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Clusterorganisationen : «Was dicht und dick zusammensitzet»

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bernecapitalarea
MAGAZIN FÜR WIRTSCHAFT, WISSENSCHAFT UND LEBEN IM KANTON BERN, SCHWEIZ
Ausgabe 2007
Ausgabe 2007
WIRTSCHAFT
Clusterorganisationen :
«Was dicht und
dick zusammensitzet»
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG
Teamwork in der Wissenschaft :
Sternstunden, Knochenarbeit und
ruhige Nächte
LEBEN
Expatriates :
Einwanderer sind Strickprofis
Thema: Cluster
www.berneinvest.com
INHALT
SEITE 2
WIRTSCHAFT :
11
CLUSTERORGANISATIONEN IM KANTON BERN
«WAS DICHT UND DICK ZUSAMMENSITZET»
«ICH BIN EIN ANIMATEUR»
«GETEILTES WISSEN IST PRODUKTIV»
«CLUSTER HELFEN, BESSER ZU WERDEN»
VERNETZUNG ALS ERFOLGSREZEPT
12
POLITDREHSCHEIBE STADT BERN
HOI HERR MINISTER
4–11
7
8
9
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG :
SEITE 4-11 :
«WAS DICHT UND DICK ZUSAMMENSITZET»
CLUSTERORGANISATIONEN SIND EIN WESENTLICHER FAKTOR
FÜR DAS STETIGE WACHSTUM IM KANTON BERN. DIE ORGANISATIONEN BRINGEN KÖPFE AUS POLITIK, WIRTSCHAFT, WISSENSCHAFT UND VERWALTUNG ZUSAMMEN. DIESER AUSTAUSCH
BESCHLEUNIGT ENTWICKLUNGEN UND FÖRDERT INNOVATIONEN.
14–18
19
20-23
TEAMWORK IN DER WISSENSCHAFT
STERNSTUNDEN, KNOCHENARBEIT UND RUHIGE NÄCHTE
ENTWICKLUNG DES KANTONS BERN
WACHSTUM ALS STRATEGIE
NUTZEN VON CLUSTERORGANISATIONEN
TRIEBFEDER FÜR WIRTSCHAFT UND WISSENSCHAFT
LEBEN :
24–29
KULTURBRANCHE
OHNE NETZWERK IST ALLES NICHTS
30–33
EXPATRIATES
EINWANDERER SIND STRICKPROFIS
34
AFTER-WORK-NETWORKING
PROST PARTNER
AGENDA :
36-38
SEITE 14-18 :
SEITE 30-33 :
STERNSTUNDEN, KNOCHENARBEIT UND RUHIGE NÄCHTE
EINWANDERER SIND
STRICKPROFIS
WISSENSCHAFTLICHE PROJEKTE WERDEN IMMER KOMPLEXER
- TEAMWORK HILFT, SIE ZU
VERWIRKLICHEN.
WER IN DER FREMDE NOCHMAL NEU ANFÄNGT, BRAUCHT
DEN KONTAKT ZU ANDEREN
MENSCHEN.
38
LEBEN, LACHEN UND FEIERN IM KANTON BERN
DIE KUNST DES SHOPPENS
WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG KANTON BERN :
39
ERFOLG LEICHT GEMACHT
IMPRESSUM
Herausgeber: Wirtschaftsförderung Kanton Bern (WFB), Denis Grisel (Leiter WFB), Virve Resta (Leiterin Kommunikation), Münsterplatz 3 , CH-3011 Bern, Telefon:
+41 31 6 33 41 20, Internet: www.berneinvest.com, E-Mail: info@berneinvest.com Entwicklung, Gestaltung und Produktion: Denon Publizistik AG, Hauptplatz 5,
CH-8640 Rapperswil-Jona, Telefon: +41 55 2 20 81 88, Internet: www.denon.ch Projektleitung: Christoph Hämmig, christoph.haemmig@denon.ch Chefredaktion
und Produktion: Anne-Friederike Wilhelm, friederike.wilhelm@denon.ch Art-Direction und Gestaltung: Maya Schneeberger, maya.schneeberger@denon.ch
Druck: Geiger AG Bern, Habsburgerstrasse 19, 3000 Bern 6. Gedruckt auf FSC-zertifiziertem Papier. Auflage und Erscheinungsweise: «Berne Capital Area – Magazin
für Wirtschaft, Wissenschaft und Leben im Kanton Bern, Schweiz» erscheint jährlich in Deutsch, Französisch und Englisch in einer Auflage von 13 000 Exemplaren
Bildnachweise: © Christoph Grünig (S. 2, 4, 5, 7, 8, 9, 10, 17, 18, 21, 23, 30, 33, 34, 35), © Robert Bösch (S. 6), © Tourisme Jura bernois (9), © ESA (S. 14-16), © Bern
Tourismus (S. 11, 19, 28, 29, 31, 32, 34, 37, 39), © KTI (S. 20), © CSL Behring AG (S. 22), © Markus Senn (S. 24,25, 26), © Richard de Stoutz (S. 26), © Dorit Talpaz
(S. 27), © Pino Pipitone (S. 27), © Zentrum Paul Klee (S. 28), © Swiss Economic Forum (S. 35), © pixelio.de, Paul-Georg Meister (S. 36), © Marcel Meier (S. 36),
© Künstlerbörse Thun (S. 37), © Jolie Brise (S. 38), © Keystone (Titelbild, S.12, 13, 36, 37), © Christof Sonderegger (S. 36)
Alle Rechte vorbehalten. Reproduktion nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers und der Chefredaktion.
SEITE 3
EDITORIAL
LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER
ANDREAS RICKENBACHER
Der Kanton Bern macht vorwärts. Er hat sich zum attraktiven Wirtschafts- und Lebensraum
entwickelt und verfügt über wichtige Standortvorteile: zentral in der Schweiz und in Europa
gelegen, gut ausgebaute Infrastruktur, niedrige Unternehmenssteuern, Massnahmen für
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein breit gefächertes Bildungssystem und qualifizierte
Fachkräfte. Die Arbeitslosigkeit ist seit Jahren tiefer als in der gesamten Schweiz. Der Kanton
Bern bietet insgesamt gute Voraussetzungen für die Wirtschaft und ist ein attraktiver Lebens- und
Wohnstandort.
Eine zentrale Rolle spielen Netzwerke in allen Bereichen und starke Clusterorganisationen. In
diesen branchenspezifischen Kompetenzzentren haben sich ansässige Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Behörden zusammengeschlossen, um sich gegenseitig bei ihrer Arbeit zu unterstützen und sich besser zu vernetzen. Die Clusterorganisationen
erhöhen die Durchsetzungskraft der sechs kantonalen Schwerpunktbranchen: Präzisionsindustrie,
Medizintechnik, ICT, Wirtschaftsberatung, Umwelt- und Energietechnik sowie Design.
Dem Thema «Netzwerk» widmet sich auch die erste Ausgabe unseres neuen Magazins «Berne
Capital Area». Es wird von der Wirtschaftsförderung Kanton Bern herausgegeben, um
Sie über die wichtigsten und interessantesten Entwicklungen zu informieren und Ihnen zu zeigen,
wie es sich im Kanton Bern lebt, forscht und arbeitet. «Berne Capital Area» steht dabei für
den Kanton Bern. Die knappe Formel betont das Voranstreben des Kantons – seine Rolle als
Wirtschaftsraum, politische Drehscheibe und lebenswertes Zentrum der Schweiz.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.
Andreas Rickenbacher
Regierungsrat
Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Bern
WIRTSCHAFT
SEITE 4
CLUSTERORGANISATIONEN IM KANTON BERN :
«WAS DICHT UND DICK ZUSAMMENSITZET»
Kontakte ins Ausland, der richtige Geschäftspartner, Forscher, die die wissenschaftlichen Grundlagen eines Projekts
erarbeiten – oftmals sind sie das Zünglein an der Waage,
wenn es gilt, sich am hart umkämpften Markt durchzusetzen.
STANDPUNKTE : JE MEHR
MENSCHEN IN EINE RICHTUNG
STREBEN, DESTO GERINGER IST DIE GEFAHR, DASS
PROJEKTE ZU LUFTNUMMERN
WERDEN - IMPRESSION VOM
BARAPLAGE IN BIEL.
Wer solche brancheninternen und -übergreifenden
Verbindungen nicht in die W iege gelegt bekommt, muss
sie sich erarbeiten. Clusterorganisationen bieten die
Chance, Kooperationen aufzubauen.
GIPFELSTURM : JE HÖHER
DER BERG, DESTO WICHTIGER
SIND EIN QUALIFIZIERTES,
VERLÄSSLICHES KLETTERTEAM
UND EINE PERFEKTE AUSRÜSTUNG. DAS GILT NICHT
NUR FÜR DIE BESTEIGUNG
VON BERGEN - SONDERN AUCH
FÜR GIPFELSTÜRME IN WIRTSCHAFT, FORSCHUNG UND
BILDUNG.
migungen und Aufträge. Dennoch erreichen
sie all das innerhalb der Clusterorganisationen eher durch Schulterschlüsse als
durch Ellenbogeneinsatz.
Wie gross das Einzugsgebiet einer Clusterorganisation ist, richtet sich weniger nach
politischen Grenzen als nach Parametern,
wie maximaler Pendeldistanz oder den in
einer Region gesprochenen Sprachen. Im
Kanton Bern gibt es vier regionale Cluster:
der Medical-, der Präzisions-, der ICTund der Wirtschaftsberatungscluster,
ausserdem zwei Kompetenzzentren, das
Zentrum für Umwelttechnik und das Design Center Langenthal. Der ebenfalls in
der Region aktive Schweizer EnergieCluster hat bereits seinen Fokus auf internationale Kontakte gerichtet.
WAS IST EIN CLUSTER?
DER BEGRIFF «CLUSTER» IST IN ALLER MUNDE. ABER WAS BEDEUTET ER EIGENTLICH?
Ein «Kluster» ist etwas, «was dicht und dick
zusammensitzet». So definieren es die Gebrüder Grimm in ihrem von 1854 bis 1961
verfassten «Deutschen Wörterbuch». Was
altertümlich daherkommt, ist höchst aktuell: Auf Nähe und Teamwork, gedanklichen
Austausch und gegenseitige Unterstützung kommt es heute an – in Wirtschaft
und Wissenschaft ebenso wie in Bildung
und Behörden. Eine One-Man-Show mit
Ich-lass-mir-nicht-in-die-Karten-schauenHaltung führt kaum noch zu beruflichem
Erfolg und atemberaubenden Umsatzzahlen.
Cluster entstehen zwar durch Networking,
sie sind aber mehr als das. Bereits durch
den Austausch zweier Menschen bildet
sich ein Netzwerk. Zu einem Cluster dagegen gehört die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Behörden. Erst, wenn alle vier Eckpfeiler ein
Netzwerk tragen, spricht man von einem
Cluster. Lange waren vor allem eine bissfeste Bilanz und effizientes Management
von «Humankapital» der Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Cluster setzen zunehmend softe Akzente inmitten wirtschaftlicher Härte. Soft? Auch wenn das Wort
sperrig klingt: Cluster sind ein weicher Erfolgsfaktor. Menschen reden miteinander,
arbeiten zusammen, unterstützen sich gegenseitig und schaffen so haltbare Kontakte und ein lebendiges Netzwerk, in dem
jeder vom anderen lernen kann, in dem jeder gibt und nimmt. Doch natürlich geht es
in Clusterorganisationen nicht vorrangig
um den Spass am Kommunizieren und Zusammenarbeiten, Cluster sind keine «Kuschelvereine». Die in Clusterorganisationen
zusammengeschlossenen Personen vertreten Unternehmen und Behörden, Forschungs- und Bildungsinstitute, und
ihre Ziele sind wie eh und je wirtschaftlicher Erfolg, Standortsicherung, qualifizierter Nachwuchs, Fördergelder, Geneh-
Teams im Teamwork
Zusätzlicher Spielraum für interdisziplinäres Denken ergibt sich, wenn nicht nur
alle Strippenzieher einer Branche eng zusammenarbeiten, sondern auch Clusterorganisationen untereinander Kontakt halten
und sich austauschen. Im Kanton Bern
klappt das hervorragend. Drehscheibe der
gemeinsamen Aktivitäten der Berner Cluster ist die innoBE AG, die ihre Tätigkeit auf
drei Bereiche konzentriert: Start-up, Innovation und Cluster. Der Draht zu anderen
Clusterorganisationen kann beispielsweise
Unternehmen, die ins Ausland expandieren wollen, beim Aufbau internationaler
Kontakte helfen. Die Berner Telematikbranche profitiert bereits von den internationalen Kontakten der Berner Medizintechnik.
Informationen
Medical Cluster: www.medizinal-cluster.ch
tcbe.ch – ICT Cluster Bern, Switzerland: www.tcbe.ch
Wirtschaftsberatungs-Cluster: www.wbcb.ch
Präzisions-Cluster: www.cluster-precision.ch
Energie-Cluster: www.energie-cluster.ch
Design Center Langenthal: www.designnet.ch
Zentrum für Umwelttechnik: www.zut.ch
innoBE AG: www.innobe.ch
SEITE 7
WIRTSCHAFT : CLUSTERORGANISATIONEN IM KANTON BERN
«ICH BIN EIN ANIMATEUR»
INTERVIEW MIT CHRISTOPH BEER, CLUSTERMANAGER
Was machen Sie als Clustermanager?
