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D i e Undrilationstheorie giebt eine hiibsche und genaue Idce von

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D i e Undrilationstheorie giebt eine hiibsche und genaue
Idce von dern, was den Spiegelglanz ausmacbt, wie ich
sclroii in der ersten Abhandlang heincrkt habe, die icli
der Academic iorzulegcii dic Elirc geliabt. Es folgt aus
dem Interfei enzprinciy, dais dic 0berfl:iche eincs Spiegels
(las Licht bei allen Eiafallswiiikeln regelmalsig zuriickiverfeii 1 i d s , sobald die Unebenheiten sehr klciii sind
in Bezng auf die Lange eiiicr Eichtwelle. Alleiii da die
Lirhtwellen, welclie die Empfindung dcr verschicdencn
Farben liervorbringen, 7 erschiedene Langen liaben , so
folgt aus diesel Definition des Glnnzes (poll), dafs sic,
urn regelmalsig zuriickgeworfeii zu werden, nicht allc denselben Grad von Kleinheit in den Unebenheiten zti haben braurhen; dafs eine Fliiche, z. B. fiir dic rothen Web
len, welche die Iaiigsten sind, noch etwas polirt scyu
kann, wenn sic cs gar niclit mchr fur die violetten ist.
Es wiirde ohnc Zweifel sehr schwierig seyn, das
Schleifeii cines Spiegels gcrade bei dein Punht einzuhalfen, wo er nocb, bei senkrechter Incidenz, ziemlich mcrhlich die rothen Stralilen regelm%Esig reflectirtc, nnd daSegen die Strahlen vom aiidesen Ende des Spectrums
ginzlicli zerstreute. Allein es giebt ein recht eiiifaches
Rlittel diese merhn ui dige Folgerung aus der Tbeorie zu
bemahrheiten, 113mlich cinen blofs vorgescbliffencn ( ~ O U C Z ' )
Spiegel , den rnan alliniilig gcgen die ciiifallciideii Strahleu iieigt. W i e belianiit kiinnen Fl:iclieil, die nicht POlilt, sondern blols gccbnet sind, bei sehr sehiefen Incidciizen regclinilsige uiid bcllc Bildcr +on den Gcgen-
333
standen geben. Dcr Grund hicvon is[, dal's die Schiefe
die Untersrhicdc dcr W e g e , welclie ~ o i iden an den
aus - rind einspringendcn Tlieilch~ndcr ranhen Obei fliiche
reflectirten Strahlen durchlaufen werden, verringert ; uiid
man begreift leicht, dafs, bei gewissen Neigungen, diese
Wegunterschiede schon so kleiii gegen die LSnge einer
rothen Wellc werdeii kbnnen, um cine anfangende regelmafsige Reflexion der rothen Strahlen zu erlauben, wlihrend sie fur die violetten Stralilen noch zu grofs sind,
als d a t diese in merklicher Meiige regelmafsig rcflectirt
werden. Man erhalt auf diese Weise. indein inaii die
Schiefe der einfallenden Strahlen verandert, dieselben
Effecte, welche man bei senkrechter Incidenz erlialten
wurde, wenn man den Grad der Politur allmalig veranderte; uiid inan sieht bei eincr gewisseii Neigung das
regelmafsig reflectirte Bild cines weifsen Gegenstands einen ziernlich deutlichen Stich in's Falbrothliche annehmen, wie Hr. A r a g o wid andere Physiker sclion beinerkt haben.
Ich habe die Erscheiiiung im dunklen Zirnmer zerlegt,
indem ich das Sonnenspectruin auf blols vorgeschlifferre
(douczk) Spiegel von Clas und Stahl fallen liefs; so wie
ich die Schiefe der SpiegeI verriugerte, sah ich folgweise
das Violett, das Indig, das Blau uiid einen Theil des
Griinen verschwinden; wahrend das ;iufserste Roth, weit
dunkler als das Blau uiid dieser Theil des Grun in den
einfallenden Strahlen, fortfuhr ein cben so deutliches Bild
zu geben als das, welclies a m dcr Keilexion der gelben
und orangefarbenen Strahlen entsprang. Das nahe beim
Gelb liegende Griin konnte ich niclit ganz zuin Verschwinden bringen, ohne nicht zugleich den Rest des Bildes voin
Sonnenspectrum zu vernichten. Man wird indel's dariiber
nicht erstaunen, weiiii niaii erwsgt, dafs die grunen W ellen von den rothen nur etwa uin eiii Sechstel dieser verschieden sind, so dafs ein Unterschied von einer halben
grunen W e l l e in den durchlaufenen Wegen ganz hiu-
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reicht , auch eine vollst~indigeDisrordanz zwischen den
rothen Strahlen zu erzeugen.
Man sieht derrlnach, die Erfahriing bestiitigt das
I-luygh e n s'sche Princip und das Interferenzprincip in
alleii Folgerungen, die nian daraus abieiten kann, ohne
die Gesetze des Gleichgewichts und der Anordnung der
Kiirpertheilchen, uber welche inan iioch keine positiven
Kenntnisse hat, in Betracht nehinen zu durfen. Uiesc
Priiicipien alleiii geben uns die Gesetze dcr Diffraction,
wo die Korper, wclche dieselbe veranlassen, keine andcre Rolle spielen, als einen Theil der Lichtwellen aufzufangen und zii verzogcrn. Sie sind auch zur Erkliirung der Refractions - und Rcflexionsgesetze hinreichend,
mag die reflectirende Fliiche volikoinmen oder in1 Groben polirt seyn, mag sie eine unbegranzte oder sehr besc11r;inkte Ausdehnung haben, wenigstens was den Gang
der Strahlen betrifft ; denn die liiteiisit%tsverlialtnissezwischcn dem einfallenden und dein gebrochenen Strahl bei
verschiedenen Schiefen sind noch niclit durch die Undulationstheorie bestimint. Offeiibar mufs dieses Verhdtn i k abh;ingen T. om Brechungsverinbgen des Mittels, a n
dessen Oberflgche die Reflexion geschjeht , allein man
kennt noch nicht die Form der Function, welche diese
Relation ausdruckt. Um diefs schwierige Problein zu 16sen, inufste inan zuviirderst alle Ursarhen der Refraction
kennen, oder, was auf dasselbc hinauslduft, alle Ursacheii
der Verliiirzung der Lichtwellen in dcin brerhenden Mittel. Alles was inan weirs ist: dafs jede Welleiiait offenbar cine gleiche Lange in einein sclben Rlittel liaben
muCs, in welcher Richtung sie anch diel's Rlittel durcblautt, sobald nur dicses homogrn ist und niclrt, wie dic
krystallisirten Substanz~n, eine regelingfstge Anordnung
seiner Theilrhen besitzt. Diese Bestdndigkeit der Wel1enl:inge in einein selbeii Mittel reicbt hi11 zur Erhl%rung
des einzig bekaniiten Refraetioiisgcsetzes, des constantell
Verhaltnisses zwischeii Einfalls- und Brechungssinus.
