real Estate
erhalten Sie hier:
ÆÆIm Internet
Informationen über Spielmanns
Officehouse erhalten Sie hier:
ÆÆIm Internet
Informationen über den Verband
Büro-, Sitz und Objektmöbel
erhalten Sie hier:
ÆÆIm Internet
Ausgabe 6/2012
offen gestaltet ist. „Oft verfügt sie über eine Lounge mit bequemen Sofas, Stehtischen und vielen Steckdosen, damit die
Mitarbeiter ihr Smartphone oder Notebook
anschließen können und einen Zugriff auf
das Netzwerk haben“, erklärt die Architektin.
Büroräume wird es trotzdem weiterhin geben – allerdings sehen sie anders aus als aktuell in den meisten Unternehmen. Das
Großraumbüro weicht einem ursprünglich
von Google ins Leben gerufenen Konzept mit
dem Namen „Open Space“, das die Mitarbeiter in Bewegung halten und Projektarbeit
fördern soll: Die gesamte Bürofläche ist nicht
durch Wände, sondern mit Möbeln in einzelne Bereiche untergliedert. Die offene Raumgestaltung fördert eigenverantwortliches
und kreatives Arbeiten sowie die Teamarbeit,
heißt es in einer Studie des Verbands Büro-,
Sitz- und Objektmöbel.
Das altbekannte Prinzip, mehrere Menschen
in einem Büro zusammenzusetzen, bleibt also in gewisser Hinsicht bestehen. Heike Beyer
stellt aber fest, dass es kaum einem Unternehmen mehr darum geht, möglichst viel
Platz und damit Geld zu sparen. Sie leitet den
Geschäftsbereich Vermietung und Marketing
der GLL Real Estate, die neben dem Messeturm Frankfurt weltweit Gebäude besitzt
und vermietet. „Das Großraumbüro macht
einen bedeutenden Imagewandel durch“,
glaubt sie.
In der Tat hat das in die Jahre gekommene
Raumkonzept in den vergangenen Jahrzehnten große Ablehnung erfahren. „Die aus
dem USA und Großbritannien stammende
Idee wurde einfach eins zu eins auf unseren
Kulturraum übertragen, und das hat aus diversen Gründen nicht funktioniert“, so die
Immobilienexpertin. Deutsche zum Beispiel
legten mehr Wert auf Diskretion, während
die Kommunikation in den USA sehr transparent sei. Insbesondere hierzulande müssen
Arbeitgeber ihren Mitarbeitern daher Möglichkeiten des Rückzugs bieten.
Callidus setzt dafür auf sogenannte Think
Tanks, bei denen es sich um kleine, durch
Glaswände abgeschirmte Büros handelt und
in denen die Mitarbeiter diskrete Gespräche
führen können. Im Open-Space-Büro spielen
zudem Lichtverhältnisse, Akustik und eine
durchdachte Klimaregulierung eine wesentliche Rolle. „Der Geräuschpegel eines Großraumbüros glich früher dem Lärm in einer
Bahnhofshalle“, sagt Heike Beyer. Im Büro
der Zukunft werden zum Beispiel akustisch
wirksame Decken, Böden, Auftischpaneele
und Wandpaneele eingesetzt, um die Akustik
im Raum zu verbessern. „Allerdings sollten
die Sichtbeziehungen der Mitarbeiter bestehen bleiben, damit der Austausch der Kollegen nach wie vor möglich ist“, betont Einrichtungsexpertin Möckesch.
In manch einem Großraumbüro finden sich
neben diesen notwendigen Anschaffungen
17
exotische Extras. Massagesessel, Raumdüfte,
farbige Lichter oder Entspannungsmusik liegen besonders im Trend.
Neue Führungsqualitäten
Erfolgsentscheidend sind Elemente wie diese
sicher nicht. Vielmehr setzt Open Space neue
Führungsqualitäten voraus, die für den unternehmerischen Erfolg von zentraler Bedeutung sind. Führungskräfte müssen dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiter stärker ans Unternehmen gebunden fühlen. Das bedeutet
auch, dass die Welten der Arbeit und des Privatlebens beziehungsweise der Freizeit zunehmend ineinander übergehen. „Nach Feierabend sitzen wir oft noch zusammen,
schauen Fußball oder spielen am Tischkicker“, sagt Callidus-Geschäftsführer Sydow.
Nach einem Jahr im Messeturm haben er
und sein Kollege Trenz weitere 300 Quadratmeter angemietet und eine „Recreation Zone“ eingerichtet. Dabei handelt es sich um
eine Lounge mit Bibliothek, Tischkicker, TVGerät und Fitnessbereich. Im Gegensatz zu
Bar und Sitzlounge haben hier nur die 23 Mitarbeiter und die beiden Geschäftsführer Zutritt. Einen separaten Bereich oder Einzelbüros haben weder Sydow noch Trenz. Ob in der
Lounge oder im Arbeitsbereich: Sie mischen
sich unter ihre Mitarbeiter.
Eine feste Sitzordnung gibt es in seinem
Open-Space-Büro zwar noch. „Für viele Unternehmen rentiert sich das aufgrund >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Ausgabe 6/2012
Bar, Fitnessbereich und
Lounge: Das Start-up
­Callidus setzt auf ein
neues Bürokonzept.
der zunehmenden Projektarbeit aber immer
weniger“, sagt Einrichtungsexpertin Möckesch. Mitarbeiter müssen also auch in Bezug auf ihren Schreibtisch flexibler werden.
Manch ein Arbeitgeber stellt seinen Mitarbeitern kleine Rollcontainer zur Verfügung,
in denen sie ihre Unterlagen aufbewahren
und die sie morgens an einen Schreibtisch
rollen, der frei ist. Das fördert obendrein das
interne Netzwerken und lockert starre
Machtstrukturen auf, da Mitarbeiter unterschiedlicher Positionen in einem Raum sitzen.
Das Phänomen schwindender Hierarchien ist
zwar nicht sonderlich neu. Seine zunehmende Verbreitung hat aber gravierende
Auswirkungen auf die Zukunft der Arbeitswelt. Triebkraft für diesen Wandel seien der
wachsende Bedarf nach kundenorientierten
Produkten sowie Dienstleistungen und der
gestiegene Wettbewerb, heißt es in einer
Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Diese
beiden Entwicklungen haben – in Anspielung
18
auf die industrielle Revolution – eine „organisatorische Revolution“ ausgelöst. „Organisatorischer Wandel bedeutet die Verlagerung
von zentral gesteuerter Verantwortung auf
dezentral operierende Einheiten“, so die Autoren. Das heißt: An die Stelle strenger Hierarchien treten Teamstrukturen, an die Stelle
von Handlungsanweisungen treten Zielvereinbarungen. Dieser Entwicklung passen sich
auch die Entlohnungsformen an: Ein zunehmender Teil der Gehälter ist vom Erfolg abhängig. Letztlich bedeutet die organisatorische Revolution damit auch eine neue Form
der Verantwortung des einzelnen Arbeitneh-
» Die Identifikation mit dem
Arbeitgeber steigt – und
gleichzeitig erhöht sich der
Erfolgsdruck. «
mers, der unmittelbar zu Erfolg oder Misserfolg seines Unternehmens beiträgt. Verantwortung bedeutet aber auch, „den Job nicht
beim Verlassen des Werkstors oder des Büros
zu vergessen, sondern ihn gedanklich mit
nach Hause zu nehmen“, so die Studie.