«Ich bin Animateur, Netzwerker und Manager. Ich bringe Menschen und Märkte zusammen, berate Firmen, helfe beim Wissens- und Technologietransfer, baue
Netzwerke auf und stelle Synergien her –
auch international durch Beteiligung an
EU-Projekten sowie zwischen Clustern.
Clustermanager fördern Innovationen und
öffnen Märkte für neue Produkte. Das Besondere an Clustern ist, dass Wirtschaft,
Forschung und Verwaltung, Hersteller und
Abnehmer, Partner und Konkurrenten miteinander vernetzt werden. Ein Clustermanager muss all diese Bereiche unter einen
Hut bringen. Das macht er natürlich nicht
allein, sondern mit einem Team, das er koordiniert.»
Wie baut man ein Cluster auf?
«Dafür gibt es kein Rezept, das ist abhängig von den Firmen, den Personen, den
Projekten und den Zielen, die die Unternehmen und der Cluster verfolgen. Cluster
entstehen aus einem Bedarf heraus, zum
Beispiel, um etwas gegen den Mangel an
Fachleuten und Ausbildungsmöglichkeiten
zu tun – so war es beim tcbe.ch. Cluster
entstehen häufig auch, weil die Umsatzmöglichkeiten in einem Segment an ihre
Grenzen stossen und neue Märkte eröffnet
werden müssen. Das ist im Alleingang
kaum möglich. Oft bestehen bereits ‹natürliche Cluster›, also eine Zusammenarbeit
oder Interessengemeinschaft zwischen
Firmen, die nur weiterentwickelt werden
muss.»
Können Unternehmen sich von Clusterorganisationen beraten lassen und Kontakte nutzen, oder sollen sie beim Aufbau
eines Netzwerks helfen?
«Alle sollen langfristig und aktiv im Cluster
mitarbeiten – aber es ist natürlich, dass
man in manchen Phasen mehr Input gibt,
in anderen mehr profitiert. Im Cluster
herrscht ein Geist, der weitgehend verhindert, dass das Verhältnis zwischen Geben
und Nehmen unausgewogen ist. Auf jeden
Fall lohnt es sich für jede Firma, in einem
Cluster mitzuwirken. In einem solchen arbeitenden Netzwerk lernt man potenzielle
Partner und neue Kunden kennen und bekommt Informationen, die andere nicht
haben.»
Sind Cluster für jede Branche sinnvoll?
«Cluster gibt es schon lange und in vielen
Segmenten. Sie werden nur noch nicht so
lange als Strategie-Instrument eingesetzt.
Cluster sind immer da sinnvoll, wo es um
findet man in einem
”Oft
fremden Cluster neue
Ideen für den eigenen
Bereich.
”
transportable und variable Güter geht.
Denn wenn eine Firma mit ihrer Ware oder
Dienstleistung einen Standort jederzeit
verlassen kann, muss man ihre Bindung an
den Standort stärken — zum Beispiel
durch Clusterbildung.»
Ist Vernetzung das Erfolgsrezept der
Zukunft?
«Ja, für die meisten Unternehmen ist sie
ein zentraler Erfolgsfaktor. Denn erst wenn
Güter und Wissen untereinander ausgetauscht werden, können lokal verwurzelte
Firmen auch global erfolgreich sein.»
Informationen
beer@innobe.ch
www.wirtschaftbern.ch
www.dada.ch
CHRISTOPH BEER :
CHRISTOPH BEER IST
CLUSTERMANAGER BEIM
«TCBE.CH. – ICT CLUSTER
BERN,SWITZERLAND» UND
BEREICHSLEITER CLUSTER
BEI DER INNOBE AG. INNOBE
BEGLEITET UNTERNEHMENSGRÜNDER AUF IHREM WEG IN
DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT,
HILFT UNTERNEHMEN,
INNOVATIONEN UMZUSETZEN,
UNTERSTÜTZT DEN WISSENSUND TECHNOLOGIETRANSFER
UND FÖRDERT DEN AUFBAU
VON NETZWERKEN. BEER
ARBEITET SEIT MEHR ALS 20
JAHREN IN DER ICT-BRANCHE UND WAR 2006 FINALIST
BEIM VERLEIH DES EUROPE
INNOVA CLUSTER AWARDS IN
VALENCIA.
2
WIRTSCHAFT : CLUSTERORGANISATIONEN IM KANTON BERN
SEITE 8
«GETEILTES WISSEN IST PRODUKTIV»
DREI FRAGEN AN PD DR. RUBINO MORDASINI, PRÄSIDENT MEDICAL CLUSTER
Was für Unternehmen haben sich im
Medical Cluster zusammengeschlossen?
«Im Kanton Bern und im schweizerischen
Mittelland sind ganz unterschiedliche medizintechnische Schwerpunkte vertreten,
die alle durch Unternehmen im Medical
Cluster repräsentiert sind: Orthopädie,
Ophthalmologie, Proteinchemie, Dentalprodukte, der Bereich Herz und Kreislauf
sowie Diabetologie. Durch die lange Tradition der Präzisionsindustrie im Berner Jura
sind diese Unternehmen gewöhnt, eng
zusammenzuarbeiten und Projekte gemeinsam umzusetzen. Davon profitieren
wir ganz enorm.»
Was bringt Unternehmen der Medizintechnik das Engagement im Medical
Cluster?
«Die Clusterorganisation hat zwei Hauptaufgaben: Zum einen wollen wir sicherstellen, dass es für die Unternehmen der Medizintechnik immer genügend qualifizierten
Nachwuchs gibt. Deshalb sind Universität
und Fachhochschule, die fundierte Ausbildung und hohe Spezialisierung garantie-
ren, wichtige Partner im Medical Cluster.
Zum zweiten wollen wir Menschen mit
Spezialwissen zusammenführen, Kooperationen von Unternehmen fördern sowie
die Forschung vorantreiben – und damit
natürlich wiederum dem Nachwuchs gute
Einstiegs- und Entwicklungschancen bieten. Davon profitiert die gesamte Branche. Die Vernetzung von Kompetenzen,
gepaart mit Engagement, ist ein wichtiges
Erfolgsrezept für die Zukunft.»
Welches Projekt wäre ohne den Medical
Cluster nicht zustande gekommen?
«Wir haben Ende 2006 die Stiftung Competence Center for Medical Technology
CCMT gegründet, ein Gemeinschaftsprodukt des Medical Cluster, der Wirtschaftsförderung des Kantons Bern, der Universität Bern und der Berner Fachhochschule.
Das CCMT ist ein Kompetenzzentrum für
Medizintechnologie, in dem alles Wissen
zu diesem Thema gebündelt wird. Wissen
zu horten ist nicht mehr zeitgemäss. Es
ist wichtig, möglichst viel davon bekannt
zu machen und allen zur Verfügung zu
1
stellen, die etwas damit anfangen können.
Erst dann können Erkenntnisse produktiv
genutzt werden, auch überregional und international. Früher roch es gut, man wusste
aber nicht, aus welcher Küche. Heute kann
man einfach hingehen und probieren – das
ist produktiver Umgang mit Wissen. Clusterorganisationen tragen dazu bei.»
Informationen
rubino.mordasini@medizinal-cluster.ch
1+2 : PD DR. RUBINO
MORDASINI : PD DR. RUBINO
MORDASINI IST FACHARZT
FMH FÜR INNERE MEDIZIN
UND KARDIOLOGIE, CHEFARZT
DES HERZZENTRUMS
SONNENHOF IN BERN, CHIEF
MEDICAL OFFICER DER
SONNENHOF-GRUPPE UND
PRÄSIDENT DES MEDICAL
CLUSTER.
2
SEITE 9
WIRTSCHAFT : CLUSTERORGANISATIONEN IM KANTON BERN
1
1+2 : BEWEGEND :
AFFOLTER TECHNOLOGIES IST
EINE FIRMA DER PRÄZISIONSINDUSTRIE MIT SITZ IM
BERNER JURA. DIE REGION
WIRKT IDYLLISCH — TROTZDEM LÄUFT HIER EINIGES.
DAS BEWEIST AFFOLTER MIT
SEINER ENTWICKLUNG UND
PRODUKTION ELEKTRONISCHER
UND MECHANISCHER KOMPONENTEN SOWIE DER PRODUKTION VON MASCHINEN FÜR
UHRENINDUSTRIE UND MIKROTECHNIK.
1
2
«CLUSTER HELFEN, BESSER ZU WERDEN»
DREI FRAGEN AN MARC-ALAIN AFFOLTER, MANAGING DIRECTOR VON AFFOLTER TECHNOLOGIES SA
Engagiert Affolter Technologies sich in
Clusterorganisationen und Netzwerken?
«Ja, Affolter Technologies ist Mitglied einiger Cluster und Netzwerke. Im Berner Jura
engagieren wir uns im Chambre Economique Publique (CEP), im Club-Entreprises
de la CEP und in der Union du Commerce
et de l’Industrie (UCI). Im Kanton Bern gehören wir zum Cluster de la Précision und
nehmen am Swiss Economic Forum (SEF)
teil. Und in der Schweiz sind wir Mitglied
der Fédération Horlogère (FH) und der
SwissMem – Association des Machines.»
Welche Vorteile hat Ihre Firma durch
die Mitwirkung in diesen Clusterorganisationen?
«Das ist schwierig zu sagen, denn die
Wirkungen von Clustern sind noch undefiniert. Der Präzisions-Cluster Bern hat vor
einem Monat unsere Firma besucht. Es ist
immer wichtig, sich persönlich kennenzu-
lernen, und für unsere allgemeine Bekanntheit hat das sicher auch etwas gebracht.
Das Netzwerk funktioniert wirklich gut. Ein
grosser Vorteil des Präzisions-Clusters im
Kanton Bern ist seine Zweisprachigkeit.
Das erleichtert uns vieles.»
Gibt es Ihrer Meinung nach eine Zukunft
ohne Networking?
«Das ist abhängig von der Firma, der Branche und davon, ob die Firma Zulieferer ist
oder ihre komplette Produktpalette exportiert. Auf jeden Fall sind Netzwerke wichtig. Man trifft andere Vertreter der Branche,
kann voneinander lernen und auf diesem
Weg selbst besser werden. Für mich ist
das der grosse Vorteil von Clustern.»
Informationen
ma.affolter@affelec.ch
1
2
FACTS & FIGURES
Begriffsklärung: Der Kanton Bern
und die Region Espace Mittelland
Der Kanton Bern im Westen der
Schweiz ist nach Graubünden der
zweitgrösste Schweizer Kanton. Amtssprachen sind Deutsch und Französisch, im Geschäftsleben wird oft auch
Englisch und Italienisch gesprochen.
Der Kanton Bern hat von allen Kantonen die grösste Nord-Süd-Ausdehnung: vom Jura über das Schweizerische Mittelland bis zu den Alpen. Im
Norden grenzt er an die Kantone Jura,
Solothurn und Aargau, im Westen an
die Kantone Neuenburg, Waadt und
Freiburg, im Osten an die Kantone
Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri
und im Süden an den Kanton Wallis.
Im westlichen Schweizer Mittelland
besteht ein Netz von Städten mit der
Hauptstadt Bern als Zentrum — der
überregionale, zweisprachige Lebensund Wirtschaftsraum für über eine Million Menschen. Im Netzwerk Espace
Mittelland sind Vertreter der Wirtschaft,
der Kantone, der Städte und Bildungsinstitutionen sowie Interessierte aus
den Kantonen Bern, Freiburg, Solothurn und Wallis vertreten.
3
SEITE 11
WIRTSCHAFT : CLUSTERORGANISATIONEN IM KANTON BERN
VERNETZUNG ALS ERFOLGSREZEPT
ZEHN JAHRE CLUSTERPOLITIK IM KANTON BERN
Mit seiner Clusterpolitik ist der Kanton
Bern Vorreiter für die gesamte Schweiz.
Seit zehn Jahren ist der Einsatz für Cluster
ein wichtiger Teil der Wirtschaftspolitik des
Kantons. Das Ziel: die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Kantons zu steigern
und den Standort für Unternehmen
aus zukunftsgerichteten, wertschöpfungsstarken Branchen attraktiv zu machen. Die
Ergebnisse: Vertreter von Unternehmen,
Forschungs- und Bildungseinrichtungen
und Behörden treffen sich regelmässig
zum Austausch, gemeinsam wurden wichtige Projekte wie die TelematikTage Bern
oder die Ausbildungsinitiative i-be auf die
Beine gestellt. Die Zahl der Beschäftigten
und die Wertschöpfung wachsen in den in
Clustern organisierten Branchen stärker
als in den übrigen Branchen im Kanton
Bern – und stärker als im Schweizer Durchschnitt. Die Technologie-Cluster leisten mit
einem Anteil von 18 Prozent einen entscheidenden Beitrag zur Wertschöpfung
der Region, die grössten Beiträge stammen vom Präzisionstechnik- und vom ICTCluster.