335
Allein, was ist die Ursache der Verkiirzung der
Lichtwellcn in dichten Iciirpern? 1st es blocs eine grofsere Dichte des darin enthaltenen Adhrrs, odrr cine der
Korfierthcil~heno d r r beide zugleich?
A n der Richtigkeit der ersten Hypolhrse, die ich
anfangs annahni, wcil den Folgernogen atis ihr leichter
nachzugehen ist, habe ich schon lange Zeit gezweifelt.
Erwagend, wie betrlichtlich die AbstoCsungsbraft der
Aethertheilchen gegen die Masse dcrselben ist , habe ich
cs fur wcnig wahrscheinlich gehalten, dafs die Anziehung
der magbaren Kiirper die Dichtigkeit des Acthcrs merklich vergrofsern konnte; denn inan 1 d s wohl annehmen,
dafs auch die Korpertheilcheii eine Abstofsungskraft besitzen, welche, der Analogie nach, auf die Aeihertheilchen
ungeineiii vie1 starker a b s t o k d wirken mufs, als auf die
wagbaren Thcilchen , bei denen diese Abstofsung durch
eine inachtige Anziehung aufgewogen wird. Ueberdiefs
wiirde selbst die Annalnne einer griirseren Dichte des
Aethers in den brechenden Mitteln nicht hinreichen, urn
die Dispersion dcs Sonncnspectruiiis und die Doppelbrechung zu erklaren, wo die Natnr und die Anordunng dcr
wagbaren Theilchen einen niclit zu verkennenden Einflufs ansuben.
hllein, wird man sagen, ist cs nicht iniiglicli, dais
sic eine wesentliche Rolle bei diesen secundaren Phanomenen spielen, wahrend die griifserc Dichte des Aethers
die Hauptursache der Refraction und folglich auch der
Reflenioii w#re? Diefs ist geradc die Frage, die ich inir
lange aufwarf, und die ich dnrch die cben beendeten
Versuclic auf eine negative W e i s e beantwortel zu haben
glaube.
Diese beiden Ansichtsweisen von der Rcflexioii fiihren in inehren Fiillea zu lihnlichen Folgerungeii, z. B.
bei den Farbearingen.
Eine dunne Schicht zwischen zwei Mitteln von starkerer Brechliraft, z. B. eine Liift - oder Wasserschicht
336
zwisclien zwei Gliiscrn, zcigt bekanntlicli in dein Beruhrungspuukt beider Miltel, d. 11. da, wo die Uiclrc der
Schicht Null ist, rinen schwarzen Flcck. Die reflectirten Kinge entspriiigen aus der Interferenz der beiden
Wellensysteine, die a n der Vorder- und Ilinterfkiche der
Schiclit zuriickgeworfen merden ; es sclieint also auf den
ersten Blick, sie iniifsten im Berubrungspunkt im Einklang stehen, weil daselbst der Unterschied der durchlaufenen W e g e Null ist, uiid es murste also das Centruin
der Ringe, statt von eiiiein schwarzeti Flech, von einein
wei€sen eingenominen seyn. AIleiii eine arhtsainc Untcrsuchung der Frage zeigt vielrnehr, dafs daselbst ein Punkt
des 170llen Mi€sklang ist, was fur eine der beiden Hypotheseii uber den Vorgaug bei der Reflexion inan aucli
annehmen miige.
In der That, niiiiint inan an, die Reflexion entspringe
aus einer griifseren Diclite des iin brechenden Mittel eiithalteneii Aetliers, so wird inan aiinehincii niiisseii , die
Strahlen seyen an der Trennungsfliiclie der beideii anliegenden Mittel selbst reflectirt, und folglich sey dcr Unterscbied der durchlaufenen W e g e fur die an der ersten
und an der zweiten FlYclie der diinncii Schicht reflectirten genau da Null, tvo auch dic Uickc dcr Schicht Null
ist. Allein aus derselben Bctraclitungsweise der Reflexion
folgt, dals der Ausdruck fur die Oscillatiotisgescliriii~igkeit der Aethertheilchen in den a11 dcr Trenuungsll~che
beidcr Mittel reflectirten TVellen im Zeichcn verschicden
ist, j e iiaclidein das zweite Rlittel starker odcr schwkhcr
bricht als das erste. Diefs hat lir. Y o u n g durch sehr
einfache inechanische Betrachtungen entdecht, niid seitdein Hr. P o i s s o n strenger durcli eine gelehrte Aaalysc
erwiesen, in eiiier sehiinen Abhaudlung uber die Rcwegung elastischer Flussigkciten.
Betrachtet inan also, uni die I d e m zu fixiren, den
gewiilinlichen Fall: eine Luftschiclit zwischen zwei Glesern, so sielit man, dafs, die durchlaufenen W e g e bei
Sci-
3337
Seite gelassen, die an der Vorder- und an der Hinterflache der Schicht reflectirten Strahlen in ihrer Oscillationsgeschwindigkeit vom entgegengesetzten Zeichen seyn
mussen, weil die ersteren in einem dichteren Mittel an
der Oberflache eines lockeren Mittels, und die anderen
in eineni lockeren Mittel an der Oberflache eines dichtereren reflectirt worden sind. Die Entgegengesetztheit
des Zeichens deutet aber entgegengesetzte Oscillationsbewegungen an; sie erklart also diesen von den durchlaufenen VC'egen unabhangigen Unterschied von eirier halben Welle, welchen die Erfahrung nachweist, und welcher, weit entfernt ein Einwiirf gegen die Theorie zu
seyn, vielmehr gerade eine Bestatigung derselben ist.
Dieselbe Theorie hat noch den Vorzug, im Voraris
anzugeben, in welchem Fall der mittliche Fleck weifs
seyn mufs, nsmlich dann, wenn das Rlittel zwischen zwei
andern von ungleicher Brechkraft befiudlich ist und eine
intermediare Brechkraft bcsitzt. 1st die seinige st;irker
als die der beiden aufseren, so wird der Berubrungspunkt
schwarz, wie wann sie schwacher ist. Diefs ist iiach deln
eben angezeigten Princip einleuchtend.
Hr. Y o u n g hat diese Ton ihm aus der Theorie abgeleitete Folgerungen durch Erfahrung beststigt, indem
er Sassafras61 zwischen zwei schwach convexe Prismen
brachte und diese bis zur Beruhrung aneinander prefste.
Sind diese beiden Prismen von gewohnlichein Glase, welches weniger brechend als das Sassafras61 ist, so ist der
mittliche Fleck schwarz; ist aber eins der Prismen von
gem6hrilicheni Glase und das andere von Flintglas, einein starker als das Sassafras61 brechenden Mittel, so ist
dieser Fleck immer weirs, mag das Flintglasprisina oben
oder untcn seyn. Ich weik nicht, wie das Emissionssystem iiber diese merkwiirdigen Erscheinungen AufschIuCs
geben kannte, wahrend ihre Erklarung nach der Undulationstheorie so befriedigend ist.