Die Identifikation mit dem Arbeitgeber steigt
– und gleichzeitig erhöht sich der Erfolgsdruck. „Arbeit wird immer stressiger und
kann sogar krank machen. Das beweist die
hohe Zahl an Burn-out-Fällen“, sagt Im- >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
19
Ausgabe 6/2012
BMS_Baustelle_127x155_dt_Zukunftsmanager.qxd:127x155
mobilienexpertin Beyer. Sie stellt fest, dass
ihre Mieter aus diesem Grund zunehmend
Wert auf die Qualität des Arbeitsplatzes legen, den sie anbieten. Sie ist sich sicher: „Im
Kampf um Fachkräfte wird der Wohlfühlfaktor zu einem wichtigen Kriterium. In Zukunft
legen Vorgesetzte daher großen Wert darauf,
dass ihre Mitarbeiter die Arbeit als Erlebnis
wahrnehmen.“ Eine üppig ausgestattete Bar
oder Cafeteria, ein Fitness- und TV-Raum
spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Von der neuen Arbeitswelt und den dadurch
notwendigen
Einrichtungsgegenständen
profitiert eine ganze Industrie. Der Verband
Büro-, Sitz und Objektmöbel hat ausgerechnet, dass der Umsatz im vergangenen Jahr
um knapp 16 Prozent auf 2,13 Milliarden Euro
gestiegen ist. In diesem Jahr ist die Dynamik
zwar wegen des schwächeren Exportgeschäfts abgeflaut. Wegen der steigenden Ansprüche an die Büroeinrichtung gibt sich die
Branche aber optimistisch. <
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Ausgabe 6/2012
„Der Zenit ist noch
nicht erreicht“
Mobile und Social-Media-Kommunikation verändern unsere Arbeits-
welten nachhaltig. Wie Arbeitsstrukturen in Zukunft aussehen, ist für
Dr. Martin Sonnenschein
ist Partner und Managing Director
Central Europe von A.T. Kearney. Vor
seiner Ernennung hat er für das Beratungsunternehmen das weltweite
Geschäft in Communications,
Higtech & Media erfolgreich aufgebaut. Der Wirtschaftsingenieur und
promovierte Wirtschaftswissenschaftler verfügt über eine langjährige Industriepraxis. Vor seinem
Wechsel in die Beratung im Jahr
2000 war er mehr als zehn Jahre in
verschiedenen Leitungsfunktionen
führender Dienstleistungsunternehmen tätig, darunter in der Montanund Telekommunikationsindustrie.
viele Unternehmer und Manager
noch wenig greifbar. Martin Sonnenschein erzählt im Interview, warum
lebenslanges Lernen immer wichtiger
wird und dass Unternehmer sich darauf einstellen müssen, dass Mitar-
beiter häufiger Tätigkeitsfelder und
Arbeitgeber wechseln.
Herr Sonnenschein, als Zentraleuropa-Chef
von A.T. Kearney sind Sie Mitglied des internationalen Führungskreises. Wie hat sich Ihre Arbeitsweise in den vergangenen fünf Jahren
verändert?
Meine Arbeitsweise war in den vergangenen
fünf Jahren stark von den verschiedenen Aufgaben innerhalb des Unternehmens geprägt.
Vor einigen Jahren noch war ich weltweit für
unser Geschäft in Telekommunikation und
Hightech zuständig. Heute bin ich im Global
Board of Directors und in Zentraleuropa für
alle Industriesegmente sowie Dienstleis­
tungen zuständig. Die Inhalte haben sich somit verändert. Die Reisetätigkeit ist unverändert hoch, nun allerdings etwas stärker auf
Europa fokussiert. Außerdem ist das Leben
virtueller geworden.
Inwiefern haben mobile und Social-MediaKommunikation Arbeitsstrukturen verändert?
Social-Media-Kommunikation ist für Firmen
wichtiger denn je. Das ist ein offenes Geheimnis. Unternehmen müssen in Netzwerken
präsent sein. Der Facebook-Auftritt ist heute
ein zentrales Entscheidungskriterium beim
Recruiting. Über Twitter erreichen Unternehmen die zukünftigen Meinungsführer.
YouTube macht aus langweiligen Firmen­
charts kurzweilige Videoclips, und der Firmen-Blog wird zum interaktiven Sprachrohr
und ersetzt herkömmliche Pressemitteilungen.
Was ist die größte Herausforderung, wenn
man zeit- und ortsunabhängig arbeitet?
>
Balance: Manager sollten
sich um eine bessere Vereinbarkeit von Job und
Familie bemühen.
20
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Ausgabe 6/2012
Faktor Zeit: Wem 24
Stunden und sieben Tage
nicht ausreichen, der hat
ein Problem.
21
Für Manager und Unternehmensleiter halten
neue Kommunikationsformen große Chancen
bereit. Gilt das für alle Hierarchieebenen?
Die Geschwindigkeit hat zugenommen:
Kommunikation passiert jetzt und zu jeder
Zeit. Ein Dienstende gibt es nicht mehr. Und
das gilt zunehmend für alle Hierarchieebenen. Zumal auch die Organisation flacher
und durchlässiger geworden ist. Ich werde
aus allen Ecken unseres Unternehmens „angefunkt“, und das ist auch gut so, da dies für
eine größere Transparenz sorgt.
Wie sollten Führungskräfte und Manager ihre
Arbeitswelt gestalten?
Sie sollten ihre Familie nicht aus dem Blick
verlieren. Jeder sollte sich darum bemühen,
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu
verbessern. Zum einen müssen sich Unternehmen verstärkt um die Anliegen von Arbeitnehmern mit Familie kümmern. Zum anderen sollten dies nicht nur Manager und
Führungskräfte aktiv einfordern und für ihre
Mitarbeiter vorbildhaft leben, sondern auch
Mitarbeiter jeder Hierarchiestufe.
Von zentraler Bedeutung ist das Zeitmanagement, ein paradoxer Begriff. Denn Zeit
kann man nicht managen. Im Grunde geht es
darum, die Aufgaben und Termine in Raum
und Zeit zu koordinieren, ohne dabei den Bezug zur jeweiligen Organisation zu verlieren.
Wem 24 Stunden und sieben Tage nicht ausreichen, der hat offensichtlich ein Problem.
Eine wesentliche Erkenntnis für mich ist: Weniger ist mehr – Leistung ist Arbeit geteilt
durch Zeit. Oder anders ausgedrückt: Wie
schaffe ich es beispielsweise, weniger zu reisen, um mich mehr an definierten Arbeitsorten aufzuhalten – egal, ob es das Headquarter eines meiner Klienten oder ein A.T. Kearney-Büro irgendwo auf der Welt ist.
Welche Freiräume sollten HR-Verantwortliche
künftig in Unternehmen etablieren?
Auch HR ist im Wandel. Die Zeiten, in denen
sich Personaler ausschließlich mit Gehaltsabrechnung und der passiven Betreuung von
Mitarbeitern beschäftigten, sind vorbei. Demographie, Fachkräftemangel und veränderte Ansprüche der potentiellen Mitarbeiter
verlangen eine Reorganisation der HR- >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Ausgabe 6/2012
Programm, das Berufs- und Familienleben
miteinander in Einklang bringt. Kurz: Es geht
um die optimale Work-Life Balance, flexible
Arbeitszeitmodelle, Familienunterstützung,
Weiterbildung und Unterstützung ehrenamtlichen Engagements sowie globalen Austausch – und zwar immer passgenau auf die
Bedürfnisse in den jeweiligen Lebenssituationen zugeschnitten.
Interaktive Kommunikation revolutioniert
auch die Kundenkommunikation. Welche
Trends sehen Sie hier?
Die Digitalisierung hat noch nicht ihren Zenit
erreicht. Social Media haben sich bereits gut
etabliert, Mobile Marketing, Web TV, IP/TV
oder Branded Entertainment stecken teils
noch in den Kinderschuhen. Mit diesen Tools
sprechen Unternehmen ihre Kunden passgenau auf ihre Bedürfnisse an. Der Marketer
wird zum Profiler und umgarnt den Konsumenten in jeder Lebenssituation.
Faktor Familie: Die HRStrategie sollte famili-
enfreundliche Elemente
beinhalten.
Funktion. Die HR-Strategie muss Hand in
Hand mit der Unternehmensstrategie laufen. Auch wenn die administrativen Prozesse
weiterhin den Kern bilden, müssen neue Freiräume für die wertschöpfenden Tätigkeiten
geschaffen werden. Dies erhöht nicht nur die
Zufriedenheit der Mitarbeiter in den Personalabteilungen, sondern wirkt sich auch auf
das Unternehmen aus. Bei uns läuft dies unter dem Motto „Life@A.T. Kearney“, einem
Müssen sich Arbeitgeber von morgen auf andere Erwartungen einstellen?
Die hochqualifizierten, selbstbewussten, extrem anspruchsvollen jungen Berufsanfänger haben die Kultur und den Alltag in den
Unternehmen bereits verändert. Doch diese
Generation Y muss aufpassen, nicht demnächst durch eine Generation Z überholt zu
werden. Wer anspruchsvoll ist, darf sich nicht
wundern, wenn Arbeitgeber Außergewöhnliches erwarten. Wunsch und Wirklichkeit
entsprechen sich in solchen Fällen häufig
22
nicht. Etwas mehr Erdung und Bescheidenheit haben noch keinem geschadet.
Wie sieht deutschland- und weltweit in zehn
Jahren unser Arbeitsumfeld aus?