Ihren Ursprung hat die Berner Clusterpolitik
im Aktivitätsprogramm «Sechs Offensiven
für Bern», das die Gründung von vier Clusterorganisationen und zwei Kompetenzzentren
bewirkte. Zukunft der Berner Clusterpolitik
ist die «Wachstumsstrategie Version 2007»,
die die nationale und internationale Vernetzung von Bildung, Innovation und Wirtschaft
weiter vorantreiben wird. Denn die Berner
Cluster sind auch weiterhin der Schlüsselfaktor für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Kanton Bern.
www.berneinvest.com/bcd07
tcbe.ch – ICT Cluster Bern, Switzerland: gegründet 1996 – 200
Mitglieder – Arbeitsplätze im Cluster:
51.000
Medical Cluster: gegründet
1997 – 90 Mitglieder – Arbeitsplätze
im Cluster: 30.000
Präzisionscluster: gegründet
2006 – 70 Mitglieder – Arbeitsplätze
im Cluster: 50.000
Energie-Cluster: gegründet
2004 – 190 Mitglieder
”
Der Wirtschaftsberatungscluster ist für uns
Kontaktnetz und Weiterbildungsquelle, die Kundenakquisition eine angenehme Begleiterscheinung. Für Vertreter von kleineren und mittleren
Unternehmen bietet der Cluster eine einzigartige
Chance, mit wenig Aufwand viel abzuholen.
1-3 : VERNETZUNG ALS
ERFOLGSREZEPT : ANGEREGTER AUSTAUSCH BEIM BERN
CLUSTER DAY 2007 IM HOTEL
ALLEGRO IN BERN.
Die Clusterorganisationen und
Kompetenzzentren im Kanton Bern
WBCB – Wirtschaftsberatungscluster Bern: gegründet 2000 – 650
Mitglieder
Informationen
ROLAND FREY, MITGLIED DER GESCHÄFTSFÜHRUNG UND LEITER ASSET MANAGEMENT DER MOBILIAR, BERN
FACTS & FIGURES
Design Center Langenthal: organisiert alle zwei Jahre den Design Preis
Schweiz in Langenthal und Solothurn
sowie den Designer’s Saturday in
Langenthal
”
Zentrum für Umwelttechnik:
gegründet 1994 – 22 Genossenschafter – Kompentenzzentrum für Umwelttechnologie
4 : BLICK AUF BERN : DER
KANTON BERN, UMFLOSSEN
VON DER AARE, DURCHFLOSSEN VON IDEEN UND INNOVATIONSGEIST.
innoBE AG: 1999 gegründet – managt
Cluster und berät Unternehmen und
Start-ups im Kanton Bern
tcbe.ch ist die
”Der
ideale Plattform, um
unser informatisches
Fachwissen aktuell zu
halten, interessante
Menschen mit ähnlichen ‚Problemen’ zu
treffen und wertvolle
Kontakte zu künftigen
Kunden und Partnern
zu knüpfen.
”
THOMAS RIESEN, GESCHÄFTSLEITER UND MITINHABER DER
PREDATA AG, THUN
4
WIRTSCHAFT : POLITDREHSCHEIBE STADT BERN
SEITE 12
POLITDREHSCHEIBE STADT BERN :
HOI HERR MINISTER
Kontakte in die Politik, das klingt nur für den verrucht, der sie nicht hat. Unternehmen
sollten die Chance nutzen, politische Entscheidungen zu beeinflussen – durch Diskurs mit
Politikern und Spitzenbeamten, nicht durch Dollars. Doch wie lernt man Politiker kennen?
Wie kommt man mit ihnen ins Gespräch? Am einfachsten in Politzentren wie Washington
D.C., Berlin oder Bern.
«Unternehmen sucht Kontakte in die Politik.» Haben Sie eine solche Anzeige schon
einmal gelesen? Natürlich nicht – sie würde
auch wenig fruchten. Denn ein Draht zu
Politikern entsteht auf anderen, diskreteren
Wegen. Diskret heisst aber nicht, dass der
Austausch zwischen Wirtschaft und Politik
den Hauch des Ungesetzlichen hätte, ganz
im Gegenteil: Einflussnahme auf politische
Entscheidungsträger ist eine Form gelebter
Demokratie. Warum sollten Unternehmen
Politiker ihre Politik machen lassen, ohne
sich einzumischen? Schliesslich müssen
sie mit deren Entscheidungen arbeiten und
sie umsetzen. Und warum sollten Politiker
ihre Kontakte zu Unternehmen nicht nutzen? Laufen sie doch weniger Gefahr, in
die falsche Richtung zu steuern, wenn sie
auch die Meinungen und Ziele der Wirtschaftsvertreter kennen.
Kontakte zu Vertretern von Politik und
Verwaltung können für Unternehmen von
hoher Bedeutung sein, zum Beispiel wenn
über infrastrukturelle, arbeitsmarkt- oder
steuerpolitische Massnahmen entschieden wird. Politiknahe Firmen können aber
nicht nur laufende Debatten mitgestalten,
sie haben auch die Chance, Themen
überhaupt erst in die Diskussion zu bringen. So können sie ausloten, wo die Zukunft für ihren Wirtschaftszweig liegt –
und das Kommende direkt mitgestalten.
«Unternehmer, die wissen, wie Politiker
denken, und Politiker, die wissen, wie Unternehmer denken, können das Gegenü-
ber besser einschätzen und sich intensiver für die Sache einsetzen. Wenn
Wirtschaft und Politik an einem Strang
ziehen, ist vieles einfacher», sagt der
Berner Wirtschaftsanwalt Dr. Peter Bratschi. Bratschi ist einer der Gründer der
Kanzlei «Bratschi Emch Rechtsanwälte»,
die E-bay nach Bern geholt hat.
Themen setzen und gestalten
«In einer Stadt wie Bern gibt es auf unterschiedlichen Ebenen Kontakte zwischen
Wirtschaft und Politik», sagt Bratschi.
«Ganz wichtig sind informelle Verbindungen zwischen Politikern und Unternehmern. Sie kennen sich aus der Schule oder
aus der Pfadfinderzeit, sind Nachbarn oder
haben die gleichen Hobbys. Sie vertrauen
1
SEITE 13
einander und sind gewohnt, sich direkt
miteinander auszutauschen.» Dieses private Sprechen über Themen, die beide
Seiten bewegen, ist bereits Lobbying und
ein Prozess gegenseitiger Beeinflussung
– lange vor Abstimmungen und Wahlen.
Aber auch, wer nicht auf gewachsene
Kontakte zurückgreifen kann, hat im Politzentrum Stadt Bern die Chance, Kontakte
zu Politikern und Spitzenbeamten aufzubauen. In Bern trifft man Politiker aus
Bundes-, Kantons- und Stadtregierung
nicht nur bei Tagungen, Kongressen und
Foren, sondern auch in Bars und Restaurants, im Theater und im Stadion. Ganz
privat. Das senkt die Hemmschwelle für
eine Kontaktaufnahme. Oft stellt sich auch
erst nach einem anregenden Gespräch heraus, dass man sich gerade mit einem Regierungsrat unterhalten hat. Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und Co. sehen
in der Freizeit eben nicht ganz so aus wie
auf dem Bildschirm oder in Pressemeldungen.
«Unternehmen sollten unbedingt auch auf
professionelle Dienstleistungen wie Public
Affairs und Government Relations setzen»,
rät Bratschi. «Diese Möglichkeit wird in der
Schweiz noch viel zu wenig genutzt. Nach-
WIRTSCHAFT : POLITDREHSCHEIBE STADT BERN
haltige Änderungen erreicht man eben
selten im Hau-Ruck-Verfahren, sondern
eher durch kontinuierlichen, sanften Druck.
Und den kann man auf diesem Weg ausüben.»
Welche Vorteile es hat, in einem politischen
Zentrum ansässig zu sein, will das Politzentrum Bern vermitteln. Verbände und
Institutionen, die sich in Bern niederlassen
wollen, kompetente Ansprechpartner und
Kontakte suchen, finden im Politzentrum
Unterstützung und Informationen. Unternehmen berät die Wirtschaftsförderung
Kanton Bern. Auch die Berner Politgespräche wollen Vertreter von Politik, Medien, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft miteinander ins Gespräch bringen.
Einmal im Jahr bieten sie eine Plattform
für die Diskussion aktueller Themen und
Trends und für den Austausch von Erfahrungen mit politischer Kommunikation.
Informationen
www.bep.ch
www.politzentrum.bern.ch
www.berner-politgespraeche.ch
www.berneinvest.com
FACTS & FIGURES
Public Affairs und Government
Relations
Public Affairs (PA) baut Beziehungen
zwischen Wirtschaft und Politik auf
und vertritt die Interessen von Unternehmen und Organisationen gegenüber der Politik – auch und gerade,
wenn diese nicht direkt in Politzentren
ansässig sind. Ziel von PA ist, Unternehmen und Organisationen aktiv und
langfristig in gesellschaftliche und
politische Prozesse einzubinden sowie
Offenheit und Akzeptanz für bestimmte
Themen zu schaffen. PA ist eine
professionelle Dienstleistung, die von
spezialisierten PR-Agenturen oder
-Instituten angeboten wird.
Government Relations (GR) versucht,
direkt mit dem Gesetzgeber zu
interagieren und im Interesse von
Unternehmen und Organisationen auf
die Gesetzgebung Einfluss zu nehmen.
Auch diese Form des Lobbyismus ist
eine professionelle Dienstleistung, die
oft genutzt wird, wenn Unternehmen
weit von den Politzentren entfernt sind.
1 : IM STANDE : GESPRÄCHE ZWISCHEN POLITISCHEN
ENTSCHEIDUNGSTRÄGERN UND
WIRTSCHAFTSVERTRETERN ERÖFFNEN BEIDEN SEITEN NEUE
PERSPEKTIVEN.
2 : SITZUNG : POLITISCHE
ENTSCHEIDUNGEN BEKOMMEN
IHRE RICHTUNG UND AUSPRÄGUNG LANGE VOR DEN
OFFIZIELLEN DEBATTEN IM
NATIONALRATSSAAL DES BUNDESHAUSES BERN.
2
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG
SEITE 14
TEAMWORK IN DER WISSENSCHAFT :
STERNSTUNDEN, KNOCHENARBEIT UND RUHIGE NÄCHTE
W ie viele wichtige und spannende Forschungsprojekte in der
Schublade verschwinden, weil das Geld zu knapp oder
das Team zu klein ist – das hat noch kein Statistiker erhoben.
Fakt ist: Forschungsprojekte sind heute so komplex, dass
SCHNEIDIG : MIT SEINEN
16 METER BREITEN SONNENSEGELN DURCHTEILT DIE
RAUMSONDE ROSETTA DIE
SCHWARZE NACHT DES ÄTHERS
- UND BRINGT ERKENNTNIS
ÜBER DIE ERDENTSTEHUNG.
sie oft nur umgesetzt werden können, wenn W issenschaftler,
Forschungsinstitute und Unternehmen zusammenarbeiten,
auch über fachliche und politische Grenzen hinweg. Drei
Beispiele für erfolgreiches Teamwork.
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG : TEAMWORK IN DER WISSENSCHAFT
SEITE 16
INFORMATIONSROSINEN IM WELTALL
Raumforschung: «Rosina»
Kometen sind die Leidenschaft von Dr. Kathrin Altwegg, Professorin am Physikalischen Institut der Universität Bern. Weil
Kometen tiefgefroren sind, haben sie sich
in den 4,6 Milliarden Jahren vom Urknall
bis heute nicht verändert und Details über
die Entwicklung des Sonnensystems, der
Erde und der Menschheit konserviert. Zwar
purzeln die Steinklumpen manchmal auch
auf die Erde, aber im Weltall sind sie am
frischesten. Deshalb hat Altwegg vor drei
Jahren die Raumsonde Rosetta zum Kometen Churyumov-Gerasimenko geschickt
– dort wird die Sonde 2014 ankommen.
Rosetta ist mit zwei Massenspektrometern
und Sensoren ausgerüstet, die in Bern entwickelt, gebaut und auf den Namen Rosina
getauft wurden: Rosetta Orbiter Sensor for
Ion and Neutral Analysis.
Komet und Sonde werden sich zum Rendezvous treffen, wenn der Komet gerade
in die Umlaufbahn der Sonne eintritt. Dabei
gerät er ins Schwitzen und stösst Gaswol-
ken aus, deren Zusammensetzung die beiden Massenspektrometer messen. Gleichzeitig schickt Rosetta ein Minilabor auf den
Kometen, das Bodenproben entnimmt.
Dann sendet sie die Daten zur Erde. So
erfährt Altwegg, aus welchen Elementen
der Komet besteht und gewinnt neue Erkenntnisse über die Erdentstehung.
Natürlich hat die Physikerin die Spektrometer nicht im Alleingang im Keller des
Physikalischen Instituts zusammengeschraubt – auch wenn die Berner Physik
die Verantwortung für Entwicklung, Design, Management, Tests und Eichung von
Rosina trägt. Das Projekt läuft unter Obhut
der Europäischen Weltraumorganisation
ESA, an Entwicklung und Bau der hochpräzisen Messinstrumente beteiligt sind
die Technische Universität Braunschweig
und das Max-Planck-Institut für Aeronomie in Deutschland, das Belgian Institute
for Space Aeronomie in Belgien, das Institut Pierre Simon Laplace und das Centre
d’Etude Spatiale des Rayonnements in
Frankreich, das Lockheed Palo Alto Research Laboratory, die Universität Michigan und das South West Research Institute in den USA sowie diverse Schweizer
Hochschulen, Forschungsinstitute und die
Schweizer Industrie. Auch die Analyse der
Daten ist Teamarbeit: Ab 2014 wird jedes
Projektmitglied einen Teil davon auswerten
und für die anderen aufbereiten.