W i r sahen so eben, dafs sie rnit unserer ersteii HyPnggend. Ann. Erghaungsbd. 11
22
338
polhese iibereinstimmen, der geinafs die Reflexion alleinig
aus der griifsereii Dichte des Aetliers in den brechenden
Mitteln entspringen wiirde. Allein sie vertragen sich eben
so gut mit der, welche die gesamnite Reflexion den elementaren Reflexionen an deli Kiirpertheilchen selber zuschreibt.
In dieser zweiten Hypothese begreift man leicht, weshalb die Reflexion an den eignen Theilchen der Kiirper
nur in der Nachbarschaft der Oberflache dieser in merklicher Weise statt haben kann, sobald die Zwischeuraatne,
ivelche die Theilchen trennen, sehr klein sirid gegen die
Lange einer Lichtwelle. Denn theilt man im Gedanken
das Innere der Kiirpcr iu sehr diinne Schichten, in Schichten von solcher Dicke, dafs die von den Theilchen irgend
einer Schicht reflectirten Strahlen sich in viilligein Mifsklang mit denen befinden, welche die beiden aogranzcnden Schichten reflectiren, so sieht man, d d s die elementareii Reflexionen, welche die Theilchen jeder Schicht zu
erzeugen trachten , zerstiirt werden durch die Halfte der
Strahlen von der vorderen und von der hinteren Schicht,
ausgenorntnen an der Oberflache des Mittels, wo die aulserste Schicht somit nur die Halfte der Intensitat der
Strahlen verliert. Klar ist, d a k der Ausgangspunkt der
Resultante aller durch ihre Theilchen reflectirten Eletnentarwellen in der Rlitte liegen inufs, sobald sie hinreichend
durchsiclitig ist , dainit die bis -zu verschiedenen Tiefen
eindringenden Strahlen beinahe dieselbc Inteusitat behalten. Nach den Dicken aber, die wir fur jede Schicht
vorausgesetzt haben, miissen die in der Mitte reflectirten
Strahlen um eine Viertel-Undnlation abweichen von den
von den Granzen ausgegangeucn. Mithin durchIauft die
Resultante der Eleinentarwellen, die von der Sufsersten Schicht reflectirt wird, eine Viertel-Undulation mehr
als die an der Oberflache der Korper selber reflectirten
Strahlen.
W i r haben stillscliweigends vorausgesetzt , der re-
339
flectirende Kbrper befinde sich im Vacuo; stebt er aber
init eineni anderen Kiirper in Berubrung, so werden die
an seinen der Oberflache nahen Theilchen reflectirten
und durch die untere Scliicht schon auf die Halfte reducirten Strahlen noch fernerweitig geschwlcbt durcb die
zum beriihrenden Kiirper gehiirige obere Schicht, und
sie werden selbst giinzlich zcrstort, wenn das zweite Mittel eben so vie1 oder mehr Licht reflectirt als das erste.
I m ersten Fall wird kein Licht nielir reflecfirt; im anderen sind es die Theilchen dcs zweilen Mittels, die allein
rnerklich IJcht reflectiren, und delngeinSfs inufs der von
der Resultante der Elenieotarwellen durchlaufene W e g
von der Mitte der oberen Schicht an gerechnet aerden,
welcher also uin eine Viertel-Wellenlange kurzer ist als
der, welchen die an der Oberfltiche selbst reflectirten
durchlaufen.
W e n n nun das diinne Bl~ttchcnzwischen zwei Mitteln ~ ~grofserer
i i
Brechkraft befindlich ist, so geschehen
die beiden Reflexionen aufserhalb desselhen, SO dafs der
von der Resultante der oberen Heflexion durchlaufene
W e g uin eine Viertel -WeHenlange kurzer ist als der,
welchen die an der oberen Elache reflectirten Elementarstrahlen zurucklegen, und der von der Resultante der
unteren Eeflexion durchlaufene W e g uin eine ViertelWellenlange lYnger als der, welchen die an der zweiten
Flache reflectirten Eleinentarstrahlen zurucklegen. I)er
hbstand zwischen den beiden resultirenden Wellen lnufs
also um eine halbe Wellenlange grbiser seyn als im Fall
dieselben von der Oberflsche des dunnen Blattchens selbst
ausgegangen wgrcn. Im Beruhrungspunkt der beiden aufseren Mittel, wo die Bicke des dazwischen befindlichen
Blattchens Null ist, miissen also die beiden resultirenden
Wellen irn vollen Widerspruch stehen, und folglich einen schwarzen Fleck hervorbringen.
W e n n das Reflexionsvennbgen der dunnen Lainelle
zwischen denen der beiden Sufsersten Mittel liegt, so fin22 *
340
det die eine der beiden Reflexioiien in dieser Lamelle
statt, uud die andere aufserhalb. Daraus folgt, dafs der
Unterschied von einer Viertel-Wellenlange zwischen den
beiden Resultanten uiid den an dcn FlYcheu der dunnen
Lamelle sclbst reflectirten Strahlen daiin fur beide Flachen in demselben Sinne statt hat, und dafs mithin das
hnsehen der Erscheinung dasselbe seyn muk, wie wenn
diese Resultanten von den Oberflachen der dunnen Lainelle ausgingen. Sie miissen also im Punkt, wo deren
Dieke Null ist, in vollein Einklang seyn und daselbst
einen weifsen Fleck erzeugen.
W e n u endlich die dunne Lainelle ein stiirkeres Reflexionsvermiigen als die beiden anliegenden Mitteln besitzt, so geschehen die Reflexiouen alle beide innerhalb
der Lamellq, und die besprochenen Unterschiede von einer Viertel-WelIenIauge haben iin entgegengesetzten Sinne
statt; sie addiren sich also und verandern den Abstand,
der beide Wellensysteme treiint, in eine halbe Wellenlange; daraus entsteht, ubereinstimmend mit der Erfahrung, in dem Beruhrungspunkt ein schwarzer Fleck.
Die beiden Hypotliesen iiber die Reflexion koininen
also, was die reflectirten Ringe betrifft, in den Folgerungen iiberein; wenden wir sie nun auf die durchgelassenen Ringe an.
Die durchgelasseuen Riiige entspringen nothwendig
aus dem Daseyii der zuruckgeworfenen, und sie mussen,
vermoge des blofsen Princips der Erhaltung der lebendigen Krafte, in vollkommeii durchsichtigen Mitteln cornplementar zu ihneu seyn. Deiin das einfallende Licht,
gesetzt es sey von gleichfiirinigcr Intensitat, die Sumine
der Intensitaten des an jedem Punkt der dunnen Lamelle
reflectirten und durchgelassenen Lichtes, lnufs constant
seyn. Mithin inussen die dunklen Ringe im durchgelassenen Lichte den hellen Ringen im reflectirten entsprechen. Folglich mufs im Fall, wo z. B. eine Luftschicht
zwischen zwei Glasern befindlich ist, der Punkt, wo diese
341
sich beriihren, und der durch Reflexion gesehen schwarz
erscheint, bei Durchlassung hell erscheinen.