Die entscheidenden Determinanten sind
Demographie, Digitalisierung und Connectivity, Globalisierung, Produktivität, Soziales
und Bildung. Meine Prognose lautet: Karrierewege und Arbeitsumfelder werden flexibler, wodurch der feste Schreibtisch bei
einem festen Arbeitgeber an Bedeutung
verliert. Lebenslanges Lernen wird an Bedeutung gewinnen, und die Tätigkeitsfelder
werden ebenso wie das Beschäftigungsverhältnis häufiger gewechselt. Wir werden
uns diesen Themen in einer Publikationsreihe widmen.<
Die Fragen stellte Cornelia Klaas.
redaktion@zukunftsmanager-magazin.de
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Zukunftsmanager n Lebenswelten
Ausgabe 6/2012
24
Superman kann einpacken
Kein Randsport: Der ökonomische Siegeszug Asi-
Von Christoph Markmann und Heiko von der Gracht
ens wird die bunte Welt
des Sports verändern..
Die Sportindustrie
ist ein wesent-
licher Bestandteil
des gesellschaft-
lichen Lebens und
ein ökonomisches
Schwergewicht,
Tendenz steigend.
Welche Sportarten
in einigen Jahren
dominieren werden, wer Sport
treibt und wie wir
in Zukunft bei
welchen Events
zuschauen.
Jeder kennt Puma, adidas, Nike oder Salomon. Jeder kennt Usain Bolt, Venus Williams
oder Lionel Messi. Die Industrie, für die sie
arbeiten, hat die stärkste TV-Präsenz, ihr Werbeetat beträgt Milliarden. Die Sportindustrie
setzt jährlich weltweit mehr als 92 Milliarden Euro mit Übertragungsrechten, Werbung, Lizenzrechten und Ticketeinnahmen
um – und dabei ist der Umsatz mit Sportartikeln noch nicht einmal eingerechnet. Sogar
der arabische TV-Sender Al Jazeera ist jüngst
in die Übertragung der Champions League
eingestiegen. Die Welle rollt unaufhaltsam
Richtung Rollerball-Szenario: Wird die Welt
der Zukunft wie in dem berühmten ScienceFiction-Movie von Norman Jewison eine reine und totale Sportwelt sein?
Mit den Augen von Usain Bolt
Im vergangenen Sommer wurde knapp zwei
Dutzend Sportmanagern und -managerinnen per Delphi-Verfahren die zentrale Frage gestellt: „Wie sieht die Zukunft Ihrer Industrie in Europa aus?“ Die Auswertung der
Expertenaussagen ergab einige Szenarien,
bei denen Sportbegeisterte aus dem Häuschen geraten dürften; zum Beispiel zum >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Ausgabe 6/2012
Stichwort technischer Fortschritt: Wenn
2028 in Nassau (Bahamas) Usain Bolt bei der
Senioren-Olympiade
Sprint-Gold
holt,
könnten vier Milliarden Menschen am TV
dank bildübertragender Kontaktlinsen in
Bolts Augen das Rennen aus seiner ureigenen Perspektive hautnah am TV miterleben.
Und das ist nicht weit hergeholt: Alle Formel-1-Boliden fahren heute schon mit OnBoard-Kamera. Noch plastischer wird das
Sporterlebnis durch 3-D mit Hologrammtechnologie: Der Speer des Weltrekordlers
fliegt direkt vom Flatscreen ins Wohnzimmer
des Fernsehzuschauers und bohrt sich zitternd in die Armlehne seines Fernsehsessels.
Oder der TV-Seher nutzt dieselbe Technologie, um sich mit seinem Sessel mitten in die
Ränge des Olympiastadions zu beamen.
Was ist Fußball?
So wie sich Asien anschickt, die traditionellen
Industrienationen an Wirtschaftskraft zu
überbieten, so wird möglicherweise auch die
asiatische Kultur die westliche verdrängen.
Und Asiaten spielen eben nicht vorzugsweise
Fußball, sondern Kricket, Tischtennis, Volleyball und Badminton. Sie veranstalten Drachenbootrennen – oder spielen Videospiele.
Bereits 1983 wurden die ersten Videospielweltmeisterschaften ausgetragen. Nun stelle man sich vor, es ist Samstagabend, 23 Uhr,
und das Aktuelle Sportstudio eröffnet mit
der Headline: „Neuer World-of-WarcraftWeltmeister!“ Heute schon spielen mehr
Menschen Videospiele als Fußball. Bereits
2005 betrug das Preisgeld bei der Cyber­
athlete Professional League World Tour für
das Videospiel „Painkiller“ 1 Million US-Dollar.
Und das ist erst der Anfang: Sportentwickler
arbeiten bereits an ultimativen Disziplinen
wie Space Ball (Ballsport in der Schwerelosigkeit) oder Virtual Sports (virtuelle Avatare
und Hologramme kämpfen gegeneinander).
Noch verrückter ist Headis – Kopfball-Tischtennis. Das wird heute schon gespielt. Oder
Skatecycle – ein Kreuzung zwischen Skateund Wakeboard. Roboter-Wrestling, wie es
im Hollywood-Action-Movie „Real Steel“ zu
sehen war – löst 2030 das heutige Wrestling
ab, weil es viel attraktiver, da interaktiv ist:
Die Zuschauer schauen nicht bloß zu, sondern steuern die sich gegenseitig im Ring
zerfetzenden Roboter per Gedankensteuerung – das Ganze finanziert per Crowdfunding. Deshalb gehört Messis Urenkel dann
auch nicht mehr Real Madrid, sondern 50
Millionen Fußballbegeisterten, die sich auf
kickstarter.com zusammengetan haben.
Mit 55 noch Weltrekord
Man stelle sich an einem schönen Sommermorgen im Jahr 2030 die Headline vor: „Ers­
ter 100-Meter-Sprinter unter 5 Sekunden!“
Schneller als ein Kleinwagen! Dabei ist der
Rekordsprinter reife 55 Jahre alt! Leistung
dank Genetic und Bio-Enhancement. Die
neuesten Erkenntnisse der Genetik und Biochemie verleihen im Gegensatz zum bekannten Drink aus der Dose nun tatsächlich
Flügel. Superman kann einpacken. Die Welt-
25
sportverbände richten Weltmeisterschaften
für Enhanced Athletes aus, vier Wochen später in Form der Special Olympics und weitere
vier Wochen später für „Naturals“, „naturbelassene“ Menschen. Gleichzeitig gibt es
wie in der Formel 1 nicht nur eine Fahrerwer-
» Die neuesten Erkenntnisse
der Genetik und Biochemie
verleihen nun tatsächlich
Flügel. «
tung, sondern auch eine „Konstrukteurswertung“, bei der regelmäßig Pfizer, Merck und
Roche auf dem Treppchen stehen. Pierre Baron de Coubertin wird im Grab rotieren? Aber
garantiert! Vor Entsetzen – und vor Neid.
Nie wieder Rollator!
Wenn ein 55-Jähriger noch Weltrekord auf
100 Meter laufen kann, brauchen zwei Milliarden 70-Jährige dank derselben genetischen
und biochemischen „Enhancements“ keinen
Rollator oder Rollstuhl mehr. Klingt utopisch?
Nicht für Insider. Wie Eingeweihte wissen,
nutzen Freizeitsportler und Senioren heute
schon zum Beispiel jene bioelektromagnetischen Apparaturen, die die Nationalmannschaften der verschiedensten Disziplinen in
ganzen Lkw-Flotten von Wettkampf zu Wettkampf fahren. Was aus heutiger Sicht radikal
klingt, bewirkt nicht nur umwälzende >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
26
Ausgabe 6/2012
Veränderungen der Sportindustrie. Es verändert auch die künftige Welt: Der (Spitzen-)
Sport reißt die Lead-Funktion in Wirtschaft,
Kultur und Gesellschaft an sich. So wie im 19.
Jahrhundert die Industrie eine Kultur und Gesellschaft begründete, die deshalb als „Die
Industrielle Revolution“ bekannt ist, wird die
Sportindustrie bald die Zukunft der Welt prägen. Der begehrteste Ausbildungsplatz wird
der eines Genetikers oder Biochemikers sein.
Wer nicht Sportwissenschaft studiert hat,
kann kaum Bundeskanzler(in) werden – oder
CEO eines renommierten Unternehmens.
Wenn der US-Präsident wiedergewählt werden will, holt er sich nicht Bruce Willis, Demi Moore oder Ashton Kutcher auf die
Bühne, sondern Weltrekordler, Spitzensportler und Superathleten.<
Christoph Markmann
ist wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Institut für
Zukunftsforschung und
Wissensmanagement (IFK),
EBS Universität für
Wirtschaft und Recht.
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Dr. Heiko von der Gracht
ist Leiter des Instituts für
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Wissensmanagement (IFK),
EBS Universität für
Wirtschaft und Recht.
