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Aufwachsen heute: Was ist Problemverhalten? Was ist

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Was ist Problemverhalten?
Aufwachsen heute:
Einführung in die Sozialisationsforschung
(10) Problemverhalten
im Kindesund Jugendalter
Vorlesung
Prof. Dr. Sabine Walper
Definition von „Verhaltensstörung“:
„Verhaltensstörung ist ein von den zeit- und kulturspezifischen Erwartungsnormen abweichendes
maladaptives Verhalten, das organogen und/oder
milieureaktiv bedingt ist, wegen der Mehrdimensionalität,
der Häufigkeit und des Schweregrades die EntwicklungsLern- und Arbeitsfähigkeit sowie das Interaktionsgeschehen
in der Umwelt beeinträchtig und ohne besondere
pädagogisch-therapeutische Hilfe nicht oder nur
unzureichend überwunden werden kann.“
SoSe 2008, Di 8:30 – 10:00 Uhr
Was ist Problemverhalten?
Sozial auffälliges (abweichendes) Verhalten, das
potentiell fremd- oder selbstschädigend ist
externalisierend
Aggressivität
Gewalt
Hyperaktivität
internalisierend
Ängste
Depressivität
Selbstwertprobleme
(Myschker, 1999, S. 41)
Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitätsStörung (ADHS)
Symptome:
Aufmerksamkeitsschwäche
Mangelnde Daueraufmerksamkeitsspanne, Wegdriften
Aufmerksamkeitsverlust v.a. bei uninteressanten Tätigkeiten, Tagträumen
Mangelnde Kapazität des Arbeitsgedächtnisses
Impulsivität
Mangelnde Verhaltenskontrolle, handelt und redet schnell und
unreflektiert
wenig planvolles Handeln
Niedrige Frustrationstoleranz
Hyperaktivität (verschwindet i.d.R. in der Pubertät)
„Zappel-Philipp-Syndrom“
Gesteigerter Bewegungsdrang
Lokomotion
1
Aggression
Aggression
Verhalten mit Schädigungsabsicht (gegenüber anderen
Personen oder Gegenständen oder der eigenen Person =
Autoaggression)
Lat.: aggredi: herangehen, angreifen
Eine Definition:
„Aggression ist ein
(a) beobachtbar schädigendes bzw. verletzendes
Verhalten,
(b) sie ist absichtlich, intentional, vorsätzlich und
(c) mutmaßlich von Sozialnormen abweichend“
Differenzierung unterschiedlicher Arten von Aggression:
Direkt – indirekt
Physisch – verbal – psychisch
Instrumentell – expressiv
Geplant - affektuell
(Petermann & Petermann, 1996, S. 7)
Entwicklungsverlauf aggressiven Verhaltens
Delinquenz
Delinquenz (lat. delinquere "sich vergehen") ist
die Tendenz, vor allem rechtliche Grenzen zu
überschreiten, d. h. straffällig zu werden
Wird vor allem verwendet im Kontext von
Jugendkriminalität
≠
Devianz bezeichnet "abweichendes Verhalten"
im Allgemeinen, also auch Phänomene wie
Anorexie oder Bulimie
2
Entwicklung der Delinquenz bei Kindern,
Jugendlichen und Heranwachsenden 1986 - 1996
Arten der Delinquenz
Nach Art der Delikte:
Gewaltdelikte
Eigentumsdelikte
Statusdelikte
Sonstige
Nach Beginn der Delinquenz (Moffitt, 1993):
„Early Onset“ / Lebenslauf-persistente D.
Jugendtypische Delinquenz
Anzahl der Tatverdächtigen nach Alter (Quelle: Polizei Baden-Württemberg)
Zweidimensionales Modell für Störungen
des Sozialverhaltens
Soziobiologie und Verhaltensgenetik
destruktiv
Stehlen
Zerstören
Brandstiftung
Schlägereien
Hänseln
Grausamkeit
verdeckt
offen
Regelverstöße
Schwänzen
Drogenmissbrauch
Theorien zur Entstehung von Aggression
und Gewalt
Widersprechen
Aufsässigkeit
Verweigerung
nicht-destruktiv
Psychologische Theorien:
Frustrations-Aggressions-Hypothese (Dollard & Miller)
Mangelnde Impulskontrolle & Emotionsregulation
Lerntheorie: positive / negative Verstärkung, Modelllernen
(Bandura)
Informationsverarbeitungsdefizit: Fehlattributionen (Dodge)
Soziologische Theorien:
Theorie sozialer Kontrolle
Theorie differentieller Assoziation
Labelling-Approach / Etikettierungs-Theorie
Steinhausen, 2002, S. 211
3
Antisoziales Verhalten
entwickelt sich aus
einem komplexen
Zusammenspiel von
externen Risikofaktoren
und internen
Dispositionen. Diese
können dazu beitragen,
dass sich negative
Interaktions- und
Interpretationsmuster
etablieren, zunächst in
der familialen
Interaktion und später
in Beziehung zu Peers.
Warum sind Jungen häufiger physisch aggressiv?
Die Rolle von Peers
Kennth Dodge: Zurückweisung durch Peers begünstigt
aggressives Verhalten im Wechselspiel mit Problemen der
Informationsverarbeitung
Die Rolle vom Peers:
-Ablehnung
-Selektiver Anschluss
-Modellierung
Dodge, S. 380)
4
Die Rolle der Peers:
Aggressivität in der 3. Klassenstufe in Abhängigkeit von
Aggressivität im Kindergarten und der Ablehnung durch Peers
Fragestellung:
Never rejected
Rejected 1 year
Rejected 2 years
Rejected 3 years
Wie wirkt sich die Ablehnung durch Gleichaltrige auf
die Entwicklung aggressiven Verhaltens aus?
Reagieren alle Kinder – unabhängig von ihren
ursprünglichen Tendenzen zu aggressivem Verhalten –
mit vermehrter Aggressivität auf Ablehnung durch
Peers?
Oder sind frühe aggressive Tendenzen ein besonders
ungünstiger Nährboden, der die negativen Folgen von
Ablehnung durch Peers verstärkt?
Das Zusammenspiel genetischer und
Umweltfaktoren
Genetische Faktoren scheinen bei der Entwicklung
von aggressivem Verhalten eine Rolle zu spielen:
Größere Ähnlichkeiten im antisozialen Verhalten
von eineiigen Zwillingen als zweieiigen Zwillingen
und Geschwistern.
Sind die Gene „Schicksal“ oder wird ihre
Wirkung von der Umwelt mitbestimmt?
Aggr. Im KiGa:
niedrig (untere 50%)
hoch (obere 50%)
Dodge S. 381
Das Zusammenspiel genetischer und
Umweltfaktoren
Gene müssen
aktiviert und
„abgelesen“
werden, um
über
Stoffwechselprozesse
verhaltensrelevant zu
werden.
5
Die Wirkung von genetischen Dispositionen ist von Umweltfaktoren abhängig:
Die Studie von
Caspi et al. (2002,
2005):
The role of
genotype in the
cycle of violence
in maltreated
children
Die Aktivität
eines Gens
(MAOA)
moderiert die
Auswirkungen
von Misshandlungserfahrungen
in der Kindheit
6
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
7
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