Durch einen sinnreichen Versuch hat Hr. A r a g o
sich iiberzeugt, dafs die durchgelassenen Ringe, obwohl,
wegen der groken Menge weifsen Lichts, worin sie gleichSam ertrankt sind, scheinbar vie€ schwkher als die reflectirten Ringe, diese dennoch vollstandig neutralisirea,
wenn man sie in die Hohe projicirt, und dafs sie demgemafs wirklich complementar zu ihnen sind. Diese Beobachtung schien ein Einwurf gegen die Hypothese des Hrn.
Y o u n g , welcher die Bildung der durchgelassenen Ringe
herleitet von der Interferenz der directen Stralilen mit
denen, die erst nach zweimaliger Reflexion in der Luftschicht zu derselben austreten; allein er hat durch eine
sehr einfache Rechnung bewiesen , dafs seine Hypothese
im Gegentheil sehr gut mit der Beobachtung des Herrn
A r a g o iibereinstimmt. Weil also diese beiden Wellensysteiue Ringe von genau gleicher Intensitat tnit dcr von
der Erfahrung nachgewiesenen erzeugen inussen, ist es
nothwendig, dafs die Hypothese, welche man uber die
Reflexion annirnmt, wie sie aiich sey, mit dieser Ansicht
von der Entstehiing der durchgelassenen Ringe vereinbart
werden kiinne.
Die Hypothese, nach welcher angenomrnen wird, die
Reflexion geschehe an der Trennungsflache der beiden
sich beruhrenden Mittel selbst, vermoge des blofsen Unterschiedes der Dichte dieser, stimmt vollkommen niit dieser Entstelung der durchgelassenen Ringe. Setzen wir
namlich voraiis, die dunne Lamelle befinde sich zwischen
zwei Mitteln von griilserem Brechungsvermiigen ; wie bekannt ist d a m der Mittelpunkt der reflectirten Ringe
schwarz und dcr der durchgelassenen wei€s. Das i d s
aber gerade, was aus der angenoinmenen Hypothese hervorgeht. Denn nach dieser Betrachtungsweise der Reflexion ist die Oscillationsgeschwindigkeif, wenn man sie
auf die Rictitung ihres Ganges bezieht, von gleichem
342
Zeichen fur die innerhalb der dunnen Lainelle reflectirten Strahlen, wie fur die durchgelassenen Strahlen; die
reflectirten Strahlen, zuruckgefiihrt durch eine zweite Keflexion auf die Richtung der durchgetassencn Strahlen, weichen also von diesein nur um den Unterschied der durchlaufenen W e g e ab, der glcich ist der doppelten Dicke
der dunnen Lamelle bci senkrechter Incidenz. lm Beriihrungspunkt der beiden aulsersten Mittel, wo diese
Dicke Null ist, sind also die zwei Ma1 reflectirten Sfrahlen im vollen Einklang mit den direct durchgelassenen,
und fdglich lnuk der Fleck in der Mitte weifs seyn.
Haben dagegen die beiden aufseren Mittel ein schwiicheres Brechverinogen als die diinne Lainelle, die sie einschliefsen, so andert die Oscillationsgeschwindigkeit, was
die Richtung ihres Ganges betrifft, das Zeichen zwar bei
jeder Reflexion, allein nach zwei Reflexionen niinnit sic
dassclbe Zeichen a n mie die unmittelbar durchgelassenen
Strahlen; ihr Einklang iiiufs also auch jetzt noch volikommen segn, da, wo der Unterscliied der darchlaufenen
W e g e Null ist, d. 11. im Berubrungspunkt.
1st endlich die diinne Lamelle von starkerein Brechverlnogen als das cine der beidcn Bufsereii Mittel, und
von scliwiicherem als das andere, so iiiidern die zwei Ma1
reflectirten Strahlen das Zeichen nur ein Ma1 bei iliren
Vibrationsbevoegutigeii , uud sie weichen demnach , unabhangig von den durchlaufencn Wegen, um eine halbe
Wellenlsnge von den direct durchgelassenen Strahlen ab.
Der Fleck in der Mitte lnufs also beim Hindurchsehen
schwarz erscheinen, iibereinstimmend wit der Erfahrung.
Dicse Ansicht von der Entstehung der durchgelassenen Ringe vereinbart sirh nicht so leicht rnit der Hypothese, wo man die Reflexion als bewirkt durch die
Korpertheilchen selbst betrachtet ; wenigstens wird es
dann nothig vorauszusetzen , dafs die solchergcstalt reflectirten Elementarwellen durch den Act der Reflexion
sich om eine Viertel-Wellenlhge Gndern.
343
Es scheint mir als konne wan sich bis zu einein
gewissen Punkt dariiber Rechenschaft geben, wenn man
erwagt , dafs die Korper!heilehen, ersrhiittert durch die
Lichtwellen, ohne Zweifel zugleich an den Beweguugen
der einfallenden und der reflectirten Strahlen Theil nehmen inussen, und dals wahrscheinlich ihre Vibrationen
in der Richtung dieser letzteren hauptsachlich die Reflexion ausinachen. Damit nun diese beiden Arten von
Vibrationen zugleich in denselben Theilchen auf die
unabhangigste Weise vor sich gehen, inussen die einen
um eine Viertel-Wellenlange nach der andern anfangen.
Ich gebe indefs dime Ideen uber eine so feine Frage
nur init vielein Milstrauen, und betrachte keineswegs die
eben ausgesprochene Erklarung fur eine strenge Beweisfuhrung von dein Unterschied einer Viertel-Wellenlange zwischen den durchgelassenen und zuruckgeworfenen Strahlen, sondern nur fur eine Art ihn zu begreifen. Ueberdiek ist die Verzogerung von einer Viertel-Wellenlange
in dein Gang der reflectirten Strahlen eine nothwendige
Folge des Princips der Bewahrung lebendiger Krafte, angewandt auf die von uns betrachtete Hypothese, weil
ohne diese Aenderung, bewirkt durch die Reflexion, die
durchgelassenen Ringe durchaus den reflectirten ahnlich
seyu wilrden, statt complementar zu ihnen. Dieser Unterschied von einer Viertel-VC'ellenlange ist also eine nothwendige Folgerung aus unserer zweiten Hypothese ubdr
die Reflexion.
Nun haben wir gesehen, d a b die Resultante aller
Elementarwellen, die in der Nahe der Oberflache refleetirt
werden, gegen die roil der Oberflache selbst ausgegangenen Strahlen uin eine Viertel-Wellenlange zuriicksteiien;
und weil durch den bloEsen Act der Reflexion die rrflectirten Wellen uin eine Viertel-MTellenlange vcrzagert werden inussen, so folgt daraus ein gesammter Unterschied
von einer halben Wellenlange zwischen den einfallenden iind reflectirtcn Strahlen, unabhangig von dein Unter-.