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Schweiz
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05.11.12 16:04
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Serie: Die Zukunft der Industrie in Deutschland | Teil 5: Nachhaltigkeit
Die Zukunft Der inDustrie in DeutschlanD – innovationstreiber für Wirtschaft und Gesellschaft
Ausgabe 6/2012
27
Die Zukunft Der inDustrie
in DeutschlanD
Serie
innovationstreiber für Wirtschaft und Gesellschaft
Projektpartner:
„Die Industrie ist in der Bringschuld“
Das Image der Industrie hat sich in
den vergangenen Jahren entscheiDr. Andreas Bruns
ist Werksleiter der Henkel AG & Co.
KGaA in Düsseldorf. Der promovierte Chemiker ist zudem Vorsitzender der Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung e.V. und Vorsitzender des Industrieausschusses
der IHK zu Düsseldorf. Seit der Gründung im August 2010 ist Bruns zudem Vorstandsvorsitzender der Gesellschaftsinitiative „Zukunft durch
Industrie e.V.“. Als gesamtgesellschaftliche Initiative ist „Zukunft
durch Industrie e.V.“ von einzelnen
Unternehmen, Parteien, Verbänden
oder sonstigen Institutionen unabhängig. Der Verein versteht sich als
Kommunikationsplattform, die alle
gesellschaftlichen Gruppen zum
Dia­log einlädt, um den Nutzen einer
modernen Industrie für die Gesellschaft verständlich aufzuzeigen und
bestehende Chancen und Risiken zu
diskutieren.
dend gewandelt: Wurde sie noch vor
einigen Jahren oftmals als „Umweltverschmutzer“ gesehen, ist sie mitt-
lerweile zum Modernisierungstreiber
des Hightechstandorts Deutschland
geworden. Dennoch fehlen vielen
Menschen Kenntnisse über tech-
nische Zusammenhänge und das Bewusstsein für den gesellschaftlichen
Mehrwert, den moderne Industrie
mit sich bringt, meint Andreas Bruns,
Werkleiter bei Henkel. Und sieht da-
bei auch eine Bringschuld der Industrie bezüglich der Kommunikation.
Herr Bruns, über den Stellenwert von Nachhaltigkeit wird in der Industrie eher kontrovers
diskutiert. Welche Beachtung findet das Thema bei Henkel?
Nachhaltigkeit hat bei Henkel oberste Priorität. Unsere Produkte sind zum großen Teil direkt auf die Anwendung beim Privatverbraucher oder in der Industrie ausgerichtet, das
heißt, wenn unsere Produkte und deren Herstellungsweisen nicht nachhaltig sind, haben
wir langfristig keine Zukunftschance. Das ist
ganz simpel.
Was heißt das konkret in der Umsetzung?
Betrachten wir zwei Beispiele aus dem Werk
in Düsseldorf: Es ist uns sehr wichtig, dass
wir durch effizientes Arbeiten eine gute
Ene­
­
rgiebilanz haben und dadurch Kosten
sparen können. Daher betreiben wir zum einen seit Jahrzehnten am Standort Düsseldorf ein überwiegend gasbetriebenes KraftWärme-Kopplungs-Kraftwerk mit einem Wirkungsgrad von zirka 90 Prozent. Das ist sicherlich unter den konventionellen Energieerzeugern ein hervorragender Wert. Zum an-
+++ Mit Summary der BDI-Studie „Deutschland 2030 – Zukunftsperspektiven der Wertschöpfung“ +++
deren bemühen wir uns um die Reduzierung
der Abfallmengen, die in einem so großen
Werk entstehen. Es geht uns darum, nicht
nur schlicht weniger Abfall zu produzieren,
wichtig ist darüber hinaus auch die Wiederverwertung der Abfallreste. In beiden Fällen
haben wir gute Erfolge erzielt.
Ökonomie und Ökologie werden in der öffentlichen Diskussion oft als Widersprüche gesehen. Wie sehen Sie das?
Diese Meinung teile ich absolut nicht. Und
sie ist auch für mich nicht nachvollziehbar,
denn der Zusammenhang ist eigentlich tri­
vial: Wenn wir als Unternehmen ökologisch
auf Dauer nicht auf der Höhe der Zeit sind,
dann können wir auch ökonomisch nicht erfolgreich sein.
Warum scheint es dann für viele Unternehmen immer noch so schwierig zu sein, ihre
Nachhaltigkeitsstrategien umzusetzen?
Das liegt sicherlich auch daran, dass einige
Unternehmen den wirtschaftlichen Mehrwert, den Nachhaltigkeit bietet, noch >
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Ausgabe 6/2012
Teil 5 der Serie
Hohe Standards: Henkel
„Die Zukunft der Industrie in
Deutschland“: Nachhaltigkeit
Die Zukunft Der inDustrie in DeutschlanD – innovationstreiber für Wirtschaft und Gesellschaft
28
setzt sich – hier in der
Kosmetik – für mehr
Nachhaltigkeit ein.
Die Zukunft Der inDustrie
Die Zukunft
in DeutschlanD
der Industrie und die
Frage ökologischer, aber auch
sozialer Nachhaltigkeit stehen in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Die Industrie ist ein
wichtiger Treiber des weltweiten Fortschritts, aber
auch für einen erheblichen Teil
der Emissionen verantwortlich. Deshalb steht sie in besonderem Maße
in der Verantwortung, den ökonomischen Erfolg unter dem Vorbehalt
ökologischer Notwendigkeiten anzustreben und neben diesem Aspekt
auch die finanzielle und soziale
Nachhaltigkeit im Blick zu behalten.
Im fünften Teil der Serie gibt
­Andreas Bruns Antworten auf die
Frage, wie dies in der Praxis möglich
ist.
innovationstreiber für Wirtschaft und Gesellschaft
Serie
Projektpartner:
+++ Mit Summary der BDI-Studie „Deutschland 2030 – Zukunftsperspektiven der Wertschöpfung“ +++
Bisher im „Zukunftsmanager“
erschienene Beiträge der Serie:
Teil 1: „Die vierte industrielle
Revolution“
(Einleitung)
Teil 2: „Silo-Lernen reicht nicht“
(Bildung)
Teil 3: „Die Menschen sind
überfordert“
(Nachhaltigkeit)
Teil 4: „Anpassung halte ich für
falsch“ (Nachhaltigkeit)
nicht erkannt haben. Die Mehrzahl der international tätigen Konzerne sieht jedoch den
wirtschaftlichen Sinn des nachhaltigen Handelns. Auch an den Finanzmärkten gilt Nachhaltigkeit mittlerweile als Erfolgsfaktor. Es
gibt zunehmend Fonds und Anleger, die insbesondere auf Unternehmen mit hohen
Standards im nachhaltigen Wirtschaften setzen, da diese längerfristige Strategien verfolgen und beständiger agieren.
Das heißt, das Thema müsste sich eigentlich
von selbst regeln?
Wenn es von den jeweiligen Unternehmenslenkern in dieser Deutlichkeit erkannt wird,
dann lautet die Antwort ja. Bei uns kann ich
mit Sicherheit behaupten, dass Nachhaltigkeit auch im Vorstand ein Topthema ist. Wir
haben kürzlich bereits unsere Nachhaltigkeitsstrategie bis 2030 veröffentlicht. Und
die ist keinesfalls eine Vision, sondern dahin-
ter verbergen sich jeweils konkrete Fünfjahresmaßnahmenpläne.
Wird das von der Gesellschaft ausreichend
wahrgenommen?
Das Image der Industrie ist heute wesentlich
besser als vor einigen Jahren. Allerdings fällt
mir immer noch auf, dass das Wissen über
den umfassenden Modernisierungsprozess,
der die Industrie zu Hightechstandards >
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Ausgabe 6/2012
Allumfassend: Nachhaltigkeit muss Unternehmen auf allen Ebenen
durchdringen.
gebracht hat, in weiten Teilen der Bevölkerung noch nicht angekommen ist. Und das
ist schon ein merkwürdiges Phänomen, denn
die Menschen sind einerseits technikverliebt,
und jeder möchte sein eigenes Smartphone
haben, aber die Verbindung, dass all diese
technischen Gerätschaften ja auch irgendwo
herkommen müssen, also die Wertschöpfungsketten, machen sich die wenigsten klar.
Dennoch steigen die Proteste der Bevölkerung
gegen Industrieprojekte, wie das Beispiel
„Stuttgart 21“ zeigt. Ist das eine Gefahr für
wichtige Infrastrukturprojekte, die auch für
die Zukunftsfähigkeit einzelner Standorte stehen?