«Ein solches Projekt kann man nicht alleine
stemmen», sagt Altwegg. «Früher habe ich
alleine in einem kleinen Labor Kristalle gezüchtet. Aber bei den Dimensionen der
heutigen Projekte ist ein Alleingang unmöglich. Ohne Partner in der Wissenschaft
und der Industrie hätte Rosina nicht gebaut werden können. Wissenschaftliche
Forschung generell ist ohne Kooperationen
nicht mehr überlebensfähig.» Albert Einstein hätte es heute sehr schwer – nicht
nur relativ. Denn wirklich genial kann nur
noch sein, wer mit anderen zusammenarbeitet.
KONTAKT
Professor Dr. Kathrin Altwegg
Physikalisches Institut der
Universität Bern
Space Research & Planetary Sciences
Sidlerstrasse 5
3012 Bern
Telefon: +41 31 6 31 44 20
E-Mail: kathrin.altwegg@space.
unibe.ch
AUSBLICK : AUF IHREM WEG
ZUM KOMETEN CHURYUMOVGERASIMENKO FÄNGT RAUMSONDE ROSETTA SPANNENDE
PERSPEKTIVEN EIN UND
FUNKT AN IHRE BODENSTATION, WAS SIE ERLEBT.
ROSETTA IST NACH EINEM
INSCHRIFTENSTEIN BENANNT, DEN EIN SOLDAT
DER NAPOLEONISCHEN ARMEE
1799 NAHE DER ÄGYPTISCHEN STADT ROSETTA
ENTDECKTE. ANHAND DER
INSCHRIFTEN AUF DIESEM
STEIN GELANG ES, DIE
ÄGYPTISCHEN HIEROGLYPHEN
ZU ENTZIFFERN - DER WEG
ZU UNSEREN KULTURELLEN
WURZELN WAR GEBAHNT.
SEITE 17
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG : TEAMWORK IN DER WISSENSCHAFT
KNOCHENJOB
Medizintechnik: «Der statistische
Mensch»
Knochen aus aller Welt vermessen seit
2004 Dr. Miguel A. González Ballester und
Dr. Philippe Büchler vom MEM Research
Center der Universität Bern. Die bei dieser
Knochenarbeit gewonnenen Daten sind
die Basis für die Entwicklung orthopädischer Stützimplantate, die bei jedem Patienten perfekt sitzen. Inder haben einen
anderen Knochenbau als Chinesen, Italiener einen anderen als Amerikaner. Länge,
Grösse und Stabilität ihrer Knochen unterscheiden sich stark voneinander. Das
weiss man zwar schon länger, doch genaue Daten über Knochenformen und
-masse existieren nicht. Deshalb kann ein
Marknagel, der bei einem Patienten einen
gesplitterten Knochen perfekt stabilisiert,
bei einem anderen Probleme hervorrufen
– schlecht für die Bilanz, sowohl gesundheitlich als auch finanziell.
Ärzte stehen vor der schwierigen Aufgabe,
ein für ihren Patienten optimales Implantat
auszuwählen, und die Industrie vor der Herausforderung, Implantate zu produzieren,
die für das Gros der Anwendungen passen. González und Büchler erarbeiten deshalb ein digitales, statistisches Modell, das
rund 95 Prozent aller in der Bevölkerung
vorkommenden Knochenformen und deren Eigenschaften, zum Beispiel Knochendichte und -brüchigkeit, abbilden kann.
Das virtuelle Knochenmodell ermöglicht
die Entwicklung einer exakt angepassten
Implantatform, die die Knochenheilung optimal fördert.
In dem Projekt, das vom Bund durch die
Kommission für Technologie und Innovation KTI gefördert wird, arbeiten González
und Büchler eng mit Stryker Osteonics zusammen, einem Schweizer Unternehmen,
das unter anderem Stützimplantate herstellt. «Die Kooperation mit der Industrie
treibt unsere Forschung voran», sagt González, «denn es besteht ausgeprägtes Interesse daran, schnell zu Ergebnissen zu
kommen. Wichtig für die technische Entwicklung des Projekts ist ausserdem seine
Einbettung in den nationalen Forschungsschwerpunkt Co-Me.» Co-Me ist ein Netzwerk von über 30 Schweizer Kliniken,
Hochschulen und Forschungsinstituten
mit engen Kontakten zur Industrie. Ausser-
WEITBLICK : DREI HIRNE EINE MISSION: DR. MIGUEL
A. GONZÁLEZ BALLESTER
(LINKS) UND DR. PHILIPPE
BÜCHLER (RECHTS) WERDEN
BEI IHRER ENTWICKLUNG
AUS DER HÜFTE VOM CCMT
UNTERSTÜTZT - IN PERSONA
VON PATRICK ROTH (MITTE).
dem wird «Der statistische Mensch» von
der Stiftung Competence Center for Medical Technology CCMT unterstützt. «Wir
bringen Wissenschaftler, Kliniken und Industrie in der Schweiz zusammen, verzahnen Informationsträger miteinander und
entwickeln Netzwerke», erklärt Patrick
Roth, Geschäftsführer des CCMT. «Dieser
Know-how-Transfer fördert innovative
Ideen und stärkt die ausgezeichnete
Schweizer Medizintechnik weiter.»
KONTAKT
Dr. Miguel A. González Ballester
MEM Research Center
Institute for Surgical Technology and
Biomechanics
Stauffacherstrasse 78
3014 Bern
Telefon: +41 31 6 31 59 50
E-Mail: miguel.gonzalez@memcenter.
unibe.ch
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG : TEAMWORK IN DER WISSENSCHAFT
SEITE 18
WIEDERENTDECKUNG DER SICHERHEIT
Biometrie: AXSionics
Dr. Lorenz Müller, Mitgründer und Präsident der AXSionics AG, liebt die Wahrheit
– vor allem, wenn es um Datentransfer im
Internet geht. Das Internet ist ein offener
Raum, in dem sich nicht nur Rechercheure
und ehrliche Dienstleister tummeln, sondern auch Hacker und Abzocker. Das tangiert wenig den, der nur schnell im Netz
nachschauen will, wie die Hauptstadt von
Sardinien heisst. Wer aber Verträge versendet, Geld überweist oder Dokumente
an Behörden schicken muss, will sicher
sein, dass im Computer exakt das
geschieht, was der Bildschirm anzeigt.
AXSionics kann dafür garantieren: mit seinem Internet Passport, einer Weltneuheit.
Dieser digitale Ausweis ist ein Mikrocomputer, mit dem Internetnutzer ihre Identität
nachweisen können. Wer sichergehen will,
dass seine Daten nicht in falsche Hände
geraten oder auf ihrem Weg durchs World
Wide Web verändert werden, aktiviert einfach jedes Mal, wenn er eine kritische
Transaktion durchgeführt hat, seinen Internet Passport. Auf dieser sicheren Plattform
lässt er sich dann vom Geschäftspartner
die genaue Abmachung bestätigen. Mit
einer solchen digitalen und garantiert echten Quittung ist Vertrauen keine Schwerstarbeit mehr.
AXSionics ist ein Spin-off des Forschungsfelds «Biometrie und Authentifizierung» der
Berner Fachhochschule in Biel. Dort haben
Physiker Lorenz Müller und der Elektroingenieur Marcel Jacomet gemeinsam mit
einem Forscherteam den Internet Passport
entwickelt. AXSionics wurde 2003 gegründet, um den Internetpass auf die Markteinführung vorzubereiten. «Wir sind als kleines
Start-up in einen Markt eingestiegen, in
dem es um Millionen geht», erklärt Müller.
«Das ist unmöglich ohne erfahrene Partner.
KONTAKT
Dr. Lorenz Müller
AXSionics AG
BFH Spin-off Park
Seevorstadt 103 b
2501 Biel
Telefon: +41 32 3 21 64 94
E-Mail: info@axsionics.com
1
Wir arbeiten mit Sun, Siemens und Sunguard zusammen, aber auch mit kleineren,
spezialisierten Partnern wie Priva-Sphere,
Avoco Secure, nexplore, smtag International und der Inventum Management AG. Sie
öffnen uns vor allem Vertriebskanäle. Die
Produktion haben regionale Partner übernommen.» Ausserdem kooperieren die Biometriker im Forschungsnetzwerk FIDIS
(Future of Identity in the Information Society) mit Universitäten in ganz Europa und
dem Datenschutzzentrum in Kiel. «Mit unseren Partnern in der Wissenschaft haben
wir einen intensiven konzeptionellen und
fachlichen Austausch», sagt Müller. «Ohne
den geht es in einem so komplexen HighTech-Projekt nicht.»
Noch ist AXSionics kein Mitglied einer
Clusterorganisation. «Wir werden uns aber
sicher in Zukunft in einer Clusterorganisation engagieren», sagt Müller. «So können
wir uns in der Branche positionieren, potenzielle Kunden kennenlernen und die
Vernetzung von Start-ups mit der Forschung vorantreiben. Ich bin überzeugt,
dass wir viele Innovationen generieren
können, wenn die Zahl der Personen
wächst, die mit einem Bein in der Wirtschaft und mit dem anderen in der Wissenschaft stehen. Diese Kombination birgt
enormes Entwicklungspotenzial.»
2
1+2 : DURCHBLICK : DR.
LORENZ MÜLLER WILL BEKOMMEN, WAS ER SIEHT.
DER VON IHM UND MARCEL
JACOMET ENTWICKELTE INTERNET PASSPORT GARANTIERT, DASS IN DER DIGITALEN WELT NIEMAND EIN X
FÜR EIN U VORMACHT.
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG : ENTWICKLUNG DES KANTONS BERN
SEITE 19
ENTWICKLUNG DES KANTONS BERN :
WACHSTUM ALS STRATEGIE
Der Kanton Bern muss als Wirtschaftsstandort noch stärker, als Lebens- und
Wohnraum attraktiver und insgesamt leistungsfähiger werden – das sind die Ziele,
die die Berner Regierung mit ihrer Wachstumsstrategie verfolgt.
Der Kanton Bern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem leistungsfähigen Wirtschafts- und Wohnstandort entwickelt. Er hat eine unterdurchschnittliche,
um einen Prozentpunkt niedrigere Arbeitslosigkeit als die übrige Schweiz, der Zuwachs an Arbeitsplätzen ist überdurchschnittlich. Auch die vom Kanton geförderten Clusterorganisationen entwickeln
sich erfreulich. In den vergangenen Jahren
haben Unternehmen neue Projekte lanciert
und Arbeitsplätze geschaffen, vor allem
Firmen der Medizinaltechnik, der Mikro-,
Präzisions- und Uhrenindustrie sowie der
Maschinenindustrie.
Auch die Berner Regierung hat viele Ziele
erreicht: So wurden unter anderem die
erste Etappe der Bahn 2000, die S-Bahn
Bern und die Flughafenerschliessung
Bern-Belp in Betrieb genommen, Koordinatoren als Anlaufstellen für Unternehmen
in der Steuerverwaltung eingesetzt, das
Tourismusförderungsgesetz revidiert und
die Reform der dezentralen Verwaltung beschlossen. Ganz klar: In Bern bewegt sich
etwas. Der Regierungsrat will die positive
Dynamik mit der aktualisierten Wachstumsstrategie 2007 nutzen und dem Kanton Bern zusätzliche Impulse geben.
Die Wachstumsstrategie will den Kanton
Bern als Wirtschaftsstandort entlang den
Hauptverkehrsachsen Bern-Burgdorf-Langenthal und Thun-Bern-Biel-Moutier stärken, den Kanton mit planerischen Massnahmen und einer gezielten Vermarktung
als Wohnstandort fördern und seine Leistungsfähigkeit durch Weiterführung der
Entschuldung, Fokussierung der staatlichen Aufgaben und Schaffung von Handlungsspielraum für neue Herausforderungen stärken.
Entscheidend für die Zukunft des Wirtschafts- und Wohnstandorts sind die vier
Handlungsfelder «Bildung, Innovation und
Wirtschaft», «Finanzen und Leistungen»,
«Raumentwicklung und Gesamtmobilität»
sowie «Marke Kanton Bern». Sie sind für
das Wirtschaftswachstum ausschlaggebend.
• Im Bereich «Bildung, Innovation und Wirtschaft» stärkt der Regierungsrat mit
zwölf Massnahmen die Innovationsfähigkeit der Berner Wirtschaft, zum Beispiel,
indem er den Kanton Bern als Medizinalstandort fördert und die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf erleichtert.
• Im Bereich «Finanzen und Leistungen»
wird die Leistungsfähigkeit des Kantons
gesichert, um Handlungsspielraum für
neue Herausforderungen zu schaffen.
• Im Handlungsfeld «Raumentwicklung
und Gesamtmobilität» wird die kantonale
Raumplanung gestärkt und die Erreichbarkeit des Kantons Bern mit dem Zug,
dem Auto oder dem Flugzeug national
und international gesichert.