344
schied der durchlaufenen W e g e , diese gezihlt fur die
reflectirteii Strahlen von der Oberflache an. W i r setzen
hier voraus, der reflectirende Kiirper befinde sich im
Vacuo; stande er im Contact mit einein anderen Mittel
von geringerein Brechvermogen, so ware der Vorgaiig
noch derselbe; wenn aber das obere Mittel brechender
wiire, so wiirde, da dann die Resultante der Elementarwellen sich urn eine Viertel-Wellenlange im Voraus gegen die a n der Oberflache selbst reflectirten Strahlen beBnde, der Verzug von einer Viertel-Welleiilange, den sie
i n dem Act der Reflexion erfuhre, somit coinpensirt seyn.
Man gelangt zu absolut entgegengesetztcn Folgerungcri
wie durch die erste Hypothese, nach welcher die Reflexion, alleinig entspringend aus dein Dichtigkeitsunterschied des Aethers in beiden Milteln, an der Trennungsflache selbst gescheben wurde. Die beiden Hypotliesen
also, die bei den reflectirten Ringen und folglich auch
bei den durchgelassenen, weil diese nacli dem Princip
der Erhaltung lebendiger Krafte nothwendig complementar zu crsteren sind, init einander iibereinstimmen, diese
beiden Hppolhesen, sage ich, bieten uns, indem sie hinsichtlich der Vibrationsdifferenzen zwischen deii reflectirten und durcbgelasseneii Strahlen zu widersprechenden
Folgerungeii fuhren, das Mittel dar, durch den Versuch
zu entscheiden, welche von beiden verworfen werden
miisse.
Zu den1 Ende habe icli den bequemsten Fall gewahlt, denjenigen, wo das Licht in Luft an der Vorderflache einer Glasplatte reflectirt wird. Nacli der ersten
Hypothese iniissen dann die reflectirten Strahlen mit deii
directen in ihren Vibrationen tibereinstiininen, wenn man
sic als auf dieselbe Richtung zuriickgefuhrt arinimmt und
vom Untcrschiede der durchlaufenen W r g e absieht ; nach
der zweiten Hypothese iniissen sie dagegen uin eine halbe
Wellenlange von ihnen abweichen. Daraus folgt , dafs
wenn man die beiden Liclithiiiidcl tinter einein sehr klei-
345
nen Winkel interferiren lafst, urn sichtbare Fransen 211
erzeugen, der inittliche Streifen, welcher den Punkten der
Gleichheit der durchlaufenen W e g e entspricht, nach der
ersten Hypothese weifs, und nach der zweiten schwarz
seyn Inufs.
Urn diese Interferenz zu bewerkstelligen, fing ich
iiiit zwei schwarzen Spiegcln directe Strahlen und solchc
auf, die bereits an einer anderen vollkorninen durchsichtigen und binten geschwarzlen Glasplatte eiiie erste Reflexion erlilten hatten. Diese Reflexion r o n directen
und sclion reflectirten Strahleu an zwei gleichen Spiegeln
konnte, da sie ilinen gleiche Modification einpragte, nicht
den Unterschied abandern, der aus der Refleiion eines der
Lichtbiindel an dein ersten Spiegel entspruugen war ').
Die beiden Glasspiegel, welclie die beiden Lichtbiindel in fast parallele Riditungen zu bringen hatten,
waren auch so gestellt, dafs fur den geineinschaftlichen
Theil beider Lichtfelder die durchlaufenen W e g e beinahe
gleich waren. Diefs erreichte ich mittelst einer nach Art
der nebenstehenden Figur auf l'appe gezeicbneten Skizze.
F G ist die durchsichtige Glasplatte, an welclier die einA
L P h r Q
c o
B
M
R
H
1 ) Die Reflexion an scbwarcem Glsse bewirkt gleictie Modificationen
wie die an farblosem, wovnn k h mich iiberzeugt Irabe, indem ich
die an scbwarzem Glase reflectiiten Strahlen mit den an farblosem
reflectirten intetferiren liefs. Audecs ist es, wenn man statt des schwarzen Glases einen Metellspiegel nimint; die Fiansen sind dann nicht
mehr symrnetiisch in B e ~ u gauf den hellen Streifen in der Mitte.
346
fatlenden Strahlen die erste Reflexion erlitten; A B und
D E sind die beiden geschwarzten Spiegel, von denen
der erste die direct rom Lichtpunkt kornmenden Strahlen, und der zweite die schon an der Glasplatte FG
reflectirten Strahlen zuruckwirft. Damit die einfallenden
Strahlen auf parallele Richtungen zuriickgefuhrt werden,
miissen die beiden Spiegel F G und D E tnit dem Spiegel A B \Yinkel machen, die gleich sind der Halfte des
Winkcls N C B , pelche die directen Strahlen mit eben
dein Spiegel A B bilden; und damit die von den Strahlen L K I H und N C M durchlaufencn W e g e gleich seyen,
reicht es hin, d a b die Ebenen der Spiegel F G und D E
verlangert einen und denselben Punkt C der Oberflache
des Spiegels A B treffen. Nach dieser Regel wurden alle
Zeichuungen gemacht ; da man indefs durch eine bloke
Zeichnung nicht den fur so zarte Versuche erforderlictien
Grad von Genauigkeit erreiclien kann, indem ein Unterschied von einigen Tausendsteln eines Millimeters hinreicht
die Fransen zu vernicliten, so anderte ich die Lage des
Spiegels D E langsain mittelst einer Stellschraube, welche
ilin, in senkrechter Richtong auf seiner Oherflache und
ihm selbst parallel, vor- oder zuriickschob. Nach einein
selir kurzen Probiren sah ich d a m lcicht Frailsen zum
Vo rs ch ei n k oin rnen.
Icli wiederholte diesen Versuch bei sehr verschiedelien Richtungen; ich machte den Tr(Tiuke1 A CF folgweise
gleich 7 i 0 , 15", 20°, 25O, 27$", 35", 40°, und iininer
sah ich die Mitte der Franscngruppe von einein schwarZen Skeifen eingenominen, ubcreinstimmend mit der zweiten Hypothese uber die Reflexion.