Wir müssen offen darüber sprechen, dass ohne Infrastruktur dasselbe hohe technische
Niveau unserer Produktionen und Produkte
nicht gehalten werden kann. Dafür ist es
wichtig, die Zusammenhänge nachvollziehbar zu erklären. Da sind ganz klar wir – also
die Industrie, die ein Projekt initiieren will –
in der Bringschuld. Wir müssen proaktiver
auf die Menschen zugehen und Zusammenhänge verständlich machen.
Schaffen Sie diese Transferleistung in die Gesellschaft hinein auch bei
komplexen Projektvorhaben?
Komplexe Zusammenhänge sind häufig einfach zu erklären,
29
wenn man eine gut verständliche Sprache
dafür findet, plastische Beispiele liefert und
die jeweiligen Berührungspunkte der Gesellschaft mit dem Projekt berücksichtigt. Wir
haben bisher sehr gute Erfahrungen damit
gemacht, frühzeitig diejenigen Interessengruppen einzubeziehen, die an dem Genehmigungsverfahren eines Projektes mitwirken. An unserem Standort haben wir dadurch
einen sehr konstruktiven Dialog mit den Behörden und der Verwaltung aufgebaut. Daraus ist ein Vertrauensverhältnis erwachsen.
Die Behörden können sich darauf verlassen,
dass sie über alle Projekte frühzeitig infor-
» Für komplexe Zusammenhänge muss man eine einfache Sprache finden und
plastische Beispiele liefern.«
miert und in sie einbezogen werden. Zudem
wünsche ich mir eine stärkere Beteiligung
der Medien an diesem Informationstransfer
– indem nicht immer nur polarisiert wird,
sondern der Öffentlichkeit auch die verbindenden Elemente aufgezeigt werden.
Welche Perspektiven sehen Sie für den Standort Deutschland, die mit dem Megatrend
Nachhaltigkeit verbundenen Aspekte nicht
>
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Die Zukunft Der inDustrie
in DeutschlanD
innovationstreiber für Wirtschaft und Gesellschaft
Projektpartner:
Die Zukunft der
Industrie in
Deutschland.
Innovationstreiber
für Wirtschaft und
Gesellschaft.
+++ Mit Summary der BDI-Studie „Deutschland 2030 – Zukunftsperspektiven der Wertschöpfung“ +++
Experten greifen die wichtigsten
Megatrends auf und beschreiben
zentrale Strategien. Auch geben
Firmen praxisnah Einblicke, wie sie
sich für die Zukunft aufstellen.
F.A.Z.-Institut für Management-, Marktund Medien­informationen GmbH,
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nur aufzugreifen, sondern sie auch aktiv mitzugestalten?
Wir haben große Chancen, in Deutschland einen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung
unserer Welt zu leisten. Da bin ich mir sicher.
Bei Nachhaltigkeit sprechen wir über ein
Thema, das uns alle verbindet. Doch das ist in
vielen Köpfen noch nicht richtig angekommen. Um ein gemeinsames Verständnis zu
schaffen, wird es immer wichtiger, dass nicht
nur die Komplexität in der Vermittlung von
Industrieprojekten aufgelöst, sondern auch
das Basiswissen für technische Zusammenhänge geschult wird. Nur so lässt sich auch
gegenüber Veränderungen eine positive Einstellung erzeugen. Eines ist sicher: Wir können in Deutschland mit unserem technischen Wissen den Weg in eine neue Ära der
energetischen Wirtschaft aufzeigen. Und
wenn das nicht nachhaltig ist, was dann?<
Das Interview führte Saskia Feiber.
redaktion@zukunftsmanager-magazin.de
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18. April 2013 | Frankfurt am Main
Treffpunkt Zukunft
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Schirmherr
Florian Rentsch
Hessischer Minister für Wirtschaft,
Verkehr und Landesentwicklung
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30
Ausgabe 6/2012
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Ausgabe 6/2012
Serie: Die Zukunft der Wertschöpfung in Deutschland | Teil 5: Kommunikation
31
Serie
Big Data
2030
Von Holger Glockner
und Bert Beyers
Die Zukunft des Internets hat gerade
erst begonnen. Mehr und mehr Maschinen reagieren auf gesprochene
Sprache. Wohnräume, Fahrzeuge
und Straßen werden mit Sensoren,
Informations- und Kommunikationstechnik ausgestattet. Unternehmen
sehen sich zunehmend mit einflussreichen Kunden-Communities
konfrontiert und müssen ihre Wertschöpfungsprozesse stärker denn je
an den Bedürfnissen ihrer ZielgrupOb in der Produktion
oder zu Hause: Bald gibt
es kaum noch ein Gerät,
das nicht kommuniziert.
pen ausrichten.
>
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Ausgabe 6/2012
32
Teil 5 der Serie
„Die Zukunft der Wertschöpfung in
Deutschland“: Kommunikation
Wir leben in einer bewegten Zeit,
Umwälzungen und Brüche scheinen
an der Tagesordnung zu sein.
Sollten einige der vorausgesagten Disruptionen Wirklichkeit werden, sind tiefgreifende Auswirkungen für
die Wertschöpfungs­struktur
in Deutschland zu erwarten.
Damit wird zugleich sichtbar,
wo Handlungsbedarf besteht. In einer Serie des „Zukunftsmanagers“
werden die Bedarfsfelder Mobilität,
Energie und Klima, Gesundheit,
­Ernährung, Kommunikation und Sicherheit beleuchtet.
Serie
Bisher im „Zukunftsmanager“
erschienene Beiträge der Serie:
Teil 1: „Alles in Bewegung“
(Mobilität)
Teil 2: „Im Energierausch“
(Energie)
Teil 3: „Gesundheit zum
Mitnehmen“
(Gesundheit)
Teil 4: „Zehn Milliarden hungrige
Mäuler“(Ernährung)
An Daten gibt es keinen Mangel. In der Zukunft noch viel weniger. Die schiere Menge
ist aber nicht das Problem. Entscheidend ist:
Wie werden die Daten verknüpft und aufbereitet? Wer hat Zugang dazu? Und wer nicht?
Wer kann sie sinnvoll in Wertschöpfungsprozesse einbringen? Und was wird überhaupt
aus der „informationellen Selbstbestimmung“?
Das Internet der Dinge
Auf dem Frankfurter Flughafen werden täglich bis zu 120.000 Gepäckstücke abgefertigt
– mit allen Sicherheitshürden. Zwischen den
Terminals spannen sich 77 Kilometer Förderstrecken. Die Gepäckstücke sind mit RFIDChips ausgestattet, sie tragen Informationen
und stellen sie auf Anfrage zur Verfügung.
Tausende Sensoren lesen die Daten in irrsinniger Geschwindigkeit aus. Sie stellen die
Weichen der Förderbänder, damit das Gepäck
auch da ankommt, wo es hingehört. Die Betreibergesellschaft Fraport garantiert Umsteigezeiten von mindestens 45 Minuten. In
dieser Zeit muss das Transfergepäck ausgeladen, sortiert, transportiert und wieder verladen werden. Die Zuverlässigkeit liegt bei annähernd 100 Prozent und wird gewährleistet,
indem Maschinen (Sensoren) mit Dingen
(Chips auf Koffern) kommunizieren. Dabei
handelt es sich um eine reichlich primitive –
wenn auch leistungsfähige – Anwendung
des Internets der Dinge. In der Hightechlagerhaltung von Amazon und Co. ist man bereits einen Schritt weiter. Dort geht der Packer nicht mehr durch die Regale – die Regale
kommen zu ihm. Sie stehen auf fahrbereiten
Robotern, die wiederum von einem Logistiksystem gesteuert werden: Maschinen kommunizieren mit Maschinen. Und mittendrin
der Mensch. Es bedarf keiner großen Phantasie, sich die technische Entwicklung bis 2030
vorzustellen. Verkehrsflüsse lassen sich ressourcenschonend optimieren. Produkte sind
mit einem Gedächtnis ausgestattet, das mit
der Umwelt kommuniziert. Roboter erkennen ihre Umgebung und können selbständig
handeln – der ultimative Schub in der Automatisierung. Im Verkehr, in der Produktion
und der Logistik, im Gesundheitsbereich,
auch in der häuslichen Umgebung einer alternden Gesellschaft, bei Umwelt-, Energieund Sicherheitsfragen, überall eröffnet das
Internet der Dinge enorme Geschäftspotentiale. Kontrolle, Steuerung und Planung übernehmen die technischen Systeme künftig
selbst.