• Unter dem Stichwort «Marke Kanton
Bern» werden die Stärken des Kantons
als Standort besser vermarktet, zum Beispiel durch die Massnahme «EURO 08
– Bern wirkt Wunder».
Stärken des Kantons sind seine zentrale
Lage in der Schweiz und in Europa, viele
mehrsprachige Fachkräfte, gute nationale
und internationale Verkehrsverbindungen,
niedrige Steuern für juristische Personen,
renommierte Bildungs- und Forschungsinstitute, Nähe zum nationalen Politzentrum und hohe Lebensqualität. Der Regierungsrat fördert und unterstützt diese
positive Entwicklung mit der aktualisierten
Wachstumsstrategie 2007.
Weitere Informationen
www.be.ch/wachstumsstrategie
AN SICH SELBST
WACHSEN : GESPANNT
WARTET GANZ EUROPA
DARAUF, WIE DIE PARTIEN
BEI DER FUSSBALL-EUROPAMEISTERSCHAFT EURO 2008
IM «STADE DE SUISSE»
AUSGEHEN. VIELLEICHT ERGIBT SICH SPIELRAUM FÜR
EIN NACHHALTIGES WACHSTUM
DES SELBSTBEWUSSTSEINS.
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG : NUTZEN VON CLUSTERORGANISATIONEN
SEITE 20
NUTZEN VON CLUSTERORGANISATIONEN :
TRIEBFEDER FÜR WIRTSCHAFT UND WISSENSCHAFT
Firmen profitieren von Clustern, Forschungs- und Entwicklungsprojekte können einfacher
umgesetzt, Ergebnisse schneller verbreitet werden, wenn Kontakte und Mittel dahinterstehen. Netzwerke treiben Unternehmen voran und fördern die Forschung – meinen Unternehmer und Clusterforscher aus dem Kanton Bern.
DR. URS ALTHAUS
GRÜNDER UND CEO VON AMS – MANAGEMENT SERVICES GMBH UND
LEITER KTI START-UP
«Wer ein Unternehmen gründen möchte,
braucht eine gute Idee, Kreativität, Durchhaltewillen – und Kontakte. Deshalb haben
Cluster und Netzwerke für Start-ups eine
sehr grosse Bedeutung. Gründer beginnen
ja in der Regel nicht mit einem erprobten
Team, sondern machen alles zum ersten
Mal. Sie haben wenig bis keine Erfahrungen mit dem Markt, mit Kunden, der
Industrie oder Kooperationspartnern. In
Clustern können sie mit Leuten diskutieren, die in einer ähnlichen Situation sind
oder die das alles schon durchlebt haben.
Deshalb ist es wichtig, dass in Clustern
Unternehmen aus allen Phasen des Business vertreten sind. Bei High-Tech-Startups ist zudem die internationale Ausrichtung von entscheidender Bedeutung. Und
für den Aufbau von Auslandskontakten
sind Netzwerke unabdingbar. Je früher
man in einem Cluster oder Netzwerk mitarbeitet, desto besser – optimal ist ein Einstieg schon während des Studiums. Denn
Clusterorganisationen helfen nicht nur, eine gegründete Firma am Markt zu positionieren und zu etablieren; oft bringen sie
Personen überhaupt erst einmal auf die
Idee, ein Unternehmen zu gründen. Wer
Menschen kennenlernt, die bereits ein
Start-up aufgebaut haben, hat mehr Mut,
das auch selbst zu wagen. Cluster fördern
Entwicklung und Forschung: Sie bringen
Wissensträger zusammen, sorgen für Informationsaustausch und eine enge Zusammenarbeit von Unternehmen und
Hochschulen. Davon profitieren Wirtschaft
und Wissenschaft.»
1-3 : AUSDRÜCKE UND
EINDRÜCKE : BESUCHER
UND REFERENTEN DES 3.
KTI-CEO-TAGS IN BERN –
MATTHIAS ROSENTHAL, CTO
VON SONIC EMOTIONS (1),
DR. RUDOLF GYGAX, MANAGING DIRECTOR DES NOVARTIS VENTURE FUND (2) UND
DANIEL RYTZ, STRATEGIEVERANTWORTLICHER VON
SWISSCOM (3)
1
FACTS & FIGURES
Das KTI/CTI ist die Förderagentur für
Innovation des Bundes. Es unterstützt
den Wissens- und Technologietransfer
zwischen Unternehmen und Hochschulen mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse für den Markt
fruchtbar zu machen. Dazu gehört
auch, High-Tech-Start-ups zu beraten
und in ihrer Gründungsphase zu
begleiten.
www.ctistartup.ch
2
3
SEITE 21
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG : NUTZEN VON CLUSTERORGANISATIONEN
PROFESSOR DR. PAUL MESSERLI
LEITER DER GRUPPE FÜR WIRTSCHAFTSGEOGRAFIE UND REGIONALFORSCHUNG AM GEOGRAFISCHEN INSTITUT DER UNIVERSITÄT
BERN, MITINITIANT DES CLUSTERGEDANKENS IN DER WIRTSCHAFTSREGION BERN, BERATER DER WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG BERN UND
WISSENSPOOL : DAS IN
CLUSTERORGANISATIONEN
GEBÜNDELTE WISSEN
KOMMT ALLEN BETEILIGTEN
ZUGUTE.
DES KANTONS BERN
«Wenn Unternehmen derselben oder verwandter Branchen, die in derselben Wirtschaftsregion ansässig sind, zusammenarbeiten, hat das mehrere Vorteile: Es
entsteht ein gemeinsam spezifizierter Arbeitsmarkt als zentraler Wissenspool der
Region. Firmen, die arbeitsteilig operieren,
können ihre Zusammenarbeit einfacher
und kostengünstiger regeln, weil durch
häufige Kontakte aufgrund der räumlichen
Nähe Vertrauensbeziehungen aufgebaut
werden. Zeitgewinn, Flexibilität und gemeinsame Ressourcen erklären die Clusterdynamik und die erhöhte Innovationsfä-
higkeit. Zudem haben kleine und mittlere
Unternehmen durch Kooperationen mit
anderen Firmen die Chance, sich am Weltmarkt zu behaupten, was sie im Alleingang
meist nicht schaffen. Kooperationen fördern also die Wettbewerbsfähigkeit. Im
Kanton Bern und darüber hinaus beteiligen
sich bis heute 1000 Unternehmen an Clusterorganisationen. Die Frage, welchen
Nutzen Clusterorganisationen bringen, ist
damit eigentlich beantwortet. Die Unternehmen haben verstanden, dass es gut
und wichtig ist, Partner zu finden, mit denen sie ins Geschäft kommen können.»
FACTS & FIGURES
Die Gruppe für Wirtschaftsgeografie und
Regionalforschung am Geografischen
Institut der Universität Bern forscht zum
Thema «Cluster». Professor Dr. Messerli
und sein Forschungsteam untersuchen
in diesem Projekt, ob Cluster Ansatzpunkte für Wirtschaftsförderung
und Regionalentwicklung sind und wie
Potenziale von Regionen effizient
genutzt werden können.
www.geography.unibe.ch
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG : NUTZEN VON CLUSTERORGANISATIONEN
1
SEITE 22
2
3
1 : HITZEBEHANDELT :
ANLAGE ZUR PASTEURISIERUNG VON ALBUMIN, EINEM
DER KERNPRODUKTE VON CSL
BEHRING.
2 : GEFILTERT : NANOFILTRATIONSANLAGE ZUR
HERSTELLUNG VON IMMUNGLOBULIN. CSL BEHRING
WAR WELTWEIT DAS ERSTE
UNTERNEHMEN MIT EINER
SOLCHEN ANLAGE.
3 : KONTROLLIERT : EIN
MITARBEITER VON CSL
BEHRING ÜBERWACHT DIE
ALBUMIN-HERSTELLUNG VOM
ÜBERWACHUNGSRAUM AUS.
4 : STERIL ABGEFÜLLT :
ABFÜLLUNG VON IMMUNGLOBULIN UNTER STERILEN BEDINGUNGEN BEI CSL
BEHRING. DIE FLASCHEN
ENTHALTEN BEREITS DAS
GEBRAUCHSFERTIGE MEDIKAMENT.
UWE E. JOCHAM
4
DIREKTIONSPRÄSIDENT DER CSL BEHRING AG UND
VORSTANDSMITGLIED DES MEDICAL CLUSTER
«CSL Behring arbeitet eng mit Forschungsinstituten, Hochschulen und Spitälern sowie mit Vertretern von Politik und Behörden
zusammen. Durch unser Engagement im
Medical Cluster lernen wir ausserdem weitere Unternehmen der Gesundheitsbranche kennen. Dadurch ergeben sich neue
Optionen: Wir bekommen Hinweise auf
neue technische Lösungen, Dienstleister
oder Lieferanten, die wir bei eigenen Anwendungen einbinden können, oder lernen
Kooperationspartner kennen. Durch den
Medical Cluster sind wir zum Beispiel auf
eine Berner Forschergruppe gestossen,
die zur zystischen Fibrose forscht – auch
wir arbeiten seit längerer Zeit auf diesem
Thema. Es ist gut möglich, dass wir die rar
gesäten Probanden für erste klinische
Tests unseres Medikaments über diese
Forschergruppe bekommen. Die Mitarbeit
im Cluster befruchtet unsere Arbeit bei
CSL Behring also sowohl auf wissenschaftlicher Ebene, als auch in wirtschaftlicher Hinsicht – und sie stärkt den Kanton
Bern als Standort der medizinisch-pharmazeutischen Forschung und Industrie.»
FACTS & FIGURES
CSL Behring AG stellt aus menschlichem Plasma Immunglobuline her, mit
denen Immunmangelerscheinungen
und Störungen der Immunfunktion
behandelt werden. Das Unternehmen
beschäftigt rund 780 Mitarbeiter.
www.cslbehring.ch
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG : NUTZEN VON CLUSTERORGANISATIONEN
SEITE 23
1+2 : PHÄNOMENAL : CLUSTER SIND NICHT EINDIMENSIONAL, SONDERN BESTEHEN
AUS DREI EBENEN - WIE
DAS LEGOHAUS VON DR.
BERNHARD FUHRERS KLEINER
TOCHTER. DER CLUSTERFORSCHER WILL VERSTEHEN,
WAS DIE WIRTSCHAFTSWELT
IM INNERSTEN ZUSAMMENHÄLT.
DR. BERNHARD FUHRER
FORSCHER IN DER GRUPPE FÜR WIRTSCHAFTSGEOGRAFIE UND
REGIONALFORSCHUNG AM GEOGRAFISCHEN INSTITUT DER UNIVERSITÄT BERN
«Cluster sind vor allem regionale Phänomene – könnte man meinen. Damit Cluster
entstehen, müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein, die nicht zwingend nur regional geprägt sind. Die
Biotechnologie-Industrie in den USA wurde beispielsweise von national-regulatorischen und global-kommerziellen Ebenen
beeinflusst. Cluster sind Drei-Ebenen-Phänomene, darstellbar als dreistöckiges
Haus: das Erdgeschoss ist die Region, der
erste Stock die Nation und das Dach ist die
globale Ebene. Von erfolgreichen Clustern
spricht man erst dann, wenn das Haus fertiggestellt ist, ein Cluster verbindet die
Ebenen miteinander. Clusterförderung auf
regionaler Ebene ist deshalb nur ein Element, wenn auch ein wichtiges. Die Herausforderung besteht von Förderseite
darin, ein Ebenen-‹Upscaling› zu betreiben, ohne in eine wettbewerbschädliche
Subventionslogik zu verfallen. Gefragt sind
innovative und zeitlich angepasste Konzepte für die unterschiedlichen Bau- und
Entstehungsphasen des Mehr-EbenenPhänomens Cluster.»
1
FACTS & FIGURES
Dr. Bernhard Fuhrer erforscht seit drei
Jahren, welche technologischen und
institutionellen Veränderungen der
Bildung von Clustern zugrunde liegen.
Seine Untersuchungsregionen sind Basel, Paris und Boston. Sein Forscherkollege Dr. Christian Zeller, der ebenfalls am Geografischen Institut der
Universität Bern arbeitet, untersucht
in Basel, dem Bay Area und Boston,
wie lokale Wissenssysteme in globale
Unternehmensnetzwerke eingebunden
sind.
www.geography.unibe.ch
2
LEBEN
SEITE 24
KULTURBRANCHE :
OHNE NETZWERK IST ALLES NICHTS
Brauchen Kunst und Kultur Netzwerke, oder sind sie ohne
Teamwork überlebensfähig? Fördern Kooperationen neue Ideen,
oder hemmen sie die Individualität künstlerischen W irkens?
Kulturschaffende aus dem Kanton Bern geben Antworten.
DUETT : SCHON WENN ZWEI
MENSCHEN SICH AUFEINANDER
EINSPIELEN, ENTSTEHT EIN
KLEINES NETZWERK.
LEBEN : KULTURBRANCHE
SEITE 26
BERNER
SYMPHONIEORCHESTER
MARIANNE KÄCH, DIREKTORIN DES BERNER SYMPHONIEORCHESTERS
«Kultur ist ein eigenes Netzwerk, das sich
mit anderen Netzwerken nach Bedarf verbindet. Um ein Konzert veranstalten zu
können, brauchen wir Netzwerke innerhalb
und ausserhalb der Kultur: zu Künstlern
und Verlagen, für Werbung und Finanzierung, etc. Kultur lebt und überlebt durch
Schaffung, Wahrnehmung, Verbreitung,
Pflege und Weiterentwicklung. Das Erschaffen eines kulturellen Werks kann hoch
individuell sein, aber für seine erfolgreiche
Verbreitung sind Netzwerke unabdingbar.