Urn die Sache recht einleuchtend zu machen, niufs
man die beiden Bilder des Liclitpunkts einander recht
nahe bringen rind soinit die Fransen in6gliclist breit marhen, damit der prismatische Effrct der L u p ~ deren
,
man
sich zu ihrer Reobachtung bedient, kein Irrthum hinsichtlicli des Ranges ciner jeden und hinsichtlich der Syui-
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inetrie ihrer Farben veranlassen kiinne '). Dann zeigen
sich die Fransen symmetrisch geordnet diefs - und jenseits
des mittlichen schwarzen Streifens, welcher in der Mitte
seiner Breite vollkoinlnen farblos ist, so dafs man nicht
zweifeln kann, diefs sey ein Punkt des vollen Mifsklangs
fur alle Strahlenarten, uud es seyen deinnach die beiden
interferirenden Wellensysteme uin eiiic halbe Wellenlange verschieden. Die zwei Ma1 am Glase reflectirten
Strahlen weichen also 1 7 0 1 1 den nur ein Ma1 reflectirten
um eine halbe Wellenlange ab, oder, was auf dasseibe zuruckkommt, die ein Ma1 reflectirten Strahlen weichen von
den directen oder durchgelassenen uin eine halbe WelIenlauge ab, unabhangig von den durchlaufenen Wegen, gerechnet von der Oberflache des Glases selbst. Mithin
bestatigt die Erfahrung die IIypothese in ihren Folgerungen, nach welcher die Reflexion an den Theilchen der
durchsichtigen Korper selbst geschirht.
Diese innereii Reflexionen an den eigenen Korpertheilchen waren schon durch andere Erscheiaungen angezeigt. Die Farben, welche dic Polarisation in dern mehriiials von Metallen reflectirten Lichte entwickelt, beweisen nach dem Interferenzprincip, da€s ein Theil der reflectirteii Strahleu bis zu einer gewisseii Tiefe in das
Innere des Metalls eingedrungen w a r , denn das so mo1)
Urn Fransen zn erlialten, ist nocli eine andere Vorsicht zu treffen,
bei deren Unterlassung ich anfangs eioige Tage geglaubt hatte, daf..
die beiden Liclitbundel nicht rnellr auf einander wirkten, wenn sie sich
der senkrechten Iocidenz nitierten. DieG riilii te ganz einhch davon
h e r , d a k ich die Spiegel B E u n d F G niclit A B genthert tiatte i n
dem 3TaaLe als ich die Schiefe der eiohllenden Strahlen verringerte,
sn dnfs die Strahlen P G B H und Q O R , welche icli interferiren
Iiefs, nnter zu verschiedenen Richtunpen vom Lichtpunkt ausgegangen
waren. Nun habe icli in meiner eraten Abliandlung iiber die Diffraction geaeigt, dafs man die vorn Brannpunkt der Linse, deren man
sich zur Bildung des Liclitpunkts brdient, ausgegnngenen Strahlen n u r
in ziemlich kleinen W i n k e l - Intcrvallcn als shrnmtlich in Uebereinstimmong srhwingend anselien kann.
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dificirte Licht verhllt Rich beiui Durchgnng durch Krystallblattchen genau so, wie wenn es aus zwei Wellen-.
systemen bestande, die polarisirt, das eine parallel und
das andere winkelrecht zur Einfallsebene, und durch einen mehr oder weniger grofsen Abstand getrennt sind,
je nach dem Einfallswinkel und der Anzalil der successiven Reflexionen.
Die durchsichtigsten Korper reflectiren das Liclit
nicht blocs in der sehr dunnen Schicht, welche ihre
Oberflache beriihrt, sondern auch an allen andern Punkten ihrer inneren Theile, und dieses Licht wird iminer merklich, menn das reflectirende Licht hinreichende
Tiefe hot.
Die Atmosphare bietet uns davon ein auffallendes
Beispiel. Die FUIlc des Sonnenlichts, welches sie, seIbst
an lieitersten Tagen, von allen Seiten in unsere Augen
sendet, lafst sich, wie Hr. A r a g o bemerkt hat, nur begreifen, wenn man annimmt, dafs die Lufttheilchen selbst
dieses Licht reflectiren, und daCs die Schwlche dieser
partiellen fieflexionen durch die Menge derselben cornpensirt wird.
Die Ersclieinungen dieser Art werden leicht begreiflich durch die Hypothese, deren Folgerungen wir so eben
durch die Erfahrung bestatigt sehen. In der That die
eleinentaren Reflexionen, die aus dein Stofs der Lichtwelien gegen die eigenen Korpertheilchen entspringen,
honnen sich in deren Innerein nur dann vollstandig zerstoren, wenn die Intervalle, welche sie trennen, unendlich klein sind in Bezug auf eine Wellenlange, weil
m a n dann iminer hinter jedein Theilchen ein anderes in
solchein Abstand finden kann, daCs die Strahlen, welche
es zu reflectiren trachtet, genau um cine halbe Wellenl h g e von denen abweichen, die am ersten reflectirt wurden. Sobald aber die Zwischenraume, melche die Theilchen des Mittels trennen, niclit absolut Bull gegen eine
Wellenlange s h d findet keine vollstandige Zerstorung
.
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der Elementar- Reflexionen im Inneru des Mittels mehr
statt, und diese Reflexionen werden endlich sichtbar, wenn
sie einander auf grofse Tiefe addiren I ) .
Diose Theorie der Reflexion, schon vie1 allgemeiner
und an Folgerungen weit fruchtbarer als die andere Hypothese, die nur auf den Fall einer vollkommenen Diirchsichtigkeit anwendbar ist , hat noch den Vortheil, durch
ihre Grundsltze die Einwiirfe zu widerlegen, welche man
in Bczug auf die Dispersion, welche die Refraction begleitet, dein Undulationssystein geinacht hat. Die Analyse beweist, dafs Wellen von verschiedener Liinge sich
in einem hoinogeuen elastischeii Fluidum mit gleicher Geschwindigkeit fortpflanzen mussen, so dafs wenn die Verlangsamung des Eichts, 2. B. in Glas, nur von der groLeren Dichte des darin enthaltenen Aethers abhinge, die
verschiedenen Arten von Lichtwellen, die sich im Vacuo,
d. 11. im Aether allein, init gleicher Geschwindigkeit fortpflanzen miissen, im Glase eine gleiche Verzogerung erleiden und demgeinafs sic11 in gleicher Weise brechen
wurden; denn das Vcrhaltnifs des Einfallssinus zum Brechungssinus hangt alleinig von dem ab, welches zwischen
den Geschwindigkeiten des Lichts in beiden Mitteln vorhanden ist. Nach dem angefuhrten Versuch ist es aber
sehr wahrscheinlich, dafs der in dem Glase enthaltene
Aether nicht inerklich dichter ist als der dasselbe umgebende; so d a t die Verkiirzung der Lichtwellen, welche
in das Glas dringen, hauptskhlich Ton dessen eigenen
Theilchen herruhrt, deren Einfluls auf die Dispersion man
1 ) Diese Betraclrtungsweise der Reflexion lifst die B'bglichkeit durrhblickcn, die eigenen Faiben der Kiirper auf cine geniigendere V'eise
zu e i k l h n als es yon N e w t o n geschehcn. Die Ansicht des Letzteren scheint nicht anwendbar zu seyn auC farbige vollkommen klare
Fllissigkeiten, deren Theilchcn ohne Zweifel weit kleiner sind 31s die
LInge eines Accesses sclbst i m Glase, und denen man also unwahrscheinliclre Dichtigkeiten beilegen miifste, weit parsere als die, welche sie nach derselben Theorie in anderen fnrblosen vollkommen durrhsichtigen Verbindungen haben wurden.