Die wissenschaftlichen Anstrengungen in
diesem Bereich sind hoch, namentlich in den
USA und in China. Interdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsarbeit wird zu
einem kritischen Erfolgsfaktor. Aber >
Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Mehr Informationen
Die gesamte Studie „Deutschland
2030 – Zukunftsperspektiven der
Wertschöpfung“ können Sie sich
hier ansehen
ÆÆIm Internet
Ein Video über autonomes Fahren
finden Sie hier
ÆÆIm Internet
Informationen über Patientennetzwerke finden Sie hier
ÆÆIm Internet
Technik allein reicht nicht. Der Schlüssel für
den ökonomischen Erfolg ist die Entwicklung
passgenauer Kundenlösungen und nachhaltiger Geschäftsmodelle. Nur wenn Deutschland das Innovationspotential des Internets
der Dinge konsequent nutzt, kann es in der
ersten Liga mitspielen.
Big Data
Computergesteuerte Autos sind keine Utopie mehr. In Florida, Kalifornien und Nevada
sind sie bereits im normalen Straßenverkehr
unterwegs. Nicht auf abgesperrten Teststrecken, sondern in Downtown San Francisco
oder Monterey. Sebastian Thrun von der Universität Stanford verspricht: „In zehn Jahren
ist die Technik so weit, dass autonome Autos
definitiv zuverlässiger und damit sicherer
fah­ren als der Mensch.“
Google spielt bei diesen Experimenten ganz
vorne mit. Dabei müssen viele Dimensionen
zusammenpassen: die sensorgestützte Orientierung im Raum, die Wechselwirkung mit
anderen Verkehrsteilnehmern, Sicherheit
steht über allem. 2030 ist das automatisch
fahrende Auto Teil eines größeren Systems,
dabei sind intermodale Verkehrslösungen
Trumpf: mit dem Auto zum Bahnhof, mit
dem Zug zum Flughafen und los ... nach der
Landung das gleiche Spiel, nur in umgekehrter Reihenfolge. Das alles macht freilich nur
Sinn, wenn verschiedene Verkehrsdaten, Informations- und Assistenzsysteme ineinandergreifen – alles in Echtzeit. Eine >
33
Ausgabe 6/2012
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6. und 7. März 2013, Köln
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Zukunftsmanager n Strategie & Kultur
Ausgabe 6/2012
Heraus­
forderung,
selbst für ­Google.
In den USA läuft das Phänomen
einer rasch anwachsenden Datenmenge unter dem Schlagwort Big Data. Entscheidend ist dabei aber
nicht die schiere
Menge an Informationen, sondern die Art
und Weise, wie die Daten aufbereitet
werden. Wenn
das
Energie­
system beispielsweise mehr und mehr umgebaut wird, weg von den großen Kraftwerkparks, hin zu einer dezentralen Struktur mit
vielen Erzeugern – wer verfügt dann über die
entscheidenden Informationen? Sind es noch
die Energieversorger? Oder deren Berater?
Oder die Hersteller von Netzen, Speichern und
Pumpen? Alle sammeln sie Daten. Aber nur
wer sie sinnvoll verknüpfen kann, entscheidet
das Spiel. Eine umfassende Informatisierung
bildet die Grundlage für eine Vielzahl neuer
Geschäftsmodelle.
Online-Communities
In Gesundheitsforen teilen Nutzer ihre Krankengeschichten, tauschen ihre Erfahrungen
mit Therapieformen aus und beteiligen sich
an Wirkungsstudien von neuen Medikamenten. „Ich wollte mich nicht mehr so alleine
fühlen. Einfach gesagt. Und ich wusste, dass
es hilft, wenn ich meine Erfahrungen mit anderen teile.“ So lautet ein Testimonial auf
www.patientslikeme.com. Die Seite hat
mehr als 160.000 eingeschriebene Nutzer.
Bei den Partnern des Unternehmens handelt
es sich um Stiftungen, Forschungsinstitute
und namhafte Firmen wie Abbott Labs,
Merck, Novartis und Sanofi-Aventis.
Letztlich sind Online-Communities im Gesundheitsbereich Ausdruck eines Trends zur
partizipativen Gesundheitsversorgung, darin
liegt auch ein Stück Selbstbestimmung des
gut informierten Individuums. Gleichzeitig
ist den Nutzern bewusst, dass ihre Daten an
Pharmaunternehmen weitergegeben werden. Die Firmen nutzen Online-Communities
als Instrument, um das immense Wissen von
Kunden in ihre Innovationsprozesse einzubringen und die Anwender aktiv in die Neuentwicklung von Produkten und Services zu
integrieren. Dabei sollen langfristige und enge Beziehungen zu den Kunden entstehen.
Bis 2030 sind die medizinischen Datenbanken exponentiell gewachsen, Tag und
Nacht durchkämmt intelligente Software die
Bestände, wobei allein die große Zahl – seien
es Bandscheibenvorfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychische Leiden – hilft,
bessere Diagnosen und Therapien zu entwickeln. Angesichts von Big Data gerät der klassische Datenschutz an seine Grenzen. In
großen Datenbanken sind Informationen
34
zwar meist anonymisiert, aber sie lassen sich
auf Personengruppen anwenden und mit
Hilfe von speziellen Verfahren auch wieder
deanonymisieren. Zugleich entstehen Wissensmonopole bei Unternehmen oder Behörden über das Konsumverhalten oder die Zahlungsmoral, bis hin zu detaillierten Bewegungsprofilen und Strukturen von sozialen
Netzwerken, sprich: „Wer mit wem?“ Datensammlung und Verknüpfung schreiten unaufhaltsam voran. Bestrebungen nach Regulierung und Transparenz hinken meist hinterher. Das wird 2030 nicht anders sein.<
Holger Glockner
ist Mitglied der
Geschäftsleitung bei Z_punkt
The Foresight Company.
glockner@z-punkt.de
Bert Beyers
ist Journalist und Autor.
mail@bertbeyers.de
Zukunftsmanager n Bildung & Forschung
Mehr Informationen
Studierende der Fachrichtungen
Technik, Wirtschaft und Gestaltung
können sich für den BSH Innovation
Campus bis zum 10. Dezember 2012
hier registrieren:
Ausgabe 6/2012
35
Von der Uni an den Herd
Von Stephanie Fröhling
ÆÆIm Internet
Um neue Impulse zu erhalten, ver­
anstaltet die BSH Bosch und Siemens
Haus­geräte GmbH einen Hoch­
schulwettbewerb. Was sich das
­Unternehmen davon verspricht.
Gemeinsam kochen:
Wie wir in Zukunft Essen
zubereiten, finden bei der
BSH Studenten heraus.
Der Haushalt der Zukunft ist „connected“:
Hausgeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler, Backöfen, Kühlschränke oder Kaffeevollautomaten werden smart und flexibel.
Sie kommunizieren miteinander und lassen
sich zentral steuern. Was bedeutet das für
die Zukunft der Hausgeräte? Wie werden
Menschen künftig waschen, kochen, spülen
oder einkaufen? Wie wollen Verbraucher im
Zeitalter von Smartphones, Tablets und Apps
ihre Hausgeräte bedienen und steuern? Antworten auf diese und weitere Fragen sind für
Unternehmen der Branche von zentraler Bedeutung.
Um Innovationspotentiale für den Haushalt
der Zukunft zu entdecken und visionäre Impulse zu erhalten, lobt die BSH Bosch und
Siemens Hausgeräte GmbH den Hochschul-
wettbewerb „BSH Innovation Campus“ aus.
Er nimmt insbesondere Studenten der Fachrichtungen Technik, Wirtschaft und Gestaltung ins Visier. Von diesen zukünftigen Produkt-, Marketing- und Kreativprofis verspricht sich das Unternehmen innovativen
Input. Im Zentrum steht das Thema „Connectivity“, also die intelligente Vernetzung von
Hausgeräten und deren innovative Nutzungsmöglichkeiten. Die klassische Frage
„Habe ich den Herd ausgeschaltet?“ soll
dann der Vergangenheit angehören. Schon
heute können Hausgeräte in Verbindung mit
intelligenter Software den Stromtarif oder
ihre Funktionstüchtigkeit überprüfen.