Wir haben ein grosses internationales Netzwerk von Dirigenten, Solisten und Künstleragenturen aufgebaut und sind selbst Teil
des Netzwerks internationaler Künstleragenturen, Veranstalter und Orchester sowie Teil des soziokulturellen Gefüges von
Stadt, Kanton und Bund. Wir spielen im
Stadttheater Bern, arbeiten mit der Hochschule der Künste, mit Schulen und Institutionen zusammen, sind Teil der Biennale
Bern, des Musikfestivals Bern und Mitherausgeber der Kulturagenda. Um all dies
zu realisieren, bauen wir auch auf unsere
Kontakte zu Wirtschaft und Politik.»
SEITE 27
BERNER TANZTAGE
RETO CLAVADETSCHER, FESTIVALLEITER DER BERNER TANZTAGE
«Es ist immer gut und wichtig, Kontakte zu haben. Natürliche Netzwerke entstehen,
wenn eine Idee da ist – denn um Ideen umzusetzen, braucht man Partner. Deshalb
kommt Kultur um Netzwerke nicht herum. Aber Netzwerke bilden sich ja auch ständig.
Schon wenn zwei Menschen etwas zusammen machen, ist das ein Netzwerk – egal, wie
viel Gigabyte es umfasst. Ob Kooperationen die Individualität kulturellen Wirkens stören,
ist abhängig von den Leuten, die das Netzwerk unterhalten. Wenn jeder den anderen
und dessen Arbeit akzeptiert und respektiert, besteht keine Gefahr für das individuelle
Schaffen.
Die Berner Tanztage sind Mitglied bei becode, einem Zusammenschluss von Kulturschaffenden im Raum Bern. In der gesamten Schweiz haben wir viele Kontakte, aber
nur wenig Partner. Leider kommt auch nur selten eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zustande. Vor allem international haben wir noch Bedarf an Netzwerken und
Kooperationen.»
LEBEN : KULTURBRANCHE
LEBEN : KULTURNETZWERKE
SEITE 28
ZENTRUM PAUL KLEE
JURI STEINER, DIREKTOR DES ZENTRUMS PAUL KLEE
«Beim kulturellen Schaffen geht nichts ohne Netzwerke, Kultur bedeutet, Kollaborationen einzugehen. Ich meine allerdings
nicht Netzwerke aus Filz und Klüngel, sympathiegesteuerte Lobbys für einen geschlossenen Kreis, sondern Netzwerke als
Instrument zur Schärfung und Reflexion
des eigenen Denkens und Handelns. Wie
wichtig Netzwerke sind, fällt auf, wenn
man im Ausland ein Kulturprojekt aufbauen
will: Plötzlich fehlen Kontakte und die bestehenden führen nicht weiter, weil man
sich in einem anderen Kulturraum bewegt,
mit ganz neuen Erwartungen konfrontiert
ist. Dann muss man neuen Austausch und
neue Schnittmengen herstellen.
Netzwerke laufen dem kulturellen Individualismus sicher nicht zuwider. Je grösser die in
einem Netzwerk gebündelten Kompetenzen
sind, desto geringer ist diese Gefahr. Deshalb ist es für mich wichtig, mein Netzwerk
so breit wie möglich anzulegen und mich mit
Philosophen, Literaten und bildenden Künstlern, aber auch mit Naturwissenschaftlern
und Touristikern auszutauschen. So lerne
ich mein eigenes Terrain noch besser ken-
KUNSTMUSEUM BERN
DR. MATTHIAS FREHNER, DIREKTOR DES KUNSTMUSEUMS BERN
«Die bildenden Künste formulieren Antworten auf Probleme ihrer Zeit. Sie nehmen zu
existentiellen Fragen Stellung, kritisieren,
stellen Prognosen, schaffen Verbindungen.
Kunst vermittelt Inhalte. Jeder Künstler
drückt seine Message in einer anderen visuellen Sprache aus, die Museen leisten
die Vermittlungsarbeit. Entsprechend sind
für uns Netzwerke unabdingbar – mit
Künstlern, Kunstwissenschaftlern und allen gesellschaftlichen Bezugspunkten, die
Künstler brauchen, um ihre Arbeit vermitteln zu können.
Den kulturellen Individualismus zerstören
Netzwerke nicht. Jeder Künstler ist ein Individualist, drückt sich persönlich aus,
schafft sich seine eigene Bildsprache. Aber
damit muss er kommunizieren können,
sonst bleibt sein Werk lediglich ‹Schmuck›.
Nur Art brut und Sonntagsmaler können
ohne Netzwerke überleben.»
nen, bekomme Impulse und kann Neues
erproben. Netzwerke helfen mir, meine Meinung zu reflektieren, sie an gesellschaftlichen Prozessen zu schärfen, eine Vorkritik
für geplante Projekte einzuholen und manchmal auch, die Vermittlung von Vorhaben zu
beschleunigen. Das Zentrum Paul Klee ar-
beitet eng mit dem Kunstmuseum Bern
zusammen, denn wir sind besser, wenn wir
unsere Kräfte bündeln. Auch die Kunsthalle Bern und die Hochschule der Künste
sind wichtige Kooperationspartner. Und
wir stimmen uns mit den Kulturdelegierten
von Stadt und Kanton ab.»
SEITE 29
LEBEN : KULTURNETZWERKE
Weitere Informationen
www.bernorchester.ch
www.gurtenfestival.ch
www.kunstmuseumbern.ch
www.tanztage.ch
www.zpk.org
FACTS & FIGURES
Das Berner Symphonieorchester ist
seit 130 Jahren das Stadtorchester
Berns und heute auch das Opernorchester des Stadttheaters Bern. Es
spielt pro Saison rund 40 Sinfoniekonzerte mit Werken aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen.
Bei den Berner Tanztagen stellen
Dozenten aus aller Welt ihre Arbeitsweise vor. Angesprochen sind professionelle Tänzer ebenso wie Amateure.
Das Gurtenfestival ist ein musikalisches Happening auf dem Berner
Hausberg Gurten. Im Sommer 2006
pilgerten 35 000 Besucher zu diesem
legendären Openair.
Das Kunstmuseum Bern birgt Werke
aus acht Jahrhunderten. Die Sammlung umfasst über 3 000 Gemälde und
Skulpturen sowie 55 000 Handzeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien,
Videos und Filme.
Das Zentrum Paul Klee beherbergt
vierzig Prozent des Gesamtœuvres
des Expressionisten. Es bietet wechselnde Präsentationen, Sonderausstellungen und hat ein eigenes Kindermuseum.
GURTENFESTIVAL
PHILIPP CORNU, DIREKTOR DES GURTENFESTIVALS BERN
«Kontaktnetzwerke sind in der Kultur von
extremer Bedeutung. Dabei geht es nicht
nur um kulturinterne Kontakte, sondern
um ein Netzwerk, das Behörden, die Wirtschaft und potenzielle Veranstaltungsbesucher einbindet. Kultur ohne Netzwerke
wird wohl nicht wirklich wahrgenommen.
Das Gurtenfestival als kommerzieller Veranstalter kann ohne Netzwerke nicht überleben. Weil unser Festival ein möglichst
breites Publikum ansprechen soll, nutzen
wir alle möglichen Netzwerke. Wir haben
über Jahre Kontakte zu Sponsoren, Lieferanten, Künstlern, Agenten, Managements
und anderen Kulturschaffenden sowie zu
unseren Besuchern aufgebaut. Auch Communities im Internet gewinnen in der Musikbranche an Bedeutung. Zudem gehen
wir spezielle Kooperationen ein, beispielsweise mit dem WWF, denn Umweltschutz
ist uns ein wichtiges Anliegen. Mit Ideen
wie der Relancierung der Waldbühne
schaffen wir aber auch selber Netzwerke
– in diesem Fall eine eigene Plattform für
das Schweizer Musikschaffen. Ich engagiere mich auch in der Geschäftsleitung
der European Festival Association, die europaweite Regelungen bei Sicherheit, Umwelt, Urheberrechtsabgaben, etc. erreichen
will. In diesem Netzwerk kooperieren bereits 40 der grössten europäischen Festivals.»
LEBEN : EXPATRIATES
SEITE 30
EXPATRIATES :
EINWANDERER SIND STRICKPROFIS
Wer seine Heimat verlässt, um in einem anderen Land neu anzufangen, braucht Mut – selbst
wenn Amors Pfeil oder die Lust auf Neues das Unternehmen erleichtern. Ob man in der
neuen Heimat wieder Wurzeln schlägt, hängt stark davon ab, wie gut es gelingt, Menschen
kennenzulernen und Kontakte aufzubauen. Im Ausland Lebende, so genannte Expatriates,
sind Experten im Stricken beruflicher und privater Netzwerke.
«NETZWERKE SIND ÜBERLEBENSWICHTIG»
LORRAINE SPRING-TAYLOR
In seltenen Fällen führt der Weg in die
Schweiz über Griechenland, so bei Lorraine Spring-Taylor. Bei einem Seminar auf
einer griechischen Insel verliebt sie sich in
einen Schweizer Homöopathen, folgt ihm
in seine Heimat und heiratet ihn. Das Paar
bekommt zwei Kinder, die nach der Scheidung bei ihr leben. Alleinerziehend und
Inhaberin einer eigenen Praxis – berufliche
und private Netzwerke sind für Lorraine
Spring-Taylor überlebenswichtig.
Und welche Bedeutung haben soziale
Netzwerke in der neuen Heimat?
«Sie sind sehr wichtig, um sich im neuen
Land zu Hause zu fühlen, ‹dos and don’ts›
und natürlich die Sprache zu lernen. Soziale Netzwerke helfen auch, herauszufinden, wie Dinge funktionieren, wie sie geregelt sind. Das fängt an mit Installateuren,
Elektrikern und Versicherungen. Ausserdem braucht man Freunde, mit denen man
reden und zusammen sein kann.»
Fühlen Sie sich als Ausländerin oder als
Schweizerin?
«Als Ausländerin. Ich lebe in einer fremden
Kultur und versuche, sie zu verstehen. So
konnte ich aber auch meine eigenen Werte
und Traditionen finden und den komplexen
Integrationsprozess begreifen.»
”
Welche Rolle spielen berufliche Netzwerke im neuen Land?
«Sie machen damit vertraut, wie bestimmte
Dinge im besagten Land gemacht werden,
stellen nützliche Beziehungen her und helfen, sein eigenes Business auf die Beine zu
stellen.»
Netzwerke machen damit vertraut, wie Dinge
gemacht werden.
”
Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich ein
neues berufliches und privates Netzwerk
aufgebaut hatten?
«Meine Arbeitssituation war ziemlich einfach, als ich in die Schweiz kam. Ich konnte in einer Arztpraxis arbeiten. Meine ersten sozialen Kontakte ergaben sich durch
einen Deutsch-Intensiv-Kurs und einen
Tai-Chi-Kurs. Dort lernte ich andere Yoga-
Lehrer kennen. Später hat mir dann der
International Club Berne (ICB) sehr dabei
geholfen, Menschen aller Nationalitäten
kennenzulernen.»
Was war für Sie schwieriger – der Aufbau
des beruflichen oder des privaten Netzwerks?
«Ein privates Netzwerk aus guten und verständnisvollen Freunden aufzubauen, war
harte Arbeit.»
Wie funktioniert der Aufbau solcher Netzwerke?
«Das Erarbeiten des Deutschen war entscheidend für den Aufbau wichtiger Beziehungen zu Schweizer Freunden – und so
habe ich begriffen, wie das Zusammenleben in der Schweiz geregelt ist. Durch meine Kinder ergab sich ausserdem der Zugang zu weiteren Netzwerken.»
Engagieren Sie sich auch in Ihrer Freizeit
für Netzwerke?
«Ja, ich engagiere mich für Yoga- und
Tanzklassen, bin Mitglied im ToastmastersClub und im ICB. Das erweitert meine In-
STECKBRIEF : LORRAINE SPRING-TAYLOR
54 Jahre, geboren in Wales, UK // lebt
seit 1985 in der Schweiz, zuvor in
Oxford, UK // Familie: geschieden, zwei
Kinder // ausgebildete Krankenschwester, Diplom in Hatha-Yoga, Bachelor
der Akupunktur // tätig als AkupunkturTherapeutin in eigener Praxis und YogaLehrerin // Hobbys: Yoga, Latintanz,
Klassische Musikkonzerte, Toastmasters // Website: www.5elements.ch
teressen und gibt mir die Möglichkeit, Menschen über meine Arbeit zu informieren.»
Ist das Aufbauen und Pflegen von Netzwerken eine Form des Zusammenlebens
– oder notwendig zum Überleben?
«Beides, das greift ineinander und hängt
stark von den Umständen ab, in denen
man sich gerade befindet: Früher waren
Netzwerke für mich in erster Linie eine
Form des Zusammenlebens. Aber seit
meiner Scheidung und der Eröffnung meiner Praxis ganz aus eigenen Kräften sind
Netzwerke überlebenswichtig geworden.»