350
ubrigens und aus einein recht einfachen Grunde nidit in
Zweilel ziehen kann, weil diese Erscheinnng iu ganz anderen Tferhiiltnissen als die inittleren Urechvermiigen init
der Natur oder Anordnung der Theilchen variirt.
Allein diejenige von allen optischeii Erscheinungeii,
welclie den uninittelbaren Einflufs der Kiirpertheilchen
auf den Gang des Lichts vielleiclit am einleuchtendslen
inacht, ist die Doppelbrechung, welche uns zeigt, dafs
ein polarisirter Lirhtstrahl je nach der Richtung, in welche inan deli von ihm durchlaufenen KrFstall dreht, seine
Geschwindigkeit andert, obgleich die Dichtigkeit des darin
enthalteoen Aelhers immer dieselbe bleibt.
Bei dieser Gelegenheit will ich eines Gesetzes erwshneii, welchcs i d kurzlich bei den Phanoinen der
Doppefbrechung des gekruininten Glases entdeckt habe,
und welches zeigt, bis zu welchem Punkt die Anordnung
der Theilchen auf den Gang des Lichtes einwirht.
W e n n man das Glas krtiinmt, erlangt es bekanntlich
Eigenschaften, aiialog denen dunner Krystallblatter. W i e
diese Bltitter bringt es das aulserordentliche Bild und
zwar gefarbt wieder zuin Vorschein, was HI-.B r e w s t e r
schon vor Ianger Zeit beinerkt hat. Die Analogie deutet darauf hin, dafs diese Farben, die denen der dunnen
Krystallbliitter vollkoininen dinlich sind , cbenfalls entspringen mussen ails der Interferenz zweier Systeme von
Lichtwellen , welche das gekriimmte Glas mit ungleicher
Geschwindigkeit durchlaufen ; und diei's bestatigt auch die
Erfahrung.
Um die Geschwindigkeiten dieser beiden Wellensysteine zu messen, wandte ich das feine Verfahren an,
welches die Diffraction darbietet. Nachdem ich ein Glasparallelepiped gekriiinint hatte , indem ich es init einein
Ende in einen Schraubstock einspannte und gegen das
andere Ende eine Druckschraube wirken liefs, leitete ich
zwei Lichtbundel durch dasselbe, die von einein selben
Lichtpunkt ausgingen und durch zwei Schlitze in einem
351
das iibrige Licht auffangenden Schirm liindurcbgefuhrt
wurden. Die Schlitze waren kauin 0"",15 breit und einander so nahe, dafs die beiden Lichtbundel vernioge der
Ausbreitung, die sie erfuhren, init einander interferiren
konnten. Diese Schlitze entspreclien Pnnkten von gleicher Entfernung von der Mittellinie, wo die Glasdieilchen durcli die Biegung weder inerklich an noch von
einander geriickt wurden ; solchergestalt befanden sich die
Glastheilchen in der Ebenc, welche dem einen Schlitze
entsprach, eben so zasainmengeruclit, als sie in der, welche durch den anderen Schlitz ging, auseinandergeruckt
waren ; so dats der Gangunterschied zwischen den beiden Lichtbundeln das Doppelte des von einem dieser
Wellensysteme mit den die Mittelebene folgenden Strahlen seyn mufste, da in der Mittelebenc das Glas nicht
von der Biegung afficirt wird, wovon man sich iibrigens
durch einen directen Versuch uberzeugen kann, wenn man
einen der Schlitze gegenuber dieser Ebene aufstelit.
Die durcli die Tnterferenz dieser beiden Lichtbiindel
erzeugten Streifen zeigten nicht inehr die lebhaften und
reinen Farben der Farbenringe, wie vor der Biegung des
Glases ; tielmehr zeigten sic ein Getnenge dieser Farhen
dein ahnlich, welches aus der Ueberdeckung zweier Fransengruppen, deren Mittelpunkte nicht zusaminenfallen, herrorgeht. Zerlegt inan das Licht init einem Kalkspathrhomboeder, dessen Hauptschnitt parallel oder winkelrecht zu
der Kruinniungslinie des Glases ist, so zeigen die Fransen jedes Rildes genau die Farben der Farbenringe; allein der helle Mittelstreifen nimint in Bezug auf den Mikroineterfaden nicht diesclbe Lage ein im ordentlichen
und aufserordentlichen Bilde, was beweist, dafs der Ganguntersrhied zwischen den beiden parallel der Kriimmungslinie polarisirten Biindeln nicht derselbe ist, wie der Gangunterschied zwischeu den beiden nach winkelrechter Ebene
polarisirt en.
Als ich die durch die Biegung des Glases veranlafste
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Verschiebung der Fransen im ordentlichen und aufserordentlichen Bilde mafs, fand ich, dafs er fur die parallel den krumnien Flachen polarisirten Strahlen genaix
doppelt so grofs war wie fur die Fransen, die aus den
nach winkelrechter Ebene polarisirten Strahlen entstanden waren.
Griinde und Analsgien deuten darauf, dafs die Linie
der Krummung genau die Axe der Doppelbrechung des
gekruinmten Glases ist I ) , wenigstens wenn die Biegung
so gering ist, dafs die Glastlieilchen nur in dieser Richtung eine inerkliche Aimsherung oder Auseinanderruckung
erfahren. Diese Hypothese findet sich iibrigens bestatigt
durcli die Versuche, welche ich geinacht iiber die Art,
wie die durch die Polarisation im gekrummten GIase entfalteten Farben steigen und fallen in der Ordnung der
Ringe, j e nach der Richtung, in welcher man das Glas
neigt.
Ich nehine also an, dafs die Axe der Doppelbrechung
die Tangente der aus der Biegung enlspringenden Curve
ist ; alsdann werde ich ordentliche Strahlen diejenigen
nennen, welche parallel den kruininen Flachen polarisirt
sind,
1) In der Tbnt denken wir uns ein Glasparallelepiped parallel den
ge-
kriimmten Flichen in sehr diinne Schichten getheilt ; die gegenseitige
R’Pherung oder Entfernung seiner Theilcheu nirnnit zu oder a b init
der Lage der Schichten, die gleichsarn einen Verein von verschiedeotlich stark doppeltbrechenden Krystallen bilden. Allein da jede Schicht
als sehr diinn angenomrnen w i d , so versndert sich in deren Dicke
jene Annlherung oder Entfernung nicht merklich; da also die Glastheilchen, der Hypothesc nach, nur i n Richtung der LLngsfasern eine
merkliche Verschiebung erfahren, so ist die Anordnung der Theilclren
i n der winkelrechten Ebene durchaus dieselbe in allen Richtungen
rings urn die Fasern, welche folglich die einzigen Linien sind, die
a h Axen e h e r Doppelbrechung betraclitet werden konnen. W k k Iich miissen sic die eharakteristisehen Eigenschaften dieser besitzen;
denn es ist klar, dafs ein Lichtstrahl, welcher in dieser Richtung durch
das Glas singe, es irnmer mit gleicher Geschwindigkeit durchlaufen
miifste, in welchem Aziruut auch seine Polarisationsebene 1Bge.