„Connectivity ist einer der Trends, der uns in
Zukunft begleiten wird – vor allem in den eigenen vier Wänden. Unseren neuen Hochschulwettbewerb starten wir daher direkt
mit diesem wichtigen strategischen Thema:
‚Intelligence@Home‘“, so Joachim Weckwerth, Leiter Zentralbereich Strategie. In kleinen Dreier- bis Sechserteams können sich
Studenten bis zum 10. Dezember online registrieren. Sie sollen innovative Konzepte
entwickeln, mit denen die BSH den Alltag im
Haushalt flexibel und nach individuellen Präferenzen und Lebensrhythmen mitgestalten
kann. Dabei kann es sich um eine externe Anwendung handeln, die mittels Smartphone
oder Tablet genutzt werden kann. Es sind
aber auch Lösungen möglich, die direkt in
das Hausgerät integriert werden. Im Idealfall
spiegeln die Ideen die verschiedenen Fachrichtungen der Teammitglieder wider: attraktive Designideen kombiniert mit innovativer
Technik und einem überzeugenden Marketingkonzept. Die besten Teams qualifizieren
sich für eine Präsentation vor einer Jury in
München. Das Gewinnerteam kann sich
dann auf 10.000 Euro und Praktikumsplätze
bei der BSH freuen.<
Stephanie Fröhling
ist Projektleiterin BSH
Innovation Campus.
corporate.communications@bshg.com
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Die Physik der
Zukunft.
Unser Leben in
100 Jahren
Ausgabe 6/2012
News
Veranstaltungen
Verkehr im Jahr 2050
Bis 2050 soll die Trans-
portindustrie nachhaltig
wachsen, fordert die EU.
Wie werden wir leben – in 20, 60,
100 Jahren? Star-Physiker Michio
­Kaku entwirft das farbige Bild einer
vielversprechenden Zukunft, die in
den Labors von Wissenschaft und
Industrie heute schon begonnen
hat.
36
21. November 2012
Future Internet Communications – Kommunikationsformen und Anwendungsgebiete
Darmstadt
Future Internet Communications bearbeitet
Forschungsfragen der Kommunikationstechnologien im Internet. Die Veranstaltung diskutiert über die Potentiale, die davon ausgehen.
ÆÆIm Internet
Michio Kaku: Die Physik der Zukunft:
Unser Leben in 100 Jahren. Rowohlt 2012.
ISBN: 978-3-498-03559-4
27. November 2012
Arbeitswelten der Zukunft –
Führungskultur im Wandel
Frankfurt am Main
Ziel der Veranstaltung ist es, den Wandel der
Arbeitsorganisation im Management von
Unternehmen stärker zu thematisieren und
zu etablieren.
Morgenstadt.
Wie wir morgen
leben
ÆÆIm Internet
In der im Buch beschriebenen „Morgenstadt“ erzeugen Stadtviertel
Strom und Wärme selbst, dienen
Elektroautos gleichzeitig als Stromspeicher und wohnen Menschen in
intelligenten Häusern, die Komfort
und Sicherheit garantieren.
Hans-Jörg Bullinger, Brigitte Röthlein:
Morgenstadt. Wie wir morgen leben: Lösungen für das urbane Leben der Zukunft.
Hanser 2012. ISBN 978-3-446-43203-1
Mit 1,2 Millionen Euro fördert die Europäische
Union ein Forschungsprojekt, das Szenarien
zur Zukunft des europäischen Verkehrs und
der Verkehrsindustrie entwickelt. Das neue
Projekt „Responsible Innovation Agenda for
Competitive European Transport Industries
up to 2050“, kurz „RACE 2050“, hat mit einer
Kick-off-Veranstaltung am 26. September seine Arbeit am Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin aufgenommen. Zusammen mit Zukunftsforschern aus Schwe-
den und Israel sowie Verkehrsexperten aus
der Schweiz, Norwegen und Portugal untersucht das ZTG die wesentlichen Erfolgsfaktoren eines nachhaltigen Wachstums der europäischen Transportindustrie bis in das Jahr
2050. Dazu werden aktuelle politische Prozesse, Technologien, Umweltaspekte, geopolitische Trends und andere relevante Bereiche
analysiert. Vertreter aus Politik, Wissenschaft
und Transportindustrie entwickeln auf dieser
Grundlage realistische Zukunftsszenarien.
3.–4. Dezember 2012
Grüne Wachstumschancen identifizieren
Frankfurt am Main
In dem englischsprachigen Kompaktseminar
geht es um die Chancen einer „grünen“ Positionierung. Referenten demonstrieren unter
anderem, wie mit dem Nachhaltigkeitstrend
Gewinne zu erzielen sind und wie „grüne“
Ziele tatsächlich erreicht werden können.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Dienstleistungen für
die energieeffiziente
Stadt
Der Sammelband präsentiert praxisnah und umfassend aktuelle Umsetzungskonzepte aus 15 Städten und
gibt einen Überblick über aktuelle
Erkenntnisse der Dienstleistungsforschung mit Relevanz für die energieeffiziente Stadt.
Michael Knoll, Britta Oertel (Hrsg.): Dienstleistungen für die energieeffiziente Stadt.
Springer 2012. ISBN 978-3-642-18437-6
Das Ende der Arbeit
und ihre Zukunft
Was wird mit den Millionen Menschen geschehen, die in einer zunehmend automatisierten Weltwirtschaft immer weniger gebraucht werden? Und wie lassen
sich die daraus resultierenden sozialen Konflikte bewältigen? Das Buch
gibt Antworten.
Jeremy Rifkin: Das Ende der Arbeit
und ihre Zukunft. Fischer 2011.
ISBN: 978-3-596-16971-9
Ausgabe 6/2012
News
Veranstaltungen
Das Ende des Barzahlens
Drei von vier Amerikanern sind der Meinung,
dass sie Bargeld heute seltener als vor zehn
Jahren verwenden. Das hat eine Studie von
MasterCard über die Benutzung von bargeldloser Bezahlung unter 1.000 Erwachsenen
ergeben. Insbesondere die Generation der 30- bis 39-Jährigen treibt
diesen Wandel voran. Aufgewachsen mit der Kreditkarte,
dem Onlinebanking und dem Onlineshopping, zahlen 61 Prozent am
liebsten elektronisch. Die meisten
Amerikaner haben im Umgang mit
Bargeld bereits negative Erfahrungen gemacht, so die Studie. Als
nervigste Situationen im Umgang mit
Bargeld gaben sie an, an
einem Automaten mit einem
zerknitterten Geldschein bezahlen zu wollen (63 Prozent), auf die
Einlösung eines Schecks zu warten (40
Prozent), darauf zu warten, das passende
Wechselgeld zu bekommen (40
Prozent), und einen Bank­
automaten zu finden (29 Prozent). Auch in Deutschland ist
der Ein-
37
kauf per Karte so beliebt wie nie zuvor: Die
deutschen Verbraucher haben im vergangenen Jahr Einkäufe im Wert von 151 Milliarden
Euro per Karte bezahlt. Das sind 7 Milliarden
Euro mehr als 2010 und damit so viel wie noch nie,
teilte das Handelsforschungsinstitut EHI mit.
Der Anteil der Kartenzahlung
kletterte, gemessen am gesamten Einzelhandelsumsatz,
auf 39,7 Prozent (2010: 38,4 Prozent). Der größte Teil des Kartenumsatzes
(128 Milliarden Euro) wurde über EC-Karten abgewickelt, nur rund 20 Milliarden Euro beglichen die Kunden mit Kreditkarten.
5. Dezember 2012
Gala STEP Award
Frankfurt am Main
Bereits zum siebten Mal vergeben Infraserv
Höchst und das F.A.Z.-Institut den STEP
Award an innovative junge Unternehmen
aus den Wachstumsbranchen Pharma, Chemie, Life-Science, Bio-/Nanotechnologie, Medizintechnik und Greentech.
ÆÆIm Internet
24. Januar 2013
HR Strategieforum „Arbeitswelten
gestalten: Erfolgsfaktor Gesundheit!“
Frankfurt am Main
Das Strategieforum richtet sich an Führungskräfte aus Unternehmen und Gesundheitswirtschaft. Diskutiert wird über betriebliches
Gesundheitsmanagement und seine Chancen für innovative Unternehmen.
ÆÆIm Internet
Nichts Wahres:
Immer weniger
Menschen setzen auf
Bares.
12.–13. März 2013
trendforum 2013
Berlin
Mehr als 200 Führungskräfte aus der Industrie, dem Dienstleistungs- und Handelssektor diskutieren gemeinsam mit Zukunftsforschern und Vordenkern über die Trends von
morgen.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Innovationen im
Handel.
Verpassen wir die
Megatrends der
Zukunft?
Das Buch zeigt, welche Megatrends
auf den Handel zukommen. Die Leser erfahren, wie nachhaltige Entwicklung, demographischer Wandel,
„Lifestyle“, mobiles Internet, soziale
Netze u.Ä. den Handel verändern.
Wolfgang Lux: Innovationen im Handel.
Verpassen wir die Megatrends der
Zukunft? Springer Gabler 2012.
ISBN: 978-3-642-28120-4
Hotel der Zukunft.