”
Ein privates Netzwerk
aus guten Freunden
aufzubauen, war harte
Arbeit.
”
Was mögen Sie am Leben in der Schweiz?
«Ich liebe die Art, wie die Schweizer auf die
Natur achtgeben, die Effizienz des Schweizer Transportsystems und die Schönheit
des Landes selbst.»
Was gefällt Ihnen weniger?
«Die strengen Regeln und Gesetze sowie
die mangelnde Spontaneität.»
Welches ist die schönste Erfahrung, die
Sie beim Networking in der Schweiz
gemacht haben?
«Die Anerkennung durch die Leute, als ich
versucht habe, Dialekt zu sprechen.»
Vermissen Sie Wales?
«Ja, ich vermisse das Meer, meine Familie
und den britischen Humor. Ich reise mindestens zweimal im Jahr nach Wales.»
Welchen wichtigen Tipp würden Sie
jedem frischgebackenen Expat geben?
«Machen Sie einen Intensivkurs in der Landessprache, suchen Sie sich eine internationale Organisation und engagieren Sie
sich dort, zum Beispiel im ICB – dann können Sie Ihren Gefühlen in Ihrer Muttersprache Ausdruck verleihen.»
KOMMUNIKATION ZUR
INTEGRATION : IM SCHWELLENMÄTTELI BERN FÄLLT ES
LEICHT, INS GESPRÄCH ZU
KOMMEN UND NEUE KONTAKTE
ZU KNÜPFEN.
«ES IST EIN GENUSS, ÄHNLICHE LEUTE ZU FINDEN»
GRAHAM TRITT
Graham Tritt ist Netzwerker par excellence
– angefangen mit seiner Familie: Seine
deutsche Frau lernt er in den USA kennen,
nach der Hochzeit in Italien kommen die
beiden Söhne in der Schweiz zur Welt. In
seiner Freizeit widmet sich der Globetrotter
einem Netz aus Netzwerken: Graham Tritt
ist Mitglied verschiedener Nutzergruppen
und Expertengremien der Informatik, er hat
den Toastmasters-Club Bern mit gegründet und vertritt dort mehrere Posten, er
engagiert sich in mehr als zehn Onlinenetzwerken, zum Beispiel als Sprachlehrer und
Organisator von Expat-Gruppen, arbeitet
in Organisationen mit sozialen, kirchlichen
und integrativen Zielen mit und ist einer der
Köpfe des SwissEnglish-Service, der
Dienstleistungen in englischer Sprache anbietet.
Warum sind Sie in die Schweiz
gekommen?
«Ich hatte Erfahrung in einem aufblühenden
Gebiet der Informatik – UNIX seit 1975,
Online-Datenbanken seit 1978. Dann be-
sollten nicht Eigen”Wir
brötler, sondern Teamarbeiter sein.
”
kam ich ein Angebot für eine Stelle in Bern,
das irgendwo zwischen meinem Zuhause
in Rom und dem Heimatort meiner Frau,
Stuttgart, lag ...»
Fühlen Sie sich als Ausländer oder als
Schweizer?
«Als Bewohner der Schweiz habe ich viele
Rechte – ausser dem Stimmrecht. Aber ich
sehe mich als Weltbürger.»
DABEI SEIN IST ALLES :
WER AUF DEM BÄRENPLATZ
FLANIERT, SPÜRT, DASS ER
NICHT ALLEIN IST.
Welche Bedeutung haben berufliche
Netzwerke im neuen Land – insbesondere für einen Selbstständigen?
«Auf Informatikkonferenzen, die ich zur
Weiterbildung besuchte, habe ich viele andere Spezialisten und Kunden kennengelernt. Ich gründete Foren für UNIX, den
Erfahrungsaustausch in Büroautomation
und Expertengruppen für Datenbanken
und Dokumentverwaltung. Das hat viel Zeit
gekostet, brachte mir aber auch Auftragund Arbeitgeber.»
Welche Rolle spielen soziale Netzwerke in
der neuen Heimat?
«Am Anfang braucht man Hilfe. Es ist ein
Genuss, Leute zu finden, die eine ähnliche
Wellenlänge haben wie man selbst. In
einem fremden Land, ohne Verwandte,
Schulfreunde und Arbeitskollegen, noch
dazu mit geringen Sprachkenntnissen, ist
man sonst verraten und verkauft.»
SEITE 33
Wie baut man sich berufliche und private
Netzwerke auf?
«Man kann in einen Sportverein eintreten,
Gemeinschaftszentren, die Kirche und
Quartiervereine sind Networkingzentren, in
denen Mithilfe immer willkommen ist. Auch
über das Internet kann man Gleichgesinnte
finden, sowohl für das Privat- als auch für
das Berufsleben. Am Arbeitsplatz sind die
meisten Kollegen sehr hilfsbereit, in der
Schweiz wird allerdings wenig über Privates geredet, Freundschaften brauchen
eine lange Entwicklungszeit. Man sollte
sich aber auch nicht überfordern, eine
Denkpause, um eigene Ziele zu klären, ist
immer wieder angesagt.»
Was ist schwieriger – der Aufbau des
beruflichen oder des privaten Netzwerks?
«Mein privates Netzwerk hat sich durch
meine Frau und meine Kinder schnell entwickelt. Als ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich in bestimmten Berufsbereichen Mühe, Kontakte aufzubauen.
Nun aber gibt es für Start-ups viel Hilfe –
übrigens auch für Expatriates.»
Warum engagieren Sie sich auch in Ihrer
Freizeit so stark für Netzwerke? Was
haben Sie davon?
«Es hat sich schon erwiesen, dass das für
mich selbst nützlich ist – alles, was du
gibst, kommt zehnfach zurück. Jeder hat
Fähigkeiten, die er weitergeben kann, meine scheinen beim Informationsmanagement und Wissensaustausch zu liegen.
LEBEN : EXPATRIATES
Der motivierendste Faktor sind die Leute
selbst: Ihre Bedürfnisse zu erfüllen, gibt
dem Leben einen Sinn. Ich lebe nicht nur
in der Arbeit, die ich tue, sondern auch in
den Menschen, die ich unterstütze.»
Ist das Aufbauen und Pflegen von Netzwerken eine Form des Zusammenlebens
– oder notwendig zum Überleben?
«Wir sind alle Teil einer Gemeinschaft. Wir
sollten nicht Eigenbrötler, sondern Teamarbeiter sein. Unsere Gesellschaft ist sehr
komplex, wir hängen von ihr ab und sollten
deshalb auch unseren Teil zu ihrem Funktionieren beitragen.»
sind nicht alleine.
”Sie
Es gibt viel Hilfe für
Expatriates.
”
Welches ist die schönste Erfahrung,
die Sie beim Networking in der Schweiz
gemacht haben?
«Ich habe eine Chatgruppe auf der Internationalen Seite des Schweizer Radios ins
Leben gerufen, die Schweizer Expats aus
der ganzen Welt anzog. Wir chatteten häufig, bauten Freundschaften auf und schrieben sogar zusammen eine Geschichte für
den Stauffacher-English-Literature-Wettbewerb. Eine der Teilnehmerinnen fand
schliesslich heraus, dass ihre Wurzeln in
die Schweiz zurückreichen. Ausserdem
habe ich über diese Chatgruppe eine ‹erweiterte Familie Tritt› gefunden. Hunderte Personen von den USA über Uruguay bis nach
Neuseeland verbindet dieser Name.»
Vermissen Sie Neuseeland?
«Ich habe Neuseeland ja schon vor langer
Zeit verlassen. Ich vermisse gelegentlich die
Leute, aber ich habe wirklich gute Freunde
hier. Die Landschaft Neuseelands ist der der
Schweiz ähnlich, und hier kann ich in viele
Länder reisen und viele Kulturen kennenlernen. Ich stehe in regelmässigem E-Mail-Kontakt mit meinen drei Brüdern und meinen Eltern. Ich habe meinem Vater 1983 einen
Laptop gegeben und er fing an zu programmieren. Seitdem hat er ein besseres System
zu Hause als ich. Noch immer, im Alter von
91 Jahren, ist er ein Berater für mich.»
Welchen wichtigen Tipp würden Sie jedem
frischgebackenen Expat geben?
«Sie sind nicht alleine. Es gibt jede Menge
Hilfe, auf die Sie zurückgreifen können: exzellente Bücher, Organisationen aller Art und Sie
können das alles online finden. Nehmen Sie
an Aktivitäten der Schweizer Gesellschaft teil
– mindestens zur Hälfte Ihrer Zeit. Dann sind
Sie doppelt reich.»
Informationen
www.expat-expo.info
www.living-in-berne.ch
STECKBRIEF : GRAHAM TRITT
57 Jahre, geboren in Neuseeland _
lebt seit 1980 in der Schweiz, zuvor in
Australien, UK, und in Italien //
Familie: verheiratet, zwei Söhne //
Bachelor in Chemie und Mathematik,
Diplom in Computer Science, Master
in Engineering Science // Berufstätigkeit als Softwareentwickler für Swiss
PTT und Hasler AG, für Softwarehäuser und Oracle; gründete 1990 ein
eigenes Unternehmen, das er aufgrund
eines Unfalls nach drei Jahren wieder
aufgeben musste; seit 1994 tätig beim
Bundesamt für Informatik // Hobbys:
Networking und Lesen // Websites:
www.swissenglish.ch,
www.toastmasters.ch
LEBEN : AFTER-WORK-NETWORKING
SEITE 34
AFTER-WORK-NETWORKING :
PROST PARTNER
Wer privat Spass haben und beruflich vorankommen will, braucht Netzwerke. Kontakte kann
man sich erarbeiten, nicht selten sind sie aber ein Geschenk des Zufalls. Oft lernt
man in Restaurants und Bars, bei Seminaren und Vorträgen Menschen kennen, die einen
privat und beruflich bereichern. Wo und wie man solche Leute trifft, lesen Sie hier.
BELLEVUE PALACE
URS GRIMM, VIZE-DIREKTOR DES BELLEVUE PALACE
KONSTANTIN ZIMMERMANN, MAÎTRE D‘HÔTEL DER RESTAURATIONEN
DES GRANDHOTELS
«Networking ist wichtig. ‹Sehen und gesehen werden› gilt nicht nur im privaten, sondern auch im geschäftlichen Bereich, denn
ein gutes Netzwerk öffnet Türen zu potenziellen Kunden oder Arbeitgebern. In die
Berner Bellevue Bar und ins Restaurant
kommen Geschäftsleute aus Wirtschaft,
Verbänden, Banken und Versicherungen.
Die Synergien zwischen Politik und Wirtschaft werden rege genutzt. Die Bellevue
Bar mit ihrer ungezwungenen und doch
stilvollen Atmosphäre ist seit jeher ein Ort
des Zusammenführens, eine Plattform, um
Kontakte zu knüpfen und Geschäfte zu
machen. Man trifft sich ausserhalb der
Büroräume und begibt sich in eine andere
Welt – der richtige Rahmen für angeregte
Verhandlungen und einen positiven Abschluss. In anderen Kulturkreisen kann
man ohne einen gemeinsamen Restaurantbesuch gar keinen Geschäftsabschluss
machen. Denn bei einem Essen oder einem
Drink kann man Vertrauen aufbauen. Zudem kann ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter anhand ihrer Tischmanieren besser
einschätzen. Wir haben festgestellt, dass
ein hoher Bedarf an Kursen in ‹Savoir Vivre›
besteht, was indirekt auch mit Networking
zu tun hat. Denn nur, wer gesellschaftliche
Regeln kennt, kann erfolgreich Networking
betreiben. Im Moment planen wir solche
Schulungen.»
LORENZINI
FRANCISCO RIBEIRO, RESTAURANTLEITER DES LORENZINI
«Networking ist für unsere Gäste sehr
wichtig. Sie finden im Ristorante Lorenzini
eine ganz besondere Atmosphäre, familiär
und lebendig, nicht steif und förmlich. So
fällt es leicht, andere Menschen kennenzulernen oder in entspannter Umgebung
über Geschäftliches zu verhandeln. Mittags treffen sich im Lorenzini Geschäftsleute, Parlamentarier und Politiker aus Bern
und Umgebung – nicht selten, um Verträge
durchzusprechen oder abzuschliessen.
Oft werden für Geschäftsessen auch unsere separaten Räume gebucht. Abends und
am Wochenende bewirten wir Gäste unterschiedlicher Herkunft und jeden Alters
– ich kenne fast alle persönlich. Unter unseren Gästen sind Bundesräte, Musiker,
Schauspieler und Vertreter der Politprominenz. Bei uns aber sind sie vor allem
Gast.»
SEITE 35
LEBEN : AFTER-WORK-NETWORKING
SWISS ECONOMIC FORUM
STEFAN LINDER, CEO SWISS ECONOMIC FORUM
«Networking hat in Beruf und Alltag immer
eine hohe Bedeutung – bei Veranstaltungen unterschiedlichster Art und auch
nach Feierabend. Unser wichtigstes Networking-Event ist das jährlich in Thun stattfindende Swiss Economic Forum (SEF), an
dem rund 1 200 Führungspersönlichkeiten
aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft
aus dem In- und Ausland teilnehmen. Unter ihnen sind Nationalräte und Botschafter, Inhaber, Geschäftsführer und Präsidenten international tätiger Unternehmen,
Journalisten und Verleger, Forscher und
Wissenschaftler sowie Prominente, zum
Beispiel der siebte Generalsekretär der
Vereinten Nationen und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan oder Tennislegende
Boris Becker. Die Teilnehmer bekommen
beim SEF einerseits wertvolle Inputs durch
Referate und Roundtable-Gespräche, andererseits nutzen sie die von uns geschaffenen Networking-Möglichkeiten während
des Tages, bei den Abendveranstaltungen
und bei unserem Networking-Evening.