353
sind, und aufserordentliche diejenigen, die es in darauf
winkelrechter Ebene sind. Nach dieser Betrachtungsweise
ist die Aenderung der Geschwindigkeit des Lichts, welche
aus dem An - und Auseiuanderriicken der Theilchen dcs
Glasparallelepipeds entspringt , doppelt so g t d s in den
ordentlich, als in den aufserordeiitlich gebrochenen Strahlen, ein recht merkwiirdiges Resultat, wcil die Doppelbrechung von gleicher Ordnung ist, wie die Refractionsanderung, welche aus der Ausdehnung oder Verdichtung
des Mittels entspringt.
Icli habe versucht die absolule A a s d t h u n g nnd Verdichtung dcs Glasparallelepipeds in den Punkten, wo es
von den mit einander interferirenden Lichtbiindeln durchlaufen wird, zu messen, habe aber noch nicht so viele
rrnd so genaue Beobachtungen gcmacht , uin bestimmen
zu kiinnen, welche Relation zwischen diesen Modificationen und den daraus fur den Gang des Lichts hervorgelienden Veranderungen existirt. Ich habe jedocli erkannt,
daCs diese Veriindcrungen weit geringcr sind nls die, welche man aus der Zu- oder Abnahme der Dichte des Mittels nach dem Einissionssysteine folgern wurde, in der
Voraussetzung, dafs die Anziehuiig des Mittels zu den
Lichttheilchen proportional der Dichte desselben spy, oder
nach dem Undulatioussystem in dcr Aiinahme, dieses Mittel sey eine homogene elastische Fliissigkeit, dcren Dichtigkeit glciche Veriinderungen wie die der Glasplatte erfahre, und deren Elasticitat constant bleibe. Mit diesen
Hypothesen fuhren beide Theorien zu derselbcn Formel;
ich habe dieselbe auf mehre Beobachtungen angewandt,
von denen mir eine, wegeii der darauf remandten Sorgfalt, einiges Vertrauen zu verdienen srheint. Hinsichtlich
dcr Variation, welche die Geschwiadig1,cit tles Lichts erleiden m f s , und zwar fur die Strahleu, welche in ihrem
Gang die betriichtIichstenVer~nderungcnrrleiden, d. h. die
ordentlichen Strahlen, hat inir die Rechnung ein fast doppelt so grofses Resultat wie dieser Versuch gegeben.
Poggcnd. Ann. EvgBnzungrhd. 11.
23
354
Immer aniiehmend, dafs die Axe der Doppelbrechung
des gekrummten Glases in der Richtung der Kriiinmung
liege, habe icli durch Krcuzung der Glasplatte init Krystallplatten gefunden, dafs die aiif Seite der Convexit l t oder des nach der Axe ausgedehnten l'heils liegende
Halfte von der Art der attractiven Krystalle ist, und der
Theil, wo die Molecule in Kichtung der Axe eiiiander
genahert sind, zur Gattung der repulsiven Krystalle gehort, wenn ich mich dieser im Einissionssystein iiblichen
husdruche bediencn darf; oder aiiders gesagt und die
Sache yoin Standpunhte der Uiidulationstheorie betrachtet, dab, sobald die Doppelbrechung durch eine Ausdehnung langs der Axe veranlafst ist, der ordentliche Strahl
schneller geht als der aufserordentliche, und dais wenn
sie aus einer Condensation langs der Axe entspringt, uingekehrt der aufserordentliche Strahl dein ordentlicheu
voreilt. Diefs war schon aus den von mir angefuhrten
Diffractionsersclieiniin~enzu schlieisen.
Schon vor sehr langer Zeit hat Hr. B r e w s t e r diese
Analogie zwisclien den beiden Halften einer gekrummten
Glasplatte und den atlractiven und repulsiven Krystallen
beinerkt; allein ich we& nichf, dais er die Richtung der
Axe angegeben habe. W i e dem auch sey: sehr wahrscheinlich hat er sie auch parallel der Kriimmungslinie
angenommen, denn das ist die naturlichste Hypothese I).
Schlechtes Wetter und dringende Geschlfte haben
inich genothigt, die Untersuchungen iiber die Doppelbrechung des gekriiminten Glases einstweilen zu verlassen.
Ich bin Willens sie unter gunstigeren Umstsnden wieder
vorzunehmen und durch genaue Reobachtungen zu bestimmen, welche An - und Auseinanderriickungen der Glas1)
Seit der Abfassung dieser Abhandlung habe ich mich iiberzeugt, dafs
Hr. B r e w s t e r die Richtnng dcr Axe in dem gekrummten Glase bestirnmt hat, indem er die einfallenden Strahlen naclt gegen die Axe
parallelen und senkrechten Ebenen neigte; und er hat gefunden, dnfs
sie der Condensation oder Dilatation des Glases parallel ist.
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theilchen jedem Grad von Geschwindigkeitsiinterschied
zwischen den ordentlichen und aufserordentlichen Strahlen entsprechen. Versuche dieser Art, bei welchen man
die Modificationen in der Anordnung der Theilchen des
brechenden Mittels nach Belieben verandern und messen
kann , werden vielleicht auf dic mechanischen Ursachen
der Doppelbreehting einiges Licht werfen.
---
IX. Ueber das Phiinomrn tier Jnterferenz zweier
Lichtstrahlen im Fdle grofser Gangunterschiede ;
oon den HH. H. Fizea u uritl L. Fo ic c a u tt.
(Compt. rend.
T. X X I , p . 1153. Ein
daselbst roitgetlieilter Auszug.)
W c n n zwei Lichtstrahlen einandcr unter den Bediugungen der Iriterferenz begegnen , und inan vergrofsert
stufenweise ihren Gangiiiiterschied, so gelangt man bald
zu einer Granze, wo das allmdig schwlcher gewordene
Phanomen aufhort wahrnehmbar zu seyn. Das Daseyn
dieser Grlnze erklart sich natiirlich durch die Nicht-Hoinogenittit der interferirenden Biindel, und wirklich liegt
sie desto ferner, als diese Bundel aus einem einfacheren
Lichte bestehen.
Indefs weist die Theorie noch eine andere Ursache
nach, die friiher oder spater den Interferenzerscheinungen
eine Grznze stecken mu€s, eine Ursache, die von der
Zusammengesetztheit des Lichts ganz unabhangig ist und
init der Art, auf welche die Lichtbewegungen vor sich
gehen, in Beziehung steht.
I n der That die Nicht-Interferenz der von verschiedenen Quellen ausgegangenen Strahlen und der zweier
Strahlen von gleichem Ursprung, die anfangs winkelrecht
23 *
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