Die wichtigsten
Trendfelder für die
Hotellerie
Ausgabe 6/2012
News
News
Neuer Luxus
Zäh und elastisch
Klassisches soziales Statusdenken spielt bei
der Anschaffung von Luxusgütern eine immer geringere Rolle. Reichtum wird weniger
gezeigt. Diesen als „Stealth Luxury“ bezeichneten Trend prophezeit eine aktuelle Studie
des Zukunftsinstituts. Demnach kaufen die
gesellschaftlichen Eliten Luxusprodukte zwar
wegen der ausgezeichneten Qualität und um
sich selbst zu verwirklichen, nur darf man ihnen das am besten nicht mehr ansehen. Der
neue Luxus ist nicht von jedermann erkennbar. Nur Eingeweihte können die InsiderCodes dechiffrieren. Das öffentliche ZurSchau-Stellen gilt in Zeiten von Euro-Krise
und Schuldendesastern als dekadent, gar obszön. Man möchte diskret sein und dennoch
als Kenner gelten. Große, weltweit distribu-
ierte Marken, die dem Schlachtruf „Brands no
products“ gefolgt sind, geraten damit langfristig in Bedrängnis, sind es doch gerade die
kleinen Labels, die nur Kenner kennen, die
profitieren. „Stealth Luxury“ wird zur Triebfelder eines neuen, gleichermaßen materialistischen wie postmaterialistischen Luxuskonsums. Dessen Werte handeln mehr von
Materialien und deren Verarbeitung sowie
von der besonderen Erfahrung, die Kultiviertheit, Bildung und einen erlesenen Geschmack
voraussetzt, und weniger von den glänzenden und pompösen Oberflächen, die auf
den ersten Blick Eindruck schinden wollen. So
verändern sich über die Zeit die Erscheinungsformen von Luxus, aber auch die Einstellung dazu.
News
Sechs Thesen zeigen, wohin die Entwicklung der Hotellerie geht und
wie sich das Konsumverhalten der
Gäste und somit ihre Wünsche und
Anforderungen an ein Hotel verändern.
Harry Gatterer, Hanni Rützler: Hotel der
Zukunft. Die wichtigsten Trendfelder für
die Hotellerie. Matthaes Verlag 2012.
ISBN: 978-3-87515-064-3
Wind und Sonne tanken
In Wolfsburg nimmt im Dezember eine
Schnellladestation für Elektroautos den Testbetrieb auf, die den Strom ausschließlich aus
regenerativen Energien vor Ort speist. Zur
Station gehören ein Windrad, eine Photovoltaikanlage und ein containergroßer BatterieZwischenspeicher, damit Strom wetterunab-
hängig angeboten werden kann. Betrieben
wird die Anlage von der zur Hälfte dem VWKonzern gehörenden Wolfsburg AG. Entwickelt wurde die Anlage mit EU-Fördergeldern
vom Energieforschungszentrum Niedersachsen in Goslar.
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Für einen zäh-elastischen Konstruktionswerkstoff, der aufgrund seiner besonders
niedrigen Dichte sogar auf Wasser
schwimmt, ist Bayer MaterialScience mit
dem „10. MATERIALICA Design + Technology
Award 2012“ ausgezeichnet worden. „Wir
freuen uns über diese Anerkennung unseres
Engagements für nachhaltige Materiallösungen“, sagte Birgit Meyer zu Berstenhorst, Projektleiterin für diese Entwicklung.
„Unser neuer Werkstoff wiegt bis zu 30 Prozent weniger als das Standardmaterial und
ist damit wie geschaffen für künftige Antriebskonzepte wie die Elektromobilität.“
Die Leichtgewichtigkeit dieser Lösung basiert auf dem Polyurethan-System Bayflex
in Verbindung mit einer ausgeklügelten
Füllstoffkombination anstelle der bisher
eingesetzten Mineralfasern. Laut der Projektleiterin bleiben die mechanischen Eigenschaften des Systems trotz der Dichte­
reduktion erhalten. Zudem bietet das kompakte Material Designfreiheit bei der Fahrzeugkonstruktion. Das Leichtbaukonzept
lässt sich auch auf andere Anwendungsgebiete übertragen, im Bereich Mobilität zum
Beispiel auf Lkws und Busse. Darüber hinaus
können sich die Bayer-Experten auch einen
Einsatz in der Freizeit- und Möbelbranche,
der Bauindustrie und dem IT-Segment vorstellen.
Zukunftsmanager n Impressum | 11 Fragen an
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Ausgabe 6/2012
11 Fragen an
Hans von Storch, Klima- und Donaldismusforscher
Wie möchten Sie im Jahr 2030 leben?
Als dann 81-Jähriger? Einigermaßen gesund,
vergnügt im Kreise von Familie und Freunden.
Die zunehmende Überwachung und Aufzeichnung der Aktivität von Individuen bei
gleichzeitiger Anonymität der Überwacher.
Wo möchten Sie 2030 leben?
In der warmen Jahreszeit im Sommerhaus an
der Ostsee, in der kalten in Hamburg, nördlich der Elbe.
Welcher Trend bestimmt 2030 die Welt?
Die Umverteilung der Macht auf der Welt.
Die Überwindung der Armut.
Worauf möchten Sie 2030 verzichten können?
Auf Fanatiker aller Schattierungen. Auf eifernde Bemühungen, die Welt zu retten.
Dummes Privatfernsehen.
Worauf möchten Sie nie verzichten müssen?
Kritische Distanz, satirische Infragestellung,
demokratische Entscheidungsprozesse, kulturelle Verschiedenheit, klassische Musik,
Donaldismus.
Was muss noch erfunden werden?
Bessere Reparatursysteme für den menschlichen Körper.
Welche Erfindung würde Sie überraschen?
Gedankenmonitoring und -steuerung.
Welcher Zukunftstrend ist Ihnen schon heute
ein Dorn im Auge?
Welcher Trend der kommenden zehn Jahre
wird in 30 Jahren schon wieder überholt sein?
In verschiedenen Kulturen verschiedene
Trends. Bei „uns“: der gegenwärtige Trend,
das Zusammenwachsen Europas schlechtzureden; die Dramatisierung des menschgemachten Klimawandels; die Konfrontation
mit dem Islam.
Wer oder was würden Sie in 20 Jahren sein
wollen?
Jedenfalls nicht Donald Duck.
Welche Reform wird 2030 von zentraler Bedeutung sein?
Die fortschreitende Demokratisierung der
politischen Struktur Europas und Chinas; das
Zusammenwachsen Afrikas.
Prof. Dr. Hans von Storch,
Jahrgang 1949, ist
Klimaforscher und
Meteorologe. Er ist
Professor am Institut für Meteorologie der Universität
Hamburg und seit
dem Jahr 2001 Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum
Geesthacht – Zentrum für Materialund Küstenforschung in Geesthacht.
Von 1976 bis 1985 war er Herausgeber der Zeitschrift „Der Hamburger
Donaldist“ und 1977 Mitbegründer
von D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus), die
sich mit der Erforschung des (fiktiven) Lebens in Entenhausen beschäftigt. Er ist Ehrenmitglied der
Vereinigung. In früheren Jahren beschäftigte er sich auch mit dem Aufbau eines „Duck-Museums“.
Lesen Sie hier den gesamten
Frage-und-Antwort-Bogen!
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Ausgabe 6/2012
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Roundtable:
Future Internet Communications
Kommunikationsformen und Anwendungsgebiete
21. November 2012, House of IT, Darmstadt
das Internet hat eine rasante entwicklung durchlaufen. Schon heute ist es
die wohl wichtigste globale Infrastruktur überhaupt. das Potenzial ist unermesslich. damit ist auch die intensivierte nutzung des Internets und seiner
dienste- und Kommunikationsangebote verbunden. Internet-anwendungen werden zunehmend komplexer und anspruchsvoller hinsichtlich der
zwischen Rechnern und Personen stattfindenden Kommunikation. Future
Internet Communications bearbeitet daher Forschungsfragen der Kommunikationstechnologien im Internet insbesondere im Hinblick darauf, dass
Kommunikation zuverlässig, effizient und mit einer für den anwender
akzeptablen dienstgüte funktioniert.
anmeldung und weitere Informationen zu der kostenfreien Veranstaltung
finden Sie unter: www.kompass-projekt.de
Eine Initiative von:
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 nikolaus von Graeve, Geschäftsführer, rabbit eMarketing GmbH
 Martin Hörhammer, Vorstand, Medialine eurotrade aG
 thomas R. Köhler, Geschäftsführer, Ce21 –
Gesellschaft für Kommunikationsberatung mbH
 Prof. dr. Max Mühlhäuser, Head of division, tu darmstadt
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