Beim SEF wird sehr lebhaft über Geschäftsideen, zukünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen und auch über
konkrete Businesspläne diskutiert. Das SEF
ist ein Markt der Möglichkeiten.»
FACTS & FIGURES
Bellevue Bar / Restaurant La
Terrasse, Kochergasse 3 – 5, Bern,
Telefon: +41 31 3 20 45 45,
www.bellevue-palace.ch
Lorenzini Ristorante & Bars,
Hotelgasse 10, Bern,
Telefon: +41 31 3 11 78 50,
www.lorenzini.ch
Jack’s Brasserie / Arcady Bar im
Schweizerhof Bern, Bahnhofplatz 11,
Bern, Telefon: +41 31 3 26 80 80,
www.schweizerhof-bern.ch
Swiss Economic Forum, Lohnerstrasse 24, Thun-Gwatt,
Telefon: +41 31 08 48 90 09 01,
www.swisseconomic.ch
JACK’S BRASSERIE
ORLANDO GRISONI, DIREKTOR DES SCHWEIZERHOFS BERN
«Networking nach Feierabend hat einen
sehr hohen Stellenwert. In der Arcady Bar
und in Jack’s Brasserie werden nach Feierabend viele Geschäftsabschlüsse getätigt und in ungezwungenem Rahmen neue,
wichtige Bekanntschaften und Geschäftsbeziehungen aufgebaut. Bar und Brasserie
werden von Gästen aller Altersschichten
und sozialen Gruppen besucht – von 18
bis 80 Jahren, vom Geschäftsführer bis
zum einfachen Arbeiter. Wir verwöhnen alle gleichermassen. Auf jeden Fall ist die
Brasserie ein Ort, um Geschäfte zu machen oder seinen neuen Chef kennenzulernen. Die freundliche Atmosphäre trägt dazu bei. Man fühlt sich wohl, sitzt an grossen
Tischen, hat viel Platz, es ist hell und ansprechend. Ausserdem ist der Standort
direkt neben dem Berner Hauptbahnhof
ideal für Geschäftstreffen.»
AGENDA : LEBEN, LACHEN UND FEIERN IM KANTON BERN
SEITE 36
LEBEN, LACHEN UND FEIERN IM KANTON BERN
2007
JULI
MAI
Berner Jura: 7. – 8. Juli
Bern: 1. Mai 2007 – 6. Januar 2008
1. Watch Valley Bike Marathon
Jungfrau, Hofer und Ragusa – Berns
Weg in die Moderne
Marathon durch die Kantone Neuenburg, Jura
und Berner Jura
Mit Toblerone, Swatch und Top of Europe ist
Bern ein Kanton der Weltmarken – Ausstellung
im Historischen Museum Bern
Thun/Interlaken: 9. – 14. Juli
Jungfrau Music Festival
Einmalige Musikerlebnisse in Interlaken und
Thun
J UNI
Thun: 17. Juli – 22. August
Grindelwald: 2. – 10. Juni
Thuner Seespiele – Les Misérables
Eiger live
Musical von Alain Boubil und Claude-Michel
Schönberg, basierend auf dem Roman von
Victor Hugo
Bergtreffen 1000 Meter über dem Alltag
ALPHORNBLÄSER
Bern: 6. – 23. Juni
20. Berner Tanztage
Kandersteg: 21. Juli
Event für internationales Tanzschaffen
Rockboarding Festival
Sumiswald: 9. Juni
Wagemutige Snowboarder, Skifahrer und Biker
stürzen sich eine Geröllhalde hinunter
11. Gotthelf Märit
Marktbetrieb wie zu Gotthelfs Zeiten
Bern: 22. Juli
Gurtenfestival
Interlaken: 15. – 17. Juni
Greenfield Festival
Musikalisches Happening auf dem Gurten,
dem Berner Hausberg
EIGER BIKE CHALLENGE
Rockfestival
Gstaad: 20. Juli – 8. September
Biel: 15. – 17. Juni
Menuhin Festival Gstaad 2007
Bieler Lauftage
Klassische Musik aus allen Epochen
100-Kilometer-Lauf – die Herausforderung
Langnau im Emmental: 24. – 28. Juli
Huttwil: 15. – 17. Juni
Jazz Nights
44. Bernisch-Kantonales Jodlerfest
Festival für Jazzliebhaber
Jodlertreffen
Gstaad: 24. – 29. Juli
Interlaken: 21. Juni – 8. September
Beachvolleyball-Weltmeisterschaft
Tell-Freilichtspiele
Zum ersten Mal ist ein alpiner Ferienort
Austragungsstätte des prestigeträchtigsten
Wettbewerbs der Beachvolleyball-Welt
Die Tellspiele gehören zu Interlaken wie der
legendäre Apfelschuss zum Schweizer Nationalhelden
JAZZ NIGHTS LANGNAU
Interlaken: 27. – 29. Juli
Interlaken: 29. Juni – 1. Juli
Interlatina
14. Internationales
Trucker&Country-Festival
Interlaken im Latinofieber
Trucks, Motorbikes und Country-Music
Biel: 29. Juni – 1. Juli
Braderie
Traditionelles Volksfest
WIE ZU GOTTHELFS ZEITEN
SEITE 37
AGENDA : LEBEN,LACHEN UND FEIERN IM KANTON BERN
Spiez: 28. Juli
Bern: 7.– 11. September
Seenachtsfest
BAM
Fest mit Feuerwerk
Berner Ausbildungsmesse
Reconvilier/La Golatte: 28. – 29. Juli
Biel: 13. – 15. September
air festival
Bieler Zauberfestival
Festival für elektronische Musik
Drei Tage Hokuspokus
Tramlabulle: 14. – 16. September
AUG U ST
Internationales Fest des Comics
ZIBELEMÄRIT (ZWIEBELMARKT) IN BERN
Treffen Sie Ihre Lieblingsautoren
Brienz: 2. – 5. August
Brienzersee Rockfestival 2007
Brienz: 22. – 23. September
2007 unter anderem mit Gotthard, Shakra,
Polo Hofer und The Hooters
Herbstmarkt
Traditioneller Markt mit Haus- und Handgemachtem
Bern: 9. – 11. August
4. Buskers Bern
Strassenmusikfestival
Dreitägiges Strassenmusikfestival und
Kulturerlebnis für Kinder, Jugendliche und
Erwachsene
OK T OB ER
Thun: 18. Oktober
MobileBusiness ENTREPRISE Forum
JUNGFRAU-MARATHON
Ein Tagesevent für Entreprise-Kunden
Thun: 10. – 11. August
Thunfest
Langenthal: 20. Oktober
Fest in der gesamten Thuner Altstadt, alle zwei
Jahre mit Feuerwerk (nächstes Mal: 2008)
Langenthaler Fasnachtsmarkt
Emmenmatt: 10. – 11. August
Biel: 27. Oktober
Woodrock Festival
Zibelemärit (Zwiebelmarkt)
Rockmusik vom Feinsten
Hier gibt es alles aus Zwiebeln – vom traditionellen Zwiebelzopf über Pferdehufeisen bis zu
Kränzen, Herzen und anderen Kunsthandwerken aus Zwiebeln
Grindelwald: 12. August
Eiger Bike Challenge
Fest rund um Masken und Guggenmusik
Radsport
Kandersteg: 19. August – 1. September
NOV E MB E R
Internationale Hochalpine
Ballonwochen
Bern: 2. November
Ballonstarts inmitten schneebedeckter
Viertausender
2. Berner Tourismustag
Event für Tourismus-Fachleute
ICE CLIMBING FESTIVAL KANDERSTEG
Brienz: 24. – 25. November
SE PT EM B ER
Weihnachtsmarkt
Interlaken: 5. – 6. September
Die Markthäuser und viele alte Gebäude sind
festlich geschmückt
16. Jungfrau-Marathon
Marathon zwischen Thuner- und Brienzersee
und zu Füssen des imposanten Dreigestirns
Eiger, Mönch und Jungfrau
Bern: 26. November
Zibelemärit (Zwiebelmarkt)
Das traditionelle Volksfest findet immer am
vierten Montag im November statt
SCHWEIZER KÜNSTLERBÖRSE IN THUN
AGENDA : LEBEN, LACHEN UND FEIERN IM KANTON BERN
Huttwil: 28. November – 2. Dezember
Bern: 28. März
Huttwiler Weihnachtsmarkt
Museumsnacht
Bern: November
Der Kulturfrühling der Hauptstadt beginnt mit
der Museumsnacht
SEITE 38
International Business Cocktail Berne
Networking-Anlass für internationale
Unternehmen, Botschaften, Schulen und Clubs
A P RI L
Biel: April
DE ZE MBER
7. Seeländer Marketing Event
Marketeers diskutieren über Tricks und Trends
Bern: 2. — 29. Dezember
Weihnachtsmärkte
Thun: April
Berner Weihnachtsmärkte auf dem Waisenhausplatz und dem Münsterplatz mit festlich
dekorierten, individuell gestalteten Holzhäusern
und Ständen
48. Schweizer Künstlerbörse
BERNER WEIHNACHTSMARKT
Künstler und Kunstliebhaber treffen sich
MAI
Biel: 6. – 24. Dezember
Weihnachtsmarkt
Thun: 22. – 23. Mai
Der grösste Wienachtsmärit der Region
Swiss Economic Forum (SEF)
2008
J ANUAR
Wirtschaftstreffen von zukunftsgerichteten und
innovativen Unternehmen
Bern: Mai
Bern Cluster Day
Brienz: 19. Januar
Schlittelrennen Axalp ob Brienz
Networkinganlass für Vertreter von Wirtschaft
und Politik
Plausch-Schlittelrennen auf der Axalp mit 1,5
Kilometer langer Abfahrt
J U NI
Kandersteg: Januar
Ice Climbing Festival
Bern: 9./13./17. Juni
Heiss auf Eis
Gruppenspiele der FussballEuropameisterschaften
Jetzt geht’s los
FE BRUAR
Bern: 13. Februar
Unternehmerpreis Espace Mittelland
Auszeichnung innovativer Unternehmer
Bern: Februar
Berner Fasnacht
Verkleidet ziehen die Berner bis in die frühen
Morgenstunden durch die Gassen und feiern
MÄRZ
Bern: März
TelematikTage Bern
Informationen
Forum für ICT-Anwendungen in Wirtschaft,
Verwaltung und Gesundheitswesen
www.be.ch
www.berninfo.com
www.biel-seeland.ch
www.emmental.ch
www.jurabernois.ch
www.oberaargau.ch
www.thun.ch
Bern: März
Internationales Jazzfestival Bern
Festival für Jazzmusiker und -liebhaber
DIE KUNST DES SHOPPENS
The Gallery, Marktgasse 55, Bern
Mode ist Kunst – und bei «The Gallery»
können Sie sie kaufen. Die neue,
stylische Damen- und Herren-Boutique
in Bern führt Kleidung für jeden
Geschmack, von Guess über Marc
O’Polo bis zu Calvin Klein. Hier können
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Inhaberin Eva Schmidt hat mit gutem
Blick fürs Detail Wohnaccessoires im
Landhausstil zusammengetragen, so
kuschelig, dass man am liebsten gleich
einziehen möchte – wenn nicht die
flanierende Kundschaft stören würde.
SEITE 39
WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG KANTON BERN
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CH-3011 Bern
Telefon: +41 31 6 33 41 20
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CH-2503 Biel
Telefon: +41 32 3 21 59 50
Internet: www.berneinvest.com
E-Mail: info@berneinvest.com
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Trutzhard Matzen
Am Hasengarten 40
D-38126 Braunschweig
Telefon: +49 531 68 14 55
E-Mail: trutzhard.matzen@
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Vincent Weber
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3, Rue de l‘Arrivée
F-75749 Paris CEDEX 15
Telefon: +33 1 45 38 34 79
E-Mail: vincent.weber@berneinvest.com
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Vincenzo Caci
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Via Monza 59
I-20096 Pioltello (MI)
Telefon: +39 2 92 16 56 79
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Alan Parter
Parter International Inc.
135 West 50th Street, 21st floor
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Telefon: +1 212 867 17 17
E-Mail: alan.parter@
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Westküste:
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Telefon: +1 949 395 06 42
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MAGAZIN FÜR WIRTSCHAFT, WISSENSCHAFT UND LEBEN IM KANTON BERN, SCHWEIZ
Ausgabe 2007
Ausgabe 2007
WIRTSCHAFT
Clusterorganisationen :
«Was dicht und
dick zusammensitzet»
FORSCHUNG & ENTWICKLUNG
Teamwork in der Wissenschaft :
Sternstunden, Knochenarbeit und
ruhige Nächte
LEBEN
Expatriates :
Einwanderer sind Strickprofis
Thema: Cluster
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